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Sonntag, 24. März 2019

479 »Statuen, Sterne und Planeten«

Teil 479 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Im Westen der Osterinsel stehen sieben Moai auf der Plattform »ahu akivi«. Sie blicken gen Westen, wo einst das »Atlantis der Südsee« n einer Apokalypse versank. Die sieben Moai repräsentieren die sieben Seefahrer, die im Auftrag ihres Königs die Osterinsel suchten und fanden. »ahu akivi« ist somit eine der wichtigsten Stätten der Osterinsel. Und genau hier kam es zu einer sensationellen Entdeckung!

Foto 1: Sieben Moai auf der Plattform »ahu akivi« (Foto: Ingeborg Diekmann)

Mit magnetometrischen Verfahren kann man ein wenig Superman nacheifern. Man kann sich zwar nicht in die Lüfte erheben, wohl aber ein wenig mit »Röntgenblick« Unterirdisches entdecken, was sich unter der Erdoberfläche befindet. Das geht so: Man misst rund 30 Zentimeter über dem Boden Mit einem Magnetometer wird das Erdmagnetfeld gemessen. Ein unterirdischer Raum, zum Beispiel eine Grabkammer, beeinflusst das Erdmagnetfeld. Man  erkennt Abweichungen und kann so Rückschlüsse ziehen. Selbst zugeschüttete Hohlräume sind noch eindeutig zu erkennen, ohne dass man graben muss.

Dr. Jörg Fassbinder, Lehrbeauftragter für »Archäometrie und Allgemeine und Angewandte Geophysik« im »Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege«, nutzte auf der Osterinsel dieses Erfahren. Er nahm das Umfeld von »Ahu Akivi« unter die Lupe. Und siehe da: Mit seinem  Magnetfeldmessgerät, entdeckte er Sensationelles. Laut Zeitschrift »GEO« äußerte sich Dr. Jörg Fassbinder wie folgt (1):

»In einem Umkreis von 60 Metern gruppieren sich unterirdische Bauten um den Ahu – sind es Grabkammern? Oder die Reste einer gigantischen Arena, die einst auf die Statuen ausgerichtet war? Ich bin Geophysiker, kein Archäologe. Aber meine Bilder zeigen den Kollegen, wo sie graben müssen. Fest steht, ich werde im nächsten Jahr wiederkommen. und dann hoffentlich viele weitere Kultstätten durchleuchten können.«

Foto 2: Wo sind die »Grabkammern«? (Foto: Ingeborg Diekmann)

Vergeblich suchte ich nach Hinweisen auf Ausgrabungen, die klären würden, ob sich im Erdreich unweit des »Ahu Akivi« mit den in Stein verewigten »7 Kundschaftern« tatsächlich Grabkammern befinden. Oder wurden da Schätze verborgen, die  Fremde nicht finden sollten? Ich denke da weniger an Gold und Silber als an verschollene Holztafeln mit den bis heute nicht entzifferten Schriftzeichen. Wer hat diese Schrift entwickelt? Und wo?

In der Osterinselmythologie taucht immer so etwas wie ein Gründermythos auf. Die Urgeschichte der Osterinsel (2) »beginnt in einem großen Königreich, das vor langer Zeit im Pazifik blühte«. Nach der örtlichen Legende war da einst ein Land, »das Land, bekannt als Hiva, ein Land der Tempel, der weit reichenden Straßen, der hohen Steintore,  der zyklopischen Bauwerke,  der weit ausladenden Zeremonialplätze«. Dieses legendäre Land, in anderen Überlieferungen heißt es Groß Maori, wird im Mythos als ein »Land des Überflusses« beschrieben.

Foto 3: Sprechende Hölzer...
In jenem Reich, das in einer Apokalypse im Pazifik versank, wurde ein Schatz des Wissens gehütet, eine (3) »Bibliothek, bestehend aus 67 Tafeln, eingehüllt in aus Baumrinde gewonnenem Tuch. Aus welchem Material diese Tafeln bestanden, das erfahren wir nicht. Der sagenhaften Überlieferung nach entstand die Osterinselschrift nicht auf der Osterinsel selbst. Fast so bekannt wie die steinernen Statuen sind die »sprechenden Hölzer«. Heute sind noch  26 »Rongorongo-Holztafeln« (4) bekannt, bedeckt mit Schriftzeichen, die mit Haifischzähnen eingeritzt wurden.

Ich frage mich: Handelt es sich bei den »sprechenden Hölzern« um Teile der geheimnisvollen Bibliothek, die vom Atlantis der Südsee mitgebracht wurde? Ich glaube nicht! Die größte bekannte »Rongorongo-Schrifttafel«,  »Tahua« genannt, ist 90 Zentimeter lang und 11,5 Zentimeter breit. Es dürfte sich um ein Teil eines Ruderblattes eines amerikanischen oder europäischen Bootes handeln. Die Schrifttafel entstand also zu Zeiten, als der Pazifik bereits von Vertretern unserer »Zivilisation« befahren wurde und nicht aus der Urheimat der Osterinsulaner. Sehr viel kleiner ist die Schrifttafel »échancrée«. Sie ist 241 Millimeter lang, 121 Millimeter breit und 26 Millimeter dick. Das »sprechende Holz« befindet sich heute im »Musée de Papeete«, Tahiti. Das Material wurde genauestens untersucht und analysiert (5):»Das Holz stammt von der Steineibe - Podocarpus latifolia. Wie das Holz des in Südafrika heimischen Baumes auf die Osterinsel kam, ist nicht bekannt. Steven Fischer meint, es sei ein Teil einer Bootsplanke eines europäischen Schiffes gewesen.«

Eine ganz andere Form hat der »Santiagostab«, der heute im »Museo Nacional de Historia Natural«, Santiago de Chile, aufbewahrt wird. Auf der vorbildlichen Homepage »Osterinsel.de« wird er wie folgt beschrieben (6):

»Der Santiago-Stab ›i‹ ist eines der (aus religiöser Sicht der Rapa-Nui) am bedeutendsten Objekte mit Rongorongo-Schriftzeichen, vor allem aber das Objekt mit den meisten Schriftzeichen (2320). Der Stab hat eine Länge von 1,12 Meter und einen Durchmesser von durchschnittlich 6 cm. Es handelt sich auch um die schönste erhaltene Arbeit. Im Gegensatz zu allen anderen Tafeln sind die Zeichenfolgen auf diesem Stab in Gruppen zu je drei Zeichen (oder eine Vielzahl von Zeichen die durch drei geteilt werden können), mit senkrechten Strichen abgetrennt. Th(omas) Barthel schreibt: ›Der Stil ist vorzüglich und weist viele singuläre Konstruktionen auf.‹«

Ich halte die heute noch erhaltenen »sprechenden Hölzer« nicht für die Originale, die beim großen Exodus vom Atlantis der Südsee auf die Osterinsel gebracht wurden. Wie man mir vor Ort versicherte, hatte man die  67 Tafeln der geheimnisvollen Bibliothek zu ihrem Schutz für den Transport auf See in aus Baumrinde gewonnenes Tuch eingehüllt. Alle Tafeln sollen die gleiche Form gehabt haben. Die mysteriöse »Bibliothek« ist bis heute verschwunden. Meine Spekulation: Wurde sie in einer Höhle oder einer unterirdischen Kammer versteckt? Der Überlieferung nach hat sie ein geradezu enzyklopädisches Wissen zu bieten.

