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Donnerstag, 10. August 2017

Marie Versini zum 77.!

Herzlichen Glückwunsch zum 77.!
Walter-Jörg Langbein


Wenn je eine von Karl Mays Fantasiegestalten im Film lebendig wurde... dann Nscho-tschi, Winnetous Schwester. Marie Versini verkörperte im Film (»Winnetou I« und »Winnetou und sein Freund Old Firehand«) die schöne Indianerin in idealer Weise ... Sie war glaubhaft. Marie Versini war Nscho-tschi.

Geradezu schwärmerisch beschreibt Karl May die junge Frau (1): Sie »war schön, sogar sehr schön. Europäisch gekleidet, hätte sie gewiss in jedem Salon Bewunderung erregt... Ihr einziger Schmuck bestand aus ihrem langen, herrlichen Haare, welches in zwei starken, bläulich schwarzen Zöpfen ihr weit über die Hüften herabreichte.«

Karl Mays »Alter Ego« spart nicht mit Komplimenten (2): »›Nscho-tschi ist dein Name?‹ sagte ich. ›Ja.‹ - ›So danke dem, der ihn dir gegeben hat. Du konntest keinen passenderen bekommen, denn du bist wie ein schöner Frühlingstag, an welchem die ersten Blumen des Jahres zu duften beginnen.‹«

Karl Mays Romanwelt wird von starken Männern dominiert: im Orient ebenso wie im »Wilden Westen«. Mit Nscho-tschi schuf aber Karl May eine Gestalt, die so ganz und gar nicht in seine Zeit passte. Gewiss, Nscho-tschi pflegte den schwer verwundeten Old Shatterhand aufopfernd. Gewiss, Nscho-tschi verliebte sich in den Mann aus dem fernen Europa. Nscho-tschi war aber nicht ein hübsches Heimchen am Herd, sondern eine Gleichberechtigte in einer »Männerwelt«. Sie ritt mit den Kriegern, beherrschte den Umgang mit den Waffen wie die besten Krieger, war an den bedeutsamsten Entscheidungen beteiligt und diskutierte lebenswichtige Fragen.

Nscho-tschi erweist sich Old Shatterhand sogar überlegen: Karl Mays »Alter Ego«, der Europäer, vertritt mit einem Hauch von Arroganz das »überlegene Abendland«. Nscho-tschi aber macht ihm klar, dass die vermeintlichen »Wilden« Amerikas oftmals kultivierter als die »zivilisierten« Europäer und weißen Nordamerikaner sind.

Marie Versini spielte schon als kleines Mädchen Nscho-tschi... die sie als junge Frau im Film verkörperte. Gewiss, es gab Zeiten, da war Marie Versini nicht so glücklich, von ihren Fans nur als Nscho-tschi gesehen zu werden. Im Exklusiv-Interview für »Ein Buch lesen« sagte sie: »Das hat mich vor einigen Jahren schon ein bisschen geärgert. Schließlich habe ich ja noch viel mehr gespielt... auf der Bühne fast acht Jahre in der ›Comédie française‹ in Paris wo ich den klassischen Part der Naiven gespielt habe, von Molière bis zu Shakespeare. Und ich habe viele andere Filme gedreht wie zum Beispiel ›Zwei Städte‹ mit Dirk Bogarde, ›Paris Blues‹ mit Paul Newman und Luis Armstrong, ›Junge mach dein Testament‹ mit Eddie Constantine, ›Brennt Paris?‹ mit Jean Paul Belmondo, Alain Delon, Gert Fröbe, etc...«

Marie Versini weiter: »Später wurde mir bewusst: Es war eine große Chance mit einem Charakter identifiziert zu werden. In dieser Zeit, die so ein kurzes Gedächtnis hat, und so viele und vieles vergisst - da ist es schön, Nscho-tschi zu sein. Aber ich bin nicht nur Nscho-tschi...«

Es stimmt: Marie Versini triumphierte schon mit 17 (sie ist Jahrgang 1940) als jüngstes Mitglied der »Comédie Francaise« in Paris. Sie war die Cosette in Victor Hugos »Les Misérables«, die Agnés in Molieréres »L’Ecole des femmes« und Julia in Shakespeares »Romeo und Julia«, um nur einige ihrer großen Bühnenrollen zu nennen.

Sie stand – um einige ihrer prominenten Kollegen zu erwähnen – mit Louis Armstrong, Paul Belmondo, Dirk Bogarde, Eddi Constantine, Alain Delon, Gert Fröbe, Curd Jürgens und Christopher Lee vor der Kamera.

Vor mehr als 40 Jahren engagierte der französische Regisseur Pierre Viallet Marie Versini für die Rolle der Pianistin Clara Schumann. Marie Versini verliebte sich bei den Dreharbeiten in Pierre Viallet.. Die beiden heirateten. Kein Wunder, dass Clara Schumann neben Nscho-tschi ihre liebste Rolle ist!

In die Herzen von Millionen von Zuschauern hat sich Marie Versini als Nscho-tschi gespielt.

Karl-May-Leser wissen: Die blutjunge Nscho-tschi wurde vom Unhold Santer feige ermordet. Marie Versini aber lässt die edle Indianerin weiter leben... in ihren vorzüglichen Büchern »Rätsel um N.T.« und »N.T. geht zum Film«. Wer mehr über das Leben von Marie Versini erfahren möchte, lese ihr Buch »Ich war Winnetous Schwester«.

Zu Marie Versinis heutigem Geburtstag gratuliere ich, auch im Namen von »Ein Buch lesen«, 
von ganzem Herzen!

Liebe Marie, alles, alles Liebe und Gute Zum Geburtstag.... 
und überhaupt! 
Und herzlichen Dank für Deine Nscho-tschi. 
Ich bin sicher: Karl May hätte Dich lieb gewonnen!

Hier weiterlesen: 

Lesen Sie hier weiter - zum 100. Geburtstag von Karl May: 
Glanz und Elend eines Bestsellerautors

Marie Versinis Homepage

Aktuelle Empfehlung : Hommage an Robert Schumann

1) Karl May: »Winnetou I / Reiseerzählung«, »Historisch-Kritische Ausgabe für die Karl-May-Gedächtnisstiftung«, herausgegeben von Hermann Wiedenroth und Hans Wollschläger, Abteilung IV, Band 12, Zürich 1990, S. 268
2) ebenda, S. 270



Bilder Marie Versini: Elmar Elbs

Karl May: Old Shatterhand, Winnetou und Nscho-tschi

Eine Würdigung von
Walter-Jörg Langbein


Old Shatterhand und
Nscho-tschi
Foto: Elmar Elbs
»Jeder kleine deutsche Junge wächst mit Winnetou, dem stolzen Häuptling der Apachen, auf oder mit Chingachgook, genauso wie mit Nscho-tschi und Ribanna, Helden wie Klehkih-petra, Old Shatterhand ...« schreibt John Asht in seinem opulenten Roman »Twin-Pryx« (1).

In der Tat: Karl May hat schon vor rund 150 Jahren Fantasiegestalten geschaffen, die für mehrere Generationen von Leserinnen und Lesern höchst real waren. Es scheint so, dass auch Karl May selbst manchmal nicht zwischen Realität und Fantasie unterscheiden konnte. Der berühmte Bestsellerautor aus Sachsen wuchs unter ärmlichsten Verhältnissen in einer Familie von Webern auf, in beengtesten Verhältnissen und ohne Aussicht auf ein Leben ohne Not. Karl May geriet auf die schiefe Bahn, beging einige in der Regel harmlosere Delikte ... und wurde drakonisch bestraft. Jahrelang saß er in Haftanstalten ... und sehnte sich nach Freiheit und Gerechtigkeit.

Noch in Haft entwickelte Karl May Konzepte für künftige Werke. Kaum in Freiheit schuf er sein alter ego, Old Shatterhand, der mit Winnetou durch die Weiten des Wilden Westens reitet ... Karl May kreierte eine Welt ohne Grenzen. Er trat in seinen Fantasien als Kämpfer für Rechtlose und Unterdrückte auf ... eine Art Superman des Wilden Westens. Karl May wurde in seinen Werken vom von der Justiz Verfolgten zur personifizierten Gerechtigkeit.

Karl May als
Kara Ben Nemsi
Karl May schuf so mit Old Shatterhand einen Helden, der die Enge der kleinbürgerlichen Realität verlässt und in den USA frei (wie nur ein Westmann sein kann) heroisch für Gerechtigkeit sorgt, zusammen mit seinem Blutsbruder Winnetou. Old Shatterhand war für unzählige Jugendliche mehrerer, ja inzwischen vieler Generationen die Idealgestalt, die sie selbst gern gewesen wären. Eingeengt durch bürgerliche Zwänge schulischer und elterlicher Bevormundung, durch Ohnmacht gegenüber den oft als ungerecht empfundenen Erwachsenen, ritt so mancher Jugendlicher als Old Shatterhand neben Winnetou von Abenteuer zu Abenteuer ... in seinen Träumen, in einer Welt, die so viel schöner war als die oft graue Wirklichkeit.

Es fällt auf, dass Old Shatterhand von alten Westmännern gern unterschätzt und als Greenhorn belächelt, ja verlacht wird. Aber dann erweist sich der Verkannte immer wieder als allen überlegener Held, der vermeintliche Autoritätspersonen »alt aussehen« lässt.

