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Sonntag, 10. März 2013

164 »Von einem Gott, der vom Himmel stieg«

Alle Straßen führen nach Cobá«, Teil III
Teil 164 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Tulum, Mayastädtchen am Meer
Foto: W-J. Langbein
Zu den schönsten Ruinenstätten der Mayas gehört die faszinierende Anlage von Tulum. Direkt am Karibikstrand gelegen, lockt Tulum Massentourismus an. Zu günstigsten Pauschalpreisen können Scharen nordamerikanischer Touristen, »ALL INCLUSIVE« sei Dank!, ihre puritanisch-frömmelnde Lebensweise vergessen und sich betrinken. Am kulturellen Erbe der Mayas haben diese Vertreter der »zivilisierten Welt« eher selten Interesse. Dabei bieten einige der im gleißenden Sonnenlicht förmlich strahlenden Tempel ein Geheimnis: In mehreren Varianten steigt da, im Stuck verewigt, ein Gott hernieder. Mit angezogenen Beinen stürzt er kopfüber aus dem Himmel zur Erde.

Eines der sakralen Bauten, ein kleiner, aber feiner Tempel, trägt die Bezeichnung »Templo de los Frescos« (der »Freskentempel«). Seine zentrale Lage in der Ruinenstadt lässt auf eine ganz besondere Bedeutung schließen. Über dem Eingang wurde das Relief des »herabstürzenden Gottes« angebracht. Einen fast identischen Schmuck gibt es am »Castillo«, einem weiteren Tempel. Auch hier findet sich ein Gegenstück zur biblischen Himmelfahrt. Der Maya-Gott strebt nicht dem Himmel entgegen wie weiland Jesus auf so manchem christlichen Gemälde. Er kommt vielmehr aus dem Himmel zur Erde.

Ein ganz ähnliches Motiv findet sich in Cobá. Wer allerdings im Sauseschritt durch die weitläufigen Tempelanlagen hastet, bekommt es nicht zu Gesicht ... Guides weisen in der Regel auch nicht darauf hin.

Im Standardwerk »Das Alte Mexiko« von Hanns J. Prem und Ursula Dyckerhoff lesen wir über die Pyramide »Nohoch Mul« (1): »Letztere mit intaktem Tempel und bemalter Skulptur des Herabstürzenden Gottes«. Mir scheint, die Experten haben nicht die steile Pyramide »Nohoch Mul« erklommen. Sonst wüssten sie, dass dort nicht eine Skulptur des ominösen vom Himmel stürzenden Gottes zu sehen ist ... sondern deren zwei. Und ursprünglich waren es wohl deren drei, also eine Maya-Trinität!

Maya-Treppe in den Himmel
Foto: W-J. Langbein
Man nähert sich der mit einer Höhe von 42 Metern den dichten Urwald überragenden Pyramide. Eine imposante Treppe von zwölf Metern Breite führt empor zum Tempel an der Spitze. Wer dort oben ankommen will, muss 120 steile Treppenstufen überwinden. Wer die »Himmelstreppe«, die teilweise erheblich beschädigt ist, genauer betrachtet, erkennt eine Besonderheit des Bauwerks: Es wurde terrassenförmig angelegt. Wer die Treppe erklimmt, sieht, dass zwölf Plattformen den massiven Leib des »großen künstlichen Hügels« bilden.

In gewisser Weise erinnert das Bauwerk dem ebenfalls steilen »Turm von Babel«, der auch ganz oben auf seiner höchsten Plattform einen Tempel trug ... so wie »Nohoch Mul«, so wie die typische zentralamerikanische Pyramide. Sie diente, anders als etwa die Cheopspyramide, als Sockel für den Tempel, der dem Himmel möglichst nahe sein sollte. Die Pyramide in Mexico – etwa der »Tempel der Inschriften« – ist von untergeordneter Bedeutung. Sie hat einen Tempel zu tragen ... und das möglichst hoch über der Erdoberfläche. Erinnern wir uns: Auch die »Kukulkan-Pyramide« von Chichen Itza hatte diese Funktion!

