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Sonntag, 4. November 2012

146 »Das Geheimnis vom Leistruper Wald«

Teil 146 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Was schlummert unter dem
Gestrüpp bei Machu Picchu?
Foto: W-J.Langbein
In Zentralamerika kroch ich manches Mal durch dichtes Urwalddickicht ... auf der Suche nach steinernen Zeugnissen aus uralten Zeiten. In Ecuador quälte ich mich über schlammigen Morastboden ... auf der Suche nach verschollenen Pyramiden. Bei Machu Picchu in den Anden Perus spähte ich nach überwucherten Wegen zu vergessenen Heiligtümern. Und in der Bretagne bestaunte ich Tausende Menhire, die zu schier endlosen Reihen angeordnet worden sind ... vor Jahrtausenden.

In der Umgebung von Machu Picchu soll es noch unentdeckte Ruinen geben ... seit Jahrhunderten überwuchert ... Aber man muss nicht in die Ferne schweifen, um Rätselhaftes zu erkunden ...

Durch Zufall erfuhr ich, dass es sozusagen vor meiner Haustür einen Wald gibt, der bis heute ein steinernes Rätsel hütet ... Bekannt sind die Externsteine bei Detmold. Ein Touristenziel erster Güte ist das »Hermannsdenkmal«, das an den Sieg des Cheruskers über die Römer vor zwei Jahrtausenden erinnern soll. Wer aber kennt den Leistruper Wald bei Diestelbruch, wenige Kilometer östlich von Detmold? Wer weiß, dass hier einst Steinsetzungen errichtet wurden, die jenen in der Bretagne Konkurrenz machen konnten?

Leider wurde den uralten Zeugnissen einer vergangenen Kultur übel mitgespielt. Die Lipper nutzten sie als Steinbruch, zerschlugen so manchen Stein ... und schleppten tonnenweise Steine als Baumaterial in die umliegenden Dörfer. Das erschwert erheblich jeden Versuch einer Rekonstruktion der Steinsetzungen. Ein Besuch lohnt sich allemal. Es gibt einen schönen Rundweg von einigen Kilometern Länge. Der besonders Interessierte wird aber abseits der Wege ins Unterholz kriechen.

Die mysteriösen Externsteine
Foto: W-J.Langbein
Rund vier Quadratkilometer groß ist der Leistruper Wald. Wirklich erforscht wurde sein Geheimnis bis heute nicht. Für die Steinreihen, die heute zu einem erheblichen Teil kaum noch zu finden sind, gibt es eine banale Erklärung: Man habe sie vor gar nicht so langer Zeit errichtet, um das liebe Vieh fernzuhalten. Bis 1850 diente der Wald als Hude. Dann wurde die Hude verboten, das Vieh durfte nicht mehr im Wald grasen.

Als vor 1850 noch Vieh durchs Gehölz trampeln durfte, wurden angeblich Steinreihen geschaffen, um die Rinder und Kühe fern zu halten. Diese »Erklärung« hat mit der Realität nichts zu tun. Wenn verhindert werden soll, dass Vieh in einen Wald eindringt ... genügen einfachste Maßnahmen. Man nagelt oder bindet Querbalken an Bäume, schafft so einen Zaun. Mit Leichtigkeit lassen sich so rasch Waldgebiete absperren. Völlig absurd ist die Behauptung, man habe viele Tonnen an Gesteinsbrocken in langen Reihen verbaut, um dem Vieh Einhalt zu gebieten! Zudem hätten die heute noch vor Ort liegenden Steine keine Kuh daran gehindert, ins verbotene Gehölz zu marschieren ... über die Steine hinweg.

Reste der »Monstermauer« Ende des 20. Jahrhunderts
Foto: Archiv W-J.Langbein
Weitestgehend zerstörte »Hünengräber«, einst aus den gleichen Steinbrocken gebaut, beweisen, dass vor 5500 Jahren emsige »Steinzeitmenschen« sehr aktiv waren. Aus der gleichen Epoche – davon bin ich überzeugt – stammen auch die Steinreihen.

Bereits 1872 fasste ein Oberst Scheppe die Ergebnisse seiner Jahrzehnte währenden Forschungen im Leistruper Wald zusammen. Seine Arbeit trug den Titel »Verschiedenes aus dem alten Sachsenland«, wurde aber nie gedruckt. Scheppe hatte das Gehölz Meter für Meter abgesucht, Stein für Stein sorgsam in umfangreiches Kartenwerk eingetragen. Die Karten sind verschollen. Fast ein Jahrhundert später gelang Walter Knaus der Nachweis, dass die Steinsetzungen vom Leistruper Wald nach astronomischen Gesichtspunkten erfolgt sind. Am 26. Mai 2006 hielt der sachkundige Schweizer für den »Arbeits- und Forschungskreis Walter Machalett« in Horn einen vielbeachteten Vortrag:

»Ein Dornröschenschlaf geht zu Ende«. Die Steinreihen waren keine Schutzmauern gegen Vieheinfall. Sie gehörten vielmehr zu komplexen Kultanlagen. Einst war nicht nur Deutschland, sondern Europa überzogen von »heiligen Straßen« und »sakraler Linien«, über deren Bedeutung viel zu wenig recherchiert wird. Verbanden sie in Vergessenheit geratene Kultorte, zu denen die Menschen vor Jahrtausenden pilgerten? Stellen sie Sternbilder dar, die für die Menschen vor Jahrtausenden als heilig galten?

