Montag, 29. Juli 2013

Fido Buchwichtel klärt einen Blauregenmord

Hallo liebe Leute!

Hier bin ich wieder:
Fido Buchwichtel
mit dem 
Bestseller der Woche
aus dem Wichtelland.

War das eine Hitze in den letzten Tagen! Die hat uns Wichteln aber nichts anhaben können, denn wir ziehen uns dann in die Tiefe der Wälder zurück. Dort lässt es sich aushalten. Allerdings habe ich letzte Woche noch einen Ausflug gemacht. Mein Schwippschwager, der bekannte Wichtel Botanikus Schüppe, feierte seinen 150. Geburtstag. Er ist ein Wichtel in den besten Jahren. Seine Geburtstagspartys sind legendär, darum durfte ich natürlich nicht fehlen.

Mir blieb allerdings nichts anderes übrig, als für den Flug einen Lachmöwen-Jet zu nehmen. Diese Linie ist eigentlich nur für den Postverkehr zugelassen. Nur in Ausnahmefällen, und gegen Barzahlung! von unverhältnismäßig 20 Pillewürmern!, sind diese Gesellen bereit, einen Wichtel zu seinem Bestimmungsort zu fliegen. Es gibt Sinn, vor dem abenteuerlichen Flug auf den Verzehr von Bucheckerpfannkuchen zu verzichten!

Aber für die Strapazen wurde ich mehr als belohnt. Es war nicht nur eine wunderbare Party. Botanikus Schüppe machte mich auch auf einen neuen Münsterland-Krimi aufmerksam: Blauregenmord


Liebe Menschen, ich habe Euch noch gar nicht berichtet, wo mein Schwippschwager und seine Familie ihr Domizil haben: In einem richtigen Paradies, dem Garten Picker in Borken – Weseke. Dort, unter einer Wisteria, die sich um ein Taubenhaus windet, liegt versteckt die Wohnstatt meiner lieben Verwandten. Auf der Rückseite des Covers seht Ihr dieses Anwesen. Botanikus wohnt wirklich sehr edel.

Covergestaltung:

Wisteria, oder Glycinie, werdet Ihr Menschen unter dem Namen Blauregen kennen. Wobei diese Bezeichnung nicht immer zutrifft. Denn die Glycinie im Garten Picker blüht weiß. Und in dem Krimi von Tuna von Blumenstein wird eine tote Person auf blauen Blüten gebettet vorgefunden. Das ist natürlich sehr mysteriös. Wo kommen die Blüten her? Das verrate ich Euch nicht!

Und eine weitere Frage gilt es zu beantworten, für die gebe ich Euch einen klitzekleinen Hinweis: Der Mörder ist nicht immer der Gärtner … Oder doch? …
Findet es selbst heraus!

Der Bestseller der Woche aus dem Wichtelland: 
Kaufen! Lesen! Weiterempfehlen!

Macht Euch eine schöne Woche!

Winke winke Euer

Fido Buchwichtel



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Sonntag, 28. Juli 2013

184 »Blutspuren«

Teil 184 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Wenn die Kolosse reden könnten ... Foto: W-J.Langbein
Manchmal sind nackte Zahlen erschreckend. Wenige Zeilen genügen, um erkennen zu lassen, dass auf der Osterinsel im Pazifischen Ozean ein Genozid stattfand, den man bis heute vergeblich in den Geschichtsbüchern suchen wird. Wenn man die Augen der Osterinselstatuen wie ein Buch lesen könnte ... es wäre der reinste Horror.

1862 lebten von einstmals 40.000 Menschen nur noch 3.000 auf der Osterinsel. Peruanische Sklavenjäger entführten 1.500 Männer und Frauen, die in den Guano-Minen Perus schuften mussten. Die Meisten dieser Geknechteten starben elendiglich. Internationale Proteste führten dazu, dass zwölf von 1500 Osterinsulanern in ihre Heimat zurückkehren durften. Sie brachten die Pocken auf das einsamste Eiland der Welt. Eine Pockenepidemie brach aus, der fast die gesamte Bevölkerung zum Opfer fiel. 1872 lebten nur noch 111 Menschen auf der Osterinsel.

1888 brachte Chile die Osterinsel in ihren Besitz. Die wenigen Überlebenden waren von nun an Gefangene. Sie wurden gezwungen, auf engstem Raum zu hausen und mussten für einen Hungerlohn arbeiten. Die Osterinsel wurde in eine Schaffarm verwandelt. Die einstigen Herren der Insel waren Knechte, die mit Naturalien »bezahlt« wurden. Schafe, später auch Ziegen und Pferde, fraßen die Insel leer. Bäume und Palmen gab es so gut wie keine mehr. Bodenerosion setzte ein. Die letzten Bäume (Hauhau und Toromiro) verschwanden. Aus einem einstig üppig blühenden Südseeeiland war endgültig eine karge Öde geworden ... dank der »zivilisierten Welt«.

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1914 kam es zu einem verzweifelten Aufstand der Nachkommen der Statuenbauer. Chile setzte Militär ein und ging brutal vor. Niemand interessierte sich für das Gemetzel im Pazifik. 1966 wurden die Osterinsulaner mit der chilenischen Staatsbürgerschaft »beglückt« Heute, rund ein halbes Jahrhundert später, leben etwa 4.000 Menschen auf »Rapa Nui«. Die Nachkommen der Urbevölkerung und Einwanderer aus Chile leben nicht unbedingt in vertrauensvoller Harmonie miteinander. Noch heute sehnen echte Rapa-Nui (1) Freiheit von Chile herbei. Das Eiland ist aber vollkommen abhängig vom »Mutterland«.

Wenn er nur sprechen könnte ...
Foto: Anne Choulet
Nach einem sonntäglichen Gottesdienst vertraute mir ein ergrauter »Messdiener« an: »Rapa Nui hat nur Schlechtes erfahren von den Vertretern der ›zivilisierten Welt‹. Meine Vorfahren wurden versklavt, verschleppt, sie starben in Gefangenschaft. Epidemien wurden auf meine Heimat gebracht, die den größten Teil der Bevölkerung dahingerafft haben.«

Nach und nach erfolgt eine Rückbesinnung auf die eigene Geschichte: vor dem Erscheinen von Südamerikanern und Europäern. Nach und nach gewinnen alte Bräuche, alte Überlieferungen an Bedeutung. Man wehrt sich gegen eine Überfremdung. Mit Erfolg wurden bislang Touristenprojekte abgeblockt, die aus der Osterinsel eine Art Südsee-Disneyland mit bunter Plastikfolklore gemacht hätten. Touristenkasernen für Pauschalreisende sind ebenso wenig erwünscht wie Luxushochburgen.

Vertreter unserer »zivilisierten Welt« sind verantwortlich für »Ausbeutung und Unterdrückung«, wie Prof. Jared Diamond, Jahrgang 1937, Experte in Sachen Evolutionsbiologie, konstatiert (2). Wenn wundert es da, dass die Geheimnisse der Osterinsel – wenn überhaupt – nur sehr zögerlich Wissenschaftlern anvertraut wurden? Niemand kann erwarten, dass Wissende Besuchern aus der christlichen Welt die Osterinselschrift erklärten. Und wer erwartet, dass Sammlern nur echte »sprechende Hölzer« mit »echten Hieroglyphen« verkauft wurden, glaubt wohl auch an den Osterhasen und den Weihnachtsmann.

