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Samstag, 11. Januar 2014

Immer wieder Thema: Der Forentroll ...

... dazu eine kleine Leseprobe aus
ForenTroll: Ein modernes Märchen für Erwachsene


... wie dem auch sei liebes lieschen
der »arme forenpoet« sollte betreut werden
spitzwegerich war auf großer fahrt
und ich wollte die mir anvertraute aufgabe
auch gewissenhaft erledigen

so loggte ich mich ein und machte
einen virtuellen rundgang
durch die einzelnen abteilungen

axelshirt hatte einen selbstgemachten text
in die ›poesieecke‹ eingestellt
den fred hat er ›gedicht eines kenners‹ benannt
lieschen manchmal tun sich uns abgründe auf
»frauen sind billig
und sind sie nicht willig 
so taugen sie nichts
und sind meiner nicht würdig«

richtig lieschen ein ›trollus prollordinaerus
oder auch ›gewöhnlicher prolltroll‹ genannt
der darf und kann in keinem forum fehlen
für diese spezies gilt absolutes fütterverbot
komplett ignorieren
und das lobe ich mir im »armen forenpoeten«
daran halten sich tatsächlich alle anderen user

und jetzt erkläre ich dir eine weitere vorgehensweise
des prolltrolls
wird ihm keine beachtung geschenkt
führt das zu einer kurzfristigen vermehrung

in diesem konkreten fall tauchte plötzlich
ein user mit namen ›vierzigzentimeter‹ auf
und es kam zu einem kurzen meinungsaustausch
zwischen den beiden
auf den ich aber hier
nicht näher eingehen möchte
ich glaube aber
Du kannst dir ungefähr vorstellen um was es da ging

der fred hat es innerhalb kürzester zeit geschafft
auf vierstellige aufrufklicks zu kommen

nachdem dann axelshirt nachfragte
ob es denn sonst niemanden gäbe
der zu seinem gedicht
etwas zu sagen habe
und tatsächlich nur
eisiges schweigen zu vernehmen war
postete er kurz »arrogantes schreiberlinggesindel«
und loggte sich doppelt aus

an dieser stelle will ich dich kurz aufklären
es gibt unter den prolltrollen zwei untergruppen
die ›harmlosordinaeren‹ und die ›extremvulgaeren
bei letzteren sollte schon eingegriffen
und beiträge müssen schnell gelöscht werden

da in der anfangsphase nicht klar erkennbar ist
welcher gattung der prolltroll angehört
ist ein trollminator einfach gezwungen
die weitere entwicklung abzuwarten

in diesem fall mit axelshirt
ist es noch einmal gut gegangen

spitzwegerich hatte mir die option zugewiesen
im zweifelsfall die funktion
unsichtbar machen‹ anzuwenden
sprich beiträge nicht sichtbar
erscheinen zu lassen

nach seiner rückkehr will er dann selbst entscheiden
wie im einzelnen fall zu verfahren sei
es kann ja nicht einfach fröhlich drauflos
gelöscht werden spitzwegerich ist schließlich
kein selbstherrlicher diktator

immer wieder muss ich mir auch
yoga bookwalkers weise worte
vor augen führen die da lauten
»hinter jedem troll steht 
ein verwirrtes menschenkind 
und hinter manch einer trollinvasion
verbirgt sich auch nur ein irres menschlein
dem manchmal nur 
ein schlag in den nacken fehlt
bildlich gesprochen« ...

Sylvia B. ForenTroll: Ein modernes Märchen für Erwachsene



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Montag, 17. Juni 2013

Fido Buchwichtel und das Leid mit den Trollen

Hallo liebe Leute!

Da bin ich wieder:
Fido Buchwichtel
mit dem 
Bestseller der Woche
aus dem Wichtelland.

In dieser Woche wird in meinem Wichteldorf gefeiert. Nicht nur wegen der mittsommerlichen Nächte, die jedes Jahr für Festivitäten förmlich geschaffen sind. Nein, es gibt zusätzlich Grund zum Feiern. 

Erstmals seit vielen hundert Jahren ist rund um die Windrichtungen gute Luft im Dorf. Kein übler Gestank, der uns den Appetit auf leckere Bucheckerröstlinge verdirbt. Endlich können wir an den Abenden und Nächten ungestört Brauchtumpflege betreiben, ohne damit rechnen zu müssen, dass die Lustbarkeiten durch den üblen Streich eines Widerlings gestört werden. 

Jetzt möchtet Ihr Menschen sicher wissen, was geschehen ist, welcher Grund zur besonderen Freude besteht. Da möchte ich Euch nicht länger auf die Folter spannen: Unser Troll hat uns verlassen! Ist das nicht großartig? Er ist abgewandert und das hat auch mit einem Buch zu tun, das ich Euch heute vorstellen möchte.


Dieser Troll hatte gerade in der letzten Zeit immer mal wieder für Ärger gesorgt. Die Geschichten um die Wichtelschlüpfer und seine plötzliche Vorliebe für verbotene Substanzen habe ich Euch ja schon berichtet.

