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Montag, 10. August 2020

Marie Versini zum 80.!

Wenn je eine von Karl Mays Fantasiegestalten im Film lebendig wurde... dann Nscho-tschi, Winnetous Schwester. Marie Versini verkörperte im Film (»Winnetou I« und »Winnetou und sein Freund Old Firehand«) die schöne Indianerin in idealer Weise ... Sie war glaubhaft. Marie Versini war Nscho-tschi.

Geradezu schwärmerisch beschreibt Karl May die junge Frau (1): Sie »war schön, sogar sehr schön. Europäisch gekleidet, hätte sie gewiss in jedem Salon Bewunderung erregt... Ihr einziger Schmuck bestand aus ihrem langen, herrlichen Haare, welches in zwei starken, bläulich schwarzen Zöpfen ihr weit über die Hüften herabreichte.«

Karl Mays »Alter Ego« spart nicht mit Komplimenten (2): »›Nscho-tschi ist dein Name?‹ sagte ich. ›Ja.‹ - ›So danke dem, der ihn dir gegeben hat. Du konntest keinen passenderen bekommen, denn du bist wie ein schöner Frühlingstag, an welchem die ersten Blumen des Jahres zu duften beginnen.‹«


Karl Mays Romanwelt wird von starken Männern dominiert: im Orient ebenso wie im »Wilden Westen«. Mit Nscho-tschi schuf aber Karl May eine Gestalt, die so ganz und gar nicht in seine Zeit passte. Gewiss, Nscho-tschi pflegte den schwer verwundeten Old Shatterhand aufopfernd. Gewiss, Nscho-tschi verliebte sich in den Mann aus dem fernen Europa. Nscho-tschi war aber nicht ein hübsches Heimchen am Herd, sondern eine Gleichberechtigte in einer »Männerwelt«. Sie ritt mit den Kriegern, beherrschte den Umgang mit den Waffen wie die besten Krieger, war an den bedeutsamsten Entscheidungen beteiligt und diskutierte lebenswichtige Fragen.

Nscho-tschi erweist sich Old Shatterhand sogar überlegen: Karl Mays »Alter Ego«, der Europäer, vertritt mit einem Hauch von Arroganz das »überlegene Abendland«. Nscho-tschi aber macht ihm klar, dass die vermeintlichen »Wilden« Amerikas oftmals kultivierter als die »zivilisierten« Europäer und weißen Nordamerikaner sind.

Marie Versini spielte schon als kleines Mädchen Nscho-tschi... die sie als junge Frau im Film verkörperte. Gewiss, es gab Zeiten, da war Marie Versini nicht so glücklich, von ihren Fans nur als Nscho-tschi gesehen zu werden. Im Exklusiv-Interview für »Ein Buch lesen« sagte sie: »Das hat mich vor einigen Jahren schon ein bisschen geärgert. Schließlich habe ich ja noch viel mehr gespielt... auf der Bühne fast acht Jahre in der ›Comédie française‹ in Paris wo ich den klassischen Part der Naiven gespielt habe, von Molière bis zu Shakespeare. Und ich habe viele andere Filme gedreht wie zum Beispiel ›Zwei Städte‹ mit Dirk Bogarde, ›Paris Blues‹ mit Paul Newman und Luis Armstrong, ›Junge mach dein Testament‹ mit Eddie Constantine, ›Brennt Paris?‹ mit Jean Paul Belmondo, Alain Delon, Gert Fröbe, etc...«

Marie Versini weiter: »Später wurde mir bewusst: Es war eine große Chance mit einem Charakter identifiziert zu werden. In dieser Zeit, die so ein kurzes Gedächtnis hat, und so viele und vieles vergisst - da ist es schön, Nscho-tschi zu sein. Aber ich bin nicht nur Nscho-tschi...«

Es stimmt: Marie Versini triumphierte schon mit 17 (sie ist Jahrgang 1940) als jüngstes Mitglied der »Comédie Francaise« in Paris. Sie war die Cosette in Victor Hugos »Les Misérables«, die Agnés in Molieréres »L’Ecole des femmes« und Julia in Shakespeares »Romeo und Julia«, um nur einige ihrer großen Bühnenrollen zu nennen.

Sie stand – um einige ihrer prominenten Kollegen zu erwähnen – mit Louis Armstrong, Paul Belmondo, Dirk Bogarde, Eddi Constantine, Alain Delon, Gert Fröbe, Curd Jürgens und Christopher Lee vor der Kamera.

Vor mehr als 40 Jahren engagierte der französische Regisseur Pierre Viallet Marie Versini für die Rolle der Pianistin Clara Schumann. Marie Versini verliebte sich bei den Dreharbeiten in Pierre Viallet.. Die beiden heirateten. Kein Wunder, dass Clara Schumann neben Nscho-tschi ihre liebste Rolle ist!

In die Herzen von Millionen von Zuschauern hat sich Marie Versini als Nscho-tschi gespielt.

Karl-May-Leser wissen: Die blutjunge Nscho-tschi wurde vom Unhold Santer feige ermordet. Marie Versini aber lässt die edle Indianerin weiter leben... in ihren vorzüglichen Büchern »Rätsel um N.T.« und »N.T. geht zum Film«. Wer mehr über das Leben von Marie Versini erfahren möchte, lese ihr Buch »Ich war Winnetous Schwester«.

Zu Marie Versinis heutigem Geburtstag gratuliere ich, auch im Namen von »Ein Buch lesen«, 
von ganzem Herzen!

Liebe Marie, alles, alles Liebe und Gute Zum Geburtstag.... 
und überhaupt! 
Und herzlichen Dank für Deine Nscho-tschi. 
Ich bin sicher: Karl May hätte Dich lieb gewonnen!



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Sonntag, 7. Februar 2016

316 »Winnetou, tödliches Gas und Old Faithful«

Teil 316 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein

Foto 1
Karl May war vom »Yellowstone Nationalpark« fasziniert. Kapitel 5 seines Opus »Winnetou III« leitet er mit der Wiedergabe der Verordnung über das Yellowstone-Gebiet als Nationalpark ein. Und wenig später ist bei May zu lesen : »Jenseits der weiten westlichen Prärien, fern noch hinter dem Höhenzuge der Blackhills, ragen die gigantischen Mauern des Felsengebirges zum Himmel empor. … Man möchte sagen, hier habe nicht die Hand, sondern die Faust des Schöpfers gewaltet. Wo sind die Zyklopen, die solche Basteien zu türmen vermögen? Wo sind die Titanen, die solche Lasten bis über die Wolken treiben könnten? Wo ist der Meister, der jene Firnen mit ewigem Schnee und Eise krönte? Hier hat der Schöpfer‚ ein Gedächtnis seiner Wunder‘ errichtet, welches nicht imposanter und ergreifender sein könnte.«

Dramatisch beschreibt Karl May wenige Zeilen weiter die Gefahren jener geheimnisvollen Welt zwischen Höllenschlund und Erdoberfläche: »Und hinter jenen gigantischen Mauern, da wallet und siedet, da dampft und brodelt es noch heut aus den kochenden Tiefen des Erdinnern hervor; da treibt die dünne Erdkruste Blasen, da zischen glühende Schwefeldämpfe empor, und mit einem Getöse, welches dem Kanonendonner gleicht, sprühen riesige Geysir ihre siedenden Wassermassen in die zitternden Lüfte. Plutonische und vulkanische Gewalten kämpfen gegen die Gestaltungen des Lichtes. Die Unterwelt öffnet von Minute zu Minute Rachen, um die Feuer der Tiefe emporzuspeien und die Gebilde des Tages in den tosenden Schlund hinabzusaugen.

