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Sonntag, 8. Februar 2015

264 »Begegnung im Urwald«

Teil 264 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Der Tempel der Inschriften von Palenque.
Es regnete unaufhörlich, Myriaden und Abermyriaden von Regentropfen verwandelten den »Urwald« von Palenque in eine Fantasiewelt. Was eine ideale Kulisse für einen spannenden Mysterythriller hätte sein können, war aber Realität an jenem Novemberabend. Die Elektronik meiner beiden Kameras streikte. Beide Kameras ließen sich nicht auslösen, an manuelle oder gar automatische Scharfeinstellung war nicht zu denken. So machte ich mich auf, von meinem Hotelzimmer bis zur weltbekannten Pyramide benötigte ich, vorbei am örtlichen Museum, keine halbe Stunde. Ich bin versucht, die steile Treppe an der Vorderseite des Tempels der Inschriften empor zu klettern, trotz des deutlich angebrachten Verbotsschildes.

Ein Schrei irgendwo aus dem undefinierbaren grünen Dickicht lässt mich zusammenzucken. Für Augenblicke wird die kräftige Solostimme von einem kreischenden Chor begleitet. Angst und Wut, scheint mir, kommen zum Ausdruck. Dann verstummen sie wieder, die Brüllaffen von Palenque.

Foto 2: Blick aus dem Urwald...

Es ist kein Regen mehr, der vom Himmel kommt. Es kommt mir so vor, als würde sich die Luft langsam in Wasser verwandeln. So gehe ich einige Schritte weiter, weg vom Tempel der Inschriften. Nur wenige Minuten später. Ich stehe unter mächtigen Bäumen, wieder erheben Brüllaffen protestierend ihre Stimmen. Dazu gesellt sich ein sehr viel unangenehmeres Geräusch. Es ist ein leise auf- und abschwellendes Surren, geradezu grell und spitz. Moskitos suchen offenbar Blutspender. Noch höre ich sie nur, noch umschwirren sie mich nicht wie ihre Artgenossinnen in heimischen Gefilden. So mache ich mich auf den Rückweg, bleibe nur noch kurz vor dem Tempel der Inschriften stehen. Morgen werde ich frühmorgens wiederkommen. Ich weiß, dass man von der Rückseite des Tempels fast bis auf die oberste Plattform gelangen kann. Man muss gar nicht die breite Treppe auf der Vorderseite benutzen. Der Kalkstein der Stufen ist weich und unzählige Touristen haben bereits ihre Spuren hinterlassen.

Foto 3: Unmittelbar von Urwald umgeben...
Diese Treppe war wohl auch nicht für den heutigen Massenansturm gedacht. Vermutlich waren es vor Jahrhunderten nur wenige Auserwählte, die am Tempel emporsteigen durften. Waren Vertreter des »Hochadels«? Waren es Priester? Astronomen?

Die Maya waren geradezu besessen von Astronomie und Astrologie. Astrologen und Astronomen waren vor elf Jahrhunderten in Palenque zuhause. Sie dominierten das Zeremonialzentrum, das sie »Chan Kah« nannten, zu Deutsch »Schlangenort«.

Für die Lacandonen war Palenque der »Nabel der Welt«. Priester, Astronomen und Astrologen wagten den Blick in eine Normalsterblichen verborgene Welt, in der Göttinnen und Göttern lebten. Es heißt, dass die Wissenden noch vor elf Jahrhunderten nicht nur präzise Berechnungen über den Lauf von Planeten und Sternen anstellten. Sie sollen sich Pilze einverleibt haben, die Halluzinationen auslösten. So glaubten sie, heißt es, Wirklichkeiten wahrzunehmen, die ihnen sonst verborgen blieben.

Die Lacandonen – sie nannten sich »wahre, echte Menschen« – lebten bis ins 20. Jahrhundert nach uralten Traditionen. Sie huldigten, allen missionarischen Versuchen zum Trotz, den alten Göttinnen und Göttern ihrer Vorfahren. Zu Beginn des dritten nachchristlichen Jahrtausends scheint es nur noch eine Frage von Jahren oder bestenfalls Jahrzehnten zu sein, bis die alte Kultur ausgestorben sein wird. Schuld daran sind die wenig segensreichen Kontakte mit unserer »zivilisierten Welt«. Heute gehen fast alle Kinder der letzten 700 (?) Lacandonen in staatliche Schulen, wo sie in spanischer Sprache unterrichtet werden. Ihnen wird die Historie der Sieger beigebracht, die eigene Kultur wird gering geschätzt. Als erstrebenswert gilt der Wohlstand der westlichen »Zivilisation«. In Aussicht steht ein Mehr an materiellem Lebensstandard und ein Weniger an wirklicher Kultur.

Foto 4
 Werden mit den Lacandonen, den letzten echten Maya-Nachkommen, die alten, überlieferten Geheimnisse vergessen sein, noch bevor sie gelöst werden konnten? Umstritten ist die Zahl der heute noch lebenden Lacandonen. Es wird gelegentlich behauptet, die kleine Gruppe würde wieder wachsen. Aber sind Lacandonen, die vom Tourismus leben, noch echte Lacandonen?

Nach offiziellen Angaben sprechen heute nur noch zwanzig Nachkommen der Lacandonen die Ursprache ihres Volkes. In Wirklichkeit dürften es aber deutlich mehr sein. Dessen ungeachtet ist unbestreitbar, dass die alte Kultur, die selbst die Gemetzel der mörderischen Spanier überdauerte, mittelfristig bis langfristig ausstirbt. Die Stammesmitglieder werden nicht mehr ermordet, sondern huldvoll in die »Zivilisation« aufgenommen, bis sie nicht mehr zu erkennen sind. 1996 starb der geistige Führer der Nord-Lacandonen Chan K’in Viejo im Alter von 104 Jahren. Der altehrwürdige Lehrmeister hatte bis zu seinem Tod versucht, die Kultur seines Volkes am Leben zu halten.


Werden wir je erfahren, was die heilige Schlange der Mayas wirklich bedeutete? Gab und gibt es wissenschaftlich korrekte Erklärungen für die Bezeichnung »Schlangenort«? Die doppelköpfige Schlange hatte offenbar astronomische Bedeutung. Sonne, Mond und Planeten standen in – enger? – Beziehung zur mysteriösen Schlange. Jegliche positive Bewertung der Schlange war und ist seit Jahrhunderten christlichen Missionaren in Zentralamerika ein Gräuel! Die Schlange darf nicht positiv, sie muss negativ gesehen werden, hat sie doch Eva zur ersten Sünde im Paradies verleitet. Somit ist aus christlicher Sicht die Schlange für alles Elend verantwortlich. Ohne dieses angeblich teuflische Tier wären die ersten Menschen nicht aus dem Paradies vertrieben worden! Empört stellten frühe Missionare fest, dass die Maya Verstorbene als Sterne am Himmel sahen und dass sie Sterne wiederum als Schlangen deuteten (1).

Fotos 5a und 5b

Der Regen verstärkt sich rapide. Es schüttet förmlich vom Himmel, als ich zum Hotel zurückeile. Da stoße ich dabei mit einer jungen Einheimischen zusammen. Der sintflutartige Regen hatte die lange Zigarre in ihrem Mund gelöscht. Bekleidet war sie ein langes, weißes Gewand. Vor der Brust trug sie ein metallenes, silbern glänzendes »Amulett«.  Ich meine einen stilisierten Baum zu erkennen, an dem  sich eine Schlange empor windet. Ich weiß: Das gerade geschnittene weiße Kleid aus Leinen ist Relikt aus alter Lacandonen-Tradition. Tabak-Rauchen war kein Qualmen als Genuss, sondern wurde einst als heiliger Akt zelebriert. Das Amulett (?) der attraktiven Lacadonin (?) lässt eine alte Symbolik vermutet: Der stilisierte, hoch gewachsene Baum könnte Wacah Chan sein, der Lebensbaum der Mayas. Mayas, aber auch Azteken, Mixteken und Olmeken kannten ihn. Er reichte von der »Unterwelt« bis in den »Himmel«.

