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Sonntag, 24. April 2011

66 »Das Geheimnis der Feuerräder«

Teil 66 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Ein Feuer lodert auf, die Flammen züngeln hoch in die Nacht. Schwarz heben sich die Konturen von Menschen von der Feuersglut ab. Sie scheinen um die Feuersglut zu tanzen...und plötzlich löst sich etwas aus dem Osterfeuer etwas. Es ist eine Scheibe, ein Rad, ein Feuerrad. Es wird Richtung Tal gestoßen.



Kanonenschläge donnern und der Schall wird weit hinaus in die österliche Nacht getragen. Langsam dreht sich das erste Feuerrad um die eigene Achse... Es wird immer schneller... und saust den Berghang hinab, immer schneller und schneller. Es gerät ins Trudeln, rollt aber schwankend und wankend immer weiter und weiter hinab ins Tal. Irgendwo in der Dunkelheit der Nacht stürzt es, fällt und lodert auf... Applaus brandet auf. Je weiter hinab es gelangt, desto besser soll die Ernte ausfallen, so besagt es ein alter Volksglaube.

Sechs Osterräder kommen Ostersonntag für Ostersonntag in Lügde – seit 1979 meine Heimat – zum Einsatz. Jedes dieser Räder hat einen Durchmesser von 1,70 m. Jedes Rad besteht aus vier Lagen Eichenholz. Massive Stahlbolzen halten sie zusammen. Zwei gekreuzte Balken bilden die Speichen.

Der Feuerräderlauf von Lügde
Wichtiges Detail: Im Zentrum eines jeden Rades befindet sich ein etwa faustgroßes Loch. Durch dieses Loch wird eine fast fünf Meter lange Stange aus Buchenholz gesteckt. Sie verhindert, dass das Rad beim rasanten Weg ins Tal umkippt und liegenbleibt. Jedes Rad wir mit etwa fünfzehn Bund Roggenstroh gestopft. Es wird eine eigens für diesen Zweck angebaute Langstrohart verwendet.

Wie alle Jahre wieder sind auch am heutigen Ostersonntag Tausende in das Städtchen Lügde gekommen, um den alten Brauch der Feuerräder zu zelebrieren. 20 000 Besucher sind keine Seltenheit. Für viele der Gäste ist der alte geheimnisvolle Brauch nur ein lustiges Volksfest... dessen heidnischer Ursprung von der Kirche gern verdrängt würde.

Heute wird jedes der sieben Zentner schweren Räder bei seinem Lauf hinab ins Emmer-Tal vom Leuten einer Kirchenglocke begleitet. Anno 1743 und 1781 aber hat die katholische Kirche versucht, den Brauch zu verbieten. Dem Herrn Bischof zu Paderborn, so heißt es, sei zu Ohren gekommen dass es im Zusammenhang mit dem Osterräder-Lauf zu unchristlichen Ausschweifungen gekommen sei.

Anno 784 soll Karl der Große höchstselbst nach Lügde gekommen sein, um in der Kilianskirche Weihnachten zu feiern. Karl der Große bekämpfte mit Nachdruck alles »Heidnische«. Er muss die heidnische »Irminsul-Säule« bei den Externsteinen gehasst haben. Für ihn war der Glaube an einen anderen als den christlichen Gott ein direkter Angriff auf seine persönliche Autorität. Christentum war Pflicht für seine Untertanen. Wer sich widersetzte, bekam das Schwert zu spüren... Vermutlich ging es dem Herrscher nicht um »den« wahren Glauben, sondern um seine möglichst alle Lebensbereiche dominierende Macht!

Die Kilianskirche von Lügde
Foto: W-J.Langbein
Karl der Große empfand den »Brauch der Osterräder« als sündiges Relikt aus vorchristlichen Zeiten. Nun ließ Karl der Große bekanntlich »Heiden«, die sich partout nicht taufen lassen wollten, niedermetzeln. (Man denke an das grässliche Blutbad von Verden!) Gegen den Osterräderlauf konnte er aber nichts ausrichten. Widerwillig gestattete er eine christianisierte Form des Jahrtausende alten Festes.

Dabei war der Ursprung dieser archaischen Feier alles andere als christlich: Vor Jahrtausenden gab es bei allen alten Völkern einen Sonnenkult. Das Feuerrad versinnbildlicht die lodernde Sonnenscheibe. Es ging in den frühen Kulten und Religionen um Tod und Leben, um Sterben und Wiedergeburt... um den Tod der Natur im Winter und um ihre Wiedergeburt im Frühling. Für viele Menschen bedeutete die Winterzeit (in anderen Gefilden: die Trockenzeit) oft lebensbedrohliche Gefahr. Lange Winter führten zu Hungersnöten. Vitaminmangel in dieser Zeit bedeutete Krankheit. Sehnsüchtig wurde der Frühling herbeigesehnt.

Das Fest der Feuerräder läutete die Herrschaft der Ostera ein. Für die Kelten war es Mutter Erde, die nach der Starre des Winters wieder neues Leben aufkeimen ließ.

Für die »Heiden« war Ostern das Fest der Wiedergeburt der Natur.... für die Christen blieb der Gedanke an die »Wiedergeburt« erhalten: als Auferstehungstermin Jesu. Nach wie vor wird Ostern nach dem alten heidnischen Mondkalender gefeiert: Ostern fällt stets auf den ersten Sonntag, der dem ersten Vollmond nach der Frühlings-Tagundnachtgleiche folgt!

Im »Oster-Fest« lebt eine heidnische Göttin weiter: Erst im Mittelalter bekam das zentrale »christliche« Fest seinen Namen: »Ostarun« (»Ostern«), abgeleitet vom Namen der Frühlingsgöttin »Ostara«, auch »Eostre«. Ostara war die Göttin der Morgenröte, auch als Venus bekannt. Sie war die Göttin der Fruchtbarkeit... Was kaum jemand weiß: der Osterhase ist das Tier der Liebesgöttin Ostera...

Verfolgen wir kurz die Spur der Göttin in die Vergangenheit: Die Frühlingsgöttin entspricht im Alten Testament der Astarte. Die Verehrung der Astarte wiederum war den Jahwe-Anhängern offiziell strengstens verboten. Salomo, der Weise, so berichtete es das erste Buch der Könige, hat dennoch Astarte angebetet. Als Herrin von Byblos dürfte sie aber schon Jahrtausende vor dem Eingott Israels angebetet worden sein. Sumerische Rollsiegel aus Lagasch zeigen sie schon um 2300 v.Chr. als Himmelskönigin. Sie führte das Regiment über Sterne und Tote.

Der Feuerräderlauf von Lügde, 24.4.2011
Foto: Walter-Jörg Langbein
Zu Ostern rollen nicht nur, altem heidnischen Brauch folgend, die Lügder Feuerräder ins Tal. Hase und Ei waren aber schon sehr viel länger die Symbole der Venus-Göttin Ostara. Wer den Brauch, Ostereier zu verschenken, erstmals zelebrierte.. wir wissen es nicht. Bekannt ist, dass sich schon die alten Perser zum Tag der Fruchtbarkeitsgöttin Eier schenkten! Fakt ist aber: Unsere »christlichen« Oster-Symbole halten uralten »heidnischen« Glauben am Leben: an die Magie des Lebens, das ewig währt.

Unser Osterbrauchtum basiert auf vorchristlichen Glaubenswelten, auf magischen Bildern vom Werden, Aufblühen, Verwelken und Absterben der Natur... und von neuerlichem Werden.

Anscheinend war der Kult mit den brennenden Feuerrädern einst in Deutschland und im angrenzenden Europa weit verbreitet. So wussten die Gebrüder Grimm von einem solchen magischen Ritus zu berichten, der sich in Konz, an der Mosel gelegen, großer Beliebtheit erfreute. Auch in Oberbayern, im Würzburger und in Kärnten ließ man vor Jahrzehnten noch die brennenden Räder rollen.

Nach einer Lebensbeschreibung des Heiligen Vincet von Agen kam der fromme Mann bei einer Kollision mit so einem »heidnischen Rad« bei Agen, Südfrankreich, ums Leben... im vierten Jahrhundert. In England und Irland war der Brauch bis ins 16. Jahrhundert bekannt.

Wie viele Kultstätten es einst in Europa gab, die dem »Feuerrad-Ritus« geweiht waren ... niemand vermag das zu sagen. Viele Jahrhunderte wurden Geschichtsaufzeichnungen von Klosterbrüdern geschrieben und kopiert. Den christlichen Mönchen waren derlei »heidnische« Feiern ein Gräuel. Sie verschwiegen sie in ihren Büchern und bekämpften sie, wo das nur möglich war.

Notgeld Lügde 1921 - 1 Mark Rückseite
Motiv Feuerräderlauf von 1920
Archiv W-J.Langbein
Heute, so scheint es, rollen die Feuerräder nach Jahrtausende altem Brauch nur noch im Lügde. So sehr ich mich darüber freue, dass auf diese Weise ursprüngliches Glaubensgut zumindest zeremoniell weiterlebt... so sehr stört mich doch der Jahrmarktscharakter heute. Das einstmals heilige Ritual wird mehr denn je eingebettet in ein Volksfest mit »Eventcharakter«. Würstchenbuden, Bierseligkeit und Musikgedudel aus Lautsprecherboxen passen nicht wirklich zur ursprünglichen Bedeutung des Fests.