Karl May erträumte sich ein alter ego ... so wie seine zahllosen jugendlichen und junggebliebenen Leser. Karl May kreierte aber auch für Leserinnen eine bewundernswerte Gestalt, mit der sie sich identifizieren konnten: Nscho-tschi, Winnetous wunderschöne Schwester. Während in der deutschen Realität der Frau die Rolle als gehorsames Heimchen am Herd zugeordnet wird, ist Karl Mays Fantasiegestalt Nscho-tschi im »Wilden Westen« eine erstaunlich emanzipierte, selbstbewusste Indianerin. Nscho-tschi (»Schöner Tag«) bewegt sich im Kreise ihres Stammes selbstbewusst und stolz. Sie trifft selbst Entscheidungen und lässt nicht über sich bestimmen. Sie schwingt sich aufs Pferd und reitet wie eine Amazone. Wenn je einer von Karl May geschaffenen Gestalt im Film Gerechtigkeit widerfahren ist ... dann Nscho-tschi, dargestellt von der schönen Marie Versini! Wenn je Karl May in einer Verfilmung seiner Werke eine von ihm erfundene Gestalt wiedererkennen würde ... dann ist das Marie Versini als Nscho-tschi, die schöne Schwester Winnetous!

Marie Versini als die
schöne Nscho-tschi
Foto: Elmar Elbs
Im Film hat man Karl Mays Bild von Winnetous Schwester in glaubhafte Bilder umgesetzt. Lesen wir nach, wie Karl May die junge Frau beschreibt(2): Sie »war schön, sogar sehr schön. Europäisch gekleidet, hätte sie gewiss in jedem Salon Bewunderung erregt ... Ihr einziger Schmuck bestand aus ihrem langen, herrlichen Haare, welches in zwei starken, bläulich schwarzen Zöpfen ihr weit über die Hüften herabreichte.«

Karl Mays Old Shatterhand scheint sich nach und nach in die schöne Indianerin zu verlieben. Er spart nicht mit poetischen Komplimenten. Das deutet ein Dialog zwischen dem Mann mit der Schmetterfaust und der schönen Schwester Winnetous zart an (3): »›Nscho-tschi ist dein Name?‹ sagte ich. ›Ja.‹ - ›So danke dem, der ihn dir gegeben hat. Du konntest keinen passenderen bekommen, denn du bist wie ein schöner Frühlingstag, an welchem die ersten Blumen des Jahres zu duften beginnen.‹«

Karl May wird gern vorgeworfen, dass seine Romanwelt vor allem von starken Männern bestimmt wird: sowohl im Orient wie auch im »Wilden Westen«. Das trifft auch weitestgehend zu. Man bedenke aber, dass Karl May ein Kind des ausgehenden 20. Jahrhunderts war, das nicht gerade vom Gedanken der Gleichberechtigung geprägt war. Vor diesem Hintergrund mutet Karl Mays Nscho-tschi geradezu revolutionär ein. Seine anmutige Heldin passt so ganz und gar nicht in Karl Mays Zeit.

Gewiss, Nscho-tschi pflegt – ganz fürsorgliche Frau – den schwer verwundeten Old Shatterhand selbstlos und aufopfernd. Gewiss, Nscho-tschi verliebt sich – ganz Frau –in den Helden aus dem fernen Europa. Aber sie unterwirft sich eben nicht dem Mann. Sie lässt sich nicht von den Männern ihres Stammes herumkommandieren. Sie ist und bleibt stets selbstbewusst, sie versteht den Umgang mit Waffen wie die Besten der wackeren Krieger. Sie diskutiert mit den Männern wichtige Fragen, sie wird an Entscheidungen beteiligt ... als Gleichberechtigte.

 Historische Aufnahme:
Karl May als
Old Shatterhand
Karl May geht sehr geschickt vor. Er gibt sich als Old Shatterhand als Macho vom alten Schlag, geradezu überheblich und arrogant. Und muss dann im Gespräch mit Nscho-tschi klein beigeben! Und so entsteht ein für Karl Mays Zeit wirklich revolutionäres Bild vom Indianer und vom Weißen. Der vermeintlich »Wilde«, die verachtete »Rothaut« erweist sich als zivilisiert, der vermeintlich überlegene Mensch der ach so zivilisierten Welt als der eigentliche Rohling und Barbar!

Karl Mays Sympathien gelten der indianischen Kultur, die seiner Überzeugung nach freilich dem Untergang geweiht ist ... so wie Nscho-tschi vom Unhold Santer hinterrücks ermordet wird. Selbstkritisch geht Karl May mit der eigenen Kultur ins Gericht.

Immer wieder wetterten selbsternannte Volkserzieher gegen Karl May als vermeintlichen Schundliteraten. Tatsächlich aber bekämpfte Karl May Rassismus und überheblichen Dünkel gegenüber vermeintlich »primitiven« Völkern weitaus wirkungsvoller als jedes wissenschaftliche Traktat, als jedes Werk der so verehrten hehren Literatur. Karl May berührte ... und berührt die Herzen seiner Leserinnen und Leser ... und das seit Generationen!

Keine Frage: Karl May machte – speziell in seinen Fortsetzungsromanen – Zugeständnisse an den Publikumsgeschmack. Immer wieder erweist sich – und wer wollte dem großen Sachsen das zum Vorwurf machen – Karl May als Kind seiner Zeit. Wer aber sucht, der findet immer wieder bemerkenswerte Perlen.. Zitate, die heute, zu Beginn des dritten Jahrtausends nach Christus, leider immer noch brandaktuell sind.

Kindle-Ausgabe
Old Surehand
So schreibt May in »Old Surehand 3« (4): »Geht mir mit einer Civilisation, die sich nur von Länderraub ernährt und nur im Blute watet! Wir wollen da gar nicht nur von der roten Rasse reden, o nein. Schaut in alle Erdteile, mögen sie heißen wie sie wollen! Wird da nicht überall und allerwärts grad von den Civilisiertesten der Civilisierten ein fortgesetzter Raub, ein gewaltthätiger Länderdiebstahl ausgeführt, durch welche Reiche gestürzt, Nationen vernichtet und Millionen und Abermillionen von Menschen um ihre angestammten Rechte betrogen werden? … Wenn Ihr ein guter Mensch seid, und der wollt Ihr doch gewiß wohl sein, so dürft Ihr Euer Urteil nicht nach der Ansicht der Eroberer richten, sondern nach den Meinungen und Gefühlen der Besiegten, der Unterdrückten und Unterjochten.«

Hier weiterlesen:
Marie Versini zum 77. Geburtstag
Marie Versini im Interview


Fußnoten
1: Asht, John: »Twin Pryx - Zwillingsbrut«, Erlangen, 1. Auflage 2011, S. 80
2: Karl May: »Winnetou I/ Reiseerzählung«, »Historisch-Kritische Ausgabe für die Karl-May-Gedächtnisstiftung«, herausgegeben von Hermann Wiedenroth und Hans Wollschläger, Abteilung IV, Band 12, Zürich 1990, S. 268
3: ebenda, S. 270
4 May, Karl: »Old Surehand 3«, eBook, Position 1742 von 8030

Interview mit Marie Versini

»Karl May zum 170. Geburtstag« erscheint am 25.02.2012


Donnerstag, 5. April 2012

Karl May - Glanz und Elend eines Bestsellerautors

Teil 3: Karl May, Marie und ich
Walter-Jörg Langbein


Karl May um 1906
Foto: Erwin Raupp
Karl May war schon zu Lebzeiten ein Superstar. Unzählige Leserinnen und Leser bombardierten ihn mit Briefen. Kaum eine andere Bewunderin kam aber Karl May so nahe wie Marie Hannes. Marie Hannes (1881-1953), seit einem Unfall chronisch krank, nahm 1896 per Briefpost Kontakt mit Karl May auf. Marie lernte May dann 1897 – 16-jährig – persönlich kennen.

Familie Hannes war vom fabulierenden May begeistert. Der Sachse gab sehr überzeugend den Bestsellerautor, der tatsächlich als Old Shatterhand Blutsbruderschaft mit Winnetou geschlossen hatte ... und der als Kara Ben Nemsi wirklich echte Abenteuer mir Hadschi Halef Omar durchlebt und durchlitten hatte. Kurz, Karl May ließ keinen Zweifel an der Wahrheit seiner geschilderten Erlebnisse aufkommen. Er erzählte, ließ sich von der eigenen Begeisterung mitreißen ... und entführte vor allem Marie und ihren Bruder Ferdi in seine Fantasiewelten.

Marie Hannes schwärmte für Karl May. Und Karl May scheint die schwärmerische Zuneigung der jungen Frau genossen zu haben. Eine geradezu familiäre Bindung entstand. So bezeichnete Marie Karl May gern schwärmerisch als ihren Onkel. Und Karl May akzeptierte diesen Titel.

Anno 1897 erschien Karl Mays Roman »Weihnacht«.Anno 1900 schickte May Marie Hannes ein Exemplar mit persönlicher Widmung:

May-Widmung für Marie Hannes, Sammlung Langbein
»Meinem Mariechen,
die mein Liebling ist,
von
ihrem Onkel Karl,
welches der Verfasser ist.
Radebeul, Dresden,
d.6./11. 00«

Karl May, auf dem Zenit seiner Popularität, wurde in der Presse immer wieder angegriffen. May-Feind Lebius attackierte die Legenden von Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi. Karl May selbst versuchte, seine Abenteuer als symbolhafte Märchen zu erklären. Marie Hannes aber glaubte nach wie vor, dass »Onkel Karl« wirklich erlebt hatte, was er in seinen Büchern schilderte.

