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Sonntag, 24. Februar 2013

162 »Alle Straßen führen nach Cobá«, Teil I

Von Tempeln, Pyramiden und Krokodilen
Teil 162 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Plan von Cobá
Foto: Archiv Langbein
Nach herrlichen Stunden am Karibik-Strand ging's mit dem Jeep teils auf morastigen Hilfsstraßen, teils auf der vorzüglichen Schnellstraße Tulum – Valladolid nach Cobá in Quintana Roo, Yucatán. Nach einigen Stunden machte sich im Dörfchen Cobá langsam mein rapide gedeihender Sonnenbrand bemerkbar. Es war heiß, die Luftfeuchtigkeit ließ an einen Aufguss in der Sauna denken ... und die gewaltige Ausdehnung der einstigen Maya-Metropole Cobá raubte mir förmlich den Atem. Per Jeep fuhren wir einen Teil der vermuteten Außengrenze von Cobá ab.

»Wie groß Cobá wirklich war ... wir wissen es nicht!« erklärte mir stolz unser Guide. »Vielleicht waren es fünfzig, vielleicht 100 Quadratkilometer!« Nach klassischer Lehrmeinung wurde rund drei Jahrhunderte an der Riesenstadt Cobá gebaut. Groß, wie Cobá war, mussten mehrere Ballspielplätze angelegt werden. Seit zwanzig Jahren wurden, so finanzielle Mittel flossen, kleinere Ausgrabungen durchgeführt. Maria José Con konzentrierte sich dabei auch auf die Ballspielplätze. Bis heute konnte erst ein kleiner Bruchteil der Ruinen untersucht werden.

»Es fehlt am Geld!« schimpft unser Guide. »Und die wirklich wissenden Nachfahren der Maya hegen ein gesundes Misstrauen den Nachkommen der Eroberer gegenüber!« So gibt es Cenotes in Reichweite von Cobá, wie in Chichen Itza. Diese Löcher im Kalkstein dienten den Mayas als Wasserreservoire.« Manche dieser Schlünde (die meisten?) stürzten ein, manche wurden vermutlich von Menschenhand angelegt. »Der Kalkstein würde das Wasser in den Cenotes rasch abfließen, versickern lassen. Lehmschichten verhindern das Abfließen. Und so führen die meisten der Cenotes mehr oder minder ständig Wasser!«

Cenote von Chichen Itza - Foto: Walter-Jörg Langbein
Für die Mayas waren Cenotes freilich nicht nur Löcher im Boden, die sich mit Wasser füllten. Sie sahen in ihnen (in einigen?) Eingänge zur Unterwelt. Unser Guide: »Für die Mayas waren Himmel, Erde und Unterwelt nicht getrennte Bereiche. Das Leben stieg aus der ›Unterwelt‹ empor, um wieder in die ›Unterwelt‹ zu steigen ... und um wieder zurückzukehren!« Ein Teilnehmer unserer Miniexpedition lachte bei dieser Bemerkung: »Heidnischer Aberglaube! Lächerlich!« Ernst fragte unser Guide zurück: »Glaubt der fromme Christ nicht auch, dass Jesus nach seiner Auferstehung in die Hölle fuhr, um nach drei Tagen wieder ins Reich der Lebenden zurückzukehren?« Besserwisserisch meine der hochnäsige Teilnehmer erneut widersprechen zu müssen: »Jesus weilte nicht drei Tage im Reich der Toten! Er kehrte schon am dritten Tage zurück ...« Unser Guide ging auf diese wenig hilfreiche Anmerkung nicht ein. Denn ob nun Jesus nach zweieinviertel oder zweidreiviertel Tagen den Höllenschlund verließ, ändert nichts an der Tatsache, dass auch das Christentum an ein Totenreich glaubt, in das man hinabsteigen, das man aber auch wieder verlassen kann.

Eine lehmige Schicht dichtet die Cenotes zum porösen Kalkgestein ab. In diesen, im Lauf der vielen Jahrhunderte gewachsenen Schichten, werden kostbarste Schätze vermutet.

Unser Guide: »Um die Götter der Unterwelt zu besänftigen, wurden ihnen kostbare Gaben geschenkt. Wunderbare Artefakte aus Gold wurden in Cenotes geworfen, als Opfer für Götter! Sie sanken auf den Grund ... und verschwanden nach und nach im Schlamm!«
Es ist zu vermuten, dass im Schlamm mancher Cenote noch erhebliche Goldschätze zu finden sind. Es genügt aber nicht, Cenotes durch Taucher erforschen zu lassen. Man müsste mit erheblichem Aufwand meterdicke Schlammschichten abpumpen und sieben.

Taucher erforschen einen Cenote bei Tulum - Foto: nru

Mit Prof. Hans Schindler-Bellamy (1901-1982), Wien, hatte ich wiederholt ausführliche Gespräche ... auch über die Mayas, auch über Cobá. Der sympathische Gelehrte skizzierte ein fremdes Weltbild für mich. Demnach gab es in Vor-Maya-Zeiten den Glauben an die Muttergöttin, die als Herrin über Werden des Lebens, Wachsen und Gedeihen, Sterben und neuerlicher Geburt des Lebens bestimmte. Als »Leben« wurden Pflanzen, Tiere und Menschen angesehen. Alles Leben kam aus der Urmutter, der Urgöttin, die – wie im »Alten Testament« Eva – alles Lebende gebar. Der Göttin wurde geopfert, um sie milde, um sie gnädig zu stimmen. Dann gab es keine Unterbrechung im Kreislauf des Lebens. Dann folgte auf den Tod (Absterben der Natur in der Trockenzeit) das neuerliche Aufblühen in der Regenzeit.

Cenotes waren so etwas wie natürliche Zugänge zur Unterwelt ... Berge und Vulkankegel wurden als »Treppen« in himmlische Gefilde angesehen. Gab es diesen Glauben weltweit? Türme (Bibel: Turmbau zu Babel!) wie Pyramiden gab es weltweit als sakrale Bauten ... als Treppen in den Himmel, als Wege zu den Göttern. Und so gab es natürlich auch in Cobá gewaltige steile Pyramiden, auf denen – in kleinen Tempelchen – den Göttern geopfert wurde.

Eine der kleineren Pyramiden von Cobá - Foto: Walter-Jörg Langbein

Wichtige Zentren in Cobá waren untereinander durch sorgsam angelegte und gepflasterte Straßen verbunden. Sorgsam hat man nivelliert. Es wurden sogar Dämme angelegt, auf denen Straßen geführt wurden. Offenbar wollte man möglichst ein gleichbleibendes Niveau erreichen. Sollten die Straßen also mehr gewesen sein als einfache Verbindungen? Waren es mehr als Wege, auf denen Waren transportiert wurden? Viele Fragen konnten bis heute nicht beantwortet werden. So gibt es auf dem riesigen Areal von Cobá bis zu 10.000 (zehntausend!) Strukturen. Welchem Zweck sie dienten? Bei vielen Bauten, von denen nicht selten nur Mauerreste oder auch nur Steinhaufen erhalten sind, wissen wir das nicht.