Bei einem seiner nächtlichen Ausflüge in eine Menschensiedlung ist ihm dieses Buch in die dreckigen Pfoten gefallen. Unsere Spähtrupps haben ihn dann ausgemacht, wie er seine verpestete Habe zusammenpackte. Er verkündete dabei laut, dass er auswandern werde. Na, das hat natürlich ein großes »Hallo« im Wichteldorf gegeben, als die Kundschafter zurückkamen und ihren Bericht ablieferten:

Der kleine Wichteltrupp hatte aus sicherer Entfernung den Troll beobachtet. Er saß, mit einem Wichtelschlüpfer auf dem Kopf vor seiner Pfeife und jammerte vor sich hin.
»Trolli will nicht mehr reich werden. Trolli will einen Freund! Trolli ist soooo eiiinsaaaam!«

Die Wichtelkollegen meinten, dass sein Gejammer und Geheule einen Stein hätte erweichen können. 
»Was ist denn mit dem passiert?«, raunten sie sich zu.

»Das dürfte vermutlich an den verbotenen Substanzen liegen, die er sich täglich reinzieht. Die Kräuterwichtelin hatte es ja schon so vorausgesehen! Der versinkt ja im Selbstmitleid!«

Der Troll wurde des Jammerns nicht müde. 
»Die letzten Krümmel sind geraucht! Trolli muss Abschied nehmen! Trolli wandert aus nach World Wide Web. Trolli findet dort viieeeeläää  Freuuundääää! Hier ist alles doooof buuh huuuu …«

Die Wichtel spitzten ihre Öhrchen. 
»Hast du verstanden, wohin der gehen will?« 
»Keine Ahnung, den Ort kenne ich nicht, aber lass uns ganz ruhig sein. Soll er ziehen wohin er will. Hauptsache er geht tatsächlich und überlegt es sich nicht anders.«

So lauerten die Wichtel, sicher versteckt hinter einem Baumstumpf, auf Trollis Aufbruch. Und tatsächlich. Der Troll schnürte sein Bündel, nahm noch mit großer Pose Abschied von seiner Müllhalde und schritt von dannen.

World Wide Web habe ich noch nie gehört. Das klingt irgendwie fremdländisch. Und es scheint dort von Trollen nur so zu wimmeln, also kommt dieses Land für uns Wichtel eh nicht infrage. Aber ich habe mich kundig getan. Natürlich sorgte ich für eine ordentliche Ausgabe des Buches. Was ein Troll einmal in seinen versifften Pranken hatte, fasst kein Wichtel mehr an.

Wie groß war meine Überraschung als ich feststellen musste, dass dieses World Wide Web der Ort ist, an dem ich immer Montags meinen Bestseller der Woche vorstelle. Ein Troll ist mir hier aber noch nicht begegnet, das hätte ich sofort gerochen.

Bei der Lektüre des Buches fielen mir keine großen Unterschiede auf. Ein Troll ist ein Troll, auch wenn er ein Forentroll ist. Das einzige, was die beiden voneinander unterscheidet, ist der furchtbare Gestank. Aber vielleicht liegt es daran, dass das www. eine Welt am Draht ist und durch den werden keine Gerüche weitergeleitet. Dafür könnt Ihr Menschen Eure Forentrollplage einfacher beenden als wir: Ihr braucht nur den Stecker zu ziehen.

Kaufen! Lesen! Weiterempfehlen!

Duftende Mittsommernächte wünsche ich!

Winke winke Euer

Fido Buchwichtel

Nicht vergessen:
»Der Mörder und der Kinderschänder«
Ein Münsterland-Kriminalroman, der auf wahren Begebenheiten basiert.
Bei diesem Werk handelt es sich um einen Kriminalroman. Etwaige Ähnlichkeiten oder Namensgleichheit mit real existierenden Menschen wären rein zufällig. Alle beschriebenen Handlungen sind an die Realität angelehnt.

Unter dem Pseudonym - Tuna von Blumenstein - hat die Autorin fünf Kriminalromane veröffentlicht:

»Der Mörder und der Kinderschänder« 2025
 
ISBN: 9783769325911
Im Buchhandel erhältlich
 
Bei Thalia
und
Krimis der Tuna vB auch als eBook

Samstag, 7. Juli 2012

Poesie am Samstag: »Das Blitzbirnchen« von Sylvia B.

der knabe ist gut drauf
ist halt
ein richtiges blitzbirnchen

sie hat ihn
im internet kennen gelernt
er nennt sich
irgendein virus
wie schon gesagt
er ist ein blitzbirnchen

Illustration: Sylvia B.
zu ihrer party
kommt er
mit dem zug angereist
zur freude ihrer eltern
bleibt er über nacht

die anderen gäste
laben sich an seiner klugheit
er kann alles
er weiß alles
und das auch noch
besser
wie es art
der blitzbirnchen ist

er bewegt sich
wie ein mann von welt
und geht
wie selbstverständlich
an den kühlschrank
wieder
zur freude ihrer eltern

zu ihr sagt er
dass er sie gerne
wieder sehen möchte
aber sie meint
dass er wohl doch nicht
so ganz
ihr typ sei

was ich irgendwie
nicht nachvollziehen kann
wo er doch
ein richtiges
blitzbirnchen ist

________

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ForenTroll: Ein modernes Märchen für Erwachsene

nimm es nicht persönlich






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Samstag, 23. April 2011

»Ein Buch lesen! - Privat« Heute: Sylvia B.

In Teil 2 unserer Interview-Serie »Ein Buch lesen! - Privat« stellt sich Sylvia B. heute den Fragen von Ursula Prem.

Sylvia B.
Ursula Prem: Du siehst Dich nicht nur als Autorin, sondern als Kreative. Auf welchen Wegen verwirklicht sich Deine Kreativität?

