Posts mit dem Label Ein Buch lesen privat werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Ein Buch lesen privat werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 7. Mai 2011

»Ein Buch lesen! - Privat« Heute: Grete C. Roth

Im IV. Teil unserer Interview-Serie »Ein Buch lesen! - Privat« stellt sich heute Grete C. Roth den Fragen von Walter-Jörg Langbein

W.-J. Langbein: Liebe Grete, Du »machst« Bücher (Layout, Satz usw.) und Du schreibst Bücher. Was kam zuerst: das Schreiben oder das Machen und Gestalten?

gcroth
g.c.roth: Zuerst kam das Schreiben. Mein Vater und mein Klassenlehrer ermunterte mich oft, mehr zu schreiben. Da ich allerdings viel lieber draußen durch die Natur getobt bin, durch mannshohe Kornfelder strich, über Gräben sprang, Insekten beobachtete, Schnecken sammelte, mich auf Bauernhöfen tummelte und mit Ferkeln und Kälbchen spielte, kam es eher selten vor, dass ich Geschichten darüber schrieb. Natur und Tiere zu erleben ist ungleich intensiver, als man sie beschreiben könnte.

An meinem dritten Geburtstag eröffnete mein Vater seine Druckerei und es entstand der Kontakt zum Papier und zu den Buchdruckfarben, deren Geruch mich noch heute in die Zeit meine Kindheit versetzt. Ich erinnere mich an schöne Stunden, wenn er in der Papierverarbeitung an der Schneidemaschine arbeitete, deren riesiges schwarzen Schwungrad mit Muskelkraft zu bedienen war. Dann saß ich oft in einer der großen Teekisten, die er als Container für den Papierabfall nutzte und wir haben uns Geschichten erzählt.

Gelernt habe ich den Beruf der Schriftsetzerin in der Firma meines Vaters. Seinerzeit wurde noch im Bleisatz ausgebildet, wo jedes Wort aus einzelnen Bleilettern zusammengesetzt wurde, bis einige Zeilen im Winkelhaken erfasst waren. Diese kamen dann auf das „Schiffchen“, so wuchs ein Artikel Zeile um Zeile. Anschließend wurde der Block mit der Kolumnenschnur ausgebunden und zwar so fest, dass man ihn bequem von der Setzerei in die Druckerei tragen konnte. War der Block schlecht ausgebunden, löste sich alles in Wohlgefallen auf und rieselte einem durch die Hände. Also hieß es: alles einsammeln, zurücksortieren in die Setzkästen und noch einmal von vorn beginnen. Deshalb trug man seinen fertigen Satz, ab einer bestimmten Größe, dann vorsichtshalber doch meistens auf dem Schiffchen zur Druckmaschine.

Die Gestaltung von Anzeigen und Plakaten war seinerzeit um einiges aufwendiger. Von Bildern und Logos wurden Lithos hergestellt, um die herum der Text gearbeitet wurde. Man musste also vorher genau berechnen, wie viel Text man unterbringen konnte, welche Schrift und Schriftgröße benutzt werden und wie groß die Bilder sein konnten. Hatte man sich verrechnet, mussten neue Lithos angefertigt werden, was zusätzliche Kosten und Zeitverlust bedeutete.

Walter-J. Langbein: Den größten Teil Deines Lebens stellst du Druckproduckte her, nimmt da die Routine überhand?

g.c.roth: Nein, absolut nicht! Das ist das Faszinierende an meiner Arbeit, dass jeder neue Auftrag ein völlig neues Projekt ist, das von Grund auf aufgebaut und entwickelt wird. Individuelle Drucksachen – ob Flyer, Broschüren oder Bücher werden einmalig erschaffen. Und ich bin mit Herzblut dabei, von den ersten Entwürfen über Korrekturabzüge, bis zur Auslieferung. Ich empfinde mich selbst in diesem Prozess als eine Art Hebamme, die viele „Kinder“ ans Licht der Welt geholt hat. Routine ist etwas, das ich in meinem Beruf noch nicht erfahren habe.

W.-J. Langbein: Du schreibst selbst Bücher, hast Du literarische Vorbilder?

Fluffige und andere Zeiten
von gcroth
g.c.roth: Nein, ich habe keine Vorbilder. Mein erstes Buch „Kein Herbst ist ein Ende“ (1986) entstand als Anthologie mit zwei weiteren Autoren und enthielt zu 90 % Gedichte. Das zweite Büchlein „Der Wolken silberne Tropfen ...“ (1991) ist schon eine Mischung aus Geschichten und Poesie, während mein drittes Buch „Fluffige Zeiten“ (2004) hauptsächlich heitere Kurzgeschichten enthält. Diese drei Bücher habe ich noch selbst vertrieben und sie sind, bis auf einige Exemplare für mein eigenes Bücherregal, ausverkauft. Das vierte Buch, „Fluffige und andere Zeiten“ (2008) ist eine erweiterte Neuauflage und das fünfte: „"Bestatten, mein Name ist Tod!" Friedhofsgeschichten aus dem Leben gerissen“ (2008), fällt völlig aus der Reihe meiner üblichen Themen, was einfach daran liegt, dass mir das Leben Gelegenheit zu diesem morbiden Thema anbot.

W.-J. Langbein: Wenn Du ein Buch schreibst, schöpfst Du nur aus der Fantasie oder recherchierst Du, oder greifst Du auf Erlebtes zurück?

Bestatten, mein Name ist Tod!
von g.c.roth
g.c.roth: Ich schreibe so, wie ich meine Geschichten erlebe. Ich erfinde keine kompletten Storys, sondern verarbeite das, was das Leben mir anbietet. Und deshalb findet sich auch die ganze Palette an in meinen Büchern wieder. Lustiges, Kurioses, Nachdenkliches oder auch Trauriges in Form von Kurzgeschichten, Gedichten und Fabeln, so unterschiedlich, wie das Leben sich auch präsentiert. Der Humor, den man zweifelsohne braucht im Alltag, überwiegt meistens.
Mein Buch „Bestatten, mein Name ist Tod!“, ist zum Beispiel aus jahrelang gesammelten Erzählungen eines alten, schrulligen Totengräbers sowie aus Unterhaltungen mit ehemaligen Bestattern entstanden. Natürlich ist nicht alles 1:1 so geschehen, wie ich es erzähle, aber man kann davon ausgehen, dass 70 % der Ereignisse so oder so ähnlich stattgefunden haben.

W.-J. Langbein: Wie siehst Du die Zukunft von Buch- und Verlagswesen im Printbereich? Werden »elektronische Bücher« die gedruckten ablösen?

g.c.roth: Nein, ich gehe nicht davon aus, dass das E-Book das gedruckte Buch ablöst. Ein Buch ist etwas mit allen Sinnen Erfahrbares. Es verheißt gemütliche Stunden in Sessel- und Sofaecken, auf grünen Wiesen und unter schattigen Bäumen, zu denen es keine Alternative gibt. Keine Festplatte der Welt kann ein schön gefülltes Bücherregal toppen. Das Lesen eines Buches verschafft sehr persönliche Momente, das Umblättern der Seiten, der Geruch des Buches, einfach das Material in der Hand zu spüren, das alles ist nicht einfach austauschbar. Bücher haben eine unvergleichliche Ausstrahlung und sind viel mehr als eine Datei.