Hier ist oft jeder einzelne Schritt mit Todesgefahren verbunden. Der Fuß kann durch die trügerische Kruste brechen, der dampfende Katarakt den müden Wanderer erfassen, der unterhöhlte Felsen mit dem Ruhenden in den gähnenden Abgrund stürzen.«

Foto 2: Gase steigen empor
In der Tat: Gase entweichen der Unterwelt des Nationalparks. Da wäre zum einen das »carbon dioxide“, also Kohlendioxid. Kohlendioxid ist höchst gefährlich. Bei vier Prozent Kohlendioxid in der Atemluft können einen Menschen bereits betäuben. Übersteigt der Kohlendioxid-Gehalt acht Prozent, so droht Erstickungsgefahr. In der »Poison Cave« (zu Deutsch »Gifthöhle«) im Yellowstone Nationalpark treten erhebliche Konzentrationen des Gases auf. Tiere, die in der Höhle Schutz suchen, kommen um. Das zweite häufig auftretende Gas ist Schwefelwasserstoff. Zu erkennen ist es am Gestank, der an faule Eier erinnert. In geringer Konzentration ist es ungefährlich.

Foto 3: Old Faithful
Im Nordosten des Parks liegt »Death Gulch« (zu Deutsch »Todesschlucht«).Der Name sollte selbst neugierige Menschen davon abhalten, diesen Ort zu besuchen. Bären sind da leichtsinniger als die meisten Touristen und so mancher Petz ist. Die von Karl May erwähnten Schwefeldämpfe sind höchst real und durchaus gefährlich! Die manchmal sicher scheinende, »steinerne« Erdoberfläche ist an manchen Stellen in Wirklichkeit nur eine dünne Kruste. Wer sie durchbricht kann mit einigem Pech in eine »Blase« kochenden Wassers geraten und an den Verbrühungen sterben. Auch die heißen Quellen sind durchaus gefährlich. Im Jahr 2013 kamen zwanzig Menschen durch Stürze in das brodelnde Wasser zu Tode (1).

Als Kind las ich bei Karl May zum ersten Mal vom »Yellowstone Nationalpark«.     Diese Lektüre machte mich neugierig und lockte mich einige Male nach Amerika. Besonders imposant wirkte auf mich »Old Faithful«. »Old Faithful« (»Alter Getreuer«) ist der bekannteste Geysir im Yellowstone Nationalpark. Seine Öffnung ist recht klein, kaum einen Quadratmeter groß. Durchschnittlich alle 91 Minuten speit der Getreue riesige Wassermassen bis zu 55 Meter in den Himmel. Bis zu 30.000 Liter kochenden Wasser pulsieren wie eine brodelnde Säule aus Schaum und Wolken empor. Staunend stand ich einige Male am »Old Faithful«, zum ersten Mal als Kind anno 1963.  Stets trat »Old Faithful« mit nur geringen Abweichungen von der von Parkwächtern berechneten und angekündigten Zeit in Aktion.

Foto 4: Schematische Darstellung
Vereinfacht ausgedrückt: Sickerwasser sinkt von der Erdoberfläche nach unten. Es sammelt sich in einer unterirdischen Höhle. Das »höllische« Magma erhitzt das Wasser von unten. Wenn nun ein schmaler »Schlot« bis an die Erdoberfläche reicht, dann steigt die Wassertemperatur in der Höhle rapide. Voraussetzung ist, dass dieser »Schlot« sehr eng ist. So ist das Wasser im Reservoir fast völlig abgeschlossen, vergleichbar mit einem Dampfkochtopf. Die Wassertemperatur kann die 100-Grad-Grenze überschreiten, wenn in dem Schlot ausreichend Wasser steht. Der Druck des über der Kammer stehenden Wassers erhöht den Siedepunkt auf über 100 Grad. Das heißt: das Wasser bleibt länger flüssig, auch bei Temperaturen von über dem Siedepunkt von 100 Grad. Hat das Wasser in der Kammer eine deutlich über dem Siedepunkt liegende Temperatur erreicht, wächst der Druck immens und dann steigen Dampfblasen durch Kamin hoch. Sie schieben mit großem Druck die Wassersäule nach oben. Jetzt sinkt der Druck in der Kammer schlagartig ab, das erhitzte Wasser verwandelt sich in Dampf. Eine Dampf-Wasser-Fontäne entsteht.

So wie »Old Faithful« ist auch der gigantische Supervulkan unter dem Yellowstone Nationalpark sehr zuverlässig. Beide arbeiten in schöner Konstanz, in regelmäßigen zyklischen Abständen. Es mag tröstlich sein, dass der Supervulkan immer wieder Pausen von Jahrmillionen einlegt. Beunruhigend allerdings ist die Tatsache, dass der nächste Ausbruch eigentlich überfällig ist. Wer allerdings – wie der Supervulkan – in Jahrmillionen rechnet, dem kommt es auf ein paar Jahrtausende nicht an. Katastrophen, die sich nur alle paar Millionen Jahre ereignen, scheinen wir nicht besonders ernst zu nehmen. Wir leben in einer immer »schneller« werdenden Zeit. Zeitzyklen von Jahrmillionen übersteigen unsere Vorstellungskraft. Die regelmäßig auftretende Wasser-Dampf-Säule des »Old Faithful« lockt seit weit mehr als einhundert Jahren Millionen von Touristen an. So wurde in unmittelbarer Nähe des »Old Faithful« ein riesiges Hotel gebaut, das »Old Faithfull Inn«.

