Samstag, 26. Dezember 2020

571. »Jung und schön, wie eine Königin«

Teil 571 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein



Elise Gleichmann hat uns eine mysteriöse Sage überliefert: Zur Johannisnacht öffnet eine wunderschöne »Ährenkönigin« mit Hilfe von jeweils einer Lilie eine Art Tor im Fels, ein Schloss erscheint, sie schließt das Schlosstor und dann eine Tür zum Schloss auf. Kaum ist sie im Schloss verschwunden, verschwindet auch das Tor im Fels. Eine »goldene Ähre« bleibt zurück. Die Funktion der »goldenen Ähre« bleibt unklar.

Foto 1: Elise Gleichmann,
zeitgenössisches Porträt

Neben Elise Gleichmann hielt auch der Heimatforscher und Schriftsteller Hans Seiffert (* 1894; † 1968) die Sage von der Ährenkönigin fest (2). Natürlich sind beide Versionen nicht Wort für Wort identisch. Sie wurden von Menschen unabhängig voneinander mündlich weiter gereicht. So entstanden zwangsläufig voneinander abweichende Variationen, die aber in den wesentlichen Aussagen übereinstimmen. Auch wenn die verschiedenen Varianten unabhängig voneinander weitererzählt und Unterschiede womöglich verstärkt wurden, so bleibt doch die Sage in ihren wichtigen Kernaussagen erhalten. In der Version von Hans Seifert der Sage von der »Ährenkönigin« heißt es ausdrücklich, dass der junge Mann nach seiner ersten Begegnung mit dem Unfassbaren die »goldene Ähre« an sich nahm (3):

»Als die Königin verschwunden war, fiel das Felsentor wieder zu. Alles war wie zuvor, feierlich und still. Jetzt erst betrat der junge Mann den Waldsteig und wanderte den Weg, den zuvor die Aehrenkönigin gegangen war. Dort, wo die Farne standen, lag eine goldene Aehre. Rasch hob er sie auf und barg sie in seinem Gewand.« Ein Jahr später, so lesen wir bei Seifert, geschah es wieder in der Johannisnacht. Da hatte der junge Mann die »goldene Ähre« wieder dabei. Er hatte die »goldene Ähre« in der Hand (4).

Bei Gleichmann wird beim ersten Erlebnis des jungen Mannes bei der Burg nicht erwähnt, dass er die »goldene Ähre« an sich genommen hat. Wir müssen aber davon ausgehen, dass er das getan hat. Heißt es doch in der Version der Sage bei Gleichmann, dass der junge Mann, bevor er sich ein Jahr später, erneut in der Johannisnacht, zur Burg aufmachte, seinen Angehörigen eine Nachricht hinterlassen hat (5):

»Er lebte bis dahin wie im Traum und schrieb am letzten Tage einen Zettel an seine Angehörigen, worauf er bemerkte, daß er entweder der glücklichste der Menschen werden würde, oder überhaupt nicht mehr leben werde. Er wolle zur Nordeck hinauf, wo das Glück auf ihn warte. Wenn er nicht wiederkehre, solle man das versiegelte Papier in seinem Koffer öffnen und lesen; die darin befindliche Ähre erkläre alles. Diese Worte waren die letzten Lebenszeichen des jungen Mannes. Er blieb verschollen. Nie mehr kehrte er zurück.«

Foto 2: »Die Aehrenkönigin« (1952)
von Hans Seiffert

Nach der Gleichmann-Version muss der junge Mann bei seinem ersten Erlebnis bei der Burgruine die goldene Ähre aufgehoben haben, nachdem die Ährenkönigin verschwunden war. Sonst hätte der junge Mann die seltsame Ähre nicht in seinem Koffer für seine Anverwandten hinterlassen können. So stellt sich die Frage nach der Funktion der »goldenen Ähre«. Und wer oder was war die »Ährenkönigin«? Bei Seifert lesen wir folgende kurze Beschreibung (6):

»Jung und schön, wie eine Königin, schritt sie daher, auf dem Kopfe trug sie ein zierliches Aehrenkrönchen… « Die »Aehrenkönigin«, so lesen wir bei Hans Seiffert, berührt den Felsen mit einer der Lilien. Schon »tat sich ein Felsentor auf«. Genau ein Jahr nach dem ersten wundersamen Geschehen ist der junge Mann wieder am gleichen Ort (7):

»Da – an der gleichen Stelle wie im Vorjahre sah er die Lilien stehen. Er pflückte sie mit zitternder Hand; schritt damit zum Felsen und öffnete ihn. Da hörte er wieder jenes wundersame Lied. Wie im Träume ging er weiter und weiter …. , die Aehrenkönigin erwartete ihn am Schloßtor und führte ihn in ihr Reich, aus dem er nie mehr zurückkam.«

Foto 3: Hier soll der Sage nach
die Ährenkönigin erschienen
sein.

Man erkennt ohne Zweifel in der »Ährenkönigin« – sie lebt in einem Schloss hinter einem Felsentor – eine Erdgöttin oder Naturgöttin in der Umschreibung einer Sage wieder. Die »Ährenkönigin« geht, nach meinen umfangreichen Studien in Sachen »Göttin« ist das so, zurück auf die »große schöpferische Erdmutter«, auf die »Göttin der Fruchtbarkeit und der Getreideernte«, auf die »Göttin von Geburt und Tod« und auf die »Königin der Ernte«. Den sexuellen Aspekt verschweigt die Sage von der »Ährenkönigin« im christlichen Umfeld diskret.

Ihre Urahnin hat womöglich schon in Mesopotamien geherrscht. In Ägypten hatte sie eine mächtige Verwandte: Baba. In Russland verkam sie zu Baba-Yaga, mehr Mütterchen als Göttin. Im Slawischen spukt sie als hübsche Waldfrau umher. Mich wundert es nicht, dass sie Teil einer »Göttinnentriade« ist. Baba Jaga wird auch als das dritte Mitglied einer dreifaltigen Göttin verehrt. Diese Dreifaltigkeit besteht aus der Jungfrau, der Mutter und dem alten Weib. Die Dreifaltigkeit ist für Tod und Wiedergeburt zuständig. In manchen Erzählungen lebt sie mit zwei Schwestern zusammen, die den gleichen Namen tragen. Diese Dreifaltigkeit ergibt die vollständige Göttin: Jungfrau, Mutter und altes Weib.

Vorsicht: Entfernen wir uns gedanklich etwas weit von der »Ährenkönigin«? Nach Sir James George Frazer (*1854; † 1941), einem schottischen Ethnologen und Philologen, darf man die »Ährenkönigin« als »Kornmutter« verstehen. Sir Frazer schreibt (8): »Europäische Völker der Antike und der neueren Zeit sehen mit der Personifizierung des Korns als mütterliche Göttin nicht vereinzelt da. Derselbe einfache Gedanke ist auch ackerbautreibenen Rassen in fernen Weltteilen geläufig und von ihnen auch auf andere Getreidesorten als Gerste und Weizen angewendet worden. Wenn Europa seine Weizen- und Getreidemutter hat, so kennt Amerika eine Maismutter und Ostindien seine Reismutter.«

Die »Getreidemutter« darf mit dem »Vegetationsgeist« (9) identifiziert werden. Der Vegetationsgeist, so Frazier, werde häufig im Frühjahr durch eine Königin dargestellt. In Bulgarien fertigten die Bauern eine Frauengestalt aus Getreidegarben an, steckten sie in Frauenkleidung und trugen das verehrte Wesen ehrfürchtig um ihr Dorf herum. Genannt wurde die Getreidepuppe »Kornmutter« oder »Kornkönigin« (10). In Schweden – um ein weiteres Beispiel aus einer wahren Flut von Sagen und Bräuchen zu zitieren – wurde in manchen Gegenden der »Kornfrau« eine »Ährenkrone« aufgesetzt (11).