Schnell wird eine nur noch als Grundriss zu erkennende Struktur zum Tempel, schnell wird eine unter einem natürlich wirkenden Hügel als künstliches Gebäude kaum noch zu erkennende Pyramide zum Heiligtum und eine mehrstufige Terrasse zum Tempel. Einigkeit scheint weitestgehend darin zu bestehen, dass Cobá von immanenter Bedeutung als religiöses Zentrum war. Aber war Cobá nach unserem Verständnis eine Stadt? Oder gab es auf dem riesigen Gelände von Cobá nur eine Anhäufung von Tempeln? Waren die unzähligen, gepflasterten Straßen innerhalb von Cobá so etwas wie sakrale Wege für die Priesterschaft, vielleicht auch noch den »Hochadel«? Waren es Pilgerwege von frommen Mayas, die andächtig von Tempel zu Tempel marschierten?

Cobás Bauten geben Rätsel auf. Foto: Walter-Jörg Langbein
Ich bin auf einigen der kaum noch erkennbaren Straßen marschiert. Die Kleidung klebte mir am Leibe. Die Luftfeuchtigkeit machte die Exkursion zur Tortur. Ich verzichtete aber auch auf ein erfrischendes Bad in einem der Seen. Cobá soll »Von Wind bewegtes Wasser« bedeuten ... und auf die fünf Seen hinweisen, die vielleicht die ersten Siedler in das Gebiet von Cobá lockten. Besonders einladend sind heute »Lago Cobá« und »Lage Macanxoc«, zwischen die sich eine einst besonders imposante Gruppe von teils mächtigen Bauten schmiegte.

Ich muss aber dringend davon abraten, in diesen beiden Seen zu baden. Offen gesagt: Ich würde nicht einmal am Ufer waten. Es gibt nämlich in beiden Seen Bewohner, die nicht als besonders menschenfreundlich gelten ... Krokodile! Mir wurde wiederholt versichert, dass diese Reptilien nur ganz, ganz selten Menschen fräßen. Ich wollte aber nicht testen, ob ich eventuell zu einer dieser seltenen Ausnahmen zählen würde. Man mag es mir als Feigheit auslegen, aber ich habe weiträumig die Seen von Cobá gemieden, um auch wirklich kein einziges Krokodil in Versuchung zu führen.

Wer in Cobá nicht gänzlich auf furchteinflößende Reptilien verzichten möge, der halte die Augen offen ... Dann wird man Miniaturdrachen finden, von denen keinerlei Gefahr ausgeht, auch wenn sie wie Sagen-Wesen aussehen, gegen die einst Heilige und Ritter kämpften ...

Leguane findet man in so mancher Ruinenstadt von Zentralamerika ... so auch in Cobá. Dank ihrer Tarnfarbe können sie sich – besonders für Touristen, denen exotische Natur vollkommen fremd ist – fast unbemerkt bewegen.

Minidrachen in Cobá - Foto: Walter-Jörg Langbein
Zur Erinnerung: Die Mayas kannten und verehrten einen Gott namens »Itzamná«, »Leguan-Haus«. Der Himmelsgott, Kennzeichen markante Hakennase, galt als besonders hochrangige Gottheit. Seine Partnerin war die Göttin »Ix-Chel«, die »Herrin des Regenbogens«. Diese Mondgöttin dürfte auf eine sehr viel ältere Muttergöttin zurückzuführen sein, der erst später – mit dem Aufkommen des Patriarchats – ein männlicher Gott zur Seite gestellt wurde. »Ix-Chel« wurde als Göttin der Geburt verehrt. Sie war also eine Nachfolgerin der ursprünglichen Muttergöttin ... und die wurde, davon bin ich überzeugt ... weltweit verehrt, in uralten Zeiten, unter unzähligen Namen. Ihre Spur lässt sich noch in biblischen Schriften verfolgen.

Es lohnt sich, ein Buch wie die »Bibel« zu lesen ... so unvoreingenommen wie nur möglich!

Literaturempfehlungen
National Geographic Society: Versunkene Reiche der Maya, Augsburg 1997
Prem, Hanns J. und Dyckerhoff, Ursula: Das alte Mexiko/ Geschichte und
Kultur der Völker Mesoamerikas, München 1986
Schele, Linda und Mathews, Peter: The Code of the Kings/ The Language of
seven sacred Maya Temples and Tombs, New York 1998
Schele, Linda und Freidel, David: Die Unbekannte Welt der Maya/ Das
Geheimnis ihrer Kultur entschlüsselt, Augsburg 1994, Übersetzung von A
Forest of Kings
Schele, Linda und Miller, Mary Ellen: The Blood of the Kings/ Dynasty and
Ritual in Maya Art, Fort Worth 1986 (korr. Nachdruck)
Sitchin, Zecharia: Versunkene Reiche/ Der Ursprung der Zivilisation im
Reiche der Maya und Inka, Rottenburg 2008
Soustelle, Jacques: Die Kunst des alten Mexiko, Osnabrück 1968
Stingl, Miloslav: In versunkenen Mayastädten/ Ein Forscher den Geheimnissen
der indianischen Pyramiden auf der Spur, Leipzig 1971
Stuart, David und George: Palenque/ Eternal City of the Maya, London 2008
Westphal, Wilfried: Die Maya – Volk im Schatten seiner Väter, Bindlach 1991
Wipf, Karl A.: Wanderer in der Nacht/ Religionsgeschichtliche Interpretationen
zu altamerikanischen Chroniken, Hallein 1980

Die Buchneuerscheinung von Walter-Jörg Langbein:
Das verlorene Symbol und die Heiligen Frauen

»Von einem, der in den Himmel stieg!
Alle Straßen führen nach Cobá«, Teil II
Teil 163 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 03.03.2013


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Sonntag, 17. Februar 2013

161 »Abstieg in die Unterwelt«

Teil 161 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Tulum lockt nicht nur
Maya-Freunde an.
Foto: W-J.Langbein
Tulum, direkt am Strand der karibischen See gelegen, lockt unzählige Touristen an. Man hat sich auf Pauschalreisende aus den USA eingerichtet, die für ein paar Tage einfliegen. Archäologische Rätsel interessieren viele dieser Besucher eher wenig ... wohl aber All-inklusive-Angebote. Essen und Getränke ... auch alkoholische ... sind im Preis inbegriffen. Auch im »Hotel Paraiso« ging es hoch her. Zu Deutsch: Von Tag zu Tag gab es mehr Alkoholisierte, die zusehends Gestalten aus Horrorstreifen wie »Die Rückkehr der lebenden Leichen« aussahen. Junge Amerikanerinnen und Amerikaner scheinen auf diese Weise die bibelfromme Lebensweise für kurze Zeit zu kompensieren.

