Mittwoch, 29. April 2026

Walter-Jörg Langbein zum Tod von Erich von Däniken

Zurück zu den Sternen

Bücher haben mein Leben bestimmt. Als Kind im Vorschulalter war ich fasziniert von den schwarzen Teichen auf weißem Grund, die meine Urgroßmutter zu Worten und Sätzen aufbaute, wenn sie mir vorlas. Ich konnte es nicht abwarten, selbst lesen zu können. Als ich endlich diese geheimnisvolle Kunst beherrschte, da entführte mich Karl May in seine Welten der Abenteuer.

Gern hätte ich wie Karl May in seinen wunderbaren Romanen die Welt erkundet, Abenteuer bestanden und in eigenen Worten zu Papier gebracht. Und schließlich wurde mir klar, ich wollte unbedingt Bücher schreiben, die von anderen Menschen gelesen werden konnten. Und dann begegneten mir Erich von Dänikens Weltbestseller!

1968 war ich in unserem Klassenzimmer für die »Bibliothek« zuständig, die in einem Schrank untergebracht war. Auf Wunsch vieler Mitschüler wurde »Erinnerungen an die Zukunft« angeschafft. Zum Wochenende wurde mir das Buch mit dem »Astronauten« auf dem Cover ausgehändigt. Ich war der erste, der das Werk ausgeliehen hat. Ich las es und wurde mit der Dänikenitis infiziert. Jetzt war mir klar: Ich wollte die Welt bereisen und die größten Geheimnisse unseres Planeten selbst in Augenschein nehmen, darüber schreiben. Aber bis dahin sollten noch viele Jahre vergehen! Durch »Erinnerungen an die Zukunft« wurde mein Lebensweg bestimmt. Ganz zu schweigen von Erich von Däniken, dem ich mein Leben lang folgte. Doch genug von mir geredet!

Erich von Däniken.
Foto
Walter-Jörg Langbein

Erich von Däniken ist tot. Er verstarb am 10. Januar 2026 im 91. Lebensjahr. Ich weine um einen Freund, um einen wirklichen Freund. Wir waren befreundet, wir sind befreundet und wir werden es immer bleiben. Wahre Freundschaft hat kein Verfallsdatum. Sie überdauert auch das, was wir Tod nennen.

Als mein Bruder Volker am 4.9.2024 starb, tröstete mich Erich mit wenigen Worten: »Der Tod ist nicht das Ende. Das ist gewiss: Es geht weiter.« In meiner letzten Mail schrieb ich an EvD: »Ich weiß nicht wo, ich weiß nicht wann: Wir sehen uns wieder, irgendwann!«

Seine Schulkameraden nannten Erich »Papa«, weil er schon damals unglaublich fürsorglich und hilfsbereit war, weil man schon damals in EvD stets einen aufmerksamen Zuhörer fand, dem man seine Sorgen anvertrauen konnte. Und der geholfen hat, wo und wie er nur konnte.

Jahrzehnte später vertraute mir EvD sein Lebensmotto an: »Hilf, wo du kannst und tritt bescheiden auf.« So war er, mein Freund Erich. Und ich weine um ihn.
Erich von Däniken war nicht nur ein wirklich großer Schriftsteller und Forscher, er war auch menschlich ein Riese!

Anno1968 traten die »Astronautengötter« in mein Leben, bei der A.A.S. bin ich seit 1975 mit dabei! Als Gymnasiast, später als Student begleitete ich Erich von Däniken (oft zusammen mit seinem damaligen Mitarbeiter Willi Dünnenberger) auf Vortragstourneen durch Österreich, Deutschland und die Schweiz. Highlights waren die Weltkonferenzen der A.A.S., zum Beispiel in Zürich 1975 referierten u.a. Jacques Bergier, Peter Krassa und Sergius Golowin. Im Jahr darauf ging es nach Crikvenica, Jugoslawien. Referenten wie Josef Blumrich (NASA), Prof. Dr. Harry Ruppe und Andrew Tomas, Australien, faszinierten.

