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Sonntag, 9. August 2020

551. »Von der Pyramide in die Unterwelt«

Teil 551 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


»Monstermauern, Mumien und Mysterien« – ein Resümee von rund fünfzig spannenden Jahren (m)einer Reise zu den geheimnisvollsten Stätten unseres Planeten. 550 Folgen (m)einer Sonntagsserie. Nr. 1 erschien am 17. Januar 2010. Diese Zeilen schreibe ich am 21. Mai 2020, »Christi Himmelfahrt«.

Die Welt bereisen wollte ich schon als Kind, als ich Karl Mays wunderbare Werke förmlich verschlang. Ich wollte Abenteuer wie »Old Shatterhand« im fernen Amerika und wie »Kara Ben Nemsi« im Orient bestehen.

1968 wurde ich 1968 von der »Dänikenitis« (1) befallen. Kennzeichnend für die »Dänikenitis« sind Symptome, auf die ich auf keinen Fall verzichten möchte: Reisefieber steht da an erster Stelle. Nichts kann es wirklich stillen, und das ist gut so. Je mehr man reist, desto stärker wird es. Wer ihm nachgibt, dessen Sehnsucht wächst. Je mehr Mysterien man erforscht, desto mehr möchte man ergründen. Es ist, scheint mir, eine Art Sucht.

Ein weiteres Symptom: Wachsende Neugier auf das Unbekannte bei gleichzeitiger Ablehnung vorgekauten »Wissens«. Und: Der von Dänikenitis Befallene denkt lieber selbst und verlässt gern die ausgetretenen Pfade von »Vordenkern«. Ich selbst verdanke dem großartigen Erich von Däniken (*1935) rund fünfzig spannende Jahre. Von Ägypten bis Zentralamerika gibt es zahllose Monumente, die an der Richtigkeit der Geschichtsschreibung zumindest doch stark zweifeln lassen. Die monströsen Riesensärge von Sakkara zum Beispiel werde ich nie vergessen.

Foto 1: »Verloren« in der Wüste - die »Djoser Pyramide« (Sakkara).

Von der Djoser-Pyramide aus blickte ich hinaus in eine steinige Höllenglut von Wüste (2). Ein einheimischer Guide erklärte mir: »Überall gibt es noch unentdeckte komplexe unterirdische Anlagen ungeahnten Ausmaßes. Immer wieder werden neue Säle unter dem Wüstenboden ausfindig gemacht. Es ist schon vorgekommen, dass parkende Busse urplötzlich einbrachen und in einem unterirdischen Schlund zu versinken drohten. Zum Glück wurde dabei noch niemand verletzt! Es wurde mit großer Wahrscheinlichkeit erst ein kleiner Teil der unterirdischen Welt entdeckt!«

Prof. Hans Schindler-Bellamy (*1901; †1982) bestätigte: »Einst gab es im Wüstenboden ein Gewirr von zahllosen unterirdischen Gängen, Räumen und Sälen. Da wurde eine Unterwelt erschaffen, von deren Größe wir keine Vorstellung haben.« Auguste-Ferdinand-François Mariette (*1821;†1881) war eher zufällig in die Region von Sakkara gekommen. Ursprünglich wollte er Manuskripte aus der Frühzeit Ägyptens finden. Er gab aber frustriert auf und hoffte auf andere Sensationen. Würde er in den Gefilden von Sakkara Sphingen ausgraben können? Rücksichtslos setzte er Dynamit ein, um mit Gewalt einen Zugang zur Unterwelt von Sakkara zu finden. Tatsächlich hatte er Erfolg, hätte dabei aber leicht tödlich verunglücken können.

Foto 2: Von hier aus ging’s
zum Eingang in die »Unterwelt«.
Am 12. November 1851 tat sich der Boden unter Auguste Mariette im wahrsten Sinne des Wortes auf. Offenbar hatte er ein unterirdisches Gewölbe »entdeckt«. Die von ihm ausgelöste Detonation hatte ein Loch in eine steinerne Decke unter dem Wüstenboden gerissen. Auguste Mariette stürzte in die Tiefe. Wie durch ein Wunder blieb er unverletzt. Erst als sich der Staub gelegt und man Mariette eine Fackel gereicht hatte, erkannte er, wo er sich befand: in einer gewaltigen unterirdischen Gruft, im »Serapeum« von Sakkara. Aber war Mariette wirklich der »Entdecker« der fantastischen Unterwelt? Luc Bürgin (*1970), ein blitzgescheiter Schweizer Journalist, Publizist und Schriftsteller, hat ausgiebig recherchiert (3): »Ebenso umstritten bleibt, ob und wo der französische Abenteurer Paul Lucas (*1664; †1737) bereits über ein Jahrhundert vor Mariette dort unten herumkroch.«