Wie lange mögen die Feuerräder noch rollen? Hoffentlich noch lange. Ich bin da zuversichtlich: Die Räder haben die Christianisierung ebenso überstanden wie die chaotischen Zwanzigerjahre des letzten Jahrhunderts und die versuchte Vereinnahmung durch die Nazis. Sie werden auch vordergründigen Jahrmarktstourismus überleben.

Einst hatte der Feuerräderlauf einen ernsten Hintergrund: Das Ritual galt dem Erhalt des Lebens, der Natur... der kommenden Ernte, die ausreichend Brot bescheren sollte. Heute werden Nahrungsmittel wie Mais und Weizen zum »umweltfreundlichen« Zusatz für Benzin (E 10) verarbeitet.... und das in einer Welt, in der mehr Menschen denn je Hungers sterben. Wir sollten uns endlich wieder der alten menschlichen Werte besinnen!


»Der Engel der Apokalypse und der Bienenkorb aus Stein«,
Teil 67 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 01.05.2011


Die Bücher von Walter-Jörg Langbein


Sonntag, 26. Dezember 2010

Helga König: Nachtrag zu Rolf Dobellis "Massimo Marini."

 Anfang Dezember habe ich Rolf Dobellis neuen Roman "Massimo Marini" rezensiert. Der Schriftsteller beginnt seinen Text mit einem Zitat aus Büchners "Woyzeck" und lässt ihn mit einem weiteren Zitat aus dem Trauerspiel des Goddelauers enden.

Büchner hat in meinem Leseleben immer einen besonderen Stellenwert eingenommen, denn ich wurde  in Wolfskehlen, dem Nachbarort von Goddelau geboren. Beide Orte gehören heute der Verbandsgemeinde Riedstadt an. Zu Riedstadt zählen des Weiteren die Gemeinden Leeheim, Crumstadt, Philippshospital und Erfelden.

Büchners Vater hatte seine erste Stelle als Arzt in Philippshospital angenommen. Er heiratete die Tochter des Hospitalverwalters Johann Georg Reuß. Einer der Nachfahren dieses Hospitalsverwalters war noch in den 1950er und 1960er Jahren Allgemeinmediziner in Wolfskehlen und ein von allen Bewohnern sehr geschätzter Hausarzt.

Auf dem Areal des Philippshospitals siedelten übrigens schon 6000 v. Chr. jungsteinzeitliche Kulturen, wie die Ergebnisse von Grabungen dokumentieren.


Die Gegend, in der Büchner das Licht der Welt erblickte, ist demnach  altes Kulturland. Der Ort Leeheim ist bereits 766 urkundlich erwähnt. In der Gemarkung Leeheims wurde an dem früheren Ort Camba 1024 der Salier Konrad II. zum deutschen König gekrönt. Büchner wird  Wolfskehlen,  den Ort, an dem ich zur Welt kam, sicher auch gekannt haben.Vielleicht hatten seine Eltern dort Freunde. Erwähnt wurde Wolfskehlen erstmals 1002. Im Gegensatz zu den anderen Orten hatte diese Gemeinde im Mittelalter Stadtrechte. Vor dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) gab es hier einige Adelshöfe und ferner zwei Burgen, deren Besitzer die Herren von Wolfskehlen waren.


Die Wirren des Dreißigjährigen Krieges führten dazu, dass Wolfkehlen geschleift wurde. Die Burgen wurden nicht mehr aufgebaut. Außer der Kirche, die später einen großen Brandschaden zu beklagen hatte, blieb von der alten Stadt Wolfkehlen nichts mehr übrig. Fast die gesamte Bevölkerung, auch die Leeheims verstarb an Pest und wurden in einem Massengrab beerdigt. Goddelau scheint von der Pest verschont worden zu sein.


In Erfelden (gegründet 779) lagerte 1631 Gustav Adolf und übernachtete im dortigen Bürgermeisterhaus. Der Schwedenkönig überschritt bei Erfelden mit seinem Heer den Rhein, um die Spanier im katholischen Mainz angreifen zu können. Von den Plünderungen und Brandschatzungen erholten sich die Gemeinden erst nach vielen Jahrzehnten, wie mir Einheimische immer wieder berichten. Ob Büchner von all dem wusste, ist mir nicht bekannt. Seine Eltern zogen 4 Jahre nach seiner Geburt nach Darmstadt um. Es ist möglich, dass bei Besuchen von Verwandten über die Plünderungen im Dreißigjährigen Krieg gesprochen wurde, denn bei der einheimischen Bevölkerung ist das Leid jetzt nach mehr als 360 Jahren noch immer nicht vergessen.

Der Naturwissenschaftler, Sozialrevolutionär und Dichter Büchner kam am 17. 10 1813 als erstes Kind von Ernst Karl und Caroline Büchner, geb. Reuß zur Welt. Die Familie lebten zunächst in Goddelau in der Weidstr. 9 zur Miete (Haus siehe oben). Büchner ging in Darmstadt zur Schule und studierte in Straßburg und Gießen Medizin. 1834 gründete er in Gießen die "Gesellschaft der Menschenrechte" und schrieb das berühmte Flugblatt "Der hessische Landbote", in dem er die Ungerechtigkeiten des Fürstenstaates thematisierte. Nachdem Büchner 1834 in Darmstadt das Drama "Dantons Tod" verfasst hatte, floh er, um seiner Verhaftung zu entgehen, 1835 nach Straßburg. Im Exil promovierte er und arbeitete anschließend in Zürich als Privatdozent für "Vergleichende Anatomie". In den beiden Jahren bis zu seinem Tode am 19.Februar 1837 verfasste er dann noch die Werke "Leonce und Lena", "Lenz" und "das Fragment "Woyzeck".

Während meiner Kindheit war der Ruf Büchners bei ungebildeten Einheimischen noch immer sehr schlecht. Man unterstellte, er sei ein alkoholsüchtiger Querulant gewesen. Es war unmöglich den Menschen den wirklichen Büchner nahe zu bringen. Der Rufmord war restlos gelungen. Die Vorurteile schienen aus Granit gemeißelt zu sein. Zu Lebzeiten Büchners hatte es die Obrigkeit geschafft, indem sie die immer wieder gleichen Lügen verbreiteten, den Namen Büchner nachhaltig zu diffamieren. An den Schulen im Südried wurden seine Texte noch in den 1960ern und frühen 1970ern  nicht  gelesen. Woyzeck las ich in Darmstadt am Gymnasium und befasste mich dann intensiver an der Uni mit diesem Dichter, hocherfreut über die umfangreiche Sekundärliteratur, die  mir dort nun zur Verfügung stand.

Büchners Geburtshaus wurde über viele Jahrzehnte mehr als stiefmütterlich behandelt. Es war der Schandfleck der Gemeinde. Auf diese Weise zeigte man, dass man dem großen Dichter keinen Respekt zollen wollte. Das 1665 erbaute denkmalgeschützte Haus wurde, dank einer Initiative von Privatleuten, Unternehmen und schließlich auch der Stadt 1997, vollständig saniert. Das Haus ist heute Ausstellungsort. Skizziert wird anhand von Bildern und Dokumenten sein Lebensweg und sein Nachleben am Theater und in der Literatur. Die Bibliothek im Büchnerhaus beherbergt außerdem Literatur über den Dichter, Schriften seiner Geschwister und Freunde, Erstausgaben seiner Werke und von Künstlern gestaltete Sonderausgaben.

Büchner wurde 200 Jahre nach den Gräueltaten des Dreißigjährigen Krieges im Südried geboren. Ich bin sicher, dass die tradierten Geschichten auch seine Ohren erreichten und sein Denken beeinflusst haben. 


Unangepasste, intelligente  junge Menschen, wie Büchner hatte es zu allen Zeiten nicht leicht. In autoritären Regimen werden solche Personen verfolgt, inhaftiert, gar  ermordet oder außer Landes verwiesen. Nur in wirklichen Demokratien eröffnet man ihnen Möglichkeiten ihre Ideen einzubringen und ist bereit  sich mit ihrer Kritik auseinander zu setzen.


Büchner verstarb übrigens am 19.2.1837 in Zürich in der Schweiz an Typhus. Dass der Schweizer Rolf Dobelli an den Goddelauer Dichter erinnert, hat mich sehr gefreut.


Zu den Bilder:
1) Büchners Geburtshaus in Riedstadt-Goddelau
2) Kirche in Riedstadt- Wolfskehlen
3)  Blick auf den Altrhein in Erfelden
4) Geburtshaus von Büchners Schwester in Riedstadt-Goddelau

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Für das  Neue Jahr habe auch ich ein Zitat aus Büchners "Woyzeck" gesucht. Es lautet:

"Wozu sollen wir Menschen miteinander kämpfen? Wir sollten uns nebeneinander setzen und Ruhe haben."

Georg Büchner, "Woyzeck", 1836/37.

