... bevor dieser wenig poetisch in einer Nacht von Samstag auf Sonntag geschah …
pyrrhus könig von epirus siegte und siegte er war ein großer krieger so groß dass man heute noch von ihm spricht es blieben nicht mehr viele die seine siege hätten feiern können zu groß waren die verluste und denen die übrig blieben dürfte die lust am feiern vergangen sein aber er hatte gesiegt und er war ein so großer krieger dass man noch heute von seinen siegen spricht
Bei diesem Werk handelt es sich um einen Kriminalroman. Etwaige Ähnlichkeiten oder Namensgleichheit mit real existierenden Menschen wären rein zufällig. Alle beschriebenen Handlungen sind an die Realität angelehnt.
Unter dem Pseudonym - Tuna von Blumenstein - hat die Autorin fünf Kriminalromane veröffentlicht:
Seit gestern Mittag sind in allen Wichteldörfern Notunterkünfte aufgebaut. Wie jedes Jahr, wenn Ihr Menschen Euer Osterfest feiert, sind wir Wichtel, und ganz besonders unsere Kräuterwichtel, rund um die Uhr im Einsatz, um völlig erschöpfte Hasen wieder zu Kräften zu bringen. In diesem Jahr ist es besonders schlimm. Frostschäden an Öhrchen und Pfötchen müssen versorgt werden. Nur damit Ihr bunte Eier in Schneenestern liegen habt!
Dann kommt erschwerend dazu, dass Ihr Menschen nichts unversucht lasst, den armen Hasen den Lebensraum immer weiter einzuschränken. Es werden immer weniger, darum müssen jetzt schon Kaninchen den harten Job mit verrichten. Die dürfen wir dann auch noch gesund pflegen. Ihr sollt Euch was schämen, das muss ich in aller Deutlichkeit sagen! Im nächsten Jahr wartet Ihr gefälligst auf wärmeres Wetter, wenn Ihr Ostern feiert.
Und wagt es nicht, jetzt wegzuklicken, ich bin mit meiner Ansage noch lange nicht fertig! Mord in Genf zeigt uns Wichteln auf, wie Ihr mit Eurer eigenen Spezies umgeht. Jeder Wichtel wird frei geboren. Bei Euch Menschen scheinen nur Eure Gedanken frei zu sein. Für uns gibt es den Begriff Macht nicht, wir kennen nur Verantwortung. Politik ist für Euch ein Geschäft. Wir kennen nur die Sorge füreinander und das Miteinander. Und alles dreht sich bei Euch ums Geld!
Um Missetaten legt Ihr schnell das Deckmäntelchen, meint damit Unrecht vergessen zu machen. Statt Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen, geht Ihr ganz schnell zur Tagesordnung über. Wie gut, dass es aber auch bei Euch Menschen gibt, die dazu nicht bereit sind. Es hat mich sehr betroffen gemacht, als ich in dem Kriminalroman lesen musste, wie mit Kindern verfahren wurde. Zwangsadoptionen. Wie furchtbar ist das. Kinder zu »sozialistischen Persönlichkeiten« zu erziehen, was immer das bedeutet hat, es kann nichts Gutes dabei herausgekommen sein.
Zwangsenteignungen. Das eigene Volk ausplündern, um Geld, Devisen, ins Land zu bringen. Damit die Machthabenden weiter ihr eigenes Volk unterdrücken konnten. Für diese Devisen auch noch zu morden. Wie schäbig ist das. Und dann fällt diese Mauer und alles ist plötzlich ganz anders. Was mag aus den Mitwissern geworden sein? Wie mag ein junger Mensch mit einer solchen Situation umgehen, wenn aus einer Dienstverpflichtung plötzlich die Beteiligung an einem Mord geworden ist, weil eine Mauer eingestürzt ist?
Versetzt Euch auch in die Lage der Kinder des Opfers. Es reichte nicht, den Vater zu morden, es wurde auch der Ruf gemordet. Mord auf ganzer Linie. Dafür solltet Ihr Euch wirklich schämen. Mord in Genfein Kriminalroman, der uns Wichtel bis ins Mark erschüttert hat. Kaufen! Lesen! Weiterempfehlen! Es könnte nicht schaden!