Foto 4: Easter Island von Metraux
Auf den Tafeln wurden die Ergebnisse von Ahnenforschung festgehalten, aber auch Erkenntnisse aus der Geschichtsforschung verewigt. Festgehalten wurde uraltes Wissen aus den Bereichen »Religion«, »Landwirtschaft«, »Botanik«, »Medizin« und »Astronomie«. Bedauernd stellt Thomas Barthel in seiner Habilitationsschrift »Grundlagen zur Entzifferung der Osterinselschrift« (7) fest (8): »Von den astronomischen Kenntnissen der alten Osterinselkultur haben sich nur Bruchstücke erhalten. Immerhin kann aus den Ortsnamen ›Ana-ui-hetuu‹ und ›Papa-ui-hetuu‹ auf die frühere Existenz von Observatorien geschlossen werden. Aufgabe einer bestimmten Priesterschule war es, die Insulaner vor dem verderblichen Einfluß gewisser Sterne zu schützen. Eine besondere Rolle spielten die Plejaden.«

Auch heute noch bietet der nächtliche Himmel über der Osterinsel einen märchenhaft schönen Anblick. Nirgendwo sonst auf der Welt konnte ich die Sterne so klar erkennen. In unseren Gefilden kann man in der Nähe von Großstädten nachts die Milchstraße fast nur noch erahnen. Auf der Osterinsel stört nachts kein Kunstlicht. In »Hanga Roa«, der Hauptstadt und einzigem Ort auf der Osterinsel, geht man sparsam mit Elektrizität um. Vor Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden waren die Voraussetzungen für die Beobachtung von Sternen ideal. Die Osterinsulaner beobachteten den Sternenhimmel sehr genau, so wie das schon ihre Vorfahren in der »alten Heimat« bereits taten. Alfred Métraux schreibt in seinem voluminösen Standardwerk »Ethnology of Easter Island« im Kapitel »Sonne und Sterne« (9):

»In der Nähe der Plattform Okahu, an der Westküste, gibt es eine kleine Höhle, die Anu-ui-hetnu (»Die-Höhle-wo man die Sterne sah«). Gemäß der Tradition war diese Stätte ein Observatorium, wo Priester die Sterne beobachteten und eine Schule, in der Kandidaten für das Priesteramt in die Wissenschaft von den Sternen eingewiesen wurden.«

Foto 5: Mystery of Easter Island
Besonders aufmerksam beobachtet wurden der Mars, der Gürtel des Orion und »Stern Pau«. Sergei Rjabchikov, »Sergei Rjabchikov«-Stiftung, Zentrum zur Erforschung »Alter Zivilisationen und Kulturen« in Krasnodar, Russland, hat sich intensiv mit der vorgeschichtlichen Astronomie bei den Osterinsulanern beschäftigt. Ihre Priester-Astronomen beobachteten ständig die Himmelskörper. Noch 1682 waren sie höchst aktiv, so Sergei Rjabchikov, und studierten den Halleyschen Kometen. Sehr aufmerksam wurden auch Sonne, Mond, Mars und Saturn. Sergei Rjabchikov vermutet, dass es einen Zusammenhang zwischen astronomischen Studien und dem bis heute nicht wirklich verstandenen »Vogelmann-Kult« gab.

Ein zweites Observatorium gab es irgendwo ganz im Osten der Osterinsel, »am äußersten Ende der östlichen Landzunge« wie Katherine Routledge (11) vor einem Jahrhundert zu berichten wusste. Vergeblich habe ich versucht, den mysteriösen Ort aufzusuchen. Mir scheint, dass die weitestgehend zerstörte Stätte immer noch mit einem Tabu belegt ist. Der Ort heißt auch heute noch »Ko Te Papa-ui-hetuu«, was so viel heißt wie »Der Fels zum Beobachten der Sterne«. Die alten weisen Männer versammelten sich hier, um Sternkonstellationen zu studieren. Von dem einstigen Heiligtum sind aber nur noch einige Felsbrocken erhalten. In einen der Felsblöcke hat man eine Spirale eingraviert. Noch interessanter soll ein weiterer Steinquader sein, in den  zehn Vertiefungen gemeißelt wurden. Vor einem Jahrhundert teilte man Katherine Routledge mit, dabei handele es sich um eine Sternenkarte.In den unendlichen Weiten des Pazifiks wirkt die Osterinsel wie ein einsamer Stern in den Tiefen des Kosmos.

Diese Abgeschiedenheit hat sicher dazu beigetragen, dass die Wissenschaftler der Osterinsel die Geheimnisse der Sonne, der Planeten und der Sterne zu ergründen suchten. Erkannten sie, dass sie auf ihrem Eiland genauso im Meer verloren waren wie ein einsamer Stern im All? Oder fürchteten sie sich vor den Naturgewalten, vor dem stürmischen Meer? Das wäre durchaus verständlich, war doch die Urheimat ihrer Vorväter in den Fluten des Pazifiks versunken? Glaubten oder hofften sie, dass ein Studium der Planeten und Sterne die Priester-Astronomen in die Lage versetzen würde, Naturkatastrophen wie Fluten vorauszusehen? Laut der Überlieferung waren astronomische Erkenntnisse auf den 67 Tafeln der alten Bibliothek des Atlantis der Südsee verewigt. Offenbar setzten die Osterinsulaner die wissenschaftlichen Studien ihrer Vorfahren fort.

Foto 6: Verfremdete Moai
Ob die geheimnisvolle »Bibliothek« jemals gefunden werden wird? Vielleicht in einer unterirdischen Kammer? Von der mysteriösen Entdeckung im Umfeld der sieben Moai auf der Plattform »ahu akivi« habe ich bis heute leider nichts mehr gehört. Dabei sollen inzwischen weitere unterirdische Unregelmäßigkeiten entdeckt worden sein. Wurde je nachgegraben?

Fußnoten
(1) »GEO«,  Jahrgang 2007, Heft 9, Seite 18
(2) Joseph, Frank: »Lost Civilization of Lemuria/ The Rise and Fall of the World’s Oldest Culture«, Rochester 2006, Seite 60, Zeilen 1-8 von unten
(3) ebenda, Seite 61,  Zeile 8 von unten
(4) http://www.osterinsel.de/34-rongorongo-holztafeln.htm (Stand 1.Februar 2019)
(5) ebenda, »04. - D Tablette échancrée« (Stand 1.Februar 2019)
(6) ebenda, »09. - I Santiagostab« (Stand 1.Februar 2019)
(7)  Barthel, Thomas: »Grundlagen zur Entzifferung der Osterinselschrift«, Hamburg 1958
(8) ebenda, Seite 239, erster Absatz oben
(9) Métraux, Alfred: »Ethnology of Easter Island«, Honolulu, Hawaii, 1971, Seite 52, Zeilen 2-5 von unten
Foto 7: Moai - Moderne Kunst
(10) Routledge, Katherine: »The Mystery of  Easter Island«, 1919, Nachdruck
Kempton 1998, Seite 235, Zeilen 10 und 11 von oben. Im Original: »On the extremity of the eastern headland«.
(11) ebenda, Seite 235, letzter Absatz unten

Zu den Fotos
Foto 1: Sieben Moai auf der Plattform »ahu akivi«. Foto: Ingeborg Diekmann
Foto 2: Wo sind die »Grabkammern«? Foto: Ingeborg Diekmann
Foto 3: Sprechende Hölzer... Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Easter Island von Metraux. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Mystery of Easter Island von Katherine Routledge. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Verfremdete Moai. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Moai - Moderne Kunst. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein

480 »Nabel des Lichts«,
Teil 480 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 31. März 2019


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Sonntag, 1. April 2018

428 „Besuch bei einem monströsen Wesen aus Stein“


Teil  428 der Serie
„Monstermauern, Mumien und Mysterien“                         
von Walter-Jörg Langbein                       


Foto 1: Der „gestohlene Freund“ aus Basalt.

