Posts mit dem Label Michael Hesemann werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Michael Hesemann werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 29. Oktober 2017

406 »Von Engeln und einem fliegenden Haus«

»Das Geheimnis der fliegenden Kapelle«, Teil 8,
Teil  406 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Fotos 1-3: Muttergottes Maria als Frau der Apokalypse schwebt im Himmel

Die Loreto-Kapelle von Birkenstein ist ein Ort des Glaubens, des Danks, der Hoffnung und für viele auch der Zuversicht. Immer wieder begegnet uns auf Malereien, etwa über dem Altar gegenüber der Loreto-Kapelle, die »Gottesmutter«, am Himmel über Wald und Flur, auch über Häusern schwebend. Sie erinnert deutlich an die nach Johannes benannte Offenbarung, die (1) eine »Frau im Himmel« als »Zeichen« tituliert. Auch wenn die »mit der Sonne« Bekleidete anonym bleibt, wird sie im Katholizismus mit Maria Identifiziert. Ich habe Theologen der evangelischen Theologie erlebt, die ganz kontrovers diskutierten. Unterschiedlichste Meinungen prallten aufeinander. Die einen meinten, der Vers in der Johannes-Offenbarung habe überhaupt nichts mit der Gottesmutter Maria zu tun, andere verstanden den Vers als eine Prophezeiung der künftigen Rolle Marias als »Himmelskönigin und wieder andere wollten von einer Prophezeiung überhaupt nichts wissen. Eindeutig sei es Maria mit dem Jesuskind, also ein Bild aus der Vergangenheit, nicht der Zukunft.

Wie an so manchem religiösen Ort – zum Beispiel in Vierzehnheiligen in meiner Heimat im Oberfränkischen bei Michelau –  war auch für mich als Nicht-Katholiken der tief verinnerlichte Glauben der Pilger und Besucher der Kapelle geradezu körperlich spürbar. Trotz vieler Besucher war keine Hektik zu spüren, sondern tiefe Ruhe. Noch stärker war für mich der fast greifbare Volksglaube in der riesigen Kathedrale der Heiligen Jungfrau von Guadalupe, am Rand von Mexico City. Mir scheint, dass religiöser Glaube an besonders von Gläubigen frequentierten Orten etwas Spürbares erzeugt, offenbar auch für Nichtgläubige.

Fotos 4 + 5: Himmelskönigin an einer Birke von Birkenstein.

Die Loreto-Kapelle von Birkenstein ist eine Kopie des Heiligen Hauses von Loreto. Und das wurde der Überlieferung nach von Nazareth nach Loreto in Italien geschafft.

Bereits im 2. Jahrhundert christlicher Zeitrechnung zog das »Heilige Haus« von Nazareth Pilgerströme an. Die Gläubigen waren davon überzeugt, dass im mehr als bescheidenen Gemäuer Maria gelebt hat. Im Ein-Zimmer-Haus soll ihr auch der Engel Gabriel begegnet sein und die Geburt des Jesus-Kindes prophezeit haben. Zum Ein-Zimmer-Haus gehörte eine kleine Felsenhöhle. »Haus und Höhle bildeten eine Einheit.«, schreibt der bekannte Erforscher der Rätsel unseres Planeten Reinhard Habeck in seinem penibel recherchierten Werk »Überirdische Rätsel« (2).Tatsächlich war die »Santa Casa« kein eigenständiges kleines Gebäude, sondern nur eine Art Vorraum zu einer Grotte. Es bestand also nur aus drei Wänden.

Foto 6: »Heiliges Haus« und Grotte, Nazareth.
Zum Schutz von »Santa Casa« und Grotte war schon sehr früh die »Verkündungsbasilika« gebaut worden, in deren Zentrum das Heilige Haus stand. Heute dominiert die größte Kirche im Nahen Osten das Bild der nordisraelischen Stadt Nazareth. Sie ist freilich schon das fünfte Gotteshaus und birgt schon lange nicht mehr das »Heilige Haus«. Anno 1291 war es konkret bedroht. Es war zu befürchten, dass es – wie andere für Christen bedeutsame Heiligtümer – von türkischen Eroberern zerstört würde.

Wer heute die Verkündigungsbasilika von Nazareth besucht, wird nur die Grotte finden, nicht mehr das »Haus« davor. Nun mag der Skeptiker fragen, ob es denn dort wirklich einst »Santa Casa« gegeben habe. Reinhard Habeck klärt auf (3): »Bereits in den 1960er-Jahren haben Ausgrabungen nachgewiesen, dass vor der Grotte tatsächlich ein gemauertes Haus existiert haben muss.« Das aber ist verschwunden, wenngleich nicht spurlos. Konnten doch die Ausgräber tatsächlich die genauen Maße der bescheidenen Bleibe eruieren. Und siehe da (4):

Foto 7: Die Grotte von Nazareth.

»Die Fundamente des fehlenden Gebäudes stimmen mit den Abmessungen der Santa Casa in Loreto überein.« Damit nicht genug! Ich darf noch einmal das empfehlenswerte Werk Habecks zitieren (5): »Das Marienhaus von Loreto entspricht in bauwerklicher Hinsicht keinem bekannten Stil, der im Mittelalter in der Marken-Region üblich war, sondern wurde nach altem palästinensischen Muster errichtet. Das bestätigt sich durch die Bearbeitung vieler Steinoberflächen. Die Anwendung stimmt mit einer speziellen Technik überein, die bei den Nabatäern, einem Nachbarvolk der Hebräer, gebräuchlich war.«

Fakt ist: In Nazareth stand einst ein Häuschen vor einer Höhle, das von dort verschwunden und in Loreto, Italien, wieder aufgetaucht ist. Es scheint erwiesen zu sein, dass »Santa Casa« von Loreto jenes Häuschen ist, das aus Nazareth spurlos verschwunden ist.