Koloss mit Hut - Foto: W-J.Langbein
Ende des 19. Jahrhunderts tauchten immer wieder »Hieroglyphentexte« etwa auf europäischen Holzrudern auf. Sie können also erst zur Zeit von europäischen Besuchern auf »Rapa Nui« entstanden sein. Schelmisch erklärte mir ein Rapa Nui: »Das beweist nicht, dass unsere Schrift erst nach Kontakten mit Europäern entstand. Das deutet vielmehr auf die Dummheit von Europäern hin, die sich angeblich echte ›sprechende Hölzer‹ verkaufen ließen, obwohl es sich doch offensichtlich um frisch angefertigte Fälschungen handelte!« Nach mehreren Besuchen auf der Osterinsel bin ich davon überzeugt, dass die echten schriftlichen Aufzeichnungen vor langer Zeit in Holz geritzt wurden. Sie schlummern noch heute in Verstecken, die nur wenigen Eingeweihten bekannt sind. Und – auch davon bin ich überzeugt – sie werden auch so schnell nicht auftauchen.

Was in den Hieroglyphentexten der Rapa Nui stehen mag? Wir sind auf Spekulationen angewiesen. Enthalten sie die Geschichte der Besiedlung der Osterinsel? Folgt man der mündlichen Überlieferung, dann erzählen die »sprechenden Hölzer« auch – wie ein Prequel im Kinofilm – was in der Urheimat geschah, die in einer Apokalypse im Meer versank.

Bei allem Respekt vor den todesmutigen Seefahrten Thor Heyerdahls ... seine These, die Osterinsel sei von Peru aus besiedelt worden, ist nicht haltbar. Thor Heyerdahl weist auf Ähnlichkeiten in den Bauweisen der Inka und der Osterinsulaner hin. In der Tat gibt es da scheinbar Ähnlichkeiten – zwischen megalithischen Mauerwerken aus dem Inkareich und besonders einer sauber gearbeiteten Mauer auf der Osterinsel. Allerdings trügt der Schein!

Was er wohl alles gesehen hat?
Foto: W-J.Langbein
Prof. Jared Diamond bringt es auf den Punkt (3): »Manche dieser Mauern, insbesondere jene von Ahu Vinapu, enthalten sehr schön gestaltete Steine, die an die Architektur der Inka erinnern und Thor Heyerdahl dazu veranlassten, eine Verbindung zu Südamerika herzustellen. Im Gegensatz zu den Mauern der Inkas bestehen die Seitenwände der Ahu auf der Osterinsel aber nicht aus großen Felsblöcken, sondern sie sind nur mit Steinen verkleidet.«

Der mündlichen Überlieferung nach kamen die ersten Siedler aus einem Atlantis der Südsee, westlich von der Osterinsel gelegen, nicht östlich (wie Peru!). Der Legende nach gefiel es einigen Erstbesiedlern nicht auf der Osterinsel. Sie wollten in ihre alte Heimat zurückkehren – und fuhren, von der Osterinsel aus, nach Westen.

Anno 1774 stattete James Cook der Osterinsel einen kurzen Besuch ab. In seiner Begleitung befand sich ein Mann aus Tahiti, der sich gut mit den Osterinsulanern verständigen konnte. Warum? »Osterinsulanisch« erwies sich als ein ostploynesischer Dialekt! Die Urheimat der Rapa Nui lag demnach in Polynesien, nicht in Peru.

»Wir haben polynesisches Blut in den Adern, kein peruanisches!«, das bekam ich bei allen meinen Besuchen auf der Osterinsel immer wieder zu hören. »Unsere Wurzeln sind polynesisch, nicht peruanisch!«

Besonders ältere Rapa Nui beklagten verbittert, dass so mancher »Forscher« Behauptungen über ihre Heimat aufstellte, ohne Einheimische zu befragen. Ein betagter »Messdiener« sagte mir sonntags nach dem Gottesdienst: »Bei manchem ›Wissenschaftler‹ hat man den Eindruck, dass die Herrschaften meinen, sie müssten uns beibringen, wie unsere Vorfahren nach Rapa Nui kamen und die Statuen errichteten!«

Richtig ist, dass die Rapa Nui vollkommen davon überzeugt sind, dass ihre Vorfahren aus dem polynesischen Raum kamen. Das stimmt wohl auch. So sah ich im »Bernice Pauahi Bishop Museum«, Hawaii Angelhaken, Sägen aus Koralle, Beile aus Stein und andere Werkzeuge von den Marquesas Inseln und im Vergleich dazu Pendants von der Osterinsel. Sie schienen von den gleichen Herstellern zu stammen.

Irreführend sind Hinweise auf genetische Ähnlichkeiten zwischen Osterinsulanern und Peruanern. Natürlich sind im Verlauf der letzten Jahrhunderte Peruaner, vor allem Chilenen auf die Osterinsel gezogen und haben genetische Spuren hinterlassen. Es kann aber keinen Zweifel daran geben, dass die Ur-Osterinsulaner aus Polynesien und nicht aus Südamerika stammen. Klipp und klar stellt Jared Diamond fest (4):

Trümmer erinnern an die stolze Vergangenheit des Eilands ...
»Bei der Analyse der DNA aus zwölf Skeletten, die unter einer Steinplattform auf der Osterinsel begraben waren, fand man in allen zwölf Fällen eine Deletion (5) von neun Basenpaaren und drei Basensubstitutionen, die bei den meisten Polynesiern vorkommen. Zwei dieser drei Substitutionen gibt es bei den amerikanischen Ureinwohnern nicht, und deshalb sprechen die genetischen Befunde gegen Heyerdahls Behauptung, die Urbevölkerung habe zum Genbestand der Osterinsel beigetragen.«

Blutspuren führen zurück in die Heimat der Ur-Rapanui: in den Westen des Eilands, in den westlichen Pazifik, zu den polynesischen Inseln und nicht nach Südamerika. »Wir haben polynesisches Blut in den Adern!« sagten mir sinngemäß viele Osterinsulaner. »Und wir haben unsere wichtigsten Nutzpflanzen mit aus der Heimat nach Rapa Nui gebracht ... Bananenen, Süßkartoffeln, Taro, Zuckerrohr!«

Die sprechenden Hölzer sind verstummt. Foto: Archiv W-J.Langbein
Fußnoten
1 »Rapa Nui« ist der eigentliche Name der Osterinsel, die Bewohner nennen sich »Rapa Nui«
2 Diamond, Jared: »Kollaps«, erweiterte Neuausgabe, Frankfurt am Main, Oktober 2011, S. 145
3 Diamond, Jared: »Kollaps«, erweiterte Neuausgabe, Frankfurt am Main, Oktober 2011, S. 123
4 Diamond, Jared: »Kollaps«, erweiterte Neuausgabe, Frankfurt am Main, Oktober 2011, S. 113
5 Deletion (Wikipedia): »Eine Deletion (engl. delete „›öschen‹), auch Gendeletion, ist in der Genetik eine Variante der Genmutation bzw. Chromosomenmutation (und damit eine Chromosomenaberration), bei der eine Nukleotidsequenz bzw. ein Teil bis hin zum gesamten Chromosom fehlt. Eine Deletion ist daher immer ein Verlust von genetischem Material. Jegliche Anzahl von Nukleinbasen können deletiert sein, von einer einzelnen Base (Punktmutation) bis hin zum Chromosom.«

»Kannibalismus«,
Teil 185 der Serie »Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 04.08.2013


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Donnerstag, 25. Juli 2013

Blauregenmord – eine Leseprobe mit Impressionen aus dem Garten Picker

Covergestaltung:
Liebe Leserinnen und Leser,

ein neuer Münsterland-Krimi hat das Licht der Buchwelt erblickt. Blauregenmord entführt die Leser in die schönste Gartenperle des Westmünsterlands: 
den Garten Picker in Borken-Weseke. 
Die Bilder für das Cover wurden dort gemacht.

Wir möchten Sie heute neugierig machen. Auf einen spannenden Krimi, der Sie auch nachdenklich machen wird, und auf ein Gartenparadies, das seinesgleichen sucht. Darum ist diese kleine Leseprobe mit Impressionen aus dem Garten Picker versehen worden. Lassen Sie sich verzaubern, von dem was das Münsterland zu bieten hat.




