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Montag, 27. Mai 2013

Fido Buchwichtel und ein Troll in Kiffers Heaven

Hallo liebe Leute!

Hier bin ich wieder:
Fido Buchwichtel
mit dem 
Bestseller der Woche
aus dem Wichtelland.

Liebe Menschen, kennt Ihr alle den Gemeinen Stinkmorchel? Das ist eine Pilzart. Es gibt für ihn auch eine fremdländische Bezeichnung, die lautet »Phallus impudicus«. Wie der Name uns schon sagt: dieser Morchel stinkt und das gemein! Darum halten sich Wichtel und auch die meisten Menschen davon fern. Ein Stinkmorchelverwandter ist der gewöhnliche Troll, der stinkt wie der Morchel.

Trolle sind nicht die Hellsten. Im vergangenen Jahr hatte sich eine Begebenheit zugetragen, die ich Euch heute erzählen möchte. Ein Troll hatte ein Buch aus einer Menschensiedlung gestohlen. Das Buch möchte ich Euch heute als den Bestseller der Woche aus dem Wichtelland vorstellen: 
In diesem Märchen geht es auch um die Katze Äugelchen. Die hatte dem Bonsai die Cannabis-Ernte verschisselt und das konnte natürlich nur Ärger geben ...


Aber jetzt erzähle ich Euch erst die Geschichte aus dem Wichtelland:
Die Wichtelfrauen hatten sich an einem Sommertag auf dem kleinen Marktplatz versammelt und gingen ihren Handarbeiten nach.
»Uiii, der Wind dreht auf Süd/Südwest!« 
Die Wichtelinnen hielten ihre Näschen in den Sommerwind und tatsächlich dauerte es nicht lange, bis ein unangenehmer Geruch die Dorfgemeinschaft erreichte.

Es stank nach Troll, ein Geruch, der den zarten Wichteln äußerst zuwider ist.
»Hmmm«, bemerkte die Kräuterwichtelin, die zu Gast in der Gemeinschaft war, »Hmmm, das stinkt nicht nur nach Troll, da hat sich noch etwas anderes untergemischt!«

Die Wichtelfrauen packten ihre Nähsachen ein und beschlossen, in ihren Wohnungen Fenster und Türen zu schließen.
»Hoffentlich dreht der Wind bald wieder, das ist ja nicht auszuhalten!«
Unter Protest zerstreute sich die Gruppe. 

Die Kräuterwichtelin beschloss aber, der Sache auf den Grund zu gehen. Für Wichtel ist es nicht ganz ungefährlich, sich in die Nähe von Trollbehausungen zu begeben. Zwei mutige Wichtelmänner fanden sich bereit, die weise Wichtelin auf ihrem riskanten Ausflug zu begleiten.

Der kleine Spähtrupp erreichte schnell die Trollbehausung, brauchten die Wichtel doch nur dem Gestank entgegen zu gehen, der immer unerträglicher wurde.

Vor seiner Bleibe, inmitten von Müll und Unrat, saß der Troll. Er hatte sich einen Wichtelschlüpfer über den Kopf gezogen, von seinen Augen waren nur kleine Schlitze zu sehen. Umgeben war er von einer Rauchwolke. Er hatte sich aus einer Plastikflasche eine Pfeife gebaut und qualmte, was das Zeug hielt.

»Aha!«, raunte die Kräuterwichtelin.   
»Pssssst!«, entgegnete einer der Wichtel und hielt sich den ausgestreckten Finger vor den Mund, um die weise Frau von weiteren Äußerungen abzuhalten. Doch die machte nur eine abwertende Handbewegung:
»Keine Angst, der hört uns nicht. Dieser Troll ist in Kiffers Heaven!«
»Wo ist der Troll?« 
»Der hat sich in eine andere Welt geraucht!«, antwortete die weise Frau und trat noch ein paar Schritte näher an die Behausung heran. Vorsichtig folgte ihr der Begleitschutz.

