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Sonntag, 9. November 2014

251 »Tresore für die Ewigkeit«

Teil 251 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Die drei großen Pyramiden- Tresore des Wissens? (X)

Am 25. Oktober 2014 hielt ich im Rahmen des »One-Day-Meetings« der »A.A.S.«-Gesellschaft in Bremen einen Vortrag: »Pyramiden, Monster, Fabelwesen – Von Cheops bis zum Dom in Paderborn«. Hier im Blog lesen Sie eine ausführlichere Fassung meines Vortrags, heute abschließend  Teil 4!

Die uns vermeintlich vertrauten Schriften des Alten Testaments bieten immer noch – wie ich darzulegen versucht habe – Hinweise auf die rätselhafte Vergangenheit der Menschheit. Wo können wir noch Informationen über die »verbotene« Vergangenheit erhalten? In Mali (1) warteten hunderttausende Manuskripte darauf, übersetzt und wissenschaftlich ausgewertet zu werden. Das war 2010. Dann marschierten islamistische Rebellen in Timbuktu ein. »GEOthema« (2): »Knapp zwei Jahre später wurde Timbuktu von islamistischen Rebellen besetzt. Zehn Monate lang wüteten die Dschihadisten, praktizierten ihre Scharia mit dem Abschlagen von Diebeshänden und mit Auspeitschungen von Ehebrechern. Und sie zerstörten Heiligengräber, die seit 1988 zum Weltkulturerbe gehörten.«

Zunächst hatte es den Anschein, als ob die Dschihadisten die gigantische Bibliothek als Teil des islamischen Kulturerbes verschonen würden. Kurz vor ihrer Flucht aus Timbuktu verwüsteten sie aber die Werkstatt des Ahmed-Baba-Instituts, in der kostbarste Handschriften in Schutzbehältern lagerten. Abdoulaye Cissé, einziger leitender Angestellter des Instituts, der nicht vor den islamistischen Rebellen geflohen war (3): »Wir fanden dort viel Asche.«

Stadtplan von Timbuktu, um 1855
Unklar war, wie viele der Schriften vernichtet worden sind, wie viele verschont blieben und wie viele der alten Bücher doch dem Zahn der Zeit – etwa in Gestalt von Insekten – zum Opfer fielen. Die kostbaren Dokumente stammen aus einer Zeit, als Timbuktu ein Zentrum des Wissens war.

»Jetzt,« so konstatiert GEOthema skeptisch und hoffnungsvoll zugleich (4), »muss sich herausstellen, wie viele von ihnen den Krieg überstanden haben.«

»Seit Jahrhunderten schon sind die Manuskripte bedroht – durch Hitze, Staub, Insekten, Räuber.«, vermeldete die »Süddeutsche Zeitung« in einem umfangreichen Artikel, betitelt »Der Schatz von Timbuktu« (5). Der Bericht stimmt hoffnungsvoll: »Als die Islamisten die Stadt (Timbuktu) überfielen, zündeten sie die berühmten Bibliotheken an. Einige Mutige aber versteckten die meisten Schriften.«

Abdel Kader Haidara schätzte die fanatischen Islamisten richtig ein. Rechtzeitig kaufte er – mit ausländischer Hilfe – zweieinhalbtausend Metallkisten. In den Kisten wurden die uralten, kostbaren Schriften der legendären Bibliotheken auf zum Teil abenteuerlichen Wegen in Sicherheit gebracht. Haidara verteilte die metallenen Behältnisse »unter drei Dutzend Familien in Timbuktu, und gemeinsam schafften sie erst die Manuskripte nachts aus den Bibliotheken bin die Verstecke zu Hause, dann füllten sie die Kisten mit den Manuskripten und begannen sie, nach Süden zu schmuggeln, Richtung Bamako, der Hauptstadt von Mali, durch die Checkpoints der Dschihadisten, in Geländewagen, auf Eselsrücken, in Booten auf dem Niger. Nie mehr als zwei Kisten gleichzeitig, inmitten der restlichen Ladung versteckt, auf immer anderen Routen, um keinen Verdacht zu erregen.« (6)

Als die Bibliotheken von Timbuktu brannten, hatte Abdel Kader Haidara mit seinen mutigen Helfern bereits einen Großteil der kostbaren Manuskripte – die »Süddeutsche« berichten von 285.000 an der Zahl – in die Hauptstadt Bamako geschafft. In Sicherheit sind sie aber leider noch immer nicht. Sehr viele der uralten Dokumente sind vom Zerfall bedroht, müssten unbedingt aufwändig restauriert und konserviert werden. Im Geheimen findet ein Wettlauf statt: gegen die Dschihadisten und gegen die Zeit. Nach und nach sollen die Texte digitalisiert werden. »Die Retter und Restauratoren stehen vor einem Dilemma. Einerseits brauchen sie eine unendliche Geduld bei der ihrer Arbeit, damit die Papiere nicht weiter zerfallen, andererseits müssen sie sich auch beeilen, denn jede zeitliche Verzögerung nagt weiter an der Substanz der jahrhundertealten Schriften.« (7) Und die Rettungsarbeiten müssen im Geheimen an geheimen Orten erfolgen… aus Angst vor der Zerstörungswut der Dschihadisten!

Cheops vor »seiner« Pyramide. Fotos W-J.Langbein

Wenn heutige Historiker über das Weltwunder »Große Pyramide« sprechen, dann lassen sie keinen Zweifel aufkommen, dass es der Pharao Cheops war, der dafür verantwortlich zeichnete. Wenn es um eine Chronik der Geschichte Ägyptens geht, greifen diese Gelehrten gern auf die Aufzeichnungen früher Historiker zurück. Ihnen wird gern Glauben geschenkt, so lange ihre Überlieferungen dem Bild entsprechen, das sich Historiker unserer Tage von Ägyptens Vergangenheit machen. Aussagen, die nicht ins Konzept passen, werden schlichtweg »übersehen«.

Ein besonders eklatantes Beispiel sind die Ausführungen von Al-Makrizi, eines renommierten arabischen Geschichtsschreibers und Historikers des 14. Jahrhunderts. In seinem Werk »Hitat« (8) lässt der nämlich vernehmen:

»Die Leute sind sich über die Zeit ihrer Erbauung (der großen Pyramide), über den Namen des Erbauers und über die Ursache ihrer Erbauung nicht einig und haben die verschiedensten Meinungen geäußert, die verkehrt sind.« Dabei, so Al-Makrizi, gehe doch aus dem Werk »Nachrichten von Ägypten und seinen Wundern« eindeutig hervor, dass die Große Pyramide von einem gewissen Saurid in Auftrag gegeben worden sei. 300 Jahre vor der Sintflut sei das geschehen! Doch lassen wir den Historiker selbst zu Wort kommen: »Die Ursache der Erbauung der Pyramiden war, dass dreihundert Jahre vor der Sintflut Saurid folgenden Traum hatte: Die Erde kehrte sich mit ihren Bewohnern um, die Menschen flüchteten in blinder Hast, und die Sterne fielen herab.«

Grab oder Tresor? Foto Walter-Jörg Langbein

Saurid nahm diesen Traum ernst. Er ließ die Große Pyramide erbauen und eine Inschrift an der Spitze anbringen: »Ich, Saurid, der König, habe diese Pyramiden erbaut, und ich habe ihre Erbauung in sechs Jahren vollendet.« Und zwar als Tresore des Wissens. Die Inschrift enthüllte weiter: »Diese Pyramiden haben unter der Erde Tore, an die sich ein gewölbter Gang anschließt. Jeder Gang ist hundertfünfzig Ellen lang. Das Tor der östlichen Pyramide liegt auf der Nordseite, das der westlichen auf der Westseite, und das Tor des gewölbten Gangs der mit der Mauerbekleidung versehenen Pyramide liegt auf der Südseite.«