Fakt ist offensichtlich, dass die junge christliche Gemeinschaft »Santa Casa« mit Jesus in Verbindung brachte. In der Grotte von Nazareth wie in »Santa Casa« in Loreto fanden sich völlig identische Graffitis der religiösen Art, 60 an der Zahl. Da steht in der Grotte wie auf den Ziegelsteinen des »Heiligen Hauses« - heute Loreto, Italien –  auf Hebräisch-Griechisch »Iesou Xriste tou Theou«, zu Deutsch »Jesus Christus. Sohn Gottes«.

Foto 8: In der Basilika von Loreto: Gemälde des Fliegenden Hauses.

Fakt ist, wie Historiker Michael Hesemann belegt, dass das Heilige Haus von Loreto wohl einst in Nazareth stand: Das »Heilige Haus« von Loreto (Italien), so schreibt der renommierte Historiker, Dokumentarfilmer und Fernsehjournalist Hesemann (6) »passt perfekt vor die Verkündigungsgrotte von Nazareth und würde den Zwischenraum zwischen den erhaltenen Mauern des judenchristlichen Heiligtums und der Felswand füllen.« Michael Hesemann (7):

»Die Santa Casa von Loreto passte also auf das Fundament in Nazareth so perfekt wie ein Ei in einen Eierbecher. Seine drei Wände – die vierte Wand ist eindeutig eine Ergänzung – , Fenster und Türen erscheinen erst sinnvoll, wenn man sich das Heilige Haus als ›Vorbau‹ der Verkündigungsgrotte von Nazareth vorstellt. … Doch wenn es (das Heilige Haus), worauf alles hindeutet, tatsächlich aus Nazareth stammt, wie ist es nach Loreto gekommen, auf welchem Weg hat es die exakt 2232,5 Kilometer Luftlinie zurückgelegt?« Wie kam das »Heilige Haus« von Nazareth nach Loreto? Wurde es – wie die Legende kündet – von Engeln durch die Lüfte getragen? Das Motiv findet sich auf einer Briefmarke aus Kroatien, aus dem Jahr 1994. Sehr beeindruckend ist ein Wandgemälde in einer der Kapellen der Basilika von Loreto.

Foto 9: Das Heilige Haus von Nazareth befindet sich heute in der Kirche von Loreto.

Es zeigt, von Künstlern des 20. Jahrhunderts gestaltet, wie Engel das »Heilige Haus« durch die Luft schleppen. Im Hinblick auf diesen sagenhaften Engelsflug ernannte  Papst Benedikt XV. die »Schwarze Madonna von Loreto« am 24. März 1920 zur »Schutzpatronin der Ballonfahrer, Flugkapitäne und Astronauten« (8).

Oder wurde das kleine Gebäude – Habeck (9) und Hesemann (10) gehen auf diese weniger wundersame Version ausführlich ein –  Stein für Stein abgetragen und per Schiff transportiert? Ein bedeutsames Dokument aus dem Archiv des Vatikan scheint eine recht irdische Lösung nahelegen: Mitglieder der byzantinischen Kaiserfamilie der Angeloi, zu Deutsch »Engel«, haben  (11) »die Überreste des Heiligen Hauses aus Nazareth vor den Türken gerettet und nach Italien gebracht«. Aber belegen wirklich Dokumente diese vernünftig klingende Erklärung?

Auf »Blatt 181 des Chartularium culisanese« findet sich, wie wir bei Michael Hesemann (12) lesen, »eine Auflistung der Mitgift, die Nikephoros Angelos, Despot von Epirus, zur Verfügung stellte, als seine Tochter Ithamar den Sohn des Königs von Neapel, Philipp II., von Tarent, heiratete.« Gleich an zweiter Stelle wird da ein besonderer Bestandteil der Mitgift genannt, nämlich »die heiligen Steine, weggetragen aus dem Haus unserer Lieben Frau, der Jungfrau und Gottesmutter«.

Foto 10: Das Heilige Haus in Loreto, Italien, von innen.

Aber belegt zum Beispiel dieser Eintrag in eine zeitgenössische Mitgift-Liste tatsächlich, dass das Heilige Haus komplett per Schiff nach Loreto verbracht wurde? Eigentlich nicht, denn es wurden ja nur »heilige Steine« genannt, die »aus dem Haus unserer Lieben Frau, der Jungfrau und Gottesmutter … weggetragen« wurden. Mit anderen Worten: Es wurden einige Steine aus dem Heiligen Haus weggebracht, nicht das ganze Haus. Einige Steine wurden aus dem Haus entfernt. Sie galten als heilig. Es ist im Dokument eben nicht vom ganzen Heiligen Haus die Rede.

So argumentiert auch Gottfried Melzer (13): »Es widerspricht in keiner Weise dem Wunder der Übertragung (des Heiligen Hauses, der Autor), daß Steine und Mauerreste, die in Nazareth nach dem Fortgang des Heiligen Hauses zurückgeblieben waren, als kostbare Reliquien angesehen und als solche weggetragen und weitergeschenkt wurden.«

Allem Anschein nach ist vom Heiligen Haus in Nazareth überhaupt nichts mehr auffindbar. Es kam aber auch nicht das komplette Haus in Loreto an. So sind zum Beispiel Steine, die einst die Feuerstelle im Heiligen Haus bildeten, spurlos verschwunden. Sollten sie zu der Mitgift gehört haben, die Nikephoros Angelos, zur Verfügung stellte? In der Loreto-Kapelle von Birkenstein wird die Feuerstelle in der Rekonstruktion angedeutet.

