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Sonntag, 1. Oktober 2017

402 »Birkenstein, heilige Quellen und Muttergöttinen«

»Das Geheimnis der fliegenden Kapelle«, Teil 4 
Teil  402  der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                        
von Walter-Jörg Langbein

Foto 1: Mystisches Birkenstein... Foto Walter-Jörg Langbein


Wo heute Kloster und Loreto-Kapelle von Birkenstein stehen, soll es schon vor Errichtung der sakralen Stätte Wunder, womöglich Heilungen gegeben haben. Hat wohl Maria die Rolle einer älteren verehrten Frau, einer Göttin, übernommen? Andreas Scherm, so die »Süddeutsche Zeitung« (1), ist ein »großer Kenner historischer und kultureller Eigenheiten des Münchner Umlands«. Rudolf Neumeier schrieb in der »Süddeutschen Zeitung«: »Sein Wissen ist profund und universal.«

Scherm ist fasziniert von der Madonna von Birkenstein. Er beschreibt die Maria von Birkenstein, deren magische Ausstrahlung jeden Besucher in ihren Bann ziehen kann, im Vokabular eines katholischen Christen (2): Sie »begegnet uns als Gebieterin des Alls, als kosmische Frau mit Krone im 12- Sternen-Kranz, auf der Mondsichel stehend mit Szepter und göttlichem  Kind.«

Weit mehr als mein halbes Leben fasziniert mich die Mutter Jesu. Intensiv habe ich mich mit der Frau und ihrer Geschichte beschäftigt. Sie fristet in den Evangelien des »Neuen Testaments« noch eine eher bescheidene Rolle. Für die Evangelisten steht Jesus als der Messias im Vordergrund, als der Erlöser, der Retter. Seine irdische Mutter hingegen ist für sie eher nur eine Randfigur, über die wir recht wenig erfahren. Das junge Christentum hatte einen Messias zu bieten, einen Heros, der es durchaus mit seinen heidnischen Konkurrenten aufnehmen konnte. Ich vermute aber, dass die heidnische Konkurrenz der noch neuen, kaum bekannten Religion die Menschen in einem Punkt deutlich mehr ansprach. Sie kannten die Muttergöttin, an die sich die Menschen wenden konnten, wenn sie in Not und Bedrängnis waren.

Foto 2: Unzählige Votivtafeln sollen Maria danken.

Birkenstein ist eine mystische Stätte, die man unvoreingenommen auf sich einwirken lassen kann. Dann spürt man, dass diesem mystischen Ort etwas Geheimnisvolles anhaftet, das sich nicht in karge Worte fassen lässt. Wer sich freilich für das Geheimnisvolle verschließt, wird der Stätte wohl nichts abgewinnen können. Man muss in unserer lauten Zeit schon sehr gut zuzuhören versuchen, will man leise Stimmen vernehmen, die aus uralten Zeiten zu uns sprechen.

Die alten Kulte mit weiblichen Gottheiten verschwanden mit dem Aufkommen des Monotheismus im Judentum keineswegs, auch wenn sie offiziell verboten waren. Sie lebten, mehr oder minder offen, immer wieder geduldet, neben dem offiziellen Jahwe-Glauben weiter! Aus monotheistisch-patriarchalischer Sicht muss das Sakrileg pur gewesen sein, wenn eine Göttin wie Ascherah lange Zeit als Partnerin oder gar Ehefrau des Gottes des »Alten Testaments« an seiner Seite verehrt wurden. Und das nicht etwa irgendwo in einem versteckten Heiligtum, sondern im Tempel von Jerusalem selbst! Die Muttergöttinnen faszinierten die Menschen auch weiter, als das Christentum langsam an Bedeutung gewann.

Im Laufe der Geschichte des Christentums wuchs nach und nach die Rolle der Maria. Aus der bescheidenen Frau wurde nach und nach die Himmelskönigin, die immer mehr einer Himmelsgöttin gleicht. Sie wurde schließlich sogar in den Himmel aufgenommen. Übrigens: das nach dem Vorbild der Loreto nachgebaute kleine Gotteshaus in Birkenstein trägt auch den Beinamen »Maria Himmelfahrt Kapelle«.

