… oder auch: Die Macht der Kriminellen
Leseprobe:Der Schläger und der Kinderschänder
»… Das letzte Stück musste Sylvia ihren Tretroller schieben. Dann hatte sie endlich den höchsten Bereich des Berges erreicht. Wie still es für Sylvia dort ist, wie friedlich, wie manchmal es auch in früheren Zeiten manchmal so war. Dann konnte ihr Blick nicht weit genug gerichtet sein. Ein freies Feld bis der Horizont endete, da, wo scheinbar ein Wald beginnt. Aber bis dahin wünschte sie sich einen weiten Blick. Wobei genau dort, weiter unten, entdeckte sie wieder die Hochlandrinder, die sich friedlich bewegten.
Natürlich waren Wanda und Emil direkt vorhanden, sie wohnten Tür an Tür mit ihr. Die Einkünfte von ihnen bestanden zum einen von irgendeinem Amt, dann etwas Geld für die Taxifahrten. Der Rest war Schwarz verdient. Wobei die Fotos und Filme Geld brachten, davon ließen sich schon Autos, Wohnwagen, Urlaube finanzieren. Aber Geld für einen Anwalt ausgeben, der seine Kosten höher forderte, als das Amt zu zahlen bereit wäre, dürfte für sie nicht in Frage kommen.
Eher würde es wohl besser passen, wenn Eva sich bei dem Anwalt beliebt machte, ihn zahlte und er ihr dann umfangreich sein Können gegenüber Sylvia zeigen konnte. Was er ja auch tat.
Über den Wäldern kann sie noch die Spitze einer Kirche erkennen. Dort sollen vor mehr als 30 Jahren junge Menschen missbraucht worden sein. Die brauchten den Tod des Priesters, um reden zu können. Und was hat die Anzeige von ihr gegen den Grundschullehrer gebracht? Der Lehrer musste 5.000 D-Mark zahlen.
Dann war es ein Taxifahrer und eine Anzeige von Sylvia, wobei sie dafür fast draufgegangen wäre. Denn sie musste sich unbedingt auch noch mit einem Mörder anlegen.
Der Berg machte ihren Kopf frei. Wie bestimmte Ereignisse so Einfluss nehmen können auf ihre Lebenseinstellungen, auf ihr Verhalten, auf ihr Tun. Fühlte sie sich als junge Frau im Widerstand gegen die eigene Mutter. Dann fühlte sie sich viele Jahrzehnte lang auch als eine überzeugte Pazifistin. Aber war viele Jahrzehnte lang von Gewalt umgeben. Erlebte jetzt wieder Gewalt, als Pazifistin, eben irgendwie wie das Lämmlein inmitten der Wölfe.
Sylvia überlegte, ob sie einen Teil von sich preisgeben will, das scheinbar in all den Jahren irgendwo zwischen Groß- und Stammhirn schlummerte. Und dann? Es wäre nicht mehr als ein Lämmlein zu sein, dass sich scheinbar den Wolfspelz überzieht und dann nach Art der Wölfe blökt, oder schnattert wie eine Ente.
Ihr Blick wanderte auf den Weg, der sich nahe des Waldes verlief, weiter entfernt unten vom Berg. Sie musste die Ruhe verlassen, aber sie fühlte, dass der Weg dorthin sie wieder stark machte. Das brauchte sie auch, vermutlich sogar sehr viel Kraft ...«
»Der hässliche Zwilling« 2011
»Mord in Genf« 2012
»Blauregenmord« 2013



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