Allen Zeitgenossen, die als Fundamentalisten von der Richtigkeit der eigenen Religion überzeugt sind, sei folgendes Gedankenspiel empfohlen: Außerirdische observieren unseren Planeten und erkunden die unterschiedlichen Religionen. Mit wissenschaftlicher Akribie vergleichen sie nun die unterschiedlichsten Konfessionen.

1968 erschien das Buch, das mein Leben bestimmen sollte: »Erinnerungen an die Zukunft« von Erich von Däniken. Anno 1968, ich war damals 14, verging kaum eine Schulstunde, in der nicht auf die »kühnen Thesen dieses Schweizers« eingegangen wurde. Ich jedenfalls war Feuer und Flamme. Ich musste selbst ein Buch schreiben und beschloss damals: Mein Buch würde eine Chronik unserer phantastischen Vergangenheit sein. So begann ich noch 1968, an meinem ersten Buch zu schreiben: »Astronautengötter/ Versuch einer Chronik unserer phantastischen Vergangenheit«.

Ich fürchte, dass der erste Eindruck, den ich auf Erich von Däniken machte, nicht wirklich der beste war. So bombardierte ich ihn schon 1968 und in den folgenden Jahren mit »eingeschriebenen Expressbriefen, eigenhändig«, die wohl nicht immer zur Freude des nachtaktiven Bestsellerautors zu frühmorgendlicher Stunde von eifrigen Postzustellern angeliefert wurden.

Erich von Däniken aber erkannte meine jugendliche Begeisterung und antwortete stets geduldig. In den Jahrzehnten seit 1968 hat mir kein zweiter Schriftsteller so kompetent, kameradschaftlich und hilfreich zur Seite gestanden wie er. Ich kann ihm gar nicht genug dafür danken! Durch ihn lernte ich die fantastischen Geheimnisse unseres Planeten kennen: von Ägyptens Pyramiden bis zu den Tempeln Maltas, vom Nemrud-Berg der Türkei bis zu den Kulten der Südsee. Und mehr noch: Er war für mich – und ist es noch heute – der Vater, so wie ich ihn mir erhofft hatte.

Ich selbst durfte auf Weltkongressen der A.A.S. Vorträge halten, erstmals am 27. Juli 1978 in Chicago, Illinois. 1979 war das Jahr der Entscheidung für mich. Am 14. Juni 1979 berichtete ich in München über »Die Sache mit den Urtexten« – und beschloss, mein Theologiestudium abzubrechen. In München fand sich nach meinem Vortrag ein Verleger für mein erstes Buch – »Astronautengötter«, den leider allzu früh verstorbene John Fisch.

1979 lernte ich – durch meinen Vortrag bei der A.A.S. – meine Frau Barbara kennen und lieben, mit der ich seit fast 50 Jahren zusammen bin. Und das immer noch glücklich, glücklicher denn je.
Ich fürchte, ich habe die Nerven meiner Frau in den vergangenen Jahrzehnten mit meiner Schreiberei gar manches Mal arg strapaziert. Zu meiner Verwunderung aber sind wir heute noch ein Paar. So verdanke ich mein Lebensglück EvD! Das alles und noch viel mehr verdanke ich Erich von Däniken! Zu meiner Verwunderung aber sind wir heute noch ein Paar.

Auch in der DDR sorgte Erich von Däniken für Furore, obwohl schon sein Erstling gar nicht so leicht zu bekommen war. Da schilderte doch dieser Däniken, wie er Material für seinen Weltbestseller gesammelt hat, auf Reisen von Ägypten bis Zentralamerika! Reisen um die Welt waren damals für den DDR-Bürger ohne Sonderprivilegien ebenso unrealistisch wie ein Wochenendtrip zum Mond. Als anno 1968 mit der Mondlandung der Amerikaner die Tür zum Kosmos einen kleinen Spalt geöffnet worden war, fragten sich viele Menschen weltweit, ob Däniken nicht vielleicht doch recht hatte. Sollte es einer Jahrtausende, ja vielleicht Jahrzehntausende älteren Zivilisation vielleicht schon in grauer Vorzeit möglich gewesen sein, interstellar zu reisen? Pioniere der Weltraumforschung wie Hermann Oberth und Eugen Sänger spekulierten schon lange von interstellaren Raumflügen.