Bei diesem Werk handelt es sich um einen Kriminalroman. Etwaige Ähnlichkeiten oder Namensgleichheit mit real existierenden Menschen wären rein zufällig. Alle beschriebenen Handlungen sind an die Realität angelehnt.
Unter dem Pseudonym - Tuna von Blumenstein - hat die Autorin fünf Kriminalromane veröffentlicht:
Mit einem Presseausweis des Allgemeinen Deutschen Nachrichtendienstes der DDR versehen, reiste Wilhelm Schulz, Oberst in der Nationalen Volksarmee, im Jahre 1965 nach Nordvietnam: Offiziell als Kriegsberichterstatter, was schon eine Besonderheit darstellte, denn übliches Prozedere in der damaligen Zeit war es, nur Ehepaare zur Berichterstattung ins Ausland zu verschicken.
Major Schulz war Spezialist für den Einsatz von Luftabwehrraketen und stand der Nordvietnamesischen Volksarmee als Berater zur Verfügung.
Er lernte Nguyễn Thị Đào kennen und lieben, Đào, was Pfirsich bedeutet, wurde seine Frau. 1967 wurde ihr gemeinsamer Sohn geboren, den das Paar Hùng, Held, nannte.
Schulz lernte Hồ Chí Minh kennen. Und kurz darauf auch die Schrecken des Stellvertreterkrieges zwischen Sozialismus und Imperialismus hautnah, als im Frühjahr 1970 ein US-Jagdbomber im Tiefflug Kanister mit Napalm in seiner unmittelbaren Nähe abwarf, um flächendeckend ein Flammenmeer entstehen zu lassen. Schulz hatte sich schützend auf seine junge Frau und das Kind geworfen. Die Brandwaffe Napalm haftete als zähflüssige, klebrige Masse an ihm und seiner Familie. Sie ließ sich nicht mit Wasser löschen und fraß sich mit einer Temperatur von 800° Celsius in das Hautgewebe der Verletzten ein.
Die Familie wurde ausgeflogen und im Militärkrankenhaus der NVA in Ostberlin behandelt. Đào entstellten die Brandnarben die rechte Gesichtshälfte und die entsprechende Körperseite bis zum Fuß. Schulz hatte den Rücken verbrannt und auch Brandnarben im Gesicht. Um beide Leben kämpften die Ärzte. Hùng behielt seine Narben am Arm zurück.
Nach seiner Genesung blieb die Familie in der DDR.
Schulz, wegen besonderer Verdienste zum Oberstleutnant befördert, bildete an der Offiziershochschule Angehörige der Vietnamesischen Volksarmee aus. 1975 brachte Đào ein schwerstbehindertes Mädchen zur Welt. Die Augen waren nicht ausgebildet, wie auch die Ärmchen nur aus Stümpfen bestanden. Das Kind starb wenige Monate nach der Geburt.
Agent Orange, von Januar 1965 bis April 1970 als Entlaubungsmitteln durch die US-Luftwaffe in Vietnam eingesetzt, wurde von den Ärzten als Ursache und Spätfolge vermutet.
Dass das mit Dioxinen verunreinigte Agent Orange nicht nur das Erbgut schädigte, sondern auch krebserregend war, erfuhr die Familie in den nächsten Jahren. Im Jahre 1980 starb Đào an Krebs. Hùng war 16 Jahre alt, als auch sein Vater mit militärischen Ehren zu Grabe getragen wurde. Als Angehöriger eines hochrangigen Mitglieds der NVA genoss Hùng eine Schulausbildung, die auf einen militärischen Einsatz hinarbeitete.
Erwin hatte Hùngs Akte vor sich liegen und studierte sie aufmerksam. Es war ein nasskalter Februartag des Jahres 1985, als er dem diensthabenden Leiter des Militärgefängnisses in Berlin gegenübersaß. Vietnamesen bildeten als Leiharbeiter des sozialistischen Bruderstaates eine der größten ausländischen Bevölkerungsgruppen in der DDR. Mit einem dieser Leiharbeiter war Hùng in Streit geraten und hatte ihn mit einem gezielten Schlag an die Schläfe getötet.