Da entdeckte der Troll die Wichtel.
»Ahhh, Besuch ist da! Meine Freunde aus dem Wichtelreich! Kommt doch näher ihr Lieben!«
Die Wichtelmänner erschraken.
»Lasst uns machen, dass wir hier wegkommen, der Troll will uns in eine Falle locken!« 
Die Kräuterwichtelin aber winkte ab.
»Der ist jenseits von Gut und Böse. Vor dem braucht sich kein Wichtel zu fürchten!«

Und richtig, der Troll war überaus fröhlich und vor allem gesprächig. 
»Hört ihr Wichtel! Trolli ist bald reeeiiich! Trolli hat ein feines Buch geklaut!«
»Aubacke!«, raunte einer der Wichtel, »Nicht schon wieder! Das letzte Mal hat er die Schlüpfer unserer Frauen gestohlen. Die scheinen ihm auch keinen Wohlstand gebracht zu haben. Was wird es denn diesmal sein, was ihm Reichtum verspricht?«

»Hmmm …«, überlegte die Kräuterwichtelin, » … ich tippe auf verbotene Substanzen, schaut doch mal, was er da an seinen Wäscheleinen hängen hat!«
Und richtig, um die Behausung herum waren Leinen gespannt, an denen Blätter im Wind trockneten. 
»Nie im Leben ist der Troll unter die Hanfbauern gegangen. Der wird die Pflanze irgendwo gefunden haben! Kommt, wir machen uns auf den Weg Richtung Menschensiedlung, vielleicht finden wir dort die Lösung!«

Und richtig, als die Wichtel den Feldweg erreichten, der den Wald von dem angrenzenden Maisfeld trennte, sahen sie einen Menschen vor einem Blumentopf kauern.
»Ist das ein Menschentroll?«, fragte leise einer der Wichtel. Die weise Frau schüttelte den Kopf und antwortete: »Nein, das ist ein Kiffer!«
»Aha! Der scheint aber nicht im Heaven zu sein!«
Der Mensch machte einen erbärmlichen Eindruck. Er weinte und klagte, wischte sich den Schnodder mit den Ärmeln seines verschmutzten Pullover ab und heulte: »Gepflegt und gehegt habe ich mein Baby und kurz vor der Ernte das! Buuhhh huuuhuuu!«

Dabei betrachtete er den Stengel einer Pflanze, die ihrer Blätter beraubt schien. Dann stand er auf und gab dem Blumentopf einen wütenden Tritt. »Aua aua! Buuhhh huuuhhhuuu!« Humpelnd zog der Mensch von dannen.

Fragend sahen die Wichtel die Kräuterwichtelin an. Diese erklärte ihren Freunden: »Er wird die Pflanze im Maisfeld versteckt haben. Der Troll hat sie entdeckt und die Ernte eingefahren. Dumm gelaufen. Das sind verbotene Substanzen!«, und mit ernstem Blick mahnte sie: »Ob Mensch oder Troll, wen diese Pflanze nicht blöd macht, den macht sie doof! Also lasst die Finger von den Drogen!«

Der Troll saß immer noch an Ort und Stelle, als die Wichtel auf dem Rückweg an ihm vorbeikamen.
»Trolli wird bald reeeiich sein! Feines Buch hat Trolli geklaut!«

»Ich wusste nicht, dass Trolle lesen können!«, wunderte sich einer der Wichtel.
»Können sie auch nicht. Zumindest verstehen sie nicht die Bedeutung des Geschriebenen. Auf den Markt wird er das Zeug jedenfalls nicht tragen. Das wird er selbst verqualmen!«

»Dann gibt es für uns nur eine Rettung!«, folgerte ein Wichtel, »Wir können nur hoffen, dass der Wind dreht!«

Mit einem dumpfen Lächeln um die Mundwinkel lehnte sich der Troll an ein Buch und stotternd buchstabierte er den Titel: 
hexenhausgeflüster: Ein modernes Märchen für Erwachsene
der Bestseller der Woche aus dem Wichtelland – Kaufen! Lesen! Weiterempfehlen!

Winke winke und lasst die Finger von den Drogen!

Euer

Fido Buchwichtel

P.S. Hier könnt Ihr die Story mit den Wichtelschlüpfern nachlesen.

Nicht vergessen:
»Der Mörder und der Kinderschänder«
Ein Münsterland-Kriminalroman, der auf wahren Begebenheiten basiert.
Bei diesem Werk handelt es sich um einen Kriminalroman. Etwaige Ähnlichkeiten oder Namensgleichheit mit real existierenden Menschen wären rein zufällig. Alle beschriebenen Handlungen sind an die Realität angelehnt.