Foto 6: »Weltenbaum« auf sumerischem Siegel

In der Mythologie der Maya wird der Ceibabaum als Wacah Chan gesehen, als Weltenbaum, als Achse der Welt. Die Schlange am Wacah Chan als Amulett habe ich nirgendwo in der einschlägigen Literatur finden können. Ein katholischer Priester vor Ort interpretierte die kunstvolle Darstellung so: Die Schlange könnte für einen Verstorbenen (oder dessen Seele?) stehen, unterwegs von irdischen Gefilden in den Himmel, um dort zum Stern zu werden.

Foto 7
Der Mythos vom Weltenbaum schein so etwas wie ein kollektives Erbe der Menschheit zu sein, und das seit Jahrtausenden! Im heutigen Afghanistan huldigte man diesem Baum des Lebens bereits vor rund fünf Jahrtausenden. Im alten Mesopotamien, aber auch im Alten Indien erstreckte sich diese »Achse« von der Unterwelt bis in den Himmel der Göttinnen und Götter. In der heiligen Mythologie Babylons recht Baum Xixum seine Äste weit in den Himmel, während die starken Wurzeln fest in der Unterwelt verankert sind. Auch die nordische Mythologie kennt diesen »Baum« als Abbild des Kosmos, Yggdrasil genannt. Ich bin davon überzeugt, dass die Irminsul nichts anderes darstellt, als eben jene Verbindung zwischen Unterwelt und Himmel, zwischen Tod und Leben.

 Was mich mehr als nur verblüfft hat, das war eine erstaunliche Entdeckung: Es gibt eine heidnische Irminsul vor einem der schönsten Gotteshäuser Europas, vor dem altehrwürdigen Dom zu Bremen!

Literatur

Foto 8
(1) Siehe hierzu…. Thompson, John Eric Sidney: »Maya Hieroglyphic Writing/ An Introduction, 1960, University of Oklahoma Press, S. 85

Weiterführende Werke, auch zur Vertiefung:

(2) Stuart, David und George: »Palenque/ Eternal City of the Maya«, London 2008
(3) Gockel, Wolfgang: »Die Geschichte einer Maya-Dynastie/ Entzifferung
     klassischer Maya-Hieroglyphen am Beispiel der Inschriften von Palenque«,
     Mainz 1988
(4) Kearsley, Graeme R.: »Pacal’s Portal to Paradise at Palenque/ The Iconography
     of India at Palenque and Copan«, London 2002


Hotels in der Nähe der Ruinen von Palenque:

Piedra de Agua Palenque, El Colombre, Hotel Villas Kin Ha, Cabanas Kin Balam, Mayabell

Anmerkungen zu den Fotos

Foto 1: Der Tempel der Inschriften von Palenque. Foto Walter-Jörg Langbein
Fotos 2 und 3: Blick aus dem Urwald auf Ruinen von Palenque. Fotos Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Fantasievolle Darstellung von Ygdassil. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Fotos 5a und 5b: Die berühmte Grabplatte von Palenque. Wurde ein Bild der Weltenachse eingearbeitet? Fotos Walter-Jörg Langbein
Foto 6: »Weltenbaum« auf sumerischem Rollsiegel. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 7: »Weltenbaum« Irminsul an den Externsteinen, geknickt. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Die »Irminsul« vom Dom zu Bremen. Foto Walter-Jörg Langbein

265 »Von der Heiligen Taube zum Schlangenmonster«
Teil 265 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 15.02.2015


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Sonntag, 30. Dezember 2012

154 »Der begrabene Tempel«

Teil 154 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Ein Riese aus Stein bewachte einst
Copan ... - Foto: W-J.Langbein
Einst schützten mächtige Mauern die Metropole von Copán. 1576 beschreibt Diego Garcia de Palacio noch dieses Bollwerk. Bewundernd stellt er fest: »Dort befinden sich die Ruinen herrlicher Tempel. Ehe man dorthin kommt, stößt man auf sehr dicke Mauern und einen riesigen steinernen Adler. Auf der Brust trägt er ein Quadrat, dessen Seitenlänge mehr als das Viertel einer spanischen Elle beträgt und auf dem unbekannte Schriftzeichen stehen.«

Verschwunden sind sowohl die »dicken Mauern« als auch der riesige Adler aus Stein. Auch der einstige Wächter von Copán, ein monströser Riese, wurde wohl zerschlagen. Der spanische Chronist Diego Garcia de Palacio war vielleicht der Letzte, der den Koloss noch intakt gesehen hat: »Tritt man näher heran, so entdeckt man die Gestalt eines großen, steinernen Riesen; die Indianer sagen, er sei der Wächter des Heiligtums gewesen.«

Unklar ist, wie die Statue ausgesehen hat, die der spanische Chronist Diego Garcia de Palacio beschreibt. Was ist aus ihr geworden? Wurde sie zerstört? Oder bezieht sich der Spanier auf eine der mächtigen steinernen Stelen, die heute unzählige Besucher nach Copán locken?

Rätsel über Rätsel umgeben die Ruinenstadt Copán. Beispiel: Warum wurde »Tempel Rosalila« begraben? Warum haben die Mayas diesen mysteriösen Tempel mit Sand bedeckt und darüber einen weiteren Tempel, »Tempel 16« errichtet? Und was erwartet die Archäologie von morgen oder übermorgen von der geheimnisvollen Tempelgruft unter »Tempel Rosalila«? Da soll Yax K'uk' Mo', der legendäre Begründer einer mächtigen Dynastie, bestattet worden sein. Von einem Fluch, der die Gebeine des Herrschers schützen soll, ist nichts bekannt. Dennoch wagt sich kaum jemand in die Gruft, obwohl mit reichen Grabbeigaben zu rechnen ist. Der Dynastiegründer wurde sicher mit Prunk bestattet. Vielleicht wurde er gar mit Maya-Codices beigesetzt, die Aufschluss über Religion und Aberglauben geben!

Rekonstruktion des Tempel
Rosalila - Foto: talk2winik
Aber das Grab von Yax K'uk' Mo' wurde einst bis zum Rand ... mit Quecksilber gefüllt! Das schreckte die Archäologen lange Jahre ab. Ein Archäologe erklärte mir vor Jahren: »In diese Gruft wäre es lebensgefährlich, etwa nach Kostbarkeiten und Gebeinen zu suchen! Wussten die alten Mayas, wie giftig Quecksilber ist? Schützten sie so den legendären Herrscher?

Wie auch immer: In stickigen Gängen mussten sich der honduranische Archäologe Ricardo Agurica und sein Team anno 1989 an den begrabenen Tempel heranquälen. Sie waren beeindruckt von der Farbenpracht des sakralen Bauwerks, dessen Rekonstruktion im »Museo de Sitio« besichtigt werden kann. König »Mond-Jaguar« gilt als der Erbauer des Tempels für den Sonnengott. Die Ausmaße: Höhe dreizehn Meter, Grundfläche 18,5 mal 12,5 Meter!

Die Ruinen von Copán stellen einen kleinen Teil der einstigen Metropole dar. Unzählige Gebäude dürften im Lauf der Jahrhunderte abgetragen und zerstört worden sein. Und was heute zum Teil restauriert, sichtbar ist ... ist nur ein kleiner Teil, denn in der »Unterwelt« wartet noch manch sakrales Bauwerk auf Entdeckung. Offizielle archäologische Ausgräber trieben so manchen Tunnel unter die Fundamente der überirdischen Bauten ... in der Hoffnung auf Informationen über das Leben der Mayas in Copán. Auch Grabräuber waren am Werk, auch sie trugen dazu bei, dass die »Unterwelt« von Copán immer mehr einem Schweizer Käse gleicht.

Tempel 11

Foto: W-J.Langbein
Vermutlich war Copán so etwas wie ein wissenschaftliches Zentrum der Maya-Astronomie. Viele Jahrhunderte lang wurden Sonne, Mond und Sterne beobachtet. Viele Jahrhunderte lang wurden penibelst Daten notiert. Und viele Jahrhunderte lang wurde die Flut von Daten ausgewertet. Die Mayas verfügten nicht über Computer, aber über sehr viel Zeit. Und so gelang es einigen Spezialisten der Mayas, das Geheimnis der Mondfinsternisse zu entschleiern. Sie entdeckten die genaue Dauer der zeitlichen Abstände zwischen Mondfinsternissen. So konnten sie präzise berechnen, wann Jahrtausende vor ihrer Zeit Mondfinsternisse die Menschen in Angst und Schrecken versetzt haben mochten. Und sie konnten exakt berechnen, wann in Zukunft Mondfinsternisse stattfinden würden.

