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Sonntag, 30. Juli 2017

393 »Wo Medizinmänner mit Teufeln sprachen«

Teil  393 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Pyramidenkomplex von Túcume im Überblick

Zweitausend Kilometer Küste hat Peru zu bieten. Weite lebensfeindliche Wüsten wirken wenig anziehend auf heutige Besucher. Und doch bietet eben diese kahlen Ebenen am »Stillen Ozean« ungeahnte Schätze, die sich viele Touristen auch heute noch, zu Beginn des dritten Jahrtausends nach Christus, entgehen lassen. Im Norden Perus, einen »Katzensprung« von der Grenze zum heutigen Ecuador entfernt, liegt Túcume, ein unscheinbares Dorf. Die schlichten Hütten kleben förmlich am wohl größten Pyramidenkomplex der Welt.

Warum ist das Interesse an derlei Mysterien aus riesigen Pyramiden aus Millionen von Lehm-Ziegeln nach wie vor gering? Warum werden selbst die hervorragenden Museen vor Ort viel zu wenig beachtet? Das mag daran liegen, dass die riesigen Pyramiden-Komplexe im Raum Lambayeque auf den ersten und zweiten Blick so imposant nicht sind. Man übersieht sie aus der Distanz leicht, weil sie – so groß sie sind – im Wüstenboden zu verschwinden scheinen.

Foto 2: Pyramiden, Mauern, Plattformen von Túcume

Thor Heyerdahl schreibt in seinem sehr informativen Werk »Die Pyramiden von Tucumé«, das leider nur noch antiquarisch erhältlich ist (2): »Als die spanischen Eroberer im frühen 16. Jahrhundert auf der Inkastraße an den Pyramiden von Tucumé vorüberritten, waren sie von dem Anblick dieser gewaltigen Monumente aus einer vergessenen Vergangenheit überwältigt. Tausende von modernen Touristen dagegen sind auf der neuen Fernstraße vorübergerauscht, ohne zu ahnen, was ihnen verborgen blieb: die Pyramiden von Tucumé, die durch Erosion eine wirkungsvolle Tarnung erhalten haben. Eine noch bessere Tarnung bieten ihre Dimensionen: Bleichen Sandsteingebirgen gleich ragen sie im tropischen Sonnenschein hoch auf, die blauen Anden als Schatten im Hintergrund.«

Thor Heyerdahl spricht davon, dass die Monsterbauten (3) »gegen Ende des 20. Jahrhunderts ins Rampenlicht gerieten«, Weltwunder sozusagen, die sich bis dahin »über die Ebenen auftürmten, als wären sie dort vom Schöpfer selbst hinterlassen worden. Gleichzeitig jedoch schienen sie ebenso unwirklich wie Gespenster zu sein.«

Foto 3: Schutzdächer für Archäologen (Túcume)

Die Pyramiden sehen auf den ersten und zweiten Blick gar nicht wie von Menschenhand errichtete Bauwerke riesigen Ausmaßes aus, sondern wie wenig attraktive Hügel. Die geradezu manchmal höllischen Temperaturen laden auch nicht unbedingt dazu ein, die Denkmäler verschwundener Kulturen zu besuchen. Noch heute nennt man die Pyramide von Túcume (4) im Dörfchen Túcume »El Purgatorio«, zu Deutsch »Das Fegefeuer«. Warum?

Ein Geistlicher vor Ort hatte eine Erklärung parat, die ich in dieser Form nirgendwo in der Literatur gefunden habe: »Die heidnischen Erbauer opferten auf den Pyramiden ihren Göttern Menschen, als es eine Hungersnot gab. Man glaubte, die Götter seien zornig und man müsse sie mit Blut besänftigen. Als aber die Götter stumm blieben und nicht helfend eingriffen, steckten die Heiden die Tempel auf den Pyramiden in Brand und verließen die Stätte des Grauens!« Tatsächlich hat der katholische Klerus die Pyramiden von Túcume seit Jahrhunderten zum abscheulichen Erbe der heidnischen Vorfahren erklärt, zum (5) »Ort, an dem die Medizinmänner der Vergangenheit und der Gegenwart mit den Teufeln kommunizierten«.

Foto 4: Pyramide an Pyramide 
oder Rampe und große Pyramide?

Die riesigen Pyramiden von Lambayeque – Treffunkt von Menschen und »Teufeln«? Meine Meinung: Die Pyramiden im Raum Lambayeque sind künstlich geschaffene Berge. Ich vermute sogar, dass weltweit alle Pyramiden mythologische Berge darstellen. Die ältesten künstlichen Berge sind die Zikkurats, die vor Jahrtausenden in Babylon entstanden. Ein Zikkurat, Ziggurat oder Ziqqurat war, ja was denn? Der Name verrät es uns: Ein »Schiggorat« war »hoch aufragend, hoch aufgetürmt, ein Himmelshügel, ein Götterberg«. Erinnern wir uns! Der allmächtige Gott des Alten Testaments landete auf dem Berg Sinai. Er fuhr aus himmlischen Gefilden herab, mit Schnauben, Feuer und Rauch. Und das war alles andere als ungefährlich für die Menschen. So musste ein Schutzzaun um den vorgesehenen Landeplatz errichtet werden, um die Menschen von der Gefahrenzone fernzuhalten (6): »Mose aber sprach zu Jahwe: Das Volk kann nicht auf den Berg Sinai steigen, denn du hast uns verwarnt und gesagt: Zieh eine Grenze um den Berg und heilige ihn.« Noch einmal zitiere ich aus dem Altem Testament (7): »Der ganze Berg Sinai aber rauchte, weil Jahwe auf den Berg herabfuhr im Feuer; und der Rauch stieg auf wie der Rauch von einem Schmelzofen und der ganze Berg bebte sehr.«

Kamen die himmlischen Götter weltweit aus himmlischen Gefilden herab, um auf Bergen zu landen? Auf den Pyramiden von Túcume sollen Teufel mit Medizinmännern kommuniziert haben. Waren damit die Götter der Pyramidenbauer gemeint, die sich auf den künstlichen Pyramidenbergen mit Menschen trafen? Wollten die Menschen von Lambayeque ihren Göttern unbedingt näher kommen? Waren es die »Oberpriester«, die auf die Spitzen der Pyramiden klettern durften, so wie es Moses erlaubt war, den Berg Sinai zu ersteigen, um sich hoch oben zwischen Himmel und Erde mit »Gott« zu treffen? Wurden im Zuge der Christianisierung aus den Himmelsgöttern der Pyramidenbauer im christlichen Sprachgebrauch Teufel? Das ist eine Spekulation, gewiss, aber eine – wie ich meine – berechtigte!

Foto 5: Imposanter Teilbereich des Pyramidenkomplexes (Túcume).

Vor Ort erlebte ich, wie an einer der Lambayeque-Pyramiden archäologische Ausgrabungen vorgenommen wurden. Die Wissenschaftler hatten über ihrer Ausgrabung ein schützendes Dach errichtet. Zum einen diente es als Sonnenschutz für die Archäologen. Zum anderen sollten auf die Pyramide dort, wo man die äußere schützende Schicht entfernt hatte, möglichst wenig schädliche Witterungseinflüsse einwirken. Vor allem wollte man vermeiden, dass Regenschauer Schäden anrichten können. Ich fragte einen Studenten, der mit großer Geduld Sand siebte, in der Hoffnung, kleine Artefakte aus alten Zeiten zu finden:


»Wurde schon eine Datierung der Pyramidensubstanz vorgenommen?« Der Student erklärte mir, das sei sehr schwierig. »Die äußere Schicht der Pyramide muss nicht zwangsläufig aus der Zeit des Pyramidenbaus stammen. Es ist durchaus möglich, dass im Lauf der Jahrhunderte die Pyramide immer wieder eine neue Schutzschicht erhielt. Wir wissen ja auch von den Inka, dass sie alte Pyramiden immer wieder überbauten, ihnen neue Außenhüllen aus Stein verpassten. Warum sollte das nicht auch bei den Pyramiden von Lambayeque der Fall sein?«

Foto 6: Abgeflachte Pyramide von Túcume

Wir wissen also nicht, wann im Bereich von Lambayeque mit dem Bau der ersten Pyramiden begonnen wurde. Womöglich wurden die ältesten Strukturen durch Anbauten auch immer wieder erweitert, so dass schließlich komplexe Strukturen entstanden. Mag sein, dass erst da und dort Pyramiden aufgeschichtet wurden, die man dann mit Monstermauern aus Ziegeln miteinander verband. Mag sein, dass die augenscheinliche Erosion so großen Schaden angerichtet hat, dass wir nie erfahren werden, wie die Pyramidenkomplexe einst ausgesehen haben. Vielleicht ist ja mal das Glück auf Seiten der Archäologen und sie entdecken Baupläne, so es die denn je gegeben haben sollte.