Im Reiseführer von Marianne Mehling stoßen wir auf den gleichen Fehler, der uns schon bei Prem und Dyckerhoff aufgefallen ist (2): »Dieses ... Heiligtum bewahrt in einer der drei rechteckigen Eingangsnischen die polychrome Skulptur des ›Herabstürzenden Gottes«, der in den archäologischen Stätten am Karibischen Meer häufig auftaucht.«

Tempel auf der Pyramidenspitze
Foto: Wolfgang Sauber,
Creative Commons
Diese Beschreibung ist etwas irreführend: Bei den »rechteckigen Eingangsnischen« handelt es sich vielmehr um Nischen im Dachfries. Zwei davon sind noch recht gut erhalten. Da man davon ausgehen kann, dass das Gebäude symmetrisch war, ist eine dritte Nische zu vermuten. Sie befand sich in jenem Teil des Frieses, das offenbar eingefallen ist und nicht rekonstruiert wurde. Die beiden anderen Nischen über dem schmalen Eingang in den Tempel und im rechten Teil des Frieses sind gut erhalten ... und in jeder von ihnen stürzt der aus Tulum bekannte Gott vom Himmel zur Erde.

Bis heute wurde der »große künstliche Hügel« nur äußerlich untersucht und auch nur zum Teil rekonstruiert.

Archäologen vermuten, dass auch (wie viele andere Maya-Bauten, etwa die »Pyramide des Zauberers«) »Nohoch Mul« in mehreren Etappen gebaut wurde. Vermutlich gab es ein sehr altes Ur-Gebäude, über das nach und nach mehrere Schichten gestülpt wurden. Aus bislang unerfindlichen Gründen scheinen die Mayas ihre religiösen Zentren in regelmäßigen Abständen urplötzlich verlassen zu haben, um auf Wanderschaft zu gehen und an anderer Stelle eine neue Siedlung anzulegen.

So befinden sich – davon kann man wohl ausgehen – im Inneren der Pyramide in ihrer heutigen Form ineinander verschachtelt weitere Pyramiden, vermutlich auch Tempel. Man müsste wie ein Bergmann Tunnel in den Leib der Pyramide treiben, um dort dann die älteren Tempel zu entdecken. Ob sich für diese verlockende Aufgabe finanzielle Mittel locker machen lassen? Ich habe da meine Zweifel. Positiv formuliert: Die Pyramiden im Inneren der Pyramide sind geschützt und weder der auch in Mexiko bedenklichen Umweltverschmutzung, noch den trampelnden Füßen der Touristen ausgesetzt! Auch schreitet die Technologie der praktischen Archäologie voran. Ich bin sicher: Eines Tages wird man Miniaturkameras durch Bohrlöcher in das Innere der Pyramide einführen.

Die beiden erhaltenen Götter
von Cobá
Fotos: Wolfgang Sauber,
Creative Commons
Erinnern wir uns: Der Gott des »Alten Testaments« stieg wütend vom Himmel hernieder, um den »Turm zu Babel« (mit einem Tempel auf der Spitze) zu inspizieren. In Tulum und Cobá sehen wir ebenfalls vom Himmel zur Erde herabsteigende Götter. In Cobá wie in Tulum kannte man sie ... die vom Himmel stürzenden Götter. Man verewigte sie in Skulpturen ...

Die Steinmetze von Cobá waren fleißig. Sie haben an so mancher Treppenstufe empor zum Tempel Symbole angebracht, die an Muscheln erinnern. Und sie haben über dreißig Kunstwerke geschaffen, Stelen aus Stein und steinerne Wandtafeln. Für die Ewigkeit waren diese Bildnisse nicht gedacht. Oder ahnten die Künstler zu Maya-Zeiten nicht, wie rasch der Zahn der Zeit den Platten aus Kalkstein zusetzen würde? Es wurden Maya-Glyphen (im Gegensatz: ägyptische Hieroglyphen) in äußerst porösen Kalkstein gemeißelt.

Sie sind heute so stark verwittert, dass kaum noch etwas von den alten Zeichen entziffert werden kann. »Ach, könnte man sie nur noch wie ein Buch lesen ...« klagte ein Archäologe vor Ort. »Dann wüssten wir mehr von Cobá!« Etwas besser zu erkennen sind die bildhaften Darstellungen auf den Stelen. Da steht ein »Würdenträger« (Herrscher? Fürst? Priester? Krieger?) aufrecht und stolz. Häufig sieht man zu Füßen des Stehenden, auch direkt darunter, einen Liegenden. Manchmal wird der Stehende von zwei demütig Hockenden getragen. Oder sollen nur die betenden Kleinen dargestellt werden, die sich vor dem Großen demütig erniedrigen?