Wie innig die Beziehung zwischen Marie Hannes und Karl May waren, belegt der umfangreiche Briefwechsel zwischen dem Schriftsteller und seiner Verehrerin. Marie Hannes schrieb: »Meinem herzallerliebsten Onkel Karl!« May antwortete am Heiligen Abend 2012: »Mein Liebling« (1)

Und so verfasste sie eine Schrift mit all den faszinierenden Legenden, die ihr »Onkel Karl« doch selbst erzählt hatte. Marie Hannes wollte ihre Verteidigungsschrift unter dem Titel »Allerlei von Karl May« veröffentlichen.

Daran aber war Karl May ganz und gar nicht gelegen. So bat er seine Frau Klara, sich doch an Marie Hannes zu wenden. Angeblich wollte Klara das Manuskript lesen. Marie Hannes schickte der Gattin Mays ihr Traktat und schrieb eine nicht für die Öffentlichkeit gedachte, vernichtende Kritik. Marie Hannes aber sollte erfahren, was Karl May von ihrer Verteidigungsschrift hielt. Wieder war es Klara May, die Marie Hannes kontaktieren musste. So kam die junge Frau in den Besitz von Mays Ausführungen über »Allerlei von Karl May«. Marie verstand die Welt nicht mehr. Hatte sie doch, empört über die Anfeindungen durch Lebius und Co., ihrem »Onkel« Beistand leisten wollen. War sie doch nach wie vor davon überzeugt, dass sich die Heldentaten der fiktiven May-Helden wirklich so abgespielt hatten!

Marie Hannes
als Vierzehnjährige
Hatte sie doch beabsichtigt, der Welt den ihrer Meinung nach wahren Karl May, alias Old Shatterhand, alias Kara Ben Nemsi vor Augen zu führen ... Karl May allerdings wollte sich von diesen einst angeblich »realen Gestalten« verabschieden. Karl May war entsetzt. Auf keinen Fall durfte das Bändchen veröffentlicht werden! Angeblich vernichtete er das Manuskript. Sicher schätzte May die Situation richtig ein: Die flammende »Verteidigungsschrift« hätte ihm damals sehr geschadet!

Marie Hannes war zutiefst verletzt. So brach der direkte Kontakt zwischen Marie und May ab. Erst 1906 besuchte Marie Hannes Karl May wieder in der »Villa Shatterhand«. Marie Hannes hatte sich von ihren fantasievollen Vorstellungen verabschiedet. Sie akzeptierte nun, dass Mays Romane nur in der Fantasie »wahr« waren. Aber traf dies nicht auf unzählige Werke der Weltliteratur zu? Waren die Abenteuer von Tom Sawyer und Huck Finn, von Mark Twain ersonnen, nicht auch nur Fiktion? Und hatte nicht James Fenimore Cooper (1789-1851) seinen Lederstrumpf erfunden? Auch Miguel de Cervantes hatte seinem fiktiven Don Quijote (Don Quixote) ein ewiges, unvergängliches Denkmal geschaffen. Keinem dieser Literaten wurde je vorgeworfen, fantasiert zu haben.

Namenszug Marie Hannes, Sammlung Langbein
Für Marie Hannes konnte es jetzt nur eine Strategie geben. Karl May musste sich radikal von seiner Pseudowirklichkeit abwenden und knallhart zur Realität bekennen. Mag sein, dass die von Marie Hannes geforderte vollkommene Abkehr Karl und Klara May zu weit ging. Wie auch immer: Das Verhältnis zwischen dem greisen, vorgealterten Schriftsteller und seiner Frau einerseits zu Marie Hannes andererseits war von nun an dauerhaft gestört.

Als Karl May am 4. April 1912 in Radebeul beigesetzt wird, verfasst Marie Hannes einen Bericht für das »Radebeuler Tageblatt«. Zu ihrer großen Enttäuschung nimmt Klara May den Text nicht in die Neuausgabe von Karl Mays Autobiografie auf. Folge: Die Verbindung zwischen Klara May und Marie Hannes wird endgültig abgebrochen ...

Vor 100 Jahren starb Karl May. Der berühmte Sachse zählt seit mehr als 100 Jahren zu den erfolgreichsten Schriftstellern der Welt. Insgesamt sind wohl weltweit mehr als 200 Millionen Karl-May-Bände erschienen. Schon 1881 gab es die erste Übersetzungen von May-Texten ... in französischer Sprache. Vor rund 50 Jahren stellte die UNESCO fest: Karl May ist der meistübersetzte deutsche Autor. Seine Werke wurden in mehr als vierzig Sprachen publiziert. Man kann sie in Bulgarisch lesen ... oder in Vietnamesisch. Englische Übersetzungen allerdings ließen lang auf sich warten.

Zu 100. Todestag von Karl May erschien »The Treasure in Silver Lake«. Marlies Bugmann hat Mays erfolgreichstes und bekanntestes Werk - »Der Schatz im Silbersee« - einfühlsam übersetzt. Der Maysche Friedensgedanke kommt in den Übersetzungen von Marlies Bugmann besonders schön zur Geltung. Man spürt, dass Marlies Bugman eine wirkliche Bewunderin Karl Mays ist.

The Treasure in Silverlake
Foto: Archiv Langbein
Karl May soll selbst versucht haben, bei seiner großen USA-Reise wenige Jahre vor seinem Tode, amerikanische Verleger für sein Werk zu gewinnen. Vergeblich. Es war seine Hoffnung, die amerikanische Bevölkerung auf das unsägliche Unrecht hinzuweisen, das die »Indianer« Nordamerikas nach wie vor zu ertragen hatten. Er wollte den Ureinwohnern Amerikas ein Denkmal setzen, auf ihre Kultur hinweisen ... Vergeblich.

Vor fast einem halben Jahrhundert lebten meine Eltern (Walter und Herty Langbein) mit uns Kindern (mein Bruder Volker und ich) für ein Jahr in Michigan, am Ufer des »Lake Michian«. Wir waren monatelang unterwegs, besuchten fast alle fünfzig Staaten der USA.

Ich las damals schon Karl May ... und war erschüttert von Mays pessimistischer Vision vom Untergang der roten Nation. May schreibt in seiner Einleitung zu »Winnetou I« (1): »Ja, die rote Nation liegt im Sterben! Vom Feuerlande bis weit über die nordamerikanischen Seen hinaus liegt der riesige Patient ausgestreckt, niedergeworfen von einem unerbittlichen Schicksale, welches kein Erbarmen kennt. Er hat sich mit allen Kräften gegen dasselbe gesträubt, doch vergeblich; seine Kräfte sind mehr und mehr geschwunden; er hat nur noch wenige Atemzüge zu tun, und die Zuckungen, die von Zeit zu Zeit seinen nackten Körper bewegen, sind die Konvulsionen, welche die Nähe des Todes verkünden.«

Mesaverde, Indianertänze - Foto: Walter Langbein sen., 1963
Als sich Karl May gegen Ende des 19. Jahrhunderts für die Indianer Nordamerikas einsetzte, verachtete die breite Masse in den Staaten die Indianer als unzivilisierte Wilde. Nach wie vor galt für viele »zivilisierte« Amerikaner: Nur ein toter Indianer ist ein guter Indianer. 1868 hatte Indianerschlächter George Armstrong Custer während des »Winterfeldzugs« an den Ufern des Washita-Flusses ein Dorf der Cheyenne attackiert und dem Erdboden gleichgemacht. Custers Niederlage am Little Bighorn von 1876, wurde zu Mays Zeiten noch als Verbrechen am Weißen Mann gesehen, nicht als Racheakt der gepeinigten Indianer. Und da wollte Karl May Verständnis für den Roten Mann wecken?

Rund ein halbes Jahrhundert erlebte ich als Kind die Ruinen von Mesaverde im Südwesten von Colorado. Die Bauten erinnerten mich stark an die von Karl May beschriebenen Behausungen der Apachen. Rund ein halbes Jahrhundert nach Karl Mays Tod sah ich als Kind das Elend der Indianer, die von ihrem Land vertrieben und in Reservate gesperrt worden waren. Auch als Kind registrierte ich die Trostlosigkeit vieler Indianer, die im Alkohol Vergessen suchten. In den Ruinen von Mesaverde traten Indianer auf, die mich an die stolzen Ureinwohner erinnerten. Sie legten ihre Kostüme an, vollführten kriegerische Tänze ... und gehörten zum Folklore-Programm von Reiseveranstaltern.

Ich erinnere mich an das Unbehagen, das ich empfand, als ich mit meinem Bruder vor »echten« Indianern fotografiert wurde. Waren das die stolzen Brüder und Schwestern Winnetous, die Jahrmarktsdarbietungen boten für die Nachkommen jener, die ihre Vorfahren immer und immer wieder betrogen, vertrieben und ermordet hatten? Heute, 100 Jahre nach Karl Mays Tod, ist der verbrecherische Umgang der weißen Amerikaner mit den roten Ureinwohnern alles andere als aufgearbeitet. Das Empfinden, den Brüdern und Schwestern Winnetous schlimmstes Unrecht angetan zu haben ... und auch heute noch anzutun ... ist meiner Erfahrung nach auch heute nur sehr schwach ausgeprägt. Das moderne Amerika, das sich gern als Weltpolizisten und Verteidiger der Freiheit sieht, sollte endlich damit anfangen, das blutigste Kapitel der eigenen Geschichte zur Kenntnis zu nehmen!

