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Sonntag, 25. November 2012

149 »Laguna Lejia«

Teil 149 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Laguna Lejia
Foto W-J.Langbein
Von der schillernden Welt der Salar de Atacama geht es hoch ... in Höhen, in denen man sonst nur Engeln oder Flugzeugen begegnet. Laguna Lejia ist unser Ziel ... in über 4300 Metern Höhe! In San Pedro de Atacama, einem bescheidenen Wüstenkaff, kann man sich in »nur« 2500 Metern über Normalnull akklimatisieren. Und das ist bitter nötig! Übertriebener sportlicher Ehrgeiz kann gesundheitsschädlich sein!

So habe ich erlebt, wie eine Gruppe von Mountainbikern aus einem Bus kletterte. Sie holten sich ihre Räder, der Bus fuhr voran und war bald außer Sichtweite. Und dann schwangen sich die Sportler auf ihre Bikes und trampelten ... in einer Höhe von 3000 Metern über Normalnull los. Eine junge Frau fiel zurück, versuchte die anderen einzuholen ... vergeblich. Auf einer Höhe von 4000 kippte sie schließlich vom Rad, blieb – von den anderen unbemerkt – liegen. Wir haben sie in unseren Bus getragen und zu ihrer Gruppe gefahren. Sie war vollkommen desorientiert ... zum Glück hatten wir Sauerstoff dabei!

Seltsame Gravuren in
der Wüste
Fotos: W-J.Langbein
Es geht vorbei an Steinen, die wer weiß vor wie vielen Jahrhunderten oder Jahrtausenden mit rätselhaften Gravuren versehen wurden. Ist es bedeutungslose Graffiti-Kunst? Oder konnten die Menschen einst diese Zeichen wie ein Buch lesen? Wurden hier Hinweise auf Gefahren in den Stein geritzt, symbolisch dargestellt, vergleichbar mit unseren Schildern am Straßenrand? Oder ging es vielmehr um astronomische Beobachtungen? Wurden besondere Himmelserscheinungen wie Kometen dokumentiert? Bislang wurden die sprechenden Steine von unseren Experten nicht wieder zum Reden gebracht.

Bis heute gibt es keine Bestandsaufnahme der gravierten Steine. Sie sollen viel älter sein als die Scharrzeichnungen in der Atacama-Wüste. Sie sind sehr viel abstrakter, weniger realistisch als die Bilderbücher im Wüstensand!

Es geht weiter an kleinen Dörfchen, die einen strahlend sauberen Eindruck machen. Mächtige Vulkane liefern das am häufigsten verwendete Baumaterial. Die Brocken aus Vulkangestein kommen beim Häuserbau ebenso zum Einsatz wie bei der Friedhofsmauer. Ein kalkhaltiger Putz wird aufgetragen ... oder die Steine werden mit dicker, kalkhaltiger Farbe bemalt. Die Menschen in dieser Region sind nach unseren Maßstäben sehr arm. Sie arbeiten hart für wenig Geld. Ihre bescheidenen Behausungen aber sind blitzblank. Sie erstrahlen geradezu hellweiß in der gleißenden Sonne.

Unterwegs zur Laguna
Lejia - Foto: W-J.Langbein
Manchmal kam es mir so vor, als sei die offizielle Religion – der Katholizismus – so oberflächlich wie die Kalkfarbe auf den Steinen aufgetragen. Ein Dorfgeistlicher erzählte mir resigniert-deprimiert: »Der alte Aberglaube lebt weiter. Christliche Missionare haben schon lange versucht, die Menschen davon abzubringen und wirklich für den christlichen Glauben zu gewinnen ... Vergeblich!« Woran das liegen mag, will ich wissen. Der Priester wiegt nachdenklich den Kopf. Er schweigt eine Weile.

»Mag sein,« so sagt der Gottesmann schließlich nachdenklich, »dass die mordenden und plündernden Eroberer Südamerikas nicht gerade glaubwürdige Vertreter der Religion der Nächstenliebe waren. Wer das Schwert schwingt und gleichzeitig von Nächstenliebe spricht ... wer predigt, dass es auf geistliche Werte ankommt und gleichzeitig durch Folter an versteckte Goldschätze kommen möchte ...« Der Geistliche verstummt. »Wir nehmen es hin, dass die Menschen in ihrem alten Götterglauben verwurzelt sind. Sie pilgern nach wie vor zu den Vulkanen, quälen sich in die Höhe, um den Göttern näher zu kommen. Dort opfern sie ihnen, wie schon vor vielen Jahrhunderten! Es sind heidnische Götter, die da angebetet werden, auch wenn die Wanderer auf uralten Prozessionswegen Kreuze tragen. Auch wenn christliche Geistliche mitmarschieren und dem Ganzen einen christlichen Touch zu geben versuchen!«

Steinerne Pyramiden begegnen uns auf dem Weg zur Lagune immer wieder in winzigen Dörfern. Oft sind es mehr kleine Gehöfte als Siedlungen. Die Symbole stehen, so erklärt mir ein einheimischer Reiseführer, für das uralte Weltbild der kosmischen Mächte hoch oben auf den Vulkankegeln. Einigen hat man das christliche Kreuz aufgesetzt ... »Aber die alten Götter sind noch präsent ...«

Pyramide und Kreuz
Foto W-J.Langbein
Die Menschen, so erfahre ich weiter, sehen keinen Widerspruch: Sie glauben an die himmlische Gottesmutter Maria, die hoch oben bei den Sternen thront ... und an zornige Götter, die im Erdinneren hausen und den Menschen Tod und Verderben bringen können, wenn Vulkane ihre glühende Höllenlava über Mensch und Tier ergießen lassen!