Foto 5: Der Laacher See

Sehr viel aktiver als der Supervulkan unter dem Yellowstone Nationalpark ist sein Kollege unter dem Laacher See bei Bonn. Alle 12.000 Jahre löst dieses Schwergewicht von Vulkan eine Katastrophe aus, zum letzten Mal vor 12.900 Jahren. Experten stellten entweichendes Kohlendioxid fest. Das könnte auf eine Reaktivierung des Vulkans und einen anstehenden Ausbruch hinweisen. (2)

Mayas wie Hindus rechneten in Zentralamerika und Indien mit gewaltigen Riesenzahlen, die der menschliche Geist nicht wirklich erfassen kann. Mayas und Hindus dachten zyklisch: auf eine lange Epoche folgte eine Apokalypse, gefolgt von einem neuen gigantischen Zeitalter. Die astronomischen Zahlenangaben sind in beiden Fällen unvorstellbar groß, lassen sich aber nicht miteinander in Einklang bringen. Es geht offenbar nicht um historisch korrekte, exakte Visionen, im Sinne einer genauen Chronologie künftiger Ereignisse. Wenn wir die Kalenderwissenschaft der Mayas studieren, sollten wir nicht auf eine Vorhersage der nächsten Weltkatastrophe auf den Tag genau hoffen. Sonst kommt man zu vielleicht präzisen, aber falschen Terminen für die Apokalypse.

Es geht in Sachen Mayas vielmehr um eine allgemeinere Aussage: Die Botschaft der Mayas gilt für die Ewigkeit. Sie lautet klipp und klar: Unser Planet wird immer wieder von Katastrophen heimgesucht. Kataklysmen sind aber nicht das Ende der Zeit, sondern nur Punkte auf sich ewig drehenden Rädern. Die Räder der Zeit bleiben bei den Mayas niemals stehen.

Die Botschaft der Mayas besagt nicht, dass die Welt im Jahr 2012 untergehen wird. Es geht auch nicht um Bewusstseinsstufen. Die Botschaft der Mayas birgt eine sehr ernste Mahnung, die wir nicht überhören sollten: Es ist im Lauf der Erdgeschichte immer wieder zu Apokalypsen gekommen. Also wird es auch immer wieder gewaltige Katastrophen geben. Auf die schlimmsten Verwüstungen folgt wieder ein Neuanfang.

Foto 6: »Old Faithful Inn«
Der Supervulkan des »Yellowstone Nationalpark« ist schon längst überfällig. Wird die Menschheit den Vulkanausbruch vom »Yellowstone Nationalpark« überleben? Vergessen wir nicht, dass der Menschen für die Erderwärmung verantwortlich gemacht wird. Die Industrialisierung sei verantwortlich für eine drohende Katastrophe auf Erden! Vergessen wird dabei, dass es seit Ewigkeiten ein Auf und Ab der Temperaturen gibt! Aus ideologischen Gründen wird gern jede menschliche Technologie verabscheut. Moderne Technologie aber wird im Falle der »Yellowstone-Apokalypse« die einzige Chance der Überlebenden sein, auch nach dem gigantischen Kataklysmus zu existieren! Ohne modernste Technik werden die Überlebenden durch die Apokalypse weit zurück in die Steinzeit katapultiert werden. Ein gigantischer Vulkanausbruch kann die Durchschnittstemperatur auf unserem Planeten ganz erheblich  senken! Zumindest lokal können Eiszeiten ausbrechen.

Vom Höllenfeuer unter seinen Füßen ahnt der arglose Tourist nichts. Er sieht nur die herrliche Natur und die bizarren Ergebnisse der Natur. So speien Geysire nicht einfach nur Wasser aus dem Höllenschlund an die Oberfläche. Sie führen auch unterschiedlich farbige Mineralien mit sich. So kommt es zu Ablagerungen, die sich im Lauf von Jahrzehnten und Jahrhunderten zu Kraterkegeln formieren. Ernst von Hesse Wartegg schreibt im zweiten Band seines großformationen Opus »Die Wunder der Welt«, kurz vor dem Ersten Weltkrieg erschienen (3): »Selbst der Boden, auf dem man zwischen diesen Hexenkesseln einherwandert, wird von den plötzlichen Geiserausbrüchen überflutet oder gibt stellenweise unter dem Fuß des Besuchers nach, und aus den Eindrücken quillt dicker, gelber, übelriechender Schlamm. In zahlreichen Öffnungen und Erdspalten brodelt und pfeift und pustet es aus der Unterwelt hervor, mit häufigen Auswürfen von kochendem Wasser oder Schlamm. Die Farbe des Wassers wechselt zwischen Gelb, Milchweiß, Rot, Blau, Milchiggrün oder kristallener durchsichtiger Weiße.«

Foto 7: Ablagerungen türmen sich zu fantastischen Gebilden

Fußnoten

1) Whittlesey, Lee H.: »Death in Yellowstone/ Accidents and Foolhardiness in the First National
Park«, Manuskript
2) »Apokalypse im Rheintal«, »Spektrum der Wissenschaft«, Februar 2009, S. 78-87
3) Hesse-Wartegg, Ernst von: »Die Wunder der
Welt/ Zweiter Band«, Stuttgart, Berlin, Leipzig, ohne Jahresangabe, vermutlich 1912/
1913, Seite 42


Zu den Fotos:
Foto 1 (Buchcover) Verlag
Fotos 2 und 3: Walter Langbein sen.
Foto 4: wikimedia commons Huebi
Foto 5: Panorama Laacher See 2010 wikimedia commons/ Holger Weinandt
Fotos 6 und 7: Walter Langbein sen.


»UFOs, Götter, Astronauten«,
Teil 317 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 14.02.2016


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Donnerstag, 29. März 2012

Karl May- Glanz und Elend eines Bestsellerautors

Teil 2: Zum 100. Todestag
Walter-Jörg Langbein


Karl May 1907
Foto: Erwin Raupp
Rudolf Lebius (1868-1946) schrieb Artikel für die SPD-Parteizeitung »Vorwärts«.
Verleumderische »Berichte« brachten ihm Gefängnisstrafen ein. Lebius wechselte Jahre später seine politische »Überzeugung« ... wanderte von links nach rechts. Er wetterte gegen SPD und Gewerkschaften und gab – dank einer Erbschaft war ihm das möglich – nationalsozialistisch-rechtsradikale Blätter heraus, die allerdings bald wieder eingestellt werden mussten. 1918 – 6 Jahre nach dem Tod Karl Mays – gründete Rudolf Lebius eine rechtsradikale Partei. Im Parteiprogramm standen der Kampf gegen das »Großkapital« und alles »Undeutsche«. Gefordert wurde ein striktes Aufnahmeverbot für Juden in den Staatsdienst. 1923 löste sich die Partei wieder auf.