Ich erinnere mich an meinen Besuch in Sakkara anno 1986. Die Hitze setzte mir arg zu, als ich die leider doch recht marode Pyramide von Sakkara umrundete. Ein schmächtiges Männlein mit gewaltigem Turban führte einen noch schmächtigeren kleinen Esel mit sich. Beide sahen aus, als wären sie einem Roman von Karl May entsprungen, sie waren aber real. Der Hüter des Esels war sichtlich enttäuscht, als ich mich weigerte, sein Grautier als Reittier zu nutzen. Ich wollte dem Tierchen nun wirklich nicht meine Last zumuten. Der Mann strahlte aber, als ich ihm das für einen Ritt geforderte kleine Trinkgeld zusteckte, ohne mich auf den armen Esel zu schwingen.

Mit einladenden Gesten forderte er mich auf, ihm zu folgen. Nach einem anstrengenden »Marsch« von höchstens einem Kilometer erreichten wir einen Eingang in die Unterwelt, der leicht zu übersehen war. Da ging es über eine Treppe in die Tiefe. Gut zehn Meter unter dem Wüstenboden schließlich standen wir vor einer schmalen Eisentür, die mein Führer mit wichtiger Miene und einem eisernen Schlüssel von beachtlicher Größe öffnete. Gestenreich erklärte mir der Mann den weiteren Weg.

Während sich meine Augen an die wohltuende Dunkelheit gewöhnten, tastete ich mich voran. Und plötzlich stand ich in einer fantastischen Welt, die ohne Probleme als Kulisse für einen SF-Film genutzt werden könnte. Vor mir dehnte sich ein imposanter Gang aus und verlor sich irgendwo in der Dunkelheit. Ich maß die Breite nach: gut drei Meter. Die Höhe schätzte ich auf bis zu zehn Meter. Ich schritt den Gang ab. Wie lang mochte er sein? Mindestens 180, vielleicht 210 Meter. Der gesamte Komplex dieser mysteriösen Galerie kam mir unwirklich vor.

Foto 3: Blick in die »Galerie«.

Ich ging in der Mitte des Gangs. Irgendwo flackerten zwei oder drei Glühbirnen auf. Ich folgte dem Gang weiter und blieb immer wieder stehen. Rechts und links erkannte ich Räume unterschiedlicher Größe. In 24 dieser Räume stand je ein riesiger steinerner Monstersarg. Manche dieser Särge sahen aus, als wären sie aus Beton. Man hatte, so schien es, die Verschalung erst kürzlich entfernt. Die meisten Särge hatten einen massiven Deckel, bei einigen fehlte er. Einige Sarkophage waren nach wie vor verschlossen. Bei einigen war der massive Deckel verschoben worden. Von wem? Von potenziellen Grabräubern? Beim einem der Monstersärge hatte man, wer und wann auch immer, ein Loch in die steinerne Kiste geschlagen, um in das Innere des Sarkophags zu gelangen. Vermutlich hoffte man im Inneren Kostbarkeiten zu finden, hatte es aber nicht geschafft, den tonnenschweren Deckel auch nur ein Stück zu entfernen. Vier der Räume der Galerie waren leer. Ich nehme an, dass auch hier Monstersärge aufgestellt werden sollten. Warum das aber unterblieb? Beendete man das fantastische Projekt vorzeitig?

Foto 4: Der aufgebrochene Sarkophag.
Mehr als eineinhalb Jahrhunderte nach Mariette erkundete ich die Unterwelt von Sakkara. Nach der glutheißen Wüstenhitze war es im muffigen Gang unter dem Wüstensand geradezu angenehm. Meine Taschenlampe machte es mir möglich, die Größe der Anlage mehr zu erahnen als zu erkennen. Ich tastete mich in einige der Kammern rechts und links des Gangs.

Die Monstersärge sind wirklich atemberaubend. Einen habe ich vermessen: Er war 3,85 Meter lang, 2,25 Meter breit und 2,50 Meter hoch. Die Sarkophagwand hatte oben eine Dicke von immerhin 43 Zentimetern. Verschlossen wurde die beeindruckende Riesenkiste aus Stein einst mit einem Monsterdeckel aus Stein, 62 Zentimeter dick. Nach vorsichtigen Schätzungen wiegt der Sarg mit Deckel rund achtzig, vielleicht sogar einhundert Tonnen.