Autor Langbein als Kind in
Amerika .., links vorne
Foto: Walter Langbein sen., 1963
Karl May (2): »Der Rote mußte weichen, Schritt um Schritt, immer weiter zurück. Von Zeit zu Zeit gewährleistete man ihm ›ewige‹ Rechte auf ›sein‹ Territorium, jagte ihn aber schon nach kurzer Zeit wieder aus demselben hinaus, weiter, immer weiter. Man ›kaufte‹ ihm das Land ab, bezahlte ihn aber entweder gar nicht oder mit wertlosen Tauschwaren, welche er nicht gebrauchen konnte. Aber das schleichende Gift des ›Feuerwassers‹ brachte man ihm desto sorgfältiger bei, dazu die Blattern und noch andere, viel schlimmere und ekelhaftere Krankheiten, welche ganze Stämme lichteten und ganze Dörfer entvölkerten. Wollte der Rote sein gutes Recht geltend machen, so antwortete man ihm mit Pulver und Blei, und er mußte den überlegenen Waffen der Weißen wieder weichen.«

Die Botschaft Mays wollte man vor 100 Jahren nicht hören. Sehr viel hat sich daran bis heute nicht geändert.

Anmerkungen des Verfassers

Der Band »Weihnacht«, versehen mit einer handschriftlichen Widmung Karl Mays für Marie Hannes befindet sich in meinem Besitz. Was diese Rarität für mich zur besonderen Kostbarkeit macht:

Karl May schrieb die Widmung am 6. November 1900. Genau 100 Jahre später,auf den Tag genau, am 6. November 2000, haben meine Frau und ich geheiratet.

Zu meiner Karl-May-Sammlung gehören noch weitere Raritäten: Ein Karl-May-Autogramm und eine Fotopostkarte »Karl May vor den Niagara-Fällen«, auf der Rückseite von Klara und Karl May signiert.

May Biografie von
Marlies Bugmann
Fußnoten
1: Wer sich über die spannende, tragische Beziehung von Marie Hannes zu Karl May indormieren möchte, dem sei folgendes Werk empfohlen: Steinmetz, Hans-Dieter und Sudhoff, Dieter: »Leben im Schatten des Lichts«, Bamberg und Radebeul, 1997
2: May, Karl: »Winnetou/ Erster Band/ Reiseerzählung«, Band 12 der Historisch-Kritischen Ausgabe für die Karl-May-Gedächntnis-Stiftung, Ausgabe Haffmans Verlag, Zürich 1990, S. 9

Literaturempfehlungen

3: Es sind einige vorzügliche Biografien von Karl May erschienen, zum Beispiel ...

Heermann, Christian: »Winnetous Blutsbruder: Karl-May-Biografie«, Bamberg und Radebeul 2002


Klußmeier, Gerhard: »Karl May und seine Zeit: Bilder, Dokumente, Texte. Eine Bildbiografie«, Bamberg und Radebeul 2007

Wohlgschaft, Hermann: »Karl May - Leben und Werk«, 3 Bände, Bargfeld/ Celle 2005

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Donnerstag, 29. März 2012

Karl May- Glanz und Elend eines Bestsellerautors

Teil 2: Zum 100. Todestag
Walter-Jörg Langbein


Karl May 1907
Foto: Erwin Raupp
Rudolf Lebius (1868-1946) schrieb Artikel für die SPD-Parteizeitung »Vorwärts«.
Verleumderische »Berichte« brachten ihm Gefängnisstrafen ein. Lebius wechselte Jahre später seine politische »Überzeugung« ... wanderte von links nach rechts. Er wetterte gegen SPD und Gewerkschaften und gab – dank einer Erbschaft war ihm das möglich – nationalsozialistisch-rechtsradikale Blätter heraus, die allerdings bald wieder eingestellt werden mussten. 1918 – 6 Jahre nach dem Tod Karl Mays – gründete Rudolf Lebius eine rechtsradikale Partei. Im Parteiprogramm standen der Kampf gegen das »Großkapital« und alles »Undeutsche«. Gefordert wurde ein striktes Aufnahmeverbot für Juden in den Staatsdienst. 1923 löste sich die Partei wieder auf.

Im Frühjahr 1904 schlug Lebius Karl May ein »Geschäft« vor: Er würde Propaganda für den Schriftsteller machen, wenn er dafür ein »Darlehen« eingeräumt bekäme. Karl May lehnte ab und reagierte auch nicht auf eine erpresserische Karte. Voller Wut startete Lebius nun eine wahre Hetzkampagne gegen Karl May. Seine Attacken basierten auf zweifelhaften Informationen von Mays erster Ehefrau und bösartigen Fantasien. Lebius sorgte für die Veröffentlichung abstrusester Verleumdungen. So machte er Karl May, der für seine eher harmlosen Delikten hart bestraft worden war, zum »Räuberhauptmann«.

Rudolf Lebius führte voller Hass geradezu einen Kreuzzug gegen Karl May. Er stellte ihn als gemeinen Unhold ohne Anstand und Moral dar. Karl May sei nicht nur ein arger Schwindler, sondern ein geborener Verbrecher. Somit sei er ein Verderber der Jugend. Genüsslich zerrte Lebius Mays Jahrzehnte zurückliegende Vorstrafen ans Licht der Öffentlichkeit. May sah sich genötigt, unzählige Prozesse gegen Rudolf Lebius zu führen. Die Gerichtsverhandlungen zerrten an den Nerven Mays, zerrütteten ohne Zweifel die Gesundheit des beliebten Schriftstellers. Es sollte Jahre dauern, bis Karl May vor Gericht Recht erhielt. So wurde die Verbreitung einer Broschüre, von Lebius verfasst, die uralte Gerichtsakten enthielt, am 13. Dezember 1910 verboten.

Karl-May-Autograph
Sammlung: Langbein
In einem privaten Brief an die Opernsängerin vom Scheidt bezeichnete Lebius Karl May als »geborenen Verbrecher«. Eine Klage Mays gegen Lebius wurde zunächst gerichtlich abgewiesen. Der Ausdruck »geborener Verbrecher« stelle als »wissenschaftlicher Terminus« keine Beleidigung dar. May ging in die Berufung. Am 18. Dezember 1911, wenige Monate vor Mays Tod, erhielt Karl May endlich Recht. Lebius wurde zu einer Geldstrafe von 100 Mark verurteilt: wegen Beleidigung. Noch einige Klagen gegen Lebius sollten vor Gericht entschieden werden. Sie wären mit großer Wahrscheinlichkeit zugunsten Mays ausgefallen. Doch Karl May verstarb am 30.März 1912 ...

Karl May war, was einer breiten Öffentlichkeit kaum bekannt ist, auch ein politischer Mensch. So stand er der berühmten österreichischen Schriftstellerin, der Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner (1843-1914) nahe. Bertha von Suttner darf als Begründerin der heutigen Friedensbewegung angesehen werden ... 1892 rief die Schriftstellerin – »Die Waffen nieder!« (1889) dürfte ihr wichtigstes Werk sein – mit Gesinnungsgenossen die »Deutsche Friedensgesellschaft« ins Leben. Für ihr Wirken erntete sie von Zeitgenossen heftigste Angriffe. Während deutsche Politiker schon bedenklich mit den Säbeln rasselten, setzte sie sich für Frieden und Völkerverständigung ein. Von Suttner wurde als »Friedensfurie« und »Judenbertha« tituliert. Bertha von Suttner sah in Karl May einen Gesinnungsgenossen. Mit Recht: So machte sie Karl May – vor dem Ersten Weltkrieg – für eine Aussöhnung mit dem vermeintlichen »Erzfeind« Frankreich stark.



Am 15. Oktober 1905 besuchte Karl May mit seiner Frau einen Vortrag Bertha von Suttners in Dresden. Am 17. Oktober 1905 schrieb Karl May der Baronin (1): »Wir saßen auf der ersten Reihe, Ihnen grad vis-a-vis. Denn wir wollten Ihnen so nahe wie möglich sein; wir hatten Sie noch nie gesehen, obgleich wir Ihr großes, segensreiches Wirken und auch alle Ihre Bücher kennen. Wir freuten uns unendlich über die Gelegenheit, Ihre weithin schallende, gewichtige Stimme, die uns bisher nur schriftlich erklungen war, nun auch in Wirklichkeit zu hören. Und wir hörten sie, bis zur tiefsten Erschütterung. Meine Frau, die Gute, weinte, und auch ich wehrte mich der Thränen nicht.«

Bertha von Suttner, 1896
Foto: Martin Maack
Heute ist in der Öffentlichkeit Karl Mays Nähe zur frühen Friedensbewegung so gut wie vergessen. Im »III. Reich« jedoch war sie für »echte Nationalsozialisten« Anlass genug, Karl May zu beschimpfen. So veröffentlichte Wilhelm Fronemann anno 1934 eine »Denkschrift« mit dem Titel »Karl May und die Jugend des Dritten Reiches« (2). Darin heiß es, Karl May sei ein »leidenschaftlicher Verfechter einer weitgehenden Rassenmischung aus ganz sentimentalen Menschlichkeitsgründen« sowie ein »Verteidiger eines verwaschenen Pazifismus« gewesen.

