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Samstag, 5. Dezember 2020

568. »Nun überschreiten wir unsere Wissensgrenze«

Teil 568 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein



Foto 1: Die Mayas hatten ein zyklisches Weltbild
(Kukulkan Pyramide von Chichen Itza).

In der Theologie wird immer noch darüber diskutiert, ob denn nun der Sonnengesang Echnatons von den Verfassern von Psalm 104 leicht abgewandelt und plagiiert worden ist. Die Frage ist eigentlich geklärt. Katharina Schaub hat unvoreingenommen und mit wissenschaftlicher Akribie Echnatons Lobpreisung mit der Hymne auf Jahwe verglichen. Sie verfasste im Seminar »Schöpfungstheologien im Ersten Testament« eine »Exegetische Hausarbeit zum Psalm 104« und kam zu einem eindeutigen Ergebnis: »Oft sind Hymnen, die zum gleichen Thema geschrieben werden ähnlich und können sich inhaltlich überschneiden. Die Übereinstimmungen dieser beider Hymnen sind allerdings so groß, dass man nicht von Zufall reden kann.«

Für christliche Theologen mag es wichtig sein, ob der angebliche Autor von Psalm nun ein Plagiator ist oder nicht. Sie mögen sich darüber streiten, ob Moses seinen Eingottglauben von Echnaton übernommen hat. Wichtiger ist aber ein Paradigmenwechsel, der klammheimlich vollzogen wurde: Die göttliche Sonne wurde von den Jahweanhängern durch Jahwe ersetzt. Von nun an wurde ein neues Zeitbild propagiert. Es galt nicht mehr der unendliche, ewige Kreislauf der sich ständig wiederholenden Natur.

Foto 2: Echnaton
betet zum Sonnengott.
Ein neuer Gott wurde propagiert. Vom eher unbedeutenden Lokalgott wurde er zum Schöpfer des Universums erhoben. Der »neue« biblische Gott setzte mit seiner Schöpfung einen Anfang. Er initiierte den Anfang einer neuen Geschichte. Die Weltzeit wurde nicht mehr als ein ewiger Kreislauf angesehen. Vielmehr gab es jetzt einen Nullpunkt und einen Schlusspunkt. Am Anfang war der göttliche Schöpfungsakt, die Kreation aus dem Nichts. Von da an lief alles zielstrebig auf die Apokalypse zu. Die neue Weltsicht sah einen Anfang und ein Ende vor. Die ältere – wie sie noch von den Mayas vertreten wurde – hatte ein zyklisches Weltbild. Es gab eine Aufeinanderfolge von Zeitepochen, von Zeitzyklen. Wenn ein Zyklus zu Ende ging, folgte ein neuer.

Schon immer gab es in der Mythologie der Ägypter Apophis, die Schlangengottheit im Urozean. Das war schon so, bevor aus dem Chaos das Universum geschaffen wurde. Nacht für Nacht musste die Sonnenbarke des Sonnengottes die Unterwelt durchqueren. Nacht für Nacht wurde sie von Apophis angegriffen. Wäre Apophis erfolgreich gewesen, wäre die Zeit in ihrem Fluss unterbrochen worden. Doch Nacht für Nacht gelang es dem Sonnengott, den Widersacher abzuwehren und die Unterwelt zu durchfahren. So war es der Sonne möglich, jeden Tag aufs Neue aufzugehen und in der Barke wieder den Himmel von Ost nach West zu durchqueren.

Apophis war aber nicht nur das böse Monster und ein Feind des Sonnengottes. Apophis stand auch für das ewige Leben, für den Kreislauf des ewigen Lebens. So wurde Apophis Nacht für Nacht besiegt und zerstückelt. Es ist das Blut des Apophis, das den morgendlichen Himmel rot färbt. Im ewigen Konzert der ägyptischen Götterwelt verschwinden die Grenzen zwischen Gut und Böse. Seth war nach biblischer Terminologie das Böse, also der Satan. In der ägyptischen Götterwelt war Seth das Böse, aber im Kampf von Apophis gegen den Sonnengott stand Seth dem Sonnengott bei. Seth war destruktiv. Aber die Zerstörung der Apophis-Schlange war Voraussetzung dafür, dass Sonnengott Ra nach überstandener Nacht am folgenden Morgen wieder seine Fahrt über den Himmel antreten konnte.

»Ist da jemand da draußen?« Diese Frage stellten Dr. Simon Mitton (*1946) und Dr. Roger Lewin (*1944) anno 1973 in einem spannenden Artikel (1). Dr. Mitton, Astronom, und Dr. Lewin, Wissenschaftsjournalist, erörterten im seriösen, in der Welt der Wissenschaft anerkannten und geschätzten »New Scientist« die Frage nach außerirdischem Leben. Konkreter: Sie diskutieren die Frage, wie das Leben auf unserem Planeten entstanden sein mag. Zwei Gruppen, so die beiden Wissenschaftler, vertreten zwei recht unterschiedliche Thesen (2):

»Eine Gruppe folgte Darwins Führung und befürwortete eine lange, langsame Entwicklung von Organismen aus sehr primitiven Anfängen. Aber eine Sekunde war radikaler. Diese Idee – formuliert vom schwedischen Chemiker Svente Arrhenius Ende des letzten Jahrhunderts – war, dass das Leben hier in Form von Bakteriensporen ankam, die von einem anderen Planeten entkommen waren, auf dem das Leben bereits etabliert war. Später modifizierte Lord Kelvin Arrhenius‘ Vorschlag – bekannt als Panspermie – indem er vorschlug, dass die Sporen Meteoriten als Vehikel für ihre lange Reise durch den unwirtlichen Raum verwendet haben könnten. Angesichts der offensichtlichen Unwahrscheinlichkeit, dass das Leben in der sprichwörtlichen Ursuppe entstanden ist, fanden viele Menschen die Idee der Panspermie attraktiv.«

Sollte es in der zeitlichen wie räumlichen Unendlichkeit des Alls auch zyklisch wie – zum Beispiel – in der Mythenwelt der Mayas und der Ägypter zugehen? Auch wenn man im Christentum schon lange zum linearen Weltbild – Schöpfung bis Apokalypse – übergegangen ist, so erinnert doch das Kirchenjahr an zyklisches Denken! Das Kirchenjahr beginnt nach katholischer wie evangelischer Tradition mit der Vesper am Vorabend des ersten Adventssonntags. Es folgt Christi Geburt im Stall von Bethlehem, Christi Wirken im »Heiligen Land«, seine Verhaftung, sein Prozess und seine Hinrichtung, gefolgt von Auferstehung und Himmelfahrt. Jahr für Jahr wiederholen sich die gleichen Ereignisse in gleicher Abfolge. Das ist Erinnerung an uralte zyklische Zeitvorstellungen!