Manchmal drängt sich mir ein Verdacht auf: dass wir gar nicht alles wissen sollen, was wir wissen könnten. Was Wissenschaftler herausgefunden haben, das passt nicht immer zum aktuellen Wissensstand. So erfuhr ich vor Ort, dass im  Umfeld der Pyramiden von Túcume und Sipán »einige kostbare Masken« gefunden wurden, die ein Merkmal aufweisen, das nun gar nicht zu Südamerika passt: Sie hatten eingelegte blaue Augen!

Foto 7: Auch das sind künstliche Strukturen

Bis heute konnte ich in der wissenschaftlichen Literatur keinen einzigen Hinweis auf diese Masken mit blauen Augen finden. Ich konnte auch keine Maske in den Museen vor Ort (1) entdecken. Nur Thor Heyerdahl erwähnt eine (8) »auffallend blauäugige Mumienmaske von Sipán«, die er seinem Bekunden nach selbst in Händen hielt.

Hatten die Erbauer der Pyramiden also blaue Augen und woher kamen sie? Woher kam der erste Herrscher, Ñaymlap per Floß? Gab es Kontakt mit Europa, als die ersten Pyramiden an der Küste Perus gebaut wurden? Gab es lange vor Kolumbus europäische »Entdecker«? Gab es lange vor Kolumbus weltweite Seefahrt? Wurden die Ozeane schon sehr viel früher überquert als man heute noch glauben zu müssen meint? Am 8.5.2013 berichtete die Tageszeitung »Welt« (9):

»Wie kamen blonde Weiße vor Kolumbus nach Peru? Als die Konquistadoren in die Anden kamen, staunten sie über die hellhäutigen Chachapoyas. Nach genetischen Untersuchungen ist sich Hans Giffhorn sicher: Es handelt sich um Nachfahren von Kelten. Wer sich die Hinterlassenschaften der Kelten anschauen möchte, fährt naheliegender Weise zu den einschlägigen Orten in Deutschland, nach Frankreich und in andere Länder Westeuropas, um Überreste von Siedlungen, Grabstätten und Verteidigungsanlagen zu finden. Hat er sie alle durch, kann er allerdings auch nach Südamerika fahren, um am Ostrand der Anden Bauwerke und andere kulturelle Errungenschaften jenes frühen europäischen Volkes und seiner Nachfahren zu bewundern – alles aus einer Zeit viele Jahrhunderte vor der ersten Überfahrt von Christoph Kolumbus. Kelten waren nämlich lange vor Kolumbus in der Neuen Welt. Gemeinsam mit Karthagern.«

Foto 8: Pyramide und Wüstenei verschmelzen scheinbar

Es gibt durchaus Hinweise auf für bislang in der Wissenschaft bestrittene sehr frühe Besucher aus Europa in Peru. Sollten gar die Erbauer der nordperuanischen Riesenfestung Kuelap in den Hochanden ursprünglich aus Europa gekommen sein (10)? Noch sind derlei Spekulationen für die anerkannte Schulwissenschaft ein böses Sakrileg. Noch, so scheint mir, wagen Wissenschaftler aus Angst um ihr Renommee nicht, in dieser Richtung auch nur zu forschen. Wird sich daran etwas ändern? Kann sich daran überhaupt kurzfristig etwas ändern? Warum sträuben wir uns so sehr gegen die Vorstellung, dass die Menschheitsgeschichte nicht linear verlief? Weil wir Menschen des 21. Jahrhunderts uns unseren Vorfahren unbedingt haushoch überlegen fühlen möchten? Können wir nicht akzeptieren, dass die Menschheit vor Jahrtausenden sehr viel fortgeschrittener war als unsere Väter und Großväter? Die Bauten von Lambayeque und Kuelap stehen in keiner direkten Verbindung. Es wurden ganz unterschiedliche Baumaterialien verwendet. Und doch haben sie vielleicht etwas gemeinsam. Sie alle könnten nämlich Zeugnis ablegen für eine Hochkultur, die lange vor Kolumbus Transatlantikreisen beherrschte. Derlei Reisen darf es aber nach aktueller Wissenschaft nicht gegeben haben, also kann es auch nicht zu derartigen Reisen über die Meere gekommen sein?


Foto 9: Die Stadt der Wolkenmenschen (Chachapoyas)

Fußnoten
1) Diese Museen sind ein »Muss«:
»Museo Tumbas Reales de Sipán«, das »Museum der Königsgräber von Sipán«, Lambayeque
»Museo Arqueologico Nacional Brüning«, Lambayeque
»Museo de Sitio de Tucume«
»Museo de sitio Huaca Rajada«, Sipan
2) Heyerdahl, Thor: »Die Pyramiden von Tucumé«, München 1995, S. 8, Zeilen 1-7 von unten und Seite 10, Zeilen 1 und 2 von oben
3) ebenda, S.10, Zeilen 3-7 von oben
4) Heutige Schreibweise ist Túcume, nicht mehr Tucumé.
5) Heyerdahl, Thor: »Die Pyramiden von Tucumé«, München 1995, Seite 10, Zeilen 11-13 von oben
6) 2. Buch Mose Kapitel 19, Vers 23
7) 2. Buch Mose Kapitel 19, Vers 18
8) Heyerdahl, Thor: »Die Pyramiden von Tucumé«, München 1995, S. 17, 2. Zeile von unten
9) Meine Quelle ist die Online-Version des zitierten Artikels!
10) Meine Quelle ist die Online-Version des Artikels »Die Kelten kamen bis nach Peru«  der »Wienerzeitung« vom 20.9.2013


Foto 10: Eingang zum Komplex Kuelap


Zu den Fotos
Foto 1: Pyramidenkomplex von Túcume im Überblick. Foto wikimedia commons/ Euyasik
Foto 2: Pyramiden, Mauern, Plattformen von Túcume. Foto wikimedia commons Lomita
Foto 3: Schutzdächer für Archäologen (Túcume). Foto wikimedia commons Lourdes Cardenal
Foto 4: Pyramide an Pyramide oder Rampe und große Pyramide? Foto wikimedia commons Euyasik
Foto 5: Imposanter Teilbereich des Pyramidenkomplexes (Túcume). Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Abgeflachte Pyramide von Túcume. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Auch das sind künstliche Strukturen. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Pyramide und Wüstenei verschmelzen scheinbar. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 9: Die Stadt der Wolkenmenschen (Chachapoyas). Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 10: Eingang zum Komplex Kuelap. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 11: Walter-Jörg Langbein unterwegs im Reich der Wolkenmenschen. Foto Ingeborg Diekmann


Foto 11: Walter-Jörg Langbein 
unterwegs im Reich der Wolkenmenschen. 
Foto Ingeborg Diekmann


394 »Auf der Suche nach der ältesten Pyramide«,
Teil  394 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 06.8.2017

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Sonntag, 17. Januar 2016

313 »Dicke Steine«

Teil 313 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Jürgen Huthmann im Gespräch mit Dieter Bremer


In Memoriam
Jürgen Huthmann
6. Oktober 1937 – 11. Januar 2016


Foto 2:  Mauerwerk....Foto Carola Gronemann-Habenicht

Am 17. Januar 2010 – also auf den Tag genau vor sechs Jahren – erschien Teil 1 meiner Serie »Monstermauern, Mumien und Mysterien«: »Kuelap, eine geheimnisvolle Metropole der Chachapoyas«. Sechs Jahre läuft nun »Monstermauern, Mumien und Mysterien«, Sonntag für Sonntag. 312 Folgen sind erschienen.

Wie viele Fotos mögen im Rahmen der Serie publik gemacht worden sein? Ich schätze vorsichtig:1500 Fotos. Und wie umfangreich mag das Manuskript sein, das da Sonntag für Sonnag bei »Ein Buch lesen« eingesehen werden konnte? Vorsichtig geschätzt: 1500 Seiten!

Sechs Jahre »Monstermauern, Mumien und Mysterien«… Ich schreibe gerade an Folge 313. Ursprünglich sollte es nur zehn Folgen geben, dann peilte ich 100 an. Ich denke an den Sommer 2010 zurück… Heftige Leibschmerzen peinigten mich, wurden immer schlimmer. In der Nacht wurde es unerträglich. »Du musst ins Krankenhaus…«, meine meine besorgte Frau. Da fiel mir ein, dass ich die Serienfolge für den kommenden Sonntag noch nicht fertig geschrieben hatte. Also ging ich, wankte ich in mein Büro, ließ den Rechner hochfahren. Die Schmerzen wurden schlimmer.