Das E-Book ist meiner Ansicht nach eine tolle Ergänzung, die besonders für Fachliteratur in großen Mengen perfekt ist. Man kann am PC lesen und gleichzeitig arbeiten, bestimmte Textstellen können in Sekunden aufgefunden werden, schnelle umfangreiche Informationen, ohne vollgestapelte Schreibtische, sind beim E-Book einfach ein Pluspunkt, den das Buch nicht hat. Praktisch sind E-Books auf E-Readern auch für unterwegs, besonders für Vielleser, die nicht kiloweise Bücher schleppen möchten. Oder für Sehbehinderte, die sich die Schrift in angenehm lesbarer Größe darstellen lassen können. Vermutlich wird jede Buchvariante ihren Platz finden. Verlage werden sich an dem orientieren, was der Leser wünscht.

W.-J. Langbein: Hast Du konkrete Zukunftspläne für Dein Studio?

g.c.roth: Die Zukunft für mein Satzstudio ist gleichzeitig die Frage nach meiner persönlichen Zukunft. In meinem Alter blickt man in die Zukunft etwas anders, als im Alter von vielleicht 30 Jahren. Zukunft ist selten das, was man sich erhofft, im Nachhinein aber genau das, was man gebraucht hat, um als Persönlichkeit wachsen zu können.

Als Mutter von drei Kindern, bin ich dankbar, dass ich mit Blick auf die Gegenwart sagen kann: Sie sind alle wohlgeraten, die ersten beiden gehen ihren Weg im Leben und haben mir bereits vier Enkelkinder geschenkt. Mein Nesthäkchen muss sich noch einige Jahre durch den Schulalltag kämpfen und wird dann ebenfalls seinen Weg finden.

Zukunft ist unberechenbar. Kein Mensch weiß, was schon morgen auf ihn wartet. Deshalb versuche ich offen zu sein, für das, was sie mir anbietet. Wenn man aufmerksam ist, dann liegt alles, was man braucht, immer bereit, nur sehen und aufnehmen muss man es. Das gelingt manchmal und manchmal nicht.

W.-J. Langbein: Liebe Grete, es würde mich interessieren, was Du noch für Interessen hast.

g.c.roth: Was mir in meiner Freizeit Spaß macht, das ist mein Garten, sowohl der Anbau von Gemüse als auch das Ziehen von Zierpflanzen. Mein Garten ist ein meditativer Ort. Gartenarbeit macht still und einig mit der Natur und bringt mich wunderbar nahe an die wesentlichen Dinge des Daseins heran. Wann immer Zeit ist, zeichne, male oder fotografiere ich. Die Fotografie –wie könnte es anders sein –hat den praktischen Nebeneffekt, dass sie eine reiche Motivauswahl für meine Arbeit abwirft. Mein Herz schlägt für alles, was mit der Natur zu tun hat. Ich versuche meinen Alltag so zu leben, dass ich möglichst wenig Schaden an der Natur anrichte. Wenn es mir vergönnt ist, werde ich einen Teil meiner Zeit nach dem aktiven Berufsleben in umweltpolitische Arbeit investieren.

W.-J. Langbein: Welche Ziele hast Du Dir für Deine Arbeit als Autorin gesteckt?

g.c.roth: Autorin und Texterin bin ich hauptsächlich aus beruflichen Gründen, da ist das Ziel natürlich, meinen Kunden ansprechende und anspruchsvolle Texte zu liefern. Zufriedene Kunden empfehlen mich weiter, sodass mein Kundenstamm kontinuierlich wächst. Meine Bücher sind eher ein Hobby, das sich daraus ergeben hat, dass sich Geschichten ansammelten. Hier habe ich kein festes Ziel.
Letztlich ist bei all meinen Arbeiten wichtig, dass sie mir Freude machen, dass ich anderen damit Freude mache und dass ich mit meiner jüngsten Tochter gut davon leben kann. Das ist mehr, als die meisten Menschen auf der Welt haben und somit schon Luxus. Reichtum ist das, was man spürt, wenn man einer Beschäftigung nachgeht und ganz eins wird mit ihr, sodass Zeit und Raum bedeutungslos werden. Reichtum ist nicht das, was man sieht, wenn man auf seinen Kontoauszug schaut.

W.-J. Langbein: Wenn Du einen Wunsch freihättest, was würdest Du Dir wünschen?

g.c.roth: Dass wir „zivilisierten“ Menschen uns in etwas mehr Demut und Bescheidenheit üben würden, damit wir die Vielfalt und Schönheit der Erde mit unserer Unersättlichkeit nicht völlig zerstören. Und natürlich, dass unsere Gemeinschaft „Ein Buch lesen“, die aus einer gemeinsam erlebten Krise erwachsen ist und die ich als eine große Bereicherung empfinde, noch viele Jahre so kreativ, mit viel Spaß und menschlicher Wärme zusammen wirken kann.

W.-J. Langbein: Liebe Grete, danke für das aufschlussreiche Interview. Ich wünsche Dir noch viel Freude mit Büchern, interessante Lektüre guter Werke von Kollegen, viel Freude beim kreativen Erstellen von Büchern in Deinem Satzstudio und genussreiche Selbstverwirklichung beim Schreiben! Und uns allen wünsche ich... mach weiter so, im Team von Ein-Buch-lesen ... und überhaupt!

Die Bücher von g.c.roth hier bestellen >>>


Der exklusiv gestaltete Flyer aus dem Satzstudio Roth.
Kann die Autorengemeinschaft »Ein Buch lesen!«
sich eine schönere Offline-Werbung wünschen?


















Auf meinem Meinungsblog gibt es mehrLesestoff zu unterschiedlichen Themen von mir.
Dort schreibe ich unter dem Namen dandelion.

Samstag, 30. April 2011

»Ein Buch lesen! – Privat« Heute: Walter-Jörg Langbein

Im III. Teil unserer Interview-Serie »Ein Buch lesen! – Privat« stellt sich heute Walter-Jörg Langbein den Fragen von Rita Hajak.

W-J. Langbeins Arbeitszimmer
Foto: Barbara Kern
Rita Hajak: Lieber Walter, was hat Dich bewogen, mit dem Schreiben zu beginnen?

Walter-Jörg Langbein: Das habe ich meinem Großvater, Karl May und Erich von Däniken zu verdanken!