Im 33. Kapitel von Al-Makrizis »Hitat« lesen wir: »Da ließ er die Pyramiden bauen und in ihnen Schätze, gelehrte Schriften, und alles, worum er sich sorgte, dass es verloren gehen und verschwinden könnte, bergen, um die Dinge zu schützen und wohl zu bewahren.«

Liest man, was da davor bewahrt werden sollte, eventuell bei der Sintflut verloren zu gehen, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Nochmals sei das »Hitat« zitiert: »Daraufhin ließ er (der Erbauer der Großen Pyramide) in der westlichen Pyramide dreißig Schatzkammern aus farbigem Granit anlegen: Die wurden angefüllt mit reichen Schätzen, mit Geräten und Bildsäulen aus kostbaren Edelsteinen, mit Geräten aus vortrefflichem Eisen, wie Waffen, die nicht rosten, mit Glas, das sich zusammenfalten lässt, ohne zu brechen, mit seltsamen Talismanen, mit den verschiedenen Arten der einfachen und der zusammengesetzten Heilmittel und mit tödlichen Giften. In der östlichen Pyramide ließ er die verschiedenen Himmelsgewölbe und die Planeten darstellen sowie an Bildern anfertigen, was seine Vorfahren hatten schaffen lassen. Dazu kamen Weihrauch, den man den Sternen opferte, und Bücher über diese. Auch findet man dort die Fixsterne und das, was sich in ihren Perioden von Zeit zu Zeit begibt. In die farbige Pyramide endlich ließ er die Leichname der Wahrsager in Särgen aus schwarzem Granit bringen, neben jedem Wahrsager lag ein Buch, in dem seine wunderbaren Künste, sein Lebenslauf und seine Werke beschrieben waren.«

Hütet sie Wissen.. älter als die Sintflut? Foto W-J.Langbein

Die meisten Ägyptologen  lächeln nur mitleidig, wenn sie die Behauptung hören, die Cheops-Pyramide stamme gar nicht von Cheops und sei älter als die Sintflut. Aber ist denn längst bewiesen, dass Cheops mit dem Bau der Großen Pyramide absolut nichts zu tun haben kann? Prof. Dr. Willy Wölfli –  er verstarb am 1. März  2014 im 84. Lebensjahr – wurde von Kollegen als »unabhängiger Denker, der oft unkonventionelle Wege beschritt, um seine vielfältigen Ideen zu verwirklichen« (9). Mit mehreren Kollegen von anderen wissenschaftlichen Instituten hat Prof. Wölfli insgesamt sechzehn Materialproben aus der sogenannten »Cheops-Pyramide« datiert. Alle Proben stammen nicht aus der Zeit des Cheops, sondern sind fast ein Jahrtausend älter.

Professor Dr. Robert Schoch, Universität von Boston, rückte der Sphinx mit sogenannten seismischen Bojen zuleibe. Mit Hilfe von Schallwellen wurde der steinerne Leib des Fabelwesens auch dort unter die Lupe genommen, wo er sich unseren Blicken entzieht, nämlich unter dem Sand. Dabei wurden deutliche, nicht zu übersehende Verwitterungen entdeckt, die – so Schoch – eindeutig auf Wasserschäden zurückzuführen sind. Sie können nicht zu Zeiten Cheops, sie müssen mindestens 7 000 vor Christus entstanden sein, wenn nicht noch früher!

Ich darf in Erinnerung rufen: Gemäß des Historikers Taqi al-Din Abu al-Abbas Ahmad ibn 'Ali ibn 'Abd al-Qadir ibn Muhammad al-Makrizi  (1364-1442) gibt es in der Großen Pyramide Geheimkammern mit Schätzen von unvorstellbarem Wert. Lange vor der Sintflut habe Saurid das mysteriöse Wissen seiner Zeit abspeichern und für die Ewigkeit erhalten wollen. Ist Al-Makrizi der einzige Historiker, der eine vorsintflutliche Entstehung der sogenannten »Cheopspyramide« postuliert? Keineswegs! Bislang unbeachtet blieb nicht nur in Kreisen der »A.A.S.« der Historiker Abu Ja Far Al-Idrisi. Sein Werk (10) liegt bislang in keiner Übersetzung in eine europäische Sprache vor. Sehr hilfreich ist die Ausgabe von Ulrich Haarmann (11), die auch den arabischen Text, aber auch eine höchst interessante Einleitung in deutscher Sprache enthält.

Joachim Wtewael, um 1595: »Die Sintflut« (X)

Abu Ja´far al-Idrisi (1173-1251)  war einer der ersten Forscher, die die Geheimnisse der Pyramiden vom Gizeh-Plateau zu ergründen versuchten. Nach intensivem Quellenstudium kam er zum Ergebnis, dass die heute nach Cheops benannte Pyramide sehr viel älter als gemeinhin angenommen sei. Sie soll »vor der Sintflut« gebaut worden sein. Demnach baute König Saurid vor der großen Flut Pyramiden als Tresore für uraltes fantastisches Wissen. Al-Idrisi fasst im vierten Kapitel seines Opus » Kitab Anwar uluw al-ajram fi l-kashf an asrar al-ahram« die Ergebnisse seiner umfangreichen Recherchen in Sachen Pyramiden zusammen. Vier der von ihm konsultierten Quellen, so Ulrich Haarmann, Herausgeber des Opus des al-Idrisi (11), »sprechen sich für eine nachsintflutliche Entstehungszeit aus« (12). Ulrich Haarmann weiter (13):

»Dann wechselt Idrisi zu der sehr viel längeren Liste derer über, die von einer Errichtung der Pyramiden vor der Flut überzeugt sind.«  Vier Quellen, die die Pyramidenentstehung nach der Sintflut ansetzen, stehen vierzehn Quellen gegenüber, die von einem Bau der Pyramiden vor der Sintflut ausgehen. Al-Idrisi fabuliert nicht einfach. Wissenschaftlich exakt benennt er seine Quellen sehr genau. Einige dieser Werke sind – wie etwa die »Geschichte Ägyptens und seiner Wunder, Gräber und Pharaonen« - leider verlorengegangen (14).

Al-Idrisi listet aber nicht nur auf, er zieht schließlich ein Resümee (15): »Die These, die Pyramiden seien erst nach der Sintflut erbaut worden, sei zu verwerfen.«  Wann aber sind sie errichtet worden? Al-Idrisi findet konkrete Angaben in seinen Quellen! Demnach wurden die Tempel und Pyramiden (16) »beim Eintreten des Sternes Altair in das Sternkreiszeichen Krebs gebaut«. Das ergäbe, so Ulrich Haarmann, für den Termin des Pyramidenbaus (17) »einen Zeitpunkt vor 20.000 Jahren«. Unklar ist, wie diese Datierung genau zu verstehen ist: 20.000 Jahre vor al-Idrisi oder vor unserer Zeit?

4. Fazit: Von Timbuktu bis zu den Schatzkammern der Pyramiden
Nach wie vor ist die kostbare Bibliothek von Timbuktu bedroht. Kann sie auf Dauer vor der Zerstörung durch Dschihadisten bewahrt werden? Und was wird aus den Dokumenten des Wissens, die womöglich in den Tresoren des Wissens der Pyramiden entdeckt werden? Wird sich wirkliche Wissenschaft oder religiöser Fundamentalismus durchsetzen?

