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Sonntag, 20. April 2014

222 »Die Götter der Steine«, Teil 3



Teil 222 der Serie (1)
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


»Wild zerklüftete Felsformationen«, konstatiert die Fachautorin Hadeswintha Schröer (2), »haben die Menschen schon immer angezogen und tief beeindruckt. An solchen Orten war (und ist) nicht nur die Natur in besonderem Maße zu sehen und zu spüren, sondern man vermutet dort auch eine Heimat der Götter oder von unbekannten Geist- und Naturwesen. So fanden an derlei Plätzen schon in frühester Vorzeit Kulte und Rituale statt, die den Menschen mit diesen herrschenden Mächten in Verbindung bringen und versöhnen konnten.« (Foto links: Zerklüftete Felsformation der Externsteine... Foto: Walter-Jörg Langbein.)

1992 erklärte mir »Houngan-Man« auf der Osterinsel ein uraltes Weltbild. Demnach sahen die Wissenden in den ältesten Kulturen im Stein die Götter der Vorzeit. Vulkane fördern Lava aus dem Erdinneren nach oben. Die Vulkankegel sind in diesem Bild Götterberge. Die Statuen der Osterinsel, aus Vulkangestein geschaffen, sind nach dieser Sichtweise nicht einfach nur steinerne Plastiken, sondern haben das Göttliche in sich… so der »Houngan-Man«.  (Foto rechts: Osterinselstatue. Foto Walter-Jörg Langbein.)

Für den Eingeweihten sind zerklüftete Felsformationen, so der »Houngan-Man, etwas Göttliches. »Er sieht die Steine wie Skulpturen der Götter. So wie wir ein Buch lesen, so studiert er in den Klüften von Steinen. Vielleicht arbeitet er auch natürliche Formationen nach, um die Bilder, die er zu erkennen vermeint, zu verstärken und zu verdeutlichen!«


Die Externsteine ...
Foto Walter-Jörg Langbein


Die Externsteine sind ein lohnendes Reiseziel. Sie liegen im Teutoburger Wald, im Kreis Lippe... umgeben von »einer parkartigen Anlage« (3). Es ist zu empfehlen, die beiden Felstürme zu erklimmen, die mit recht steilen Treppen versehen sind. Der Ausblick ist herrlich. Man fühlt sich in einen Märchenwald versetzt, aus dem mysteriöse Steinsäulen ragen. So führte »Die Jagd nach dem Schatz der Nibelungen« im Film auch zu den Externsteinen. Der deutsche Horrorfilm »Die Schlangengrube und das Pendel« entführt seine Zuschauer auch zu den Externsteinen. Im Film von Harald Reinl, nach Edgar Allan Poes »The Pit and the Pendulum« werden die »Externsteine« zu einer schaurigen Kulisse. Und wer – verbotener Weise – jenen mysteriösen Ort bei Nacht besucht, der spürt die mystisch-unheimliche Atmosphäre des uralten Kultorts!

Ideale Filmkulisse.. für Märchen wie für Horrorfilme.
Foto Walter-Jörg Langbein

Die Gefilde um die Externsteine hießen bis ins 18. Jahrhundert »Asnighain«, zu Deutsch »Hain der Asen«, also »Hain der Götter«. Der Name »Externsteine« erlaubt vielfältige Interpretationen. Der heutige Terminus – eben »Externsteine« - wird gewöhnlich recht profan interpretiert. Da wird das mittelniederdeutsch bemüht: »Egge« bedeutet »lang gestreckter Hügelkamm«, die »Externsteine« werden dann zu »Steine am Hügelkamm«. Oder verweist der heute gebräuchliche Name auf »Elstern-Stein« oder »Elster-Felsen« hin? Tatsächlich lässt sich im 16. Jahrhundert die Bezeichnung »Rupes picarum« nachweisen.

Wir müssen nach älteren Quellen suchen… und werden fündig. Es liegt eine Kaufurkunde des Klosters Abdinghof vor. Da wird die Region der Externsteine »Ida-Feld« genannt. Das Idafeld aber verweist auf die »Bibel des Nordens«, auf die Edda.  Die Edda kennt das »Idafeld« als das mythologische Areal um den Sitz der Götter! Dann wären die Externsteine der Sitz der Götter… oder die »Steine der Götter«. Rudolf Steiner verstand die »Externsteine« auch so! Aus Sicht patriarchalischer Theologen ist eine weitere Erklärung des Namens geradezu verwerflich und ketzerisch: Die Ableitung von »Externsteine« von »Eccestan«, sprich »Mutterstein«! Schwingt da eine Erinnerung an die »Große Göttin« mit?

Blick durch das Rundfenster im Sacellum.
Foto Walter-Jörg Langbein
Die Etymologie ist aber nicht eindeutig! So gab es bei den Cheruskern – Siegrun Laurent weist darauf hin (4) – den Namen »Agistersetine« oder »Agistersteine«, zu Deutsch »Drachensteine«. Drachensteine? Lauern irgendwo in der Mythologie zu den »Externsteinen« Drachen?