Die »Ährenkönigin« der oberfränkischen Sagenwelt kommt aus ihrem Schloss und wartet auf den jungen Mann. Den holt sich die Königin in ihr Schloss hinter dem mysteriösen Felsentor.

Andrea Senf, Dozentin bei der »Volkshochschule Kulmbach« und der »Schreibstube Franken« ist die wahrscheinlich beste Kennerin von Elisa Gleichmanns Werk. Andrea Senf ist es zu verdanken, dass die von Elise Gleichmann gesammelten fränkischen Sagen nicht in Vergessenheit geraten. So hat sie das wichtige Werk »Billmesschnitzer und Hulzfraala/ Fränkische Sagensammlung von Elise Gleichmann« herausgegeben (12). Ausgangspunkt für das wichtige Sagenbuch waren die handschriftlichen Aufzeichnungen von Elise Gleichmann, die zum Teil mühsam entziffert werden mussten. Der Aufwand hat sich wirklich gelohnt.


Foto 4: »Billmesschnitzer und Hulzfraala/
Fränkische Sagensammlung
von Elise Gleichmann« herausgegeben
von Andrea Senf

Mir scheint, dass in der Sage von der »Ährenkönigin« der jahrtausendealte Kult der »Heiligen Hochzeit« angedeutet wird. In der ältesten Form der »Heiligen Hochzeit« werden eine göttliche Himmelskönigin und ein irdischer Mann zum Paar. Nach dem Vollzug der »Heiligen Hochzeit« stirbt der Bräutigam, wird dann aber von der »Himmelskönigin« wieder aus dem Totenreich in die Welt der Lebenden zurück geholt. Diese magische Handlung hatte Jahr für Jahr ein lebenswichtiges, lebensrettendes Ziel: Die Natur stirbt jedes Jahr, sei es im Winter, sei es in der Trockenzeit. Alles Leben ist bedroht. Werden Pflanzen sterben, Tiere und Menschen verhungern? Steht das Ende alles Lebenden bevor?

Damit das Leben weiter fortbestehen kann, muss die Natur nach der Trockenzeit oder nach dem Winter wieder aus der Todesstarre geholt werden. So steigt dann die »Himmelskönigin« ins Totenreich und holt den Bräutigam wieder zurück ins Leben und zelebriert die Wiederbelebung der Natur. Die Natur erwacht zu neuem Leben.

Bei der Zeremonie de »heiligen Vermählung«, die alljährlich wiederholt wurde,  verkörperten Menschen die »Himmelsgöttin« und den »Himmelsgott«, da die überirdischen Originale offenbar derartigen rituellen Feierlichkeiten fernzubleiben pflegten. Manchmal übernahm ein »priesterlicher König« den Part des göttlichen Bräutigams. Für die Menschen freilich wurden offenbar die agierende Frau zur Himmelsgöttin und der mitwirkende männliche Mensch zum »Himmelsgott«. Mit dem Aufkommen des Patriarchats wird die »Heilige Hochzeit« beibehalten, aber die Himmelskönigin wird durch einen Himmelskönig ersetzt. Zeus, der Himmelsgott, paart sich dann im »Heiligen Akt« mit der göttlichen Hera. Wir erinnern uns: Milch der Hera fällt auf fruchtbaren Boden und Lilien sprießen, die Blumen, die das Felsentor, das Schlosstor und die Schlosstür öffneten.

Wichtige Facebook-Links
»Elise Gleichmann/ Gesellschafts- und Kultur-Website«: https://www.facebook.com/Elise-Gleichmann-2385859241487954
»Schreibstube Franken – Andrea Senf«: https://schreibstube-franken.jimdo.com/ (Stand 11.09.2020)

Fußnoten
(1) »Die Ährenkönigin« in »Von Geistern umwittert – Oberfränkische Volkssagen gesammelt und nacherzählt von Elise Gleichmann, gesichtet und gedeutet von Peter Schneider«, Lichtenfels 1927, Seiten 191-193 (Rechtschreibung wurde unverändert übernommen!)
(2) Seiffert, Hans: »Die Aehrenkönigin« in »Die Aehrenkönigin«, 2. Auflage, Helmbrechts/ Obfr. 1952, Seiten 33+34. (Rechtschreibung wurde unverändert übernommen!)
(3) Ebenda, Zeilen 17-21 von oben. (Rechtschreibung wurde unverändert übernommen!)
(4) Ebenda, 9. Zeile von unten. (Rechtschreibung wurde unverändert übernommen!)
(5) »Die Ährenkönigin« in »Von Geistern umwittert – Oberfränkische Volkssagen gesammelt und nacherzählt von Elise Gleichmann, gesichtet und gedeutet von Peter Schneider«, Lichtenfels 1927, Seite 192, 4. Zeile von unten bis Seite 193, 6. Zeile von oben. (Rechtschreibung wurde unverändert übernommen!)
(6) Seiffert, Hans: »Die Aehrenkönigin« in »Die Aehrenkönigin«, 2. Auflage, Helmbrechts/ Obfr. 1952,, Seite 34, Zeilen 7 und 8 von oben. (Rechtschreibung wurde unverändert übernommen!)
(7) Ebenda, 6.-1. Zeile von unten. (Rechtschreibung wurde unverändert übernommen!)
(8) Frazer, Sir James George: »Der Goldene Zweig/ Das Geheimnis von Glauben und Sitten der Völker«, Leipzig 1928, S. 600
(9) Ebenda, S. 191, 29.-21. Zeile von unten
(10) Ebenda, S. 590, 10.-12. Zeile von oben
(11) Ebenda, S. 591, 17.-19. Zeile von oben
(12) Senf, Andrea: »Billmesschnitzer und Hulzfraala/ Fränkische Sagensammlung von Elise Gleichmann«, Kulmbach 2019

Zu den Fotos
Foto 1: Elise Gleichmann, zeitgenössisches Porträt. Quelle: Coverfoto von Senf, Andrea (Herausgeberin): »Billmesschnitzer und Hulzfraala/ Fränkische Sagensammlung von Elise Gleichmann«, Kulmbach 2019
Foto 2: »Die Aehrenkönigin von Hans Seiffert«. Siehe Fußnote 2!
Foto 3: Hier soll der Sage nach die »Ährenkönigin« erschienen sein. Foto Buchcover von
»Die Aehrenkönigin von Hans Seiffert«. Siehe Fußnote 2!
Foto 4: »Billmesschnitzer und Hulzfraala/ Fränkische Sagensammlung von Elise Gleichmann« herausgegeben von Andrea Senf.

572. »Burgruinen und Sagenwelten«,
Teil 572 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 03. Januar 2021

Sonntag, 20. Dezember 2020

570. »Drei Schlüssel zur Welt hinter dem Fels«

Teil 570 der Serie »Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein
 


Elise Gleichmann (* 12. August 1854 in Kulmbach; † 9. Juli 1944 ebenda) war, so verrät ein knapp gefasster Wikipedia-Artikel (1), »eine in der Region Kulmbach tätige Mundartdichterin, Volkskundlerin und Sagensammlerin«. Elise Gleichmann, Tochter des Kulmbacher Bürgers und Bierbrauers Johann Georg Friedrich Hollweg, heiratete anno 1873 in Kulmbach den Forstgehilfen Gustav Gleichmann, der schließlich zum Förster befördert wurde.