Leider gibt es »Das Pyramidenbuch des Abu Ga’far Al-Idrisi« noch nicht in Übersetzung in eine europäische Sprache. So sind wir auf Sekundärliteratur angewiesen, vor allem auf  Ulrich Haarmanns ausführliche Einleitung zur arabischen Ausgabe (41). Warum wurden nach al-Idrisis Recherche die großen Pyramiden gebaut? Sie waren als Tresore des Wissens gedacht, die die Sintflut überdauern sollten. Ulrich Haarmann fasst zusammen (19): »Die Pyramiden werden daraufhin unter einem glückbringenden Gestirn mit ungeheurem Aufwand an Material, größter Sorgfalt und technischen Finessen ... errichtet. Das ganze Land Ägypten feierte mit, als sie fertig gestellt waren. Daraufhin wurden in der Chefrenpyramide Schätze und kostbare   Geräte – zum Beispiel rostfreie Waffen und unzerbrechliches Glas – und vieles mehr deponiert; in der Cheopspyramide wurde den Sternen gehuldigt und unter anderem alles Wissenswerte über die Geschichte Ägyptens bis zum Ende der Tage in Hieroglyphen festgehalten; die Mykerinospyramide schließlich wurde zur Gruft der streng hierarchisch in sieben Ränge gegliederten Priesterschaft.«

Al-Idrisis Werk muss endlich in europäische Sprachen übersetzt werden. So manches Rätsel wartet darauf, sorgsam studiert zu werden. So berichtet Idris, dass einst ein Mann in einer Oase Binsen sammelte. Den Mann, so überliefert Al-Idrisi, verschlug es in die Nähe der Cheopspyramide. Ulrich Haarmann fasst zusammen (20): »Eigentümliche Geräusche und lodernde Feuer erschrecken ihn zutiefst, dennoch schläft er ein und findet sich beim Aufwachen plötzlich in der Gegend wieder, weitab von den Pyramiden, in der er seine Binsen gesammelt hatte.«

Wir müssen uns fragen, ob und in wieweit die von al-Idrisi gesammelten Überlieferungen auf Fakten beruhen. Entstanden die großen Pyramiden wirklich vor der Sintflut? Und wenn ja, welche Schätze des Wissens warten auf Entdeckung? Antworten auf diese Fragen werden nur gefunden werden, wenn wirklich und unvoreingenommen vor Ort gesucht wird, zum Beispiel nach Gängen, die König Surid angeblich in und unterhalb der Pyramiden angelegt haben soll. Nicht verschwiegen werden darf in diesem Zusammenhang ein gravierendes Problem: Sollten die in den Pyramiden verborgenen Wissenstresore von den falschen Zeitgenossen entdeckt werden, dann verschwinden die verborgenen Schätze entweder in Geheimarchiven oder sie werden vernichtet. Religiöse Fanatiker sind weniger als Erhalter uralter Schriften bekannt, die womöglich nicht im Einklang mit den Doktrinen der eigenen Religion stehen könnten.

In meinem Buch »Lexikon der biblischen Irrtümer« machte ich auf einen vermeintlichen Übersetzungsfehler aufmerksam (21):

Moses von Michelangelo. Gemeinfrei. (X)
»Grimmig blickt Mose auf den Betrachter herab. So stellt man sich eigentlich den großen Mann des »Alten Testaments« nicht vor. Er wirkt nicht weise, sondern böse, ja teuflisch! Woran mag das liegen? Irgendetwas stimmt mit der Statue nicht. Irgendetwas hat der große Michelangelo (1475–1564) falsch gemacht. Aber was? Millionen von Romtouristen standen schon staunend vor der weltberühmten Statue und stellten sich diese Frage.

Michelangelo wurde Opfer eines simplen, aber folgenschweren Übersetzungsfehlers...und verpasste seinem Mose Hörner, wie wir sie sonst nur von mittelalterlichen Teufelsdarstellungen kennen! Warum?

Im Buch Exodus heißt es (22), dass das Gesicht Mose nach seiner Begegnung mit Gottstrahlte. Das hebräische Verbum heißt KRN und hat die Grundbedeutung strahlen. KRN hat aber noch eine Nebenbedeutung, nämlich Hörner tragen. Mag sein, dass dabei an Lichtstrahlen gedacht wurde, die wie Hörner ausgesehen haben mögen. Kirchenlehrer Hieronymus (*347; † 419 oder 420) engte den Sinn bei seiner Übersetzung des hebräischen Textes ins Lateinische ein: ›Et facies sua cornutuserat.‹ Und dies bedeutet eindeutig nur noch: »Und sein Angesicht war behornt.«  So kam Michelangelos Mose zu seinen Hörnern. Durch einen Übersetzungsfehler.«

Der deutsch-österreichische Alttestamentler und Religionswissenschaftler Anton Jirku (*1885; †1972) hat ein bemerkenswertes theologisches Werk hinterlassen. Mit bestechender Logik setzte er sich mit Moses und seinen vermeintlichen »Strahlen« auseinander (23). Sprachwissenschaftlich exakt weist er nach, dass Moses nicht strahlte, sondern eine Maske mit zwei Hörnern trug.

Wie haben wir das zu interpretieren? Dürfen wir die »Verkleidung« des Moses als eine Art von Cargo-Kult verstehen, als Imitation unverstandener Technologie? Oder wie sonst ist es zu verstehen , »daß die ›Hülle‹ des Mose an ihrem oberen Ende Hörner trug« (24)? Sollte Moses also mehr als nur eine Gesichtsmaske getragen haben, also eine den ganzen Körper umschließende »Hülle« mit »Hörnern«.


Moses von José de Ribera um 1640 (X)


Fußnoten

1) »GEOthema 07«, S. 102-S.115: »Der Schatz von Timbuktu«, S.102-115
2) ebenda, S. 114, linke Spalte, Zeilen 27-34 von unten
3) ebenda, S. 114, mittlere Spalte, 1. Zeile von unten
4) ebenda, S. 107, links oben
5) Zick, Tobias: »Der Schatz von Timbuktu/ Als die Islamisten die Stadt überfielen..«, »Süddeutsche Zeitung«, 12. September 2014, S. 3
6) ebenda
7) ebenda
8) Al-Makrizi-Zitate siehe »Das Pyramidenkapitel in Al Makrizi’s ›Hitat‹, übersetzt von Erich Graefe, Leipzig 1911 oder Eggers, Stefan (Hrsg.): »Das Pyramidenkapitel in Al-Makrizi’s ›Hitat‹«, Hamburg 2003
9) Nachruf der E.T.H. Zürich auf Prof. Wölfli vom 6. März 2014
10) Sezgin, Fuat (Hrsg): »Abu Ja Far Al-Idrisi/ Light on the Voluminous Bodies to Reveal the Secrets of the Pyramids - Kitab Anwar uluw al-ajram fi l-kashf an asrar al-ahram«, Text in Arabisch,  Publications of the Institute for the History of Arabic-Islamic Science, Series C, Facsimile edition, 1988
11) Haarmann, Ulrich (Hrsg): »Das Pyramidenbuch des Abu Ga’far Al-Idrisi«,
Beiruter Texte und Studien, Band 38, Beirut 1991
12) ebenda, S. 80, Zeilen 1 und 2 von oben
13) ebenda, S. 80, Zeilen 6 und 7 von unten

Gehörnter Moses von Benediktbeuern. Foto W-J.Langbein
14) ebenda, S. 80 unten bis S. 86 unten
15) ebenda, S. 85, Zeilen 8-10 von oben
16) ebenda, S. 85, Zeilen 1 und 2 von unten
17) ebenda, S. 86, Zeilen 7-9 von oben
18) Haarmann, Ulrich (Hrsg): »Das Pyramidenbuch des Abu Ga’far Al-Idrisi«, Beiruter Texte und Studien, Band 38, Beirut 1991, »Einleitung«, S. 1- S. 94
19) ebenda, S. 88, Zeilen 6-18 von oben
20) ebenda, S. 90, Z. 17-21 von oben
21) Langbein, Walter-Jörg: »Lexikon der biblischen Irrtümer«, München 2003,siehe Kapitel »Mose – schrieb nicht die fünf 
Bücher Mose«, Zitat S.103 unten und S. 104 oben
22) 2. Buch Mose Kapitel 34, Vers 30
23) Jirku, Anton: »Von Jerusalem nach Ugarit«, Graz 1966 (»Strahlen Mose« S. 133- S. 136, Seitenzählung unten)
24) ebenda, Seite 136, Zeilen 3-4 von unten (Seitenzählung unten!)

