Sonntag, 27. Juli 2014

236 »Ein Heidentempel, drei Göttinnen und der Dom von Worms«

»Ein Heidentempel, drei Göttinnen und der Dom von Worms«
Teil 236 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein

»Von Wunderdingen melden die Mären alter Zeit;
Von preisenswerten Helden, von großer Kühnheit,
von Freud‘ und Festlichkeiten, von Weinen und von Klagen,
von kühner Recken Streiten mögt ihr nun Wunder hören sagen.« (1)

Der Dom zu Worms bei Nacht. Foto W-J.Langbein

So beginnt das berühmte Nibelungenlied, das große mittelalterliche Heldenepos, das wohl zu Beginn des 13. Jahrhunderts entstanden ist. Einer der wirklich wichtigen Schauplätze ist der Königshof zu Worms. In Worms will der legendäre Siegfried um Kriemhild werben. Vor dem Dom kommt es zum dramatischen Streit zwischen den Königinnen. Die beiden Damen sind sich uneins, wer im Rang höher steht. Ist es Siegfried? Ist es Gunther? Ist Siegfried Gunther ebenbürtig? Oder steht er unter dem König, als »Gefolgsmann«? Welche der Damen darf als erste den Dom zu Worms betreten? Wer darf über das Königreich zu Worms herrschen, Gunther oder Siegfried?

»Da saßen beisammen die Königinnen reich
Und gedachten zweier Recken, die waren ohnegleich.
Da sprach die schöne Kriemhild: ›Ich hab‘ einen Mann,
dem müßten diese Reiche alle sein untertan.‹
Da sprach zu ihr Frau Brunhild: ›Wie könnte das sein?
Wenn anders niemand lebte als du und er allein.
So möchten ihm die Reiche wohl zu Gebote stehn:
So lange Gunter lebte, so könnt‘ es nimmermehr geschehn.‹« (2)

Schon in der Schulzeit (3) musste ich mich intensiv mit dem »Nibelungenlied« auseinandersetzen. Stundenlange Vorträge, etwa über das Verständnis des Begriffs »Ehre« waren zu ertragen. Ich muss zugeben, dass mich damals staubtrockene Definitionen von Begriffen in mittelalterlicher Dichtung kaum interessierten. Was mich aber faszinierte, kam im Unterricht gar nicht vor: Gab es den gigantischen Schatz der Nibelungen wirklich? Wurde er tatsächlich im Rhein versenkt? Wenn ja.. wo? Kann man ihn noch bergen? Und sollte der unermesslich kostbare Schatz tatsächlich gefunden werden, wem gehört er dann?


Reich verzierter Torbogen zum Dom. 
Foto W-J.Langbein

Ich unterbreitete damals meinem Deutschlehrer den Vorschlag, eine Studienreise nach Worms zu unternehmen. Ob es noch Hinweise auf die Nibelungen zu entdecken galt? Leider wurde mein Vorschlag abgelehnt. Ein Jahrzehnt später – im Sommer 1979 – lernte ich meine Frau kennen. Und siehe da: Der Großvater meiner Frau, Dr. Karl Schütze, hat sich viele Jahre seines Lebens mit dem Nibelungenlied auseinandergesetzt. Der Germanist aus Glückstadt hat schließlich eine weitverbreitete Übersetzung des alten Heldenepos publiziert (4). Beim Recherchieren in Sachen Nibelungenlied und Worms stieß ich auf den Mitbegründer der wissenschaftlichen Germanistik. Friedrich Heinrich von der Hagen (1780 – 1856) setzte sich intensiv mit dem Nibelungenlied auseinander. Erst kurz vor seinem Tod erschien seine Arbeit »Nibelungen« (5). Posthum folgte »DerNibelungen Klage« (6). Bei Friedrich von der Hagen entdeckte ich eine kühne Behauptung (7): Demnach soll es in Worms eine »Sigfridskapelle« (8) gegeben haben. Diese Behauptung elektrisierte mich geradezu. So begann meine Recherche in Sachen Siegfried und Worms. Sollte es tatsächlich – wie von Friedrich von der Hagen postuliert – eine »Sigfridskapelle« gegeben haben? Belege dafür fand ich keine, entdeckte aber sehr wohl das sakrale Bauwerk, auf das sich von der Hagen bezieht. Zu meiner großen Enttäuschung wurde das mysteriöse Bauwerk zu Beginn des 19. Jahrhunderts abgerissen.


Die »Sigfridskapelle«. Historische Rekonstruktion. 
Foto: Archiv W-J.Langbein

Ohne Zweifel meint von der Hagen die »Johanneskirche«, die bis ins 19. Jahrhundert direkt neben dem Dom zu Worms stand. Dr. Eugen Kranzbühler widmet ihr, der »Johanneskirche«, in seinem bemerkenswerten Werk »Verschwundene Wormser Bauten« (9) im Kapitel »Die Pfarrkirchen« viel Raum (10). Dr. Kranzbühler (11): »Der Wormser Stadtschreiber  Johann Ludwig Hallungius nennt sie in seinen handschriftlichen Nachrichten von der Freien Reichsstadt Worms die Johanneskirche ›die älteste, noch aus dem Heidentum herrührende, unter der Erde zum Götzendienst mit Altären versehene Kirche. … Ein heidnischer Tempel, der ganz von Quadersteinen erbaut und gedeckt, unter der Erde rings um mit einem Gewölb versehen, worein das Licht durch viele bogige hohe Fenster einfällt.« Hallungius beschreibt den geheimnisvollen Bau als recht mysteriös: »Vor etlichen solchen Fenstern gegen Morgen stehen schlechte längliche viereckige Altäre mit Kohlen- und Schür(?)-Löchern versehen.«


Grundriss der verschwundenen Kapelle. 
Foto: Archiv W-J.Langbein

Längliche Altäre mit »Kohlen- und Schür-Löchern« erinnern ganz und gar nicht an christliche Kirchenbaukunst. Mit einem klassischen Kirchenschiff hatte der mysteriöse »heidnische Tempel«, so Stadtschreiber Hallungius (1732-1812), wenig, ja gar nichts gemein. Das sakrale Gebäude war rund (ein »Circul«), »die schwere Kuppel«, so Hallungius, ruhte auf steinernen Säulen. Untypisch war auch, dass die »Johannes-Kirche«, so Hallungius, teils unter-, teils überirdisch angelegt war. Sie war aus massiven Quadersteinen ein Stockwerk unter und zwei Stockwerke über der Erde angelegt worden. Es heißt, dass die Gläubigen »an Altären im unterirdischen Teil dem Götzen Mercurio opferten«. Sollte die »Johannes-Kirche« ursprünglich ein römischer Tempel gewesen sein? Wurde ein runder »Heidentempel« christianisiert, womöglich umgebaut und erweitert? Nach dem Studium zahlreicher Zeichnungen von der »Johanneskirche« drängt sich mir der Eindruck auf, dass beim Bau auf einen Turm aus der Römerzeit in die Anlage integriert wurde.

Wir wissen nicht, wer wann die Urform des Heiligtums baute, woraus die »Johannes-Kirche« entwickelt wurde. Wir wissen nicht, wer aus gewaltigen Steinquadern einen unterirdischen Kultort baute und darauf zwei weitere Stockwerke setzte. Der Ort jedenfalls war gut gewählt. Der etwa hundert Meter hohe Hügel bot Sicherheit vor den Hochwasserfluten des Rheins. Schon im dritten vorchristlichen Jahrtausend siedelten hier Menschen. Schon damals mag es dort einen Tempel gegeben habe, auf dessen Areal sehr viel später ein rundes Heiligtum entstand.