Foto 3: Das Kirchenjahr - Erinnerung an zyklische Weltbilder.
Krippe im Dom zu Paderborn.

Primitives Leben entsteht auf einem Planeten, entwickelt sich, erobert den Planeten, um schließlich ins All vorzudringen? Wiederholt sich dieser Prozess in der Ewigkeit immer und immer wieder? Ich darf noch einmal den »New Scientist«-Artikel von Dr. Simon Mitton (*1946) und Dr. Roger Lewin (*1944) zitieren (3):

»Das Leben muss natürlich irgendwo beginnen, aber Arrhenius hat diese Schwierigkeit umgangen, indem er sagte, dass das Leben ewig sein muss; das Problem seiner Entstehung tritt also nicht auf!« Svante August Arrhenius (*1859; † 1927) war ein schwedischer Physiker und Chemiker. Er wurde 1903 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet. So wie für Arrhenius das Leben ewig war, also nie »geschaffen« wurde, so sah Albert Einstein die »Raumzeit« (4): 

»Einstein … lehrte uns, dass es zwei äquivalente Vorstellungen über unsere materielle Wirklichkeit gibt: Wir können sie uns entweder als dreidimensionalen Ort namens Raum denken, wo sich die Dinge im Lauf der Zeit ändern, oder als einen vierdimensionalen Ort namens Raumzeit, die einfach nur existiert, unveränderlich, niemals erschaffen und niemals zerstört.«

»Ewigkeit« kann sich kein Mensch wirklich vorstellen. Wir werden, wie jedes andere Tier auch, geboren, wir leben und wir sterben. Es gibt also im Kleinen einen Anfang und ein Ende. Das können wir uns begreifbar machen. Aber eine Ewigkeit ohne Anfang und Ende ist nicht wirklich gedanklich fassbar. Ein Zitat von Francis Bacon (*1561; †1626) kommt mir in den Sinn:

»Wir dürfen das Weltall nicht einengen, um es den Grenzen unseres Vorstellungsvermögens anzupassen, wie der Mensch es bisher zu tun pflegte. Wir müssen vielmehr unser Wissen ausdehnen, so dass es das Bild des Weltalls zu fassen vermag.«

Der britischer Schriftsteller Douglas Noël Adams (*1952; †2001) veröffentlichte eine sarkastischen Science-Fiction-Satire mit dem Titel »Per Anhalter durch die Galaxis« als »intergalaktische Trilogie in fünf Teilen«. In diesem seinem Opus gibt es zahlreiche skurril anmutende Aussagen. Dem zweiten Band »Das Restaurant am Ende des Universums« stellte Adams folgendes Wort voraus (5): »Es gibt eine Theorie, die besagt, wenn jemals irgendwer genau herausfindet, wozu das Universum da ist und warum es da ist, dann verschwindet es auf der Stelle und wird durch noch etwas Bizarreres und Unbegreiflicheres ersetzt. - Es gibt eine andere Theorie, nach der das schon passiert ist.«
 
Wir bilden uns viel auf unser Wissen ein, doch wenn es zum Beispiel um die Ewigkeit geht, versagt unser Verstand. Eine Million Jahre nach dem ominösen Urknall, so heißt es (6), »war der Raum mit fast gleichförmig durchsichtigem Gas gefüllt. Könnten wir uns das kosmische Drama rückwärts in der Zeit laufend ansehen, würden wir erkennen, wie dieses Gas allmählich heißer wird und seine Atome zunehmend härter ineinander krachen, bis sie in Atomkerne und freie Elektronen zerfallen.

 Dann sähen wir Heliumatome in Protonen und Neutronen auseinanderbrechen. Anschließend werden diese in ihre Bausteine, die Quarks, zerlegt. Nun überschreiten wir unsere Wissensgrenze und betreten einen Bereich wissenschaftlicher Spekulation.« Jetzt erst? Wer oder was führte die Temperaturänderung dieses ominösen Gases herbei? Wieso kam es an unendlich vielen Punkten gleichzeitig zum »Urknall«? Was löste diese »Miniurknalle« (»Miniurknälle«?) aus?

Foto 4: Blick in die Gefilde jenseits unseres Wissens.
Mittelalterliches Weltbild. Holzschnitt, um 1530

Fragen über Fragen, auf die ich keine Antwort weiß. Was löste den Urknall aus? Der Urknall soll nicht an einem, sondern an unendlich vielen Punkten gleichzeitig stattgefunden haben. Das heißt also, dass es vor dem Urknall bereits etwas gegeben hat. Und das war »unendlich«. Es war also etwas am Anfang. Was? Was liegt in den weiten Gefilden jenseits unserer Wissensgrenze?



Fußnoten
(1) Mitton, Dr. Simon und Lewin, Dr. Roger: »Is Antone out Theres?«, »New Scientist«, London, 16. August 1973, S. 380-382.
(2) Ebenda, Seite 380, recite Spalte, 2.-19. Zeile von oben. Übersetzung aus dem Englischen: Walter-Jörg Langbein. Zitat im Original:
»One group followed Darwin's lead and favored a long, slow evolution of organisms from very primitive beginnings. But a second took a more radical view. This idea – formulated by the Swedish chemist Svente Arrhenius at the end of the last century – was that life arrived here in the form of bacterial spores that had escaped from another planet where life was already established. Later, Lord Kelvin modified Arrhenius's proposal – known as Panspermia – by suggesting that the spores may have used meteorites as vehicles for their long journey through inhospitable space.
Faced with the apparent improbability of life generated in the proverbial primeval soup, many people found the idea of Panspermia attractive.«
(3) Ebenda, Seite 380, rechte Spalte,19.-21. Zeile von oben. Übersetzung aus dem Englischen: Walter-Jörg Langbein. Zitat im Original:
»Life must start somewhere, of course, but Arrhenius got round this difficulty by saying that life must be eternal; the problem of its origin therefore does not arise!«
(4) Tegmark, Max: »Unser mathematisches Universum/ Auf der Suche nach dem Wesen der Wirklichkeit«, Berlin 2015, eBook-Version, Seite 39 von 573/ Position 5932 von 11847
(5) Adams, Douglas: »Das Restaurant am Ende des Universums«, eBook-Version, Zürich 2017
(6) Tegmark, Max: »Unser mathematisches Universum/ Auf der Suche nach dem Wesen der Wirklichkeit«, Berlin 2015, eBook-Version,  Seite 106 von 573/ Position 1439 von 11847

Zu den Fotos
Foto 1: Die Mayas hatten ein zyklisches Weltbild (Kukulkan Pyramide von Chichen Itza). Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Echnaton betet zum Sonnengott. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Das Kirchenjahr - Erinnerung an zyklische Weltbilder. Krippe im Dom zu Paderborn. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Blick in die Gefilde jenseits unseres Wissens. Mittelalterliches Weltbild. Holzschnitt, um 1530

Leben wir in einer Simulation?
Leben wir in einem simulierten Universum?
Lektüreempfehlung für trübe Corona-Zeiten
Walter-Jörg Langbein empfiehlt...