 Mit X gekennzeichnete Fotos sind gemeinfrei und befinden sich im Archiv des Verfassers.

»Ein Panoptikum des Schreckens - in der Kirche«,
Teil 252 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 16.11.2014



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Sonntag, 7. Juli 2013

181 »Der Herrscher und der Friseur«

Teil 181 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

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In den Ruinen von Tughlaqabad
soll es spuken. Foto: W-J.Langbein
»In einer uralten indischen Ruine bin ich einem Gespenst begegnet!« Davon ist der Bauingenieur Heiner Pohlmann*, damals 28, überzeugt. Er ist davon überzeugt, dass das sogenannte »Übernatürliche«, das »Paranormale« genau so zur Natur gehört wie Sonne, Mond und Sterne. »Mein Hobby sind die ältesten Baudenkmäler der Welt. In meiner Freizeit unternehme ich deshalb Weltreisen, um vor Ort die Baukunst unserer Vorfahren zu studieren.« Eine seiner Reisen führte ihn nach Tughlaqabad zum Beispiel – Delhi Nr. 3 oder Nr. 5. (1)

In Delhi, so berichtete Heiner Pohlmann* mir, besuchte er am Ufer des Yamuna-Flusses Mausoleen. Nasir ud din Muhammad Humayun (*6. März 1508 in Kabul; † 26. Januar 1556 in Delhi) war in jungen Jahren ein mutiger Krieger, als Herrscher und Regent versagte er. 1540 fügte ihm Sher Shah eine schwerwiegende Niederlage zu. Humayun musste fliehen und lebte im persischen Exil. 1554 kehrte er in die Heimat zurück. Seine Militärexperten eroberten nach und nach das Reich für Humayun zurück, der selbst allerdings lieber astronomische Forschungen betrieb als in den Krieg zu ziehen. Am 24. Januar 1556 erlitt er einen Treppensturz ... und erlag zwei Tage später seinen schweren Verletzungen.

Bei meinen Recherchen vor Ort deutete einer der Restauratoren im Mausoleum des Humayun an, der Regent sei einem Attentat zum Opfer gefallen. Der gebildete Hindu kannte sich erstaunlich gut in der Geschichte Bayerns aus. »Euer König Ludwig II. wurde doch auch ermordet!«, meinte er schmunzelnd. Nach dem gewaltsamen Tod Humayuns folgte sein erst dreizehnjähriger Sohn Akbar. De facto regierte allerdings Bairam Khan, ein streitbarer Krieger. Sollte der in den Augen seiner Militärs zu feingeistige Regent Humayun durch einen harten Truppenführer ersetzt werden? Musste der Herrscher deshalb zu Tode stürzen?

Herrscher Humayun
Foto: Archiv W-J.Langbein
1556 siegte Bairam Khan noch in der zweiten Schlacht von Panipat und wurde gefeiert. Bald darauf – 1560 – wurde er von Akbar abgesetzt. Ob er verlorene Sympathien wieder zurückgewinnen wollte, indem er sich als zutiefst religiösen Menschen darstellte? Bairam Khan trat jedenfalls eine Pilgerreise nach Mekka an. Am 31. Januar 1561 wurde er auf dem Weg in die Heilige Stadt ermordet. Der Verdacht liegt nahe, dass es Akbar selbst war, der den Mordbefehl erteilt hat. Nach der Ermordung Bairam Khans hatte Akbar noch einen Konkurrenten: Bairam Khan. Und der wurde auf Befehl Akbars zu Tode gestürzt.

Akbar sicherte seine Herrschaft strategisch planend ab: Er setzte auf militärische Macht und auf religiöse Toleranz. Er hielt sich ein schlagkräftiges Heer. Wenn es keine Schlachten zu schlagen gab, übte das Heer die Kunst des Tötens bei groß angelegten Treibjagden. Gegen Feinde ging Akbar zunächst grausam vor. Als es ihm gelang, die Stadt Chittor erst nach langer Belagerung zu erobern, befahl er ein entsetzliches Massaker. In seinen Schlachten kamen Kriegselefanten zum Einsatz, die Panik unter den Feinden auslösten. Seine schnelle Reiterei war den gegnerischen Truppen immer überlegen. Kanonen entschieden so manche Schlacht für Akbar.

Lag der Gegner erst einmal am Boden, band er einstige Feinde durch Milde und strategisch geplante Eheschließungen an sich.

Akbar war ein intelligenter Stratege, alles andere als ein religiöser Weiser. So tat er alles, um muslimische und hinduistische Bevölkerungsgruppen zu versöhnen. Nichts spricht dafür, dass der Regent so etwas wie ein Humanist war. Er war Realpolitiker. Er erkannte, dass Spannungen zwischen Untertanen muslimischen und hinduistischen Glaubens früher oder später zu massiven Konflikten führen mussten. Solche Konflikte wurden meist irgendwann auf dem Schlachtfeld ausgetragen. Solche Kriege im Reich konnten leicht dazu führen, dass die Einheit zerfiel, dass kleinere Einzelstaaten entstanden. Dazu sollte es nicht kommen. Also versuchte Akbar die Konflikte erst gar nicht entstehen zu lassen.

Das Grabmonument Humayuns - Foto: W-J.Langbein
So schaffte er die Sondersteuern für Hindus und andere nichtmuslimische Gruppen ab. Hindus sollten nicht mehr als »böse Ungläubige« behandelt werden. Hindus wurden im vom Islam dominierten Reich als höchste Würdenträger eingesetzt und geehrt.

Muslim Akbar, mit einer Hindu-Prinzessin verheiratet, gelang es, eine hinduistisch-muslimische Mischkultur zu schaffen. Er ließ Hindu-Werke wie das Mahabharata übersetzen.

Bauingenieur Heiner Pohlmann* war felsenfest davon überzeugt, dass die blutigen Gemetzel ideale Voraussetzung für Spukerscheinungen waren. Offen gesagt: Mir sind keine unheimlichen Gestalten begegnet, die ihren tragischen Tod beklagten. Selbst in der palastartigen Grabstätte Humayuns war es nur drückend heiß. Kein kalter Hauch aus Grabestiefe sorgte für Erfrischung. Und dabei wurde mir vor Ort von meinem kundigen Informanten versichert, dass gelegentlich der Geist eines finster drein blickenden Mannes erscheine. Angeblich hat man ihn identifiziert ... als den Friseur Humayuns.

Welche Rolle spielte der Friseur Humayuns? Warum wurde ihm ein imposantes Mausoleum im Süd-Osten des Herrschergrabs gewährt? »Nai ka Gumbad« heißt der quadratische Bau mit Doppelkuppel Der Barbier – seinen Namen konnte ich bis heute nicht ausfindig machen – soll »eine wichtige Rolle« in der Herrscherfamilie gespielt haben. Welche? Im Inneren des Grabmals des Friseurs wurden zwei weitere Personen bestattet. Waren es Angehörige des Friseurs?

