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Montag, 19. August 2013

Fido Buchwichtel und das große NATIONAL GEOGRAPHIC Buch

Hallo liebe Leute!

Hier bin ich wieder
Fido Buchwichtel
mit dem 
Bestseller der Woche
aus dem Wichtelland.

Der heutige Bestseller der Woche ist schon lange überfällig, Asche auf mein Haupt. Aber ich kann begründen, warum ich erst jetzt mit einem wunderschönen Buch aus meinem Wichtelland zu Euch Menschen komme. Das Buch trägt ja schon im Titel das Wort »groß«. Und das ist es auch. Viel zu groß für einen einzelnen und kleinen Wichtel wie mich.


Das große NATIONAL GEOGRAPHIC Buch ist ja ein Jubiläumsband. 125 Jahre sind in Bildern, Abenteuer und Entdeckungen, die die Welt veränderten, festgehalten. Da kommen viele Seiten zusammen, die dieses Buch nicht nur groß, sondern auch schwer machen. Viel zu schwer, als dass ein einzelner Wichtel dieses Werk stemmen kann. So haben wir es seit Anfang des Jahres gut gehütet. Jetzt, wo das Wetter es zugelassen hat, und auch die Wichtelkinder Ferien haben, konnten wir es aus dem sicheren Versteck holen.


Mit vereinten Kräften, alle Wichtel haben angepackt, wurde das Buch zu unserem Marktplatz im Wichteldorf geschleppt. Zwei starker Wichtelinnen bedurfte es, um die einzelnen Seiten umzuschlagen. Wir haben uns abgelöst. Die Mühe hat sich gelohnt. 

Das Buch ist aufgeteilt. Zuerst kommt ein Vorwort. Alles fing damit an, dass ein Mensch mit Namen Greene Hubbard im Jahr 1888 eine Gruppe von staatlichen Forschern zusammengerufen und mit ihnen eine Gesellschaft zur »Förderung und Verbreitung geographischen Wissens« gegründet hatte. Passiert ist das im fernen Amerika. Dort, in der Stadt Washington, ist noch heute der Hauptsitz der Gesellschaft.

Es folgt ein sogenannter Prolog, der den Zeitraum von der Gründung bis ins Jahr 1899 beschreibt. Die besten Kartografen der Vereinigten Staaten gehörten zu den Gründungsmitgliedern der National Geographic Society. Es waren Landvermesser, die unter schwierigsten Bedingungen ihr Land erforschten und vermaßen. So konnten wir alte Karten betrachten, aber auch alte Fotos aus dieser Zeit sehen.



Es folgt die Zeit von 1900 bis 1919. Bilder aus Japan und aus China sind zu sehen. Und das Bild eines verwegenen Menschen. Es ist Robert E. Peary und es zeigt ihn in seiner Polarausrüstung. Wobei es wohl nicht ganz klar ist, ob er und seine Gefährten 1909 den Nordpol erreichten oder nicht. Das spielte auch keine Rolle, denn sie kamen ihrem Ziel näher als irgendjemand vor ihnen. Und wir Wichtel haben dafür einen Ausspruch: der Weg ist das Ziel!



Das nächste Kapitel ist dem Zeitraum 1920 bis 1956 gewidmet. Dann folgt 1957 bis 1969. Das Bild zeigt Jane Goodall mit einem Schimpansenbaby. Es ist im Jahr 1964 in Tansania aufgenommen worden. Ein Ausspruch von Jane Goodall hat uns Wichtel zutiefst berührt: »Kann es verwundern, dass ich hier glücklich bin? Es ist das Afrika meiner Kindheitsträume, und ich habe die Chance, Dinge herauszufinden, die vorher völlig unbekannt waren.«

1970 bis 1996. Im Dezember 1985 vermerkt Robert D. Ballard, als er das Wrack der Titanic entdeckte: »Ich traue meinen Augen nicht. In 3800 Meter unter dem Meeresspiegel taucht ein großes Schiff in gespenstischer Detailgenauigkeit auf.« Emory Kristof fotografierte den Bug der Titanic im Licht des russischen Tauchbootes »Mir I« im Nordatlantik 1991. 