»Der Schamane vermittelt schon immer zwischen den Welten, zwischen den Göttinnen und Göttern im Himmel ... und den Mächten, die in der Erde hausen. Das Christentum genügt vielen Menschen hier nicht, es ist ihnen zu simpel! Es soll nur einen Gott geben? Oder glaubt der Christ an mehrere Götter ... an Vater, Sohn und Heiligen Geist? So einfach verschwinden aber die mächtigen Götter nicht von den Vulkankegeln! Wer sie leugnet, bringt Unglück auf sich selbst und seine Familie!« Um Katastrophen zu vermeiden, gehen viele Einheimische auf »Nummer sicher«. Sie besuchen regelmäßig den katholischen Gottesdienst ... und pilgern zu den Göttinnen und Göttern.

Und die Göttinnen und Götter haben mit den einst heiligen Vulkanen zu tun. In Stein verewigt: ein Symbol, das an die christliche Dreifaltigkeit erinnert. Es könnte aber auch für drei Feuerzungen stehen, die aus einem Vulkan geschleudert werden. »In Europa hat man doch auch den Donner und den Blitz mit Göttern wie Thor in Verbindung gebracht! Hier, wo Vulkane das Landschaftsbild prägen, gelten Vulkanausbrüche als Strafe der Götter! Mancher ›Christ‹ fürchtet sich vor göttlicher Strafe: weil man sich zu sehr vom alten Glauben abgewendet hat!«

Uraltes Symbol alten
Volksglaubens
Foto: W-J.Langbein
Der Geistliche wird zornig: »Der religiösen Obrigkeit in Rom ist das egal! Dort ist vor allem wichtig, dass viele Menschen getauft und als Christen in den Statistiken geführt werden!« Beim Abschied murmelt er mir zu: »Wenn Sie wüssten, wie viele ›christliche‹ Geistliche den alten Göttinnen und Göttern der Vulkane näher stehen als dem biblischen Jahwe ...«, kopfschüttelnd zieht er sich in seine kleine Kirche zurück.

Man kommt dem Himmel wirklich näher, wenn man sich »Laguna de Lejia« nähert. Das Himmelsblau scheint klarer zu werden. Und in 4300 Metern scheinen sich blaues Wasser und blauer Himmel ineinander zu spiegeln. Und scheinbar überall recken riesige Vulkane ihre schneebedeckten Häupter gen Himmel. Da und dort scheint es in dem einen oder anderen Koloss zu rumoren. Steht ein Ausbruch bevor. Vulkan Lascar gehört zu den unmittelbaren »Nachbarn« der Lagune Lejia ... und ist der vermutlich aktivste Feuerberg der Anden. Der Lascar ist ein furchteinflößender Koloss. Mehr als 5600 Meter ragt er in den Himmel. Schon oft spie er Lavamassen und Asche hoch in die Atmosphäre. Sein aktiver Krater misst 800 Meter im Durchmesser und ist dreihundert Meter tief. Sechs Katastrophen hat er mindestens verursacht, der vulkanische Riese. Sechs zum Teil überlappende Kraterschlünde sind noch zu erkennen. Die Frage ist nicht, ob der Lascar wieder Feuer und Lava speien wird, sondern wann. Und die Bevölkerung vor Ort rechnet damit schon seit Jahren!















WJ Langbein: 2012 - Endzeit und Neuanfang


»Von Riesenköpfen und Monsterwesen«,
Teil 150 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 02.12.2012


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Sonntag, 18. November 2012

148 »Salar de Atacama«

Teil 148 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Bilderbücher im Wüstensand
Foto W-J.Langbein
So trocken wie die Wüste von Atacama, so langweilig war auch der Erdkundeunterricht: Öde Zahlen wurden vom desinteressierten Pädagogen heruntergeleiert. Dabei gehört das staubtrockene Land zu den exotischsten Reisezielen unseres Planeten! Damals, im Schulfach Geographie wäre ich vor Langeweile fast eingeschlafen. Ich hätte nie und nimmer geglaubt, dass ich diese surreale Landschaft einmal leibhaftig erleben würde!

Mich haben die teilweise riesengroßen Scharrzeichnungen in die Gefilde von San Pedro de Atacama gelockt. Von hier aus unternahm ich immer wieder Ausflüge zu den geheimnisvollen Bilderbüchern. Sie wurden vor vielen Jahrhunderten in den Wüstenboden gescharrt ... oder mosaikartig aus Steinbrocken in den Wüstenstaub gelegt. Wer sollte die Bilder sehen, die man oft am besten aus der Luft erkennt, wie den mysteriösen Riesen der Atacama-Wüste?

Immer wieder entdeckte ich eine Kombination von Steinhaufen, die miteinander durch Linien verbunden waren. Oft führte so eine Linie von Steinanhäufung zu Steinanhäufung direkt zu Berggipfeln. Verwiesen diese Wegweiser vor vielen Jahrhunderten auf besonders heilige Ziele, zu denen die Menschen durch die Wüste pilgerten? Legten die Verehrer längst vergessener Göttinnen und Götter die Scharrzeichnungen an, in der Hoffnung, die Himmlischen würden sie wie ein Buch lesen können?

Wegweiser durch die
Wüste - Foto:
W-J.Langbein
Viele Jahrhunderte lang konnte der Zahn der Zeit den uralten Bildnissen nichts anhaben. Heute trampeln neugierige Touristen auf den mysteriösen Wüstenzeichnungen herum, bedrohen die Existenz bis heute unverstandener Botschaften. Werden sie zerstört werden, bevor wir sie verstehen? In Chile hörte ich wiederholt die folgende Erklärung:

»Die weithin sichtbaren Linien führten einst die Wüstenbewohner zu Wasserquellen hin. Die Menschen mussten oft riesige Strecken zu Fuß zurücklegen, um an sauberes Trinkwasser zu kommen. Markierungen wiesen den Menschen den Weg. Am »Straßenrand« hinterließen sie Zeichnungen und Symbole. Mag sein, dass bestimmte Wege von bestimmten Stämmen als Eigentum angesehen wurden, die mit der Bilderschrift ihre Ansprüche verewigten. Mag sein, dass den nachfolgenden Wassersuchern wichtige Hinweise vermittelt wurden, etwa, dass da eine Quelle versiegt sei und dass dort eine andere Quelle wieder Wasser führe.« Beweise für diese These gibt es keine. Mir ist keine einzige Peillinie begegnet, die tatsächlich zu einem Brunnen oder zu einer Quelle führte ...