Foto 1: Die Burgruine Nordeck im Winter (Ausschnitt).
Foto 1: Die Burgruine Nordeck im Winter (Ausschnitt).

Elise Gleichmann hat einen ganz besonderen Schatz entdeckt, den die meisten ihrer Zeitgenossen gering achteten: die oberfränkischen Volkssagen. Wie die Gebrüder Jacob Grimm (*1785; †1863) und Wilhelm Grimm (*1786; †1859) sammelte Elise Gleichmann systematisch Sagen aus ihrer fränkischen Heimat. Sie stöberte nicht in Bibliotheken. Sie ließ sich von unzähligen »alten Frauen« oberfränkische Volkssagen erzählen und notierte alles. Viele Sagen hielt sie im fränkischen Dialekt fest, andere erzählte sie in Hochdeutsch nach. Mit 55 Jahren wurde Elise Gleichmann Witwe. Franz Karl Freiherr von Guttenberg, renommierter Heimatforscher seiner Zeit, kannte ihre Sammelleidenschaft. Er bestärkte die Försterwitwe. Mit Feuereifer intensivierte sie ihr Hobby und legte ein kostbares Archiv an. Rund tausend Sagen konnte sie schriftlich fixieren.

Bereits 1927 erschien ein Bruchteil der von ihr gesammelten Sagen in einem nur 240 Seiten umfassenden Bändchen (2). Es wäre wünschenswert, die von Elise Gleichmann zusammengetragenen Sagen komplett zu veröffentlichen. Im Stadtarchiv zu Kulmbach gibt es einiges an Material. Dort wird auch die handschriftliche Autobiographie von Elise Gleichmann aus dem Jahr 1937 aufbewahrt. »Die Ährenkönigin« (3) ist eine interessante Sage, die von einer mysteriösen Welt jenseits eines Portals im Fels berichtet.

Foto 2: Burgruine Nordeck Bergfried, aus nördlicher Richtung.


Die geheimnisvollen Ereignisse, von denen die Sage zu berichten weiß, fanden in der »Johannisnacht« statt. Am »Johannistag« (auch »Johanni«, »Johannisfest« und »Johannestag« genannt) feiert man in der katholischen Kirche das »Hochfest der Geburt Johannes’ des Täufers«. Den Termin, 24. Juni, hat die katholische Kirche gewiss nicht zufällig festgelegt. Zwischen dem 20. und dem 22. Juni zelebrierte die heidnische Welt die »Sommersonnwende«, und das nicht unbedingt als Fest der Freude. Erreicht doch zur Sommersonnwende die Sonne die größte Mittagshöhe über dem Horizont. Von da an geht es erst einmal »bergab«. Die Sonne sinkt, verliert an Kraft. Hebst und Winter nahen. Die Natur scheint im Winter zu erstarren, ja zu sterben. Aufwärts geht es erst wieder zur Wintersonnwende. »Altes und neues Wissen zum Jahreskreis« klärt auf (4):

»Die Wintersonnwende ist eine der heiligsten Sonnenfeiern und findet am 21. Dezember statt. Sie bezeichnet die tiefste Nacht des Jahres – wird deswegen auch Mutternacht, althochdeutsch Modranecht, genannt. In dieser Nacht gebiert die Göttin tief in der finsteren Erde in der stillsten aller Stunden das wiedergeborene Sonnenkind. Diesen Mythos können Sie in allen Kulturen der Welt wiederfinden. Am deutlichsten manifestiert ist es bei uns in Weihnachten und dem Christuskind. Weihnacht ist ja nichts anderes als Weihenacht, ist gleich geweihte Nacht. Oder wie in vielen Weihnachtsliedern besungen ›Heilige Nacht‹.« Zurück zur »Johannisnacht«. Von geradezu magischer Bedeutung war auch im christlichen Abendland die »Johannisnacht«, die Nacht vor dem »Johannistag«. Heidnischen Ursprungs mögen auch von der christlichen Kirche nicht unbedingt gern gesehene Bräuche wie der »Tanz um das Johannisfeuer« (5) sein.

An heidnische Feste, die zu Ehren von Sonnengottheiten ausgerichtet wurden, erinnern auch heute noch die »Sonnenfeuer« in der »Johannisnacht«. Geduldet wurden »christliche« Sonnwendfeste in der »Johannisnacht« schon im 12. Jahrhundert. Vom 14. Jahrhundert an gehörten Feiern mit prasselnden Johannisfeuern zum christlichen Brauchtum. Zurück zur Sage »Die Ährenkönigin« (6): »Einst ging in der Johannisnacht ein junger Mann an der Burgruine Nordeck vorüber, die vom Mondlicht hell beleuchtet dalag.« »Burg Nordeck« wurde um das Jahr 1100 von den Grafen von Henneberg erbaut. Anno 1151 erwarben Steinach (heute Stadtsteinach) und Bischof Eberhard II. von Bamberg das stattliche Bauwerk. Die Burg wurde rund drei Jahrhunderte später, anno 1438, im Kleinkrieg der Waldenfelser gegen den Bischof von Bamberg gestürmt und verwüstet. Im Bauernkrieg von 1525 wurde sie niedergebrannt.

Erhalten ist bis heute die »Burgruine Nordeck«. Sie ist frei zugänglich und kann besucht werden. Wer sich vor Ort umschauen möchte: Die Ruine, bestehend aus den Resten eines runden Wohnturmes, eines Gefängnisturmes und einiger Grundmauern, ist nordöstlich von Stadtsteinach im oberfränkischen Landkreis Kulmbach in Oberfranken leicht zu finden. Das einst imposante Bauwerk wurde soweit möglich 2014 generalsaniert. Besonders eindrucksvoll ist der runde Bergfried, aus nördlicher Richtung betrachtet. Wie eine Illustration aus einem zauberhaften Märchenbuch zeigt sich die Ruine im Winterschnee. Dann könnte man meinen, als sei die stolze Burg vor Jahrhunderten in der Zeit stehengeblieben. Ein Besuch vor Ort kommt mir wie eine Zeitreise in eine rätselhafte Vergangenheit vor.

Folgen wir der Sage »Die Ährenkönigin«, so wie sie Elise Gleichmann verewigt hat. Der junge Mann vernahm unweit der Burgruine Nordeck »die Töne eines Volkslieder, von Lautenspiel begleitet«. Der Wanderer »lauschte dem herrlichen Gesang«. Das Lied verstummte. Kurz darauf erschien eine wunderschöne junge Frau. Sie schritt auf drei Lilien zu, pflückte die herrlichen Blumen. Weiter ging die Frau. Sie kam an einem Felsen an. Eine der Lilien öffnete den Fels (7) »und ein kristallenes Schloß von ungeahnter Pracht bot sich dem entzückten Beschauer. Zum Öffnen des Schloßtores diente die zweite Lilie, worauf die Schloßherrin mit der dritten die Schloßtüre öffnete und hinter der zufallenden Türe verschwand. Dann war der große Fels wieder geschlossen und unbewegt und alles wie vorher.«

Reichlich spät fiel dem jungen Mann eine Erzählung seines Großvaters ein. Demnach wuchsen jedes Jahr in der Johannisnacht drei Lilien bei der Burgruine Nordeck. Nur ein Sonntagskind konnte die mysteriösen Blumen finden und mit ihrer Hilfe in das geheimnisvolle Schloss hinter der Felswand gelangen. Im Schloss der Ährenkönigin, so erzählt Hans Seiffert weiter, lagen »unermeßliche Schätze«. Wenn die Glocken Mitternacht verkündeten musste man sich sputen und spätestens beim zwölften Glockenschlag wieder im Freien sein, sonst würde man als Gefangener gehalten.