In seinem Werk »Raumfahrt« stellte Prof. Eugen Sänger schon 1958 Überlegungen über Besucher von anderen Sternen auf der Erde in der Vergangenheit an. Er schreibt (Fußnote 1): »Der Wunsch, nach den Sternen zu greifen, ist so alt wie die Menschheit selber... Der Gedanke der Raumfahrt erscheint daher am frühesten schon in der prähistorischen Menschheitsperiode in den Göttermythen und Sagen.« Entstand also der Wunsch nach Raumfahrt aus Mythen der Vorzeit und aus alten heiligen Büchern der Völker, weil die Menschen davon träumten, in die Tiefen des Alls vorzudringen? Wurden also schon vor Jahrtausenden fiktive »Raumfahrergeschichten« formuliert?

Prof. Sänger hält das für unwahrscheinlich. Er geht vielmehr von Erinnerungen an reale Ereignisse aus (Fußnote 2): »Es erscheint uns heute fast wahrscheinlicher, dass unsere Vorfahren diese Vorstellungen aus realen Erfahrungen bei der Begegnung mit prähistorischen Besuchern aus dem Weltraum erwarben, als dass eine ans Unglaubwürdige grenzende Zukunftsschau sie ihnen schon vor Jahrtausenden auf wunderbare Weise geoffenbart hätte.« Der Raumfahrtpionier betonte vor mehr als einem halben Jahrhundert, dass entsprechende Hinweise nicht etwa nur bei einzelnen Völkern oder Religionen vorkommen, »sondern praktisch bei allen Völkern der Erde in sehr ähnlicher Weise auftauchen«. Schließlich listet Prof. Sänger einige Indizien für Besuche der »Astronautengötter« auf, die Jahre später sozusagen zum Kanon der »Prä-Astronautik« gehören sollten (Fußnote 3):

»Tatsächlich berichtet nicht nur die Bibel vom Propheten Elias, er sei auf einem von Flammenrossen gezogenen Donnerwagen gen Himmel gefahren, nach mexikanischen Mythen erhielten die Maya den Besuch eines Gottes aus dem Weltraum, die Begründer der peruanischen Inkadynastie kamen vom Himmel...« Weiter schreibt Prof. Sänger: »Die bei Ninive gefundene Tontafel Assurbanipals mit der Kunde von dem Himmelsflug des sumerischen Königs Etam um 3200 v. Chr. bis in solche Höhen, dass ihm die Länder und Meere der Erde nicht größer erscheinen als ein Laib Brot, mag auch hierher gehören, ebenso wie die aus der Zeit um 155 v. Chr. stammende bekannte griechische Sage von Ikarus und Dädalos und die entsprechende germanische Sage von Wieland dem Schmied.«

Schließlich blickt Raumfahrtpionier Sänger in die Zukunft: Die »Erinnerung an die Fähigkeiten außerirdischer Wesen« habe im Menschen den Wunsch verstärkt, »selbst Raumfahrt zu treiben«. Es ist bemerkenswert, dass ein Pionier der Raumfahrt wie Prof. Eugen Sänger den durchaus möglichen Hintergrund von Mayamythologie erkennt: dass Götter der Mayas tatsächlich außerirdische Astronauten gewesen sein können, die vor Jahrtausenden zur Erde kamen.

Nach altindischen Epen kamen vor Jahrtausenden gigantische Weltraumstädte aus den Tiefen des Universums zur Erde. Sie erzeugten bordeigene Schwerkraft, indem sie sich um die eigene Achse drehten.