Unter dem Pseudonym - Tuna von Blumenstein - hat die Autorin fünf Kriminalromane veröffentlicht:

»Der Mörder und der Kinderschänder« 2025
 
ISBN: 9783769325911
Im Buchhandel erhältlich
 
Bei Thalia
und
Krimis der Tuna vB auch als eBook

Mittwoch, 7. September 2011

Mousse au Chocolat und Ingwer

Versuch einer Rezension von
Sylvia Bs »Nimm es nicht persönlich«
Walter-Jörg Langbein


Als ich den Titel »Nimm es nicht persönlich« las, musste ich an eine Szene aus dem genialen Film »Das Leben des Brian« (Monty Python!) denken. Die Mutter Brians wird gefragt, ob sie Jungfrau sei ... und gebeten, sie möge die Frage nicht persönlich nehmen. Die Mutter Brians reagiert empört: Persönlicher könne doch eine Frage nicht sein.

Als ich »Nimm es nicht persönlich« zum ersten Mal durchblätterte, schaute ich – ich geb's zu – zunächst die Fotos an. Und ich dachte: Die Frau hat einen schönen Po (um das Fünf-Buchstabenwort zu vermeiden)!

Als ich die Fotos genauer ansah, fiel mir auf, dass sie nicht nur erotisch im wirklichen Sinn des Wortes, sondern auch märchenhaft schön sind.

Ich suchte ... suche nach vergleichenden Worten. Ich versuche mich verbal an die Fotos heranzutasten. Ich wage es: Die Fotos zeigen eine erotische Fee. Ein Bild macht das besonders deutlich: Die zauberhafte Fee ... in einer märchenhaften Landschaft, ein wenig wüstenhaft-orientalisch ... von wallendem Stoff eher zart nachgezeichnet als verhüllt ... und passend dazu ein großer »Schmetterling«, der sich von der Fee angezogen fühlt und ihre Nähe sucht. Die Leichtigkeit des »Schmetterlings« passt zur Zartheit der Fee, die dabei standhaft dem sie umspielenden Wind trotzt.

Ich lese meine kläglichen Versuche, das zauberhafte Foto zu beschreiben ... und muss erkennen, dass Worte dem erotischen Zauber des Bildes nicht gerecht werden können.

Als ich die poetisch-erotischen Texte Sylvia B's las ... wurde mir klar, dass keine Rezension diesem Buch gerecht werden kann. Ich suchte – vergeblich – nach einem passenden Vergleich. Schokolade kommt mir in den Sinn, zartbitter, gefüllt mit Mousse au Chocolat und Ingwer ...

Man kann »Nimm es nicht persönlich« nicht wirklich zutreffend beschreiben, schon gar nicht in einer Rezension »zusammenfassen«. Ich kann nur empfehlen, dieses Buch zu lesen, die Fotos zu betrachten, das Buch als zauberhafte Komposition zu genießen.

So schlecht, denke ich, ist mein Vergleich mit Schokolade »Zartbitter, gefüllt mit Mousse au Chocolat und Ingwer« nicht. Zartbitter schreibt die Autorin ... eine romantische Zynikerin, eine zynische Verliebte, eine feenhafte Amazone, eine Prinzessin mit ehrlicher Freude am Sex, die den lahmarschigen Prinzen mit einem Tritt in den verlängerten Rücken aus dem Schloss befördert ...

Wieder lese ich meinen zaghaften Versuch einer Rezension, die diesem zauberhaften Buch nie und nimmer gerecht werden kann ... man muss es lesen, betrachten und genießen. Man muss es auf sich wirken lassen. Man muss zulassen, dass es die eigenen Sehnsüchte, Träume und Hoffnungen bewusster macht. »Nimm es nicht persönlich« ist ein persönliches Buch, wie es persönlicher nicht sein kann. Es ist ein erotisches Buch, in einer immer kälter werdenden Welt, in der Gefühle durch Kommerz ersetzt werden ... in der käufliche Pornografie als Ersatz für Erotik dienen soll.

»Nimm es nicht persönlich« ist ein zauberhaftes Meisterwerk, ein notwendiges Buch, ein wichtiges Buch, ein schönes Buch, ein verführerisches Buch. Um den Titel spielerisch zu ergänzen:

»Nimm es persönlich« ... in die Hand, schlag es auf, blättere betrachtend darin, lies es, genieße die Poesie der Fotos und der Texte!








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Samstag, 23. April 2011

»Ein Buch lesen! - Privat« Heute: Sylvia B.

