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Sonntag, 14. Februar 2010

Im Gespräch mit Ephraim Kishon - Teil 4

Walter-Jörg Langbein
4. und letzter Teil


Mein ausführliches Interview habe ich mit einem Diktiergerät im Hotelzimmer des großen Satirikers Ephraim Kishon in Frankfurt aufgezeichnet und dann Wort für Wort zu Papier gebracht. Das wortgetreue Manuskript legte ich Ephraim Kishon vor: Vor rund 25 Jahren sandte ich es ihm nicht etwa per E-Mail, sondern nach alter Väter Sitte per Briefpost an seine Schweizer Adresse in Zürich. Ephraim Kishon antwortete mir umgehend, wiederum per Brief:

»Lieber Walter-Jörg! Vielen Dank für das eingeschickte Manuskript. Ich habe einige Änderungen angebracht, aber viel wichtiger ist es, dass Sie dieses Interview sprachlich umschreiben sollen. Deutsch ist, wie Sie wissen, nicht meine Muttersprache.... Bitte verleihen Sie dem Schriftstück den notwendigen Stil eines Schriftstellers.«

Die von mir leicht überarbeitete Fassung des Interviews sagte Ephraim Kishon dann zu. Am 22.3.1985 schrieb er mir:

»Lieber Walter-Jörg Vielen Dank für Ihren Brief vom 17.3.1985 und das ausgezeichnete Interview, sowie den übergeschnappten Leserbrief.
Ich danke Ihnen herzlichst für die schöne Sprache, die Sie mir in den Mund gelegt haben. Es ist auch eines der seltenen Interviews, in dem meine Meinung korrekt und interessant wiedergegeben worden ist.

Ich bin sehr zufrieden damit, dass meine Menschenkenntnis mich nicht getäuscht hat. Sie sind wirklich meines Vertrauens würdig, das Sie von der ersten Minute an genossen haben. Wenn Sie in Zukunft noch etwas Ähnliches mit mir machen möchten, finden Sie immer offene Türen.
Inzwischen meine besten Grüße.
Ihr
Ephraim Kishon.«

Zu einem zweiten, ähnlich ausführlichen Interview ist es leider nicht mehr gekommen. Aber wir begegneten uns über Jahre immer wieder am Rande der Frankfurter Buchmesse. Manches Gespräch haben wir geführt. Manches Mal haben wir auch schweigend und schmunzelnd den Messetrubel beobachtet. Ein Erlebnis ist mir besonders gut erinnerlich.... Ephraim Kishon hätte es gewiss weit besser beschreiben können.

Schimpfend näherte sich ein Fernsehteam, bestehend aus Kameramann, Tontechniker und einem wortgewandten Interviewer. Ein Scheinwerfer wurde mit viel Geschick aufgehängt. Eine Kamera wurde sorgfältig in Position gebracht. »Musste das denn heute auch noch sein?« schimpfte einer der Fernsehleute. »Da denkt man, man hat Feierabend... und dann heißt es, schnell, schnell der Lange kommt. Und schon muss man springen und machen!« Dem lautstarken Gespräch der Fernsehleute war zu entnehmen, dass sie auf Helmut Kohl, den damaligen Bundeskanzler, warteten. Die zusätzliche Arbeit verrichteten die Männer allem Anschein nach höchst ungern. Und sie sparten nicht mit Kraftausdrücken, um ihrem Unmut Ausdruck zu verleihen.

Plötzlich war es soweit. Ein Menschenknäuel waberte förmlich heran. Ängstliche Buchhändler wichen aus. Verlagsangestellte suchten Schutz hinter Büchertischen. Finster und bedeutsam zugleich dreinblickende Herren in Anzügen waren sofort als Sicherheitsleute zu erkennen. Ihre Jacketts waren seltsam ausgebeult. Die Sicherheitsprofis sondierten das nähere und weitere Umfeld. Ihre Augen müssen so scharf wie die berüchtigten Nacktscanner gewesen sein. Die Herren nickten sich schließlich zuversichtlich zu. Aus der Mitte dieses »Gruppenwesens«, das sich wie eine aus unzähligen Leibern bestehende größere Einheit durch das dichte Gewühl des Messegeländes bewegte, löste sich endlich eine hohe Gestalt. Sie überragte alle anderen um mindestens eine Haupteslänge.

Und just jene Herren, die eben noch aus tiefstem Herzen über den Kanzler geschimpft und derbe Ausdrücke für ihn gefunden hatten, verwandelten sich urplötzlich um Musterbeispiele übertriebener Höflichkeit: »Wenn der Herr Bundeskanzler sich für einen kurzen Moment hierher bemühen wollen...« Helmut Kohl erspähte Ephraim Kishon. »Einen wunderschönen Tag, Herr Kishon!« strahlte er und schüttelte Ephraim Kishon die Hand. »Und wie heißen Sie?« fragte mich der Kanzler. »Und wo sind Sie gebürtig?«

Während Helmut Kohl nun auch mir die Hand drückte antwortete ich: »Walter Langbein. Aus Michelau bei Lichtenfels....« Der Kanzler nickte freundlich. »Ein Franke!« Und schon wanderte die hohe Gestalt, umringt vom wabernden Tross, weiter. Mürrisch wurden Scheinwerfer und Kamera abgebaut. Und jener Herr, der eben noch so überhöflich dem Kanzler gegenüber aufgetreten war, verwandelte sich wieder in einen schimpfenden mürrischen Mitarbeiter eines Fernsehsenders, der kein gutes Haar an Helmut Kohl lassen wollte.