Kapitel fünf beschreibt die Zeit von 1997 bis 2013. Auch hier warten unzählige Bilder darauf, bestaunt zu werden. Spannende Textbeiträge wollen gelesen werden. Es ist ein wunderbares Buch, dass ich Euch, liebe Menschen, aus voller Überzeugung in die Hände legen möchte. Das kann ein einzelner Mensch durchaus leisten, wofür wir Wichtel die Kraft des ganzen Dorfes benötigten.

Artig bedanken möchte ich mich für die Bilder. Copyright: National Geographic Society

Kaufen! Lesen! Weiterempfehlen! Der Bestseller der Woche aus dem Wichtelland.

Eine gute Zeit und

winke winke Euer

Fido Buchwichtel

Nicht vergessen:
»Der Mörder und der Kinderschänder«
Ein Münsterland-Kriminalroman, der auf wahren Begebenheiten basiert.
Bei diesem Werk handelt es sich um einen Kriminalroman. Etwaige Ähnlichkeiten oder Namensgleichheit mit real existierenden Menschen wären rein zufällig. Alle beschriebenen Handlungen sind an die Realität angelehnt.

Unter dem Pseudonym - Tuna von Blumenstein - hat die Autorin fünf Kriminalromane veröffentlicht:

»Der Mörder und der Kinderschänder« 2025
 
ISBN: 9783769325911
Im Buchhandel erhältlich
 
Bei Thalia
und
Krimis der Tuna vB auch als eBook

Sonntag, 24. Februar 2013

162 »Alle Straßen führen nach Cobá«, Teil I

Von Tempeln, Pyramiden und Krokodilen
Teil 162 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Plan von Cobá
Foto: Archiv Langbein
Nach herrlichen Stunden am Karibik-Strand ging's mit dem Jeep teils auf morastigen Hilfsstraßen, teils auf der vorzüglichen Schnellstraße Tulum – Valladolid nach Cobá in Quintana Roo, Yucatán. Nach einigen Stunden machte sich im Dörfchen Cobá langsam mein rapide gedeihender Sonnenbrand bemerkbar. Es war heiß, die Luftfeuchtigkeit ließ an einen Aufguss in der Sauna denken ... und die gewaltige Ausdehnung der einstigen Maya-Metropole Cobá raubte mir förmlich den Atem. Per Jeep fuhren wir einen Teil der vermuteten Außengrenze von Cobá ab.

»Wie groß Cobá wirklich war ... wir wissen es nicht!« erklärte mir stolz unser Guide. »Vielleicht waren es fünfzig, vielleicht 100 Quadratkilometer!« Nach klassischer Lehrmeinung wurde rund drei Jahrhunderte an der Riesenstadt Cobá gebaut. Groß, wie Cobá war, mussten mehrere Ballspielplätze angelegt werden. Seit zwanzig Jahren wurden, so finanzielle Mittel flossen, kleinere Ausgrabungen durchgeführt. Maria José Con konzentrierte sich dabei auch auf die Ballspielplätze. Bis heute konnte erst ein kleiner Bruchteil der Ruinen untersucht werden.