Impressionen aus dem Garten Picker


wer bestimmt was normal
was unnormal ist
gibt es inmitten
von schwarz oder weiß
lediglich schattierungen in grau



betrachte die gärten 
erhasche dabei
einen blick in die seele derer
die sie hegen und pflegen
dann wirst du erkennen
dass die welt
ein riesiges meer
aus farben ist

Sylvia B.


Die ersten Sonnenstrahlen des Tages suchten sich ihren Weg durch die Lamellen und tanzten an der Wand des Schlafzimmers einen fröhlichen Reigen. Durch das weit geöffnete Fenster trug der leichte Wind den Hauch eines Duftes in den Raum und zauberte damit Berthold Picker ein Lächeln ins Gesicht. Er blinzelte und lauschte in die ungewohnte Stille des Hauses. Seine Frau war mit den Kindern an diesem Wochenende bei Verwandten. 

»Berthold allein zu Haus!« 
Impressionen aus dem Garten Picker
Mit einem Ruck warf er die Decke zurück und schwang sich aus dem Bett. Er öffnete die Fensterläden, blickte in den Garten und zu der Kletterpflanze, die ihm im Licht des beginnen Tages ihren duftenden Morgengruß sandte. Die Blüten des Blauregens hingen auf fast schon verschwenderische Art und Weise in Trauben von den Zweigen und verschickten ihren betörenden Duft mit dem Wind. 

Berthold löste seinen Blick von der Blütenpracht, suchte das Bad und danach die Küche auf. Er fand alles so geordnet, wie er es am Abend vorher verlassen hatte und das kam ihm seltsam vor. Auch diese Geräuschlosigkeit war ihm fast schon unbehaglich. Er vermisste seine Familie, stellte er für sich fest.

Mit einem Frühstücksbrot und einem Becher frisch gebrühten Kaffee schritt er durch das Wohnzimmer. Während Berthold frühstückte, betrachtete er den Garten durch die großen Fenster. Es versprach, ein  sonniger und auch warmer Maitag zu werden. Endlich zog der Frühling durch das Münsterland.

Impressionen aus dem Garten Picker
Bevor Berthold die Tür öffnete und die Terrasse betrat, kippte er den Schalter, der die Pumpe am Teich in Betrieb nahm.

So sprudelte es fröhlich aus dem Quellstein und die Sonnenstrahlen spielten mit den Wassertropfen, als Berthold seinen Blick dem wolkenlosen Himmel zuwandte. 

»Berthold allein zu Haus«, wiederholte er sich, »dann sollte ich den Tag auch für mich nutzen!« 

Im Jahre 2002 hatten seine Frau und er den Garten angelegt, 3000 Quadratmeter Fläche mussten damals gestaltet werden. Es war Platz für einen Bauern- und Kräutergarten, der sich rechter Hand von ihm befand. Links befanden sich die Wasserspiele und die kleinen Teichanlagen. Berthold betrachtete das Wasser, bevor er seinen Rundgang durch den Gemüsegarten startete. Alles war so, wie er es am vorherigen Abend verlassen hatte. Und doch spürte er, dass irgendetwas anders war als sonst. Wieder schob er seinen Gedanken auf die fehlende Präsenz seiner Familie.
Impressionen aus dem Garten Picker

Sein Weg führte ihn zurück Richtung Terrasse, an dem offenen Brunnen vorbei, der, von Platanen umschlossen, friedlich in der Sonne stand. Noch ein paar Schritte trennten ihn von dem Weg, der zu der Rasenfläche führte. Dort hatte seine Frau in der Nähe des Pavillons, in dem sich Hochzeitspaare gerne fotografieren ließen, eine weitere Sitzgelegenheit kreiert, eine Bank aus Metall, die mit einem Hauch roter Farbe gestrichen war. Daneben breitete sich ein Sonnenschirm in dunklem Rot aus, der einen Tisch beschattete, auf dem sich auch in Rot gehaltene Dekoration befand. Das Arrangement wirkte wie ein Kunstwerk, hob sich von dem satten Grün der Rasenfläche ab und wurde im Vordergrund von hochgewachsenen Koniferen gerahmt. Den Hintergrund bildeten die Beete.

Berthold blieb stehen und starrte auf das Stillleben, das sich vor ihm auftat. Der Hauch eines Wohlgeruchs streifte seine Gedanken. Es war der Duft der Wisteria, den der zarte Wind zu ihm trug. Vor der Bank und in gekrümmter Haltung sah er eine Gestalt mit dem Rücken zu ihm liegen. Lange blonde Haare hoben sich vom Grün der Rasenfläche ab. Die leblose Person trug ein weißes Kleid mit kleinen roten Punkten. Bertholds Blick wanderte zu den Füßen der Gestalt. Er konnte dünne hohe Absätze erkennen und auch, dass diese Schuhe leuchtend rot waren. Ein Arrangement in Rot und Weiß, als wäre auch diese Kleidung Bestandteil eines Gesamtkunstwerkes, das durch ein Sinnbild der Vergänglichkeit ergänzt wurde und für das sein Garten herhalten musste.
Impressionen aus dem Garten Picker

Noch vor kurzer Zeit hatte Berthold in seinem Freundeskreis verkündet: »Irgendwann stolpere ich noch in meinem Garten über eine Leiche!« Seine Freunde haben gelacht und er auch. Sollten sich seine Vertrauten einen Scherz mit ihm erlaubt haben? Er wagte sich zwei Schritte näher heran und prüfte genau. Das war keine Puppe, das war ein Mensch, Berthold war sich da ganz sicher. Und er war sich sicher, dass dieses Geschöpf tot war.

Er fasste in seine Hosentasche, holte das Telefon heraus und informierte die Polizei über seinen makaberen Fund. Zum ersten Mal an diesem Morgen war er froh darüber, dass seine Familie nicht anwesend war. Er konnte sich sicher sein, dass ihm seine Gattin die Frage aller Fragen gestellt hätte, die vermutlich jeder Gatte irgendwann im Laufe der Ehejahre gestellt bekommt:
»WER IST DIESE FRAU?«

...

Tuna von Blumenstein


Die Autorin:
Unter dem Pseudonym
Tuna von Blumenstein hat die Autorin vier Kriminalromane veröffentlicht: 
Die Bilder für das Cover Blauregenmord 2013 sind im 
Garten Picker entstanden. 

Die Autorin lebt im Westmünsterland

Ein kleiner Tipp: eBook.de ...bisher: Libri.de ... liefert sofort!

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Montag, 22. Juli 2013

Fido Buchwichtel, das Inferno und die Heiligen Frauen

Hallo liebe Leute!

Meine Güte, was für ein Wetterchen! 
Meinen Strohhut habe ich gleich aufgelassen, nachdem mich mein Flieger von Flamingoairlines wieder sicher aus Spananien zurückgebracht hat. Ich flüstere Euch jetzt was, das darf aber meine Wichtelin nicht erfahren, sonst gibt’s Kasalla: die Spananischen Wichtelinnen sind eine Wucht, besonders am Strand. Vamos, muchacho!

Aber ich bin ja nicht hier, um Euch von Spananischen Wichtelinnen vorzuschwärmen.

Heute bringe ich Euch einen ganz besonderen Bestseller der Woche aus dem Wichtelland:
Das Inferno und die Heiligen Frauen
von meinem Lieblingsmenschenautor Walter-Jörg Langbein.


Was hat es mit dieser Publikation auf sich? Gleich im Vorwort stellt Walter-Jörg Langbein zwei Fragen: »Wie enträtselt man Dante Alighieris ›Göttliche Komödie‹?« und »Wie kann man die Geheimnisse dieses epochalen Meisterwerks verstehen?«

Es gibt Sinn, dieses Werk genauso zu studieren wie die Bibel. Aber nicht die Bibel, die in vielen Menschenhaushalten in den Buchregalen verstaubt. Die alten Texte, der hebräische Urtext, ist Ziel von Walter-Jörg Langbeins faszinierenden Reise in die Vergangenheit, in die er mich beim Lesen seines Werkes mitgenommen hat.