Jeder dieser Riesensärge wurde aus einem einzigen Klotz aus härtestem Granit gefertigt. Der Steinbruch befindet sich in Assuan, rund 1.000 Kilometer entfernt. Warum machte man sich vor Jahrtausenden die Mühe, die monströsen Steinsärge 1.000 Kilometer in die Einöde der Wüste zu transportieren? Warum wurde die unheimliche Unterwelt nicht direkt bei Assuan geschaffen? Wie bugsierte man diese Steinmonster zehn Meter in die Tiefe, um sie in Räumen entlang eines Ganges zu deponieren?

Foto 5: Sarkophag ohne »Deckel«.

Als ich am 16. April 1986 im Serapeum staunend vor den steinernen Riesensärgen stand, da ahnte ich nicht, dass das Mysterium Serapeum weit größere Ausmaße hat als bis heute offiziell zugegeben wird. Noch einmal Luc Bürgin (4):  »Noch verwirrender: Im Gegensatz zur Fachliteratur soll das Serapeum insgesamt weitaus mehr Sarkophage bergen als offiziell bekannt. Genauer beziffert sagenhafte 40 bis 70 Stück, wie mir bereits vor etlichen Jahren von einheimischen Experten hinter vorgehaltener Hand zugeflüstert wurde. ›Längst nicht alle Gänge der Anlage sind heute für Touristen zugänglich.‹«


Foto 6: Sarkophag mit »Deckel«.

Luc Bürgin fantasiert nicht. Er hat einige der verheimlichten Monstersärge von Sakkara vor Ort in Augenschein genommen. Für ein üppiges Bakschisch schloss ein Hüter der Schlüssel ein rostiges Eisentor auf.  Für wenige Minuten durfte der sympathische Schweizer in einen Teil des unterirdischen Labyrinths eintreten, das sonst offiziell gar nicht zu existieren scheint. Keine Frage: Offensichtlich ist erst ein Teil des Serapeums bekannt. Besser gesagt: Vermutlich wurde bislang nur ein Teil der unterirdischen Anlage offiziell bestätigt und gezeigt, während weitere Teile – warum auch immer – geheim gehalten werden. Und vermutlich sind wiederum weitere Teile bis heute nicht entdeckt worden.

Foto 7: Ein »Nebenraum« der »Galerie«.

Ich vermute, dass der lange Gang mit den Räumen für die Riesensarkophage nur Teil eines komplexen Systems ist. Ich nehme an, dass es noch weitere Galerien gibt, die womöglich untereinander verbunden waren. Angeblich hat man, wie ich vor Ort gehört habe, Hinweise auf schmale Korridore entdeckt, die von der Galerie wegführten. Ein solcher Gang soll eingestürzt, ein zweiter nur ein kurzes Stück passierbar sein. Wohin man wohl gelangt, wenn man diese Gänge wieder passierbar macht? Zu weiteren Galerien? Zu weiteren Räumen mit weiteren Riesensarkophagen? Oder zu anderen Geheimnissen der Unterwelt von Sakkara?


Foto 8: Einer der Monstersärge, fotografiert um 1910.

Wirklich Geheimnisvolles aber vermag nur der zu erkennen, der dazu bereit ist einzugestehen, dass es Mysteriöses gibt. Leider glauben manche, es sei unwissenschaftlich zuzugeben, dass noch nicht alles wissenschaftlich erforscht wurde. Thomas Carlyle (*1795; †1881), schottischer Essayist und Historiker, rügte dieses Verständnis von »Wissenschaft«. Carlyle, der mit Goethe korrespondierte, brachte seine Kritik auf den Punkt: »Das wäre eine armselige Wissenschaft, die die große, tiefe, geheiligte Unendlichkeit des Nichtwissens vor uns verbergen wollte, über welcher alle Wissenschaft wie bloßer oberflächlicher Nebel schwimmt.« Wirkliche Wissenschaft ist vom Geheimnisvollen fasziniert. Wirkliche Wissenschaftler sehen die Existenz des Rätselhaften als Ansporn an, vorbehaltlos zu forschen, ohne auch nur eine einzige Antwort im Voraus auszuschließen. In diesem Sinne schrieb Justus Freiherr von Liebig (*1803; †1873): »Die Wissenschaft fängt eigentlich erst da an, interessant zu werden, wo sie aufhört.« Wirkliche Wissenschaft macht nicht irgendwo halt, sie kennt keine Dogmen. Sie ist stets bemüht, das noch Geheimnisvolle zu ergründen.