Zu den Attraktionen der Externsteine, die unzählige Busse mit Touristen anlocken, gehört das Kreuzabnahmerelief der Externsteine. Im Zentrum sehen wir das Kreuz Jesu. Jesus, zum Entsetzen seiner getreuen Anhängerschaft von den Römern hingerichtet, wird vom Marterinstrument abgenommen. Nikodemus steht erhöht und reicht den Toten nach unten. Joseph von Arimathäa schultert den toten Jesus. Maria stützt das Haupt ihres Sohnes. Gottvater, links oben dargestellt, segnet das Geschehen. Auf seiner Schulter sitzt ein kleines Kind. Das Kind mag – und das ist Interpretationssache – die unschuldige Seele darstellen, die schon zum »himmlischen Vater« aufgestiegen ist. Rechts wird Jünger Johannes in Szene gesetzt. Sein in christlicher Kunst und Mythologie bekanntes Kennzeichen, das Buch, lässt uns den Jünger Johannes eindeutig erkennen!


Jünger Johannes
Foto Walter-Jörg Langbein

Die Gestalten des Reliefs sind stark beschädigt: Dem kleinen Kind auf Gottvaters Arm fehlt der Kopf, dem Nikodemus wurden ein Arm und die Beine abgeschlagen. Die treusorgende Mutter Jesu ist ebenfalls kopflos. Vollständig erhalten sind lediglich der Leichnam Jesu und Jünger Johannes. Ob Köpfe und Gliedmaßen bewusst abgeschlagen wurden? Oder hat da nur der Zahn der Zeit am Sandsteinrelief genagt?

Das eigentliche Kreuzabnahmeszenario ist freilich allen Beschädigungen zum Trotz nach wie vor gut zu erkennen. Das Kreuz selbst, Gottvater über dem Kreuz, Sonne und Mund, der tote Jesus, Maria, Nikodemus, Josef von Arimathäa und Johannes sind sauber aus dem Stein gemeißelt. Die Konturen sind exakt, präzise und scharf.

Man kann von drei Ebenen sprechen: Die höchste Ebene ist der »Himmel« mit Gottvater, Sonne und Mond. In der mittleren Ebene leben wir Menschen. Der tote Jesus wird vom Kreuz abgenommen, in der mittleren Ebene, während Jesu Seele schon im Himmel weilt. Die unterste Ebene ist besonders geheimnisvoll. Sie macht einen verwaschenen Eindruck, hat nicht die scharfen Konturen wie der Rest des Reliefs. Könnte es sein, dass ursprünglich das Relief ganz anders ausgehsehen hat? Würde es teilweise nachgearbeitet, um christlicher zu wirken?

Das Kreuzabnahmerelief
Foto Walter-Jörg Langbein

Die tiefste Ebene könnte Rest des ursprünglichen Reliefs gewesen sein, wirkt deutlich älter. Was erkennen wir? Da knien zwei Gestalten, blicken sich dabei an. Die rechte Gestalt hat offensichtlich einen wallenden Bart. Das Pendent könnte – man erahnt es – eine Frau mit einem Kleid oder Rock darstellen. Mann und Frau knien. Seit Jahrhunderten wird gerätselt, wer denn da unter der Kreuzabnahme zu sehen ist. Beide Gestalten blicken nach oben Mag sein, dass Mann und Frau je einen Arm empor strecken, hin zur Szene der Kreuzabnahme. Das ist aber nur eine fantasievolle Vermutung.

Zwei menschliche Gestalten und ein Monster ...
Foto Walter-Jörg Langbein

Je nach Sonnenstand und Lichteinfall erscheinen beide Gestalten wie verwandelt. Unzählige Male habe ich bei Besuchen der Externsteine zu ergründen versucht, was sich da in der Unterwelt abspielt. Bei näherem Betrachten fällt auf, dass da zwischen Mann und Frau ein weiteres Wesen abgebildet wurde. Dieses dritte Wesen wendet dem Betrachter den Rücken zu. Es ist ein Monster. Das Untier, so scheint es, ist ein Mischwesen aus Schlange und einem kräftigen Leib. Der Leib, so scheint es, steht auf zwei Beinen, die Schlange hat die beiden Menschen im Würgegriff ...

Gottvater mit dem kopflosen Kind.
Foto Walter-Jörg Langbein

Fußnoten

1) Siehe hierzu auch Henze, Usch: »Osning –
Die Externsteine/ Das verschwiegene Heiligtum
Deutschlands und die verlorenen Wurzeln
europäischer Kultur«, Saarbrücken 2006
2) Hadeswintha Schröer: »Die Externsteine –
ein nordischer Kraftplatz«
3) Wikipediaartikel über die Externsteine
4) Laurent, Sigrun: »Externsteine – Eccestan
 – Mutterstein«

 »Das Monster und der Mann mit dem Schlüssel«,
Teil 223 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 27.04.2014


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Sonntag, 17. April 2011

65 »Felsengrab und Felsenhöhle«

Teil 65 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Die Externsteine - Heidnisches Zeremonialzentrum
Foto: ©Walter-Jörg Langbein
Vor über dreißig Jahren händigte mir der damalige Wächter den Schlüssel zur Innenwelt der Externsteine aus. Quietschend öffnete sich damals jene Tür, die heute für Besucher ohne Sondergenehmigung verschlossen bleibt. Ich betrat das Innenleben der Externsteine: ineinander übergehende Kammern, in die kaum Licht eindringt, geben nach wie vor Rätsel auf.