»Es fehlt am Geld!« schimpft unser Guide. »Und die wirklich wissenden Nachfahren der Maya hegen ein gesundes Misstrauen den Nachkommen der Eroberer gegenüber!« So gibt es Cenotes in Reichweite von Cobá, wie in Chichen Itza. Diese Löcher im Kalkstein dienten den Mayas als Wasserreservoire.« Manche dieser Schlünde (die meisten?) stürzten ein, manche wurden vermutlich von Menschenhand angelegt. »Der Kalkstein würde das Wasser in den Cenotes rasch abfließen, versickern lassen. Lehmschichten verhindern das Abfließen. Und so führen die meisten der Cenotes mehr oder minder ständig Wasser!«

Cenote von Chichen Itza - Foto: Walter-Jörg Langbein
Für die Mayas waren Cenotes freilich nicht nur Löcher im Boden, die sich mit Wasser füllten. Sie sahen in ihnen (in einigen?) Eingänge zur Unterwelt. Unser Guide: »Für die Mayas waren Himmel, Erde und Unterwelt nicht getrennte Bereiche. Das Leben stieg aus der ›Unterwelt‹ empor, um wieder in die ›Unterwelt‹ zu steigen ... und um wieder zurückzukehren!« Ein Teilnehmer unserer Miniexpedition lachte bei dieser Bemerkung: »Heidnischer Aberglaube! Lächerlich!« Ernst fragte unser Guide zurück: »Glaubt der fromme Christ nicht auch, dass Jesus nach seiner Auferstehung in die Hölle fuhr, um nach drei Tagen wieder ins Reich der Lebenden zurückzukehren?« Besserwisserisch meine der hochnäsige Teilnehmer erneut widersprechen zu müssen: »Jesus weilte nicht drei Tage im Reich der Toten! Er kehrte schon am dritten Tage zurück ...« Unser Guide ging auf diese wenig hilfreiche Anmerkung nicht ein. Denn ob nun Jesus nach zweieinviertel oder zweidreiviertel Tagen den Höllenschlund verließ, ändert nichts an der Tatsache, dass auch das Christentum an ein Totenreich glaubt, in das man hinabsteigen, das man aber auch wieder verlassen kann.

Eine lehmige Schicht dichtet die Cenotes zum porösen Kalkgestein ab. In diesen, im Lauf der vielen Jahrhunderte gewachsenen Schichten, werden kostbarste Schätze vermutet.

Unser Guide: »Um die Götter der Unterwelt zu besänftigen, wurden ihnen kostbare Gaben geschenkt. Wunderbare Artefakte aus Gold wurden in Cenotes geworfen, als Opfer für Götter! Sie sanken auf den Grund ... und verschwanden nach und nach im Schlamm!«
Es ist zu vermuten, dass im Schlamm mancher Cenote noch erhebliche Goldschätze zu finden sind. Es genügt aber nicht, Cenotes durch Taucher erforschen zu lassen. Man müsste mit erheblichem Aufwand meterdicke Schlammschichten abpumpen und sieben.

Taucher erforschen einen Cenote bei Tulum - Foto: nru

Mit Prof. Hans Schindler-Bellamy (1901-1982), Wien, hatte ich wiederholt ausführliche Gespräche ... auch über die Mayas, auch über Cobá. Der sympathische Gelehrte skizzierte ein fremdes Weltbild für mich. Demnach gab es in Vor-Maya-Zeiten den Glauben an die Muttergöttin, die als Herrin über Werden des Lebens, Wachsen und Gedeihen, Sterben und neuerlicher Geburt des Lebens bestimmte. Als »Leben« wurden Pflanzen, Tiere und Menschen angesehen. Alles Leben kam aus der Urmutter, der Urgöttin, die – wie im »Alten Testament« Eva – alles Lebende gebar. Der Göttin wurde geopfert, um sie milde, um sie gnädig zu stimmen. Dann gab es keine Unterbrechung im Kreislauf des Lebens. Dann folgte auf den Tod (Absterben der Natur in der Trockenzeit) das neuerliche Aufblühen in der Regenzeit.

Cenotes waren so etwas wie natürliche Zugänge zur Unterwelt ... Berge und Vulkankegel wurden als »Treppen« in himmlische Gefilde angesehen. Gab es diesen Glauben weltweit? Türme (Bibel: Turmbau zu Babel!) wie Pyramiden gab es weltweit als sakrale Bauten ... als Treppen in den Himmel, als Wege zu den Göttern. Und so gab es natürlich auch in Cobá gewaltige steile Pyramiden, auf denen – in kleinen Tempelchen – den Göttern geopfert wurde.