So lese ich, dass die Schöpfung zwei Mal stattfand. Lese von Menschenopfern im Alten Testament. Von Gottessöhnen und von Engeln, um dann vom Sakrileg zum Inferno zu gelangen. Ein spannendes Buch, von der ersten bis zur letzten Seite. Dan Brown hat übrigens auch, wie Dante und die Urtexte, verschlüsselte Botschaften übermittelt. Werden wir dem »Inferno« entgehen? Wenn Ihr, liebe Menschen, darauf eine Antwort haben möchtet, dann müsst Ihr das Buch lesen!

Mit den Worten meines Urururvorfahr, dem berühmten Buchwichtel Johann Wolfgang von Kurzarm, möchte ich mich für heute von Euch verabschieden und rufe Euch zu: 
Kaufen! Lesen! Weiterempfehlen!

Bis nächsten Montag!

Winke winke Euer

Fido Buchwichtel



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Sonntag, 21. Juli 2013

183 »Wege zur Osterinsel«

Teil 183 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Ein Beispiel der Osterinselschrift - Foto: Archiv W-J.Langbein

In Puri wurde ich auf die Forschungsarbeit Wilhelm von Hevesys aufmerksam gemacht. Angeblich gab es Hinweise fantastischer Art: Demnach stammte die Osterinselschrift aus dem »Alten Indien«. Ich recherchierte vor Ort, aber auch zuhause in Archiven und Bibliotheken.

1932 hielt der Sprachwissenschaftler Wilhelm von Hevesy einen viel beachteten Vortrag an der »Académie Française« über die Parallelen zwischen Osterinselschrift und indischer Schrift. In meinem Buch »Bevor die Sintflut kam« fasste ich zusammen (1): »Kernsatz: 100 Schriftzeichen beider Systeme ›stimmen überein‹. Der Wissenschaftler vertiefte sich in die Materie, verglich weitere Schriftzeichen. Ergebnis: Beide Systeme haben je 400 Schriftzeichen. 175 davon wurden sowohl auf der Osterinsel als auch in Indien benutzt. Da kann schwerlich der Zufall verantwortlich gemacht werden.«

Damit nicht genug (2): »Noch erstaunlichere Parallelen wurden entdeckt. Vor etwa 6000 Jahren entstand im Zweistromland das ›Gilgamesch-Epos‹. Die Sprache, in der es verfasst wurde, weist Besonderheiten auf, die sie stark von allen übrigen Sprachen unterscheidet. So fehlen die sogenannten Hilfswörter, genau wie bei den Texten auf den Schrifttafeln der Osterinsel. So wurden nicht einzelne Silben durch Zeichen, sondern Wörter mit Hilfe einer einzigen Hieroglyphe dargestellt, genau wie bei den Schrifttafeln der Osterinsel.«

Wenn der Koloss nur sprechen
könnte ...
Foto: W-J.Langbein
Sollte es einen Kulturexport von Indien zur Osterinsel gegeben haben? Vor Jahrtausenden? Eine solche Verbindung passt nicht in die Dogmenwelt der Schulwissenschaft und darf es deshalb nicht geben. Dogmen sollten aber nur Platz in der Welt der Religionen haben. In der Welt der Wissenschaft darf es keine unumstößlichen Dogmen geben. Vielmehr gilt jede Aussage nur so lange, so lange sie nicht widerlegt werden kann.

Wenn ich etwas gelernt habe in rund vier Jahrzehnten des Erforschens der Geheimnisse unseres Planeten, dann dies: In der Schulwissenschaft gilt auch für die Entwicklung irdischer Kultur und Zivilisation der Darwinismus. Das bedeutet: Wir Heutigen haben den Zenit erreicht. Je weiter man in der Geschichte zurückgeht, um so primitiver war die Menschheit. Deshalb muss eine Kultur aus Vor-Inkazeiten primitiver sein als die der Inkas. Deshalb dürfen die gigantischen unterirdischen Städte in der Türkei nicht älter als christliche Bauten sein. Immer wieder müssen falsche Datierungen korrigiert werden: Es gibt eben sehr wohl Bauten aus Vor-Inkazeiten, deren megalithische Bauweise atemberaubend ist. Und die unterirdischen Welten in der Türkei entstanden eben doch Jahrtausende vor Christi Geburt.

Typisches Merkmal alter, also laut Dogma primitiver Kulturen, ist ihre angebliche Unkenntnis von Schrift. Natürlich dürfen die Erbauer von Stonehenge in England als »primitive Steinzeitmenschen« keine Schrift gekannt haben. Inzwischen wissen wir, dass Stonehenge so etwas wie ein Sonnenobservatorium war, ein riesiger Steincomputer zu Berechnung von Sonnen- und Mondfinsternissen. Jahrtausende lang wurde an Stonehenge gebaut. Es muss einen Plan gegeben haben. Es muss eine Schrift gegeben haben, um die erforderlichen komplizierten Berechnungen durchzuführen – bevor mit dem Kolossalbau begonnen werden konnte.

Schweigsamer Riese - Foto: W-J.Langbein
Kolossalstatuen gibt es auch auf der Osterinsel ... und eine Schrift kannten die Erbauer der Riesenstatuen auch. Das gefiel so manchem Wissenschaftler nicht, die einem »primitiven« Südseevolk keine Schrift zutrauten. Rasch kam die These auf, Rongorongo sei gar keine »Erfindung« der Osterinsulaner. Diese vermeintlich »Primitiven« hätten in ihrer gesamten Geschichte die Kunst des Schreibens und Lesens nicht beherrscht. Aber zu ihrem Glück tauchten ja dann Europäer auf der einsamen Insel auf. Prof. Jared Diamond, Jahrgang 1937, Experte in Sachen Evolutionsbiologie, fasst zusammen (3):

»Die meisten Experten für die Osterinsel ... sind mittlerweile zu dem Schluss gelangt, dass die Inselbewohner die Anregung zur Erfindung des Rongorongo während der Landung der Spanier im Jahr 1770 erhielten, als sie erstmals mit einer Schrift in Berührung kamen.«

Mit anderen Worten: Die »tumben« Osterinsulaner waren des Schreibens und Lesens unkundig. Schlimmer noch: Im Lauf ihrer Geschichte sind sie nie auch nur auf die Idee gekommen, eine Schrift zu entwickeln. Sie konnten zwar meisterlich riesige Statuen aus dem Vulkangestein meißeln, die Kolosse über viele Kilometer transportieren und dann aufrichten. Sie hatten auch keine Schwierigkeiten, wenn es darum ging, den Kolossen steinerne »Hüte« auf die Häupter zu setzen, aber eine Schrift kannten sie nicht.

Dann aber erschienen Europäer, die Insulaner kamen in Kontakt mit Schrift. Und schon entwickelten sie eine eigene Schrift, die mit jener der Europäer nicht das Geringste zu tun hatte. Rund ein Jahrhundert später – 1864 – tauchten englische Forscher auf dem einsamsten Eiland der Welt auf. Und schon fand sich auf der gesamten Insel kein einziger Mensch mehr, der die seltsamen Hieroglyphen entziffern konnte!

Wartende Riesen - Foto: W-J.Langbein
Ich halte es für ausgeschlossen, dass innerhalb eines Jahrhunderts eine eigenständige Schrift entwickelt und wieder vollkommen vergessen wurde! Glaubwürdiger ist die Überlieferung, dass schon die ersten Besiedler der Osterinsel die Schrift mit auf das Eiland brachten. Die Schrift spielt eine ganz bedeutende Rolle für die Osterinsulaner. Es gab, wie mir Osterinselexperte Dr. Fritz Felbermayer versicherte, Schulen, deren Hauptaufgabe im Erhalt der alten Überlieferungen bestand.