Die Kreatur wirkte gespenstisch. Auf scharfkantigen Schultern ruhte ein gewaltiger, unnatürlich langer Kopf. Trug das Wesen so etwas wie eine Maske, vielleicht sogar einen Helm? Die Augen starrten mich wie aus tiefen Höhlen durch die kleinen Öffnungen einer Maske oder eines Helms an. Nase und Mund waren kaum zu erkennen, waren nur angedeutet.

Die Augen wirkten bösartig und gemein. Der gewaltige, unnatürlich hohe Schädel hatte seltsame Beulen und Ausbuchtungen, er passte mehr in die Welt eines furchteinflößenden Horrorfilms als in ein Museum auf der mysteriösen Osterinsel. Immer wieder ließ ich den Lichtkreis meiner langsam schwächelnden Taschenlampe über dieses Wesen aus Stein wandern.

„Darf ich nicht doch ein Foto machen?“ Energisch schüttelte der „Chef“ der kleinen Privatpension am Rande von Hanga Roa, der „Hauptstadt“ der Osterinsel, den bärtigen Kopf. Der gutmütige Polynesier wohnte schon sein Jahrzehnten auf „Para Nui“, alias „Isla de Pascua“, à la „Osterinsel“. „Vielleicht kommt das Ding ja eines Tages in unser Museum. Dann kommst Du wieder und machst ein Foto!“ (1) Das war kein wirklicher Trost.

Fotos 2 + 3: Der gestohlene Freund unterwegs nach England.

Auf den ersten Blick erinnerte das Ding an die zum Teil gewaltigen Kolosse der Osterinsel. Eines hatten die etwa 1,40 Meter kleine Statue (2) mit den steinernen Riesen gemein: die eher schmächtigen Ärmchen lagen an den Seiten, die nur zu erahnenden Hände waren unnatürlich abgewinkelt, die Finger deuteten Richtung Nabel. Ansonsten aber gab es doch erhebliche Unterschiede. Kann man das Geschlecht der berühmten Osterinsel-Statuen nicht erkennen, so war die kleine Statue eindeutig weiblich. Deutlich auszumachen waren fast üppige Brüste.

Viel markanter aber war der lange, hohe Kopf. Die Figur maß von der Gürtellinie bis zum Hals in etwa 70 Zentimeter (3), genauso wie vom Halsansatz bis zu den „Haaren“. „Wir müssen wieder gehen!“, ermahnte mich „mein“ Pensionschef, der zugleich auch Koch, Empfangschef, Rezeptionist und Reiseführer war. Nirgendwo sonst auf der Welt schmeckte das morgendliche Toastbrot wie bei ihm. Höchstselbst spießte er Scheibe für Scheibe mit einer Gabel auf und hielt sie dann über die Flamme seines Gasherds in der Küche der Privat-Pension. Ich war viele Tage der einzige Gast, durfte mir immer wünschen, was es mittags oder abends zu essen gab. Die vegetarischen Gerichte, die mir zubereitet wurden, schmeckten köstlich.

„Wir müssen wieder gehen...“, ermahnte mich mein Pensionschef, der langsam etwas ungeduldig wird. Meine Uhr zeigte 5 Minuten vor 1 Uhr an. Das Ende der „Geisterstunde“ nahte. Entschlossen trat ich auf die steinerne Monstrosität zu. Die kleine Taschenlampe nahm ich in den Mund, hatte so beide Hände frei. Vorsichtig tastete ich die mysteriöse Skulptur ab. Die Oberfläche war glatt und feinporig, ganz anders als bei den Statuen, die einst zu Hunderten auf Sockeln standen, alle mit dem Rücken zum ewigen Pazifik.

Foto 4: 
Das „monströse Wesen“ aus Basalt.
Weite Flächen der Osterinsel sind förmlich übersät mit schwarzen Brocken: viele sind nur faustgroß, andere ähneln vom Format Fußbällen und wieder andere sind noch größer. Es handelt sich um Lavabrocken, die von Vulkanen wie Rano Kao (im Südwesten gelegen), Maunga Puakatiki (im Osten) und Maunga Terevaka (im Norden) ausgespuckt wurden. Die Osterinsel ist nicht ein kleines Stück Land mit Vulkanen. Sie ist in ihrer Gesamtheit vulkanisch. Sie verdankt ihre Existenz unterseeischen Vulkanausbrüchen in etwa dreitausend Metern Tiefe.

Vor drei Millionen Jahren durchbrach erstmals in der Region der heutigen Osterinsel glühend heiße Lava den Grund des Meeres. Gewaltige Lavamassen wurden empor geschleudert. Ein Vulkankegel wurde aufgetürmt. Vor zwei Millionen Jahren kam es zu einem weiteren Vulkanausbruch, wieder erhob sich ein Kegel aus dem Meer. Damit endet nicht die Vulkantätigkeit. Immer wieder gebiert die Erde aus ihrem glühenden Inneren vulkanische Riesen. Und so formiert sich langsam die Osterinsel: als das Resultat von Magma-Eruptionen aus dem Erdinneren. Der Vulkanismus lässt im Inneren der Osterinsel immer wieder Hohlräume entstehen. Nicht wenige dieser Höhlen wurden von den Insulanern entdeckt. Sie dienten als Kultstätten „im Leib von Mutter Erde“. Ob hier matriarchalisch orientierte Religionen zelebriert wurden?

Vor zweieinhalb Jahrtausenden, so gilt als gesichert, gab es zum letzten Mal vulkanische Aktivität auf der Osterinsel. Eher unansehnlich ist der kleine Puku-puhipuhi-Kegel im Osten des Eilandes. Übersetzt man diesen Namen des Vulkans, so heißt er „der Keuchende“ oder „der Schnaufende“. Der Name belegt eindeutig, dass die Osterinsulaner den Vulkan noch aktiv erlebt haben müssen. Das heißt: Die Osterinsel muss schon vor mindestens 2500 Jahren besiedelt gewesen sein. Das widerspricht der gängigen Lehrmeinung. Die Gelehrtenwelt ist sich nicht einig, wann die ersten Menschen auf die Osterinsel kamen.

Unterschiedliche Daten werden für die Ankunft des legendären Königs Hotu Matua genannt: 500 n. Chr., 1000 n. Chr. und 1500 n. Chr. Die letzte vulkanische Aktivität gab es aber 500 v.  Chr. Und schon damals müssen Menschen auf der Osterinsel gelebt haben, die noch aktiven Vulkanismus beobachten konnten. Die Geschichte der Besiedlung des Eilands muss also wesentlich weiter in die Vergangenheit zurückreichen als angenommen.

