… wobei ich doch alles persönlich nehme …
… »Es ist völlig normal, entnervt zu reagieren. Genau dann wenn festgestellt wird, dass man irgendwie Mist gebaut hat. Und natürlich dann, wie ich es auch tue, sich darüber zu ärgern. In dem konkreten Fall war das einfach darin begründet, weil ich mal wieder, natürlich nur wieder typisch für mich, als nützliche Idiotin funktioniert habe. Es ging nicht um eine fremde Macht oder irgendeine Ideologie. Es war eine Bitte, mit der sich ein Anwalt an mich wandte.
Es ging damals um den Prozess, der zu dem Zeitpunkt noch geführt wurde. Es ging um den Ehemann. Als Jäger wusste er schon, wo er bei seiner zweiten Ehefrau zustechen musste. Die Klinge war seinerzeit 15cm lang, Edelstahl und die Klinge war scharf. Er stach in den Schulter-Hals-Bereich, gleich zweimal. Einer der Stiche sollte eine Arterie verletzen. Flucht war ihr nicht möglich, darum traf ein weiterer Stich im Rücken ihre Lunge. So konnte sie nur noch Blut einatmen. Es fiel ihm nicht schwer, sie in die Badewanne zu stoßen.
Das Jagdmesser legte er in das Waschbecken, setzte sich auf den Deckel der Toilette und redete mit ihr. Sie konnte nicht mehr sprechen, ihre Augen waren weit aufgerissen und sie kämpfte um ihr Leben. Den Kampf hatte sie irgendwann verloren. Es waren Minuten, die aber für sie zu einer Ewigkeit wurden. Vermutlich für alle, die so sterben müssen.
Als sie tot war, erhob er sich. Über ihr Gesicht warf er ein Handtuch. Er wusch sich die Hände und lies das Wasser auch über das Messer laufen. Er hatte keine Lust, es zu reinigen. Die Polizei braucht das, es sah aber auch gut aus, ihre Haare waren direkt auf dem Messer zu sehen, so dachte er.
Nun wusste ich, dass er seine Ehefrau tötete, wie er das aber getan hat, wusste ich nicht.
Zu dem Zeitpunkt hatte er eine Geliebte, die ihrerseits vorhatte, ihren Ehemann zu verlassen.
Kontakt habe ich damals mit einem kompetenten »Sprachprofiler«, dessen Arbeitsgebiet die kriminalistische Analyse von Schriftstücken, die er auf verräterische Sprachspuren untersuchte. Was der Anwalt des Täters erfuhr und mich darum bat, das vom Ersuchen des Landgerichtes erstellte psychiatrische Gutachten, dem renommierten Profile zum »überlesen« zukommen zu lassen. Der Fachmann war natürlich interessiert.
So erhielt ich per Mail die 38 Seiten des Gutachtens, was ich umgehend an den entsprechenden Fachmann weitersendete. Gedanken darüber, dass vielleicht Verschwiegenheitspflicht des Rechtsanwaltes bestand, machte ich mir nicht. Außerdem gilt für Gerichtsgutachten, dass das staatliche Interesse an der Sachaufklärung überwiegt. Er hatte das Gutachten schnell gelesen. Er rief mich an, sprach von der Geliebten, meinte, sie sei wohl meine beste Freundin und eigentlich müsste sie neben dem Mörder sitzen. Alles Weitere würde er mit dem Anwalt besprechen.
Spätestens nach diesem Telefonat wäre es richtig gewesen dieses Gutachten zu lesen, zumal, dass ich ihre Freundin gewesen sein sollte, wusste ich nicht. Dass sie neben ihm hätte sitzen müssen, wurde mir viel später nach der Lektüre auch klar. Warum ich das nicht gemacht habe, weiß ich nicht mehr. Aus meiner Sicht viel zu spät kam die Einsicht. Es war schon ein großer Wust, der auf mich wirkte. Zu der Erkenntnis, dass es nicht gut ist, sich mit Mördern anzulegen, kam mir auch sehr spät.
Jetzt kommt natürlich die Frage, was dieser Mörder und seine Geliebte mit dem Kinderschänder, dessen Frau und deren Anwalt zu tun haben. Natürlich lernten die sich kennen und eine gemeinsame Feindin hatten die mittlerweile auch: das war ich! Von außen betrachtet, unterscheiden sich die Persönlichkeiten ganz deutlich. Wie es auch schon im 4. Jahrhundert v. Chr. als Militärstrategien verwendet wurde: »Der Feind meines Feindes ist mein Freund«. So einfach ist das.
