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Sonntag, 13. Januar 2019

469 »Der Kaiser, Kelten und Gott Krodo«

Teil 469 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Tikal, Guatemala – Steile Stufenpyramiden

In den 1980-ern und 1990-ern war ein schweißtreibendes Abenteuer noch gestattet, das heute weitestgehend verboten ist. In Guatemala (Tikal) wie in Mexiko (Palenque) durfte man die eine oder die andere Pyramide besteigen. Die Stufen waren schmal, Treppen steil und der Weg nach oben höchst anstrengend. Und es war nicht ungefährlich. Ein Fehltritt hätte genügt, schon wäre man im wahrsten Sinne des Wortes abgestürzt. Die fantastischen Denkmäler überstanden die Jahrhunderte. Tikal entstand vom dritten bis ins 9. Jahrhundert. Als Karl der Große in Europa Heidentempel zerstören ließ, entstanden in Zentralamerika einige der schönsten Pyramiden: vergleichbar mit Treppen in den Himmel.

Treppen in den Himmel gibt es auch in zahllosen christlichen Gotteshäusern. In den 1980-ern und 1990-ern war ein schweißtreibendes Abenteuer noch gestattet, das heute weitestgehend verboten ist. In Guatemala (Tikal) wie in Mexiko (Palenque) durfte man die eine oder die andere Pyramide besteigen. Die Stufen waren schmal, Treppen steil und der Weg nach oben höchst anstrengend. Und es war nicht ungefährlich. Ein Fehltritt hätte genügt, schon wäre man im wahrsten Sinne des Wortes abgestürzt. Die fantastischen Denkmäler überstanden die Jahrhunderte. Tikal entstand vom dritten bis ins 9. Jahrhundert. Als Karl der Große in Europa Heidentempel zerstören ließ, entstanden in Zentralamerika einige der schönsten Pyramiden: vergleichbar mit Treppen in den Himmel.

Treppen in den Himmel gibt es auch in zahlrlosen christlichen Grotteshäusern, deren Türme den steilen Pyramiden von Mexiko und Guatemala nicht unähnlich in den Himmel ragen. Das Münster zu Hameln bietet einen wahrlich »himmlichen Blick«.

Foto 2: Blick vom Turm des Hamelner Münsters.

Wir schreiben das Jahr 780 n. Chr. Kaiser Karl der Große betreibt mit harter Hand die Christianisierung der Sachsen. Besonders verhasst sind ihm Denkmäler, die die alten heidnischen Götter zeigen und die offenbar immer noch von Gläubigen aufgesucht und verehrt werden. Anscheinend sah es der missionierende Kaiser als eine seiner wichtigsten Aufgaben an, die Statuen der alten Götter zerstören zu lassen.

Folgt man Forstsekretär Julius Gottfried Eberhardt Leonhard, dann gab es für den frommen Kaiser allein auf diesem Gebiet viel zu tun. Vermeldet doch Leonhard anno 1825 in seinem Werk »Die Harzburg und ihre Geschichte« (1) eine Vielzahl von heidnischen Gottheiten, deren Heiligtümer Karl der Große zerstören lassen wollte. »Irmen«, nach Leonhard »Gott des Krieges und der Gerechtigkeitspflege«, muss dem mächtigen Herrscher ein Dorn im Auge gewesen sein. Ein Götze namens »Irmen« erfreute sich offenbar bei den »Heiden« großer Beliebtheit. Er wurde, so Leonhard (2) »zu Ehrensburg, jetzt Stadt Berge an der Lippe«, verehrt. Ein »Ehrensburg, jetzt Stadt Berge an der Lippe«, freilich kann ich nicht ausfindig machen. Wurde die Schreibweise ihres Namens neuerlich geändert?

Von »wikipedia« (3) erfahre ich, dass es im 8. Jahrhundert »in einiger Entfernung von der Eresburg, dem heutigen Obermarsberg« eine Irminsul gab. Sollte das die Stätte gewesen sein, an der laut Leonhard »Irmen« verehrt wurde? Wurde aus der »Ehrensburg« (Leonhard!) »Eresburg«? Das liegt, meine ich, nahe.

Fakt ist, dass Karl der Große just dort ein Kloster gründete. Es war weit verbreitet, einstmals heidnische heilige Plätze in christliche zu verwandeln. Wo zu heidnischen Zeiten ein Tempel stand, wurde von christlichen Missionaren so manches christliche Gotteshaus errichtet. Überliefert ist weiter, dass Karl der Große anno 772  eine Irminsul zerstören ließ. Umstritten ist allerdings bis heute, wo diese Säule zu Ehren des Irmen stand. Anno 863 vermeldete der Mönch Rudolf von Fulda in »De miraculis sancti Alexandri« (»Von den Wundern des heiligen Alexanders«):»

Foto 3: Der Ceibabaum
Sie verehrten auch unter freiem Himmel einen senkrecht aufgerichteten Baumstamm von nicht geringer Größe, den sie in ihrer Muttersprache ›Irminsul‹ nannten, was auf Lateinisch ›columna universalis‹ bedeutet, welche gewissermaßen das All trägt.« Die Legende von den Wundern des heiligen Alexanders wurde anno 863 im Kloster Fulda von Rdulf von Fulda begonnen und noch im 9. Jahrhundert von Meginhard niedergeschrieben.

Eine Säule die das All trägt? Diese Vorstellung war einst weit verbreitet. So stand bei den Mayas der Ceiba-Baum im Zentrum ihres Kosmos.

Einen Ceibabaum habe ich nie erklommen, wohl aber die eine oder andere Mayapyramide in Guatemala und Mexiko. Und wenn ich auf der obersten Plattform ankam, dann war ich erschöpft und verschwitzt wie in einer Sauna. In der Tat: Ich fühlte mich dort oben dem himmlischen Elysium bedeutend näher als unten bei den Pyramidenwächtern. Ganz ähnlich erging es mir, als ich bei sommerlicher Hitze den Turm des Münsters zu Hameln erstieg und schließlich die hölzerne Tür hochgewuchtet und ins Freie geklettert war. Der Blick auf das scheinbar sehr tief unter mir liegende Hameln war himmlisch. Die Weser war zu einem kleinen Rinnsal geschrumpft. Das nordeuropäische Pendant zum Weltenbaum der Mayas war Yggdrasil, die Weltesche, die ebenso den Kosmos verkörpert wie der Ceiba-Baum.

Solche Weltenbäume wurzelten in der Unterwelt und stützten den Himmel. Im Mithraskult gab es statt eines Baums eine achtteilige Leiter zwischen Erde und Himmel. Offensichtlich gab es unterschiedliche Variationen von Bildern, die alle einander ähnelten und für die Verbindung zwischen Erde und Himmel standen. Ob Weltesche Yggdrasil der Germanen, ob steile Stufenpyramide der Mayas oder der biblische »Turm zu Babel«, immer geht es um eine Verbindung zwischen Erde und Himmel. Und häufig geht es darum, dass man über diese Verbindung aus dem Himmel zur Erde und auch wieder von der Erde zurück in den Himmel gelangen kann. Ich darf an Jakobs Himmelsleiter erinnern (4): »Da hatte er einen Traum: Siehe, eine Treppe stand auf der Erde, ihre Spitze reichte bis zum Himmel. Und siehe: Auf ihr stiegen Engel Gottes auf und nieder.«

Die »Royal Society Open Science« untersuchte Märchen und kam zu erstaunlichen Ergebnissen (5). Im Märchen »Jack und die Bohnenstange« klettert ein Junge eine wundersame Bohnenranke empor und gelangt schließlich in den Himmel. Dort hausen Riesen, denen Jack nur mit Mühe entkommt. Das  angesehene »Smithsonian Institute« (6) berichtete über die Forschungsergebnisse der »Royal Society Open Science«. Demnach wurzeln die Ursprünge vom Bohnenstangenmärchen weit in der grauen Vergangenheit, sind wohl 5.000 Jahre alt.