Dienstag, 19. Oktober 2010

Heute im Radio: Tuna von Blumenstein

Das »Ein Buch lesen!«-Team gratuliert Tuna von Blumenstein sehr herzlich zu ihrer heute im Radio WMW (Westmünsterland-Welle) gesendeten, sehr gelungenen Vorstellung ihres Krimis »Der Tote im Zwillbrocker Venn«.


Samstag, 28. August 2010

Samstagsrezension Helga König: Bildschöne Nordseeküste

Autor dieses wunderschönen Buches ist Arnim Maywald. Wie man einer Kurzinformation zu seiner Person entnehmen kann, hat er sich in den letzten 30 Jahren einen Namen als Journalist und Naturfotograf gemacht.

Das Buch enthält eine Fülle von idyllischen Fotos und begleitenden Texten in deutscher, englischer und französischer Sprache. Gleich zu Beginn erfährt man, dass Plinus der Ältere vor 2000 Jahren bereits an der Nordseeküste unterwegs war und sich vom Wattenmeer dort beeindruckt zeigte. 45 n Chr. legte er seine Eindrücke in der "Naturalis historia" nieder. Es handelt sich hierbei um die älteste schriftliche Aufzeichnung über den Naturraum, der im Juni 2009 von der UNESCO zum Weltkulturerbe gekürt wurde.

Man erfährt des Weiteren, dass man noch von 12 000 Jahren trockenen Fußes von Deutschland nach England laufen konnte, da der Meeresspiegel in jenen Tagen 45 Meter tiefer lag. Die Küstenform, wie wir sie heute kennen, entstand vor etwa 5000 Jahren. Darüber berichtet der Autor sehr erhellend, nicht nur für diejenigen, die im Geografieunterricht geschlafen haben.

In der Folge lernt man die Dünen und den Strand von Sylt kennen und kann sich einen ersten Eindruck von den Inseln Juist und Borkum verschaffen. Auf einem der Fotos ist die älteste ostfriesische Inselbahn abgebildet, die seit 1888 zwischen Reede und Inselort auf Juist täglich verkehrt. Norderney soll die "grand dame" unter den Ostfriesischen Inseln sein. Abbildungen von Badekarren, die es seit 1800 dort bereits gibt, dienen nicht nur zum Umkleiden, sondern man kann sich von Mai bis September dort auch trauen lassen.

Baltrum und Langeoog zeigen sich von ihrer schönsten Seite. Ein Bild, dass die Dünen in Baltrum im Fokus hat, gefällt mir besonders. Dass diese kleinste der Ostfriesischen Inseln den Beinamen "Dornröschen der Nordsee" trägt, empfinde ich für diese naturnahe und ruhige Insel mehr als angemessen.

Mit großem Interesse habe ich mir die Bilder von Spiekeroog betrachtet, nicht zuletzt weil ich gerade gestern eine Dokumentation der dortige Hermann-Lietz-Schule mit dem Titel "Leben lernen im Nordseewind" ansah. Mein Gatte machte in diesem Internat Abitur und schwärmt noch heute von dieser Insel. Die Bilder im Buch geben den Geist der Insel sehr gut wieder, wie er meint.

Der "Alte Leuchtturm" von Wangerrog wies bis 1959 den Seeleuten den Weg. Eine gelungene Aufnahme, nicht weniger gelungen, wie von  jene Greetsiel. Zu sehen sind die "Greetsieler Zwillinge", zwei idyllische Mühlen, die am Ortsanfang die Besucher begrüßen. Das Fischerdorf mit seinem alten Hafen und Bürgerhäusern aus dem 17. Jahrhundert ist zum Teil nach holländischem Vorbild errichtet worden. Dies verdeutlichen nicht nur die Windmühlen.

Man gewinnt Eindrücke von Norddeich, Dornum und Neuharlingersiel. Von dem zuletzt genannten Ort legt die Fähre nach Spiekeroog ab. Die Städte Wilhelmshaven, Bremerhaven und Cuxhaven werden bildlich und textlich  nicht ausgespaart. Sie haben mich allerdings nicht so sehr interessiert, wie die Landschaftsaufnahmen und -beschreibungen im Buch. Neuwerk, eine Marschinsel, gehört zusammen mit der Vogelschutzinsel Scharhörn zum Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer. Dort soll im 15. Jahrhundert Klaus Störtebecker mit seiner Seeräuberbande sein Quartier aufgeschlagen haben.

Die Reise geht weiter nach Büsum. Dieser Ort war einst eine Insel im Wattenmeer und ist heute ein anerkanntes Nordseeheilbad.Auch Büsum besitzt einen Leuchturm, wie man den Fotos entnehmen kann.

Die Bilder von Helgoland finde ich sehr lobenswert. Diese Insel ist vor 40 000 Millionen Jahren entstanden als sich Kalk-, Kreide- und Sandsteinschichten aus der Nordsee erhoben. Es gefällt mir, dass Maywald eine Kegelrobbe abgelichtet hat und ihr mehr Achtung schenkt als den Touristen, die täglich die Insel zu Hauf bevölkern.
Die Aufnahmen, die dann folgen, haben mich teilweise wirklich in den Bann gezogen. Insbesondere das Bild vom ersten Pfahlbau am Strand von St. Peter-Ording und die Fotos von Husum, Nordstrand und Pellworm. In Pellworm schützt ein 25 Kilometer langer Deich die gesamte Insel. Die Strandkörbe stehen am Deich, weil es keinen Strand gibt.

Man gewinnt auch einen Eindruck von den eigentlichen Perlen der Nordsee: den Halligen. Insgesamt gibt es 10 solcher Perlen, die nicht eingedeicht sind und insofern bei starken Fluten überspült werden.

Natürlich werden die Inseln Föhr, Amrun und Sylt auch nicht vergessen. Hier berührte mich vor allem Naturlandschaft des Wattenmeeres im Osten von Sylt.

Eine Landkarte auf den letzten beiden Seiten zeigt, wo die einzelnen Inseln, Dörfer und auch Städte verortet sind, wo z.B. der Hauke-Haien-Koog und wo der Lummenfelsen zu finden sind.

Ein schöner, sehr informativer Bildband.


Die Rezension zu obigem Kalender finden Sie in meinem Kalenderblog.



PS: Danke,  liebe Grete und liebe Sylvia für die beigesteuerten Fotos.

Samstag, 21. August 2010

Samstagsrezension Helga König: "Hexenhausgeflüster"

Sylvia B. hat mit dem Märchen "Hexenhausgeflüster" ein Antidrogenbuch der besonderen Art verfasst. Sie agiert nicht mit moralischem Zeigefinger, sondern verdeutlicht, dass Cannabis- und Kokain-Konsumenten letztlich mit den gesellschaftlich anerkannten Schnaps-Trinkern in einem Boot sitzen und alle Drogenabhängigen letztlich arme Teufel oder anders ausgedrückt kleine Bonsais sind.

Die Schnaps-Trinker wollen nicht wissen, dass vier Finger auf sie zurück deuten, wenn ihr Zeigefinger Cannabis-und Kokainkonsumenten beschämen möchte, auch wenn ihnen der Wacholder die Zehennägel kröselich kringelt, um es es in Sylvias stets latent ironischer Sprache auszudrücken.

Worum geht es in diesem Buch? Die quirlige Unternehmerin Lyrich (sie ist durch den Handel mit bereits benutzten Damenslips reich geworden) sucht eine idyllische Alternative zu ihrer komfortablen Penthouse-Wohnung und findet diese in einem "Hexenhaus" am Ortsrand. In diesem Haus leben zwei merkwürdige Gestalten, Bonsai, ein baumlanger Freak und sein Kumpel Juri.

Lyrich berichtet ihrer Freundin Lieschen ausführlich über die Geschehnisse im "Hexenhaus", in das sie mit ihrem "Alter Ego" Charlotte einzieht. Diese ist ihre vor langer Zeit verstorbene Urgroßmutter, deren Seele in Lyrich wohnt, ihr kluge Ratschläge erteilt und aufgrund ihrer überirdischen Fähigkeiten stets mehr sieht als die bodenständige Lyrich.

Die reiche Unternehmerin gibt sich bei den beiden Jungs ausgefuchst als arme Witwe aus, damit diese nicht auf die Idee kommen sie anzupumpen. Sie vermutet, dass diese Freaks ständig Geld brauchen. Noch ahnt sie nicht, womit sich die beiden befassen. Dies wird ihr klar als ihre Katze "Äugelchen" in Bonais Räumen verschwindet, dort, wie Lyrich entsetzt feststellen muss, in dessen "Cannabistreibhaus" ein "großes Geschäft" verrichtet und auf diese Weise die Cannabisernte vernichtet hat. Die Jungs sind zum Zeitpunkt des Geschehens nicht im Haus. Lyrich weiß, dass dies schlimme Folgen hat, wenn das Malheur entdeckt wird.