Für mich ließ sich das deutlich in diesem Gutachten erkennen, was ich mir irgendwann vornahm. Es wurde ein Abschiedsbrief handschriftlich von dem Täter erstellt. Betitelt als »Meine letzten Worte«, lies er seine Wut auf seine Frau aus. Dann wäre sein Kind, sein Junge, vor einiger Zeit vergewaltigt worden. Danach war der Junge nur noch ein Mama-Kind und er hatte ihn verloren. Es wäre ein junger Mann gewesen, dessen Eltern gehörte eine Firma. Mit denen habe er ein gutes Verhältnis gehabt. Sie nahmen das Ganze auf ihre leichte Schulter. Darum wurde diese Sache nicht zur Anzeige gebracht.
Später fand in der JVA eine Untersuchung statt. Es war eine »Vorgeschichte«. Irgendwann, mit der Bemerkung: »Ganz vergessen – Er habe noch gar nicht erzählt« erwähnte er, den Missbrauch von seinem Sohn vor drei Jahren, aber der Täter war unter 14, ein jugendlicher Erntehelfer, Sohn eines Jagdfreundes von ihm. Sein Sohn hatte sich ihm offenbart. Die Mutter des Sohnes habe ihn vor heftigen Reaktionen abgehalten. Der Hausarzt hat entsprechenden Verletzungen bei dem Kind festgestellt. Zu einer Anzeige sollte es nicht kommen, wie sich entsprechenden Psychologen äußerten.
Aus meiner Sicht war es natürlich nicht mehr möglich, dazu eine klare Aussage zu finden. Der Junge wird schweigen, seine Frau lebt nicht mehr, die kann dazu auch nichts mehr mitteilen. Er ist eh davon ausgegangen, dass er vielleicht 4 Jahre Knast bekommen wird. Davon sitzt, bzw. liegt er etwas über 2 Jahre. In der Zeit wollte er seinen Krebs behandeln lassen. Er kannte sich aus, es war der zweite Mal, dass er Krebs hatte. Nun hatten die zuständigen Richter/innen dieses Gutachten schon vor mir gelesen. Mit dem, was dort noch so stand, erhielt er eine 10-jährige Haftstrafe für den Totschlag an seine Ehefrau.
Wenn ich mich richtig entsinne, ist er nach der Halbstrafe vorzeitig entlassen worden. Zu seiner Geliebten wollte oder konnte er nicht ziehen. So erhielt er eine Wohnung direkt in meinem benachbarten Dorf.
Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, dann hätte ich mit Sicherheit ganz früh den Kontakt zu dem späteren Mörder und seiner Geliebten abgebrochen. Damit würde ich mir viel Ärger und auch Gesundheitsschädigung ersparen können. Der Anwalt, der Kinderschänder, der Mörder und das Umfeld richten gemeinsam deutlichen Schaden an und haben das tatsächlich auch gemacht …«
Der 6. Kriminalroman, der in »Ich-Form« entsteht, der als Münsterland-Kriminalroman auf wahren Begebenheiten basiert.
2. Leseprobe: Das missbrauchte Kind
3. Leseprobe: Der Pädophile, das Elefantengedächtnis und das missbrauchte Kind
4. Leseprobe: Der Kinderschänder, seine Frau und deren Anwalt
5. Leseprobe: Al Capone, der Kinderschänder und deren Anwälte
6. Leseprobe: Die Macht der Kinderschänder
7. Leseprobe: Ein Auto, ein Unfallbetrug, der Kinderschänder und sein Anwalt
8. Leseprobe: Der Anwalt, sein Kinderschänder und die Kirche
»Der Mörder und der Kinderschänder«
»Der Mörder und der Kinderschänder«
Ein Münsterland-Kriminalroman, der auf wahren Begebenheiten basiert.
Bei diesem Werk handelt es sich um einen Kriminalroman. Etwaige Ähnlichkeiten oder Namensgleichheit mit real existierenden Menschen wären rein zufällig. Alle beschriebenen Handlungen sind an die Realität angelehnt.
»Der Tote im Zwillbrocker Venn« 2010
»Der hässliche Zwilling« 2011
»Mord in Genf« 2012
»Blauregenmord« 2013
»Der hässliche Zwilling« 2011
»Mord in Genf« 2012
»Blauregenmord« 2013
und
Krimis der Tuna vB auch als eBook