Manche unserer Märchen, so fasste »Science News« sind sehr viel älter als man gewöhnlich annimmt. Titel der »Science News«-Meldung (7): »Kein Ammenmärchen: Ursprünge einiger Geschichten reichen Jahrtausende zurück«. Untertitel (8): »Statistische Analyse von Sprachevolution hilft das Alter von erzählten Geschichten zu datieren«. Mit anderen Worten: Schon vor Jahrtausenden gab es Geschichten über Menschen, die von der Erde in den Himmel kletterten. Die »Irminsul« ist lediglich eine nur gut ein Jahrtausend altes Pendant zu sehr viel älteren »Säulen«, »Bäumen« oder »Leitern«.

Foto 4: Stand hier einst in luftiger Höhe die Irminsul?

Wo aber stand die letzte »Irminsul«? Bei der Eresburg? Oder auf einem der Externsteine? Standort Externsteine für die Irminsul ist durchaus denkbar. Weile doch Karl der Große anno 784 im Lipperland, um in der Stadt der Osterräder Weihnachten zu feiern. Von hier aus konnte der Herrscher bequem die Externsteine erreichen und die Irminsul zerstören lassen. Einer von der Wissenschaft stark angezweifelten Überlieferung zufolge soll Karl der Große damals versucht haben, den Brauch des Laufs der Feuerräder in Lügde abzuschaffen. Ihm sei der heute noch zelebrierte Brauch zu heidnisch gewesen. Da die Bevölkerung angeblich das Verbot des Kaisers nicht akzeptierte und die brennenden Räder von Anhöhen weiter ins Tal bis an die Emmer rollen ließen, sei aus dem heidnischen Feuerräderlauf der christliche Osterräderlauf geworden. Allerdings ist der Brauch für die Zeit Karls des Großen nicht nachweisbar.

Foto 5: Ein brennendes Rad rollt zu Tal (Osterräderlauf Lügde).

Heute findet der Osterräderlauf am Abend des Ostersonntag statt, gewöhnlich gegen 21 Uhr. Vielsagend war der Spruch, den anno 1985 eines der hölzernen Räder zierte: »Meine Ahnen sind die Kelten und Germanen, jetzt lauf ich in Christi Namen.«


Foto 6: Eines der Lügder Osterräder.

Schon im Jahre 780 soll Karl der Große im Harz von einem Gott namens Krodo alias Crodo erfahren haben. Zu seiner Empörung verehrten die Menschen diesen seltsamen Gott zutiefst und beteten sein Standbild an. Arglos die Heiden dem christlichen Herrscher mit, ihr Gott sei Krodo. Und ihr Denkmal stelle eben diesen Crodo dar. Empört soll Karl der Große ausgerufen haben: »Krodo ist euer Gott, der Krodo-Teufel!«

Foto 7: Krodo wird zerstört.

Eine Lithographie, etwa 1840 entstanden, zeigt wie Kaiser Karl »Die Zerstörung des Götzenbildes Crodo« beaufsichtigt. Mehrere recht muskulöse und spärlich bekleidete Männer rücken dem Krodo-Denkmal zuleibe. Die einen wollen ihn mit einem Seil vom Podest zerren, andere schwingen gleichzeitig schwere Hämmer, um die von den sächsischen Heiden verehrte Figur zu zertrümmern.


Zur Lektüre empfohlen:

Foto 8: Sehr lesenswert!

Vogler, Mike: »Rätsel der Geschichte«, eBook, Dresden 2014
Voglers Buch ist Teil 1 einer inzwischen auf 5 Bände angewachsenen Reihe. Das Werk ist sowohl als Taschenbuch als auch als eBook erhältlich!

Fußnoten
(1) Leonhard, Julius Gottfried Eberhardt: »Die Harzburg und ihre Geschichte«, Fleckeisensche Buchhandlung, Helmstedt 1825
(2) ebenda, Seite 23,Zeilen 11-13
(3) wikipedia, Stichwort »Irminsul«, Stand 05.12.2018
(4) 1. Buch Mose Kapitel 28, Vers 12
(5) https://www.smithsonianmag.com/smithsonianmag/fairy-tales-could-be-older-ever-imagined-180957882/
(6) https://www.sciencenews.org/article/no-fairy-tale-origins-some-famous-stories-go-back-thousands-years
(7) »No fairy tale: Origins of some famous stories go back thousands of years«
(8) »Statistical analysis of language evolution helps estimate storytelling dates«

Zu den Fotos
Foto 1: Tikal, Guatemala – Steile Stufenpyramiden, Treppen in den Himmel. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Blick vom Turm des Hamelner Münsters. Foto Walter-Jörg Langbein.
Foto 3: Der Ceibabaum, kosmischer Baum der Mayas. Foto Walter-Jörg Langbein.
Foto 4: Stand hier einst in luftiger Höhe die Irminsul? Foto Walter-Jörg Langbein.
Foto 5: Ein brennendes Rad rollt zu Tal (Osterräderlauf Lügde). Foto Walter-Jörg Langbein.
Foto 6: Eines der Lügder Osterräder. Foto Walter-Jörg Langbein.
Foto 7: Krodo wird zerstört. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein.
Foto 8: Sehr lesenswert und zur Lektüre empfohlen! Foto Verlag.


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Sonntag, 14. Juni 2015

282 »Mönch und Monster«

Teil 282 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Fotos 1 und 2: Dom von Verden bei Nacht

Bei den Maya hatte der Ceiba-Baum eine ganz besondere, religiös-mythologische Bedeutung. Als Weltachse verband er den Himmel mit der Unterwelt. Die Krone des Baums versinnbildlichte die himmlischen Gefilde, das Wurzelwerk unter der Erde die Unterwelt.

Die Weltachse der alten Germanen war die Weltesche Yggdrasil. In der Krone lebten die Götter, unterirdisch hausten bei den Wurzeln Schlangen und Drachen. Schlangen und Drachen sind auch in der christlichen Kunst. Mich faszinieren diese Fabelwesen schon viele Jahre. Wenn ich sakrale Bauten besuche, achte ich auch und besonders auf Schlangen und Drachen…. Im Reich der Mayas ebenso wie in christlichen Kirchen Europas.

Zweimal, jeweils zur Tag- und Nachtgleiche, findet in Chichen Itza ein phänomenales Schauspiel aus Licht und Schatten statt: Eine Himmelsschlange steigt gemächlich die Stufen einer Pyramide vom Himmel zur Erde herab und klettert wieder in die himmlischen Regionen empor. Während bei den Maya die Himmelsschlange Quetzalcoatl eine positive Lichtgestalt war, galt und gilt sie im Christentum als teuflisches Wesen. Meiner Meinung nach lebt in der »bösen« Schlange der Bibel eine sehr viel ältere, positive Gottheit weiter.