Über die Konsequenzen und wie Lyrich sich dagegen erfolgreich zur Wehr setzt, informiert die gewitzte Unternehmerin ihre Freundin Lieschen kurzweilig im leicht sarkastischen Ton. Das liest sich dann so:

„mittlerweile blickten schon
die nachbarn äußerst argwöhnisch
auf das rege treiben
was bonsai natürlich nicht mitbekam
das ist der vorteil des zauberpulvers
es scheint eine art tunnelblick
zu erzeugen und macht stumpf und bonsais zu deutschen eichen“

Lyrich, wie wir aus ihren "Briefen an Lieschen" wissen, ein großer Fan von Machiavelli, bedient sich dieser Wacholderfreunde- Nachbarn geschickt, um sich Bonsai vom Hals zu schaffen. Zwei Flaschen Wacholder für ihre Helfer und ein guter Rat an ihre Brieffreundin:

"lieschen wenn ich dir einen guten rat
geben darf
lass bloß die finger von den drogen"

zeigen, dass die Macherin begriffen hat, was es heißt, dass der Zweck die Mittel heiligt. Lyrich stets hellwach und in der Lage ganze Volksstämme in Bewegung zu setzen, wenn es um ihre Interessen geht, ist mit allen Wassern geschwaschen. Ist Lyrich ein Hexe? Nein. Sie ist bloß eine lebenskluge Machiavellistin, die niemals Fragen im Hinblick auf moralische Bedenklichkeiten stellt, wenn sie ein Ziel im Auge hat. So wird man bekanntermaßen erfolgreich, nicht nur im Märchen.


Wie immer schreibt Sylvia B. ohne Punkt und Komma. Ihre Protagonistin Lyrich ist viel zu schnell, als dass sie anders, als wie aus der Pistole geschossen schreiben könnte.


Samstag, 10. Juli 2010

Samstagsrezensionen Helga König: Eine kulinarische Entdeckungsreise durch die Lüneburger Heide


Aus der Reihe „ Eine kulinarische Entdeckungsreise“ besitze ich nahezu alle Bücher der Serie und habe viele davon auch rezensiert, weil ich reiselustigen Lesern diesen stets erhellenden Lesegenuss nicht vorenthalten möchte.

Die Bücher – und dies gilt auch für den vorliegenden Band – stellen stets die Landschaften der fokussierten Region, die wichtigsten Orte und Sehenswürdigkeiten, gute Hotels und Restaurants, Koch- Rezepte aus den benannten Restaurants, Cafes und Gewerbebetriebe, die kulinarische Spezialitäten herstellen und/ oder veräußern  textlich sowie anhand vieler gelungener Fotos vielversprechend vor.

Die Autorin Sabine Bomeier und die Fotografen Christiane und Heinz Anschlag nehmen den Leser mit auf die Reise durch die Lüneburger Heide, die sich in den letzten Jahrzehnten von dem Klischee, das ihr aus den 1950er und 1960er Jahren lange anhing,  ganz offensichtlich weit entfernt hat und damit zu  einem interessanten Ferienziel besonders für Familien mit Kindern geworden ist.

Auf den Fotos der ersten Seiten erblüht bereits die Erika in dem ihr eigenen Violett. Dieses Heidekraut, auch die Birken gehören zu der typischen Flora in besagter Region.

Auf einer zweiseitigen Karte kann man sich bewusst machen, wo die jeweiligen Punkte im Buch konkret verortet sind. Dabei sind die Zahlen identisch mit den Seitenzahlen der einzelnen Betriebe und bezeichnen ihre Lage in der anvisierten Gegend.

Gleich zu Beginn liest man vom Naturschutzgebiet Lüneburger Heide. Hierbei handelt es sich um eine Fläche von 23 000 Hektar Fläche, aufgegliedert in 50% Wald und 13% Heidelandschaft. Der Rest ist Grün- und Ackerlandschaft. Trotz allem ist es die größte zusammenhängende Heidefläche Mitteleuropas.“(vgl.: S. 15)

Man erfährt, dass Besucher per pedes oder auch in Kutschen durch die Heide geführt werden und Fachkundige den Interessierten die kostbaren Naturschönheiten und vielen Steinzeitgräber zeigen. 

Besucher sollten sich auch keineswegs die sechs mittelalterlichen Frauenklöster in Eberstorf, Isenhagen, Lüne, Medingen, Wienhausen und Walsrode entgehen lassen, die nach der Reformation in evangelische Damenstifte umgewandelt worden sind.

Mit großer Neugierde habe ich die Rezepte der Restaurants in der Region studiert. Diese Rezepte kann man zuhause nachkochen und weiß im Grunde schon beim Lesen, welches kulinarische Niveau man in den jeweiligen Restaurants antreffen wird. Im Übrigen lohnt sich der Kauf des Buches allein schon der vielen Lammrezepte wegen. Alle Rezepte sind bestens gegliedert und erklärt.

Die Heidschnucken (sprich Lämmer) sind das lebende Wahrzeichen in der Lüneburger Heide. Ihnen auch ist ein kleiner Beitrag gewidmet. Dass der Heidschnucken- Braten zum Urlaub in der Heide dazugehört, werden Vegetarier sicher bestreiten, die vermutlich die „Spöketaler Kartoffelsuppe“ all den Lamm-Spezialitäten vorziehen werden. Jeder wie es ihm beliebt.

Sehr gut ist Lüneburg und die Umgebung beschrieben. Die dortige Altstadt ist auf einem Salzstock gelegen, durch die der Ort zu Reichtum gelangte. Salz spielt bis zum heutigen Tage eine essentielle Rolle. 1980 wurde zwar die Saline stillgelegt, gleichwohl  wurde fast zeitgleich im ehemaligen Siedehaus ein Salzmuseum errichtet.

Das Salz verhalf Lüneburg zu einem Platz in der Hanse, dem 1158 entstandenen Zusammenschluss von Handelsstädten. Über die Geschichte der Handelsmetropole Lüneburg klärt Bomeier sehr gut auf und skizziert alles Sehenswerte in dieser Stadt mehr als nur zufriedenstellend.

Von den vielen Hotels und Landgasthöfen hat mich am meisten das "Romantikhotel Josthof" in Salzhausen angesprochen. Das Gebäude ist bereits über 1000 Jahre alt und ganz liebevoll eingerichtet. Das Rezept aus der Küche lässt erahnen, wie genussvoll man hier speisen kann.

In der Folge lernt man Uelzen kennen. Der wilhelminische Bahnhof in Uelzen wurde anlässlich der Expo 2000 von Hundertwasser neu geschaffen. Die Fotos zeigen, dass Hundertwasser ein sehr schöner Wurf, der fast orientalisch anmutet, gelungen ist. Neben dieser Besonderheit weist Uelzen sehr malerische Fachwerkhäuser auf.

Interessant auch ist der Beitrag über Heidehonig im Rahmen der Beschreibung der Imkerei Ahrens, deren 150 Bienenvölker bis zu 14 verschiedene Sorten Honig bringen, darunter auch neogrünen Kornblumenhonig.

Die kulinarische Reise führt weiter von Celle bis Wietze. In Celle warten 500 wunderbar restaurierte Fachwerkhäuser auf den Besucher, der sich das Celler Schloss keineswegs entgehen lassen sollte, bevor er sich in Wietze erneut an Fachwerkhäusern erfreuen kann und in einem der so vortrefflich beschrieben Restaurants einen Heidschnuckenrücken oder dergleichen mehr zu goutieren vermag.

Dass Verden und die dortige Umgebung so pittoresek ist, wusste ich bislang noch nicht. Kurzweilig berichtet die Autorin von Klaus Störtebecker und den historischen Begebenheiten, die mit diesem Mann verbunden sind. Nach einem kleinen visuellen Spaziergang durch diese geschichtlich nicht uninteressante Stadt wird man über Erika und Wacholder aufgeklärt. Diese beiden Pflanzen bestimmen im Wechselspiel die Heidelandschaft, die es sich, wie die vielen Fachwerk- Orte zu besuchen lohnt. Dies macht das hochinformative Buch deutlich.



Samstag, 3. Juli 2010

Samstagsrezension Helga König: Eine kulinarische Entdeckungsreise durch Hamburg und das Alte Land

"So geschah es, dass auf der Buxtehuder Heide der Igel den Hasen zu Tode gelaufen hatte, und seither hat kein Hase mehr gewagt, mit dem Buxtehuder Igel um die Wette zu laufen." ( Zitat: Seite 183)


Die Autorin Katrin Lipka und die Fotografin Ulrike Kimske nehmen den Leser mit auf eine kulinarische Entdeckungsreise durch und das Alte Land.

Zu Beginn des Buches hat man Gelegenheit sich anhand eines Kartenausschnitts kundig zu machen, wo die Orte, die anschließend beleuchtet werden, lokalisiert sind.

Thematisiert werden Sehenswürdigkeiten, Landschaften, Restaurants, Hotels, Ladengeschäfte für kulinarische Besonderheiten wie etwa Fischfeinkost, sogar eine Kochschule in Hamburg und Hofläden etc. in der benannten Region. Der Schwerpunkt liegt bei dem Buch auf den Gaumengenüssen, derer es in Hamburg und im Alten Land offenbar sehr viele gibt.