Bryan Blackwater und Nefatari Nimjah:
»Das simulierte Universum«


Man stelle sich vor: Man liest einen spannenden Roman und folgt den Helden auf wahrhaft wagemutigen Reisen in andere Wirklichkeiten. Dabei vergisst man gern den Alltagstrott. Oder: Man sitzt im Kino und lässt sich in die fantastische Welt eines Sciencefiction-Fiction-Films entführen. Für kurze Zeit werden Alltagstrott und widrige Lebensumstände vergessen. Aber irgendwann muss man in die oft langweilige Realität zurückkehren.

Was wäre, wenn unser Leben alles andere als dröge Realität, sondern fantastischer als jeder Roman oder jeder Film wäre? Was wäre, wenn es ein Buch gäbe, das einem die Augen öffnet für die Wirklichkeit in der wir leben. Was wäre, wenn es ein Buch gäbe, das mehr als atemberaubend erkennen lässt, dass unsere Realität sehr viel fantastischer als jede Fiktion ist? Was wäre, wenn..?

Das Buch gibt es: »Das simulierte Universum« von Bryan Blackwater und Nefatari Nimjah. Das Buch ist mit »atemberaubend« nur unzulänglich beschrieben. In präziser Sachlichkeit erfahren wir, dass unsere Realität so ganz anders ist als wir wahrzunehmen meinen. In überzeugender Weise wird uns der Blick auf die Wirklichkeit freigegeben, von der wir ein Teil sind. Und diese Realität ist atemberaubend. Sie ist spannender als jeder Roman und als jeder Film, weil es nicht um amüsante Gedankenspiele, sondern eben um uns und unsere Wirklichkeit geht. 

Es geht um die Essenz unseres Seins, um unsere Existenz, um unser wirkliches Sein. Es geht darum, dass wir erkennen können, was wir wirklich sind und um die Chancen und Möglichkeiten zur Entfaltung, die wir haben! »Das simulierte Universum« von Bryan Blackwater und Nefatari Nimjah öffnet nicht die Tür in eine andere Wirklichkeit. Es bietet uns an, dass wir wirklich erfahren und nachvollziehen können, was wir, wie wir und wo wir sind.

»Das simulierte Universum« von Bryan Blackwater und Nefatari Nimjah – das vielleicht wichtigste Werk über uns und unsere Welt: mehr als nur atemberaubend, dabei geradezu erschreckend überzeugend. Unverzichtbar für jeden unvoreingenommen denkenden Menschen und jeden, der wirklich bereit für kühnste Gedanken ist!

569. »Das wäre eine armselige Wissenschaft...«
Teil 569 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 13. Dezember 2020


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Sonntag, 2. Juni 2019

489 »Wer ist der kosmische Puppenspieler? Computersimulation 4«


Teil 489 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Edgar Allan Poe (*1809;†1849):
»Dies noch: Unrecht habt ihr kaum,
Die ihr meint, ich lebte Traum;
Schaun und Scheinen ist nur Schaum,
Nichts als Traum in einem Traum?«

»You are not wrong, who deem
That my days have been a dream.
Is all that we see or seem
But a dream within a dream?«

Der Mensch sieht nicht die Wirklichkeit, sondern lediglich ihren Schatten. So lässt sich das berühmte »Höhlengleichnis« des griechischen Philosophen Plato  (*428/ 427: †348/347 v.Chr.) in einem Satz erklären. Der Mensch lebt, so steht es am Anfang von Platons siebten Buches »Politeia«. Er hockt in einer düsteren, ja beklemmenden Höhle. Sein ganzes Leben muss er hier wie ein Gefangener verbringen. Weil er fixiert ist, kann er nur auf eine Wand starren.Weit hinter seinem Rücken lodert ein Feuer. Vor dem Feuer spielt sich das reale Leben ab, das der Höhlenmensch in Platons nur als Schattenbild auf der Wand wahrnimmt.

Foto 1: Das »Höhlengleichnis« (In der Höhle)

Was würde geschehen, so fragt im Gleichnis Sokrates seinen Gesprächspartner namens Glaukon, wenn so ein Höhlenmensch freikäme. Er könnte sich nun dem Ausgang seines Gefängnisses zuwenden. Das Licht des Feuers würde ihn auf schmerzliche Weise blenden. Da der Mensch das bequem-angenehme Bekannte der unangenehmen, schmerzlichen Erkenntnis vorzieht, wird sich der Mensch wieder mit den Schattenbildern an der Wand begnügen und wieder seine gewohnte Position einnehmen.

Freiheit aber wird der Mensch, um im »Höhlengleichnis« zu bleiben, nur finden, wenn er die Höhle verlässt. Die Erkenntnis, dass die Welt außerhalb der Höhle die Wirklichkeit ist und nicht das Schattenbild an der Wand, wird zunächst sehr ungewohnt, ja schmerzlich sein. Dennoch wird er wissbegierig die wirklich Realität erkunden wollen. Die Schattenwand im Gleichnis steht für die Welt der Höhlenmenschen, wie sie Gefangenen mit ihren Sinnen erfassen. Die Trugbilder an der Wand sehen sie als die Realität schlechthin an. Damit geben sie sich zufrieden und versuchen erst gar nicht, die wahre Realität zu ergründen.

Ergeht es uns anders als den Höhlenmenschen im Gleichnis vor fast zweieinhalb Jahrtausenden? Die Höhlenmenschen sind fixiert, können nur die Schattenbilder wahrnehmen, die sie für die Gesamtheit der Wirklichkeit halten. Wenn wir in einer Computersimulation leben, dann sind wir auch »gefesselt« und nehmen nur wahr, was die Computerprogrammierer uns zu sehen, zu riechen, zu schmecken und zu hören gestatten. Sind wir wie »Pu der Bär« aus dem weltberühmten Kinderbuch von Alan Alexander Milne (*1882 in London; †1956 in Hartfield)? Aber Vorsicht: Pu scheint zwar etwas begriffsstutzig zu sein, er versteht die Wirklichkeit aber viel besser als vermeintlich hochintelligente Menschen. Frage: Wenn wir gar nicht wirklich, sondern nur eine computererzeugte Illusion sind, sind wir dann dazu in der Lage, das zu erfassen?