Eine der kleineren Pyramiden von Cobá - Foto: Walter-Jörg Langbein

Wichtige Zentren in Cobá waren untereinander durch sorgsam angelegte und gepflasterte Straßen verbunden. Sorgsam hat man nivelliert. Es wurden sogar Dämme angelegt, auf denen Straßen geführt wurden. Offenbar wollte man möglichst ein gleichbleibendes Niveau erreichen. Sollten die Straßen also mehr gewesen sein als einfache Verbindungen? Waren es mehr als Wege, auf denen Waren transportiert wurden? Viele Fragen konnten bis heute nicht beantwortet werden. So gibt es auf dem riesigen Areal von Cobá bis zu 10.000 (zehntausend!) Strukturen. Welchem Zweck sie dienten? Bei vielen Bauten, von denen nicht selten nur Mauerreste oder auch nur Steinhaufen erhalten sind, wissen wir das nicht.

Schnell wird eine nur noch als Grundriss zu erkennende Struktur zum Tempel, schnell wird eine unter einem natürlich wirkenden Hügel als künstliches Gebäude kaum noch zu erkennende Pyramide zum Heiligtum und eine mehrstufige Terrasse zum Tempel. Einigkeit scheint weitestgehend darin zu bestehen, dass Cobá von immanenter Bedeutung als religiöses Zentrum war. Aber war Cobá nach unserem Verständnis eine Stadt? Oder gab es auf dem riesigen Gelände von Cobá nur eine Anhäufung von Tempeln? Waren die unzähligen, gepflasterten Straßen innerhalb von Cobá so etwas wie sakrale Wege für die Priesterschaft, vielleicht auch noch den »Hochadel«? Waren es Pilgerwege von frommen Mayas, die andächtig von Tempel zu Tempel marschierten?

Cobás Bauten geben Rätsel auf. Foto: Walter-Jörg Langbein
Ich bin auf einigen der kaum noch erkennbaren Straßen marschiert. Die Kleidung klebte mir am Leibe. Die Luftfeuchtigkeit machte die Exkursion zur Tortur. Ich verzichtete aber auch auf ein erfrischendes Bad in einem der Seen. Cobá soll »Von Wind bewegtes Wasser« bedeuten ... und auf die fünf Seen hinweisen, die vielleicht die ersten Siedler in das Gebiet von Cobá lockten. Besonders einladend sind heute »Lago Cobá« und »Lage Macanxoc«, zwischen die sich eine einst besonders imposante Gruppe von teils mächtigen Bauten schmiegte.

Ich muss aber dringend davon abraten, in diesen beiden Seen zu baden. Offen gesagt: Ich würde nicht einmal am Ufer waten. Es gibt nämlich in beiden Seen Bewohner, die nicht als besonders menschenfreundlich gelten ... Krokodile! Mir wurde wiederholt versichert, dass diese Reptilien nur ganz, ganz selten Menschen fräßen. Ich wollte aber nicht testen, ob ich eventuell zu einer dieser seltenen Ausnahmen zählen würde. Man mag es mir als Feigheit auslegen, aber ich habe weiträumig die Seen von Cobá gemieden, um auch wirklich kein einziges Krokodil in Versuchung zu führen.

Wer in Cobá nicht gänzlich auf furchteinflößende Reptilien verzichten möge, der halte die Augen offen ... Dann wird man Miniaturdrachen finden, von denen keinerlei Gefahr ausgeht, auch wenn sie wie Sagen-Wesen aussehen, gegen die einst Heilige und Ritter kämpften ...

Leguane findet man in so mancher Ruinenstadt von Zentralamerika ... so auch in Cobá. Dank ihrer Tarnfarbe können sie sich – besonders für Touristen, denen exotische Natur vollkommen fremd ist – fast unbemerkt bewegen.