Im Frühjahr 1904 schlug Lebius Karl May ein »Geschäft« vor: Er würde Propaganda für den Schriftsteller machen, wenn er dafür ein »Darlehen« eingeräumt bekäme. Karl May lehnte ab und reagierte auch nicht auf eine erpresserische Karte. Voller Wut startete Lebius nun eine wahre Hetzkampagne gegen Karl May. Seine Attacken basierten auf zweifelhaften Informationen von Mays erster Ehefrau und bösartigen Fantasien. Lebius sorgte für die Veröffentlichung abstrusester Verleumdungen. So machte er Karl May, der für seine eher harmlosen Delikten hart bestraft worden war, zum »Räuberhauptmann«.

Rudolf Lebius führte voller Hass geradezu einen Kreuzzug gegen Karl May. Er stellte ihn als gemeinen Unhold ohne Anstand und Moral dar. Karl May sei nicht nur ein arger Schwindler, sondern ein geborener Verbrecher. Somit sei er ein Verderber der Jugend. Genüsslich zerrte Lebius Mays Jahrzehnte zurückliegende Vorstrafen ans Licht der Öffentlichkeit. May sah sich genötigt, unzählige Prozesse gegen Rudolf Lebius zu führen. Die Gerichtsverhandlungen zerrten an den Nerven Mays, zerrütteten ohne Zweifel die Gesundheit des beliebten Schriftstellers. Es sollte Jahre dauern, bis Karl May vor Gericht Recht erhielt. So wurde die Verbreitung einer Broschüre, von Lebius verfasst, die uralte Gerichtsakten enthielt, am 13. Dezember 1910 verboten.

Karl-May-Autograph
Sammlung: Langbein
In einem privaten Brief an die Opernsängerin vom Scheidt bezeichnete Lebius Karl May als »geborenen Verbrecher«. Eine Klage Mays gegen Lebius wurde zunächst gerichtlich abgewiesen. Der Ausdruck »geborener Verbrecher« stelle als »wissenschaftlicher Terminus« keine Beleidigung dar. May ging in die Berufung. Am 18. Dezember 1911, wenige Monate vor Mays Tod, erhielt Karl May endlich Recht. Lebius wurde zu einer Geldstrafe von 100 Mark verurteilt: wegen Beleidigung. Noch einige Klagen gegen Lebius sollten vor Gericht entschieden werden. Sie wären mit großer Wahrscheinlichkeit zugunsten Mays ausgefallen. Doch Karl May verstarb am 30.März 1912 ...

Karl May war, was einer breiten Öffentlichkeit kaum bekannt ist, auch ein politischer Mensch. So stand er der berühmten österreichischen Schriftstellerin, der Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner (1843-1914) nahe. Bertha von Suttner darf als Begründerin der heutigen Friedensbewegung angesehen werden ... 1892 rief die Schriftstellerin – »Die Waffen nieder!« (1889) dürfte ihr wichtigstes Werk sein – mit Gesinnungsgenossen die »Deutsche Friedensgesellschaft« ins Leben. Für ihr Wirken erntete sie von Zeitgenossen heftigste Angriffe. Während deutsche Politiker schon bedenklich mit den Säbeln rasselten, setzte sie sich für Frieden und Völkerverständigung ein. Von Suttner wurde als »Friedensfurie« und »Judenbertha« tituliert. Bertha von Suttner sah in Karl May einen Gesinnungsgenossen. Mit Recht: So machte sie Karl May – vor dem Ersten Weltkrieg – für eine Aussöhnung mit dem vermeintlichen »Erzfeind« Frankreich stark.



Am 15. Oktober 1905 besuchte Karl May mit seiner Frau einen Vortrag Bertha von Suttners in Dresden. Am 17. Oktober 1905 schrieb Karl May der Baronin (1): »Wir saßen auf der ersten Reihe, Ihnen grad vis-a-vis. Denn wir wollten Ihnen so nahe wie möglich sein; wir hatten Sie noch nie gesehen, obgleich wir Ihr großes, segensreiches Wirken und auch alle Ihre Bücher kennen. Wir freuten uns unendlich über die Gelegenheit, Ihre weithin schallende, gewichtige Stimme, die uns bisher nur schriftlich erklungen war, nun auch in Wirklichkeit zu hören. Und wir hörten sie, bis zur tiefsten Erschütterung. Meine Frau, die Gute, weinte, und auch ich wehrte mich der Thränen nicht.«

Bertha von Suttner, 1896
Foto: Martin Maack
Heute ist in der Öffentlichkeit Karl Mays Nähe zur frühen Friedensbewegung so gut wie vergessen. Im »III. Reich« jedoch war sie für »echte Nationalsozialisten« Anlass genug, Karl May zu beschimpfen. So veröffentlichte Wilhelm Fronemann anno 1934 eine »Denkschrift« mit dem Titel »Karl May und die Jugend des Dritten Reiches« (2). Darin heiß es, Karl May sei ein »leidenschaftlicher Verfechter einer weitgehenden Rassenmischung aus ganz sentimentalen Menschlichkeitsgründen« sowie ein »Verteidiger eines verwaschenen Pazifismus« gewesen.

Weiter ist da zu lesen: »Haben wir nicht unsere Schülerbüchereien von Juden, Pazifisten, Marxisten und sonst allem Undeutschen gereinigt? ... Karl May paßt zum Nationalsozialismus wie die Faust aufs Auge!«

Wenige Tage vor Weihnachten 1910 stand es sehr schlecht um Karl Mays Gesundheit. Eine Lungenentzündung fesselte ihn ans Bett. Karl May, durch nervenaufreibende Prozesse geschwächt, stand dem Tode näher als dem Leben. Fast schon trotzig schleppte sich der Greis zu erschöpfenden Prozessterminen. Dreizehn Strafverfahren und drei Zivilprozesse im Jahre 1910 hatten deutliche Spuren hinterlassen. Erholt hat sich Karl May nicht mehr wirklich. Seinen 70. Geburtstag erlebte der greise Schriftsteller in »Villa Shatterhand«, (3) »körperlich vom Tode gezeichnet, geistig und seelisch aber in unverminderter Frische«.

Karl May in Wien,
22. März 1912
Foto: Archiv Karl
May Gesellschaft
Gegen ärztlichen Rat reist Karl May im Frühjahr 1912 nach Wien. Hier entsteht das wahrscheinlich letzte Foto von Karl May. Wir sehen Karl May, von Krankheit gezeichnet, vor einer Motordroschke stehen.