Foto 2: Die Welt vor der Höhle... in Platos »Höhelengleichnis«
 

Mark Twain (*1835; †1910), weltberühmter Verfasser von »Tom Sawyer« und »Huckelberry Finn« konnte sich einen Supercomputer, der den Kosmos als eine Illusion fabrizieren lässt, natürlich nicht vorstellen. 1897 bis 1908 arbeitete er an einem fantastisch anmutenden Roman. Es entstanden unzählige Versionen von ganz unterschiedlicher Länge. Die längste Fassung trug den Titel »No. 44, the Mysterious Stranger« (Etwa: »Nummer 44, der geheimnisvolle Fremde« und umfasste 65.000 Worte. Die kürzeste  Version (»Schoolhose Hill«, etwa »Der Schulhaus Hügel«) war sehr viel kürzer (15.300 Worte). Erst 2012 erschien eine Übersetzung von Oliver Fehn ins Deutsche: »Der geheimnisvolle Fremde«.

Ein Teenager namens »Satan« enthüllt eine wahrlich bemerkenswerte Sichtweise von der Realität, die stark an das vom schwedischen Philosophen Nick Bostrom entwickelte kosmische Bild. Gewiss, Markt Twain beschreibt nicht die scheinbare Wirklichkeit als Produkt einer Computersimulation, aber sehr wohl als Illusion, als Schein (1):

»›Auch das Leben selbst ist nur ein Traum.‹ Meine Nerven waren bis zum Zerreißen gespannt. Lieber Gott! Derselbe Gedanke war mir bei meinen Grübeleien schon tausendmal gekommen.›Nichts existiert wirklich, alles ist nur ein Traum. Gott – der Mensch – die Welt – die Sonne, der Mond, die Wildnis der Sterne – ein Traum, alles nur ein Traum. Nichts davon gibt es wirklich. Alles, was existiert, ist leerer Raum – und du!‹« Weiter heißt es (2) bei Mark Twain: »Es gibt keinen Gott, kein Universum, kein Menschengeschlecht, kein irdisches Leben, keinen Himmel, keine Hölle. Es ist alles nur ein Traum.«

Foto 3: Unbedingt lesenswert!
Ist alles nur ein Traum, oder doch eine computergenerierte Scheinwirklichkeit? Die Vorstellung, dass der Kosmos eine Illusion aus einem Superrechner ist, mutet fantastisch und wunderlich an. Aber wie konstatierte Gilbert Keith Chesterton (*1874; † 14. Juni 1936)? »Das Wunderbarste an den Wundern ist, dass sie manchmal wirklich geschehen.« Salvador Dali (*1904; †1989) glaubte an eine künftige, dann sicher erschütternde Erkenntnis (3): »Eines Tages wird man offiziell zugeben müssen, dass das, was wir Wirklichkeit getauft haben, eine noch größere Illusion ist als die Welt des Traumes.« Ein Wort von Eugène Ionesco (*1909; †1994) kommt mir in den Sinn (4): »Denn sich etwas vorstellen, heißt eine Welt bauen, eine Welt erschaffen.«  Ich muss noch einmal fragen: Ist alles, was wir für Wirklichkeit halten die umgesetzte Imagination künftiger Computerprogrammierer?

Mein Freund und Autorenkollege Peter Hoeft hat zum Thema »Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Leben wir in einer Simulation?« ein außergewöhnliches Buch verfasst (5). Er schreibt (6): »Viele ganz normale Menschen sehen Geister, UFOs und Aliens oder erleben paranormale Dinge. Doch wie real sind diese Erlebnisse? Handelt es sich vielleicht nur um Hologramme und Simulationen? Ist diese Welt möglicherweise nur eine Nachbildung der Wirklichkeit? Leben wir vielleicht in einer Simulation, einem gtigantischen ›Holodeck‹, wie Captain Picard, Data und Co. es immer wieder aufsuchen? Immer mehr Physiker, Kosmologen und Philosophen halten es durchaus für möglich!«

Konrad Ernst Otto Zuse (*1910; †1995 in Hünfeld) war ein deutscher Bauingenieur, Erfinder und Unternehmer. Was vielen Zeitgenossen bis heute leider nicht bekannt ist: Bereits 1941 entwickelte und baute Zuse den »Z3«, den ersten funktionsfähigen,vollautomatischen, funktionstüchtigen, programmgesteuerten und frei programmierbaren Computer der Welt. Und dieser Experte von Rang, so Peter Hoeft (7) »habe sich gefragt, ob vielleicht das Universum wie ein großer Computer funktioniere oder ob vielleicht eine Art kosmische Rechenmaschine kontinuierlich das Universum und alles, was darinnen ist erschafft.«

Ganz ähnlich fragt auch mein Freund und Kollege, der Wiener Sachbuchautor und Forschungsreisender in Sachen »unerklärliche Phänomene« Reinhard Habeck (*1962) in seinem Werk »Wesen, die es nicht geben dürfte« (8): »Sind wir alle bewege Hologramme, Projektionen aus einem höherdimensionalen Raum?« Meiner Meinung nach müssen die Erschaffer einer gigantischen Computersimulation gar nicht aus einer höheren Dimension stammen. Es könnte sich schlicht und einfach um Computer-Experten der Zukunft handeln, die unzählige Varianten des Universums als künstliche Scheinexistenz programmieren. Bedenkt man, mit welch exorbitanter Geschwindigkeit sich die Computertechnologie entwickelt, dann dürften solche Illusionen schon in relativ naher Zukunft möglich sein. Schon der amerikanische Quantenphysiker David Jopseph Bohm (*1917; †1992), Reinhard Habeck weist darauf hin, hielt es für denkbar (9), »dass die objektive Realität gar nicht existiere, dass das sichtbare Universum letztlich ein Fantasiekonstrukt sei, ein unermesslich komplexes und detailliertes Hologramm.«

Gern wird im Zusammenhang mit einer Welt als Computer-Simulation der Begriff »Hologramm« verwendet. Schon heute können wir Hologramme von Menschen aufbauen, die von realen Menschen optisch nicht zu unterscheiden sind. In einer Computer-Technologie, die aus heutiger Sicht die reinste Magie wäre, wird heute noch Unvorstellbares möglich sein. Wenn wir uns das Universum als riesiges Gehirn vorstellen, dann können in diesem Gehirn Bilder hervorgerufen, die eine physisch nicht existente Welt perfekt simulieren und real erscheinen lassen. Diese Bilder würden von simulierten Wesen als vollkommen real empfunden, so real wie uns ein Gesprächspartner erscheint.