Die Osterinsel ist eine vulkanische Insel. Deshalb ist es doch ganz normal, dass erkaltetes Vulkangestein als Material für die weltberühmten Statuen verwendet wurde.

Foto 5: Kopf des „monströsen Wesen“ aus Basalt.
Es ist zwar nicht sonderlich hart, aber dennoch schwer zu bearbeiten. So sind die Osterinselriesen Zeugnis von hoher Steinmetzkunst. Die grässlich-monströse Statuette mit dem überlangen Kopf freilich ist ganz eindeutig nicht aus porösem Lavagestein gemeißelt worden wie die Osterinselkolosse, die aus dem Kraterrand des „Rano Raraku“-Vulkans herausgehauen wurden. Das monströse Wesen mit dem Aussehen eines „Leatherface“ wurde – wann auch immer – aus Basalt gearbeitet. Aber wann?

Im Oktober 1982 durfte ich in einem Bretterverschlag außerhalb von Hanga Roa, direkt am Pazifik, eine mysteriöse Statuette bestaunen, die so gar keine Ähnlichkeit mit den Riesenstatuen hatte. Zur Geisterstunde untersuchte ich die steinerne Kreatur so gut und gründlich ich konnte. „Das Material ist so glatt...“, stellte ich fest. „Ich habe zu Hause ein Foto von einer großen Statue, die aus dem gleichen Material gefertigt wurde...“  Ein letzter Versuch, das mysteriöse Ding doch noch im Foto festhalten zu dürfen, scheiterte kläglich. Zurück ging's, es war inzwischen 1.30 Uhr zur kleinen Privatpension.

Wie versprochen zeigte mir „mein“ Pensionswirt, der figurmäßig in Richtung Buddha tendierte, ein vergilbtes Schwarzweißfoto. Es zeigt eine „typische“ Osterinselstatue an Bord der Fregatte „HMS Topaze“. „1868 haben die Engländer unseren steinernen Freund entführt und nach England verschleppt!“ beklagte mein Gastgeber.

„Er ist aus dem gleichen Material gefertigt wie die Figur in der Hütte! Aus Basalt!“ Jahre später stand ich dem „gestohlenen Freund“ im Foyer des „British Museum“ London gegenüber. Mit einer Höhe von 2,42 m gehört er zu den kleineren Statuen, bringt aber immerhin rund vier Tonnen auf die Wage. Winzige Farbreste wurden entdeckt, so dass wir heute wissen: die Basalt-Statue war einst angemalt, und zwar in den Farben Schwarz und Weiß. Sollten alle Osterinselriesen einst bemalt gewesen sein?

Foto 6: Augenpartie des „monströsen Wesens“.

Bis heute heißt die Basalt-Statue „Hoa-haka-nana-ia“ im Londoner Museum in der Ur-Sprache der Osterinsulaner . Aber was heißt das? Die Osterinsulaner sind sich einig. Man könne, sagen sie, den Namen mit „Gestohlener Freund“ übersetzen. Im „British Museum“, so behauptete ein Kurator im Gespräch mit mir, bedeute „Meister Wellenbrecher“. Der seltsame Name freilich sei „frei erfunden“, weil man nicht so gern daran erinnert werde, dass die wertvolle Statue gestohlen wurde. Warum bringt man sie dann nicht in ihre Heimat zurück?

Bis zu zwanzig Osterinselstatuen sollen einst aus Basalt gemeißelte worden sein. Bis heute wurde aber auf der gesamten Osterinsel nur der Steinbruch der „Lava-Riesen“ an den Hängen des „Hanga Roa“-Kraters gefunden, einen Basalt-Steinbruch scheint es aber auf dem Territorium der heutigen Osterinsel nicht gegeben zu haben. Woher stammte dann der Basalt für die großen Statuen aus dem harten Material?

Immer wieder bekam ich von Osterinsulanern zu hören, es habe einst einen großen Basalt-Steinbruch gegeben. Das sei schon sehr sehr lange her. Damals sei „Isla la Pascua“ noch sehr viel größer gewesen. Große Teile der Osterinsel aber seien im Meer versunken, weil der Pazifik große Gebiet des Eilands wieder verschlungen habe. Wann aber soll das geschehen sein? Wann versanken Teile der Osterinsel im Pazifik, und mit ihnen der Steinbruch für die Basalt-Statuen?

Foto 7: Der „gestohlene Freund“ 
im „British Museum“ aus anderer Perspektive.

Erinnern wir uns: Nach der Mythologie der Osterinsel kamen die Ur-Bewohner des Eilands von einem im Westen gelegenen Königreich, das wie ein Atlantis der Südsee im Meer versunken ist. Dank des fliegenden Gottes Make Make konnte die Bevölkerung des von einer Sintflut heimgesuchte Landes umgesiedelt werden und auf der Osterinsel weiter leben.

Gab es eine „Sintflut“? Es gab einen dramatischen Anstieg des Meeresspiegels, dem die Basalt-Steinbrüche zum Opfer gefallen sein könnten. Allerdings liegt dieses katastrophale, apokalyptische Ereignis rund 10.000 Jahre zurück! Sollte das heißen, dass vor mehr als 10.000 Jahren die ältesten Statuen der Osterinsel geschaffen wurden? Ein Gedanke, der recht kühn zu sein scheint. Mehrere ältere Einheimische indes versicherten mir, sich gut an die Besuche von Jacques Cousteau (*1910, †1997) erinnern zu können. Der berühmte Marineforscher habe bei seinen Tauchgängen in einiger Entfernung von der Küste der Osterinsel auf dem Meeresboden Basalt entdeckt. Cousteau habe berichtet, dass seltsame „Löcher“ im Basalt offenbar künstlich, von Menschenhand geschaffen seien. Hat Cousteau einen der verschwundenen Basalt-Steinbrüche entdeckt?

Foto 8: Die berühmten Kolosse der Osterinsel.

Zu den Fotos

Foto 1: Der „gestohlene Freund“ aus Basalt. Foto: Wikimedia commons/ James Miles
Fotos 2 + 3: Der gestohlene Freund unterwegs nach England. Fotos Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Das „monströse Wesen“ aus Basalt. Zeichnung Grete C. Söcker/ Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Kopf des „monströsen Wesen“ aus Basalt. Zeichnung Grete C. Söcker/ Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Augenpartie des „monströsen Wesens“. Zeichnung Grete C. Söcker / Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Der „gestohlene Freund“ im „British Museum“ aus anderer Perspektive. Foto: Wikimedia commons/ James Miles
Foto 8: Die berühmten Kolosse der Osterinsel. Foto Walter-Jörg Langbein

Fußnoten
1) Angeblich soll sich heute im kleinen Museum der Osterinsel eine solche steinerne Kreatur befinden. Ich kann aber nicht mit Sicherheit feststellen, ob es sich dabei um „meine“ Statuette handelt.
2) Schätzwert!
3) Schätzwert!

Ein herzliches Dankeschön....  
..... geht an Grete C. Söcker, die für mich mein „monströses Wesen aus Stein“ zeichnerisch rekonstruierte! So hat es ausgesehen! So habe ich es in Erinnerung! DANKE, Grete C. Söcker!