Die Reise nimmt in Hamburg ihren Anfang. Hier wird u.a. von den geschichtsträchtigen Häusern in der Altstadt berichtet, von Fleeten, Kanälen und Schleusen, die diese Stadt zum "Venedig des Nordens" gemacht haben. Es werden viele Restaurants näher vorgestellt. Zumeist zeigt der jeweilige Küchenchef anhand eines Rezeptes, welches Koch- Niveau man im Restaurant zu erwarten hat.

Vier- und Marschlanden lernt man kennen. Von dort ist übrigens die berühmte Vierländer Ente und das Vierländer Stubbenkücken, Klassiker der hanseatischen Küche. Die historische Speicherstadt mit ihren riesigen Backsteingebäuden, die sich entlang der Fleete reihen, kommt zu Sprache, der Hafen, die Elbchaussee und der malerische Vorort Blankenese. Bei diesem eleganten Ort handelt es sich um ein ehemaliges Fischerdorf, wie Lipka nicht unerwähnt lässt.

Der Hamburger Westen ist ein weiteres Thema. Einst war dieses Gebiet ein beliebtes Ausflugsziel für die vornehme Gesellschaft, mittlerweile ist es ihr Lebensmittelpunkt geworden. Große Parkanlagen und Villen bekunden den Wohlstand. Ähnlich wie in Blankenese lassen die Restaurants dort nichts zu wünschen übrig. Ich werde an dieser Stelle kein Restaurant hervorheben, gleichwohl eines der Gerichte nennen, das in einem dieser Lokale gekocht wird:“ Heilbutt mit Morchel-Nudeln“ . Die Rezeptur klingt vielversprechend.

Der Fischmarkt in Hamburg ist einen Besuch wert. Etwa 700 Händler handeln hier mit allem, demnach nicht nur mit Fisch. Die Autorin erzählt von dem turbulenten Treiben dort, bevor man dem Feinkostladen Claus Kröger in Hamburg konfrontiert wird, den es sich, nach allem , was man liest, wirklich zu besuchen lohnt.

Eimsbüttel, Eppendorf und der Isemarkt sind die nächsten Stationen. Der Isemarkt ist von uralten Kastanienbäumen und Jugendstilvillen umgeben wie die Bilder zeigen. Hier laden Parks und Grünanlagen,- vormals Landsitze hanseatischer Kaufleute - und idyllische Kanäle zum Entspannen in citynaher Lage ein, (vg.:S. 97). Die Bilder sind traumhaft.

Es folgen Impressionen von der Außenalster, ein Gebiet, das Lipka fasziniert als das grüne Herz und blaue Juwel Hamburgs bezeichnet. Dort bieten die Restaurants feinste Speisen an, sei es nun "Zanderfilet mit Kartoffelschuppen auf Pfifferlingen á la creme und sautierten Spinat" oder aber "Cappuccino von Birne und Sellerie mit Maishähnchenbrust im Mohnmantel" oder noch feiner "Créme blulée von Flusskrebsen mit Selleriestroh."

Der Hamburger Süden soll ein maritimes Flair haben. Harburg besitzt sowohl eine denkmalgeschützte Altstadt aber auch ein quirliges Hafenviertel. Man liest von der eindrucksvollen Naturlandschaft rund um Hamburg, wie etwa das Fischbeker Moor und von dem Ort Neu-Wulmsdorf, der Hamburg und das Alte Land harmonisch miteinander verbindet.

Begeistert bin ich noch immer von der Schilderung des Alten Landes. Dort gibt es zehn Millionen Obstbäume, verteilt auf 1300 Obstanbaugebiete. Äpfel nehmen mit 80% die Hauptanbaufläche ein. Doch auch Kirschen, Pflaumen, Zwetschgen, Birnen oder Mirabellen gedeihen hier prächtig.

Man lernt viele schöne Restaurants im Alten Land kennen. Die Inhaberin eines Obsthofes, der im Buch näher beschrieben wird, steuert das Rezept einer "Kirsch-Käse-Torte" bei. Der Kick bei dieser Käse-Sahne-Torte ist , dass auf dem zweiten Boden Sauerkirschen verteilt werden, die mit Kirschsafttortenguss übergossen sind. Die gerösteten Mandelblättchen außen herum und die Sahnetupfer mit Kirschen auf der Torte, machen die Kreation von Frau Matthies zu einem kleinen Kunstwerk, mit dem man Gäste unbedingt erfreuen sollte.

Sehr lesenswert sind die Beiträge zu verschiedenen Obsthöfen, auch die visuellen Eindrücke von Orten wie etwa Stade. Mir war bislang nicht bekannt, wie malerisch die Altstadt dort ausschaut. Cafés, Bistros, und Restaurant laden  zum Verweilen ein. Die Märchenstadt Buxtehude sollte man ebenfalls aufsuchen. Hier soll nämlich die Geschichte vom Hasel und dem Igel stattgefunden. Ein gleichfalls malerischer Ort, dessen Gastronomie vielversprechend zu sein scheint.

Ein gelungenes Buch mit vielen brauchbaren Informationen

Rezension Helga König



Samstag, 26. Juni 2010

Samstagsrezension Helga König: " Die Judenbuche"- Annette von Droste-Hülshoff

Eine Dichterin aus dem Münsterland.

Tuna von Blumenstein bat mich erneut, bei meiner Samstagsrezension  ein Augenmerk auf ihr geliebtes Münsterland zu legen und schlug mir vor, einen Text der Dichterin Annette von  Droste Hülshoff zu rezensieren, die vor über 200 Jahren in der malerischen Burg  Hülshoff  unweit von Münster zur Welt kam.

Ich habe die „Judenbuche“ vorhin nach vielen Jahren abermals gelesen und bin in meiner Interpretation noch etwas  ratlos. Der Untertitel der Novelle lautet „ Ein Sittengemälde aus dem gebirgichten Westfalen“. Mein spontaner Eindruck: es handelt sich um eine Milieustudie, die die Lebensverhältnisse in dem benannten Gebiet im 18. Jahrhundert beschreibt, schwierige Charaktere aufeinandertreffen lässt, Armut und Ursachen von Verwahrlosung anspricht, auch religiöse Vorurteile zum Thema macht und in ihrer Gesamtheit subtil psychologisch angelegt ist. Die Novelle soll auf einer wahren Begebenheit beruhen.

Protagonist der Novelle ist Friedrich Mergel. Zunächst liest man von seiner Herkunft. Sein Vater ist ein Säufer, der sowohl seine erste Frau als auch seine zweite ( Friedrichs Mutter) misshandelt, seinen Frauen das Leben zu Hölle macht, schließlich irgendwann betrunken im Wald einschläft  und erfriert. Zu diesem Zeitpunkt  ist Friedrich 9 Jahre alt. Er und seine  Mutter werden fortan von der Dorfgemeinschaft ausgegrenzt. Seine Mutter, vormals eine adrette Frau, verwahrlost. Die Beschreibung ihres Verhaltensmusters lässt den Schluss zu, dass sie schwer depressiv ist.

Friedrich  wird von seinem Onkel, dem Bruder seiner Mutter adoptiert.  Die Dorfbewohner verändert nun ihr Verhalten gegenüber Friedrich.  Auf dem Anwesen seines Onkels lernt er den Kuhhirten Johannes Niemand kennen, welcher im optisch ähnelt, wie ein Zwillingsbruder. Nur eine kleine Halsnarbe unterscheidet die beiden, die miteinander Freundschaft schließen.

Zum schönen Jüngling geworden, entwickelt Friedrich einen ausgeprägt narzisstischen  Habitus und  schneidet gerne bei Gleichaltrigen auf. Seine Geltungssucht  wird immer extremer. Ein solches Verhaltensmuster beruht stets auf Minderwertigkeitskomplexen, die er offenbar aufgrund seiner Herkunft hat.

Friedrich lebt im Wechsel von aufschneiderischem Auftritt bei gleichaltrigen Dorfbewohnern, die ihn bewundern und Zurückgezogenheit beim Hüten von Kühen, einer Beschäftigung, der er scheinbar gerne nachgeht. Hier kann er ganz er selbst sein, muss sich nicht dem Stress der zwanghaften Selbstdarstellung aussetzen.

In den Wäldern unweit der Wiesen, wo er die Kühe hütet, ist Holz- und Jagdfrevel an der Tagesordnung. Oberförster Brandis wird von Holzdieben erschlagen. Der sensible Friedrich empfindet an dem Mord eine gewisse Mitschuld, weil er den Förster in die Richtung der Holzdiebe schickte als dieser danach fragt.

Seine  diffusen Schuldgefühle, die sich mit den Minderwertigkeitsgefühlen paaren, führen dazu, dass er sich noch weiter aufbläst, eine silberne Uhr bei Aaron, einem Juden gekauft, aber noch nicht bezahlt hat, und sich auf einem Hochzeitsfest mit seinem Schmuck gebärdet.  Aaron, der auch auf der Feier ist, ärgert sich zu Recht und stellt ihn bloß. Kurz darauf wird Aaron erschlagen unter einer Buche im Wald aufgefunden. Vieles spricht dafür, dass Friedrich der Täter ist. Wenn Menschen mit schweren Minderwertigkeitsgefühlen das Gesicht verlieren, sind sie nicht selten zu allem fähig...