Wer wirklich sucht, muss anzweifeln. Diese Steinmonster gigantischen Ausmaßes, man nennt sie in der Literatur gewöhnlich »Sarkophage«. Diese Bezeichnung habe ich übernommen. Aber waren diese Steinkisten wirklich Särge (5)? Oder waren sie etwas ganz anderes? Und wenn sie keine Steinsärge waren, was waren sie dann?


Fußnoten
(1) Der Ausdruck »Dänikenitis« wurde 1968 von der »New York Times« kreiert.
(2) Siehe hierzu Langbein, Walter-Jörg: »Monstermauern, Mumien und Mysterien Band 3«, 2. Auflage, Alsdorf, August 2019, Kapitel 33 und Kapitel 34, Seiten 233-244
(3) Bürgin, Luc: »Die verheimlichten Sarkophage von Sakkara«, Artikel, erschienen in »mysteries« Nr. 4, Juli August 2019, Seiten 12-19, Zitat Seite 15, rechte Spalte, 10.-12. Zeile von oben
(4) Ebenda, 14.-19. Zeile von oben
(5) Vielen Dank, Roland Rambau, für den anregenden Kommentar bei facebook!



Zu den Fotos
Foto 1: »Verloren« in der Wüste - die »Djoser Pyramide« (Sakkara). Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Von hier aus ging’s zum Eingang in die »Unterwelt«. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Blick in die »Galerie«. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Der aufgebrochene Sarkophag. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Sarkophag ohne »Deckel«. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Sarkophag mit »Deckel«. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Ein »Nebenraum« der »Galerie«. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Einer der Monstersärge, fotografiert um 1910. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein


552. »Paulus wurde entrückt und altindische Vimanas«,
Teil 552 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 16. August 2020



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Sonntag, 10. Juni 2018

438 „Werden wir sein wie die ‚Götter‘?“

Teil 438 der Serie
„Monstermauern, Mumien und Mysterien“
von Walter-Jörg Langbein


Fotos 1-3: Götter? Künstliche Intelligenz?

„The Avengers“ wurde zwischen 1961 und 1969 produziert. 161 Folgen entstanden. Die Kultserie wurde im deutschen Sprachraum unter dem Titel „Mit Schirm, Charme und Melone“ ausgestrahlt. Eine Mischung aus Science-Fiction, Thriller, Krimi und Spionage zeichnete die Fernsehserie aus. Unvergessen sind bis heute Diana Rigg (*20.07.1938) als Emma Peel und Patrick Macnee (*06.02.1922;†25.06.2015) als John Steed.

Als 10. Folge der Staffel 5, als 114. Folge insgesamt, wurde am 17.03.1967 „Never, never say die“ (1) ausgestrahlt. Das deutsche Publikum bekam die fantastisch anmutende Folge unter dem Titel „Duplikate gefällig?“ am 7.11.1967 zu sehen. Der deutsche Titel gibt den Inhalt der Folge sehr viel besser als der englische Originaltitel wieder.

Foto 4: Südseegötter...
Zum Inhalt: Professor Frank N. Stone, dargestellt vom großartigen Sir Christopher Lee (*27.05.1922; †7.06.2015) hat begonnen, einen kühnen Plan in die Tat umzusetzen. Es ist ihm gelungen, exakte Kopien von Menschen anzufertigen, Roboter, die den Originalen aus Fleisch und Blut wie ein eineiiger Zwilling dem anderen gleichen. Wichtige Zeitgenossen sollen entführt und durch Roboter-Kopien ersetzt werden.

Man fühlt sich in eine moderne Version von Goethes „Zauberlehrling“ versetzt. Des Professors Kreaturen drehen den sprichwörtlichen Spieß um, sperren ihre menschlichen Originale ein, um im „richtigen Leben“ die Rollen der Menschen zu übernehmen und nach eigenem Gutdünken zu spielen. Die Roboter – künstliche „Menschen“ mit künstlicher Intelligenz können nur mit Mühe von John Steed und der höchst attraktiven Emma Peel ausgeschaltet werden.

Philip Levene (*9.06.1926;†25.03.1973), der in einem Bestattungsinstitut arbeitete, bevor er Schriftsteller wurde, packte also bereits vor einem halben Jahrhundert ein „Eisen“ an, das erst in den nächsten Jahren in der Öffentlichkeit erst richtig zum Glühen gebracht werden wird: „künstliche Intelligenz“.