Bei meinen Besuchen auf der Osterinsel bekam ich immer wieder, besonders von Älteren zu hören, dass die heiligen Berichte – etwa über religiöse Praktiken – seit ewigen Zeiten in Schrift und Wort überliefert wurden.

Dr. Pater Sebastian Englert (1888-1969) wird auch heute noch auf der Osterinsel verehrt. Der deutsche Altphilologe genoss das Vertrauen der einheimischen Bevölkerung. Ihm, den zu Lebzeiten viele fast wie einen Heiligen verehrten, vertrauten auch Wissende. Der Gelehrte wusste von einer »Schreibschule« zu berichten (4):

»Ein alter Mann, der in seiner Jugend am Unterricht teilnahm, erzählte einigen heute (in den 1930er Jahren) noch lebenden Personen davon: Die Disziplin war sehr streng. Die Schüler mussten zuerst die Texte lernen. Sie durften weder sprechen noch spielen, sondern mussten aufpassen, auf den Knien hockend, die Hände vor der Brust zusammengelegt … Nachdem die Schüler gelernt hatten, die Texte zu rezitieren, begannen sie die Zeichen zu kopieren, um sich an das Schreiben zu gewöhnen. Diese Kopierübungen wurden nicht auf Holz gemacht, sondern mit einem Stilus (Stift) aus einem Vogelknochen auf Bananenblättern. Erst wenn sie ein gewisses Maß an Vollkommenheit erreicht hatten, schreiben die Schüler auf hölzernen Tafeln, vorzugsweise aus Toromiro (ein Baum auf der Osterinsel). Zu diesem Einritzen benutzten sie sehr feine Obsidiansplitter oder scharfe Haifischzähne.«

Im Lauf der letzten dreißig Jahre besuchte ich wiederholt die Osterinsel. Zu meiner Freude gab es eine positive Entwicklung. Es ist eindeutig zu beobachten, dass von Jahr zu Jahr das Interesse der jüngeren Generation an der eigenen Geschichte wächst. Galt vor wenigen Jahrzehnten die Osterinselsprache, »Rapa Nui« genannt, als langweiliges Relikt aus längst vergessenen Zeiten, so wird sie heute verstärkt gelehrt und gelernt. Das Interesse am alten Brauchtum, an den uralten Tänzen, ist heute vor Ort größer denn je. Rapanui, vor einigen Jahrzehnten vom Aussterben bedroht, wurde wieder zum Pflichtfach an der Schule.

Gefallener Riese - Foto: W-J.Langbein
Alte Osterinsulaner zeigen sich glücklich. Sie hatten befürchtet, dass das alte Erbe vergessen wird. Die Sprache »Rapa Nui« ist ein polynesischer Dialekt der austronesischen Sprachenfamilie, die ein gewaltiges Ausbreitungsgebiet hat. Es reicht von Madagaskar im Indischen Ozean über Australien und Südost-Asien bis Hawai’i und die Osterinsel im Ost-Pazifik. Verbindet »Rapanui« die Osterinsel mit Indien?

Wilhelm von Hevesy jedenfalls war davon überzeugt, dass es eine Verbindung zwischen dem »Alten Indien« und der Osterinsel gab. Er wurde heftig attackiert und als Fälscher beschuldigt. Schlimmer noch: Die verunglimpfende Behauptung wurde bis heute nicht zurückgenommen. Nach wie vor heißt es in Diskussionen, von Hevesy habe die Schriftzeichen manipuliert, er habe die Schriftzeichen aus dem Indus-Raum und der Osterinsel einander angepasst, um seine Theorie zu unterstützen.

Alfred Metraux (1902-1962), einer der renommiertesten Ethnologen, machte sich 1938 über von Hevesys vermeintliche »Fälschungen« lustig. Der berühmte Wissenschaftler bezeichnete sie als völlig unhaltbar. Nur durch massive Manipulationen seien »Beweise« geschaffen worden. Seither gilt von Hevesy in der wissenschaftlichen Welt bestenfalls als verrückter Spinner. Fakt ist aber, dass von Hevesy eben nicht gefälscht hat. Fakt ist weiter, dass Alfred Metraux längst widerlegt wurde.

So bestätigten hochkarätige Fachleute wie Dr. G. R. Hunter und Richard von Heine-Geldern (5), dass von Hevesy sauber und seriös gearbeitet hat. Und dass es unbestreitbare Parallelen von erstaunlichem Ausmaß zwischen der alten Indus-Schrift und jener der Osterinsel gibt.

Ein Pferd und eine Statue aus Stein
Foto: W-J.Langbein
Da tickt eine Zeitbombe. Sobald sie – mit einer Verzögerung von mindestens siebzig Jahren – explodieren sollte, wird sich das Bild von der Vorgeschichte unseres Planeten grundlegend verändern. Eine Verbindung zwischen dem Indus-Tal und der Osterinsel vor fünf oder mehr Jahrtausenden setzt weltweite Seefahrt in grauer Vorzeit voraus! Derlei globale Verbindungen weisen auf hochstehende Zivilisationen hin, die nach heute noch gültiger Schulwissenschaft nicht existiert haben dürfen!

Es ist aber endlich an der Zeit, dass das Motto »Weil nicht sein kann, was nicht sein darf!« endlich an Bedeutung verliert. Und Scheinargumente müssen als solche entlarvt werden, auch wenn sie aus noch so seriösem Munde stammen!

Fußnoten

1 Langbein, Walter-Jörg: »Das Sphinx-Syndrom«, München 1995, S. 33
2 ebenda
3 Diamond, Jarred: »Kollaps«, erweiterte Neuausgabe, Frankfurt am Main, Oktober 2011, S. 145
4 Heyerdahl, Thor: »Die Kunst der Osterinsel«, München, Gütersloh, Wien, 1975, Seite 233
5 Joseph, Frank: »The Lost Civilization of Lemuria«, Rochester 2006, S. 70-73
6 Heine-Geldern, Richard von: »Easter Island Script Controversy«, »Anthropos«,
Vol. 35, London 1938

Ringoronge auf sprechenden Hölzern - Foto: Archiv W-J.Langbein

»Blutspuren«, 
Teil 184 der Serie »Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 28.07.2013


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Sonntag, 14. Juli 2013

182 »Die Osterinsel-Connection«

Teil 182 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Eine Botschaft der Osterinsel - Foto: Archiv W-J.Langbein
In Puri, so wurde mir vor Ort versichert, gebe es seit Jahrhunderten eine Peymakilir, ein menschenfressendes Monstrum. Ich erinnere mich an einen nachmittäglichen Besuch in der kultigen Tempelanlage. In einem archivartigen Nebenräumchen lagerten in marode wirkenden Regalen mit verstaubten Glastüren einige »sehr alte« Palmblätter. »Diese Palmblätter wurden seit Jahrhunderten ... seit Jahrtausenden immer wieder kopiert, von Hand von alten auf neue Palmblätter übertragen.«, erklärte mir mein Guide. »Manche Palmblätter zerfallen bereits nach wenigen Jahrzehnten. Man muss sie frühzeitig genug abschreiben, damit uraltes Wissen nicht für immer verlorengeht!«

In dem steinernen Kiosk roch es muffig. Spärliches Licht fiel durch ein kleines Fenster. Auf einem wackeligen Tisch lagen mehrere Palmblätter, etwa 30 Zentimeter lang und sechs Zentimeter breit. »Es gibt Bibliotheken, zu denen nur wenige Eingeweihte Zugang haben. Selbst hohe Priester ahnen nur, dass es sie gibt. In uralten Texten ist von Horrorwelten die Rede, von schwarzen Einflüssen, die Menschen zu Kannibalen machen ...« Auf der Osterinsel, so erklärte mir mein Guide, »kam es zu Menschenfresserei.« Ich wandte ein: »Auch auf anderen Südseeinseln. Aber das geschah doch in schlimmsten Zeiten der Not, wenn Hungersnöte die Bevölkerung ganzer Inseln auszurotten drohten!«

Verborgene Botschaften auf
Palmblättern - Fotos: W-J.Langbein
Es gibt, so erfuhr ich, Bildnisse von Tieren auf Palmblättern, deren geheime Botschaften nur wenigen Eingeweihten bekannt sind. Es existieren, so erfuhr ich weiter, Palmblätter mit mysteriösen Schriftzeichen, die nur wenige Auserwählte überhaupt zu Gesicht bekommen. Und kaum jemand kann sie übersetzen. Und die wenigen Auserwählten verraten nicht, was in den Texten steht. Schreiber müssen die Texte kopieren, ohne den Sinn der Texte auch nur erahnen zu können. »Lesen können nur wenige Menschen diese Schriften ...«, raunte mein Guide ehrfurchtsvoll. Eine Handvoll solcher Wissender soll auf der Osterinsel leben. Auf der Osterinsel?