Weiter ist da zu lesen: »Haben wir nicht unsere Schülerbüchereien von Juden, Pazifisten, Marxisten und sonst allem Undeutschen gereinigt? ... Karl May paßt zum Nationalsozialismus wie die Faust aufs Auge!«

Wenige Tage vor Weihnachten 1910 stand es sehr schlecht um Karl Mays Gesundheit. Eine Lungenentzündung fesselte ihn ans Bett. Karl May, durch nervenaufreibende Prozesse geschwächt, stand dem Tode näher als dem Leben. Fast schon trotzig schleppte sich der Greis zu erschöpfenden Prozessterminen. Dreizehn Strafverfahren und drei Zivilprozesse im Jahre 1910 hatten deutliche Spuren hinterlassen. Erholt hat sich Karl May nicht mehr wirklich. Seinen 70. Geburtstag erlebte der greise Schriftsteller in »Villa Shatterhand«, (3) »körperlich vom Tode gezeichnet, geistig und seelisch aber in unverminderter Frische«.

Karl May in Wien,
22. März 1912
Foto: Archiv Karl
May Gesellschaft
Gegen ärztlichen Rat reist Karl May im Frühjahr 1912 nach Wien. Hier entsteht das wahrscheinlich letzte Foto von Karl May. Wir sehen Karl May, von Krankheit gezeichnet, vor einer Motordroschke stehen.

Am 22. März hält er auf Einladung Bertha von Suttners einen zweistündigen Vortrag über seine Friedensvorstellung. May-Biograf Hermann Wohlgeschaft (4): »Über Mays Begrüßung durch das Publikum hieß es in der Presse am folgenden Tag: ›Er wird jubelnd begrüßt, und da er sich linkisch, unbeholfen, sichtlich überrascht bedankt, wird der Beifall zehnfach stärker. Die Jungen erhoben sich von den Sitzen und grüßten den Mann, der ihnen den Winnetou schenkte.‹ ... Der Vortrag handelte über Mays Leben und Werk sowie den Entwicklungsgedanken und die Weltfriedensidee.«

Karl May erlebt in der Kindheit bitterste Not. Er wird straffällig, wird hart bestraft, sitzt wiederholt im Gefängnis. Das kaum Vorstellbare gelingt ihm: Aus dem Zuchthäusler wird ein viel schreibender Redakteur und schließlich ein erfolgreicher Buchautor ... der auflagenstärkste Autor deutscher Sprache.

Karl May erwirbt sich Ansehen und Reichtum, wird aber im Alter von seiner Vergangenheit eingeholt. Ein Erpresser initiiert eine Hetzkampagne. Unzählige Reporter zelebrieren genüsslich die Demontage Mays. Glanz und Elend bestimmen das Leben des Erfinders von Old Shatterhand, Winnetou, Kara Ben Nemsi, von Hadschi Halef Omar, von Old Surehand, Sam Hawkens und Nscho-tschi, von Ribanna, Lord Lidsay, Lord Castlepool, um nur einige Charaktere aus dem großen Kosmos des Karl May zu nennen.

Grabstätte May
Foto: Norbert Radtke
Und dann gibt es noch den »unbekannten« May, der im Alter der Friedensbewegung Bertha von Suttners nahesteht. Erschöpft von zahllosen Prozessen findet er wieder Anerkennung. Wenige Tage vor seinem Tod jubeln ihm Tausende zu. So wird Mays Leben zu einer Reise aus dem Elend in den Glanz und wieder zurück. Am Ende aber triumphiert Karl May dann doch.

Am 23. oder 24. März 1912 ist er wieder im heimischen Radebeul. Am 30. März 1912, dem Hochzeitstag mit seiner zweiten Frau Klara, plant der Schriftstelle noch einen Kuraufenthalt. Er bittet seine Frau, alles für eine Kur in die Wege zu leiten. Doch am Nachmittag verfällt er, so berichtete später Klara May, in ein »eigenartiges waches Träumen«. Um 19 Uhr legt er sich zur Ruhe. Gegen 20 Uhr richtet er sich plötzlich im Bett auf ... und sinkt ermattet und doch »mit verklärtem Ausdruck zurück«. Seine letzten Worte, so wird überliefert, sind »Sieg, großer Sieg, Rosen, rosenrot!«

Unterschriften Klara und Karl May
Karl May stirbt am Abend des 30. März 1912 ... vor einhundert Jahren! Auch hundert Jahre nach seinem Tod wird Karl May gelesen. Auch hundert Jahre nach seinem Tod kennt man den Namen des berühmten Sachsen. Den seines schlimmsten Widersachers hat man weitestgehend vergessen. Er ist nur noch Experten bekannt.

Karl Mays letzte
Ruhestätte, Friedhof
Radebeul Ost
Foto: Norbert Radtke
Fußnoten
1: Wohlgschaft, Hermann: »Karl May/ Leben und Werk«, Band 3, Bargfeld/ Celle 2005, S. 1605
Diese umfangreiche Biografie in drei Bänden sei jedem Karl-May-Freund wärmstens empfohlen. Wer sich fundiert über Karl May informieren möchte, kann auf die Lektüre des Standardwerks nicht verzichten!
2: Erich Heinemann, »Karl May paßt zum Nationalsozialismus wie die Faust aufs Auge«, Beitrag im Jahrbuch der »Karl-May-Gesellschaft«, Husum 1982
3: Wohlgschaft, Hermann: »Karl May/ Leben und Werk«, Band 3, Bargfeld/ Celle 2005, S. 1996
4: ebenda, S. 1997/98
5: ebenda, S. 2003



Karl May- Glanz und Elend eines Bestsellerautors
Teil 3: Karl May, Marie und ich
Walter-Jörg Langbein
erscheint am 7.April 2012

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Samstag, 24. März 2012

Karl May- Glanz und Elend eines Bestsellerautors

Teil 1: Vom Zuchthäusler zum Bestsellerautor
Walter-Jörg Langbein


Hohenstein-Ernstthal
Geburtshaus Karl Mays
in Hohenstein-Ernsthal
um 1910 - Foto: Archiv
Karl May Gesellschaft
Karl May schien von seiner Geburt an zum Scheitern verurteilt. Dem Sohn einer bitterarmen Familie von sächsischen Webern sollte offenbar der Weg in ein bürgerliches Leben verwehrt bleiben. Die Versuche, aus unbeschreiblichem Elend auszubrechen, scheiterten immer wieder. Karl May wurde straffällig und wegen Lappalien zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt. Immer wieder schien sich zu bewahrheiten, was Hans Fallada in seinem Roman »Wer einmal aus dem Blechnapf frißt« beschreibt. Es schien auch für Karl May zu gelten: Wer einmal im Gefängnis saß, hat schlechte Karten ...

Wie Falladas Kufalt wird Karl May immer wieder von seiner Vergangenheit eingeholt. Nach seiner Entlassung aus dem Zuchthaus Zwickau (»Schloss Osterstein«) scheitert May erneut. Er hatte keine Chance auf Rehabilitation. Zaghafte Versuche, auf ehrliche Weise Geld zu verdienen, wurden von der guten, ehrbaren Gesellschaft nicht geduldet.

Am Rande ... Die Geschichte von »Schloss Osterstein« bietet Stoff für ein umfangreiches Werk ... Ursprünglich war es ein landesherrliches Residenzschloss, wurde dann zur Zuchtanstalt. Es verfiel zur Ruine. Der Zellentrakt musste abgerissen werden. 2006 begann der Wiederaufbau. 2008 öffnete die einstige Zuchtanstalt wieder ihre Tore ... als Senioren- und Seniorenpflegeheim ...

Wieder wird Karl May straffällig, wieder ist er als kleiner Gauner und Trickbetrüger unterwegs. Wieder schließen sich Gefängnismauern für Jahre hinter ihm. Als Karl May 1874 aus dem Zuchthaus Waldheim entlassen wird, hat er eigentlich – wie Falladas Kufalt – keinerlei Zukunftsperspektive. Der nächste längere Zuchthausaufenthalt scheint schon vorprogrammiert zu sein. Und es sieht so aus, als reagiere Karl May auf seltsame Weise trotzig. Er glaubt, dass die Gesellschaft ihn nur als Kriminellen sehen will ... also will er kriminell sein. In Waldenheim aber kommt es zur Wende ...

Schloss Osterstein - Ruine
Osterstein - Foto oben:
Archiv Langbein,
Foto unten: André Karwath
Karl May fasst nach der Entlassung in der bürgerlichen Gesellschaft Fuß. Er beginnt zu schreiben: zunächst als Redakteur im Verlag von Heinrich Gotthold Münchmeyer und später beim Dresdner Verlag von Bruno Radelli. 1879 beginnt das eigentliche Leben des Karl May, der es zum reichen, meistgelesenen Schriftsteller deutscher Sprache bringen sollte. Karl May verfasst Erzählungen, die unter verschiedensten Pseudonymen erscheinen. Fast wie besessen schreibt Karl May für Zeitschriften. Seine Texte erscheinen im »Deutschen Hausschatz«, werden im »Guten Kamerad« veröffentlicht.

