… und Bilder, über die der Pförtner wacht, schleichen
durch die Kellertür…
»… Es sind diese Worte »artig« und »anständig«. Sie
wurden benutzt wie Geschosse und trafen mich, ließen mich artig, anständig,
pflegeleicht sein und waren verantwortlich für die größten Fehler meines Lebens.
Jetzt brauche ich keine Geschichten erfinden, ich schreibe so, wie ich die
Begebenheiten erlebt habe. Natürlich bekomme ich »von manchen« etwas »anderes«
zu hören, oder auch sogar geschrieben, aber das ist immer deren Sicht der
Dinge. Es kann halt nicht wertfrei sein.
Das macht mich auch nachdenklich. Kann alles eine
Mischung aus Dichtung, Wahrheit, sogar Lüge sein?
Eine Dichtung könnte frei erfunden sein. Nun habe ich erlebt,
was ich aufschreibe, es hat alles einen Hintergrund.
Wahrheit ist ein relativer Begriff, auch abhängig vom
Standpunkt des Betrachters. Darum kann ich, nur so wie Du auch, den eigenen
Standpunkt darstellen.
Lüge ist es bestimmt nicht. Das Leben schreibt die
tragischsten Geschichten.
Außerdem habe ich kein Interesse an schöngefärbten
Geschreibe, oder färbe ich doch schön?
Frag den Kinderschänder oder seine Ehefrau. Beide würden
dir sagen, dass sie Opfer einer Intrige seien. Frag die Geliebte des Mörders
und auch ihren Ehemann. Sie würden sagen, dass auch sie Opfer seien, was sie ja
übrigens auch ständig mitteilen, wem auch immer. Frage wen Du willst, jeder
schildert es dir anders, eben, jeder aus seiner Sicht. Dabei scheine ich
irgendwie, wohl im Moment, die Betreffenden zum Schweigen gebracht zu haben. Außerdem
lebt der Mörder nicht mehr – das war ich aber nicht! Was lege ich mich auch mit
solchen Typen an!
Eigentlich gibt es in der Tat ein entsprechendes
Strafgesetzbuch (StGB), auch sogar § 176 Sexueller Missbrauch von Kindern!
Es soll tatsächlich so sein, dass in Deutschland 50
Kinder am Tag missbraucht werden, alle 30 Minuten ein Kind. Da die Quelle dafür
sowohl BKA, als auch FAZ sind, können wir das durchaus glauben. Kein Täter darf davon kommen!
BKA war sogar ganz engagiert, Zitat: »Im Phänomenbereich des sexuellen Missbrauchs hat das BKA eine so genannte Zentralstellenfunktion
...« Wobei es da: PMK – rechts / links / ausländische Ideologie / PMK –
religiöse Ideologie / Islamismus und dann noch sonstige Zuordnung gibt. Vermutlich Kindermissbrauch ist »bei sonstigen« zu finden.
Irgendwie ist ganz simpel ein Phänomen auch einfach
schlicht die Erscheinung, kann auch ein Wunder oder Rätsel sein. Irgendwann, jetzt
nach dem ganzen Desaster, erinnerte ich mich. Irgendwie schien, dass der
Pförtner nicht mehr Acht gab auf die Bilder, die er sonst bewachte und die sich
auch irgendwann und irgendwie durch die Kellertür schlichen:
»… du träumst, träume nicht! …«
Die Stimme meiner Mutter, klar und deutlich, dabei,
manchmal, der obligatorische Schlag in den Nacken der mich traf, der mich aus
meinen Tagträumen riss. Wenn ich es mir recht überlege, was hatte ich damals
schon außer meinen Tagträumen, die mich in eine andere, eine heile andere Welt
entrücken ließen. In der alles wohlgeordnet war, in der ich meinen Platz hatte,
fest und besonders. Schon damals habe ich sie mir nicht nehmen lassen und habe
immer wieder geträumt und wurde immer wieder aus ihnen gerissen.

Dann könnte das Erleben mit den Tätern einfach nur Teil meiner
Tagträume gewesen sein? Das würde bedeuten, ich hätte nur »Schlechtes«
geträumt? Als hätte ich den Hass gegen mich nicht schon erlebt. Damals - wir
waren jung und das Geld passte auch und irgendwie war es anders im Iran. Da
führte noch der Schah die Regie. Was so genau dort gebaut wurde … ob das damals
überhaupt jemanden interessierte, bestimmt heute auch niemanden. Es gab dort
auch kein Konto im Iran, dafür aber hier und das füllte sich uns gut und noch
besser.
Dummerweise wurde ich als Iranerin gehalten. Ich war eben
nicht blond und blauäugig. Männer konnten fast alles machen was sie wollten.
Eine Frau nicht. So konnte ich sehen, erkennen in den Blicken, weniger von
anderen Frauen, ausnahmslos von Männern, ihren Hass. Sogar hatte es auch Versuche
gegeben, mich anzugreifen - da habe ich Glück gehabt.
Andere Frauen hatten das nicht. Die wurden mit Säure
beworfen und auch mit Steinen. Damit wurde auch bei mir versucht, aber ich
wurde nicht getroffen - da hatte ich wieder Glück. Ich konnte flüchten, zurück
in meine Heimat, die meisten Iranerinnen konnten das nicht. Konnten nicht flüchten.