Am 22. März hält er auf Einladung Bertha von Suttners einen zweistündigen Vortrag über seine Friedensvorstellung. May-Biograf Hermann Wohlgeschaft (4): »Über Mays Begrüßung durch das Publikum hieß es in der Presse am folgenden Tag: ›Er wird jubelnd begrüßt, und da er sich linkisch, unbeholfen, sichtlich überrascht bedankt, wird der Beifall zehnfach stärker. Die Jungen erhoben sich von den Sitzen und grüßten den Mann, der ihnen den Winnetou schenkte.‹ ... Der Vortrag handelte über Mays Leben und Werk sowie den Entwicklungsgedanken und die Weltfriedensidee.«

Karl May erlebt in der Kindheit bitterste Not. Er wird straffällig, wird hart bestraft, sitzt wiederholt im Gefängnis. Das kaum Vorstellbare gelingt ihm: Aus dem Zuchthäusler wird ein viel schreibender Redakteur und schließlich ein erfolgreicher Buchautor ... der auflagenstärkste Autor deutscher Sprache.

Karl May erwirbt sich Ansehen und Reichtum, wird aber im Alter von seiner Vergangenheit eingeholt. Ein Erpresser initiiert eine Hetzkampagne. Unzählige Reporter zelebrieren genüsslich die Demontage Mays. Glanz und Elend bestimmen das Leben des Erfinders von Old Shatterhand, Winnetou, Kara Ben Nemsi, von Hadschi Halef Omar, von Old Surehand, Sam Hawkens und Nscho-tschi, von Ribanna, Lord Lidsay, Lord Castlepool, um nur einige Charaktere aus dem großen Kosmos des Karl May zu nennen.

Grabstätte May
Foto: Norbert Radtke
Und dann gibt es noch den »unbekannten« May, der im Alter der Friedensbewegung Bertha von Suttners nahesteht. Erschöpft von zahllosen Prozessen findet er wieder Anerkennung. Wenige Tage vor seinem Tod jubeln ihm Tausende zu. So wird Mays Leben zu einer Reise aus dem Elend in den Glanz und wieder zurück. Am Ende aber triumphiert Karl May dann doch.

Am 23. oder 24. März 1912 ist er wieder im heimischen Radebeul. Am 30. März 1912, dem Hochzeitstag mit seiner zweiten Frau Klara, plant der Schriftstelle noch einen Kuraufenthalt. Er bittet seine Frau, alles für eine Kur in die Wege zu leiten. Doch am Nachmittag verfällt er, so berichtete später Klara May, in ein »eigenartiges waches Träumen«. Um 19 Uhr legt er sich zur Ruhe. Gegen 20 Uhr richtet er sich plötzlich im Bett auf ... und sinkt ermattet und doch »mit verklärtem Ausdruck zurück«. Seine letzten Worte, so wird überliefert, sind »Sieg, großer Sieg, Rosen, rosenrot!«

Unterschriften Klara und Karl May
Karl May stirbt am Abend des 30. März 1912 ... vor einhundert Jahren! Auch hundert Jahre nach seinem Tod wird Karl May gelesen. Auch hundert Jahre nach seinem Tod kennt man den Namen des berühmten Sachsen. Den seines schlimmsten Widersachers hat man weitestgehend vergessen. Er ist nur noch Experten bekannt.

Karl Mays letzte
Ruhestätte, Friedhof
Radebeul Ost
Foto: Norbert Radtke
Fußnoten
1: Wohlgschaft, Hermann: »Karl May/ Leben und Werk«, Band 3, Bargfeld/ Celle 2005, S. 1605
Diese umfangreiche Biografie in drei Bänden sei jedem Karl-May-Freund wärmstens empfohlen. Wer sich fundiert über Karl May informieren möchte, kann auf die Lektüre des Standardwerks nicht verzichten!
2: Erich Heinemann, »Karl May paßt zum Nationalsozialismus wie die Faust aufs Auge«, Beitrag im Jahrbuch der »Karl-May-Gesellschaft«, Husum 1982
3: Wohlgschaft, Hermann: »Karl May/ Leben und Werk«, Band 3, Bargfeld/ Celle 2005, S. 1996
4: ebenda, S. 1997/98
5: ebenda, S. 2003



Karl May- Glanz und Elend eines Bestsellerautors
Teil 3: Karl May, Marie und ich
Walter-Jörg Langbein
erscheint am 7.April 2012

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Sonntag, 29. November 2009

Winnetou's Sister and I

Marie Versini
(by Marlies Bugmann)

I first heard that lovely French name when I watched Winnetou’s sister ride side by side with Winnetou and Old Shatterhand across the wide silver screen, sometime during the early 1960s. Since then, I’ve watched the beautiful ‘Apache maiden’ countless times fall in love with Old Shatterhand, the white adventurer in Karl May’s Wild West.

Of course, Marie Versini, the accomplished and very charming French actress has not only played several female roles in movies adapted from May’s novels, but has also acted in a long list of wonderful stage plays, movies and television productions throughout her successful acting career.

As I translate Karl May’s novels into English, I become very closely acquainted with the characters in his works and, consequently, also get to know more of the actors and actresses who played, and still play, those roles, which is especially delightful to me when I find that my childhood heroes and heroines continue to honour Karl May’s world in the way Marie Versini does.

To me, Marie Versini HAS become Nsho-Chi, Winnetou’s sister. By following her own dreams, asking ‘what if’ and developing an alternative world to Karl May’s, whereby Nsho-Chi has lived on and given life to a daughter, Versini is connecting a new generation to Karl May’s spirit.
In my view, Versini’s two recent novels, co-authored by her husband, author and director, Pierre Viallet, Rätsel um N.T ('Riddles About N.T.'), and N.T. geht zum Film ('N.T. Goes To The Movies'), are a delightful new concept with which Karl May’s world and the people he populated it with have found new life. To my admiration for the actress Marie Versini has been added an even deeper respect for the writer Marie Versini as the trials and tribulations of giving life to a book are not only a rewarding, but, above all, also a challenging way of life.

Marie Versini, Winnetou’s sister, continues to play a very important role in my life. She stepped into the guise of the Apache maiden and has, thus, helped to draw me into the world of Karl May as a teenager; forty-something years later, Marie Versini is still enriching my life—by having remained Winnetou’s sister.

Marlies Bugmann, Hobart, Tasmania, November, 2009
Please visit Marlies Bugmann here...
Australian Friends of Karl May http://www.karl-may-friends.net/


The picture of Marie Versini was given to us with friendly permission of the owner, Mr. Elmar Elbs. Thank you very much!

Winnetous Schwester und ich

Marlies Bugmann über Marie Versini
(Übersetzung von Walter-Jörg Langbein)

Marie Versini, diesen eleganten französischen Namen hörte ich zum ersten Mal, als ich irgendwann in den 1960ern Winnetous Schwester Seite an Seite mit Winnetou und Old Shatterhand über die Kinoleinwand reiten sah. Seit damals habe ich immer wieder miterlebt, wie sich die wunderschöne »junge Maid« aus dem Stamme der Apachen in Old Shatterhand, den weißen Abenteurer im Wilden Westen Karl Mays, verliebte.