Ein älterer Hotelangestellter erzählte mir spätabends von einer »Höhle der Göttin Ixcanleom«, die wohl mit Ix-chel identisch ist. Nach einigem Hin und Her erklärte sich der freundliche Südamerikaner bereit, er war in Peru gebürtig, mir den geheimnisvollen Einstieg in die Unterwelt zu zeigen. Vertrauensvoll nahm ich die Einladung gern an. Mitten in der Nacht fuhren wir per Taxi Richtung Coba ... und kletterten – nach mehrstündiger Fahrt – auf glitschigen Steinstufen eine kleine Anhöhe hinauf. Der Taxifahrer wartete derweil rauchend in seinem Vehikel.

Darstellungen der
Göttin Ix-chel.
Fotos: Archiv
W-J.Langbein
Ich erinnere mich an die nächtliche Exkursion in die Unterwelt, als sei es gestern gewesen ... Vor mir ging, bewaffnet mit einer Taschenlampe, der schmächtige Hotelangestellte, hinter mir folgte schnaufend seine beleibte Schwester. Sie schleppte eine offenbar schwere Tasche mit sich ... die nicht ungefährliche Treppe bergan. Dann ging's endlich durch einen schmalen Spalt im felsigen Boden auf einer knarrenden Leiter hinab.

Als erster hatte sich der Mann mit der Lampe auf die Leiter gewagt. Als er unten – etwa fünf Meter tiefer – angekommen war, leuchtete er uns mit der jetzt eher blendenden Lampe. Ich folgte als Zweiter mit der schweren Tasche der Schwester. Sie kletterte erstaunlich behende Sprosse für Sprosse als Letzte nach unten. Wiederholt gab die Leiter dabei seltsame Knarzgeräusche von sich. Die Dame war ob ihres Gewichts eine echte Herausforderung für die wackelige Behelfstreppe.

Unten angekommen, ließ der Mann vom Hotel den Lichtpegel seiner Taschenlampe über Boden, Wände und Decke einer weiträumigen Höhle gleiten. Von oben wuchsen Stalaktiten unterschiedlicher Größe nach unten. Von unten streckten sich ihnen Stalagmiten entgegen. Wie lange mag es wohl gedauert haben, bis sie sich trafen? Manche waren massiv und wuchtig. Andere geradezu filigran. Am Boden standen Tongefäße unterschiedlichster Größe ... Opfergaben für Göttin »Ixcanleom« alias »Ixel-che«. Die beleibte Schwester stellte einen dickbauchigen Tonkrug ab. Ihr Bruder erklärte mir flüsternd: »Sie erbittet von Göttin Ixcanleom (alias Ix-chel) ein Söhnchen. Bislang hat es mit dem Nachwuchs noch nicht geklappt. Da soll die Göttin der Fruchtbarkeit helfen!« Keine Frage: Diese Gottheit war die »richtige Adresse«!

Blick in die Unterwelt
Fotos: W-J.Langbein
Natürlich, so erfuhr ich weiter, war die Bittstellerin eine »gute Katholikin«. Aber nachdem Maria ihre Gebete bislang nicht erhört hatte, wandte sie sich nun an die Konkurrenz ... nicht ohne vorher den katholischen Geistlichen ihres Heimatdorfes zu konsultieren. Der segnete dann den für die Göttin bestimmten Krug.

Flüsternd fragte ich meinen Guide, was sich denn im Krug befinde. »Das ist geheime Frauensache ...« lautete die Antwort. Während sich seine Schwester vor ihre Gabe für die Göttin niederkniete und leise murmelnd betete, entfernten wir uns diskret. Mein Guide ermahnte mich zur Vorsicht. »Es gibt an verschiedenen Stellen Einbrüche, die teilweise sehr tief sind ...« Natürlich achteten wir darauf, keinen der zahlreichen Krüge umzustoßen ... aus Respekt vor dem Glauben der zahlreichen Bittsteller. »Manche Geistliche verabscheuen die Opfergaben für die Göttin als heidnisch. Der Vorgänger unseres Pfarrers verurteilte sie als ›dummen Aberglauben‹. Ich sehe aber keinen großen Unterschied zwischen einem Krug für die Göttin der Fruchtbarkeit und einer Kerze für die Himmelskönigin Maria! Im Himmel ist Platz für viele Göttinnen, für Maria, für Ixcanleom und viele andere!«

Der berühmte Cenote de los
Sacrificos, Chichen Itza.
Foto W-J.Langbein
In den Karstgebieten Zentralamerikas sieht das unterirdische Kalkgestein oft wie ein von Löchern durchsetzter Schweizer Käse aus. Unzählige Höhlen sind im Verlauf von Jahrmillionen entstanden, durch Auflösung des Kalksteins. Angeblich soll es weitläufige unterirdische Systeme geben: Unterirdische Flussläufe haben natürliche »Tunnel« in das Weiche Kalkgestein gefressen und verbinden über weite Strecken hinweg die oft riesigen Räume in der Unterwelt miteinander. So dürfte in Zentralamerika eines der größten und komplexesten Höhlensysteme unseres Planeten entstanden sein!

Immer wieder kam es durch Einbrechen der Decke zur Bildung von Cenotes. Die Mayas nannten diese Löcher, die sich in der Regel mit Wasser füllten, »ts'o'noot«, »heilige Quelle«. Manchmal stürzten Höhlendecken von selbst ein. Manchmal wurden unterirdische Hohlräume durch einschlagende Meteoriten brachial geöffnet. Solche Schlünde – wie die Cenote von Chichen Itza sind dann kreisrund.

Die wohl bekannteste »ts'o'noot« ist wohl die »Cenote der Opfergaben« bei den Maya-Ruinen von Chichen Itza. Für die Mayas waren Cenotes – von denen es allein im Bundesstaat »Quintana Roo« fast 1000 geben soll – Eingänge in die Unterwelt. Deshalb opferten sie den Göttern, indem sie zum Teil kostbare Schätze in die kraterartigen Wasserlöcher warfen.

Auch heute noch wird der Göttin
geopfert. Foto W-J.Langbein
Und deshalb steigen noch heute Nachfahren der Mayas in Höhlen, in die Unterwelt, um den Göttern und Göttinnen Gaben zu bringen! Solche Kulträume im Leib von »Mutter Erde« waren wohl weltweit schon vor vielen Jahrzehntausenden den archaischen Erdgöttinnen geweiht, die nach den Lehren der ältesten Religionen alles Leben gebaren ... so wie die berühmte Eva des »Alten Testaments«. Solche Glaubensvorstellung sind auch heute noch in Mittelamerika lebendig. Sie werden von vielen katholischen Geistlichen stillschweigend geduldet, so lange ihre Schäflein auch noch regelmäßig zum christlichen Gottesdienst kommen.