Für Münchmeyer produziert May im Eiltempo Kolportageromane. »Das Waldröschen« wird von Hunderttausenden verschlungen. Mit 50 gelingt Karl May der Durchbruch. Friedrich Ernst Fehsenfeld ermöglicht es dem immer wieder vom Schicksal gebeutelten Sachsen, seine Erzählungen in Buchform zu publizieren. 1892 – vor 120 Jahren – startet die Serie »Carl May's Gesammelte Reiseromane«. 1896 wird die Erfolgsreihe in »Karl Mays's Gesammelte Reiseerzählungen« umbenannt. Karl May hat es geschafft ... aus dem armen Weberssohn, dem gescheiterten Lehrer und mehrfach Vorbestraften wird der hoch angesehene, geachtete, ja verehrte Bestsellerautor Karl May.

Noch 1879 war Karl May – zum letzten Mal – zu einer Arreststrafe von drei Wochen verurteilt worden ... wegen angeblicher »Amtsanmaßung«. Karl May hatte versucht zu klären, wie der Onkel seiner damaligen Verlobten Emma Pollmer ums Leben gekommen war. Der Sachverhalt ist klar: Am 25. April 1878 befragt Karl May Zeugen, behauptet, er sei »von der Regierung eingesetzt und etwas Höheres, wie der Staatsanwalt« (1). Karl May verstößt dabei allerdings nicht gegen das Gesetz. Er maßt sich keinen Titel an. Er gibt nicht vor, ein Amt auszuüben. Er deutet nur an, flößt Respekt ein. Man hält ihn für eine »hochgestellte Persönlichkeit«. So soll Karl May geäußert haben (2): »Wenn der Staatsanwalt nicht richtig gehandelt hat, lass ich ihn einstecken – zu was sind denn die Kerle da?!«

Karl May und seine zweite
Ehefrau Klara um 1904
Eine »Amtshandlung« hat Karl May nicht vorgenommen, somit hat er sich ganz eindeutig keiner »Amtsanmaßung« schuldig gemacht. Karl May wurde ganz klar Opfer eines Fehlurteils. Ein Gnadengesuch wurde abgelehnt. Karl May verbüßt seine Strafe, wird am 22. September um 19 Uhr (3) »dem Gerichtsamt vorgeführt, vor Rückfall gewarnt und entlassen«.

Karl May war seinen fiktiven alter egos Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi im wirklichen Leben nie so nahe wie in jenen Tagen des Jahres 1878, als er zu klären versuchte, unter welchen Umständen Emil Pollmer zu Tode gekommen war. Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi setzten sich in Karl Mays Fantasiewelt immer wieder für Recht und Ordnung ein. Wo Gesetzeshüter versagten, wo Verbrecher fern der Justiz ihr Unwesen treiben konnten ... da schritten Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi, begleitet und unterstützt von Winnetou und Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah, ein. Ob Nscho-tschi, von Marie Versini im Film ideal verkörpert, im realen Leben Karl Mays ein Vorbild aus Fleisch und Blut hatte?

In seiner Fantasie wurde Karl May, der im realen Leben zum »Kriminellen« abgestempelt worden war, zur heldenhaften Lichtgestalt, zum Heros, zum Superman des Wilden Westens und des Orients, der der Gerechtigkeit immer wieder zum Sieg verhalf.



Schreibend ließ Karl May seine Vergangenheit hinter sich, die allerdings den greisen Karl May wieder einholen sollte! Schreibend wurde aus dem von der Gesellschaft ausgestoßenen Karl May der geachtete, bewunderte und verehrte Volksschriftsteller Karl May. Schreibend schuf er sich ein Leben in Wohlstand. Der Sohn armer Webersleute wurde zum Wohlstandsbürger. 1891 zogen die Mays in der »Villa Agnes«, Radebeul, 1895 in »Villa Shatterhand«, Radebeul, ein.

Karl May im Kostüm
als Old Shatterhand
Schreibend schuf sich Karl May eine alternative Realität, in der sein Blutsbruder Winnetou und sein Gefährte Hadschi Halef Omar zu realen Personen wurden. Und schreibend wurde Karl May wirklich zu Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi. Berichtete er zunächst noch über die beiden Abenteurer in der dritten Person, so identifizierte er sich nach und nach immer stärker mit den fiktiven Gestalten. Karl May war dabei kein Hochstapler, vielmehr wusste er wohl manchmal selbst nicht mehr zwischen Realität und Fantasie zu unterscheiden. Im Roman bekam Old Shatterhand einen Namen ... aus dem anonymen Helden wird der Schriftsteller aus Germany Sharlih. Winnetou, der edle Häuptling der Apachen, nennt ihn so.

Millionen Fans folgten Karl May lesend ... und identifizierten sich ihrerseits mit den Helden Karl Mays. Unzählige Leserinnen und Leser träumten sich in eine Welt, in der sie – wie die Mayschen Helden – die Welt gerechter machen konnten. Sie wollten an die Wirklichkeit der schönen Welt Karl Mays glauben ... und der sächsische Schriftsteller machte es ihnen leicht. So ließ er die aus seinen Romanen bekannten Wundergewehre »Bärentöter«, »Silberbüchse« und »Henrystutzen« anfertigen. Und Karl May schlüpfte in Kostüme, ließ sich als »Old Shatterhand« und »Kara Ben Nemsi« fotografieren. So entstanden nicht nur Fotos von Karl May vor Wild-West- und Orientkulissen, auch Besucher Mays wurden kostümiert mit ihrem Helden im Bild festgehalten.

Villa Agnes - Foto X-Weinzar
Mit der wachsenden May-Begeisterung wuchs auch Mays Wohlstand. Jetzt konnte es sich der sächsische Schriftsteller leisten, luxuriös zu wohnen ... in Villen, nicht in Armenhäuschen ... und die Länder seiner Träume zu bereisen. 1899 und 1900 erkundete er den Orient. Zusammen mit seinem Diener Sejd Hassan kam er bis nach Sumatra. 1908 trat May, zusammen mit seiner Frau Klara, seine sorgfältig vorbereitete Amerikareise an. Von Bremerhaven ging's mit dem »Großen Kurfürst« nach New York, dann den Hudsonfluss hinauf nach Albany. Die Mays unternahmen Ausflüge, zu den Niagara-Fällen, aber auch in das Reservat der Tuscarora-Indianer und nach Toronto. Am 18. Oktober 1908 begeisterte Karl May in Lawrence, Massachusetts, mit einem Vortrag.

Emsig schrieb Karl May von seinen beiden Weltreisen Karten an Freunde, Zeitungsredaktionen und treue Leserinnen und Leser. Stolz ließ sich Karl May vor den Pyramiden Ägyptens wie vor den Niagarafällen ablichten. Der blinde Bub aus einer Weberfamilie war allen Widrigkeiten des Lebens zum Trotz am Ziel seiner Sehnsüchte angekommen ... Der Sachse mit der unerschöpflichen Phantasie war endlich angesehen und wohlhabend.

Und doch wird Karl May auf dem Zenit seines Erfolgs von seiner Vergangenheit eingeholt. Ein Erpresser will Karl May lobpreisen ... gegen Bezahlung. Karl May lehnt ab. Und der Erpresser versucht, mit allen Mitteln Karl Mays Namen in den Schmutz zu ziehen, den greisen Schrifsteller zu vernichten.

Karl May vor den
Niagarafällen 
Rudolf Lebius (1868-1946) sucht im Frühjahr 1904 Karl May auf. Der Journalist bietet ein »Geschäft« an: Er will in Artikeln tüchtig für ihn werben, Karl May lobpreisen ... und erwartet als Gegenleistung ein »Darlehen«. Im September trifft bei Karl May eine anonyme Karte ein ... von Lebius verfasst. Er droht May mit Enthüllungen. Der Schriftsteller aber reagiert nicht. Und so beginnt Rudolf Lebius eine wahre Hetzkampagne gegen Karl May. Eine Flut von Prozessen ist die Folge, die Karl Mays Gesundheit – psychisch wie physisch – stark schädigen.

Fußnoten
1: Sudhoff, Dieter und Steinmetz, Hans-Dieter: »Karl-May-Chronik«, Band I, 1842-1896, Bamberg und Radebeul 2005, S. 235 unten und S. 236 oben
2: ebenda, S. 237
3: ebenda, S. 254

Karl May- Glanz und Elend eines Bestsellerautors
Teil 2: Zum 100. Todestag
Walter-Jörg Langbein
erscheint am 29. März 2012


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Freitag, 10. Februar 2012

Das Testament

Kurzkrimi von Walter-Jörg Langbein

Der Brief vom Notar kommt für Hermann Leppius nicht unerwartet. „Opa August ist tot.“ sagt er, sein Mienenspiel beherrschend. „Er hat ein Testament gemacht. Wir beide sind Alleinerben!“ Hermann Leppius, ein zur Schäbigkeit neigender Inhaber einer kleinen Lottoannahmestelle, fügt noch abfällig hinzu: „Unsereiner rackert sich ab und der Opa sammelt Vermögen !“

Sein Bruder Rudolf ist „Verkaufsleiter“ höchst zweifelhafter Kaffeefahrten, bei denen er mit Geschick Rentnerinnen für teures Geld billigen Ramsch verkauft. Er glaubt, widersprechen zu müssen: „Opa August war eben sein Leben lang sparsam und ...“ Sein „geizig“ geht im Räuspern des Notars unter. „Wenn Sie bitte eintreten möchten, meine Herren!“ Gespannt nehmen die beiden Erben gegenüber vom dickleibigen Notar Platz.

