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Samstag, 21. August 2010

Samstagsrezension Helga König: "Hexenhausgeflüster"

Sylvia B. hat mit dem Märchen "Hexenhausgeflüster" ein Antidrogenbuch der besonderen Art verfasst. Sie agiert nicht mit moralischem Zeigefinger, sondern verdeutlicht, dass Cannabis- und Kokain-Konsumenten letztlich mit den gesellschaftlich anerkannten Schnaps-Trinkern in einem Boot sitzen und alle Drogenabhängigen letztlich arme Teufel oder anders ausgedrückt kleine Bonsais sind.

Die Schnaps-Trinker wollen nicht wissen, dass vier Finger auf sie zurück deuten, wenn ihr Zeigefinger Cannabis-und Kokainkonsumenten beschämen möchte, auch wenn ihnen der Wacholder die Zehennägel kröselich kringelt, um es es in Sylvias stets latent ironischer Sprache auszudrücken.

Worum geht es in diesem Buch? Die quirlige Unternehmerin Lyrich (sie ist durch den Handel mit bereits benutzten Damenslips reich geworden) sucht eine idyllische Alternative zu ihrer komfortablen Penthouse-Wohnung und findet diese in einem "Hexenhaus" am Ortsrand. In diesem Haus leben zwei merkwürdige Gestalten, Bonsai, ein baumlanger Freak und sein Kumpel Juri.

Lyrich berichtet ihrer Freundin Lieschen ausführlich über die Geschehnisse im "Hexenhaus", in das sie mit ihrem "Alter Ego" Charlotte einzieht. Diese ist ihre vor langer Zeit verstorbene Urgroßmutter, deren Seele in Lyrich wohnt, ihr kluge Ratschläge erteilt und aufgrund ihrer überirdischen Fähigkeiten stets mehr sieht als die bodenständige Lyrich.

Die reiche Unternehmerin gibt sich bei den beiden Jungs ausgefuchst als arme Witwe aus, damit diese nicht auf die Idee kommen sie anzupumpen. Sie vermutet, dass diese Freaks ständig Geld brauchen. Noch ahnt sie nicht, womit sich die beiden befassen. Dies wird ihr klar als ihre Katze "Äugelchen" in Bonais Räumen verschwindet, dort, wie Lyrich entsetzt feststellen muss, in dessen "Cannabistreibhaus" ein "großes Geschäft" verrichtet und auf diese Weise die Cannabisernte vernichtet hat. Die Jungs sind zum Zeitpunkt des Geschehens nicht im Haus. Lyrich weiß, dass dies schlimme Folgen hat, wenn das Malheur entdeckt wird.

Über die Konsequenzen und wie Lyrich sich dagegen erfolgreich zur Wehr setzt, informiert die gewitzte Unternehmerin ihre Freundin Lieschen kurzweilig im leicht sarkastischen Ton. Das liest sich dann so:

„mittlerweile blickten schon
die nachbarn äußerst argwöhnisch
auf das rege treiben
was bonsai natürlich nicht mitbekam
das ist der vorteil des zauberpulvers
es scheint eine art tunnelblick
zu erzeugen und macht stumpf und bonsais zu deutschen eichen“

Lyrich, wie wir aus ihren "Briefen an Lieschen" wissen, ein großer Fan von Machiavelli, bedient sich dieser Wacholderfreunde- Nachbarn geschickt, um sich Bonsai vom Hals zu schaffen. Zwei Flaschen Wacholder für ihre Helfer und ein guter Rat an ihre Brieffreundin:

"lieschen wenn ich dir einen guten rat
geben darf
lass bloß die finger von den drogen"

zeigen, dass die Macherin begriffen hat, was es heißt, dass der Zweck die Mittel heiligt. Lyrich stets hellwach und in der Lage ganze Volksstämme in Bewegung zu setzen, wenn es um ihre Interessen geht, ist mit allen Wassern geschwaschen. Ist Lyrich ein Hexe? Nein. Sie ist bloß eine lebenskluge Machiavellistin, die niemals Fragen im Hinblick auf moralische Bedenklichkeiten stellt, wenn sie ein Ziel im Auge hat. So wird man bekanntermaßen erfolgreich, nicht nur im Märchen.