Craig Hogan, »Professor of Astronomy and Physics« an der »University of Chicago« and Direktor des »Fermilab Center« (Schwerpunkte Teilchen- und Astrophysik) spekuliert nicht nur. Er glaubt sogar einen klaren Beweis für die These vom Universum als Simulation entdeckt zu haben (10): »Räumliche Hintergrundgeräusche am Rande des Universums, die mittels Gravitationsdetektoren messbar sind. Die Eigenart dieses ›Rauschens‹, so Hogan, weise auf ein ›holografisches Universum‹ hin. Das könnte bedeuten, dass Informationen aus höheren Dimensionen in niedrigere Dimensionen kodiert worden sind. Anders ausgedrückt: Sollte sich die These bewahrheiten, wären wir Menschen dreidimensionale (mit dem Faktor Zeit vierdimensionale) holografische Schatten – erzeugt durch das Geschehen in einer höher dimensionierten Welt.«

Foto 4: Habecks Faktenthriller
Kehren wir noch einmal zum berühmten »Höhlengleichnis« Platons zurück. Die Höhlenmenschen starren fasziniert auf ihre Wand, auf der ihnen Schattenspiele vorgeführt werden (11). Diverse Gegenstände, Nachbildungen von menschlichen Wesen und Tieren Stein und aus Holz werden so vor der Lichtquelle Feuer getragen, dass sie Bilder an die Wand in der Höhle werfen. Da fragt man sich doch: Was zeigt man uns? Was für »Schattenspiele« werden für uns organisiert, die wir – wie die Höhlenmenschen – für DIE Realität halten. Welche Illusionen gaukelt man uns vor? Ja sind wir selbst nur Illusion, eine Computersimulation?

Und was geschieht, wenn wir wirklich erkennen, dass wir nur eine Illusion in einer Illusion sind? Können wir aus der simulierten Welt in die wirkliche, in die reale Welt gelangen?Und wer ist für die große Illusion verantwortlich? Wer ist der »kosmische Puppenspieler«, der einen Kosmos aus Illusionen erschafft? Wer kreiert die Illusion eines Universums, mit all seinen »Wundern«? Gott? Und warum gaukelt er wem eine Illusion als Wirklichkeit vor? Für wen?

Fußnoten
(1) Twain, Mark: »Der geheimnisvolle Fremde/ Die Abenteuer des jungen Satan«, aus dem Amerikanischen übersetzt  und vervollständigt von Oliver Fehn, Kindle Version, Pandämonium Verlag, 1. Auflage November 2012, Position 2856
(2) ebenda, Position 2897
(3) Dali, Salvador: »So wird man Dali«, Verlag Molden 1974, Seite 158
(4) »Die Zeichen unserer Zeit«, Hohenheim Verlag 2004, Seite 143
(5) Hoeft, Peter: »Geister, UFOs, Aliens/ Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Leben wir in einer Simulation?« Groß Gerau 2018
(6) ebenda, Rückumschlag
(7) ebenda, Seite 8, Zeilen 8-11 von unten
(8) Habeck, Reinhard: »Wesen, die es nicht geben dürfte/ Unheimliche Begegnungen mit Geschöpfen der Anderswelt«, Wien 2012, Seite 111, 10. und 11. Zeile von unten
(9) ebenda, Zeilen 6-8 von unten
(10) Seite 111, 1. Und 2. Zeile von unten und Seite 112, 1-9. Zeile von oben
(11) Platon: »Politeia« 514b–515a.

Literaturempfehlungen
Folgende Werke empfehle ich wärmstens zur Lektüre! Beide Bücher sind
Spannend und informativ. Beide sind wichtig und regen zum Nachdenken an!
Habeck, Reinhard: »Wesen, die es nicht geben dürfte/ Unheimliche Begegnungen mit Geschöpfen der Anderswelt«, Wien 2012


Hoeft, Peter: »Geister, UFOs, Aliens/ Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Leben wir in einer Simulation?« Groß Gerau 2018


Zu den Fotos
Foto 1: Das »Höhlengleichnis« (In der Höhle). wikimedia commons/ 4edges
Foto 2: Die Welt vor der Höhle... in Platos »Höhelengleichnis« vwikimedia commons/ 4edges
Foto 3: Unbedingt lesenswert! Buchcover Peter Hoeft. Foto Archiv Langbein/ Verlag
Foto 4: Buchcover Reinhard Habeck. Foto Archiv Langbein/ Verlag

490 »Vom Glauben an ein Weiterleben nach dem Tod«,
Teil 490 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 9. Juni 2019



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Sonntag, 3. Mai 2015

276 »Adam, Eva und Dämonen«

Teil 276 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Basilika und Festung...

Eine Fülle von Bildern, in Stein gemeißelt, zieht an meinem geistigen Auge vorüber, wenn ich an meinen Besuch vor Ort in der Basilika von Vézelay denke. An einzelne kunstvoll reliefartig gearbeitete Szenen kann ich mich sehr gut erinnern. Da waren zum Beispiel zwei Männer zu sehen, die genüsslich Weintrauben verzehrten. Andere Kapitelle wiederum boten »nur« kunstvoll ausgearbeitete Ornamente oder Blattwerk. An die »Bremer Stadtmusikanten« erinnerte mich die Darstellung musizierender Tiere.


Adam und Eva von Höxter
Manch‘ biblisches Motiv ist ganz eindeutig zu verstehen. Da waren, ich erinnere mich sehr genau, Adam und Eva zu sehen, beide – angedeutet – nackt. Der unbekannte Künstler von Vézelay vermied einen Fehler, der bis heute immer wieder gemacht wird! Was viele Zeitgenossen nicht wissen: 

Die falsche Frucht
Der biblische Bericht vom »Sündenfall« spricht nicht von »Äpfeln«, sondern allgemein von Früchten, die Adam und Eva nicht verzehren durften. Im Säulenkapitell von Vézelay sind es Weintrauben, die den ersten Menschen zum  Verhängnis werden.Adam und Eva von Höxter (Foto links) haben eindeutig die falsche Frucht konsumiert (Foto rechts).

Nach der »Vertreibung von Adam  und Eva aus dem Paradies durch einen Engel mit Flammenschwert« suchte unser mönchischer Führer vergeblich. Er fand die Darstellung nicht, versicherte uns aber immer wieder, sie »erst gestern« gesehen zu haben. Heute bezweifele ich, dass es eine solche Darstellung in Vézelay überhaupt gibt. Jedenfalls habe ich nirgendwo in der – allerdings spärlichen – Literatur einen Hinweis auf eine solche Szene in der Basilika von Vézelay ausfindig machen können.