»Sind Sie ein guter Beobachter, Herr Kishon?« habe ich einmal den großen Satiriker gefragt. Ephraim Kishon antwortete: »Um ein halbwegs brauchbarer Satiriker zu sein, muss man gut beobachten können. Und wenn man gut beobachten kann, muss man Satiriker sein. Sonst wäre die Realität oft nicht zu ertragen.«

Ephraim Kishon, eigentlich Ferenc Hoffmann, wurde 1944 in das Arbeitslager Jolsva, Slowakei, verschleppt. 1945 konnte er aus einem Gefangenentransport nach Polen fliehen. So entging er knapp dem sicheren Tod. Ephraim Kishon lebte einige Zeit in Ungarn. Die Lebensverhältnisse unter der kommunistischen Regierung veranlassten ihn, 1949 mit einem Flüchtlingsschiff nach Israel auszuwandern. Bei der Einreise wurde er nach seinem Namen gefragt. »Ferenc Kishont.« Der Beamte schüttelte unwirsch den Kopf. »Ferenc.. gibt es nicht!« und trug Ephraim als Vornamen in Formular ein. Und aus Kishont wurde Kishon.

Ich fragte Ephraim Kishon: »Wie stehen Sie zu Ihrem Vornamen Ephraim?
Ephraim Kishon antwortete: »Was meinen Vornamen betrifft, habe ich schon so viele gehabt, dass es mir schwer fällt, Stellung zu nehmen. Mein letzter Vorname Ephraim gefällt mir am besten, weil er sich mit ›Jeruschaljim‹ reimt. Übrigens habe ich diesen Namen von einem kleinen Hafenbeamten bekommen, als ich 1949 nach Israel kam.

Wenn ich selbst meinen Vornamen wählen könnte, würde ich wahrscheinlich Frederico Garcia von Lorca übernehmen.«

Ich fragte Ephraim Kishon per Brief: »Was halten Sie von der Lehre von der Wiedergeburt?«
Ephraim Kishon antwortete schriftlich:
»Was meine Reinkarnation betrifft, bin ich in derselben Ignoranz wie alle Wissenschaftler, Parapsychologen, der Papst und der Oberrabbiner.
Ich weiß über das Universum nichts und kann mir nicht vorstellen, welchem Zweck es dient, wenn ich als Pinguin oder als Schublade neu geboren werde. Aber theoretisch möchte ich ganz genau als Ephraim Kishon wiedergeboren werden, zur selben Zeit, am selben Ort, unter der einzigen Bedingung, dass Adolf Hitler nicht wiedergeboren wird.«

Im Frühsommer 1986 bat ich Ephraim Kishon um eine Stellungnahme zur Atomenergie. Seine Antwort vom 10. Juni 1986 erweist sich heute, fast ein Vierteljahrhundert später, als geradezu höchst aktuell und brisant.

Ephraim Kishon: »Die Atomenergie ist in meinen Augen ein Segen und ein Fluch zugleich. Ich glaube nicht, dass man sie rückgängig machen kann. Es gibt schon zu viele Atomkraftwerke und zu viele Atombomben. Es ist klar, dass keine der Groß- und Mittelmächte mit der Atomforschung aufhören wird, solange sein Gegner oder sein Nachbar dies nicht auch tut.

Aus diesem Grunde würde ich vorschlagen, die Atomkraftwerke nicht abzuschalten, sondern eine internationale Dachorganisation zu schaffen, die einerseits die Sicherheitsmaßnahmen festlegt und überprüft und andererseits alle möglichen technischen und psychologischen Maßnahmen vorbereitet für die kommenden Jahre, wenn die verschiedenen Terroristengruppen in der Welt über Kernwaffen verfügen.«

Zum fünften Todestag Ephraim Kishons habe ich mein Interview mit dem großen Satiriker in den Blog »ein Buch lesen« gestellt. Vor fünf Jahren ist Ephraim Kishon verstorben. Doch in seinen Büchern lebt er weiter. Seine große Beliebtheit, davon bin ich überzeugt, verdankt Ephraim Kishon seinem großartigen Talent. Er war ein großer Schriftsteller, der die Schwächen und Stärken von uns Menschen treffend und ohne zu verletzen geschildert hat. Und seine Bilder, die er in Worten gezeichnet hat, sind zeitlos: so wie die Schwächen und Stärken von uns Menschen zeitlos sind... sie bestimmten schon unser Leben, als wir noch in Höhlen hausten. Und sie werden das Leben der Menschen bestimmen, die in ferner Zukunft in gewaltigen Weltraumschiffen ins All starten. Ob sie dann Kishons Bücher mitnehmen werden? Ich glaube es! Und wenn Außerirdische so etwas wie Humor kennen, werden sie sich über Ephraim Kishon amüsieren!


Sonntag, 7. Februar 2010

Im Gespräch mit Ephraim Kishon - Teil 3

Walter-Jörg Langbein
Teil 3 des Interviews

Vor 25 Jahren durfte ich in einem Frankfurter Hotel ein ausführliches Gespräch mit Ephraim Kishon führen. Zu seinem fünften Todestag mache ich es noch einmal der Öffentlichkeit zugänglich, als kleine Serie im Blog »Ein Buch lesen«. Ein Vierteljahrhundert ist seit dem Interview vergangen. Die politische Landschaft hat sich seither gravierend verändert. Die Grenze zur DDR ist dank des friedlichen Protests der Menschen in der DDR gefallen. Die DDR existiert nicht mehr. Auch »der« Ostblock ist nicht mehr das, was er einst war. So sehr sich aber das Bild der Welt im Verlauf des letzten Vierteljahrhunderts gewandelt hat, Ephraim Kishons Äußerungen zu diversen Themen von Politik über PSI zu Philosophie sind auch heute noch brandaktuell.