R. Hajak: Das hört sich interessant an. Kannst Du das bitte etwas genauer erklären?

W-J. Langbein: Sehr gerne. Mein Großvater erzählte mir von Karl May und den Abenteuern seiner Helden in Amerika und im Orient. Ich konnte es nicht abwarten, die Bücher Karl Mays selbst zu lesen. Als ich schmökernd Old Shatterhand durch den Wilden Westen begleitete, war mir klar ... Ich wollte auch die weite Welt kennenlernen ... reisen und darüber schreiben. 1968 las ich Erich von Dänikens »Erinnerungen an die Zukunft«. Das war »mein« Thema ... Ich wollte die mysteriösen Stätten unseres Planeten besuchen und über die Geheimnisse berichten, die von der Wissenschaft vernachlässigt werden..

R. Hajak: Du schreibst schon seit vielen Jahren. Wann genau hast Du damit begonnen?

W-J. Langbein: Das war schon 1968! Mir war klar, dass ich mit 14 noch nicht auf die Osterinsel fliegen können würde.. und dass die Pyramiden Ägyptens, Chinas oder Zentralamerikas noch unerreichbar für mich waren. Also vertiefte ich mich in heilige Bücher wie die Bibel oder die uralten Werke Indiens, stets auf der Suche nach den dänikenschen Besuchern aus dem All. Ich versuchte, die phantastische Geschichte von den Außerirdischen zeitlich zu ordnen. Wann erschienen die Fremden zum ersten Mal auf der Erde? Was taten sie? Wann verschwanden sie wieder.

R. Hajak: Wie lang hast Du an Deinem ersten Manuskript gearbeitet?

W-J. Langbein: Sehr, wirklich sehr lange. 1968 fing ich – ich war 14 – an. Ich wollte schließlich sogar die Schule schmeißen, um Autor zu werden. Ich überarbeitete mein Manuskript immer wieder, bot es wiederholt an. Kein Verlag wollte es haben. Nach dem Abitur studierte ich evangelische Theologie ... und schrieb weiter an meinem Manuskript. Ich lernte Erich von Däniken als einen wunderbaren Schriftsteller kennen, der mir über viele Jahre geholfen hat. Inzwischen sind wir, das sage ich mit Stolz, gute Freunde geworden. Kein zweiter Schiftsteller war so hilfreich wie Erich von Däniken. Von ihm habe ich viel gelernt.
1979 erschien die x-te Manuskript-Fassung meines Erstlingswerkes endlich als gebundenes Buch ... bei einem kleinen Verlag in Luxemburg, bei John Fisch. Es hieß »Astronautengötter – Versuch einer Chronik unserer phantastischen Vergangenheit«.

R. Hajak: War das dann der ersehnte Durchbruch?

W-J. Langbein: Keineswegs. Ich fand keinen Verlag für ein zweites Manuskript. Aber durch meinen Erstling lernte ich Frank Feldman kennen, der mich als Agent unter seine Fittiche nahm. Ich schrieb eigentlich alles ..., von der Kurzgeschichte bis zum Fortsetzungsroman, vom Lexikon bis zum Reisebericht, vom Kommentar bis zum Prominenteninterview ... Unter zig Pseudonymen erschienen meine Texte in zahlreichen deutschsprachigen Zeitungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

R. Hajak: Und wie ist es dann zum zweiten Buch gekommen?

W-J. Langbein: Ich hatte eine Artikelserie für ein Wochenblatt geschrieben: »Die großen Rätsel der letzten 2500 Jahre«. In 25 Folgen behandelte ich pro Jahrhundert ein Rätsel ... von Hesekiel bis Fatima. Doch bevor die Serie erscheinen konnte, wurde das Blatt eingestellt. Erich von Däniken brachte mich auf die Idee, daraus ein Buch zu machen. Das tat ich. Reinhold G. Stecher brachte das Manuskript beim Weltbild-Verlag unter. Das war 1992, 13 Jahre nach meinem Erstling. Das Buch wurde zum Bestseller, nicht nur in Deutschland ... auch im Ausland, zum Beispiel in Polen ...

R. Hajak: Warst du nun am Ziel Deiner Wünsche?

W-J. Langbein: Ja und nein. Natürlich öffnete mir der Erfolg meines zweiten Buches manche Tür bei Verlagen. Ich schrieb intensiv weiter ... für Zeitungen und Magazine ... und Buchmanuskripte. Mein dritter Agent, Dirk Meynecke, vermittelte zahlreiche Verträge. Ich erweiterte mein Spektrum ... Mit den »Astronautengöttern« hatte ich begonnen ... Ich bereiste die Welt und beschrieb die großen Geheimnisse ... von der Archäologie bis zur Parapsychologie ... von Atlantis bis zum Phänomen der Zeitreisen ... Ich war glücklich, als Autor arbeiten zu dürfen ... musste mich aber mit jedem Buch immer wieder neu bewähren. In den letzten Jahren habe ich mich intensiv mit religiösen Fragen auseinandergesetzt ... einige »ketzerische Bücher« über die Bibel, Jesus und Maria Magdalena geschrieben ...

R. Hajak: Du hast viele Jahre die Welt bereist und gründlich recherchiert. Warst Du da nicht auch gefährlichen Situationen ausgesetzt?

W-J.Langbein im unterirdischen Labyrinth
von Charin de Huantar (Nordperu)
W-J. Langbein: Vermutlich war ich sehr viel öfter in Gefahr als mir bewusst wurde. Ich bin viel in Höhlen und unterirdischen Gängen herumgekrochen, die zumindest streckenweise einsturzgefährdet waren. In Peru saß ich als einziger Passagier in einer kleinen Sportmaschine.
Beim Anflug auf eine »Landepiste«, die eher einer holperigen Wiese glich, kam es zu einer kritischen Situation. Plötzlich tappte ein Alpaka über die »Landebahn«. Der Pilot konnte nur in letzter Sekunde die Maschine hochreißen. Die wohl gefährlichste Situation erlebte ich in der Südsee auf Ponape. Nach zahlreichen langen Flügen bekam ich eine Thrombose und eine Lungenembolie. Weit und breit gab es keinen Arzt, Apotheken auch nicht. Ich fragte in jedem kleinen Minilädchen, an jedem Kiosk nach Aspirin. Ganze Packungen gab es nicht, immer nur einzelne Tabletten. Ich kaufte so viele Aspirin-Tabletten, wie ich nur finden konnte. Das hat mir wohl das Leben gerettet.

R. Hajak: Inzwischen liegen 30 geschriebene Bücher von Dir vor. Gibt es ein persönliches Lieblingsbuch für Dich?

W-J. Langbein: Bücher sind wie Kinder, man liebt sie als Autor alle ... zieht keines vor ... Mir sind alle meine Bücher lieb ...

R. Hajak: Gibt es Bücher von Dir, die Dir … besonders wichtig sind?

W-J. Langbein: Schwer zu sagen ... »Eine kurze Geschichte von Gott« ist das Ergebnis von rund 30 Jahren intensiver theologischer Studien. Am Anfang war, davon bin ich überzeugt, das Matriarchat ... die Verehrung der Göttin ...

