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Sonntag, 29. Oktober 2017

406 »Von Engeln und einem fliegenden Haus«

»Das Geheimnis der fliegenden Kapelle«, Teil 8,
Teil  406 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Fotos 1-3: Muttergottes Maria als Frau der Apokalypse schwebt im Himmel

Die Loreto-Kapelle von Birkenstein ist ein Ort des Glaubens, des Danks, der Hoffnung und für viele auch der Zuversicht. Immer wieder begegnet uns auf Malereien, etwa über dem Altar gegenüber der Loreto-Kapelle, die »Gottesmutter«, am Himmel über Wald und Flur, auch über Häusern schwebend. Sie erinnert deutlich an die nach Johannes benannte Offenbarung, die (1) eine »Frau im Himmel« als »Zeichen« tituliert. Auch wenn die »mit der Sonne« Bekleidete anonym bleibt, wird sie im Katholizismus mit Maria Identifiziert. Ich habe Theologen der evangelischen Theologie erlebt, die ganz kontrovers diskutierten. Unterschiedlichste Meinungen prallten aufeinander. Die einen meinten, der Vers in der Johannes-Offenbarung habe überhaupt nichts mit der Gottesmutter Maria zu tun, andere verstanden den Vers als eine Prophezeiung der künftigen Rolle Marias als »Himmelskönigin und wieder andere wollten von einer Prophezeiung überhaupt nichts wissen. Eindeutig sei es Maria mit dem Jesuskind, also ein Bild aus der Vergangenheit, nicht der Zukunft.

Wie an so manchem religiösen Ort – zum Beispiel in Vierzehnheiligen in meiner Heimat im Oberfränkischen bei Michelau –  war auch für mich als Nicht-Katholiken der tief verinnerlichte Glauben der Pilger und Besucher der Kapelle geradezu körperlich spürbar. Trotz vieler Besucher war keine Hektik zu spüren, sondern tiefe Ruhe. Noch stärker war für mich der fast greifbare Volksglaube in der riesigen Kathedrale der Heiligen Jungfrau von Guadalupe, am Rand von Mexico City. Mir scheint, dass religiöser Glaube an besonders von Gläubigen frequentierten Orten etwas Spürbares erzeugt, offenbar auch für Nichtgläubige.

Fotos 4 + 5: Himmelskönigin an einer Birke von Birkenstein.

Die Loreto-Kapelle von Birkenstein ist eine Kopie des Heiligen Hauses von Loreto. Und das wurde der Überlieferung nach von Nazareth nach Loreto in Italien geschafft.

Bereits im 2. Jahrhundert christlicher Zeitrechnung zog das »Heilige Haus« von Nazareth Pilgerströme an. Die Gläubigen waren davon überzeugt, dass im mehr als bescheidenen Gemäuer Maria gelebt hat. Im Ein-Zimmer-Haus soll ihr auch der Engel Gabriel begegnet sein und die Geburt des Jesus-Kindes prophezeit haben. Zum Ein-Zimmer-Haus gehörte eine kleine Felsenhöhle. »Haus und Höhle bildeten eine Einheit.«, schreibt der bekannte Erforscher der Rätsel unseres Planeten Reinhard Habeck in seinem penibel recherchierten Werk »Überirdische Rätsel« (2).Tatsächlich war die »Santa Casa« kein eigenständiges kleines Gebäude, sondern nur eine Art Vorraum zu einer Grotte. Es bestand also nur aus drei Wänden.

Foto 6: »Heiliges Haus« und Grotte, Nazareth.
Zum Schutz von »Santa Casa« und Grotte war schon sehr früh die »Verkündungsbasilika« gebaut worden, in deren Zentrum das Heilige Haus stand. Heute dominiert die größte Kirche im Nahen Osten das Bild der nordisraelischen Stadt Nazareth. Sie ist freilich schon das fünfte Gotteshaus und birgt schon lange nicht mehr das »Heilige Haus«. Anno 1291 war es konkret bedroht. Es war zu befürchten, dass es – wie andere für Christen bedeutsame Heiligtümer – von türkischen Eroberern zerstört würde.

Wer heute die Verkündigungsbasilika von Nazareth besucht, wird nur die Grotte finden, nicht mehr das »Haus« davor. Nun mag der Skeptiker fragen, ob es denn dort wirklich einst »Santa Casa« gegeben habe. Reinhard Habeck klärt auf (3): »Bereits in den 1960er-Jahren haben Ausgrabungen nachgewiesen, dass vor der Grotte tatsächlich ein gemauertes Haus existiert haben muss.« Das aber ist verschwunden, wenngleich nicht spurlos. Konnten doch die Ausgräber tatsächlich die genauen Maße der bescheidenen Bleibe eruieren. Und siehe da (4):

Foto 7: Die Grotte von Nazareth.