Vor rund einem halben Jahrhundert schrieb ein israelischer Schriftsteller in hebräischer Sprache Satiren. Sie wurde ins Englische übersetzt, in Deutschland schien sich niemand für die Texte zu interessieren. Doch dann übersetzte der Wiener Schriftsteller und Publizist Friedrich Torberg die Werke des »Unbekannten« ins Deutsche.... und der Welterfolg des Ephraim Kishon begann. Aus dem »Anonymus« wurde das Phänomen Kishon, mit Zig-Millionen-Weltauflage.

Teil 3 des Interviews

Walter-Jörg Langbein: Herr Kishon, in Ihrem neuen Buch ›Abraham kann nichts dafür‹ steht eine interessante Satire am Schluss. Ein Außerirdischer sieht die Erde, und das Kindergezänk der Diplomaten führt letztlich zum atomaren Holocaust. (Hinweis: Das Interview wurde vor 25 Jahren geführt!)

Kishon: In dieser Satire bin ich der Außerirdische. Sehen Sie, das ist ja schon wieder ein schöner Zeitungstitel: ›Ephraim Kishon: Ich bin ein Außerirdischer!‹
Vieles, was gesagt wird von sogenannten Diplomaten, ist Fassade, Quatsch, Kinderei, die Herren schwingen da hehre Reden und meinen etwas ganz anderes.

Walter-Jörg Langbein: Besteht die von Ihnen beschriebene Gefahr einer weltweiten Zerstörung Ihrer Meinung nach wirklich?

Ephraim Kishon: Ja, ich glaube das nicht nur, das weiß ich. Es unterliegt meiner Meinung nach keinem Zweifel, dass die Welt bald eine atomare Katastrophe erleben wird. Diese wird nach meiner Logik nicht so verlaufen, wie es die Friedensbewegungen erwarten. Es wird keinen Krieg zwischen den Großmächten geben. So blöd ist niemand unter den Politikern der Großmächte. Aber es ist nur eine Frage von ein, zwei, drei, vier oder fünf Jahren, dass Herr Gadafi... Entschuldigung... dass Herr Oberst Gaddafi oder Herr Arafat oder die Terrorgruppe ›Rote Armee‹ aus Italien eine Atombombe haben wird. Und das wird dann zur Hölle auf Erden führen.
Ich bin sicher, der gute Oberst Gaddafi wäre bereit, sagen wir, fünf Milliarden Dollar für eine Atombombe zu bezahlen, nur, um dann zum amerikanischen Präsidenten sagen zu können: Wenn Sie Israel dazu nicht zwingen, den Staat aufzugeben, dann wird New York zerstört. Das ist in meinen Augen keine Utopie, das ist eine Tatsache. Wie alt sind Sie?

Walter-Jörg Langbein: Ich bin dreißig. (Anmerkung: Das Interview wurde vor 25 Jahren geführt!)

Kishon: Sie werden es erleben. Eine Terrororganisation wird eine Atombombe haben und dann kommt die Hölle. Manche Organisationen werden behaupten, die Atombombe zu haben, obwohl es gar nicht stimmt. Bei anderen wird diese Behauptung der Wahrheit entsprechen. Die Bombe wird erpresserisch eingesetzt werden. Terroristen von heute sagen vielleicht: Wir sprengen das Nationaltheater!

Die Terroristen mit der Atombombe aber werden anders vorgehen. ›Wir vernichten eine Großstadt!‹ werden sie vielleicht drohen. Das ist unvermeidbare Zukunft!

Walter-Jörg Langbein: Meinen Sie, dass die großen Nationen sich erpressen lassen werden?

Kishon: Das ist eine Frage, worauf niemand antworten kann, weder der amerikanische Präsident, noch der sowjetische Vorsitzende des Politbüros. Stellen Sie sich vor: Man teilt dem amerikanischen Präsidenten mit, dass eine Atombombe in New York versteckt ist. Wenn die Juden nicht übermorgen beginnen, Israel zu verlassen, dann werden wir New York vernichten. Was soll der amerikanische Präsident tun? Die Juden zwingen, ihre Heimat zu verlassen? Zuschauen, wie New York vernichtet wird? Beides kann er nicht.

Ich glaube und hoffe, dass die großen wie die kleinen Nationen auf diese Situation vorbereitet sind und dass sie dann über die nötigen Instrumente verfügen werden, mit Hilfe derer es ihnen möglich ist zu entdecken, wo Atomwaffen versteckt sind. Oder dass es andere Möglichkeiten gibt, diese Art von Terror zu bekämpfen.

Ein einzelner Mann kann allein kann dann die Welt beherrschen, wenn er die Atombombe hat... schlimmer als einzelne Diktatoren wie Gaddafi sind anonyme Gruppen wie die ›Rote Armee‹ in Italien. Das sind abstrakte Begriffe. Wen sollen die Ordnungshüter da fassen? Gegen wen sollen sie kämpfen, wann und wo?

Mich wundert es, offen gesagt, dass man heute (Anmerkung: 1985!) noch über die Möglichkeit eines Atomkrieges zwischen den Großmächten spricht. Es gibt keinen Staatschef, der so verrückt wäre, so etwas zu riskieren, der sagt: ›In einer halben Stunde vernichte ich mein eigenes Land!‹ So blöd ist keiner!

Walter-Jörg Langbein: Und ein Krieg aus Versehen....