Wie immer schreibt Sylvia B. ohne Punkt und Komma. Ihre Protagonistin Lyrich ist viel zu schnell, als dass sie anders, als wie aus der Pistole geschossen schreiben könnte.


Donnerstag, 8. Juli 2010

Kennen Sie den Gritzmeck?

Sicher ist Ihnen der Gritzmeck auch schon mal begegnet. Von der Statur her klein und mager, die Gesichtsfarbe grau, leicht ins Gelbliche spielend, fallen zuerst seine grünen Haare auf, wenn man nur kurz hinsieht. Betrachtet man ihn näher, treten die Haare in den Hintergrund, denn seine Körperhaltung ist mitleiderregend. Eigentlich kann man den Blick kaum noch von ihm abwenden, wenn man sich einmal entschlossen hat, den Gritzmeck richtig anzuschauen, denn es zerreißt einem das Herz: Verkrümmt und verkrampft wandelt der Gritzmeck durch die Welt, eine Karikatur des Menschseins, ein Zerrbild seiner selbst.

Dabei war er auch einmal ein Mensch, der Gritzmeck. Genau genommen ist er das immer noch, auch, wenn das schon längst niemandem mehr auffällt. Als rosiges, schönes Baby wurde er geboren, so, wie alle Babys irgendwie rosig sind. Und schön. Wie konnte es nur so weit kommen? Wie konnte es sein, dass der Gritzmeck wurde, was er ist? Und warum zum Henker gibt es so viele seiner Art?

Eigentlich würde einem der Gritzmeck kaum auffallen. Denn er tut nicht viel. Zwar gibt es Ausnahmen, denn die Ordnung Gritzmeck kennt eine Unterart: den Action-Gritzmeck. Der ist immer aktiv. Seine Tragik ist, dass das keinen interessiert. Denn er neigt dazu, seine Kraft im Mikrobereich zu verschleudern, dort, wo er sicher sein kann, dass seine Arbeit niemandem auffällt. Der Action-Gritzmeck hat Angst. Angst davor, Fehler zu machen. Nur gut, dass er einen Tätigkeitsbereich gewählt hat, in dem diese nicht auffallen und er sich trotzdem beschäftigt fühlt.

Das Wesen des Action-Gritzmecks ist es, in einem tausendseitigen Roman drei vorhandene Kommafehler zu finden. Damit hält der sich gut und gerne mal ein dreiviertel Jahr auf, dabei beständig die Augen verdrehend über die Blödheit des Autors. Ob Leo Tolstoi auch einen Action-Gritzmeck hatte? Einen, der ihm Vorhaltungen gemacht hat, dass die Satzmelodie in »Krieg und Frieden« gerade auf Seite 1243 noch nicht ganz gelungen sei, und er ihm deshalb empfehle, eine mehrjährige Phase der Überarbeitung des gesamten Werks einzulegen, oder besser noch, die Arbeit lieber einzustellen, denn er wolle ja nur sein Bestes?

Klar: Tolstoi hatte mit absoluter Sicherheit einen Action-Gritzmeck am Hals. So wie jeder kreative Mensch einen findet, der sich gegen eigenes Schaffen entschieden hat, um »lieber dem Ganzen zu dienen«, da »eigene Ambition ja immer auch etwas Egoistisches« habe, »das meinem Wesen fremd ist, womit ich nichts gesagt haben will, Du musst ja wissen, was Du tust, und überhaupt: ich bin da, Dir zu helfen, das weißt Du doch«, hört man den Action-Gritzmeck hecheln und fühlt sich unwillkürlich veranlasst, ihm fest auf die Schulter zu klopfen, damit er am eigenen Redefluss nicht ersticke.