Weltberühmt ist das Taj Mahal in Agra. Weniger bekannt sein dürfte, dass das Taj Mahal lediglich eine Weiterentwicklung des pompösen Grabs von Nasir ud din Muhammad Humayun darstellt. Haji Begum, die Witwe des Humayun, hat es erbauen lassen ... als pompöse Anlage im persischen Stil. Bestimmt wird die Grabanlage von einer riesigen Kuppel, der Unterbau wird durch Eingänge und Rundbögen geschickt aufgelockert.

Das Grab des Friseurs - Foto: W-J.Langbein
Die besten Architekten kreierten ein Paradoxon: der gewaltige, ja massige Bau wirkt dank genialer Baukunst seltsam grazil und leicht. Haji Begum bedankte sich auf ihre Weise: Indem sie – links vom Haupteingang – die fünf führenden Architekten ehrenvoll bestatten ließ. Waren die Architekten Träger geheimen Wissens? Waren sie Wissenschaftler, die ihre wichtigsten Erkenntnisse in Stein verewigten? Werden wir je ihre Bauten wie ein Buch lesen können?
Im prachtvollen Garten wurde ein durchaus imposantes weiteres Grabmonument erschaffen. Hier ruht kein Fürst, hier fand kein Krieger oder Verwandter des Herrschers die letzte Ruhestätte ... sondern der Friseur Humayuns!

Die Architekten, die Humayuns Grabmal schufen, waren vorzügliche Mathematiker. Mit einem Bauplan des Komplexes in den Händen umrundete ich mehrfach die sakrale Kultanlage. Ich ging mehrfach den Hauptweg durch die Gärten, durch eine grüne Allee, durch die majestätischen Tore ... Aber den Bauplan vermochte ich nicht zu erkennen. Die Tore, Mauern und Gänge kamen mir wie ein kompliziertes Gewirr von Formen vor, ohne erkennbaren Plan. Und doch basiert das Grabmal Humayuns auf einem streng eingehaltenen geometrischen Grundriss.

Das Grabmal Humayuns ist so etwas wie eine Ode aus Stein an die heilige Geometrie. Als Ausgangspunkt diente den Architekten ein großes X auf dem Bauplan. Im Zentrum befindet sich exakt der Mittelpunkt der großen Kuppel. Jetzt werden in den Grundriss sechs weitere Kreise eingezeichnet, die sich überlappen ... und ein großes X bilden. Die einzelnen Kreise wiederum wurden pedantisch genau in quadratische, in sich symmetrische geometrische Figuren verwandelt ... auf dem Zeichenbrett. Nach diesen komplexen Plänen wurden dann Haupt und Nebengebäude errichtet, die ein mysteriöses Ganzes ergeben. Jeder einzelne Räume um die Kuppel (2) »ist in sich symmetrisch und existiert ohne Bezug auf andere Räume ... Sie erscheinen als selbständige Baukörper, da sie sich mit je fünf Fassaden ... vom Hauptbau trennen ...«

Grabmal und Bauplan
Fotos: W-J.Langbein
Wir müssen staunend, ja bewundernd zugeben, dass wir die Geheimnisse der Architektur nicht einmal nur erahnen. Das Grabmal Humayuns ist majestätisch und beeindruckend. Die innere Schönheit aber erschließt sich dem Besucher nicht. Um sie wahrnehmen zu können, muss man die komplexen Baupläne studieren. Ich bin davon überzeugt, dass die Architekten Esoteriker waren, die der verborgenen Wirklichkeit ein Denkmal schaffen wollten. Denken wir an den Aufbau von Materie. Wir sehen nur das Äußere, die Schönheit der Atome bleibt unserem Auge verborgen. Die Welt der Atome, der Elektronen und Ionen wirkt wie ein Kosmos aus Sternen und Planeten ... symmetrisch wie der Bauplan von Humayuns Grabmal.

Indien war – schon lange vor der muslimischen Zeit – ein Land der Wissenschaften. Astronomie wurde betrieben, die Welt der Sterne und Planeten wurde erforscht. Arabische Wissenschaftler studierten Texte aus dem »Alten Indien«. Wir kennen und verwenden heute noch die »arabischen Zahlen«. Weniger bekannt ist, dass die Araber ihrerseits eben diese Zahlen von den Indern übernommen und als »indische Zahlen« bezeichnet haben.

*Name geändert

Fußnoten
1: Siehe Folge 171 dieser Serie!
2: Stierlin, Henri (Herausgeber): »Islamisches Indien«, Band 10 der Reihe »Architektur der Welt«, herausgegeben von Henri Stierlin, Köln, ohne Jahresangabe, S. 53

»Die Osterinsel-Connection«,
Teil 181 der Serie »Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 14.07.2013




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Sonntag, 13. November 2011

95 »Elektrizität im Altertum – das Licht der Pharaonen«

Teil 95 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Gigantisches Symbol für Ägypten in Stein
Foto: W-J.Langbein
Die »Alten Ägypter« bauten riesige Pyramiden ... und kannten die Glühbirne! Unbestreitbar ist: Denken wir an Ägypten, kommt uns die »Cheops-Pyramide« in den Sinn, das Symbol für das Reich der Pharaonen am Nil. Aber: Die »alten« Ägypter sollen das Geheimnis der Glühbirne gekannt haben? Eine absurde Behauptung? Keineswegs! 1975 machte mich der dänische Forscher Frede Melhedegaard (1) auf geheimnisvolle Wandreliefs aufmerksam ... verborgen in unterirdischen Krypten eines uralten Tempels ... die so etwas wie Glühbirnen als sakrale Objekte zeigen. Im Tempel von Dendera ... oder besser gesagt darunter … fand man tatsächlich detailreiche, präzise Abbildungen von Glühbirnen.

Nur etwa zwei Fünftel des Tempels von Dendera sind zu sehen ... über dem Wüstenboden. Der größere Teil der uralten Kultanlage befindet sich unter der Erdoberfläche ... in der Unterwelt, in der Finsternis unter dem Wüstensand ... Dendera liegt etwa 70 Kilometer nördlich von Luxor. Der mysteriöse Tempel ist der Göttin Hathor geweiht. Dendera galt schon im »Alten Reich«, also etwa in der Zeit von 2600 bis 2200 vor Christus, als bedeutsame Wallfahrtsstätte. Man kann davon ausgehen, dass der heutige Tempel auf weit älteren Fundamenten eines uralten Bauwerks errichtet wurde.

Wann der »Ur-Tempel« gebaut wurde ... wir wissen es nicht. Im heute noch erhaltenen Tempel fand sich eine der ältesten Darstellungen der Tierkreiszeichen in Form eines Deckengemäldes. Darin verborgen sind verschiedene konkrete Daten zwischen 700 vor Christus und 3733 vor Christus. Auf Grund dieser unterschiedlichen Daten wurde das Alter des Dendera-Tempels oft falsch angesetzt. Verschiedene Daten wurden aus dem Relief gelesen und voreilig als Altersangabe des Tempels verstanden.

So heiß umstritten auch lange Zeit das Entstehungsjahr von Tempel und Tierkreiszeichen war, so herrscht heute Klarheit. Man kann davon ausgehen, dass der Tempel von Dendera 51 vor Christus neu angelegt wurde. Ptolemaios XII. zeichnete für die Neugestaltung verantwortlich. Ptolemaios XII. war es wohl, der den einst sehr viel größeren Komplex verkleinerte. Warum dies geschah, ist unbekannt. Vielleicht waren Teile der sakralen Bauwerke reparaturbedürftig, doch die nötigen finanziellen Mittel fehlten? Oder gab man Teile der Anlage aus welchen Gründen auch immer dem Verfall preis?