Grundriss von Dom und »Sigfridskapelle« (B). 
Foto: W-J.Langbein


1808 soll der mysteriöse Rundbau zumindest teilweise noch gestanden haben. Der überirdische Teil wurde damals als »Taufkirche« genutzt, der unterirdische als »Beinhaus«. Im Jahr 1837 allerdings war das seltsame Gebäude abgetragen worden. Ein Privatmann soll noch einige Säulenstücke und Kapitäle besessen haben. Warum wurde die »Johanneskirche«, die an der südlichen Langseite des Doms stand, abgerissen? Wurde nur der überirdische Teil abgetragen? Sind noch Reste des unterirdischen Teils erhalten? Kam der Befehl vom französischen Militär? Anno 1796 wurde der Dom von französischen Truppen zum Magazin degradiert und entweiht.1797 wurde Worms auf Dauer von französischem Militär besetzt und wurde Frankreich zugeschlagen. 1801 wurde das Bistum Worms aufgelöst.

Wie sich die Bilder gleichen: Nur wenige Meter vom Nordportal des Doms zu Paderborn entfernt steht die geheimnisvolle »Bartholomäus-Kapelle«, die älter als der Dom ist. Das äußerlich kleine, unscheinbare Gebäude hatte einen heidnischen Vorgänger, der wohl auf Befehl Karls des Großen (etwa 747 – 814 n.Chr.) vollkommen zerstört wurde.  Wie das heidnische Heiligtum ursprünglich im Inneren ausgesehen hat, wir wissen es nicht. Vermutlich wurde es durch Brandstiftung zerstört. Archäologen untersuchten penibel genau die spärlichen Überbleibsel. Dank ihrer geradezu pedantischen Geduld gelang es den Wissenschaftlern, Reste einer Inschrift zu rekonstruieren und zu entziffern. Da war von einem Drachen die Rede. Just an dieser Stelle hatten die heidnischen Sachsen ihren alten Göttern Pferdeopfer dargebracht. Die Drachen-Inschrift wurde nur wenige Meter nördlich von der Bartholomäus-Kapelle gefunden. Sie war so bruchstückhaft, dass ihr Inhalt nur erahnt werden kann. Wurde Karl der Große als Sieger über das Heidentum der Sachsen gefeiert, als der Unterwerfer des Drachens?


Das Innere der 
mysteriösen Kapelle. 
Foto: Archiv W-J.Langbein

Nur wenige Meter vom Dom zu Worms entfernt stand eine runde Kirche, die an keltische Heiligtümer erinnerte. Bis ins erste vorchristliche Jahrhundert siedelten Kelten auf dem Hügel. Waren es Kelten die den ersten Rundbau auf dem »Domhügel« anlegten? In der unterirdischen Krypta sollen noch in christlichen Zeiten heidnische Rituale abgehalten worden sein. Wie lange? 

Auf die Kelten folgten die Germanen, auf die Germanen die Römer. Übernahmen Römer Reste eines keltischen Rundbaus, um daraus ein Stätte der Verehrung für Gott Mercurius zu machen? Wie auch immer: Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde der Sakralbau zerstört.

Wer freilich zu Beginn des dritten Jahrtausends Zeugnisse heidnischer Religiosität sucht, findet die Abbildung dreier heidnischer Göttinnen im christlichen Gewand: mitten im altehrwürdigen Dom zu Worms am Rhein! Kaum jemand weiß es: Drei heidnische Göttinnen werden noch heute im Dom verehrt.


Querschnitt der über- und unterirdischen Kapelle. 
Foto: Archiv W-J.Langbein


Alle historischen Darstellungen: Archiv Walter-Jörg Langbein

Fußnoten

1) »Das Nibelungenlied/ Übertragen von Karl Simrock, ausgewählt, überarbeitet und mit Anmerkungen ausgestattet von Dr. Karl Schütze«, Breslau, ohne Jahresangabe, S. 5
(Orthographie unverändert übernommen!)
2) ebenda, S. 28 (Orthographie unverändert übernommen!)
3) »Meranier Gymnasium«, Lichtenfels, etwa 1970
4) »Das Nibelungenlied/ Übertragen von Karl Simrock, ausgewählt, überarbeitet und mit Anmerkungen ausgestattet von Dr. Karl Schütze«, Breslau, ohne Jahresangabe. Mir liegt Dr. Karl Schützes Exemplar vor, das zahlreiche handschriftliche Korrekturen und Ergänzungen aufzuweisen hat.
5) Von der Hagen, Friedrich Heinrich: »Nibelungen«, Berlin 1855
6) Von der Hagen, Friedrich Heinrich: »Der Nibelungen Klage«, München 1919
7) Von der Hagen, Friedrich Heinrich: »Anmerkungen zu der Nibelungen Not«, Frankfurt am Main, 1824, S. 131
8) Schreibweise »Sigfrid« so übernommen!
9) Kranzbühler, Dr. Eugen: »Verschwundene Wormser Bauten/ Beiträge zur Baugeschichte und Topographie der Stadt«, Worms 1905
10) Kranzbühler, Dr. Eugen: »Verschwundene Wormser Bauten/ Beiträge zur Baugeschichte und Topographie der Stadt«, Worms 1905, S. 16-53
11) Kranzbühler, Dr. Eugen: »Verschwundene Wormser Bauten/ Beiträge zur Baugeschichte und Topographie der Stadt«, Worms 1905, S. 17

»Drei Göttinnen«,
Teil 237 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                        
erscheint am 03.08.2014

Sonntag, 20. Juli 2014

235 »Drei Göttinnen im Dom«

Teil 235 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein



Das »Märchenschloss« von Worms.
Foto Archiv W-J.Langbein

Der Dom zu Worms erschien mir bei meinem ersten Besuch wie ein geradezu monströses Märchenschloss. In der Dunkelheit einer Herbstnacht kam es mir so vor, als hätten Generationen von Baumeistern über Jahrhunderte hinweg den gewaltigen Prachtbau immer wieder um neue Türme und noch dickere Wehrmauern ergänzt. Standen erst die spitz zulaufenden Osttürme? Wurde nachträglich zwischen die in den Himmel ragenden Türme ein wuchtiger steinerner Kasten mit spitzem Dach gesetzt? Aber obwohl der Dom auch für den Laien so aussieht, als sei er immer wieder erweitert worden, so bildet er dennoch eine in sich geschlossene Einheit, wie eine riesige steinerne »Pflanze«.

Im fahlen Licht schien das in Stein verewigte Szenario vom »Kindermord zu Bethlehem« lebendig zu werden. König Herodes überwacht als bösartiger Regent aus Angst vor einem möglichen Konkurrenten die Ermordung von kleinen Kindern durch  einen Soldaten. Laut einer alten Prophezeiung, so hatte er erfahren, war der neue König geboren. Also ließ Herodes – so die biblische Überlieferung – alle Neugeborenen umbringen. Der kriegerische Schlächter ist in der plastischen Darstellung vom Dom zu Worms wie ein mittelalterlicher Söldner oder wie ein Ritter gekleidet. Zu Füßen der beiden Männer kniet eine Mutter, die verzweifelt die Hände ringt. Oder betet sie? Ihr Flehen scheint indes ungehört zu bleiben.