Sylvia B.: Mein Vater war Kunstmaler und ein kreativer Mensch, seine Ideen setzte er um und ich würde bei seinem Tun von einer alltagstauglichen Kreativität sprechen. Mit seinen Schöpfungen verblüffte er sein Umfeld, und zu mir pflegte er dann immer zu sagen: »Man kann noch so dumm sein, man muss sich nur zu helfen wissen.« Diese alltägliche Kreativität habe ich genauso als Selbstverständlichkeit betrachtet, wie die Farbenlehre oder die Pinselführung. Er hat eindeutig den Grundstock gelegt. Vor Lichtjahren ist mir auf der Autobahn der Auspuff an meinem Wagen durchgebrochen. Es war die Zeit, als junge Leute mit wenig Geld noch alte Autos fuhren, an denen noch »geschraubt« werden konnte und in jedem Mülleimer irgendwelche Cola-Dosen zu finden waren. So habe ich mittels meiner Zange Boden und Deckel einer Dose entfernt, diese dann über die Bruchstelle geschoben. Das hielt, aber ich denke, die Dosen hatten damals noch eine andere Qualität als heute. Das meine ich mit Alltagskreativität. Als später der Fensterheber defekt war und ausgetauscht werden musste, habe ich aus dem alten Teil eine Halbskulptur geschaffen. Auf Schrottplätzen kann man übrigens die tollsten Sachen finden. Dass ich nie einen Schweißerschein gemacht habe, bereue ich übrigens. Wichtig bei aller Kreativität ist die Auseinandersetzung mit der Materie. Als ich mir Tiffanyobjekte  erstellte, habe ich mir die Technik selbst erarbeitet. Bewegung habe ich auch gestaltet, in einer Gruppe wurden daraus Choreografien. Dieses Handwerk habe ich erlernt.


Sylvia B.:
Fensterheber auf Acrylfugenmasse
 U.P.: Aus Deiner Antwort schließe ich, dass Kreativität nicht so sehr vom Ausdrucksmedium abhängt, sondern eine Lebenseinstellung ist. Hat Dir diese Haltung auch in Krisenzeiten geholfen?

S. B.: Du willst auf meine Morbus-Menière-Erkrankung hinaus. Da kamen mir andere Erfahrungen zugute. In jungen Jahren habe ich Wettkampfsport betrieben, da für mich Leistung messbar sein muss, war ich Leichtathletin. Tägliches Training war Vorbereitung für die Wettkämpfe, und bei denen ging es mir nicht in erster Linie um das Messen mit Gleichgesinnten, ich wollte gewinnen. Entsprechend war Kampfgeist vorhanden. Später habe ich mir dann törichte Dinge erlaubt, unter anderem habe ich den Aufstieg auf einen 6.000er gewagt. Da ging es nur darum, durchzuhalten. An die Grenzen meiner eigenen Belastbarkeit zu gelangen, war eine wichtige Erfahrung für mich. Morbus Menière war und ist allerdings kein sportlicher Gegner, er war, ist und bleibt mein Feind. Mental war ich ganz gut drauf, bei den Anfällen kam mir das Mantra zugute: »Halte durch. Du schaffst das«.


U.P.: Nachdem Du Deine Erfahrungen mit der Menière-Erkrankung in einem erschütternden Buch niedergelegt hattest, hast Du Dich einer anderen Seite der Literatur zugewandt: der Satire. Deine dreibändige Lieschen-Reihe ist ein echter Hochgenuss. Wie der bisher letzte Band »ForenTroll: Ein modernes Märchen für Erwachsene« zeigt, interessieren Dich die Umtriebe in Internetforen, besonders das Trollwesen, das ja bekanntlich die einzige gesellschaftlich akzeptierte Form der Gewalttätigkeit darstellt ...

Sylvia B.:
meniére desaster
S. B.: Das Menière-Buch musste ich schreiben, damit ich darin lesen, damit ich diesen Abschnitt meines Lebensbuches zuschlagen konnte. Es endet mit der Gentamizinbehandlung. Gentamizin ist die »Ultima Ratio«. Eine ohrtoxische Substanz, die gnadenlos wirkt. Aber ich musste etwas in mir töten, damit ich wieder leben konnte. Im Grunde genommen kann ich ja froh sein, dass es diese Möglichkeit als letzten Ausweg für mich gab. Vincent van Gogh musste einen anderen Weg beschreiten. Wenn ich mir vorstelle, dass er erst am Anfang seiner Schaffenszeit war, mit 37 Jahren. Hätte es damals schon diese Behandlungsmöglichkeit gegeben, was hätte er der Menschheit für Werke hinterlassen?
Zu der Forentrollproblematik hat Sascha Lobo auf der re:publica XI interessante Ansätze gebracht. Wobei ich da meine Überlegungen mehr auf die Ursachenforschung richte. Wer sich für dieses Thema interessiert, kommt an Hurrelmann nicht vorbei. Es ist doch schon vor mehr als 20 Jahren eine Entwicklung absehbar gewesen. Was ich zu bemängeln habe ist, dass seinerzeit sehr wohl Projekte auch und gerade zur Gewaltprävention initiiert worden sind, die auch durchaus erfolgreich waren. Diese wurden entsprechend beschrieben und dann war es das. Fördermittel, um Maßnahmen weiterzuführen waren nicht mehr vorhanden. Aber die Verantwortung kann nicht nur in die öffentliche Hand gelegt werden.