Foto 3: »Inkamauer auf der Osterinsel«
Meine Frau wählte »112«, schilderte meine Qualen. Ich schrieb weiter. Als schließlich zwei Sanitäter an der Haustür klingelten, war ich mit dem Text gerade fertig. Ich mailte Text und Fotos an meine Kollegin Ursula Prem. »Wer ist hier der Patient?«, fragte einer der Sanitäter. »Das bin ich…«, rief ich, immer noch am Rechner sitzend. Die beiden Sanitäter waren, gelinde gesagt, fassungslos. »Wenn Sie am PC arbeiten können, kann es ja so schlimm nicht sein!«, meinte einer. Ich gab kleinlaut zu: »Ich glaube, der Schmerz lässt nach… Vielleicht hat ja die Ablenkung geholfen, musste mich ja auf das Schreiben konzentrieren…«

Schließlich einigten wir uns darauf, dass ich darauf verzichte, ins Krankenhaus geschafft zu werden. Ich fürchte, die beiden Sanitäter konnten mein Verhalten nicht verstehen. Sie dachten wohl an »blinden Alarm«. Dabei wollte ich nur – dem schlimmen Schmerz zum Trotz – nur eine Unterbrechung meiner Serie vermeiden.

Es kam auch nicht zu einer Unterbrechung. Am 29. August 2010 erschien dann Folge 33 meiner Sonntagsserie, betitelt »In der unvollendeten Grabkammer – Teil I«. Ich aber landete dann doch noch in der Nacht im »St. Ansgar Krankenhaus« zu Höxter… Gallenkolik, Gallensteine… Operation. Ich muss zugeben: Gallensteine hatte ich schon seit Jahren, sie meldeten sich immer wieder mit wachsender Schmerzhaftigkeit. Jetzt wurde ich operiert, wurde Gallenblase nebst dicken Steinen los. Die Serie, damals noch in den sprichwörtlichen »Kinderschuhen«, lief weiter, ohne Unterbrechung! Vor dem »St. Ansgar Krankenhaus«, Höxter, steht ein Kunstwerk, geschaffen von Wladimir Zlatkov: ein Engel (Fotos 3 und 13).

Foto 4: Engel vor dem Krankenhaus
Sechs Jahre »Monstermauern, Mumien und Mysterien« sind auch so etwas wie ein Spiegelbild meiner Reisen, die ich unternommen habe, um für meine Bücher vor Ort zu recherchieren. Wenn ich zurückdenke, so drängt sich mir eine Beobachtung auf, die ich im Lauf der vielen Jahre immer gemacht habe. Weltweit, so scheint es, hatten unsere Vorfahren weltweit ein ganz spezielles »Hobby«. Ob auf der Osterinsel…. ob in Ägypten: die Menschen waren offensichtlich weltweit von im wahrsten Sinne des Wortes »dicken Steinen« fasziniert.

Kürzlich schickte mir Frau Carola Gronemann-Habenicht eine Reihe von Fotos zu. Die gewaltigen Steine kamen mir sehr vertraut vor. Wo hatte ich sie gesehen? Etwa in Peru, wo in alten Städten immer noch Mauern aus der Inka- oder Vorinkazeit stehen? Einer der abgelichteten Steinmonster ließ mich an Cuzco, Peru, denken. Frau Gronemann-Habenicht hat da eine steinerne Mauer im Bild festgehalten. Jeder der Steine ist sauber zugeschnitten und bestens poliert. Im Zentrum befindet sich ein echter dicker Brocken, mehreckig, gewiss, tonnenschwer. Die ihn umgebenden Steine sind ebenfalls sauber zugeschnitten, teils größere, teils kleinere… Und alle diese Steine sind millimetergenau aufeinander abgestimmt, so dass sie exakt und fast fugenlos ineinander gefügt werden konnten.

Die von Carola Gronemann-Habenicht aufgenommene Steinmauer erinnert mich aber auch an ähnlich präzise Steinmetzarbeit, wie ich sie auf der Osterinsel gesehen habe!

Foto 5 »Ahu Tahiri«, Osterinsel
Ich glaube, es war bei meinem ersten Aufenthalt auf der Osterinsel. Von meiner kleinen Familienpension hatte mich der wohlbeleibte Fahrer in seinem gerbechlichen Vehikel zur gewaltigen Start- und Landebahn gebracht. Hier kommen die Passagierflugzeuge vom Himmel, hier starten sie wieder, hier kann sogar der Spaceshuttle eine sichere, ausreichend lange Bahn – 3333 Meter – finden. Ich bestaunte die moderne Piste… und weiter ging es, an Brennstofftanks vorbei, zum »Ahu Tahiri«.

Auf der Plattform »Ahu Tahiri« wurden einst sechs riesige Steinriesen aufgerichtet. Die Giganten kamen zu Fall. Vielleicht wurden sie in einer kriegerischen Auseinandersetzung umgestürzt, vielleicht war ein Erdbeben verantwortlich. Was aber weitestgehend noch steht, das ist eine wuchtige Steinmauer. 2,80 Meter ist sie hoch. Auch hier wurde mit äußerster Präzision gearbeitet, auch hier wurden Steinquader millimetergenau zugeschnitten und faktisch fugenlos auf- und ineinander gefügt. Mörtel kam nicht zum Einsatz.

Thor Heyerdahl sieht die frappante Ähnlichkeit zwischen »Inka-Mauerwerk« und der Mauer auf der Osterinsel als Beweis für eine Besiedlung der Osterinsel von Südamerika aus an. Schlüssig ist diese Behauptung Heyerdahls allerdings nicht. Genauso könnten ja Steinmetze der Osterinsel nach Peru ausgewandert sein, um auch dort Mauerwerk zu errichten.

Foto 6: Inka-Mauerwerk in Cuzco. Foto Willi Dünnenberger

Nun ähneln aber nicht nur die Inka-Mauern Perus dem Mauerwerk der Osterinsel (»Ahu Tahiri«). Es sieht vielmehr so aus, als wären ganz besonders »dicke Steine« das spezielle »Hobby« von sehr frühen Baumeistern in aller Welt gewesen! So fotografierte Frau Carola Gronemann-Habenicht ihre »dicken Steine« in Japan! Die Tempel von Nikko Toshogu finden sich in der Präfektur Tochigi, in der Stadt Nikko, und locken Shintoismus-Gläubige ebenso an wie Touristen aus aller Herren Länder. Shintoismus und Buddhismus ähneln einander sehr. In der göttlichen Hierarchie des Shintoismus weit oben steht die Sonnengöttin Amaterasu. Amaterasu gilt zugleich auch als die mythologische Ur-Ur-Ur-Ahnin des japanischen Kaisers. Der Shintoismus gilt als die Urreligion Japans.

Fotos 7-10
Der »Nikko Tosho-gu« ist jüngeren Datums, er soll 1617 erbaut worden sein.  Bewundert werden die »torii« (»Shinto-Tore«) und  die charakteristischen Dachkonstruktionen  der Tempel. In den Tempeln werden »heilige Gegestände« verwahrt, zum Beispiel Bronzespiegel, Juwelen und Schwerter. Als ganz besonders heilig angesehene »Objekte« (wie zum Beispiel Götterstatuen) werden oftmals  im Sanctissimum versteckt. Selbst die Priester dürfen sie nicht sehen.

Weit weniger beachtet werden allerdings die massiven Mauern, die zu den Tempelkomplexen gehören, deren Bauweise durchaus an die Osterinsel und Peru erinnert. Es kommt mir so vor, als sei das Mauerwerk sehr viel älter als die heute bewunderten Shinto-Tempel. Bekannt ist, dass die Shinto-Tempel – wie auch die »Gotteshäuser« im alten Indien – oft an Stelle älterer Kultbauten errichtet wurden. Auch christliche Kirchen hatten häufig sehr viel ältere »Vorgänger«. Und die wiederum wurden einst dort gebaut, wo zuvor heidnische Tempel standen.

Aus sehr viel älteren Zeiten sollen heilige Gegenstände stammen, die in den Tempelschreinen verwahrt werden. Von manchen sollen nicht einmal Eingeweihte wissen, wie sie aussehen und welche Funktion sie haben. Auch der eigentliche Ursprung der auch heute mit riesigem Aufwand zelebrierter Prozessionen im Frühjahr und im Herbst dürfte längst in Vergessenheit geraten sein. So eindrucksvoll wie zum Beispiel die Frühjahresprozession der Tausend Krieger auch ist, was wurde ursprünglich wirklich gefeiert? Das gilt natürlich auch für christliche Prozessionen, in denen mit katholischem Ernst Heiligen gehuldigt wird, bei denen es sich – was weitestgehend verdrängt wurde und wird – um »getaufte« heidnische Götter handelt.