»Die Fundamente des fehlenden Gebäudes stimmen mit den Abmessungen der Santa Casa in Loreto überein.« Damit nicht genug! Ich darf noch einmal das empfehlenswerte Werk Habecks zitieren (5): »Das Marienhaus von Loreto entspricht in bauwerklicher Hinsicht keinem bekannten Stil, der im Mittelalter in der Marken-Region üblich war, sondern wurde nach altem palästinensischen Muster errichtet. Das bestätigt sich durch die Bearbeitung vieler Steinoberflächen. Die Anwendung stimmt mit einer speziellen Technik überein, die bei den Nabatäern, einem Nachbarvolk der Hebräer, gebräuchlich war.«

Fakt ist: In Nazareth stand einst ein Häuschen vor einer Höhle, das von dort verschwunden und in Loreto, Italien, wieder aufgetaucht ist. Es scheint erwiesen zu sein, dass »Santa Casa« von Loreto jenes Häuschen ist, das aus Nazareth spurlos verschwunden ist.

Fakt ist offensichtlich, dass die junge christliche Gemeinschaft »Santa Casa« mit Jesus in Verbindung brachte. In der Grotte von Nazareth wie in »Santa Casa« in Loreto fanden sich völlig identische Graffitis der religiösen Art, 60 an der Zahl. Da steht in der Grotte wie auf den Ziegelsteinen des »Heiligen Hauses« - heute Loreto, Italien –  auf Hebräisch-Griechisch »Iesou Xriste tou Theou«, zu Deutsch »Jesus Christus. Sohn Gottes«.

Foto 8: In der Basilika von Loreto: Gemälde des Fliegenden Hauses.

Fakt ist, wie Historiker Michael Hesemann belegt, dass das Heilige Haus von Loreto wohl einst in Nazareth stand: Das »Heilige Haus« von Loreto (Italien), so schreibt der renommierte Historiker, Dokumentarfilmer und Fernsehjournalist Hesemann (6) »passt perfekt vor die Verkündigungsgrotte von Nazareth und würde den Zwischenraum zwischen den erhaltenen Mauern des judenchristlichen Heiligtums und der Felswand füllen.« Michael Hesemann (7):

»Die Santa Casa von Loreto passte also auf das Fundament in Nazareth so perfekt wie ein Ei in einen Eierbecher. Seine drei Wände – die vierte Wand ist eindeutig eine Ergänzung – , Fenster und Türen erscheinen erst sinnvoll, wenn man sich das Heilige Haus als ›Vorbau‹ der Verkündigungsgrotte von Nazareth vorstellt. … Doch wenn es (das Heilige Haus), worauf alles hindeutet, tatsächlich aus Nazareth stammt, wie ist es nach Loreto gekommen, auf welchem Weg hat es die exakt 2232,5 Kilometer Luftlinie zurückgelegt?« Wie kam das »Heilige Haus« von Nazareth nach Loreto? Wurde es – wie die Legende kündet – von Engeln durch die Lüfte getragen? Das Motiv findet sich auf einer Briefmarke aus Kroatien, aus dem Jahr 1994. Sehr beeindruckend ist ein Wandgemälde in einer der Kapellen der Basilika von Loreto.

Foto 9: Das Heilige Haus von Nazareth befindet sich heute in der Kirche von Loreto.

Es zeigt, von Künstlern des 20. Jahrhunderts gestaltet, wie Engel das »Heilige Haus« durch die Luft schleppen. Im Hinblick auf diesen sagenhaften Engelsflug ernannte  Papst Benedikt XV. die »Schwarze Madonna von Loreto« am 24. März 1920 zur »Schutzpatronin der Ballonfahrer, Flugkapitäne und Astronauten« (8).

Oder wurde das kleine Gebäude – Habeck (9) und Hesemann (10) gehen auf diese weniger wundersame Version ausführlich ein –  Stein für Stein abgetragen und per Schiff transportiert? Ein bedeutsames Dokument aus dem Archiv des Vatikan scheint eine recht irdische Lösung nahelegen: Mitglieder der byzantinischen Kaiserfamilie der Angeloi, zu Deutsch »Engel«, haben  (11) »die Überreste des Heiligen Hauses aus Nazareth vor den Türken gerettet und nach Italien gebracht«. Aber belegen wirklich Dokumente diese vernünftig klingende Erklärung?