Der junge Mann war freilich kein gewöhnliches Sonntagskind, er war an einem »goldenen Sonntag« (8)  geboren. Ein Jahr später wanderte er wieder zur Burgruine Nordeck hinauf und suchte sein Glück mit der Prinzessin. Ob er es fand? Offenbar. Hans Seiffert erzählt, dass der junge Mann, an inzwischen vertrauter Stelle die drei Lilien vorfand. Mit diesen drei »Schlüsseln« gelangte er durch das geheimnisvolle Felsentor in das Reich der Ährenkönigin, die ihn bereits am Schlosstor erwartete.

Bei Elise Gleichmann endet die Sage so. Wir erfahren, dass der junge Mann nicht in seine alte Welt zurückkehrte (9): »Er blieb verschollen. Nie mehr kehrte er zurück: aber viele Jahrzehnte hindurch hat man die Nordeck in der Johannisnacht gemieden.« 

Drei Lilien dienten als Schlüssel: für den Fels, das Schloss-Tor und eine Schloss-Tür. Die Lilie erlebte als Symbol einen erstaunlichen Wandel (10): »Obwohl sie im Mittelalter ein Symbol des Heidentums war, wurde sie später, ebenfalls aufgrund ihrer unwiderstehlichen Schönheit, als Symbol für Reinheit, Tugend und Fruchtbarkeit, sowie Jungfräulichkeit angenommen. Häufig kann man sie in christlicher Malerei im Zusammenhang mit der Jungfrau Maria entdecken.«

Wurde die weiße Lilie zunächst auf Maria, die »Gottesmutter« übertragen, so machte man sie schließlich zum Symbol des Erlösers Jesus. In den sechs Blütenblättern der weißen Lilie sahen fantasiebegabte Interpreten einen Hinweis auf die Zahl 3, also auf die »Heilige Dreifaltigkeit«. Tatsächlich ist die Lilie tief im Heidentum verwurzelt. Der Legende nach saugte der heroische Held Herkules an den Brüsten der göttlichen Juno alias Hera, die den Olymp beherrschte. Auf diese Weise wollte Herkules unsterblich werden. Der Legende nach fielen einige der Milchtropfen auf den Erdboden. Daraus wurde die Lilie, die deshalb auch »Rose der Juno« und »die göttliche Blume« genannt wurde. Auch im Nahen Osten war die Lilie göttlich. Sie war die heilige Blume der göttlichen Ishtar, der Göttin der Schöpfung. Bei den »Alten Römern« galt die Lilie als eines der Symbole der Göttin Venus. Keine Frage:

Die Lilie war in heidnischen Zeiten die Blume der Göttin, das Christentum machte aus ihr das Symbol der Jungfrau Maria. In so manch christlich-sakraler Darstellung sehen wir den Erzengel Gabriel bei der Verkündung von Jesu Geburt. Während er Maria mitteilt, dass sie ein Kind gebären wird, überreicht er ihr eine Lilie. Aus der Blume der Göttin Venus ist im Mittelalter die Lilie der keuschen, jungfräulichen Maria geworden. Und in der Sage »Die Ährenkönigin« öffnet die Lilie eine Felswand, hinter der sich ein mysteriöses Schloss verbirgt. Mit der Lilie kann man in der Johannisnacht in das Schloss gelangen, das der »Ährenkönigin« gehört. Der Fels, der sich öffnet, erinnert uns an das Mysterium der Pforten, die durch den Stein hindurch in eine andere Welt führen. 

In unserer Zeit kennen wir solche Tore als »Stargates«, als »Sternentore«, durch die man von einer in eine – womöglich unfassbar weit entfernte – Welt gelangt. Im Science-Fiction-Film des deutschen Regisseurs Roland Emmerich aus dem Jahr 1994 »Stargate« reisen eine Gruppe von Militärs und ein Archäologe mit Hilfe eines antiken ägyptischen Tores durch ein Wurmloch auf einen weit entfernten Planeten. Dort greifen sie ein und helfen einen »falschen Gott« zu stürzen. »Stargate«, der Kinofilm, wird in den Fernsehserien »Stargate – Kommando SG-1«, »Stargate Atlantis« und »Stargate Universe« weitergeführt. Die Zeichentrick-Serie »Stargate Infinity« baut ebenfalls auf dem Kinofilm auf.


Foto 3: Burgruine Nordeck im Winter.

In der Legende aus der Kulmbacher Region geht es friedlicher zu. Mit etwas Glück kann ein besonderes männliches Sonntagskind, geboren an einem »goldenen Sonntag«, das zur rechten Zeit am rechten Ort drei Lilien entdeckt und als Schlüssel nutzt, »Die Ährenkönigin« in ihrem kristallenen Schloss hinter einem Felsentor besuchen und heiraten.

Fußnoten 
(1) »Elise Gleichmann«, https://de.wikipedia.org/wiki/Elise_Gleichmann (Stand 06.09.2020) 
(2) »Von Geistern umwittert – Oberfränkische Volkssagen gesammelt und nacherzählt von Elise Gleichmann, gesichtet und gedeutet von Peter Schneider«, Lichtenfels 1927 
(3) »Die Ährenkönigin«, Ebenda, Seiten 191-193 (Rechtschreibung wurde unverändert übernommen!) (4) »Wintersonnenwende - Alban Arthuan (keltisch) - Jul-Fest - Mutternacht – Weihnacht« https://www.jahreskreis.info/files/wintersonnenwende.html (Stand 6.9.2020) 
(5) Woll, Johanna, Merzenich, Margret und Götz, Theo: »Alte Festbräuche im Jahreslauf«, Stuttgart 1991, S. 64–65. 
(6) »Die Ährenkönigin« in »Von Geistern umwittert – Oberfränkische Volkssagen gesammelt und nacherzählt von Elise Gleichmann, gesichtet und gedeutet von Peter Schneider«, Lichtenfels 1927, Seite 191, 11.-9. Zeile von unten (Rechtschreibung wurde unverändert übernommen!) 
(7) Ebenda, Seite 192, 8.-14. Zeile von oben (Rechtschreibung wurde unverändert übernommen!) 
(8) »Goldener Sonntag«: Der erste Sonntag nach Pfingsten heißt Trinitatis oder Dreifaltigkeitssonntag, auch goldener oder großer Sonntag. Die drei Sonntage nach Michaelis nennt man goldene Sonntage. »Michaelis«: volkstümliche Bezeichnung des Festes des »Heiligen Michael« am 29. September. 
(9) »Die Ährenkönigin« in »Von Geistern umwittert – Oberfränkische Volkssagen gesammelt und nacherzählt von Elise Gleichmann, gesichtet und gedeutet von Peter Schneider«, Lichtenfels 1927, Seite 193, 5.-7. Zeile von oben 
(10) »Die Bedeutung der Lilie – Warum sie steht, wofür sie steht«, »Colvinpedia«, 14. Juni 2019. (Stand 6.9.2020) 

Zu den Fotos 
Foto 1: Die Burgruine Nordeck im Winter (Ausschnitt). Foto wiki commons/ Benreis. Die vorzügliche Aufnahme entstand am 17. Januar 2016 
Foto 2: Burgruine Nordeck Bergfried, aus nördlicher Richtung. Foto wiki commons/Sven-121 
Foto 3(Ausschnitt von Foto 1): Burgruine Nordeck. Foto wiki commons/ Benreis 
 
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571. »Jung und schön wie eine Königin«, 
Teil 571 der Serie »Monstermauern, Mumien und Mysterien« 
von Walter-Jörg Langbein, erscheint am 27. Dezember 2020 

Sonntag, 13. Dezember 2020

569. »Das wäre eine armselige Wissenschaft…«

Teil 569 der Serie »Monstermauern, Mumien und Mysterien« von Walter-Jörg Langbein, erscheint am 13. Dezember 2020
 
Foto 1: »Hochschloss Pähl«,
Gemälde vom Meister der Pollinger Tafeln (um 1440).