Gritzmecks treten in ganz unterschiedlichen Situationen auf. Einen trifft man schon einmal in einem Zirkus an, wo er dem Hochseilartisten, der gerade kopfstehend auf dem Seil Geige spielt, zuruft, er sei kein Menuhin, aber mit etwas Üben könne er …
Einen anderen Gritzmeck findet man vielleicht im Finanzamt, wo er konstatiert, der Bürger habe sämtliche Belege im Duplikat abzugeben, auch wenn das bedeute, 500 Fotokopien anzufertigen, denn das sei erste Bürgerpflicht und überhaupt, habe der Bürger denn eine Ahnung, was er, der Gritzmeck, täglich leiste seit Inkrafttreten der Durchführungsbestimmung 18-C, deren Erster Ritter er sei?

In Wirklichkeit gibt es kein Feld, auf welchem nicht ein oder mehrere Gritzmecks sich tummeln. Ob in der Schule, wo man den »dieses-Arbeitsblatt-hast-Du-aber-nicht-sorgfältig-ausgemalt«-Gritzmeck antrifft, oder auf dem Ballermann, wo er vielleicht den Namen »in-meinem-Zimmer-war-eine-Ameise-weshalb-ich-Minderung-meines-150 €-Reisepreises-verlange«-Gritzmeck trägt.
Sehr wohl fühlen sich Gritzmecks in juristischen Berufen: Der »laut-Paragraph-370 Absatz-c-haben Sie-nicht-das-Recht-Ihren-Kinderwagen-im-Hausflur-abzustellen«-Gritzmeck ist dort wohl bekannt.

Arme Gritzmecks. Sie plagen sich so ab, zum Wohle des Ganzen, und niemand bemerkt es. Kein Wunder, wenn sie nissig werden. Ärgerlich. Ätzend. Einfach nur unausstehlich.

Wir wollen es nicht vergessen: Gritzmecks meinen es stets nur gut. Also fesseln und knebeln wir sie am besten und wenden uns interessanteren Dingen zu ...

Sonntag, 14. Februar 2010

Im Gespräch mit Ephraim Kishon - Teil 4

Walter-Jörg Langbein
4. und letzter Teil


Mein ausführliches Interview habe ich mit einem Diktiergerät im Hotelzimmer des großen Satirikers Ephraim Kishon in Frankfurt aufgezeichnet und dann Wort für Wort zu Papier gebracht. Das wortgetreue Manuskript legte ich Ephraim Kishon vor: Vor rund 25 Jahren sandte ich es ihm nicht etwa per E-Mail, sondern nach alter Väter Sitte per Briefpost an seine Schweizer Adresse in Zürich. Ephraim Kishon antwortete mir umgehend, wiederum per Brief:

»Lieber Walter-Jörg! Vielen Dank für das eingeschickte Manuskript. Ich habe einige Änderungen angebracht, aber viel wichtiger ist es, dass Sie dieses Interview sprachlich umschreiben sollen. Deutsch ist, wie Sie wissen, nicht meine Muttersprache.... Bitte verleihen Sie dem Schriftstück den notwendigen Stil eines Schriftstellers.«

Die von mir leicht überarbeitete Fassung des Interviews sagte Ephraim Kishon dann zu. Am 22.3.1985 schrieb er mir:

»Lieber Walter-Jörg Vielen Dank für Ihren Brief vom 17.3.1985 und das ausgezeichnete Interview, sowie den übergeschnappten Leserbrief.
Ich danke Ihnen herzlichst für die schöne Sprache, die Sie mir in den Mund gelegt haben. Es ist auch eines der seltenen Interviews, in dem meine Meinung korrekt und interessant wiedergegeben worden ist.

