Samstag, 4. Dezember 2010

Samstagsrezension Helga König: Der Hauptmann von Köpenick -DVD

Karl Zuckmayers Bühnenstück "Der Hauptmann von Köpenick" habe ich vor vielen Jahrzehnten in der Schule gelesen und diesbezüglich damals eine Hausarbeit angefertigt. Möglicherweise sah ich den Film bereits als Kind im Fernsehen, ich meine mich nämlich an einige Szenen erinnern zu können, speziell an jene, bei der der Schuster Wilhelm Voigt (Heinz Rühmann) als Hauptmann von Köpenick sich über seine Maskerade schier schippelig lacht.

Zum "Hauptmann von Köpenick" wurde im Grunde bereits alles gesagt und geschrieben. Ich thematisiere den Film heute auf ein "Buch lesen", weil die Quintessenz der Handlung weit über eine Kritik am preußischen Obrigkeitsstaat, auch an den Auswüchsen von Militarismus unter Wilhelm II., wie sie im Film deutlich werden, hinausgehen. Die Quintessenz ist eine Warnung vor der Hierarchiegläubigkeit, die sich seit Zeiten Kaiser Wilhelm II. kaum geändert hat. Waren es in jener Zeit der Adel und die gehobenen Beamten, wie auch die oberen Dienstgrade beim Militär, die den Menschen Erfurcht einflößten, sind es heute gekaufte oder im Internet gar gefakte Doktorentitel, mittels denen sich Menschen täuschen und zu gruppendynamischen Handlungen antreiben lassen. Insofern hat der Film in seiner dargestellten Problematik nichts an Brisanz verloren.

Die Geschichte Voigts an dieser Stelle in epischer Breite  zu erzählen, erspare ich mir, nicht zuletzt, weil man diese bei Wikipeda nachlesen kann. Rühmann spielt den Schuster, der nicht bei seinen Leisten bleibt, hervorragend. Man sieht über seine Straftaten in jungen Jahren beinahe hinweg, weil er es schafft, beim Zuschauer Mitleid zu erregen. Voigt braucht ein Dokument (einen Pass), den er auf legalem Wege nicht zugebilligt bekommt und findet als "Hauptmann von Köpenick" einen Weg, diesen zu erhalten und zwar, weil man sich über seine Gewitztheit amüsiert.

Mitleid zu erregen, durch angemaßte Titel zu täuschen und zu einem erfolgreichen Ergebnis zu gelangen, das ist die Botschaft des Films. Diese sollte man sich gut merken, um bei hinkenden Möchtegerngrafen oder- doktoren den schmutzigen Pferdefuß nicht zu übersehen, d.h. nicht auf diese Mitleid- sowie Titelmasche hereinzufallen und sich ergo nicht über den Tisch ziehen zu lassen.


Bei all dem ist freilich die harsche Kritik an der menschenverachtenden Bürokratie berechtigt, aber sie ist nicht das Hauptthema des Films, wie mir scheint.


Das Bonusmaterial enthält den Trailer, eine abgedruckte Kurzbiografie und einige Informationen zu Filmen Rühmanns. Heinz Rühmann und dessen Sohn geben dabei erhellende Interviews. Rühmann berichtet u.a., dass er ursprünglich die Rolle des Hauptmanns nicht hätte spielen sollen und zwar mit der Begründung, dass er zuvor "Charleys Tante" gespielt habe und deshalb in den Augen einiger "Ewig- Gestriger" unwürdig gewesen sei, einen Hauptmann zu mimen. Damit wird deutlich, dass zum Zeitpunkt des Drehs immer noch Menschen in den Denkstrukturen von 1906 steckten. Im Interview wird auch klar, dass es Rühmann noch in den 1950er Jahren sehr schwer hatte und in seinem Leben neben Höhen auch Tiefen erlebte. Vielleicht strahlte er deshalb so viel Herzenswärme, Milde und Nachsicht aus.

Ein toller Film. Dass die Farbqualität nicht das Niveau heutiger Filme hat, finde ich unproblematisch.





Bild: Wikipedia- de: Wilhelm Voigt, Hauptmann von Köpenick, Statue vor dem Rathaus Berlin-Köpenick



Donnerstag, 2. Dezember 2010

Helga König im Gespräch mit Lars A. Fischinger

Nachdem ich vor einigen Tagen das neue Buch mit dem Titel "Verbotene Geschichte" von Lars A. Fischinger, erschienen in der Verlagsgruppe Random House, rezensiert habe, möchte ich ein Interview mit ihm für interessierte Leser auf "Ein Buch lesen" veröffentlichen.