429 „Lasst die toten Riesen in den Gräbern!“,
Teil  429 der Serie
„Monstermauern, Mumien und Mysterien“                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 08.04.2018



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Sonntag, 3. Januar 2016

311 »Das Ghetto«


Foto 1
Teil 311 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein

  
Foto 2
»Rapa Nui«, die Osterinsel, erscheint heute jedem Besucher als ein Idyll, fern der Hektik des nervenauftreibenden Alltags unserer »Zivilisation«. Nirgendwo auf der Welt habe ich mich so wohl gefühlt wie auf Isla la Pascua. Nirgendwo sonst auf der Welt ist der nächtliche Sternenhimmel so klar wie über dem kleinen Vulkaninselchen Rapa Nui. Nirgendwo sonst ist die Stille so greifbar wie im Reich der Riesenstatuen. Und wie an so vielen Orten unserer Welt spürt man nicht das Leid, das den Menschen zugefügt wurde. Man erahnt nicht die schmerzhaften Qualen, die hier viel zu lange erduldet wurden.

Was ich aber lange verdrängt habe: Eine Chronik der neueren Geschichte der Osterinsel ist von Gewalt geprägt. Die Brutalität ging nie von den sogenannten »Wilden«, sondern stets von der sogenannten »zivilisierten Welt« aus. Immer wieder erweisen sich Europäer und Amerikaner als die wahren Barbaren.

Foto 3: Tyrann Dutroux-Bornier
1868. Jean Baptiste Dutroux-Bornier (1), französischer Ex-Artillerie-Offizier, in Peru zum Tode verurteilt, »kauft« nach und nach den Ureinwohnern ihre Landrechte ab. 1869 heiratet Dutroux-Bornier (1834-1876) Koreto, eine Rapa-Nui-Frau, und ernennt sich selbst zum König der Osterinsel. Zunächst hat er durchaus Sympathien in der Bevölkerung, vor allem weil er verspricht, dass auf der Osterinsel wieder der alte „Rapa Nui«-Glaube ausgeübt werden darf. Dutroux-Bornier herrscht brutal als Despot. 

247 »Rapa Nui« werden mit Gewalt nach Tahiti »umgesiedelt«, wo sie auf Plantagen schuften müssen. Immer wieder fliehen Osterinsulaner von ihrer Heimatinsel: aus Angst vor dem Terror der Sklavenjäger.

Die beiden Missionare Theodore Escolan und Hippolyte Roussel stellen sich auf die Seite der Einheimischen. Das Leid der Menschen wächst. Schließlich beschließen die beiden Missionare, die Osterinsel per Schiff zu verlassen. Ziel: die Gambier-Islands. Dutroux-Bornier verhindert, den Exodus. Er bedrängt den Kapitän, 175 der Flüchtlinge wieder zurück auf die Insel zu schicken.

Dutroux-Bornier macht die kleine Stadt Hanga Roa zum Ghetto. Auf engstem Raum leben die Osterinsulaner hinter Stacheldrahtzaun. Sie dürfen das Ghetto nicht verlassen. Zuwiderhandelnde werden auf brutalste Weise bestraft. Unklar ist, wie viele Menschen ermordet werden. Eingesperrt im Ghetto, abgeschnitten von ihren Feldern, fristen die Menschen ein erbärmliches Dasein. Die Osterinsel ist zu einer riesigen Schaffarm geworden, die Einheimischen hausen im Ghetto.

Foto 4
Dutroux-Borniers Macht basiert auf Gewehren, einer Kanone und einer brutalen Bande von Handlangern, die ohne mit der Wimper zu zucken zuschlagen. Sie brennen die armseligen Hütten von aufbegehrenden Insulanern nieder. 1876 endet die Gewaltherrschaft des Jean Baptiste Dutroux-Bornier. Der Diktator kommt ums Leben. Ob er von einigen Einheimischen nach einem Streit erschlagen wurde, oder ob er einen Unfall mit tödlichem Ausgang hatte, ist nicht geklärt. (2)

Mit dem Tod des verhassten Tyrannen endet freilich nicht das Leid der Osterinsulaner. Das Ghetto wird fortgeführt…

Am 2. Januar 1888 erwirbt die chilenische Regierung die Schaffarm von einem Nachfolger des unseligen Dutroux-Bornier.  Am 9. September 1888 nimmt Policarpo Toro (1851-1921) die Osterinsel für Chile in Besitz. Der »feierliche Akt«  ist das Resultat von zähen Verhandlungen. Recht »überzeugend« war allerdings, was Policarpo Toro – chilenischer Marineoffizier –  in der Hinterhand hatte: das Kriegsschiff Angamos. Bis heute ist dieser Vertrag bei den Osterinsulanern sehr umstritten. Viele Osterinsulaner, wie Vertragsunterzeichner Häuptling Atamu Teneka, hofften damals, dass Chile sie nun vor Angriffen schützen würde.

Chile allerdings hatte nur strategische Interessen an dem einsamen Eiland. Die Insel soll ein weit vorgelagerter Außenposten Chiles in den Weiten des Pazifiks sein. Die dort lebenden Menschen interessieren niemanden. Der Versuch, Isla la Pascua zu kolonisieren, scheitert. 1895 schließlich verpachtet Chile die Osterinsel an Enrique Merlet… zur Nutzung als Schafsfarm. Enrique Merlet duldet keinen Widerspruch. Ariki Riroroko, der letzte König der Osterinsel, wird auf Befehl des brutalen Farmers ermordet. Langsam, sehr langsam, formiert sich im Untergrund Widerstand. 1914 schließlich leitet die »Priesterin« Maria Angata Pakomio einen Aufstand gegen die Schaffarmer.

Foto 5
Meine Gesprächspartnerin, die mich um Anonymität gebeten hat, bewundert die mutige Frau, die letztlich keine Chancen hatte. In mehreren Gesprächen mit Einheimischen konnte ich feststellen, dass die »Priesterin« heute wieder zusehends an Popularität gewinnt. »Sie war eine warmherzige Königin!«, meinen die einen. »Sie hatte es faustdick hinter den Ohren!« die anderen. 

Unklar bleibt, ob sich Maria Angata Pakomio wirklich als »Prophetin« sah. Oder kreierte sie so etwas wie einen religiösen Kult, um ihrem Volk einen Aufstand als sehr aussichtsreich erscheinen zu lassen?

Auch im Jahre 1914 war die Osterinsel kein selbständiges Land, sondern nur ein Fleck im schier endlosen Meer. Und dieses Fleckchen gehörte Chile. Chile wiederum hatte das Land verpachtet. Herrscher war Gouverneur und Verwalter Henry Parcival Edmonds.

Am 30. Juni, der Termin wurde mir in verschiedenen Gesprächen genannt, erscheint Maria Angata Pakomio, begleitet von zwei Männern, bei der »Inselobrigkeit« (3).  Sie erklärt, dass von nun an Enrique Merlet nichts mehr auf dem Eiland zu vermelden habe.