Aus einer anonymen Frau in der »Apokalypse des Johannes« wurde im Volksglauben wie in der Theologie Jesu Mutter Maria (3): »Und es erschien ein großes Zeichen im Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet, und der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen.« Faktisch ist Maria heute auf dem Sprung in die höchste Ebene, als Miterlöserin, fast gleichauf mit Jesus selbst.

Foto 3: Die mütterliche Maria von Birkenstein.
Dieser Vers der »Offenbarung des Johannes« diente unzähligen Künstlern als Vorlage für ihre Darstellungen der Gottesmutter auf Gemälden und in Form von Statuen. Maria mit einem Fuß auf der Mondsichel stehend, mit einem Sternenkranz auf dem Haupt wurde zum Standardrepertoire unzähliger Künstler. Aus der anonymen himmlischen Erscheinung in der »Offenbarung des Johannes« wurde Maria. Oder besser gesagt: Nach und nach wurde aus der schlichten Maria der Bibel die Himmelskönigin des Glaubens. Man kann darüber diskutieren, ob mit der am Himmel erscheinenden Frau tatsächlich Maria, die Mutter Jesu gemeint ist. Christliche Interpreten bejahen diese Frage und verweisen auf einen weiteren Vers (4):  »Und sie gebar einen Sohn, einen Knaben, der alle Völker weiden sollte mit eisernem Stabe. Und ihr Kind wurde entrückt zu Gott und seinem Thron.«

Die Maria von Birkenstein soll im 15. Jahrhundert geschaffen worden sein. Sie stand zunächst in einer hölzernen Kapelle. So wie die biblische Maria um Verlauf der Kirchengeschichte nach und nach aufgewertet wurde, so wurde auch die Maria von Birkenstein künstlerisch überhöht. Man setzte ihr eine Krone auf und legte ihr den Sternenmantel um. Aus der schlichten Magd Maria wurde die Himmelskönigin. Jetzt ist sie wirklich die himmlische Frau, die eben noch vom Drachen verfolgt wurde. Erzengel Gabriel ist es, der den Satan besiegt. Mir scheint, dass in diesen Bildern sehr viel ältere Überlieferungen weiterleben.

Foto 4: Maria über Birkenstein
Birkenstein ist ein Ort des Volksglaubens, nicht der nüchternen Theologie. Die katholische Theologie folgte immer wieder dem Volksglauben, die evangelische Theologie indes bemühte sich immer wieder um »Wissenschaftlichkeit«. Aber so wie der Pathologe mit dem Skalpell vergeblich nach der Seele des Menschen sucht, so wenig lässt sich die spirituelle Welt wissenschaftlich sezieren.

In Birkenstein erkennt man die Sehnsucht der Gläubigen nach einer höheren Wahrheit, für die es in einer rein materialistischen Welt keinen Platz mehr gibt. Die Frage ist, ob es sich in dieser unserer »neuen Welt« besser lebt, wenn wir alles, was sich nicht in Gramm wiegen oder in Millimetern messen lässt, leugnen. Auf meinen Reisen zu den großen Geheimnissen unseres Planeten faszinieren mich auch heute noch die monumentalen Bauwerke unserer Vorfahren. Ich bewundere die enormen Leistungen unserer Ahnen, die wohl über Kenntnisse verfügten, die lange in Vergessenheit geraten sind. Ich staune über die unglaubliche Kunstfertigkeit, mit der schon vor Jahrtausenden gigantische Steinkolosse zugeschnitten und weiter bearbeitet wurden. Es muss doch nachdenklich stimmen, wenn auf der Osterinsel mit heutiger Technik bislang nur kleine und mittelgroße Statuen wieder aufgestellt werden können.

Es gibt aber auch die Orte der Stille, die man fühlen, erahnen, aber nicht fotografieren kann. An solchen Orten wurden vor Jahrtausenden Tempel errichtet, weil sich die Menschen dort einer höheren Realität näher fühlten. An solchen Orten wurden Kapellen, Kirchen und Kathedralen gebaut.