Inzwischen hatte die Schwester meines Guide, immer noch Gebete vor sich hinmurmelnd, eine Kerze entzündet. Sie hob ihre Arme und rief immer wieder laut den Namen der Göttin der Fruchtbarkeit und des Lebens, Ixcanleom, an. Ixcanleom wird häufig mit Göttin Ix-chel gleichgesetzt. Ix-chel war eine der bedeutendsten Göttinnen der Mayas überhaupt. Sie galt als mächtige Erd- und Mondgöttin. Sie beschützte nach altem Maya-Glauben die Schwangeren, war für die Fruchtbarkeit zuständig ... und somit für den Fortbestand des Lebens auf Planet Erde verantwortlich. Als eine Wassergöttin spendete sie Mensch, Tier und Pflanze das notwendige Nass ... ließ aber auch manchmal Unwetter über die Erde kommen. In diesen »Sintfluten« wurde sehr viel Leben zerstört ... und Platz für neues Leben geschaffen.

Maya-Darstellung der
Göttin Ix-chel
Die Götterwelt der Mayas ist selbst für Fachleute von Rang kaum zu überblicken. So wird Ix-chel auch mit einer alten Jaguargöttin gleichgesetzt, die bei den Mayas die Patronin der Schwangerschaft und der Medizin war. Während Hebammen im Christentum zeitweise mit dem Tod auf dem Scheiterhaufen rechnen mussten, waren ihre Kolleginnen bei den Mayas immer hoch angesehen. Da galt es nicht als Verstoß gegen göttliches Gebot, gebärenden Frauen den Schmerz durch Arzneien zu lindern.

An Ix-chels Seite stand der mächtige Himmelsgott Itzamná, dem Schöpfergott. Seit Jahrhunderten versuchen christliche Missionare, Itzamná durch den biblischen All-Gott zu ersetzen, doch gelungen ist das bis heute nicht. So wie dem biblischen Gott des Alten Testaments Räucheropfer dargeboten wurden ... so bekamen die Göttinnen und Götter der Mayas ähnliche Geschenke. Der rauchige Duft verbrannter kostbarer Kräuter diente ihnen als Nahrung ... und als »Bestechung«.

Maya-Darstellung des Gottes Itzamna
So entfachte die Schwester meines Guides ein knisterndes Feuerchen, das von getrockneten Pflanzen gespeist wurde. Rauchschwaden waberten durch den Raum. Deutlich stieg mir der aus katholischen Kirchen bekannte Weihrauchduft in die Nase. Sich hin und her wiegend sang die Gläubige in altem Maya-Dialekt, erflehte sich von Ix-chel den schon so lang erhofften Nachwuchs. Wortlos stand sie schließlich auf und kletterte wieder die hölzerne Leiter empor. Wir folgten ihr und fuhren im Taxi wieder zurück.

Unzählige Maya-Höhlen dienen auch heute als sakrale Stätten alten Brauchtums. Unzählige Cenotes-Höhlen stehen aber unter Wasser und dienen heutigen Tauchern als nicht ungefährliches exotisches Paradies. Mayaforscher nennen die Unterwelt, wo unterirdische Flüsse von vielen Hundert Kilometern Länge fließen ... den Strom der Mayas. In Dürreperioden schenkte er den Mayas das lebensnotwendige Wasser, wenn überirdische Flussläufe schon längst versiegt waren. Die Mayas schöpften aber nicht nur Wasser aus dem gigantischen unterirdischen Gang-Höhlensystem. Fanden sich doch tief unter der Erdoberfläche in vollkommen gefluteten Höhlensystemen Opferstätten der Mayas. Man könnte nun vermuten, dass diese unterirdischen sakralen Räume genutzt wurden, bevor sie mit Wasser voll liefen.

Fakt ist aber: 2006 wurde eine spannende Fernsehproduktion publiziert: »In den Todeskammern der Maya« (Reihe »Schliemanns Erben«). In der spektakulären Dokumentation von Michael Tauchert gelang der Nachweis, dass die »Maya-Altäre« angelegt worden sein müssen ... als die unterirdischen Welten dort bereits lange Zeit geflutet waren. Die Mayas müssen in der Lage gewesen sein, stundenlang zu tauchen und dabei kilometerlange unterirdische, vollkommen mit Wasser gefüllte Korridore unter Wasser zu durchschwimmen.

Unterirdische Kulträume
gelten auch heute
noch als heilig.
Foto W-J.Langbein
Was heutigen, besonders geschulten Tauchern mit modernster technischer Ausrüstung möglich ist ... das vermochten schon Mayas vor Jahrtausenden. Wie waren sie zu solch unglaublichen Leistungen in der Lage? Sie müssen über Taucherausrüstungen verfügt haben. Wie mögen diese ausgesehen haben? Man muss sich vor Augen führen: Die Maya-Spezialisten tauchten nicht nur kilometerweit in zum Teil verwinkelten, engen, wassergefluteten Gängen, sie arbeiteten auch unter Wasser. Hier wurde eine Säule aus der Wand gearbeitet. Dort wurde ein Gesicht in den Stein gemeißelt ... und das – ich muss es wiederholen – unter Wasser! Die Mayas trugen zudem – tauchend! – Krüge und Opfergaben aus Fleisch und Blut (Tiere, wohl auch Menschen!) ... um ihre Gaben unter Wasser auf Altäre zu schaffen und Opfer zu deponieren!

Wie viele Tauchgänge wurden von den Mayas unternommen? Und – auch diese Frage muss ich wiederholen – mit was für einer Taucherausrüstung?

»Alle Straßen führen nach Coba«,
Teil 162 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 24.02.2013


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Sonntag, 16. Dezember 2012

152 »Von Affen und von Drachen«

Teil 152 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Ein Brüllaffe in Palenque
Komisch, diese Touristen...
Foto: W-J.Langbein
Die letzte Touristengruppe strebt hastigen Schritts dem Ausgang zu. »Und wann besichtigen wir endlich Palenque?« nörgelt jemand mit näselnder Stimme. Genervt antwortet der Guide: »Wir sind hier in Palenque ...« Nach kurzer Pause ist wieder der unzufriedene Reisende zu hören: »Aha. Und morgen fliegen wir dann endlich nach Mexiko?« Der gestresste Guide antwortet: »Nein. Wir sind seit einer Woche in Mexiko. Morgen fliegen wir nach Guatemala!«

Der Nörgler beschwert sich über das Reiseprogramm: »Und warum steht Lima nicht auf dem Programm, wenn wir dann schon mal in Guatemala sind?« Die Antwort des Guide höre ich kaum noch: »Weil Lima in Peru und nicht in Guatemala liegt. Peru gehört zu Südamerika, wir aber ...«

Es wird rasch dunkel in Palenque. Die Dämmerung bricht herein, die Touristen fahren ab. Und plötzlich melden sich die Brüllaffen zu Wort. Es kommt mir so vor, als würden sie miteinander kommunizieren. »Hier sind keine mehr von diesen kranken Nacktaffen!« - »Endlich! Es sind bemitleidenswerte Kreaturen!« - »Ja, schon! Aber hoffentlich ist ihr Fellausfall nicht ansteckend!« Ob wir einige dieser Vertreter der Familie alouatta caraya zu sehen bekommen?