Auf »Blatt 181 des Chartularium culisanese« findet sich, wie wir bei Michael Hesemann (12) lesen, »eine Auflistung der Mitgift, die Nikephoros Angelos, Despot von Epirus, zur Verfügung stellte, als seine Tochter Ithamar den Sohn des Königs von Neapel, Philipp II., von Tarent, heiratete.« Gleich an zweiter Stelle wird da ein besonderer Bestandteil der Mitgift genannt, nämlich »die heiligen Steine, weggetragen aus dem Haus unserer Lieben Frau, der Jungfrau und Gottesmutter«.

Foto 10: Das Heilige Haus in Loreto, Italien, von innen.

Aber belegt zum Beispiel dieser Eintrag in eine zeitgenössische Mitgift-Liste tatsächlich, dass das Heilige Haus komplett per Schiff nach Loreto verbracht wurde? Eigentlich nicht, denn es wurden ja nur »heilige Steine« genannt, die »aus dem Haus unserer Lieben Frau, der Jungfrau und Gottesmutter … weggetragen« wurden. Mit anderen Worten: Es wurden einige Steine aus dem Heiligen Haus weggebracht, nicht das ganze Haus. Einige Steine wurden aus dem Haus entfernt. Sie galten als heilig. Es ist im Dokument eben nicht vom ganzen Heiligen Haus die Rede.

So argumentiert auch Gottfried Melzer (13): »Es widerspricht in keiner Weise dem Wunder der Übertragung (des Heiligen Hauses, der Autor), daß Steine und Mauerreste, die in Nazareth nach dem Fortgang des Heiligen Hauses zurückgeblieben waren, als kostbare Reliquien angesehen und als solche weggetragen und weitergeschenkt wurden.«

Allem Anschein nach ist vom Heiligen Haus in Nazareth überhaupt nichts mehr auffindbar. Es kam aber auch nicht das komplette Haus in Loreto an. So sind zum Beispiel Steine, die einst die Feuerstelle im Heiligen Haus bildeten, spurlos verschwunden. Sollten sie zu der Mitgift gehört haben, die Nikephoros Angelos, zur Verfügung stellte? In der Loreto-Kapelle von Birkenstein wird die Feuerstelle in der Rekonstruktion angedeutet.

Foto 11: Flug des Heiligen Hauses, Trsat,  Rijeka, Kroatien

In Birkenstein fiel mir auf, dass das Innere der Kapelle äußerst prunkvoll gestaltet wurde. Nun ist diese Kapelle eine Kopie des »Heiligen Hauses«, das einst in Nazareth stand und – wie auch immer – nach Loreto geschafft wurde. Das kleine Häuschen von Nazareth wäre für die ersten Christen kaum wieder zu erkennen. Es ist nicht mehr die einst höchst bescheidene Bleibe der Maria, sondern wurde ebenfalls prächtig gestaltet. Für katholische Christen ist es nun einmal eine der wichtigsten Reliquien überhaupt und nicht mehr nur ein kleines Häuschen vor der Grotte in Nazareth. Deshalb gestalteten sie Loreto-Kapellen entsprechend prunkvoll, gemäß ihrer Bedeutung in ihrer Glaubenswelt.

Worte des Danks und zwei Buchempfehlungen
Mein Autorenkollege und Freund Reinhard Habeck schuf mit »Überirdische Rätsel/ Entdeckungsreisen zu wundersamen Orten« ein wahres Kompendium. Er reiste viel, er fotografierte viel, er recherchierte viel und trug sein Wissen zu einem »Reiseführer« der ganz besonderen Art zusammen. Ausführlich geht er auch auf das »Heilige Haus« von Loreto ein. Ich kann Reinhard Habecks Werk nur wärmstens zur Lektüre empfehlen. Es lohnt sich wirklich, sich von einem wirklich kompetenten Autor zu wundersamen, aber nicht minder realen Orten entführen zu lassen. Reinhard Habeck hat mir eine Fülle von Fotos zur Verfügung gestellt, und mir gestattet, sie in meinem Sonntagsbeitrag zu publizieren. Dafür möchte ich ihm von Herzen danken!