10.000 vor Christus sollen die ersten Menschen in die bizarre Wüstenregion gekommen sein. Regen gibt es in der Trockenzeit so gut wie keinen. Einzig nennenswerter, sichtbarer Hauptlieferant von Süßwasser ist der Fluss San Pedro. Es soll aber eine ganze Reihe von unterirdischen Zuflüssen geben.

Todeszone Wüste
Foto W-J.Langbein
In rund 2300 Metern Höhe erstreckt sich im Süden von San Pedro de Atacama die Salzwüste »Salar de Atacama« (auch »Solar de Atacama«). 3000 Quadratkilometer groß ist sie ... 3000 Quadratkilometer Planet Erde, die so fremdartig wirken, dass man sich auf einen fernen Planeten versetzt fühlt.

Nur mit kundigem Führer sollte man sich in die Wüste wagen ... und sich auf die Sonne vorbereiten und Sonnencreme mit höchstem Schutzfaktor rechtzeitig dick auftragen! Temperaturen von 50 Grad sind keine Seltenheit. Bei solcher Höllenhitze muss ausreichend getrunken werden. Richtwert: 1 Liter pro Stunde ... wenn man gemächlich schlendert. Schwer arbeitende Einheimische trinken täglich bis zu fünfzehn Liter Wasser!

Sollte man an einem kleinen Lokal vorbeikommen ... in irgendeinem Dörfchen ... dann ist es sehr riskant, Wasser mit Eiswürfeln zu konsumieren. Mag das eigentliche Trinkwasser im Glas noch so sauber sein, die Eiswürfel können aus für den Besucher ungenießbarem Wasser bestehen ... und zu horrendem Durchfall führen. Dieses Leiden kann einen Aufenthalt in der Wüste zur tödlichen Gefahr machen: Dem Körper wird viel zu schnell zu viel Wasser entzogen! Hitzschlag droht!

Wunderwelt Solar de Atacama
Foto: W-J.Langbein
Sportive Radler dürfen nicht einem folgenschweren Irrtum erliegen: Man könnte meinen, der Hitze des Tages in der Nacht entfliehen zu können. Die dann jedoch auftretenden eisigen Temperaturen machen aber das Radfahren nicht zu einem gemütlichen Sonntagsausflug!

Taxis bugsieren den interessierten Touristen zu erschwinglichen Preisen sicher an die interessantesten Plätze. Busse verkehren auch, aber oft gelangt man mit dem öffentlichen Verkehrsmittel nicht direkt ans gewünschte Ziel. Man muss dann oft noch erhebliche Strecken zu Fuß zurücklegen. Nicht unproblematisch ist das Fahrrad als Vehikel. Selbst sportliche Menschen mit guter Kondition können in der Atacama Wüste rasch an die Grenze ihrer Belastbarkeit kommen ... und setzen dann ihre Gesundheit aufs Spiel!

3000 Quadratkilometer groß ist Salar (auch Solar) de Atacama ... die vielleicht weltgrößte natürliche Produktionsanlage von Salz. In der Salar de Atacama sammelt sich stark mineralisches Wasser und verdunstet in der Sonnenglut. So lagert sich an der Oberfläche eine stetig wachsende Salzschicht ab, meist stark mit Lehmanteilen durchsetzt. Streckenweise glänzt das Salz geradezu blendend hell. Häufiger aber hat die Salzkruste gräulich-bräunliche Farbe.

Einsamer Wanderer im Federkleid
Foto: W-J.Langbein
Trinkwasser ist hier absolute Mangelware ... und wird doch aus Profitgier vergeudet. Schlummern doch im Wüstenboden wahre Schätze von unermesslichem Wert, die für die großen Industrienationen unseres Planeten immer kostbarer werden. Es geht großen Konzernen vor allem um Lithium. Fast die Hälfte der Lithiumbatterie unseres Planeten werden in der Atapuerca-Region vermutet. Gewaltige Wassermengen werden an die Erdoberfläche gepumpt und in flachen Becken zum Verdunsten gebracht. Kaliumchlorid und Kaliumsulfat lagern sich ab. Lithium bleibt noch im Wasser gelöst, wird in weiteren Schritten gewonnen. Folge: Der Grundwasserspiegel sinkt und sinkt. Wie schnell der Mensch das Ökosystem Atacama-Wüste zerstört, das ist nicht abzusehen.
Der Sonnenhölle der Atacama-Wüste geht in Soalar de Atacama über ... in eine noch bizarrere Welt, eingebettet in eine wahrhaft fremdartige Kulisse. Die Salzwüste gebiert dieses Ambiente ständig neu ... Wasser steigt auf, verdunstet ... überzieht die Landschaft mit harter Salzkruste. An manchen Stellen durchbricht das unterirdisch Brodelnde der Salz-Lehm-Panzer. Die salzig-schmutzige Lauge quillt glucksend ans Tageslicht. Es entstehen Wasserbecken, die den Flamingos Lebensraum bieten. Die Luft flimmert flirrend über über der Salzbrühe. Man möchte an eine Fatamorgana glauben. Da die Luft extrem trocken ist, reicht der Blick sehr weit. Im Hintergrund erkennt man schneegekrönte Vulkane.



Die Vulkane Licancabur – fast 6 000 Meter hoch – und Vulkan Parinacota – 6300Meter hoch – sind atemberaubend schön ... und majestätisch. Sie waren von religiöser Bedeutung ... und sind es für die einheimische Bevölkerung auch heute noch. Noch heute pilgern sie zu den Riesen, die Himmel und Erde miteinander verbinden. Was für christlich geprägte Menschen einst der »Turm zu Babel« war, waren für Einheimische die riesigen Bergkegel der Vulkane. Von der Erde ausgespiene Türme, die Menschen der Welt der Göttinnen und Götter näherbringen können.