Foto 3: Der Mönch lächelt milde...

Wiederholt wurde ich im Verlauf der letzten Jahre auf eine angeblich besonders interessante Schlangendarstellung hingewiesen, die von Steinmetzen schon vor Jahrhunderten für den Dom zu Verden an der Aller geschaffen wurde. So recherchierte ich und wurde nicht fündig. Ich studierte Kirchführer, nirgendwo gab es Abbildungen oder Beschreibungen von Schlangen im Verdener Dom. Relativ ausgiebig wurde in der Literatur eine Urkunde erwähnt, die angeblich die Gründung des Bistums Verden im Jahr 786 dokumentiert. Besagtes Dokument, so steht da geschrieben, gehe auf Karl den Großen selbst zurück. Inzwischen gilt die Urkunde als Fälschung, die erst Mitte des 12. Jahrhunderts fabriziert wurde.

Fotos 4 und 5: Sonnenuhr bei Nacht

Ich recherchierte gründlich, erfuhr viel Interessantes über Verden und seinen Dom, aber nichts über Schlangendarstellungen im und am Gotteshaus. Doch dann stieß ich in den Weiten des Internets auf ta-dip, die private Homepage von Reinhold Kriegler mit dem Themenschwerpunkt »Sonnenuhren« (1). Auf dieser umfangreichen Seite geht Reinhold Kriegler auch auf den Dom zu Verden und eine mysteriöse Sonnenuhr ein. Kriegler konstatiert da (2):

»Ich hatte vor etlichen Jahren die Verdener Sonnenuhren fotografiert. Damals noch mit Film. Für ta-dip hatte ich dann die Papierabzüge gescannt und diese eingestellt. Nun war ich am 17. Juli 2013 abermals dort. Ich bedaure es so sehr, daß niemand die absolut einzigartige Qualität dieser mittelalterlichen Sonnenuhr, getragen von einem sanft lächelnden Mönch erkennt!«

Fotos 6 und 7: Sonnenuhr bei Tag

Krieglers kurze Beschreibung machte mich neugierig. Krieglers Fotos faszinierten mich. Diese mysteriöse Sonnenuhr musste ich persönlich in Augenschein nehmen. Also fuhr ich nach Verden. Abends führte mich mein Weg gleich zum Dom. Da stand ich vor dem »Haupteingang«, der sich hinter einer großen hölzernen Tür verbirgt. Ich wandte mich nach rechts, umrundete den hinter massiven Mauern liegenden Kreuzgarten. So kam ich an den Glockenturm. Jetzt ging’s nach links, etwas mehr als dreißig Meter weiter war ich am Ziel.

In der Dunkelheit des Abends beeindruckt mich die geschickt von einem Scheinwerfer angestrahlte Sonnenuhr. Da ist ein stehendes menschliches Wesen zu sehen, das offensichtlich zum Teil erheblich beschädigt wurde. Der Kutte nach zu urteilen kann es sich um einen Mönch handeln. Vor seiner Brust trägt der Geistliche etwas. Es kommt mir so vor, als würde der Mönch ein Buch lesen. Ist das der Fall? Wohl eher nicht. Meine Taschenlampe kommt zum Einsatz. Ich erkenne etwas mehr als im Scheinwerferlicht. Es ist kein Buch, was der Mönch (?) da vor sich hin hält, dem Betrachter förmlich entgegenstreckt, sondern das Zifferblatt einer Sonnenuhr.

Foto 8: Der Mönch steht auf...?
Der Mönch steht auf irgendetwas, das heißt: er stand, denn seine Beine fehlen. Wurden sie mutwillig abgeschlagen? Oder fielen sie dem Zahn der Zeit zum Opfer? Worauf hat der Mann mit der Sonnenuhr einst gestanden? Im Schein der Taschenlampe versuche ich, Einzelheiten auszumachen.  Da sind Beine oder Füße zu erkennen, ein mächtiger Leib wie der eines Löwen und so etwas wie eine Schlange. Wieder sind erhebliche Schäden auszumachen, die eine klare Identifikation der Tiere unmöglich machen. Am nächsten Tag bin ich in aller Frühe wieder vor Ort.

Voller Spannung schraube ich meine Kamera (Nikon D3300) auf eine Teleskopstange, schiebe die Stange nach oben, bis die Kamera in Höhe des Mönchs eigentlich vorzügliche Fotos direkt von vorn und ohne perspektivische Verzerrung liefern könnte. Sie tut es aber nicht, der Fernauslöser verweigert seinen Dienst. Trotzdem gelingen mir per Teleobjektiv (Nikon D800E) interessante Aufnahmen, vom  Mönch und von den Fabelwesen zu seinen Füßen. Das heißt: Füße hat der steinerne Mann ja keine mehr. Man kann aber eher erahnen als sehen, wo sie einst standen.

Foto 9: Löwe ohne Kopf?

Vom Betrachter aus links imponiert ein vierbeiniges Wesen mit mächtigem Leib. Das Haupt fehlt leider völlig. Am Ende seines Schweifs hat das Tier eine Quaste. Es dürfte sich also wohl um einen Löwen handeln. Und der kämpft, ja mit wem? Mit seinen Pranken umklammert der Löwe etwas Langes, Schlangenartigs. Nur eine Schlange ist es wohl nicht, eher der stark beschädigte Schweif des zweiten Tieres. Ist es ein Drache, ein Lindwurm vielleicht? Schuppig ist sein Leib jedenfalls, was zum Drachen oder Lindwurm passen würde. Reckt das schuppige Tier den schlanken Hals gen Himmel? Ein Kopf ist nicht auszumachen.


Foto 10: Schuppentier mit Sattel?

Auf dem »Rücken« des Schuppentieres liegt etwas Undefinierbares, eine Art Decke (?) oder gar Sattel? Was es auch sein mag, es ist deutlich vom schuppigen Leib abgegrenzt, und zwar durch eine gezackte Linie. Spekulieren wir: Da kämpfen ein Löwe und ein Drache gegeneinander. Symbolisieren sie verschiedene Gruppierungen im Heidentum, auf denen triumphierend der Mönch als Stellvertreter für das Christentum steht? Der Mann Gottes lächelt milde, sanft. Warum? Weil er sich überlegen fühlt? Oder ist er wissend, eingeweiht? Steht für ihn das Christentum auf seinen heidnischen Vorläufern? Ersetzt die »neue« Religion die »alte« nicht, sondern baut auf ihr auf?

Wir wissen, dass der Dom zu Verden just dort errichtet wurde, wo einst eine heidnische Kultanlage Gläubige anlockte, wo auch Gericht abgehalten wurde. Sind die Monsterwesen unter dem Mönch eine Anspielung auf das Heidentum?

Wie lang mögen Christentum und Heidentum nebeneinander konkurrierend bestanden haben? Wurde die angeblich auf Karl den Großen zurückgehende Urkunde gefälscht, um die Gründung weit zurück in die Vergangenheit zu legen?

Sollte so das Christentum in Verden älter gemacht werden als es war… und die »Heidenzeit« weiter zurück in die Vergangenheit gedrängt werden?