Ich bin sehr zufrieden damit, dass meine Menschenkenntnis mich nicht getäuscht hat. Sie sind wirklich meines Vertrauens würdig, das Sie von der ersten Minute an genossen haben. Wenn Sie in Zukunft noch etwas Ähnliches mit mir machen möchten, finden Sie immer offene Türen.
Inzwischen meine besten Grüße.
Ihr
Ephraim Kishon.«

Zu einem zweiten, ähnlich ausführlichen Interview ist es leider nicht mehr gekommen. Aber wir begegneten uns über Jahre immer wieder am Rande der Frankfurter Buchmesse. Manches Gespräch haben wir geführt. Manches Mal haben wir auch schweigend und schmunzelnd den Messetrubel beobachtet. Ein Erlebnis ist mir besonders gut erinnerlich.... Ephraim Kishon hätte es gewiss weit besser beschreiben können.

Schimpfend näherte sich ein Fernsehteam, bestehend aus Kameramann, Tontechniker und einem wortgewandten Interviewer. Ein Scheinwerfer wurde mit viel Geschick aufgehängt. Eine Kamera wurde sorgfältig in Position gebracht. »Musste das denn heute auch noch sein?« schimpfte einer der Fernsehleute. »Da denkt man, man hat Feierabend... und dann heißt es, schnell, schnell der Lange kommt. Und schon muss man springen und machen!« Dem lautstarken Gespräch der Fernsehleute war zu entnehmen, dass sie auf Helmut Kohl, den damaligen Bundeskanzler, warteten. Die zusätzliche Arbeit verrichteten die Männer allem Anschein nach höchst ungern. Und sie sparten nicht mit Kraftausdrücken, um ihrem Unmut Ausdruck zu verleihen.

Plötzlich war es soweit. Ein Menschenknäuel waberte förmlich heran. Ängstliche Buchhändler wichen aus. Verlagsangestellte suchten Schutz hinter Büchertischen. Finster und bedeutsam zugleich dreinblickende Herren in Anzügen waren sofort als Sicherheitsleute zu erkennen. Ihre Jacketts waren seltsam ausgebeult. Die Sicherheitsprofis sondierten das nähere und weitere Umfeld. Ihre Augen müssen so scharf wie die berüchtigten Nacktscanner gewesen sein. Die Herren nickten sich schließlich zuversichtlich zu. Aus der Mitte dieses »Gruppenwesens«, das sich wie eine aus unzähligen Leibern bestehende größere Einheit durch das dichte Gewühl des Messegeländes bewegte, löste sich endlich eine hohe Gestalt. Sie überragte alle anderen um mindestens eine Haupteslänge.

Und just jene Herren, die eben noch aus tiefstem Herzen über den Kanzler geschimpft und derbe Ausdrücke für ihn gefunden hatten, verwandelten sich urplötzlich um Musterbeispiele übertriebener Höflichkeit: »Wenn der Herr Bundeskanzler sich für einen kurzen Moment hierher bemühen wollen...« Helmut Kohl erspähte Ephraim Kishon. »Einen wunderschönen Tag, Herr Kishon!« strahlte er und schüttelte Ephraim Kishon die Hand. »Und wie heißen Sie?« fragte mich der Kanzler. »Und wo sind Sie gebürtig?«

Während Helmut Kohl nun auch mir die Hand drückte antwortete ich: »Walter Langbein. Aus Michelau bei Lichtenfels....« Der Kanzler nickte freundlich. »Ein Franke!« Und schon wanderte die hohe Gestalt, umringt vom wabernden Tross, weiter. Mürrisch wurden Scheinwerfer und Kamera abgebaut. Und jener Herr, der eben noch so überhöflich dem Kanzler gegenüber aufgetreten war, verwandelte sich wieder in einen schimpfenden mürrischen Mitarbeiter eines Fernsehsenders, der kein gutes Haar an Helmut Kohl lassen wollte.