Foto 12: »Überirdische Rätsel« 
von Reinhard Habeck.
Auch mit Michael Hesemann bin ich seit Jahrzehnten befreundet. Michael Hesemann, der als kundiger Historiker wie kein zweiter die frühe Geschichte des Christentums aufarbeitet, geht in seinem Opus »Maria von Nazareth/ Geschichte - Archäologie - Legenden« noch ausführlicher auf das mysteriöse Loreto und seine Bedeutung für das Christentum ein. Zum Beispiel zeichnet er den Weg, den das Heilige Haus von Nazareth aus bis nach Loreto nahm, präzise nach.

Auch sein Werk empfehle ich jedem Interessierten zur gründlichen Lektüre. Biblische Überlieferung, Legenden und archäologische Funde nutzt Hesemann als Quellen. Dank intensivster Recherche gelingt es ihm, ein erstaunlich detailreiches Porträt von Jesu Mutter Maria zu zeichnen, von der man angeblich nur sehr wenig weiß.


Fußnoten
1) Apokalypse oder Offenbarung des Johannes, Kapitel 12, Vers 1
2) Habeck, Reinhard: »Überirdische Rätsel/ Entdeckungsreisen zu wundersamen Orten«, Wien 2016
3) ebenda S. 88, Zeilen 6 und 7 von unten
4) ebenda, Seite 88 unten, Kapitelüberschrift »Rätselhaftes in Nazareth«
5) ebenda, S. 89, Absatz unter dem Foto
6) Hesemann, Michael: »Maria von Nazareth/ Geschichte, Archäologie, Legenden«, 3. Auflage, Trier 2015, S. 104 unten
7) ebenda, S. 108 oben
8) Habeck, Reinhard: »Überirdische Rätsel/ Entdeckungsreisen zu wundersamen Orten«, Wien 2016, S. 91, Zeilen 9 und 10 von unten
9) ebenda S.90-91, Zwischenüberschrift »Überführung durch menschliche ›Engel‹«
10) Hesemann, Michael: »Maria von Nazareth/ Geschichte, Archäologie, Legenden«, 3. Auflage, Trier 2015, S.108 Mitte bis S. 112
11) ebenda S. 109, Zeilen 1-4 von oben
12) ebenda, S. 109 unten und S. 110 oben
13) Melzer, Gottfried: »Loreto/ Der erste und ehrwürdigste Marienwallfahrtsort«, Lauerz, Schweiz, 2. Auflage 2003, S. 26, linke Spalte unten


Foto 13: »Maria von Nazareth« 
von Michael Hesemann
Zu den Fotos
Fotos 1-3: Muttergottes Maria als Frau der Apokalypse schwebt im Himmel. Foto Walter-Jörg Langbein
Fotos 4 + 5: Himmelskönigin an einer Birke von Birkenstein. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: »Heiliges Haus« vor der Grotte in Nazareth. Foto zur Verfügung gestellt von Reinhard Habeck
Foto 7: Die Grotte von Nazareth. Foto zur Verfügung gestellt von Reinhard Habeck 

Foto 8: In der Basilika von Loreto: Gemälde des Fliegenden Hauses. Foto zur Verfügung gestellt von Reinhard Habeck
Foto 9: Das Heilige Haus von Nazareth befindet sich heute in der Kirche von Loreto. Foto zur Verfügung gestellt von Reinhard Habeck
Foto 10: Das Heilige Haus in Loreto, Italien, von innen. Foto zur Verfügung gestellt von Reinhard Habeck
Foto 11: Flug des Heiligen Hauses, in einer Kirche im Ortsteil Trsat von Rijeka, Kroatien. Foto zur Verfügung gestellt von Reinhard Habeck
Foto 12: »Überirdische Rätsel« von Reinhard Habeck. Foto zur Verfügung gestellt von Reinhard Habeck
Foto 13: »Maria von Nazareth« von Michael Hesemann



407 »Astronautengötter und ›Der Heitere Fridolin‹«,
Teil  407 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 05.11.2017






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Sonntag, 23. April 2017

379 »Kelten, Maria und eine Heidenkirche«

Teil  379 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: St. Cyriak und Perpetua.
»Die Pfarrei St. Johann ist die alte Pfarrei Adelhausen-Wiehre. Die Entstehung dieser beiden Gemeinden geht in jene Zeiten zurück, da unsere Gegend von dem weit verbreiteten Volke der Kelten besiedelt war. Das beweist schon der Name der ältesten Kirche St. Einbetta. Jedenfalls wurden Adelhausen und die Wiehre schon in Urkunden vom Kloster St. Gallen vor über tausend Jahren erwähnt, also in einer Zeit, da an die Stadt Freiburg noch nicht zu denken war.« 

So (1) steht’s im Büchlein »Kirche und Pfarrei St. Johann Baptist zu Freiburg i.Br.«, zusammengetragen von Prälat Dr. Ernst Föhr, Pfarrer an St. Johann.