Natürlich hat Marie Versini, die vielbegabte und charmante französische Schauspielerin, nicht nur einige Frauenrollen in Filmen nach Karl May Romanen gespielt. Sie ist vielmehr im Verlauf ihrer erfolgreichen Karriere als Schauspielerin in einer langen Reihe von wundervollen Bühnenstücken, Kinofilmen und Fernsehproduktion aufgetreten.

Während ich Karl Mays Romane ins Englische übersetze, werde ich mit den Charakteren in seinen Werken eng vertraut. Konsequenter Weise erfahre ich auch mehr über die Schauspieler und Schauspielerinnen, die diese Rollen spielten und immer noch verkörpern. Es ist für mich in ganz besonderen Maße erfreulich, dass die Heldinnen und Helden meiner Kindheit nach wie vor Karl Mays Welt und Werk ehren, so wie dies Marie Versini tut.

Für mich IST Marie Versini Nscho-tschi, Winnetous Schwester, geworden. Marie Versini bringt den Geist Karl Mays einer neuen Generation nahe: indem sie ihren eigenen Träumen folgt, indem sie fragt »Was wäre wenn...« und eine alternative Welt zu der Karl Mays schafft. In dieser Welt lebt Nscho-tschi weiter und hat einer Tochter das Leben geschenkt.

Marie Versini hat unlängst zwei Romane geschrieben, gemeinsam mit ihrem Mann, dem Schriftsteller und Regisseur Pierre Viallet: »Rätsel um N.T (Nscho-tschi)« und »N.T. geht zum Film«. In meinen Augen sind diese Werke ein reizendes neues Konzept, welches sie entwickelt hat, womit Karl Mays Welt und die Menschen, mit der er sie bevölkerte, zu neuem Leben erweckt wurden. Zu meiner Bewunderung für die Schauspielerin Marie Versini kam ein noch tieferer Respekt – für die Schriftstellerin Marie Versini, sind doch die Mühen und Plagen, die es mit sich bringt, ein Buch zu schaffen, Belohnung und Herausforderung zugleich.

Marie Versini, Winnetous Schwester, spielt nach wie vor eine wichtige Rolle in meinem Leben. Sie nahm die Gestalt der jungen Apachin an und hat so dazu beigetragen, mich – als ich ein Teenager war – in die Welt Karl Mays zu ziehen. Mehr als 40 Jahre später bereichert Marie Versini nach wie vor mein Leben: indem sie Winnetous Schwester geblieben ist.
Marlies Bugmann, Hobart, Tasmanien, November 2009
Besuchen Sie doch Marlies Bugmann hier...
Australian Friends of Karl May http://www.karl-may-friends.net/

Das Bild von Marie Versini wurden uns freundlicherweise vom Rechteinhaber, Herrn Elmar Elbs, zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!


Sonntag, 1. November 2009

Karl May - Vom Wilden zum Heiligen

Walter-Jörg Langbein stellt vor:

Marlies Bugmann –
Schriftstellerin, Karl-May-Übersetzerin
und Karl-May-Biographin

Marlies Bugmann, geboren in der Schweiz, wanderte in ihren frühen Zwanzigern nach Neuseeland aus. Sie wurde Neuseeländerin und nennt sich mit Stolz »Kiwi«. 1988 zog es Marlies Bugmann – zusammen mit ihrem australischen Ehemann David – nach Tasmanien. Tasmaniens Fauna und Flora – in unseren Tagen auf vielfältige Weise bedroht – faszinierten Marlies Bugmann und inspirierten sie zu einer Reihe von Kinder-Romanen (»The Green Heart Series«). Ihr Berner Sennenhund Bertie ließ die Schriftstellerin intensiv recherchieren und ein kompaktes Buch über die vierbeinige Ikone schreiben: »Schweizer Tradition in Schwarz und Weiß«.

Aus der Schriftstellerin Marlies Bugmann wurde die Übersetzerin. 2004 begann sie mit der Übersetzung von Karl Mays »Weihnacht!« Das Buch erschien, gefolgt von weiteren Bänden, in englischer Sprache. Karl May Romane, die so häufig im »Wilden Westen« spielen, werden so einem englischsprachigen Publikum zugänglich gemacht. Inzwischen liegt bereits eine Reihe weiterer vorzüglicher Übersetzungen von Karl May Werken ins Englische vor (die einige interessante Forschungsresultate beinhalten), von Marlies Bugmann kenntnisreich und liebevoll gestaltet: zum Beispiel die »Winnetou Trilogie« und Old Surehand.
Ein Denkmal setzte Marlies Bugmann dem wahrscheinlich erfolgreichsten Schriftsteller deutscher Sprache mit der fundamentalen Karl-May-Biographie »Savage To Saint: The Karl May Story« (»Vom Wilden zum Heiligen: Die Karl May Geschichte«). Eine deutsche Version dieses grundlegenden Werks liegt leider bislang nicht vor. Kein echter Karl-May-Fan kann darauf verzichten!


Ich selbst lese Karl May seit meiner frühen Kindheit. Karl May machte mich auf die weite, weite Welt neugierig... auf Abenteurer und Schatzsucher, auf fremde Kulturen und uralte Kultbauten aus längst vergangenen Epochen. Es erfüllt mich mit Stolz, dass ich ein kleines Vorwort zu einem der – wie ich meine – wichtigsten Bücher über Karl Mays Leben und Werk verfassen durfte.
In meinem Vorwort schrieb ich:

»›Savage to Saint‹ verfolgt Karl Mays Werdegang, seine unglaublich anmutende Entwicklung: vom Kind, das in bitterer Armut aufwuchs zum jungen Mann, der im bürgerlichen Leben scheiterte... vom verzweifelten Gesetzesbrecher zum greisen Menschenfreund und Philosophen, der schon vor mehr als einhundert Jahren erstaunlich moderne Gedanken über die großen Probleme der Menschheit formulierte. ›Savage to Saint‹ ist nicht nur ein Meilenstein der May-Forschung. Es ist ein packendes Buch über die Extreme, zu denen ein Mensch fähig ist. Marlies Bugmann hat ein wichtiges Buch verfasst – nicht nur für Karl-May-Freunde. Es ist das Buch über einen Bestsellerautoren, der zum weisen Philosophen und Menschenfreund wurde. Mir ist kein vergleichbares Werk bekannt, das so viel Nachdenkenswertes über Chancen und Gefahren, über Sehnsüchte und Scheitern, über Traum und Wirklichkeit bietet! Es ist ein Buch über das Menschsein, zutiefst philosophisch und spannend wie ein Abenteuerroman zugleich! Es ist eines der wichtigsten Bücher, die ich je gelesen habe!«

Marlies Bugmann öffnete Karl May und seinem Werk ein weites Tor – für die englischsprachige Welt. Ihre Website http://www.karl-may-friends.net/ erfreut sich großer Beliebtheit!