Eine der Stelen
Foto: W-J.Langbein
Ich taste eine Stele ab ... In der Hand hält der Würdenträger einen Stab, der an ein Zepter erinnert. An beiden Enden befinden sich Masken oder Köpfe. Die Bedeutung des Stabs ist umstritten. Vor Ort gab man mir eine Erklärung, die mir einleuchtet... passt sie doch zu den vom Himmel stürzenden Göttern. Oder war nur ein Gott, der vom Himmel kam, der aber mehrfach in Stein gemeißelt wurde. Der untere Kopf steht für Erde/ Unterwelt, der obere bedeutet den Himmel. Der Stab symbolisiert die Verbindung zwischen Himmel und Erde... den Weg, den der herabstürzende Gott aus dem Himmel zur Erde gewählt hat!

Ist dies die Botschaft von Cobá? Erzählen uns Pyramiden und Stelen einen Mythos: Hier kamen göttliche Wesen vom Himmel zur Erde? War Cobá so etwas wie ein Heiligtum, weil sich in längst vergessenen Zeiten Menschen und Götter begegneten? War Cobá eine Begegnungsstätte von Menschen und Göttern, wie das indische Vijayanagara? Schade, dass wir die Glyphen von Cobá nicht mehr wie ein Buch lesen können!

»Das kann schon sein!« pflichtete mir ein Archäologe vor Ort im »Villas Arqueológicas« bei. „Wir wissen sehr viel weniger als wir vorgeben! Selbst wenn Darstellungen auf verwitterten Stelen beschrieben werden, kommt viel Fantasie ins Spiel." Fragen über Fragen ...«

Die ovale Pyramide von Cobá
Foto: W-J.Langbein
Warum wurde die mehrschichtige »Xai-be«-Pyramide als fast ovaler Bau angelegt? Wurde die kuriose Pyramide als Aussichtsplattform benutzt? Warum wurden die Straßen mit einer besonders hellen Schicht überzogen? Waren die Straßen nicht nur profane Verkehrswege, sondern Peillinien? Wiesen sie auf besonders heilige Orte hin?

»Schauen Sie sich vor Ort um!« ermutigte mich »mein« Archäologe. »Und misstrauen Sie den Beschreibungen in wissenschaftlichen Werken! Da werden vermeintliche ›Tatsachen‹ aufgetischt, die einfach nicht stimmen. Da werden Vermutungen als bewiesene Erkenntnisse ausgegeben!«

Ich berichtete dem Archäologen von meiner Begegnung mit dem dicken Uniformierten, der die große Pyramide von Cobá so flott erstieg und der so unrühmlich wieder nach unten kletterte. »Im Volksglauben leben uralte Überlieferungen weiter, die Sie in keinem Buch finden werden!« Ich fragte nach: »Auch von der Göttin?« Mein Gesprächspartner wurde sehr ernst: »Auch von der! Sie wurde schon lange vor der Zeit der Mayas angebetet! Und sie hat noch heute Anhänger, auch in mächtigen Kreisen von Politik und Militär! Die katholische Kirche weiß das. So lange jemand offiziell getaufter katholischer Christ ist ... ist alles in Ordnung! Der Versuch, den uralten Glauben in Vergessenheit geraten zu lassen, wurde längst aufgegeben ... nach Jahrhunderten des Kampfs gegen das "Heidentum", das älter als das der Mayas ist!«

Fußnoten
1: Prem, Hanns J. und Dyckerhoff, Ursula: »Das Alte Mexiko – Geschichte und Kultur der Völker Mesoamerikas««, München 1986, S. 402
2 Mehling, Marianne (Herausgeberin): »Mittelamerika – Die Welt der Maya«, Lizenzausgabe, Augsburg 1998, S. 100

»Nach Indien, der Götter wegen ...«
Teil 165 der Serie »Monstermauern, Mumien und Mysteien«
von Walter-Jörg Langbein
erscheint am 17.03.2013


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Sonntag, 5. September 2010

»In der unvollendeten Grabkammer« Teil II

Teil 33b der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Die geheimnisvolle unvollendete Grabkammer....
Endlich kann ich mich aufrichten, recken und strecken..... Fast vierzig Meter unter der Basis der »Cheopspyramide«. Irgendwie wirkt der Gedanke beklemmend, dass über mir vor Jahrtausenden ein gigantisches Weltwunder errichtet wurde.... eine gewaltige Last! Gefährlicher allerdings sind die Stromkabel, die hier laienhaft verlegt wurden. Da und dort knistern stark verstaubte Glühbirnen, erzeugen ein flackerndes Licht. Nackter Kupferdraht ist zu erkennen, manchmal sogar isoliert.