Foto 11: Im Dom zu Verden, Blick zur Orgel

Warum findet sich in keinem von mir studierten Buch über Verden und den Dom eine Beschreibung der geheimnisvollen Sonnenuhr? Warum gab es am üppig bestückten Karten- und Schriftenstand im Dom unter den diversen Ansichtskarten vom Dom keine einzige von der Sonnenuhr? Nüchtern stellt die »Sonnenuhr-Bibel« von Dr. Hugo Philipp zur Sonnenuhr von Verden fest: »Gravur auf Platte, welche von einer Figur getragen wird, Werkstoff: Naturstein, entstanden vermutlich 1300, Stil: gotisch, Zustand mangel(haft)«

Fakt ist: Der Mönch und die Monster mit der Sonnenuhr… ein mysteriöses Kunstwerk von beachtlichem Alter … ist in seiner Art einzigartig. Etwas Vergleichbares gibt es nicht. Warum wird es dann so stiefmütterlich behandelt?

Foto 12: Im Dom zu Verden, Blick zum Altar
   
Fußnoten

(1) http://www.ta-dip.de/sonnenuhren.html

(2) http://www.ta-dip.de/sonnenuhren/sonnenuhren-aus-nah-und-fern/niedersachsen/sonnenuhren-in-verden.html

(3) Philipp, Hugo et al: »Sonnenuhren/ Deutschland und Schweiz«, Stuttgart 1994
(Das Werk enthält keine Seitenangaben, ist nach Postleitzahlen geordnet. Die
Sonnenuhr von Verden findet sich unter »27283 Verden Ni(edersachsen)«

DANK

Herrn Roland Kriegler möchte ich  recht herzlich für die interessante Korrespondenz danken! Seine Homepage ist sehr interessant! Ein Besuch lohnt sich allemal!


Zu den Fotos

Fotos 1 und 2: Dom zu Verden bei Nacht. Im rechten Foto habe ich die Sonnenuhr gelb markiert.
Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Ein Mönch lächelt milde. Foto Walter-Jörg Langbein
Fotos 4 und 5: Sonnenuhr bei Nacht. Fotos Walter-Jörg Langbein
Fotos 6 und 7: Sonnenuhr bei Tag. Fotos Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Der Mönch steht auf..? Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 9: Löwe ohne Kopf? Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 10: Schuppentier mit Sattel? Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 11: Im Dom zu Verden, Blick zur Orgel. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 12: Im Dom zu Verden, Nlick zum Altar. Foto Walter-Jörg Langbein


283 »Der Ritt auf zwei Eseln«,
Teil 283 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 21.06.2015



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Sonntag, 8. Februar 2015

264 »Begegnung im Urwald«

Teil 264 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Der Tempel der Inschriften von Palenque.
Es regnete unaufhörlich, Myriaden und Abermyriaden von Regentropfen verwandelten den »Urwald« von Palenque in eine Fantasiewelt. Was eine ideale Kulisse für einen spannenden Mysterythriller hätte sein können, war aber Realität an jenem Novemberabend. Die Elektronik meiner beiden Kameras streikte. Beide Kameras ließen sich nicht auslösen, an manuelle oder gar automatische Scharfeinstellung war nicht zu denken. So machte ich mich auf, von meinem Hotelzimmer bis zur weltbekannten Pyramide benötigte ich, vorbei am örtlichen Museum, keine halbe Stunde. Ich bin versucht, die steile Treppe an der Vorderseite des Tempels der Inschriften empor zu klettern, trotz des deutlich angebrachten Verbotsschildes.

Ein Schrei irgendwo aus dem undefinierbaren grünen Dickicht lässt mich zusammenzucken. Für Augenblicke wird die kräftige Solostimme von einem kreischenden Chor begleitet. Angst und Wut, scheint mir, kommen zum Ausdruck. Dann verstummen sie wieder, die Brüllaffen von Palenque.

Foto 2: Blick aus dem Urwald...

Es ist kein Regen mehr, der vom Himmel kommt. Es kommt mir so vor, als würde sich die Luft langsam in Wasser verwandeln. So gehe ich einige Schritte weiter, weg vom Tempel der Inschriften. Nur wenige Minuten später. Ich stehe unter mächtigen Bäumen, wieder erheben Brüllaffen protestierend ihre Stimmen. Dazu gesellt sich ein sehr viel unangenehmeres Geräusch. Es ist ein leise auf- und abschwellendes Surren, geradezu grell und spitz. Moskitos suchen offenbar Blutspender. Noch höre ich sie nur, noch umschwirren sie mich nicht wie ihre Artgenossinnen in heimischen Gefilden. So mache ich mich auf den Rückweg, bleibe nur noch kurz vor dem Tempel der Inschriften stehen. Morgen werde ich frühmorgens wiederkommen. Ich weiß, dass man von der Rückseite des Tempels fast bis auf die oberste Plattform gelangen kann. Man muss gar nicht die breite Treppe auf der Vorderseite benutzen. Der Kalkstein der Stufen ist weich und unzählige Touristen haben bereits ihre Spuren hinterlassen.

Foto 3: Unmittelbar von Urwald umgeben...
Diese Treppe war wohl auch nicht für den heutigen Massenansturm gedacht. Vermutlich waren es vor Jahrhunderten nur wenige Auserwählte, die am Tempel emporsteigen durften. Waren Vertreter des »Hochadels«? Waren es Priester? Astronomen?

Die Maya waren geradezu besessen von Astronomie und Astrologie. Astrologen und Astronomen waren vor elf Jahrhunderten in Palenque zuhause. Sie dominierten das Zeremonialzentrum, das sie »Chan Kah« nannten, zu Deutsch »Schlangenort«.

Für die Lacandonen war Palenque der »Nabel der Welt«. Priester, Astronomen und Astrologen wagten den Blick in eine Normalsterblichen verborgene Welt, in der Göttinnen und Göttern lebten. Es heißt, dass die Wissenden noch vor elf Jahrhunderten nicht nur präzise Berechnungen über den Lauf von Planeten und Sternen anstellten. Sie sollen sich Pilze einverleibt haben, die Halluzinationen auslösten. So glaubten sie, heißt es, Wirklichkeiten wahrzunehmen, die ihnen sonst verborgen blieben.

Die Lacandonen – sie nannten sich »wahre, echte Menschen« – lebten bis ins 20. Jahrhundert nach uralten Traditionen. Sie huldigten, allen missionarischen Versuchen zum Trotz, den alten Göttinnen und Göttern ihrer Vorfahren. Zu Beginn des dritten nachchristlichen Jahrtausends scheint es nur noch eine Frage von Jahren oder bestenfalls Jahrzehnten zu sein, bis die alte Kultur ausgestorben sein wird. Schuld daran sind die wenig segensreichen Kontakte mit unserer »zivilisierten Welt«. Heute gehen fast alle Kinder der letzten 700 (?) Lacandonen in staatliche Schulen, wo sie in spanischer Sprache unterrichtet werden. Ihnen wird die Historie der Sieger beigebracht, die eigene Kultur wird gering geschätzt. Als erstrebenswert gilt der Wohlstand der westlichen »Zivilisation«. In Aussicht steht ein Mehr an materiellem Lebensstandard und ein Weniger an wirklicher Kultur.