Kishon: Auf diese Weise können vielleicht örtliche, lokal begrenzte Kriege entstehen, aber kein Weltkrieg.

Es ist kein Zufall, dass die Großmächte ihre Kriege nicht selbst führen, dass die Kubaner oder die Ostdeutschen für sie kämpfen. Die Großmächte sind da zu vorsichtig. Aber Kriege werden immer sein. Kriege gehören zur menschlichen Natur. Der Mensch hat Tiere und die Kräfte der Natur besiegt. Nur der Mensch kann noch gegen die Menschen kämpfen. Im Laufe der Geschichte hat er das ja sehr gut getan.

Aber eines muss gesagt werden: Diese viel verfluchte Atomwaffe hat den Weltfrieden erhalten. Diese Waffe, über die jeder schimpft, die jeder hasst, die hat den III. Weltkrieg verhindert. Der Frieden ist von der Atomwaffe gekommen. Wir haben einen Zwangsfrieden. Das Schicksal der Welt liegt in den Händen der kleinen Mächte mit atomaren Waffen. Wir werden in einer James-Bond-Atmosphäre leben. Ein ›Goldfinger‹ beherrscht die Welt dann von irgendeinem Loch aus. Das wird eine Holocausterpressung.

Walter-Jörg Langbein: Glauben Sie an PSI?

Kishon: Das schon. Ich bin überzeugt, dass es da etwas gibt, Kräfte oder Wellen. Uri Geller zum Beispiel... Sicher, er hat auch ein wenig geschwindelt, aber nicht ausschließlich. Wir wissen es vielleicht nicht: Er wurde in den USA den schwierigsten Tests unterworfen. Und er hat bestanden.

Wenn Sie zum Beispiel ein Fünfeck zeichnen, in einen verschlossenen Umschlag stecken – er wird das Bild erkennen. Vielleicht wird er nur etwas Ähnliches sehen, statt des Fünfecks vielleicht ein Dreieck oder einen aufgespannten Regenschirm. Oder etwas Ähnliches. Aber manchmal sind die Übereinstimmungen, die Dinge, die er wirklich seherisch erkennt, verblüffend. Ich habe übrigens Uri Geller entdeckt. Doch, an PSI glaube ich, von PSI bin ich überzeugt!

Walter-Jörg Langbein: Lieber Herr Kishon, vielen Dank für dieses Gespräch!

Als Abschluss des Interviews erscheint am 14.02.2010 als Teil 4 dieser kleinen Kishon-Serie: Briefwechsel – Fragen und Antworten

Zurück zu Teil II des Interviews

Die Bücher von Ephraim Kishon

Foto Ephraim Kishon: ©Verlag Langen Müller

Sonntag, 31. Januar 2010

Im Gespräch mit Ephraim Kishon - Teil 2

Walter-Jörg Langbein
Teil 2
1930 hatte Friedrich Torberg mit seinem Roman »Der Schüler Gerber« einen zutiefst packenden, erschütternden Protest gegen die »Pädagogik« des Zerbrechens geschaffen. Torberg, dessen literarische Größe außer Zweifel steht, wurde zum Übersetzer Kishons. Der Literat trat hinter dem Übersetzer zurück.

Zwischen Kishon und Torberg herrschte ein reger Briefwechsel. Die beiden schrieben sich fast eintausend Briefe, die beide als literarische Genies erkennen lassen. Waren sie Freunde.. oder Feinde? Oder beides? Ihre Briefe spiegeln eine komplizierte, ja komplexe Welt wieder, geprägt von Freundschaft und Neid, Liebe und argwöhnischem Hass.

Lisa Kishon, Kishons zweite Frau, und David Axmann haben rund 150 Briefe ausgewählt. Die Briefe erschienen unter dem Titel »Dear Pappi -My beloved Sargnagel« als Buch... ein bewegendes Dokument, eine packende Dokumentation zweier wirklich großer Literaten.

Wer diesen Briefwechsel mit einigen wenigen Worten beschreiben will, muss scheitern. Begriffe versagen, können die ganz besondere Freundschaft zwischen dem erfolgreichsten Satiriker aller Zeiten und dem berühmtesten Übersetzer niemals zutreffend beschreiben. Dieser Briefwechsel – ein einzigartiges literarisches Dokument – lässt erahnen, warum Ephraim Kishon zum Phänomen Kishon wurde: Weil Autor und Übersetzer über einen ganz besonderen Humor verfügten, den gewiss auch eine Sintflut wie zu Noahs Zeiten nicht hätte erschüttern können.

Teil 2 des Interviews


Walter-Jörg Langbein: Wenn Sie an den Tod denken...

Ephraim Kishon: Ich bin da ja wirklich sehr neugierig. Ich werde es ja wohl vor Ihnen erleben. Nach meiner Auffassung ist Sterben ein Schlafen ohne Traum. Ich glaube, wenn ich sterben, dann wird das so sein, als wenn ich traumlos schlafe.

Walter-Jörg Langbein: Ist das eine eher angenehme oder eine unangenehme Vorstellung für Sie?

Kishon: Eine sehr angenehme. Es wäre eine schlimme Vorstellung zu denken: Ich sterbe und werde immer wieder und wieder geboren – und das mit der Last der Erinnerung an alle Fehler, die ich vielleicht einmal begangen habe. Ich glaube, man kann sich bestenfalls daran zurück erinnern, was man als Embryo erlebt hat. Das erscheint mir logisch, denn schon als Embryo hat man ein Gehirn. Warum soll man sich nicht an seine Zeit als Embryo erinnern?