Bizarre Steingebilde wachsen aus dem Boden. Sie leuchten gelbrötlich auf im Schein meiner Taschenlampe. »Unvollendet« scheint die Kammer in der Tat zu sein. Sie vermittelt den Eindruck, als habe man vor Jahrtausenden tief unter der »Cheopspyramide« einen Raum in den gewachsenen Fels schlagen wollen.... und die Arbeit irgendwann abgebrochen. Warum? Ist es realistisch anzunehmen, dass die Erbauer des Weltwunders der »Cheopspyramide« urplötzlich ihr Konzept änderten?

Seltsam: In der »unvollendeten Grabkammer« findet sich nicht der Hauch von Schutt. Man hat offensichtlich jeden losgemeißelten Felsbrocken durch die qualvolle Röhre ins Freie geschafft. Warum? Hätte man nicht den verbleibenden Schutt in der Kammer belassen, als man die Arbeiten – warum auch immer –abbrach?

Noch seltsamer: »Unvollendete Grabkammer« nennt man diesen mysteriösen Raum, weil die Forschung davon ausgeht, dass hier eine unterirdische Gruft entstehen sollte. Aber für wen? Für den Pharao selbst vielleicht... oder für seine Gemahlin? Das erscheint mir mehr als unwahrscheinlich! Wie wollte man denn den Sarkophag einer hochstehenden Persönlichkeit in den unterirdischen Raum schaffen? Zur Erinnerung: 120 Meter lang, 120 Zentimeter hoch und 106 Zentimeter breit ist der »Gang«. Für den halbwegs würdevollen Transport eines Toten war er vollkommen ungeeignet. Einen Leichnam im Sarkophag konnte man schon gar nicht auf diesem Wege in die Gruft schaffen.

Einwand: Sollte der Gang für den Transport etwa des Pharaos im wertvollen Sarkophag später erweitert werden? Warum hat man dann die Wände des engen und niedrigen Ganges weitestgehend erstaunlich glatt poliert? Der Gang sieht ganz und gar nicht nach einem Provisorium aus. Zudem ist der Einwand geradezu unsinnig: Nie und nimmer hätte man die beim Herausmeißeln des unterirdischen Raumes anfallenden Gesteinsmassen durch einen langen, engen und niedrigen Gang ins Freie geschafft.... um dann später den Gang zu erweitern!

Ich konzentriere mich auf mein Messband, krieche am Boden der »unvollendeten Kammer« umher. Ich fertige eine Skizze an, schreibe Zwischenergebnisse auf. Ich addiere Zahlenkolonnen ... Meine Endergebnisse sind gewiss eher ungenau. Man kann sie aber als Richtwerte akzeptieren. Die »unvollendete Grabkammer« ist vierzehn Meter lang und acht Meter breit. An der höchsten Stelle messe ich 3,50 Meter. Wäre sie vollendet worden, dann wäre ein imposanter Saal entstanden, tief unter der Cheopspyramide!

Wohin führt der Gang
aus der unvollendeten Grabkammern?
Von der unvollendeten Grabkammer führt... ein weiterer Gang in den massiven Fels. Ein Eisengitter versperrt den Weg. Ich schraube das Objektiv meines Fotoapparates ab, schiebe Kamera und Fotoapparat durch das Gitter. Hinter dem Gitter schraube ich das Objektiv wieder auf. Der starke Blitz erleuchtet... einen Gang, der meinem Kompass nach nach Südosten verläuft. Endet er abrupt? Oder biegt er am »Ende« nach links ab?

Ich spekuliere: Könnte es sein, dass die »unvollendete Grabkammer« gar nicht unvollendet ist, sondern nur so aussieht? Wurde sie von den Planern von Anfang an so konzipiert? Ich versetze mich in die Lage von Grabräubern, die den absteigenden Gang entdeckt haben und ihm gefolgt sind. Sie schauen sich kurz um und kommen zum Schluss: Hier ist nichts zu holen. Enttäuscht ziehen sie ab. War das die von den Erbauern der Pyramide erwünschte Reaktion? Haben sie unter der Pyramide eine vermeintlich »unvollendete Kammer« angelegt, der deshalb weder Grabräuber noch Archäologen Aufmerksamkeit geschenkt haben? Findet sich irgendwo im Raum unter der Pyramide der versteckte Eingang zu geheimen Gängen, die zu Saurids Schatzkammern führen?