Foto 11: Frühjahresprozession der Tausend Krieger

DANK

Frau Carola Gronemann-Habenicht hat mir für diesen »Jubiläumsbeitrag« meiner Blogserie vorzügliche Fotos von »dicken Steinen« aus Japan zur Verfügung gestellt. Dafür darf ich mich ganz besonders herzlich bedanken!

Foto 12: Millimeterpräzision... im japanischen Mauerwerk
Zu den Fotos:
Foto 1: Jürgen Huthmann im Gespräch mit Dieter Bremer: Foto Ingeborg Diekmann, aufgenommen am 29.2.2008 im »Cordoba«, Bremen-Vegesack
Fotos 2, 7 bis 10 und Foto 12: Carola Gronemann-Habenicht. Copyright Carola Gronemann Habenicht
Die Fotos zeigen massives Mauerwerk japanischer Tempelanlagen.
Fotos 3 bis 5: Walter-Jörg Langbein.
Foto 13: Der Engel vor dem Krankenhaus
Copyright Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Inkamauerwerk auf der Osterinsel.
Foto 4: Engel vor dem Krankenhaus, Höxter.
Foto 5: »Ahu Tahiri«, Osterinsel
Foto 6: Inka-Mauerwerk in Cuzco. Foto Willi Dünnenberger
Fotos 7-10: Japanische Monstersteine. Fotos/ Copyright Carola Gronemann-Habenicht
Foto 11: wikimedia commons public domain Fg2 NikkoSennin
Foto 12: Japanische Monsterseine. Foto/ Copyright Carola Gronemann-Habenicht
Foto 13: Der Engel vor dem Krankenhaus, Kunstwerk von Wladimir Zlatkov. Foto Walter-Jörg Langbein

314 »Landung auf Dekehtik«,
Teil 314 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 24.01.2016

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Sonntag, 13. Oktober 2013

195 »Der Hebel Gottes«

Teil 195 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Höllenfeuer auf dem Grund des Meeres
Foto: wiki commons NOAA National Science Foundation

Liegt die Gefahr, die die Erde bedroht ... auf dem Grund des Pazifik? Unterseeisch grummelt es gewaltig. Wir verdrängen gern die Gefahr. Wir wollen gar nicht wissen, dass auf dem Meeresgrund Zeitbomben ticken, die alles Leben auf der Erde auslöschen können. Nach uralten Überlieferungen waren es »Apokalypsen«, die die Gestalt von Planet Erde prägten ...

Es ist kurios, dass Heyerdahl mit seinem Versuch scheiterte, eine Statue aus dem Vulkangestein meißeln zu lassen. Das ist in der Öffentlichkeit nicht bekannt. Viele Zeitgenossen, die sich für die Osterinsel interessieren, glauben aber, dass Thor Heyerdahl experimentell bewiesen habe, wie leicht so ein Steinkoloss aus dem Fels geschlagen, transportiert und aufgerichtet werden könne.

Wir nehmen unbewusst die äußere Gestalt der Erde als unveränderlich und gleichbleibend wahr. Das liegt an der Kurzlebigkeit des Menschen. Lange galt in der wissenschaftlichen Welt die Lehre vom »Fixismus«: Es galt die These,  dass die Erdkruste fest mit dem Untergrund verbunden ist. Die Lehre vom »Mobilismus« indes geht von einer  horizontalen Bewegung der Erdkruste aus, Alfred Lothar Wegener (1880-1930) ging davon aus, dass unser Globus einst ganz anders aussah als heute. Seiner Überzeugung nach, die in der Welt der Wissenschaft zunächst fachübergreifend abgelehnt, heute aber allgemein anerkannt wird, gab es einst einen riesigen Urkontinent, der auseinanderbrach. Die einzelnen Teile schwammen wie Inseln auseinander, wie Kuchenbrocken auf einer zähflüssigen Suppe.

Anders formuliert: Der Urkontinent war ein ineinandergefügtes Puzzle. Die einzelnen Puzzleteile brachen auseinander und drifteten voneinander weg. Seltsamerweise wird in der Schulwissenschaft bis heute weitestgehend nur eine horizontale Verschiebung von Landmassen akzeptiert, eine vertikale (nach unten und oben) aber abgelehnt. Deshalb gibt es im heutigen Weltbild der Wissenschaft keinen Platz für ein Atlantis im Atlantik oder im Pazifik. Uralte Überlieferungen, etwa der Hopi-Indianer, bezeugen ein ganz anderes Erd-/Weltbild. Demnach kann an der einen Stelle eine Landmasse absinken, wodurch an anderer Stelle eine Landmasse emporgehoben wird. Demnach gab es auch Bewegungen von Landmassen nach oben und unten. 

Die Kontinente vor dem Auseinanderdriften nach Wegener
Foto: wiki commons


Nicht bekannt ist, dass geheime Dokumente Beweise für die Existenz eines »Atlantis der Südsee« enthalten. Als Thor Heyerdahl 1955 und 1956 auf der Osterinsel intensiv Ausgrabungen durchführte, kam er vorübergehend in den Besitz der mysteriösen Notizen. Er durfte sie aber nicht behalten, sondern musste sie wieder zurückgeben. Heyerdahl fertigte zum Glück Kopien an. Im Jahr 1963 durfte der französische Osterinselforscher Francis Mazière ebenfalls geheime Aufzeichnungen über die Geschichte der Osterinsel studieren. Auch er erhielt die Dokumente nur leihweise. Wo sind die Unterlagen geblieben, die von einer gewaltigen Katastrophe zu berichten wissen, die sich in der Südsee ereignet hat? Trotz intensiver Recherche gelang es mir bislang nicht, die Dokumente aufzuspüren. Wurden sie inzwischen vernichtet? Werden sie noch auf der Osterinsel versteckt, vielleicht in einer der Höhlen? Gelangten die Unterlagen in ein chilenisches Museum, wo sie irgendwo in den Archiven schlummern? Oder wurden sie von einem reichen Sammler erstanden, der sie nur für sich allein behalten möchte?
    
Die russischen Gelehrten Prof. Dr. Fjodor Petrowitsch Krendeljow und Dr. phil. Aleksandr Michailowitsch Kondratow zitierten erstmals 1980 explosives Material aus den geheimen Unterlagen, die Jahrzehnte zuvor Heyerdahl zur Verfügung gestanden hatten in  ihrem Buch »Die Geheimnisse der Osterinsel« (1). Eine Übersetzung ins Deutsche erschien 1987 in Moskau und Leipzig. Es wurde in diesen geheimen Überlieferungen der Osterinsel ganz eindeutig von einem Atlantis der Südsee gesprochen. Da heißt es zum Beispiel (2):
    
»Der Jüngling Tea Waka sagte: ›Unsere Erde war früher ein großes Land, ein sehr großes Land.‹ Kuukuu fragte ihn: ›Aber warum wurde das Land klein?’‹ Tea Waka antwortete: ›Uwoke senkte seinen Stab darauf. Er senkte seinen Stab auf die Gegend Ohio.‹«
    
Nach der mythischen Tradition der Südsee gab es einst ein großes Königreich in der Südsee. Uwoke, ein mächtiger Gott des Erdbebens berührte mit einem »Stab« das Land. Große Teile davon versanken. Übrig blieb, so wissen es die alten Überlieferungen, die Osterinsel. Weiter heißt es in Heyerdahls Kopien, zitiert bei Krendeljow und Kondratow (3):

Land versinkt ... Land taucht wieder auf ...
 Foto: W-J. Langbein

    
»Es erhoben sich Wellen, und das Land ward klein. Der Stab Uwokes zerbrach am Berg Puku-puhipuhi. Von nun an wurde es Te-Pito-o-te-Henua, der Nabel der Erde genannt.«
 
In einer anderen Überlieferung, ebenfalls in den Aufzeichnungen Thor Heyerdahls vor dem Vergessen bewahrt, heißt es: »Kuukuu sagte zu ihm: ›Früher war diese Erde groß.‹ Der Freund Tea Waka sagte: ›Diese Gegend nennt sich Ko-te-To-monga-o-Tea-Waka.‹

Ariki Hotu Matua fragte: ›Warum versank das Land?‹ ›Uwoke machte das; er versenkte das Land‹ antwortete Tea Waka. ›Von nun an wurde das Land Te-Pito-o-te-Henua genannt.« Te-Pito-o-te-Henua bedeutet »Nabel der Welt«.
    