Wann, von wem und zu welchem Zweck wurden diese geheimnisvollen Räumlichkeiten in den Stein getrieben? Wer hat sie zu welchem Zweck geschaffen? Waren es mittelalterliche Mönche? Oder übernahmen fromme Klosterbrüder nur, was unbekannte Vorgänger wann auch immer dem massiven Stein abgetrotzt haben?

Besonders interessant ist die »Kuppelgrotte«, die in der Literatur aber seltsamer Weise meist sträflich vernachlässigt wird. Man konnte sie ursprünglich durch einen heute verschlossenen schmalen Eingang betreten, der von einer »Petrusgestalt« bewacht wird. Manchmal wird aber eine eher neutrale Bezeichnung gewählt, nämlich »Wächter« (1). Die humanoide Gestalt ist – trotz geschützter Positionierung am Fels – bemerkenswert schlecht erhalten. Der Körper ist, so scheint es, vom Zahn der Zeit in ein Relief ohne echte Konturen verwandelt worden.

»Petrus« bewacht den Eingang
Foto: ©Walter-Jörg Langbein
Der Kopf erinnert stark an einen Totenschädel. Gewiss: Die Gestalt hält offenbar einen Schlüssel in der Hand, der aber könnte nachträglich gemeißelt worden sein. Auch weist ein solcher Schlüssel nicht zwangsläufig auf Petrus hin. Es könnte sich bei dem vermeintlichen »Petrus« auch um den Wächter eines Totenreiches gehandelt haben... vielleicht um einen Totengott am Eingang zur Unterwelt.

Passiert man nämlich den Wächter (was heute nicht mehr möglich ist, der Eingang bleibt verschlossen), so gelangt man in die Kuppelgrotte, in der vor Jahrtausenden gewaltige Feuer loderten. Wann aber wurde die wenige Quadratmeter große Grotte als Krematorium oder Opferstätte genutzt? Moderne wissenschaftliche Datierungen wiesen auf ein weit höheres Alter hin als bisher angenommen. Demnach loderten in der Mitte des ersten nachchristlichen Jahrtausends gewaltige Feuer in der kleinen Kammer. Damit ist aber nicht gesagt, dass sie nicht schon früher als »höllisches Inferno« genutzt wurde.

Die wissenschaftlichen Datierungen beweisen lediglich, dass vor rund 1500 Jahren Feuer mit sehr hohen Temperaturen brannten, die sehr wohl weitaus ältere Rußspuren aus vorchristlichen Zeiten gelöscht haben können!

Der Schlüssel des Wächters
Foto: ©Walter-Jörg Langbein
Der Forscher Ulrich Niedhorn (2) kommt zur Ansicht, dass im Inneren des ausgehöhlten Externsteins über einen langen Zeitraum hinweg Tote eingeäschert wurden. Zum Schluss seiner ausführlichen Arbeit »Neue Befunde in der Kuppelgrotte« (3) fasst er zusammen: »Zur Zeitstellung so einer Nutzung der Brennkammer ist zu sagen, dass sie keinesfalls in die christliche Epoche fallen kann. Der heidnische Brauch der Feuerbestattung ist von der katholischen Kirche bis vor kurzem nicht geduldet worden.«

Niedhorn, Ulrich NiedhornSollten also die Höhlenkammern im Inneren der Externsteine schon zu vorchristlichen Zeiten genutzt worden sein? Für mich stellen die Externsteine nach wie vor ein großes Geheimnis dar. Die Felsentürme haben mit Sicherheit schon Jahrtausende Menschen angelockt. Das relativ weiche Gestein der in die Senkrechte empor gepressten natürlichen Felstürme lud förmlich zur Schaffung einer Unterwelt im Inneren ein.

Wer mag das Heiligtum erstmals genutzt haben? Waren es Anhänger einer »heidnischen« Religion vom ewigen Kreislauf des Lebens auf unserem Planeten Erde? Nach mehr als dreißig Jahren intensiven Erforschens der Ursprünge religiösen Denkens bin ich zur Überzeugung gekommen, dass die Zeremonie der »heiligen Hochzeit« zu den wohl ältesten religiösen Riten überhaupt gehört.

Blick in die Kuppelkammer
Foto: ©Walter-Jörg Langbein
Worum ging es in diesen Kulten? Die Menschen glaubten, dass alles Leben immer wieder den gleichen Zeitzyklus durchläuft. Es wird geboren, es blüht auf, wächst heran, erreicht seinen Zenit, wird älter und stirbt schließlich. Dieses ewige Schema wurde auch in den Jahreszeiten erkannt: Der Frühling steht für die Geburt des Lebens, der Winter für den Tod. Im Winter hatten die Menschen Angst. Sie froren und hungerten. Würde es im Frühjahr wieder zu einer Neugeburt des Lebens kommen?

