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Samstag, 19. Mai 2012

Sylvia B.: Das Märchen vom Weseker Ei

Illustration: Sylvia B.
In einem kleinen Dorf im Münsterland lebten vor langer Zeit die Bewohner glücklich und zufrieden. Sie gingen ihrem Tagwerk nach, an Feiertagen saßen sie gemütlich in ihren Gärten und lauschten dem Zwitschern der Vögelchen. Es war eine freundliche Zeit.

Irgendwann besuchte ein Wandersmann den beschaulichen Ort und beschloss, sich dort mit seiner Frau niederzulassen. Er kaufte ein kleines Häuschen und richtete sich ein. Hein, so hieß der Wandersmann, war aber bald nicht mehr zufrieden, denn er hatte ein zänkisches Weib. Darum saß er abends murrend in seinem Garten und gab sich dem Gerstensaft hin. Er fing an, sich an allem zu stören. Zuerst an dem Gezwitscher der Vögelchen. So nahm er sich seine Flinte und schoss die Tiere ab.

Doch auch danach fühlte er sich nicht zufrieden. Es kam ihm der Gedanke, dass er seine Nachbarn mit üblen Streichen Schaden zufügen könnte. Nach und nach verärgerte er die Menschen in seinem Umfeld.

An einem sonnigen Sommertag fand Heini, so wurde er mittlerweile im Dorf genannt, vor seiner Haustür ein Ei. Das musste jemand verloren haben. Heini betrachtete das Ei aufmerksam. Es war zerbrochen, Eigelb und Eiweiß hatten bereits die Strahlen der Sonne angetrocknet. Ihm kam der Gedanke, dieses Ei zum Anlass zu nehmen, seinem Nachbarn ein Ärgernis zu bereiten. So rief er den Gendarm, zeigte diesem das Ei und bestand darauf, seinen friedlichen Nachbarn der böswilligen Eier – Attacke zu bezichtigen und forderte dessen sofortige Verhaftung.

Der Gendarm war ein besonnener Mann. Es kam ihm natürlich auch der Gedanke, dass er keine Räuber fangen, oder  in Oeding an der Grenze stehen konnte, wenn er bei Heini Eier suchen gehen sollte. Aber des lieben Friedens willen, und weil Heini keine Ruhe gab, ging er dem verlorenen Ei nach.

Natürlich war der Nachbar sehr überrascht, als er hörte, dass er ein Lump sein soll, der heimlich Eier wirft.

Schnell sprach sich das Ereignis herum. Heini ärgerte sich, weil er gehofft hatte, das Gericht würde den Nachbarn in den Kerker werfen. Aber nichts dergleichen geschah. So überlegte er sich weitere Schandtaten und bald schon kam ihm ein böser Gedanke.

Auf der anderen Seite seines Gartens wohnte ein altes verwitwetes Mütterchen. Die hatte vier Katzen und liebte sie wie ihre Kinder. Darum war sie sehr betrübt, als eines ihrer Kätzchen von einem Streifzug nicht nach Hause kam. Jedes Mal wenn sie den Namen der Katze rief, antwortete Heini aus seinem Garten mit einem Schrei, der dem einer sterbenden Katze glich. Das Mütterchen ahnte, dass Heini etwas mit dem Verschwinden der Katze zu tun hatte, konnte es aber nicht beweisen.

Als die alte Frau wieder nach ihrer Katze rief und Heini ihr mit dem Todesschrei antwortete, rief sie ihm zu: »Hast du Schmerzen, Heini? Ist dir wieder ein Ei aus der Hose gefallen?«

Illustration: Sylvia B.
Das brachte Heini ersteinmal zum Schweigen.

Am nächsten Tag rief das Mütterchen den Namen der vermissten Katze. Wieder antwortete Heini, gestärkt durch die Kraft des Gerstensaftes, mit dem Schrei.

Da wurde das alte Mütterchen zornig. Sie gackerte laut wie ein Huhn und rief, dass es im ganzen Dorf zu hören war: »Kommt ihr Kätzchen, das Huhn hat ein Ei gelegt! Wir müssen den Gendarmen rufen!«

Es setzte Gelächter ein im Dorf. Heini konnte sich nirgendwo mehr sehen lassen, ohne dass aus irgendeiner Ecke Gegacker ertönte und in dem kleinen Dorf wurde es Sitte, die Katzen mit dem Geschrei der Hühner zu rufen.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann gackern sie noch heute ...