Foto 11: Flug des Heiligen Hauses, Trsat,  Rijeka, Kroatien

In Birkenstein fiel mir auf, dass das Innere der Kapelle äußerst prunkvoll gestaltet wurde. Nun ist diese Kapelle eine Kopie des »Heiligen Hauses«, das einst in Nazareth stand und – wie auch immer – nach Loreto geschafft wurde. Das kleine Häuschen von Nazareth wäre für die ersten Christen kaum wieder zu erkennen. Es ist nicht mehr die einst höchst bescheidene Bleibe der Maria, sondern wurde ebenfalls prächtig gestaltet. Für katholische Christen ist es nun einmal eine der wichtigsten Reliquien überhaupt und nicht mehr nur ein kleines Häuschen vor der Grotte in Nazareth. Deshalb gestalteten sie Loreto-Kapellen entsprechend prunkvoll, gemäß ihrer Bedeutung in ihrer Glaubenswelt.

Worte des Danks und zwei Buchempfehlungen
Mein Autorenkollege und Freund Reinhard Habeck schuf mit »Überirdische Rätsel/ Entdeckungsreisen zu wundersamen Orten« ein wahres Kompendium. Er reiste viel, er fotografierte viel, er recherchierte viel und trug sein Wissen zu einem »Reiseführer« der ganz besonderen Art zusammen. Ausführlich geht er auch auf das »Heilige Haus« von Loreto ein. Ich kann Reinhard Habecks Werk nur wärmstens zur Lektüre empfehlen. Es lohnt sich wirklich, sich von einem wirklich kompetenten Autor zu wundersamen, aber nicht minder realen Orten entführen zu lassen. Reinhard Habeck hat mir eine Fülle von Fotos zur Verfügung gestellt, und mir gestattet, sie in meinem Sonntagsbeitrag zu publizieren. Dafür möchte ich ihm von Herzen danken!

Foto 12: »Überirdische Rätsel« 
von Reinhard Habeck.
Auch mit Michael Hesemann bin ich seit Jahrzehnten befreundet. Michael Hesemann, der als kundiger Historiker wie kein zweiter die frühe Geschichte des Christentums aufarbeitet, geht in seinem Opus »Maria von Nazareth/ Geschichte - Archäologie - Legenden« noch ausführlicher auf das mysteriöse Loreto und seine Bedeutung für das Christentum ein. Zum Beispiel zeichnet er den Weg, den das Heilige Haus von Nazareth aus bis nach Loreto nahm, präzise nach.

Auch sein Werk empfehle ich jedem Interessierten zur gründlichen Lektüre. Biblische Überlieferung, Legenden und archäologische Funde nutzt Hesemann als Quellen. Dank intensivster Recherche gelingt es ihm, ein erstaunlich detailreiches Porträt von Jesu Mutter Maria zu zeichnen, von der man angeblich nur sehr wenig weiß.


Fußnoten
1) Apokalypse oder Offenbarung des Johannes, Kapitel 12, Vers 1
2) Habeck, Reinhard: »Überirdische Rätsel/ Entdeckungsreisen zu wundersamen Orten«, Wien 2016
3) ebenda S. 88, Zeilen 6 und 7 von unten
4) ebenda, Seite 88 unten, Kapitelüberschrift »Rätselhaftes in Nazareth«
5) ebenda, S. 89, Absatz unter dem Foto
6) Hesemann, Michael: »Maria von Nazareth/ Geschichte, Archäologie, Legenden«, 3. Auflage, Trier 2015, S. 104 unten
7) ebenda, S. 108 oben
8) Habeck, Reinhard: »Überirdische Rätsel/ Entdeckungsreisen zu wundersamen Orten«, Wien 2016, S. 91, Zeilen 9 und 10 von unten
9) ebenda S.90-91, Zwischenüberschrift »Überführung durch menschliche ›Engel‹«
10) Hesemann, Michael: »Maria von Nazareth/ Geschichte, Archäologie, Legenden«, 3. Auflage, Trier 2015, S.108 Mitte bis S. 112
11) ebenda S. 109, Zeilen 1-4 von oben
12) ebenda, S. 109 unten und S. 110 oben
13) Melzer, Gottfried: »Loreto/ Der erste und ehrwürdigste Marienwallfahrtsort«, Lauerz, Schweiz, 2. Auflage 2003, S. 26, linke Spalte unten


Foto 13: »Maria von Nazareth« 
von Michael Hesemann
Zu den Fotos
Fotos 1-3: Muttergottes Maria als Frau der Apokalypse schwebt im Himmel. Foto Walter-Jörg Langbein
Fotos 4 + 5: Himmelskönigin an einer Birke von Birkenstein. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: »Heiliges Haus« vor der Grotte in Nazareth. Foto zur Verfügung gestellt von Reinhard Habeck
Foto 7: Die Grotte von Nazareth. Foto zur Verfügung gestellt von Reinhard Habeck 

Foto 8: In der Basilika von Loreto: Gemälde des Fliegenden Hauses. Foto zur Verfügung gestellt von Reinhard Habeck
Foto 9: Das Heilige Haus von Nazareth befindet sich heute in der Kirche von Loreto. Foto zur Verfügung gestellt von Reinhard Habeck
Foto 10: Das Heilige Haus in Loreto, Italien, von innen. Foto zur Verfügung gestellt von Reinhard Habeck
Foto 11: Flug des Heiligen Hauses, in einer Kirche im Ortsteil Trsat von Rijeka, Kroatien. Foto zur Verfügung gestellt von Reinhard Habeck
Foto 12: »Überirdische Rätsel« von Reinhard Habeck. Foto zur Verfügung gestellt von Reinhard Habeck
Foto 13: »Maria von Nazareth« von Michael Hesemann



407 »Astronautengötter und ›Der Heitere Fridolin‹«,
Teil  407 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 05.11.2017






Besuchen Sie auch unser Nachrichtenblog!