Leise gehen wir in den rasch dichter werdenden Wald unweit des Tempels der Inschriften. Etwas raschelt über uns. Ein Männchen, erkennbar an der schwärzlichen Färbung, schwingt sich von Ast zu Ast. Sein kräftiger Schwanz dient als zusätzliches Greiforgan. Kaum dass der Bursche – etwa einen halben Meter groß – bemerkt, dass wir ihn beobachten, verharrt er in seiner Bewegung. Aus der Ferne machen sich einige seiner Artgenossen bemerkbar. »Unser« Affe beobachtet uns nur, dann klettert er gemächlich seinen Baum empor, bis er im Dunkel der Krone nicht mehr auszumachen ist.

Der Brüllaffe zieht sich zurück
Foto: Ingeborg Diekmann
Brüllaffen halten sich meist in Bäumen auf, wo sie in kleinen Gruppen von meist zehn bis zwanzig Tieren leben. Gelegentlich wagen sie sich bei der Nahrungssuche auf den Boden. Ihre »Kollegen«, die Nasenbären, leben am Rand von Wüsten ebenso wie im Urwald. Auch wenn sie mit sprichwörtlicher affenartiger Geschwindigkeit Bäume erklimmen können, so gehören sie doch zur Gattung der procyonidae, der Kleinbären.

Man trifft sie in Scharen in den Ruinen von Tikal, Honduras, an ... wo sie sich an uns Touristen gewöhnt haben. So possierlich die kleinen Tierchen auch sind ... Vorsicht ist vor ihren scharfen Klauen geboten. Irgendwann haben Nasenbären in Tikal erkannt, dass diese seltsamen Menschen nicht nur steinerne Ruinen bestaunen, sondern auch ein Herz für Nasenbären haben. Wenn wir Menschen unserer Meinung nach genug zwischen Ruinen herumgewandert sind und alle erreichbaren Pyramiden erklommen haben ... dann wird Rast gemacht. Mensch setzt sich dann in den Schatten eines Baumes und verzehrt mitgebrachte Lunchpakete. Örtliche Kleinstunternehmer bieten koffeinhaltige Brause an, die von uns Besuchern aus der Fremde gern erworben und getrunken wird.

Ich rieche Cola ...
Foto: W-J.Langbein
Vor Jahren nun, so wird erzählt, saß ein Amerikaner bei Sandwich und Cola, als sich ihm ein Nasenbär näherte. Der Amerikaner soll aufgesprungen und in Panik ausgerissen sein. Dabei, so heißt es, sei seine Cola-Flasche umgefallen und ausgelaufen. Der ob seiner Wirkung auf den ängstlichen Mann aus den Staaten nicht sonderlich beeindruckte Nasenbär schnüffelte seine Beute ab ... das Sandwich und das auslaufende Cola. Genüsslich schlabberte das possierliche Tierchen die braune Flüssigkeit. Das wiederum beobachteten weitere Nasenbären ... und schon soll es zu einem Streit um das verschüttete Cola gekommen sein.

Das wiederum soll den Amerikaner geradezu gerührt haben. Wie schön, dass diese kleinen Tierchen das amerikanische Nationalgetränk so zu schätzen wussten. Vorsichtig näherte er sich wieder seinem Rastplatz, holte aus seinem Rucksack mehrere Colaflaschen heraus und spendierte das süße Getränk der immer größer werdenden Nasenbärenhorde.

Ob diese Überlieferung der Wahrheit entspricht, das weiß ich nicht. Ich konnte mich aber davon überzeugen, dass die Nasenbären in den Ruinen von Tikal geradezu süchtig sind auf Cola. Die Kleinstunternehmer vor Ort können gar nicht schnell genug Cola heranschaffen, so wie es ihnen von den Besuchern förmlich aus den Händen gerissen wird.

Her mit dem Cola!
Foto: W-J.Langbein
Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass bei meinem Besuch die Nasenbären von Tikal ausschließlich Pepsi angeboten bekamen ... und genüsslich konsumierten. Einen Vergleichstest mit Coca Cola konnte ich leider nicht durchführen.

Und wir Besucher freuen uns riesig darüber, wie sich die Nasenbären in großer Zahl nähern und genüsslich besagtes Getränk gleich aus der dargereichten Flasche trinken. Auf diese Weise fördern sie ganz erheblich den Umsatz der örtlichen Kleinstunternehmer.

Ich habe es selbst erlebt: Wasser, Fruchtsaft und Brause wurde von den Nasenbären empört abgelehnt, Cola aber begierig getrunken. Es kam gelegentlich zu Zweikämpfen, wenn nicht rasch genug Flaschen geöffnet wurden. Unser Guide erklärte uns, es sei das Coca in der Cola, was die Nasenbären so verrückt nach der braunen Brause machen würde.

Na endlich!
Foto: Ingeborg Diekmann
Von Brüllaffen über Nasenbären ... zu leibhaftigen Drachen! Von Mexiko über Guatemala nach Copan (Honduras). In den faszinierenden Ruinen von Copan fielen mir zwischen kunstvollen Stelen in Stein gehauene ... Drachen auf! Diese kuriosen Darstellungen werden meist von Besuchern übersehen, die nach Pyramiden Ausschau halten. Und doch gibt es sie, die kleinen Skulpturen dieser uns Europäern nur noch aus Märchen bekannten Wesen. Glotzäugig starren sie offenbar ihre Beute an, die sie wohl gleich mit brachialer Gewalt zerreißen und dann gierig verschlingen wollen.

Wer oder was aber stand der Maya-Künstlern Modell ... Drachen etwa? Das scheint mir unwahrscheinlich zu sein! Welches Drachenmonster harrt denn schon geduldig aus, bis es von einem Künstler als Zeichnung oder gar als Skulptur verewigt worden ist? Vor allem: Welcher Künstler begibt sich freiwillig in die Gefahr, bei Ausübung seines Berufs einem Monster zum Opfer zu fallen?