Nutzen die Priester-Astronomen ihr Wissen aus, um das ahnungslose Volk zu beeindrucken, ja in Angst und Schrecken zu versetzen? Sie konnten behaupten, dass der Mond von zornigen Monstergöttern gefressen würde ... konnten genau vorhersagen, wann das geschehen würde. Und sie konnten dann ihre priesterliche Macht demonstrieren, mit der sie den verschwundenen Mond wieder an den Himmel zurück holten! Sie konnten für sich in Anspruch nehmen, für die unwissende Masse der Gläubigen zumindest, mit mächtigsten Göttern in Verbindung zu stehen. Sie konnten behaupten, dass die Himmlischen auf sie, die wissenden Priester, hörten. Sie konnten behaupten, dass ihre Opfer den verschlungenen Mond wieder an den Himmel zurück holten!

Der Windgott am Tempel 11
Foto: W-J.Langbein
Anno 746 nach Christus jedenfalls wurde »Tempel 11«   beendet: aus Begeisterung ob der präzisen Erkenntnisse in Sachen Mondfinsternisse! An jenem Tempel wurde eine geheimnisvolle Steinstatue angebracht, die mich sehr an eine Mischkreatur aus Mensch und Tier erinnert. Sie stellt Windgott Hurakan dar.

Wenn wieder einmal die Nachrichten einen todbringenden Hurrikan, einen monströsen Wirbelsturm, vermelden: die Begriff »Hurrikan« und »Orkan« gehen auf den Maya-Gott des Wunders Hurakan zurück!

Hurakan wurde bei den Mayas aber auch als einer der mächtigen Schöpfergottheiten verehrt. Nachdem die ersten Menschen den Zorn der Götter erregt hatten, folgte umgehend drakonische Strafe. Eine gewaltige Sintflut löschte fast alles Leben aus. Hurakan jedenfalls hauste nach der Maya-Mythologie in den Nebeln über der Wasserflut. Hurakan wiederholte immer wieder das Wort »Erde« in einem magischen Ritual ... bis die Wasserfluten wieder wichen und erneut das trockene Land sichtbar wurde.

Gern tun wir die Vorstellung von zyklischem Entstehen und Vergehen der irdischen Kulturen als unsinnig ab. Fakt ist aber: Unser Planet wurde wiederholt von Katastrophen heimgesucht. Bedenken wir, dass Copán schon nach einigen wenigen Jahrhunderten fast vollkommen überwuchert und bereits wieder von Erde bedeckt war. Was bleibt von unserer irdischen Kultur, wenn der Planet Erde von einem Weltuntergang heimgesucht wird? Was ist nach 500, was nach 5000 oder gar 500.000 Jahre noch zu erkennen?

Nach Jahrhunderten kann eine einst
stolze Metropole schon fast vollkommen
verschwunden sein ...
Foto: W-J.Langbein
Eine solche Monsterflut war vor vielen Jahrmillionen Realität, ausgelöst wohl durch den Einschlag eines Himmelskörpers, der Tsunamis auslöste... Wie oft? Im Verlauf der Erdgeschichte gab es immer wieder gewaltige Katastrophen, die in zyklischen Abständen unseren Planeten heimsuchten. Wiederholt wäre fast alles Leben auf Terra ausgelöscht worden....so wie es die Maya-Mythologie auch überliefert. Das »Popol Vuh«, die »Bibel der Mayas«, propagiert eine Weltgeschichte, in der es immer wieder zu gewaltigen Katastrophen kommt.

Vor 75.000 Jahren gab es die Fast-Apokalypse von Sumatra, als ein Vulkan-Kataklysmus beinahe die gesamte Menschheit auslöschte. Seit Millionen brach ein Monstervulkan im Yellowstone-Nationalpark wiederholt aus. Wie mörderisch werden die Folgen des nächsten Ausbruchs des Supervulkans im »Yellowstone Nationalpark« sein? Fakt ist: Er ist längst überfällig! Zigtausende, ja Hunderttausende können als direkte Opfer bei dem Ausbruch zu beklagen sein. Hunderttausende, ja Millionen können den gewaltigen Massen giftiger Gase zum Opfer fallen. Es ist nur eine Frage der Zeit! Die nächste Apokalypse wird die gesamte Welt hart treffen. Gewaltige Temperaturstürze sind möglich, sehr lang anhaltende Zeiten vollkommener Finsternis sind wahrscheinlich. Dann wird es zu unvorstellbaren Hungerkatastrophen kommen. Es wird eine bislang nie gekannte Nahrungsmittelknappheit geben. Wie viele Menschen werden verhungern? Die Apokalypse wird definitiv kommen: nicht als göttliches Strafgericht, aber als Naturkatastrophe.

Düster blickt ein steinernes Gesicht
in die Zukunft - Foto: W-J. Langbein
Die Mayas rechneten mit riesigen Zeitzyklen ... zum Teil in Milliarden von Jahren. Man darf nicht versuchen, die Katastrophe auf den Tag genau vorauszuberechnen. Man muss sich nur einer Tatsache bewusst sein: Die nächste globale Katastrophe kann schon morgen zum Weltuntergang führen. Der Mensch wird dann vielleicht ausgelöscht. Das Leben wird aber zurückkehren, wachsen und gedeihen ... und das sehr viel besser als in der Epoche »Menschheit«! Die Zukunftsaussichten sind – langfristig gesehen – eher düster ...

Eine menschenähnliche Skulptur, von einem Steinmetz in Copán geschaffen, blickt in eine unheilvolle Zukunft ...

Literaturempfehlung
Wenn Sie sich über die zyklisch wiederkehrenden Apokalypsen informieren wollen, dann lesen Sie Walter-Jörg Langbeins aktuellen Bestseller »2012 - Endzeit und Neuanfang: Die Botschaft der Mayas«.

Langbein weist nach, dass die Erde wiederholt am Rande der totalen Katastrophe stand. Wiederholt wäre fast alles Leben auf unserem Planeten ausgelöscht worden. Die nächste apokalyptische Weltkatastrophe kommt bestimmt!

Ruinen werden von Baumwurzeln
gesprengt - Foto: W-J.Langbein
Literaturverzeichnis
Bacon, Edward (Herausgeber): Versunkene Kulturen/ Geheimnis und Rätsel
früher Welten, Volksausgabe, München 1970, (GROSSFORMAT)
(Mayas, Kap. 7. S. 93 fff.)
Biedermann, Hans: Altmexikos Heilige Bücher, Graz 1971
Bourbon, Fabio (Text): The Lost Cities of the Mayas/ The life, art and
discoveries of Frederick Catherwood, Vercelli (Italien) 1999
Bridges, Marilyn: Für die Götter/ Luftaufnahmen heiliger Landschaften,
Frankfurt 1990 (Bildband)
(Bauwerke der Mayas, Yucatán und Chiapas, S. 32-55)
Cotterell, Maurice M.: The Mayan Prophecies, Shaftesbury 1995
Cotterell, Maurice M.: The Supergods/ They came on a mission to save
mankind, London 1998
Cottrel, Leonard: The Horizon Books of Lost Worlds, New York 1964
Drew, David: The Lost Chronicles of the Maya Kings, London 1999
Eggebrecht, Eva und Arne: Die Welt der Maya/ Archäologische Schätze aus
drei Jahrtausenden, 2. Auflage, Hildesheim und Mainz 1992
Fiebag, Peter: Der Götterplan/ Außerirdische Zeugnisse bei Maya und Hopi,
München 1995
Fuls, Andreas: Die astronomische Datierung der klassischen Mayakultur (500-
1100 n.Chr.), Hamburg 2007
Gockel, Wolfgang: Die Geschichte einer Maya-Dynastie/ Entzifferung
klassischer Maya-Hieroglyphen am Beispiel der Inschriften von Palenque,
Mainz 1988
Krickeberg, Walter (Hrsg.): Märchen der Azteken und Inkaperuaner, Maya
und Muisca, Düsseldorf 1972
Martinéz, Pio und Bandini, Pietro: Das Götterorakel von Yucatán/ Das
Geheimwissen der Maya entschlüsselt, München 1998
Méndez, Maria Teresa Mézquita: Die Prophezeiungen der Mayas, Mérida,
Mexiko, 3. Auflage 2010
National Geographic Society: Versunkene Reiche der Maya, Augsburg 1997
Prem, Hanns J. und Dyckerhoff, Ursula: Das alte Mexiko/ Geschichte und
Kultur der Völker Mesoamerikas, München 1986 (GROSSFORMAT)
Schele, Linda und Mathews, Peter: The Code of the Kings/ The Language of
seven sacred Maya Temples and Tombs, New York 1998
Schele, Linda und Freidel, David: Die Unbekannte Welt der Maya/ Das
Geheimnis ihrer Kultur entschlüsselt, Augsburg 1994, Übersetzung von A
Forest of Kings
Schele, Linda und Miller, Mary Ellen: The Blood of the Kings/ Dynasty and
Ritual in Maya Art, Fort Worth 1986 (korr. Nachdruck)
Sitchin, Zecharia: Versunkene Reiche/ Der Ursprung der Zivilisation im
Reiche der Maya und Inka, Rottenburg 2008
Soustelle, Jacques: Die Kunst des alten Mexiko, Osnabrück 1968
Stingl, Miloslav: In versunkenen Mayastädten/ Ein Forscher den Geheimnissen
der indianischen Pyramiden auf der Spur, Leipzig 1971
Stuart, David und George: Palenque/ Eternal City of the Maya, London 2008
Westphal, Wilfried: Die Maya – Volk im Schatten seiner Väter, Bindlach 1991
Wipf, Karl A.: Wanderer in der Nacht/ Religionsgeschichtliche Interpretationen
zu altamerikanischen Chroniken, Hallein 1980