»Er war mit dem Opfer alleine angetroffen worden, eher zufällig kamen zwei Genossen des Wachregimentes an der Stelle vorbei. Hùng hat sich ausgewiesen als Angehöriger eines Mitglieds der NVA. Die beiden nahmen ihn dann mit und er wurde hier abgeliefert. Weitere Zeugen waren nicht vorhanden.«
Ein unerwarteter Fund bringt Unruhe in das beschauliche
Leben von drei älteren Damen.
Bei dem Fund handelt es sich um ein Buch, das vor fast 25
Jahren von einem jungen Mann geschrieben wurde.
Das Werk eines Wichtigtuers?
Eines Aufschneiders?
Oder der Versuch eines jungen Mannes, traumatische
Ereignisse zu verarbeiten?
Oder die besondere Form, eine Lebensversicherung
abzuschließen?
Oder alles zusammen?
Die Autorin Tuna von Blumenstein zieht den Leser in die Zeit
des Kalten Krieges. Sie lässt Opfer zu Tätern, Täter zu Opfern werden. Was ist
Fiktion, was ist Realität?
Leseprobe:
Die
Polizeisirenen schrillten, der Schall prallte von den Häuserwänden ab, erzeugte
eine harte Kakofonie und fügte sich in das Chaos ein, am Schauplatz des Geschehens.
Der Platz vor dem Hotel war durch Flatterband abgesperrt. Polizisten sicherten
und ließen nur Berechtigte in den geschützten Bereich. In dem wimmelte es von Beamten
in Uniform und Zivil. Schaulustige hatten sich eingefunden.
Es
war an einem Sonntag im Oktober des Jahres 1987.
Etwas
abseits stand ein junger Mann. Er blickte apathisch auf die Szenerie. Sein
lichtes Haar war ungekämmt. Um die Augen hatte er dunkle Ränder. Seine Wangen
wirkten eingefallen. Er war nicht rasiert und machte insgesamt einen
ungepflegten Eindruck.
»Mein
Junge, du bist ja immer noch hier!«
Ein
älterer Mann legte die Hand auf die Schulter des Jüngeren. Der wandte seinen
Blick, wollte die Hand mit einer Bewegung wegwischen. Aber die Finger des
Mannes krallten sich schmerzhaft in seinen Schultermuskel.
»Ich
bin nicht Ihr Junge, lassen Sie mich los, Sie tun mir weh!« zischte der
Jüngere. Sein Blick fiel auf die Karte, die der Mann an seiner Brusttasche
festgesteckt hatte. Es war ein Presseausweis. Ausgestellt durch den Allgemeinen
Deutschen Nachrichtendienst auf den Namen Wilhelm Schubert.
»Alexander,
du siehst völlig erledigt aus, komm, lass uns zum See gehen und dort weiter
sprechen.«
Schubert
flüsterte. Dann löste er den Klammergriff und Alexander rieb sich die Schulter.
»Komm
schon, oder möchtest du auf dich aufmerksam machen?«
Alexander
folgte Schubert. Sie ließen die Sirenen hinter sich. Als beide an der Promenade
ankamen, war diese von Menschen verlassen. Still ruhte der See.
»Was
gibt Ihnen die Sicherheit, dass ich nicht zur Polizei gehe und alles erzähle?«
Schubert
lachte. »Nur zu, wenn dir danach ist! Reihe dich in die lange Warteschlange der
Spinner ein, die überall Verschwörungen wittern! Je nach Prominenz eines Toten
gehen bis zu 1.000 verrückte Meldungen ein!« Er blickte über den See und fügte
an: »Nach einem solchen Ereignis.«
»Es
war Mord! Etwas anderes wird bei der Untersuchung nicht herauskommen! Sie
kommen damit nicht durch!«
Alexander
hielt die Hände vor sein Gesicht und wiederholte: »Es war ein feiger Mord! Und
Sie sind ein Mörder!«
Schubert
atmete schwer aus, blickte auf den See und erwiderte: »Alexander. Ich bin
Soldat und kein Mörder! Und ich garantiere dir, dass die Ermittler die Akten
schließen werden! Weil es Selbstmord war! Die Behörden ermitteln nicht weiter,
wenn es um Ereignisse in Geheimdienstkreisen geht. Das ist so, glaube mir!«
»Irgendjemand
wird sich erinnern! Vielleicht sogar an Ihren Namen! Was machen Sie dann?«
Trotzig sah Alexander den Mann an. Der lachte nur und antwortete: »Es gibt
keinen Wilhelm Schubert beim Allgemeinen Deutschen Nachrichtendienst!«
Alexander
sah den Mann an. Der war unrasiert. Hatte etwas Schäbiges an sich. Er wirkte
wie ein Penner. Außerdem roch er nach Schnaps. Angewidert wendete sich der
junge Mann ab.