Reste einer
Steinreihe
Foto: W-J.Langbein
Walter Knaus jedenfalls betonte die Bedeutung der mysteriösen Steine vom Leistruper Wald. Sie gehörten einst in ein großes Schema, das fortgeschrittene Kenntnisse in Kartographie bezeugt. Offenbar gab es einst eine Verbindung zwischen den Externsteinen und den Steinreihen im Leistruper Wald. Unsere Vorfahren waren ganz und gar nicht tumbe Gesellen, die mit Keulen bewaffnet durchs Gehölz zogen. Sie verfügten über ein Wissen, das wir ihnen nach wie vor nicht zubilligen möchten!

Im Leistruper Wald errichteten sie einst eine »Monstermauer«, von der kaum etwas übrig geblieben ist. 1872 soll sie noch vorhanden gewesen sein. Vor Jahrtausenden haben die Menschen im Leistruper Wald harten Stein bearbeitet. Sie versahen Steinbrocken mit Rillen und Löchern. Jene Steine mögen als Opfersteine gedient haben, als Altäre in den Jahrtausenden vor Christi Geburt.

Vor rund 75 Jahren führte Prof. Julius André bei den Externsteinen Grabungen durch. Die von dem gelehrten Mann sorgsam verpackten Artefakte schlummern – bislang nicht wissenschaftlich untersucht – irgendwo in den Kellerräumen des Landesmuseums zu Detmold, wenn sie nicht in den vergangenen Jahren »entsorgt« worden sind. Noch trauriger sieht es um die Erkundung und Erforschung der Steinreihen im Leistruper Wald aus. Sorgsam erarbeitete Karten könnten als Vorlage dienen, um die Bedeutung der Steinsetzungen zu erforschen. Längst verschleppte Brocken waren auf diesem Kartenwerk noch verzeichnet ... die Karten aber sind verschollen.

Bearbeiteter Stein
Foto: W-J.Langbein
Ein Privatforscher aus Detmold, er möchte anonym bleiben, stellte mir die Unterlagen seiner Recherchen zur Verfügung. Ich darf die Ergebnisse zusammenfassen:

Im Leistruper Wald gab es eine Versammlungsstätte aus weit vorchristlichen Zeiten. Steinwälle grenzten den als heilig angesehenen Ort ab. In unmittelbarer Nähe wurden vornehme Stammesmitglieder in Hünengräbern beachtlicher Größe beigesetzt. Womöglich wollte man die Versammlungen bewusst in der Nähe der verdienstvollen Toten abhalten.

Die Gräber wurden längst schon geplündert und abgetragen. Heute sind sie kaum noch als Grabanlagen zu erkennen. In einem der Gräber müssen wiederholt große Feuer gebrannt haben, wobei sehr hohe Temperaturen entstanden. Der lehmhaltige Boden wurde geradezu zu Backstein gebrannt. An manchen Stellen soll der Stein an der Oberfläche so hohen Temperaturen ausgesetzt worden sein, dass es zu Verglasungen kam.

Warum wurde in einem der Hünengräber Feuer entfacht, dessen Temperaturen geradezu höllisch waren? Gab es einen Feuerritus zur Einäscherung besonders verehrter Toter? Könnte man doch die traurigen Überreste der Steinanlagen wie ein Buch lesen ... Dann wüssten wir, ob die sogenannten »Opfersteine« wirklich auch Opfersteine waren ... oder ob sie einem ganz anderen Zweck dienten!

Ein »Opferstein«
Foto Alexander Leischner
Mehrere sehr lange Steinreihen verliefen im Leistruper Wald parallel. Eine Steinreihe bildete eine Kreis. Von diesem Kreis ist noch weniger erhalten als von den geradlinig verlaufenden Wällen.

Wälle, Steinreihen, Steinkreis, Hünengräber ... das alles gehörte zu einem großen sakralen Zentrum, das im Lauf der vergangenen Jahrhunderte beschädigt, verwüstet und weitgehend zerstört wurde. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts gibt es kein echtes Interesse an der Erforschung dieses Zentrums. Es verschwinden angeblich auch heute noch Steine aus den einstigen Kultanlagen ... Schwere Maschinen seien zum Einsatz gekommen ...




»Das falsche Gesicht?«,
Teil 147 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 11.11.2012


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Sonntag, 11. September 2011

86 »Das Geheimnis des Drachen«

Teil 86 der Serie
»Monstermauern, Mythen und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

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Der Drachentöter von Urschalling
Foto: W-J.Langbein
Was hat Maria, Jesu holde Mutter, mit einem grässlichen Drachen zu tun? Man stelle sich vor ... Maria würde als zähnefletschendes Drachenmonster dargestellt. Ein Aufschrei der Empörung ginge durch die Christenheit. Mit Recht, oder? Drachen sind doch böse Wesen, denen von frommen Heiligen der Garaus gemacht wird. Der »Heilige Georg« hat sich da besonders hervorgetan und Drachen gemetzelt. Und doch gibt es eine scheinbar unvorstellbare Verbindung zwischen Maria und dem Drachen. Es gibt ein wohl gehütetes Geheimnis des Drachen ... und Maria ist darin verwickelt ...