Rituell wurde der magische Zauber bemüht: Wenn die Himmelsgöttin mit dem Vertreter der Erde die heilige Hochzeit feierte... wenn der Gemahl der Königin starb, um dann von der Königin wieder aus dem Totenreich geholt zu werden.... dann würde auch die Natur wieder zu neuem Leben erweckt werden. Dann würde auf die Totenstarre des Winters (oder der Trockenzeit in anderen Breiten) die Wiedergeburt des Lebens im Frühjahr (oder der Regenzeit in anderen Gefilden) folgen.

Überlegen wir: In der »Brennkammer« wurden Tote kremiert, um ihnen die Auferstehung zu ermöglichen. An der Außenwand befindet sich das Kreuzabnahmerelief: zufällig? Oder sollte das christliche Motiv das heidnische überdecken?

Kreuzabnahme mit Tür zur Brennkammer
Foto: ©Walter-Jörg Langbein
Das »Krematorium« der Externsteine kann von außen (an »Petrus« vorbei) betreten werden. Vom Raum mit der rußgeschwärzten Kuppel gelangt man in den zentralen Raum im Externstein. Im Bild, vom Betrachter aus links: Der Eingang zur Kuppelgrotte. Rechts im Bild: Das Kreuzabnahmerelief, an der Außenwand zur Kuppelgrotte!
Gerade weil meine Überlegungen so fremdartig wirken müssen in unserer Welt, die noch vom christlichen Denken geprägt ist, möchte ich wiederholen: Waren die Externsteine einst ein vorchristliches Zentrum der »Heiligen Hochzeit«? Wurden in der Kuppelgrotte vornehme Verstorbene verbrannt, damit sie zur Zeit des nächsten »Frühlings des Lebens« wiedergeboren werden konnten?

Im zentralen Höhlenraum
Foto: ©Walter-Jörg Langbein
Wir müssen konstatieren: Wenn man die Externsteine mit »christlicher Brille« betrachtet, kann man sie auch nur christlich verstehen. Setzen wir versuchsweise auch einmal eine »heidnische« Brille auf!

Gewiss: Meine Überlegungen zu den Externsteinen als zentrale heidnische Kultstätte sind spekulativ... das sind aber alle Erörterungen über den mystisch-mysteriösen Ort im Teutoburger Wald! Grundlegende Fragen sind bis heute nicht beantwortet. Zum Beispiel: Wurde der Verbindungsgang vom zentralen Hauptraum in den Externsteinen zur Verbrennungskammer erst nachträglich aus dem Fels geschlagen, als das letzte große Feuer längst erloschen war? Wurde er von mittelalterlichen Mönchen geschaffen, die den Kuppelraum anschließen und nutzen wollten.... jetzt als spartanische Mönchszelle?

Unklar ist auch die Verwendung des seltsamen Felsengrabes, direkt am kleinen Teich am Fuße der Externstein gelegen. Es erinnert an die christliche Vorstellung vom Grab Jesu.

Entstand es in christlichen Zeiten als versuchte Nachbildung des Felsengrabes Christi? Gab es zu christlichen Zeiten so etwas wie Passionsspiele bei den Externsteinen: von der Kreuzigung bis zur Kreuzabnahme am Relief.... zur Bestattung des Leichnams des Gekreuzigten im Felsengrab... bis hin zur Beisetzung des Leichnams in der Felsenhöhle? Wurde der Besuch von Maria Magdalena am Grab Jesu in frommer Andacht nachgespielt, zu deren Entsetzen das Grab leer war? Maria Magdalena begegnete nach christlich-biblischem Bericht bekanntlich dem auferstandenen Jesus am leeren Grab!

Das mysteriöse Felsengrab
Foto: ©Walter-Jörg Langbein
Als Ort der realen Bestattung ist das Felsengrab denkbar ungeeignet... wohl aber für rituelle Bestattungen etwa bei Passionsspielen.

Die Externsteine im Teutoburger Wald haben bis heute ihre Geheimnisse gewahrt. Erklärungen sind stets Versuche und spekulativ. Was wirklich geschah.. wir wissen es nicht. Die mysteriöse Atmosphäre des rätselhaften Ortes lädt zu Gedankenspielen ein. Meine Überlegungen beanspruchen keineswegs DIE Wahrheit zu bieten, sollen lediglich zum eigenen Nachdenken anregen... ohne Scheuklappen!

Wenn ich etwas aus mehr als drei Jahrzehnten der Reisen zu den geheimnisvollsten Plätzen unseres Planeten gelernt habe, dann dies: Vor Ort erkennt man, dass in wissenschaftlichen Lehrbüchern nicht zwangsläufig DIE Wahrheit stehen muss! Leider lassen sich die Spuren der Vergangenheit an mysteriösen Stätten nie wirklich wie ein Buch lesen....