Heyerdahls Kopien der geheimen Überlieferungen belegen: Die Osterinsel war einst ein Teil des »Atlantis der Südsee«. Das uralte Reich ging in einer gewaltigen Naturkatastrophe unter. Die Osterinsel blieb als kleiner Rest des einstigen Landes (Kontinents?) bestehen. Ein Kontinent versank fast vollständig, nur einige Inseln blieben übrig, die noch heute aus dem Pazifik ragen.
     
»Rapa Nui«, so erfahren wir aus heutigen Reiseführern, sei der polynesische Name der Osterinsel. Aber was bedeutet der Name? Dr. Emil Reche verfasste eines der Standardwerke über die Südsee: »Polynesien«. Ausführlich geht der sprachwissenschaftlich geschulte Weltreisende auf die Osterinsel ein (4):

 »Der Name der Insel ›Rapa Nui‹«, so klärt er auf, »bedeutet ›Weite Fläche‹, was doch heute ganz gewiss nicht auf die kleine felsige Insel zutrifft. Unter diesem Namen ist aber die Insel allen Polynesiern bis nach der Hawaii-Gruppe und bis nach Neuseeland bekannt.« Dr. Emil Reche schlussfolgert, dass die Osterinsel also einmal tatsächlich groß gewesen sein muss. Oder genauer: Die kleine Osterinsel, so wie wir sie heute kennen, war einmal ein Teil eines großen Reichs im Pazifik.
    
Auf der Osterinsel selbst ist das Eiland unter dem melodisch klingenden Namen »Pito te henua« bekannt: »Nabel der Welt« oder – so lautet einen andere Übersetzung – »Ende des Landes«. Das heißt, dass die Osterinsel einst Teil einer wesentlich größeren Landmasse war. Das heutige »Rapa Nui« (die Osterinsel) war ein Teil der einst riesigen Insel, die Osterinsel war ein kleiner Teil eines großen Ganzen, sie lag einst am Rand.

Eine Frage gilt es zu beantworten: Entstand die Osterinsel als Resultat von unterseeischen Vulkanausbrüchen? Oder geschah die Katastrophe an Land? Ließen Vulkanausbrüche überirdisch Berge entstehen, die dann erst  bei einer Katastrophe weitestgehend im Meer versunken sind?
    
Einst unternahmen die Ureinwohner Neuseelands regelmäßige Reisen zur Osterinsel. Sie starteten von »Waiho« aus. Eine der Sandwich-Inseln heißt ebenfalls »Waiho«, was so viel wie »weggehen«, »verlassen« oder »aufgeben« bedeutet. Dr. Reche analysiert exakt sprachwissenschaftlich:

Kosmische Lehrmeister unterrichteten
die Hopi-Indianer über Erde und Kosmos. Foto: W-J.Langbein


»›Waiho‹ ist gleichbedeutend mit dem samoanischen ›vaiso‹, wobei ›va‹ = ›Zwischenraum‹ und ›iso‹ = ›seine Sache als verloren aufgeben‹ bedeutet. ›Vaiso‹ oder maorisch ›Waiho‹ ist also der als verloren aufgegebene Zwischenraum, wobei jedoch ›Zwischenraum‹ nicht anders verstanden werden kann als der vom Land eingenommene Zwischenraum. Waiho auf Neuseeland und das heutige ›Rapa-nui‹ sind also die Endpunkte dessen, was man inzwischen als verloren aufgegeben hat, dessen Wiederauftauchen aus den Meeresfluten man vielleicht noch lange erhofft hat, bis man es als verloren aufgegeben hat. Dieses Land reichte also von Neuseeland bis Pito te henua, dem ›Ende des Landes‹, also bis zur Osterinsel.«

Uralt ist das Wissen der Hopi-Indianer. White Bear Fredericks, damals angesehener Stammesältester, diktierte dem ehemaligen NASA-Ingenieur Josef Blumrich (1913-2002) den »Erdmythos der Hopi-Indianer«. Die umfangreichen Überlieferungen erschienen 1979 als Buch unter dem Titel »Kasskara und die sieben Welten« (5). Damit wurde White Bears  reicher Wissensschatz erstmals in gedruckter Form publiziert.

Nach den Hopi-Indianern gab es einst im Pazifik einen Kontinent namens »Kasskara«. Und der versank bei einer gewaltigen Katastrophe in den Fluten des Meeres. Überliefert ist eine Erklärung: Während weite Regionen im Pazifik absanken, wurden zum Ausgleich im Osten von Kasskara andere Regionen weit emporgehoben. Reine Fantasie? Ganz und gar nicht!

Die Zyklopenstadt Tiahuanaco hatte einst einen Hafen.
Foto: Ingeborg Diekmann

Wiederholt besuchte ich die uralten Ruinen von Tiahuanaco,  die an der Grenze zwischen Bolivien und Peru liegt – in einer Höhe von gut 4.000 Metern. Hier oben entdeckten Wissenschaftler Hinweise auf ... maritimes Leben. Ausgrabungen förderten erstaunliche Fossilien zutage, die nicht in die Hochanden gehören, sondern ans Meer: etwa von Schellfisch und anderem Getier ...  aus dem Meer. Selbst die »fliegenden Fische«, deren Fossilien ausgegraben wurden, dürften wohl kaum in die Hochanden geflattert sein.

Tiahuanaco – in einer Höhe von 4.000 Metern – muss einst eine Hafenstadt mit massiven Hafenanlagen gewesen sein. Eine ganze Flotte hatte hier einst Platz! Wie kann eine Hafenstadt von einst in eine Höhe von 4.000 Metern über dem Meeresspiegel gelangt sein? Meine Vermutung: Unvorstellbare Kräfte müssen am Werk gewesen sein, als das »Atlantis der Südsee« versank ... und die einstige Hafenstadt Tiahuanaco emporgehoben wurde.

Eine Erklärung für das extreme Emporsteigen der einstigen Hafenstadt ins Hochgebirge findet sich in der Mythologie der Osterinsel. Verantwortlich ist nach der Überlieferung von Rapa Nui der Gott der Zerstörung (6):

»Früher war das Land Rapa Nui so groß und ausgedehnt wie das heutige Festland. Aber Uoke … hatte darüber eine große Macht. Er hob und senkte es, wann er Lust hatte. Zu diesen Erdbewegungen verwendete er einen Hebel. Wenn er Rapa Nui hob, reichte seine Oberfläche bis zum Festland Puku Puhipuhi. Eines Tages, als Uoke sich damit vergnügte, einen Teil Rapa Nuis zu senken, um das Festland  zu heben, brach der Hebel. Rapa Nui, das sich in diesem Augenblick unten befand, blieb klein, nur die Berge ragten aus dem Meer hervor, während das Festland groß blieb, da es sich oben befand. So entstand diese Insel (die Osterinsel, der Verfasser), und sie wurde zu dieser Zeit ›Te Pito Te Henua‹, das ist ›Der Nabel der Welt‹ genannt.«

Den Menschen waren vor Jahrhunderten, ja vor Jahrtausenden die naturwissenschaftlichen Hintergründe kosmischer Katastrophen unbekannt. Naturgewalten vermochten sie nicht wissenschaftlich zu erklären. Naturgesetze im wissenschaftlichen Sinn waren unbekannt. Erklärungen wurden gesucht und gefunden.  Schreckliche Geschehnisse wie Naturkatastrophen galten als das Wirken »göttlicher Mächte«.

In der Mythologie der Osterinsulaner wurde »der Stab Uwokes« oder »der Blitz Make Makes« für den Untergang des Kontinents in der Südsee verantwortlich gemacht. In der Volksüberlieferung wurde eine religiöse Ursache der Katastrophe gesucht und gefunden: Ein Gott schlägt das Atlantis der Südsee und es wird zum großen Teil versenkt. Betrachtet man diese Aussagen mit heutigem Wissensstand, dann wird wahrscheinlich, dass in der Südsee ein Vulkanausbruch unvorstellbaren Ausmaßes die Katastrophe ausgelöst haben dürfte. Platons Atlantis könnte einem gewaltigen Himmelskörper zum Opfer gefallen sein, der im Atlantik aufschlug.

Der Ring des Todes im Pazifik ...
Foto: wiki commons, United States Geological Survey


Fakt ist: Der gesamte Pazifikraum ist ein Hort extremer Gefahr. Ein Gürtel von unterseeischen Vulkanen kann jederzeit zu Kataklysmen ungeahnten Ausmaßes führen ... zur nächsten Apokalypse, die alles Leben auf Erden bedroht.