Vertraut war mir damals beim Besuch vor Ort die Geschichte von David und Goliath. Nachdem der kleinwüchsige David den hünenhaften Goliath mit seiner Steinschleuder außer Gefecht gesetzt hatte und der Riese zu Boden gestürzt war, hatte David leichtes Spiel. Er lieh sich das Schwert des Besiegten und hieb ihm das Haupt vom Rumpf. Was die kleine kunstvolle Illustration zur biblischen Erzählung von David und Goliath so interessant macht? Fast im Stil eines heutigen Comicstrips wird dargestellt wie David gerade seine Steinschleuder schwingt. Und dann sieht man den besiegten Goliath, dem David just den Kopf vom Leibe trennt. Beide, zeitlich natürlich aufeinander folgenden Szenen, wurden vom unbekannten Künstler in Vézelay in einem Bild aus Stein vereinigt.

David und Goliath von Vézelay

Andere Darstellungen haben überhaupt keinen erkennbaren biblischen oder auch allgemein religiösen Hintergrund. Mich beeindruckte der Kampf zwischen zwei Rittern. Unser frommer Führer erklärte, die beiden Ritter symbolisierten Streit und Zwietracht. Spannend fand ich Mythologisches. Da gab es zum Beispiel einen muskulösen Zentauren. Das Fabelwesen aus der griechischen Mythologie, halb Mensch, halb Pferd, war mit Peil und Bogen ausgestattet und zielte auf einen riesigen Vogel. Mir tat damals das potentielle Jagdopfer sehr leid. Saß es doch ahnungslos an einem Baum und pickte friedlich an den Zweigen herum.

Beängstigend war ein bemerkenswerter Zweikampf, den eine Mann und eine Frau austrugen. Der Mann war, so schien es, auch eine Art Zentaur. Oder war es ein Mensch der auf einem monströsen Fabelwesen ritt? Die Frau war wohl – auch? –  eine Art Zentaur. Sie hatte den Leib eines Vierbeiners, eher eines Rindes als eines Pferdes, ansonsten war sie irdisch-verführerische Frau.

Sehr beeindruckt hat mich, ich erinnere mich genau, an einen riesenhaften Adler, der ein kleines Menschlein entführte und durch die Lüfte davontrug. Sollte als Vorlage alte Mythologie gedient haben? Dann war der Adler kein Geringerer als Gott Jupiter höchstpersönlich, der in Gestalt eines Adlers Ganymed verschleppt hat. Wie auch immer: Eine hässliche Fratze beobachtete wohlgefällig, ja zufrieden grinsend das Geschehen. Von solchen Bildnissen wollte uns unser ansonsten sehr geduldiger Führer immer wieder weglocken, um uns biblische Darstellungen zu zeigen und zu erklären.

Moses, das Goldene Kalb...
Immer wieder gab es Darstellungen von zwei aufeinander folgenden Szenen, die auf den Säulenkapitellen zu einem Bild vereinigt wurden. Ein weiteres Beispiel: Moses hatte Gott höchstselbst auf dem »Heiligen Berg« getroffen und die berühmten beiden steinernen Tafeln mit den »Zehn Geboten« erhalten. Als Moses mit diesen konkreten Vorschriften Gottes vom Berg herabkam, musste er entsetzt feststellen, dass sich das Volk längst heidnischem Glauben zugewendet hatte. Aus Goldschmuck hatten die Undankbaren ein Standbild gefertigt, das »Goldene Kalb«, dem sie tanzend und frohlockend huldigten. Diesem Idol opferten sie.

Auf dem Säulenkapitell sieht man nun Moses mit den Gesetzestafeln, das Kalb, einen Menschen, der auf seinen Schultern ein Opfertier heranträgt… und über dem Kalb frohlockt jubilierend, die Arme begeistert gen Himmel reckend, den Mund weit zum  triumphierenden Schrei aufgerissen, ein böser Dämon. Der teuflische Unhold hat – wohl als kennzeichnendes Merkmal für höllische Gestalten – wild gen Himmel stehende Flammenhaare! Solche Dämonen wurden immer wieder auf Kapitellen von Vézelay verewigt!

Höllische Kreaturen – Dämonen – tauchten, so ich mich recht entsinne, immer wieder auf, auf den Säulenkapitellen. Mit brachialer Gewalt peinigten sie ihre Opfer. Da waren in einer Darstellung gleich drei wahrlich bösartige Teufel zu sehen… nach erfolgreichem Verbrechen! Sie hatten soeben ein Menschlein von einem hohen Turm gestürzt. Einer der drei höllischen Unholde wollte wohl auf »Nummer Sicher« gehen und versetzte dem zerschmettert am Boden liegenden Sünder einen wuchtigen Hieb auf den Kopf.

Eine Art Drachen – eine Mixtur aus verschiedenen Tieren – und eine riesige Heuschrecke saßen einander gegenüber. Laut klösterlichem Führer sei die Riesenheuschrecke – warum auch immer – als die bekehrte Heidenwelt zu verstehen, die sich dem Christentum zugewendet hatte. Das furchteinflößende Drachenmischwesen wiederum, das die Neu-Christen zu attackieren gedachte, sei leicht als der Teufel selbst zu erkennen. Weitschweifig erklärte der Gottesmann, dass der Teufel immer wieder versuche, Neubekehrte Christen vom wahren Glauben abzubringen und wieder zu Heiden zu machen. Kurzum, der Teufel missioniere für Irrglauben und brächte Verderben, Tod und ewige Höllenqual.

Vézelay als Briefmarkenmotiv, Frankreich 1946

Dieser »ewige Kampf« zwischen den göttlich-himmlischen und den teuflisch-bösen Mächten sei vielfach auf den Säulenkapitellen von Vézelay zu sehen. Das Böse locke mit Sünde, sprich mit den Verlockungen schöner Frauen. Auf einem der Kapitelle sah man eine schöne Frau, die einen jungen Mann bezirzen will. Ob das »böse Weib« den Jüngling vom rechten Pfad abbringen kann? Die steinerne Reliefarbeit ließ das Ende der Geschichte offen. Daneben gab es noch zwei Menschlein undefinierbaren Geschlechts, die sich – verliebt – an den Händen hielten. Der manchmal etwas sehr grimmige Mönch wertete die Darstellung als »Sünde des Fleisches«. Er zeigte auch wiederholt große Bedenken, als mir mein Vater seine Erklärungen übersetzte. Er meinte wohl, dass ich zu jung sei, um von derlei »Sündenpfuhl« zu erfahren.