Jesu Kreuzabnahme.
Foto W-J.Langbein

Bestens bekannt ist eine berühmte Bibelszene: Jesus wird vom Kreuz abgenommen. Biblisch ist auch die Szene »Arche Noah«. Der mörderische Regen hat offenbar aufgehört. Noah hat eine Luke aufgeklappt und späht aus seinem Rettungsboot. Mächtige Greifvögel haben Tierkadaver gefunden, an denen sie gierig fressen. Derlei Darstellungen am gotischen Südportal dienten vor Jahrhunderten der überwiegend des Lesens unkundigen Bevölkerung als eine steinerne Bibel. Die dargestellten biblischen Motive waren den Kirchgängern indes freilich bekannt, auch Analphabeten konnten sie wie ein Buch ohne Buchstaben lesen. Allerdings ohne Kenntnis der biblischen Geschichten würden die so lebhaften Kunstwerke aus Stein rätselhaft, ja unverständlich bleiben. Der bibelkundige Besucher des Doms zu Worms aber wird fündig. So erweist sich das vor rund sieben Jahrhunderten neu gestaltete Südportal als steinernes Bilderbuch in 3D. Da tritt Gottvater leibhaftig in wallendem Gewand auf und holt eine kleine Eva aus der Seite des tief narkotisierten Adam. Da werden die Nackedeis Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben. Da erschlägt Kain seinen Bruder Abel mit einer stattlichen Keule.

Fabelwesen am Dom... Foto Walter-Jörg Langbein

Parallel dazu wird, fein säuberlich in Stein gemeißelt, Jesus im Stall von Bethlehem geboren, da zeigt Maria das kleine Jesus-Baby im Tempel, da erleben wir förmlich mit wie die »heilige Familie« nach Ägypten flieht, um so den Schergen des Herodes zu entgehen. Wer Geduld und Zeit hat, sollte einmal einen Tag am Südportal des Doms zu Worms verbringen, von morgens bis abends… und miterleben, wie die steigende und sinkende Sonne durch Licht und Schatten die zahlreichen Skulpturen in den nach oben spitz zulaufenden Bögen über der kleinen hölzernen Tür lebendig werden lässt.


Der Dom, ein monumentales Bauwerk...
Foto Archiv W-J.Langbein

Der gewaltige Dom zu Worms steht als gewaltiges und imposantes Bauwerk wie ein von Menschenhand geschaffener Monolith in moderner Zeit. Man nähert sich dem alten sakralen Bauwerk und wird von der schlichten Schönheit nicht überwältigt, aber verzaubert. Man mag zum Christentum als Religion stehen wie man will, man mag die oftmals von Gemetzel geprägte Kirchengeschichte des Christentums als schauderhaft empfinden. In einer Zeit wie der unseren, geprägt von Hektik und immer beängstigender werdender, verzweifelter Suche nach tieferem Sinn, haben wir Pole der Ruhe als Oase in lebensfeindlichem Lärm nötiger denn je. So eine Insel der Ruhe ist der Dom zu Worms. Man mag religiöse Frömmigkeit als Aberglauben abtun, man muss die blutigen Seiten der Geschichte jeder organisierten Religion klar und deutlich verurteilen. Aber es besteht kein Zweifel an der Tatsache, dass die Orientierungslosigkeit breiter Volksschichten in unserer freiheitlichen Welt ein idealer Nährboden für radikalste Verführer jeder, auch und gerade religiös-fundamentalistischer Art, ist!

Blick im Dom nach oben. Foto Walter-Jörg Langbein

 Der Dom zu Worms mutet neben moderner Architektur wie eine Perle in hässlicher Fassung. Der Dom zu Worms macht den Eindruck einer uralten Festung des unerschütterlichen Glaubens, eines für die Ewigkeit angelegten Gotteshauses. Dabei wissen die wenigsten Besucher zu Beginn des 21. Jahrhunderts, dass der Dom ganz und gar kein »Gotteshaus« nach heutigem Verständnis war. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts gilt ein christliches »Gotteshaus« als Ort der Versammlung für die Gläubigen, die ihrem Gott huldigen und Lobgesänge darbringen. Als ein solches »Gotteshaus« war der Dom zu Worms freilich nicht gedacht. Der Dom zu Worms – im 12. Jahrhundert auf älteren Fundamenten errichtet – war Bischofs- und Stiftskirche, an eine Gemeinde von Gläubigen haben die Erbauer nicht gedacht. Bänke für Gottesdienstbesucher gab es keine. In Dethard von Winterfelds »Der Dom zu Worms« lesen wir (1): »Für uns ist der Sinn des mittelalterlichen Doms kaum mehr verständlich. … Eine Gemeinde gab es nicht, auch wenn Laien im Mittelschiff den verschiedenen Messen beiwohnen konnten.« Was geschah also im Dom?  Winterfeld weiter: »In ihm vollzog sich die Liturgie als Abbild göttlicher Ordnung auch ohne die Anwesenheit einer Gemeinde. Beide Chöre waren hinter hohen Lettnern den Blicken entzogen… «


Fromme Legende.. oder Bibelillustration?
Foto W-J.Langbein

Der Dom zu Worms war viele Jahrhunderte lang so etwas wie ein riesiges Theater mit vielen Bühnen, auf denen Priester Rituale zelebrierten… sehr häufig – oder meist? – ohne Publikum. Die Priester waren wie Magier, die geheimnisvolle Kulte feierten, in denen sich Wein in Blut und Brot in Fleisch verwandelt haben soll… in den leibhaftigen Körper Jesu Christi selbst. Für den religiösen Katholiken wurde da das Heiligste des Glaubens vollzogen, für einen fremden Uneingeweihten wurde blutiger Zauber exerziert… oder Aberglaube. Für den einen ist etwas religiöser Ritus altehrwürdige, sakrale Tradition, für einen anderen aber unbegreifbarer Hokuspokus. Je nachdem wo und wann man geboren wurde, ist eine Handlung Religionsausübung oder alberner Humbug. Oder was für den einen seriöse wissenschaftliche Auseinandersetzung ist, empfindet ein anderer als unverzeihliches Sakrileg, das mit ewigen Höllenqualen bestraft wird.

Der Dom zu Worms sicherte zunächst der Priesterschaft den Lebensunterhalt. Gab es doch im großräumigen Dom eine Vielzahl von Altären, an denen »Gottesdienste« ohne Gemeinde abgehalten wurden. Von Winterfeld (2): »Jedem Altar war ein Priester zugeordnet, dem auch die Einkünfte aus der Stiftung als Lebensunterhalt dienten. Man glaubte, die Heiligen seien durch die ihnen geweihten Altäre präsent, so daß sie mit den Lebenden vereint eine Gemeinschaft der Anbetung bildeten, Gegenwart und Zukunft miteinander verbindend.« So war der Dom zu Worms ein Haus der Begegnung mit Heiligen, zu deren Ehren am jeweiligen Altar heilige Messen gelesen wurden.