Was ich schon wiederholt als Gerücht in grenzwissenschaftlichen Kreisen gehört hatte, wurde mir in Puri bestätigt: Demnach gab es einst eine Verbindung zwischen Indien und der Osterinsel. Die bis heute nicht entzifferte Schrift der Osterinsel ... soll im »Alten Indien« entwickelt worden sein! Zum Beweis wurden mir vergilbte Blätter vorgelegt – mit Schriftzeichen aus der Induskultur und der Osterinsel. Tatsächlich: da gibt es verblüffende Ähnlichkeiten zwischen beiden Schriften. Ich erinnere mich an Zeichen, die sowohl in der indischen Schrift wie in jener der Osterinsel vorkommen. Einige davon erinnern an menschenähnliche Fabelwesen, die seltsame Gegenstände in den Händen halten. Die Ähnlichkeit zwischen Zeichen der Osterinselschrift, genannt Rongorongo, und uralten Schriftsymbolen aus Indien ... kann sie Zufall sein? Oder kam das Wissen um die Kunst des Schreibens aus dem »Alten Indien« in die Südsee?

Vergleich
Indusschrift (links),
Osterinselschrift (rechts)
Foto: Archiv W-J.Langbein
Nach meinen Recherchen war Wilhelm von Hevesy der erste Wissenschaftler, der auf die geheimnisvolle Verbindung zwischen Indien und der Osterinsel aufmerksam machte. 1934 publizierte er einen wissenschaftlichen Artikel über die »Osterinsel-Connection« (1).

Wenig wissen wir über die Osterinselschrift. Kurios mutet an, dass offenbar der Lesende die »sprechenden Holztafeln« nach jeder Zeile umdrehen musste. In Zeile 1 stehen die bildhaften Zeichen – zu erkennen an den Darstellungen von »männchenartigen« Symbolen – noch richtig, »auf den Füßen«. In Zeile 2 stehen sie auf dem Kopf, in Zeile 3 wieder auf den Füßen usw. usw. usw. Der Lesende musste also nach jeder Zeile die Schrifttafel »auf den Kopf stellen«? Warum? Wir wissen es nicht!

Der sagenhaften Überlieferung nach entstand die Osterinselschrift nicht auf der Osterinsel selbst. König Hotu Matua soll 67 Schrifttafeln vom »Atlantis der Südsee« mitgebracht haben, das in grauer Vorzeit in den Weiten des Pazifiks versank. Osterinselexperte Dr. Fritz Felbermayer hat sich wie kaum ein zweiter Wissenschaftler intensiv mit den Überlieferungen der Osterinsel beschäftigt, auch mit den Erzählungen über die Urheimat der Osterinsulaner. Sie soll weit im Westen der Osterinsel, im Pazifik, bei einer gewaltigen Katastrophe zerstört worden und im Meer versunken sein. Vor rund 40 Jahren habe ich ihn zu diesem Thema befragt.

Der Wissenschaftler antwortete mir: »Es ist meine felsenfeste Überzeugung, dass diese Überlieferung eine absolut wahre Begebenheit beschreibt. Von den alten Insulanern wird diese Tatsache so klar und ohne Zögern wiedererzählt, und immer in derselben Weise. Es werden Namen genannt, die einfach nicht erfunden wurden. So konnte ich diese Begebenheiten ohne jeden Zusatz aufschreiben.« (2)

Die Urheimat der Osterinsulaner versank
in den Fluten des Pazifik. Foto: W-J.Langbein
Die Schrifttafeln müssen als ungeheuer wertvoll erachtet worden sein. Man stelle sich vor: Ein Inselreich versinkt in den Fluten des Meeres. Überstürzt fliehen die Menschen in eine ungewisse Zukunft. Die Menschen sind verzweifelt. Können sie mehr als das nackte Leben retten? Was tragen sie auf ihre Boote? Proviant, Wasser, Kleidung, Angeln? Der Überlieferung nach nahmen sie 67 Schrifttafeln mit. Warum? Waren die Aufzeichnungen von so großer Bedeutung? Wenn wir doch nur heute die wenigen erhaltenen Schrifttafeln wie ein Buch lesen könnte!

Es gibt eine interessante Parallele, auf die ich auf der Osterinsel aufmerksam gemacht wurde. Demnach führten die Maori Neuseelands ebenfalls als kostbarstes Gut geheimnisvolle Schrifttafeln mit sich.

Seit Jahrzehnten frage ich mich: Gibt es eine Osterinsel-Connection? Gibt es eine Verbindung zwischen den vor Jahrtausenden entstandenen Schriften des Indusgebiets und der Osterinsel? Seit Jahrzehnten recherchiere ich in Sachen »Woher stammt die Schrift auf den sprechenden Hölzern der Osterinsel?« Zu meinem Erstaunen ist nicht einmal bekannt, bis zu welchem Zeitpunkt die mysteriöse Schrift von Kundigen auf dem einsamsten Eiland der Südsee noch gelesen werden konnte. Katherine Maria Routledge (1866-1935) ließ 1910 eine Jacht bauen und startete eine Osterinselexpedition. Ende März 1914 erreichte sie »Rapa Nui«. Siebzehn Monate lang dokumentierte sie so viele Überlieferungen wie nur möglich: über die Historie des einsamen Eilands, über die religiösen Kulte (Beispiel: Vogelmann-Mythos!), über die Bedeutung der Kolossalstatuen. (3)

Rätselhafte Statuen ... Foto: W-J.Langbein
Katherine Routledge, so scheint es, gewann nach und nach das Vertrauen der Einheimischen. Sie führten sie zu »Gräbern« von Riesenstatuen. So konnte die unermüdliche Forscherin rund dreißig Statuen ausgraben lassen, die so gut wie keine Verwitterungsspuren aufwiesen.

Besonders interessiert war Katherine Maria Routledge an den Schriftzeichen der Osterinsulaner. So fasziniert sie von den mündlichen Überlieferungen der Einheimischen war, wesentlich wichtiger waren ihr möglichst alte Schrifttexte in der mysteriösen Osterinselschrift. Also suchte sie mit Nachdruck nach Eingeweihten, die ihr die »sprechenden Hölzer« vorlesen und übersetzen konnten. Gewiss, es gab immer wieder Osterinsulaner, die angeblich noch die alten Schrifttafeln entziffern konnten. Rasch verflog aber die Euphorie. Man ließ einem »Eingeweihten« den Text eines gravierten Holztäfelchens vorlesen und notierte genau den angeblichen Text. Tage später bekam er wieder das gleiche Täfelchen vorgesetzt ... und las einen ganz anderen Text vor. Kurzum, es fand sich kein einziger »Wissender«, der dazu in der Lage war, wiederholt die Aussage eines in Holz gravierten Textes im gleichen Wortlaut wiederzugeben!