Foto 5: Kerzenspenden in Birkenstein.

Erich von Däniken schloss sein drittes Werk »Aussaat und Kosmos«, 1972 erschienen, mit den Worten: »Soll man Tempel sprengen, Kirchen schleifen? Nie und nimmer. Wo Menschen sich zusammenfinden und den Schöpfer preisen, empfinden sie eine wohltuende stärkende Gemeinsamkeit. Wie vom Ton einer Stimmgabel angerührt, schwingt gemeinsame Ahnung von etwas Großartigem in Raum. Tempel und Kirchen sind Orte der Besinnung, Räume des gemeinsamen Lobes für das Undefinierbare, für ES, das wir behelfsweise Gott zu nennen gelernt haben. Diese Versammlungsstätten sind notwendig. Der Rest aber ist überflüssig.«

Ein solcher Ort ist Birkenstein. In der Kapelle versammeln sich immer wieder Pilger zu Andacht und Gebet. Wird Kranken auf welchem Weg auch immer geholfen, weil sie glauben? Oder glauben Menschen, weil ihnen geholfen wurde? Gibt es Orte, an denen noch unerklärbare  Kräfte wirken, die Kranke heilen können? Wurden an solchen Orten Tempel und Kirchen gebaut? Die Wunder des Glaubens mögen eines Tages sogar wissenschaftlich verifizierbar sein. Sie geheschen aber schon seit ewigen Zeiten. Ein solcher Ort scheint Birkenstein zu sein. Birkenstein kann schon in vorchristlichen Zeiten ein Quellheiligtum gewesen sein. Fakt ist das schon vor Jahrhunderten Pilgern in Birkenstein Wasser aus einer der sogenannten »Sieben Quellen« gereicht wurde. Heute fließt es aus einem marmornen Brunnen an der Außenwand der Kapelle.

Foto 6: Quellewasser von Birkenstein.
Besonders geheimnisvoll sind »unterirdische Gewölbe« der sakralen Kultanlage von Birkenstein, auf die Andreas Scherm hinweist. Der sachkundige Autor spricht von (6) »einem von Votivkerzen gesäumten Raum und von einem »niedrigen engen Durchschlupf« zu einer »ruß geschwärzten Heiligen Grabkammer, die durch einen Lichtschacht nach Osten mit dem Obergeschoss-Umgang verbunden ist, gleich einer auf den ersten Sonnenstrahl ausgerichteten frühzeitlichen Kultnische«.

Die ältesten Kultanlagen weltweit entstanden in Höhlen. Später wurden künstlich unterirdische Kammern geschaffen, in denen sich die Gläubigen versammelten. Solche unterirdischen Kultanlagen gab es schon in Ägypten, Jahrtausende bevor die großen Pyramiden errichtet wurden. Erdgöttinnen wurden in den Kulthöhlen verehrt und angebetet, sozusagen im Leib von »Mutter Erde«, aus der alles Leben kam. Im Laufe der Christianisierung wurden solche unterirdischen Komplexe,  »Erdställe« werden sie vor allem in Bayern genannt, gern zugeschüttet oder als Keller zweckentfremdet. Wie ich aus Gesprächen mit Geistlichen aus Bayern weiß, dienten sie einst »heidnischen Zwecken« und wurden überbaut. So soll es in so mancher Kirche in Süddeutschland Zugänge zur mysteriösen »Unterwelt« geben. Ein katholischer Geistlicher im Gespräch: »Weil die Menschen auch nach Einführung des Christentums die alten heidnischen Plätze aufsuchten, baute man dort christliche Kapellen und Kirchen.« Schon Papst Gregor der Große (589-604) hatte gefordert, die »Tempel der Heiden« mit Weihwasser zu christianisieren und lieber in den Dienst der katholischen Kirche zu nehmen, anstatt sie zu zerstören.