Im 14. Und 15. Jahrhundert wurde der bereits komplexe Dombau noch durch Hinzufügung von diversen Kapellen erweitert. Freilich dienten diese frommen Anhängsel nicht der Religionsausübung des gläubigen Volkes. Sehr wohlhabende Stifter glaubten, sich so einen direkteren Zugang zu den Heiligen zu verschaffen. Mochte Gottvater auch noch ob der Sünden betuchter »Schäflein« grollen, Heilige als Fürsprecher konnten Gott besänftigen, zumindest für edle Spender ein gutes Wort einlegen.

Stadtbild mit Dom.
Foto Archiv W-J.Langbein

Die reichsten Familien des 14. und 15. Jahrhunderts hatten im Dom ihre Privatkapellen, in denen sie – ungestört vom allgemeinen »Pöbel« – beten konnten. Diese Begüterten ließen auch gern hochrangige Geistlichkeit Messen lesen, für sich oder für liebe Dahingeschiedene. Private Kapellen waren damals auch repräsentativ. Während sich heute manch wohlhabender mit einem edlen Rolls Royce schmückt, konnte damals manch kleiner oder großer Krösus mit einer eigenen Kapelle protzen. Hochgestellte Adlige genossen ein besonderes Privileg. Ihnen war es gestattet, ihre sterblichen Hüllen unweit von den Altären der Heiligen zur letzten Ruhe zu betten. Ein örtlicher Geistlicher erklärte mir schalkhaft grinsend:

»Man glaubte, so mancher wichtige Heilige würde am Tag des ›Jüngsten Gerichts‹ im Dom zu Worms leibhaftig auferstehen. Wenn man sich dann als spendabler Adliger am Tage der Auferstehung in Gesellschaft der Heiligen befand, so konnte das auf keinen Fall schaden! Mancher hoffte wohl, gemeinsam mit den Heiligen ungeprüft ins Paradies eingehen zu dürfen!«

Ich gab mich fromm-empört. Grimmig dreinblickend fragte ich den Geistlichen: »Sie sind wohl einer dieser modernen Theologen, die nicht mehr an die Auferstehung der Toten glauben? Dann muss ich Sie wohl an Artikel 11 unseres Katechismus erinnern!« Ohne auf eine Antwort zu warten zitierte ich ratternd aufsagend: »Das christliche Credo, das Bekenntnis unseres Glaubens an Gott den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist … gipfelt in der Verkündigung, dass die Toten am Ende der Zeiten auferstehen und dass es ein ewiges Leben gibt.


Modell des Doms vor dem Original. Foto W-J.Langbein

Wir glauben fest und hoffen zuversichtlich: Wie Christus wirklich von den Toten auferstanden ist und für immer lebt, so werden die Gerechten nach ihrem Tod für immer mit dem auferstandenen Christus leben und er wird sie am letzten Tag auferwecken. Wie seine, so wird auch unsere Auferweckung das Werk der heiligsten Dreifaltigkeit sein.«

Der Geistliche hebt beschwichtigend die Hände. »Natürlich glaube ich auch an die Heilige Dreifaltigkeit! Aber dass sich die auferstandenen Adeligen einfach den auferstandenen Heiligen anschließen und zwischen ihren Reihen ins Paradies schmuggeln können, das ist doch schon eine etwas sehr naiv-kindliche Vorstellung!« Als Antwort habe ich ein Bibelzitat parat (3): » Jesus rief ein Kind zu sich und stellte es mitten unter sie und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.« Empört wendet sich der Geistliche ab, leise vor sich hin schimpfend. Ob er jenen Zeiten nachtrauert, da nur die Geistlichkeit selbst die »Heilige Schrift« lesen durfte, nicht die tumben Laien? Viele Jahrhunderte lang bekamen Gläubige in Sachen Christentum nur eine arg zensierte und manipulierte Version ihrer Religion vorgesetzt.

Eine weibliche Trinität.
Foto: Archiv W-J.Langbein
                                                
Und noch heute, zu Beginn des dritten Jahrtausends nach Christi Geburt, erfährt kaum ein Besucher des Doms zu Worms, dass er die Darstellung einer weiblichen Dreifaltigkeit beherbergt. Drei Göttinnen wurden im Dom zu Paderborn verewigt, deren »Christianisierung« nicht wirklich gelungen ist!

Fußnoten

1) Winterfeld, Dethard von: »Der Dom zu Worms«, Königstein im Taunus, 3. Auflage 1994, S. 15
2) ebenda. Die Orthographie wurde unverändert übernommen und nicht der neuen Rechtschreibreform entsprechend angepasst.
3) Evangelium nach Matthäus Kapitel 18, Verse 2 und 3


»Ein Heidentempel, drei Göttinnen und der Dom von Worms«,
Teil 236 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 27.7.2014

Sonntag, 13. Juli 2014

234 »Alte Götter, neue Götter, tote Götter…«


Teil 234 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Der steinerne Koloss wendet dem Meer den Rücken zu und blickt ins Landesinnere. Warum? Warum starren die steinernen Kolosse – mit einer Ausnahme – nie aufs Meer hinaus? Sollten sie etwa Angst vor den Fluten gehabt haben? Galt ihre ganze Aufmerksamkeit der Besiedlung des Landes? Oder wollten sie demonstrieren, dass ihnen die Wassermassen herzlich gleichgültig waren? Wir wissen es nicht. Und die Osterinsulaner schweigen…

Der Riese schaut ins Land. Foto Ingeborg Diekmann

Die Besiedelung der Südsee vor Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden stellt eine gewaltige seefahrerische Leistung dar. Die winzigen Eilande in den schier unendlichen Weiten des Pazifik wirken verloren wie Sterne im gigantischen Universum. Mit berechtigter Bewunderung stellt Annie Francé-Harrar fest (1): »Es ist also sehr merkwürdig, daß man den alten Melanesiern und Polynesiern nicht mehr und nicht weniger zutraut, als die Eroberung des Stillen Ozeans, und das ist, an ihrer Zivilisation gemessen, eine unvergleichlich größerer Leistung, als alle europäischen Entdeckungsfahrten von Marco Polo bis Columbus zusammen.«

Das ist wohl wahr! Wenn man von einer europäischen Küste einfach gen Westen reist, kommt man zwangsläufig irgendwann an einer amerikanischen Küste an. Der amerikanische Kontinent ist nicht zu verfehlen. Wenn man aber von einem mikronesischen Eiland auf einem kleinen Floß in See sticht und sich gen Osten vorkämpft, dann grenzt es schon an ein Wunder, wenn die wagemutigen Seefahrer die winzige Osterinsel treffen. Man muss sich fragen, wie viele Expeditionen einst losgeschickt wurden und wie wenige wohl eine rettende Insel erreicht haben mögen! Wie viele dieser frühen Seefahrer mögen wohl in den Weiten des gar nicht immer so friedlichen, riesigen Pazifik umgekommen sein? So muss die Entdeckung und Besiedlung von Inseln im Pazifik von Polynesien aus als gewaltige Leistung angesehen werden.