Für den »Vater der Weltraumfahrt« Prof. Dr. Dr. Hermann Oberth gab es keinen Zweifel: Irgendwann einmal in der Zukunft würde der Mensch riesige Weltraumstädte bauen und mit ihnen in die Weiten des Universums vordringen. Irgendwann einmal, daran gab es für den Pionier der Weltraumfahrt keinen Zweifel, würden die Weltraumkolonisten von Planet Erde in fernen Sonnensystemen ankommen: »Am Ziel würden die Nachfahren der einst von der Erde ausgezogenen Menschen neue Planeten erforschen und für ihre Nachkommen erschließen. Die Erinnerung an die alte Erde, die für sie in den Tiefen des Weltraumes versunken sein würde, wäre nur noch schwach und unwirklich, und die auf Mikrofilme und Tonbänder gebannte Geschichte der irdischen Menschheit klänge diesen Weltraumfahrern nicht anders als ein geheimnisvolles Märchen aus dem sagenhaften Reich der Toten.«

Warum aber, so fragte sich der Vater der Weltraumfahrt, würden Menschen das Abenteuer Weltraum wagen? Die Antwort setzte er 1954 an den Schluss seines weitsichtig-prophetischen Werkes »Menschen im Weltraum« (Fußnote 4):
»Wer das faustische Streben nicht kennt, dem kann man auf diese Frage nicht antworten, und wer es kennt, der weiß die Antwort selbst. Ihm ist es selbstverständlich, alles Erforschbare zu erforschen, alles Unentdeckte zu entdecken, mit den Bewohnern anderer Welten in Verbindung zu treten. Denn das ist das Ziel: Dem Leben jeden Platz zu erobern, auf dem es bestehen und weiterwachsen kann, jede unbelebte Welt zu beleben und jede lebende sinnvoll zu machen.«

Erich von Däniken machte die Theorie von Astronauten, die in grauer Vorzeit zur Erde kamen und als »Götter« verehrt wurden, weltweit populär. Seit über einem halben Jahrhundert publiziert er – zunächst in Zeitungen und Zeitschriften – seine faszinierenden Gedanken. Immer wieder tauchten »Skeptiker« auf, die immer wieder verkündeten, diesen Schweizer nun endgültig »widerlegt« zu haben. Erich von Däniken aber blieb, arbeitete und publizierte weiter. Die selbsternannten »Antidänikens« blieben ohne erkennbare Wirkung und sind längst wieder in der Versenkung verschwunden.

Werden sie eine bestimmte Religion zur richtigen erklären und alle anderen als »Irrglauben« abkanzeln? Wohl kaum. Vermutlich werden sie über alle irdischen Glaubensformen bestenfalls milde lächeln und keinerlei qualitativen Unterschied erkennen zwischen Glaubensrichtungen von der »altkatholischen Kirche« bis zum »Zaratthustrismus«, zwischen ägyptischen Religionen und Wuismus (China). Sollte Erich von Däniken recht haben, dann irren alle Glaubensfanatiker. Dann gab es einst in grauer Vorzeit Besucher aus dem All, die für »Götter« gehalten wurden. Sollte sich das bewahrheiten, verlieren alle Fundamentalisten die Basis ihres Glaubens. Und dann sollten die ewigen Religionsstreitereien ein und für allemal ein Ende finden.

Es ist ein Trauerspiel: Was man für DIE wahre Religion hält, hängt vom zufälligen Geburtsort ab. Und die religiöse Rechthaberei führt schon seit Jahrtausenden zu blutigsten Gemetzeln, wobei jede Rechthaberei damit begründet wird, dass man ja DEM richtigen Gott zum Sieg verhelfen müsse. Das muss ja ein schwächlicher Gott sein, der sich nicht selbst als höchste himmlische Autorität durchsetzen kann, sondern auf hasserfülltes Gegeneinander der Menschen angewiesen ist!