Mehr
zu sich selbst sagte er leise: »Dann heißt sie auch nicht Katja?!«
»Nein,
sie heißt nicht Katja und auch nicht Schubert und sie ist auch nicht die Nichte
von Liz!«
Alexander
sah auf den See.
»Was
hat er Ihnen denn getan? Warum musste er sterben?«
»Mir
hat er nichts getan, ich kannte ihn nicht! Ich bin Soldat. Ich bekomme einen
Befehl, den befolge ich und frage nicht, nach dem ›Warum‹. Gut, ich habe freie
Hand bei der Umsetzung. Das hätte ich auch anders machen können. Aber ich habe
mir das gerade so überlegt, wie es gemacht worden ist. Das Endergebnis zählt!«
Er
sah Alexander an, der ihn fassungslos betrachtete, und beantwortete dann die
zweite Frage.
»Vermutlich
hat er Zicken gemacht. Er war ja gewarnt. Als er merkte, dass seine Reputation
demontiert wird, hätte er zurückrudern können. Das hat er nicht getan!«
Dann
griff er in seine Tasche, holte einen Flachmann heraus, öffnete den Verschluss
und nahm einen Schluck. Bot ihn Alexander an, der angewidert abwinkte.
Gleichmütig zuckte er kurz mit den Schultern, dann fuhr er fort:
»Soll
ich dir jetzt die große Politik erklären? Es ist halt glattes Parkett, auf dem
sich Politiker bewegen. Ab einer bestimmten Größenordnung wird es gefährlich.
Vermutlich sollte ein Exempel statuiert werden. In Zukunft dürfte es keine
Schwierigkeiten mehr geben. Oder meinst du, es will noch jemand so enden, wie
er? Sein Ruf ist über seinen Tod hinaus ruiniert. Und das wird auch so
bleiben!«
Beide
schwiegen sich an und sahen auf den See.
Nach
einer Weile wandte sich der ältere Mann wieder an Alexander.
»Du
siehst aus, als könntest du ein Frühstück vertragen.«
Alexander
schüttelte zornig den Kopf.
»Die
Ereignisse waren zu viel für dich. Das kann ich verstehen. Und du hast
Liebeskummer, das sehe ich dir an.«
Alexander
schwieg.
»Möchtest
du sie denn wiedersehen?«
Der
junge Mann überlegte kurz, bevor er schweigend nickte.
Ein unerwarteter Fund bringt Unruhe in das beschauliche Leben von drei älteren Damen.
Bei dem Fund handelt es sich um ein Buch, das vor fast 25 Jahren von einem jungen Mann geschrieben wurde.
Das Werk eines Wichtigtuers?
Eines Aufschneiders?
Oder der Versuch eines jungen Mannes, traumatische Ereignisse zu verarbeiten?
Oder die besondere Form, eine Lebensversicherung abzuschließen?
Oder alles zusammen?
Die Autorin Tuna von Blumenstein zieht in ihrem neuen Kriminalroman Mord in Genf den Leser in die Zeit des Kalten Krieges. Sie lässt Opfer zu Tätern, Täter zu Opfern werden.
Was ist Fiktion, was ist Realität?
Hier eine Leseprobe
Wie alles begann.
Helma liebt Bücher und ihren Kater. Der heißt Taxi. Eine interessante Anrede für einen Kater. Taxi ist Freigänger und er hört auf seinen Namen. So steht Helma allabendlich vor ihrer Haustür und ruft: ›Taxi!‹
Das brachte sie schon hin und wieder in merkwürdige Situationen. Aber mittlerweile haben sich die Nachbarn und auch die Taxiunternehmen an Helma und ihren Kater gewöhnt.