Sylvia B.:
Forentroll
Vor 20 Jahren wuchsen die Wohlstandskids heran. Da ging Mama putzen, damit der Sohnemann eine Musikausbildung erhielt oder die Tochter in Markenklamotten zur Schule gehen konnte. Die Kinder von damals sind die Erwachsenen von Heute. Müßig zu überlegen, wer von beiden seinen Weg gegangen ist. Die Situation ist doch die: Wer einer Berufstätigkeit nachgeht, und das 38,5 bis 50 Stunden in der Woche, wird wohl nicht unbedingt seine knapp bemessene Freizeit als Forentroll verbringen. Das sind Leute mit entsprechender Tagesfreizeit, die wenig Respekt vor der Leistung anderer erkennen lassen. Letztendlich haben diese Egomanen nie laufen gelernt, wie auch, sie bekamen ja alles in den Hintern geschoben. Das, was sich jetzt abzeichnet, ist doch erst der Anfang. Wer mehr als 30 Jahre so konditioniert worden ist, ändert sein Verhalten nicht mehr. Die guten Worte kann man sich sparen, da kann man besser einen Groschen in die Parkuhr werfen und sich mit der unterhalten.


U.P.: Das klingt nicht unbedingt optimistisch. Woher nimmst Du dennoch die Kraft, immer weiter kreativ zu arbeiten?

S. B.: Das klingt in der Tat nicht optimistisch, aber es ist ein Problem, das ich wohl als solches sehe, das ich aber nicht lösen muss. Natürlich beschäftigt es mich. Es regt mich auch auf, wenn ich mit einem Forentroll zu tun habe, aber in den 20 Jahren, in denen der Menière als solcher nicht diagnostiziert war, galt ich als Simulant und konnte mir ganz andere Sprüche anhören. Damit will ich nicht sagen, dass ich abgestumpft bin. Nach einer solchen Zeit, die ja noch in der Folge in einen Burnout endete, sehe ich die Dinge eher abgeklärt, irgendwie differenzierter. Ich denke, es gab zwei Möglichkeiten: Entweder ich zerbreche daran, oder ich bade in Drachenblut. Wobei ich mich für letzteres entschieden habe. Entscheidend war für mich auch die Erkenntnis, dass ich mich auf der Machtebene aufgehalten habe. Deshalb fühlte ich mich ohnmächtig. Nun bin ich kein Machtmensch. Als mir diese Erkenntnis bewusst wurde, konnte ich mich auf die höhere Ebene begeben, die der Verantwortung. Für mein Wohl bin ich selbst verantwortlich. An Sport ist mir Gymnastik geblieben, da beginne ich schon morgens mit meinem Programm.
Rosenstolz trägt in »Ich bin ich« vor: »…Hab mein Gleichgewicht verlorn’ doch kann trotzdem g’rade stehn…«. Das trifft für mich auch zu. Diesen Status quo halte ich bei. Das geht nur durch Disziplin. Aber es verschafft mir Lebensqualität, daraus ziehe ich meine Kraft.

Kater »Söhnke«
U.P.: In Deiner Biografie heißt es: »Mit ihrem Hund, vier Katzen und 14 Goldfischen lebt sie irgendwo im Münsterland.« Eine Deiner Katzen, namens Äugelchen, hast Du sogar in Deinem Buch »hexenhausgeflüster: Ein modernes Märchen für Erwachsene« literarisch verarbeitet. Inspirieren Dich Deine Tiere?

S. B.: Liebe Ursula, Du kennst den Satz: Ein Hund hat ein Herrchen (Frauchen), eine Katze hat Personal! Nichts anderes bin ich für mein Katzengeschlunse. Die inspirieren mich nur bedingt, sie halten mich vielmehr auf Trab. Aber sie scheinen sich wohl bei mir zu fühlen, sonst würden sie weglaufen. Äugelchen hat natürlich, bedingt durch ihre Behinderung, eine Sonderstellung.

Sylvia B. in ihren geliebten
»Birkenstöckis«
Diese Vita hatte einen besonderen Grund. Sie ist in Verbindung mit dem Bild von mir zu sehen, das ich kurz beschreibe: Eine Frau steht mehr als lässig an eine Wand gelehnt, sie trägt eine Leggins, Schlabberpulli und Gesundheitslatschen. In der einen Hand ein Telefon am Ohr, in der anderen Hand eine Zigarette. Die Haare sehen aus, als hätte sie die Nacht mit den Zehen in der Steckdose verbracht. Seien wir ehrlich: Eine solche Darstellung geht gar nicht. Und um dem Klischee noch eins draufzusetzen, kommt der Text: Ein Hund, vier Katzen. Das dürfte an sich schon auf Schwierigkeiten hinweisen, aber vier Katzen und die Goldfische, das ist doch ein Unding. Das Bild beweist das Gegenteil: Es geht doch. Es ist möglich, das scheinbar Unmögliche möglich zu machen. Das ist die Kunst dabei. Es gibt Kritiker, die sagen, dass es »Unmöglich« sei, ohne Punkt und Komma, nur klein geschrieben eine Publikation auf den Markt zu bringen. Die Kunst bestand für mich darin, auch dieses »Unmögliche« möglich zu machen. Eine gewisse Art der Leichtigkeit in alles zu bringen, was ich mache, war für mich nicht so einfach, bei all der Schwere, die eine solche Krankheit und ihre Folgen mit sich bringt. Mir kam da ein Schlüsselerlebnis zur Hilfe. Beruflich hatte ich in Grainau zu tun und es ergab sich, dass ich mich einer kleiner Gruppe anschloss, die in der Mittagspause per Taxi und Bahn und von dort auf das Zugspitzplatt aufmachte. Oben angekommen stand ich in Stöckeln und kurzem Italiener, habe gefroren wie ein Schneider, aber das gehörte dazu. Die Aussicht habe ich genossen und mir dabei überlegt, dass ich auch ohne große Mühe einen Gipfel erreicht habe. Auf dem Rückweg zum Hotel habe ich mir dann überlegt, dass es mir gelingen müsste, einen Weg zwischen beiden Extremen zu beschreiten.