In Adelhausen strömten die Gläubigen in die »zu Ehren der Heiligen Perpetua eingeweihte Pfarrkirche«, wie Hochwürden Föhr zu vermelden weiß. Weiter lesen wir (2): »Diese wird in den alten Urkunden die Kilch zu St. Einbetten genannt.« (3) Unschwer ist im  Namen »St. Einbetten« eine der drei Heiligen Bethen zu erkennen, die ihrerseits heidnische Göttinnen in christlichem Gewand waren. Lesen wir nach bei Prälat Dr. Ernst Föhr (4):

»Die Kirche der zwei Gemeinden (Adelhausen und Wiehre) stammt aus der Zeit, als Missionare die Bewohner, meist Kelten, zum christlichen Glauben bekehrten. Zur Zeit der Stadtgründung im Jahre 1120 stand in der Wiehre ein Gotteshaus. Mittelpunkt des Dorfes Adelhausen war die Sankt-Einbeten-Kirche; sie war zugleich die Kultstätte beider Gemeinden. St. Einbet ist eine der Jungfrauen aus der legendären Schar der Begleiterinnen der Heiligen  Ursula. Der Name Sankt-Einbeten-Kirche spricht für das hohe Alter der Kultstätte.«

Foto 2: Maria von Guadalupe.

Auf meinen Reisen durch Zentral und Südamerika erfuhr ich immer wieder, dass christliche Kirchen just dort errichtet wurden, wo einst »heidnische Kultstätten« Pilger anlockten. Klaus-Rüdiger Mai (5): »Der Inbegriff des Christentums, die Theologie der Jungfrau Maria, ist im Grunde nicht christlichen Ursprungs, sondern eine Camouflage wesentlich älterer Kulte, nämlich der Kulte der Magna Mater, der Inanna, der Astarte, der Demeter, der Kybele oder Ceres, der großen … irdischen und unterirdischen Mutter- und Fruchtbarkeitsgottheiten der heidnischen Welt.«

Foto 3: Die riesige Pilgerkirche der Jungfrau Maria von Guadalupe

Ein Beispiel: Heute Pilgern Jahr für Jahr Millionen in einen Vorort von Mexico-City, um der »Maria von Guadalupe« zu huldigen. Die christliche Gottesmutter hatte eine heidnische Vorgängerin: Göttin  Tonantzin der Azteken. Tonantzin trug den Beinamen  »Unsere Heilige Mutter«. Aus Tonantzin wurde Maria. Das ist keine Spekulation, sondern Fakt! Denn Maria von Guadalupe wird auch heute noch in der Nahuatl-Sprache »Tonantzin« genannt. Professor Sandstrom weist darauf hin, dass viele Nachkommen der Azteken Maria von Guadalupe für die zurückkehrende Tonantzin gehalten haben.

Kurz zum göttlichen Stammbaum: Tonatiuh war ein Sonnengott der Azteken, seine Mutter war Tonantzin. Ihr wurden keine blutigen Tieropfer, sondern  Blumen und Früchte dargeboten. Zurück zu Maria, der christlichen Gottesmutter. Die christlichen Maria aber wurde als »Schlangenzertreterin« gepriesen. Aus der einst positiv bewerteten Schlange wurde das böse Reptil der Sünde. Interessant ist, dass in Mexiko die Gottesmutter als »Schlangenzertreterin« tituliert wird, während doch im Christentum Jesus als der Sohn Gottes beschrieben wird, der der Schlange (dem Teufel) den Kopf zermalmt.

Foto 4: »Göttermutter« Teteo Innan.
Im »Museo Nacional de Antropologia«, Mexico City,  stand ich vor einer steinernen Statue der »Göttermutter« Teteo Innan. Sie wurde in vorchristlichen Zeiten just dort verehrt, wo heute zur Maria von Guadalupe gebetet wird. Franziskanermönches Bernardino de Sahagún brachte Mitte des 16. Jahrhunderts einen Bericht über den Kult um Tonantzin zu Papier, der dokumentiert, was der Maria von Guadalupe vorausging (6):

»Einer von diesen (Kultplätzen) war ein kleiner Hügel, den sie (die Indios) Tepeacac und die Spanier Tepequilla nannten, und der heute ›Nuestra Señora de Guadalupe‹ heißt. An diesem Platz gab es einen Tempel, der der Mutter aller Götter geweiht war, die sie Tonantzin nannten, was ‚Unsere Mutter‘ bedeutet. Dort brachten sie viele Opfergaben zu Ehren der Göttin dar; sie kamen zu ihr aus weit entfernten Gegenden – aus mehr als 20 Meilen im Umkreis. Es kamen Männer, Frauen und Kinder zu diesem Fest.« Und aus der » Mutter aller Götter« wurde die christliche Mutter des göttlichen Sohnes, die Mutter Jesu.