Friedrich flieht noch in der Nacht mit seinem Freund Johann, was ihn zusätzlich verdächtig macht. Nachgewiesen werden kann ihm die Tat allerdings nicht. Hinzu kommt, dass später der Verdacht durch das Geständnis eines Dritten entkräftet wird, wobei nicht gewiss ist, ob der Geständige tatsächlich besagten Aaron meinte.

Die Judengemeinde macht aus der Buche ein Mahnmal und ritzt auf Hebräisch die Worte ein: Wenn du dich diesem Ort  nahest, so wird es dir ergehen, wie du mir getan hast“.

28 Jahre später kehrt Friedrich in das Dorf zurück, gibt sich allerdings als Johannes aus. Er erfährt, wie es seiner Mutter und seinem Onkel ergangen ist. Beide sind mittlerweile tot, beide sind im Elend verstorben. Es ist anzunehmen, dass dies weitere Schuldgefühle bei ihm ausgelöst hat.

Es dauert nicht lange und man findet Friedrich (man erkennt ihn an der Halsnarbe) erhängt an der Buche. Natürlich ist Friedrich nicht Opfer von Rache geworden, sondern er hat sich selbst erhängt.  Sein Motiv sich zu töten, ist meines Erachtens  eine Mischung aus Schuldgefühlen und herostratischem Ruhm.

Sicher kennen viele Leser das Buch aus ihrer Schulzeit. Ich denke aber es ist lohnenswert, es abermals zu lesen, allein der psychologischen Facetten wegen.




Samstag, 19. Juni 2010

Samstagsrezension Helga König: Schland o Schland- ein Sommermärchen

 Meine liebe Freundin Tuna von Blumenstein hat mich auf einen Video-Clip bei „YouTube“ aufmerksam gemacht, mit welchem eine Gruppe junger Studenten, sie nennen sich „Uwu Lena“, ihre Freunde bespaßen wollten. Bespaßt haben sie mittlerweile auf YouTube alleine über 45.000 Menschen und das ist schon erstaunlich.

Die Gruppe singt, musiziert und tanzt irgendwo in einem Park in Münster. Spontan denkt man an eine Sommerparty. Die Melodie kommt einem sofort bekannt vor. Es ist die Melodie von Lenas Song, mit dem sie den „Grand Prix de Eurovision“ vor Kurzem gewonnen hat und auf diese Weise „Europameisterin“ geworden ist.

Die Studenten haben anlässlich der Fußballweltmeisterschaft 2010 einen neuen witzigen Text dazu verfasst, den mir Tuna  zuschickte und in den ich mich zunächst vertiefte, um mir hinterher noch einige Male diesen lebensfrohen Clip anzusehen.

Endlich im Jahre 2010 gelingt es jungen Leuten, unverkrampft mit dem Nationalgefühl umzugehen und eine neue Nationalhymne zu texten: frisch, frech und zeitgemäß. Bravo!

Im Refrain heißt es „ Schland o Schland“. Allein schon diese lässige Abkürzung des Begriffs Deutschland ist gelungen. Preußischer Drill  wird weggeblasen mit „Vuvuzelas“, mit denen die Studenten auf dem Clip gekonnt umgehen und zeigen, dass sie Weltbürger sind, trotz der Schwarz-Rot-Gold-Maskerade.   

Die Jungs lassen durchblicken, dass sie dem Ausgang der Weltmeisterschaft gelassen entgegensehen, in diesem Jahr einfach nur feiern …. Schland will nicht verbissen siegen, das zeigen Uwu-Lena. Schland ist reifer geworden, man will nicht mehr siegen um jeden Preis. Die Männer jedenfalls nicht. Dabeisein und Spaß haben lautet die Devise.

Even if you don´t bring that cup with you 
We´re gonna love you either way!

Die schlauesten  Schländler sind offensichtlich die Münsterländer: Ihnen ein dreifaches Hip-Hip-Hurra.:-)) Von ihnen können die alten Preußen lernen, die Schland-Ikone Angie auch.

Rezension Helga König

Sonntag, 13. Juni 2010

250. Blogbeitrag: Das Pferdchen und die fette Kuh

Es war einmal 'ne fette Kuh,
Die ließ den Pferden keine Ruh.
Sie hatt' 'nen Arsch wie Satteltaschen,
Warum nur muss sie so viel naschen?

Einmal stieg sie auf ein Ross,
Um ihm zu zeigen, wer ist Boss.
Doch das Pferdchen bäumt' sich auf,
Mit der fetten Kuh darauf.

Diese schrie und fiel hinunter,
Doch das Pferdchen blieb ganz munter.
Mit dem Gesicht liegt sie im Dreck,
Und plötzlich ist die Brille weg.

»Du blödes Vieh, du fieser Gaul,
Komm her: Dann kriegst du eins aufs Maul!«
Doch das Pferdchen trabte weiter
Sein Gesichtsausdruck war heiter.

Die fette Kuh lief zu ihm hin,
Gehorsam kam ihm nicht in 'n Sinn.
Es galoppierte nun herum
Und rannte fast die Fette um.

Plötzlich knackste es sehr laut,
Das fette Weib erschrocken schaut:
In Scherben liegt die teure Brille,
Sie kostete fast eine Mille!

Cosima Prem (10)
Mein Kinderkrimi »Vier Freundinnen auf Schatzsuche« kann hier bestellt werden:

Montag, 7. Juni 2010

Das Pony Loona

Auf meinem Reiterhof gibt es eine schwarzbraune Ponystute von der Rasse `Deutsches Reitpony´. Ihr Name ist Loona und sie ist soooo süß! Immer wenn ich an ihre Box gehe und leise ihren Namen rufe, spitzt sie die Ohren und schaut neugierig über die Boxentür. Ich gebe ihr dann einen Kuss auf die Nüstern, und sie bleibt dabei ganz friedlich und ruhig stehen. Ihre Mähne ist so schön. Ihr Schopf hängt ihr bis über die Augen und verdeckt den schönen weißen Stern auf ihrer dunklen Stirn. Aber ich frage mich, wie sie mit dem langen Schopf überhaupt noch was sehen kann!

Wenn ich sie putze, ist sie meistens ganz friedlich, nur das Hufeauskratzen kann sie nicht leiden. Aber wenn es regnet, muss ich sie im Stall putzen und sie an den Gitterstäben der Boxen von den anderen Pferden anbinden. Da sie sich mit vielen Pferden immer streiten und beißen will, ist das Putzen manchmal ganz schön anstrengend. Viele Pferde versuchen auch, den Knoten vom Führstrick mit den Zähnen aufzudröseln, sodass man ihn immer wieder neu machen muss!
Beim Satteln steht Loona meistens still, aber manchmal dreht sie sich auch dauernd herum, sodass der Sattel oft runter rutscht. Das macht die Stute aber fast nur, wenn sie sich gerade wegen einem anderen Pferd ärgert, zum Beispiel wenn der Haflinger Adonis (von dem ich schon mal erzählt habe) ihr zu nahe kommt. Die zwei können sich überhaupt nicht leiden. Adonis greift Loona immer an, und die Ponystute hat Angst vor ihm. Doch beim Zäumen ist sie immer friedlich und nimmt die Trense meistens wie von selbst, die Süße.

Beim Reiten ist sie toll, meistens hat sie " Hummeln im Hintern" und buckelt wie verrückt.
Neulich durften wir zum ersten Mal nach so vielen Regentagen auf den Reitplatz gehen und ich bekam Loona. Diese ist immer sehr schreckhaft beim ersten Mal auf dem Platz, weil es auf dem Hof viele Hühner und Hähne gibt, die auf den Platz rennen und die Pferde aufscheuchen. Perlhühner sind da besonders schlimm.
Springreiten liebt sie! Sie verweigert nie, sondern springt immer schön über das Hindernis. Manchmal flippt sie dabei aus vor Freude und hüpft dann wie wild herum.
Nach einer Reitstunde bekommt sie immer ein paar Äpfel oder Karotten von mir. Die nimmt sie immer so zärtlich, einfach goldig! Dieses Pferdchen muss man einfach lieb haben!!!!


Cosima Prem (10), Autorin des Kinderkrimis
Vier Freundinnen auf Schatzsuche


Auf diesem Reiterhof lebt Loona:
Kloster Seligenporten

Samstag, 5. Juni 2010

Samstagsrezension Helga König: Die Welt des Honigs- Simone Hoffmann

In jüngster Zeit habe ich einige Gartenbücher besprochen und möchte heute damit korrespondierend  Simone Hoffmanns „Die Welt des Honigs“ rezensieren. Das hochinformative Buch ist reich illustriert. Immer wieder  kann man Sentenzen bekannter Persönlichkeiten über die Bienen und ihren Honig lesen. Damit wird dokumentiert, dass Bienen und Honig seit alters her faszinierende Studienobjekte waren. Ich möchte  meiner Rezension deshalb einen Gedanken Siddhartha Gautamas vorwegschicken, den ich im  vorliegenden Buch entdeckt habe: “ Der seinen Wohlstand vermehren möchte, der sollte sich an den Bienen ein Beispiel nehmen. Sie sammeln den Honig, ohne die Blumen zu zerstören. Sie sind sogar nützlich für die Blumen. Sammele deinen Reichtum, ohne seine Quellen zu zerstören, dann wird er beständig zunehmen.“

Zunächst wird man über die Geschichte des Honigs, dem ältesten Süßungsmittel der Welt unterrichtet. Bienen gibt es bereits seit über 50 Millionen Jahren. Als die Menschen sesshaft wurden, integrierten sie die Bienenvölker in ihre Siedlungen (vgl.: S. 14). Überall, wo sich die Bienen niederließen, war die Vegetation fruchtbar. So wurde Honig zum Symbol der Fruchtbarkeit. Bei den Germanen war der Honig so wertvoll, dass man einen Teil seiner Steuern als Honigzins begleichen konnte. Auf Festen durfte der Honigwein „Met“ nicht fehlen.  Das Wort Honig leitet sich aus dem „Indogermanischen“ ab, es bedeutet der „ Goldfarbene“.