Walter-Jörg Langbein bei der Erkundung
der unvollendeten Grabkammer.

»Monstermumien im Alten Ägypten?«,
Teil 34 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 12.09.2010  in diesem Blog


Bücher von Walter-Jörg Langbein

Sonntag, 29. August 2010

»In der unvollendeten Grabkammer Teil I«,

Teil 33a der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

»Follow the others...« fordert mich der Wächter der »großen Pyramide«. Ich soll den anderen Pyramidenfreunden folgen. Dann werde ich in die Kammern der Königin und des Königs gelangen. Schnell... schnell... Schon ist wieder ein Trupp im Leib der »Großen Pyramide« verschwunden. »Follow them!« wird mir fast barsch befohlen. Nur dann, versichert man mir, werde ich ich in die Kammern der Königin und des Königs gelangen. Diese Bezeichnungen sind frei erfunden. Welchem Zweck die beiden Kammern in der Pyramide wirklich dienten, das ist nicht überliefert. Ich möchte aber nicht dem Tross der Touristen folgen. Mich interessiert die dritte Grabkammer....

»Dritte Kammer?« Mehrere Wächter haben sich inzwischen um mich geschart. »No third chamber exist....« behauptet einer in gutturalem, gebrochenen Englisch. Eine dritte Kammer existiert angeblich nicht. Ich deute nach oben. Deutlich ist der eigentliche Eingang zur Pyramide zu sehen. Er liegt auf der Nordseite des monumentalen Weltwunders, siebzehn Meter über der Grundfläche. Diesen höher gelegenen Eingang will ich benutzen, nicht jenen, durch den sich Hunderttausende Touristen quetschen. Er wurde einst von Grabräubern geschlagen.

Die unvollendete Grabkammer in der Cheopspyramide,
im Plan eingekreist.

Ich mache Anstalten, zum höher gelegenen Eingang zu klettern. Empört zerren die Guides an mir, packen mich an Armen und Beinen. Die Situation ändert sich schlagartig, als ich einige Geldscheine zücke und das Zauberwort »Bakschisch!« murmele. Dieses magische Wort und die Scheinchen verwandeln die Wächter schlagartig. Gern sind sie bereit, mit mir nach oben zu klettern. Der Wächter der Wächter am Eingang muss auch noch bestochen werden.... dann ist der Weg für mich frei... zur »unterirdischen Kammer« (»sunterranean chamber«).

Vor mir liegt ein Gang, der steil in das Innere der Pyramide führt. Die Bezeichnung »Gang« allerdings ist irreführend. Mit einer Höhe von nur 120 Zentimetern und einer Breite von 106 Zentimetern wirkt der Schacht alles andere als einladend. Ein aufrechtes Gehen ist bei dieser geringen Höhe nicht möglich. Kriechend in die Unterwelt der Cheopspyramide vorzudringen, das empfiehlt sich bei der Länge des Weges auch nicht. Also gehe ich in die Knie und quäle mich Schritt für Schritt die 26-Grad-Steigung hinab. Nach fünfundzwanzig Metern brennen meine Beine wie Feuer.

Soll ich aufgeben und den absteigenden Gang verlassen? Ich könnte jetzt in den aufsteigenden Gang wechseln, der zu der Königinnenkammer und der Königskammer führt. Ich schaue weiter nach unten. Es kommt mir so vor, als würde der tiefer führende »Gang« unendlich weit ins Erdinnere führen. Tatsächlich sind es aber »nur« noch etwa 85 weitere Meter.
.
Ziel meines anstrengenden Abstiegs
in die »Unterwelt«
Vor Anstrengung keuchend quäle ich mich weiter. Ich hatte gehofft, dass es im Inneren der Pyramide kühler ist als unter der Sonne Ägyptens. Die Luft wird muffiger, sie reizt zum schmerzhaften Husten. Mir ist, als würde es immer heißer und heißer. Meine Kleidung klebt mir am Leibe. Plötzlich spüre ich so etwas wie einen leisen, aber frischen Lufthauch. Auf eine »Länge« von nicht ganz zwei Metern ist der »Gang« immerhin stolze 1,85 Meter hoch. Hier soll so etwas wie eine Luftleitung in den absteigenden Gang führen. Kurz setze ich mich hin, dann wanke ich mehr kriechend als stehend weiter.