Fußnoten
1: Kestermann, Dieter: »3000 Jahre Externsteine«, Bochum 2001, S.12 ff.
2: ebenda, S. 65-80
3: ebenda, S. 77

Literaturempfehlungen
Buss, Winfried: »Ein Gang zu den Externsteinen«, Paderborn 1994
Hantl, Otto: »Urglaube und Externstein«, Oberursel, Essen, Tübingen 1998
Henze, Usch: »Osning – Die Externsteine/ Das verschollene Heiligtum
Deutschlands und die verlorenen Wurzeln europäischer Kultur«, Saarbrücken
2006
Kestermann, Dieter: »3000 Jahre Externsteine«, Bochum 2001
Koneckis, Ralf: »Geheimnis Externstein/ Ergebnisse neuer Forschung«,
Dortmund 1995
Matthes, Walther: »Corvey und die Externsteine/ Schicksal eines
vorchristlichen Heiligtums in karolingischer Zeit«, Stuttgart 1982
Tiggelkamp, Gerhard: »Die Externsteine im Teutoburger Wald«, Bad
Kreuznach (Eigenverlag), ohne Jahresangabe (ca. 1989)
.
Teil 66 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
»Das Geheimnis der Feuerräder«

von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 24.04.2011
.
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Sonntag, 10. April 2011

64 »Das Geheimnis der Kreuzabnahme«

Teil 64 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Gekreuzigter mit Speerwunde
Bild: ©Walter-Jörg Langbein
Die Externsteine bei Detmold im Teutoburger Wald, wo einst Hermann die Römer geschlagen haben soll, ziehen Jahr für Jahr Hunderttausende Besucher an. Nur die wenigsten Gäste nehmen sich die Zeit, die mysteriösen Kalk-Sandstein-Gebilde sorgsam in Augenschein zu nehmen. Im Lauf der Jahrmillionen nagte der Zahn der Zeit ganz erheblich an den steinernen »Türmen«. Die Verwitterung hinterließ Spuren, die mit einiger Fantasie als Gesichter von Menschen oder Darstellungen von Fabelwesen erkannt werden können... so wie die Wolken am Himmel oftmals ganz bizarre Formen annehmen.

Ohne Zweifel haben die Externsteine schon seit Jahrtausenden Menschen angelockt. Ohne Zweifel erkennen schon seit Jahrtausenden künstlerisch begabte Menschen in den Verwitterungsspuren »Zeichnungen«. Einige mögen sie dazu angeregt haben, natürlich entstandene Risse und Spalten zu einem »Relief« zu verarbeiten. Besonders beeindruckend ist da der »Jesus am Kreuz«.


Steht da nicht Jesus am Kreuz, die Arme an den Querbalken genagelt, das Haupt sterbend zur Seite geneigt? Der biblischen Überlieferung nach fügte einer der römischen Landsknechte Jesus mit seinem Speer eine Wunde zu, um zu überprüfen, ob Jesus noch lebte oder bereits tot war. Die Wunde dieser Speer-Verletzung ist besonders deutlich am Externstein zu erkennen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben eindeutig ergeben, dass hier mit Meißelwerkzeug (nach?)gearbeitet wurde.

»Gesicht« an Fels II 
Foto: ©W-J.Langbein
Ursprünglich lag wohl eine natürliche Verwitterung vor, die von christlichen Künstlern genutzt wurde, um ein frommes Bild entstehen zu lassen. Allerdings wirkt der »Jesus am Kreuz« nach wie vor eher wie ein Werk der Natur. Ebenfalls ein zufälliges Werk der Natur ist das »Gesicht« hoch oben an Fels II. Mit stoischer Gelassenheit blickt es von rechts nach links. Eigentümlicher Zufall: Das Antlitz erinnert deutlich an Darstellungen aus Zentralamerika aus der Maya-Zeit...
Betrachtet man das »Bild« aber genauer, so erkennt man selbstkritisch, dass einem die Fantasie etwas vorgegaukelt hat. Sicher Stirn, Auge und sogar Haaransatz wirken realistisch wie ein gemeißeltes Kunstwerk, aber Nase und Mund sowie Kinn sind eindeutig zufällige Verwitterungen...

Die »Kreuzabnahme« indes wurde ganz eindeutig von wirklichen Künstlern geschaffen, die ihr Handwerk verstanden. Die Künstler haben keinen erklärenden Text zum Bildnis hinterlassen, wir sind daher bei der Interpretation auf Vermutungen angewiesen.

Im Verlauf der letzten Jahrzehnte habe ich immer wieder die Externsteine besucht und das Kreuzabnahme-Relief auf mich wirken lassen. Es verändert sich scheinbar ständig, erscheint je nach Lichteinfall immer wieder anders. Manche Einzelheiten werden leicht übersehen, treten aber bei seitlichem Lichteinfall deutlich hervor. Andere wiederum erscheinen besonders am Abend, wenn Licht und Schatten auf das Kunstwerk wirken!

Die Kreuzabnahme
Foto: ©Walter-Jörg Langbein
Im Zentrum des Bildes steht das Kreuz. Links oben segnet Gott-Vater im Himmel das Geschehen auf Erden... den Tod seines Sohnes. Jesus ist bereits verstorben, seine Seele ist gen Himmel aufgefahren. Sie wird im Relief – schwer zu erkennen – als kleines Kind im Arm Gottes dargestellt.