Vorher ist Dunkelheit, und ich hoffe, dass es auch nach dem Tode erlösende Dunkelheit geben wird, die die Gnade des Vergessens gewährt. Was da kommt, da haben weder ich, noch mein Hündchen, noch der Papst oder das Oberrabbinat eine Ahnung.

Ich meine, wenn man sich mit solchen Fragen beschäftigt, sollte man sich nicht überlegen: ›Was ist nach dem Tode?‹ sondern ›Wofür leben wir?‹ Haben Sie sich das schon einmal überlegt?

Walter-Jörg Langbein: Ja, aber ich bin zu keiner wirklichen Antwort gekommen.

Kishon: Stellen Sie sich vor, wie ignorant wir sind, wenn es um diese einfachste Frage geht: Wofür? Und das ist für mich die wichtigste Frage. Sie ist wichtiger als Überlegungen von der Art ›Woher kam das erste Molekül?‹ oder ›Wie entstand das erste Leben?‹ oder ›Wie wurde der sogenannte Urknall vor Jahrmilliarden ausgelöst?‹.

Was ist da los? Würfelt da oben im Himmel ein alter Mann um unser Los? Spielt hier unten auf der Erde ein Zirkus, und der alte Mann da oben schaut zu? Ich glaube, man sollte richtig fragen lernen. Erst wofür, bevor man sich an das ›Wie?‹ wagt!

Walter-Jörg Langbein: Waren Sie einmal der Antwort näher, als Sie es heute sind?

Kishon: Das nicht. Aber es gab manchmal wichtiger Probleme. Ich habe die Ehre gehabt, die Nazizeit, den Holocaust, zu durchleben. Da fragte ich mich nicht ›Wofür?‹, sondern ›Wie komme ich da lebend heraus?«

Neulich habe ich ein altes Tagebuch gefunden, welches ich im Alter von siebzehn Jahren – es war um das Jahr 1940 – geschrieben habe, und da steht über einem Kapitel ›Wofür?‹ Es ist interessant: Die Menschen sprechen über alles. Etwa über die Frage, wie das Leben entstanden ist. Sie ergehen sich in astrologischen Fragen. Aber keiner weiß eine Antwort auf die Frage nach dem ›Wofür?‹.

Ich weiß da nicht mehr als mein Hündchen. Im Buch der Tatsachen, wo alles verzeichnet steht, ist diese Seite leer. Was den Tod angeht, so glaube ich, dass er ein Schlaf ohne Traum ist, eine totale Dunkelheit. Das glaube ich, ja das hoffe ich. Aber auf die Frage ›Wofür leben wir?‹, da habe ich keine Antwort. Die Beschäftigung mit dieser Frage ist etwas wie ein Fass ohne Boden, ein Teufelskreis.

Ich bin wirklich interessiert, unterhalte mich gern mit Theologen über diese Frage. Ich glaube, auch sie haben keine Antwort.

Walter-Jörg Langbein: Nach christlichem Verständnis schuf Gott den Menschen mit der Möglichkeit, sich für Gut oder Böse zu entscheiden. Er entschied sich für das Böse, für die Sünde. Gott musste seinen Sohn schicken, der für die Erlösung des Menschen starb.

Ephraim Kishon: Und das soll eine Antwort auf die Frage ›Wofür ist das Universum da?‹? Ich kenne die Antwort auf das ›Wofür‹ auch nicht, aber eines meine ich sagen zu können: Das ist es nicht!

Walter-Jörg Langbein: Ich habe während meines Studiums der evangelischen Theologie auch über die Frage nachgedacht: Gibt es Leben im Universum, auf anderen Planeten?

Kishon: Sicher gibt es solche Wesen! Ich bin sogar sicher, dass es einmal Kontakt geben wird mit solchen Wesen aus dem All. Sie sind ein junger Mann: Sie werden solch einen Kontakt mit außerirdischen Intelligenzen erleben.

Das wird natürlich das größte Ereignis der Weltgeschichte sein. Dann werden alle Theorien über diese Themen zusammenbrechen, alles Wissen wird sich als Kinderkram erweisen. Und es wird kommen, davon bin ich überzeugt. Es ist doch vollkommen unvorstellbar, dass wir die einzigen intelligenten Lebewesen im All sein sollen! Unsere Welt ist ein kleiner Splitter am Rande des Universums – eines Universums aus einer unendlichen Vielzahl von Universen. Wir sind nicht der Mittelpunkt, nicht der Nabel des Seins! Wir sind auch nicht allein! Das wäre unvorstellbar!

Walter-Jörg Langbein: Für manche christliche Theologen ist es unvorstellbar, dass es noch andere intelligente Wesen im All gibt. Sie sagen: Christus ist für die Sünden der Menschen auf der Erde gestorben, nicht für die der Außerirdischen? Warum nicht? Bevorzugt Gott die Erde? Oder starb Christus auch auf anderen Planeten? Wurde er immer wieder ans Kreuz genagelt?

Kishon: Das ist für mich keine Antwort, die ich ernstnehmen könnte. Ich unterhalte mich gern mit Theologen, Rabbinern, über solche Fragen, werde oft eingeladen. Und wenn ich dann zum Beispiel einem hochgebildeten Rabbi die Frage nach dem ›Wofür?‹ stelle, dann übergeht er sie, tut, als habe er nichts gehört und fragt vielleicht: ›Noch einen Schluck Wein?‹
Ich habe einmal eine Humoreske geschrieben: Ich sterbe, mache verschiedene Stadien durch und stelle dann fest, sapperlott, die alten Ägypter hatten recht! Die Götter haben tatsächlich Tiergesichter!