„Also, vorweg gesagt, ich kann Ihnen das Testament Ihres verstorbenen Herrn Großvaters noch nicht eröffnen. Da ist nämlich erst noch, so hat es ihr werter Großvater notariell festgelegt, eine wichtige Bedingung zu erfüllen!“ Mit monotoner Stimme liest er vor: „Bevor mein im Zustand vollständiger geistiger Klarheit verfasster, von meinem Notar als den gesetzlichen Vorschriften entsprechender bestätigter testamentarischer letzter Wille verlesen werden darf, muss eine Bedingung erfüllt werden: Meine beiden Alleinerben müssen erst klar Schiff machen und mein gesamtes Mobiliar, meinen gesamten Besitz verkaufen.“

Der Notar nimmt die Brille ab. „Ihr Erbe können Sie erst nach Erfüllung dieser Bedingung antreten. Und ich darf Ihnen sagen, dass es um einiges Bargeld geht.“

„Dann wollen wir das schnell über die Bühne bringen!“ Hermann Leppius springt auf. Er ist nervös und leicht reizbar. „Augenblick noch!“ hält ihn der Notar zurück. „Ich benötige von Ihnen eine genaue Liste des Inventars der Wohnung Ihres verstorbenen Herrn Großvaters. Bringen Sie eine präzise Aufstellung all dessen, was Sie für wie viel Geld verkauft haben. Legen Sie mir diese vom Käufer oder von den Käufern unterschriebene Liste hier vor, dann kommt es zur Testamentseröffnung. Dann geht es ...“ Hermann Leppius vollendet den Satz „ans Bare.“ Der Notar lächelt gequält.

Draußen vor der Tür des Notariats halten die beiden Enkel eine kurze Besprechung ab. „Wohin mit dem ganzen Krempel aus Opas Wohnung? Wer gibt dafür schon Geld?“

Rudolf hat einen Einfall. „Du erinnerst dich doch an Rentner Krause, der diesen Prozess gegen mich verloren hat, weil ich seinen dusseligen Lottoschein verlegt hatte und der alte Knacker um einen Gewinn von damals 33.000 Mark gekommen war? Na, das Gericht hat ja damals den Krause abgewiesen. Der Vertrag mit der Lottogesellschaft gilt erst dann, wenn der Lottoschein bei der Zentrale vorliegt. Ich hab' da eine glänzende Idee!“

Keine halbe Stunde später halten Hermann und Rudolf Leppius vor der kleinen Wohnung von Karl Krause. Die bescheidene Besitz von Opa August passt leicht in den Pferdetransporter von Rudolf. Viel ist es ja nicht: ein Schrank mit den Anzügen, muffigen Hemden, Unterwäsche, mit Bergen von schier unendlich langen Strümpfen aus Naturwolle. Da ist noch das Nachttischchen, ein Stuhl, eine bescheidene Ansammlung von Tellern, Tassen, Besteck, das vom sparsamen Opa seinerzeit vom Sperrmüll geholte Bett, der fleckige Regenmantel à la Columbo, eine alte schäbige Bibel, ein Karton mit Briefen und sonstigem Beschriebenen, ein kleines Radio, Rasierapparat, Zahnbürste und Waschzeug.

Rund fünf Dutzend Bände Karl May, offenbar noch aus Vorkriegszeiten, zerlesen und äußerlich nicht mehr ansprechend müffeln in einer großen Kiste mit der Aufschrift „China Tee“ vor sich hin. Mit spitzen Fingern zieht Rudolf Leppius einige der Karl-May-Bände heraus ... „Winnetou I“... „Winnetou II“, „Winnetou III“... „Old Surehand“... „Durchs wilde Kurdistan“... „Von Bagdad nach Stambul“... „Der Schatz im Silbersee“. Achtlos lässt er die Bücher wieder in die Kiste fallen. „Der alte Knauser schwärmte noch als Greis von Old Shatterhand und Winnetou ...“ lacht er hämisch. „Und in diese Nscho Tschi war er seit seiner Pubertät verliebt ... Mit Marie Versini hat er ja angeblich korrespondiert ...“



Dieser bescheidene Besitz soll nun dem Rentner Karl Krause verkauft werden. Rudolfs Idee wird in die Tat umgesetzt. Die beiden Leppius-Brüder geben sich bewusst jovial. Rudolf Leppius redet auf den alten Mann ein.

„Und um Ihnen. lieber, werter Herr Krause, den Schaden mit der Lottosache, die mir wirklich schrecklich leid tut, wieder gut zu machen, möchte ich Ihnen eine Freude bereiten. Sie bekommen die gesamte Hinterlassenschaft aus der Wohnung von unserem Opa- nicht geschenkt, aber so gut wie ...“ Enkel Rudolf kommt ins Stottern. Die Erbschaft erwähnt er lieber nicht.

Hermann hilft ihm aus der Verlegenheit. „Wir wollen ja nicht schlecht über unseren toten Opa reden, aber er hat nun einmal darauf geachtet, dass er sein Geld zusammenhielt. Und daher sind wir testamentarisch dazu verpflichtet, alles zu verkaufen. Eine Formsache. Sie bekommen alles ... für ... na, sagen wir einen Euro. Ein symbolischer Preis!“

Rudolf nickt. „Rein symbolisch. Sie kannten ja unseren Opa August gut, waren Sie nicht mit ihm am gleichen Frontabschnitt im Krieg? Und da meinen wir, verkaufen wir lieber Ihnen alles symbolisch für einen Euro als dass wir uns an einen Antiquitätenhändler wenden, der uns natürlich mehr bieten würde ...“

Karl Krause ist gerührt. Er stimmt dankbar zu. Hastig tragen die beiden Erben das karge Mobiliar in Krauses Wohnung. Wenig später legen die beiden zufriedenen Männer dem Notar den unterschriebenen Kaufvertrag vor. Mit einer fahrigen Geste lädt er die beiden Erben ein, sich zu setzen. „Da ist ja alles genauestens aufgelistet, wie ich sehe, die einzige Bedingung für die Testamentseröffnung ist erfüllt.“ Knisternd löst der Notar das Siegel, entfaltet das Blatt.

„Bei der Vorbedingung handelt es sich um einen Test. Vorweg: Wie auch immer der Test ausgefallen sein mag, erhalten Rudolf und Hermann jeweils ein Sparbuch über Euro 500.- Wie ich meine werten Enkel kenne, haben Sie meinen gesamten Besitz veräußert. Zu meiner Habe gehörten auch meine geliebten Karl-May-Bücher. Sollten meine werten Herren Enkel wider Erwarten die Karl-May-Bücher nicht verkauft haben, aus sentimentalen Gründen, weil sie wissen, wie ich an diesen Büchern mit ganzem Herzen hing, ist ihnen und vor allem Rudolf verziehen. Wie oft hat er sich über meine Vorliebe für den großen Volksdichter deutscher Zunge Karl May lustig gemacht! Hämisch haben sie gelacht, wenn ich stolz den Namen von Kara Ben Nemsis Gefährten vollständig aufsagen konnte ... Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah.“

Der Notar hält kurz inne, dann liest er weiter vor:

„Rudolf ist es auch gewesen, der mich nachts immer mit Anrufen weckte. Er hat seine Stimme verstellt, aber ich habe ihn erkannt. Er wusste, dass mein schwaches Herz darunter leiden würde. Er hoffte wohl auf meinen frühzeitigen Tod! Die Daten und die Zeiten dieser Anrufe sind genau auf einem Blatt in meinem Karl-May-Buch 'Der Schatz im Silbersee' notiert.“

Der Notar nimmt das Testament wieder auf und liest weiter: „Sollten die beiden Enkel wider Erwarten die Bände nicht veräußert haben, sollen sie mein in langen Jahren mühsam erspartes Vermögen in Höhe von 125.000 Euro erben und auch weiterhin Freude an den Karl-May-Büchern haben. Ich schätze aber meine Enkel anders ein. Dann fallen besagte 125.000 Euro an den Käufer meiner Karl-May-Bücher. Es soll der in den Genuss des Geldes kommen, der die Lektüre von Karl May mehr zu schätzen weiß als meine ehrenwerten Enkel, denen ich für das Leerräumen meiner Wohnung danke. Meine Aufzeichnungen über den Telefonterror meines Enkels Rudolf befinden sich als Lesezeichen im Band ‘Der Schatz im Silbersee’. Bitte an die Polizei weiterleiten.“

Der Notar sieht von dem Blatt auf und blickt die beiden verdutzt dreinschauenden Erben durchdringend an. Hermann Leppius weicht dem Blick aus und starrt auf seine Schuhspitzen. Der Notar nickt: „Die Karl-May-Bücher befinden sich jetzt im Besitz des Herrn Krause,  wie ich dieser Quittung entnehme. Karl Krause wird also das Vermögen des Verstorbenen erben! Und was den Telefonterror, was Ihr schäbiges Trachten nach dem Leben des Verstorbenen angeht, darum werden sich Polizei und Staatsanwaltschaft kümmern!“


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Dienstag, 7. Februar 2012

Charles Dickens zum 200. Geburtstag

Eine Würdigung von Walter-Jörg Langbein

Charles Dickens
Er schrieb »A christmas carol« (»Eine Weihnachtsgeschichte«) und »Oliver Twist«. Als einer der ersten Autoren weltweit nahm er sich – neben Victor Hugo und Karl May – der Ärmsten der Armen an. Armut kannte er – wie Karl May – aus eigener Erfahrung. Karl May wurde als Sohn einer Weber-Familie geboren, verlor als Kleinstkind – wohl wegen der ärmlichsten Lebensumstände – für Jahre das Augenlicht. Charles Dickens musste als Kind in einer Schuhcremefabrik schuften, weil sein Vater im »Schuldenturm« einsaß. Eingekerkert waren auch seine Mutter und seine sieben Geschwister.