Wenn nun die »Götter« Astronauten waren, welche Konsequenzen hat dies auf religiöse Glaubenswelten? Erich von Däniken in seinem Schlusswort zu seinem dritten Bestseller »Aussaat und Kosmos« (Fußnote 5): »Soll man Tempel sprengen, Kirchen schleifen? Nie und nimmer. Wo Menschen sich zusammenfinden und den Schöpfer preisen, empfinden sie eine wohltuende stärkende Gemeinsamkeit. Wie vom Ton einer Stimmgabel angerührt, schwingt gemeinsame Ahnung von etwas Großartigem in Raum. Tempel und Kirchen sind Orte der Besinnung, Räume des gemeinsamen Lobes für das Undefinierbare, für ES, das wir behelfsweise Gott zu nennen gelernt haben. Diese Versammlungsstätten sind notwendig. Der Rest aber ist überflüssig.«

Erich von Däniken schrieb schon in seinem ersten Weltbestseller »Erinnerungen an die Zukunft« (Fußnote 6): »Der Mensch hat eine grandiose Zukunft vor sich, die seine grandiose Vergangenheit noch überbieten wird. Wir brauchen Weltraumforschung und Zukunftsforschung und den Mut, unmöglich erscheinende Projekte anzupacken. Zum Beispiel das Projekt einer konzentrierten Vergangenheitsforschung, das uns kostbare Erinnerungen an die Zukunft bringen kann. Erinnerungen, die dann bewiesen sein werden und ohne den Appell, an sie glauben zu sollen, die Menschheitsgeschichte erhellen. Zum Segen künftiger Generationen.«

Erich von Däniken ist tot. Er starb am 10. Januar 2026 im 91. Lebensjahr. Sein Lebenswerk aber bleibt bestehen. Er hat die ferne Vergangenheit studiert und entdeckt, dass wir durch das Studium der uralten Geheimnisse von »Terra Mysteriosa« einen Blick in die nahe und ferne Zukunft werfen können. Wir wurden einst von Wesen aus dem All besucht, die ihren Heimatplaneten verlassen haben, um in die Weiten des Universums vorzudringen. Genauso wird der Mensch, wenn er sich bis dahin nicht ausgelöscht haben wird, Planet Erde verlassen und den »Astronautengöttern« zu den Sternen folgen. Die Erde ist unsere »Kinderstube«. Niemand bleibt da sitzen, jeder bricht ins Unbekannte auf.

Das ist die kosmische Botschaft von Erich von Däniken! Das sind seine »Erinnerungen an die Zukunft«.

Erich von Däniken entführt uns zu den Sternen. Ich bin überzeugt: die ersten Raumfahrtpioniere werden »Erinnerungen an die Zukunft« und «Zurück zu den Sternen« an Bord haben.

Unterwegs auf Vortragstourne,
Erich von Däniken, Willi Dünnenberger und Walter-Jörg Langbein.
Foto Selbstauslöser

 Mit EvD
auf dem mysteriösen Nemrud-Berg,
Türkei. Foto Ilse Pollo


 Gute Stimmung... Foto Willi Dünnenberger

 Fußnoten

Fußnote 1: Sänger, Eugen: »Raumfahrt – technische Überwindung des Krieges«, Hamburg 1958, S.124+125
Fußnote 2: Ebenda, Seite 124
Fußnote 3: Ebenda Seite 125
Fußnote 4: Oberth, Hermann: »Menschen im Weltraum – Neue Projekte für Raketen- und Raumfahrt«, Düsseldorf 1954
Fußnote 5: Däniken, Erich von: Schlusswort zu »Aussaat und Kosmos«, 1972
Fußnote 6: Däniken, Erich von: »Erinnerungen an die Zukunft – Ungelöste Rätsel der Vergangenheit«, Düsseldorf und Wien, 1968, Seite 221



Dienstag, 14. April 2026

9. Leseprobe: Der Anwalt, der Kinderschänder und der Mörder

wobei ich doch alles persönlich nehme

… »Es ist völlig normal, entnervt zu reagieren. Genau dann wenn festgestellt wird, dass man irgendwie Mist gebaut hat. Und natürlich dann, wie ich es auch tue, sich darüber zu ärgern. In dem konkreten Fall war das einfach darin begründet, weil ich mal wieder, natürlich nur wieder typisch für mich, als nützliche Idiotin funktioniert habe. Es ging nicht um eine fremde Macht oder irgendeine Ideologie. Es war eine Bitte, mit der sich ein Anwalt an mich wandte. 