Heute liegt der Dendera-Komplex in einer wenig ansprechenden Region Ägyptens. Die Höllenglut der Sonne hat den Besucher fest im Griff. Mühsam schleppt man sich schwitzend über eine Treppe hinauf auf das Dach des Dendera-Tempels. Nur wenigen Besuchern ist klar, dass dies einst ein Privileg von wenigen war. Dendera ist das letzte Tempel-Bauwerk Ägyptens, dessen Dach betreten werden darf. Von hier oben kann man Teile der alten Umfassungsmauern sehen.

Reste der einstigen Schutzmauern
Foto: W-J.Langbein
Einst wurden der Hathor-Tempel und andere sakrale Bauten von geradezu monströsen Mauern geschützt. Sie sollen, wie mir ein Archäologe vor Ort erklärte »mehrere Meter« dick und »zehn Meter« hoch gewesen sein. Wie viele Schutzmauern es insgesamt gab ... das ist ebenso unbekannt wie die ursprüngliche Gesamtgröße der Anlage. Man geht davon aus, dass die Mauern insgesamt Hunderte von Metern lang waren. Auch wissen wir nicht, wann der allererste Grundstein gelegt wurde. Illustre Herrscher wie Augustus, Caligula und Nero jedenfalls verewigten sich als Bauherren.

Teile der Mauern wurden inzwischen ausgegraben und notdürftig restauriert. Die Überreste lassen erahnen, wie gewaltig das Bollwerk einst gewesen sein muss. Dass der Tempel von Dendera heute noch so gut erhalten ist, das ist auch dem Umstand zu verdanken, dass er viele Jahrhunderte weitestgehend unter Sandmassen verborgen lag und so geschützt war. Historische Fotos lassen erahnen, wie Dendera von Archäologen nach und nach freigelegt werden musste.

Tempel von Dendera (historische Aufnahme)
Noch heute ist zu erkennen: Es waren echte Baugenies am Werk. So wurde ein unterirdischer Tunnel bis zum Nil getrieben, eine Meisterleistung der Ingenieurskunst. Besagte unterirdische Verbindung ist noch heute intakt... nach Jahrtausenden! Moderne Bauten aus Beton halten keine Jahrhunderte durch. Sie bröckeln schon nach Jahrzehnten!

Das größte Geheimnis Denderas ... ja womöglich Ägyptens ... liegt in der Unterwelt der Tempelanlage ... in geheimen Kellerräumen zeigen Wandreliefs, was so gar nicht in eine Jahrtausende alte Gruft unter einem ägyptischen Tempel passt: diverse Glühbirnen. Aufgeregt berichtete mir der dänische Forscher Frede Melhedegaard 1975 von den fantastischen Abbildungen. Am Rande der Weltkonferenz der A.A.S. In Zürich, wo er einen Vortrag hielt (3), diktierte er mir eine Fülle von Informationen. Emsig notierte ich ...

»Da gibt es Darstellungen von blasenförmigen Glühbirnen. Sie werden zum Teil von Männern gehalten. Im Inneren sieht man in Schlangenform so etwas wie den Draht. Der geht in eine Fassung am Ende der Birne über.« Aus der Fassung heraus führt dann, so Frede Melhedegaard, ein Kabel. Das Kabel wiederum wird in ein Kästchen geleitet. In einem Fall werden sogar zwei parallel geschaltete Glühbirnen gezeigt. Für Frede Melhedegaard gab es keinen Zweifel: Im »Alten Ägypten« war schon vor Jahrtausenden die Glühbirne bekannt.

Glühbirnen in der Gruft
Foto: Archiv W-J.Langbein
Mir kamen Zweifel. »Wenn in Ägypten damals elektrisches Licht bekannt war ... wenn die Menschen ihre Behausungen mit elektrischem Licht beleuchteten ... dann müssten wir doch Überbleibsel finden, Drähte, Glühbirnen ...« Frede Melhedegaard widersprach: »Elektrisches Licht war vor Jahrtausenden nicht so verbreitet wie in unseren Tagen! Glühbirnen waren nicht alltägliche Nutzgegenstände in den Häusern der Menschen! Glühbirnen, die die Nacht zum Tage machen konnten, müssen etwas Magisches gewesen sein. Sie waren nicht Bestandteil des Alltags, sie gehörten in den sakralen Bereich eines uralten Tempels!«

Das »Glühbirnenmotiv«, so erfuhr ich, taucht immer wieder auf. Und immer steht ein grimmig dreinblickender Mensch-Pavian dabei mit scharfen Messern, die er drohend empor hält. Auf diese Weise wird womöglich auf die Gefährlichkeit der technischen Anordnung hingewiesen.

Glühbirne und warnender Affe
Foto: Archiv W-J.Langbein
1975 erfuhr ich von den »Glühbirnen« von Dendera. Frede Melhedegaard stellte mir einige Zeichnungen von den fantastischen Reliefbildern zur Verfügung. Sie erschienen 1979 in meinem Buch »Astronautengötter«. (2) Nicht selten bekam ich den Vorwurf zu hören, es müsse sich bei den Zeichnungen um plumpe Fälschungen handeln. Zu eindeutig seien Glühbirnen zu erkennen ... und Glühbirnen könne es nun einmal nicht vor Jahrtausenden in Ägypten gegeben haben!

Sollten die skeptischen Kritiker Recht haben? Sollte es sich bei den gezeichneten Darstellungen wirklich um Fälschungen handeln? Ich beschloss, selbst nach Ägypten zu reisen und in die Unterwelt von Dendera zu kriechen. Ich wollte selbst in Augenschein nehmen, ob es diese ägyptischen Glühbirnen gab ... oder nicht. Bis zu meinem Besuch in Dendera sollten aber noch zehn Jahre vergehen ...

Fußnoten
1 Melhedegaard, Frede: »The Power of the Past«, Kopenhagen 1975
2 Langbein, Walter-Jörg: »Astronautengötter – Versuch einer Chronik unserer phantastischen Vergangenheit«, Luxemburg 1979
In den folgenden Jahren erschienen überarbeitete Taschenbuchausgaben und Übersetzungen meines Buches in Fremdsprachen. Ich war wohl der erste deutschsprachige Autor, der in einem Buch über das Geheimnis von Dendera berichtete.
3 Frede Melhedegaard hielt am 31.Mai 1975 auf der 2. Weltkonferenz der A.A.S.-Gesellschaft in Zürich einen Vortrag: »Die Tempel der Vergangenheit sind technische Bibliotheken«.
Die A.A.S.-Gesellschaft widmet sich dem Studium der Geheimnisse unserer Vergangenheit. Auslöser für die Gründung der Gesellschaft war Erich von Däniken mit seinen Weltbestsellern über vorgeschichtliche Besuche von Außerirdischen auf unserem Planeten. Die »A.A.S. - Forschungsgesellschaft für Archäologie, Astronautik und SETI« ist auch heute noch sehr aktiv und gibt zweimonatlich ein interessantes Magazin heraus. Alljährlich werden Konferenzen veranstaltet, die auf reges Interesse stoßen.
Kontaktanschrift: Redaktion »Sagenhafte Zeiten«, A.A.S. GmbH, Postfach, CH-3803 Beatenberg, Schweiz

Literaturempfehlung
Krassa, Peter und Habeck, Reinhard: »Das Licht der Pharaonen : Hochtechnologie und elektrischer Strom im Alten Ägypten.«, München 1992

»Eine Schlange aus Licht«,
Teil 96 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 20.11.2011


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Sonntag, 18. Oktober 2009

Geheimnisse der Osterinsel

Teil III der Serie
»Das Atlantis der Südsee«
von Walter-Jörg Langbein


»Nan Madol«, fast 100 künstliche Inseln im Pazifik, lassen uns nach wie vor staunen. Sind die kaum bekannten mysteriösen, wirklich monsterhaften Ruinen aus uralten Zeiten vielleicht monumentale Reste des versunkenen Atlantis der Südsee?