Am Himmel schwebt ein Engel. Menschen Blicken zu ihm auf. Sie staunen. Vielleicht sind sie auch ängstlich. Entstanden ist das Gemälde um 1440. Ein wahrer Könner hat es geschaffen, nämlich der Meister der Pollinger Tafeln. Die stolze Burganlage rechts oben konnte man identifizieren. Es ist das »Hochschloss« von »Pähl im Pfaffenwinkel«. 

Das heutige »Pähl im Pfaffenwinkel« im oberbayerischen Landkreis Weilheim-Schongau entstand anno 1818 als in den Urkunden benannte Gemeinde. Bereits 1782 wurden bei Pähl erste archäologische Untersuchungen uralter Hügelgräber durchgeführt. Einige entstanden um das Jahr 450 v.Chr., die älteren stammen angeblich aus dem 15. Jahrhundert v.Chr. 

Mit einer Spezialdrohne wurden aufschlussreiche Fotos von der Region erstellt, die eine 3D-Karte ermöglichten. Rund 900 Luftaufnahmen des Geländes wurden dabei mit einer geeichten Photogrammetriekamera aufgenommen. Die Fotos wurden inzwischen in ein präzises digitales Geländemodell (DGM) umgewandelt. Damit war nicht nur die Grundlage für eine genaue Kartierung des Bodendenkmals geschaffen, es konnte auch ein digitales Geländemodell erarbeitet werden. Deutlich zu erkennen sind bis heute unerforschte Hügelgräber. Es soll ausgeschlossen werden, dass die uralten Sakralstätten zum Beispiel beim Ausbau des Straßennetzes beschädigt oder gar zerstört werden. 

Unklar und umstritten ist, wann »Pähl im Pfaffenwinkel« ursprünglich und unter welchem Namen auch immer gegründet wurde. Nach einer alten Sage gab es einst eine große Stadt, die sich bis nach Pähl erstreckte, die vor Jahrhunderten ausgestorben und verschwunden sei. Die alte Überlieferung mag ein Körnchen Wahrheit zu bieten haben (2). Verschiedene Forscher vertraten offenbar im 19. Jahrhundert die These, bei Pähl handele es sich um eine Fortführung des römischen »Urusa«. Nach Prof. Dr. Ludwig Steinberger existiert die wohl älteste Schreibweise von »Pähl« als »Pouile« und »Poule«. Nach Dr. Steinberger steckt in diesem Namen das lateinische Wort »bovile«, zu Deutsch »Rindergehege«. 

Foto 2: Pähl im Pfaffenwinkel (17. Jahrhundert).

Wurden also zu Zeiten der Römer in der Region des heutigen »Pähl im Pfaffenwinkel« Rinder gehalten? War ein römisches Kastell der Vorläufer von »Pähl«? Weniger profan ist eine andere Erklärung für den Ursprung des Namens »Pähl«! Ich glaube, dass im Ortsnamen die Göttin oder ein Gott weiterlebt, nämlich Pales, Göttin oder Gott des Viehs (3). Pales wurde bei den römischen Bauern hoch verehrt. An ihrem Fest wurden Dufthölzer angezündet. Es wurde gebetet und gesungen. Bekannt ist, dass Marcus Atilius Regulus († um 250 v. Chr.), ein römischer Politiker und Feldherr während des Ersten Punischen Krieges, einen Pales-Tempel stiftete. Wahrscheinlich wurde der Palatinus (Palatin) in Rom nach Pales benannt. Am 21. April fand die Parilia oder Palilia statt, ein Reinigungsfest, das von Hirten gefeiert wurde. Am 21. April wurde der Legende nach Rom gegründet. 

Die Parilia- oder Palilia-Festivitäten waren friedlich. Blutige Opfergaben wurden der Gottheit keine dargebracht, sondern Gersten- oder Hirsekuchen und Milch. Feuerzeremonien fanden statt. Man sprang durch brennendes Stroh, um sich zu reinigen. Auch als Laie erkennt man, dass die Kirche »St. Laurentius« in Pähl auf einer natürlichen Festung erbaut wurde. Nur wenig menschliche Eingriffe waren erforderlich, um das Gotteshaus gegen die damals modernsten Waffen sicher zu machen. Wo heute das »Hochschloss« steht, da ragte womöglich ein »burgus« der Römer in den Himmel. Eine Kette von »burgi« wurde von den Römern im dritten Jahrhundert n.Chr. angelegt. Tag und Nacht wachten römische Soldaten und beobachteten von den Türmen aus den Grenzverlauf. Von »burgus« zu »burgus« kommunizierte man mit einem Signalsystem. Tauchten irgendwo Feinde auf, konnten dort in kurzer Zeit römische Soldaten zusammengezogen werden, um einen feindlichen Angriff abzuwehren (4). Intensives Quellenstudium in Bibliotheken brachte mir mehr Verwirrung als Klarheit. 

War nun das »Hochschloss« von Pähl auf der Ruine einer römischen Festungsanlage errichtet worden? Granitblöcke von riesenhaften Ausmaßen sollen im Schloss verarbeitet worden sein. Sie stammen womöglich aus dem Schutt der einstigen römischen Festung, wenn es denn so etwas wie eine Festung als Vorgängerbau gab. Gesichert ist das nicht. Sind die Steinblöcke womöglich sehr viel älter als das Schloss? Angeblich wurden römische Münzen und eine Osiris-Statuette im Schutt des »Hochschlosses« gefunden. Münzen und eine Götterstatuette in der Mülldeponie der Zeit? Eine Burg auf der zerfallenen Ruine eines einst stolzen Bauwerks? Wir halten uns für so wichtig. 

Foto 3: »Hochschloss Pähl«,
Gemälde vom Meister der Pollinger Tafeln (um 1440).

Wir sehen nur uns selbst und erkennen nicht, dass die Menschheit auch nichts anderes ist als eine bescheidene Blüte auf einem gewaltigen Berg zur Unkenntlichkeit zerfallener Vergangenheit. Wir halten uns gern für die Krone der Schöpfung, ob wie sie für das Ergebnis göttlichen Wirkens oder einer unendlichen Folge von Zufällen halten. Wir sind so mächtig stolz auf unsere »Intelligenz« und horten angesichts einer vermeintlichen oder wirklichen Corona-Pandemie Toilettenpapier. Wir glauben, alles im Griff zu haben und streiten darüber, ob die Erderwärmung existiert oder nicht und ob sie, falls es sie gibt, ein Naturphänomen oder Folge menschlichen Handelns ist. Wir sind stolz auf die zahlreichen Erkenntnisse über die Wirklichkeit, die der Mensch mit unermüdlichem Forschergeist gewinnen konnte. Und doch leugnen wir die Existenz eines erheblichen Teils der Realität, weil sie unseren Horizont weit übersteigt. Wer sich mit den Grenzbereichen unseres Wissens auseinandersetzt, wird gern verächtlich als »Grenzwissenschaftler« bezeichnet. 