Ohne ihren geliebten Kater Taxi im Haus und ein Buch, das sie als Abendlektüre mit in ihr Bett nimmt, kann Helma nicht einschlafen. Muss ich erwähnen, dass sie am liebsten Kriminalromane liest? Ihr Wohnzimmer gleicht einer Bibliothek. An den Wochenenden besucht sie die Flohmärkte der Umgebung. Denn Helma liebt alte Bücher. Kriminalromane, die vor langer Zeit geschrieben wurden, kleine Schätze und Kostbarkeiten. So ist ein solcher Flohmarktbesuch auch immer eine Schatzsuche für sie.
Auf die Idee mit den Büchern habe ich sie gebracht. Helma brauchte eine Aufgabe und sie brauchte Beschäftigung, als ihre Kinder das Haus verließen. Hiltrud, eine gemeinsame Freundin, hatte ihr dann irgendwann den Kater geschenkt. Wir treffen uns regelmäßig freitags zu Kaffee und Kuchen bei Helma. Immerhin kocht sie den besten Kaffee im ganzen Umkreis.
Es war im Spätsommer des Jahres 2011. Diese Kaffeevisite ist mir in bleibender Erinnerung geblieben.
»Am letzten Wochenende war ich in Münster auf dem Flohmarkt. Stellt euch vor! Ich habe eine Kiste Bücher für fünf Euro gekauft!«
Der Gelegenheitskauf, den Helma auf dem Flohmarkt getätigt hatte, brachte ein besonderes Buch zutage.
»Schaut Euch das mal an! Er berichtet, dass er den Mord hautnah erlebt hatte. Für mich war immer klar, dass das kein Selbstmord war! Ich habe mir meinen gesunden Menschenverstand nicht nehmen lassen!«
Wie ein Prediger hielt sie ein Buch in die Höhe, das ich ihr umgehend aus den Händen nahm. Offenbar war es als Eigenverlagspublikation erschienen, wie ich dem Impressum entnehmen konnte. Stutzig machte mich die Auflage. Sie war mit 1-78 Tausend beschrieben. Vor 23 Jahren wurde es veröffentlicht.
Mein Interesse als Krimiautorin war natürlich geweckt. Dass Hiltrud auch ein Krimifan ist, brauche ich nicht extra zu erwähnen. So saßen wir alten Krimitanten an diesem denkwürdigen Tag bis in die Nacht hinein in Helmas Küche, lasen uns aus dem Roman vor, machten Stichpunkte und überlegten, wie wir unsere Erkenntnisse umsetzen sollten.
Hiltrud fasste ihre Ergebnisse in kurzen Worten zusammen: »Das ist das Werk einer überbordeten Persönlichkeit. Das hat ein Wichtigtuer geschrieben, der sich auf problematische Art und Weise interessant machen wollte!«
Umgehend meldete Helma Protest an: »Meine Kinder sind mir bis heute dankbar, dass sie mit mir über alles reden konnten und können. Ich habe sie immer ernst genommen, mit all ihren großen und kleinen Problemen. Wir sollten auch diesen jungen Mann ernst nehmen!«
Hiltrud seufzte. »Dieser Autor hat Schulaufsätze ausgegraben und mit Kommentaren versehen!«
»Du musst zwischen den Zeilen lesen, Hiltrud. Er schreibt auch über seine Eltern. Der Vater interessiert sich nicht für ihn und der Mutter ist nur wichtig, dass er die Schuhe auszieht, wenn er das Haus betritt.«
Es war Helma anzusehen, dass sie nach passenden Erklärungen suchte. Sie fand auch eine und teilte sie uns mit: »Jetzt sage ich euch meinen Lieblingsspruch, eine alte Indianerweisheit: ›Großer Geist, bewahre mich davor, über einen Menschen zu urteilen, ehe ich nicht eine Meile in seinen Mokassins gegangen bin.‹ Dieses Buch kann nur verstehen, wer sich in die Gefühlswelt eines 18 jährigen Mannes hineinversetzt. Das habe ich getan und habe einen tiefen Schmerz gespürt, der sich durch jede Zeile zog.«
Nachdem sie ihre Worte auf uns wirken gelassen hatte, sprach sie weiter: »Mit 18 Jahren sollten junge Leute Flausen im Kopf haben und nicht solche Bücher schreiben! Dieser junge Mann muss ein ganz schlimmes Erlebnis gehabt haben. Und konnte sich nur dem Papier anvertrauen. So sehe ich das!«
Nun war meine Meinung gefragt. Ich studierte meine Notizen.