Den Anhängerinnen der Muttergottheit fiel es dann besonders leicht, von Teteo Innan zu Maria zu wechseln. Allerdings wurde mir in Mexico City von zwei Priestern schmunzelnd versichert, dass so manche »Heidin« im Herzen nach wie vor Teteo Innan verehrt und »Maria« lediglich als christlichen Namen der uralten Aztekengöttin ansieht. Marias Sohn Jesus ist dann das christliche Pendant zum Sohn der Teteo Innan, zu Quetzalcoatl. Als ich den beiden Priestern von meinem Theologiestudium erzählte, wurden sie noch gesprächiger. So erfuhr ich, dass der aztekische Sohn der Göttin Quetzalcoatl gern als bärtiger Mann dargestellt wurde.

Foto 5: Maria von Guadalupe als Heiligenbildchen
Der Mediziner, Ethnologe und Ethnograph Georg Buschan(7) bringt es in seinem Werk »Altgermanische Überlieferungen« auf den Punkt, wenn er über die Motivation der missionierenden christlichen Geistlichkeit schreibt (8): »Die Geistlichkeit mußte also doch gemerkt haben, daß sie bei ihren Bekehrungsversuchen durch allzu große Strenge gegen die Heiden nichts ausrichtete; sie zog es also vor, mit einer gewissen Rücksicht vorzugehen, eine Brücke zwischen der neuen Lehre und dem alten Glauben zu schlagen, ihr gleichsam ein christliches Mäntelchen umzuhängen, um dadurch das Volk besser und leichter für sich zu gewinnen.«

Statt – wie so oft - »Heidnisches« zu zerstören, ging man vielerorts geschickter vor. Georg Buschan schreibt weiter (9): »Die Kirche ließ also die heidnischen Verehrungsstätten nach Möglichkeit weiter bestehen oder, wo sie bereits zerstört waren, ließ sie an der gleichen Stelle ihr Gotteshaus aufbauen, um den Zusammenhang zwischen den alten Göttern und dem neuen Gott zu wahren. Für eine ganze Reihe von christlichen Kirchen ist nachgewiesen, dass sie auf alten heidnischen, germanischen oder auch römischen Tempelruinen entstanden sind.«

Die Spuren der vorchristlichen Heiligtümer sind freilich in unseren Breiten weitestgehend verschwunden. Zudem, so habe ich den Eindruck, geriet mehr und mehr in Vergessenheit, was einst die Kultur in unseren Breiten ausgemacht hat. Spurlos verschwunden ist das einstige Heiligtum aus heidnischen Zeiten. Es befand sich just dort, wo dann die Bartholomäuskapelle und später ein Dom gebaut wurden. Das mit unzähligen Quellen gesegnete Gebiet von Paderborn – nach dem Fluss Pader benannt – lockte gewiss schon zu vorchristlichen Zeiten Heiden in die Region. Reste einer Inschrift, die nur wenige Meter vom Dom ausgegraben wurden, deuten auf eine sakrale Stätte hin. Karl der Große rühmte sich, den Drachen besiegt zu haben. Wem wurde im heidnischen Drachenheiligtum gehuldigt, welche Göttin oder welcher Gott wurde verehrt?

Foto 6: Bartholomäuskapelle am Dom zu Paderborn

Greifbare Fakten gibt es wenige. Richtig ist aber: Archäologen untersuchten penibel genau den Brandschutt, den sie bei Ausgrabungen nordöstlich der Bartholomäuskapelle sorgsam ausgruben. Dank ihrer geradezu pedantischen Geduld gelang es ihnen schließlich, Reste einer Inschrift zu entziffern. 

Sie mag einst einen Tempel geziert haben. Die Inschrift mag aber auch von Missionaren stammen, die das alte Heiligtum als heidnisch verabscheuten. Wie dem auch sei: Da ist von einem »Drachen« die Rede. Wurde Karl der Große als Sieger über das Heidentum der Sachsen gefeiert, als der Unterwerfer des Drachens?