 Der Tote
im Zwillbrocker Venn
 U.P.: Liebe Sylvia, das Unmögliche möglich zu machen scheint ein Leitmotiv Deines Lebens zu sein. Das Unerträgliche in eine künstlerische Form zu gießen, das ist der Weg eines geborenen Kriegers. Das ist Dir im Umgang mit Deiner Krankheit ebenso gelungen, wie in Deinen Büchern oder Deinen Bildern. In diesem Zusammenhang fallen mir auch die Illustrationen und Gedichte ein, die Du zu dem Krimi »Der Tote im Zwillbrocker Venn« von Tuna von Blumenstein geschaffen hast. Wird es eine weitere Zusammenarbeit mit Tuna von Blumenstein geben, einen weiteren Krimi vielleicht?

S.B.: Meine Beiträge in Tunas Krimi sind eine Mischung aus Lyrik und Prosa, Gedichte trifft es aus meiner Sicht nicht, aus meinem Verständnis sind es Texte. Für mich haben normalerweise Gedichte oder solche Texte in einem Krimi nichts zu suchen, es weckt Assoziationen in mir, die in die Richtung gehen »Italienisches Fernsehballett in den 60er Jahren« oder Filmschnulzen, in denen der schöne Held plötzlich das Singen beginnt. Somit wieder etwas, was selbst ich als »Unmöglich« bezeichnen würde. Nun gestaltet es sich in dem Krimi »Der Tote im Zwillbrocker Venn« für mich akzeptabel, denn die Texte sollten nicht als Deko fungieren. Sie sind Gedanken einer in sich zerrissenen Person, die eine wichtige Rolle in dem Krimi spielt. Ein Experiment, das ich als gelungen betrachte, das aber in dieser Form nicht in einem weiteren Krimi unterzubringen ist. Aber da ich für alles offen bin, werden sich vielleicht andere Möglichkeiten der Zusammenarbeit anbieten. Was ich weiß: Es ist ein weiterer Krimi in der Mache, zum Spätsommer dürfte es wieder spannend werden.

Sylvia B.
U.P.: Welches ist Dein größter Wunsch für die Zukunft?

Liebe Ursula, das mit den Wünschen ist so eine Sache, zumal ich weiß, dass ich nicht das bekomme, was ich mir wünsche, sondern das, was ich brauche. Und da ich auf meine täglichen Lachsalven angewiesen bin, mich nach Möglichkeit nur noch mit Menschen umgebe, mit denen ich auch lachen kann, weiß ich natürlich, dass mir das Team von »Ein Buch lesen!« noch lange erhalten bleibt. Aber wenn Du mich so eindringlich nach meinem größten Wunsch für die Zukunft fragst und ich Dir die Antwort nicht schuldig bleiben möchte, dann wünsche ich mir, Dich auf der Bühne zu erleben. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass der Rest des Teams mit mir dann in der ersten Reihe sitzt.

U.P.: :-), Nun ja, mal sehen, was die Zukunft bringt. Aber wie auch immer: Wir bleiben ein Team! Liebe Sylvia, danke für dieses wundervolle Interview!

 


Dazu weitere Beiträge:


... Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, der Meinung sind, dass Julius Caesar, Vincent van Gogh oder Martin Luther Epileptiker waren, dann revidieren Sie bitte Ihre Meinung. Diese Männer litten, so wie ich auch, an Morbus Menière ...

Serie Teil 2:Morbus Menière – Drehschwindel 

... Morbus Menière ist eine sogenannte Ausschlussdiagnose, d.h. es müssen viele andere Ursachen als Verursacher ausgeschlossen werden, bevor die Diagnose als solche gestellt werden kann ...

Serie Teil 3:Morbus Menière – Das Gleichgewicht und das Gehör

... Der Mensch hat normalerweise zwei Innenohre, rechts und links, darum auch zwei Gleichgewichtsorgane. Bei mir sind beide Seiten in unterschiedlicher Schwere geschädigt. Da aber der Sehnerv an das Innenohr gekoppelt ist, kann ich sehen, wo oben und unten ist ...

Serie Teil 4:Vincent van Gogh und Morbus Menière

... Von Liebe, Leid und Dunkelheit - Es ist nie geklärt worden, warum sich Vincent van Gogh bei einem Streit mit Paul Gauguin ein Stück seines Ohres abschnitt. Für mich, als Menière Patientin ist diese Angelegenheit allerdings völlig klar ...

Serie Teil 5:Morbus Menière

... Von Balance, Gymnastik und Meditation - In irgendeiner Ecke meines Lebens steht Morbus Menière etwas orientierungslos herum. Der Rest meines Lebensraumes ist angefüllt mit kreativen Tun und positiver Einstellung zum Leben und damit mit Lebensqualität, die ich mir selber schaffe. So kann ich auch meine innere Balance, das seelische Gleichgewicht, bewahren. Trotz allem ...

Serie Teil 6:Morbus Meniére und der Pawlowsche Hund

Gerade in der schlimmen Zeit vor der Gentamicinbehandlung, damals kamen die Anfälle in immer kürzeren Abständen, hatte ich das Gefühl, wie ein Pawlowscher Hund zu reagieren. Klingelte das Glöckchen des Meniére? Ständig hörte ich irgendwelche Glocken, die den nächsten Tsunami in meinem Innenohr einläuteten.