»Sind Sie ein guter Beobachter, Herr Kishon?« habe ich einmal den großen Satiriker gefragt. Ephraim Kishon antwortete: »Um ein halbwegs brauchbarer Satiriker zu sein, muss man gut beobachten können. Und wenn man gut beobachten kann, muss man Satiriker sein. Sonst wäre die Realität oft nicht zu ertragen.«

Ephraim Kishon, eigentlich Ferenc Hoffmann, wurde 1944 in das Arbeitslager Jolsva, Slowakei, verschleppt. 1945 konnte er aus einem Gefangenentransport nach Polen fliehen. So entging er knapp dem sicheren Tod. Ephraim Kishon lebte einige Zeit in Ungarn. Die Lebensverhältnisse unter der kommunistischen Regierung veranlassten ihn, 1949 mit einem Flüchtlingsschiff nach Israel auszuwandern. Bei der Einreise wurde er nach seinem Namen gefragt. »Ferenc Kishont.« Der Beamte schüttelte unwirsch den Kopf. »Ferenc.. gibt es nicht!« und trug Ephraim als Vornamen in Formular ein. Und aus Kishont wurde Kishon.

Ich fragte Ephraim Kishon: »Wie stehen Sie zu Ihrem Vornamen Ephraim?
Ephraim Kishon antwortete: »Was meinen Vornamen betrifft, habe ich schon so viele gehabt, dass es mir schwer fällt, Stellung zu nehmen. Mein letzter Vorname Ephraim gefällt mir am besten, weil er sich mit ›Jeruschaljim‹ reimt. Übrigens habe ich diesen Namen von einem kleinen Hafenbeamten bekommen, als ich 1949 nach Israel kam.

Wenn ich selbst meinen Vornamen wählen könnte, würde ich wahrscheinlich Frederico Garcia von Lorca übernehmen.«

Ich fragte Ephraim Kishon per Brief: »Was halten Sie von der Lehre von der Wiedergeburt?«
Ephraim Kishon antwortete schriftlich:
»Was meine Reinkarnation betrifft, bin ich in derselben Ignoranz wie alle Wissenschaftler, Parapsychologen, der Papst und der Oberrabbiner.
Ich weiß über das Universum nichts und kann mir nicht vorstellen, welchem Zweck es dient, wenn ich als Pinguin oder als Schublade neu geboren werde. Aber theoretisch möchte ich ganz genau als Ephraim Kishon wiedergeboren werden, zur selben Zeit, am selben Ort, unter der einzigen Bedingung, dass Adolf Hitler nicht wiedergeboren wird.«

Im Frühsommer 1986 bat ich Ephraim Kishon um eine Stellungnahme zur Atomenergie. Seine Antwort vom 10. Juni 1986 erweist sich heute, fast ein Vierteljahrhundert später, als geradezu höchst aktuell und brisant.

Ephraim Kishon: »Die Atomenergie ist in meinen Augen ein Segen und ein Fluch zugleich. Ich glaube nicht, dass man sie rückgängig machen kann. Es gibt schon zu viele Atomkraftwerke und zu viele Atombomben. Es ist klar, dass keine der Groß- und Mittelmächte mit der Atomforschung aufhören wird, solange sein Gegner oder sein Nachbar dies nicht auch tut.

Aus diesem Grunde würde ich vorschlagen, die Atomkraftwerke nicht abzuschalten, sondern eine internationale Dachorganisation zu schaffen, die einerseits die Sicherheitsmaßnahmen festlegt und überprüft und andererseits alle möglichen technischen und psychologischen Maßnahmen vorbereitet für die kommenden Jahre, wenn die verschiedenen Terroristengruppen in der Welt über Kernwaffen verfügen.«

Zum fünften Todestag Ephraim Kishons habe ich mein Interview mit dem großen Satiriker in den Blog »ein Buch lesen« gestellt. Vor fünf Jahren ist Ephraim Kishon verstorben. Doch in seinen Büchern lebt er weiter. Seine große Beliebtheit, davon bin ich überzeugt, verdankt Ephraim Kishon seinem großartigen Talent. Er war ein großer Schriftsteller, der die Schwächen und Stärken von uns Menschen treffend und ohne zu verletzen geschildert hat. Und seine Bilder, die er in Worten gezeichnet hat, sind zeitlos: so wie die Schwächen und Stärken von uns Menschen zeitlos sind... sie bestimmten schon unser Leben, als wir noch in Höhlen hausten. Und sie werden das Leben der Menschen bestimmen, die in ferner Zukunft in gewaltigen Weltraumschiffen ins All starten. Ob sie dann Kishons Bücher mitnehmen werden? Ich glaube es! Und wenn Außerirdische so etwas wie Humor kennen, werden sie sich über Ephraim Kishon amüsieren!