Gibt es für diese Annahme Belege? Ich fand sie auf der geheimnisvollsten Insel unseres Planeten, auf der Osterinsel. Das mysteriöse Eiland ist das wohl abgelegenste Flecken unseres Planeten. Die gigantischen Steinstatuen haben ihre Heimat weltberühmt gemacht. Auf der einsamen Osterinsel herrscht eine seltsame Atmosphäre, die sich nicht wirklich in Worte fassen lässt. Es ist, als sei die Zeit auf der Osterinsel vor vielen Jahrhunderten stehen geblieben.

Im Steinbruch, wo die Osterinselkolosse aus dem Vulkan geschlagen wurden, meint man förmlich die Künstler hören zu können. Halbfertige Statuen hängen noch im Vulkan, fertige wurden nur wenige Meter transportiert, andere wiederum hat man schon quer über die ganze Insel transportiert. Wer auch immer die riesigen Standbilder schuf, hat von heute auf morgen die Arbeit unterbrochen und nicht wieder aufgenommen. Warum? Hat eine gewaltige Katastrophe das »Projekt Riesenstatuen« abrupt beendet?

Der frühe Weltreisende und Forscherautor Ernst von Hesse-Wartegg besuchte auch die Osterinsel. In höchstem Maße beeindruckt hielt er kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs in seinem zweibändigen Werk »Die Wunder der Welt«, dass die schweigenden Riesen von »unbekannten Schöpfern« gemeißelt wurden und »wahrscheinlich zu den ältesten Skulpturen der Menschheit« gezählt werden müssen. Ob die Kolosse tatsächlich so alt sind? Widersprüchlich sind die Aussagen über die Motive der Bildhauer der Osterinsel. Einerseits heißt es, sie hätten aus Mangel an Holz zu Stein als Material greifen müssen, um sich künstlerisch zu verwirklichen. Andererseits stand ihnen dann angeblich Holz in Hülle und Fülle zur Verfügung, um die beeindruckenden Kunstwerke zu transportieren.

Ein weiteres Rätsel der Osterinsel ist die Urheimat ihrer Bevölkerung. Woher kamen die Menschen, die das Inselchen besiedelten?

Schriftliche Überlieferungen in Buchform gibt es keine... wohl aber seit ewigen Zeiten mündlich weitergereichte Erzählungen. Allen gegenteiligen Behauptungen zum Trotz ist es bis heute nicht gelungen, die »sprechenden Hölzer« der Osterinsel zum Reden zu bringen. Die hölzernen Schrifttäfelchen sind nach wie vor nicht entziffert worden. Werden wir sie je wie ein Buch lesen können?

Das Geheimnis der mysteriösen Zeichen wurde von Generation zu Generation nur wenigen würdigen Insulanern enthüllt und so weiter gereicht. Ob es heute noch Osterinsulaner gibt, die die uralte Schrift verstehen? Wenn ja, dann behalten sie ihr Wissen für sich und weihen uns »Zivilisierte« nicht ein. Das darf nicht verwundern! Kontakte mit der sogenannten »zivilisierten Welt« brachten der Osterinsel im Verlauf der letzten Jahrhunderte nur Schlechtes:

Viele Insulaner wurden in die Sklaverei verschleppt. Schlimme Krankheiten wurden auf die friedliche Insel gebracht, so dass die Bevölkerung fast vollständig dahingerafft wurde. Zeitweise war die Osterinsel quasi Privatbesitz von Viehfarmern. Und immer wieder trachteten vermeintliche »kultivierte« Besucher, den Menschen der Osterinsel fremde Lebensweisen aufzuzwingen und ihre Religion zu zerstören.

Heute – und ich weiß das von meinen Besuchen auf der Osterinsel – besinnen sich die Menschen wieder ihrer Wurzeln. Die fast in Vergessenheit geratene Sprache der Insel, das Rapanui, wird wieder verstärkt gesprochen. Der Stolz auf die eigene Geschichte wächst. Man möchte nicht »zivilisiert« werden und wehrt sich gegen Überfremdung durch Touristen. So gab es Anfang September 2009 Unruhen auf der Osterinsel. Die gigantische Landebahn, auf der Spaceshuttles landen können, wurde besetzt. Etwa zwei Tage lang konnten keine Flugzeuge landen oder starten. Deutlich zu spüren ist die Skepsis vieler Einheimischer gegenüber der viel gerühmten modernen Zivilisation.

Die Situation der Osterinsulaner ist dabei alles andere als einfach: Das Eiland ist vollkommen abhängig vom chilenischen »Mutterland«. So gut wie alles, was man zum Leben braucht, muss vom südamerikanischen Festland her eingeflogen werden. Ob die Osterinsel jemals wirklich unabhängig werden kann?

Uralte Überlieferungen besagen, dass die Urbewohner der Osterinsel einst in grauer Vorzeit von der Fremde einwanderten. Sie lebten ursprünglich auf Maori Nui Nui, zu Deutsch »Groß Maori«. Dort regierte König Taenen Arei, der alles andere als ein leichtes Amt hatte. Die Existenz der Insel Maori Nui Nui stand auf dem Spiel. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis Maori Nui Nui von Naturgewalten zerstört sein würde. Dann würden alle Bewohner sterben. Maori Nui Nui würde wie ein Atlantis der Südsee im Meer versinken!

In dieser schweren Zeit übernahm Taenen Areis Sohn, Hotu Matua, die Regierungsgewalt. Er ließ die tüchtigsten Seefahrer als Kundschafter ausschwärmen. Gab es denn nirgendwo eine Insel, die die Katastrophe überdauern würde? Die Männer kehrten aber immer wieder enttäuscht von ihren gefährlichen Missionen zurück. Es schien kein Eiland in erreichbarer Nähe zu geben, auf das die Bewohner von Maori Nui Nui hätten fliehen können. Ein trauriges Schicksal stand dem ganzen Volk bevor. Der Tod aller schien nicht mehr abgewendet werden zu können!


Im letzten Augenblick griff ein fliegendes himmlisches Wesen ein, der mächtige Gott Make Make. Er stieg vom Himmel herab, ergriff den Priester Hau Maka und transportierte ihn - wie den biblischen Hesekiel - durch die Lüfte. Auf einem fernen, unbewohnten Eiland setzte er ihn ab. Make Make erklärte dem Priester, wie man von seiner alten Heimat zur neuen Insel gelangen konnte. Er warnte vor gefährlichen Felsenriffen und wies auf Vulkane hin. Er zeigte ihm eine Kuriosität: »weiches Gestein«. Nach der Überlieferung betrat der Geistliche neugierig eben dieses »weiche Gestein«. Seine Füße hinterließen Spuren darin. Vermutlich handelte es sich um noch nicht ganz erstarrte Lava.

Make Make, der fliegende Gott, unterrichtete den Priester noch im Gebrauch von Schilfrohr, etwa für den Hausbau, zeigte ihm eine Bucht, die als natürlicher Hafen geradezu ideal war, und flog ihn wieder durch die Lüfte in seine alte Heimat zurück. Hau Maka verstand nicht, was ihm widerfahren war. Konnte es denn etwas anderes als ein Traum gewesen sein? Wohl kaum! Fliegende Götter, die Menschen durch die Lüfte transportieren... die durfte es damals wohl ebenso wenig geben... wie in unseren Tagen UFOs. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, musste der Gottesmann also geträumt haben! Aufgeregt berichtete er seinem König.