»Ich gebe dir recht, Hiltrud. Es sind auch aus meiner Sicht Aufsätze eingearbeitet worden. Aber es kommt mir so vor, als wenn die nur der Verschleierung dienen. Mein erster Eindruck von den Texten ist der, dass dieser junge Mann eine Art Versicherung durch dieses Buch abgeschlossen hatte. Es ist sehr kryptisch geschrieben. Das Wort ›Lebensversicherung‹ wird mir zu oft erwähnt. Dafür spricht auch dieser merkwürdige Hinweis über die Auflage im Impressum.
Mein zweiter Eindruck ist der, und da gebe ich Helma recht, dass dieser junge Autor schwer traumatisiert war, als er das Buch geschrieben hatte. Dieses Trauma versuchte er zu verarbeiten. Scheinbar konnte er sich wirklich niemandem anvertrauen. Was mich sehr stutzig macht ist, dass er über Dinge schreibt, die zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt waren. Diese Informationen kann er nicht aus dem Fernsehen oder den Zeitungen bezogen haben.«
Taxi lag zusammengerollt auf seinem Katzensofa. Ich betrachtete ihn, wie er friedlich schlief. Leise sprach mich Helma an: »Wenn es so war, wie der junge Mann es beschrieben hatte, wird er dieses Trauma bis heute mit sich herumschleppen!«
Diese Aussage musste auch Hiltrud traurig abnicken.
»Helma, selbst wenn wir ihn ernst nehmen und es war so, wie er es schildert, was sollen wir praktisch in der Sache tun?«
Hiltrud sah mich mit großen Augen an, bevor sie sagte:
»Mache einen Krimi daraus!«
Nachdenklich betrachtete ich den Umschlag des Buches.
»Wenn es das Werk eines Wichtigtuers war? Wenn es doch ganz anders geschah? Der Mord ist bis heute nicht geklärt!«
Spontan meldete sich Hiltrud zu Wort.
»Dann sollte sich jeder Wichtigtuer überlegen, was er in gedruckter Form auf den Markt bringt. Es könnte ja sein, dass irgendwann eine Krimiautorin das Werk in die Finger bekommt und ihn ernst nimmt. Und spätestens dann bringt ihm seine Aufschneiderei ein Problem ein!«
Auf seinem Sofa reckte sich Taxi, um sich umgehend wieder einzurollen.
Helma legte ihre Hand auf meine.
»Wenn wir genau hinschauen würden, könnten wir feststellen, dass wir uns nach dem Krieg eine Scheuklappe vor das rechte Auge, und nach der Wende, eine auf das linke Auge gesetzt haben. Dass uns das sehbehindert macht, haben wir noch nicht bemerkt. Und dazwischen sollten wir um unseren gesunden Menschenverstand gebracht werden! Und der hat gesagt: Es war ein Mord!«
Das gab Hiltrud und mir zu denken.
»Es könnte so geschehen sein, oder anders. Darum schreibe doch auch über diese Zeit. Die Zeit, als der Kalte Krieg tobte. Es ist so viel Unrecht geschehen, das bis heute nicht gesühnt worden ist. Es gab zu viele Opfer. Und sehr viele Täter, die nie zur Rechenschaft gezogen wurden. Denke an diese Menschen und dann schreibe einen Krimi. Schreibe über die Opfer, die zu Tätern, und die Täter, die zu Opfern wurden. Es ist doch nur ein Krimi. Du könntest auf den letzten Seiten ein UFO im Genfer See versinken lassen! Was soll denn passieren? Schreib einfach:
Das ist ein Krimi, in dem fast alles frei erfunden ist!« ...