Als ich mich auf meine erste Südamerikareise vorbereitete ... ich studierte damals evangelische Theologie ... warnte mich »mein« Professor für Kirchengeschichte: »Hüten Sie sich vor heidnischen Orten der Sünde!« Der gelehrte Mann dachte dabei allerdings nicht an verrufene Orte der käuflichen Liebe, der Drogen und überhaupt des Lasters ... sondern an uralte Kultstätten. Als ich gar noch gestand, auch Machu Picchu besuchen zu wollen, löste das empörtes Entsetzen beim Kirchenhistorikern aus.

Der Verfasser im
»Tempel der Pachamama«
Foto: Ingeborg Diekmann
»Dann nähern Sie sich auf keinen Fall dem Tempel der bösen Drachengöttin Pachamama!« Damit ich mich auch nicht versehentlich jenem schrecklichen Ort nähern würde ... zeigte mir der »Wissenschaftler« ein Foto von jenem »Tempel der Sünde«. Ich muss gestehen, dass ich jene Stätte keineswegs gemieden, sondern bewusst gesucht habe.

Ja schlimmer noch: Ich habe den höhlenartigen Tempel betreten. Im Dunkel machte ich mehrere, sauber in den Fels geschlagene Nischen aus. Welchem Zweck sie einst wohl gedient haben mögen? Wir wissen es nicht. Vielleicht wurden in ihnen Bildnisse der Göttin aufgestellt? Oder wurden darin Opfergaben abgelegt? Auch das ist unbekannt. Bei einem meiner letzten Besuche wurde der Höhlentempel millimetergenau vermessen und fotografiert. Angeblich sollten 3-D-Aufnahmen angefertigt werden.

Ich fragte einen der Archäologen: »Erforschen Sie die Geschichte von Pachamama?« Die Reaktion war heftig. Ich gab wieder einmal den biederen Theologiestudenten. »Wenn dies ein Tempel der Drachengöttin war ... muss ich mich doch fern halten ...« Ich hob ängstlich um mich blickend abwehrend die Hände. Der Archäologe reagierte jetzt recht milde. Die Höhle könne sehr wohl Ort der Verehrung für Muttergöttin Pachamama gewesen sein ... »eine Stätte frommer Verehrung, wie ein Wallfahrtsort für Maria. Beweise gebe es dafür aber keine.«

Der Verfasser vor dem
»Tempel der Pachamama«
Foto:  Ingeborg Diekmann
Der Archäologe versuchte mich zu beruhigen: »Im alten Europa wurden ja auch viele christliche Gotteshäuser auf den Fundamenten heidnischer Tempel gebaut. Und so wurden in Peru Orte der Verehrung für Göttinnen von Anhängern männlicher Götter übernommen!« Als ich den gelehrten Herrn um seinen Namen bat, wandte er sich unwirsch wieder seiner Arbeit zu ...

Als die Inkas die Orakelstadt Pachacamac übernahmen, zeigten sie die Toleranz, die die spanischen Eroberer Jahrhunderte später vermissen ließen. Als die Inkas in Pachacamac einzogen, bauten sie ihrem Sonnengott Inti einen neuen Tempel. Die für Pachacamac errichteten Kultstätten tasteten sie aber nicht an. Der alte Kult durfte ungehindert weiter zelebriert werden, es kam lediglich ein neuer hinzu. Und ganz offensichtlich gab es keinerlei Probleme im Miteinander von Pachacamac- und Inti-Anhängern.

Als die Spanier Mittel- und Südamerika eroberten und plünderten, zerstörten sie, wo sie nur konnten, jeden Hinweis auf die »heidnischen« Religionen. Die Codices der Mayas wurden zu riesigen Scheiterhaufen aufgetürmt und verbrannt. Und mit der Todesstrafe musste jeder »Heide« rechnen, der sich nicht »freiwillig« zur »Religion der Nächstenliebe« bekehren ließ. Für die riesige Kultanlage Pachacamac interessierten sich die Spanier wegen des großen Tempelschatzes ... Ein Großteil der Reichtümer konnte allerdings noch rechtzeitig vor den europäischen Räubern in Sicherheit gebracht werden. Werden sie je entdeckt werden?

Der göttliche
Pachacamac
Foto: W-J.Langbein
Nach meinen Recherchen stand den Tempelwächtern nicht viel Zeit zur Verfügung, die gewaltigen Mengen an Silber- und Goldpreziosen zu vergraben. Sie müssten sich also irgendwo in der Nähe der alten Gemäuer befinden ...

Die Glaubenswelt der Inka entstand nicht aus dem Nichts. Die Inkas entwickelten ältere Glaubensvorstellungen weiter, veränderten sie auch ... freilich ohne fremde Glaubensbilder auslöschen zu wollen. Bei den Moche (etwa fünftes bis siebtes Jahrhundert nach Christus) und bei den Chimu (Anfang des 13. Jahrhunderts) unterstanden Menschen wie Götter einer Mondgöttin. Sie regierte als allerhöchste Autorität die himmlischen Gefilde. Und sie war Beherrscherin der Jahreszeiten und des Wetters auf Erden. In der Glaubenswelt der Inkas schwand nach und nach ihre Bedeutung, während der männliche Gott Viracocha rasch in der Hierarchie aufstieg.

Viracocha alias Inti unterwarf aber nicht seinen männlichen Konkurrenten Pachacamac. War Pachacamac zu mächtig? Oder waren die Inkas in religiösen Fragen einfach nur tolerant?