Beispiel: Die »Allerheiligenkapelle« in Reichersdorf  (Weyarn). Einst gab es hier in vorchristlichen Zeiten ein Quellheiligtum. Im Volksmund sprach man vom einstigen »Götzentempel«. Wie ich recherchiert habe, konnte man durch diesen Tempel in ein relativ komplexes unterirdisches System von Kammern und Gängen steigen. Offensichtlich war der Ort bei den »Heiden« so beliebt, dass sie ihn auch noch nach der Christianisierung aufsuchten.  Die »Allerheiligenkapelle« wurde auf den Eingang zur alten unterirdischen Kultanlage gebaut. So soll es in der Kapelle hinter dem Altar einen Zugang in die »Unterwelt« gegeben haben.

Foto 7: Votivkerzen in einem unterirdischen Gewölbe von Birkenstein

Teile der verschachtelten »Unterwelt« wurden in christlicher Zeit als Gruft verwendet. Den Rest – unterirdische Gänge und Räume – hat man offensichtlich zugeschüttet. Sie sind, offiziell zumindest, nicht mehr lokalisierbar.

Gab es in Birkenstein einst auch so ein unterirdisches Quellheiligtum? Die »unterirdischen Gewölbe« könnten daran erinnern. Das Quellwasser, das christlichen Pilgern als »heilendes Element« zum Trinken gegeben wurde, es wird wohl schon zu heidnischen Zeiten geflossen sein.


Fußnoten
1) Zitat auf der Rückseite von Scherm, Andreas: »Unterwegs im Gestern/ Kulturhistorische Wanderungen im Oberland und Umland von München«, unter Mitarbeit von Carl Langheiter, 4. Auflage November 2011, München November 2011
2) ebenda, linke Spalte, Zeilen 14-18 von unten. Orthographie unverändert übernommen, also nicht der Rechtschreibreform angepasst.
3) »Apokalypse des Johannes« Kapitel 12, Vers 1
4) ebenda, Vers 5
5) Däniken, Erich von: »Aussaat und Kosmos«, Düsseldorf, August 1972, S. 266
6) Scherm, Andreas: »Unterwegs im Gestern/ Kulturhistorische Wanderungen im Oberland und Umland von München«, unter Mitarbeit von Carl Langheiter, 4. Auflage November 2011, München November 2011, Seite 113
7) Wolf, Doris: »Was war vor den Pharaonen?«, Zürich 1994


Foto 8: Im unterirdischen Gewölbe von Birkenstein.


Zu den Fotos
Foto 1: Mystisches Birkenstein... Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Unzählige Votivtafeln sollen Maria danken. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Die mütterliche Maria von Birkenstein. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Maria über Birkenstein, historische Darstellung vor 1914. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Kerzenspenden in Birkenstein. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Quellewasser von Birkenstein. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Votivkerzen in einem unterirdischen Gewölbe von Birkenstein. Foto Walter-Jörg Langbein

Foto 8: Im unterirdischen Gewölbe von Birkenstein. Foto Walter-Jörg Langbein




403»Birkenstein und das Wunder von Loreto«,
»Das Geheimnis der fliegenden Kapelle«,Teil 5
Teil  403  der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 08.10.2017



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Sonntag, 7. August 2011

81 »Die Heilige Geistin und Maria Magdalena«

Teil 81 der Serie
»Monstermauern, Mythen und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Abraham deutet auf die Dreifaltigkeit
Foto: W-J.Langbein
Einige Stunden verbrachte ich kurz vor Weihnachten in der St. Jakobus-Kirche von Urschalling. Mich stimmten die zum Teil starken Beschädigungen der uralten religiösen Gemälde traurig. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass missliebige Darstellungen bewusst beschädigt und zum Teil unkenntlich gemacht wurden. Im wehrhaften Gotteshaus scheint die Zeit seit Jahrhunderten stehengeblieben zu sein.

Die immer noch üppigen Reste der Wandmalereien zogen mich in ihren Bann. Ich versuchte, die farbenfrohen Gemälde unvoreingenommen, ja mit den Augen eines »Heiden« zu sehen und ich wurde fündig! Ich entdeckte die »Heilige Geistin« und Maria Magdalena beim letzten Abendmahl Christi, wieder einmal!