Serie Teil 7:Morbus Meniére und die Würde des Menschen

... Die Würde des Menschen ist unantastbar (Art. 1 Abs. 1 Grundgesetz) - Jeden Meniére - Anfall habe ich bei vollem Bewusstsein ertragen müssen. Mit klaren Gedanken die eigene Hilflosigkeit erdulden zu müssen, ist aus meinem Selbstverständnis heraus, nicht nur quälend, sondern auch entwürdigend ...


Auch noch:
»Der Mörder und der Kinderschänder«
Ein Münsterland-Kriminalroman, der auf wahren Begebenheiten basiert.

Bei diesem Werk handelt es sich um einen Kriminalroman. Etwaige Ähnlichkeiten oder Namensgleichheit mit real existierenden Menschen wären rein zufällig. Alle beschriebenen Handlungen sind an die Realität angelehnt.


Unter dem Pseudonym - Tuna von Blumenstein - hat die Autorin fünf Kriminalromane veröffentlicht:

»Der Mörder und der Kinderschänder« 2025
 
ISBN: 9783769325911
Im Buchhandel erhältlich
 
Bei Thalia
und
Krimis der Tuna vB auch als eBook





Freitag, 5. Februar 2010

Samstagsrezension: Helga König

Wenn die Trollminatorin zuschlägt.
Gleich vorab: Dieses Buch sollte jeder, der sich anschickt Mitglied eines Forums zu werden, lesen, denn leider ist das von Sylvia B.erzählte Märchen ein solches, das immer wieder wahr zu werden scheint. Dies durfte ich am eigenen Leib erfahren. Auch auf den Internetseiten von Emma nachlesbar..

Die Ich-Erzählerin Lyrich berichtet im Rahmen von vielen Briefen an ihre Freundin Lieschen von ihren Erfahrungen im Internet. Arglos wird sie Mitglied eines Forums. Dort halten sich primär Autoren auf, die sich gegenseitig beistehen wollen. Lyrich ist zunächst begeistert von der neuen Welt, die hier an sie herangetragen wird. Das ändert sich als sie mit der destruktiven Energie so genannter Trolle, die jede Forengemeinschaft leider lahm legen kann, vertraut gemacht wird.
Die tapfere Lyrich möchte etwas gegen die Machenschaften der niederträchtigen Trolle unternehmen und lässt sich zur "Trollminatorin" ausbilden. In den Berichten Lyrichs an Lieschen erfährt man ausführlich, wodurch sich solche Trolle auszeichnen. In knappen Worten zusammengefasst: Trolle provozieren und führen Beleidigungsschlammschlachten, um auf diese Weise Aufmerksamkeit zu erzielen. Wie man sich gegen Trolle am besten zu Wehr setzt, bleibt dem Leser dieser kurzweiligen Lektüre nicht länger verborgen.

Lyrichs Aufgabe besteht darin "in foren ausschau zu halten nach trollen sie zu sichten und unschädlich zu machen". Die Ich-Erzählerin verdeutlicht "wenn sie" (sprich die Trolle) "sich verbrüdern können sie schon erheblichen schaden verursachen sogar foren zutrollen und damit ganze forenbetriebe zum erliegen bringen."

Frust, Neid, Missgunst scheinen die Ursachen des niederträchtigen Verhaltens zu sein, das Autoren auch dann aushalten müssen, wenn ihre Bücher schließlich veröffentlicht werden und die übelwollende Konkurrenz als fiese Möchtegernrezensenten mit Multiaccounts die Arbeit eines Autoren zunichte machen suchen.

Schafft es die "Trollminatorin" eine Forumskollegin von den niederträchtigen Trollen zu befreien?

Sylvia B.s hervorragendes Buch ist eine Steilvorlage für das, was sich täglich auch in den Kommentarzeilen der Amazon-Plattform ereignet. Den über 500 000 Rezensenten wird ein Licht aufgehen, wenn ihre Kommentarseiten von Trollen heimgesucht werden und sie werden begreifen lernen, dass man Trolle nicht füttern darf. Man muss sich darüber klar werden, dass destruktive Menschen im Internet die Chance haben, aufgrund der Anonymität ihre kranke Psyche voll ausleben zu können. Man darf bei psychisch Gestörten nicht auf Vernunft hoffen. Der Versuch mit ihnen einen Dialog zu führen, zieht nur weitere Personen mit massiven Persönlichkeitsstörungen an. Gesunde Kommunikation wird vollständig lahm gelegt. Die Persönlichkeitsstrukturen von Trollen werden in "Die Masken der Niedertracht: Seelische Gewalt im Alltag und wie man sich dagegen wehren kann“ sehr gut dargelegt. Dieses Buch empfehle ich zur Vertiefung dessen, was man Sylvia B.s Märchen entnimmt, ebenfalls zu lesen.

Sylvia B. hat ihren "Forentroll" in einer zeitgemäßen Sprache verfasst. Sie schreibt alle Wörter klein und setzt ganz bewusst keine Kommas. Stilistisch hat ihr Text etwas Atemloses. Hier spricht eine Macherin, eine erfolgreiche "Trollminatorin", der es mehr um Inhalte als um die Form geht.

Unbedingt lesen!

