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Mittwoch, 18. November 2009

Lyrische Satire - Die Lieschen-Bücher von Sylvia B.

Ein modernes Märchen für Erwachsene, las ich im Untertitel, als ich das Buch "Briefe an Lieschen" von Sylvia B. in der Hand hielt. Da ich mir recht wenig darunter vorstellen konnte, schlug ich es neugierig auf.
Was mich erwartete, war köstliche Unterhaltung der Spitzenklasse, in lyrischer Form verdichtet.
Mit leichter Hand überspringt Sylvia B. die Genregrenzen und fügt Elemente verschiedenster Literaturgattungen zu einer neuen Gattung zusammen, die man treffend eigentlich nur mit "Sylvia B. Herself" umschreiben könnte:

Märchenelemente (ein Geistwesen namens Charlotte, das sich als die verstorbene Urgroßmutter der Ich-Erzählerin entpuppt, und das sich zu einem spirituellen Führer der originellen Art auswächst) mischen sich mit Lyrik (in der Tat ist der Schreibstil von Sylvia B. so unverwechselbar wie ihre Geschichten und durchgängig in Gedichtform gehalten, was Sylvia B. nicht hindert, die Story stringent voranzutreiben).
Für das Erzählen ihrer Geschichte hat die Autorin die spätestens seit Goethes "Leiden des jungen Werther" aus der Literatur nicht mehr wegzudenkende Form des Briefromans gewählt. Adressatin von Lyrichs köstlichen Berichten ist eine Frau namens Lieschen. Und Lieschen dürfte sich vor Lachen kringeln, wenn sie diese ihre Post öffnet. Nicht anders geht es dem Leser, der in den Genuss kommt, mit einem verstohlenen Blick über Lieschens Schulter zum Mitwisser der unerhörten Vorgänge in "Briefe an Lieschen" werden zu dürfen.

Was sich da auf 88 Seiten entspinnt, das ist, um eine weitere hier zutreffende Genrebezeichnung einzuführen, reinste Satire. Mit scharfem Instinkt und spitzer Feder zeichnet Sylvia B. das Bild einer Frau (Lyrich), die es meisterhaft versteht, aus einer im wahrsten Sinne des Wortes schlüpfrigen Geschäftsidee einen weltumspannenden Konzern aufzubauen. Um welche Geschäftsidee es genau geht, das wird hier nicht verraten. Nur so viel: Ihnen wird der Atem stocken angesichts dieser Frivolität, die dank der Erzählkunst der Autorin jedoch nie ins Derbe abgleitet.

Lebenserfahrung und Illusionslosigkeit im besten Sinne, das ist das Handwerkszeug von Lyrich. Ja, sie hat verstanden, was es ist, das viele Männer eigentlich umtreibt. Doch statt darüber zu lamentieren, ergreift sie, gemeinsam mit einigen Freundinnen, die Initiative und holt für sich das Allerbeste dabei heraus: Ihre lebenslange finanzielle Unabhängigkeit.

Am Ende ist man als Leser enttäuscht. Enttäuscht über die Tatsache, diese von Grund auf erheiternde Lektüre nun ausgelesen zu haben. Doch die Enttäuschung dauert nicht lange: Erleichtert stellt man fest, dass es auch einen Band II gibt, der einen an weiteren haarsträubenden Erlebnissen von Lyrich teilhaben lässt: "Hexenhausgeflüster"!

Nach dem Lesen von "Briefe an Lieschen" kann man einfach nicht umhin: Man bestellt sofort Nachschub. Und auch mit "Hexenhausgeflüster" ist ein Großangriff auf das Zwerchfell garantiert. Unter Beibehaltung ihres schon oben beschriebenen Stils erzählt Sylvia B. weiter:

Lyrich hat es also geschafft: Sie ist Chefin eines Großkonzerns. Fehlt ihr nur noch ein passendes Zuhause. Wer nun annimmt, eine so erfolgreiche Frau wie Lyrich werde sich nun eine Schickimicki-Villa mit allem erdenklichen Luxus zulegen, der kennt sie immer noch nicht richtig. Nein, ein Hexenhäuschen soll es sein. Sie hat auch schon bald ein passendes Objekt ins Auge gefasst. Wäre da nur nicht Bonsai, dieser Nachbar, der (nicht nur) mit ihrer Katze Äugelchen auf Kriegsfuß steht ...