Minidrachen in Cobá - Foto: Walter-Jörg Langbein
Zur Erinnerung: Die Mayas kannten und verehrten einen Gott namens »Itzamná«, »Leguan-Haus«. Der Himmelsgott, Kennzeichen markante Hakennase, galt als besonders hochrangige Gottheit. Seine Partnerin war die Göttin »Ix-Chel«, die »Herrin des Regenbogens«. Diese Mondgöttin dürfte auf eine sehr viel ältere Muttergöttin zurückzuführen sein, der erst später – mit dem Aufkommen des Patriarchats – ein männlicher Gott zur Seite gestellt wurde. »Ix-Chel« wurde als Göttin der Geburt verehrt. Sie war also eine Nachfolgerin der ursprünglichen Muttergöttin ... und die wurde, davon bin ich überzeugt ... weltweit verehrt, in uralten Zeiten, unter unzähligen Namen. Ihre Spur lässt sich noch in biblischen Schriften verfolgen.

Es lohnt sich, ein Buch wie die »Bibel« zu lesen ... so unvoreingenommen wie nur möglich!

Literaturempfehlungen
National Geographic Society: Versunkene Reiche der Maya, Augsburg 1997
Prem, Hanns J. und Dyckerhoff, Ursula: Das alte Mexiko/ Geschichte und
Kultur der Völker Mesoamerikas, München 1986
Schele, Linda und Mathews, Peter: The Code of the Kings/ The Language of
seven sacred Maya Temples and Tombs, New York 1998
Schele, Linda und Freidel, David: Die Unbekannte Welt der Maya/ Das
Geheimnis ihrer Kultur entschlüsselt, Augsburg 1994, Übersetzung von A
Forest of Kings
Schele, Linda und Miller, Mary Ellen: The Blood of the Kings/ Dynasty and
Ritual in Maya Art, Fort Worth 1986 (korr. Nachdruck)
Sitchin, Zecharia: Versunkene Reiche/ Der Ursprung der Zivilisation im
Reiche der Maya und Inka, Rottenburg 2008
Soustelle, Jacques: Die Kunst des alten Mexiko, Osnabrück 1968
Stingl, Miloslav: In versunkenen Mayastädten/ Ein Forscher den Geheimnissen
der indianischen Pyramiden auf der Spur, Leipzig 1971
Stuart, David und George: Palenque/ Eternal City of the Maya, London 2008
Westphal, Wilfried: Die Maya – Volk im Schatten seiner Väter, Bindlach 1991
Wipf, Karl A.: Wanderer in der Nacht/ Religionsgeschichtliche Interpretationen
zu altamerikanischen Chroniken, Hallein 1980

Die Buchneuerscheinung von Walter-Jörg Langbein:
Das verlorene Symbol und die Heiligen Frauen

»Von einem, der in den Himmel stieg!
Alle Straßen führen nach Cobá«, Teil II
Teil 163 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 03.03.2013


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Mittwoch, 24. November 2010

Für Sie gelesen: »Grönland - Meine Reisen ans Ende der Welt« von Markus Lanz

Seite 30-31: Eisbär vor einem Walkadaver
Schwer zu sagen, in welchem Augenblick der Neuzeitmensch vom Teilnehmenden zum Beobachter geworden ist. Zu einem, der die Dinge der Welt zählend, messend und wertend beurteilt, statt unmittelbar mit ihnen verbunden zu sein. Der in der Bibel geschilderte Sündenfall mag es schwerlich gewesen sein, denn bis heute gibt es Menschen, die im unverfälschten Kreislauf der Natur existieren, sich als kleinen Teil eines unfassbar viel größeren Ganzen begreifen und mit voller Bewusstheit akzeptieren, dass sie im tödlichen Spiel von Fressen und Gefressenwerden schnell auch die Beute darstellen könnten, wenn sie auch nur den kleinsten Fehler begehen. Wenige tausend grönländische Ureinwohner führen auch heute noch ein Leben, welches eine tägliche Herausforderung für die menschliche Anpassungsfähigkeit darstellt. Ein Leben zwischen Steinzeit und Handy.