Foto 4
 Werden mit den Lacandonen, den letzten echten Maya-Nachkommen, die alten, überlieferten Geheimnisse vergessen sein, noch bevor sie gelöst werden konnten? Umstritten ist die Zahl der heute noch lebenden Lacandonen. Es wird gelegentlich behauptet, die kleine Gruppe würde wieder wachsen. Aber sind Lacandonen, die vom Tourismus leben, noch echte Lacandonen?

Nach offiziellen Angaben sprechen heute nur noch zwanzig Nachkommen der Lacandonen die Ursprache ihres Volkes. In Wirklichkeit dürften es aber deutlich mehr sein. Dessen ungeachtet ist unbestreitbar, dass die alte Kultur, die selbst die Gemetzel der mörderischen Spanier überdauerte, mittelfristig bis langfristig ausstirbt. Die Stammesmitglieder werden nicht mehr ermordet, sondern huldvoll in die »Zivilisation« aufgenommen, bis sie nicht mehr zu erkennen sind. 1996 starb der geistige Führer der Nord-Lacandonen Chan K’in Viejo im Alter von 104 Jahren. Der altehrwürdige Lehrmeister hatte bis zu seinem Tod versucht, die Kultur seines Volkes am Leben zu halten.


Werden wir je erfahren, was die heilige Schlange der Mayas wirklich bedeutete? Gab und gibt es wissenschaftlich korrekte Erklärungen für die Bezeichnung »Schlangenort«? Die doppelköpfige Schlange hatte offenbar astronomische Bedeutung. Sonne, Mond und Planeten standen in – enger? – Beziehung zur mysteriösen Schlange. Jegliche positive Bewertung der Schlange war und ist seit Jahrhunderten christlichen Missionaren in Zentralamerika ein Gräuel! Die Schlange darf nicht positiv, sie muss negativ gesehen werden, hat sie doch Eva zur ersten Sünde im Paradies verleitet. Somit ist aus christlicher Sicht die Schlange für alles Elend verantwortlich. Ohne dieses angeblich teuflische Tier wären die ersten Menschen nicht aus dem Paradies vertrieben worden! Empört stellten frühe Missionare fest, dass die Maya Verstorbene als Sterne am Himmel sahen und dass sie Sterne wiederum als Schlangen deuteten (1).

Fotos 5a und 5b

Der Regen verstärkt sich rapide. Es schüttet förmlich vom Himmel, als ich zum Hotel zurückeile. Da stoße ich dabei mit einer jungen Einheimischen zusammen. Der sintflutartige Regen hatte die lange Zigarre in ihrem Mund gelöscht. Bekleidet war sie ein langes, weißes Gewand. Vor der Brust trug sie ein metallenes, silbern glänzendes »Amulett«.  Ich meine einen stilisierten Baum zu erkennen, an dem  sich eine Schlange empor windet. Ich weiß: Das gerade geschnittene weiße Kleid aus Leinen ist Relikt aus alter Lacandonen-Tradition. Tabak-Rauchen war kein Qualmen als Genuss, sondern wurde einst als heiliger Akt zelebriert. Das Amulett (?) der attraktiven Lacadonin (?) lässt eine alte Symbolik vermutet: Der stilisierte, hoch gewachsene Baum könnte Wacah Chan sein, der Lebensbaum der Mayas. Mayas, aber auch Azteken, Mixteken und Olmeken kannten ihn. Er reichte von der »Unterwelt« bis in den »Himmel«.

Foto 6: »Weltenbaum« auf sumerischem Siegel

In der Mythologie der Maya wird der Ceibabaum als Wacah Chan gesehen, als Weltenbaum, als Achse der Welt. Die Schlange am Wacah Chan als Amulett habe ich nirgendwo in der einschlägigen Literatur finden können. Ein katholischer Priester vor Ort interpretierte die kunstvolle Darstellung so: Die Schlange könnte für einen Verstorbenen (oder dessen Seele?) stehen, unterwegs von irdischen Gefilden in den Himmel, um dort zum Stern zu werden.

Foto 7
Der Mythos vom Weltenbaum schein so etwas wie ein kollektives Erbe der Menschheit zu sein, und das seit Jahrtausenden! Im heutigen Afghanistan huldigte man diesem Baum des Lebens bereits vor rund fünf Jahrtausenden. Im alten Mesopotamien, aber auch im Alten Indien erstreckte sich diese »Achse« von der Unterwelt bis in den Himmel der Göttinnen und Götter. In der heiligen Mythologie Babylons recht Baum Xixum seine Äste weit in den Himmel, während die starken Wurzeln fest in der Unterwelt verankert sind. Auch die nordische Mythologie kennt diesen »Baum« als Abbild des Kosmos, Yggdrasil genannt. Ich bin davon überzeugt, dass die Irminsul nichts anderes darstellt, als eben jene Verbindung zwischen Unterwelt und Himmel, zwischen Tod und Leben.

 Was mich mehr als nur verblüfft hat, das war eine erstaunliche Entdeckung: Es gibt eine heidnische Irminsul vor einem der schönsten Gotteshäuser Europas, vor dem altehrwürdigen Dom zu Bremen!

Literatur

Foto 8
(1) Siehe hierzu…. Thompson, John Eric Sidney: »Maya Hieroglyphic Writing/ An Introduction, 1960, University of Oklahoma Press, S. 85

Weiterführende Werke, auch zur Vertiefung:

(2) Stuart, David und George: »Palenque/ Eternal City of the Maya«, London 2008
(3) Gockel, Wolfgang: »Die Geschichte einer Maya-Dynastie/ Entzifferung
     klassischer Maya-Hieroglyphen am Beispiel der Inschriften von Palenque«,
     Mainz 1988
(4) Kearsley, Graeme R.: »Pacal’s Portal to Paradise at Palenque/ The Iconography
     of India at Palenque and Copan«, London 2002


Hotels in der Nähe der Ruinen von Palenque:

Piedra de Agua Palenque, El Colombre, Hotel Villas Kin Ha, Cabanas Kin Balam, Mayabell

Anmerkungen zu den Fotos

Foto 1: Der Tempel der Inschriften von Palenque. Foto Walter-Jörg Langbein
Fotos 2 und 3: Blick aus dem Urwald auf Ruinen von Palenque. Fotos Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Fantasievolle Darstellung von Ygdassil. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Fotos 5a und 5b: Die berühmte Grabplatte von Palenque. Wurde ein Bild der Weltenachse eingearbeitet? Fotos Walter-Jörg Langbein
Foto 6: »Weltenbaum« auf sumerischem Rollsiegel. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 7: »Weltenbaum« Irminsul an den Externsteinen, geknickt. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Die »Irminsul« vom Dom zu Bremen. Foto Walter-Jörg Langbein

265 »Von der Heiligen Taube zum Schlangenmonster«
Teil 265 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 15.02.2015


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Sonntag, 6. April 2014

220 »Die Götter der Steine«, Teil 1

Teil 220 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Die Externsteine... uraltes Heiligtum.
Foto: W-J.Langbein

 Gewaltige tektonische Kräfte ließen vor rund siebzig Jahrmillionen im Gebiet des Teutoburger Waldes ein Gebirge entstehen. Die Natur modellierte zwischen Detmold und Paderborn ein heute zerklüftetes Sandsteinmassiv. Was einst als Sedimentgestein am Grunde eines Urmeeres lag, das wurde in die Senkrechte geschoben. Dreizehn bizarr anmutende mächtige steinerne Finger ragen seit Millionen von Jahren gen Himmel. Wind und Wetter verformten sie. Abschmelzende Eismassen schmolzen am Ende einer Eiszeit modellierten mysteriöse Felstürme. Im Sandstein können dank der Korrosion natürliche Höhlen entstehen. Das mag auch im Fall der Externsteine so geschehen sein. Irgendwann wurden die natürlichen Hohlräume womöglich von Menschenhand erweitert und so erhielten einige der Externsteine ein Innenleben. Oder sind die ineinander übergehenden Kammern reines Menschenwerk? Wir wissen es nicht.