Lesen Sie auch: Märchen rund ums Weseker Ei: Wie Heini auf Psycho machte




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Samstag, 2. Juli 2011

Poesie am Samstag: Sylvia B. »Die Zukunft ist weiblich«

Illustration: Sylvia B.
hört hört
das präsidium tagt
schaut schaut
die überschrift

frauen stark im kommen

und darunter das bild
männer
männer
die sich
über frauen unterhalten
die stark im kommen sind

und darunter
noch ein bild
wieder männer

stop
ganz links außen
eine frau
was will die denn da
hat sich bestimmt
verirrt

und ein mann sagt
die zukunft ist weiblich
grammatisch auf jeden fall
und alle lachen
steht da

und ich lese
und ich war nicht dabei
aber ich glaube
ich habe dort
nichts verpasst

aus: Sylvia B. »der tiger am gelben fluss«



Samstag, 2. April 2011

Für Sie gelesen: »Polarwelten« Paul Nicklen

Liebe Leserinnen und Leser,

Die National Geographic Society wurde am 27. Januar 1888 im Washingtoner Cosmos Club gegründet. Zweck der Vereinigung war und ist, geografische Kenntnisse der Allgemeinheit nahe zu bringen. Zu diesem Zweck fördert sie geografische Forschungsprojekte und gibt eine monatlich erscheinende Zeitschrift, das National Geographic heraus. Das Magazin ist bekannt für seine spektakulären Farbfotografien, sorgfältig recherchierten und neutralen Reportagen, sowie hervorragenden Landkartenbeilagen. National Geographic erscheint seit Oktober 1999 auch auf Deutsch im Gruner + Jahr-Verlag. (Quelle: Wikipedia)

Heute möchte ich Ihnen einen ganz besonderen Bildband vorstellen, der von NATIONAL GEOGRAPHIC im Februar 2011 herausgebracht wurde: Paul Nicklens »Polarwelten«.

Paul Nicklen/National Geographic.
In seiner Einleitung beschreibt Paul Nicklen spannend und informativ seine Kindheit, die er mit seiner Familie im hohen Norden Kanadas verbrachte. Pauls Mutter war eine begeisterte Fotografin. Paul wuchs in einer kleinen Inuit- Gemeinde auf und schreibt: »Das frostige Polarmeer, Schnee und Eis waren mein Sandkasten, und die Inuit waren meine Spielgefährten und Lehrer« und weiter: »In dieser Welt fühlte ich mich so zu Hause, dass ich mir ein Leben außerhalb der Polarregionen nicht vorstellen konnte«. Paul studierte Biologie und fasste den Entschluss, Naturfotograf für NATIONAL GEOGRAPHIC zu werden. Paul Nicklen möchte aber noch mehr erreichen. Sein Ansinnen ist es, mit seinen Fotoreportagen anzusprechen und mitzuhelfen, das Bewusstsein und das Engagement für den Umweltschutz neu zu beleben. Paul ist ein Fotograf und Umweltschützer aus ganzer Leidenschaft. »Am wohlsten fühle ich mich, wenn ich unter drei Meter dickes Eis tauche und eindringliche Bilder schieße, die rechtzeitig wichtige Geschichten über das Polarleben und die Auswirkungen des Klimawandels erzählen«.

Die Fotos sind in der Tat sehr beeindruckend, besonders die Bilder, die Paul unter Wasser aufgenommen hat. Auf Seite 37 sehe ich das Bild einer Seeleopardin, die versucht, Paul mit einem Pinguin zu füttern. Das Foto ist gestochen scharf, ich kann Luftblase erkennen. Mich beeindrucken die Zähne der Seeleopardin.

Paul Nicklen/National Geographic.
Paul berichtet über die Arktis, die Antarktis, über die letzten Einhörner, über das Land der Könige und Elefanten (das macht jetzt neugierig, aber ich verrate nichts), über das Eis und den Kreislauf des Lebens. Wie sich die Dinge im Laufe des Jahrzehnts geändert haben, weil die Meereisflächen stark geschrumpft und mancherorts ganz verschwunden sind. Was mich sehr beeindruckt sind seine Erzählungen zu den Bildern, die auf sehr abenteuerliche Art und Weise entstanden sind. Um sich zwei schlafenden Walen zu nähern, pirschte er sich tatsächlich auf Socken über das Eis an die Kolosse heran, um nach etwa 20 Minuten konzentrierten Fotografierens zu bemerken, dass seine Füße fast abgefroren waren. Ein Fotograf aus Leidenschaft mit viel Liebe zur Natur. Diese Liebe spricht aus allen seinen Bildern.

Überwältigend das rot-grün schimmernde Nordlicht bei Yukon, hinter dem die Sterne leuchtend zu sehen sind. Einen Flohkrebs kann ich in seinem Eiskokon betrachten und sehe auf der gegenüberliegenden Seite wie ein Kollege des Flohkrebses dem Männchen eines balzenden Küstenseeschwalbenpaares als Köder für seine potenzielle Partnerin dient.

Paul Nicklen/National Geographic.
Die Titelseite des Buches zeigt übrigens einen tauchenden männlichen Eisbär, während die glasklare Wasserfläche sein Spiegelbild zurückwirft. Fast futuristisch mutet das Bild einer Rippenqualle an, ebenso eine Flügelschnecke, die im offenen Wasser nach Plankton fischt.