Computer, wie wir sie heute kennen, sind stets nur so „intelligent“ wie Menschen sie entworfen und gebaut haben. Können also Computer nie intelligenter sein als Menschen? Doch! Man muss lediglich computergesteuerte Roboter bauen, die Computer generieren, die lernen können und immer intelligenter werden. Wie würde eine so geschaffene künstliche Intelligenz handeln? Wie würde sie sich uns Menschen gegenüber verhalten, zumal sich die Menschheit heute nicht wirklich „intelligent“ verhält! Bewohner eines Planeten, die sich im Verlauf einer nur wenige Jahrtausende währenden Geschichte zielstrebig gegenseitig auslöschen, die kann man nicht wirklich als „intelligent“ bezeichnen! Wie würde eine unvorstellbar hoch entwickelte künstliche Intelligenz mit einer vergleichsweise primitiven Menschheit verfahren?

Foto 5: Denkmal für uralte Kontakte mit künstlicher Intelligenz?

Eine von uns selbst initiierte künstliche Intelligenz könnte, das ist nicht auszuschließen, uns Menschen als eine Art Parasit ansehen, der Planet Erde befallen hat und Planet Erde von diesem Schädling befreien. Sollten wir also darauf verzichten, auch nur zu versuchen, künstliche Intelligenz zu schaffen, die sich selbst immer weiter entwickelt, immer intelligenter und intelligenter wird? Leider sind irdische Politiker nie sonderlich weitblickend. Sie denken nur bis zum nächsten Wahltermin. Es wird immer machtgierige Menschen geben geben, die für kurzfristiges Erreichen ihrer Ziele jegliche Skrupel über Bord werfen. Es interessiert sich überhaupt nicht, was mit künftigen Generationen geschehen wird.

Sicher, es gibt auch in der Politik ethisch denkende Menschen gibt, die nur das Gemeinwohl und keine persönlichen Interessen im Sinn haben. Gefährlich sind skrupellose Psychopathen, denen jedes Mittel recht ist, um möglichst viele zu beherrschen. In ihren Händen ist künstliche Intelligenz das Mittel schlechthin andere zu unterdrücken.
Foto 6: Geheimnisvoller Himmel.. geheimnisvolle Götter...

Bill Gates pries Prof. Dr. Raymond Kurzweil (*12.02.1948 in Queens, New York City) als (2) „führenden Experten im Bereich der Künstlichen Intelligenz“. Der Visionär wurde 1998 vom „Massachusetts Institute of Technology“ zum „Inventor of the Year“ ernannt. 2002 wurde er für seine Leistungen in die „National Inventors Hall of Fame“ aufgenommen. Heute arbeitet er als „Leiter der technischen Entwicklung“ bei Google. Prof. Dr. Kurzweil sieht die Entwicklung künstlicher Intelligenz positiv. Seiner Meinung nach wird (3) „der nichtbiologische Teil unserer Zivilisation, die künstliche Intelligenz die Stärken von Mensch und Maschine“ vereinen.

Voller Enthusiasmus schreibt Kurzweil (4): „Sobald künstliche Intelligenz im menschlichen Hirn Fuß gefasst hat …, wird unsere (maschinelle) Hirnleistung exponentiell wachsen und sich jährlich mindestens verdoppeln. Da die biologische Kapazität beschränkt bleibt, wird letztlich der nichtbiologische Anteil unserer Intelligenz überwiegen.“

Mit anderen Worten: In zunehmendem Maß wird der Mensch zum biologischen Roboter, der von einem überwiegend nichtbiologischen Gehirn gesteuert wird. Der Mensch würde seine Evolution zunächst in die Hand nehmen und dann aus der Hand geben. Bei exponentiellem Wachstum der nichtbiologischen Hirnleistung würde so ein Mensch rasch zum Superhirn mit einem biologischen Anhängsel „Mensch“ werden. Dieser biologische Restanteil würde vom Superhirn wohl als hemmend, ja störend verstanden. Wird sich das künstliche Superhirn vom biologischen Anhängsel Mensch trennen und sich einen nichtbiologischen Körper schaffen, der zu ganz anderen Leistungen fähig wäre als der vorsintflutliche Mensch? Werden so Roboter-Wesen entstehen mit unvorstellbar hoher Intelligenz?

Foto 7: Das spannendste Geheimnis...

Bis heute wird von Wissenschaftlern weltweit das „missing link“, das „fehlende Glied“ zwischen Noch-nicht-Menschen und ersten Menschen gesucht. Meine Überzeugung: Der heutige Mensch, genannt „Homo Sapiens Sapiens“, ist das Bindeglied zwischen biologischem Wesen Mensch und nicht-biologischem Superhirn im nichtbiologischen Superroboter. Man könnte auch sagen: Der heutige Mensch ist die Vorstufe zur gottgleichen „künstlichen Intelligenz“.