Geht man in  der Geschichte weiter zurück, erfährt man, dass im  alten Ägypten der Honig als Speise und Geschenk der Götter, zeitgleich aber auch als Herrschaftssymbol der Pharaonen, Zahlungsmittel und Medizin gegolten hat. Aufgrund von Wandzeichnungen  und Schriften weiß man, dass die Ägypter bereits 3200 v. Chr. über hochentwickelte Methoden der Bienenhaltung verfügten, (vgl.: 17).  Bei den Ägyptern entsprach im Jahre 3000 v. Chr. der Wert eines Topfes Honig dem Preis eines Esels.

Die Griechen glaubten, dass die Bienen die Boten der Götter seien. Hippokrates verordnete Honig gegen Fieber, Verletzungen und Geschwüre. Platon sagte man nach, dass er in seiner Kindheit von Bienen genährt worden sei. Die Bienen galten als Symbol des göttlichen Funkens, der großen Persönlichkeiten von den Göttern verliehen worden war und Aristoteles führte in seinen politischen Lehren die Staatenbildung der Bienen vergleichend an.

An einer Stelle der historischen Abhandlung habe ich gelesen, weshalb Bienen Sinnbild des Glaubens waren und wieso sie zeitgleich auch ein Symbol der Macht  darstellten. Dass Karl der Große ein Bienenfreund war, wusste ich bislang nicht und ebenso unbekannt war mir bislang, dass der Krönungsmantel Bonapartes Bienenmotive enthielt.

Simone Hoffmann berichtet im 2. Kapitel über die  Leistung der Bienen. Um 1 kg Honig zu erzeugen, fliegt ein Bienenvolk  10 bis 15 Millionen Blüten an und bestäubt sie dabei. Daran sollten Sie denken, wenn Sie Honig verspeisen und Ihre Blumen im Garten lachen sehen oder  ihren Kindern die ersten Kirschen liebevoll an die Ohren hängen. Für 1 kg Honig werden 10 000 Bienenarbeitstage benötigt. Dabei legen die Sammlerinnen eine Strecke von 250 000 Kilometer zurück, (vgl.: S. 34).

Interessant sind die Informationen, die man zum Bienenvolk erhält. Der schwedische Naturforscher  Carl von Linné gab der heimischen Honigbiene 1758 den Namen „Apis mellifera“(die Honigtragende). Alsbald erkannte er aber , dass Bienen in Wahrheit keinen Honig tragen, sondern den gesammelten Blütennektar in ihrer Honigblase zu Honig umwandeln. Die Mutter aller Bewohner des Bienenstaates ist die Königin. Sie erreicht ein Alter von bis zu 5 Jahren und legt bis zu 2000 Eier pro Saison. 90 % der Bienen sind Arbeiterinnen. In jeder Altersstufe verrichtet die Arbeiterin bestimmte Aufgaben, über die die  Autorin  den Leser nicht im Ungewissen lässt.

Sehr  spannend fand ich  Infos im Hinblick der Bienensprache. Der Tanz der Bienen  ist eine bemerkenswerte Kommunikationsform. Ich erinnerte mich beim Lesen im Biologieunterricht davon gehört zu haben.

Ausführlich erfährt man in der Folge wie Honig entsteht und lernt den feinen Unterschied der Honigsorten kennen. „Blütenhonige“  und „Honigtauhonige“ werden zur Sprache gebracht. Man  erfährt, was sich hinter dem Gütesiegel „Echter Deutscher Honig“ verbirgt und liest von regionalem Honig. Regionalen Honig sollte man  klugerweise zu sich nehmen. Honig beinhaltet keimhemmende Stoffe und Blütenpollen, die das Immunsystem aktivieren. Hoffmann schreibt, dass in einem Löffel  naturbelassenen Honig sich 20 000 bis 100 000 Pollen befinden.  Sofern der Honig aus der Region kommt, in der man lebt, enthält er genau die Polleninformation , die man benötigt - sprich, die Pollen die man täglich einatmet. Im Gespräch  mit meiner lieben, Münsterländer Freundin Tuna von Blumenstein  bat sie mich den Imker aus der Region, in der sie lebt, zu nennen:  http://www.imker-gsv.de/.  Ich selbst  habe bislang Biohonig aus aller Welt gegessen  und bin mir nicht sicher, ob Honig aus dem Rhein-Main-Gebiet meiner Gesundheit zweckdienlich ist.

Die Autorin stellt viele Honigsorten aus aller Welt vor. Bemerkenswert finde ich hier den Bashkirhonig, den die Bienen aus dem Nektar von über 37 wild wachsenden Heilkräutern produzieren und der eine extrem hohe antioxitative Wirkung  haben soll. Auch der kräuterig herbe Manuhonig aus Neuseeland  weist eine hohe antibiotische Wirkung  aus. Kaffeetrinker werden vom Aroma des Kaffeeblütenhonigs begeistert sein. Auf frischen Brötchen ist dieser streichzarte, cremige Honig   die ideale Begleitung zum Frühstückskaffee.

Man lernt  die Imkerei von Marianne Kehres: http://www.sommerbluete.de/ die Ökologischen Imkerei Christiane Brauns http://www.honigschaetze.de/  und auch den Familienbetrieb Breitsamer http://www.breitsamer.de/  näher kennen, bevor man mit den Geheimnissen des Geschmacks vertraut gemacht wird. Wie schmeckt Löwenzahn- wie der Lindenblüten- und wie der Sonnenblumenhonig? Um nur einige Sorten zu nennen.  Die Autorin verrät es dem Leser, referiert alsdann übers Honigverkosten und stellt Breitsamer „Regionale Spezialitäten" vor.  Vielleicht sollte man nach Südbaden ziehen. Dort sammeln die Bienen den Nektar für einen dickflüssigen Honig mit vollmundig, kräftigem Aroma, das an Hagebutten und Pfirsiche erinnert.

Man erfährt nicht zuletzt auch wie man Honig aufbewahrt und womit man ihn kombinieren kann. Er passt nicht nur zu Milch und Brot, sondern durchaus ebenfalls zu Meeresfrüchten  und Fleisch.

Gefallen hat mir die Erklärung der Redewendungen rund um den Honig, aber auch die abgelichteten Briefmarken, die Bienen zeigen.

Nicht unerwähnt bleiben die  Heilungsmöglichkeiten durch Bienenprodukte, wie etwa Blütenpollen, Geleé Royale- die Speise der Königin-, mittels welcher sogar Impotenz behandelt werden kann und  der Keimkiller Propolis.

Im letzten Kapitel   werden einige bemerkenswerte Honigrezepte von Spitzenköchen vorgestellt. Sehr  gefällt mir das Dessert „ Geeister Lindenhonig-Apfel mit rosa Pfeffer“ und die „Gegrillten Garnelen mit Rettich in Sommerblütenhonig- Marinade.
Ich erlaube mir zum Abschluss meiner Rezension die Zutaten für den „Honig-Fitness-Cocktail“, eine Kreation von Holger Stromberg,  zu nennen. Wie man das Getränk zubereitet erfahren Sie auf Seite 147 des vorliegenden Buches:

2 Tl Orangenblütenhonig                                         
4 cl Aloe-Vera-Saft
1 cl Limettensaft
7 cl Maracujanektar
5 Blatt frische Minze
Eiswürfel
Orangenspirale und Minzblätter.
Man kann diesen Cocktail übrigens mit etwas Prosecco  verfeinern.
Ein Buch, das ich gerne empfehle.


Montag, 24. Mai 2010

Autoren und ihre Region bei »ein Buch lesen«

Liebe Leserinnen und Leser!


Für mich war die letzte Zeit sehr ereignisreich. Nicht nur deshalb, weil mich die Schriftstellergemeinschaft »ein Buch lesen« als Gastautorin aufgenommen hat. Täglich lerne ich dazu, das »wilde Web« erschließt sich mir mit vorher ungeahnten Möglichkeiten. Das ist für mich ein ganz neuer Erfahrungswert, ein durchweg positives Erlebnis. Meinen Dank an das wundervolle Team.

»Autoren und ihre Region bei ein Buch lesen« dieses Stichwort habe ich gerne aufgenommen.