Paul Nicklen ist ein außergewöhnlicher Mensch mit einem unglaublichen Talent, der seinen Beruf als Berufung sieht und mit ganz viel Liebe diesen Bildband erarbeitet hat.


Dieses Buch habe ich mit Begeisterung betrachtet und kann es Ihnen überzeugend empfehlen.

Ihre Sylvia B.


Bilder: © Paul Nicklen/National Geographic.Mit freundlicher Genehmigung des National-
Geographic-Verlags

Das rezensierte Produkt ist überall im Handel erhältlich.

















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Samstag, 21. August 2010

Samstagsrezension Helga König: "Hexenhausgeflüster"

Sylvia B. hat mit dem Märchen "Hexenhausgeflüster" ein Antidrogenbuch der besonderen Art verfasst. Sie agiert nicht mit moralischem Zeigefinger, sondern verdeutlicht, dass Cannabis- und Kokain-Konsumenten letztlich mit den gesellschaftlich anerkannten Schnaps-Trinkern in einem Boot sitzen und alle Drogenabhängigen letztlich arme Teufel oder anders ausgedrückt kleine Bonsais sind.

Die Schnaps-Trinker wollen nicht wissen, dass vier Finger auf sie zurück deuten, wenn ihr Zeigefinger Cannabis-und Kokainkonsumenten beschämen möchte, auch wenn ihnen der Wacholder die Zehennägel kröselich kringelt, um es es in Sylvias stets latent ironischer Sprache auszudrücken.

Worum geht es in diesem Buch? Die quirlige Unternehmerin Lyrich (sie ist durch den Handel mit bereits benutzten Damenslips reich geworden) sucht eine idyllische Alternative zu ihrer komfortablen Penthouse-Wohnung und findet diese in einem "Hexenhaus" am Ortsrand. In diesem Haus leben zwei merkwürdige Gestalten, Bonsai, ein baumlanger Freak und sein Kumpel Juri.

Lyrich berichtet ihrer Freundin Lieschen ausführlich über die Geschehnisse im "Hexenhaus", in das sie mit ihrem "Alter Ego" Charlotte einzieht. Diese ist ihre vor langer Zeit verstorbene Urgroßmutter, deren Seele in Lyrich wohnt, ihr kluge Ratschläge erteilt und aufgrund ihrer überirdischen Fähigkeiten stets mehr sieht als die bodenständige Lyrich.

Die reiche Unternehmerin gibt sich bei den beiden Jungs ausgefuchst als arme Witwe aus, damit diese nicht auf die Idee kommen sie anzupumpen. Sie vermutet, dass diese Freaks ständig Geld brauchen. Noch ahnt sie nicht, womit sich die beiden befassen. Dies wird ihr klar als ihre Katze "Äugelchen" in Bonais Räumen verschwindet, dort, wie Lyrich entsetzt feststellen muss, in dessen "Cannabistreibhaus" ein "großes Geschäft" verrichtet und auf diese Weise die Cannabisernte vernichtet hat. Die Jungs sind zum Zeitpunkt des Geschehens nicht im Haus. Lyrich weiß, dass dies schlimme Folgen hat, wenn das Malheur entdeckt wird.

Über die Konsequenzen und wie Lyrich sich dagegen erfolgreich zur Wehr setzt, informiert die gewitzte Unternehmerin ihre Freundin Lieschen kurzweilig im leicht sarkastischen Ton. Das liest sich dann so:

„mittlerweile blickten schon
die nachbarn äußerst argwöhnisch
auf das rege treiben
was bonsai natürlich nicht mitbekam
das ist der vorteil des zauberpulvers
es scheint eine art tunnelblick
zu erzeugen und macht stumpf und bonsais zu deutschen eichen“

Lyrich, wie wir aus ihren "Briefen an Lieschen" wissen, ein großer Fan von Machiavelli, bedient sich dieser Wacholderfreunde- Nachbarn geschickt, um sich Bonsai vom Hals zu schaffen. Zwei Flaschen Wacholder für ihre Helfer und ein guter Rat an ihre Brieffreundin:

"lieschen wenn ich dir einen guten rat
geben darf
lass bloß die finger von den drogen"

zeigen, dass die Macherin begriffen hat, was es heißt, dass der Zweck die Mittel heiligt. Lyrich stets hellwach und in der Lage ganze Volksstämme in Bewegung zu setzen, wenn es um ihre Interessen geht, ist mit allen Wassern geschwaschen. Ist Lyrich ein Hexe? Nein. Sie ist bloß eine lebenskluge Machiavellistin, die niemals Fragen im Hinblick auf moralische Bedenklichkeiten stellt, wenn sie ein Ziel im Auge hat. So wird man bekanntermaßen erfolgreich, nicht nur im Märchen.


Wie immer schreibt Sylvia B. ohne Punkt und Komma. Ihre Protagonistin Lyrich ist viel zu schnell, als dass sie anders, als wie aus der Pistole geschossen schreiben könnte.


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