Sonntag, 23. Oktober 2016

353 »Boten der Göttin«

Teil  353 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                        
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Die Ruinen von Mesaverde
Die Sonne stand hoch am wolkenlosen Himmel von Durango, Colorado. Eine knappe Autostunde von der indianischen Ruine von Mesaverde entfernt führten Nachkommen der Anasazi Tänze auf. Wir kamen ins Gespräch. Die »modernen Anasazi« zeigten Sympathien für uns Germans. Sie erkundigten sich nach unserer Heimat, nach dem Ort in Deutschland, wo wir zuhause waren. Von dem oberfränkischen Michelau hatten sie natürlich noch nie etwas gehört. Fast elektrisiert reagierten sie aber, als mein Vater beiläufig erwähnte, dass wir Michelauer früher den Spitznamen (phonetisch geschrieben) »Michlaarer Frassgrüädn«, zu Deutsch »Michelauer Fress-Kröten«, trugen. Dieser Beiname, heute weitestgehend in Vergessenheit geraten, ging wohl auf den sehr gesunden Appetit von uns Michelauern zurück, die wir rekordverdächtige Mengen an Nahrungsmitteln, etwa echte Thüringer Kartoffelklöße, verputzen konnten.

Unsere Gesprächspartner fanden das sehr amüsant, lachten herzhaft und laut, wurden dann aber wieder ernst. »Unsere Mütter und Großmütter erzählen, dass die Frau der Sonne eine Kröten-Göttin ist! Manche meinen, dass sie auf dem Mond lebt und gelegentlich den Mond frisst, manchmal ganz, manchmal nur ein Stück. Das würde erklären, warum der Mond manchmal rund und groß, manchmal nur eine kleine Sichel ist!« Kurios: In uralten Mythen der Chinesen kommt eine dreibeinige Kröte vor, die auf dem Mond lebt und die für die unterschiedlichen Mondphasen verantwortlich gemacht wird.

Foto 2: Ritualtanz mit geheimer Bedeutung

Im christlichen Europa hatten Kröten einen überaus schlechten Ruf. Sie wurden in Verbindung mit dem Teufel selbst und mit Hexenzauberei gebracht. Im nordfranzösischen Arras kam es anno 1459 zu einem Hexenprozess. Eine junge Frau hatte die intimen Avancen eines Möchtegernliebhabers zurückgewiesen, der sie dann der Hexerei bezichtigte. Unter schwerer Folter gestand sie, was man von ihr hören wollte. So gab die junge Frau, um weiteren Torturen zu entgehen, zu Kröten mit gestohlenen geweihten Oblaten gefüttert zu haben. Die Körper der so gemästeten Kröten habe sie zu einer Salbe verarbeitet, mit der sich Hexen einschmierten, um fliegen zu können. Unter der Folter bezichtigte die »Hexe« dann zwölf weitere Frauen. Alle fanden auf dem Scheiterhaufen den Tod.

Foto 3 Vor über 50 Jahren ...
Was im christlich verbrämten Aberglauben verteufelt wurde, ging häufig auf vorchristliche, sprich heidnische Vorstellungen zurück. In der Welt des Christentums war die Kröte eine am Boden kriechende, im Erdreich hausende Verbündete des Teufels. Bei den Kelten hingegen wurde die Kröte sehr positiv gesehen, nämlich als eingeweihte Weise und Lehrerin, als Überbringerin von uralten, wichtigen Wahrheiten um Leben und Tod. Sie allein konnte den Weg ins Erdreich, ins Reich der Toten, zur Erdgöttin weisen. Sie allein wusste, wie man zur Göttin kommen konnte.

Kröten als Wächterinnen zu einer anderen Wirklichkeit? Kröten als Teil einer Hexensalbe, die man sich auf den Leib schmierte, um fliegen zu können? Was wie tumber Aberglaube anmutet, kann einen wahren Kern haben. Bestimmte Krötenarten wie die Colorado-Kröte sondern ein milchig weißes Sekret ab, das von seiner chemischen Struktur dem Rauschgift LSD gleicht. So gibt es in amerikanischen Drogenkreisen Spezialisten, die Kröten zur Produktion und Absonderung ihres Sekrets bringen und dann die wenig appetitliche Substanz von den Tieren lecken, um so Drogentausch der besonderen Art zu erleben. Drogenfahnder in den USA wissen, dass sich Süchtige Kröten als »Haustiere« halten, um so in den Genuss von Bufotenin und Dimethyltryptamin, die Wirkstoffe des Krötengifts zu kommen. Die beiden Substanzen gelten als illegale Drogen, die Haltung von Kröten als »Haustiere« freilich ist gestattet. Selten gelingt der Nachweis, dass die Besitzer ihre Tierchen zum Zwecke des Giftableckens halten. Waren »Hexen« in die Geheimnisse des Krötengifts eingeweiht? Genossen sie die spezielle Droge tatsächlich, um »zu fliegen«? Wussten sie, wie man eine Salbe aus Krötengift herstellen kann, die man sich auf die Haut streicht, um Rauschzustände der besonderen Art zu erleben?

Fotos 4-7: Domkröte 1
Der Konsum von Drogen gehörte im Schamanismus zum religiösen Ritual. Alexandra Rosenbohm verfasste zu diesem heute brisanten Thema ihre Doktorarbeit »Halluzinogene Drogen im Schamanismus«. Drogen waren für Schamanen die Schlüssel zu einer anderen Welt, zu einer anderen Wirklichkeit. Alexandra Rosenbohm schreibt (2): » Die Ekstase ist durch einen Wechsel von der Alltagswelt in die spirituelle Welt gekennzeichnet. Für den Kontakt mit der spirituellen Welt bedarf es physischer und psychischer Vorbereitungen. Diese und die zu schaffenden Rahmenbedingungen beziehen sich auf das Sammeln, die Zubereitung und die Einnahme der Droge, außerdem auf die dazugehörenden oder zu schaffenden Umstände, wie Anlass, Wahl des Einnahmeortes und des Zeitpunktes.«

Weiter schreibt Alexandra Rosenbohm: »Das gemeinsame Erleben religiöser und mythischer Themen im Rausch und deren Betonung und Prägung durch die schamanische Interpretation soll zur Stabilisierung des jeweiligen Weltbildes beitragen. Insofern tragen diese Erlebnisse auch zur kulturellen Identität bei. Dies gilt ebenso für die nicht-kollektiven Zeremonien, an denen neben dem Schamanen auch der zu behandelnde Patient oder andere Stammesmitglieder das Halluzinogen einnehmen.«

Sollten die steinernen Wesen an der Marien- und an der Adamspforte nicht vielleicht doch ursprünglich Kröten dargestellt haben?