Ein behelmter Mann – vermutlich Nikodemus – hat soeben, vom Betrachter aus links im Bild – den Leichnam Jesu vom Kreuz abgenommen. Er hat den Toten geschultert, wird ihn wohl gleich niederlegen. Links neben diesem Mann steht eine weitere Gestalt. Ist es eine Frau, vielleicht Maria? Der Kopf dieser Person wurde abgeschlagen. Übrig blieb ihr Leib. Man sieht, dass sie liebevoll das Haupt des Gekreuzigten stützt.

Greift hier die todtraurige Mutter ein, hält sie den Kopf des geliebten Sohnes... der tot vom Kreuz genommen wird? Oder sollte es sich um Maria Magdalena handeln, die nach biblischem Bericht – im Gegensatz zu den männlichen Jüngern – aus Angst vor Verhaftung durch die Römer nicht floh?

Rechts im Bild sieht man eine stark beschädigte Figur. Sie trägt einen Helm, der auf die Schulter gerutscht ist. Der Mann beugt sich nach vorne, hält sich mit dem rechten Arm am Kreuz fest. Sein linker Arm ist ebenso verschwunden wie seine Beine.

Dieser Mann ... worauf steht er? Worauf steht das Kreuz? Was befindet sich im Relief »Kreuzabnahme« eine Etage tiefer?

Die umgeknickte Irminsul
Foto: ©Walter-Jörg Langbein
Ein intensives Literaturstudium brachte Erstaunliches zutage. Worauf die - leider abgeschlagenen – einst standen, darin sind sich die Experten uneins. Folgende »Erklärungen« sind mir begegnet: »Stuhl«, »niedergebeugter Baum«, »niedergebeugte Palme« und »Irminsul«. Mir will die Lösung »Irminsul« am ehesten einleuchten.

Die Irminsul war der heidnische Weltenbaum, der einst Himmel und Erde miteinander verband. Christliche Interpreten lehnen diese Sichtweise ab: Ein heidnisches Symbol darf doch in einem urchristlichen Bild nicht zu finden sein! Aber ist das »Kreuzabnahmerelief« so eindeutig christlich?

Kein Geringerer als Johann Wolfgang von Goethe (1) erkannte nach intensiven Studium des Kunstwerkes vorchristliche – sprich heidnische – Ursprünge: Ein Relief wurde in vorchristlicher Zeit gemeißelt. Was mag es gezeigt haben? Ein Bild aus uralten Mythen. Im Zentrum mag nicht das christliche Kreuz, sondern die heidnische Irminsäule gestanden haben... die Verbindung zwischen Erde und Himmel. Erhebliche Teile des ursprünglichen Kunstwerkes wurden umgearbeitet, verschwanden völlig. Aus einem uralten heidnischen Motiv wurde ein christliches.

Der untere Teil des Bildes
Foto: ©Barbara Kern
Beachten wir nun den unteren Bildteil, unterhalb der Kreuzszene... in der »Unterwelt« sozusagen. Dieser Teil des Kunstwerkes muss sehr viel älter sein als der obere. Er ist sehr viel stärker verwittert, sehr viel undeutlicher und kaum noch zu erkennen!

Was wir ganz klar ausmachen können, das ist der Kopf eines drachenartigen Wesens, das vom Betrachter aus nach rechts blickt. Diese Kreatur hat einen schlangenartigen Leib. Das Ende des Schlangenschwanzes ist links im Bild zu erkennen. Was aber tut das Schlangenwesen?


Offenbar umschlingt es die beiden Gestalten in der Mitte. Ich habe diesen Teil des Reliefs stundenlang, auch mit einer Lupe und einer zusätzlichen Lichtquelle, untersucht. Da steht ein furchteinflößendes Wesen zweibeinig mit dem Gesäß zum Betrachter. Mit schlangenartigem Hals und mit langem Schwanz umschlingt es zwei menschliche Gestalten. Die Person rechts könnte bärtig, also männlich, die links könnte weiblich sein. Beide Personen knien.. umschlungen von einem Schlangendrachen ...

Drachenschlange und Menschenopfer
©Walter-Jörg Langbein
Staunend steht der interessierte Besucher vor dem Kreuzabnahme-Relief. Er erkennt das christliche Motiv. Er fragt sich, ob in der »Unterwelt« des Reliefs Adam und Eva mit der Schlange zu sehen sind? Eine Schlange im klassischen Sinn aber ist dieses mysteriöse Wesen nicht, hat es doch einen Körper mit Beinen, langem Hals und langem Schwanz. Trifft Goethens Vermutung zu, dass ursprünglich ein Bild aus mythischen Zeiten zu sehen war ... mit einem furchteinflößenden Fabelwesen, dessen Namen wir nicht mehr kennen?
Im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte habe ich immer wieder die Externsteine besucht. Manchmal war ich fast allein bei dem alten Heiligtum und habe die geheimnisvolle Atmosphäre auf mich wirken lassen können. Wer nicht im Sauseschritt die Externsteine erkundet, wer die laute Hektik unserer Zeit für einen Moment hinter sich lassen kann, der empfindet das Mysterium eines uralten Ortes, der von der Zeit vergessen worden zu sein scheint.