In Teil 2 unserer Interview-Serie »Ein Buch lesen! - Privat« stellt sich Sylvia B. heute den Fragen von Ursula Prem.

Sylvia B.
Ursula Prem: Du siehst Dich nicht nur als Autorin, sondern als Kreative. Auf welchen Wegen verwirklicht sich Deine Kreativität?

Sylvia B.: Mein Vater war Kunstmaler und ein kreativer Mensch, seine Ideen setzte er um und ich würde bei seinem Tun von einer alltagstauglichen Kreativität sprechen. Mit seinen Schöpfungen verblüffte er sein Umfeld, und zu mir pflegte er dann immer zu sagen: »Man kann noch so dumm sein, man muss sich nur zu helfen wissen.« Diese alltägliche Kreativität habe ich genauso als Selbstverständlichkeit betrachtet, wie die Farbenlehre oder die Pinselführung. Er hat eindeutig den Grundstock gelegt. Vor Lichtjahren ist mir auf der Autobahn der Auspuff an meinem Wagen durchgebrochen. Es war die Zeit, als junge Leute mit wenig Geld noch alte Autos fuhren, an denen noch »geschraubt« werden konnte und in jedem Mülleimer irgendwelche Cola-Dosen zu finden waren. So habe ich mittels meiner Zange Boden und Deckel einer Dose entfernt, diese dann über die Bruchstelle geschoben. Das hielt, aber ich denke, die Dosen hatten damals noch eine andere Qualität als heute. Das meine ich mit Alltagskreativität. Als später der Fensterheber defekt war und ausgetauscht werden musste, habe ich aus dem alten Teil eine Halbskulptur geschaffen. Auf Schrottplätzen kann man übrigens die tollsten Sachen finden. Dass ich nie einen Schweißerschein gemacht habe, bereue ich übrigens. Wichtig bei aller Kreativität ist die Auseinandersetzung mit der Materie. Als ich mir Tiffanyobjekte  erstellte, habe ich mir die Technik selbst erarbeitet. Bewegung habe ich auch gestaltet, in einer Gruppe wurden daraus Choreografien. Dieses Handwerk habe ich erlernt.


Sylvia B.:
Fensterheber auf Acrylfugenmasse
 U.P.: Aus Deiner Antwort schließe ich, dass Kreativität nicht so sehr vom Ausdrucksmedium abhängt, sondern eine Lebenseinstellung ist. Hat Dir diese Haltung auch in Krisenzeiten geholfen?

S. B.: Du willst auf meine Morbus-Menière-Erkrankung hinaus. Da kamen mir andere Erfahrungen zugute. In jungen Jahren habe ich Wettkampfsport betrieben, da für mich Leistung messbar sein muss, war ich Leichtathletin. Tägliches Training war Vorbereitung für die Wettkämpfe, und bei denen ging es mir nicht in erster Linie um das Messen mit Gleichgesinnten, ich wollte gewinnen. Entsprechend war Kampfgeist vorhanden. Später habe ich mir dann törichte Dinge erlaubt, unter anderem habe ich den Aufstieg auf einen 6.000er gewagt. Da ging es nur darum, durchzuhalten. An die Grenzen meiner eigenen Belastbarkeit zu gelangen, war eine wichtige Erfahrung für mich. Morbus Menière war und ist allerdings kein sportlicher Gegner, er war, ist und bleibt mein Feind. Mental war ich ganz gut drauf, bei den Anfällen kam mir das Mantra zugute: »Halte durch. Du schaffst das«.


U.P.: Nachdem Du Deine Erfahrungen mit der Menière-Erkrankung in einem erschütternden Buch niedergelegt hattest, hast Du Dich einer anderen Seite der Literatur zugewandt: der Satire. Deine dreibändige Lieschen-Reihe ist ein echter Hochgenuss. Wie der bisher letzte Band »ForenTroll: Ein modernes Märchen für Erwachsene« zeigt, interessieren Dich die Umtriebe in Internetforen, besonders das Trollwesen, das ja bekanntlich die einzige gesellschaftlich akzeptierte Form der Gewalttätigkeit darstellt ...