Marlies Bugmann:
Karl May - »Vom Wilden zum Heiligen«

Karl May. Es gibt ganz bestimmte Empfindungen und Gefühle, die bei jedem Europäer, der jemals einen Karl-May-Film gesehen oder einen Karl-May-Roman gelesen hat, abgerufen werden – sobald nur der Name Karl May gehört oder gelesen wird. Gibt es Karl-May-Leser, die wirklichen realisieren, warum das so ist? Nach 1962, nach »Der Schatz im Silbersee«, änderte sich mein Leben: sehr subtil, fast unmerklich, aber es geschah! Ich sah mein Umfeld in einem anderen Licht. Ich betrachtete meine Mitmenschen mit anderen Augen. Und meine Spiele erhielten eine andere Bedeutung. Ich war acht Jahre alt damals, und doch erinnere ich mich gut an den mächtigen Eindruck. Siebenundvierzig Jahre nach »Der Schatz im Silbersee« begann ich, Karl May zu übersetzen. Und ich spürte zu meinem Erstaunen, welche Kraft hinter dieser Veränderung steckte!
Karl May vor den Niagara-Fällen

Die Motivation, ein Buch zu schreiben, ist von Autor zu Autor verschieden, eines aber bleibt immer gleich: jedes Buch, das ein Schriftsteller schreibt (jedes Gemälde, das ein Maler schafft, jede Skulptur, die ein Bildhauer kreiert) ist durchdrungen von der ureigenen Essenz des Schaffenden – unvermeidlich, unbewusst. Es gibt einen direkten Dialog in beide Richtungen: zwischen Künstler/Künstlerin und seinem/ihrem Werk. Das Werk spricht direkt den Künstler an und löst den nächsten Schritt der Entwicklung aus – im Kunstwerk wie beim Künstler.
Das traf zu auf Karl May, das gilt für mich, das sollte immer stimmen, wenn jemand in welcher Weise und in welcher Form auch immer Kunst erschafft. Wenn dem nicht so ist, dann handelt es sich nicht um echte Kunst!

»Savage to Saint« (»Vom Wilden zum Heiligen«), die Mikro-Biographie von Karl May und zugleich Darstellung seines Werkes (wobei der Blick ausschließlich auf »Winnetou« und Karl Mays Romane aus dem Wilden Westen gerichtet wird) war für meine Arbeit als Karl-May-Übersetzerin eine absolute Notwendigkeit. Karl May zu übersetzen, so fand ich rasch heraus, war nicht nur eine zweigleisige Verbindung zwischen der Autorin der Übersetzung (also mir) und dem Endergebnis (also der Übersetzung). Es liegt vielmehr so etwas wie eine Dreierbeziehung vor. Und jeder der drei Partner – Karl May, die Übersetzung des Textes und ich als Übersetzerin – ist von den beiden anderen Partnern abhängig, für die Bestätigung der Authentizität von allen drei.

Indem ich Karl Mays Leben, seine Philosophie, sein Werk grafisch darstellte – genauer gesagt den Abschnitt welcher Karl Mays Wildwest-Genre sowie die Beziehung zwischen Winnetou und Old Shatterhand repräsentiert – ermöglichte ich nicht nur einem neuen Publikum einen Einblick in das Paradoxon Karl May, das vielleicht erklären mag, warum sich besonders deutschsprachige Europäer den amerikanischen Ureinwohnern anders annähern, nämlich mit einer größeren Kapazität, einen offenen Dialog zu führen, sondern ich erkannte auch, dass ich als Übersetzerin eine immense Verantwortung habe, den ursprünglichen Schöpfer, Karl May, in korrekter Weise zu porträtieren und zu interpretieren.

»Vom Wilden zum Heiligen« ist entstanden wegen der Notwendigkeit, Karl Mays Chaos zu verstehen, denn das war es was ich fand, als ich versuchte die Stücke seines Puzzles zusammenzufügen. Das Schreiben des Werkes »Vom Wilden zum Heiligen« war sowohl eine logische Weiterentwicklung meiner Übersetzungsarbeit, als auch eine sehr persönliche Reise.
Karl May hielt mir einen Spiegel vor und fragte: Kannst Du mit meinem Chaos leben? Kannst Du meine Gedankenwelt respektieren? Kannst Du mich so wiedergeben wie ich wirklich bin? Kannst Du verstehen, was ich zu vermitteln versuche? Sobald ich die Fragen verstand, war es möglich, die Antworten zu finden. Ich war es, die ich antworten musste: »Leben IST Chaos. Ich möchte, dass meine Denkweise von jenen respektiert wird, die mich umgeben. Ich verabscheue es etwas vorzutäuschen, was ich nicht bin. Ich verachte es, falsch interpretiert zu werden!«

Diese und andere Fragen tauchten auf und, als ich Karl Mays Leben zurück verfolgte, Schritt für Schritt, ergaben sich auch die Antworten, manche mühelos, manche nach intensiver Erforschung des Seelenlebens. Es überrascht mich, wie oft ich auf mein Buch »Vom Wilden zum Heiligen« zurückgreife bei meiner Arbeit als Übersetzerin, etwa wenn ich mein Gedächtnis auffrischen möchte, was ein Detail angeht, sei es von geschichtlicher Bedeutung, sei es Teil eines Handlungsschemas oder eine biographische Angelegenheit. Ich habe, in dem Sinne, mein Ziel erreicht – einerseits habe ich ein lebendiges Werk kreiert mit »Vom Wilden zum Heiligen«, andererseits wurde die eingangs implizierte Frage damit beantwortet: »Warum löst Karl May solch tiefe und unbezweifelbar polarisierende Gefühle und Antworten aus?« Weil er ehrlich blieb, ungeachtet des fiktiven Gewandes seiner Parabeln!

»Vom Wilden zum Heiligen« bestätigte für mich ganz simpel, dass das Abenteuer, ein Buch zu schreiben einhergehen muss mit der Offenlegung der eigenen Seele, indem man ehrlich, man selbst ist; nur dann wird das Werk den Leser wirklich ansprechen! Ein Buch ist offensichtlich ein Mittel der Verständigung, ein Dialog, kein Monolog. Um Karl Mays Gefühle auszuborgen: ein Buch, von einem »zugeknöpften Verfasser« geschrieben, mag zwar ein wirtschaftlicher Erfolg sein, was die Verkaufszahlen anbelangt. Es wird aber keinen Geist, keine Seele haben. »Vom Wilden zum Heiligen« offenbart Karl Mays Seele als Winnetou: so verstehe ich Mays Werk, so interpretiere ich es. »Vom Wilden zum Heiligen« spiegelt auch meine geistige Haltung wider – und die ähnelt jener von Karl May.