Keine Fatamorgana - Flamingos
in der scheinbaren Höhle
Foto: W-J.Langbein
Und durch die salzige Kruste watscheln und schreiten ... Flamingos. Sie filtern mit ihren Schnäbeln winzige Organismen aus dem Wasser. Die Flamingos sind sehr anpassungsfähig. Man trifft sie im Umfeld der Atacama-Wüste in Höhen von bis zu 4.000 Metern an!

Wüstenlandschaft mit fast steinharter Salzkruste ... Vulkane, die bis weit in den Himmel reichen ... in verschiedensten Farben schillernde Salzbrühe, die einen riesigen flachen »See« bildet ... durch den gemächlich-majestätisch Flamingos schreiten, meist mit gesenktem Kopf, Schnabel im Wasser ... Was für eine Szenerie! Sie könnte von einem Hollywoodgenie virtuell am Computer erschaffen worden sein, als Kulisse für einen fantastischen Science-Fiction-Film. Kein Kinofan würde sich über das Auftauchen von Sauriern oder Monstern aus dem All wundern. Oder sieht so die Erde nach der Apokalypse aus? Oder befinden wir uns in der Hölle, wo die Seelen der Sünder umherirren?

Mancher Kinobesucher würde vielleicht monieren, so eine Welt könne es doch in der Realität nicht geben! Das beschrieben Szenario liegt aber nicht auf einem fernen Planeten in den Weiten des Universums ... sondern auf unserem Heimatplaneten Erde, in Chile, an der Grenze zu Bolivien.

Der Grundwasserspiegel sinkt ...
Foto W-J.Langbein
Mit Grausen denke ich an den langweiligen Geographieunterricht vor rund einem halben Jahrhundert. Es war schon wieder fast eine meisterhafte Leistung, uns Schulkindern die faszinierende Welt der Atacama-Wüste mit ihren Bilderbüchern am Boden, den Vulkanen und Flamingos in salzigem Wasserspiegel in so drögem Ton und so langweilig-farblos zu schildern. Ich bin überglücklich, trotz der abschreckenden Schulstunden jene fernen Regionen aufgesucht zu haben!

Und ich bin traurig, weil der Geographieunterricht so spannend hätte sein können wie die Wirklichkeit ...

Buchtipp:

Hermann, Helmut: Traumstrassen - Träume. Romantik und Realität der Panamerikana, Markgröningen 1985

»Laguna Lejia«,
Teil 149 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 25.11.2012


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Sonntag, 30. Mai 2010

20 »Vom Kandelaber zum Riesen der Atacamawüste«

Teil 20 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Der Kandelaber von Pisco ist am besten aus einer Distanz von etwa einem halben Kilometer vom Meer aus zu sehen. Vom Boot aus wirkt das Zeichen im Wüstenboden wie eine Fata Morgana... wie eine Botschaft aus grauer Vorzeit. Man staunt über die wuchtige Größe, die doch zugleich so seltsam filigran auf den Besucher wirkt. Vor vielen Jahrhunderten wurde dieses Kunstwerk geschaffen. Es hat die Zeiten überdauert.


Steht man aber direkt am Fuße der eigenartigen Geoglyphe, so erkennt man so gut wie nichts von dem Riesenbild. Man erahnt nur, was aus der Distanz als Gesamtbild gesehen wird. Man vermutet da und dort Linien, aber diese Linien scheinen kein sinnvolles Bild zu ergeben.

Die Mittelachse des Kandelabers besteht aus einer nur etwa fünfzig Zentimeter tiefen und bis zu fünf Meter breiten Furche. Diese Furche wird rechts und links von einem kleinen »Wall« umrandet.


Handelt es sich um eine steinerne Einfassung? Hart wie Stein ist sie jedenfalls... hart wie Stein ist auch der Boden der seichten Furche. Stein scheint es aber nicht zu sein, sondern eher von der Hitze festgebackener Sand. Wirklich geradlinig verläuft diese Umrandung weder bei der Mittelachse, noch bei den beiden schmaleren kleineren äußeren »Säulen«. Was aus der Distanz wie eine exakte Linie aussieht, sie aus der Nähe betrachtet wie der geschwungene Verlauf einer Wellenlinie am Strand.

Vom Fuß des Kandelabers aus blickt man auf Wellen: auf die Wellen des Meeres zu seinen »Füßen«... und auf die Wellen aus Sand, auf wogende, niedrige Sanddünen, in die das seltsame Riesenzeichen eingebettet ist. Das von unbekannten Künstlern vor vielen Jahrhunderten geschaffene Werk wirkt wie ein Fremdkörper: fast wie ein in den Staub des Mondes gegrabenes Bildnis. Es ist eindeutig künstlich.. und doch anmutig schön wie ein Werk der Natur.

Warum, so frage ich mich, wird der Dreizack nicht verweht? Warum deckt ihn der Wind nicht mit Sand zu? Mein Eindruck: Es ist der Wind, der dafür sorgt, dass der Kandelaber immer sichtbar bleibt. Offenbar liegen – zufällig oder bewusst gewählt – genau solche Bedingungen vor, die dafür sorgen, dass der Wind die Mulden (aus denen der Kandelaber besteht) immer wieder frei fegt. Ob das am Neigungswinkel des ansteigenden Bodens – ich schätze es sind zwischen 35 und 40 Grad – liegt?

Hinzu kommt die Sonne, die dafür sorgt, dass das Riesenbild nicht verschwindet. Sie erhitzt den sandig verkrusteten Boden, erzeugt so eine Art Luftkissen. Dieses Luftpolster verhindert, dass Staub- und Sandpartikel die erstaunliche Geoglyphe zudecken. Sie werden vom Wind darüber hinweggeblasen, setzen sich erst gar nicht auf dem Erdbild ab.