Endlich geht das Gefälle in die Horizontale über. Watschelnd geht es weiter, denn nach wie vor ist der »Gang« nur 120 Zentimeter hoch. So heftig inzwischen sämtliche Muskeln in Beinen und Rücken auch schmerzen... ich kämpfe mich schneller weiter. Ich weiß: nur noch zehn Meter trennen mich von der Kammer unter der »Cheopspyramide«.




»In der unvollendeten Grabkammer II«,
Teil 33b der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 5. September 2010

Sonntag, 22. August 2010

32 »Das Geheimnis unter der Cheops-Pyramide«

Teil 32 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Vor der Cheopspyramide thront der mächtige Sphinx, das mysteriöse Fabeltier mit dem Leib eines Löwen und dem Kopf eines Pharao. »Alle haben Angst vor der Zeit. Die Zeit aber fürchtet sich vor der großen Pyramide!« So lautet ein alter Spruch.

Folgt man dem Historiker Herodot dann war es Pharao Cheops (2551-2494), der die »Große Pyramide« hat erbauen lassen. Im Deutschen kommt kein Zweifel auf: Wir sprechen von der »Cheopspyramide«. Im Englischen indes heißt das letzte erhaltene der legendären sieben Weltwunder schlicht »the great Pyramid«, die »große Pyramide«. Und groß ist die nach Cheops benannte Pyramide in der Tat! Mit einer Höhe von 149,59 Metern überragt sie noch das Straßburger Münster. Ihre Grundfläche von 230 mal 230 Metern würde spielend der Peterskirche von Rom, der Pauluskirche von London und der Westminsterabtei sowie den Domen von Florenz und Mailand ausreichend Platz bieten.

Jahr für Jahr lockt der Wunderbau Millionen von Touristen an. Kaum jemand ahnt, dass das vielleicht größte Geheimnis des mysteriösen Baus.... tief unter der Erdoberfläche zu finden ist....

Während heute Herodot allgemein als »Vater der Geschichtsschreibung« anerkannt wird, galt er im Altertum als Lügner. Diodor von Sizilien etwa warf Herodot vor, er habe seinen Lesern statt der Wahrheit unglaubliche Geschichten und Mythen vorgesetzt, indem er ihren Instinkten geschmeichelt habe.

Nach Diodor von Sizilien gab ein »Chemmis« den Auftrag für den Bau der vermeintlichen »Cheopspyramide«. Cajus Plinius Secundus: lässt die Frage nach dem Bauherrn offen: »Keiner von ihnen (von den Historikern, Ergänzung durch den Autor) weiß aber die eigentlichen Erbauer anzugeben.« Der arabische Chronist Al-Makrizi äußert sich in seinem Werk »Hitat« zunächst sehr kritisch: »Die Leute sind sich über die Zeit ihrer Erbauung nicht einig und haben die verschiedensten Meinungen geäußert, die verkehrt sind.« Dann benennt er einen gewissen »Surid« als Auftraggeber. Saurid aber war alles andere als ein Zeitgenosse Cheops’.

Es wird geradzu fantastisch bei Al-Makrizi. Der arabische Historiker schreibt: »Die Ursache der Erbauung der Pyramiden war, dass 300 Jahre vor der Sintflut Saurid folgenden Traum hatte: Die Erde kehrte sich mit ihren Bewohnern um, die Menschen flüchteten in blinder Hast, und die Sterne fielen herab.«

Nach Al-Makrizi wurde die »Cheopspyramide« nicht als Grabdenkmal eines größenwahnsinnigen Pharaos angelegt.... sondern als massiver Tresor. Wir lesen bei Al-Makrizi: »Daraufhin ließ er (Saurid, der Verfasser) in der westlichen Pyramide dreißig Schatzkammern anlegen. Die wurden angefüllt mit reichen Schätzen, mit Geräten und Bildsäulen aus kostbaren Edelsteinen, mit Geräten aus vortrefflichem Eisen, wie Waffen, die nicht rosten, mit Glas, das sich zusammenfalten lässt, ohne zu zerbrechen, mit seltsamen Talismanen, mit den verschiedenen Arten der einfachen und der zusammengesetzten Heilmittel und mit tödlichen Giften. In der östlichen Pyramide ließ er die verschiedenen Himmelsgewölbe und die Planeten darstellen sowie an Bildern anfertigen, was seine Vorfahren hatten schaffen lassen. Dazu kam Weihrauch, den man den Sternen opferte, und Bücher über diese.«