Pachacamac hatte eine Partnerin, Pachamama. Pachamama – sie wurde als weiblicher Drache dargestellt – war eine Fruchtbarkeitsgöttin, zuständig für Wachsen und Gedeihen, aber auch für Leben und Sterben. Vor der Paarung Pachacamac/ Pachamama dürfte es aber eine ältere Gottheit gegeben haben ... eine Schöpfergöttin, die nach und nach an Bedeutung verlor und durch ein göttliches Paar ersetzt wurde. Der Überlieferung nach gab es vor Pachacamac eine Gottheit namens Con, die die ersten Menschen kreierte. Pachacamac besiegte Con und verwandelte die ersten Menschen ... in Affen.

Uraltes Mauerwerk von
Pachacamc - Foto: W.-J. Langbein
Auch in Mittelamerika, zum Beispiel bei den Mayas und den Azteken, war das Patriarchat der mächtigen Männer-Götter ... Nachfolger eines matriarchalischen Systems. Vor den Göttern kam auch hier die Urgöttin, die »Große Mutter«. Als Coatlicue lebte die Erdgöttin im jüngeren Patriarchat weiter, als weibliche Schlange! Auch in Zentralamerika wurde die Urgöttin als weiblicher Drache gesehen.

Prof. Dr. Hans Schindler-Bellamy erklärte mir: Die Darstellung der Urgöttin als »Drache« dürfte in einer Zeit des Übergangs zum Patriarchat erfolgt sein, als die einst so hochverehrte Muttergöttin nach und nach immer negativer gezeichnet wurde. Aus der omnipotenten, von ihren Anhängern ob ihrer Weisheit geliebten Göttin wurde nach und nach ein furchteinflößendes Wesen. Ist es ein Zufall, dass in der Bibel die gleiche Entwicklung vollzogen wurde? Auch wenn die entsprechenden Hinweise eher im Text des »Alten Testaments« stiefmütterlich behandelt werden ... so gibt es sie dennoch auch in unseren heutigen Bibelausgaben. So wird ganz eindeutig festgestellt, dass der männliche Schöpfergott Jahwe erst die Drachengöttin besiegen musste, bevor er sich ans Werk machen konnte! Da wird Jahwe gelobt (1): »Warst du es nicht, der Rahab zerhauen und den Drachen getötet hat? Im zweiten Vers des »Alten Testaments« (2) lesen wir in modernen Übersetzungen: »Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe.« Übersetzt man aber den Text wortwörtlich aus dem Hebräischen, so heißt es korrekter: »Finsternis lag auf dem Antlitz von Tehom.

Tehom aber ist ein »Plagiat«, wurde aus der babylonischen Mythologie übernommen. In der babylonischen Vorlage heißt Tehom Tiamat und wird vom männlichen Gott Marduk besiegt. Marduk muss erst die Meeresgöttin unterwerfen, bevor er mit der Schöpfung beginnen kann. Angeblich währte der Kampf Marduks gegen Tiamat Jahrhunderte ... und Tiamat soll ein Drache gewesen sein!

Bei den Mayas und Azteken in Mittelamerika, bei den Inkas und ihren Vorläufern in Südamerika ... und im »Alten Testament« unserer Bibel wird offensichtlich eine Geschichte erzählt ... Vor dem männlichen Gott regierte eine Göttin die Geschicke der Menschen.

Erbin der Drachengöttin
Foto: W-J.Langbein
Wer aber glaubt, es sei den Spaniern mit Feuer und Schwert gelungen, die Muttergöttin Pachamama zu besiegen ... der irrt gewaltig. Noch heute wird Pachamama in Südamerika verehrt und angebetet ... und nicht etwa von »bösen Heiden«, die dem Katholizismus fern stehen. Katholizismus und Pachamama-Verehrung werden nicht als Gegensätze gesehen. Auch wenn es die katholische Kirche offiziell nicht zugeben mag ... vor Ort beten fromme Katholiken gleichzeitig zu Maria und zu Pachamama!

Konkretes Beispiel: Im bolivianischen El Alto wurden zehn Kirchtürme errichtet. Die katholischen Gotteshäuser wurden, streng nach Ritualen des Pachamama-Glaubens, geweiht ... einschließlich der in den Fundamenten eingemauerten Lama-Föten. Auch Pater Sebastian Obermayer, seit Jahrzehnten in Bolivien, sieht keinen Konflikt zwischen Pachamama und Maria (3): »Unsere Gemütsbasis ist gut katholisch. In der Frömmigkeit passt das gut zusammen.«

Worin besteht das Geheimnis des Drachen? Der heilige Drachen war eine Drachin, also weiblich ... und keineswegs teuflisch-böse, sondern die mächtige Muttergöttin des Lebens. Gewiss, es ist in den Augen strenggläubiger europäischer Katholiken Sakrileg und Ketzerei zugleich ... aber dennoch wahr und unbestreitbar! Wir kennen Maria, die Mutter Jesu und christliche Himmelskönigin, als lieblich-holde Frauengestalt. Maria, Mutter Gottes im christlichen Glauben, hat aber eine pikant-heidnische Vergangenheit, ist sie doch die direkte Nachfolgerin einer heidnischen Drachengöttin ...