Der Dom zu Bamberg wurde auf einer uralten Quelle gebaut, die wohl schon zu vorchristlichen Zeiten als heilig angesehen war. Quellheiligtümer standen in direkter Verbindung mit der Erdgöttin, die wiederum Teil der weiblichen Dreifaltigkeit war: Werden, Leben und Vergehen. Geburt, Leben, Tod. Schon vor Jahrtausenden standen weibliche Göttinnen-Triaden für diesen ewigen Kreislauf des Seins. Hans Biedermann schreibt in seinem Standardwerk »Knaurs Lexikon der Symbole« (3) ausführlich über die Kröte als Symbol. Da heißt es: »In Europa war die Kröte seit der Antike einerseits ein verachtetes Tier ›voll bösen Zaubers ›voll bösen Zaubers‹, andererseits aber auch ein Symbol der Gebärmutter, und Krötenplastiken wurden oft bei Frauenleiden als Votivgegenstand in Wallfahrtsorten dargebracht.«

Fotos 8-11: Domkröte 2
Im Internet-»Symbollexikon« lesen wir: »Die Kröte mit ihrer polaren Symbolik, einerseits als Tier der Erdmutter, das Fruchtbarkeit und Wachstum (Schwangerschaft) ermöglicht, anderseits als Hexentier, das mit Gift, Vergiften und Tod verbunden wird, ist wie alle Tiere, die in Zusammenhang mit der großen Mutter stehen, ein Orakeltier und gehört zum Archetyp des Mütterlich/ Weiblichen.«

Keine Frage: Die Kröte war wichtiges, positives Symbol in heidnischen Göttinnenkulten und wurde vom Christentum verteufelt. Die Kröte als das Symboltier der Göttin lässt sich nicht so einfach in den Orkus des Vergessens versenken. Dafür war sie schon viel zu lange geheiligtes Tier, was Hans Biedermann deutlich macht (3): »Nicht selten wurde die Kröte wegen ihres auffälligen Gestaltwandels auch mit dem Ideenkomplex von Auferstehung und Wiedergeburt in Verbindung gebracht, wie prähistorische Felsbilder … wahrscheinlich machen.«

Es ist an der Zeit, die heidnische Vergangenheit christlicher Symbole offenzulegen. Besuchen wir mit offenen Augen alte Gotteshäuser, dann werden wir immer wieder die heidnischen Wurzeln christlicher Symbolik erkennen, die sehr viel älter als das Christentum sind. Die Sonne stand hoch am wolkenlosen Himmel von Durango, Colorado. Wir wurden Zeugen von Tänzen, die Nachkommen der Anasazi aufführten. Wir kamen ins Gespräch, auch über die Bedeutung des Symboltiers Kröte. Ein würdiger alter Mann, der sich in der Nachkommenschaft der Anasazi sah, vertraute uns manches an: »Die Kröte steht für die Muttergöttin. Kröten sind Botinnen aus dem Reich der Muttergöttin. Wenn wir zuhören, weiht sie uns ein in Botschaften der Göttin. Wer auf diese Botschaften hört, wird Mutter Erde nicht weiter zerstören!«

Foto 12: Indianertänze
Fußnoten

1) Jobes, Gertrude und Jobes, James: »Outer Space: Myths Name Meanings Calendar/Myths, Name Meanings, Calendars from the Emergence of History To The Present Day«, New York und London 1964
2) Siehe hierzu: Rosenbohm, Alexandra: »Halluzinogene Drogen im Schamanismus. Mythos und Ritual im kulturellen Vergleich«, Reimer Dietrich Verlag, Berlin 1991
3) Biedermann, Hans: »Knaurs Lexikon der Symbole«, München 1989, Artikel »Kröten«, S. 255-256

Zu den Fotos
Foto 1: Die Ruinen von Mesaverde. Foto: Walter Langbein sen.
Foto 2: Ritualtanz mit geheimer Bedeutung. Foto: Walter Langbein sen.
Foto 3:  Vor über 50 Jahren ... Foto: Walter Langbein sen.
Fotos 4-7: Domkröte 1 an der Marienpforte. Foto 4, erstes Foto oben, Querformat, wiki commons Johannes Otto Först. Fotos 5-7: Walter-Jörg Langbein
Fotos 8-11: Domkröte 2 an der Adamspforte. Foto 8, ganz oben, Querformat, wiki commons Reinhard Kirchner, Fotos 7-11
Foto 12: Indianertänze. Foto Walter Langbein sen.

354 »Heinrich II., Napoleon, Adolf Hitler und die Lanze des Longinus«,
Teil  354 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                        
von Walter-Jörg Langbein,                      
erscheint am 30.10.2016

Besuchen Sie auch unser Nachrichtenblog!

Sonntag, 16. August 2015

291 »Mariae Himmelfahrt – Teil 1«

Teil 291 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Die berühmten Kolosse der Osterinsel.

Hanga Roa, Osterinsel. Auf dem kleinen Flughafen mit der kilometerlangen Landebahn angekommen, ließ ich mich von einem »Taxi« direkt zum berühmten Steinbruch fahren. Im »Ranu Raraku«-Vulkankegel wurden einst die berühmten Kolosse, die Moais, herausgearbeitet. Irgendwann endete dort die emsige Tätigkeit der Steinmetze. Aus welchem Grund auch immer wurde die Riesenproduktion abrupt beendet. So finden wir heute fast fertige Moais und solche in sehr frühen Stadien der Produktion. Andere Kolosse wiederum liegen in Sichtweite des Steinbruchs. Man hat sie einfach nicht weiter transportiert, einfach liegengelassen.