Die selbsternannte Prophetin erklärt in einfachen Worten die Osterinsel wieder zum Besitz der Osterinsulaner. Auch die Schafe und Rinder seien nicht mehr Besitz der weißen Fremden, sondern der »Kanaken«, wie damals mehr oder minder alle Südseebewohner von den zivilisierten Europäern genannt wurden. Gott selbst habe ihr diese neue Wahrheit kundgetan. Im Traum habe ihr Gott enthüllt: »Mr. Merlet ist nicht mehr! Die Insel gehört den Kanaken. Wir werden uns morgen Vieh holen und ein großes Fest feiern!« (4)

Foto 6: Die »Prophetin«

Die Prophezeiungen der Maria Angata Pakomio muten fantastisch an. Ob sie alle richtig überliefert wurden. Angeblich glaubten die Anhänger der »Prophetin«, die Apokalypse sei über die gesamte Welt hereingebrochen. Die Welt sei untergegangen, überdauert habe das Ende nur Rapa Nui. Nun könnten die Rapa Nui ohne Angst ihre Heimat wieder in Besitz nehmen. Gewiss, da gab es noch bewaffnete Fremde. Aber die Kugeln ihrer Gewehre seien wirkungslos. Sie würden die „Rapa Nui« nicht verletzen, geschweige denn töten.

Die Welt aber war nicht untergegangen. Und die Waffen der weißen Unterdrücker waren nach wie vor sehr wirkungsvoll. Sie töten nach wie vor. So werden die Anführer des Aufstands in Ketten gelegt. Die »Prophetin« Maria Angata Pakomio allerdings bleibt unangetastet. Man hat wohl Angst vor ihrer Autorität. In Chile befürchtet man wohl einen blutigen Aufstand, sollte man die Seherin festnehmen. Sie stirbt ein halbes Jahr nach der Rebellion der Osterinsulaner. Die Welt steht 1914 tatsächlich am Abgrund einer Apokalypse. Ein Weltkrieg tobt, wie es nie zuvor einen gegeben hat.

Foto 7

Die Welt endete nicht, anno 1914. Es wurde aber, symbolisch ausgedrückt, die letzte Tür zu einem der großen Geheimnisse der Osterinsel zugeschlagen. In jenem denkwürdigen Jahr begegnete die englische Forscherin Katherine Routledge nicht nur der Prophetin Maria Angata Pakomio, sondern auch dem letzten Eingeweihten der Osterinsel, der die Botschaft der »sprechenden Hölzer« vernahm.

Tomenika war der letzte Mensch, der die rätselhaften Schriftzeichen der alten Osterinselkultur zu lesen verstand. Der Greis vegetierte in einer Heilanstalt für Leprakranke dahin. Er weigerte sich aber standhaft, sein geheimes Wissen preiszugeben. Katherine Routledge notierte in ihrem Tagebuch (5): 

»Ich machte noch einen erfolglosen Versuch, verabschiedete mich und ging. Ein ungewöhnlich stiller Tag neigte sich dem Ende zu, alles an diesem abgeschiedenen Ort war vollkommen ruhig. Vorn erstreckte sich wie Glas das Meer und die Sonne neigte sich wie ein Feuerball dem Horizont zu. In der Nähe jedoch lag der langsam sterbende Greis, dessen müdes Hirn die letzten Reste einstmals hochgeschätzten Wissens bewahrte. Zwei Wochen später war er gestorben.«

Foto 8: Alfred Métraux
Erst 1964 gibt es wieder einen Versuch einer Revolution. Alfonso Rapu wird von den Rapa Nui zum Bürgermeister gewählt. Und endlich – nach Jahrzehnten – zeigen die immer wieder vorgebrachten Proteste gegen die menschenunwürdige Behandlung der Osterinsulaner Wirkung! Schon 1935 hat der große Osterinselexperte, der Belgier Alfred Métraux (1902-1963), die Weltöffentlichkeit auf den Skandal Osterinsel aufmerksam gemacht, freilich ohne erkennbaren Erfolg. 1963 erhebt Francis Mazière seine Stimme gegen das Elend der Menschen von Rapa Nui:

»Es herrscht auf der Insel ein derartiges Elend, dass man vom Übergangsstadium in unsere Zivilisation nicht sprechen kann. Die von den Chilenen vernachlässigte oder von den dorthin geschickten Elementen verhängnisvoll beeinflusste Insel ist nicht einfach dem Niedergang preisgegeben, sie ist schlechthin inmitten eines ausweglosen Elends verrottet.«

1966 wird – nach rund einem Jahrhundert – das unsägliche Ghetto der Osterinsel aufgelöst. Die Rapa Nui dürfen sich wieder frei auf der eigenen Insel bewegen. Und heute? Heute ist das »Paradies Osterinsel« vollkommen abhängig von Chile. Eine Selbständigkeit scheint sich nicht mehr verwirklichen zu lassen.

Foto 9


Fußnoten
1) Die Schreibweise des Namens Dutroux-Bornier variiert, gebräuchlich ist auch Dutrou-Bornier
2) Siehe… Routledge, Katherine: »The Mystery of Easter Island«, 1919 erschienen, Nachdruck Kempton, Illinois, USA, 1998, S. 208
3) Gemeint ist der »Manager« der Schafsfarm, wobei die »Schafsfarm« fast identisch ist mit der Insel
4)Siehe hierzu… Routledge, Katherine: »The Mystery of Easter Island«, 1919 erschienen, Nachdruck Kempton, Illinois, USA, 1998, S. 142
5) ebenda, S. 253


Zu den Fotos

Foto 1: privat/ Archiv Langbein 
Foto 2: Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Tyrann Dutroux-Bornier, etwa 1876 wikimedia commons public domain
Fotos 4 und 5: Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Die »Prophetin« Maria Angata Pakomio, wiki commons/ unbekannter Fotograf, 1914 
(Identität der hockenden Person nicht  absolut gesichert! Vermutlich: Maria Angata Pakomio)
Foto 7: Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Alfred Metraux, 1932, wikimedia commons/ Charles Mallison
Foto 9: Walter-Jörg Langbein

312 »Woher, wohin?«
Teil 312 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 10.01.2016
 

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Sonntag, 16. August 2015

291 »Mariae Himmelfahrt – Teil 1«

Teil 291 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Die berühmten Kolosse der Osterinsel.

Hanga Roa, Osterinsel. Auf dem kleinen Flughafen mit der kilometerlangen Landebahn angekommen, ließ ich mich von einem »Taxi« direkt zum berühmten Steinbruch fahren. Im »Ranu Raraku«-Vulkankegel wurden einst die berühmten Kolosse, die Moais, herausgearbeitet. Irgendwann endete dort die emsige Tätigkeit der Steinmetze. Aus welchem Grund auch immer wurde die Riesenproduktion abrupt beendet. So finden wir heute fast fertige Moais und solche in sehr frühen Stadien der Produktion. Andere Kolosse wiederum liegen in Sichtweite des Steinbruchs. Man hat sie einfach nicht weiter transportiert, einfach liegengelassen.

Als mein Taxifahrer hörte, dass ich noch kein Zimmer gebucht hatte, zerrte er mich förmlich in sein Vehikel und auf ging es in holperiger Fahrt an den Rand der »Hauptstadt« der Osterinsel. Hanga Roa, die »Metropole«, ist die einzige Siedlung auf dem Eiland. Die Einwohnerzahl dürfte bei etwa 4000 liegen. Wir hielten vor einem bescheidenen Häuschen, der eifrige Chauffeur schleppte sogleich meinen Koffer an die Tür und klingelte Sturm.