Drachen aus Stein - Fotos: W-J.Langbein
Des Rätsels Lösung ... Die Drachen hat es wirklich gegeben! Sie wurden von Maya-Künstlern tatsächlich porträtiert. Es waren aber keine Kreaturen von Riesendinosaurierwuchs, sondern wesentlich kleinere Tiere! Ich bin davon überzeugt, dass es sich bei den »Drachen« um Leguane handelte. Der Leguan spielt in der Mythologie der Mayas eine wesentliche Rolle!

Der Kosmos der Mayas hatte drei Ebenen: Die unterste Ebene war die Unterwelt, bestehend aus neun »Etagen«. Hier soll es einst zu einem wahrhaft höllischen Ballspiel gekommen sein. Das Wurzelwerk des Ceiba-Baums steht für dieses unterirdische Reich. Die mittlere Welt wird von uns Menschen und den Tieren und Pflanzen bevölkert. Der mächtige Stamm des Ceiba-Baumes wird in der Maya-Kosmologie mit unserem Lebensraum verglichen.

Der Himmel schließlich, der von den mächtigen Ästen des Ceiba-Baumes getragen wird, ist viel mehr als nur der hohe Luftraum über unseren Köpfen. Dort hausen und herrschen Götter wie Kukulcán alias Quetzalcoatl, Herr der Winde, aber auch der Medizin. Für die Medizin war auch Mondgöttin Ix-Chel zuständig, eine alte Fruchtbarkeitsgöttin. Zugleich war sie die himmlische Repräsentantin der Webkunst.

Ein grüner Leguan in Copan
Foto: W-J.Langbein
Auch Chac war im Himmel angesiedelt. Auch er war ein Gott der Fruchtbarkeit, spendete dem Land den lebenswichtigen Regen. Er schleuderte aber – wie Thor – Blitze vom Firmament.

Itzamná, männlicher Partner der Mondgöttin Ix-Chel, muss von den Mayas als ein besonders hoch stehender Gott angesehen worden sein. Itzamná trug auch den Namen »Leguan-Haus«. Verwundert es da, wenn die Mayas in Copan Leguane in Stein verewigten?

Anmerkung des Verfassers: Anlässlich des für den 21. Dezember 2012 prophezeiten Weltuntergangs wird sich Folge 153 mit dieser Thematik auseinandersetzen – am 23.12. 2012. Sollte die Welt allerdings tatsächlich bereits am 21. Dezember 2012 untergehen, wird Teil 153 meiner Serie nicht mehr erscheinen. Ich bitte um Verständnis! Für den Fall der Apokalypse verabschiede ich mich dann bei allen Leserinnen und Lesern. Sollte – wie so oft geschehen – der Weltuntergang wieder ausbleiben ... dann wird meine Serie am 23.12.2012 fortgesetzt!

»21.12.2012«,
Teil 153 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 23.12.2012


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Sonntag, 21. November 2010

44 »Luzifer der Südsee«

Teil 44 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Es war ein ruhiger Herbstabend in den direkt am Karibikstrand gelegenen Ruinen von Tulum. Die Busse der Touristen waren abgefahren, die mysteriöse Anlage von Tulum war fast menschenleer... Ich kam mit einem amerikanischen Geistlichen ins Gespräch. Seine Vorfahren, bettelarme Weber aus Sachsen, hatten verzweifelt die Heimat verlassen und waren nach Michigan ausgewandert. Dort lebte er in einer kleinen dörflichen Gemeinde am Michigansee... als Geistlicher.

Gab es an Mexikos Karibikküste einst ein ›Babylon‹
wie in der Bibel? Foto: Walter-Jörg Langbein
»Es sind die Trümmer Babylons!« fauchte der ältliche Geistliche und machte mit beiden Armen weit ausladende Bewegungen. »Hier versuchten die Menschen ihren sündhaften Turm zu bauen...« Mit zitternden Fingern holte er eine zerfledderte Bibel aus seinem verschwitzten Jackett und zitierte Kapitel 11 des Buches Genesis:

»Es hatte aber alle Welt einerlei Zunge und Sprache. Da sie nun zogen gen Morgen, fanden sie ein ebenes Land im Lande Sinear, und wohnten daselbst. Und sie sprachen untereinander: Wohlauf, laß uns Ziegel streichen und brennen! und nahmen Ziegel zu Stein und Erdharz zu Kalk und sprachen: ›Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, des Spitze bis an den Himmel reiche, dass wir uns einen Namen machen, denn wir werden sonst zerstreut in alle Länder!‹«

Meine heftigen Zweifel ließ der sich in Rage redende Gottesmann nicht gelten. Der Turm zu Babel, so warf ich ein, stand doch in biblischen Landen... und nicht im mexikanischen Tulum. Wütend ergriff mich der Gottesmann und führte mich zu den Resten des babylonischen Turms zu Tulum.

Der ›babylonische Turm‹ von Tulum?
Foto: Walter-Jörg Langbein
»Diese Treppenstufen stiegen einst die Menschen empor... zu sündigem Treiben hoch oben im satanischen Tempel!« schrie der Geistliche. Wieder zitierte er wutschnaubend aus dem Kapitel 11 des Ersten Buch Mose: »Da fuhr der Herr hernieder, dass er sähe die Stadt und den Turm, die die Menschenkinder bauten.« Gott zerstörte den Turm und verwirrte die Menschen, heißt es in der Bibel. Sie verstanden einander nicht mehr, redeten nicht mehr in einer gemeinsamen, sondern in vielen Sprachen.

Die von der Bibel angebotene sprachliche Erklärung ist allerdings vollkommen falsch: Babel hat mit dem hebräischen »balal«, zu Deutsch »verwirren« nichts zu tun. Der Name Babel verweist auf eine recht unbiblische Geschichte. »Babel« leitet sich eindeutig vom Babylonisch-Sumerischen »bab-ili« her. »Bab-ili« heißt zu Deutsch »Tor der Götter«. Das reale Vorbild für den biblischen Bericht vom Turmbau zu Babel ist der babylonische Zikurrat. Zikkurats waren mehrstufige Türme. Ähnlich wie die ältesten Pyramiden dienten sie vermutlich als Ersatz für heilige Berge. Wer die höchsten Gipfel der Berge erklomm, der fühlte sich den kosmischen Göttern näher.

Rund zwei Jahrtausende vor Christus entstand das reale Vorbild für den biblischen Turm, der »Etemenanki«. Er ragte in Babylon direkt beim Tempel des Gottes Marduk hoch in den Himmel. Ganz oben gab es einen Tempel. In diesem Gotteshaus wurde die »Heilige Hochzeit« zelebriert.

Die Priesterin erklomm den Turm gen Himmel, die »Gottheit« kam vom Himmel herab und wartete im Heiligtum auf seine Partnerin. Gemeinsam zelebrierten sie dann die »Heilige Hochzeit« im Tempel.