Diese Erklärung macht verständlich, warum auch die Pisten und figürlichen Darstellungen auf der Ebene von Nasca so viele Jahrhunderte überstanden haben. Das Wärme-Luftpolster direkt über dem Wüstenboden verhindert, dass Staub und Sandpartikel das Bilderbuch für die himmlischen Götter verschwinden lassen. Sie sinken erst gar nicht bis zum Boden, sondern sie werden über die Scharrzeichnungen hinweggeweht.

Vor menschlichem Vandalismus wird Nasca durch drakonische Strafen bewahrt. Wer die Ebene betritt, der muss mit Geldstrafen von bis zu einer Million Dollar oder fünf Jahren Knast rechnen. Diese Maßnahme zeigt zum Glück Wirkung! Noch vor wenigen Jahrzehnten nutzten Motorsportler die Ebene von Nasca um ihre PS-Monster tüchtig auszufahren, abrupt abzubremsen und so schnell wie möglich wieder zu beschleunigen. Erhebliche Schäden wurden so den Kunstwerken im Wüstensand zugefügt.

Die Bilder von Nasca wie der Kandelaber von Pisco entstanden vor vielen Jahrhunderten in einer unwirtlichen, unwirklich anmutenden Welt. Skurril sieht das seltsame Bild im Negativ aus... plastischer als das Foto im Positiv. Die rätselhaften Riesenbilder von Nasca sind im »raspaje«-Verfahren geschaffen worden: die dunklere oberste Schicht des Wüstenbodens wurde weggeschabt, so dass der hellere Untergrund zum Vorschein kam. So entstanden helle Linien, Pisten, geometrische Figuren sowie Darstellungen von Tieren und menschenähnlichen Wesen.

Zur Erinnerung: Am 22. Juni 1941 brach Dr. Paul Kosok, ein Historiker von der »Long Island University«, New York, zu einem Erkundungsflug auf. Von einem einmotorigen Sportflugzeug aus wollte er zwischen den Ortschaften Ica und Nazca alte Wasserkanäle ausfindig machen. Vergleichbare Geoglyphen – ebenso im »raspaje«-Verfahren kreiert... wurden auch in Chile aus der Luft entdeckt. Waren sie – wie die Bilder von Nasca – für himmlische Wesen gedacht?

Andere Kunstwerke der ungewöhnlich großen Art lassen sich am ehesten mit Mosaiken vergleichen. Bei dieser »Técnica de Adición« wurden möglichst dunkle Steine (meist Lava-Brocken) auf hellem Wüstenboden zu Mustern und Bildern angeordnet. Konnten die Menschen der Region die zahlreichen Bilder einst wie ein Buch lesen? Stammen sie von nomadisierenden Volksgruppen, die auf diese Weise Botschaften hinterließen?

Etwa 83 Kilometer nordöstliche von Iquique gibt es die wahrscheinlich größte Darstellung eines menschenähnlichen Wesens überhaupt. Man findet sie, wenn man von Huara nach Colchane fährt. Vierzehn Kilometer östlich von Huara folgt man einer Schotterpiste durch die Wüste – zum »Cerro Unitá«, einem Hügel mit teilweise steilen Hängen. Touristen verirren sich eher selten in diese abgelegene Region.

Fährt man über die allenfalls notdürftig befestigte »Straße« auf den Hügel zu, so erkennt man eigenartige »Pisten« oder »Streifen«, die am Fuß des kleinen Berges beginnend... gen Himmel streben.

Seltsame Formationen von sorgsam zusammengetragenen Steinen fallen auf. Sind es geometrische Muster ohne tiefere Bedeutung? Oder soll man sie als Schrift entziffern und lesen? Sollten sie so etwas wie ein Buch im Wüstensand darstellen? Dann gibt es heute niemanden mehr, der die Zeichen und Symbole wie ein Buch lesen kann!
Umrundet man den Hügel entdeckt man schließlich... den »Gigante de Atacama«. Oder besser gesagt: Man erahnt den riesenhaften Gesellen, den man in seiner Gesamtheit nur aus der Luft, aus der Vogelperspektive, sehen kann. Er schmiegt sich an einen Hang des Hügels. Sein Kopf liegt zum Teil oben auf der Kuppe, entzieht sich also dem Betrachter zu Füßen des Hügels.

86 Meter misst er von den Fußsohlen bis zu den Haarspitzen. Oder sind es »Strahlen«... oder »Federn«? In der wissenschaftlichen Literatur gibt es keine allgemein akzeptierte Antworten auf so manche Frage. Soll die größte Darstellung einer menschenähnlichen Gestalt eine Gottheit darstellen... oder einen irdischen Herrscher?

Auf mich wirkt das riesenhafte Wesen eigenartig eckig und roboterhaft. Seine rechte Hand erinnert mehr an eine mechanische Greifvorrichtung als an eine menschliche Hand. Mit der linken Hand hält es eine seltsame Stange. Das Ding könnte auch über der Schulter getragen werden. Ein kleines Wesen – vielleicht ein Äffchen? – klettert daran empor.

Eine Zeichnung soll die Details verdeutlichen, die man heute kaum noch zu erkennen vermag. Erhebliche Schäden (vom Zahn der Zeit zugefügt) lassen an manchen Stellen nur noch erahnen, was das große Kunstwerk einst gezeigt haben mag.

Der »Gigant« ist der »König« der Wüstenbilder. Die Atacamawüste hat offenbar über viele Jahrhunderte hinweg die Künstler verschiedener alter Kulturen geradezu magisch angezogen. Auf einer Fläche von 150 000 km² wurden in den vergangenen Jahrzehnten mehr als 5 000 entdeckt. Sie wurden vor allem entlang uralter Karawanenwege durch die Wüste geschaffen: einzelne Darstellungen finden sich ebenso wie Gruppen mit Dutzenden von Bildern. Neben abstrakt geometrischen Formen wurden Menschen und Tiere dargestellt: teils durch das Wegkratzen der dunkleren oberen Schicht des Wüstenbodens, teils durch Anhäufen dunkler Steine.