Marlies Bugmann, Tasmania 2009 Australian Friends of Karl May

http://www.karl-may-friends.net/

Übersetzung: Walter-Jörg Langbein, Lügde 2009

Karl May - From Savage to Saint

Walter-Jörg Langbein introduces:

Marlies Bugmann –
Author,
Karl-May-Translator
and
Karl-May-Biographer

Some time in her early twenties, Marlies left Switzerland for a new life in New Zealand. She chose to acquire New Zealand citizenship and is proud to be able to call herself a Kiwi. In 1988, together with her Australian husband, David, she moved to Tasmania and has lived on Australia’s island state ever since.

Her passion about the rare and threatened Tasmanian fauna and flora inspired a series of illustrated children’s adventure novels set in picturesque Tasmanian wilderness, titled »The Green Heart Series«. Her own Bernese Mountain Dog, Bertie, inspired Swiss Tradition In »Black And White«, a compact work about the history of this Swiss icon.

The author Marlies Bugmann became the translator. In 2004 she began the translation of the Karl May novel “Holy Night!”. The book, followed by more of Karl May’s works, was published in English. His novels, which are so often set in the Wild West, are, thus, made accessible to an English speaking readership. In the meantime, more excellent English translations of Karl May’s works have become available (incorporating some interesting resarch results), created by Marlies with scholarly skill and loving care: for example the Winnetou trilogy or the Old Surehand saga.

With the fundamental Karl May biography Savage To Saint: The Karl May Story, Marlies Bugmann erected a monument to possibly the most successful German language writer. No true Karl May aficionado can afford to be without it!

I, myself am reading Karl May, and have done so since my earliest childhood. Karl May kindled my curiosity about the ‘big wide world’, about adventures and treasure hunters, about other cultures and ancient ritual structures of long-since vanished eras. I was honoured when I was permitted to write a short review for what I regard as one of the most important books about Karl May’s life and work.

In my review, I wrote:

»›Savage To Saint‹ follows Karl May’s development, his seemingly unbelievable progression from the child who grew, through bitter poverty, into a young man who failed as a member of society…from the young and desperate lawbreaker to the old philanthropist and philosopher who already more than one hundred years ago formulated surprisingly modern thoughts about the great human conundrum.

Savage To Saint‹! It is a book about being human, deeply philosophical and as full of suspense as an adventure novel! It is one of the most important books I have ever read!«
Marlies Bugmann opened a wide gate for Karl May and his work—for the English speaking world. Her website: http://www.karl-may-friends.net/ enjoys great popularity!

(Translation/Übersetzung: Marlies Bugmann)


Karl May - »Savage to Saint«
Karl May. There is a very distinct and certain set of sentiments, or emotions, that surface inside every European, who has ever seen a Karl May movie or read a Karl May novel, when they hear or read the name Karl May. Do any Karl May readers truly realize why this is so? After 1962, and ‘Der Schatz Im Silbersee’, my life changed, very subtly, minutely, but it did. I looked at my surroundings in a different light; at my fellow human beings with different eyes, and gave my games a different meaning. I was 8 years old at the time, however, I still remember that impact. Forty-seven years after ‘Silverlake’, I began to translate Karl May, and, to my surprise, sense the force behind that ‘change’.
Karl May in front of the Niagara-falls
The motivation for writing a book differs from author to author, but one thing remains constant: each book a writer writes (each painting a painter paints, each sculpture a sculptor sculpts) is suffused by his/her own essence—by default. It is also a direct two-way dialogue; between the artist and his/her work because the work itself speaks to its creator and furnishes the prompts for the next step in the evolution of the work as well as the artist. That was true for Karl May, that is true for me and ought to be true for everyone who creates art in any way, shape or form; if it isn’t, it’s not true art.

Savage To Saint, the micro-biography of Karl May and show-case of his works (focusing solely on Winnetou and May’s Wild West works), was a bare necessity for my translation work. Translating Karl May, as I soon found out, wasn’t a straight-forward two-way street between the creator of the translation (myself) and the final product (the translation); by definition, it is a triangular relationship, and each partner in the relationship, Karl May, the translation of his text, and myself as the translator, is equally dependent on the other two for authentication of all three. By charting his life, his philosophy, his work—or rather, the slice that represents his Wild West work, as well as Winnetou and Old Shatterhand’s relationship—I not only gave a new audience a glimpse into the paradox that is Karl May, which might explain why especially German-speaking Europeans approach native Americans differently, with a greater capacity to open dialogue, but also realized that, as a translator, I have an immense responsibility to correctly portray and interpret the original creator of the work.

Savage To Saint came into being because of a need to ‘understand’ Karl May’s chaos, as that is what I encountered when I tried to put pieces of his puzzle together. As much as writing Savage To Saint was a logical extension of my translation work, it was also a very personal journey. Karl May held up a mirror in front of me and asked: Can you live with my chaos? Can you respect my mindset? Can you represent me as I am? Can you understand what I am trying to bring across? Once I understood the questions, it was a matter of finding the answers. It was I who had to give the answers: ‘life IS chaos; I wish my own mindset to be respected by those around me; I abhor pretending to be something I’m not; I detest being misrepresented’.


Those and many other questions surfaced and, by retracing the steps of May’s life, the answers also arose—some effortlessly, some with great soul-searching. I’m surprised at the many times I now reach for Savage To Saint in the course of my translation work to refresh my memory about a detail, be it of historical importance, part of a plot or of a biographical matter and have, in that sense, achieved my objective—on one hand that of having created a living work with Savage To Saint, and on the other that of having answered the question implied in the opening passage: ‘Why does Karl May evoke such deep and undeniably polarized emotions and responses?’ Because he was honest—regardless of the fictional cloak of his parables!

Writing Savage To Saint was a simple confirmation for me that the adventure of writing a book must be accompanied by the ‘baring of one’s soul’, by the act of being ‘honest’—being yourself—only then will it ‘speak’ to the reader because a book is, obviously, a piece of communication, a dialogue, not a monologue. To borrow Karl May’s sentiments: a book written by a writer with a ‘buttoned-up coat’ might be a promotional success, but will have no spirit. Savage To Saint presents Karl May’s soul, in the guise of Winnetou—as I interpret it, which, in turn, also reflects my own spirit, which isn’t unlike that of Karl May.

Marlies Bugmann, Tasmania, 2009

Australian Friends of Karl May

http://www.karl-may-friends.net/

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