Foto 2: Im »Steinbruch« der Kolosse

Ein altes Mütterlein öffnete schließlich. Ja, sie hatte noch ein Zimmer frei. 50 Dollar sei der Preis für die Übernachtung. Mein erstauntes Gesicht wurde wohl missverstanden. Ich hatte von horrenden Zimmerpreisen gehört und wunderte mich über das sehr kostengünstige Angebot. Die Wirtin indes glaubte wohl, mir wären die fünfzig Dollar zu viel. Im Preis inbegriffen, so erfuhr ich, seien ein Abendessen und ein Frühstück. Mein Zimmer wurde mir gezeigt. Kaum hatte ich meinen Koffer geöffnet, klopfte es an der Tür. Es war die freundliche Wirtin, die mir einen Suppenteller mit einer gewaltigen Portion Bohnenstampf und Rührei servierte.

Das Mahl war wirklich üppig, sehr gut gewürzt und schmackhaft. Die Wirtin war Peruanerin, deshalb gab es als Schlummertrunk noch zwei, drei Pisco Sour. Das schaumig geschlagene Eiweiß milderte den namengebenden sauren Zitronengeschmack, die fein gehackten Eisstückchen machten den hochprozentigen Cocktail angenehm erfrischend. So schlief ich bald tief und fest….

Morgens sechs Uhr… Heftiges Klopfen an meiner Zimmertür weckte mich aus komaartig tiefem Schlummer. Frühstück war angesagt. Es gab Bohnenstampf, Rührei und Kaffee von tiefer Schwärze und einer Stärke, die den Trunk zum wahren Hallo-wach-Wundermittel machte. Einnehmen durfte ich das üppige, nahrhafte Mahl mit einem zweiten Gast.

So kam ich mit dem älteren Herrn in ein anregendes Gespräch. Der Mann war katholischer Geistlicher und wollte zu einer »religiösen Feier« zu Ehren der »Gottesmutter« auf die Osterinsel gekommen. Ich berichtete von meinem abgebrochenen Studium der evangelischen Theologie. Der Geistliche zeigte sich sehr erfreut. Ich sei doch auf dem rechten Weg, könne ja zum Katholizismus konvertieren.

Foto 3: Verleih von Verkehrsmitteln aller Art

Ob ich denn wisse, was der 15. August für ein besonders wichtiger Feiertag sei? Ich muss zugeben, dass ich keine Ahnung hatte. »Wir erinnern uns an die Himmelfahrt der Gottesmutter Maria!«, klärte mich der Geistliche freundlich und in gut verständlichem Englisch auf. Milde verzieh er mir mein Unwissen. »In deiner Kirche hält man ja nichts von diesem wichtigen Tag…« Ich murmelte etwas von Martin Luther und von fehlenden Hinweisen in der Heiligen Schrift zur Aufnahme Mariens in den Himmel.

»Für die frühen Christen war es selbstverständlich, dass die Gottesmutter leibhaftig in den Himmel aufgenommen wurde! Natürlich wussten die Evangelisten von dem wundersamen Ereignis, aber sie schwiegen, gingen davon aus, dass jeder wusste, was mit Maria geschehen ist!«

Foto 4: »Himmelfahrt« Mariens

Alljährlich begeht die römisch-katholische Kirche das Hochfest »Assumptio Beatae Mariae Virginis«, auch als »Vollendung Mariens« oder »Mariae Aufnahme in den Himmel« bekannt. Die geläufige Bezeichnung »Himmelfahrt Mariens« entspricht nicht ganz dem lateinischen Terminus »assumptio«. Gemeint ist eine »Aufnahme« in den Himmel, keine »Himmelfahrt«. Suggeriert doch »Himmelfahrt« eine Reise aus eigener Kraft in himmlische Gefilde, während unter »Aufnahme« ein passiver Vorgang zu verstehen ist. Diese Präzisierung mag vermeintlich »modernen Menschen« als unnötige Haarspalterei erscheinen. Gern verweisen sie, so sie sich oberflächlich informiert haben darauf, dass die ganze Geschichte doch nur eine moderne Erfindung sei. Stimmt das?

Zum Dogma wurde der Glaube an die körperlich-leibliche Aufnahme der Gottesmutter in den Himmel tatsächlich erst anno 1950 von Papst Pius XII. erklärt. Was wir bei den vier Evangelisten vergeblich suchen, das findet sich in einer koptischen Apokryphe. Michael Hesemann, profunder Kenner biblischer Historie, weiß zu berichten (1):

Foto 5: »Transituts Mariae«
»Das in Wien verwahrte koptische Pergamentblatt mit der Katalognummer P. Vindob K 7.589 stammt zwar aus dem 9. Jahrhundert, doch es handelt sich wohl um die Abschrift eines sehr viel älteren Textes, vielleicht sogar das Fragment einer ›primitiven Marien-Apokalypse‹ aus dem 2. Jahrhundert, wie zumindest Förster (2) glaubt. Dafür sprechen die Schlichtheit des Textes, ihre simple Theologie, vor allem aber die konsequente Titulierung Mariens als ›Jungfrau‹ (parthenos) statt ›Gottesmutter‹ (theotokos), was ab dem 4. Jahrhundert üblich und seit dem Konzil von Ephesus geradezu zwingend gewesen wäre.«

Pergament P. Vindob K 7.589 (»Transitus Mariae«) bietet eine Fülle präziser Informationen (3): »Die Jungfrau gebar den Emmanuel, den lebendigen Gott. Und als sie ihn geboren hatte, näherte sie sich in etwa 13 Lebensjahren. Er verbrachte 33 Jahre, nämlich Jesus der Christus, in denen er nicht gekreuzigt wurde. Als sie den Herrn Jesus kreuzigten, war die Jungfrau im 48. Jahr. Und sie verbrachte elfeinhalb Jahre nach der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus. Diese alle zusammen machen also 60 Jahre. Die ganze Zeit, die die Jungfrau auf der Erde verbracht hat, sind also 60 Jahre.

Ferner nun: Nach der Himmelfahrt unseres Erlösers ging die Jungfrau Maria mit den Aposteln verkündigen. Danach führte der Heilige Geist sie den Weg hinauf nach Jerusalem. Es war nämlich die Zeit gekommen, dass die Jungfrau sterben sollte, wie es jedem Menschen auferlegt ist. Denn sie hatte den Lauf vollendet und den Glauben bewahrt.«

Die Apostel waren darüber, so heißt es, sehr betrübt. Maria sprach »ein großes Gebet zum Herrn«. (4) »Und nachdem sie das Amen gegeben hatte, legte sie sich auf das Ruhebett. Und sofort, siehe, ein großer Duft verbreitete sich an dem ganzen Ort, und ein großes Licht erschien in dem Haus, und Christus trat mit einer großen Schar von Engeln zu ihr, und er sprach zu uns: ›Friede mit euch. Freue dich, o Maria, meine Mutter. Friede deinem Verlassen dieser Welt, in ein anderes wunderbares Licht. Friede sei mit euch, meine gesegneten Apostel.‹ Danach wandte er sich an Maria, seine Mutter, und sprach: ›O Maria, meine Mutter, keine Macht der Finsternis wird zu dir kommen können. Ich bin das Leben der ganzen Welt.‹«

Foto 6: Maria der Osterinsulaner
Zum Dogma wurde der Glaube an die körperlich-leibliche Aufnahme der Gottesmutter in den Himmel erst anno 1950 von Papst Pius XII. erklärt. Daraus meinen skeptische Lutheraner ableiten zu können, dass diese Lehre sehr jung sei. Dem ist aber nicht so. Cyrill von Alexandrien war es, der schon im fünften Jahrhundert n.Chr. am 15. August ein Marienfest zelebrieren ließ. Das Fest »Mariae Aufnahme in den Himmel« lässt sich schon im sechsten Jahrhundert nachweisen. Und die Urfassung von Vindob K 7.589 beschrieb womöglich schon im zweiten Jahrhundert n.Chr. die Aufnahme Mariens in den Himmel.