Sylvia B.:
meniére desaster
S. B.: Das Menière-Buch musste ich schreiben, damit ich darin lesen, damit ich diesen Abschnitt meines Lebensbuches zuschlagen konnte. Es endet mit der Gentamizinbehandlung. Gentamizin ist die »Ultima Ratio«. Eine ohrtoxische Substanz, die gnadenlos wirkt. Aber ich musste etwas in mir töten, damit ich wieder leben konnte. Im Grunde genommen kann ich ja froh sein, dass es diese Möglichkeit als letzten Ausweg für mich gab. Vincent van Gogh musste einen anderen Weg beschreiten. Wenn ich mir vorstelle, dass er erst am Anfang seiner Schaffenszeit war, mit 37 Jahren. Hätte es damals schon diese Behandlungsmöglichkeit gegeben, was hätte er der Menschheit für Werke hinterlassen?
Zu der Forentrollproblematik hat Sascha Lobo auf der re:publica XI interessante Ansätze gebracht. Wobei ich da meine Überlegungen mehr auf die Ursachenforschung richte. Wer sich für dieses Thema interessiert, kommt an Hurrelmann nicht vorbei. Es ist doch schon vor mehr als 20 Jahren eine Entwicklung absehbar gewesen. Was ich zu bemängeln habe ist, dass seinerzeit sehr wohl Projekte auch und gerade zur Gewaltprävention initiiert worden sind, die auch durchaus erfolgreich waren. Diese wurden entsprechend beschrieben und dann war es das. Fördermittel, um Maßnahmen weiterzuführen waren nicht mehr vorhanden. Aber die Verantwortung kann nicht nur in die öffentliche Hand gelegt werden.

Sylvia B.:
Forentroll
Vor 20 Jahren wuchsen die Wohlstandskids heran. Da ging Mama putzen, damit der Sohnemann eine Musikausbildung erhielt oder die Tochter in Markenklamotten zur Schule gehen konnte. Die Kinder von damals sind die Erwachsenen von Heute. Müßig zu überlegen, wer von beiden seinen Weg gegangen ist. Die Situation ist doch die: Wer einer Berufstätigkeit nachgeht, und das 38,5 bis 50 Stunden in der Woche, wird wohl nicht unbedingt seine knapp bemessene Freizeit als Forentroll verbringen. Das sind Leute mit entsprechender Tagesfreizeit, die wenig Respekt vor der Leistung anderer erkennen lassen. Letztendlich haben diese Egomanen nie laufen gelernt, wie auch, sie bekamen ja alles in den Hintern geschoben. Das, was sich jetzt abzeichnet, ist doch erst der Anfang. Wer mehr als 30 Jahre so konditioniert worden ist, ändert sein Verhalten nicht mehr. Die guten Worte kann man sich sparen, da kann man besser einen Groschen in die Parkuhr werfen und sich mit der unterhalten.


U.P.: Das klingt nicht unbedingt optimistisch. Woher nimmst Du dennoch die Kraft, immer weiter kreativ zu arbeiten?

S. B.: Das klingt in der Tat nicht optimistisch, aber es ist ein Problem, das ich wohl als solches sehe, das ich aber nicht lösen muss. Natürlich beschäftigt es mich. Es regt mich auch auf, wenn ich mit einem Forentroll zu tun habe, aber in den 20 Jahren, in denen der Menière als solcher nicht diagnostiziert war, galt ich als Simulant und konnte mir ganz andere Sprüche anhören. Damit will ich nicht sagen, dass ich abgestumpft bin. Nach einer solchen Zeit, die ja noch in der Folge in einen Burnout endete, sehe ich die Dinge eher abgeklärt, irgendwie differenzierter. Ich denke, es gab zwei Möglichkeiten: Entweder ich zerbreche daran, oder ich bade in Drachenblut. Wobei ich mich für letzteres entschieden habe. Entscheidend war für mich auch die Erkenntnis, dass ich mich auf der Machtebene aufgehalten habe. Deshalb fühlte ich mich ohnmächtig. Nun bin ich kein Machtmensch. Als mir diese Erkenntnis bewusst wurde, konnte ich mich auf die höhere Ebene begeben, die der Verantwortung. Für mein Wohl bin ich selbst verantwortlich. An Sport ist mir Gymnastik geblieben, da beginne ich schon morgens mit meinem Programm.
Rosenstolz trägt in »Ich bin ich« vor: »…Hab mein Gleichgewicht verlorn’ doch kann trotzdem g’rade stehn…«. Das trifft für mich auch zu. Diesen Status quo halte ich bei. Das geht nur durch Disziplin. Aber es verschafft mir Lebensqualität, daraus ziehe ich meine Kraft.