Werden wir sein wie die Götter? Das nicht! Denn vom heutigen Menschen wird in der künstlichen Superintelligenz nichts mehr zu finden sein. Künstliche Intelligenz wird im Gegensatz zur primitiven biologischen nicht mehr an die Zeit gebunden sein und das Universum erobern. Da stellt sich die Frage: Sind die altehrwürdigen, scheinbar allmächtigen Götter nichts anderes als für uns heute unvorstellbare Formen von künstlicher Superintelligenz? Wir werden nicht sein wie die Götter. Aber geniale Wissenschaftler haben schon längst mit dem Erschaffen von künstlicher Intelligenz begonnen. Gemessen an kosmischen Maßstäben wird der biologische Mensch bald wie ein primitives Fossil der Vergangenheit anheimfallen und in Vergessenheit geraten. 

Werden wir sein wie Götter? Waren die kosmischen Besucher, die vor Jahrtausenden als „Götter“ verehrt wurden, fantastische Wesen mit unermesslicher künstliche Intelligenz?Schließt sich eines Tages der Kreis, wenn wir Menschen künstliche Intelligenz erschaffen, die die Reise ins Universum antritt? Zeit spielt keine Rolle. Entfernungen sind somit belanglos. Wird dieses »Produkt« den Menschen überdauern, noch immer im All reisen, wenn der Mensch sich und seinen Heimatplaneten ausgelöscht haben wird? Und wird unser Werk irgendwann einmal auf einem fernen Planeten eines fernen Sonnensystems landen und in die Mythologie der dortigen Bewohner eingehen? Und zwar als Gottheit, die vom Himmel kam? Ist es künstliche Intelligenz, die sich über das Universum ausbreitet? Ist es die Aufgabe jeder Zivilisation, am Projekt »Intelligenz für den Kosmos« zu arbeiten?

Hand aufs Herz: Wenn wir bedenken, wie wir Menschen mit unseren Mitmenschen, mit anderen Lebewesen, ja mit unserem Planeten umgehen, dann zeugt das nicht von überragender Intelligenz!

Foto 8: ... künstliche Intelligenz.

Werden wir sein wie die Götter? Wie »Gott« werden wir niemals sein. Und kein seriöser Präastronautiker hat jemals behauptet, »Gott« sei ein Außerirdischer gewesen. Seit Erscheinen meines ersten Buches, der Titel war »Astronautengötter«, zu Weihnachten 1979 wird mir freilich immer wieder solcher Unsinn unterstellt. So mancher selbstgefällige Kritiker fragt nicht, sondern unterstellt. »Sie behaupten also ernsthaft, Gott war ein Astronaut! Das ist doch absurd und lächerlich!« So ist es. Eine solche These ist unsinnig, lächerlich und absurd, ich habe aber selbst in meiner jugendlichen »Sturm und Drang«-Zeit nie solchen Unsinn propagiert. 

Als alter »Präastronautiker« unterscheide ich zwischen Gott im religiösen Sinne und den Astronautengöttern. Wobei für mich »Gott« unfassbar und unbeschreibbar ist. »Gott« ist das endgültige Geheimnis, das wir nie verstehen werden. Wir können uns kein Bild von Gott machen.
Einst, in grauer Vorzeit, kamen, davon bin ich überzeugt, Außerirdische aus dem All zur Erde. Die Menschen damals verstanden die Naturgesetze noch nicht. Für sie schleuderten Götter im Himmel Blitze oder ließen es donnern. Zeus galt als der mächtigste der olympischen Götter. Er soll so stark wie alle anderen Götter des Olymp zusammen gewesen sein. In der Regel wird Gottvater Zeus mit einem Blitzbündel und Zepter dargestellt. Thor, auch Donar genannt, galt als »der Donnerer«. Für die Seefahrer war Zeus der Gewitter- und der Wettergott.

Indianerstämme im heutigen US-Bundesstaat Kansas glaubten an einen Gott namens Wakan. Sie waren davon überzeugt, dass sich ihnen der Mächtige niemals zeigte, dass sie aber seine laute und furchteinflößende Stimme hörten. Bei welcher Gelegenheit? Wenn es donnerte.

Foto 9: »Götter« kamen einst in »Himmelsschiffen« zur Erde.