In einer Leprakolonie stieß Katherine Maria Routledge auf einen Schwerkranken, der angeblich wirklich die uralte Schrift der Osterinsel beherrschte. Angeblich war er der letzte wirklich Eingeweihte. Der Mann weigerte sich strikt, sein Wissen zu offenbaren. Es sei besser, dass uralte Wissen gehe verloren, als dass es in die Hände der Weißen geriete! Zwei Wochen später starb der Mann. Das Misstrauen der Osterinsulaner gegenüber den Weißen aus der angeblich so »zivilisierten Welt« war verständlich: Die »Entdecker« und »Besucher« brachten den Osterinsulanern nur Unglück, Krankheit und Tod.

Eine Botschaft der Osterinsel, Foto: Archiv W-J.Langbein
Fußnoten
1 von Hevesy, Wilhelm: »Osterinselschrift und Indusschrift«, »Orientalistische Literaturzeitung/ Monatsschrift für die Wissenschaft vom ganzen Orient und seinen Beziehungen zu den Angrenzenden Kulturkreisen«, 1934 37(11): 666-74.
2 Felbermayer, Fritz: »Sagen und Überlieferungen der Osterinsel«,
Nürnberg o. J.
3 Routledge, Katherine: »The Mystery of Easter Island«, 1919, Nachdruck,
Kempton 1998

»Wege zur Osterinsel«,
Teil 183 der Serie »Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 21.07.2013


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Montag, 8. Juli 2013

Wie Fido Buchwichtel zum E-Book kam

Hallo liebe Leute!

Die Sonne scheint,
es ist Montag und
Fido Buchwichtel 
bringt Euch heute jede Menge
Bestseller der Woche
aus dem Wichtelland.

Da staunt Ihr was?
Jede Menge Bestseller, wie kann das sein?

Nun, folgendes ist geschehen:
Als sehr sympatischer Wichtel, der ich nun einmal bin, habe ich auch Freundinnen und Freunde unter Euch Menschen gefunden. Wen wundert es? Niemanden!

Eine meiner liebsten Freundinnen ist die bekannte Opernsängerin und Schriftstellerin Ursula Prem. Die kennt Ihr natürlich alle! Mit Ursula Prem habe ich einen Besuchstermin vereinbart. Meine Wichtelfrau gab mir Bucheckernplätzchen und den guten Rat mit auf den Weg, mich mit meinen Schwärmereien für Ursula zurückzuhalten. »Was du immer hast!«, habe ich geantwortet, »Ursula hat jede Menge Bestseller für mich!«

Mit Flamingoairlines bin ich dann nach Nürnberg geflogen. Diese Fluglinie kann ich allen Wichteln nur wärmstens empfehlen. Viel Zeit blieb uns leider nicht, Ursula ist eine sehr beschäftigte Frau und mein Flieger wollte sich nur kurz die langen Beine vertreten, um gleich wieder Richtung Heimat zu fliegen. Etwas Sorge bereitete mir schon, dass ich mit Übergewicht zu rechnen hatte, so ein Buch wiegt immerhin einiges und viele Bücher könnten zu Muskelkrämpfen in den Flügeln eines Flamingos führen! Als ich Ursula meine Bedenken vortrug, lachte sie nur und meinte, dass sie daran gedacht habe. Sie drückte mir ein merkwürdiges Gerät in die Hand. Eine Menschenerfindung, die E-Book-Reader heißt.


Was soll ich Euch sagen, liebe Menschen. Nachdem ich wieder sicher in meinem Wichteldorf angekommen bin, habe ich das Gerät in Betrieb genommen. Ursula Prem hatte mir tatsächlich jede Menge Bücher auf das Lesegerät geladen.

Das war ein Jubel, denn es sind alle Neuerscheinungen von meinem Lieblingsmenschenautor Walter-Jörg Langbein
Die Neuerscheinungen von Walter Jörg Langbein findet Ihr hier auf seiner Seite im Netz. Ich kann Euch nur zurufen: Kaufen! Lesen! Weiterempfehlen!

Bevor ich mich jetzt meinem E-Book-Reader zuwende, darf ich Euch noch etwas verraten: Morgen, am Dienstag, müsst Ihr unbedingt bei »Ein Buch lesen!« vorbeischauen. Ursula Prem, so hat sie mir bei unserem Abschied zugeflüstert, hat dann nämlich einen Sonderbeitrag für Euch Menschen. Soviel sei geflüstert: Es gibt dabei auch was auf die Ohren! 

Das werde ich mir auf jeden Fall auch nicht entgehen lassen.

Bis bald und winke winke 

Euer
Fido Buchwichtel





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Sonntag, 7. Juli 2013

181 »Der Herrscher und der Friseur«

Teil 181 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

>> Neue Bücher von Walter-Jörg Langbein jetzt bestellen!

In den Ruinen von Tughlaqabad
soll es spuken. Foto: W-J.Langbein
»In einer uralten indischen Ruine bin ich einem Gespenst begegnet!« Davon ist der Bauingenieur Heiner Pohlmann*, damals 28, überzeugt. Er ist davon überzeugt, dass das sogenannte »Übernatürliche«, das »Paranormale« genau so zur Natur gehört wie Sonne, Mond und Sterne. »Mein Hobby sind die ältesten Baudenkmäler der Welt. In meiner Freizeit unternehme ich deshalb Weltreisen, um vor Ort die Baukunst unserer Vorfahren zu studieren.« Eine seiner Reisen führte ihn nach Tughlaqabad zum Beispiel – Delhi Nr. 3 oder Nr. 5. (1)

In Delhi, so berichtete Heiner Pohlmann* mir, besuchte er am Ufer des Yamuna-Flusses Mausoleen. Nasir ud din Muhammad Humayun (*6. März 1508 in Kabul; † 26. Januar 1556 in Delhi) war in jungen Jahren ein mutiger Krieger, als Herrscher und Regent versagte er. 1540 fügte ihm Sher Shah eine schwerwiegende Niederlage zu. Humayun musste fliehen und lebte im persischen Exil. 1554 kehrte er in die Heimat zurück. Seine Militärexperten eroberten nach und nach das Reich für Humayun zurück, der selbst allerdings lieber astronomische Forschungen betrieb als in den Krieg zu ziehen. Am 24. Januar 1556 erlitt er einen Treppensturz ... und erlag zwei Tage später seinen schweren Verletzungen.

Bei meinen Recherchen vor Ort deutete einer der Restauratoren im Mausoleum des Humayun an, der Regent sei einem Attentat zum Opfer gefallen. Der gebildete Hindu kannte sich erstaunlich gut in der Geschichte Bayerns aus. »Euer König Ludwig II. wurde doch auch ermordet!«, meinte er schmunzelnd. Nach dem gewaltsamen Tod Humayuns folgte sein erst dreizehnjähriger Sohn Akbar. De facto regierte allerdings Bairam Khan, ein streitbarer Krieger. Sollte der in den Augen seiner Militärs zu feingeistige Regent Humayun durch einen harten Truppenführer ersetzt werden? Musste der Herrscher deshalb zu Tode stürzen?

Herrscher Humayun
Foto: Archiv W-J.Langbein
1556 siegte Bairam Khan noch in der zweiten Schlacht von Panipat und wurde gefeiert. Bald darauf – 1560 – wurde er von Akbar abgesetzt. Ob er verlorene Sympathien wieder zurückgewinnen wollte, indem er sich als zutiefst religiösen Menschen darstellte? Bairam Khan trat jedenfalls eine Pilgerreise nach Mekka an. Am 31. Januar 1561 wurde er auf dem Weg in die Heilige Stadt ermordet. Der Verdacht liegt nahe, dass es Akbar selbst war, der den Mordbefehl erteilt hat. Nach der Ermordung Bairam Khans hatte Akbar noch einen Konkurrenten: Bairam Khan. Und der wurde auf Befehl Akbars zu Tode gestürzt.