Allerdings war es nicht der leibhaftige Gott selbst, der ins Brautgemach kam, sondern ein Stellvertreter. Babylonische Städte waren Stadtstaaten, die von einem Priesterkönig geleitet wurden. Der Priesterkönig und die Oberpriesterin vollzogen die »heilige Hochzeit«. Zwei Menschen aus Fleisch und Blut schlüpften in die Rolle von Göttern. Aus Sicht der Jahwepriester war das Blasphemie: Menschen, die sich für die Zeit des Rituals als Götter fühlten. Wenn das keine Gotteslästerung war! Es durfte nur einen Gott, nämlich Jahwe, geben! Und kein Mensch durfte sich wie ein Gott aufführen!

Der Turm zu Babel in seinem Umfeld. Rekonstruktion.
Foto: Archiv Langbein
Die »Heilige Hochzeit« gehörte schon vor vielen Jahrtausenden zum Jahreswechsel wie heutige Sylvesterfeiern mit Sekt und Feuerwerk. Der heilige Sex – Hurerei in den Augen der frommern Jahwe-Anhänger – sollte für ein weiteres Jahr Fruchtbarkeit gewähren: für Land und Leute. Mensch und Tier sollten sich weiter fortpflanzen können und ausreichend Nachwuchs haben. Mutter Erde sollte wieder genügend Nahrung für Mensch und Tier hervorbringen. Das ewige Rad des Lebens sollte sich wieder ein Jahr lang weiter drehen.

Dieser heilige Ritus wurde nicht in Babylon »erfunden«. Er wurde wohl schon Jahrtausende früher importiert und zelebriert: auf heiligen Bergen, deren hohe Gipfel dem Himmel näher waren als der Erde. Die Stufenpyramiden im babylonisch-assyrischen Bereich dürften Nachbildungen der heiligen Berge gewesen sein, errichtet von den Nachkommen der einstigen Ahnen, die aus einem bergreichen Land nach Babylon kamen.

Im heiligen Gemach des Tempels auf dem »Turm zu Babel« feierten der Priesterkönig und die Oberpriesterin das Ritual der »Heiligen Hochzeit«: der Priesterkönig in Vertretung von Gott Marduk, die Oberpriesterin für die Göttin Ischtar. Sollte es weltweit so etwas wie einen Urkult gegeben haben... von einem herabsteigenden Gott?

Gab es weltweit herabsteigende
Götter .. wie in Tulum?
Foto: Walter-Jörg Langbein
Wütend stapfte der empörte Geistliche davon. So abstrus seine Behauptungen auch zu sein schienen.. kann es nicht sein, dass sich in Tulum etwas Ähnliches abspielte? Wurde in sakralen Räumen von Tulum so etwas wie die »heilige Hochzeit« zelebriert.. zwischen dem mächtigen »herabsteigenden Gott« und der Göttin des Lebens Ix-Chel? Wurden im »Ur-Tulum«... lange bevor die Mayas kamen... ein uralter Ritus zelebriert, der das Fortbestehen des Lebens auf Planet Erde gewähren sollte?

Wie sich die Bilder gleichen... Beginnen wir mit der Bibel: Bei Jesaja (1) heißt es über den Sturz des Königs von Babylon: »Wie bist du vom Himmel gefallen, du schöner Morgenstern!« Jesus sagte nach Lukas (2): »Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz.« Die biblische Tradition machte aus dem König von Babylon und dem Teufel, der vom Himmel stürzte... den Oberteufel Satan. In Tulum begegnet uns immer wieder plastisch dargestellt der »herabstürzende Gott«, der auch als »Abendstern« und »Blitz« gedeutet wird. In den Augen der christlichen Geistlichkeit war der »herabsteigende Gott« von Tulum der böse Luzifer.


Ein herabsteigender Luzifer von Tulum?
Foto: Ingeborg Diekmann
Wurde in Tulum ein Kult zelebriert, in dessen Mittelpunkt ein »herabsteigender Gott« stand... ein Kult, der den Fortbestand des Lebens auf Planet Erde gewährleisten sollte?

Wir wissen wenig über Tulum. Wo Wissen fehlt, wird auch von Wissenschaftlern viel spekuliert. Schriftliche Dokumente der Mayas mag es einst gegeben haben. Sie können uns keine Auskunft mehr über Tulum erteilen, wurden doch die Codices der Mayas von der katholischen Geistlichkeit gezielt gesucht und verbrannt. Stumm sind die Gemäuer von Tulum. Die Stuckskulpturen der herabsteigenden Götter sind oft übel zugerichtet und hüten uralte Geheimnisse. Werden wir sie jemals verstehen?

Wenn man aufpasst, dann kann man in Tulum dann und wann eine Begegnung beobachten... zwischen einem herabsteigenden Gott und einer Schwalbe, der Stellvertreterin der Göttin...zwischen dem Luzifer der Südsee und der Göttin....

Eine Schwalbe der Göttin und ein
herabsteigender Gott ... in Tulum.
Foto Ingeborg Diekmann
Fußnoten:(1) Der Prophet Jesaja Kapitel 14, Vers 12
(2) Das Evangelium nach Lukas Kapitel 10, Vers 18

Ich danke Frau Ingeborg Diekmann für die schönen Fotos!


»Das Geheimnis der Maria von Guadalupe«,
Teil 45 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 28.11.2010

Sonntag, 14. November 2010

43 »Tulum - Tempel im Paradies«

Teil 43 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«,
von Walter-Jörg Langbein

Tulum - Mayafestung in der Karibik
Foto: Ingeborg Diekmann, Bremen
Nirgendwo habe ich das Meer so paradiesisch blau, den Sandstrand so weiß und den Nachthimmel so sternenklar gesehen wie hier. Nirgendwo laden rätselhafte Gemäuer mit geheimnisvollen Darstellungen von Göttern so zum Nachdenken ein wie hier. Nirgendwo in der realen Welt der sieben Meere fühlt man sich so sehr in die Filmkulissen der fantastischen Welt vom »Fluch der Karibik« wie hier. Kapitän Jack Sparrow könnte jeden Moment mit seiner Mannschaft landen... so scheint es... und versuchen, die steilen Klippen zu überwinden. Wird die steinerne Festung erobert werden können?