Als mein Taxifahrer hörte, dass ich noch kein Zimmer gebucht hatte, zerrte er mich förmlich in sein Vehikel und auf ging es in holperiger Fahrt an den Rand der »Hauptstadt« der Osterinsel. Hanga Roa, die »Metropole«, ist die einzige Siedlung auf dem Eiland. Die Einwohnerzahl dürfte bei etwa 4000 liegen. Wir hielten vor einem bescheidenen Häuschen, der eifrige Chauffeur schleppte sogleich meinen Koffer an die Tür und klingelte Sturm.

Foto 2: Im »Steinbruch« der Kolosse

Ein altes Mütterlein öffnete schließlich. Ja, sie hatte noch ein Zimmer frei. 50 Dollar sei der Preis für die Übernachtung. Mein erstauntes Gesicht wurde wohl missverstanden. Ich hatte von horrenden Zimmerpreisen gehört und wunderte mich über das sehr kostengünstige Angebot. Die Wirtin indes glaubte wohl, mir wären die fünfzig Dollar zu viel. Im Preis inbegriffen, so erfuhr ich, seien ein Abendessen und ein Frühstück. Mein Zimmer wurde mir gezeigt. Kaum hatte ich meinen Koffer geöffnet, klopfte es an der Tür. Es war die freundliche Wirtin, die mir einen Suppenteller mit einer gewaltigen Portion Bohnenstampf und Rührei servierte.

Das Mahl war wirklich üppig, sehr gut gewürzt und schmackhaft. Die Wirtin war Peruanerin, deshalb gab es als Schlummertrunk noch zwei, drei Pisco Sour. Das schaumig geschlagene Eiweiß milderte den namengebenden sauren Zitronengeschmack, die fein gehackten Eisstückchen machten den hochprozentigen Cocktail angenehm erfrischend. So schlief ich bald tief und fest….

Morgens sechs Uhr… Heftiges Klopfen an meiner Zimmertür weckte mich aus komaartig tiefem Schlummer. Frühstück war angesagt. Es gab Bohnenstampf, Rührei und Kaffee von tiefer Schwärze und einer Stärke, die den Trunk zum wahren Hallo-wach-Wundermittel machte. Einnehmen durfte ich das üppige, nahrhafte Mahl mit einem zweiten Gast.

So kam ich mit dem älteren Herrn in ein anregendes Gespräch. Der Mann war katholischer Geistlicher und wollte zu einer »religiösen Feier« zu Ehren der »Gottesmutter« auf die Osterinsel gekommen. Ich berichtete von meinem abgebrochenen Studium der evangelischen Theologie. Der Geistliche zeigte sich sehr erfreut. Ich sei doch auf dem rechten Weg, könne ja zum Katholizismus konvertieren.

Foto 3: Verleih von Verkehrsmitteln aller Art

Ob ich denn wisse, was der 15. August für ein besonders wichtiger Feiertag sei? Ich muss zugeben, dass ich keine Ahnung hatte. »Wir erinnern uns an die Himmelfahrt der Gottesmutter Maria!«, klärte mich der Geistliche freundlich und in gut verständlichem Englisch auf. Milde verzieh er mir mein Unwissen. »In deiner Kirche hält man ja nichts von diesem wichtigen Tag…« Ich murmelte etwas von Martin Luther und von fehlenden Hinweisen in der Heiligen Schrift zur Aufnahme Mariens in den Himmel.

»Für die frühen Christen war es selbstverständlich, dass die Gottesmutter leibhaftig in den Himmel aufgenommen wurde! Natürlich wussten die Evangelisten von dem wundersamen Ereignis, aber sie schwiegen, gingen davon aus, dass jeder wusste, was mit Maria geschehen ist!«

Foto 4: »Himmelfahrt« Mariens

Alljährlich begeht die römisch-katholische Kirche das Hochfest »Assumptio Beatae Mariae Virginis«, auch als »Vollendung Mariens« oder »Mariae Aufnahme in den Himmel« bekannt. Die geläufige Bezeichnung »Himmelfahrt Mariens« entspricht nicht ganz dem lateinischen Terminus »assumptio«. Gemeint ist eine »Aufnahme« in den Himmel, keine »Himmelfahrt«. Suggeriert doch »Himmelfahrt« eine Reise aus eigener Kraft in himmlische Gefilde, während unter »Aufnahme« ein passiver Vorgang zu verstehen ist. Diese Präzisierung mag vermeintlich »modernen Menschen« als unnötige Haarspalterei erscheinen. Gern verweisen sie, so sie sich oberflächlich informiert haben darauf, dass die ganze Geschichte doch nur eine moderne Erfindung sei. Stimmt das?

Zum Dogma wurde der Glaube an die körperlich-leibliche Aufnahme der Gottesmutter in den Himmel tatsächlich erst anno 1950 von Papst Pius XII. erklärt. Was wir bei den vier Evangelisten vergeblich suchen, das findet sich in einer koptischen Apokryphe. Michael Hesemann, profunder Kenner biblischer Historie, weiß zu berichten (1):

Foto 5: »Transituts Mariae«
»Das in Wien verwahrte koptische Pergamentblatt mit der Katalognummer P. Vindob K 7.589 stammt zwar aus dem 9. Jahrhundert, doch es handelt sich wohl um die Abschrift eines sehr viel älteren Textes, vielleicht sogar das Fragment einer ›primitiven Marien-Apokalypse‹ aus dem 2. Jahrhundert, wie zumindest Förster (2) glaubt. Dafür sprechen die Schlichtheit des Textes, ihre simple Theologie, vor allem aber die konsequente Titulierung Mariens als ›Jungfrau‹ (parthenos) statt ›Gottesmutter‹ (theotokos), was ab dem 4. Jahrhundert üblich und seit dem Konzil von Ephesus geradezu zwingend gewesen wäre.«

Pergament P. Vindob K 7.589 (»Transitus Mariae«) bietet eine Fülle präziser Informationen (3): »Die Jungfrau gebar den Emmanuel, den lebendigen Gott. Und als sie ihn geboren hatte, näherte sie sich in etwa 13 Lebensjahren. Er verbrachte 33 Jahre, nämlich Jesus der Christus, in denen er nicht gekreuzigt wurde. Als sie den Herrn Jesus kreuzigten, war die Jungfrau im 48. Jahr. Und sie verbrachte elfeinhalb Jahre nach der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus. Diese alle zusammen machen also 60 Jahre. Die ganze Zeit, die die Jungfrau auf der Erde verbracht hat, sind also 60 Jahre.