Wo mag es noch heute Erinnerungen an einstige heidnische Heiligtümer geben, die stillschweigend vom Christentum übernommen wurden? Ich erinnere mich an einen Ausflug in meiner Kindheit. Gemeinsam mit den Großeltern erstieg ich den »Altenberg« bei Burgerroth in Unterfranken, Landkreis Würzburg. Staunend stand ich vor der »1000jährigen Linde« und der Kapelle, die damals auch noch unter dem Namen »Heidenkriche« bekannt gewesen sein soll. Eine geradezu furchteinflößende reliefartige Skulptur unter dem Chorerker geben Rätsel auf. Wurden sie von einem älteren Vorgängerbau übernommen? Sollen sie die heidnischen Göttinnen und Götter erschrecken und daran hindern, ins kleine christliche Gotteshaus einzudringen? Und vor allem: Was wird dargestellt? Deutlich zu erkennen ist eine Faust mit Dolch. Einen Körper scheint es nicht zu geben. Ein menschliches Haupt wird gewürgt, von wem oder was?

Foto 7: Mysteriöse(s) Wesen an der Kapelle

Von der »Heidenkirche« zum Staffelsee bei Murnau. Auch da gab’s einst heidnische Göttinnen. Auch hier begegnen wir wieder »unseren« drei Bethen! Fortsetzung folgt demnächst!



Foto 8
Fußnoten
1) Föhr, Dr. Ernst: »Kirche und Pfarrei St. Johann Baptist zu Freiburg i.Br.«, Erolzheim 1958, S. 6 (Foto 8!)
2) ebenda
3) Im Original steht »Kilch zu St. Einbetten«. Druckfehler? Sollte es »Kirch zu St. Einbetten« heißen?
4) Föhr, Dr. Ernst: »Kirche und Pfarrei St. Johann Baptist zu Freiburg i.Br.«, Erolzheim 1958, S. 7
5) Mai, Klaus-Rüdiger: »Die geheimen Religionen/ Götter, Sterne und Ekstase«, Köln 2012, S. 124, untere Hälfte der Seite
6) Zitat aus Wikipedia-Artikel »Tonantin«
7) * 14. April 1863 in Frankfurt/ Oder; † 6. November 1942 in Stettin
8) Buschan, Georg: »Altgermanische Überlieferungen in Kult und Brauchtum der Deutschen«, München 1936, S. 10
9) ebenda

Zu den Fotos:
Foto 1: St. Cyriak und Perpetua. Cover des kleinen Kunstführers Nr. 1216, Verlag Schnell & Steiner, 1. Auflage, München und Zürich 1980
Foto 2: Maria von Guadalupe. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Die riesige Pilgerkirche der Jungfrau Maria von Guadalupe. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: »Göttermutter« Teteo Innan. Foto wikimedia commons/ Éclusette
Foto 5: Maria von Guadalupe als Heiligenbildchen. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Bartholomäuskapelle am Dom zu Paderborn. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Mysteriöse Wesen an der Kapelle. Foto wikimedia commons Holger Uwe Schmitt
Foto 8: Kirche und Pfarrei St. Johann Baptist zu Freiburg i.Br. Archiv Walter-Jörg Langbein
Fotos 9 und 10: Göttinnen gab's auch im Raum Murnau. Fotos Archiv Walter-Jörg Langbein

Fotos 9 und 10: Göttinnen gab's auch im Raum Murnau
380 »Eine Köpenickiade und drei Exgöttinnen«,
Teil  380 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 30.04.2017



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Sonntag, 27. März 2016

323 »Die Stadt auf dem Meeresgrund«

Teil 323 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Der Tempel von Konarak - Raumschiff in Stein

Vorab: Gern illustriere ich meine Texte mit Fotos, die ich auf meinen Reisen aufgenommen habe. In Sachen Weltraumkriege im »Alten Indien« vor Jahrtausenden kann ich leider keine Fotos der außerirdischen Raumschiffe bieten. Science-Fiction-Fotos und Visionen künftiger Technologie müssen die Lücke schließen. Auch von der zerstörten Stadt Dvaraka liegen keine Fotos vor. Die Ruinen versanken wohl vor Jahrtausenden auf dem Meeresgrund. Aktuellere Ruinenbilder mögen die Fantasie anregen.