Die »Entdeckung« der Südseeinseln durch »zivilisierte« Europäer war dank modernen Wissens um Navigation sehr viel einfacher, für die Bewohner der Eilande aber in der Regel eine Katastrophe. Die Vertreter der vermeintlich so viel höher stehenden modernen Zivilisationen gaben gern vor, dass den armen, unwissenden Heiden das segensreiche Christentum nahegebracht werden sollte. Annie Francé-Harrar konstatiert erschüttert (2): »Das alte Kolonialwort, daß dem Missionar der Händler, dem Händler der Soldat folgt, hat für die Südsee in weitestem Maße gegolten. Auflehnung gegen das oft ungeschickte und gewalttätige Vorgehen einzelner Missionsbrüder haben nicht selten das Eingreifen von Kriegsschiffen und den Tod vieler Farbigen (sic) nach sich gezogen. So geschah es zum Beispiel den Neukaldoniern, die 1862 aus Protest die Mission von Houagap belagerten (ohne freilich jemandem ein Leides zuzufügen) und denen aus ›Revanche‹ die Brigg ›Gazelle‹ dann alle Pflanzungen zerstörte, die Häuptlinge – auch jene, die sich ergaben – niederschoß, viele Kanaken ums Leben brachte und denen Land fortnahm, um es unter die europäischen Kolonisten zu verteilen.«

Osterinselidyll 19. Jahrhundert. Foto Archiv

In den vergangenen Jahrzehnten lernte ich auf meinen Reisen in Südamerika wie in der Südsee so manchen Missionar kennen. Speziell in Südamerika – zum Beispiel in Peru und Bolivien – setzen sich viele Geistliche für die Interessen der Ärmsten der Armen ein, was offenbar keineswegs bei den Vertretern der Amtskirchen nur auf Begeisterung stößt. In der Südsee – auf der Osterinsel, in Mikronesien und auf den Neuen Hebriden, zum Beispiel – überwog meiner Beobachtung nach die Verbreitung des christlichen Glaubens. Vordergründig betrachtet kann man derlei Bemühungen frommer Glaubensbrüder allenfalls belächeln, aber doch nicht negativ bewerten. Allerdings geht die Überzeugungsarbeit für das Christentum auf Kosten alter Glaubenswelten.

Es besteht die Gefahr, dass die »Heiden« ihre Wurzeln verlieren, der eigenen Kultur entfremdet werden. Dieser Prozess ist ein schleichender. Nicht selten wird der christliche Glaube im Gewand der einheimischen Kulte und Religionen angeboten. Im Bereich des mysteriösen »John-Frum-Kults« der Südsee etwa agieren christliche Missionare und deren Gehilfen recht effektiv. Sie bieten nicht etwa den Jesus des »Neuen Testaments« als Alternative zum verehrten »John Frum« an, sondern lassen als »John Frum« verkleidete Jesusse bei Zeremonien auftreten. So verschwinden die Unterschiede zwischen »John Frum« und »Jesus« und Anhänger von »John Frum« sind sehr viel geneigter, »Jesus Frum« anzunehmen.

Schon vor fast einem Jahrhundert monierte Annie Francé-Harrar arbeiten manche Missionare durchaus wissenschaftlich und publizieren interessante Werke über die Glaubenswelten alter Südseevölker. Aber, so Annie Francé-Harrar (3) »da sie wirklich und in allem ein Staat im Staate sind, der niemandem Rechenschaft gibt, so handeln sie nur nach ihren vorgeschriebenen Glaubensinteressen, die ihnen gebieten, das natürliche Eingeborenenleben von Grund auf zu ändern, die alten Künste und Gebräuche abzuschaffen, das Selbstbewußtsein des Farbigen zu brechen und ihm dem Dienst bei seinem ›weißen Bruder‹ geneigt zu machen.«

Alte, für die Südsee typische, religiös fundierte Kultur wurde zerstört. Das so entstandene Defizit wurde und wird aber durch neue Religionsformen oft nur vordergründig behoben. So entstand ein Mangel an Verbundenheit zu den eigenen Wurzeln. Auch erschienen die christlichen Missionare in der Südsee nicht immer als wirklich glaubwürdig, speziell dann nicht, wenn sich unterschiedliche christliche Gruppierungen – katholische, protestantische, amerikanische Sekten – untereinander bekämpften.

Bei meinem Besuch in Tahiti erfuhr ich, dass Ende des 19. Jahrhunderts nicht wenige, vormals hoch angesehene Einheimische nur den Suizid als Ausweg sahen. Die Missionsarbeit hat sich – polemisch ausgedrückt – als durchschlagender Erfolg erwiesen. Die alten Glaubenswelten waren gezielt ins Lächerliche gezogen, als Teufelswerk verurteilt und planmäßig zerstört worden. Die einst im alten Glauben tief verwurzelten »Heiden« standen vor dem Trümmerhaufen ihrer geistigen Welt. Sie waren zur Überzeugung gebracht worden, dass ihre alten Götter tot waren. Sie konnten aber die neuen Götter nicht als »Ersatz« akzeptieren.

Die berühmte christliche Dreifaltigkeit empfanden sie als drei neue Götter (Mehrzahl), die ihrem Leben keinen neuen Sinn gaben. (4)

In das Leben der Osterinsulaner griff die »christliche Welt« im 19. Jahrhundert vor allem in Gestalt von Sklavenhändlern ein, die einen Großteil der Bevölkerung verschleppten 1862 sollen rund 5 000 Osterinsulaner verschleppt und versklavt worden sein. Die Geknechteten starben unter unmenschlichen Bedingungen in großer Zahl. Die wenigen Überlebenden, die schließlich auf die heimatliche Osterinsel zurückkehren durften, brachten Epidemien mit, denen fast die gesamte Bevölkerung des Eilands zum Opfer fiel. Ironie des Schicksals: Die todbringende Heimkehr überlebender Sklaven erfolgte auf Betreiben der katholischen Geistlichkeit. Das Christentum hat so fast die gesamte Bevölkerung der Osterinsel ausgelöscht.

Ausgelöscht wurde auch weitestgehend die Geschichte eines mysteriösen Inselvolks, das einst – so wird es überliefert – aus dem Westen der Südsee Zuflucht auf der Osterinsel fand, weil die eigene Heimat in den Fluten der Südsee versank. Weitestgehend verdrängt und vergessen wurden die Erinnerungen an Götter und Göttinnen der Osterinsel. Die meisten Wissenden wurden einst als Sklaven verschleppt oder kamen bei Epidemien ums Leben. Und dennoch wurden noch Mythen überliefert, auswendig gelernt und weitergereicht. Ich bin davon überzeugt, dass es auch heute noch einzelne Eingeweihte auf der Osterinsel gibt, die Fremden gegenüber Stillschweigen wahren. Ob eines Tages die »sprechenden Hölzer« wieder zum Reden gebracht werden können?

Eines der »sprechenden Hölzer«. Foto wiki commons, gemeinfrei

Bischof Tepano Janssen interessierte sich in den 1860-er Jahren für die hölzernen Täfelchen mit geheimnisvollen Schriftzeichen. Bruder Eyraud sollte nun, vom Bischof beauftragt, möglichst viele der Schrifttäfelchen einsammeln. »Seine Bitte kam leider zu spät.«, stellt Jacek Machowski (5) fest. »Die fanatischen Missionare nämlich, die in diesen Tafeln einen Gegenstand heidnischen Kults entdeckt zu haben glaubten, hatten die Tafeln erbarmungslos vernichtet und sie unter anderem als Feuerholz in der Missionsküche verwandt.«

Vermutlich würde so manches Geheimnis der Osterinsel geklärt, wenn wir wieder den »sprechenden Hölzern« lauschen könnten. Angeblich dienten sie einst  beim Vortragen der alten Mythen und Sagen als Gedächtnisstütze. Nur Auserwählte sollen die Kunst beherrscht haben, die Botschaften der Holztafeln zu entschlüsseln. Noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts soll es eine Schule gegeben haben, in der die Zeichen und ihre Bedeutung gelehrt wurden. Die Wissenden aber wurden in die Sklaverei verschleppt, starben unter den Lasten der Arbeit.. oder wurden von Krankheiten dahingerafft. Bedenkt man, dass aus unserer »zivilisierten Welt« nur Tod und Verderben aufs Eiland in der Südsee kamen, wäre es ein Wunder, wenn heutige Wissende uns »Zivilisierte« einweihen würden…..