Mir kommt es so vor, als hätten unzählige Künstler die weiten Flächen der Atacamawüste als riesige »Seiten« eines gewaltigen Buches verstanden. Aber werden wir jemals dazu in der Lage sein, die Wüste wie ein Buch zu lesen? Dabei können wir bequem in kleinen Flugzeugen die Werke unserer Vorfahren aus der Luft bestaunen... und sehr viel deutlicher und besser sehen als die damaligen Künstler!


Am besten man befährt mit dem Auto Nebenstraßen und sucht von Anhöhen aus die in der Distanz liegender Hänge ab. Ein Fernglas oder ein starkes Teleobjektiv sind dabei sehr hilfreich. Dann erkennt man immer wieder Erdbilder von faszinierender Schönheit. Entdeckungen sind vorprogrammiert. Leider fahren – anders als in der Nasca-Region – offenbar auch heute immer noch Vertreter unserer modernen Kultur mit Geländefahrzeugen in der Wüste herum.... und zerstören so uralte Riesenbilder. Es ist deprimierend: Kunstwerke, die viele Jahrhunderte, vielleicht zwei Jahrtausende und mehr überstanden haben, werden von heutigen Zeitgenossen zerstört. Vielleicht verschwinden so uralte Kunstwerke... bevor sie wirklich entdeckt und untersucht werden können.

Die Wüstenbodenbilder sind aber nur aus der Distanz in ihrer vollen Schönheit zu erkennen. Wurden sie gar nicht für menschliche Augen erschaffen? Das mutet seltsam an. Kreiert ein menschlicher Künstler doch in der Regel seine Werke in der Hoffnung, dass möglichst viele Menschen sie bewundern. Bilder, die niemand sehen kann, ergeben keinen Sinn. Und doch existieren sie: die Geoglyphen... Kunstwerke für die Götter?

Staunend stellte ich nach wiederholten Besuchen vor Ort, dass es heute noch sehr viele Kunstwerke dieser Art geben muss. Es dürften einst viel mehr, nämlich Tausende und Abertausende gewesen sein. Bei jedem meiner Besuche vor Ort habe ich immer wieder neue entdeckt. Und immer wieder wurde mir bei der Sichtung der Kunstwerke im Wüstenboden aus der Distanz klar, wie groß sie zum Teil sein müssen. Strommasten, inmitten von Geoglyphen errichtet, muten plötzlich geradezu winzig an.

Zu viele Jahrhunderte galt ein »wissenschaftliches Weltbild«, das keinen Platz bot für Unerklärliches. Es war ein Circulus vitiosus: Was mit herkömmlichen Theorien nicht vereinbar war, wurde von der Wissenschaft nicht behandelt. Und was von der Wissenschaft nicht bearbeitet wurde, wurde als »unwissenschaftlich« deklariert. So gab es ein riesiges Heer von verdammten Fakten, die nicht sein konnten, weil sie nicht sein durften. Sie konnten nicht sein, weil sie in den Gedankengebäuden der Wissenschaft keinen Platz fanden. Und weil sie in den schulwissenschaftlichen Lehrbüchern nicht vorkamen, konnte es sie nach wissenschaftsgläubiger Weltsicht nicht geben. So wie vor Jahrhunderten die Mainstrom-Theologie nicht passende religiöse Texte als apokryph diskreditiert und nicht in die Bibel aufgenommen wurden, so wurden störende Fakten in wissenschaftlichen Standardwerken nicht zugelassen.

Wir benötigend dringend einen Klimawechsel in der Weltsicht von Wissenschaftlern und Laien: Wir müssen endlich auch das scheinbar Unerklärliche berücksichtigen. Nur dann werden wir vielleicht eines Tages Antworten auch auf unbequeme Fragen finden. Wir brauchen einen Klimawechsel im Denken, der auch das scheinbar Unbegreifliche zur Kenntnis nimmt.

Wie kann so ein Klimawechsel in der wissenschaftlichen Denkweise erreicht werden? Wir »Laien« müssen ihn einfordern, so lautstark wie nur möglich!

Anmerkung des Verfassers: Dies ist Folge 20. meiner laufenden Serie. Ich danke meinen Leserinnen und Lesern für die positive Resonanz.

Von Herzen gratuliere ich Lena Meyer-Landrut zum wohlverdienten Sieg beim Grand Prix in Oslo! Herzlichen Glückwunsch!


»Das weiße Pferd von Uffington«,
Teil 21 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 6.6.2010

Sonntag, 15. November 2009

Abschied von der Osterinsel (1)

Teil V der Serie
»Das Atlantis der Südsee«
von Walter-Jörg Langbein    

Santiago de Chile im Oktober 1992. In Deutschland wurde gerade mein Buch »Die großen Rätsel der letzten 2500 Jahre« ausgeliefert. Ich war in Südamerika unterwegs. Am Vortag hatte ich die mysteriösen Scharrzeichnungen in der Atacama-Wüste Chiles erkundet. Rätselhaft ist der »Riese« vor vielen Jahrhunderten in den trockenen Wüstenboden gescharrt. In der Literatur wird seine Größe mal mit 80, mal mit 120 Metern angegeben. Wer hat die rätselhafte Gestalt mit Strahlen am Kopf – oder ist es eine Krone? – im »Unitas-Hügel« ( nordöstlich von Iquique) verewigt? In seiner Gesamtheit kann man die wahrscheinlich größte Darstellung eines menschenähnlichen Wesens nur vom Flugzeug aus sehen. Wurde das gewaltige Kunstwerk geschaffen, um den himmlischen Göttern ein Zeichen zu geben, eine Botschaft zu übermitteln?