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Auch das lesen:

»Der Mörder und der Kinderschänder«
Ein Münsterland-Kriminalroman, der auf wahren Begebenheiten basiert.
Bei diesem Werk handelt es sich um einen Kriminalroman. Etwaige Ähnlichkeiten oder Namensgleichheit mit real existierenden Menschen wären rein zufällig. Alle beschriebenen Handlungen sind an die Realität angelehnt.

Unter dem Pseudonym - Tuna von Blumenstein - hat die Autorin fünf Kriminalromane veröffentlicht:

»Der Mörder und der Kinderschänder« 2025
 
ISBN: 9783769325911
Im Buchhandel erhältlich
 
Bei Thalia
und
Krimis der Tuna vB auch als eBook



Mittwoch, 30. Dezember 2009

Neues aus Merkwürdistan - Teil V

Liebe Freunde dieser Serie!
Seit ich die Blog-Reihe über Merkwürdistan gestartet habe, sind zahlreiche Anfragen bei mir eingelangt. Das freut mich natürlich sehr, denn es zeigt, dass das Interesse an dieser Serie rege ist. Ich bemühe mich übrigens, alle Zuschriften zu beantworten, bitte um Verständnis, wenn es mal etwas länger mit der Antwort dauert.
Herr Heinz Blaumann aus Berlin wies mich darauf hin, dass ich in meinen Blogs sehr oft die Zeilenschaltung verwende und bat mich ferner, das Land Merkwürdistan einmal grundsätzlich zu beschreiben. Ist es ein südliches Land? Ist es eine Demokratie oder eine Diktatur? Sind die Menschen arm oder reich in Merkwürdistan?
Nun, was die Verwendung der Zeilenschaltung betrifft, so gelobe ich Besserung und dem zweiten Wunsch von Herrn Blaumann komme ich ebenfalls gerne nach. Somit wollen wir heute den Amtsschimmel ein allerletztes Mal im Stall lassen (dort fühlt er sich ohnehin am wohlsten, denn er kann in aller Ruhe die Bürger Merkwürdistans sekkieren und abzocken) und uns damit beschäftigen, das Land Merkwürdistan etwas näher zu beschreiben.
Merkwürdistan ist ein kleines Land, voller landschaftlicher Schönheiten. Es gibt hohe Berge, tiefe Wälder, schattige Wiesen und zahlreiche Seen. Eines gibt es allerdings nicht: eine Meeresküste. Die Bewohner Merkwürdistans leiden auch ziemlich darunter, ein Binnenstaat ohne Zugang zum Meer zu sein und bei dieser Gelegenheit können wir gleich etwas Wichtiges über die merkwürdistanische Seele lernen: wenn ein Merkwürdistaner ein Problem sieht, welches er – scheinbar oder tatsächlich – nicht lösen kann, dann tut er einfach so, als wäre dieses Problem überhaupt nicht vorhanden.
Wie „camoufliert“ man nun die Tatsache, keinen Zugang zum Meer zu besitzen, vor sich und anderen am besten? Nun, man veranstaltet zum Beispiel an einem See in Merkwürdistan ein „Beachvolleyball-Turnier“ und macht kräftig Werbung dafür. Zum einen läßt dies die Kassen der Veranstalter klingeln und zum anderen erweckt es den Eindruck, dass ohnehin alles in Ordnung sei, denn wo ein „Beach“ ist, muss ja auch irgendwo ein Meer sein. Somit passt wieder alles in diesem Land und es können sich alle wieder dem ausgiebigen Besuch von Buschenschanken und Kaffeehäusern – eine Lieblingsbeschäftigung der Merkwürdistaner – widmen.
Merkwürdistan ist eine Demokratie. Offiziell zumindest.
Was das heißen soll? Nun, in Merkwürdistan existiert ein aus Sicht des Staates wahrhaft geniales System, welches, vereinfacht gesagt, wie folgt funktioniert: Geld wird von den Steuerzahlern geschröpft und nach Abzug immenser Verwaltungskosten in Form von Fördergeldern und Subventionen wieder ausbezahlt. Dadurch machen sich die Bürger vom Staat abhängig. Die Devise in Merkwürdistan lautet somit: „Nichts geht ohne den Staat.“
Aber es gibt auch Positives in Merkwürdistan: Es existiert in dem Land zum Beispiel eine Spezies, welche überall sonst auf der Welt nur äusserst selten anzutreffen ist:
Der Kavalier.
Was zeichnet einen richtigen Kavalier aus? Nun, er verfügt in der Regel über gute Manieren, welche es ihm gestatten, in nahezu jeder Lebenslage selbstsicher und weltgewandt zu agieren. Aber das wirklich Besondere an ihm: Der Kavalier verhält sich stets galant, zuvorkommend und ritterlich gegenüber Frauen und lässt ihnen jede Ehrerbietung zuteil werden. Und zwar, und das ist das Entscheidende, ohne dabei jene „Hintergedanken“ zu hegen, die man Männern ja so gerne nachsagt.
Ein echter Kavalier ist für eine Dame somit absolut nicht „gefährlich“, ganz im Gegenteil: In Gegenwart eines Kavaliers kann sich eine Dame absolut sicher und beschützt fühlen!
Sie finden das merkwürdig?
Nun, ich eigentlich nicht.
Ich finde eher jene Männer merkwürdig, die keine Kavaliere sind.