R. Hajak: Ist das denn noch von Bedeutung, heute?

W-J. Langbein: Gerade heute ist die Rückbesinnung wichtiger denn je. Wir folgten dem biblisch-patriarchalischen Gebot: »Macht Euch die Erde untertan!« Wir versuchten, uns zu Herren der Natur und ihrer Gesetze aufzuschwingen. Wir scheiterten kläglich. Wie die Katastrophe von Japan beweist, können wir die Naturgewalten nicht bedingungslos ausbeuten. Der Versuch kann letztlich zur Apokalypse führen ... Im Matriarchat wurde »Mutter Erde« verehrt, nicht geplündert. Wir müssen zu einem verantwortungsvollen Miteinander kommen ... weg von der kurzsichtigen Denkweise. Wir dürfen nicht auf Kosten der Zukunft des Planeten und der Menschheit Geschäfte machen ...

R. Hajak: Glaubst Du, dass die Welt 2012 untergehen wird? Du hast ja zu diesem Thema ein wundervolles Buch verfasst …

W-J. Langbein: Genau! Nein, die Welt wird 2012 ebenso wenig untergehen, wie sie 1999 untergegangen ist ... Wir dürfen geschäftstüchtigen Weltuntergangspropheten nicht auf den Leim gehen ...

R. Hajak: Ist also nichts dran an »2012«?

W-J. Langbein: »2012« ist das wichtigste Thema überhaupt ... Aber es geht nicht um angebliche Prophezeiungen der Mayas für 2012 ... die gibt es gar nicht. Es geht um den Ablauf der Weltgeschichte ... in Zyklen. Es geht um zyklisch auftretende Katastrophen ... und um die Zukunft von uns Menschen im All. Nicht umsonst heißt mein Buch »2012 - Endzeit und Neuanfang: Die Botschaft der Mayas«
Es geht um die Zukunft der Menschheit. Wenn wir eine langfristige Zukunft haben wollen, müssen wir heute intensiv daran arbeiten ...

Rita Hajak: Kürzlich durfte man Dich in der Fernsehsendung »Welt der Wunder« bei einer Befragung über biblische Irrtümer erleben. Wie kamst Du in diese Sendung?

W-J. Langbein bei den Dreharbeiten zu »Welt der Wunder«
Foto: Barbara Kern
W-J. Langbein: In der Redaktion wurde nach einem Experten gesucht, der durchaus auch kritisch biblische Geschichten hinterfragt. Katharina Bakenecker vom Team »Welt der Wunder« hatte einige meiner Bücher gelesen, vor allem die beiden Lexika der biblischen Irrtümer. Sie hielt mich wohl für geeignet. Erst gab es vorab einige Telefonate, dann wurde ich zu den Dreharbeiten in die Klosterkirche von Falkenhagen eingeladen. Katharina Bakenecker war optimal auf die Thematik vorbereitet, das Interview machte großen Spaß. Die Stunden vergingen wie im Flug.

R. Hajak: Magst Du ein paar Angaben zur Person machen?

W-J. Langbein: Ich bin Jahrgang 1954, Sternzeichen Löwe ... in Michelau am Main geboren, also Oberfranke ... Ich lebe aber schon sehr lange in NRW ...

R. Hajak: Wie ist es dazu gekommen?


WJL vor einer Höhle
(Osterinsel)
Foto: I. Diekmann

W-J. Langbein: Durch meine Frau. Wir lernten uns 1979 kennen, auf einer Tagung in München, wo ich einen Vortrag hielt ... 1979 zogen wir zusammen ... seither lebe ich im Weserbergland. Meine Frau ist das Allerbeste, was mir je passiert ist! Sie ist der wundervollste Mensch, den ich kenne!

R. Hajak: Wenn Du einen Wunsch freihättest, was wäre Dir wichtig?

W-J. Langbein: Es ist ein vielleicht etwas unbescheidener ... Ich möchte mindestens noch einmal 30 Jahre mit meiner Frau zusammen sein ... gesund und munter ...

R. Hajak: Wie sehen Deine zukünftigen Pläne aus?

W-J. Langbein: Ich plane nicht mehr so langfristig wie früher. Heute ist mir unsere Autorengemeinschaft »Ein Buch lesen« besonders wichtig. Ich fühle mich einfach pudelwohl in Eurer Gesellschaft. Es macht großen Spaß rund drei Jahrzehnte der Reisen um die Welt noch einmal aufzuarbeiten und Highlights in meiner Blogserie vorzustellen ... in Wort und Bild! Und nach der Serie hole ich vielleicht ein altes Romanprojekt aus einer meiner vielen Schubladen ...

Lieber Walter, ich bedanke mich ganz herzlich für dieses interessante Gespräch. Dass Du Dich bei »Ein Buch lesen« pudelwohl fühlst, glaube ich Dir aufs Wort, denn mir geht es ebenso. Ich hoffe und wünsche, dass unser Team noch lange eine wunderbare Gemeinschaft bleibt.

Noch mehr Bücher von Walter-Jörg Langbein finden Sie hier

Besuchen Sie auch unser Nachrichtenblog!





Samstag, 23. April 2011

»Ein Buch lesen! - Privat« Heute: Sylvia B.

In Teil 2 unserer Interview-Serie »Ein Buch lesen! - Privat« stellt sich Sylvia B. heute den Fragen von Ursula Prem.

Sylvia B.
Ursula Prem: Du siehst Dich nicht nur als Autorin, sondern als Kreative. Auf welchen Wegen verwirklicht sich Deine Kreativität?

Sylvia B.: Mein Vater war Kunstmaler und ein kreativer Mensch, seine Ideen setzte er um und ich würde bei seinem Tun von einer alltagstauglichen Kreativität sprechen. Mit seinen Schöpfungen verblüffte er sein Umfeld, und zu mir pflegte er dann immer zu sagen: »Man kann noch so dumm sein, man muss sich nur zu helfen wissen.« Diese alltägliche Kreativität habe ich genauso als Selbstverständlichkeit betrachtet, wie die Farbenlehre oder die Pinselführung. Er hat eindeutig den Grundstock gelegt. Vor Lichtjahren ist mir auf der Autobahn der Auspuff an meinem Wagen durchgebrochen. Es war die Zeit, als junge Leute mit wenig Geld noch alte Autos fuhren, an denen noch »geschraubt« werden konnte und in jedem Mülleimer irgendwelche Cola-Dosen zu finden waren. So habe ich mittels meiner Zange Boden und Deckel einer Dose entfernt, diese dann über die Bruchstelle geschoben. Das hielt, aber ich denke, die Dosen hatten damals noch eine andere Qualität als heute. Das meine ich mit Alltagskreativität. Als später der Fensterheber defekt war und ausgetauscht werden musste, habe ich aus dem alten Teil eine Halbskulptur geschaffen. Auf Schrottplätzen kann man übrigens die tollsten Sachen finden. Dass ich nie einen Schweißerschein gemacht habe, bereue ich übrigens. Wichtig bei aller Kreativität ist die Auseinandersetzung mit der Materie. Als ich mir Tiffanyobjekte  erstellte, habe ich mir die Technik selbst erarbeitet. Bewegung habe ich auch gestaltet, in einer Gruppe wurden daraus Choreografien. Dieses Handwerk habe ich erlernt.