Walter-Jörg Langbein: Sind Sie religiös, Herr Kishon?

Kishon: Nein, ich bin Humorist. Aber sehen Sie: Wir leben am Rand einer Galaxie mit Sternen wie Sand am Meer. Und unsere Galaxie ist nur eine von vielen, und es gibt ja auch wiederum Galaxien wie Sand am Meer. Als der Mensch zum erstenmal mit Apollo 11 zum Mond startete, da war ich dabei. Ich war von der amerikanischen Regierung eingeladen worden.

Ich sah, wie Apollo 11 startete. Das war schon ein einmaliges Erlebnis. Wie sich das gigantische Raumschiff auf einem Feuerstrahl gen Himmel erhob. Aber was ist die Entfernung Erde/Mond? Ein Nichts. Es gibt Galaxien, zu denen ist das Licht Milliarden von Jahren unterwegs. Nicht ich, Kishon, brauche so lange mit dem Fahrrad, sondern das Licht. Da ist die Reise zum Mond nichts.

Walter-Jörg Langbein: Sie sagten soeben, Sie seien Humorist und daher nicht religiös. Schließt das einander aus?

Kishon: Sehen Sie, es ist sehr schwer, ja unmöglich, sarkastisch zu sein und alles Mögliche kritisch zu beschauen und das Religiöse auszusparen. Zu sagen: Alles ist lächerlich, nur das Religiöse ist über alles erhaben... Das geht nicht.
Fortsetzung folgt!

Ausblick auf Teil 3 des Interviews

Walter-Jörg Langbein: Herr Kishon, in Ihrem neuen Buch ›Abraham kann nichts dafür‹ steht eine interessante Satire am Schluss. Ein Außerirdischer sieht die Erde, und das Kindergezänk der Diplomaten führt letztlich zum atomaren Holocaust.

Kishon: In dieser Satire bin ich der Außerirdische. Sehen Sie, das ist ja schon wieder ein schöner Zeitungstitel: ›Ephraim Kishon: Ich bin ein Außerirdischer!‹
Vieles, was gesagt wird von sogenannten Diplomaten, ist Fassade, Quatsch, Kinderei, die Herren schwingen da hehre Reden und meinen etwas ganz anderes.

Walter-Jörg Langbein: Besteht die von Ihnen beschriebene Gefahr einer weltweiten Zerstörung Ihrer Meinung nach wirklich?

Hinweis
Die Fortsetzung des Interviews, der dritte Teil, erscheint am 07.02.2010

Teil I

Teil III

Foto Ephraim Kishon: ©Verlag Langen Müller

Sonntag, 24. Januar 2010

Im Gespräch mit Ephraim Kishon - Teil 1

Walter-Jörg Langbein

Ephraim Kishon, der eigentlich Ferenc Hoffmann hieß, war einer der bedeutendsten Satiriker des 20. Jahrhunderts. Ephraim Kishon wurde 1944 in das Arbeitslager Jolsva, Slowakei, verschleppt. 1945 konnte er fliehen, als er in ein Todeslager in Polen deportiert werden sollte. Ein großer Teil von Ephraim Kishons Familie wurde in Auschwitz ermordet. 1949 wanderte Kishon von Ungarn nach Israel aus.

Ephraim Kishons Weltauflage dürfte bei fast 50 Millionen Exemplaren liegen. Kishons Buch »Familiengeschichten« ist – vom »Alten Testament« abgesehen – das meistverkaufte hebräische Buch der Welt.
Ephraim Kishons Memoiren erschienen unter dem Titel »Nichts zu lachen«. Weltweit liegen rund 700 Kishon-Bücher in 37 Sprachen vor. Seine Filme wurden zweimal für den Oscar nominiert (»Schlaf gut, Wachtmeister« und »Sallah«). Dreimal wurde Kishon mit dem »Golde Globe« geehrt. Kishons Bürokratie-Satire »Der Blaumilchkanal.« ist wohl das im deutschen Sprachraum bekannteste Buch Ephraim Kishons, dessen Humor so entlarvend, aber niemals verletzend ist. Man erkennt sich wieder bei Kishon – etwa in »Satiren zur täglichen Katastrophe«... und kann über sich selbst und die eigenen Unzulänglichkeiten lachen.

Ephraim Kishon, geboren am 23. August 1942 in Budapest, Ungarn, verstarb vor fünf Jahren am 29. Januar 2005. Anlässlich des 5. Todestages des weltberühmten Schriftstellers möchte ich nochmals ein ausführliches Interview der Öffentlichkeit zugänglich machen, das mir Ephraim Kishon vor fünfundzwanzig Jahren – Frühjahr 1985 – gewährte.

Das Interview wurde in Ephraim Kishons Hotelzimmer in Frankfurt geführt. Kishon äußerte sich über Politisches wie über Philosophisches. Und gelegentlich tauschten wir die Rollen. Dann stellte Ephraim Kishon Fragen... und ich antwortete.

Im Verlauf vieler Jahre begegneten wir uns immer wieder am Rande der Frankfurter Buchmesse. Ephraim Kishons liebenswerte, liebenswürdige und warmherzige Art hat mich berührt und zutiefst beeindruckt. Seine leise Bescheidenheit, sein geschliffener Verstand und spezieller Humor machten ihn aus.... einen wirklich großen Menschen!

Interview mit
Ephraim Kishon
Teil 1

Walter-Jörg Langbein: Herr Kishon, Sie sind besonders in Deutschland erfolgreich. Worauf führen Sie das zurück?