Foto 4: Gottheit »Pales« um 1730.

Dabei konstatierte schon Justus Freiherr von Liebig (*1803; †1873) sehr zutreffend: »Die Wissenschaft fängt eigentlich erst da an, interessant zu werden, wo sie aufhört.« Und Thomas Carlyle (*1795; †1881) stellte fest: »Das wäre eine armselige Wissenschaft, die die große, tiefe, geheiligte Unendlichkeit des Nichtwissens vor uns verbergen wollte, über welcher alle Wissenschaft wie bloßer oberflächlicher Nebel schwimmt.« Albert Schweitzer (*1875; †1965) erkannte: »Die Wissenschaft, richtig verstanden, heilt den Menschen von seinem Stolz; denn sie zeigt ihm seine Grenzen.« Verstehen wir Wissenschaft richtig oder leugnen wir unsere engen Grenzen? Beharren wir auf unserem Stolz? Dr. Fritz Fenzl (*1952), er studierte unter anderem Germanistik und Katholische Theologie an der »Ludwig-Maximilians-Universität München«, hat über zwanzig spannende Sachbücher verfasst (5). Darin geht es um Wirklichkeiten, die viele Zeitgenossen nicht zur Kenntnis nehmen wollen. 

Dr. Fenzl, der am » Städtischen Thomas-Mann-Gymnasium« in München katholische Religion und Deutsch unterrichtet, spürt seit über vier Jahrzehnten Aspekte der Wirklichkeit auf, die unser nur scheinbar fundiertes Weltbild infrage stellen. In seinem umfangreichen Werk schildert er ganz besondere Orte, die seiner Überzeugung nach schon zu allen Zeiten von Menschen aufgesucht wurden, die Heilung oder Wundersames erfahren woll(t)en.

Foto 5: Klosterruine tom Roden (bei Corvey)
Dr. Fenzls Sachbücher sind Reiseführer der ganz besonderen Art. Sie sind unverzichtbar für jeden, der mysteriöse Stätten aufsuchen möchte, von denen es in Deutschland nicht wenige gibt. Dr. Fenzl beschreibt zahlreiche uralte heilige Orte (6) »und erklärt, wie auch in unserer Zeit die besondere Energie dort für jeden wahrnehmbar wird.

Seine ungewöhnlichen Ausflugstipps zeigen, dass sich hinter der scheinbaren Idylle oft okkulte Mächte verbergen, alte keltische Kultstätten noch immer als Heilplätze wirken und der Aufenthalt an Kraftorten die Menschen beeinflusst.« 

Sind es solche Kraftorte, die die Menschen schon seit Urzeiten angelockt haben: von den Externsteinen im Teutoburger Wald bis hin zum Staffelberg im Oberfränkischen, vom Urschallung am Chiemsee bis hin zur Klosterruine tom Roden bei Höxter, von der St. Christophorus Kirche von Wilschdorf (Dresden) bis zum Freiburger Münster? Howard Phillips Lovecraft fragte (7): 

Foto 6: Blick ins
Freiburger Münster
»Doch was überhaupt ist das Leben und was ist der Lebenssinn? Mit welchem Recht geht der Mensch so willkürlich von der eigenen Wichtigkeit in der Schöpfung aus?« Ich glaube, unser Leben bekommt Sinn, wenn wir unsere Welt in allen ihren Aspekten, auch den mysteriösesten, erforschen. Wenn der Mensch wichtig sein will, dann muss er versuchen, seine Stellung in der Schöpfung zu finden. Voraussetzung dafür ist es aber, die Vielseitigkeit der Schöpfung auch jenseits unseres engen Horizonts zu erkennen und zumindest zu erahnen. Dr. Fenzl kann uns dabei eine große Hilfe sein!  

Fußnoten
(1) Lovecraft, Howard Phillips (*1890; †1937): »Gegen die Religion/ Atheistische Schriften«, Leipzig Juli 2020 (Einmalige Vorzugausgabe limitiert auf 250 Stück), Seite 60, 13.-10. Zeile von unten
(2) Schmidtner, Andreas: »Geschichte von Raisting«, Weilheim 1886, S. 2-8
(3) Prescendi, Francesca : »Pales«, »Der Neue Pauly« Band 9, Stuttgart 2000.
(4) Fischer, Thomas: »Die Römer in Deutschland«, Stuttgart 1999
(5) Dr. Fenzls Bücher sind alle empfehlenswert. Vier habe ich ausgewählt, die jeder Suchende lesen sollte.
Fenzl, Dr. Fritz: »Keltenkulte in Bayern. Spurensuche an Kraftorten«, München 2003
Fenzl, Dr. Fritz: »Magische Orte in Bayern«, Rosenheim 2004
Fenzl, Dr. Fritz: »Magische Kraftorte in Bayern«, Rosenheim 2014
Fenzl, Dr. Fritz: »Magische Kraftorte in Franken« Rosenheim 2014
(6) Fenzl, Dr. Fritz: »Magische Wege und Orte in Bayern«, München 2007, Klappentext, Rückseite des Buches

(7) Lovecraft, Howard Phillips (*1890; †1937): »Gegen die Religion/ Atheistische Schriften«, Leipzig Juli 2020 (Einmalige Vorzugausgabe limitiert auf 250 Stück), Seite 60, 13.-10. Zeile von unten  

Foto 7: Die geheimnisvollen Externsteine
im Teutoburger Wald.

Zu den Fotos
Foto 1: »Hochschloss Pähl«, Gemälde vom Meister der Pollinger Tafeln (um 1440). Gemeinfrei. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein.
Foto 2: Pähl im Pfaffenwinkel (17. Jahrhundert). Gemeinfrei. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein.
Foto 3: »Hochschloss Pähl«, Gemälde vom Meister der Pollinger Tafeln (um 1440). Gemeinfrei. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein.

Foto 4: Gottheit »Pales« um 1730. Gemeinfrei. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein.
Foto 5: Klosterruine tom Roden. Foto: Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Blick ins Freiburger Münster. Foto: Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Die geheimnisvollen Externsteine im Teutoburger Wald.
Foto: Walter-Jörg Langbein



570. » «,
Teil 570 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 20. Dezember 2020
 

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Samstag, 5. Dezember 2020

568. »Nun überschreiten wir unsere Wissensgrenze«

Teil 568 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein



Foto 1: Die Mayas hatten ein zyklisches Weltbild
(Kukulkan Pyramide von Chichen Itza).

In der Theologie wird immer noch darüber diskutiert, ob denn nun der Sonnengesang Echnatons von den Verfassern von Psalm 104 leicht abgewandelt und plagiiert worden ist. Die Frage ist eigentlich geklärt. Katharina Schaub hat unvoreingenommen und mit wissenschaftlicher Akribie Echnatons Lobpreisung mit der Hymne auf Jahwe verglichen. Sie verfasste im Seminar »Schöpfungstheologien im Ersten Testament« eine »Exegetische Hausarbeit zum Psalm 104« und kam zu einem eindeutigen Ergebnis: »Oft sind Hymnen, die zum gleichen Thema geschrieben werden ähnlich und können sich inhaltlich überschneiden. Die Übereinstimmungen dieser beider Hymnen sind allerdings so groß, dass man nicht von Zufall reden kann.«

Für christliche Theologen mag es wichtig sein, ob der angebliche Autor von Psalm nun ein Plagiator ist oder nicht. Sie mögen sich darüber streiten, ob Moses seinen Eingottglauben von Echnaton übernommen hat. Wichtiger ist aber ein Paradigmenwechsel, der klammheimlich vollzogen wurde: Die göttliche Sonne wurde von den Jahweanhängern durch Jahwe ersetzt. Von nun an wurde ein neues Zeitbild propagiert. Es galt nicht mehr der unendliche, ewige Kreislauf der sich ständig wiederholenden Natur.