Sylvia B.:
Fensterheber auf Acrylfugenmasse
 U.P.: Aus Deiner Antwort schließe ich, dass Kreativität nicht so sehr vom Ausdrucksmedium abhängt, sondern eine Lebenseinstellung ist. Hat Dir diese Haltung auch in Krisenzeiten geholfen?

S. B.: Du willst auf meine Morbus-Menière-Erkrankung hinaus. Da kamen mir andere Erfahrungen zugute. In jungen Jahren habe ich Wettkampfsport betrieben, da für mich Leistung messbar sein muss, war ich Leichtathletin. Tägliches Training war Vorbereitung für die Wettkämpfe, und bei denen ging es mir nicht in erster Linie um das Messen mit Gleichgesinnten, ich wollte gewinnen. Entsprechend war Kampfgeist vorhanden. Später habe ich mir dann törichte Dinge erlaubt, unter anderem habe ich den Aufstieg auf einen 6.000er gewagt. Da ging es nur darum, durchzuhalten. An die Grenzen meiner eigenen Belastbarkeit zu gelangen, war eine wichtige Erfahrung für mich. Morbus Menière war und ist allerdings kein sportlicher Gegner, er war, ist und bleibt mein Feind. Mental war ich ganz gut drauf, bei den Anfällen kam mir das Mantra zugute: »Halte durch. Du schaffst das«.


U.P.: Nachdem Du Deine Erfahrungen mit der Menière-Erkrankung in einem erschütternden Buch niedergelegt hattest, hast Du Dich einer anderen Seite der Literatur zugewandt: der Satire. Deine dreibändige Lieschen-Reihe ist ein echter Hochgenuss. Wie der bisher letzte Band »ForenTroll: Ein modernes Märchen für Erwachsene« zeigt, interessieren Dich die Umtriebe in Internetforen, besonders das Trollwesen, das ja bekanntlich die einzige gesellschaftlich akzeptierte Form der Gewalttätigkeit darstellt ...

Sylvia B.:
meniére desaster
S. B.: Das Menière-Buch musste ich schreiben, damit ich darin lesen, damit ich diesen Abschnitt meines Lebensbuches zuschlagen konnte. Es endet mit der Gentamizinbehandlung. Gentamizin ist die »Ultima Ratio«. Eine ohrtoxische Substanz, die gnadenlos wirkt. Aber ich musste etwas in mir töten, damit ich wieder leben konnte. Im Grunde genommen kann ich ja froh sein, dass es diese Möglichkeit als letzten Ausweg für mich gab. Vincent van Gogh musste einen anderen Weg beschreiten. Wenn ich mir vorstelle, dass er erst am Anfang seiner Schaffenszeit war, mit 37 Jahren. Hätte es damals schon diese Behandlungsmöglichkeit gegeben, was hätte er der Menschheit für Werke hinterlassen?
Zu der Forentrollproblematik hat Sascha Lobo auf der re:publica XI interessante Ansätze gebracht. Wobei ich da meine Überlegungen mehr auf die Ursachenforschung richte. Wer sich für dieses Thema interessiert, kommt an Hurrelmann nicht vorbei. Es ist doch schon vor mehr als 20 Jahren eine Entwicklung absehbar gewesen. Was ich zu bemängeln habe ist, dass seinerzeit sehr wohl Projekte auch und gerade zur Gewaltprävention initiiert worden sind, die auch durchaus erfolgreich waren. Diese wurden entsprechend beschrieben und dann war es das. Fördermittel, um Maßnahmen weiterzuführen waren nicht mehr vorhanden. Aber die Verantwortung kann nicht nur in die öffentliche Hand gelegt werden.

Sylvia B.:
Forentroll
Vor 20 Jahren wuchsen die Wohlstandskids heran. Da ging Mama putzen, damit der Sohnemann eine Musikausbildung erhielt oder die Tochter in Markenklamotten zur Schule gehen konnte. Die Kinder von damals sind die Erwachsenen von Heute. Müßig zu überlegen, wer von beiden seinen Weg gegangen ist. Die Situation ist doch die: Wer einer Berufstätigkeit nachgeht, und das 38,5 bis 50 Stunden in der Woche, wird wohl nicht unbedingt seine knapp bemessene Freizeit als Forentroll verbringen. Das sind Leute mit entsprechender Tagesfreizeit, die wenig Respekt vor der Leistung anderer erkennen lassen. Letztendlich haben diese Egomanen nie laufen gelernt, wie auch, sie bekamen ja alles in den Hintern geschoben. Das, was sich jetzt abzeichnet, ist doch erst der Anfang. Wer mehr als 30 Jahre so konditioniert worden ist, ändert sein Verhalten nicht mehr. Die guten Worte kann man sich sparen, da kann man besser einen Groschen in die Parkuhr werfen und sich mit der unterhalten.


U.P.: Das klingt nicht unbedingt optimistisch. Woher nimmst Du dennoch die Kraft, immer weiter kreativ zu arbeiten?

S. B.: Das klingt in der Tat nicht optimistisch, aber es ist ein Problem, das ich wohl als solches sehe, das ich aber nicht lösen muss. Natürlich beschäftigt es mich. Es regt mich auch auf, wenn ich mit einem Forentroll zu tun habe, aber in den 20 Jahren, in denen der Menière als solcher nicht diagnostiziert war, galt ich als Simulant und konnte mir ganz andere Sprüche anhören. Damit will ich nicht sagen, dass ich abgestumpft bin. Nach einer solchen Zeit, die ja noch in der Folge in einen Burnout endete, sehe ich die Dinge eher abgeklärt, irgendwie differenzierter. Ich denke, es gab zwei Möglichkeiten: Entweder ich zerbreche daran, oder ich bade in Drachenblut. Wobei ich mich für letzteres entschieden habe. Entscheidend war für mich auch die Erkenntnis, dass ich mich auf der Machtebene aufgehalten habe. Deshalb fühlte ich mich ohnmächtig. Nun bin ich kein Machtmensch. Als mir diese Erkenntnis bewusst wurde, konnte ich mich auf die höhere Ebene begeben, die der Verantwortung. Für mein Wohl bin ich selbst verantwortlich. An Sport ist mir Gymnastik geblieben, da beginne ich schon morgens mit meinem Programm.
Rosenstolz trägt in »Ich bin ich« vor: »…Hab mein Gleichgewicht verlorn’ doch kann trotzdem g’rade stehn…«. Das trifft für mich auch zu. Diesen Status quo halte ich bei. Das geht nur durch Disziplin. Aber es verschafft mir Lebensqualität, daraus ziehe ich meine Kraft.