Schon im dritten Jahrtausend v. Chr. wurde im heutigen nördlichen Syrien Wettergott Hadda angebetet und gefürchtet. Wann die vedischen Schriften des Hinduismus entstanden sind, ist bis heute umstritten. Offensichtlich entstand die umfangreiche Sammlung von Hymnen nicht in kurzer Zeit wie ein heutiges Buch, sondern über Zeitalter hinweg. Astronomische Angaben in den Texten haben zu einer Entstehungszeit zwischen 12.000 v.Chr. und 4.000 v.Chr. geführt. Immer wieder werden Götter als Urheber von Gewitter und Sturm angerufen. So machte man die Götter wie Parjanya und die Maruts für Blitz und Donner verantwortlich. Budha, Indra und andere Götter besaßen einen zepterartigen Gegestand, »varja« genannt, der auch als »Donnerkeil« beschrieben wird. Es gab unterschiedliche Varianten, die sich aber alle sehr ähnlich sahen. Nach altehrwürdigen Texten wurden Modelle Angefertigt; die schließlich zu Kultobjekten gemacht und religiös verklärt wurden. Einen »Donnerkeil« besaß auch Zeus, wenn man der griechischen Mythologie Glauben schenken will. Die Liste ließe sich schier endlos fortsetzen. 

Keine Frage: Weltweit glaubte man, dass sich hinter Naturerscheinungen wie Gewitter und Sturm, Blitz und Donner Götter steckten. Mag sein, dass dieser Glaube von der Geistlichkeit geschätzt und unterstützt wurde. Konnte doch die Priesterschaft auf angebliche Kontakte mit den Himmlischen hinweisen und mit den Waffen der Götter drohen. Wer nicht nach den göttlichen Geboten lebte, der musste mit Bestrafung durch die Götter rechnen. Wer Angst schürt und dann Schutz anbietet, der hat besonders bei ängstlichen Menschen »gute Karten«.

Fotos 10 und 11: Indras »Donnerkeil« (2 Varianten).

Nun stelle man sich vor, dass vor vielen Jahrtausenden ein Vehikel vom Himmel kam. Wie mag das Szenario ausgesehen haben? Spekulieren wir etwas: Die verängstigten Menschen flohen und verseckten sich. Etwas Entsetzliches geschah, ließ die Erde beben. Sie beobachteten, was da zu sehen war und was sie nicht begreifen konnten. Da fuhr etwas vom Himmel herab. Ein Ding, wie sie es noch nie gesehen hatten. Ein Etwas, das schnaubte und fauchte wie ein Monster.

Dieses Ding machte entsetzlichen Lärm und sonderte Feuer ab. Ehrfürchtig warfen sich die Menschen zu Boden. Was sie da sahen, das konnte nur das Himmelsfahrzeug der mächtigen Götter sein. Irdisch war so etwas nicht. Womöglich nutzten die Priester das unheimliche Geschehen, um ihren Schäfchen die Leviten zu lesen. »Die Götter sind erzürnt über euch! Haben wir nicht oft genug gewarnt? Haben wir nicht oft genug gedroht? Ihr aber habt euch über unsere Worte lustig gemacht! Jetzt sind sie vom Himmel herabgestiegen! Fleht um Vergebung! Bittet um Gnade! Wehe euch, die ihr ungläubig wart!«

Als dann gar noch seltsame Wesen aus dem Himmelsvehikel kletterten, da mussten das jene Götter sein, die es immer im Himmel donnern und blitzen ließen. Mag sein, dass die Schäfchen ihren Priestern glaubten und sich vor den vermeintlichen »Göttern« in den Staub warfen. Womöglich haben die Menschen den »Göttern« versprochen, in Zukunft den Priestern zu gehorchen, die doch verkündeten, was die »Götter« von den Menschen erwarteten.

Foto 12: Astronautengott?
Es kamen Außerirdische zur Erde, die mit Göttern verwechselt wurden. Mit einem spirituellen »Gott« hatten diese Wesen nichts zu tun. Der allmächtige Gott, an den Monotheisten jüdischer, christlicher und muslimischer Prägung glauben, ist allmächtig und allgegenwärtig. Ein solcher Gott hat es nicht nötig, Raumfahrt zu betreiben. Er ist immer und überall präsent, zu allen Zeiten und an allen Orten.Wenn ich frage »Werden wir sein wie die Götter?«, dann meine ich natürlich die Astronautengötter, die einst die Erde besuchten. Werden wir sein wie diese Astronautengötter? Davon bin ich überzeugt! Prof. Dr. Dr.-Ing. Hermann Oberth (*1894;†1989) wird mit Fug und Recht als »Vater der modernen Raumfahrt« bezeichnet.