Kaiser Konstantin fürchtete zu Beginn des vierten nachchristlichen Jahrhunderts um die Stabilität in seinem Imperium. Ein einheitlicher Glaube sollte das Volk einen. Kaiser Konstantin entschied sich für das Christentum und ordnete anno 325 das »Erste Konzil von Nicäa« an. Ein gemeinsames Glaubensbekenntnis sollte jegliche christlich-religiöse Meinungsverschiedenheit schon im Keim ersticken. 318 Bischöfe einigten sich nach hitzigsten Diskussionen auf das »Glaubensbekenntnis«. Es wurde der Glaube durchgesetzt, dass Jesus wie Gott Vater »wahrer Gott« sei. Auf einen »Heiligen Geist« oder gar auf die »Heilige Dreifaltigkeit« wird in keiner Silbe eingegangen (1). Erst gegen Ende des vierten Jahrhunderts wurde der »Heilige Geist« als fester Bestandteil in die Bibel aufgenommen.

Abraham und die Dreifaltigkeit
Foto: W-J.Langbein
In der Bibel gibt es aber keinen einzigen wirklichen Hinweis auf die »Heilige Trinität«. Selbst der fast schon fundamentalistische Theologe M.R.DeHaan muss in seinem Werk »508 Answers to Bible Questions« (ohne Ortsangabe 1982) zugeben: »Es gibt nicht einen Vers in der Bibel, der aussagt, dass Gott eine Dreifaltigkeit, bestehend aus drei Personen, ist.« Damit vertritt er an den Universitäten keineswegs eine Außenseiterposition, sondern die allgemein akzeptierte wissenschaftliche Lehrmeinung. Auch der Theologe Karl-Heinz Ohlig kommt zum gleichen Ergebnis. 1999 brachte er es in seinem Buch »Ein Gott in drei Personen?« (Mainz 1999) auf den Punkt. Die Lehre von der Dreifaltigkeit »besitzt keinerlei biblische Grundlage«.

Vertreter der Geistlichkeit aber waren schon oft vollkommen anderer Ansicht als die Vertreter einer wissenschaftlichen Theologie ... und sie wurden schon immer fündig, wenn es galt, eine Glaubenswahrheit in den Schriften der Bibel zu entdecken. Angeblich gibt es Hinweise auf die Dreifaltigkeit schon im »Alten Testament«. So wird im »Ersten Buch Mose« (2) beschrieben, dass Abraham von drei Männern besucht wurde. Die Herrn prophezeiten dem verdutzten greisen Abraham, seine Frau werde demnächst ein Kind gebären. Eindeutig ist von drei Männern die Rede (3). Wenn Abraham tatsächlich von der göttlichen Dreifaltigkeit besucht worden sein sollte ... bewirtete dann der greise Mann Gott Vater, Gott Sohn (also Jesus!) und Heiligen Geist?

Die »Heilige
Geistin«
Foto:
W.-J.Langbein
Im Deckengemälde von St. Jakobus zu Urschalling wird jedenfalls behauptet, dass dem Abraham schon die Dreifaltigkeit begegnet ist. Abraham hält in seiner Rechten ein Schriftband. Da heißt es in lateinischer Sprache: »Abraham sieht drei und betet einen an.« Mit der linken Hand deutet Abraham auf die Dreifaltigkeit. Die aber besteht ganz eindeutig aus zwei Männern (Gott Vater und Gott Sohn) und einer Frau. Im sakralen Bildnis von Urschalling ist ganz eindeutig eine »Heilige Geistin« zu sehen!