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Neues aus Merkwürdistan - Teil III

Als meine geschätzte Autorenkollegin SylviaB ihr Buch „ForenTroll“ im Internet vorgestellt hatte, erreichten mich zahlreiche Anfragen.
Ob es denn auch in Merkwürdistan Trolle gebe?
Grund genug, dieses Mal den Amtsschimmel im Stall zu lassen und uns dem Thema „Trolle“ zu widmen.
Die Frage, ob diese nicht wirklich liebenswerte Spezies auch in Merkwürdistan beheimatet ist, ist gar nicht so einfach zu beantworten
Denn in Merkwürdistan ist trollartiges Verhalten so verbreitet, dass dort wohl eher ein Buch über „Nicht-Trolle“ ein Bestseller wäre, ja man könnte meinen, diese ganze Trollerei sei in Merkwürdistan erfunden worden.
Somit sind in Merkwürdistan eigentlich die „Nicht-Trolle“ die Trolle, so merkwürdig das auch klingen mag.
Allerdings findet man – getreu der merkwürdistanischen Tradition, die Dinge nicht offen beim Namen zu nennen – allerlei ungewöhnliche Bezeichnungen für derlei Tun.
Quengeln, Raunzen und Räsonieren nennt man das dort und dies gehört in diesem Land zum guten Ton, wer nicht mitraunzt, gehört nicht dazu.
Aber auch die verschärfte Variante, das manchmal sogar als kriminell einzustufende „trolling“, welches im Gegensatz zum „trollartigen Verhalten“ die bewusste, vorsätzliche Diffamierung und das „Fertigmachen“ eines Konkurrenten zum Ziel hat, ist in Merkwürdistan dermassen üblich und gesellschaftsfähig, dass es höchstens dann auffällt, wenn es einmal nicht angewendet wird.
Es ist dort ein beliebtes Gesellschaftsspiel, sich durch eine liebenswürdige, charmante Art das Vertrauen des Gesprächspartners zu erschleichen, um später die solcherart erhaltenen Informationen gegen ihn zu verwenden.
Die merkwürdistanischen Behörden und deren Beamte sind wahre Meister in der Anwendung derartiger Strategien.
Wenn ein merkwürdistanischer Beamter ausnahmsweise mal freundlich ist, dann ist äusserste Vorsicht geboten, da steckt garantiert etwas dahinter und schnell kann man sich als Bürger mit einer finanziellen Nachforderung oder einer anderen Unannehmlichkeit seitens der Behörde konfrontiert sehen.
Wie echte Trolle eben.
Es ist schon ein interessantes Land, dieses Merkwürdistan.

Teil IV der Serie finden Sie hier:

Donnerstag, 3. Dezember 2009

liebe lyrich
mir geht es gut
deine post habe ich bekommen
und möchte dir auch
etwas berichten
dass michalski seine reise beenden musste
ist bedauerlich
man soll halt immer auf die dachdecker aufpassen
aber laut information
des innenministeriums
soll michalski zu umfassender kooperation
bereit sein
wenn er denn
ein signiertes exemplar
des ForenTroll
bekommt
vielleicht gibt es da eine möglichkeit
jedenfalls viele grüße
und alles gute
dein
lieschen




herr michalski auf tour

liebes lieschen
wie geht es dir
mir geht es gut

Du wirst bestimmt aus der zeitung erfahren haben
dass der herr michalski seinen urlaub vorzeitig
in schermbeck beenden musste
es wird in den medien zwar anders dargestellt
aber ich gehe in der tat von einer halb genehmigten aktion
des herrn michalski aus immerhin dürften auch ihm
mindestens vierundzwanzig urlaubstage im jahr zustehen
wenn er denn einen entsprechenden tarifvertrag hat
was ich einmal vermute

wie dem auch sei liebes lieschen
der herr michalski hatte mit sicherheit nicht vor
in schermbeck zu bleiben nein
vielmehr war er nur auf der durchreise

er hatte schließlich urlaub gemacht
und seine planung war die
unter zuhilfenahme der neu erstellten radwanderkarte
auf pättkes an wiesen und weiden vorbei von schloss zu schloss
entlang der gut ausgebauten radwanderwege des westmünsterlandes
radelnd auszuspannen und die seele baumeln zu lassen

lieschen so und nicht anders muss es gewesen sein
diese neue karte die der herr michalski sicher bei sich trug
hätte ihn zu zahlreichen stätten geführt von denen alte sagen erzählen
der lehrer »Hermann Büscher aus Westenborken« hat über viele jahre
diese geschichten aus dem borkener umkreis gesammelt
und sein werk erschien 1930 als die »Bramgau-Sagen«
entlang der radstrecke sind an haltestellen diese aufzeichnungen
auf hinweisschildern nachzulesen

herr michalski ist sicherlich ein freund von märchen und sagen
vermute ich einmal und darum hat er im westmünsterland
seinen radwanderurlaub verbringen wollen

nun weißt Du ja
dass meine märchen auch hier geschrieben wurden
vielleicht hat er sie ja gelesen
sie handeln von der region die »briefe an lieschen«
und auch das »hexenhausgeflüster« spielt hier
mein »ForenTroll« nicht
das ist ein internetmärchen
und das buch wird erst in den nächsten tagen
im handel erhältlich sein

jetzt kommt mir ein gedanke liebes lieschen
der herr michalski hatte doch nicht etwa vorgehabt
hier in borken rast zu machen und
vorab einen »ForenTroll« vielleicht sogar mit widmung
von mir zu erhalten

wie dem auch sei
er hat seine reise in schermbeck beenden müssen
und weißt Du was lieschen
ich denke das ist auch ganz gut so
denn wenn er wirklich ein buch von mir haben will
dann soll er es im handel bestellen
das müssen alle anderen auch

einen lieben gruß liebes lieschen

von deiner

lyrich





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