Mit meinem Thriller »Der Tote am Zwillbrocker Venn« möchte ich zu diesem Projekt, das durch die Autorengemeinschaft initiiert, geplant und nun in die Tat umgesetzt werden soll, meinen bescheidenen Beitrag leisten. Fortlaufend werde ich über meine Fortschritte auf meinem Blog berichten und über besondere Ereignisse an dieser Stelle einen Beitrag setzen.
Aber ich möchte Sie jetzt nicht länger auf die Folter spannen.
Wie ich bereits angekündigt habe, freue ich mich, Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, exclusiv bei »ein Buch lesen« eine kleine Leseprobe meines Thrillers vorstellen zu dürfen.

Freuen Sie sich mit mir auf einen kreativen Sommer!


Herzlichst Ihre

Tuna von Blumenstein

*

Samstag, 22. Mai 2010

Samstagrezension: Blühendes Münsterland- Dr. Susanne Paus, Ursel Borstell

Meine liebe Freundin Tuna von Blumenstein, die im Münsterland lebt, schwärmt mir regelmäßig am Telefon von den schönen Gärten in dieser Region vor. Mit viel Freude tauschen wir unsere Erfahrungen als Hobby-Gärtnerinnen aus und sprechen in diesem Zusammenhang auch stets von Gartenbüchern. Immer wieder erwähnt Tuna den Garten Picker in Borken-Weseke, wo sie sich oft aufhält, um bei einer Tasse Kaffee den Wechsel der Farben und Formen zu genießen und die Blütenpracht fotografisch abzulichten. Auf ihr Anraten habe ich mich mit vorliegendem Buch befasst, um neben den hübschen Bildern, die sie mir zuschickte, noch weitere Eindrücke von "Picker", aber auch vielen anderen pittoresken Gärten im Münsterland zu erhalten. Tuna und ich stimmen Christiane Widmayr- Falconi bei: „ Ein gelungener Garten, das ist ein „Hintertürchen“ zum Paradies.“

Die Diplombiologin Dr. Susanne Paus hat gemeinsam mit Diplomfotografin Ursel Borstell (sie studierte an der renommierten Essener Folkwangschule Fotografie und Grafik-Design) dieses sehr schöne Buch mit dem Titel „Blühendes Münsterland- Garten öffnen ihre Pforten" realisiert.



Der Prachtband enthält eine Fülle zauberhafter Fotos von 24 Gärten im Münsterland. Diese visuellen Impressionen werden von hochinformativen Texten begleitet. Zudem erhält man zu jedem fokussierten Garten die genaue Anschrift, die Öffnungszeiten, eine gute Beschreibung der Anfahrt und Tipps im Hinblick auf Sehenswertes in der Nähe. Auf den ersten beiden Seiten kann man sich auf einem Landkartenausschnitt einen Überblick verschaffen, wo die einzelnen Gärten zu finden sind.

Gefallen hat mir die Idee von Dr. Paus ihren Texten und Borstells Bildern Gedichte oder Zitate von Dichtern und Denkern hinzufügen.

William Shakespeares
“Schön ist die Rose/ schöner scheint sie noch/durch jenen süßen Duft, / der in ihr lebt.“( S. 88) macht es deutlich: dieses Buch ist eine Einladung in das Münsterland. Wenn man Glück hat, kann man dort mit Tuna von Blumenstein im Garten Picker in Borken-Weseke oder auch im Garten Rosenhaege in Kotten/Winterswijk über das ewige Werden und Vergehen philosophieren. In Kotten hat man  auch  noch Gelegenheit, sich in der hauseigenen Gärtnerei mit nostalgischen Rosen zu versorgen und auf diese Weise, sich von dem „süßen Duft“, den Shakespeare anspricht, jeden Sommer zu Hause aufs Neue betören zu lassen.

Folgende Gärten werden im Buch näher in Augenschein genommen:

Der Garten Grimm in Versmold- Der Garten Göwert in Ostbevern -Der Kaldenhof im Münster- Die Gärtnerei Dahlmann in Münster-Hiltrup-Haus und Garten Galerie Wähning in Emsdetten - Der Garten Kopel in Emsbüren-Der Garten Klesse in Neuenkirchen-Der Kreislehrgarten Steinfurt-Der Garten Reinermann in Schöppingen-Der Garten Schwieters in Rosendahl-Holtwick-Der Garten Ruch in Billerbeck-Das Brauhaus Klute in Havixbeck- Burg Hülshoff und Rüschhaus in Havixbeck-Der Garten Rombach in Nottuln-Der Garten Wehling in Raesfeld- Der Garten Picker in Borken-Weseke- Der Garten Rosenhaege in Kotten/Winterwijk- Der Garten Lechtenberg in Vreden-Das Kasteel Twickel- Die Gärtnerei De Border in Belder- Das Kasteel Warmelo in Diepenheim- Das Kasteel De Wiersse in Vorden- Der Garten Brethouwer in De Heurne- Der Garten Pastwa in Bocholt.

Da es unmöglich ist im Rahmen einer Rezension auf alle Gärten näher einzugehen, werde ich einige Gärten hervorheben, um eine Vorstellung davon zu vermitteln, was den Leser in diesem Buch erwartet. Dabei kann ich nicht umhin, sogleich die schönen fotografischen Eindrücke aus dem Garten Grimm zu erwähnen. Dort kann man sich derzeit des üppigen Blauregenflors erfreuen und  sollte allein deshalb dieses Refugium  jetzt aufzusuchen.


Besonders gut gefallen hat mir die Beschreibung von „Haus und Garten Galerie Wähning“. Die Eigentümer dieses 2700 Quadratmeter großen Villengartens in Emsdetten, ein Galeristenpaar, haben sich bei der Gestaltung in England inspirieren lassen. Viele wunderschöne Skulpturen, ein verspielter Kaskadenbrunnen und dezent in Form gebrachter Buchs verleihen der grünen Oase ein besonderes Flair, das sich sehr wohltuend auf die Seele - besonders von gestressten Zeitgenossen - auswirkt.

Der Garten Klesse in Neuenkirchen besticht durch seine kreative Gestaltung des Buchs, der dort der Hauptakteur ist. Die Autorin zählt auf : eine akkurate Hecke, Zipfelmütze, Kugel und Spirale. Vielleicht auch das:.bei den Fotos des Garten Schwieters fasziniert mich ein Arrangement aus rosafarbenen englischen Rosen. Dr. Paus kommentiert: “Glücklich, wer aus seinem Garten solch` zauberhafte Rosen schneiden kann. Und erst der Duft- er muss geradezu atmenberaubend sein.“ Wie Recht sie doch hat.

Die Dichterin Annette von Droste- Hülshoff lebte vor über 200 Jahren in der malerischen Burg  Hülshoff, deren Garten man im Buch kennen lernen kann. Beinahe prophetisch schrieb die Lyrikerin einst:“ Meine Lieder werden leben,/ wenn ich längst entschwand ./Mancher wird von ihnen beben,/ der gleich mir empfand.“ Droste- Hülshoff wurde nur 51 Jahre alt. Ihre Gesundheit soll labil gewesen sein, schwermütig und innerlich vereinsamt starb sie nicht zuletzt aus Kummer wegen einer enttäuschten Liebe, aber ihre empfindsame Seele lebt in dem Garten fort, der wie ein Gedicht der Natur anmutet.



Sehr lange verweilte mein Blick auf Tuna von Blumensteins Lieblingsort- dem Garten Picker in Borken- Weseke. Auf einer Fläche von 3000 Quadratmeter erstreckt sich das Staudenparadies mit Terrassen, Wegen und Sitzplätzen. In diesem Garten kann man weit mehr als 1000 Arten von Blumen aus Großmutters Zeiten bewundern, wie etwa rote Melde, Schmuckkörbchen, Schopfsalbei, Felberich, Montbretien, Phlox etc. und im „Pavillon d`Amour“ Kletterosen und eine Waldrebe. Im August endet bei Picker die jährliche Blühperiode mit einem großen Finale in Gelb.

Sollte ich dieses Jahr einige der schönen Gärten des Buches besuchen, dann wird neben "Picker" und anderen die Gartenanlage von Kasteel Warmelo“ sicher dazugehören. Das Spiel mit den Linien und Formen im dortigen Rokokogarten finde ich sehr schön . Die Baronin F.S.A. Creutz verhalf 1920 dem Garten zu neuem Glanz. Sie engagierte den Gartenarchitekten Hugo Poortmann, der die Garten- und Parkszenerie neu gestaltete und zwar zu einem Dornröschen-Reich. Auf Warmelo gibt es einen Fuchsiengarten mit rund mehr als 200 Varietäten, die im Spätherbst gemeinsam mit Zitronenbäumchen, Bougainvillen und anderen frostempfindlichen Exoten im Gewächshaus überwintern.
Ein schönes, inspirierendes Buch, in dem ich auch die nachstehende Sentenz gefunden habe, mit der ich meine Rezension beenden möchte: „ Wenn das Leben nur ein Durchgang ist, lasst uns mindestens während dieses Durchgangs Blumen säen.“( Michael de Montaigne)

Lesen Sie jetzt: "Blauregenmord", einen Krimi von Tuna von Blumenstein, der im Münsterländer Garten Picker spielt. 

Rezension Helga König





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