Gesicht... Kunstwerk oder Laune der Natur? Foto: Walter-Jörg Langbein

Vor Jahrtausenden haben diese natürlichen Monumente die Fantasie der Menschen angeregt. Wir Jetztmenschen erkennen heute Gesichter im Stein. Waren unsere Vorfahren vor Jahrtausenden phantasiebegabter als wir? Was mögen sie in der zerklüfteten Felsoberfläche gesehen haben? Ob sie an das Werk von Göttern dachten, wenn sie zu den Externsteinen pilgerten? Suchten sie Schutz in natürlichen Höhlen? Zelebrierten sie mysteriöse Rituale, in deren Zentrum die Heilige Muttergöttin stand? Wir wissen es nicht.

Die Forscherin Usch Henze, Verfasserin von »Osning – Die Externsteine«, spekuliert: »Das Heiligtum war in früh-germanischer Zeit als Mysterienstätte weithin bekannt, als ein von Druiden und einer geistigen Elite geführtes Schulungs- und Einweihungszentrum und als bedeutende Heilstätte.«

Sie sind ein interessantes Reiseziel, die Externsteine.
Foto: Walter-Jörg Langbein

Wie dem auch sei, die Externsteine sind auch heute noch eine der mysteriösesten Stätten Deutschlands. Ich habe sie schon oft besucht, zu unterschiedlichsten Tag- und Nachzeiten, im Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Und immer machten sie einen anderen Eindruck. Licht und Schatten formten stets neue Bilder, ja Skulpturen. Es ist unmöglich zu entscheiden, ob da einst ein »Hängender« oder »Gekreuzigter« in den Stein gemeißelt wurde. Oder ist es die Fantasie des Betrachters, die aus Verwitterungen, Licht und Schatten so etwas wie ein Relief entstehen lässt? Ich glaube nicht an ein entweder oder. Meiner Überzeugung nach gibt es im konkreten Fall ein »sowohl als auch«. Im Fachblatt »Synesis« (2) wird konkret belegt, dass »Bearbeitungsspuren an den Externsteinen« nachgewiesen werden können! Leider wurde von christlichen Eiferern bewusst zerstört, was irgendwie als »heidnisch« gelten konnte. Und das geschah vermutlich schon auf Befehl Karls des Großen, der ja nachweislich anno 772 die »Irminsul« zerstören ließ. Umstritten ist nur, wo sich das Heiligtum der heidnischen Sachsen einst befand. Ein möglicher Standort, der mit Fug und Recht diskutiert wird… sind die Externsteine.

Ceibabaum. Foto W-J.Langbein
Umstritten ist auch, welche konkrete Bedeutung die »Irminsul« einst hatte. Wahrscheinlich war sie eine heilige Säule, die den kosmischen Himmel tragen musste. Wie sich die Bilder gleichen: Die Mayas hatten auch ihre »Irminsul«, den für sie heiligen Ceiba-Baum. Auch der Ceiba-Baum trug das Universum. Sein stamm stellte die Welt der Irdischen dar, sein Wurzelwerk die Unterwelt. Auch die Mayas kannten also ein dreigeteiltes Universum. Auch die Mayas kannten eine göttliche Trinität. In Palenque herrschte »Pacal der Große«, der seine Macht von seiner Mutter, seiner Vorgängerin im Amt, übernahm. Die Herrscher von Palenque sahen sich als Nachfolger einer göttlichen Dreifaltigkeit!

Ich gehe konform mit einigen Forschern, die davon ausgehen, dass zufällig entstandene Risse und Verwerfungen die Fantasie des Betrachters anregen. Betrachten wir die Nordwand von Felsen 4, so meinen wir, eine Gestalt mit gesenktem Kopf und ausgebreiteten Armen zu erkennen. Ist es nur unsere Fantasie, die so etwas wie eine Gestalt entstehen lässt? Diese Gestalt sieht für den vom Christentum geprägten Europäer wie ein Gekreuzigter aus. Dieses Bild aber ist zum Teil künstlich. Es wurde eindeutig von unbekannten Steinmetzen – wann auch immer – nachgeholfen. Eindeutig künstlich, spricht gemeißelt, ist zum Beispiel die »Seitenwunde«. Zur Erinnerung: Im »Evangelium nach Johannes« (3) lesen wir, dass ein Soldat Jesus mit seiner Lanze eine Wunde beifügte, um sicherzugehen, dass er auch wirklich tot war.
Reinhard Paffenrath, akademischer Bildhauermeister, untersuchte gründlichst die Externsteine und machte ganz eindeutige Spuren »handwerklicher Bearbeitung« aus! (4)


Der »Hängende«... Jesus oder ein heidnischer Gott?
Fotos/ Zeichnung: Walter-Jörg Langbein

Wir wissen aber nicht, ob nicht zunächst heidnische und später christliche Künstler am Werk waren. Für Christen ist die Gestalt der gekreuzigte Jesus. Heidnische Interpreten hingegen erkennen nicht Jesus, sondern Odin, der neun Tage am Weltenbaum Yggdrasil hing. Yggdrasil symbolisierte das dreigeteilte Universum: Oberwelt der Götter, Mittelwelt der Menschen und Unterwelt. Drei Nornen gießen laut altnordischer Mythologie die Wurzeln dieses Baumes. Diese »heidnische« Trinität lebt im christlichen Volksglauben weiter, in Gestalt der »drei Bethen« Einbeth, Warbeth und Wilbeth.

Im 11. Jahrhundert verfluchte kein Geringerer als Bischof Burchard, der den Dom zu Worms erbauen ließ, die Verehrung der drei Bethen als heidnische Ketzerei. Kein Wunder! Sind doch die »christlichen« Bethen ihrem Ursprung nach unchristlich-heidnisch. Die frommen Frauen des christlichen Volksglaubens wurden einst als Göttinnen verehrt. Wilbeth (Wilbet und andere Schreibweisen) war einst die jungfräuliche Göttin, Warbeth die mütterliche Göttin und Einbeth (Embet, Ambeth und Ainbet) die Göttin des Todes. So standen die drei Göttinnen für den ewigen Kreislauf des Lebens, für Geburt, Leben und Gebären und Sterben.