Ferner nun: Nach der Himmelfahrt unseres Erlösers ging die Jungfrau Maria mit den Aposteln verkündigen. Danach führte der Heilige Geist sie den Weg hinauf nach Jerusalem. Es war nämlich die Zeit gekommen, dass die Jungfrau sterben sollte, wie es jedem Menschen auferlegt ist. Denn sie hatte den Lauf vollendet und den Glauben bewahrt.«

Die Apostel waren darüber, so heißt es, sehr betrübt. Maria sprach »ein großes Gebet zum Herrn«. (4) »Und nachdem sie das Amen gegeben hatte, legte sie sich auf das Ruhebett. Und sofort, siehe, ein großer Duft verbreitete sich an dem ganzen Ort, und ein großes Licht erschien in dem Haus, und Christus trat mit einer großen Schar von Engeln zu ihr, und er sprach zu uns: ›Friede mit euch. Freue dich, o Maria, meine Mutter. Friede deinem Verlassen dieser Welt, in ein anderes wunderbares Licht. Friede sei mit euch, meine gesegneten Apostel.‹ Danach wandte er sich an Maria, seine Mutter, und sprach: ›O Maria, meine Mutter, keine Macht der Finsternis wird zu dir kommen können. Ich bin das Leben der ganzen Welt.‹«

Foto 6: Maria der Osterinsulaner
Zum Dogma wurde der Glaube an die körperlich-leibliche Aufnahme der Gottesmutter in den Himmel erst anno 1950 von Papst Pius XII. erklärt. Daraus meinen skeptische Lutheraner ableiten zu können, dass diese Lehre sehr jung sei. Dem ist aber nicht so. Cyrill von Alexandrien war es, der schon im fünften Jahrhundert n.Chr. am 15. August ein Marienfest zelebrieren ließ. Das Fest »Mariae Aufnahme in den Himmel« lässt sich schon im sechsten Jahrhundert nachweisen. Und die Urfassung von Vindob K 7.589 beschrieb womöglich schon im zweiten Jahrhundert n.Chr. die Aufnahme Mariens in den Himmel.

Michael Hesemann kommt nach akribischer Recherche alter und ältester Dokumente wie des Vindob K 7.589 zur Überzeugung, dass das Dogma der »Assumptio« Mariens alles andere als ein neuzeitliches Produkt der Theologie ohne historischen Hintergrund ist. So schreibt er (5): »Die genauen Umstände ihres Todes (gemeint: Maria) .. bleiben auf ewig ein Geheimnis. Es ist uns nicht möglich, sie mit den Methoden der Geschichtsschreibung und der Archäologie zu ergründen. … Wir können allerdings sicher sein, dass die Legende des Transitus, bei allen noch so phantastischen Ausschmückungen, einen wahren Kern hat. Schließlich waren all die verwendeten Bilder nur Versuche, eine tiefere Wahrheit, die unbeschreiblich ist, zu erfassen.«

Foto 7: Das bescheidene Kirchlein der Osterinsel

Nach dem reichhaltigen Frühstück ging es dann zu Fuß zum kleinen Kirchlein der Osterinsel. Es war ein unerträglich heißer Vormittag, als wir am Gotteshaus ankamen. Da warteten schon viele Insulaner. Der Geistliche sprach einige Worte in Spanisch, die ich nicht verstand. Wir betraten das Kirchlein. Jetzt ging es auf Rapanui, also auf Osterinsulanisch, weiter. Und schließlich wurden alte Lieder voller freudiger Inbrunst gesungen…Wie mir der Geistliche nach dem Gottesdienst versicherte, wächst das Interesse der heutigen Osterinsulaner an ihrer alten Kultur. Die Jungen lernen wieder eifrig die alte Sprache Rapanui, die noch vor wenigen Jahren in Vergessenheit zu geraten drohte.

Verstanden habe ich die frommen Gesänge nicht. Aber ich meinte sehr wohl, den tiefen Glauben der einfachen Menschen zu spüren. Die Atmosphäre an jenem heißen Morgen war eine ganz besondere. Sie ließ sich nicht in Worte kleiden. Und so verzichtete ich natürlich darauf, die kleine Andacht durch Fotografieren zu stören.

Jahre später besuchte ich, jetzt mit einer kleinen Reisegesellschaft, wieder die Osterinsel. »Meinen« Geistlichen traf ich nicht mehr an. Er war, so erfuhr ich, nur für wenige Tage auf die kleine Vulkaninsel gekommen und hatte nur einen Gottesdienst als Gast zelebriert.