Endlich sollte ein Jugendtraum Wirklichkeit werden. Ich würde die Osterinsel besuchen!
Es war gegen Mitternacht, als ich mit Lan Chile in Santiago de Chile landete. Zehn Stunden würde auf meinen Anschlussflug zur Osterinsel warten müssen. Eine Putzfrau fragte mich in einem Gemisch aus Spanisch und Englisch, ob ich denn kein Hotelzimmer hätte. Ich versuchte ihr zu erklären, dass ich am nächsten Morgen zur Osterinsel fliegen werde.

Wenig später führte sie mich zu einem Linienbus vor dem Flughafen. Sie redete auf den Fahrer ein. Der verstaute schließlich meinen Koffer hinter einer rostigen Klappe im Heck des angejahrten Vehikels. Und los ging die Fahrt ins Ungewisse. Nach etwa einer Stunde fahrt hielt der Bus in einem dörflichen Vorort von Santiago. Eine Haltestelle vermochte ich nicht zu erkennen. Der Busfahrer stieg aus, holte meinen Koffer und schleppte ihn über die Straße zu einer kleinen Pension. Ich folgte. Kein Licht brannte im Haus. Der Busfahrer klingelte Sturm. Und wartete. Er wartete, bis die »Herbergsmutter« geöffnet und mir ein höchst preiswertes kleines Zimmer zugewiesen hatte. Erst dann verabschiedete sich der hilfsbereite Mann Busfahrer freundlich grüßend und sagte etwas von »morgen«. Ein »Trinkgeld« lehnte er empört-beleidigt ab.

Am nächsten Morgen gab’s ein leckeres Frühstück... und dann erschien wieder der so besonders freundliche und hilfsbereite Fahrer des Linienbusses vom Vorabend. Er holte mich von der kleinen Pension ab. Am Flughafen angekommen achtete er darauf, dass ich auch mein Gepäck am richtigen Schalter aufgab. Solche Erlebnisse mit freundlichen Menschen habe ich auf meinen Reisen in ferne Gefilde unseres Planeten immer wieder erlebt. In Deutschland allerdings scheint derlei menschliches Entgegenkommen eher selten zu sein.

Stunden später war ich zum ersten Mal auf der Osterinsel. Ein Kindheitstraum war in Erfüllung gegangen! Es gibt ein modernes Kuriosum auf dem Eiland! Die Landebahn wurde vor Jahren verlängert – auf 3353 Meter. Als Erklärung musste Space-Shuttle herhalten. Falls es unmittelbar nach dem Start so eines Raumflugzeugs zu einer Panne kommen sollte... könne es auf der Osterinsel notlanden. Allerdings benötigt das Space-Shuttle eine noch weit längere Landepiste, nämlich von etwa fünf Kilometern. Somit wäre also die Osterinsel nicht wirklich für Space-Shuttle geeignet... wohl aber für amerikanische Kampfjets wie F-15. Sollte also der Hinweis auf »Notlandeplatz für Space-Shuttles« nur den wahren Grund für die für das Minieiland ansonsten vollkommen unsinnige Landebahn sein? Wollen die USA in den Weiten des Pazifiks so etwas wie einen Militärstützpunkt vorbereiten, der im Kriegsfalle in kürzester Zeit besetzt werden könnte?

Unbestreitbar ist die Osterinsel für Militärs von größter strategischer Bedeutung für Militärs. Rührt daher das erstaunliche Interesse Chiles an dem einsamen Eiland? Am 11. September 1973 kam General Pinochet durch einen grausamen Militärputsch an die Macht. Zigtausende Menschen wurden von seinem Geheimdienst als »verdächtige Elemente« eingestuft, Viele Tausende wurden grausam gefoltert. Unzählige Gegner der Diktatur verschwanden spurlos. Manches spricht dafür, dass die CIA beim Sturz Allendes beteiligt war. 2000 Regimegegner – oder mehr – sollen ermordet worden sein.

1988 sprach sich das Volk von Chile mehrheitlich gegen Pinochet aus. 1989 gewann Christdemokrat und Pinochet-Gegner Patricio Aylwin die Wahlen zur Präsidentschaft. Doch erst 1998 gab Pinochet sein Amt als Oberkommandierender der Armee auf. In London wurde der Exdiktator verhaftet und schließlich von spanischen Richtern wegen schlimmster Menschenrechtsverletzungen verurteilt. Eine Strafe musste er jedoch nicht antraten. Vielmehr konnte Pinochet aus Krankheitsgründen als freier Mann nach Chile heimkehren. Weil er aus gesundheitlichen Gründen verhandlungsunfähig erklärt wurde, wurde ihm kein weiterer Prozess gemacht. Pinochet starb, unbehelligt von der Justiz, am 10. Dezember 2006 nach schwerer Krankheit.

Bereits 1888 wurde die Osterinsel von Chile annektiert – aus militärstrategischen Gründen. Im Ersten Weltkrieg spielte sie eine bedeutende Rolle. Bis 1967 herrschte chilenisches Kriegsrecht! Bis 1967 waren die Bewohner der Osterinsel Gefangene im eigenen Land. Sie waren eigentlich Chilenen, denn das geheimnisvolle Eiland gehörte ja zu Chile. Demokratie und Selbstbestimmung waren Fremdworte für die Nachkommen der Statuenbauer. Ein von Chile eingesetzter Gouverneur war die höchste Autorität. Osterinsulaner durften nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Gouverneurs die Insel verlassen. Frei bewegen durften sie sich nicht. Um Hangaroa herum war ihnen ein kleines Areal zugewiesen worden. Ein hoher Zaun trennte sie vom Rest der Insel. Wachen achteten darauf, dass die Menschen ihr Gefängnis nicht verließen. Der Rest des Eilands blieb Tabu.