Fußnoten
1 Jesaja Kapitel 51, Vers 9
2 1. Buch Mose Kapitel 1, Vers 2
3 Berlin Online


Bücher von Walter-Jörg Langbein
 
»Maria im Dornenbusch«,
Teil 87 der Serie
»Monstermauern, Mythen und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 18.09.2011


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Sonntag, 3. Oktober 2010

37 »Mit der Bahn in die Vergangenheit«

Teil 37 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Ein kleiner Teil der Monstermauer
von Cusco/ Sacsayhuaman
In unserer schnelllebigen Zeit werden auch die großen Rätsel der Vergangenheit gern im Sauseschritt absolviert. Nach einer Bustour durch Cuzco wird ein Abstecher zur Monstermauer von Sacsayhuaman gewagt. Oft spulen gelangweilte Guides ihr einstudiertes Informationsprogramm ab. Rasch werden einige Fotos gemacht.. und schon geht es weiter.

Gewaltige Schätze fielen im 16. Jahrhundert den raubenden und plündernden Spaniern in die Hände. Unvorstellbare Mengen an Gold wurden als Lösegeld für den letzten Inka Túpac Amarú gefordert. Aus dem gesamten Inkareich setzten sich schwer beladene Karawanen in Bewegung. Gewaltige Reichtümer wurden nach Cuzco geschafft. Allen Versprechungen zum Trotz wurde aber der Inka-Herrscher dann doch nach einem absurden Schauprozess zum Tode verurteilt und ermordet.

Die Spanier, Vertreter des »zivilisierten Abendlandes«, hatten keinen Sinn für die Goldschmiedearbeiten der Inka. Sie schmolzen herrlichste Kunstwerke ein, gossen sie in Barren. Nicht unerhebliche Schätze konnten aber vor den spanischen Barbaren gerettet werden. Sie wurden, so lautet die Überlieferung, in entfernte und kaum zugängliche Bergregionen geschafft. In den legendären Orten Huilcabamba und Vilacabamba sollen sie versteckt worden sein. Vergeblich suchten die Spanier danach. Sie folterten zahllose Inka grausam zu Tode, erfuhren aber nicht, wo sich die geheimen Schatzverstecke befanden. Auch Hiram Bingham suchte vergeblich. Auch wenn er den bis heute vermissten Inkaschatz nicht fand, soll er dennoch Kostbarkeiten von erheblichem Wert außer Landes geschafft haben.

Unterwegs nach Machu Picchu
Von Cusco aus geht es im Morgengrauen mit der Eisenbahn nach Machu Picchu. Wenn man Glück hat, kann man die ganze Strecke im Zug zurücklegen. Manchmal muss man die erste Etappe mit dem Bus fahren.

Zunächst passiert man die Elendsviertel von Cusco. Zum Skelett abgemagerte Hunde wanken durch die Slums. Erwachsene, Kinder und Jugendliche schuften. Selbst Kleinkinder schleppen schwere Lasten. Thilo Sarrazin hat Recht: Im Vergleich zu den Armen von Cusco sind die »Armen« in Deutschland steinreich. Doch während manche »Arme« in Deutschland ihr unerträgliches Los bejammern.... scheinen die materiell wirklich Armen von Cusco stolz auf ihrer Hände harte Arbeit zu sein.

Der Zug quält sich durch grandiose Landschaft in die Höhe. Was für ein krasser Gegensatz bietet sich dem Reisenden: zwischen dem schlammigen Grau von Cusco und dem üppigen Grün der subtropischen Gefilde. Wir nähern uns den Ausläufern des Amazonasgebietes.

Unterwegs legt der Zug eine kurze Pause ein. Die kleine »Station« markiert den höchsten Punkt der Zugstrecke: 4319 Meter über dem Meer! Weiter geht’s: über den Urubamba. Wir erreichen Ollantaytambo. Hier enden alle Straßen. Von hier an ist der Zug das einzige Verkehrsmittel. Nach etwa vierstündiger Fahrt kommen wir in »Aqua Calientes« an. Der Name des Dorfes weist auf die heißen Quellen hin.

4319 Meter über dem Meer
In Aqua Calientes kann man höchst preiswerte kleine Hotels finden. Von hier aus sind es nur noch etwa acht Kilometer bis zu den Ruinen von Machu Picchu. Busse schaffen Touristengruppen über eine geradezu lebensgefährlich anmutende Serpentinenstraße zur verlorenen Stadt und wenige Stunden später wieder zurück. Touristenströme drängen sich durch den schmalen Eingang am Kartenhäuschen vorbei und ergießen sich über das Areal von Machu Picchu. Jeder der bis zu 1500 Besucher ärgert sich über die anderen 1499 Touristen, die jedes Foto durch ihre bloße Anwesenheit verderben.

Wer den Zauber von Machu Picchu erleben möchte, hat nur eine Chance: Man nimmt sich ein Zimmer im »Hotel Machu Picchu Ruinas«, das direkt am Eingang der mysteriösen Stadt liegt. Dann kann man schon vor 10 Uhr morgens die rätselhafte Anlage gehen, bevor der erste Bus ankommt. Nach 15 Uhr, wenn der letzte Bus ins Tal gefahren ist, dann wird es wieder still und man ist nahezu alleine.