Es ging damals um den Prozess, der zu dem Zeitpunkt noch geführt wurde. Es ging um den Ehemann. Als Jäger wusste er schon, wo er bei seiner zweiten Ehefrau zustechen musste. Die Klinge war seinerzeit 15cm lang, Edelstahl und die Klinge war scharf. Er stach in den Schulter-Hals-Bereich, gleich zweimal. Einer der Stiche sollte eine Arterie verletzen. Flucht war ihr nicht möglich, darum traf ein weiterer Stich im Rücken ihre Lunge. So konnte sie nur noch Blut einatmen.  Es fiel ihm nicht schwer, sie in die Badewanne zu stoßen. 

Das Jagdmesser legte er in das Waschbecken, setzte sich auf den Deckel der Toilette und redete mit ihr. Sie konnte nicht mehr sprechen, ihre Augen waren weit aufgerissen und sie kämpfte um ihr Leben. Den Kampf hatte sie irgendwann verloren. Es waren Minuten, die aber für sie zu einer Ewigkeit wurden. Vermutlich für alle, die so sterben müssen.

Als sie tot war, erhob er sich. Über ihr Gesicht warf er ein Handtuch. Er wusch sich die Hände und lies das Wasser auch über das Messer laufen. Er hatte keine Lust, es zu reinigen. Die Polizei braucht das, es sah aber auch gut aus, ihre Haare waren direkt auf dem Messer zu sehen, so dachte er. 

Nun wusste ich, dass er seine Ehefrau tötete, wie er das aber getan hat, wusste ich nicht.
Zu dem Zeitpunkt hatte er eine Geliebte, die ihrerseits vorhatte, ihren Ehemann zu verlassen. 

Kontakt habe ich damals mit einem kompetenten »Sprachprofiler«, dessen Arbeitsgebiet die kriminalistische Analyse von Schriftstücken, die er auf verräterische Sprachspuren untersuchte. Was der Anwalt des Täters erfuhr und mich darum bat, das vom Ersuchen des Landgerichtes erstellte psychiatrische Gutachten, dem renommierten Profile zum »überlesen« zukommen zu lassen. Der Fachmann war natürlich interessiert. 

So erhielt ich per Mail die 38 Seiten des Gutachtens, was ich umgehend an den entsprechenden Fachmann weitersendete. Gedanken darüber, dass vielleicht Verschwiegenheitspflicht des Rechtsanwaltes bestand, machte ich mir nicht. Außerdem gilt für Gerichtsgutachten, dass das staatliche Interesse an der Sachaufklärung überwiegt. Er hatte das Gutachten schnell gelesen. Er rief mich an, sprach von der Geliebten, meinte, sie sei wohl meine beste Freundin und eigentlich müsste sie neben dem Mörder sitzen. Alles Weitere würde er mit dem Anwalt besprechen. 

Spätestens nach diesem Telefonat wäre es richtig gewesen dieses Gutachten zu lesen, zumal, dass ich ihre Freundin gewesen sein sollte, wusste ich nicht. Dass sie neben ihm hätte sitzen müssen, wurde mir viel später nach der Lektüre auch klar. Warum ich das nicht gemacht habe, weiß ich nicht mehr. Aus meiner Sicht viel zu spät kam die Einsicht. Es war schon ein großer Wust, der auf mich wirkte. Zu der Erkenntnis, dass es nicht gut ist, sich mit Mördern anzulegen, kam mir auch sehr spät. 