Wieder mal ins Schwarze getroffen!, dachte ich vergnügt, als ich die letzten Zeilen von "Hexenhausgeflüster" ausgelesen hatte. Wie macht Sylvia B. das nur: ihre Lieschen-Bücher lassen mich stets mit einer diebischen Freude zurück ... ;-)
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Briefe an Lieschen

Hexenhausgeflüster


Montag, 2. November 2009

Das Sakrileg und die Heiligen Frauen

Auch nach Jahrzehnten der Frauenbewegung ist es nicht zu übersehen, dass der Graben zwischen den Geschlechtern nur schwer zu überbrücken ist.
Noch immer stellt die Gesellschaft völlig unterschiedliche Anforderungen an Männer und Frauen, was gerade auf die Lebensbedingungen von Frauen gravierende Auswirkungen zeitigt.
Dies ist im Laufe der Jahrtausende eine derartige Selbstverständlichkeit geworden, dass es einer gezielten Anstrengung bedarf, sich solche Fakten bewusst zu machen.

Wenn Sie sich nun fragen sollten: Was meint diese Kampfemanze eigentlich genau?, dann unterhalten Sie sich doch einfach mal mit einer Schwangeren. Sie wird Ihnen bestätigen, dass sie mit der wachsenden Offensichtlichkeit ihres Zustands einer enervierenden Frage ausgesetzt ist. Sie lautet, in Varianten, etwa folgendermaßen:
"Haben Sie sich schon überlegt, wie Sie das schaffen werden, so mit Kind und Ihrem Beruf?"
Erkundigen Sie sich dann der Vollständigkeit halber auch beim Vater des Kindes. Sie werden schnell herausfinden, dass ihm solche Fragen fremd sind. Warum auch sollte ihn jemand damit nerven? Das Kind hat schließlich eine Mutter!
Im Gegenteil: Der Mann hat nun eine Hausfrau, die ihm "den Rücken freihält", denn der Einfachheit halber erledigt sie nun, neben der Kinderbetreuung, den Haushalt gleich mit. Ja, ein Mann, dessen Essen abends wohltemperiert auf dem Tisch steht, der hat doch einen ganz anderen Background, sich den wichtigen Dingen des Lebens zu widmen, nicht wahr?

Warum aber ist dies so? Biologische Unterschiede? Diese werden immer wieder mal bemüht, wenn man versucht, die Ungleichheit der Aufgabenverteilung zu begründen. Doch wenn wir die tatsächlichen Gegebenheiten betrachten, dann stellen wir fest: Die Natur hat die existenzielle Abhängigkeit der Kinder von der Mutter auf das erste Lebensjahr begrenzt. Danach, mit dem Zahndurchbruch und der Aufnahme festerer Nahrung, besteht die Möglichkeit, auch anderen Familienmitgliedern einen Teil der Sorge für die Kinder zu übertragen.




Wer wäre hier der bessere Ansprechpartner als der Vater des Kindes?
Solch eine Frage aber können nur unbedarftere Gemüter stellen. Die anderen wissen es längst: Der Vater ist nun eingebunden in ein verschärftes Hunting-for-Dinner. Da kann man ihm doch nicht mit Windelwechseln kommen!
"Der arme Mann, er arbeitet den ganzen Tag so schwer, was willst Du noch alles von ihm verlangen?", kommt vielleicht von der Schwiegermutter, die ihren Sohn heimlich bedauert, eine Frau mit solch emanzipatorischem Gedankengut geheiratet zu haben. Wider dem Rat der eigenen Mutter, selbstredend.