Ephraim Kishon: Ich würde das anders formulieren: im deutschsprachigen Raum. Diese Frage ist nicht ganz neu. Sie wurde mir schon von ganz einfachen Leuten, aber auch von Professoren gestellt. Anscheinend beschäftigen sich viele Menschen mit dieser Frage. Ich muss aber, das gleich vorweg, sagen: Es gibt Länder, da bin ich erfolgreicher als im deutschsprachigen Raum. Freilich kann man nicht erwarten, dass etwa vier Millionen Finnen genauso viele Bücher von mir kaufen wie einhundert Millionen Menschen im deutschsprachigen Raum! Meine deutschsprachige Auflage ist so groß, weil der Markt hier so groß ist.

Was wichtig ist: Meine Art zu schreiben, sie ist hier sozusagen geboren. In der Tschechoslowakei, Österreich, Ungarn und Deutschland gab es schon immer das beste Publikum für diese Literatur, für meine Art zu schreiben. Noch ein Grund für meinen, wie überhaupt, schriftstellerischen Erfolg: Bei aller Ehre, die wir Schriftsteller haben, ist und bleibt die Schriftstellerei zum Teil Showbusiness. Erfolge lassen sich nicht erzwingen. Wer das könnte, wäre der reichste Mann der Welt. Das ist ein Mysterium.

Ein Musical oder ein Theaterstück kann heute ein riesiger Erfolg sein.. und zwei Jahre später wäre es ein totaler Flop geworden. Ein Faktor meines Erfolgs wird meines Erachtens von kaum jemandem bedacht. Vielleicht bin ich einfach ein guter Schriftsteller. Das kann man zumindest nicht ausschließen. Das kann man doch zumindest nicht ausschließen. Diesen Grund kann man sich doch zumindest vorstellen.

Um aber nochmals konkret auf Ihre Frage zurückzukommen: Auf die Bevölkerung prozentual umgerechnet bin ich etwa in Jugoslawien viel erfolgreicher als in Deutschland.

Walter-Jörg Langbein: Herr Kishon, vor einiger Zeit las ich, dass Sie keine Bücher mehr schreiben würden....

Kishon: Ich habe gesagt, dass ich keine Bücher mehr schreiben m ü s s t e. Nach über fünfzig Büchern, die ich in meinem Leben geschrieben habe, wäre es eigentlich unvorstellbar, dass sich da nicht eine gewisse Aversion gegen das Schreiben von Büchern entwickelt. Das Schreiben von Büchern ist ja sowieso eine unmenschliche, unnatürliche Tätigkeit.

Ich habe es auch ein wenig unbescheiden gesagt. Wenn ich nicht diesen rieisgen Erfolg hätte, ich hätte es schon längst mit Wonne aufgegeben, Bücher zu schreiben. Aber, ironisch gesagt, um aufhören zu können, bräuchte ich die Hilfe meiner Leser. Die müssten sozusagen davonlaufen.

Walter-Jörg Langbein: In einer Information Ihres Verlags heißt es, dass nur ein Teil Ihres Werkes in deutscher Übersetzung vorliegt – der wichtigere?

Kishon: Was heißt hier wichtig? Ich glaube, dass das, was ich über meine Söhne geschrieben habe, das wichtigste ist. Das Europaparlament wird es noch in fünfzig Jahren geben, aber das Problem mit dem ersten Schnuller noch in fünftausend Jahren.

Wenn ich politische Äußerungen mache, dann in Zeitungen in Israel. Das ist dann auf die jeweilige Situation bezogen. Solche Ausführungen werden nicht übersetzt. Aber ich kann nicht nur über Probleme schreiben, die Menschen wollen lachen. Wenn mich jemand zum Lachen bringt, ich liebe ihn.

Walter-Jörg Langbein: Wobei man ja geteilter Meinung darüber sein kann, was zum Lachen ist. Sie kennen ja sicher das Reagan-Zitat, wonach er äußerte: ›In fünf Minuten beginnen wir mit der Bombardierung der Sowjetunion!‹

Kishon: Darüber hat mich der »Stern« schon telefonisch befragt. Man wollte von mir hören: ›Ein solcher Idiot, den sollte man ins Irrenhaus stecken, der dürfte nicht Präsident der USA sein. Das hat man von mir hören wollen. Aber ich habe wie immer meine eigene Meinung gesagt. Ich habe eben solche Leute gern, die keine Gromyko-Diplomaten sind, die aalglatt sind... sondern die, die ab und an Fehler machen und unerwartet eine Blödheit sagen. Im Falle Reagan war das nicht der Fehler des Präsidenten, sondern der westlichen Presse und der westlichen Demokratie. Die Sache war ganz klar für einen internen Kreis gesagt und ist dann gleich weltweit so verbreitet worden, als ob Reagan im Rahmen einer Rede gesprochen hätte. Aber, wie gesagt, ich habe Leute gern, die hier und dort stolpern.

Walter-Jörg Langbein: Aber die Äußerung war ein Fehler?

Kishon: Ja! Er hätte wissen müssen, dass solche Äußerung weitergegeben wird. Aber, wie gesagt, ich finde Ronald Reagan sympathisch, und das tun wohl auch viele Amerikaner. Meine Äußerung in der Sache wurde in der Presse korrekt zitiert.

Walter-Jörg Langbein: Was nicht immer der Fall ist?