Unbestreitbar ist das hebräische »Ruach« (»Geist«/ »Hauch« Gottes!) weiblich. Bekanntestes Symbol für den »Heiligen Geist« des »Neuen Testaments« ist die Taube. So heißt es im »Evangelium nach Markus« (4): »Und alsbald, als er (Jesus) von dem Wasser heraufstieg, sah er die Himmel sich teilen und den Geist wie eine Taube auf ihn hernieder fahren.« Im Evangelium nach Matthäus (5) wird die Geschichte von der Taube bestätigt: »Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen.«

Eine christliche Erfindung ist die göttliche Taube keineswegs! Eine der ältesten Gottheiten überhaupt ist Ischtar. Ischtar, die höchste weibliche Gottheit, steht für Geburt, Leben, Lust und Leiden und Tod. Ihr Symbol : die Taube! Ich behaupte: Aus der einst mächtigen Göttin aus uralten Zeiten wurde der weibliche »Heilige Geist« des »Neuen Testaments«. Im Bildnis von St. Jakobus zu Urschalling lebt Jahrtausende alter Glaube fort!

Nicht erst seit Dan Browns Weltbestseller »Das Sakrileg« faszinieren mich Darstellungen des »letzten Abendmahls« Jesu. Auch in der St. Jakobus-Kirche zu Urschalling gibt es eine Darstellung davon. Auch wenn das Fresko leider allenfalls noch zur Hälfte besteht, ist das Bildnis doch mehr als aufschlussreich. Vor dem kleinen Wandgemälde stehend erinnerte ich mich an die Worte des »Evangeliums nach Johannes« (6):

Johannes
schmiegt sich
an die Brust Jesu
Foto:
 W-J.Langbein
»Es war aber einer unter seinen Jüngern, den Jesus liebhatte, der lag bei Tisch an der Brust Jesu. Dem winkte Simon Petrus, dass er fragen sollte.« Kurz darauf wird wiederholt: »Da lehnte er (der Lieblingsjünger) sich an die Brust Jesu.« Ich betrachtete sorgsam das Abendmahlsfragment von Urschalling. Sofort erkannte ich Jünger Johannes. Jünger Johannes war somit eindeutig identifiziert.

Simple Logik: Da sich Lieblingsjüner Johannes – wie im »Evangelium nach Johannes« beschrieben – an Jesu Brust schmiegt, kann er nicht gleichzeitig auch noch neben Jesus stehen. Und neben Jesus ist deutlich eine recht feminine Gestalt zu sehen ... bei der es sich definitiv nicht um den jugendlichen Johannes mit weichen Gesichtszügen handeln kann. Wer ist die junge Frau mit langen Haaren, die so mütterlich eine Hand auf Johannes' Schulter legt? Meine Meinung: Maria Magdalena, die Frau, die Jesus nach den verbotenen Evangelien mehr liebte als die männlichen Jünger. Mir erscheint diese Interpretation sehr viel wahrscheinlicher zu sein als die Schultheologie!

Mich fasziniert das »Sakrileg« von Urschalling mehr als die Fiktionen von Dan Brown! Dan Browns »Sakrileg« schlug ein wie eine Bombe, löste wegen »ketzerischer Aussagen« weltweit Proteste aus. Als dann Browns Zig-Millionenseller auch noch verfilmt wurde, heizte das die Diskussion nochmals an.

Wer ist die Frau neben Jesus?
Foto W-J.Langbein
Aber leider wandte sich die Weltöffentlichkeit schon bald wieder anderen Themen zu. Bald schon wurden wieder andere »heiße Eisen« kurzfristig angefasst und schnell wieder fallengelassen. Doch das »Sakrileg« war und bleibt real. Es geht um Maria Magdalena, die Apostelin der Apostel, die intimste Bekannte Jesu, vielleicht sogar Jesu Frau!

Neben der offiziellen christlichen Lehre gibt es schon seit fast zwei Jahrtausenden verbotenes Glaubensgut. Ketzer wurden blutig verfolgt, gemartert und getötet. Gab es aber dennoch so etwas wie ein verborgenes Christentum, das Maria Magdalena als Jesu Partnerin anerkannte? Nach Jahrzehnten der intensiven Forschung bin ich davon überzeugt.

Anhänger der verbotenen Lehren lebten gefährlich. Schmuggelten Eingeweihte ihr verbotenes Wissen getarnt in christliche Kunstwerke wie Leonardo da Vincis Abendmahl, das Abendmahl von Kirchbrak und das Abendmahl von Urschalling?