H.K.: Wie wird ein Coesfelder aus der Münsterländer-Region Autor? Bietet Ihre Heimat Rätselhaftes?






L.F.: Das ist eine gute Frage, denn ich wohne in einem Dorf zwischen Dülmen und Coesfeld und bin wohl der einzige Autor des Rätselhaften und Unglaublichen hier. Eine Art »schräger Vogel« der Region, der durch lokale Medienberichte immer wieder für Diskussionen sorgte und sorgt.
Als kleiner Bub interessierte ich mich schon für solche Themen. Für die Sterne, das Alte, die Vergangenheit, Aliens, UFOs, Rätselhaftes, versunkene Kulturen und alles, was irgendwie mysteriös usw. ist. Als Kleinkind erzählte mir ein älterer Verwandter sogar schon wilde – erfundene – UFO-Storys. 1989 sah ich dann eine Prä-Astronautik-Sendung am Fernsehen und stieg daraufhin umgehend in die »Szene« ein. An Erich von Däniken und seine Welt kam ich natürlich damals nicht vorbei! Damals ein weit entfernter Superstar des Mysteriösen für mich – heute ein geschätzter Kollege und Freund.
Schon 1990 begann ich dann mein erstes Buch zu schreiben. Es kam 1996 unter dem Titel »GÖTTLICHE ZEITEN« heraus und floppte wegen eines hinterhältig-betrügerischen Verlegers auf ganzer Linie, der mir aber die Freude am Schreiben und den Mut nicht nehmen konnte. Damals dachte ich: „Jetzt erst recht!“
Rätselhaft ist in meiner Region höchstens die Person Anna Katharina Emmerick, die in meinem Ort geboren wurde. Viel rätselhafter finde ich jedoch die Reaktionen der Menschen hier in meiner Umgebung auf meine Arbeit als Schriftsteller und Journalist.


H.K.: Frage: Was brachte Sie auf Ihre zum Teil umstrittenen Themen... UFOs in Gegenwart und Vergangenheit, Sekten, Geheimnisse der Welt?

L.F.: Wie gesagt: Es war 1989 das Fernsehen. Das komplexe und umfangreiche Thema Sekten – oder besser UFO-Sekten – war der Selbstmord von Heavens Gate in den USA 1996. Sie glaubten an Aliens & Co. und dass sie nach ihrem Tode in einem UFO wiedergeboren werden. Meine Beschäftigung mit dem Unfassbaren brachte mich aber im laufe der Jahre immer und immer wieder mit sektiererischen UFO-Gruppen und –Menschen in Kontakt. Mein Buch »UFO-SEKTEN« war die notwenige, persönliche Konsequenz…das 1999 erschien.

H.K.: UFOs sind nach wie vor ein heißes Eisen... Hand auf’s Herz: Ist das UFO-Phänomen real oder nur Ergebnis unseriöser Fantastereien?

L.F.: Beides! Fantasten sind OK. Aber Fantasten, die Weltbilder um das für mich reale UFO-Phänomen mit quasi Glaubensinhalten spinnen – sind zu 100 % abzulehnen! Das kann man nicht oft genug deutliche betonen! Solche Gruppen und Menschen ziehen das ganze Thema in der Öffentlichkeit in den Dreck. Ich betone aber, dass ich selber kein UFO-Forscher im Sinne von Feldforschungen bin.

H.K.: Gibt es heute wirklich noch große, ungeklärte Geheimnisse?

L.F.: OH JA! Die gibt es. Und drei Duzend davon habe ich in meinem aktuellen Buch »VERBOTENE GESCHICHTE« nachrecherchiert und dokumentiert. Die Öffentlichkeit ist blind vor diesen Themen. Kein Wunder, denn irgendwelche »Leithammel« in den Medien fabulieren gerne davon, dass es eben nichts Geheimnisvolles auf der Erde mehr gibt. Diese – das können Autoren wie ich in unseren Büchern belegen – glauben… wissen aber nicht.


H.K.: Sie berichten in Ihrem neuen Buch über eine 65 Millionen Jahre alte Kultur in Rumänien. Muss die Geschichte der Menschheit umgeschrieben werden?