Steine im Wasserspiegel
Foto: ©Walter-Jörg Langbein
Am Fuße der Externsteine spiegelt ein kleiner Teich das Blau des Himmels wider. Den schönsten Blick auf das uralte Heiligtum kann man genießen, wenn man einem Fußweg folgend den Teich umrundet und durch Bäume hinweg die steinernen Säulen betrachtet... im Spiegel des Wassers gehen manchmal Himmel und Erde ineinander über. Und man fragt sich: Spiegeln sich die steinernen Säulen im Himmel... oder im Wasser?

Ich muss an die Irminsul denken, die Säule zwischen Himmel und Erde... an den Weltenbaum, der unsere Welt mit der himmlischen verband. Lokalforscher sind überzeugt: Einst stand bei den Externsteinen so eine Irminsulsäule ... und Karl der Große ließ sie in seinem Missionierungswahn zerstören ...

Fußnote
1: Goethe, Johann Wolfgang von: Die Externsteine. Siehe hierzu Goethes Werke. Weimarer Ausgabe. Abt.I., Bd.49.2, Weimar 1900, S.46-52. Erstmalig in: Kunst und Altertum 5 (1824), S.130-139



»Felsengrab und Felsenhöhle«,
Teil 65 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 17.04.2011


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Sonntag, 3. April 2011

63 »Die Externsteine... ein vorchristliches Observatorium?«

Teil 63 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Im nordöstlichen Nordrhein-Westfalen wirkten vor rund siebzig Jahrmillionen unvorstellbare Riesenkräfte: einstmals waagrecht liegende Schichten wurden wie von einer riesigen Hand senkrecht aufgestellt. Über die Jahrmillionen hinweg nagte der sprichwörtliche Zahn der Zeit an den Gesteinsmassen und ließ bizarre Felsformationen entstehen, die wie knorrige Finger teilweise bis zu fünfzig Meter in den Himmel ragen.

Die Externsteine bei Detmold
Bild: ©Walter-Jörg Langbein
Der Osning-Sandstein war einst als eine Ablagerungsschicht am Grund eines gewaltigen Inlandmeeres entstanden.. und von gigantischen tektonischen Kräften zu skurrilen Formationen aufgetürmt worden. Im Mittelalter erfreute sich dieser Sandstein großer Beliebtheit bei kirchlichen und weltlichen Bauherren. War er doch weich und daher einfach zu bearbeiten. So wurden Steine grob zu Klötzen geschlagen und bis nach Köln und Aachen geschafft. Der an der Oberfläche beim Kontakt mit Sauerstoff aushärtende Stein wurde für den Bau von weltlichen wie kirchlichen Palästen verwendet.
Warum die vier freistehenden Säulen im Teutoburger Wald bei Detmold den Namen »Externsteine« erhielten, das konnte bis heute nicht geklärt werden. Immer wieder stieß ich bei meinem Quellenstudium auf einen interessanten Hinweis: »So steht ›tern‹ für Stern, das heißt auf erhöhtem Punkte betriebene Sternbeobachtung, und ›Stein‹ ist die Verkappung für den Ort, denn neben den vier frei stehenden Felsen gibt es noch acht weitere.« (1)
Wurden also in grauer Vorzeit von den Externsteinen aus die Sterne beobachtet? Einst befand sich hoch oben auf Felsen II der Externsteine eine Kammer, in der es stockfinster gewesen sein muss. Hatte sie doch vermutlich nur ein einziges rundes Fenster in der Ostwand!

Guckloch in der
Sternbeobachtungskammer
Foto: ©Walter-Jörg Langbein
Die »Dunkelkammer« hatte wissenschaftliche Aufgaben: Sie diente als Observatorium! Zu den Zeiten der Sonnwenden fiel das Sonnenlicht durch das kreisrunde Loch in die Finsternis der Sacella, der Sternenbeobachtungskammer, und erleuchtete bestimmte markante Punkte.

Karl der Große, als Sachsenschlächter zu mehr als zweifelhaftem Ruhm gekommen, verachtete diese wissenschaftlichen Studien. Für den streitbaren Herrscher, der lieber mit dem Schwert »missionierte«, war die intensive Auseinandersetzung mit der Sonne, ihrem Lauf und dem Sonnenkalender ketzerischer Aberglaube. Christenmenschen hatten zu tun, was der Priester von der Kanzel aus befahl. Sie hatten zu gehorchen! Gottes Wort wurde verkündet, irdische Herrscher waren von Gottes Gnaden! Wozu sollte dann eine Erforschung der Naturgesetze betrieben werden? Sternen- und Sonnenbeobachtungen waren einst von den Heiden betrieben worden... hatten also zu unterbleiben.