Kater »Söhnke«
U.P.: In Deiner Biografie heißt es: »Mit ihrem Hund, vier Katzen und 14 Goldfischen lebt sie irgendwo im Münsterland.« Eine Deiner Katzen, namens Äugelchen, hast Du sogar in Deinem Buch »hexenhausgeflüster: Ein modernes Märchen für Erwachsene« literarisch verarbeitet. Inspirieren Dich Deine Tiere?

S. B.: Liebe Ursula, Du kennst den Satz: Ein Hund hat ein Herrchen (Frauchen), eine Katze hat Personal! Nichts anderes bin ich für mein Katzengeschlunse. Die inspirieren mich nur bedingt, sie halten mich vielmehr auf Trab. Aber sie scheinen sich wohl bei mir zu fühlen, sonst würden sie weglaufen. Äugelchen hat natürlich, bedingt durch ihre Behinderung, eine Sonderstellung.

Sylvia B. in ihren geliebten
»Birkenstöckis«
Diese Vita hatte einen besonderen Grund. Sie ist in Verbindung mit dem Bild von mir zu sehen, das ich kurz beschreibe: Eine Frau steht mehr als lässig an eine Wand gelehnt, sie trägt eine Leggins, Schlabberpulli und Gesundheitslatschen. In der einen Hand ein Telefon am Ohr, in der anderen Hand eine Zigarette. Die Haare sehen aus, als hätte sie die Nacht mit den Zehen in der Steckdose verbracht. Seien wir ehrlich: Eine solche Darstellung geht gar nicht. Und um dem Klischee noch eins draufzusetzen, kommt der Text: Ein Hund, vier Katzen. Das dürfte an sich schon auf Schwierigkeiten hinweisen, aber vier Katzen und die Goldfische, das ist doch ein Unding. Das Bild beweist das Gegenteil: Es geht doch. Es ist möglich, das scheinbar Unmögliche möglich zu machen. Das ist die Kunst dabei. Es gibt Kritiker, die sagen, dass es »Unmöglich« sei, ohne Punkt und Komma, nur klein geschrieben eine Publikation auf den Markt zu bringen. Die Kunst bestand für mich darin, auch dieses »Unmögliche« möglich zu machen. Eine gewisse Art der Leichtigkeit in alles zu bringen, was ich mache, war für mich nicht so einfach, bei all der Schwere, die eine solche Krankheit und ihre Folgen mit sich bringt. Mir kam da ein Schlüsselerlebnis zur Hilfe. Beruflich hatte ich in Grainau zu tun und es ergab sich, dass ich mich einer kleiner Gruppe anschloss, die in der Mittagspause per Taxi und Bahn und von dort auf das Zugspitzplatt aufmachte. Oben angekommen stand ich in Stöckeln und kurzem Italiener, habe gefroren wie ein Schneider, aber das gehörte dazu. Die Aussicht habe ich genossen und mir dabei überlegt, dass ich auch ohne große Mühe einen Gipfel erreicht habe. Auf dem Rückweg zum Hotel habe ich mir dann überlegt, dass es mir gelingen müsste, einen Weg zwischen beiden Extremen zu beschreiten.


 Der Tote
im Zwillbrocker Venn
 U.P.: Liebe Sylvia, das Unmögliche möglich zu machen scheint ein Leitmotiv Deines Lebens zu sein. Das Unerträgliche in eine künstlerische Form zu gießen, das ist der Weg eines geborenen Kriegers. Das ist Dir im Umgang mit Deiner Krankheit ebenso gelungen, wie in Deinen Büchern oder Deinen Bildern. In diesem Zusammenhang fallen mir auch die Illustrationen und Gedichte ein, die Du zu dem Krimi »Der Tote im Zwillbrocker Venn« von Tuna von Blumenstein geschaffen hast. Wird es eine weitere Zusammenarbeit mit Tuna von Blumenstein geben, einen weiteren Krimi vielleicht?

S.B.: Meine Beiträge in Tunas Krimi sind eine Mischung aus Lyrik und Prosa, Gedichte trifft es aus meiner Sicht nicht, aus meinem Verständnis sind es Texte. Für mich haben normalerweise Gedichte oder solche Texte in einem Krimi nichts zu suchen, es weckt Assoziationen in mir, die in die Richtung gehen »Italienisches Fernsehballett in den 60er Jahren« oder Filmschnulzen, in denen der schöne Held plötzlich das Singen beginnt. Somit wieder etwas, was selbst ich als »Unmöglich« bezeichnen würde. Nun gestaltet es sich in dem Krimi »Der Tote im Zwillbrocker Venn« für mich akzeptabel, denn die Texte sollten nicht als Deko fungieren. Sie sind Gedanken einer in sich zerrissenen Person, die eine wichtige Rolle in dem Krimi spielt. Ein Experiment, das ich als gelungen betrachte, das aber in dieser Form nicht in einem weiteren Krimi unterzubringen ist. Aber da ich für alles offen bin, werden sich vielleicht andere Möglichkeiten der Zusammenarbeit anbieten. Was ich weiß: Es ist ein weiterer Krimi in der Mache, zum Spätsommer dürfte es wieder spannend werden.

Sylvia B.
U.P.: Welches ist Dein größter Wunsch für die Zukunft?

Liebe Ursula, das mit den Wünschen ist so eine Sache, zumal ich weiß, dass ich nicht das bekomme, was ich mir wünsche, sondern das, was ich brauche. Und da ich auf meine täglichen Lachsalven angewiesen bin, mich nach Möglichkeit nur noch mit Menschen umgebe, mit denen ich auch lachen kann, weiß ich natürlich, dass mir das Team von »Ein Buch lesen!« noch lange erhalten bleibt. Aber wenn Du mich so eindringlich nach meinem größten Wunsch für die Zukunft fragst und ich Dir die Antwort nicht schuldig bleiben möchte, dann wünsche ich mir, Dich auf der Bühne zu erleben. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass der Rest des Teams mit mir dann in der ersten Reihe sitzt.

U.P.: :-), Nun ja, mal sehen, was die Zukunft bringt. Aber wie auch immer: Wir bleiben ein Team! Liebe Sylvia, danke für dieses wundervolle Interview!

 


Dazu weitere Beiträge:


... Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, der Meinung sind, dass Julius Caesar, Vincent van Gogh oder Martin Luther Epileptiker waren, dann revidieren Sie bitte Ihre Meinung. Diese Männer litten, so wie ich auch, an Morbus Menière ...