Kater »Söhnke«
U.P.: In Deiner Biografie heißt es: »Mit ihrem Hund, vier Katzen und 14 Goldfischen lebt sie irgendwo im Münsterland.« Eine Deiner Katzen, namens Äugelchen, hast Du sogar in Deinem Buch »hexenhausgeflüster: Ein modernes Märchen für Erwachsene« literarisch verarbeitet. Inspirieren Dich Deine Tiere?

S. B.: Liebe Ursula, Du kennst den Satz: Ein Hund hat ein Herrchen (Frauchen), eine Katze hat Personal! Nichts anderes bin ich für mein Katzengeschlunse. Die inspirieren mich nur bedingt, sie halten mich vielmehr auf Trab. Aber sie scheinen sich wohl bei mir zu fühlen, sonst würden sie weglaufen. Äugelchen hat natürlich, bedingt durch ihre Behinderung, eine Sonderstellung.

Sylvia B. in ihren geliebten
»Birkenstöckis«
Diese Vita hatte einen besonderen Grund. Sie ist in Verbindung mit dem Bild von mir zu sehen, das ich kurz beschreibe: Eine Frau steht mehr als lässig an eine Wand gelehnt, sie trägt eine Leggins, Schlabberpulli und Gesundheitslatschen. In der einen Hand ein Telefon am Ohr, in der anderen Hand eine Zigarette. Die Haare sehen aus, als hätte sie die Nacht mit den Zehen in der Steckdose verbracht. Seien wir ehrlich: Eine solche Darstellung geht gar nicht. Und um dem Klischee noch eins draufzusetzen, kommt der Text: Ein Hund, vier Katzen. Das dürfte an sich schon auf Schwierigkeiten hinweisen, aber vier Katzen und die Goldfische, das ist doch ein Unding. Das Bild beweist das Gegenteil: Es geht doch. Es ist möglich, das scheinbar Unmögliche möglich zu machen. Das ist die Kunst dabei. Es gibt Kritiker, die sagen, dass es »Unmöglich« sei, ohne Punkt und Komma, nur klein geschrieben eine Publikation auf den Markt zu bringen. Die Kunst bestand für mich darin, auch dieses »Unmögliche« möglich zu machen. Eine gewisse Art der Leichtigkeit in alles zu bringen, was ich mache, war für mich nicht so einfach, bei all der Schwere, die eine solche Krankheit und ihre Folgen mit sich bringt. Mir kam da ein Schlüsselerlebnis zur Hilfe. Beruflich hatte ich in Grainau zu tun und es ergab sich, dass ich mich einer kleiner Gruppe anschloss, die in der Mittagspause per Taxi und Bahn und von dort auf das Zugspitzplatt aufmachte. Oben angekommen stand ich in Stöckeln und kurzem Italiener, habe gefroren wie ein Schneider, aber das gehörte dazu. Die Aussicht habe ich genossen und mir dabei überlegt, dass ich auch ohne große Mühe einen Gipfel erreicht habe. Auf dem Rückweg zum Hotel habe ich mir dann überlegt, dass es mir gelingen müsste, einen Weg zwischen beiden Extremen zu beschreiten.


 Der Tote
im Zwillbrocker Venn
 U.P.: Liebe Sylvia, das Unmögliche möglich zu machen scheint ein Leitmotiv Deines Lebens zu sein. Das Unerträgliche in eine künstlerische Form zu gießen, das ist der Weg eines geborenen Kriegers. Das ist Dir im Umgang mit Deiner Krankheit ebenso gelungen, wie in Deinen Büchern oder Deinen Bildern. In diesem Zusammenhang fallen mir auch die Illustrationen und Gedichte ein, die Du zu dem Krimi »Der Tote im Zwillbrocker Venn« von Tuna von Blumenstein geschaffen hast. Wird es eine weitere Zusammenarbeit mit Tuna von Blumenstein geben, einen weiteren Krimi vielleicht?