»Die Treppe der Hieroglyphen«,
Teil 155 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 06.01.2013





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Sonntag, 16. Dezember 2012

152 »Von Affen und von Drachen«

Teil 152 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Ein Brüllaffe in Palenque
Komisch, diese Touristen...
Foto: W-J.Langbein
Die letzte Touristengruppe strebt hastigen Schritts dem Ausgang zu. »Und wann besichtigen wir endlich Palenque?« nörgelt jemand mit näselnder Stimme. Genervt antwortet der Guide: »Wir sind hier in Palenque ...« Nach kurzer Pause ist wieder der unzufriedene Reisende zu hören: »Aha. Und morgen fliegen wir dann endlich nach Mexiko?« Der gestresste Guide antwortet: »Nein. Wir sind seit einer Woche in Mexiko. Morgen fliegen wir nach Guatemala!«

Der Nörgler beschwert sich über das Reiseprogramm: »Und warum steht Lima nicht auf dem Programm, wenn wir dann schon mal in Guatemala sind?« Die Antwort des Guide höre ich kaum noch: »Weil Lima in Peru und nicht in Guatemala liegt. Peru gehört zu Südamerika, wir aber ...«

Es wird rasch dunkel in Palenque. Die Dämmerung bricht herein, die Touristen fahren ab. Und plötzlich melden sich die Brüllaffen zu Wort. Es kommt mir so vor, als würden sie miteinander kommunizieren. »Hier sind keine mehr von diesen kranken Nacktaffen!« - »Endlich! Es sind bemitleidenswerte Kreaturen!« - »Ja, schon! Aber hoffentlich ist ihr Fellausfall nicht ansteckend!« Ob wir einige dieser Vertreter der Familie alouatta caraya zu sehen bekommen?

Leise gehen wir in den rasch dichter werdenden Wald unweit des Tempels der Inschriften. Etwas raschelt über uns. Ein Männchen, erkennbar an der schwärzlichen Färbung, schwingt sich von Ast zu Ast. Sein kräftiger Schwanz dient als zusätzliches Greiforgan. Kaum dass der Bursche – etwa einen halben Meter groß – bemerkt, dass wir ihn beobachten, verharrt er in seiner Bewegung. Aus der Ferne machen sich einige seiner Artgenossen bemerkbar. »Unser« Affe beobachtet uns nur, dann klettert er gemächlich seinen Baum empor, bis er im Dunkel der Krone nicht mehr auszumachen ist.

Der Brüllaffe zieht sich zurück
Foto: Ingeborg Diekmann
Brüllaffen halten sich meist in Bäumen auf, wo sie in kleinen Gruppen von meist zehn bis zwanzig Tieren leben. Gelegentlich wagen sie sich bei der Nahrungssuche auf den Boden. Ihre »Kollegen«, die Nasenbären, leben am Rand von Wüsten ebenso wie im Urwald. Auch wenn sie mit sprichwörtlicher affenartiger Geschwindigkeit Bäume erklimmen können, so gehören sie doch zur Gattung der procyonidae, der Kleinbären.

Man trifft sie in Scharen in den Ruinen von Tikal, Honduras, an ... wo sie sich an uns Touristen gewöhnt haben. So possierlich die kleinen Tierchen auch sind ... Vorsicht ist vor ihren scharfen Klauen geboten. Irgendwann haben Nasenbären in Tikal erkannt, dass diese seltsamen Menschen nicht nur steinerne Ruinen bestaunen, sondern auch ein Herz für Nasenbären haben. Wenn wir Menschen unserer Meinung nach genug zwischen Ruinen herumgewandert sind und alle erreichbaren Pyramiden erklommen haben ... dann wird Rast gemacht. Mensch setzt sich dann in den Schatten eines Baumes und verzehrt mitgebrachte Lunchpakete. Örtliche Kleinstunternehmer bieten koffeinhaltige Brause an, die von uns Besuchern aus der Fremde gern erworben und getrunken wird.

Ich rieche Cola ...
Foto: W-J.Langbein
Vor Jahren nun, so wird erzählt, saß ein Amerikaner bei Sandwich und Cola, als sich ihm ein Nasenbär näherte. Der Amerikaner soll aufgesprungen und in Panik ausgerissen sein. Dabei, so heißt es, sei seine Cola-Flasche umgefallen und ausgelaufen. Der ob seiner Wirkung auf den ängstlichen Mann aus den Staaten nicht sonderlich beeindruckte Nasenbär schnüffelte seine Beute ab ... das Sandwich und das auslaufende Cola. Genüsslich schlabberte das possierliche Tierchen die braune Flüssigkeit. Das wiederum beobachteten weitere Nasenbären ... und schon soll es zu einem Streit um das verschüttete Cola gekommen sein.

Das wiederum soll den Amerikaner geradezu gerührt haben. Wie schön, dass diese kleinen Tierchen das amerikanische Nationalgetränk so zu schätzen wussten. Vorsichtig näherte er sich wieder seinem Rastplatz, holte aus seinem Rucksack mehrere Colaflaschen heraus und spendierte das süße Getränk der immer größer werdenden Nasenbärenhorde.

Ob diese Überlieferung der Wahrheit entspricht, das weiß ich nicht. Ich konnte mich aber davon überzeugen, dass die Nasenbären in den Ruinen von Tikal geradezu süchtig sind auf Cola. Die Kleinstunternehmer vor Ort können gar nicht schnell genug Cola heranschaffen, so wie es ihnen von den Besuchern förmlich aus den Händen gerissen wird.

Her mit dem Cola!
Foto: W-J.Langbein
Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass bei meinem Besuch die Nasenbären von Tikal ausschließlich Pepsi angeboten bekamen ... und genüsslich konsumierten. Einen Vergleichstest mit Coca Cola konnte ich leider nicht durchführen.

Und wir Besucher freuen uns riesig darüber, wie sich die Nasenbären in großer Zahl nähern und genüsslich besagtes Getränk gleich aus der dargereichten Flasche trinken. Auf diese Weise fördern sie ganz erheblich den Umsatz der örtlichen Kleinstunternehmer.

Ich habe es selbst erlebt: Wasser, Fruchtsaft und Brause wurde von den Nasenbären empört abgelehnt, Cola aber begierig getrunken. Es kam gelegentlich zu Zweikämpfen, wenn nicht rasch genug Flaschen geöffnet wurden. Unser Guide erklärte uns, es sei das Coca in der Cola, was die Nasenbären so verrückt nach der braunen Brause machen würde.