Im Herbst 1992 war ich mit drei Freunden vor Ort. Insider warnten: Im Sommer waren die Rebellenführer der »Tupac Amaru« und des »Leuchtenden Pfades« Victor Polay Campos und Abimael Guzman verhaftet worden. Am 10. August 1995 wurden sie vor einem Militärgericht zu lebenslanger Haft verurteilt. Drohten nun Anschläge auf beliebte Ziele wie Machu Picchu? Damit müsse gerechnet werden, hieß es. Derartige Meldungen schreckten offenbar viele potentielle Reisende ab. So waren meine drei Freunde und ich die einzigen Gäste im »Hotel Machu Picchu Ruinas«. Gegen Abend fuhren die Angestellten des Hotels ins Tal. Angeblich blieb ein Nachtwächter bei uns. Ich muss zugeben: Etwas mulmig war mir damals schon!
Plötzlich wie ausgestorben...

Immer wieder hat es mich in den vergangenen Jahrzehnten nach Machu Picchu gezogen. Ich erinnere mich noch sehr gut: Vor meinem ersten Besuch habe ich dickleibige Bücher über die verlorene Stadt gelesen und detailreiche Pläne der Anlage studiert. Vor Ort aber verstand ich, dass die meisten der vermeintlich wissenschaftlichen Erkenntnisse reine Fantasiegebilde sind. »Palast der Prinzessin« heißt ein großes Haus, »königlicher Palast« ein anderes. Bezeichnungen wie »Heiliger Platz«, »Sonnenfeld« und »Heiliger Felsen«, »Viertel der Handwerker« und »Palast der Sonnenjungfrauen« täuschen aber nur Wissen vor. In Wirklichkeit liegt über Machu Picchu der Schleier des Rätselhaften. Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass wir so gut wie nichts über Machu Picchu wissen.

Die präzise formulierten Bezeichnungen werden von eifrigen Guides mit inbrünstiger Überzeugung vorgetragen. In Wirklichkeit weiß aber niemand, ob zum Beispiel im »Gefängnisviertel« jemals ein einziger Häftling eine Strafe abbüßen musste. Niemand vermag zu sagen, ob es je so etwas wie eine Haftanstalt in Machu Picchu gab.

Imposant ist auch der »Tempel der drei Fenster«. Drei aus gewaltigen Steinquadern kunstvoll gestalteten Fenster sind bis in unsere Tage erhalten geblieben. Bei Sonnenaufgang soll einst das Innere des »Tempels« in geheimnisvolles Licht getaucht worden sein. Heute ist fast nur noch eine massive Steinfassade erhalten. Ob allerdings die drei Fenster je zu einem »Tempel« gehörten, das weiß niemand. Leider gibt es keine schriftlichen Aufzeichnungen der Erbauer und der Bewohner der Stadt.

Tempel der drei Fenster...
wenn es denn ein Tempel war!
Nichtwissen mag Vertretern der Schulwissenschaften ein Gräuel sein. Dennoch: Vergessen wir die zahlreichen Fantasienamen. Begnügen wir uns mit der Gewissheit, dass wir so gut wie nichts wissen. Eingeweiht in die Mysterien von Machu Picchu wareinst die Amauta, ein Gremium aus adeligen Philosophen und Wissenschaftlern der Inka-Zeit. Noch im 16. Jahrhundert lebte deren uraltes Wissen: als eine alte Form der Esoterik. Den Spaniern wurde dieser Schatz niemals offenbart.

Der spanische Soldat Miguel Rufino, so überliefert es die Chronik von Don Antonio Altamirano (verstorben im Jahr 1556), befreite die Inkaprinzessin Accla Gualca aus den Klauen seiner christlichen Landsleute. Er befürchtete, und das ohne Zweifel zurecht, dass man sie foltern würde, um ihr die Geheimnisse ihres Volkes zu entlocken. Dabei ging es nicht um esoterisches Wissen, sondern ganz konkret um Schatzverstecke. Die Spanier waren in ihren Methoden alles andere als zimperkich.

Miguel Rufino und Accka Gualca entkamen den spanischen Häschern. Sie schlugen sich auf strapaziösesten Wegen bis nach Machu Picchu durch. Vor der Amauta von Machu Picchu mussten beide schwören, das Geheimnis der heiligen Stadt zu wahren. Miguel Rufino hat die wirkliche Bedeutung von Machu Picchu gekannt. Er war der einzige Spanier, der die Stadt in den Anden besuchen durfte, als dort noch stolze Inka residierten.

Blick auf einen Teil der Geisterstadt
Miguel Rufino hielt seinen Schwur. Angewidert von der Grausamkeit seiner goldgierigen Landsleute kämpfte er für die Inkas. Er wurde waffentechnischer Berater des Inka Manco. Beim Versuch, die Spanier wieder aus der Stadt Cusco zu vertreiben, fiel Miguel Rufino im Gefecht.

Martin Fieber schreibt in seinem bemerkenswerten Buch »Machu Picchu« (1): »Das wahre Machu Picchu sind aber nicht die 200 Gebäude, die vielen Tausend Treppenstufen oder die heiligen Megalithe... Das wahre Machu Picchu, die Seele der Stadt in den Wolken, ist für unsere Augen unsichtbar. Aber nicht für unser Herz.«

Machu Picchu ist eine geheimnisvolle Stadt. Und sie ist ein Symbol: Fern der plündernden Spanier überlebte hoch in den Anden eine friedliche kleine Gemeinde von Inkas. Sie hatten sich in eine »unwirtliche« Region zurückgezogen. Sie trieben keinen Raubbau gegen die Natur, sondern mit ihr. In Machu Picchu wurden überwiegend Mumien von Frauen gefunden. Sollte dies auf eine matriarchalische Religion hinweisen? Angeblich wurde Pachamama - »Mutter Erde« - in Machu Picchu verehrt. Uralte matriarchalische Glaubenssystem verehrten Muttergottheiten häufig in unterirdischen Höhlen.....