L.F.: Nein! Die ganze Sache erwies sich als eine Mischung aus Phantasie und Realität, wie meine Recherchen in Rumänien ergaben. Man kann nicht immer gewinnen. Doch auch die Entzauberung mutmaßlicher Mysterien gehört eigentlich zur Arbeit eines Phänomene-Autors. Aber, wäre ich ein Verschwörungs-Fan, würde ich einfach sagen: Vor Ort wurde ich von den entsprechenden Stellen in Sachen »65 Millionen Jahre alte Tunnel« belogen. Aber das liegt mir nicht…


H.K.: Recherchieren Sie vom Schreibtisch aus... oder vor Ort?

L.F.: Beides. Vom Schreibtisch, vom Sofa, im Internet und Bibliotheken und vor Ort in aller Welt. Gespräche – die aber auch via Telefon und eMail zum Teil geführt werden können – mit den Experten vor Ort sind Pflicht bei der Arbeit an Sachbüchern.

H.K.: Was hat es mit dem Fund von Aiud auf sich?

L.F.: Wenn ich das verbindlich wüsste. Es ist ein ca. 20 Zentimeter, künstlicher »Keil« aus 94prozentigen Aluminium, der 1973 in Rumänien gefunden wurde… und der ur-ur-alt sein soll. Einige sprechen von zwei Millionen Jahren; andere von 400 Jahren. Er galt seit 1995 (erneut) als verschollen. Doch meine hartnäckigen Recherchen über Botschaften, Konsulate usw. brachten ihn 2010 wieder ans Licht. Vor Ort begutachtete ich den erstaunlichen Fund und konnte alle vorhandenen Dokumente einsehen und fotografieren. Vor Ort denken die Archäologen zum Teil sogar, dass das Objekt von Aiud außerirdisch ist. Hier liegt ein Fund, der bis heute jeglicher Erklärung standgehalten hat. Ich bleibe da am Ball – versprochen.

H.K.: Sie berichten über Dinosaurier im Dschungel Afrikas. Meinen Sie, dort könnten wirklich einige dieser Monsterwesen aus der Urzeit überlebt haben?

L.F.: Ich weiß es nicht wirklich. Es gibt auch Gegenargumente. Etwa, dass dieses Wesen Teil einer ganzen Population sein muss und es vielleicht gar nicht genug Nahrung für diese geben würde. Andererseits gibt es eine Flut an Zeugenberichten darüber, sodass ich geneigt bin, dass Wesen als real anzusehen. Beweise? Die gibt es nicht!

H.K.: Sie waren beim Papst... Konnten Sie einige Worte mit dem Heiligen Vater wechseln?

L.F.: Ja, das konnte ich. Ende 2007 lud mich der Vatikan zu einer persönlichen Audienz beim heiligen Vater ein. Grund war mein Buch »DAS WUNDER VON GUADALUPE«, was ich bei meinem Treffen mit Papst Benedikt auch dem heiligen Vater übergeben konnte. Er fand das Thema »ausgesprochen interessant« und lobte in unserem Gespräch meine Beschäftigung mit der besagten Marienerscheinung in Mexiko aus dem Jahre 1531. Die ganze Audienz dauerte nicht allzu lang, doch es beeindruckte mich, dass ich als Autor des Phantastischen vom Vatikan zu eine Papst-Treffen eingeladen wurde. Ein Bild vom Papst und mir ziert bis heute meine Wand im Wohnzimmer.

H.K: Was planen Sie für die Zukunft?

L.F: Schreiben, schreiben, schreiben – forschen, recherchieren, schreiben und schreiben… ich habe 17 weitere Sachbücher in Vorbereitung und ein Buchmanuskript ist bereits beendet. Dies liegt momentan dem Verlag vor. Sie prüfen diese Arbeit und ich hoffe auf eine Veröffentlichung. Immerhin habe ich sechs Jahre an dem Buch geschrieben. Auch erscheint 2011 mein Bestseller »HISTORIA MYSTICA« bei Heyne als Taschenbuch.
Aber es kann immer spontan mein Plan »über den Haufen geworfen« und ein anderes Buch vorgezogen werden.
Seit Sommer 2010 bin ich außerdem Autor bei Mobilebooks für die »Neue Medien« mit meiner eigenen Serie »mystery files«.

Lars, ich danke für das Gespräch.

Hier meine Rezension zu »Verbotene Geschichte« von Lars Fischinger

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