Na endlich!
Foto: Ingeborg Diekmann
Von Brüllaffen über Nasenbären ... zu leibhaftigen Drachen! Von Mexiko über Guatemala nach Copan (Honduras). In den faszinierenden Ruinen von Copan fielen mir zwischen kunstvollen Stelen in Stein gehauene ... Drachen auf! Diese kuriosen Darstellungen werden meist von Besuchern übersehen, die nach Pyramiden Ausschau halten. Und doch gibt es sie, die kleinen Skulpturen dieser uns Europäern nur noch aus Märchen bekannten Wesen. Glotzäugig starren sie offenbar ihre Beute an, die sie wohl gleich mit brachialer Gewalt zerreißen und dann gierig verschlingen wollen.

Wer oder was aber stand der Maya-Künstlern Modell ... Drachen etwa? Das scheint mir unwahrscheinlich zu sein! Welches Drachenmonster harrt denn schon geduldig aus, bis es von einem Künstler als Zeichnung oder gar als Skulptur verewigt worden ist? Vor allem: Welcher Künstler begibt sich freiwillig in die Gefahr, bei Ausübung seines Berufs einem Monster zum Opfer zu fallen?

Drachen aus Stein - Fotos: W-J.Langbein
Des Rätsels Lösung ... Die Drachen hat es wirklich gegeben! Sie wurden von Maya-Künstlern tatsächlich porträtiert. Es waren aber keine Kreaturen von Riesendinosaurierwuchs, sondern wesentlich kleinere Tiere! Ich bin davon überzeugt, dass es sich bei den »Drachen« um Leguane handelte. Der Leguan spielt in der Mythologie der Mayas eine wesentliche Rolle!

Der Kosmos der Mayas hatte drei Ebenen: Die unterste Ebene war die Unterwelt, bestehend aus neun »Etagen«. Hier soll es einst zu einem wahrhaft höllischen Ballspiel gekommen sein. Das Wurzelwerk des Ceiba-Baums steht für dieses unterirdische Reich. Die mittlere Welt wird von uns Menschen und den Tieren und Pflanzen bevölkert. Der mächtige Stamm des Ceiba-Baumes wird in der Maya-Kosmologie mit unserem Lebensraum verglichen.

Der Himmel schließlich, der von den mächtigen Ästen des Ceiba-Baumes getragen wird, ist viel mehr als nur der hohe Luftraum über unseren Köpfen. Dort hausen und herrschen Götter wie Kukulcán alias Quetzalcoatl, Herr der Winde, aber auch der Medizin. Für die Medizin war auch Mondgöttin Ix-Chel zuständig, eine alte Fruchtbarkeitsgöttin. Zugleich war sie die himmlische Repräsentantin der Webkunst.

Ein grüner Leguan in Copan
Foto: W-J.Langbein
Auch Chac war im Himmel angesiedelt. Auch er war ein Gott der Fruchtbarkeit, spendete dem Land den lebenswichtigen Regen. Er schleuderte aber – wie Thor – Blitze vom Firmament.

Itzamná, männlicher Partner der Mondgöttin Ix-Chel, muss von den Mayas als ein besonders hoch stehender Gott angesehen worden sein. Itzamná trug auch den Namen »Leguan-Haus«. Verwundert es da, wenn die Mayas in Copan Leguane in Stein verewigten?

Anmerkung des Verfassers: Anlässlich des für den 21. Dezember 2012 prophezeiten Weltuntergangs wird sich Folge 153 mit dieser Thematik auseinandersetzen – am 23.12. 2012. Sollte die Welt allerdings tatsächlich bereits am 21. Dezember 2012 untergehen, wird Teil 153 meiner Serie nicht mehr erscheinen. Ich bitte um Verständnis! Für den Fall der Apokalypse verabschiede ich mich dann bei allen Leserinnen und Lesern. Sollte – wie so oft geschehen – der Weltuntergang wieder ausbleiben ... dann wird meine Serie am 23.12.2012 fortgesetzt!

»21.12.2012«,
Teil 153 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 23.12.2012


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Sonntag, 26. August 2012

136 »Der Astronaut von Palenque«

Teil 136 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Die Palenque-Briefmarke von
Paraguay
Foto: W-J.Langbein
Am 6. Dezember 1974 brachte Paraguay eine besonders schöne Briefmarke heraus, die ein fantastisches Thema gestaltet: Außerirdische besuchen in grauer Vorzeit Planet Erde. Konkret wird auf Erich von Dänikens These hingewiesen, die Möglichkeit vorgeschichtlicher Astronautenbesuche postuliert. Im Bild wird eine Verbindung zwischen moderner Raumfahrt und mexikanischer Kunst hergestellt ... zwischen Raumschiffen, wie wir sie kennen ... und der geheimnisvollen Reliefarbeit aus dem Tempel der Inschriften. Das Hauptmotiv der »Grabplatte von Palenque« erinnert in der Tat in verblüffender Weise an einen schwerelos schwebenden Astronauten in seiner Raumkapsel ...

Der dickliche kleine Mann redet sich in Rage: »Und nach diesem Däniken haben Außerirdische diesen Tempel gebaut ... und in der unterirdischen Gruft einen verunglückten Astronauten bestattet!« Der kleine Herr wischt sich den Schweiß von der Stirn und deutet theatralisch auf den »Tempel der Inschriften« von Palenque. »Nichts davon ist wahr!« Die kleine Reisegruppe lässt Laute des Unmuts und der Empörung vernehmen. Ein Teilnehmer ruft: »Unmöglich, dieser Däniken! Aber diese Österreicher glauben ja, sie könnten die ganze Welt an der Nase herumführen!« Applaus brandet auf.

Der mysteriöse Tempel der Inschriften
Foto: W-J.Langbein
Der rundliche Reiseführer – ein Magister der Theologie, wie ich später erfahre – trumpft auf: »Kein Stein dieses Tempels ist Werk von Außerirdischen! Und ein Außerirdischer wurde niemals in der Gruft bestattet! Däniken ist doch schon längst widerlegt!« Vorsichtig nähere ich mich der kleinen Gesellschaft: »Ich habe die Bücher des Schweizers Erich von Däniken alle gründlich gelesen. Nirgendwo hat er so einen Unsinn behauptet, wie Sie ihm unterstellen ... Oder sollte es einen Schriftsteller gleichen Namens aus Österreich geben, der solchen Quatsch von sich gibt? Der bekannte Erich von Däniken jedenfalls ist Schweizer, kein Österreicher!«
Eine sachbezogene Antwort erhalte ich nicht. »Sie gehören nicht zu unserer Reisegruppe ...« Danach folgt nur Schweigen.

Tatsächlich aber gibt es Hinweise auf Außerirdische in Palenque ... nur dass sie nicht als solche bezeichnet werden. Es ist das uralte Volk der Hopi-Indianer, das die Erinnerung an Besucher von außerhalb der Erde bis in unsere Tage am Leben erhält. Über dieses Thema habe ich mich mehrfach mit dem leider verstorbenen ehemaligen NASA-Mitarbeiter Josef Blumrich (1913-2002) unterhalten. Josef Blumrich, einst ein führender Mann bei der NASA, machte sich als Chronist der Hopi-Indianer verdient. Der Stammesälteste White Bear Fredericks (1905- 1996), vermutlich einer der letzten Eingeweihten seines Volkes, erzählte Blumrich die rätselhafte Geschichte der Hopi. Immer wieder begegnen uns Außerirdische, die den Hopi wohlvertraut waren.

Fünf Kachinas, fünf Boten
aus dem All.
Fotos: Archiv Langbein
Seit 1968 Dänikens »Erinnerungen an die Zukunft« erschien, fasziniert mich der »Tempel der Inschriften«. Laut Überlieferung der Hopi-Indianer gab es einst himmlische Lehrmeister, die in der Universität von Palenque die Menschen in den Wissenschaften unterrichteten. Waren diese »Himmlischen« höchst reale Astronauten, kosmische Besucher von fernen Welten? Erich von Däniken bejaht diese Frage.
Wurden seine Gedanken zur Grabplatte von Palenque wirklich längst widerlegt, wie so oft behauptet wird? Stellt das steinerne Relief auf dem monströs anmutenden Sarkophag in der Gruft von Palenque zwei Meter unter der Basis der »Pyramide der Inschriften« etwas ganz anderes als einen Astronauten dar?