Die mussten in ihrer Heimat bleiben. In den vergangenen Jahrzehnten ist es dort
weder schön noch besser geworden.
Diesen Hass, den ich erlebte, habe ich nicht vergessen.
Der ist mir auch hier begegnet. Den konnte ich erkennen und er machte mich
vorsichtig, was man mir so gar nicht ansah. In all meinen vergangenen Jahren,
sogar bis jetzt, hat danach keiner gesagt, dass ich da etwas gut gemacht, weil
ich etwas Weiteres verhindert habe. Auch nicht bei diesem Lehrer, damals. Der
seine Finger nicht von den Kindern lassen konnte. Es waren viele froh, dass es
endlich vorbei war. Andere nutzten das. Ganz einfach ging das sogar. Sie
schrieben einfach, dass sie traurig waren, dass er gehen musste und es wurde
einfach unterschrieben. Weil er wiederrum schrieb, welches der Kinder noch zum
Gymnasium gehen durfte. So einfach war das.
Was war denn mit dem Blick? Die einen konnten mich nicht
ansehen, die anderen sahen mich voller Hass an. Weil ich gehasst wurde. Es gibt
dann Sinn, einfach zu gehen. Der Hass ist mir danach tatsächlich wieder
begegnet. Zuerst habe ich das nicht verstanden - Hass mit Verachtung, das geht
auch. Es kam und auch kommt bei mir an, es schmerzt verachtet zu werden.
Ich habe ihn gesehen. Es war ein Knabe, es war ein Kind,
es war keines von ihm, dem Mann, aber er liebte dieses Kind und er stand mit
diesem Kind in einer Ecke, wo er, und geschützt von den Blicken anderer, diesen
Jungen eng an sich gezogen hatte, ihn fest hielt mit einem Arm und der anderen
Hand über den Kopf des Jungen streichelte und zu ihm klar verständlich sprach,
dass sie Geheimnissen haben werden, dass er niemals anderen von ihren Geheimnissen
erzählen darf und er einen Anfang einer großen Beziehung beginnen
wollte. Und das sollte auch geschehen, noch viel mehr versuchte er.
Natürlich, aus meiner Sicht, habe ich ihm die Tour vermasselt,
weil ich der Polizei das berichtete, meinte, dass etwas dagegen zu tun ist.
Dachte ich. Dabei gehörte das bis heute zu einem größten Fehler meines Lebens.
Denn dafür bestrafte mich dieser Mann zusammen mit seiner Frau. Die mich dafür hassten, die das als Verrat von mir sahen. Auch sie unternahm
vieles gegen mich, was ich irgendwie erst nicht verstand, später schon etwas, was
ich aber eigentlich auch nicht verstehen muss.
Wobei ich mich oft frage, ob es vielleicht wirklich besser
ist, wegzuschauen.
Es war nicht nur der Hass, der mir begegnete. Es waren
nicht wie im Iran die Steine die flogen. Es war der Versuch, mich direkt
anzugreifen. Eigentlich steht es mir zu, mich bei Angriffen zu wehren. Das ist
vorher schon geschehen. Bereits im Jahr davor und das habe ich nur knapp
überlebt. Dabei bin ich angegriffen worden. Konnte nicht mehr sprechen, konnte
nicht schreiben, saß im Rollstuhl aber habe es überlebt.
War es viel Geld um das es ging, oder um den Versuch, ein Kind zu missbrauchen, das, was ich versucht habe zu verhindern. Dafür sollte mir der Prozess gemacht werden, so bemühte sich auch der Anwalt, selbst auch die
Enkelin des Kinderschänders und seiner Ehefrau. In der Zeit habe ich
verzweifelt um Hilfe gebeten, weil ich die auch brauchte. Wenn so etwas
geschieht, was eigentlich nicht getan werden darf, was geschieht mit den
Opfern, wenn schon das mit mir möglich war.
Was war das mit dem Prozess, der mir drohte, der auch
tatsächlich stattfand. Es wurde Zivilcourage bestraft.
Wobei, ich sage dir was, froh bin ich, dass es keine Scheiterhaufen
mehr gibt. Da hätte ich glatt als Hexe geendet. So wurde nur versucht, was
tatsächlich zum Teil gelungen war, mir großen Schaden zuzufügen.
Dabei half dem Pädophilen auch ein Anwalt, um noch mehr
Macht zu erlangen. Das ging, denn er wusste, wie er mich verklagen konnte. Die
Macher haben Ahnung. Dabei habe ich den Kinderschänder doch nur erwischt. Was soll ein missbrauchtes Kind machen? Es sind
»Geheimnisse«, die für die Kinder gelten, wehe, sie wollen darüber sprechen,
was sie als Missbrauch ertragen mussten und noch weiterhin müssen. Dann können
auch seine Schläge nachhelfen, das sorgt für das Schweigen der Opfer. So legt der Kinderschänder das Tuch über seine Taten und
traumatisiert damit die Kinder. Mir scheinen auch damit die Tagträume verloren
gegangen zu sein.
Kein Täter darf davonkommen! Auf diese Art und Weise
sicher nicht! …«