Der Regent griff nach dem sprichwörtlichen Strohhalm. Er wählte sofort die sieben besten Kundschafter aus. Sie wurden genau instruiert, wo nach dem Traum die fremde Insel zu finden war. Und just dort entdeckten die sieben wackeren Seemänner tatsächlich eine menschenleere Insel. Sie war die perfekte neue Heimat. Kaum war dem König die frohe Botschaft übermittelt worden, befahl der den Massenexodus seines gesamten Volkes. Die gesamte Bevölkerung von Maori Nui Nui zog um und erreichte problemlos ein relativ kleines Eiland, ihre neue Heimat - die Osterinsel.

König Hotu Matua sandte Kundschafter aus, die erst einmal die Insel in Augenschein nehmen sollten. Dabei stießen die Männer immer wieder auf Spuren, die der Priester bei seinem »Traumbesuch« hinterlassen hatte. Ganz offensichtlich war der Mann wirklich, sprich körperlich und nicht nur im Geiste, vom fliegenden Gott Make Make befördert worden. Offensichtlich hatte er das exotische Inselchen wirklich betreten.

Ich muss eine der zentralen Fragen wiederholen: Wo lag diese geheimnisvolle Urheimat der Osterinsulaner? Was war dieses Maori Nui Nui überhaupt? Bleiben wir bei der mündlichen Tradition. Die alte Mythologie der Osterinsel – über viele Generationen mündlich überliefert - erinnert daran, dass das rätselhafte Eiland einstmals zu einem Kontinent gehörte, der größtenteils im Meer versank: »Der Jüngling Tea Waka sagte: ›Unsere Erde war früher ein großes Land, ein sehr großes Land.‹ Kuukuu fragte ihn: ›Aber warum wurde das Land klein?‹ Tea Waka antwortete: ›Uwoke senkte seinen Stab darauf. Er senkte seinen Stab auf die Gegend von Ohio. Es erhoben sich Wellen, und das Land ward klein. Von nun an wurde es Te-Pito-o-te-Henua, der Nabel der Erde genannt.‹‹‹

In einer anderen Überlieferung, die uraltes Wissen bis in unsere Tage vor dem Vergessen bewahrt, heißt es: »Kuukuu sagte zu ihm: ›Früher war diese Erde groß.‹ Der Freund Tea Waka sagte: ›Diese Gegend nennt sich Ko-te-To-monga-o-Tea-Waka.‹ Ariki Hotu Matua fragte: ›Warum versank das Land?‹ ›Uwoke machte das; er versenkte das Land‹, antwortete Tea Waka. ›Von nun an wurde das Land Te-Pito-o-te-Henua genannt.‹ Te-Pito-o-te-Henua, ›Nabel der Welt‹!« Für den Ethnographen John Macmillan Brown war der Sachverhalt eindeutig. Seiner Meinung nach gab es einst westlich von Südamerika einen riesigen Kontinent, der in den Fluten des Meeres versank. Er schreibt: »Die Osterinsel ist der Überrest eines Atlantis der Südsee, das durch eine Naturkatastrophe weitgehend zerstört wurde.«

Kann man mythologische Überlieferungen wie jene der Südsee ernst nehmen, darf man sie als verlässliche Quelle heranziehen? Darf man alten »Märchen« Glauben schenken? Mündliche Überlieferungen sind bis heute die einzigen greifbaren Zeugnisse, die von der uralten Geschichte der Osterinsel berichten. Mit der Frage nach der Glaubwürdigkeit der uralten Überlieferungen hat sich kaum jemand so intensiv auseinandergesetzt wie Dr. Fritz Felbermayer. Felbermayer fasste die Ergebnisse seiner langjährigen wissenschaftlichen Studien vor Ort in dem Buch »Sagen und Überlieferungen der Osterinsel« zusammen. Als Auszeichnung wurde ihm der Orden »De Merito de Jose Miguel Carrera« verliehen. Als einziger Ausländer holte man ihn in den »Rat chilenischer Geschichte«.

Ich habe vor nunmehr 35 Jahren, am 25. August 1974, Dr. Felbermayer interviewt: »Kann man die Überlieferungen über das Eingreifen Make Makes in die menschlichen Geschicke für bare Münze nehmen? Wurden die Osterinsulaner wirklich vom versinkenden Atlantis der Südsee auf die Osterinsel evakuiert?«

Dr. Fritz Felbermayer antwortete: »Es ist meine felsenfeste Überzeugung, dass diese Überlieferung eine absolut wahre Begebenheit beschreibt. Von den alten Insulanern wird diese Tatsache so klar und ohne Zögern wiedererzählt, und immer in derselben Weise. Es werden Namen genannt, die einfach nicht erfunden wurden. So konnte ich diese Begebenheiten ohne jeden Zusatz aufschreiben. Im Vorwort meines Buches habe ich auf eine Sache hingewiesen, die Sie lesen müssen: ›Wenn derjenige, der gerade erzählte, sich irrte oder auch nur einige wenige Worte änderte, die an sich ohne Bedeutung waren, so protestierten die anderen Zuhörer so lange, bis der Sprecher die Worte genauso wiedergab, wie sie die Vorfahren berichteten.‹«

Für Dr. Felbermayer gab es keinen Zweifel: Die Osterinselmythen sind ebenso wahr wie Homers Hinweise auf Troja. Dr. Felbermayer: »Auch König Hotu Matua ist bestimmt keine ›Sagengestalt‹, sondern ein Mann, der wirklich gelebt hat und sein Volk auf die Osterinsel brachte. Reale Historie ist auch die Geschichte von Make Make, von den sieben Seefahrern, vom Exodus von ›Maori Nui Nui‹ auf die Osterinsel.« Dr. Felbermayer weiter: »Ich halte diese Überlieferung für wahr! Wir können sicher sein, dass die Fahrt stattfand!«

Es gab also ein »Atlantis der Südsee«, das in einer apokalyptischen Katastrophe versank. Die Ruinenstadt von »Nan Madol« und die steinernen Kolosse der Osterinsel erinnern mahnend an ein Unglück unvorstellbaren Ausmaßes. Aber es geht nicht nur um die Vergangenheit unseres Planeten. Die Zukunft steht auf dem Spiel. Die Monsterwellen unserer Tage rufen das Entsetzen aus uralten Tagen in Erinnerung. Sie mahnen aber auch: Weltweite Apokalypsen können sich jederzeit wiederholen. Gewaltige Katastrophen werden über die Erde hereinbrechen: nach erdgeschichtlichen Maßstäben wird das schon sehr bald geschehen. Wer warnend die Stimme erhebt, wird gern als »Schwarzseher« lächerlich gemacht. Aber macht es denn Sinn, den Kopf aus Angst vor apokalyptischen Ereignissen in den Sand zu stecken?

In den Kinos der Welt macht Roland Emmerich 2012 zum heiß diskutierten Thema. Die Vergangenheit von Planet Erde kann sehr wohl phantastischer als jede Fiktion gewesen sein. Und so spektakulär Emmerich 2012 auch zeichnet.... seine Visionen sind realistischer als uns lieb sein mag!

Vorankündigung: Am Samstag, den 24. Oktober 2009 werde ich einen Vortrag auf dem Jahrestreffen der »Forschungsgesellschaft für Archäologie, Astronautik und SETI« (»A.A.S.«) in Magdeburg halten. Am Tag darauf, am Sonntag, den 25.Oktober, und am Sonntag, den 1.November 2009, wird das Manuskript im Blog zu lesen sein.
Abb.: Walter-Jörg Langbein im Steinbruch der Osterinselriesen
Alle Abbildungen: Copyright Walter-Jörg Langbein

Das neueste Buch von Walter-Jörg Langbein: 2012 - Endzeit und Neuanfang
Teil I der Serie lesen
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