Ja, Frauen sind Weltmeisterinnen darin, die Einhaltung der gesellschaftlich legitimierten Grenzen von ihren Geschlechtsgenossinen einzufordern. (BTW: Hat schon mal jemand einen Mann zu einem anderen sagen hören: "Kümmere Dich gefälligst um Dein Kind! Hörst Du nicht, dass es Hunger hat?"
Sollte dies der Fall sein, dann schreiben Sie mir bitte. Name und Adresse eines solch seltenen und deshalb hoch attraktiven Exemplars würden mich brennend interessieren. Aber dies nur am Rande.)

Nun möchte ich nicht weiter in die Tiefe gehen, was heutige gesellschaftliche Realitäten angeht. Wer die Augen aufmacht, wird jetzt auch so verstanden haben, was ich meine.
Was mich interessiert, das ist vielmehr: Wie konnte es so weit kommen? Wie konnte eine derartige Spaltung entstehen zwischen Menschen, die sich eigentlich lieben und gegenseitig unterstützen sollten?

Ich habe eine Antwort gefunden. Geahnt hatte ich sie ja schon immer. Doch das Buch Das Sakrileg und die Heiligen Frauen von Walter-Jörg Langbein hat mein dumpfes Ahnen nun mit einigen theologischen Fakten unterfüttert, die meine Frage mehr als nur hinreichend beantworten.

Wer sich jemals mit C.G. Jung und seiner Archetypenlehre auseinandergesetzt hat, der weiß, dass es Urbilder sind, die uns alle steuern. Darstellungen, die irgendwann, an irgendeiner Stelle der Menschheitsgeschichte aufgenommen, fraglos weitergegeben und immer weiter verfestigt wurden. So lange, bis sie alles durchdrangen. Bis es eine übermenschliche Anstrengung bedeutete, sie eben NICHT zu erfüllen, sondern vielmehr GEGEN ihre Diktatur zu leben.

Wenn wir den hiesigen Kulturkreis einer näheren Betrachtung unterziehen, erfahren wir als erstes, dass wir in der "abendländisch-christlichen" Kultur leben. Hoch gehalten wird diese Bezeichnung gerade neuerdings wieder, da es gilt, sich gegen den zu Recht als bedrohlich empfundenen muslimischen Fundamentalismus abzugrenzen.
Aber: Lohnt sich diese Abgrenzung? Sind unsere Wurzeln wirklich so ungleich nährender und fruchtbarer? Oder wurden sie nicht lediglich durch die Periode der Aufklärung wenigstens so weit gekappt, dass ein weitgehend unverbogener Mensch unter Eingehung gewisser Kompromisse damit zu leben vermag?

Fragen über Fragen, deren Antworten Das Sakrileg und die Heiligen Frauen zu liefern vermag.
Ausgehend von der Betrachtung des Dan-Brown-Thrillers Sakrileg. The Da Vinci Code und der darin vertretenen Thesen breitet Walter-Jörg Langbein die Fülle seiner theologischen Kenntnisse vor seinen Lesern aus und führt sie Schritt für Schritt und folgerichtig zu der Erkenntnis, welch tiefgreifenden Schaden die systematische theologische Herabwürdigung der Maria Magdalena der "abendländisch-christlichen Kultur" zugefügt hat.

Maria Magdalena, die eigentliche geistige Erbin des Jesus von Nazareth, gestempelt zu einer billigen Hure: Dieses zu einem archetypischen Bild verfestigte Unrecht ist es, das zu einer Entelechie und Begründung geworden ist für jedes Unrecht, das seit dieser Zeit Frauen des "abendländisch-christlichen Kulturkreises" zugefügt wurde.

Wer sich mit Walter-Jörg Langbeins Buch auseinander setzt, wird zu der Erkenntnis gelangen, dass es höchste Zeit ist, neue Archetypen zu erschaffen. Und dass ihm, auch wenn er männlichen Geschlechts ist, kein Zacken aus der Krone fällt, wenn er nun aufsteht und sich ein wenig um den Haushalt kümmert, und das am besten jetzt gleich.

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