Ganz eindeutig zu erkennen waren ein hold lächelnder Engel und ein Teufel mit grässlicher Fratze. Engel und Teufel seien die mächtigen Vertreter von Gut und Böse. Der hämisch grinsende, hasserfüllt die Zähne fletschende Satan hatte nur das ewige Verderben der Menschen im Sinn. Der Engel, als Vertreter der Himmelsmacht, hingegen wollte verhindern, dass die Menschen den »sündigen Verlockungen« aus der Höllenwelt zum Opfer fielen.

Zu den schönsten Darstellungen gehören die Reliefarbeiten an einem der Kapitelle im südlichen Seitenschiff. Aus der Vorhalle kommend sieht man rechts eine imposante Säule. An der Westseite dieser Säule kämpfen im Kapitell zwei mythologische Fabelwesen miteinander. An der Südseite der Säule wird im Kapitell ein Hirte von einem Adler durch die Lüfte entführt. An der Ostseite des Säulenkapitells musizieren Tiere. Thema der Nordseite des Säulenkapitells: Judas Tod am »Galgen« und Abtransport des toten Verräters.

Adam und Eva von Vézelay
Geht man weiter nach Osten in Richtung Chor, steht man vor der nächsten Säule, deren Kapitelle sehr interessant sind. An der Nordseite ist im Kapitell eine der vielen grausamen Mordtaten des Alten Testaments verewigt. Abschalom (zu Deutsch: »Vater des Friedens« oder »Der Vater ist Frieden«) lässt seinen Halbbruder Amnon (zu Deutsch: »Treue«) aus Rache ermorden. Amnon hatte sich krank gestellt, Abschaloms Halbschwester Tamar war ans Krankenlager geschickt worden, um den heimtückischen Amnon verköstigen und zu pflegen. Amnon nutzte die Gelegenheit und vergewaltigte Tamar. Da traf es sich gut, dass Amnons Vater kein Geringerer als der legendäre König David war. So wurde Amnon nicht, wie es das mosaische Gesetz eigentlich forderte, hingerichtet. Abschalom sann auf Rache. Als er gemeinsam mit Amnon ein rauschendes Fest feierte, ergab sich eine günstige Gelegenheit. Als Amnon betrunken war, ließ ihn Abschalom von Gefolgsleuten töten. Das Relief am Säulenkapitell zeigt den gewaltsamen Tod Amnons.

Die Ostseite des Säulenkapitells bietet angeblich eines der schönsten Kunstwerke von Vézelay. Auf den ersten Blick wurde hier das wohl bekannteste Paar der Bibel im steinernen Relief hoch oben am Ende der Säule verewigt. Wir erkennen zwei Menschen, beide sind nackt, beide hantieren mit großen Blättern. Beide sind wohl im Begriff, ihre Blöße mit den Blättern zu bedecken. An den Beinen der Nackten klettert eine Schlange empor. Das alles kennen wir aus dem Schöpfungsbericht. Die Schlange hat Eva verleitet, gegen das göttliche Verbot zu verstoßen... Im 1.Buch Mose (Kapitel 3, Verse 6 und 7) lesen wir:

»Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß.

Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze.«

Just dieses Szenario, so scheint es, wird hoch oben am Säulenkapitell dargestellt. Ein weiteres Detail deutet auf »Adam und Eva« hin.....

Ein weiteres Detail...

Daszu mehr in der nächsten Folge.... Und noch ein Detail... Rätsel über Rätsel in Vézelay.....

Fotos

Basilika und Festung: Foto wiki commons/ Ziegler175
Adam und Eva von Höxter: Foto Walter-Jörg Langbein
Die falsche Frucht: Foto Walter-Jörg Langbein
David und Goliath von Vézelay: Foto wiki commons/ Vassil
Moses, das Goldene Kalb..: Foto wiki commons/ Vassil
Vézelay als Briefmarkenmotiv, Frankreich 1946:
Foto Archiv Langbein
Adam und Eva von Vézelay: Foto wiki commons/ Vassil
Ein weiteres Detail: Foto wiki commons/ Vassil
Und noch ein Detail (Foto links!): Foto wiki commons/ Vassil

277 »Maria Magdalena, Heilige und falsche Märtyrer«
Teil 277 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 10.05.2015

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Sonntag, 21. November 2010

44 »Luzifer der Südsee«

Teil 44 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Es war ein ruhiger Herbstabend in den direkt am Karibikstrand gelegenen Ruinen von Tulum. Die Busse der Touristen waren abgefahren, die mysteriöse Anlage von Tulum war fast menschenleer... Ich kam mit einem amerikanischen Geistlichen ins Gespräch. Seine Vorfahren, bettelarme Weber aus Sachsen, hatten verzweifelt die Heimat verlassen und waren nach Michigan ausgewandert. Dort lebte er in einer kleinen dörflichen Gemeinde am Michigansee... als Geistlicher.

Gab es an Mexikos Karibikküste einst ein ›Babylon‹
wie in der Bibel? Foto: Walter-Jörg Langbein
»Es sind die Trümmer Babylons!« fauchte der ältliche Geistliche und machte mit beiden Armen weit ausladende Bewegungen. »Hier versuchten die Menschen ihren sündhaften Turm zu bauen...« Mit zitternden Fingern holte er eine zerfledderte Bibel aus seinem verschwitzten Jackett und zitierte Kapitel 11 des Buches Genesis:

»Es hatte aber alle Welt einerlei Zunge und Sprache. Da sie nun zogen gen Morgen, fanden sie ein ebenes Land im Lande Sinear, und wohnten daselbst. Und sie sprachen untereinander: Wohlauf, laß uns Ziegel streichen und brennen! und nahmen Ziegel zu Stein und Erdharz zu Kalk und sprachen: ›Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, des Spitze bis an den Himmel reiche, dass wir uns einen Namen machen, denn wir werden sonst zerstreut in alle Länder!‹«

Meine heftigen Zweifel ließ der sich in Rage redende Gottesmann nicht gelten. Der Turm zu Babel, so warf ich ein, stand doch in biblischen Landen... und nicht im mexikanischen Tulum. Wütend ergriff mich der Gottesmann und führte mich zu den Resten des babylonischen Turms zu Tulum.

Der ›babylonische Turm‹ von Tulum?
Foto: Walter-Jörg Langbein
»Diese Treppenstufen stiegen einst die Menschen empor... zu sündigem Treiben hoch oben im satanischen Tempel!« schrie der Geistliche. Wieder zitierte er wutschnaubend aus dem Kapitel 11 des Ersten Buch Mose: »Da fuhr der Herr hernieder, dass er sähe die Stadt und den Turm, die die Menschenkinder bauten.« Gott zerstörte den Turm und verwirrte die Menschen, heißt es in der Bibel. Sie verstanden einander nicht mehr, redeten nicht mehr in einer gemeinsamen, sondern in vielen Sprachen.