Freitag, 27. November 2009

ForenTroll: Band III der Lieschen-Bücher ist da!

Endlich ist es soweit: Ich halte den lang erwarteten Band III "ForenTroll" der Lieschen-Reihe von Sylvia B. in der Hand. Neulich hatte ich hier schon mal über die ersten beiden Folgen berichtet. Gleich vorab: Das Buch hat meine (durch Band I und II verwöhnten) Erwartungen nochmals übertroffen.

Lyrich, wie wir aus "briefe an lieschen" noch wissen, ist erfolgreiche Unternehmerin in einem schlüpfrigen Gewerbe. Außerdem hat sie sich in "hexenhausgeflüster" eine ihr gemäße Heimstatt geschaffen. Was kann man sich noch mehr wünschen? Was fehlt noch zum perfekten Leben?

Wer nun denkt: Ein Mann natürlich!, der kennt Lyrich schlecht. Sie ist eine Frau, die immer das Unerwartete tut. So auch jetzt: Trotz all ihres Erfolges entschließt sie sich zur Weiterbildung.



Wie? Lernt sie jetzt etwa Spanisch an der Volkshochschule? Oder brennt im Töpferkurs Selbstgeformtes? - Weit gefehlt! Wer Lyrichs Bildungsgang unbedingt ein bürgerliches Etikett aufkleben zu müssen vermeint, der trifft es vielleicht mit dem Begriff "Kommunikations-IT" noch am besten. Doch auch diese Bezeichnung wird Lyrich eigentlich nicht wirklich gerecht, denn:

Sie entschließt sich zu einer Ausbildung als Trollminatorin und verbringt fürderhin ihre knappe Freizeit damit, mit gewohnter Energie und eisernem Besen durch die Internet-Foren zu fegen, und diese von Trollen zu befreien.

Sehr zupass kommt ihr dabei, dass sie bei ihrem Ausbilder, Yoga Bookwalker, den höchsten Grad erworben hat, der auf diesem Gebiet erreichbar ist:

Den Grad der Unanscheißbarkeit.

Dieser ermöglicht es ihr, im Armen Forenpoeten, einem Forum für Buchautoren, richtig aufzuräumen.

Als die Ereignisse sich schließlich im Rahmen einer Rezensionen-Trollinvasion auf einem der größten Buchportale (www.bruenhilde.ow) überschlagen, greift Lyrich entschlossen ein.
Immer verlassen kann sie sich dabei auf die Mithilfe ihres Höheren Selbst, das sich, in Gestalt ihrer Urgroßmutter Charlotte, immer im richtigen Moment zu Wort meldet.

Zu Sprache und Stil des Buches ist zu sagen, dass die Autorin ihrem Stil treu geblieben ist, sodass die Lieschen-Bücher eine in sich geschlossene Einheit bilden, deren Fortsetzung man dringend erhofft.

ForenTroll: Ein modernes Märchen für Erwachsene


Mittwoch, 18. November 2009

Lyrische Satire - Die Lieschen-Bücher von Sylvia B.

Ein modernes Märchen für Erwachsene, las ich im Untertitel, als ich das Buch "Briefe an Lieschen" von Sylvia B. in der Hand hielt. Da ich mir recht wenig darunter vorstellen konnte, schlug ich es neugierig auf.
Was mich erwartete, war köstliche Unterhaltung der Spitzenklasse, in lyrischer Form verdichtet.
Mit leichter Hand überspringt Sylvia B. die Genregrenzen und fügt Elemente verschiedenster Literaturgattungen zu einer neuen Gattung zusammen, die man treffend eigentlich nur mit "Sylvia B. Herself" umschreiben könnte:

Märchenelemente (ein Geistwesen namens Charlotte, das sich als die verstorbene Urgroßmutter der Ich-Erzählerin entpuppt, und das sich zu einem spirituellen Führer der originellen Art auswächst) mischen sich mit Lyrik (in der Tat ist der Schreibstil von Sylvia B. so unverwechselbar wie ihre Geschichten und durchgängig in Gedichtform gehalten, was Sylvia B. nicht hindert, die Story stringent voranzutreiben).
Für das Erzählen ihrer Geschichte hat die Autorin die spätestens seit Goethes "Leiden des jungen Werther" aus der Literatur nicht mehr wegzudenkende Form des Briefromans gewählt. Adressatin von Lyrichs köstlichen Berichten ist eine Frau namens Lieschen. Und Lieschen dürfte sich vor Lachen kringeln, wenn sie diese ihre Post öffnet. Nicht anders geht es dem Leser, der in den Genuss kommt, mit einem verstohlenen Blick über Lieschens Schulter zum Mitwisser der unerhörten Vorgänge in "Briefe an Lieschen" werden zu dürfen.

Was sich da auf 88 Seiten entspinnt, das ist, um eine weitere hier zutreffende Genrebezeichnung einzuführen, reinste Satire. Mit scharfem Instinkt und spitzer Feder zeichnet Sylvia B. das Bild einer Frau (Lyrich), die es meisterhaft versteht, aus einer im wahrsten Sinne des Wortes schlüpfrigen Geschäftsidee einen weltumspannenden Konzern aufzubauen. Um welche Geschäftsidee es genau geht, das wird hier nicht verraten. Nur so viel: Ihnen wird der Atem stocken angesichts dieser Frivolität, die dank der Erzählkunst der Autorin jedoch nie ins Derbe abgleitet.

Lebenserfahrung und Illusionslosigkeit im besten Sinne, das ist das Handwerkszeug von Lyrich. Ja, sie hat verstanden, was es ist, das viele Männer eigentlich umtreibt. Doch statt darüber zu lamentieren, ergreift sie, gemeinsam mit einigen Freundinnen, die Initiative und holt für sich das Allerbeste dabei heraus: Ihre lebenslange finanzielle Unabhängigkeit.

Am Ende ist man als Leser enttäuscht. Enttäuscht über die Tatsache, diese von Grund auf erheiternde Lektüre nun ausgelesen zu haben. Doch die Enttäuschung dauert nicht lange: Erleichtert stellt man fest, dass es auch einen Band II gibt, der einen an weiteren haarsträubenden Erlebnissen von Lyrich teilhaben lässt: "Hexenhausgeflüster"!

Nach dem Lesen von "Briefe an Lieschen" kann man einfach nicht umhin: Man bestellt sofort Nachschub. Und auch mit "Hexenhausgeflüster" ist ein Großangriff auf das Zwerchfell garantiert. Unter Beibehaltung ihres schon oben beschriebenen Stils erzählt Sylvia B. weiter:

Lyrich hat es also geschafft: Sie ist Chefin eines Großkonzerns. Fehlt ihr nur noch ein passendes Zuhause. Wer nun annimmt, eine so erfolgreiche Frau wie Lyrich werde sich nun eine Schickimicki-Villa mit allem erdenklichen Luxus zulegen, der kennt sie immer noch nicht richtig. Nein, ein Hexenhäuschen soll es sein. Sie hat auch schon bald ein passendes Objekt ins Auge gefasst. Wäre da nur nicht Bonsai, dieser Nachbar, der (nicht nur) mit ihrer Katze Äugelchen auf Kriegsfuß steht ...

Wieder mal ins Schwarze getroffen!, dachte ich vergnügt, als ich die letzten Zeilen von "Hexenhausgeflüster" ausgelesen hatte. Wie macht Sylvia B. das nur: ihre Lieschen-Bücher lassen mich stets mit einer diebischen Freude zurück ... ;-)
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Briefe an Lieschen

Hexenhausgeflüster


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