Serie Teil 2:Morbus Menière – Drehschwindel 

... Morbus Menière ist eine sogenannte Ausschlussdiagnose, d.h. es müssen viele andere Ursachen als Verursacher ausgeschlossen werden, bevor die Diagnose als solche gestellt werden kann ...

Serie Teil 3:Morbus Menière – Das Gleichgewicht und das Gehör

... Der Mensch hat normalerweise zwei Innenohre, rechts und links, darum auch zwei Gleichgewichtsorgane. Bei mir sind beide Seiten in unterschiedlicher Schwere geschädigt. Da aber der Sehnerv an das Innenohr gekoppelt ist, kann ich sehen, wo oben und unten ist ...

Serie Teil 4:Vincent van Gogh und Morbus Menière

... Von Liebe, Leid und Dunkelheit - Es ist nie geklärt worden, warum sich Vincent van Gogh bei einem Streit mit Paul Gauguin ein Stück seines Ohres abschnitt. Für mich, als Menière Patientin ist diese Angelegenheit allerdings völlig klar ...

Serie Teil 5:Morbus Menière

... Von Balance, Gymnastik und Meditation - In irgendeiner Ecke meines Lebens steht Morbus Menière etwas orientierungslos herum. Der Rest meines Lebensraumes ist angefüllt mit kreativen Tun und positiver Einstellung zum Leben und damit mit Lebensqualität, die ich mir selber schaffe. So kann ich auch meine innere Balance, das seelische Gleichgewicht, bewahren. Trotz allem ...

Serie Teil 6:Morbus Meniére und der Pawlowsche Hund

Gerade in der schlimmen Zeit vor der Gentamicinbehandlung, damals kamen die Anfälle in immer kürzeren Abständen, hatte ich das Gefühl, wie ein Pawlowscher Hund zu reagieren. Klingelte das Glöckchen des Meniére? Ständig hörte ich irgendwelche Glocken, die den nächsten Tsunami in meinem Innenohr einläuteten.

Serie Teil 7:Morbus Meniére und die Würde des Menschen

... Die Würde des Menschen ist unantastbar (Art. 1 Abs. 1 Grundgesetz) - Jeden Meniére - Anfall habe ich bei vollem Bewusstsein ertragen müssen. Mit klaren Gedanken die eigene Hilflosigkeit erdulden zu müssen, ist aus meinem Selbstverständnis heraus, nicht nur quälend, sondern auch entwürdigend ...


Auch noch:
»Der Mörder und der Kinderschänder«
Ein Münsterland-Kriminalroman, der auf wahren Begebenheiten basiert.

Bei diesem Werk handelt es sich um einen Kriminalroman. Etwaige Ähnlichkeiten oder Namensgleichheit mit real existierenden Menschen wären rein zufällig. Alle beschriebenen Handlungen sind an die Realität angelehnt.


Unter dem Pseudonym - Tuna von Blumenstein - hat die Autorin fünf Kriminalromane veröffentlicht:

»Der Mörder und der Kinderschänder« 2025
 
ISBN: 9783769325911
Im Buchhandel erhältlich
 
Bei Thalia
und
Krimis der Tuna vB auch als eBook





Freitag, 15. April 2011

»Ein Buch lesen! Privat« Heute: Rita Hajak

Liebe Leserinnen und Leser,

sicher haben Sie sich schon die Frage gestellt: »Was sind das eigentlich für Menschen bei »Ein Buch lesen!«? Wir möchten Ihnen in den nächsten Wochen einen Einblick in das private Leben der Schriftstellergemeinschaft geben.

Beginnen möchten wir mit Rita Hajak, die sich den neugierigen Fragen von Sylvia B. stellt.

Sylvia B.: Liebe Rita, es würde mich interessieren, was du neben dem Schreiben noch für Interessen hast.

Rita Hajak
Rita Hajak: Lesen! Denn auch Lesen kann Inspiration sein. Es ist für mich ebenso wichtig wie das Schreiben. Ich fotografiere gerne, hauptsächlich Tiere, Landschaften und Blumen. Mit meinem Mann wandere ich oft und ausgiebig, was unserem Mäxchen sehr entgegenkommt. Außerdem koche und backe ich mit Leidenschaft, und das wiederum, kommt meinen Kindern gelegen. Gemeinsam mit meinem Mann bin ich ein Motorsportfan der Formel 1. Zu vielen anderen Dingen fehlt mir leider die Zeit.

Sylvia B.: Wie bist du zum Schreiben gekommen? Gab es dazu einen Anlass?

Rita Hajak: Bei mir hat es sich im Laufe vieler Jahre entwickelt. Bereits in der Schule gehörte ich zu den wenigen Begeisterten, die mit Vorliebe Aufsätze geschrieben haben oder Gedichte auswendig lernten. Später habe ich für meine Kinder Geschichten geschrieben. Nachdem meine Kinder in die Schule gingen und ich wieder berufstätig wurde, geriet die Schreiberei in den Hintergrund. Nachdem ich die letzten zehn Jahre mit meinem Mann auf der Insel Fehmarn verbracht hatte, sind dort zwei Bücher entstanden. Letztes Jahr zogen wir zurück nach Hessen in den Taunus. Und plötzlich kam die Idee einen Taunuskrimi zu schreiben, der auch im letzten Herbst erschienen ist.

Sylvia B.: Dein Krimi hat sich über Wochen in der Bestenliste gehalten, können deine Fans mit einem weiteren Krimi von dir rechnen?

Rita Hajak: Anfangs war es nur ein Versuch, mal etwas anderes zu schreiben. Dann hat es mir Spaß gemacht, mich im Krimimilieu zu bewegen. Mein Krimi »Mord im Hexenturm« hat eine enorme Resonanz gezeigt, die mich überraschte und natürlich auch erfreute. Deshalb habe ich mich entschlossen, einen weiteren Krimi zu schreiben, der wahrscheinlich im Spätsommer erscheinen wird. Im Allgemeinen schreibe ich über alles, was mich interessiert. Allerdings suche ich nicht danach, es muss mich finden.

Sylvia B.: Was sagt deine Familie dazu? Unterstützen sie dich bei deiner Arbeit?

Rita Hajak: Meine Kinder stehen längst auf eigenen Füßen und gehen ihren eigenen Weg. Sie finden gut was ich mache, zeigen aber weniger Interesse daran. Mein ältester Sohn hat sich jedoch bereit erklärt, das Manuskript des nächsten Krimis unter die Lupe zu nehmen. Mein Mann hingegen erteilt mir hin und wieder einen Rat, der sehr nützlich ist. Wenn ich an einem neuen Projekt schreibe, verlange ich ihm schon einiges an Toleranz ab, weil ich oft bis spät in die Nacht am Schreiben bin. Aber er akzeptiert es.

Sylvia B.: Woher beziehst du deine Inspiration?