Die von der Bibel angebotene sprachliche Erklärung ist allerdings vollkommen falsch: Babel hat mit dem hebräischen »balal«, zu Deutsch »verwirren« nichts zu tun. Der Name Babel verweist auf eine recht unbiblische Geschichte. »Babel« leitet sich eindeutig vom Babylonisch-Sumerischen »bab-ili« her. »Bab-ili« heißt zu Deutsch »Tor der Götter«. Das reale Vorbild für den biblischen Bericht vom Turmbau zu Babel ist der babylonische Zikurrat. Zikkurats waren mehrstufige Türme. Ähnlich wie die ältesten Pyramiden dienten sie vermutlich als Ersatz für heilige Berge. Wer die höchsten Gipfel der Berge erklomm, der fühlte sich den kosmischen Göttern näher.

Rund zwei Jahrtausende vor Christus entstand das reale Vorbild für den biblischen Turm, der »Etemenanki«. Er ragte in Babylon direkt beim Tempel des Gottes Marduk hoch in den Himmel. Ganz oben gab es einen Tempel. In diesem Gotteshaus wurde die »Heilige Hochzeit« zelebriert.

Die Priesterin erklomm den Turm gen Himmel, die »Gottheit« kam vom Himmel herab und wartete im Heiligtum auf seine Partnerin. Gemeinsam zelebrierten sie dann die »Heilige Hochzeit« im Tempel.

Allerdings war es nicht der leibhaftige Gott selbst, der ins Brautgemach kam, sondern ein Stellvertreter. Babylonische Städte waren Stadtstaaten, die von einem Priesterkönig geleitet wurden. Der Priesterkönig und die Oberpriesterin vollzogen die »heilige Hochzeit«. Zwei Menschen aus Fleisch und Blut schlüpften in die Rolle von Göttern. Aus Sicht der Jahwepriester war das Blasphemie: Menschen, die sich für die Zeit des Rituals als Götter fühlten. Wenn das keine Gotteslästerung war! Es durfte nur einen Gott, nämlich Jahwe, geben! Und kein Mensch durfte sich wie ein Gott aufführen!

Der Turm zu Babel in seinem Umfeld. Rekonstruktion.
Foto: Archiv Langbein
Die »Heilige Hochzeit« gehörte schon vor vielen Jahrtausenden zum Jahreswechsel wie heutige Sylvesterfeiern mit Sekt und Feuerwerk. Der heilige Sex – Hurerei in den Augen der frommern Jahwe-Anhänger – sollte für ein weiteres Jahr Fruchtbarkeit gewähren: für Land und Leute. Mensch und Tier sollten sich weiter fortpflanzen können und ausreichend Nachwuchs haben. Mutter Erde sollte wieder genügend Nahrung für Mensch und Tier hervorbringen. Das ewige Rad des Lebens sollte sich wieder ein Jahr lang weiter drehen.

Dieser heilige Ritus wurde nicht in Babylon »erfunden«. Er wurde wohl schon Jahrtausende früher importiert und zelebriert: auf heiligen Bergen, deren hohe Gipfel dem Himmel näher waren als der Erde. Die Stufenpyramiden im babylonisch-assyrischen Bereich dürften Nachbildungen der heiligen Berge gewesen sein, errichtet von den Nachkommen der einstigen Ahnen, die aus einem bergreichen Land nach Babylon kamen.

Im heiligen Gemach des Tempels auf dem »Turm zu Babel« feierten der Priesterkönig und die Oberpriesterin das Ritual der »Heiligen Hochzeit«: der Priesterkönig in Vertretung von Gott Marduk, die Oberpriesterin für die Göttin Ischtar. Sollte es weltweit so etwas wie einen Urkult gegeben haben... von einem herabsteigenden Gott?

Gab es weltweit herabsteigende
Götter .. wie in Tulum?
Foto: Walter-Jörg Langbein
Wütend stapfte der empörte Geistliche davon. So abstrus seine Behauptungen auch zu sein schienen.. kann es nicht sein, dass sich in Tulum etwas Ähnliches abspielte? Wurde in sakralen Räumen von Tulum so etwas wie die »heilige Hochzeit« zelebriert.. zwischen dem mächtigen »herabsteigenden Gott« und der Göttin des Lebens Ix-Chel? Wurden im »Ur-Tulum«... lange bevor die Mayas kamen... ein uralter Ritus zelebriert, der das Fortbestehen des Lebens auf Planet Erde gewähren sollte?

Wie sich die Bilder gleichen... Beginnen wir mit der Bibel: Bei Jesaja (1) heißt es über den Sturz des Königs von Babylon: »Wie bist du vom Himmel gefallen, du schöner Morgenstern!« Jesus sagte nach Lukas (2): »Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz.« Die biblische Tradition machte aus dem König von Babylon und dem Teufel, der vom Himmel stürzte... den Oberteufel Satan. In Tulum begegnet uns immer wieder plastisch dargestellt der »herabstürzende Gott«, der auch als »Abendstern« und »Blitz« gedeutet wird. In den Augen der christlichen Geistlichkeit war der »herabsteigende Gott« von Tulum der böse Luzifer.


Ein herabsteigender Luzifer von Tulum?
Foto: Ingeborg Diekmann
Wurde in Tulum ein Kult zelebriert, in dessen Mittelpunkt ein »herabsteigender Gott« stand... ein Kult, der den Fortbestand des Lebens auf Planet Erde gewährleisten sollte?

Wir wissen wenig über Tulum. Wo Wissen fehlt, wird auch von Wissenschaftlern viel spekuliert. Schriftliche Dokumente der Mayas mag es einst gegeben haben. Sie können uns keine Auskunft mehr über Tulum erteilen, wurden doch die Codices der Mayas von der katholischen Geistlichkeit gezielt gesucht und verbrannt. Stumm sind die Gemäuer von Tulum. Die Stuckskulpturen der herabsteigenden Götter sind oft übel zugerichtet und hüten uralte Geheimnisse. Werden wir sie jemals verstehen?

Wenn man aufpasst, dann kann man in Tulum dann und wann eine Begegnung beobachten... zwischen einem herabsteigenden Gott und einer Schwalbe, der Stellvertreterin der Göttin...zwischen dem Luzifer der Südsee und der Göttin....

Eine Schwalbe der Göttin und ein
herabsteigender Gott ... in Tulum.
Foto Ingeborg Diekmann
Fußnoten:(1) Der Prophet Jesaja Kapitel 14, Vers 12
(2) Das Evangelium nach Lukas Kapitel 10, Vers 18

Ich danke Frau Ingeborg Diekmann für die schönen Fotos!


»Das Geheimnis der Maria von Guadalupe«,
Teil 45 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 28.11.2010

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