Ephraim Kishon: Genau. Besonders im deutschsprachigen Raum habe ich da meine Probleme. Und selbst wenn ein Interview korrekt abgedruckt wird, dann wird oftmals eine Überschrift gefälscht, und das Ganze ist entstellt. Erst vor kurzem habe ich einen Prozess gegen eine österreichische Zeitung gewonnen. Diese Zeitung hatte eine Satire von mir nachgedruckt, und zwar mit einem falschen Titel! Das gab dem Ganzen einen völlig anderen Sinn, verfälschte alles. Die Zeitung wurde zu 15 000 Mark Schadenersatz verurteilt.

Oder – nehmen wir an, irgendein belgisches Pornoblatt druckt einen Blödsinn über mich ab, sagen wir: ›Kishon: Ich liebe Prostituierte!« Und dann kommt eine andere, sagen wir englische Zeitung, die schreibt: ›In der belgischen Presse ließ Kishon verlautbaren...‹ Die sind dann nicht zu fassen, geben die Verantwortung an das Pornoblatt in Belgien weiter.
Walter-Jörg Langbein: Herr Kishon, ist es eigentlich schwer, nur ein Satiriker zu sein?
Kishon: Was heißt denn hier ›nur‹?

Walter-Jörg Langbein: Ich meine, beschäftigen Sie sich auch zum Beispiel mit philosophischen Fragen, etwa dem Leben nach dem Tod?
Kishon: Aber natürlich!

Walter-Jörg Langbein : Glauben Sie an ein Leben nach dem Tode?

Kishon: Wie ist Ihre Meinung?

Walter-Jörg Langbein: Ich glaube an ein Leben nach dem Tode. Wenn Sie zum Beispiel an die Reinkarnation denken, die Lehre von der Wiedergeburt...

Kishon: Gibt es dafür Belege, Beweise?

Walter-Jörg Langbein: Ich meine schon. Im indischen Bereich gibt es zum Beispiel Berichte von kleinen Kindern, die erinnern sich an ganze Lebensläufe, Biographien von früheren Leben...

Kishon: Ich glaube, das gibt es in den Ländern des Orients mehr als hier. Aber wie ist das mit den Leuten, die schon einmal klinisch tot waren?

Walter-Jörg Langbein: Es gibt zum Beispiel von Dr. R. Moody eine ganze Sammlung von Berichten. Da haben Menschen, die bereits klinisch ›tot‹ waren und wieder ›zurückgeholt‹ worden sind, lichthelle Gestalten gesehen, die die Toten von unserer Welt in die andere führten. Diese andere Welt wird als sehr angenehm beschrieben, und viele Menschen waren bitterlich enttäuscht über die Tatsache, dass sie von den Ärzten wieder in unsere Wirklichkeit zurückgeholt wurden.

Kishon: Gibt es da Übereinstimmungen?

Walter-Jörg Langbein: Ja, diese Übereinstimmungen sind sehr stark. Nur am Rande weisen solche Berichte religiös-konfessionelle Einfärbungen auf.

Kishon: Sehen Sie, religiös gefärbt...

Walter-Jörg Langbein: Ja, viele Menschen, die bereits einmal klinisch tot waren, erinnern sich an helle lichte Gestalten. Christlich orientierte Personen nannten diese Gestalten Engel...

Kishon: Es ist in meinen Augen eine etwas naive Vorstellung, anzunehmen, die andere Welt müsse exakt den christlichen Vorstellungen entsprechen...

Walter-Jörg Langbein: Ich sehe das so: Die klinisch Toten begegnen so etwas wie einem Lichtwesen. Darauf lassen sehr viele Berichte schließen. Der christlich orientierte Mensch ist nun eher geneigt, in diesem Lichtwesen einen Engel zu sehen. Für einen Inder ist es ein Totengott...

Kishon: Und für einen Ägypter ein Gott mit einem Tiergesicht?

Walter-Jörg Langbein: Es wurden die Lichtwesen identifiziert, entsprechend der religiösen Vorprägung. Aber sehr viele ehemals klinisch Tote erinnern sich übereinstimmend an die Begegnung mit hellen Lichtwesen.
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Ausblick auf Teil 2 des Interviews
Walter-Jörg Langbein : Wenn Sie an den Tod denken...

Ephraim Kishon: Ich bin da ja wirklich sehr neugierig. Ich werde es ja wohl vor Ihnen erleben. Nach meiner Auffassung ist Sterben ein Schlafen ohne Traum. Ich glaube, wenn ich sterben, dann wird das so sein, als wenn ich traumlos schlafe.

Walter-Jörg Langbein: Ist das eine eher angenehme oder eine unangenehme Vorstellung für Sie?

Ephraim Kishon: Eine sehr angenehme. Es wäre eine schlimme Vorstellung zu denken: Ich sterbe und werde immer wieder und wieder geboren – und das mit der Last der Erinnerung an alle Fehler, die ich vielleicht einmal begangen habe. Ich glaube, man kann sich bestenfalls daran zurück erinnern, was man als Embryo erlebt hat. Das erscheint mir logisch, denn schon als Embryo hat man ein Gehirn. Warum soll man sich nicht an seine Zeit als Embryo erinnern?

Vorher ist Dunkelheit, und ich hoffe, dass es auch nach dem Tode erlösende Dunkelheit geben wird, die die Gnade des Vergessens gewährt. Was da kommt, da haben weder ich, noch mein Hündchen, noch der Papst oder das Oberrabbinat eine Ahnung.

Ich meine, wenn man sich mit solchen Fragen beschäftigt, sollte man sich nicht überlegen: ›Was ist nach dem Tode?‹ sondern ›Wofür leben wir?‹ Haben Sie sich das schon einmal überlegt?

Walter-Jörg Langbein: Ja, aber ich bin zu keiner wirklichen Antwort gekommen.
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