Ein Kuriosum ist die aus einem einzigen Monolithen gefertigte Grabplatte (Maße 3,80 Meter mal 2,20 Meter) allemal: Über den Verwinkelten Abstieg durch den steinernen Leib ist das mysteriöse Kunstwerk sicher nicht an ihren Bestimmungsort gebracht werden. Die Platte ist einfach zu groß, der Gang ist zu schmal und zu niedrig. Man kann mit gewaltigem Aufwand die tonnenschwere Steinplatte drehen, wenden oder kippen wie man will ... sie passt nicht durch den steilen und verwinkelten Gang. Es gibt nur eine Lösung: Man muss die Pyramide (Gang inklusive) über die bereits bestehende Gruft (mit dem Sarkophag darin) gebaut haben!

Die umstrittene Grabplatte
von Palenque
Foto: Ingeborg Diekmann
Keine Frage: Der Sarkophag muss eine ganz besonders wichtige Bedeutung gehabt haben. Aber welche? Vor allem: Was zeigt das Relief auf der Grabplatte, das auf der Briefmarke von Paraguay verewigt wurde? Einen Astronauten als Pilot in einer Art Spaceshuttle vielleicht? Diese fantastisch anmutende Erklärung ist bis heute von der Schulwissenschaft nicht widerlegt worden. Im Verlauf meiner Reisen durch Zentralamerika suchte ich immer wieder Palenque auf. Und immer wieder gab es neue Erklärungen für die mysteriöse, in den Stein gemeißelte Darstellung.

Und das verwundert mich: Wieso trägt jeder einzelne Wissenschaftler in Sachen Grabplatte von Palenque seine ganz persönliche Interpretation als der Weisheit letzten Schluss vor? Wieso geben die Vertreter der angeblich so wissenschaftlichen Mayaforschung nicht zu, dass zehn Wissenschaftler zehn grundverschiedene Erklärungen haben? In den rund sechs Jahrzehnten seit der Entdeckung der Grabplatte wurden unzählige Erklärungen vorgetragen: und alle widersprechen einander!

So manches Mal stieg ich hinab in die unterirdische Gruft von Palenque, quälte mich durch saunaartige Hitze und extreme Luftfeuchtigkeit ... Manches Mal bin ich auf einer der glitschigen Steinstufen ausgerutscht, zum Glück aber nie gestürzt. Und bei jedem Besuch war wieder eine neue Erklärung der Grabplatte aktuell, die allen bisherigen zum Teil radikal widersprach. Bei jeder dieser ach so wissenschaftlichen Lösungen des Palenque-Problems fragte ich mich:

Detail von der Grabplatte
Foto: W-J.Langbein
Welche »Erklärung« erfordert mehr Fantasie: die »Astronautengötter-Theorie«? Oder die wissenschaftliche? Aber halt: die wissenschaftliche Antwort auf die Reliefdarstellung von Palenque gibt es ja gar nicht! Es herrscht ein geradezu babylonisches Durcheinander in Sachen Palenque. Wer sich die widersprüchlichen Aussagen der gelehrten Herrschaften vor Augen führt, die alle so tun als hätten sie die Wahrheit gepachtet... wird an der Wissenschaftlichkeit vieler »wissenschaftlicher« Forschungsergebnisse zweifeln! (2)

Auch wenn Schulwissenschaftler gern so tun: Wie ein Buch lesen kann man die Grabplatte von Palenque bis heute nicht. Wir sind auf Spekulationen angewiesen!

Fußnoten
1 Blumrich, Josef: »Kasskara und die sieben Welten«, Wien und Düsseldorf 1979
2 Siehe hierzu Langbein, Walter-Jörg: »2012«, München, 2. Auflage 2011




In Memoriam Neil Armstrong - 5.8.1930 - 25.8.2012

»Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit.« Diese Worte sind legendär. Gesprochen hat sie Neil Armstrong, der er als erster Mensch den Mond betrat.

Armstrong war der Kommandant der Apollo-11-Mission. Am 21. Juli 1969 betrat er als erster Mensch den Erdtrabanten. Am 25. August 2012 ist Neil Armstrong im Alter von 82 Jahren an den Folgen eines Herzeingriffs verstorben.

Für US-Präsident Barack Obama war Neil Armstrong einer »der größten amerikanischen Helden, nicht nur zu seiner Zeit, sondern für alle Zeiten«. Die Mondlandung 1969 beflügelte die Diskussion um die fantastischen Thesen Erich von Dänikens. Sein erstes Buch »Erinnerungen an die Zukunft« war wenige Monate zuvor erschienen ... mit dem »Astronauten von Palenque« auf der Titelseite.

Weltweit wurde damals diskutiert: Wenn wir Menschen heute Raumfahrt betreiben können ... warum soll dies nicht intelligenten Bewohnern fremder Planeten schon vor Jahrtausenden möglich gewesen sein? Gibt es Hinweise auf Besuche Außerirdischer in grauer Vorzeit auf Planet Erde?

Vor einigen Monaten zeigte sich Armstrong in einem offenen Brief an den Präsidenten Barack Obama sehr besorgt um die Zukunft der amerikanischen Raumfahrt. Mit anderen namhaften Unterzeichnern kritisierte Armstrong die Entscheidung, keine weiteren bemannten Flüge zum Mond durchführen zu lassen. Mit Neil Armstrong starb der erste Mensch, der den Mond betrat.

Ich bin davon überzeugt, dass es auch in Zukunft bemannte Missionen zum Mond geben wird. Wird der nächste »Mann im Mond« ein Chinese sein?

»Aufbruch in den Kosmos?«,
Teil 137 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 02.09.2012


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Sonntag, 11. Dezember 2011

99 »Engel aus dem All?«

Teil 99 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein



Die Universität, Gesamtansicht Foto W-J.Langbein
Ich lasse mich auf der höchsten Treppenstufe des Tempels der Inschriften nieder ... und blicke zur Universität der Kachinas. Sie liegt von mir aus gesehen rechts. Die Spanier nannten das verschachtelte Bauwerk »Palacio«, also »Palast«. Der Begriff ist willkürlich gewählt und ... falsch. Ein Palast war der Gebäudekomplex nur in der Fantasie der ahnungslosen Spanier. Gut ein Dutzend von Gebäuden unterschiedlicher Größe ist rund um einen stolzen Turm angeordnet. Er erinnert ein wenig an den Glockenturm einer Kirche, was er natürlich niemals war.

Die einzelnen Gebäude gehen ineinander über, sind teilweise durch Gänge miteinander verbunden. Zum Teil sind unterirdische Gemächer erhalten. Alle Räume bieten Schutz vor der gnadenlosen Hitze. So manches Mal habe ich diese mysteriöse Welt erkundet. Und jedes Mal habe ich die angenehme Atmosphäre genossen, die fast wohl temperierten Gemächer aus Stein. Ob den Studierenden zu Zeiten der Mayas in ihrer Universität deshalb das Lernen leichter fiel?

Da und dort sind Mauern eingestürzt und notdürftig wieder restauriert worden. Da und dort hat man Steinhaufen aufgetürmt, die irgendwann einmal bei Restaurierungsarbeiten eingesetzt werden sollen. Die finanziellen Mittel sind aber knapp bemessen. Und das, obwohl Palenque die touristische Perle Mexikos sein dürfte!

Insgesamt befindet sich die einstige Universität von Palenque – oder Palátquapi, wie die Stadt bei den Hopi hieß – in einem erstaunlich guten Zustand. Welchem Zweck die einzelnen Räume dienten ... wir wissen es nicht. Und die von den Spaniern willkürlich gewählten Titulierungen sind reine Fantasiegebilde ohne Belang.

Im Inneren der Universität
Foto: W-J.Langbein
Alle Gebäude des großen Komplexes stehen auf einer künstlich angelegten Plattform, die immerhin etwa 100 mal 80 Meter misst. Der Sockel ist etwa zehn Meter hoch! Überragt werden die Bauten von einem vierstöckigen Turm von selten schöner Eleganz. Er ist in der Welt der Mayas ein Unikat. Meines Wissens nach gibt es keinen zweiten! In diesem Turm wurden, so überliefern es die Hopi, mehrere Kurse gleichzeitig unterrichtet.

Wie die Kachinas aussahen ... wir wissen es! Seit Jahrhunderten fertigen die Hopi kleine Püppchen an, die die unterschiedlichen Kachinas zeigen. Von Generation zu Generation wird weitergereicht, wie diese Püppchen anzufertigen sind. Es handelt sich dabei nicht um Spielzeug, sondern um Lehrmaterial. Auf keinen Fall darf vergessen werden, wie die Kachina-Lehrmeister ausgesehen haben. Haben diese mysteriösen Wesen doch versprochen, dereinst wieder zu kommen. Und damit sie dann auch erkannt werden, werden seit Jahrhunderten ihre Ebenbilder in Püppchenform angefertigt.