Jetzt kommt natürlich die Frage, was dieser Mörder und seine Geliebte mit dem Kinderschänder, dessen Frau und deren Anwalt zu tun haben. Natürlich lernten die sich kennen und eine gemeinsame Feindin hatten die mittlerweile auch: das war ich! Von außen betrachtet, unterscheiden sich die Persönlichkeiten ganz deutlich. Wie es auch schon im 4. Jahrhundert v. Chr. als Militärstrategien verwendet wurde: »Der Feind meines Feindes ist mein Freund«. So einfach ist das. 

Für mich ließ sich das deutlich in diesem Gutachten erkennen, was ich mir irgendwann vornahm. Es wurde ein Abschiedsbrief handschriftlich von dem Täter erstellt. Betitelt als »Meine letzten Worte«, lies er seine Wut auf seine Frau aus. Dann wäre sein Kind, sein Junge, vor einiger Zeit vergewaltigt worden. Danach war der Junge nur noch ein Mama-Kind und er hatte ihn verloren. Es wäre ein junger Mann gewesen, dessen Eltern gehörte eine Firma. Mit denen habe er ein gutes Verhältnis gehabt. Sie nahmen das Ganze auf ihre leichte Schulter. Darum wurde diese Sache nicht zur Anzeige gebracht. 

Später fand in der JVA eine Untersuchung statt. Es war eine »Vorgeschichte«. Irgendwann, mit der Bemerkung: »Ganz vergessen – Er habe noch gar nicht erzählt« erwähnte er, den Missbrauch von seinem Sohn vor drei Jahren, aber der Täter war unter 14, ein jugendlicher Erntehelfer, Sohn eines Jagdfreundes von ihm. Sein Sohn hatte sich ihm offenbart. Die Mutter des Sohnes habe ihn vor heftigen Reaktionen abgehalten. Der Hausarzt hat entsprechenden Verletzungen bei dem Kind festgestellt. Zu einer Anzeige sollte es nicht kommen, wie sich entsprechenden Psychologen äußerten. 

Aus meiner Sicht war es natürlich nicht mehr möglich, dazu eine klare Aussage zu finden. Der Junge wird schweigen, seine Frau lebt nicht mehr, die kann dazu auch nichts mehr mitteilen. Er ist eh davon ausgegangen, dass er vielleicht 4 Jahre Knast bekommen wird. Davon sitzt, bzw. liegt er etwas über 2 Jahre. In der Zeit wollte er seinen Krebs behandeln lassen. Er kannte sich aus, es war der zweite Mal, dass er Krebs hatte. Nun hatten die zuständigen Richter/innen dieses Gutachten schon vor mir gelesen. Mit dem, was dort noch so stand, erhielt er eine 10-jährige Haftstrafe für den Totschlag an seine Ehefrau. 

Wenn ich mich richtig entsinne, ist er nach der Halbstrafe, also Haftstrafe nach Verbüßung der Hälfte der Zeit, vorzeitig entlassen worden. Zu seiner Geliebten wollte oder konnte er nicht ziehen. So erhielt er eine Wohnung direkt in meinem benachbarten Dorf. 

Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, dann hätte ich mit Sicherheit ganz früh den Kontakt zu dem späteren Mörder und seiner Geliebten abgebrochen. Damit würde ich mir viel Ärger und auch Gesundheitsschädigung ersparen können. Der Anwalt, der Kinderschänder, der Mörder und das Umfeld richten gemeinsam deutlichen Schaden an und haben das tatsächlich auch gemacht …«


Bei diesem Werk handelt es sich um einen Kriminalroman. Etwaige Ähnlichkeiten oder Namensgleichheit mit real existierenden Menschen wären rein zufällig. Alle beschriebenen Handlungen sind an die Realität angelehnt.

Unter dem Pseudonym - Tuna von Blumenstein - hat die Autorin fünf Kriminalromane veröffentlicht:

»Der Mörder und der Kinderschänder« 2025
 
ISBN: 9783769325911
Im Buchhandel erhältlich
 
Bei Thalia
und
Krimis der Tuna vB auch als eBook

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