Foto 2: Echnaton
betet zum Sonnengott.
Ein neuer Gott wurde propagiert. Vom eher unbedeutenden Lokalgott wurde er zum Schöpfer des Universums erhoben. Der »neue« biblische Gott setzte mit seiner Schöpfung einen Anfang. Er initiierte den Anfang einer neuen Geschichte. Die Weltzeit wurde nicht mehr als ein ewiger Kreislauf angesehen. Vielmehr gab es jetzt einen Nullpunkt und einen Schlusspunkt. Am Anfang war der göttliche Schöpfungsakt, die Kreation aus dem Nichts. Von da an lief alles zielstrebig auf die Apokalypse zu. Die neue Weltsicht sah einen Anfang und ein Ende vor. Die ältere – wie sie noch von den Mayas vertreten wurde – hatte ein zyklisches Weltbild. Es gab eine Aufeinanderfolge von Zeitepochen, von Zeitzyklen. Wenn ein Zyklus zu Ende ging, folgte ein neuer.

Schon immer gab es in der Mythologie der Ägypter Apophis, die Schlangengottheit im Urozean. Das war schon so, bevor aus dem Chaos das Universum geschaffen wurde. Nacht für Nacht musste die Sonnenbarke des Sonnengottes die Unterwelt durchqueren. Nacht für Nacht wurde sie von Apophis angegriffen. Wäre Apophis erfolgreich gewesen, wäre die Zeit in ihrem Fluss unterbrochen worden. Doch Nacht für Nacht gelang es dem Sonnengott, den Widersacher abzuwehren und die Unterwelt zu durchfahren. So war es der Sonne möglich, jeden Tag aufs Neue aufzugehen und in der Barke wieder den Himmel von Ost nach West zu durchqueren.

Apophis war aber nicht nur das böse Monster und ein Feind des Sonnengottes. Apophis stand auch für das ewige Leben, für den Kreislauf des ewigen Lebens. So wurde Apophis Nacht für Nacht besiegt und zerstückelt. Es ist das Blut des Apophis, das den morgendlichen Himmel rot färbt. Im ewigen Konzert der ägyptischen Götterwelt verschwinden die Grenzen zwischen Gut und Böse. Seth war nach biblischer Terminologie das Böse, also der Satan. In der ägyptischen Götterwelt war Seth das Böse, aber im Kampf von Apophis gegen den Sonnengott stand Seth dem Sonnengott bei. Seth war destruktiv. Aber die Zerstörung der Apophis-Schlange war Voraussetzung dafür, dass Sonnengott Ra nach überstandener Nacht am folgenden Morgen wieder seine Fahrt über den Himmel antreten konnte.

»Ist da jemand da draußen?« Diese Frage stellten Dr. Simon Mitton (*1946) und Dr. Roger Lewin (*1944) anno 1973 in einem spannenden Artikel (1). Dr. Mitton, Astronom, und Dr. Lewin, Wissenschaftsjournalist, erörterten im seriösen, in der Welt der Wissenschaft anerkannten und geschätzten »New Scientist« die Frage nach außerirdischem Leben. Konkreter: Sie diskutieren die Frage, wie das Leben auf unserem Planeten entstanden sein mag. Zwei Gruppen, so die beiden Wissenschaftler, vertreten zwei recht unterschiedliche Thesen (2):

»Eine Gruppe folgte Darwins Führung und befürwortete eine lange, langsame Entwicklung von Organismen aus sehr primitiven Anfängen. Aber eine Sekunde war radikaler. Diese Idee – formuliert vom schwedischen Chemiker Svente Arrhenius Ende des letzten Jahrhunderts – war, dass das Leben hier in Form von Bakteriensporen ankam, die von einem anderen Planeten entkommen waren, auf dem das Leben bereits etabliert war. Später modifizierte Lord Kelvin Arrhenius‘ Vorschlag – bekannt als Panspermie – indem er vorschlug, dass die Sporen Meteoriten als Vehikel für ihre lange Reise durch den unwirtlichen Raum verwendet haben könnten. Angesichts der offensichtlichen Unwahrscheinlichkeit, dass das Leben in der sprichwörtlichen Ursuppe entstanden ist, fanden viele Menschen die Idee der Panspermie attraktiv.«

Sollte es in der zeitlichen wie räumlichen Unendlichkeit des Alls auch zyklisch wie – zum Beispiel – in der Mythenwelt der Mayas und der Ägypter zugehen? Auch wenn man im Christentum schon lange zum linearen Weltbild – Schöpfung bis Apokalypse – übergegangen ist, so erinnert doch das Kirchenjahr an zyklisches Denken! Das Kirchenjahr beginnt nach katholischer wie evangelischer Tradition mit der Vesper am Vorabend des ersten Adventssonntags. Es folgt Christi Geburt im Stall von Bethlehem, Christi Wirken im »Heiligen Land«, seine Verhaftung, sein Prozess und seine Hinrichtung, gefolgt von Auferstehung und Himmelfahrt. Jahr für Jahr wiederholen sich die gleichen Ereignisse in gleicher Abfolge. Das ist Erinnerung an uralte zyklische Zeitvorstellungen!


Foto 3: Das Kirchenjahr - Erinnerung an zyklische Weltbilder.
Krippe im Dom zu Paderborn.

Primitives Leben entsteht auf einem Planeten, entwickelt sich, erobert den Planeten, um schließlich ins All vorzudringen? Wiederholt sich dieser Prozess in der Ewigkeit immer und immer wieder? Ich darf noch einmal den »New Scientist«-Artikel von Dr. Simon Mitton (*1946) und Dr. Roger Lewin (*1944) zitieren (3):

»Das Leben muss natürlich irgendwo beginnen, aber Arrhenius hat diese Schwierigkeit umgangen, indem er sagte, dass das Leben ewig sein muss; das Problem seiner Entstehung tritt also nicht auf!« Svante August Arrhenius (*1859; † 1927) war ein schwedischer Physiker und Chemiker. Er wurde 1903 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet. So wie für Arrhenius das Leben ewig war, also nie »geschaffen« wurde, so sah Albert Einstein die »Raumzeit« (4): 

»Einstein … lehrte uns, dass es zwei äquivalente Vorstellungen über unsere materielle Wirklichkeit gibt: Wir können sie uns entweder als dreidimensionalen Ort namens Raum denken, wo sich die Dinge im Lauf der Zeit ändern, oder als einen vierdimensionalen Ort namens Raumzeit, die einfach nur existiert, unveränderlich, niemals erschaffen und niemals zerstört.«

»Ewigkeit« kann sich kein Mensch wirklich vorstellen. Wir werden, wie jedes andere Tier auch, geboren, wir leben und wir sterben. Es gibt also im Kleinen einen Anfang und ein Ende. Das können wir uns begreifbar machen. Aber eine Ewigkeit ohne Anfang und Ende ist nicht wirklich gedanklich fassbar. Ein Zitat von Francis Bacon (*1561; †1626) kommt mir in den Sinn:

»Wir dürfen das Weltall nicht einengen, um es den Grenzen unseres Vorstellungsvermögens anzupassen, wie der Mensch es bisher zu tun pflegte. Wir müssen vielmehr unser Wissen ausdehnen, so dass es das Bild des Weltalls zu fassen vermag.«