So soll erreicht werden, dass auch künftige Generation sofort wissen, mit wem sie es zu tun haben ... wenn dereinst einmal Kachinas wieder auftauchen. Mir scheint: So ein Besuch ist dringend erforderlich, wenn ich mir vergegenwärtige, wie es in unseren Tagen auf Planet Erde zugeht! Die Hopi-Überlieferung weiß über den Unterricht in Palenque (1):

»Im zweiten Stock wurden die Schüler über den Plan des Lebens belehrt. Sie erfuhren alles über die Natur, die uns umgibt ... Sie lernten auch die chemischen Stoffe kennen, auf denen unser Leben beruht. Der Körper ist aus den Elementen zusammengesetzt, die aus der Erde stammen. Wenn wir den Gesetzen nicht gehorchen und die Erde misshandeln, müssen wir deshalb nicht nur seelisch, sondern auch körperlich leiden.«

Auf einer meiner Reisen durch Nordamerika erwarb ich in Arizona zwei kleine Kachina-Püppchen. Ich fertigte eine Collage an ... und setzte diese beiden Lehrmeister in ein Bild der Universität von Palenque. Ich habe es von der oberen Plattform des Tempels der Inschriften aufgenommen. Wir blicken auf den »Universitäts-Komplex«. Das Gemäuer rechts im Bild gehört zum Tempel der Inschriften.

Wer ... oder was ... mögen diese Kachinas gewesen sein, die die Hopis und Mayas besuchten? Ein wirklich passendes Wort gibt es nicht. Am ehesten trifft die Bezeichnung »Engel« zu. Die Kachinas waren physische Wesen, keine Geister. Sie waren aber auch keine Götter. Nach Überlieferung der Hopi-Indianer gibt es bei den Kachinas eine klare Hierarchie (2): »Die Gottheiten stehen über den Kachinas, und über allen steht der Schöpfer. Nur die Kachinas stehen in Verbindung mit menschlichen Wesen, aber nicht die Gottheiten. Sie geben den Kachinas ihre Anweisungen.«

Offensichtlich erhielten die Kachinas Befehle von den Gottheiten. Die Gottheiten hielten sich im Himmel auf. Die Kachinas – und nur sie – pendelten zwischen den himmlischen und den irdischen Welten ... ganz so wie die Engel der Bibel!

Wer oder was waren aber diese Pendler zwischen Himmel und Erde? Sollten es gar ... Astronauten gewesen sein? Tatsächlich ähneln viele Kachinas Wesen aus dem All in plumpen Raumanzügen. In der Hopi-Tradition gibt es eine Zeremonie, in der an »die Alten, die vom Himmel kamen« erinnert wird. (3) Unter »Himmel« kann man sich natürlich ein überirdisches Elysium vorstellen, das von holden, lieblich singenden Engeln bevölkert wird. Andere mögen pausbäckige Posaune blasende Engel als himmlische Heerscharen bevorzugen. Biblische Belege für solche Vorstellungen von Engeln gibt es aber keine.

Zwei Kachinas vor der Universität
Fotos W-J.Langbein
Über die Kachinas der Hopi aber heißt es ausdrücklich (4): »Die Kachinas … kommen zu uns aus dem Weltraum. Sie kommen nicht aus unserem eigenen Planetensystem, sondern von anderen, weit entfernten Planeten. Unsere Astronauten würden Generationen, um dorthin zu gelangen. Der Hopi-Name für diese Planeten ist Tóonáotakha; das bedeutet, dass sie eng zusammengehören, nicht im körperlichen, sondern im geistigen Sinne ... Deshalb können wir, glaube ich, das Wort mit ›Bund der Planeten‹ übersetzen. Und da wir wissen, dass es zwölf dieser Planeten gibt, können wir sie auch ›Bund der zwölf Planeten‹ nennen.«

Und weiter lesen wir: »Die Kachinas können sich sehr schnell fortbewegen. Während ich diesen Satz spreche, legen sie weite Strecken zurück, sie brauchen nur Sekunden.« Tatsächlich: Die Kachina-Puppen sehen Astronauten im Schutzanzug sehr ähnlich. Irgendwann verschwanden die himmlischen Lehrmeister wieder in den Tiefen des Alls, nicht ohne ihre Rückkehr auf unseren Planeten zu versprechen. Die Kachina-Puppen sollten die Nachkommen der Hopi-Indianer auf diese Wiederkehr der Wesen aus dem All vorbereiten. Mag sein, dass die heutigen Hopi die Landung von Außerirdischen auf Planet Erde mit Gleichmut hinnehmen. Schließlich hatten ihre Vorfahren ja schon vor Ewigkeiten kosmischen Besuch.

Aber wie werden beispielsweise wir Europäer, Amerikaner, Russen, Chinesen, Afrikaner... auf so ein Ereignis reagieren? Mit Entsetzen ob einer möglichen Bedrohung aus dem All? Mit dem Versucht, die Fremden militärisch zu unterwerfen? Mit opportunistischer Anbiederung?

Fußnoten
1 Blumrich, Josef: »Kasskara und die sieben Welten«, Wien und Düsseldorf 1979, S. 48
2 ebenda, S. 28
3 ebenda, S. 44
4 ebenda, S. 27
5 ebenda, S. 27


Literaturempfehlung
Blumrich, Josef: »Kasskara und die sieben Welten«, Wien und Düsseldorf 1979

»Wir sind eine Insel!«
Teil 100 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 18.12.2011

Sonntag, 27. November 2011

97 »Muttergöttin und Sonnengott«

Teil 97 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Hoch über den geheimen Kellern von Dendera gibt es ein sakrales Gebäude. Es diente einer Göttin als Liebesnest. Hier paarten sich die Muttergöttin und der Sonnengott. Pikantes »Sakrileg«: in der Mysterienwelt des Tarot wurde aus dem Stellvertreter des Sonnengottes ... der Papst. Was für Christen unzüchtiger Sakral-Sex war ... sollte das Rad des Lebens immer wieder weiter und weiter bewegen.

Im Westen des »Opfersaals« steige ich eine steinerne Treppe empor. An den Wänden sehe ich eine Vielzahl jahrtausendealter Gravuren. Dargestellt sind der König und Priester. Sie vollführen einen Ritus aus uralten Zeiten. Sie haben sich zu einer Prozession formiert und begleiten nun die Göttin nach oben, auf das Tempeldach. Mit feierlichem Ernst wurden Statuen der Göttin Hathor in einen »Kiosk« auf dem Dach getragen.

Diese in der Archäologie gebräuchliche Bezeichnung ist leicht missverständlich. Gemeint ist kein »Kiosk« im heutigen säkularisierten Sinn, sondern ein sakrales Gebäude. Gelegentlich wird von »Kapelle« gesprochen, was wiederum falsch verstanden werden kann. Auf dem Tempel der Göttin Hathor stand ein weiterer, kleiner Tempel.

Turm zu Babel
Der Tempel auf dem Tempel taucht entstellt im »Alten Testament« auf: Im biblischen Babylon lesen wir nur von einem riesigen Turm. Pieter Bruegel der Ältere malte 1563 das vielleicht berühmteste Bild dieses ersten Wolkenkratzers. Bruegels Gemälde zierte das Cover der tschechischen Ausgabe meines Buches »Die großen Rätsel der letzten 2500 Jahre«. Bruegel machte das gigantische Bauwerk noch imposanter als es in Wirklichkeit war. Und den Tempel oben auf der Spitze des Turms ließ er weg. Bei ihm befindet sich das monumentale Denkmal noch im Bau, das oberste Stockwerk ist noch nicht abgeschlossen.

Die Bibelstory im Telegrammstil: Dem biblischen Gott Jahwe war dieses Bauwerk ein Gräuel. Er zerstörte es. Wir wissen heute, dass es nicht nur einen »Turm zu Babel« gegeben hat, sondern viele. Die Menschen, so das »Alte Testament«, bauen einen Turm bis an den Himmel.