Seite 122-123:
Die Schlittenhunde des Jägers Paulus Simigaq
Der bekannte Fernsehmoderator Markus Lanz setzt ihnen mit dem Buch »Grönland: Meine Reisen ans Ende der Welt«, für dessen Fotos und Texte er verantwortlich zeichnet, ein atemberaubendes Denkmal. Das Buch ist weit mehr als ein qualitativ erstklassiger Bildband. Statt auf oberflächliche Sensationen und falsche Sentimentalitäten setzt Markus Lanz auf die Poesie des Tatsächlichen. Auf beklemmend-schöne Bilder, die dem Betrachter die unendliche Überlegenheit der Natur unmittelbar begreifbar machen. Auf einfühlsame Texte, in denen er die Gratwanderung zwischen romantischen Vorstellungen und harter Realität mühelos meistert.

Bemerkenswert ist der liebevolle Blick, mit dem Lanz die Welt und insbesondere Grönland betrachtet. Dass er zudem in der Lage ist, diesen auch durch die Kameralinse aufrechtzuerhalten, zeugt von einem hohen technischen Niveau dieses äußerst vielseitig begabten Moderators, Schriftstellers und Fotografen.

Seite 56-57:
Paulus Simigaq auf dem Weg zur Robbenjagd
Dabei ist »Grönland: Meine Reisen ans Ende der Welt« weit mehr als ein bloßer Bilderrausch: es ist ein Werk, das betroffen macht. Das die Schattenseiten dieser fast unwirklich schönen Eiswelt nicht verschweigt. Das die Zerrissenheit der Ureinwohner zwischen archaischer Jägergesellschaft und den Errungenschaften der modernen Welt eindringlich darstellt. Klimawandel, Fischfangquoten und territoriale Ansprüche der US-Army zerstören das in Jahrtausenden entstandene Gleichgewicht des Daseins. Dass die moderne Zivilisation, ihre Zumutungen und Verlockungen, offensichtlich weitaus gefährlicher sind als Schneestürme, monatelange Polarnächte, Eisbären und trügerisches Packeis, das ist ein beklemmender Gedanke, dem man sich beim Lesen dieses großartigen Buches nicht entziehen kann.

Seite 244-245:
Winterstimmung im Eisfjord von Ilulissat
Besonders berührt hat mich unter anderem, was Markus Lanz von seiner ersten Begegnung mit dem Inuit-Jäger Duumaji Jonathansen berichtet, der sich nur widerwilligt mit seiner erlegten Beute von ihm fotografieren lassen wollte. Später erfuhr Lanz auch den Grund dafür: Jonathansen fürchtet die Reaktionen, die solch ein Bild in unserer gutmenschlichen Empörungskultur auszulösen pflegt. Dass gerade die Menschen auf der Welt, die wohl den härtesten Daseinskampf führen, sich inzwischen ihrer Lebensweise fast zu schämen scheinen, das sollte vor allem den Berufsempörern in Gesellschaft und Politik die Schamesröte ins Gesicht treiben.

Markus Lanz zieht aus den Entwicklungen den Schluss, dass es diese einmalige Kultur womöglich schon bald nicht mehr geben wird. Dass ihr Aussterben die Welt wesentlich ärmer machen würde, daran kann nach der Betrachtung dieses wundervollen Buches niemand mehr zweifeln.

Buchcover

Fotos: Markus Lanz, © G + J /RBA GmbH Co. KG,
- mit freundlicher Genehmigung -
Buchvorstellung: ©Ursula Prem

Buch jetzt bei amazon bestellen:
Grönland: Meine Reisen ans Ende der Welt

Morgen in diesem Blog:
Interview mit Markus Lanz
















 

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