Für unsere Vorfahren vor Jahrtausenden vor Jahrtausenden war alles Leben (von Mensch und Tier, aber auch von Pflanzen) ständig bedroht. Lange Winter führten ebenso zu Hungerkatastrophen wie besonders ausgeprägte Trockenzeiten. Wenn im Winter die Natur erstarrte, starb sie. Würde sie wieder zum Leben erwachen? Soweit man sich erinnern konnte, war dies immer geschehen. Das bedeutete aber keineswegs, dass nicht eines Tages der Winter auf alle Zeiten bleiben und alles Lebendige vergehen würde. Alles Leben war im Winter in seiner Existenz bedroht. Im ewigen Winter würde es keine Pflanzen mehr geben, würden Tiere und Menschen verhungern.

Magische Rituale sollten gewährleisten, dass auf den Tod des Winters im Frühling die Auferstehung der Natur erfolgte. Magier und Priester hatten in den Augen eine unglaubliche Macht. Wenn sie nicht ihre Riten zelebrierten, bedeutete das das Ende der Welt. Sie sorgten in den Augen der Gläubigen dafür, dass das Leben überlebte.

Seit Jahrtausenden ziehen die Externsteine Menschen an ...
Foto: W-J.Langbein

Fußnoten
1) Siehe hierzu auch Henze, Usch: »Osning – Die Externsteine/ Das verschwiegene Heiligtum Deutschlands und die verlorenen Wurzeln europäischer Kultur«, Saarbrücken 2006
2) Zum Beispiel »Synesis-Magazin« Nr. 6/2010: »Frühgeschichtliche Bearbeitungsspuren an den Externsteinen«, Vortrag von Gert Meier
3) Siehe Evangelium nach Johannes Kapitel 19, Vers 34
4) Siehe hierzu Neumann-Gundrum, Elisabeth: »Europas Kultur der Groß-Skulpturen«, Gießen 1981, S. 462 und folgende. Siehe auch Seitz, Ferdinand: »Steinerne Urkunden an den Externsteinen«, Detmold (?) 1959

Literatur zum Thema

Folgende Werke bieten eine Fülle von Fakten zur Thematik meiner Ausführungen, die ich nur wärmstens empfehlen kann!

Buss, Winfried: Ein Gang zu den Externsteinen, Paderborn 1994
Hantl, Otto: Urglaube und Externstein, Oberursel, Essen, Tübingen 1998
Henze, Usch: Osning – Die Externsteine/ Das verschollene Heiligtum
     Deutschlands und die verlorenen Wurzeln europäischer Kultur, Saarbrücken
     2006
Kestermann, Dieter: 3000 Jahre Externsteine, Bochum 2001
Koneckis, Ralf: Geheimnis Externstein/ Ergebnisse neuer Forschung,
     Dortmund 1995
Lippek, Wolfgang: Drei vorgeschichtliche astronomische Anlagen im Bereich
     Lippe-Detmold/ Externsteine, Johannissteine, Schau-Hügelgräber, Lage 2012
Matthes, Walther: Corvey und die Externsteine/ Schicksal eines
     vorchristlichen Heiligtums in karolingischer Zeit, Stuttgart 1982
Motz, Ulrich von: Die Externsteine – ein Volksheiligtum/ Untersuchung über
     ihre vorchristlich-germanische Bedeutung, Pähl 1954
Niedhorn, Ulrich: Vorgeschichtliche Anlagen an den Externstein-Felsen,
     Frankfurt 1993
Seitz, Ferdinand: Die Irminsul im Felsenrelief der Externsteine, Pähl, 1953
Teudt, Wilhelm: Germanische Heiligtümer, Jena 1936
Teudt, Wilhelm: Die Externsteine als germanisches Heiligtum/
     Sonderbearbeitung nach Germanische Heiligtümer, Jena 1934
Tiggelkamp, Gerhard: Die Externsteine im Teutoburger Wald, Bad Kreuznach
     (Eigenverlag), ohne Jahresangabe (ca. 1989)
Vater, Fritz: Die Zerstörung der Irminsul/ Eine Studie zum Feldzug des Jahres
     772, Pähl 1954
Zetzsche, Klaus: Das sagen uns die Externsteine/ Zusammenfassung und
     Neubearbeitung, Köln-Seeberg,1983-1985

»Die Götter der Steine«, Teil 2,
Teil 221 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von 

Walter-Jörg Langbein,                                                                                              
erscheint am 13.04.2014



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Sonntag, 9. Dezember 2012

151 »Von Pyramiden und heiligen Bäumen«

Teil 151 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Schöpfung nach der Koberger
Bibel von 1483
Foto: Archiv W-J.Langbein
»Hüten Sie sich vor dem heidnischen Aberglauben!« rief mir der Professor noch nach, als ich am Bahnhof in Nürnberg zum Anschlusszug nach Hannover wechselte. Bei einem Zwischenaufenthalt war ich mit dem Kirchengeschichtler ins Gespräch gekommen, hatte ihm von meiner geplanten Reise nach Tikal erzählt. »Müssen Sie denn unbedingt die teuflischen Tempel dieser primitiven Inkas aufsuchen?« Mein Hinweis, dass es in Zentralamerika keine Inkas, wohl aber Mayas gab, beeindruckte ihn nicht. »Das sind alles primitive Heiden ... Mayas wie Inkas! Beschäftigen Sie sich lieber mit unserem Luther und nicht mit den unsinnigen Lehren der Inkas ...« Ich verwies auf meinen gleich abfahrenden ICE und hastete davon. »Hüten Sie sich vor dem Aberglauben!« rief er mir laut nach. »Gott schuf Himmel und Erde ... die Inkagötter sind teuflische Götzen! Besinnen Sie sich der Schöpfung und seien Sie Ihrem Herrgott dankbar!«
Die Bibel ist zwar das meist gedruckte Buch überhaupt, zugleich aber auch eines der kaum wirklich gelesenen Werke. Selbst der Schöpfungsbericht ist nicht wirklich bekannt ... dabei steht er doch ganz am Anfang des ersten Kapitels des ersten Buch Mose. Wer hat ihn wirklich bewusst gelesen, Vers für Vers? So weiß kaum jemand, dass der biblische Schöpfungsbericht voller Widersprüche steckt. Er ist unlogisch aufgebaut! (1)

Einer der heiligen
Ceiba-Bäume
von Tikal
Foto: W-J.Langbein
So heißt es zunächst, die Erde sei wüst und leer gewesen. Dann aber müssen erst die Wasserfluten beseitigt werden, damit die Erde zum Vorschein kommen kann. Gott lässt eine »Feste« entstehen und sorgt dafür, dass das Wasser zurückweicht und die Erde zum Vorschein kommt. Geschieht dies in Finsternis? Nein! Am ersten Tag befielt Gott (2) »Es werde Licht!« So geschieht es auch. Und Gott ist zufrieden mit seinem Werk (3): »Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht.« Tag und Nacht kann es am ersten Tag der Schöpfung noch gar nicht gegeben haben, schuf Gott doch nach dem Bibeltext die Sonne erst am vierten Tag!