Fakt ist: Nirgendwo an der »Cheopspyramide« gab es einen Hinweis auf Cheops als den Erbauer. An einem versteckten Ort wurde, so heißt es, der Schriftzug »Cheops« entdeckt: Im Inneren der großen Pyramide, über der »Grabkammer des Königs« wurden beim Bau des Monumentalwerkes vier künstliche Hohlräume angelegt. Jede dieser Kammern ist mit neun gewaltigen, ja monströsen Monolithen abgedeckt. Jeder wiegt etwa 40 Tonnen. Demnach hat jede Decke dieser seltsamen Räume ein Gewicht von 360 Tonnen! Vier solcher Decken bestehen demnach aus 1440 Tonnen Stein!

Über der höchsten »Entlastungskammer«, oberhalb der massiv steinernen Decke, wurde – im Inneren des steinernen Leibs der Pyramide – ein »Spitzdach« aufgetürmt. Es dürfte nochmals 1200 Tonnen (!!!) wiegen!

Die Entlastungskammern wären wahrscheinlich bis heute unentdeckt geblieben, wäre nicht der Forscher Howard Vyse geradezu versessen darauf gewesen, einen möglichst sensationellen Fund zu machen. Vorher, so schrieb er in sein Tagebuch, könne er doch kaum nach England zurückkehren. Mit brachialer Gewalt – unter Einsatz von Dynamit – drang Vyse in die Entlastungskammern vor.... und fand anno 1837 den Schriftzug Cheops. Der Orientalist Zecharia Sitchin allerdings behauptet: »Der Namenszug ist eine plumpe Fälschung!«

Alles deute, so Sitchin, auf Vyse als den Urheber hin. Sollte also Vyse selbst »Cheops« in der Entlastungskammer gepinselt haben? 1996 berichtete ich über Sitchins Fälschertheorie (1). Sitchin legte 2010 nach und präsentierte Dokumente. Demnach wurde Humphries W. Brewer, er gehörte zum Team von Howard Vyse, entlassen, weil er zum unliebsamen Zeugen geworden war. Zecharia Sitchin (2): »Er beobachtete Mr. Hill dabei, wie er mit roter Farbe und einem Pinsel in die Pyramide ging; angeblich, um antike Beschriftungen zu übermalen, tatsächlich aber, um neue anzufertigen.«

Nach Al-Makrizi entstand die »Große Pyramide« vor der Sintflut. Ist das eine glaubhafte Aussage oder bloße Fantasterei? Von den Ägyptologen wird gewöhnlich verschwiegen, dass Prof. Dr. Robert Schoch, University von Boston, eine erstaunliche Entdeckung gemacht hat. Der Sphinx weist seltsame Beschädigungen auf, die so gar nicht zu einer Kolossalstatue in der Wüste stammen: Sie rühren von erheblichen Wassermassen her. Nach Prof. Schoch gab es vor 10 000 bis 15 000 Jahren sintflutartige Überschwimmungen im Bereich von Sphinx und »großer Pyramide«.

Sollte also die »große Pyramide« wirklich nicht von Cheops erbaut worden und sehr viel älter sein als von der Ägyptologie postuliert? Sollte Al-Makrizi also recht haben? Sollte das monumentale Bauwerk wirklich nicht als Grabmonument, sondern als gigantischer Tresor für uraltes Wissen gebaut worden sein?

Wo sollte man einen möglichen Eingang zu einem Korridor im Inneren der »großen Pyramide« suchen? Während unzählige Touristen die Kammern der »Königin« und des »Königs« aufsuchten.... wagte ich den Abstieg in die »Unterwelt«... in die »unvollendete Grabkammer« im gewachsenen Fels... tief unter der »Cheopspyramide«!

Fußnoten:(1): Langbein, Walter-Jörg: »Bevor die Sintflut kam/ Von Götterbergen und Geisterstädten, von Zyklopenmauern, Monstern und Sauriern«, München 1996
(Siehe S. 27-29: »Plump gefälscht«)

(2) Sitchin, Zecharia: »Auf den Spuren alter Mythen/ Neue Expeditionen in die sagenhafte Vergangenheit des Planeten Erde«
(Siehe S. 7- 37: »Der große Pyramiden-Schwindel«)

»In der unvollendeten Grabkammer«,
Teil 33 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 29. August 2010

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