Was mag zum Verschwinden des »Atlantis der Südsee« geführt haben? Mag sein, dass ein Himmelskörper aus dem All wie eine Bombe im Meer einschlug. Vielleicht brach auch ein unterseeischer Vulkan aus. Wie auch immer: Gewaltige Magmamassen wurden in die Atmosphäre geschleudert. Die Konsequenzen für die Erde waren sehr drastisch: Es entstand so etwas wie ein riesiger Sonnenschirm aus Magma und sonstiger emporgeschossener Materie, sodass eine unnatürliche Dunkelheit ausbrach. Und eine Sintflut suchte die Erde heim. Sie verwüstete das Land, tötete Mensch und Tier.

Interessanterweise werden auch bei den Mayas exakt diese beiden Naturphänomene geschildert. Im Popol Vuh, der Bibel der Mayas, heißt es: »Darum verdunkelte sich das Antlitz der Erde, und es begann ein schwarzer Regen, Tagregen, Nachtregen.«

Der 21.12.2012 ist vergangen, ohne dass der Weltuntergang ausgebrochen ist. Eine weltweite Apokalypse ist aber jederzeit möglich. Sie wird eines Tages auch über unseren Planeten hereinbrechen. Die Frage ist nicht ob, sondern wann ...

Die nächste Katastrophe kommt bestimmt. Foto: W-J.Langbein


Lesen Sie zu diesem Thema: Walter-Jörg Langbein 2012

Fußnoten
1  Krendeljow, Prof. Dr. Fjodor Petrowitsch und Kondratow, Dr. phil. Aleksandr
     Michailowitsch:  »Die Geheimnisse der Osterinsel«, Moskau und Leipzig 1987,  
     Seiten 108-110
2 ebenda, S. 109
3 ebenda
4 Reche, Dr.phil. Emil: »Polynesien«, Leipzig 1936, S.25-28
5 Blumrich, Josef F.: »Kasskara und sie sieben  Welten/ White Bear erzählt den
     Erdmythos der Hopi-Indianer« Düsseldorf, Wien 1979
6 Felbermayer, Fritz: »Sagen und Überlieferungen der Osterinsel«,
     Nürnberg o. J., S. 28

»Der Gott der Zerstörung«
Teil 196 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                                                                                              
erscheint am 20.10.2013



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Sonntag, 8. September 2013

190 »Begegnung auf dem Friedhof«

Teil 190 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Die Anakenabucht - Foto: Wiki Commons, Rivi
Zwei kräftige, junge Männer tragen die fast mannshohe hölzerne Statue gemessenen Schritts zum Friedhof, der direkt am Strand liegt.  Heftig spritzt die Gischt von scharfkantigen Felsen. Noch ist die hölzerne Figur in ein weißes Tuch gehüllt. Noch sind nur ihre Konturen zu erahnen. Zielstrebig gehen die beiden Männer, gefolgt von einer vergrämten Frau, auf ein Grab zu, wo sie die hölzerne Figur absetzen. Sie gehen sehr sorgsam mit dem hölzernen Idol um. Ihre Bewegungen lassen vermuten, dass sie den für sie heiligen Akt sorgsam geübt haben. Es geht um den Aku Aku ihres toten Vaters, erfahre ich später.

Ihre Mutter tritt hinzu, zupft nervös am Tuch. Ihre beiden Söhne überprüfen, ob die Statue auch wirklich sicher steht. Sie bewegen sie sanft hin und her. Kippt sie auch nicht? Dann ziehen sie langsam, geradezu ehrfurchtsvoll, die Hülle von der Statue. Noch einige Minuten verharren die drei Insulaner, dann entfernen sie sich, langsam rückwärts gehend. Erst in einigen Metern Entfernung haben sie es plötzlich eilig und entfernen sich hastig vom Friedhof.

Wie wurden die riesigen Osterinselstatuen aus dem Vulkangestein gemeißelt, transportiert und aufgestellt? Warum wurden die Kolosse geschaffen? Wen sollen sie darstellen? Warum wurden alle Steinkolosse zu Fall gebracht? Was steht auf den hölzernen Tafeln in rätselhaften Schriftzeichen? Werden wir je die Botschaften wie ein Buch lesen können?

Über diese Fragen wird seit Generationen diskutiert. Und immer wieder heißt es, dass endlich die Geheimnisse der Osterinsel entschleiert worden seien. Jetzt wisse man, wie die bis zu 20 Meter hohen Figuren kilometerweit geschleppt wurden. Bislang haben aber alle Lösungen nur auf dem Papier wirklich funktioniert. Wirklich  in die Realität umgesetzt werden konnte keine einzige der ach so einleuchtenden Antworten auf die »brennenden Fragen«.

Bei Licht betrachtet wird klar dass selbst simpelste Fragen nicht widerspruchslos beantwortet können. Ein Beispiel soll genügen ... So behauptet Wilhelm Ziehr nüchtern (»Zauber vergangener Reiche«, Stuttgart 1975): »Die Existenz monumentaler Steinplastiken auf der Osterinsel ist keineswegs so rätselhaft, wie oft behauptet wurde. Da Holz auf der Insel außerordentlich knapp war, bot sich das hingegen reichlich vorhandene Tuffgestein an.«

Nach wie vor rätselhaft ...
die Kolosse der Osterinsel
Foto: W-J.Langbein
Demnach waren also die Steinmetzen der Osterinsel künstlerisch veranlagt. Weil sie kaum Holz zur Verfügung hatten, stillten sie ihren Drang, Kunstwerke zu produzieren, indem sie riesenhafte Figuren aus dem Stein meißelten. Warum es dann aber teilweise über zwanzig Meter hohe Kolosse sein mussten, darüber schweigt sich Wilhelm Ziehr aus. Er bietet auch keinen Erklärungsversuch dafür an, wie denn die Statuen befördert wurden. Diese Frage meint Thor Heyerdahl hinlänglich beantwortet zu haben. Der Transport der Kolosse, so schreibt er (»Die großen Steine der Osterinsel« in »Versunkene Kulturen«, Zürich 1963), sei problemlos möglich gewesen, da auf der Osterinsel Holz in Hülle und Fülle zur Verfügung stand. Man habe Holzrollen, aber auch schlittenartige Vehikel gebaut – aus Holz, natürlich – und so die Riesenfiguren kilometerweit bewegt.
           
Ist das nicht kurios? Da hatten die Bewohner der Osterinsel einen unstillbaren Drang nach künstlerischer Betätigung. Für Schnitzwerk stand ihnen nur ein Material in Hülle und Fülle zur Verfügung. Also mussten die armen Osterinselkünstler Riesenfiguren aus Stein herstellen, weil ihnen kein Holz zur Verfügung stand. Und sie konnten die Statuen kilometerweit transportieren, weil Holz in Hülle und Fülle zur Verfügung stand. Der Widerspruch ist evident!

Meißelten die Osterinsulaner zunächst aus Holzmangel große, teilweise riesige Statuen aus Vulkanstein, ohne zu wissen, wie sie die Kolosse transportieren würden? Und legten sie dann riesige Wälder an, um Holz für Schlitten zu haben? Warteten sie  Jahrzehnte, um mit Hilfe des nun reichlich vorhandenen Holzes das Transportproblem lösen zu können?

Die Wirklichkeit sieht anders aus: Es gab einst reichlich Holz. Also hätten von Anfang an Statuen aus Holz geschnitzt werden können!

Was ich bei meinen Aufenthalten auf der Osterinsel gelernt habe: So manches Rätsel von Rapa Nui konnte bis heute nicht gelöst werden. Aber die wirklich spannenden Fragen werden in der Öffentlichkeit nicht einmal gestellt. So wissen wir so gut wie nichts über geheime Rituale, die heute noch praktiziert werden. Und die es offiziell gar nicht gibt, ist doch Rapa Nui ein Hort des christlichen Glaubens ... Angeblich!

Nichts ist bekannt über die mysteriösen Höhlen mit unzähligen Figürchen aus Stein und Holz. Nichts ist offiziell darüber bekannt, ob der alte Aku-Aku-Glaube noch lebt und gelebt wird. Nichts ist darüber bekannt, wie Aku-Aku-Zeremonien aussehen, wenn sie denn noch zelebriert werden. Ich weiß auch nicht, ob meine Begegnung auf dem Friedhof von Hanga Roa auf das Fortbestehen einer alten Religion im Volk hinweist ... oder ob da eine einzelne Familie einen seltsamen Kult zelebriert.