Akbar sicherte seine Herrschaft strategisch planend ab: Er setzte auf militärische Macht und auf religiöse Toleranz. Er hielt sich ein schlagkräftiges Heer. Wenn es keine Schlachten zu schlagen gab, übte das Heer die Kunst des Tötens bei groß angelegten Treibjagden. Gegen Feinde ging Akbar zunächst grausam vor. Als es ihm gelang, die Stadt Chittor erst nach langer Belagerung zu erobern, befahl er ein entsetzliches Massaker. In seinen Schlachten kamen Kriegselefanten zum Einsatz, die Panik unter den Feinden auslösten. Seine schnelle Reiterei war den gegnerischen Truppen immer überlegen. Kanonen entschieden so manche Schlacht für Akbar.

Lag der Gegner erst einmal am Boden, band er einstige Feinde durch Milde und strategisch geplante Eheschließungen an sich.

Akbar war ein intelligenter Stratege, alles andere als ein religiöser Weiser. So tat er alles, um muslimische und hinduistische Bevölkerungsgruppen zu versöhnen. Nichts spricht dafür, dass der Regent so etwas wie ein Humanist war. Er war Realpolitiker. Er erkannte, dass Spannungen zwischen Untertanen muslimischen und hinduistischen Glaubens früher oder später zu massiven Konflikten führen mussten. Solche Konflikte wurden meist irgendwann auf dem Schlachtfeld ausgetragen. Solche Kriege im Reich konnten leicht dazu führen, dass die Einheit zerfiel, dass kleinere Einzelstaaten entstanden. Dazu sollte es nicht kommen. Also versuchte Akbar die Konflikte erst gar nicht entstehen zu lassen.

Das Grabmonument Humayuns - Foto: W-J.Langbein
So schaffte er die Sondersteuern für Hindus und andere nichtmuslimische Gruppen ab. Hindus sollten nicht mehr als »böse Ungläubige« behandelt werden. Hindus wurden im vom Islam dominierten Reich als höchste Würdenträger eingesetzt und geehrt.

Muslim Akbar, mit einer Hindu-Prinzessin verheiratet, gelang es, eine hinduistisch-muslimische Mischkultur zu schaffen. Er ließ Hindu-Werke wie das Mahabharata übersetzen.

Bauingenieur Heiner Pohlmann* war felsenfest davon überzeugt, dass die blutigen Gemetzel ideale Voraussetzung für Spukerscheinungen waren. Offen gesagt: Mir sind keine unheimlichen Gestalten begegnet, die ihren tragischen Tod beklagten. Selbst in der palastartigen Grabstätte Humayuns war es nur drückend heiß. Kein kalter Hauch aus Grabestiefe sorgte für Erfrischung. Und dabei wurde mir vor Ort von meinem kundigen Informanten versichert, dass gelegentlich der Geist eines finster drein blickenden Mannes erscheine. Angeblich hat man ihn identifiziert ... als den Friseur Humayuns.

Welche Rolle spielte der Friseur Humayuns? Warum wurde ihm ein imposantes Mausoleum im Süd-Osten des Herrschergrabs gewährt? »Nai ka Gumbad« heißt der quadratische Bau mit Doppelkuppel Der Barbier – seinen Namen konnte ich bis heute nicht ausfindig machen – soll »eine wichtige Rolle« in der Herrscherfamilie gespielt haben. Welche? Im Inneren des Grabmals des Friseurs wurden zwei weitere Personen bestattet. Waren es Angehörige des Friseurs?

Weltberühmt ist das Taj Mahal in Agra. Weniger bekannt sein dürfte, dass das Taj Mahal lediglich eine Weiterentwicklung des pompösen Grabs von Nasir ud din Muhammad Humayun darstellt. Haji Begum, die Witwe des Humayun, hat es erbauen lassen ... als pompöse Anlage im persischen Stil. Bestimmt wird die Grabanlage von einer riesigen Kuppel, der Unterbau wird durch Eingänge und Rundbögen geschickt aufgelockert.

Das Grab des Friseurs - Foto: W-J.Langbein
Die besten Architekten kreierten ein Paradoxon: der gewaltige, ja massige Bau wirkt dank genialer Baukunst seltsam grazil und leicht. Haji Begum bedankte sich auf ihre Weise: Indem sie – links vom Haupteingang – die fünf führenden Architekten ehrenvoll bestatten ließ. Waren die Architekten Träger geheimen Wissens? Waren sie Wissenschaftler, die ihre wichtigsten Erkenntnisse in Stein verewigten? Werden wir je ihre Bauten wie ein Buch lesen können?
Im prachtvollen Garten wurde ein durchaus imposantes weiteres Grabmonument erschaffen. Hier ruht kein Fürst, hier fand kein Krieger oder Verwandter des Herrschers die letzte Ruhestätte ... sondern der Friseur Humayuns!

Die Architekten, die Humayuns Grabmal schufen, waren vorzügliche Mathematiker. Mit einem Bauplan des Komplexes in den Händen umrundete ich mehrfach die sakrale Kultanlage. Ich ging mehrfach den Hauptweg durch die Gärten, durch eine grüne Allee, durch die majestätischen Tore ... Aber den Bauplan vermochte ich nicht zu erkennen. Die Tore, Mauern und Gänge kamen mir wie ein kompliziertes Gewirr von Formen vor, ohne erkennbaren Plan. Und doch basiert das Grabmal Humayuns auf einem streng eingehaltenen geometrischen Grundriss.

Das Grabmal Humayuns ist so etwas wie eine Ode aus Stein an die heilige Geometrie. Als Ausgangspunkt diente den Architekten ein großes X auf dem Bauplan. Im Zentrum befindet sich exakt der Mittelpunkt der großen Kuppel. Jetzt werden in den Grundriss sechs weitere Kreise eingezeichnet, die sich überlappen ... und ein großes X bilden. Die einzelnen Kreise wiederum wurden pedantisch genau in quadratische, in sich symmetrische geometrische Figuren verwandelt ... auf dem Zeichenbrett. Nach diesen komplexen Plänen wurden dann Haupt und Nebengebäude errichtet, die ein mysteriöses Ganzes ergeben. Jeder einzelne Räume um die Kuppel (2) »ist in sich symmetrisch und existiert ohne Bezug auf andere Räume ... Sie erscheinen als selbständige Baukörper, da sie sich mit je fünf Fassaden ... vom Hauptbau trennen ...«

Grabmal und Bauplan
Fotos: W-J.Langbein
Wir müssen staunend, ja bewundernd zugeben, dass wir die Geheimnisse der Architektur nicht einmal nur erahnen. Das Grabmal Humayuns ist majestätisch und beeindruckend. Die innere Schönheit aber erschließt sich dem Besucher nicht. Um sie wahrnehmen zu können, muss man die komplexen Baupläne studieren. Ich bin davon überzeugt, dass die Architekten Esoteriker waren, die der verborgenen Wirklichkeit ein Denkmal schaffen wollten. Denken wir an den Aufbau von Materie. Wir sehen nur das Äußere, die Schönheit der Atome bleibt unserem Auge verborgen. Die Welt der Atome, der Elektronen und Ionen wirkt wie ein Kosmos aus Sternen und Planeten ... symmetrisch wie der Bauplan von Humayuns Grabmal.

Indien war – schon lange vor der muslimischen Zeit – ein Land der Wissenschaften. Astronomie wurde betrieben, die Welt der Sterne und Planeten wurde erforscht. Arabische Wissenschaftler studierten Texte aus dem »Alten Indien«. Wir kennen und verwenden heute noch die »arabischen Zahlen«. Weniger bekannt ist, dass die Araber ihrerseits eben diese Zahlen von den Indern übernommen und als »indische Zahlen« bezeichnet haben.

*Name geändert

Fußnoten
1: Siehe Folge 171 dieser Serie!
2: Stierlin, Henri (Herausgeber): »Islamisches Indien«, Band 10 der Reihe »Architektur der Welt«, herausgegeben von Henri Stierlin, Köln, ohne Jahresangabe, S. 53

»Die Osterinsel-Connection«,
Teil 181 der Serie »Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 14.07.2013




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