In der Nähe des »Heiligen Felsens« haben argentinische Studenten ein unterirdisches Labyrinth entdeckt. Es wurde von Archäologen erkundet und zugemauert. (2) Bei einem meiner Besuche in Machu Picchu kletterte ich unter einer Absperrung hindurch und quetschte mich in einen Felsspalt. Er verlief schräg nach unten, wurde offenbar breiter. Bevor ich aber weiter erkunden wurde, beorderten mich zwei recht unwirsch aussehende Aufpasser zurück....

Trotz intensiver Recherchen über Jahre, auch in Cuzco und Lima, konnte ich keine wissenschaftliche Publikation über die unterirdischen Gänge von Machu Picchu ausfindig machen. Wartet das eigentliche Geheimnis von Machu Picchu... in der Unterwelt?


Walter-Jörg Langbein in Machu Picchu
Foto: Willi Dünnenberger
Fußnoten

(1) Fieber, Martin: »Machu Picchu/ Die Stadt des Friedens«, Bad Salzuflen 2003, Klappentext

(2) Schmidt, Kai Ferreira: »Peru Bolivien«, Markgröningen, 2. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage 6/ 2000, S. 271


»Das Geheimnis der Glimmerkammer«,
Teil 38 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 10.10.2010

Sonntag, 26. September 2010

36 »Die verlorene Stadt in den Anden«

Teil 36 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Ein Besuch in Machu Picchu ist eine Reise in die Vergangenheit: in die Bergwelt der peruanischen Anden. Erbaut hat die geheimnisvolle Stadt, so heißt es, Pachacútec Yupanqui. Der legendäre Herrscher der Inka gilt als der eigentliche Vater des großen Inkareiches. Er war es, der den Sonnengott Inti ins Zentrum des offiziellen Glaubens rückte. Aber war Pachacútec Yupanqui (Regierungszeit 1438-1471) wirklich der Architekt von Machu Picchu? Ließ er um 1450 die verlorene Stadt der Anden 400 Meter über dem Rio Urubamba erbauen?

Wichtiger ist die Frage, ob Machu Picchu zu Inkazeiten aus dem Nichts entstand.. oder auf Fundamenten einer weit älteren Kultstätte errichtet wurde. Nach wie vor gilt Hiram Bingham als »Entdecker« der mysteriösen Stätte. Entdeckt hat er sie aber nicht, sondern ausgeplündert. Bingham hat Vilabamba und Machu Picchu heimgesucht... und 200 Kisten mit kostbaren Goldobjekten und anderen archäologischen Preziosen auf 60 Mulis über Bolivien außer Landes schaffen lassen.

173 Mumien »entdeckte« Bingham in Machu Picchu. 150 davon waren Frauen. Welche Kostbarkeiten mögen den Toten mit auf die Reise ins Jenseits gegeben worden sein? Wir wissen es nicht. Hiram Bingham ließ sich zwar weltweit als großen Forscher feiern.. in den Augen vieler Peruaner war er aber eher ein erfolgreicher Dieb. Bis zum heutigen Tag wartet man in Peru vergeblich auf die Rückgabe der Kostbarkeiten, die Bingham außer Landes schaffen ließ. Sie dürften sich noch heute im Besitz der renommierten Yale Universität befinden. Bingham hinterließ keinerlei Aufzeichnungen seiner Funde. So dürfte der Beweis, was nun alles in der Ruinenstadt gefunden und ins Ausland geschafft wurde, mehr als schwierig sein!

Wie Hiram Bingham Machu Picchu »entdeckte«... ist inzwischen hinlänglich bekannt! Fakt ist: Als Mr. Bingham am 24. Juli 1911 die majestätischen Stadtmauern bestaunte, da prangte bereits eine eingeritzte Inschrift im moosbewachsenen Stein: »Augustin Lizarraga, Enrique Palma und Gabino Sanches – 1901«. Jene drei Herren hatten zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach archäologischen Schätzen gesucht, die sich versilbern ließen. Sie fanden immerhin eine gut erhaltene Mumie, die sie wegschleppten.

Augustin Lizarraga, der 1901 seinen Namen auf einer der steinernen Wände in Machu Picchu verewigte, führte 1894 Don Luis Bejar in das Gemäuer. Und eben jener Augustin Lizarraga gehörte 1911 zum Team von Mr. Bingham. Und der ließ sich zu Unrecht bombastisch als der »Entdecker« einer »vergessenen« Stadt feiern. »Verlassen« war Machu Picchu anno 1901 übrigens nicht. Inka-Nachkomme Anacleto Alvarez hatte die heute weltberühmten Terrassen gepachtet. Übrigens: Schon drei Jahrhunderte zuvor gehörte die Stadt ganz offiziell einem gewissen Don Martin de Concha.