In Tikal musste ich wieder an die Begegnung mit dem Professor in Nürnberg denken. Während ich Tempelruinen und Pyramiden bestaunte, erklärte ein Archäologiestudent die religiöse Welt von Tikal. »Kennt jemand die biblische Vorstellung von der Schöpfung?« fragt er plötzlich. »Wie sieht das biblische Bild von Erde und Himmel aus?« Ich melde mich. »Nach der Genesis muss man sich, salopp ausgedrückt, die Erde als eine Scheibe vorstellen. Auf dieser Unterlage sitzt so etwas wie eine Käseglocke. Die Bibel nennt sie Feste.« Der Student nickt. »Welchen Zweck erfüllt diese Glocke?« Wieder antworte ich: »Offenbar erfolgte diese Schöpfung unter Wasser. Die Bibel sagt: ›Und Gott sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern, und die sei ein Unterschied zwischen den Wassern. Da machte Gott die Feste und schied das Wasser unter der Feste von dem Wasser über der Feste. Und es geschah also.‹ Unter der Glocke leben wir Menschen auf einer Scheibe ... an der Unterseite der Feste kleben Sonne, Mond und Sterne als Lampen. Und über der Feste befindet sich das himmlische Wasser.«

Der kosmische Baum
der Mayas
Foto: W-J.Langbein
Das Weltbild der Mayas in Guatemala war nicht primitiver als das biblische: Im Zentrum der Welt steht der heilige Ceiba als Weltenbaum. Sein tief ins Erdreich vordringende Wurzelwerk steht für die Unterwelt. Der Stamm stellt die Welt von uns Lebenden dar. Hoch oben tragen die Äste das Himmelszelt. Um den Ceiba dreht sich die Welt. Und der Ceiba verhindert die kosmische Apokalypse. Dank des Ceiba-Baums stürzt der Himmel nicht auf die Erde. So hofft der Maya, dass der Ceiba-Baum nicht zu Fall kommt ... und der Himmel oben bleibt. Und der Anhänger des biblischen Weltbildes muss hoffen, dass die Luken in der Himmelskuppel nicht aufklappen ... denn sonst kommt wieder eine Sintflut über die Welt.

Fazit: Beide Weltbilder haben mit der Realität nichts zu tun. Vor allem haben wir nicht das Recht, verächtlich auf die religiöse Welt der Mayas herabzublicken ...

Bis zu fünfzig Meter hoch wird der Ceiba-Baum. Wie eine mächtige Säule wirkt der mächtige Stamm ... er kann mehrere Meter dick werden. Weit ausladend ist die Krone, die Schatten spendet. Scharfe Stacheln wachsen aus dem Stamm, schützen so die großen birnenförmigen Früchte. Wenn ein Baum das Himmelsgewölbe zu tragen scheint, dann ist das der imposante Ceiba-Baum, der bei den Mayas heilig war.

Baum und Pyramide
Foto: W-J.Langbein
In Tikal, der ältesten Maya-Stadt kann man heute besonders imposante Exemplare bewundern. Tikal ist eine Ruinenstadt der Superlative! Auf einem Areal von sechzehn Quadratkilometern sind heute rund viertausend Gebäude und Ruinenreste aus Mayazeiten bekannt! Wann sie entstanden sein mögen? 400 bis 800 nach Christus soll die Urwaldstadt ihre Glanzzeit gehabt haben. Die ersten Siedlungsspuren aber sind sehr viel älter. Sie stammen aus dem frühen ersten vorchristlichen Jahrhundert!

In Tikal gab es eine echte Kultur – mit religiösen Ballspielzeremonien und Schwitzbädern. 200.000 sollen hier gelebt und den himmlischen Göttern gehuldigt haben. Sinn und Zweck der meisten Gebäude sind unbekannt. Düster wirkt das Innere von schmucklosen Räumen. Dienten sie einst als Speicher? Wurden in ihnen Vorräte für die Priesterschaft aufbewahrt? Bereiteten sich in diesen manchmal zellenartigen Gemächern Priester auf die Zeremonien für die Götter vor? Oder waren sie triste Arbeitsstätten für Verwaltungsbeamte, die Statistiken über Geburten und Todesfälle führten? Wir wissen es nicht.

Die Wissenschaft spekuliert ... wie so oft. Und selbstbewusst werden Vermutungen als definitive Wahrheiten ausgegeben.

Pyramiden wie
Ceiba-Bäume
Fotos: W-J.Langbein
Der zentrale Hauptplatz von Tikal muss zur Glanzzeit der Urwaldstadt wirklich sehr beeindruckend gewesen sein. Rund dreitausend Bauwerke gruppierten sich um den Mittelpunkt der Stadt. Im Westen und Osten des Platzes ragten sechs steinerne Pyramiden in den Himmel ... bis zu siebzig Meter hoch. Tikal war schon immer eine Urwaldstadt. Vor einem Jahrtausend war der grüne Moloch Urwald sehr viel dichter, die steilen Pyramiden-Türme überragten selbst die größten Ceiba-Bäume. Und hoch oben auf den Pyramiden thronten Tempel. So ähnelten die Tikal-Türme sehr dem legendären Turm zu Babel.

Wenn man durch Tikal schlendert, dann fällt die große Harmonie auf: zwischen den mächtigen Ceiba-Bäumen und den sehr steilen Pyramiden-Türmen. Es sieht nicht nur so aus, als seien die Pyramiden nach dem Vorbild der Bäume errichtet worden. In der Maya-Mythologie gab es zum Anbeginn nur Wasser und Himmel. Der Ceibabaum verhinderte, dass der Himmel auf die Fluten stürzt. Ceiba-Baum wie steile Stufenpyramiden stellen den Maya-Kosmos dar. Der Platz vor der Pyramide versinnbildlicht das Urmeer. Die Pyramide entspricht dem heiligen Ceiba-Baum.

Ein Tempel auf der Pyramidenspitze
Der Priester, der die steilen Stufen der Pyramide erklimmt ... nähert sich als Vertreter seines Volkes dem Himmel. Wurden im Tempel an der Pyramidenspitze Riten wie im Babylon der Bibel vollzogen? Wurde die »Heilige Hochzeit« vollzogen, dort, wo sich Erde und Himmel begegnen? Schade, dass keine Codices erhalten sind, die wir wie ein Buch lesen könnten, um die Wahrheit über Tikal zu erfahren ...
Monate nach der Rückkehr aus Zentralamerika begegnete mir wieder der Herr Professor. »Na, haben Sie meinem Rat folgend diese teuflischen Inka-Tempel gemieden?« Es fiel mir schwer, lautes Lachen zu unterdrücken. »Ich glaube fast auch, dass diese Pyramiden Teufelswerk sind!« meinte ich ernst. Freudestrahlend klopfte mir der Kirchenmann auf die Schulter. Ich blieb ernst. »Es kann doch nur Teufelswerk sein, wenn Inka-Tempel aus Peru und Bolivien nach Guatemala geschafft wurden!« Der Professor kniff die Augen zusammen: »Wie meinen Sie das?« Geduldig erklärte ich: »Tikal in Guatemala ist Maya-Land. Da dürfte es nur Maya-Pyramiden geben! Wenn es aber Inka-Bauwerke sind, wie der Herr Professor meinen ... Das kann doch nur der Teufel selbst gewesen sein!«

Fußnoten
1 Siehe hierzu Langbein, Walter-Jörg: »Lexikon der biblischen Irrtümer«, München 2006
2 1. Buch Mose Kapitel 1, Vers 3
3 1. Buch Mose Kapitel 1, Verse 4 und 5

»Von Affen und von Drachen«,
Teil 152 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 16.12.2012


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