Osterinselschrift... Foto wiki commons, gemeinfrei


Fußnoten

1) Francé-Harrar, Annie: »Südsee/ Korallen – Urwald – Menschenfresser«, Berlin 1928, S.143 Hinweis: Die Zitate werden, auch in der Orthografie, unverändert wiedergegeben und nicht nach Regeln der Rechtschreibreformen »korrigiert«. Unverändert übernommen wurden auch Begriffe, die der heutigen politischen »Korrektheit« nicht mehr entsprechen.
2) ebenda, S. 160
3) ebenda
4) ebenda, S. 161: ».. denn die alten Götter seien tot, und es hätte für sie keinen Sinn mehr zu   leben«.
5) Machowski, Jacek: »Insel der Geheimnisse/ Die Entdeckung und Erforschung der Osterinsel«, Leipzig 1968, S. 12

Wenn er nur sprechen könnte... Foto W-J.Langbein


Literaturempfehlungen

Bacon, Edward (Herausgeber): Versunkene Kulturen/ Geheimnis und Rätsel früher Welten, Volksausgabe, München 1970
Bahn, Paul und Flenley, John: Easter Island, Earth Island/ A message from our past for the future of our planet, London 1992
Barthel, Thomas S. et al.: 1500 Jahre Kultur der Osterinsel/ Schätze aus dem Land des Hotu Matua/ Ausstellungskatalog, Mainz 1989
Berg, Eberhard: Zwischen den Welten/ Anthropologie der Aufklärung und das Werk Georg Forsters, Berlin 1982 (Die Osterinsel: Verschiedene Grade von Cultur S. 99-101)
Blumrich, Josef F.: Kasskara und die sieben Welten, Wien 1979
Brown, John Macmillan: The Riddle of the Paific, Honolulu, Hawaii, Nachdruck 1996
Diamond, Jared: Kollaps/ Warum Gesellschaften überleben oder untergehen, erweiterte Neuausgabe, Frankfurt 2011 (Teil 2/ Kapitel 2: Schatten über der Osterinsel, S. 103-154)
Felbermayer, Fritz: Sagen und Überlieferungen der Osterinsel, Nürnberg 1971
Francé-Harrar, Annie: Südsee/ Korallen – Urwald – Menschenfresser, Berlin 1928 (Osterinsel S. 143-152)
Heyerdahl, Thor: Aku-Aku/ Das Geheimnis der Osterinsel, Berlin 1972
Lee, Georgia: The Rock Art of Easter Island/ Symbols of Power, Prayers to the Gods, Los Angeles 1992
Machowski, Jacek: Insel der Geheimnisse/ Die Entdeckung und Erforschung der Osterinsel, Leipzig 1968


Ein steinernes Idol und Pferde am Strand. Foto W-J.Langbein


Mann, Peggy: Land of Mysteries, New York 1976
Métraux, Alfred: Ethnology of Easter Island, Honolulu, Hawaii, 1971
Orliac, Catherine und Michel: Mysteries of Easterisland, London 1995
Petersen, Richard: The Lost Cities of Cibola, Phoenix 1985 (Island of Mystery, chapter 10, pages 219 fff.)
Richter-Ushanas, Egbert: Die Schrifttafeln der Osterinsel in der Lesung Metoros und Ure Vaeikos, Bremen 2000
Rosasco, Jose Luis und Lira, Juan Pablo: Easter Island The Endless Enigma, Santiago 1991
Routledge, Katherine: The Mystery of  Easter Island, 1919, Nachdruck Kempton 1998
Winkel, Karl zum: Köpfe, Schlangen, Pyramiden in Lateinamerika/ Alte Kulturen von Mexiko bis zur Osterinsel, Heidelberg 2001


»Drei Göttinnen im Dom«,
Teil 235 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                        
erscheint am 20.7.2014



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Sonntag, 6. Juli 2014

233 »Riesen, Pyramiden, Menschenfresser«

Teil 233 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Gestürzter Koloss, zerbrochener Koloss
Foto W-J.Langbein

Die von der Osterinsel bekannten Fotos und Filme zeigen die mysteriösen Kolosse auf ihren Podesten stehend, mit rötlichen Steinzylindern auf dem stolz erhobenen Kopf. Was kaum bekannt ist: In diesem Zustand befinden sich nur wenige Statuen, die erst im 20. Jahrhundert mit heutiger Technik (Einsatz eines aus Japan herangeschafften Krans usw.) wieder aufgerichtet worden sind. Die überwiegende Zahl der Kolosse, die einst auf einem »Ahu« standen, wurden zu Fall gebracht und liegen nach wie vor am Boden. Die meisten der schweren Kolosse haben den Fall nicht überlebt und sind meist mehrfach zerbrochen. Fast immer brach im wahrsten Sinne des Wortes das Genick. Durch Witterungseinflüsse sind manche der einst so präzisen Steinmetzarbeiten kaum noch als künstlich geschaffene Figuren zu erkennen. Am besten erhalten sind die Statuen, die sich noch im Steinbruch befinden, die – aus welchen Gründen auch immer – nicht fertig gestellt wurden. Andere Statuen blieben beim Transport vom Steinbruch an den Bestimmungsort einfach liegen. Wieder andere wurden halb oder bis zum Kopf eingegraben.

Koloss mit magischen Augen
Foto W-J.Langbein

Die Augenhöhlen der »moai paea« blieben beim Transport leer. Erst wenn sie auf ihren Podesten standen, wurden ihnen weiße Augäpfel aus Koralle und Pupillen aus Vulkangestein eingesetzt. Das soll magisch-rituelle Bedeutung gehabt haben. »Sobald die moai Augen hatten, konnten sie sehen. Dann konnten verstorbene Könige oder wichtige Ahnen aus dem Geisterreich in die Figuren schlüpfen und das Leben auf ihrer Heimatinsel beobachten!«, erklärte mir Carolina Teao (6) nach einem sonntäglichen Gottesdienstbesuch. Die Osterinsulanerin beteuerte flüsternd: »Die moai standen auf Pyramiden aus Stein. In den Pyramiden waren Grabkammern, in denen die Toten ruhten. Die Geister der Toten können in die Statuen fahren, solange die Statuen intakt sind!«

Dass den Statuen einst Augen eingesetzt worden sind, wurde erst 1978 entdeckt, als der »Ahu Nau Nau« restauriert wurde. Dabei wurde ein zersplittertes Riesenauge – Länge des Ovals immerhin 35 Zentimeter – entdeckt.
Die Osterinselforscherin Catherine Routledge berichtete (1) bereits 1919 in ihrem Standardwerk »The Mystery of Easter Island« von »semi-pyramidal Ahus«. Unklar ist, welche »Ahu«-Form die älteste ist. Allem Anschein nach gab es in ältesten Zeiten primitive »Steinpyramiden«, kegelförmige Anhäufungen von Steinbrocken. Angeblich soll es auch mehrstufige Plattformen gegeben haben, auf denen Statuen standen, mit Grabkammern in den Plattformen. Andere »Ahus« sollen der Form nach Schiffen geähnelt haben.
Fundament eines uralten Bauwerks in Bootsform
Foto W-J.Langbein