Abendmahl von Urschalling
Foto: Walter-Jörg Langbein
Fußnoten
1: »Wir glauben an einen Gott, den allmächtigen Vater, den Schöpfer alles Sichtbaren und Unsichtbaren. Und an den einen Herrn Jesus Christus, den Sohn Gottes, der als einziggeborener aus dem Vater gezeugt ist, das heißt aus dem Wesen des Vaters. Gott vom Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt und nicht geschaffen.«
2: 1. Buch Mose Kapitel 18, Verse 1-15
3: ebenda, Kapitel 18, Vers 2
4: Evangelium nach Markus Kapitel 1, Vers 10
5: Evangelium nach Matthäus Kapitel 3, Vers 16
6: Evangelium nach Johannes Kapitel 13, Verse 23-25




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»Engel, Teufel und ein Wal«,
Teil 82 der Serie
»Monstermauern, Mythen und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 14.08.2011


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Montag, 2. November 2009

Das Sakrileg und die Heiligen Frauen

Auch nach Jahrzehnten der Frauenbewegung ist es nicht zu übersehen, dass der Graben zwischen den Geschlechtern nur schwer zu überbrücken ist.
Noch immer stellt die Gesellschaft völlig unterschiedliche Anforderungen an Männer und Frauen, was gerade auf die Lebensbedingungen von Frauen gravierende Auswirkungen zeitigt.
Dies ist im Laufe der Jahrtausende eine derartige Selbstverständlichkeit geworden, dass es einer gezielten Anstrengung bedarf, sich solche Fakten bewusst zu machen.

Wenn Sie sich nun fragen sollten: Was meint diese Kampfemanze eigentlich genau?, dann unterhalten Sie sich doch einfach mal mit einer Schwangeren. Sie wird Ihnen bestätigen, dass sie mit der wachsenden Offensichtlichkeit ihres Zustands einer enervierenden Frage ausgesetzt ist. Sie lautet, in Varianten, etwa folgendermaßen:
"Haben Sie sich schon überlegt, wie Sie das schaffen werden, so mit Kind und Ihrem Beruf?"
Erkundigen Sie sich dann der Vollständigkeit halber auch beim Vater des Kindes. Sie werden schnell herausfinden, dass ihm solche Fragen fremd sind. Warum auch sollte ihn jemand damit nerven? Das Kind hat schließlich eine Mutter!
Im Gegenteil: Der Mann hat nun eine Hausfrau, die ihm "den Rücken freihält", denn der Einfachheit halber erledigt sie nun, neben der Kinderbetreuung, den Haushalt gleich mit. Ja, ein Mann, dessen Essen abends wohltemperiert auf dem Tisch steht, der hat doch einen ganz anderen Background, sich den wichtigen Dingen des Lebens zu widmen, nicht wahr?

Warum aber ist dies so? Biologische Unterschiede? Diese werden immer wieder mal bemüht, wenn man versucht, die Ungleichheit der Aufgabenverteilung zu begründen. Doch wenn wir die tatsächlichen Gegebenheiten betrachten, dann stellen wir fest: Die Natur hat die existenzielle Abhängigkeit der Kinder von der Mutter auf das erste Lebensjahr begrenzt. Danach, mit dem Zahndurchbruch und der Aufnahme festerer Nahrung, besteht die Möglichkeit, auch anderen Familienmitgliedern einen Teil der Sorge für die Kinder zu übertragen.




Wer wäre hier der bessere Ansprechpartner als der Vater des Kindes?
Solch eine Frage aber können nur unbedarftere Gemüter stellen. Die anderen wissen es längst: Der Vater ist nun eingebunden in ein verschärftes Hunting-for-Dinner. Da kann man ihm doch nicht mit Windelwechseln kommen!
"Der arme Mann, er arbeitet den ganzen Tag so schwer, was willst Du noch alles von ihm verlangen?", kommt vielleicht von der Schwiegermutter, die ihren Sohn heimlich bedauert, eine Frau mit solch emanzipatorischem Gedankengut geheiratet zu haben. Wider dem Rat der eigenen Mutter, selbstredend.