Gott ärgert sich, die Menschen werden ihm zu mächtig (2): »Siehe, es ist einerlei Sprache unter ihnen allen, und dies ist der Anfang ihres Tuns. Nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können.« Das aber duldet Gott nicht. Er fährt vom Himmel herab und zerstört den Turm. Gott bringt Uneinigkeit in die Menschheit. Haben sich zuvor alle Menschen in einer Sprache verständigt, so verstehen sie sich nun nicht mehr. Die Bibel legt eine falsche Fährte (3): »Daher heißt ihr Name Babel, weil der Herr daselbst verwirrt hat aller Länder Sprache und sie von dort zerstreut hat in alle Länder.«

Babel-Komplex in der Rekonstruktion
Der biblische Text behauptet, dass der Name der Stadt »Babel« auf das hebräische Wort »balal« - zu Deutsch »verwirren« zurückgeht. Diese Erklärung ist falsch. Warum sollte man in Babylon eine Stadt nach einem hebräischen Wort benennen? Tatsächlich muss man »Babel« auf das Babylonisch-Sumerische »bab-ili« zurückführen, auf das »Tor der Götter«. (Möglich ist, dass die hebräischen Elohim-Götter von den babylonischen »ili« abgeleitet werden können!)

Rund zwei Jahrtausende vor Christus gab es in Babylon mehrstufige Zikkurat-Türme. Mag sein, dass diese imposanten Bauwerke heilige Berge darstellen sollten. Wie dem auch sei: Nach babylonischer Überlieferung stieg Marduk vom Himmel herab und ließ sich auf dem sakralen Turm nieder. In einem Tempel auf dem Turm wurde die Heilige Hochzeit vollzogen: zwischen Gott und Göttin.

Kurios aus heutiger Sicht ist, dass Ištar – die Himmelsgöttin – als Vertreterin Marduks angesehen wurde. Eine weibliche Gottheit sprang also für einen männlichen Gott ein. Ištar zelebrierte im Tempel auf dem Turm das Ritual der »Heiligen Hochzeit« mit dem König. Die Himmelsgöttin Ištar fand in Ägypten ein Pendant: die Hathor. Und Hathor verschmilzt nach und nach mit Isis.

Göttin Hathor von Dendera
Foto: W-J.Langbein
Kurz und bündig fasst das Lexikon »Das geheime Wissen der Frauen« (4) zusammen: »›Heilige Hochzeit‹, griechisch Hieros Gamos, Vereinigung eines Königs oder Heiligen Königs (ein Stellvertreter für den wirklichen König) mit einer Göttin, die meistens von einer Priesterin-Königin verkörpert wurde. Allein durch den Hieros Gamos wurde dem König das Herrschaftsrecht verliehen.«

Die griechische Mythologie verdeutlicht, worum es in der »Heiligen Hochzeit« ging: Kore, die Tochter der Demeter – Göttin des Lebens und der Fruchtbarkeit – wurde von Unterweltgott Hades ins Totenreich entführt. Verzweifelt suchte Demeter ihr Kind ... kümmerte sich nicht mehr um ihre Aufgaben, und die Natur erstarb. Es wurde Winter und die Menschen hungerten. Hades »vergiftete« Kore mit einem Granatapfel. Sie starb zwar nicht, konnte aber nicht mehr nur im Land der Lebenden verweilen. Ein Drittel des Jahres musste sie ins Totenreich kommen, dann erstarb die Natur auf Erden. Sobald Kore wieder auf die Erde zurückkehrte, erblühte das Leben wieder.

Die »elysischen Mysterien« waren ein Geheimkult, über dessen Ablauf wie auch heute nur wenig wissen. Im Zentrum der geheimen Feiern stand die »Heilige Hochzeit«. Dabei kam es offenbar zur rituell-sexuellen Vereinigung zwischen der Priesterin (der Stellvertreterin für die Göttin) und dem elysischen Hohepriester, der den Part des Gottes übernahm. Der Hohepriester trug den Titel »Hierophant«, »Ebenbild des Heiligen«. Pikantes Detail: im Tarot wurde aus dem Sexpartner der Göttin ... der Papst!

Ruinen vom Dendera-Komplex
Foto W-J.Langbein
Zurück zu Dendera, zurück zum Hathor-Tempel ... in dessen geheimen Kellern die mysteriösen »Leuchtbirnen«-Darstellungen noch heute Rätsel aufgeben! Bei brütender Hitze kletterte ich in die unterirdischen Korridore zu den mysteriösen Wandbildern. Bei brütender Hitze bestieg ich die Treppe auf das Dach des Tempels, zum Tempel auf dem Tempel. Hier paarten sich Göttin Hathor und der Sonnengott. Das Ritual – bei dem eine Hathor-Statue von Sonnenstrahlen symbolisch befruchtet wurde – diente dem Erhalt des Lebens: auf die »tote« Trockenzeit folgten Nilüberschwemmung und Wiedergeburt des Lebens ... in Gestalt von Pflanze, Tier und Mensch!

Ich erinnere mich genau ... Ich steige die Treppe empor zum Tempel der »Heiligen Hochzeit«. Ich stelle mir vor, wie einst eine Statue der Hathor auf eben dieser Treppe in feierlicher Prozession auf das Dach des Tempels gebracht wurde. In der Hitze des Tages fällt mir die Treppensteigerei schon schwer. Wie mag der Transport einer womöglich aus purem Gold gefertigten Hathor in würdevoller Weise absolviert worden sein?

In einer so lebensfeindlichen Umgebung wie der Wüste galt es, das Leben auf rituell-magische Weise fortbestehen zu lassen ... in der Hölle der Wüste, in der alles Leben so leicht hätte erlöschen können. Die Angst vor dem Tod alles Lebendigen muss sehr groß gewesen sein ... Es ist die Göttin, die in der Überwindung dieser Angst die zentrale Rolle spielt.

Osiris von Dendera
Foto Archiv W-J.Langbein
Für Anhänger der Buchreligionen Judentum, Christentum und Islam mag dies befremdlich sein. Wird der Kosmos dieser Religionen doch von einem männlich-martialischen Gott bestimmt. In den älteren, ja ältesten Religionen indes ... scheint die Göttin des Himmel regiert zu haben! Ich bin davon überzeugt, dass einst das Matriarchat bestimmend war, lange vor dem Patriarchat von Judentum, Christentum und Islam!
Das Thema »Sterben und Wiedergeburt« taucht immer wieder in der Mythologie Ägyptens auf. So wird Gott Osiris von seinem Bruder Seth ermordet und zerstückelt. Göttin Isis, eine jüngere Variante der Hathor, erweckt Osiris wieder zum Leben. Osiris ist – auch – ein Gott der Fruchtbarkeit. Wenn Isis alias Hathor den toten Osiris wieder lebendig macht, dann lässt sich das so übersetzen: die Göttin erweckt die tote Natur zu neuem Leben.

Zum Abschluss ein subjektiver Eindruck: In Zentralamerika, im mexikanischen Palenque, erkundigte ich den mysteriösen »Tempel der Inschriften«: ich stieg in die unterirdische Krypta ... in die »Unterwelt« hinab. Und ich erklommt die steile Treppe, die mich an die Spitze des Pyramide führte. Und hoch oben auf der Pyramide ... thront ein Tempel!

Seltsam: Palenque entspricht von seinem Aufbau genau der Tempelwelt von Dendera: In Dendera wie in Palenque gibt es eine »Unterwelt« und auch einen Tempel hoch oben!
Ohne Zweifel haben die Vertreter der Wissenschaft in den vergangenen Jahrhunderten eine erfreuliche Fülle an Informationen über unsere Vergangenheit ans Tageslicht gefördert. Was aber bis heute leider sträflich vernachlässigt wird, das sind die Gemeinsamkeiten der unterschiedlichsten Kulturen unseres Globus.

Fußnoten
1 Das Erste Buch Mose Kapitel 11, Verse 1-9
2 Das Erste Buch Mose Kapitel 11, Vers 6
3 Das Erste Buch Mose Kapitel 11, Vers 9
4 Walker, Barbara G.: »Das geheime Wissen der Frauen«, Frankfurt am Main 1993, Seite 400 (Stichwort »Hieros Gamos«)
5 siehe hierzu auch Cavendish, Richard: »The Tarot«, New York 1975

»Engel bei den Mayas«,
Teil 98 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 04.12.2011


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