Mit Eifer versuchte Karl der Große alle irgendwie heidnischen Bräuche auszulöschen, etwa den Sonnenräderlauf von Lügde! Da bauten die Menschen große hölzerne Räder, stopften sie mit Stroh aus und ließen sie nächtens zur Sonnwendfeier (christlich: Ostern) von Bergen ins Tal rollen. Ursprung war zweifelsohne ein uralter Sonnenkult. Die Lügder erwiesen sich als stur und waren nicht dazu bereit, den alten Brauch aufzugeben. Also gab Karl der Große klein bei und erlaubte die Fortführung des alten kultischen Brauchs in christlich-österlichem Gewand. Er hat sich bis in unsere Tage erhalten und lockt auch noch zu Beginn des dritten Jahrtausends nach Christus Zigtausende an.

Reste der einstigen Sternbeobachtungskammer
Foto: ©Walter-Jörg Langbein
Erfolgreicher war Karl der Große bei den Externsteinen. Er ließ vermutlich im Jahre 772 die Sacelle auf Felsen II weitestgehend zerstören. Heute kann man nur noch erahnen, wie jener Raum einst ausgesehen haben mag. Man erkennt deutlich, wo einst Mauern jegliches Sonnenlicht ausschlossen... nur noch karge Reste überstanden die Zerstörungswut.

Erhalten blieb das mysteriöse Sonnenloch mit einem Mauerrest. Erhalten blieb an der gegenüberliegenden Seite ein Stück Wand. Zwei Säulen und eine Nische fallen auf. Wurden hier die Bewegungen der Sonnenläufe markiert? Wir können es nur vermuten. An bestimmten, kalendarisch wichtigen Tagen soll das Sonnenlicht eine mysteriöse Maske angestrahlt haben, die dann im Dunkeln der Beobachtungskammer förmlich aufglühte.

Teil einer Wand
Foto: ©Walter-Jörg Langbein
Für manche ist das bärtige Gesicht noch heute eine Teufelsmaske. Andere wiederum sehen das majestätisch wirkende steinerne Kunstwerk an einen Sonnengott aus uralten Zeiten, als die Gestirne noch als heilig galten. Kalendarische Beobachtungen waren Teil uralter sakraler Riten, die als höchst bedeutsam für die heiligen Zeitabläufe galten!

Schon manches Mal habe ich Fels II erklommen und bin über die schmale Brücke ins einstige Heiligtum geklettert. Viele Besucher der Externsteine begnügen sich damit, von unten die steinernen »Säulen« zu bestaunen. Jene, die Fels II erklimmen, scheinen dies meist als Pflichtbesuch zu empfinden, der schnell absolviert werden muss... wenn man schon mal da ist. Gelangweilt werfen sie rasch einen Blick durch das Sonnenloch, setzen sich ahnungslos breitgesäßig für ein Erinnerungsfoto auf den einstigen Altar und übersehen meist das mysteriöse Gesicht. Und schon geht es wieder über die Brücke und dann die steile steinerne Treppe hinab. Geschafft!

Die geheimnisvolle Maske überstand Karl den Großen. Vermutlich erst in neuerer Zeit wurde es Opfer von Vandalismus. Jemand schlug dem Antlitz einen Teil der Nase ab, der Bruch wirkt noch frisch. Wegen modernen Vandalismus mussten die Höhlenkammern im Inneren der Externsteinen für die Öffentlichkeit geschlossen werden. Vor rund dreißig Jahren waren sie noch zugänglich.... heute benötigt man eine Sondergenehmigung für den Besuch im Inneren der Externsteine!

Teufelsmaske oder Sonnengott?
Bild: ©Walter-Jörg Langbein
Einst, so wird spekuliert, stand bei oder auf einem der Externsteine die Irminsul, der heilige Weltenbaum. Einst soll er Himmel und Erde miteinander verbunden haben. Einst soll er Reisen aus irdischen in himmlische Gefilde und zurück ermöglicht haben. Trotz intensiven Quellenstudiums über Jahrzehnte hinweg ist es mir aber nicht gelungen, Klarheit in dieser Frage zu erlangen: Gab es eine Externsteine-Irminsul? Und wenn ja: Wann wurde sie ursprünglich errichtet und wann zerstört? Als Hauptverdächtiger für die Vernichtung eines so bedeutsamen »heidnischen Kultobjekts« bietet sich Karl der Große an.

Dass es bei den Externsteinen eine Irmisnul gegeben hat, das ist so abwegig nicht. Denn es gibt einen sehr deutlichen Hinweis auf diese sakrale Säule.. in einem bemerkenswerten Relief, das vor Jahrhunderten an einem der Externsteine angebracht wurde. Wer dieses »christliche« Kunstwerk gründlich betrachtet, der macht eine erstaunliche Entdeckung: Es sieht ganz danach aus, als habe es eine vorchristliche, »heidnische« Darstellung gegeben, die von christlichen Künstlern weitestgehend zerstört und überarbeitet wurde. Teile der älteren Version des rätselhaften Kunstwerks sind aber heute noch zu erkennen! (2)

Die umgeknickte Irminsul der
Externsteine
Bild: ©Walter-Jörg Langbein
Fußnoten
1: Buss, Winfried: »Ein Gang zu den Externsteinen«, Paderborn 1994, S.7
2: Hantl, Otto: Urglaube und Externstein, Oberursel, Essen, Tübingen 1998

»Das Geheimnis der Kreuzabnahme«,
Teil 64 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein erscheint am 11.04.2011

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