Charles Dickens ... Er erhob als einer der ersten Autoren weltweit die Stimme für die Ärmsten der Armen, für die bis dahin in der feingeistigen Literatur kein Platz war. Charles Dickens griff Themen auf, die damals das elende Leben der Massen nicht nur in England bestimmten: Armut der Unterprivilegierten, Immigration, miserable Lebensbedingungen, keine Chance auf sinnvolle Bildung, Bürden der Bürokratie, unmenschliches Verhalten der vermeintlich christlichen Oberschicht gegenüber jenen, die da unten nur an widerlichsten Lebensverhältnissen zerbrechen konnten, aus bitterer Not geborene Kriminalität und fehlende Möglichkeiten als Straftäter wieder in die ehrbare Gesellschaft aufgenommen zu werden ...

Charles Dickens:
A Christmas Carol
Charles Dickens benannte schonungslos die bis dahin verdrängten Probleme seiner Zeit. Wie Karl May war Charles Dickens unglaublich produktiv. Seine Romane rüttelten auf und fesselten eine stetig wachsende Leserschaft. Dickens publizierte seine Romane in Zeitschriften... in Fortsetzungen. So verschlang man in England von Januar 1837 und April 1839 »Oliver Twist« von Charles Dickens, der häufig seine Stoffe erst während des Schreibens entwickelte. Die ersten Folgen gingen in Druck, während Dickens an den Fortsetzungen schrieb... wie Karl May.

Und Dickens bewirkte etwas: Die breite Öffentlichkeit wurde auf das Elend der Ärmsten aufmerksam. Die Öffentlichkeit reagierte empört und zwang die Politik, endlich etwas gegen die schlimmsten Missstände zu unternehmen. So wurde der reale Slum von London, den Dickens in »Oliver Twist« so realistisch beschrieb ... so wurde die Hölle der Ärmsten der Armen abgerissen. Es ist traurig, dass es erst eines Romanautors bedurfte, um die Menschen aufzurütteln, die bequem lebend das reale Elend ihrer Mitmenschen verdrängten.

Charles Dickens
Charles Dickens wurde am 7. Februar 1812 in Landport bei Portsmouth (Hampshire) geboren, als zweites von acht Kindern. 1817 kam es zum ersten Umzug: nach Chatham in Kent. 1822 zog die Familie wieder weiter: nach London. Vater John Dickens (1786-1851), ein Angestellter im »Navy Pay Office« war versetzt worden. Das karge Salär von Vater Dickens reichte nicht, um die Familie zu ernähren. Schulden waren die Folge, Zinsen konnten nicht bezahlt werden, die Familie wanderte unter unsäglichen Bedingungen ins Gefängnis ... Der elfjährige Charles Dickens musste – elf Jahre alt! - in einer Schuhcremefabrik schuften. Seine Erfahrungen mit der bitteren Armut und der menschenunwürdigen Kinderarbeit sollte Dickens später realistisch in seinem Roman »David Copperfield« beschreiben ... und so auf die schlimmsten Zustände im England des 19. Jahrhunderts aufmerksam machen.

Erst als Vater Dickens aus dem Gefängnis entlassen wurde, konnte Sohn Charles wieder eine Schule besuchen. Das war 1826. Ein Jahr später, 1827 – Charles war 15 – bekam er eine Anstellung als Schreiber bei einem Anwalt. Da ihm eine Schulausbildung verwehrt blieb, war Charles auf eigene Studien angewiesen. Der junge Dickens war häufiger Gast im »British Museum«. Ehrgeizig wie er war, schuftete Dickens im Beruf, machte auf sich aufmerksam ... und brachte es 1829 immerhin zum parlamentarischen Berichterstatter.

Charles Dickens
Charles wollte auf keinen Fall in eine ähnliche Notsituation geraten wie sein Vater. Als sich Charles Dickens 1830 in Maria Beadnell verliebte und bei ihren Eltern um die Hand der jungen Frau anhielt, lernte er die Verachtung der sogenannten höheren Kreise für gesellschaftlich »nieder Schichten« kennen. Maria Beadnell wurde auf eine Mädchenschule in Paris geschickt, die romantische Liaison durch väterliche Gewalt beendet. Jetzt gab es für Charles Dickens nur noch ein Ziel: Er wollte unbedingt gesellschaftlich aufsteigen. Ob er sich damals vorstellen konnte, nicht nur reich, sondern einer der geachtetsten Autoren Englands, ja der Welt zu werden?

Karl May, Sohn armer Webersleute, versuchte gesellschaftliche Anerkennung zu finden: als Lehrer. Doch kleinste »kriminelle« Verfehlungen, vorwiegend Bagatelldelikte, brachten dem Vater von »Old Shatterhand« und »Winnetou« ins Gefängnis. Noch in der Haft plante May eine Zukunft als Schriftsteller. Karl May gelang der Aufstieg zum wohlhabenden Romanautor. Immens fleißig, kreierte er geradezu ausufernde Fortsetzungsromane ... wie Charles Dickens. Dickens allerdings blieb das Gefängnis erspart.

Karl May
Charles Dickens schreib ab 1831 für die »True Sun«, wirkte am »Parlamentsspiegel« mit und erhielt schließlich eine Anstellung beim »Morning Chronicle«. 1836 erregte Dickens mit seinen »Pickwick Papers« (»Die Pickwickier«), die in Fortsetzungen erschienen, Aufsehen.

Charles Dickens hatte den richtigen Weg eingeschlagen: Er wollte durch seine aufrüttelnden Werke etwas tun, um das Los der Ärmsten der Armen zu verbessern. Und er wollte für sich den gesellschaftlichen Aufstieg erreichen. Beides gelang ihm. Seine Werke schildern einerseits hart unglaubliche Missstände ... Sein ganz besonderer, häufig zynischer Humor kennzeichnen sein Werk. Und sein Werk machte Dickens zum Publikumsliebling, ja für viele seiner Zeitgenossen zur Lichtgestalt.

Mit dem Erfolg kamen aber auch die Neider. Dickens wurde vorgeworfen, andere Werke geguttenbergt, sprich plagiiert, zu haben. Einige Empörung löste Dickens' Trennung von seiner Frau Catherine aus ... nach über zwanzigjähriger Ehe und – auch als Vater war Dickens sehr produktiv – zehn gemeinsamen Kindern. Charles Dickens meinte, ohne seine neue große Liebe, die junge Schauspielerin Ellen Ternan, nicht leben und schreiben zu können. Im Haus der Schauspielerin, so heißt es, sei er am 9. Juni 1870 gestorben.

Oliver Twist
Sein Publikum blieb Charles Dickens allen Skandalen zum Trotz treu. Wie ein Star aus unseren Tagen wurde er bejubelt, nicht nur in England, sondern auch in den Vereinigten Staaten von Amerika. Von Amerika war Dickens allerdings bitter enttäuscht. Hatte er sich doch die USA als ein freiheitliches und tolerantes Land erhofft ... als einen Hort gesellschaftlicher Harmonie und Gerechtigkeit im Gegensatz zum England der Adelsherrschaft und der krassen Klassenunterschiede. Die Realität aber sah anders aus als erträumt: Wie in England gab es auch in den USA klares Klassendenken. Statt sozialer Gerechtigkeit gab es auch hier krasse Unterschiede zwischen Arm und Reich ... und Sklaverei!

Am 9. Juni 1865 wäre Charles Dickens fast bei einem tragischen Zugunglück ums Leben gekommen. Moralapostel sahen in der Bahnkatastrophe göttliche Bestrafung für Dickens' »sittliche Verfehlung«. Geschah die Entgleisung doch, als Dickens von seiner Geliebten Ellen Ternan zurückkam. Dickens kümmerte sich zunächst rührend um Verletzte, denen er erste Hilfe leistete. Dann barg er das Manuskript seines letzten vollendeten Werkes aus den Trümmern, »Unser gemeinsamer Freund« (»Our mutual friend«). Dickens' letzter Roman, »Das Geheimnis des Edwin Drood« («The Mystery of Edwin Drood«) blieb unvollendet.

DavidCopperfield
Vor zweihundert Jahren wurde einer der Riesen der Weltliteratur geboren ... Charles Dickens. Seine letzte Ruhestätte fand der scharfe Kritiker frömmelnder Lügen ausgerechnet in der Londoner »Westminster Abbey«, wo Englands Monarchen seit ewigen Zeiten gekrönt und beigesetzt werden. Ob sich Charles Dickens in deren nobler Gesellschaft wohlgefühlt hätte ... das ist zu bezweifeln. Ein Trost wäre es ihm wohl gewesen, dass ganz in seiner Nähe eine Statue zu Ehren eines anderen literarischen Giganten Englands aufgestellt wurde ... das Standbild von William Shakespeare!

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(Abb. 1-5: Creative Commons - Wikipedia)

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