Michael Hesemann kommt nach akribischer Recherche alter und ältester Dokumente wie des Vindob K 7.589 zur Überzeugung, dass das Dogma der »Assumptio« Mariens alles andere als ein neuzeitliches Produkt der Theologie ohne historischen Hintergrund ist. So schreibt er (5): »Die genauen Umstände ihres Todes (gemeint: Maria) .. bleiben auf ewig ein Geheimnis. Es ist uns nicht möglich, sie mit den Methoden der Geschichtsschreibung und der Archäologie zu ergründen. … Wir können allerdings sicher sein, dass die Legende des Transitus, bei allen noch so phantastischen Ausschmückungen, einen wahren Kern hat. Schließlich waren all die verwendeten Bilder nur Versuche, eine tiefere Wahrheit, die unbeschreiblich ist, zu erfassen.«

Foto 7: Das bescheidene Kirchlein der Osterinsel

Nach dem reichhaltigen Frühstück ging es dann zu Fuß zum kleinen Kirchlein der Osterinsel. Es war ein unerträglich heißer Vormittag, als wir am Gotteshaus ankamen. Da warteten schon viele Insulaner. Der Geistliche sprach einige Worte in Spanisch, die ich nicht verstand. Wir betraten das Kirchlein. Jetzt ging es auf Rapanui, also auf Osterinsulanisch, weiter. Und schließlich wurden alte Lieder voller freudiger Inbrunst gesungen…Wie mir der Geistliche nach dem Gottesdienst versicherte, wächst das Interesse der heutigen Osterinsulaner an ihrer alten Kultur. Die Jungen lernen wieder eifrig die alte Sprache Rapanui, die noch vor wenigen Jahren in Vergessenheit zu geraten drohte.

Verstanden habe ich die frommen Gesänge nicht. Aber ich meinte sehr wohl, den tiefen Glauben der einfachen Menschen zu spüren. Die Atmosphäre an jenem heißen Morgen war eine ganz besondere. Sie ließ sich nicht in Worte kleiden. Und so verzichtete ich natürlich darauf, die kleine Andacht durch Fotografieren zu stören.

Jahre später besuchte ich, jetzt mit einer kleinen Reisegesellschaft, wieder die Osterinsel. »Meinen« Geistlichen traf ich nicht mehr an. Er war, so erfuhr ich, nur für wenige Tage auf die kleine Vulkaninsel gekommen und hatte nur einen Gottesdienst als Gast zelebriert.


Fußnoten

(1) Hesemann, Michael: »Maria von Nazareth - Geschichte, Archäologie, Legenden«, Augsburg 2011, S. 283
(2) Hans Förster, Wiener Kirchengeschichtler
(3) Förster, Hans: »Transitus Mariae: Beiträge zur koptischen Überlieferung«, Berlin 2006, S. 15
Anmerkung: »transitus«, zu Deutsch etwa »Übergang«
(4) ebenda, S. 16
(5) Hesemann, Michael: »Maria von Nazareth - Geschichte, Archäologie, Legenden«, Augsburg 2011, S. 286

Zu den Fotos:

Foto 1: Die berühmten Kolosse der Osterinsel.
Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Im »Steinbruch« der Kolosse
Halbfertiger Koloss, liegend. Stehend: der Verfasser.
Foto: privat
Foto 3: Verleih von Verkehrsmitteln aller Art
Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: »Himmelfahrt« Mariens: Bibelillustration, um 1870. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 5: »Transituts Mariae«. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Maria der Osterinsulaner. Aufgenommen in der kleinen Kirche der Osterinsel. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Das bescheidene Kirchlein der Osterinsel. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Sehr empfehlenswert! Foto Verlag/ Archiv Walter-Jörg Langbein

Zur Lektüre empfohlen:

Michael Hesemann: »Maria von Nazareth«, Augsburg 2011, gebundene Ausgabe, 304 Seiten, 22,00 Euro

Foto 8: Sehr empfehlenswert!
Wer das »Neue Testament« oberflächlich liest, mag zur Erkenntnis kommen, dass wir über Maria von Nazareth nur sehr wenig wissen. Wer vermeintlich »wissenschaftliche« Werke der »kritischen Theologie« studiert, wird sich in seiner Meinung bestärkt sehen. Wer aber wirklich ausführliche Informationen über Maria von Nazareth sucht, dem sei die Lektüre von Michael Hesemanns »Maria von Nazareth/ Geschichte, Archäologie, Legenden« wärmstens empfohlen.

Michael Hesemann ist ein einzigartiges Werk gelungen, als Ergebnis profunden Wissens, intensivsten Quellenstudiums, ausführlicher Recherchen an heiligen Stätten. Kein zweites mir bekanntes »magnum opus« bietet geradezu detektivische Präzision wie Michael Hesemanns grundlegendes Werk. Nirgendwo sonst sah ich so präzise biblische Texte ausgewertet, ergänzt durch eine Fülle außerbiblischer Quellen. Und siehe da: Wir verfügen über eine erstaunliche Fülle an altehrwürdigem Material über Maria. In sehr überzeugender Weise fügt Hesemann unzählige Informationen aus Bibel und Apokryphen, aus Legenden und alten Überlieferungen zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen. Für mich ist »Maria von Nazareth« ein wirklich schlüssiges Buch. Die Einzelinformationen, von Hesemann in bewundernswerter  Manier zusammengetragen, ergeben ein einheitliches Bild. Sie wurden für den interessierten Leser zu einer widerspruchsfreien Gesamtschau vereint.

Michael Hesemann betrieb aber nicht nur umfassendes Quellenstudium, er recherchierte an heiligen Stätten vor Ort… und lässt uns staunen! Werner Keller machte mit seinem Bestseller »Und die Bibel hat doch recht« weltweit Furore.  Michael Hesemanns »Maria von Nazareth« wird dem Titel von Keller sehr viel gerechter. In einer Zeit des antireligiösen Szeptizismus und der Unwissenheit in Sachen Bibel im »christlichen Abendland« unserer Tage bietet es – anschaulich geschrieben, vorzüglich illustriert, sachlich und ohne Sektierertum – Einblicke in das Leben der »Maria von Nazareth«!

Lesenswert? Sehr lesenswert! 

Rezension: Walter-Jörg Langbein

292 »Mariae Himmelfahrt – Teil 2«
Teil 292 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 23.08.2015

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