Prof. Hermann Oberth hatte konkrete phantastische Visionen. Irgendwann würden riesige Weltraumstädte in ferner Zukunft von der Erde aus ins All starten. Da sie künstliche Schwerkraft erzeugen würden, können sie dann unter erdähnlichen Verhältnissen unendlich lang unterwegs sein. Generationen werden an Bord geboren, sterben, neue Generationen erblicken das Licht der gewaltigen Raumstation in der von Menschen geschaffenen Miniaturwelt. Warum? Warum würde der Mensch derlei Strapazen auf sich nehmen, um ins All vorzudringen? In so manchem Gespräch erläuterte mir Prof. Oberth diesen Gedanken. Seiner Überzeugung nach würde jedes intelligente Wesen irgendwann Weltraumfahrt betreiben. Der Vater der Weltraumfahrt (X): »Denn das ist das Ziel: Dem Leben jeden Platz zu erobern, auf dem es bestehen und weiter anwachsen kann, jede unbelebte Welt zu beleben und jede lebende sinnvoll zu machen.«

Foto 13: Mein »Erstling«
Mit anderen Worten: Wenn sich der Mensch nicht vorher selbst auslöschen wird, wird er irgendwann interstellare Raumfahrt betreiben. Vielleicht werden sich Menschen selbst auf den Weg ins All machen. Vielleicht werden sie Vertreter entsenden, Wesen mit künstlicher Intelligenz. Vielleicht wird es Möglichkeiten geben, von denen wir heute nicht zu träumen wagen. Vielleicht werden künftige Oberths keine physischen Körper ins All senden, sondern komplexe Systeme aus »Energiefeldern«. Und wenn es dann eines Tages Kontakt geben wird, zwischen den Abgesandten von Planet Erde und den Bewohnern eines fremden Planeten? Dann werden wir die Besucher aus dem All sein. Wie werden wir auf fremden Welten empfangen werden? Ich halte es für sehr gut möglich, dass man uns wiederum mit »Göttern« verwechseln wird, so wie unsere Vorfahren Besucher aus dem All für Götter hielten. In diesem Sinne glaube ich, dass »wir« wirklich wie die Götter sein werden, wie die »Astronautengötter«, die einst zur Erde kamen. Und ich glaube, dass sich auf diese Weise die Intelligenz im gesamten Universum weiter und weiter verbreitet. Denn auch die Wesen, die uns für Götter halten werden, auch diese Wesen werden ihrerseits wieder Raumfahrt betreiben. Und sie werden sich an unseren himmlischen Besuch erinnern.

Fußnoten
(1) Zu Deutsch: „Sag‘ niemals, niemals stirb!“
(2) Das Zitat stammt aus einem CNN-Artikel, der inzwischen nicht mehr online ist.
(3) Kurzweil, Ray: „Menschheit 2.0/ Die Singularität naht“, eBook, 2., durchgesehene Auflage 2014, Pos. 640
(4) ebenda, Position 674
(5) Oberth, Hermann: »Menschen im Weltraum/ Neue Projekte für Raketen- und Raumfahrt«, 4. Auflage, Düsseldorf 1963, S. 301

Zu den Fotos
Fotos 1-3: Götter? Künstliche Intelligenz. Motive: Sonnentor von Tiahuanaco. Fotos Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Südseegötter? Künstliche Intelligenz. Fotomontage. Motiv: Statue einer Gottheit, Pohnpei, Mikronesien, Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Denkmal für uralte Kontakte mit künstlicher Intelligenz? Motiv: Statue einer Gottheit, Pohnpei, Mikronesien, Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Geheimnisvoller Himmel.. geheimnisvolle Götter... Foto bearbeitet vom Verfasser. Fotovorlage Himmel über der Osterinsel. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Das spannendste Geheimnis... Foto bearbeitet vom Verfasser. Fotovorlage Himmel über der Osterinsel. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: ... künstliche Intelligenz. Foto bearbeitet vom Verfasser. Fotovorlage Himmel über der Osterinsel. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 9: »Götter« kamen einst in »Himmelsschiffen« zur Erde. Foto Walter-Jörg Langbein
Fotos 10 und 11: Indras »Donnerkeil« (2 Varianten). Fotos Walter-Jörg Langbein
Foto 12: Ein »Astronautengott« (Val Camonica, Italien) wird begrüßt. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 13: Cover meines Erstlings mit Astronautengöttern auf dem Cover. Archiv Langbein
 
439 „Und er sprach: Nichts wird euch unmöglich sein.“,
Teil 439 der Serie
„Monstermauern, Mumien und Mysterien“
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 17.06.2018



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