S.B.: Meine Beiträge in Tunas Krimi sind eine Mischung aus Lyrik und Prosa, Gedichte trifft es aus meiner Sicht nicht, aus meinem Verständnis sind es Texte. Für mich haben normalerweise Gedichte oder solche Texte in einem Krimi nichts zu suchen, es weckt Assoziationen in mir, die in die Richtung gehen »Italienisches Fernsehballett in den 60er Jahren« oder Filmschnulzen, in denen der schöne Held plötzlich das Singen beginnt. Somit wieder etwas, was selbst ich als »Unmöglich« bezeichnen würde. Nun gestaltet es sich in dem Krimi »Der Tote im Zwillbrocker Venn« für mich akzeptabel, denn die Texte sollten nicht als Deko fungieren. Sie sind Gedanken einer in sich zerrissenen Person, die eine wichtige Rolle in dem Krimi spielt. Ein Experiment, das ich als gelungen betrachte, das aber in dieser Form nicht in einem weiteren Krimi unterzubringen ist. Aber da ich für alles offen bin, werden sich vielleicht andere Möglichkeiten der Zusammenarbeit anbieten. Was ich weiß: Es ist ein weiterer Krimi in der Mache, zum Spätsommer dürfte es wieder spannend werden.

Sylvia B.
U.P.: Welches ist Dein größter Wunsch für die Zukunft?

Liebe Ursula, das mit den Wünschen ist so eine Sache, zumal ich weiß, dass ich nicht das bekomme, was ich mir wünsche, sondern das, was ich brauche. Und da ich auf meine täglichen Lachsalven angewiesen bin, mich nach Möglichkeit nur noch mit Menschen umgebe, mit denen ich auch lachen kann, weiß ich natürlich, dass mir das Team von »Ein Buch lesen!« noch lange erhalten bleibt. Aber wenn Du mich so eindringlich nach meinem größten Wunsch für die Zukunft fragst und ich Dir die Antwort nicht schuldig bleiben möchte, dann wünsche ich mir, Dich auf der Bühne zu erleben. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass der Rest des Teams mit mir dann in der ersten Reihe sitzt.

U.P.: :-), Nun ja, mal sehen, was die Zukunft bringt. Aber wie auch immer: Wir bleiben ein Team! Liebe Sylvia, danke für dieses wundervolle Interview!

 


Dazu weitere Beiträge:


... Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, der Meinung sind, dass Julius Caesar, Vincent van Gogh oder Martin Luther Epileptiker waren, dann revidieren Sie bitte Ihre Meinung. Diese Männer litten, so wie ich auch, an Morbus Menière ...

Serie Teil 2:Morbus Menière – Drehschwindel 

... Morbus Menière ist eine sogenannte Ausschlussdiagnose, d.h. es müssen viele andere Ursachen als Verursacher ausgeschlossen werden, bevor die Diagnose als solche gestellt werden kann ...

Serie Teil 3:Morbus Menière – Das Gleichgewicht und das Gehör

... Der Mensch hat normalerweise zwei Innenohre, rechts und links, darum auch zwei Gleichgewichtsorgane. Bei mir sind beide Seiten in unterschiedlicher Schwere geschädigt. Da aber der Sehnerv an das Innenohr gekoppelt ist, kann ich sehen, wo oben und unten ist ...

Serie Teil 4:Vincent van Gogh und Morbus Menière

... Von Liebe, Leid und Dunkelheit - Es ist nie geklärt worden, warum sich Vincent van Gogh bei einem Streit mit Paul Gauguin ein Stück seines Ohres abschnitt. Für mich, als Menière Patientin ist diese Angelegenheit allerdings völlig klar ...

Serie Teil 5:Morbus Menière

... Von Balance, Gymnastik und Meditation - In irgendeiner Ecke meines Lebens steht Morbus Menière etwas orientierungslos herum. Der Rest meines Lebensraumes ist angefüllt mit kreativen Tun und positiver Einstellung zum Leben und damit mit Lebensqualität, die ich mir selber schaffe. So kann ich auch meine innere Balance, das seelische Gleichgewicht, bewahren. Trotz allem ...

Serie Teil 6:Morbus Meniére und der Pawlowsche Hund

Gerade in der schlimmen Zeit vor der Gentamicinbehandlung, damals kamen die Anfälle in immer kürzeren Abständen, hatte ich das Gefühl, wie ein Pawlowscher Hund zu reagieren. Klingelte das Glöckchen des Meniére? Ständig hörte ich irgendwelche Glocken, die den nächsten Tsunami in meinem Innenohr einläuteten.