Rita Hajak: Das ist unterschiedlich. Bei Spaziergängen mit meinem Hund klappt es ziemlich gut. Da werde ich nicht abgelenkt und kann meinen Gedanken nachhängen. Aber auch zuhause, wenn ich im Fernsehen ein Film anschaue, kann es passieren, dass ich aufspringe und schnell etwas in den PC tippe, was mir plötzlich den Sinn kommt. Ideen und Anregungen finden sich überall. Das kann genauso gut im Supermarkt, beim Bäcker oder beim Friseur sein. Und wie schon erwähnt, auch beim Lesen.

Sylvia B.: Zu deinem Hund Max gibt es eine besondere Geschichte, möchtest du sie unseren Leserinnen und Lesern kurz erzählen?

Rita Hajak mit Max
Rita Hajak: Es war Zufall, dass ich dieses kleine süße Gesichtchen im Internet entdeckt hatte und mich sofort in ihn verliebte. Von seinem übrigen Körper war nicht viel zu sehen. Ich konnte meinen Mann überreden 600 km weit zu fahren, um dieses Tierchen von einer Pflegestelle über »Tiere suchen ein Zuhause« abzuholen. Das war kurz vor Weihnachten vor sechs Jahren. Die Straßen waren dick verschneit, und die Fahrt ziemlich mühsam. Als ich den Kleinen zum ersten Mal im Arm hielt, war ich versöhnt. Er hatte so viel Schlimmes in seinen jungen Leben mitgemacht, war fast verhungert gefunden worden. Sein Fell war eine einzige Katastrophe, stellenweise gar nicht vorhanden. Die Pflegerin erzählte uns von der strapaziösen Fahrt von Polen nach Deutschland, wo sie außer diesem Kleinen noch andere Hunde gerettet hatte. Für mich stand fest: den gebe ich nicht mehr her. Nun mussten wir den weiten Weg wieder zurückfahren und kamen spät am Abend zuhause an. Für Mäxchen, wie ich ihn nannte, war alles vorbereitet. Anfangs war er sehr verängstigt, doch im Laufe der Zeit wurde er immer zutraulicher und hat sich zu einem tollen, fröhlichen Hund entwickelt. 

Sylvia B.: Wo arbeitest du am liebsten?

Rita Hajak: Da ich direkt in den PC schreibe, natürlich in meinem kleinen Büro, am Schreibtisch. Ich mag es nicht, auf Papier vorzuschreiben, und einen Wust von Notizzettel herumliegen zu haben. Die Ideen sind in meinem Kopf und bleiben da so lange, bis ich sie in die Tasten haue.


Sylvia B.: Wie sieht dein Arbeitsplatz aus?

Rita Hajak
Rita Hajak: Lach … Einfach! Ich mag nicht so viel Herumliegen haben, sondern nur das, was ich wirklich brauche. Zu viele Dinge lenken mich ab. Ein paar Bücher, die ich zum Schreiben benötige, eine Tasse Kaffee, die ich drei Mal am Tag brauche und meine Muse, Hundchen Max, der garantiert neben mir liegt, wenn ich am Schreibtisch sitze. Und was noch wichtig ist: der Blick nach draußen. Von meinem Platz aus kann ich durch das Fenster schauen und habe einen schönen Blick, der mich ebenfalls inspiriert und manchmal ein wenig träumen lässt.


Sylvia B.: Welche Ziele hast du dir für deine Arbeit als Autorin gesteckt?

Rita Hajak: Festgesteckte Ziele habe ich keine. Ich bin in einem Alter, wo ich frei und spontan meine Entscheidungen treffen kann. Deshalb werde ich den begonnenen Krimi aus der Region fertig schreiben. Was danach kommt? Ich werde warten, bis mich die Muse küsst, und dann weiterschreiben.


Sylvia B.: Wenn du einen Wunsch freihättest, was würdest du dir wünschen.

Rita Hajak: Ich äußere selten Wünsche und für mich schon gar nicht. Aber spontan würde ich sagen: Die Umwelt, unsere Natur ist das Wichtigste, was der Mensch braucht. Deshalb sollte alles was sie zerstören kann abgeschafft werden. Denn es ist zum größten Teil der Mensch, der verantwortlich ist, für das Sterben unseres Planeten. In seiner Hand liegt es eine Umkehr zu erwirken, wenn es nicht schon zu spät dafür ist. Aber wie sagt man so schön: »Es ist nie zu spät und selten zu früh«, also packen wir es an!

Liebe Rita, deinen letzten Sätzen kann ich mich nur anschließen und wünsche mir weiterhin eine kreative Zeit mit dir.

Sylvia B.


Besuchen Sie auch unser Nachrichtenblog!

Labels

Walter-Jörg Langbein (656) Sylvia B. (105) Osterinsel (79) Tuna von Blumenstein (46) Peru (34) Karl May (27) Nan Madol (27) g.c.roth (27) Maria Magdalena (22) Jesus (21) Karl der Große (19) Make Make (19) Externsteine (18) Für Sie gelesen (18) Bibel (17) Der Tote im Zwillbrocker Venn (17) Rezension (17) der tiger am gelben fluss (17) Autoren und ihre Region (16) Apokalypse (15) Vimanas (15) Atlantis der Südsee (13) Der hässliche Zwilling (13) Weseke (13) Blauregenmord (12) Nasca (12) Palenque (12) meniere desaster (12) Krimi (11) Pyramiden (11) Malta (10) Serie Teil meniere (10) Ägypten (10) Forentroll (9) Mexico (9) National Geographic (9) Straße der Toten (9) Lügde (8) Briefe an Lieschen (7) Monstermauern (7) Sphinx (7) Tempel der Inschriften (7) Winnetou (7) Lyrik (6) Marlies Bugmann (6) Mord (6) Märchen (6) altes Ägypten (6) 2012 - Endzeit und Neuanfang (5) Atahualpa (5) Hexenhausgeflüster (5) Mexico City (5) Mord in Genf (5) Satire (5) Thriller (5) Atacama Wüste (4) Cheopspyramide (4) Dan Brown (4) Ephraim Kishon (4) Hexenhausgeflüster- Sylvia B. (4) Leonardo da Vinci (4) Machu Picchu (4) Sacsayhuaman (4) Teutoburger Wald (4) große Pyramide (4) Meniere (3) Mondpyramide (3) Mord im ostfriesischen Hammrich (3) Mysterien (3) Sakrileg (3) Shakespeare (3) Bevor die Sintflut kam (2) Das Sakrileg und die heiligen Frauen (2) Friedhofsgeschichten (2) Goethe (2) Lexikon der biblischen Irrtümer (2) Markus Lanz (2) Münsterland-Krimi (2) Vincent van Gogh (2) Alphabet (1) Bestatten mein Name ist Tod (1) Hexen (1) Lyrichs Briefe an Lieschen (1) Lyrichs Briefe an Lieschen Hexenhausgeflüster (1) Mord Ostfriesland (1) Mord und Totschlag (1) Münsterland (1) einmaleins lernen (1) meniére desaster (1)