Ja, Frauen sind Weltmeisterinnen darin, die Einhaltung der gesellschaftlich legitimierten Grenzen von ihren Geschlechtsgenossinen einzufordern. (BTW: Hat schon mal jemand einen Mann zu einem anderen sagen hören: "Kümmere Dich gefälligst um Dein Kind! Hörst Du nicht, dass es Hunger hat?"
Sollte dies der Fall sein, dann schreiben Sie mir bitte. Name und Adresse eines solch seltenen und deshalb hoch attraktiven Exemplars würden mich brennend interessieren. Aber dies nur am Rande.)

Nun möchte ich nicht weiter in die Tiefe gehen, was heutige gesellschaftliche Realitäten angeht. Wer die Augen aufmacht, wird jetzt auch so verstanden haben, was ich meine.
Was mich interessiert, das ist vielmehr: Wie konnte es so weit kommen? Wie konnte eine derartige Spaltung entstehen zwischen Menschen, die sich eigentlich lieben und gegenseitig unterstützen sollten?

Ich habe eine Antwort gefunden. Geahnt hatte ich sie ja schon immer. Doch das Buch Das Sakrileg und die Heiligen Frauen von Walter-Jörg Langbein hat mein dumpfes Ahnen nun mit einigen theologischen Fakten unterfüttert, die meine Frage mehr als nur hinreichend beantworten.

Wer sich jemals mit C.G. Jung und seiner Archetypenlehre auseinandergesetzt hat, der weiß, dass es Urbilder sind, die uns alle steuern. Darstellungen, die irgendwann, an irgendeiner Stelle der Menschheitsgeschichte aufgenommen, fraglos weitergegeben und immer weiter verfestigt wurden. So lange, bis sie alles durchdrangen. Bis es eine übermenschliche Anstrengung bedeutete, sie eben NICHT zu erfüllen, sondern vielmehr GEGEN ihre Diktatur zu leben.

Wenn wir den hiesigen Kulturkreis einer näheren Betrachtung unterziehen, erfahren wir als erstes, dass wir in der "abendländisch-christlichen" Kultur leben. Hoch gehalten wird diese Bezeichnung gerade neuerdings wieder, da es gilt, sich gegen den zu Recht als bedrohlich empfundenen muslimischen Fundamentalismus abzugrenzen.
Aber: Lohnt sich diese Abgrenzung? Sind unsere Wurzeln wirklich so ungleich nährender und fruchtbarer? Oder wurden sie nicht lediglich durch die Periode der Aufklärung wenigstens so weit gekappt, dass ein weitgehend unverbogener Mensch unter Eingehung gewisser Kompromisse damit zu leben vermag?

Fragen über Fragen, deren Antworten Das Sakrileg und die Heiligen Frauen zu liefern vermag.
Ausgehend von der Betrachtung des Dan-Brown-Thrillers Sakrileg. The Da Vinci Code und der darin vertretenen Thesen breitet Walter-Jörg Langbein die Fülle seiner theologischen Kenntnisse vor seinen Lesern aus und führt sie Schritt für Schritt und folgerichtig zu der Erkenntnis, welch tiefgreifenden Schaden die systematische theologische Herabwürdigung der Maria Magdalena der "abendländisch-christlichen Kultur" zugefügt hat.

Maria Magdalena, die eigentliche geistige Erbin des Jesus von Nazareth, gestempelt zu einer billigen Hure: Dieses zu einem archetypischen Bild verfestigte Unrecht ist es, das zu einer Entelechie und Begründung geworden ist für jedes Unrecht, das seit dieser Zeit Frauen des "abendländisch-christlichen Kulturkreises" zugefügt wurde.

Wer sich mit Walter-Jörg Langbeins Buch auseinander setzt, wird zu der Erkenntnis gelangen, dass es höchste Zeit ist, neue Archetypen zu erschaffen. Und dass ihm, auch wenn er männlichen Geschlechts ist, kein Zacken aus der Krone fällt, wenn er nun aufsteht und sich ein wenig um den Haushalt kümmert, und das am besten jetzt gleich.

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