Machu Picchu liegt auf einem Bergrücken, der von unbekannten Meistern vollkommen umgestaltet worden ist. Gewaltige Stein- und Erdmassen müssen unter Aufbietung unvorstellbarer Kräfte bewegt worden sein. Und doch scheinen sich die Bauten und Terrassen dem mächtigen Berg anzuschmiegen. Am Eingang zur Stadt misst man eine Höhe von 2370 Metern, an der höchst gelegenen Terrasse immer eine Höhe von 2530 Metern.

Unbekannte Baumeister waren es wohl, die lange vor den Inkas, das ursprüngliche Heiligtum errichteten. Sie hinterließen den Inkas einen massiv umgeformten Bergrücken und riesenhafte Steinkolosse. Auf diese monolithischen Ungetüme setzten die Inkas Jahrhunderte später ihre Mäuerchen aus kleinen Steinen.

Es kommt mir so vor, als hätten die Erbauer der Inka-Stadt Machu Picchu ungeheueren Respekt vor ihren Vorgängern gehabt. Sie passten ihre »Neubauten« millimetergenau den uralten Fundamenten an. Sahen sie sich als Erben einer uralten Tradition? Wie auch immer: Die Inkas selbst haben nie riesige Steinkolosse zurechtgemeißelt und eingesetzt, sondern stets übernommen und als Fundament verwendet.

Von den Megalithbaumeistern des »Ur-Machu Picchu« aus Vorinkazeiten dürften monströse Steinskulpturen stammen, deren Sinn und Zweck wir nicht kennen. Es werden »Erklärungen« in die Welt gesetzt, die sich – bei Licht betrachtet – als reine Fantasiegebilde erweisen. So heißt es, dass auf einem sauber zugehauenen Stein einst Mumien zum Trocknen auf ihre spätere Bestattung warteten. Diese Spekulation entbehrt jeder Grundlage.

Hiram Bingham taufte eine mysteriöse Steinhöhle mit intensiver Steinbearbeitung »Mausoleum der Könige«. Bingham stützte sich bei dieser Titulierung auf die Tatsache, dass im Inneren zwei Mumien gefunden wurden, die von edler Herkunft gewesen sein müssen. Wertvolle Stoffe umhüllten die sterblichen Überreste, denen man wertvolle Beigaben aus Gold und Silber für die Reise ins Jenseits mitgegeben hatte.

Binghams These ist allerdings mehr als fragwürdig. Es gibt keinen Beweis dafür, dass zu Zeiten der Inkas je »Könige« in Machu Picchu residierten. Mumifiziert wurden überwiegend Frauen. Sollte es sich um »Tempeljungfrauen« etwa eines Sonnenkults gehandelt haben?

Der »Intiwantana« wurde aus einem einzigen Granitblock gemeißelt. Er wird als »Sonnenstein« bezeichnet. Sein Name lässt sich mit »Ort, an dem die Sonne gebunden ist« übersetzen. Nach Aufzeichnungen des Inka-Chronisten Poma de Ayla diente der eigenartige Stein der Beobachtung des Sonnenlaufs. Auch soll er dazu benutzt worden sein, Planetenbahnen zu bestimmen und wichtige Sternbilder zu beobachten. Angeblich standen auf der Plattform einst vier Säulen, deren Schatten den Intiwantana zu einer Art Sonnenuhr machten.

Unklar ist, ob das steinerne Messinstrument von den Inkas gebaut oder bereits vorgefunden wurde. Vielleicht wurde es ja von den Meistern der Steinmetzkunst übernommen, deren erstaunliche Fähigkeiten uns noch heute in Erstaunen versetzen. Über welche Erkenntnisse astronomischer Art mögen sie verfügt haben? Leider liegen keinerlei schriftliche Aufzeichnungen aus jenen Tagen vor.

Die sorgsame astronomische Beobachtung deutet auf sakrale Bedeutung von Sternen und Planeten hin. Der ewige Kreislauf von Sonne, Mond und Sternen war so etwas wie das Sinnbild uralter Religion. Ewiges Leben war fester Bestandteil ältester Religionen: die ewige Wiederkehr von natürlichen Abläufen wie Aussaat und Ernte, von Frühling, Sommer, Herbst und Winter schenkte den Menschen Zuversicht und Trost.

Bei Dreharbeiten für den Werbespot einer Brauerei wurde das Zeugnis uralter Wissenschaften leider beschädigt ... trauriger Beleg für die Missachtung uralter Kulturen. Betuchte Kulturbanausen ließen sich übrigens gern mit dem Hubschrauber direkt nach Machu Picchu fliegen. Dafür nahmen sie es in Kauf, dass durch Druckwellen uraltes Mauerwerk zum Einsturz gebracht wurde ... Rucksacktouristen sind nicht unbedingt rücksichtsvoller. Durch Lagerfeuerchen in Mayaruinen, die in schwer unzugänglichen Gefilden um Machu Picchu zu finden sind, wird immer noch erheblicher Schaden verursacht.

Die Spanier haben bei ihrem Verwüstungszug durch Südamerika vor Jahrhunderten Machu Picchu nicht entdeckt. Sie hätten die geheimnisvolle Ruinenstadt sicher vollkommen zerstört... die vergessene Stadt.

Irgendwann wurde von Meistern der Steinmetzkunst so etwas wie das »Ur-Machu Picchu« gebaut. Die Inkas übernahmen die wuchtigen Ruinen ... und irgendwann wurde die Stadt verlassen ... und »verloren«!

»Mit der Bahn in die Vergangenheit«
Teil 37 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 3.10.2010





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