Auch heute gehört das mysteriöse Eiland nach wie vor zu Chile. Es dürften nicht die riesigen Steinstatuen sein, die für heutige Militärs von Interesse sind. Verschwörungstheorien geistern durch die Welt, die meisten sind absurd und unsinnig. Ob es ein Geheimabkommen zwischen Chile und den USA gibt, die militärische Nutzung der Osterinsel im Kriegsfall betreffend? So absurd ist diese Vermutung nicht!

Ich erkundete das einsamste Eiland der Welt. Staunend stand ich vor den riesenhaften Statuen. Einst hatten sie »eingelegte Augen« aus Muschelkalk. Im Lauf der Jahrhunderte fielen sie aus den Augenhöhlen. Nur einige wenige Exemplare wurden bei archäologischen Ausgrabungen wiederentdeckt. Einst trugen die Kolosse gewaltige steinerne »Hüte« oder »Helme« auf den Köpfen. Wie gewaltig diese merkwürdigen Kopfbedeckungen sind, verdeutlicht der Größenvergleich... »Hut mit Dame«.

Heute werden kleinere bis allenfalls mittelgroße Statuen wieder aufgerichtet. Man verwendet dazu moderne Technologie, etwa Baumaschinen wie Krane. Die Einheimischen allerdings sind skeptisch. Moderne Technologie kann leicht die uralten Kolosse beschädigen, etwa wenn eine Statue mit einem Kran und Stahlketten hochgezerrt werden soll.

Schwieriger als die berühmten Kolosse wieder aufzurichten ist es, ihnen ihre Kopfbedeckung erneut auf die Köpfe zu bugsieren... in luftiger Höhe. Es ist schon ein technisches Meisterwerk, die uralten Figuren wieder so empor auf die steinernen Sockel zu heben, dass sie nicht gleich wieder umfallen. Die steinernen »Kopfbedeckungen« müssen auf den Millimeter genau an der richtigen Stelle sitzen, sonst fallen die Figuren mitsamt »Hut« wieder um!

Wie riesig die roten »Zylinder« sind... das zeigt ein Foto: eine Osterinselbesucherin aus Deutschland vor einem der »Hüte«. Offenbar wurden zumindest manche der »Helme« mit einem tiefen Loch versehen, das genau auf einen steinernen Zapfen am Kopf der Riesen passte. So sollte gewährleistet sein, dass die Hüte auch auf den Köpfen blieben. Seltsamer Weise aber habe ich nicht einen einzigen Osterinselkoloss mit einem »Zapfen« am Kopf ausfindig machen können.

Die ersten europäischen Besucher der Osterinsel fanden vermutlich schon keine Monsterstatuen mehr auf ihren Sockeln stehend vor. Alle lagen am Boden. Waren die Kolosse einst in kriegerischen Auseinandersetzungen umgestoßen worden? Oder waren sie einst Naturkatastrophen – wie etwa Erdbeben – zum Opfer gefallen? Wie auch immer: Stolz auf Podesten stehende Riesen – wie etwa die steinernen »sieben Kundschafter« – sind nicht die Regel, sondern die Ausnahme!

In grauer Vorzeit, so ist es überliefert, versank das »Atlantis der Südsee« in den Fluten. Der Priester des sterbenden Reiches wurde vom fliegenden Gott Make Make durch die Lüfte zur Osterinsel gebracht.. und zurück in die Heimat. Der König schickte sieben der besten Seefahrer los. Sie fanden die Osterinsel nach den Anweisungen des Priesters. Nach Rückkehr der sieben Kundschafter – sieben kolossale Statuen stellen die mutigen Männer dar – kam es zu einem Exodus in der Südsee: vom versinkenden Atlantis zur Osterinsel.

Wer wie ich wochenlang die Osterinsel nach den Spuren einer rätselhaften Vergangenheit abgesucht hat, gewinnt ein deprimierendes Bild. Die unzähligen Petroglyphen, die einst in das weiche Vulkangestein geritzt worden sind, befinden sich heute in einem traurigen Zustand. Man sollte sie auch heute noch wie ein Buch lesen können. Doch leider sind viele so gut wie nicht mehr zu erkennen! Besonders oft verewigt wurde offenbar ein mythischer »Vogelgott« oder »Vogelmensch«.

Viele, wenn nicht die meisten, sind kaum oder gar nicht mehr als von Menschenhand geschaffene Kunstwerke zu erkennen. Aber auch sehr viele Statuen befinden sich in einem erbärmlichen Zustand. Beim Sturz vom Podest sind nicht wenige von ihnen oft mehrfach zerbrochen. Der sprichwörtliche »Zahn der Zeit« nagt an ihnen. Nach und nach verlieren sie ihre Konturen, scheinen förmlich zu verrotten.

Manchmal, so scheint es, könnte man den einen oder den anderen maroden Steinriesen wieder rekonstruieren. Aber das wird ganz offensichtlich nicht versucht. Viele Bruchstücke werden in absehbarer Zeit wie formlose Klumpen aussehen. Sie werden nicht mehr zu imposanten Statuen zusammengesetzt werden können. Eigentlich müsste dieser Prozess doch zumindest aufgehalten werden können.

Wie es zur Beschädigung von Steinritzzeichnungen und Statuen kommt, ist hinlänglich bekannt: Das Tuffgestein, in das mythologischen Bilder eingraviert und aus welchem die Kolosse bestehen, ist sehr weich und vor allem porös. Zudem sind im Laufe der Jahrhunderte Risse entstanden. So konnte und kann Feuchtigkeit eindringen. Die Feuchtigkeit im Stein lässt – besonders bei den erheblichen Temperaturschwankungen – Schicht für Schicht abplatzen. Sollte es in den letzten Jahren einen Klimawandel gegeben haben, der den steinernen Kunstwerken mehr zusetzt als die Jahrhunderte zuvor?


Die weiteren Teile der Serie finden Sie hier:
Die Website von Walter-Jörg Langbein: http://www.2012-weltuntergang.com/

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