Im 18. Jahrhundert sah Captain Cook eine »steinerne Plattform«, auf der unter Steinen ein menschliches Skelett lag. Unklar ist, ob man die sterblichen Überreste dort platziert hatte, damit die Verwesung fortschreiten konnte, oder ob Cook ein verfallenes »Ahi«-Grab beschrieb. Sollten also die Knochen da liegen? Oder kamen sie zum Vorschein, weil der »Ahu« nur noch eine Ruine war? Der Seefahrer La Pérouse besuchte ebenfalls im 18. Jahrhundert die Osterinsel. Er beobachtete und beschrieb »mehrere Pyramiden von Stein«, in deren Nähe Knochen verstreut lagen. War ein Grab geplündert worden? Hatte ein feindlicher Clan in der Gruft nach Grabbeigaben wie geschnitzten Angelhaken gesucht? Ein Geistlicher erklärte mir vor Ort: »Wirklich wichtig war für die Insulaner nur der Schädel, der Rest des Skeletts wurde oft recht pietätlos behandelt!« (2)
Solange Tote – sei es auf Holzgestellen, sei es auf steinernen Plattformen oder Pyramiden – aufgebahrt wurden, lag ein »Tapu« auf dem Grundstück. So durfte am nahegelegenen Strand nicht gefischt werden. Gekocht werden durfte auch nur bedingt im Bereich des Toten. Es bedarf keiner Fantasie, um sich vorzustellen, dass so ein offen aufgebahrter Leichnam nicht gerade ein ideales Ambiente für leckere Kocherei geboten hat. Offene Feuer im Umfeld des Toten unterlagen auch einem »Tapu« waren also auch verboten. Bei Tageslicht durfte man sich dem Toten nicht nähern, aber in der Nacht? Ein Steinhaufen mit einem weißen Stein an der Spitze zeigte wie ein Hinweisschild das »Tapu« an. Wer dagegen verstieß, wer die »Tapu«-Gebote nicht einhielt, der war des Todes und wurde mit einer Keule erschlagen. Da auf der Osterinsel lange Zeit Kannibalismus weit verbreitet war, kann es sein, dass so ein »Tapu«-Übertreter bald den Speisenplan bereicherte.
Was die Ernährung angeht, so waren Frauen nicht gleichberechtigt. Frauen mussten ihren Vater, Ehemann oder einen Bruder fragen, wenn sie Geflügel verzehren wollten. Beim Kannibalismus allerdings gab es für Frauen kein »Tapu«. Warum auch. Offenbar kämpften Frauen wie Männer in Kriegen Seite an Seite und teilten sich dann auch die Beute. Dazu gehörte eben auch das Fleisch der getöteten Feinde. Anlässe für Kriege gab es viele. Nach einem Mord an einem Osterinsulaner wurde der Täter ermittelt. Die Angehörigen des Stamms des Opfers erklärten dann dem Stamm des Mörders den Krieg. Und der endete mit dem Tod des Mörders. Anschließend feierten die Sieger bei einem Bankett… und verzehrten den Mörder. Damit hatte das Blutvergießen aber kein Ende. Denn jetzt sannen die Verwandten und Stammesangehörigen des Mörders nach Rache. Das Gemetzel wurde fortgesetzt.

Man zeigte mir im kleinen Osterinselmuseum eine Lithographie aus dem späten (?) 19. Jahrhundert. Sie stellt eine der »semi-pyramidalen« Strukturen dar. Offenbar schichtete man mehrere, nach oben hin kleiner werdende Plattformen aufeinander, so dass eine Art Stufenpyramide entstand. Auf der Lithographie sind zwei halbwegs korrekt dargestellte »moai« mit Steinhüten zu sehen. Allerdings wurden diese Wahrzeichen der Osterinsel – anders als im Bild gezeigt - stets auf die höchste Plattform gestellt.

Pyramidenartige Plattform ... Foto Archiv W-J.Langbein

Im Jahre 1864, so viel scheint sicher, waren alle Statuen von den »Begräbnisplattformen« gestürzt worden. Anno 1838 soll Admiral du Petit-Thouars noch einen der Osterinselkolosse auf einem Ahu stehend gesehen haben. Alfred Metraux geht nach Quellenlage davon aus, dass zwischen 1838 und 1864 die letzten Statuen gefallen sein müssen. Die »semi pyramidal Ahus« verfielen nach und nach oder wurden mutwillig zerstört. Ahus wurden aber auch in neuerer Zeit von Chilenen verwüstet (3). Zerstört worden ist alter Volksglaube der Osterinsulaner – durch christliche Missionare. Einzig der wichtigste Gott der Osterinsel, Make-Make, überdauerte die Zeiten. Seine »Kolleginnen und Kollegen« gerieten weitestgehend in Vergessenheit.
Die Osterinsulaner wurden bewusst ihrer religiösen und heimatlichen Wurzeln beraubt. Man vertrieb sie von ihren angestammten Wohngebieten und zwang sie in ein Dorf. Zeitweise waren sie wie Gefangene, die Dorf nur mit Genehmigung verlassen durften. Das importierte Vieh hatte mehr Rechte als die Osterinsulaner!

Die Osterinsel ist weniger christlich als man denkt.
Foto W-J.Langbein

Als die ersten christlichen Kreuze aufgestellt wurden, wunderten sich die Insulaner sehr. Wieso hing da ihr Make-Make am Kreuz? Als ihnen der biblische Gott als der einzige Gott angepriesen wurde, gab es für die Insulaner keinen Zweifel mehr! Wenn der Bibel-Gott der mächtigste Gott war, dann musste er ihr Make-Make sein. So opferten die Insulaner dem Bibel-Gott, wie sie das bislang für Make-Make getan hatten. Dass de facto ein heidnischer Gott nach alter Väter Sitte verehrt und mit Opfergaben beschenkt wurde, nahm die christliche Geistlichkeit – grummelnd vielleicht – hin. Es war alles gut, solang die Osterinsel offiziell in den amtlichen Statistiken als »Katholiken« geführt werden konnten. Solange durften auch heidnische Darstellungen in der christlichen Kirche in christlichem Gewand die einheimischen Gläubigen anlocken.
Make-Make wurde in alten Überlieferungen auch als zorniger, eifersüchtiger Gott beschrieben, so wie Jahwe im »Alten Testament« der Bibel. Weinend erklärte mir eine greise Osterinsulanerin, Make-Make, Make-Make fresse die Seelen von Toten. »Deshalb wurden die Statuen auf die Gräber gestellt! Sie boten den Geistern der Verstorbenen Schutz vor dem strafenden Make-Make!«