Stunden später ... Die Familie kehrt auf den Friedhof zurück. Die beiden Söhne tragen die hölzerne Statue ... sie erinnert an die weltberühmten Kolosse von Rapa Nui aus Stein ... einige Hundert Meter entfernt fast direkt an das steinige, zerklüftete Ufer. Dort haben sie offenbar eine Art »Scheiterhaufen« vorbereitet. Sie entzünden trockenes Gras und dürres Holz. Schon lodert die Flamme auf, der Holzstapel brennt lichterloh. Sie legen die Holzstatue in die Flammen. Ich entferne mich so diskret wie möglich.

Eine Holzstatue als »Zuflucht«
für einen Aku Aku
Foto: W-J.Langbein
Eine ganz ähnliche Holzfigur entdeckte ich bei einem meiner Besuche im »B. P. Bishop Museum«, Honolulu, Hawaii.

Am nächsten Mittag treffe ich einen der beiden Söhne am kleinen Hafen. Es kommt mir so vor, als bete er vor der steinernen Figur des christlichen Petrus. Als er wieder Richtung Dorf geht, spreche ich ihn an. Gemeinsam gehen wir den Weg empor zur Kirche. »Du hast unsere Insel schon mehrfach besucht ...«, stellt er trocken am Eingang zur Kirche fest. »Und du hast unser Ritual mit der hölzernen Figur beobachtet!« Ich nicke. »Ich hoffe, ich habe nicht gestört ...« Er schüttelt den Kopf. »Und du hast auch nicht fotografiert ...!« Das wäre doch unangebracht gewesen ... beteuere ich.

Der Friedhof der Rapa Nui
Foto: W-J.Langbein
Ungefragt erklärt mir der junge Rapa Nui: »Vor einigen Jahren verstarb unser Vater. Bald darauf wurden einige Familienangehörige krank, teils schwer. Keine Medizin half. Unser kleines Boot, mit dem wir zum Fischen fahren, wurde stark beschädigt. Meine Schwester und meine Mutter hatten Albträume. Vater erschien ihnen und rief ihnen wie aus weiter Ferne etwas zu, was sie nicht verstanden. Eines Tages gestand dann unser Onkel, nach Vaters Tod eine nicht unerhebliche Summe in US-Dollar in Vaters Sachen gefunden zu haben. Er behielt das Geld, ohne uns etwas zu sagen.«

Für die Söhne und die Witwe des Verstorbenen gab es keinen Zweifel. Der Aku Aku des Verstorbenen war empört, weil sein Bruder Geld, das unter  seinen Erben aufzuteilen war, unterschlagen hatte. Der Bruder des Toten verteilte das Geld, jeder bekam seinen gerechten Erbteil. Der Bruder des Toten selbst verzichtete. Vom Erbe ließen die Söhne des Toten das Boot reparieren. Sie schafften einen Außenbordmotor an. Die Albträume blieben von nun an aus. Die erkrankten Familienangehörigen wurden schnell wieder gesund.

Aku Akus können erheblichen
Schaden anrichten
Foto: W-J.Langbein
Der junge Rapa Nui: »Der Aku Aku meines toten Vaters hatte erreicht, was er bewirken wollte. Sein Erbe war, so wie er das immer gewollt hatte, gerecht verteilt worden. Jetzt hatte er keine Aufgabe mehr in unserer Welt!« Seine Mutter bat den Aku Aku in die hölzerne Statue einzuziehen, die seine beiden Söhne geschnitzt hatten. Die beiden Männer trugen dann die Statue würdevoll zum Friedhof, ans Grab des Vaters.

»So konnte der Aku Aku von seinen sterblichen Überresten Abschied nehmen und unsere Insel verlassen.« Nach einer Pause fragte ich: »Und wo ist der Aku Aku ihres verstorbenen Vaters jetzt?« Der junge Rapa Nui hebt beide Arme gen Himmel. »Der Himmel ist weiter und größer als das Meer, das Pazifik genannt wird.« Er deutet in das wolkenlose Blau des Himmels, der so tief über der Osterinsel liegt. »Der Aku Aku meines toten Vaters ist frei!« Er nickt mir noch einmal zu, dann geht er in die Kirche, in der es so viele Hinweise auf den alten Glauben der Osterinsulaner gibt.

Wir rätseln über die Statuen der Osterinsel, grübeln über Transportmethoden und über Methoden, die Kolosse auf steinernen Podesten aufzustellen. Die wirklich interessanten Fragen aber werden erst gar nicht gestellt. So bleibt der wahre alte Glaube von Rapa Nui weiterhin im Dunkeln, so wie die zahllosen Familienhöhlen für Fremde nach wie vor Tabu sind.

Moderne
Osterinsel-Skulptur
Foto: W-J.Langbein
Die heutigen Rapa Nui scheinen sich verstärkt wieder der eigenen Kultur zuzuwenden. Heutige Künstler schaffen wieder steinerne Skulpturen. Uralte Motive, die vor Jahrhunderten in Reliefs verewigt wurden, tauchen wieder auf: in ausdrucksstarken, mysteriösen Bildwerken. Kennen die heutigen Künstler die wahre Bedeutung der uralten Darstellungen, die sie uns »Besuchern« verschweigen? Oder ahmen sie nur nach, was ihre Vorfahren hinterlassen haben? Ich bin davon überzeugt, dass es ein verborgenes Wissen aus uralten Zeiten auf Rapa Nui gibt, das uns Fremden vielleicht für immer verschlossen bleiben wird ...


»Von Tunneln, Höhlen und Jungfrauen«, 
Teil 191 der Serie 
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                          
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 15.09.2013


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Sonntag, 28. Juli 2013

184 »Blutspuren«

Teil 184 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Wenn die Kolosse reden könnten ... Foto: W-J.Langbein
Manchmal sind nackte Zahlen erschreckend. Wenige Zeilen genügen, um erkennen zu lassen, dass auf der Osterinsel im Pazifischen Ozean ein Genozid stattfand, den man bis heute vergeblich in den Geschichtsbüchern suchen wird. Wenn man die Augen der Osterinselstatuen wie ein Buch lesen könnte ... es wäre der reinste Horror.

1862 lebten von einstmals 40.000 Menschen nur noch 3.000 auf der Osterinsel. Peruanische Sklavenjäger entführten 1.500 Männer und Frauen, die in den Guano-Minen Perus schuften mussten. Die Meisten dieser Geknechteten starben elendiglich. Internationale Proteste führten dazu, dass zwölf von 1500 Osterinsulanern in ihre Heimat zurückkehren durften. Sie brachten die Pocken auf das einsamste Eiland der Welt. Eine Pockenepidemie brach aus, der fast die gesamte Bevölkerung zum Opfer fiel. 1872 lebten nur noch 111 Menschen auf der Osterinsel.

1888 brachte Chile die Osterinsel in ihren Besitz. Die wenigen Überlebenden waren von nun an Gefangene. Sie wurden gezwungen, auf engstem Raum zu hausen und mussten für einen Hungerlohn arbeiten. Die Osterinsel wurde in eine Schaffarm verwandelt. Die einstigen Herren der Insel waren Knechte, die mit Naturalien »bezahlt« wurden. Schafe, später auch Ziegen und Pferde, fraßen die Insel leer. Bäume und Palmen gab es so gut wie keine mehr. Bodenerosion setzte ein. Die letzten Bäume (Hauhau und Toromiro) verschwanden. Aus einem einstig üppig blühenden Südseeeiland war endgültig eine karge Öde geworden ... dank der »zivilisierten Welt«.

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1914 kam es zu einem verzweifelten Aufstand der Nachkommen der Statuenbauer. Chile setzte Militär ein und ging brutal vor. Niemand interessierte sich für das Gemetzel im Pazifik. 1966 wurden die Osterinsulaner mit der chilenischen Staatsbürgerschaft »beglückt« Heute, rund ein halbes Jahrhundert später, leben etwa 4.000 Menschen auf »Rapa Nui«. Die Nachkommen der Urbevölkerung und Einwanderer aus Chile leben nicht unbedingt in vertrauensvoller Harmonie miteinander. Noch heute sehnen echte Rapa-Nui (1) Freiheit von Chile herbei. Das Eiland ist aber vollkommen abhängig vom »Mutterland«.

Wenn er nur sprechen könnte ...
Foto: Anne Choulet
Nach einem sonntäglichen Gottesdienst vertraute mir ein ergrauter »Messdiener« an: »Rapa Nui hat nur Schlechtes erfahren von den Vertretern der ›zivilisierten Welt‹. Meine Vorfahren wurden versklavt, verschleppt, sie starben in Gefangenschaft. Epidemien wurden auf meine Heimat gebracht, die den größten Teil der Bevölkerung dahingerafft haben.«

Nach und nach erfolgt eine Rückbesinnung auf die eigene Geschichte: vor dem Erscheinen von Südamerikanern und Europäern. Nach und nach gewinnen alte Bräuche, alte Überlieferungen an Bedeutung. Man wehrt sich gegen eine Überfremdung. Mit Erfolg wurden bislang Touristenprojekte abgeblockt, die aus der Osterinsel eine Art Südsee-Disneyland mit bunter Plastikfolklore gemacht hätten. Touristenkasernen für Pauschalreisende sind ebenso wenig erwünscht wie Luxushochburgen.