Der britischer Schriftsteller Douglas Noël Adams (*1952; †2001) veröffentlichte eine sarkastischen Science-Fiction-Satire mit dem Titel »Per Anhalter durch die Galaxis« als »intergalaktische Trilogie in fünf Teilen«. In diesem seinem Opus gibt es zahlreiche skurril anmutende Aussagen. Dem zweiten Band »Das Restaurant am Ende des Universums« stellte Adams folgendes Wort voraus (5): »Es gibt eine Theorie, die besagt, wenn jemals irgendwer genau herausfindet, wozu das Universum da ist und warum es da ist, dann verschwindet es auf der Stelle und wird durch noch etwas Bizarreres und Unbegreiflicheres ersetzt. - Es gibt eine andere Theorie, nach der das schon passiert ist.«
 
Wir bilden uns viel auf unser Wissen ein, doch wenn es zum Beispiel um die Ewigkeit geht, versagt unser Verstand. Eine Million Jahre nach dem ominösen Urknall, so heißt es (6), »war der Raum mit fast gleichförmig durchsichtigem Gas gefüllt. Könnten wir uns das kosmische Drama rückwärts in der Zeit laufend ansehen, würden wir erkennen, wie dieses Gas allmählich heißer wird und seine Atome zunehmend härter ineinander krachen, bis sie in Atomkerne und freie Elektronen zerfallen.

 Dann sähen wir Heliumatome in Protonen und Neutronen auseinanderbrechen. Anschließend werden diese in ihre Bausteine, die Quarks, zerlegt. Nun überschreiten wir unsere Wissensgrenze und betreten einen Bereich wissenschaftlicher Spekulation.« Jetzt erst? Wer oder was führte die Temperaturänderung dieses ominösen Gases herbei? Wieso kam es an unendlich vielen Punkten gleichzeitig zum »Urknall«? Was löste diese »Miniurknalle« (»Miniurknälle«?) aus?

Foto 4: Blick in die Gefilde jenseits unseres Wissens.
Mittelalterliches Weltbild. Holzschnitt, um 1530

Fragen über Fragen, auf die ich keine Antwort weiß. Was löste den Urknall aus? Der Urknall soll nicht an einem, sondern an unendlich vielen Punkten gleichzeitig stattgefunden haben. Das heißt also, dass es vor dem Urknall bereits etwas gegeben hat. Und das war »unendlich«. Es war also etwas am Anfang. Was? Was liegt in den weiten Gefilden jenseits unserer Wissensgrenze?



Fußnoten
(1) Mitton, Dr. Simon und Lewin, Dr. Roger: »Is Antone out Theres?«, »New Scientist«, London, 16. August 1973, S. 380-382.
(2) Ebenda, Seite 380, recite Spalte, 2.-19. Zeile von oben. Übersetzung aus dem Englischen: Walter-Jörg Langbein. Zitat im Original:
»One group followed Darwin's lead and favored a long, slow evolution of organisms from very primitive beginnings. But a second took a more radical view. This idea – formulated by the Swedish chemist Svente Arrhenius at the end of the last century – was that life arrived here in the form of bacterial spores that had escaped from another planet where life was already established. Later, Lord Kelvin modified Arrhenius's proposal – known as Panspermia – by suggesting that the spores may have used meteorites as vehicles for their long journey through inhospitable space.
Faced with the apparent improbability of life generated in the proverbial primeval soup, many people found the idea of Panspermia attractive.«
(3) Ebenda, Seite 380, rechte Spalte,19.-21. Zeile von oben. Übersetzung aus dem Englischen: Walter-Jörg Langbein. Zitat im Original:
»Life must start somewhere, of course, but Arrhenius got round this difficulty by saying that life must be eternal; the problem of its origin therefore does not arise!«
(4) Tegmark, Max: »Unser mathematisches Universum/ Auf der Suche nach dem Wesen der Wirklichkeit«, Berlin 2015, eBook-Version, Seite 39 von 573/ Position 5932 von 11847
(5) Adams, Douglas: »Das Restaurant am Ende des Universums«, eBook-Version, Zürich 2017
(6) Tegmark, Max: »Unser mathematisches Universum/ Auf der Suche nach dem Wesen der Wirklichkeit«, Berlin 2015, eBook-Version,  Seite 106 von 573/ Position 1439 von 11847

Zu den Fotos
Foto 1: Die Mayas hatten ein zyklisches Weltbild (Kukulkan Pyramide von Chichen Itza). Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Echnaton betet zum Sonnengott. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Das Kirchenjahr - Erinnerung an zyklische Weltbilder. Krippe im Dom zu Paderborn. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Blick in die Gefilde jenseits unseres Wissens. Mittelalterliches Weltbild. Holzschnitt, um 1530

Leben wir in einer Simulation?
Leben wir in einem simulierten Universum?
Lektüreempfehlung für trübe Corona-Zeiten
Walter-Jörg Langbein empfiehlt...

Bryan Blackwater und Nefatari Nimjah:
»Das simulierte Universum«


Man stelle sich vor: Man liest einen spannenden Roman und folgt den Helden auf wahrhaft wagemutigen Reisen in andere Wirklichkeiten. Dabei vergisst man gern den Alltagstrott. Oder: Man sitzt im Kino und lässt sich in die fantastische Welt eines Sciencefiction-Fiction-Films entführen. Für kurze Zeit werden Alltagstrott und widrige Lebensumstände vergessen. Aber irgendwann muss man in die oft langweilige Realität zurückkehren.

Was wäre, wenn unser Leben alles andere als dröge Realität, sondern fantastischer als jeder Roman oder jeder Film wäre? Was wäre, wenn es ein Buch gäbe, das einem die Augen öffnet für die Wirklichkeit in der wir leben. Was wäre, wenn es ein Buch gäbe, das mehr als atemberaubend erkennen lässt, dass unsere Realität sehr viel fantastischer als jede Fiktion ist? Was wäre, wenn..?

Das Buch gibt es: »Das simulierte Universum« von Bryan Blackwater und Nefatari Nimjah. Das Buch ist mit »atemberaubend« nur unzulänglich beschrieben. In präziser Sachlichkeit erfahren wir, dass unsere Realität so ganz anders ist als wir wahrzunehmen meinen. In überzeugender Weise wird uns der Blick auf die Wirklichkeit freigegeben, von der wir ein Teil sind. Und diese Realität ist atemberaubend. Sie ist spannender als jeder Roman und als jeder Film, weil es nicht um amüsante Gedankenspiele, sondern eben um uns und unsere Wirklichkeit geht. 

Es geht um die Essenz unseres Seins, um unsere Existenz, um unser wirkliches Sein. Es geht darum, dass wir erkennen können, was wir wirklich sind und um die Chancen und Möglichkeiten zur Entfaltung, die wir haben! »Das simulierte Universum« von Bryan Blackwater und Nefatari Nimjah öffnet nicht die Tür in eine andere Wirklichkeit. Es bietet uns an, dass wir wirklich erfahren und nachvollziehen können, was wir, wie wir und wo wir sind.

»Das simulierte Universum« von Bryan Blackwater und Nefatari Nimjah – das vielleicht wichtigste Werk über uns und unsere Welt: mehr als nur atemberaubend, dabei geradezu erschreckend überzeugend. Unverzichtbar für jeden unvoreingenommen denkenden Menschen und jeden, der wirklich bereit für kühnste Gedanken ist!

569. »Das wäre eine armselige Wissenschaft...«
Teil 569 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 13. Dezember 2020


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