Fußnoten

(1) Hesemann, Michael: »Maria von Nazareth - Geschichte, Archäologie, Legenden«, Augsburg 2011, S. 283
(2) Hans Förster, Wiener Kirchengeschichtler
(3) Förster, Hans: »Transitus Mariae: Beiträge zur koptischen Überlieferung«, Berlin 2006, S. 15
Anmerkung: »transitus«, zu Deutsch etwa »Übergang«
(4) ebenda, S. 16
(5) Hesemann, Michael: »Maria von Nazareth - Geschichte, Archäologie, Legenden«, Augsburg 2011, S. 286

Zu den Fotos:

Foto 1: Die berühmten Kolosse der Osterinsel.
Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Im »Steinbruch« der Kolosse
Halbfertiger Koloss, liegend. Stehend: der Verfasser.
Foto: privat
Foto 3: Verleih von Verkehrsmitteln aller Art
Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: »Himmelfahrt« Mariens: Bibelillustration, um 1870. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 5: »Transituts Mariae«. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Maria der Osterinsulaner. Aufgenommen in der kleinen Kirche der Osterinsel. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Das bescheidene Kirchlein der Osterinsel. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Sehr empfehlenswert! Foto Verlag/ Archiv Walter-Jörg Langbein

Zur Lektüre empfohlen:

Michael Hesemann: »Maria von Nazareth«, Augsburg 2011, gebundene Ausgabe, 304 Seiten, 22,00 Euro

Foto 8: Sehr empfehlenswert!
Wer das »Neue Testament« oberflächlich liest, mag zur Erkenntnis kommen, dass wir über Maria von Nazareth nur sehr wenig wissen. Wer vermeintlich »wissenschaftliche« Werke der »kritischen Theologie« studiert, wird sich in seiner Meinung bestärkt sehen. Wer aber wirklich ausführliche Informationen über Maria von Nazareth sucht, dem sei die Lektüre von Michael Hesemanns »Maria von Nazareth/ Geschichte, Archäologie, Legenden« wärmstens empfohlen.

Michael Hesemann ist ein einzigartiges Werk gelungen, als Ergebnis profunden Wissens, intensivsten Quellenstudiums, ausführlicher Recherchen an heiligen Stätten. Kein zweites mir bekanntes »magnum opus« bietet geradezu detektivische Präzision wie Michael Hesemanns grundlegendes Werk. Nirgendwo sonst sah ich so präzise biblische Texte ausgewertet, ergänzt durch eine Fülle außerbiblischer Quellen. Und siehe da: Wir verfügen über eine erstaunliche Fülle an altehrwürdigem Material über Maria. In sehr überzeugender Weise fügt Hesemann unzählige Informationen aus Bibel und Apokryphen, aus Legenden und alten Überlieferungen zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen. Für mich ist »Maria von Nazareth« ein wirklich schlüssiges Buch. Die Einzelinformationen, von Hesemann in bewundernswerter  Manier zusammengetragen, ergeben ein einheitliches Bild. Sie wurden für den interessierten Leser zu einer widerspruchsfreien Gesamtschau vereint.

Michael Hesemann betrieb aber nicht nur umfassendes Quellenstudium, er recherchierte an heiligen Stätten vor Ort… und lässt uns staunen! Werner Keller machte mit seinem Bestseller »Und die Bibel hat doch recht« weltweit Furore.  Michael Hesemanns »Maria von Nazareth« wird dem Titel von Keller sehr viel gerechter. In einer Zeit des antireligiösen Szeptizismus und der Unwissenheit in Sachen Bibel im »christlichen Abendland« unserer Tage bietet es – anschaulich geschrieben, vorzüglich illustriert, sachlich und ohne Sektierertum – Einblicke in das Leben der »Maria von Nazareth«!

Lesenswert? Sehr lesenswert! 

Rezension: Walter-Jörg Langbein

292 »Mariae Himmelfahrt – Teil 2«
Teil 292 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 23.08.2015

Besuchen Sie auch unser Nachrichtenblog!

Labels

Walter-Jörg Langbein (656) Sylvia B. (105) Osterinsel (79) Tuna von Blumenstein (46) Peru (34) Karl May (27) Nan Madol (27) g.c.roth (27) Maria Magdalena (22) Jesus (21) Karl der Große (19) Make Make (19) Externsteine (18) Für Sie gelesen (18) Bibel (17) Der Tote im Zwillbrocker Venn (17) Rezension (17) der tiger am gelben fluss (17) Autoren und ihre Region (16) Apokalypse (15) Vimanas (15) Atlantis der Südsee (13) Der hässliche Zwilling (13) Weseke (13) Blauregenmord (12) Nasca (12) Palenque (12) meniere desaster (12) Krimi (11) Pyramiden (11) Malta (10) Serie Teil meniere (10) Ägypten (10) Forentroll (9) Mexico (9) National Geographic (9) Straße der Toten (9) Lügde (8) Briefe an Lieschen (7) Monstermauern (7) Sphinx (7) Tempel der Inschriften (7) Winnetou (7) Lyrik (6) Marlies Bugmann (6) Mord (6) Märchen (6) altes Ägypten (6) 2012 - Endzeit und Neuanfang (5) Atahualpa (5) Hexenhausgeflüster (5) Mexico City (5) Mord in Genf (5) Satire (5) Thriller (5) Atacama Wüste (4) Cheopspyramide (4) Dan Brown (4) Ephraim Kishon (4) Hexenhausgeflüster- Sylvia B. (4) Leonardo da Vinci (4) Machu Picchu (4) Sacsayhuaman (4) Teutoburger Wald (4) große Pyramide (4) Meniere (3) Mondpyramide (3) Mord im ostfriesischen Hammrich (3) Mysterien (3) Sakrileg (3) Shakespeare (3) Bevor die Sintflut kam (2) Das Sakrileg und die heiligen Frauen (2) Friedhofsgeschichten (2) Goethe (2) Lexikon der biblischen Irrtümer (2) Markus Lanz (2) Münsterland-Krimi (2) Vincent van Gogh (2) Alphabet (1) Bestatten mein Name ist Tod (1) Hexen (1) Lyrichs Briefe an Lieschen (1) Lyrichs Briefe an Lieschen Hexenhausgeflüster (1) Mord Ostfriesland (1) Mord und Totschlag (1) Münsterland (1) einmaleins lernen (1) meniére desaster (1)