Serie Teil 7:Morbus Meniére und die Würde des Menschen

... Die Würde des Menschen ist unantastbar (Art. 1 Abs. 1 Grundgesetz) - Jeden Meniére - Anfall habe ich bei vollem Bewusstsein ertragen müssen. Mit klaren Gedanken die eigene Hilflosigkeit erdulden zu müssen, ist aus meinem Selbstverständnis heraus, nicht nur quälend, sondern auch entwürdigend ...


Auch noch:
»Der Mörder und der Kinderschänder«
Ein Münsterland-Kriminalroman, der auf wahren Begebenheiten basiert.

Bei diesem Werk handelt es sich um einen Kriminalroman. Etwaige Ähnlichkeiten oder Namensgleichheit mit real existierenden Menschen wären rein zufällig. Alle beschriebenen Handlungen sind an die Realität angelehnt.


Unter dem Pseudonym - Tuna von Blumenstein - hat die Autorin fünf Kriminalromane veröffentlicht:

»Der Mörder und der Kinderschänder« 2025
 
ISBN: 9783769325911
Im Buchhandel erhältlich
 
Bei Thalia
und
Krimis der Tuna vB auch als eBook





Donnerstag, 3. Dezember 2009

liebe lyrich
mir geht es gut
deine post habe ich bekommen
und möchte dir auch
etwas berichten
dass michalski seine reise beenden musste
ist bedauerlich
man soll halt immer auf die dachdecker aufpassen
aber laut information
des innenministeriums
soll michalski zu umfassender kooperation
bereit sein
wenn er denn
ein signiertes exemplar
des ForenTroll
bekommt
vielleicht gibt es da eine möglichkeit
jedenfalls viele grüße
und alles gute
dein
lieschen




herr michalski auf tour

liebes lieschen
wie geht es dir
mir geht es gut

Du wirst bestimmt aus der zeitung erfahren haben
dass der herr michalski seinen urlaub vorzeitig
in schermbeck beenden musste
es wird in den medien zwar anders dargestellt
aber ich gehe in der tat von einer halb genehmigten aktion
des herrn michalski aus immerhin dürften auch ihm
mindestens vierundzwanzig urlaubstage im jahr zustehen
wenn er denn einen entsprechenden tarifvertrag hat
was ich einmal vermute

wie dem auch sei liebes lieschen
der herr michalski hatte mit sicherheit nicht vor
in schermbeck zu bleiben nein
vielmehr war er nur auf der durchreise

er hatte schließlich urlaub gemacht
und seine planung war die
unter zuhilfenahme der neu erstellten radwanderkarte
auf pättkes an wiesen und weiden vorbei von schloss zu schloss
entlang der gut ausgebauten radwanderwege des westmünsterlandes
radelnd auszuspannen und die seele baumeln zu lassen

lieschen so und nicht anders muss es gewesen sein
diese neue karte die der herr michalski sicher bei sich trug
hätte ihn zu zahlreichen stätten geführt von denen alte sagen erzählen
der lehrer »Hermann Büscher aus Westenborken« hat über viele jahre
diese geschichten aus dem borkener umkreis gesammelt
und sein werk erschien 1930 als die »Bramgau-Sagen«
entlang der radstrecke sind an haltestellen diese aufzeichnungen
auf hinweisschildern nachzulesen

herr michalski ist sicherlich ein freund von märchen und sagen
vermute ich einmal und darum hat er im westmünsterland
seinen radwanderurlaub verbringen wollen

nun weißt Du ja
dass meine märchen auch hier geschrieben wurden
vielleicht hat er sie ja gelesen
sie handeln von der region die »briefe an lieschen«
und auch das »hexenhausgeflüster« spielt hier
mein »ForenTroll« nicht
das ist ein internetmärchen
und das buch wird erst in den nächsten tagen
im handel erhältlich sein

jetzt kommt mir ein gedanke liebes lieschen
der herr michalski hatte doch nicht etwa vorgehabt
hier in borken rast zu machen und
vorab einen »ForenTroll« vielleicht sogar mit widmung
von mir zu erhalten

wie dem auch sei
er hat seine reise in schermbeck beenden müssen
und weißt Du was lieschen
ich denke das ist auch ganz gut so
denn wenn er wirklich ein buch von mir haben will
dann soll er es im handel bestellen
das müssen alle anderen auch

einen lieben gruß liebes lieschen

von deiner

lyrich





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