Mischwesen ... Mensch und Eidechse
Foto W-J.Langbein

Make-Make war der große Schöpfergott. Er kreierte Menschen, aber auch ein Mischwesen, einen Gott-Mensch-Vogel. War er auch für seltsame Kreaturen verantwortlich, deren Abbilder auf alten Holzschnitzereien der Osterinsel erhalten geblieben sind? 1992 erwarb ich auf der Osterinsel die Kopie einer Gravur, die einen Eidechsen-Menschen zeigt. Das Wesen nimmt die typische Haltung einer Eidechse ein, hat eidechsenhafte Klauen als Greifinstrumente und einen Schwanz, gleichzeitig aber auch menschliche Attribute. Derlei monströs anmutende Mischwesen zierten häufig kunstvolles Schnitzwerk. Sie wurden vorwiegend am Kopf von hölzernen Statuetten eingeritzt. Waren es Kreaturen aus der »Werkstatt« von Make-Make?
Make-Make soll – auch – ein Seelenfresser gewesen sein. Manche Osterinsulaner sehen das heute positiv. So schützte Make-Make seine Gläubigen vor Angriffen durch bösartige Geister, die womöglich schon zu Lebzeiten Verbrecher gewesen waren. Mord- und Totschlag galten auch auf der Osterinsel als schlimme Untaten, Kannibalismus aber scheint eine akzeptierte Form der Ernährung gewesen zu sein (4). Nach Osterinselforscher Hippolyte Roussel waren es erst christliche Missionare, die diesen alten, unsäglichen Brauch verboten haben. Es wird überliefert, dass Krieger »Kai-tangatas« (Kannibalen) waren. Getötete Feinde, so heißt es, wurden verspeist. Gefangene, so wird berichtet, wurden in speziellen Hüten verwahrt und im Rahmen von Siegesfeiern im Angesicht der stolzen Riesenstatuen verzehrt. Kapitänleutnant Geiseler beschreibt (5) in seinem Buch »Die Oster-Insel«, anno 1883 in Berlin erschienen, dass Kriegsgefangene für »besondere Anlässe« aufgespart und dann zu Ehren der Götter getötet und verzehrt wurden!
Kriege zwischen einzelnen Stämmen gab es im Lauf der Geschichte auf der Osterinsel immer wieder. So soll nach langem Gemetzel der Tuu-Clan als Sieger in den heimischen Bezirk auf dem Eiland zurückgekehrt sein. Die Tuu-Krieger haben, so ist überliefert, ihre besiegten Gegner, die Hotu-iti, regelmäßig überfallen. Sie schleppten die getöteten Feinde zum Strand und transportierten sie in ihren Kanus nach Hause. Die Leichname wurden unter den Kriegern verteilt… und verzehrt. Im Gegenzug belagerten die Hoto-iti die Tuu in ihren Höhlen, hungerten sie aus. Die Tuu mussten sich ergeben… und einige von ihnen wurden verzehrt. (8)

In Höhlen wie dieser wurde Kannibalismus zelebriert.
Foto Ingeborg Diekmann

Zu kannibalistischen Exzessen soll es häufig in Höhlen gekommen sein. Dort, unter der Erde, verspeisten siegreiche Krieger ihre erschlagenen Feinde. Es heißt, sie glaubten auf diese Weise noch stärker zu werden, weil sie die Energie der Toten in sich aufnahmen. Auch sollte so den Gefallenen in gewisser Weise ein »Weiterleben« ermöglicht werden…Womöglich konnten sie dann auch als Geister ihren Mördern nicht mehr schaden.
Fritz Felbermayer überliefert eine ausführliche Legende zum Thema Kannibalismus, betitelt »Der große Krieg zwischen den Stämmen der ›Miru‹ und ›Tapahotu‹« (6). In der Einleitung lesen wir (7): »Die mächtigen Stämme nützten die Kriege, um sich mit Menschenfleisch zu versehen, denn in den vergangenen Zeiten herrschte Kannibalismus unter den Bewohnern der Insel. Die Stärkeren suchten jedwelchen Vorwand, um Konflikte mit den kleineren Stämmen herbeizuführen und so in Kämpfen zu dem von ihnen begehrten Fleischgenuß zu kommen.«

Fußnoten
1) Routledge, Catherine S.: »The Mystery of Easter Island«, London 1919, S. 172

2) Métraux, Alfred: Ethnology of Easter Island, Honolulu, Hawaii, 1971, S. 115, siehe »Funeral Rites«!

3) ebenda, siehe S. 86-88, »Destruction of the Images«

4) ebenda, siehe S. 150 und 151: »Cannibalism«

5) Geiseler, Kapitänleutnant: »Die Osterinsel«, Berlin 1883, S. 30

6) Felbermayer, Fritz: »Sagen und Überlieferungen der Osterinsel«, Nürnberg 1971, Seiten 51-63

7) ebenda, S. 51, linke Spalte, Zeilen 6-12 (Orthographie unverändert übernommen!)

8) Auch diese Geschichte wird in unterschiedlichen Varianten erzählt. Mal gehen die einen, mal die anderen als Sieger hervor. Zu Kannibalismus aber kam es in allen Versionen.


»Alte Götter, neue Götter, tote Götter…«,
Teil 234 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                        
erscheint am 13.7.2014




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Samstag, 5. Juli 2014

Poesie am Samstag: Was ist normal?

wer bestimmt was normal
was unnormal ist
gibt es inmitten
Illustration: Sylvia B.
von schwarz oder weiß
lediglich schattierungen in grau

betrachte die gärten 
erhasche dabei
einen blick in die seele derer
die sie hegen und pflegen
dann wirst du erkennen
dass die welt
ein riesiges meer
aus farben ist


Sylvia B.

Anmerkungen:

Dieser Text ist dem Krimi »Blauregenmord« entnommen. 
Eine kleine bebilderte Leseprobe möchte sie an die magischen Orte begleiten, an denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint:
»Blauregenmord – Impressionen und kostenlose Leseprobe
Vom Garten Picker zum Quellengrundpark in Borken-Weseke«

Die Natur ist farbenfroh, sie nur in Grauschattierungen zu betrachten schafft den Nährboden für Vorurteile. Der Krimi »Blauregenmord« behandelt eines der letzten Tabus, an dem diese Gesellschaft glaubt, noch festhalten zu müssen. Um Friedrich Nietzsche (Jenseits von Gut und Böse) zu zitieren: »… Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.« - Aph. 146. »Blauregenmord« lässt seine Leserschaft auch in menschliche schwarze Abgründe sehen. 

Es gibt nicht nur Schwarz und Weiß. Sowenig wie es nur männlich und weiblich gibt. Der Gesetzgeber hat neuerlich bereits darauf reagiert und die Möglichkeit eines »X« eingeräumt. Aber gibt es dann nicht noch ein »Y« und ein »Z« und noch mehr? Wir sollten nicht an überholten Tabus festhalten. Wir sollten die Natur mit allen Wundern, die sie hervorbringt, annehmen, auch, wenn diese nicht als solche in unseren ganz persönlichen Plan passen. »Blauregenmord« möchte seine Leserschaft nachdenklich zurücklassen und einen kleinen Beitrag zu mehr Toleranz leisten. Denn die Welt ist ein riesiges Meer aus Farben ...

Die kostenlose Leseprobe (ISBN 9783734717666) ist in folgenden E-Book-Shops erhältlich:



eBook.de

und weitere, unter anderem Thalia.de, Buch.de, Buecher.de, Spiegel.de, Mediamarkt.de, Weiland.de, Mayersche.de, Pubbles.de.


Tuna von Blumenstein
Blauregenmord: Ein Münsterland - Krimi
ISBN 978-3-7322-3537-7
Preis: 5 €
Auch als E-Book
Preis: 2,99 €
Überall im Buchhandel erhältlich.




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