Am 4. März des Jahres 1517 sichteten hier Francisco Hernandez de Cordoba und seine Spießgesellen, die den übelsten Piraten der Karibik an Grausamkeit gewiss nicht nachstanden, nach langer Seefahrt Land. Am 4. März gingen die Spanier an Land... und wurden von den mexikanischen Indios kriegerisch empfangen. Ein Hagel von Pfeilen und Speeren prasselte auf die fremden Eindringlinge nieder. Die Spanier aber verfügten über Feuerwaffen. Baumwollpanzer und hölzerne Schilde taugten da nicht als Schutz. Fünfzehn mexikanische Indios wurden erschossen, zwei gefangen genommen. Die Spanier nahmen die geheimnisvolle Stadt auf den Klippen ohne weitere Probleme ein. Sie staunten über die »großen Häuser aus Stein und Kalk«. Sie nannten die alte Festung »das große Kairo«.

Stadt der Morgenröte
Foto Walter-Jörg Langbein
»Tulum«, die Festung, hieß einst »Zama«, »Stadt der Morgenröte«. Wann mag sie gegründet worden sein? In uralten Zeiten war Zama so etwas wie eine Pilgerstadt. Von hier aus traten die Anhänger der Göttin Ix-Chel die letzte Etappe ihrer Reise an: zur Insel Cozumel, um dort zur Göttin zu beten. Ix-Chel scheint eine der Urgöttinnen aus der Zeit des Matriarchats gewesen zu sein.... Sie war eine Fruchtbarkeitsgöttin, zuständig für Aussaat und Ernte, Leben und Tod. Ix-Chel war Erd- und Mondgöttin... wie so viele ihrer Vorgängerinnen überall auf der Welt. Ix-Chel schenkte den Menschen die Heilkunst, plagte sie aber auch mit Krankheiten.

Ix-Chel, auch »Göttin des Werdens« genannt, wurde mit der Schlange in Verbindung gebracht. Sollten Götter wie Kukulkan die Schlange der Göttin übernommen haben? Wurde Ix-Chel nur auf dem Eiland Cozumel verehrt, oder auch in Tulum. Wir wissen es nicht. Fest steht: »Tulum« bedeutet so viel wie »Festung« oder »Verschanzung«. Der Name ist mehr als passend: Tulum war einst von einer fast sieben Hundert Meter langen, vier Meter hohen und drei Meter dicken Mauer umschlossen. Nur zum Meer hin war sie offen. Doch unmittelbar hinter dem stolzen »Kastell« fällt eine steinerne Klippe steil zum Meer ab.

Die einst stolze Stadtmauer ist nur noch
zum Teil erhalten. Foto: Walter-Jörg Langbein
Zu meinem Befremden erkennt ein weit verbreiteter Reiseführer (1) in Tulum, deren Ruinen durch schlichte Schönheit bestechen, eine von »Dekadenz geprägte Architektur«. Dekadent, so will mir scheinen, sind eher Touristenhorden. Die immer wieder in die majestätische Ruinenstadt einfallen. Die Rede ist vorwiegend von amerikanischen Pauschaltouristen, die besonders preiswerte Touren von den USA aus unternehmen... mit »All you can eat and drink«-Angeboten! So viel essen und trinken wie man will, und das zu einem günstigen Pauschalpreis... das lockt nicht unbedingt nur Menschen an, die sich für die altehrwürdigen Ruinen von Tulum interessieren.

Tulum, der Tempel im Paradies, wird von Experten als »postklassisch« eingestuft. Die »dekadente Architektur« (was immer das sein mag) weise, so heißt es, auf das 12. oder 13. Jahrhundert hin. Auf einer Stele wurde allerdings das Datum 564 entdeckt. Stammt also Tulum schon aus dem sechsten Jahrhundert? Kritiker wenden ein, besagte Stele sei von den Mayas aus einer älteren Siedlung nach Tulum geschafft worden. Wann auch immer die Besiedlung durch die Mayas erfolgte... wann entstand das ursprüngliche Tulum, als Pendant zur Insel der Göttin?

Dekadente Architektur?
Foto: Walter-Jörg Langbein
Vor zwei Jahrtausenden siedelten die erste Mayas auf Cozumel. In der klassischen Periode (300 bis 900 n.Chr.) war die Insel so etwas wie das Mekka der Mayas. Die gläubige Maya-Frau absolvierte mindestens einmal im Leben eine Pilgerreise zur Göttin. Millionen von Maya-Frauen sollen im Verlauf der Jahrhunderte nach Cozumel gekommen sein.... bis Hernan Cortes anno 1519 auftauchte und die Maya-Kultur zerstörte. Allerdings werden auch heute noch auf Cozumel, der einst heiligen Insel der Schwalben – der Göttin kleine Opfergaben dargeboten, der christlichen Geistlichkeit zum Verdruss!

In der »weißen Mayastadt« Tulum finden sich keine sichtbaren Hinweise mehr auf die Göttin, wohl aber auf einen mysteriösen Gott. Wir kennen seinen Namen nicht mehr. In der Mythologie der Mayas wird er als »herabstürzender Gott« oder »herabsteigender Gott« umschrieben. War damit »Ah Mucen Cab« gemeint, der göttliche »Honigsammler«? »Ah Muzencab«, wie das mächtige himmlische Wesen auch genannt wurde, war in der Mythenwelt der Mayas ein Bienengott. Und in den heiligen Überlieferungen der Mayas war er ein »herabstürzender Gott«. Die »Chilam Balam«-Bücher preisen ihn als einen der Weltschöpfer. Einer der Tempel von Tulum war ihm geweiht... dem »herabstürzenden Gott«.

Tempel des herabsteigenden Gottes
Es mutet kurios an: Ein mächtiger Gott... als »Honigsammler«? In der Maya-Sprache bedeutet das Wirt »Honig« zugleich auch »Welt«. War dann der göttliche »Honigsammler« ein mächtiger, kosmischer Weltensammler? Wie auch immer: Offenbar stiegen in der Glaubenswelt der Mayas Götter vom Himmel herab... Im »Tempel im Paradies« wurden sie verehrt, diese kosmischen Wesen. Man findet sie immer wieder in Tulum. Die Abbildungen ähneln einander sehr: Immer wird die Gottheit mit dem Kopf nach unten und gespreizten Beinen nach oben dargestellt.

Mit einiger Fantasie erkennt man einen »Vogelschwanz« und »Flügel« an den Armen...

Das zentrale Gebäude von Tulum, der »Templo de los Frescos« (der »Freskentempel«) hat an zentraler Stelle die beschädigten Reste eines solchen Gottes aufzuweisen... Auch am »Castillo« wurde er in Stuck verewigt... der »herabstürzende Gott«. War es ein Gott... oder gehörten mehrere Gottheiten der geheimnisvollen Gruppe der Himmlischen an, die zur Erde herabkamen?

Einer der herabsteigenden Götter von Tulum
Foto: Ingeborg Diekmann
Fußnote
(1) »Knaurs Kulturführer in Farbe/ Mittelamerika/ Die Welt der Maya«, Lizenzausgabe München 1996, S. 293





»Luzifer der Südsee«,
Teil 44 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 21.11.2010

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