Vertreter unserer »zivilisierten Welt« sind verantwortlich für »Ausbeutung und Unterdrückung«, wie Prof. Jared Diamond, Jahrgang 1937, Experte in Sachen Evolutionsbiologie, konstatiert (2). Wenn wundert es da, dass die Geheimnisse der Osterinsel – wenn überhaupt – nur sehr zögerlich Wissenschaftlern anvertraut wurden? Niemand kann erwarten, dass Wissende Besuchern aus der christlichen Welt die Osterinselschrift erklärten. Und wer erwartet, dass Sammlern nur echte »sprechende Hölzer« mit »echten Hieroglyphen« verkauft wurden, glaubt wohl auch an den Osterhasen und den Weihnachtsmann.

Koloss mit Hut - Foto: W-J.Langbein
Ende des 19. Jahrhunderts tauchten immer wieder »Hieroglyphentexte« etwa auf europäischen Holzrudern auf. Sie können also erst zur Zeit von europäischen Besuchern auf »Rapa Nui« entstanden sein. Schelmisch erklärte mir ein Rapa Nui: »Das beweist nicht, dass unsere Schrift erst nach Kontakten mit Europäern entstand. Das deutet vielmehr auf die Dummheit von Europäern hin, die sich angeblich echte ›sprechende Hölzer‹ verkaufen ließen, obwohl es sich doch offensichtlich um frisch angefertigte Fälschungen handelte!« Nach mehreren Besuchen auf der Osterinsel bin ich davon überzeugt, dass die echten schriftlichen Aufzeichnungen vor langer Zeit in Holz geritzt wurden. Sie schlummern noch heute in Verstecken, die nur wenigen Eingeweihten bekannt sind. Und – auch davon bin ich überzeugt – sie werden auch so schnell nicht auftauchen.

Was in den Hieroglyphentexten der Rapa Nui stehen mag? Wir sind auf Spekulationen angewiesen. Enthalten sie die Geschichte der Besiedlung der Osterinsel? Folgt man der mündlichen Überlieferung, dann erzählen die »sprechenden Hölzer« auch – wie ein Prequel im Kinofilm – was in der Urheimat geschah, die in einer Apokalypse im Meer versank.

Bei allem Respekt vor den todesmutigen Seefahrten Thor Heyerdahls ... seine These, die Osterinsel sei von Peru aus besiedelt worden, ist nicht haltbar. Thor Heyerdahl weist auf Ähnlichkeiten in den Bauweisen der Inka und der Osterinsulaner hin. In der Tat gibt es da scheinbar Ähnlichkeiten – zwischen megalithischen Mauerwerken aus dem Inkareich und besonders einer sauber gearbeiteten Mauer auf der Osterinsel. Allerdings trügt der Schein!

Was er wohl alles gesehen hat?
Foto: W-J.Langbein
Prof. Jared Diamond bringt es auf den Punkt (3): »Manche dieser Mauern, insbesondere jene von Ahu Vinapu, enthalten sehr schön gestaltete Steine, die an die Architektur der Inka erinnern und Thor Heyerdahl dazu veranlassten, eine Verbindung zu Südamerika herzustellen. Im Gegensatz zu den Mauern der Inkas bestehen die Seitenwände der Ahu auf der Osterinsel aber nicht aus großen Felsblöcken, sondern sie sind nur mit Steinen verkleidet.«

Der mündlichen Überlieferung nach kamen die ersten Siedler aus einem Atlantis der Südsee, westlich von der Osterinsel gelegen, nicht östlich (wie Peru!). Der Legende nach gefiel es einigen Erstbesiedlern nicht auf der Osterinsel. Sie wollten in ihre alte Heimat zurückkehren – und fuhren, von der Osterinsel aus, nach Westen.

Anno 1774 stattete James Cook der Osterinsel einen kurzen Besuch ab. In seiner Begleitung befand sich ein Mann aus Tahiti, der sich gut mit den Osterinsulanern verständigen konnte. Warum? »Osterinsulanisch« erwies sich als ein ostploynesischer Dialekt! Die Urheimat der Rapa Nui lag demnach in Polynesien, nicht in Peru.

»Wir haben polynesisches Blut in den Adern, kein peruanisches!«, das bekam ich bei allen meinen Besuchen auf der Osterinsel immer wieder zu hören. »Unsere Wurzeln sind polynesisch, nicht peruanisch!«

Besonders ältere Rapa Nui beklagten verbittert, dass so mancher »Forscher« Behauptungen über ihre Heimat aufstellte, ohne Einheimische zu befragen. Ein betagter »Messdiener« sagte mir sonntags nach dem Gottesdienst: »Bei manchem ›Wissenschaftler‹ hat man den Eindruck, dass die Herrschaften meinen, sie müssten uns beibringen, wie unsere Vorfahren nach Rapa Nui kamen und die Statuen errichteten!«

Richtig ist, dass die Rapa Nui vollkommen davon überzeugt sind, dass ihre Vorfahren aus dem polynesischen Raum kamen. Das stimmt wohl auch. So sah ich im »Bernice Pauahi Bishop Museum«, Hawaii Angelhaken, Sägen aus Koralle, Beile aus Stein und andere Werkzeuge von den Marquesas Inseln und im Vergleich dazu Pendants von der Osterinsel. Sie schienen von den gleichen Herstellern zu stammen.

Irreführend sind Hinweise auf genetische Ähnlichkeiten zwischen Osterinsulanern und Peruanern. Natürlich sind im Verlauf der letzten Jahrhunderte Peruaner, vor allem Chilenen auf die Osterinsel gezogen und haben genetische Spuren hinterlassen. Es kann aber keinen Zweifel daran geben, dass die Ur-Osterinsulaner aus Polynesien und nicht aus Südamerika stammen. Klipp und klar stellt Jared Diamond fest (4):

Trümmer erinnern an die stolze Vergangenheit des Eilands ...
»Bei der Analyse der DNA aus zwölf Skeletten, die unter einer Steinplattform auf der Osterinsel begraben waren, fand man in allen zwölf Fällen eine Deletion (5) von neun Basenpaaren und drei Basensubstitutionen, die bei den meisten Polynesiern vorkommen. Zwei dieser drei Substitutionen gibt es bei den amerikanischen Ureinwohnern nicht, und deshalb sprechen die genetischen Befunde gegen Heyerdahls Behauptung, die Urbevölkerung habe zum Genbestand der Osterinsel beigetragen.«

Blutspuren führen zurück in die Heimat der Ur-Rapanui: in den Westen des Eilands, in den westlichen Pazifik, zu den polynesischen Inseln und nicht nach Südamerika. »Wir haben polynesisches Blut in den Adern!« sagten mir sinngemäß viele Osterinsulaner. »Und wir haben unsere wichtigsten Nutzpflanzen mit aus der Heimat nach Rapa Nui gebracht ... Bananenen, Süßkartoffeln, Taro, Zuckerrohr!«

Die sprechenden Hölzer sind verstummt. Foto: Archiv W-J.Langbein
Fußnoten
1 »Rapa Nui« ist der eigentliche Name der Osterinsel, die Bewohner nennen sich »Rapa Nui«
2 Diamond, Jared: »Kollaps«, erweiterte Neuausgabe, Frankfurt am Main, Oktober 2011, S. 145
3 Diamond, Jared: »Kollaps«, erweiterte Neuausgabe, Frankfurt am Main, Oktober 2011, S. 123
4 Diamond, Jared: »Kollaps«, erweiterte Neuausgabe, Frankfurt am Main, Oktober 2011, S. 113
5 Deletion (Wikipedia): »Eine Deletion (engl. delete „›öschen‹), auch Gendeletion, ist in der Genetik eine Variante der Genmutation bzw. Chromosomenmutation (und damit eine Chromosomenaberration), bei der eine Nukleotidsequenz bzw. ein Teil bis hin zum gesamten Chromosom fehlt. Eine Deletion ist daher immer ein Verlust von genetischem Material. Jegliche Anzahl von Nukleinbasen können deletiert sein, von einer einzelnen Base (Punktmutation) bis hin zum Chromosom.«

»Kannibalismus«,
Teil 185 der Serie »Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 04.08.2013


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