In Indien erlebt man extreme Kontraste. Unvorstellbar reiche Menschen logieren in Palästen, unvorstellbar arme Menschen »hausen« auf der Straße. Und die Ärmsten der Armen sehen oft glücklicher aus als so mancher wohlhabende »Otto Normalverbraucher« in unseren Breiten des Wohlstands, der doch sorgenfrei leben kann. Ist es eine tiefe Religiosität, die – zum Beispiel – armen Hindus das Leben erträglicher macht? Ist es die eigenartige Atmosphäre der zahlreichen Tempelchen und Tempel, die die Menschen besänftigt? Mich erinnerte die Atmosphäre in manchem indischen Tempel an die gewaltige Basilika der Maria von Guadalupe. Selbst wenn viele Tausende Gläubige in der Basilika versammelt sind, obwohl dann ständig viele Menschen gehen und kommen, findet man Ruhe und stille Einkehr. Und so beschaulich, wie die Atmosphäre in indischen Tempeln auch ist, viele von ihnen waren ursprünglich nichts als Nachbildungen von Vimanas, von Raumschiffen, die vor Jahrtausenden zum Alltag Indiens gehört haben müssen.

Foto 2: Cover des Magazins »Amazing Stories«,1927

Wann aber kam es zur großen Himmelsschlacht von Kuruksetra? Wann wurde der Kampf ausgefochten? Prof. Kanjilal (1): »Von den Beschreibungen her scheint  die Existenz fliegender Maschinen 1500 v.Chr. eine Realität gewesen zu sein, als die große Schlacht von Kuruksetra ausgetragen wurde.« Viele indische Gelehrte haben keinen Zweifel, dass es diesen Science-Fiction Krieg vor Jahrtausenden wirklich gegeben hat, sie diskutieren nur über das Wann. Prof. Kanjilal (2): »Gemäss einer Schule indischer Astronomen wurde der Krieg von  Kuruksetra 3102 vor Chr. geführt. Einige Puranas (3) verlegen das Datum etwa auf 1414 vor Chr. Eine weitere Gruppe von Astronomen und Chronologisten (=Zeitrechnungsforscher) verlegen das Datum des indischen Krieges auf 2449 vor Chr. Europäische Gelehrte datieren den Krieg auf etwa 1000 vor Chr. Die orthodoxen indischen Gelehrten legen die Zeit der vier Veden, der Brahamanas (4) und Upanisaden (5) zwischen 6000 und 2000 vor Christus, einige sogar in noch weiter zurück liegende Zeit. Sogar der am meisten verbindliche und scharfsinnigste westliche Gelehrte H. Jaccobi geht so weit, das Datum für das Zeitalter der Veden auf 4000 vor Chr. zu fixieren.«


Foto 3: »Krieg der Welten«, aus dem Jahr 1906

Was freilich wichtiger ist als eine absolut sichere Datierung aufs Jahr genau ist die Frage: Ist es möglich, dass in uralten »Heiligen Schriften« der Inder Ereignisse beschrieben werden, die heute nur mit riesigem Millionen-Budget und modernster Computertechnologie als Film verwirklicht werden könnten? Ist es möglich, dass vor Jahrtausenden in alten indischen Epen Weltraumschlachten mit aus heutiger Sicht utopischer Technologie ausgetragen wurden? Ist es möglich, dass derlei »Starwars« sehr viel detailreicher geschildert werden als in heutigen Werken der Science-Fiction-Literatur?

Foto 4: C. Poosamuthu Leiter der Palmblattbibliothek und ein Mitarbeiter

Im November 1995 besuchte ich mit einer kleinen Reisegruppe die berühmt-berüchtigte »Palmblattbibliothek« von C. Poosamuthu in Vaithisvarankoil (Chidambaram). Ich war, offen gesagt, mehr als enttäuscht. In meinen Augen galt das Interesse von Poosamuthu in erster Linie den Devisen von uns Touristen aus fernen Landen. Andere Teilnehmer wiederum waren allerdings sehr erstaunt über die korrekten Angaben über ihr Leben, was alles angeblich schon vor Jahrtausenden auf Palmblättern verewigt worden sein soll. So enttäuschend für mich meine Recherchen in Sachen »Palmblattbibliothek« verliefen, so erwies sich mein Besuch für mich dennoch als lohnend.

Mitarbeiter Poosamuthus lasen auf Tamil vor, was angeblich auf den Palmblättern stand. Ein weiterer Mitarbeiter des Instituts wiederum übersetzte, was vorgelesen wurde ins Englische. Da nicht alle Mitreisenden des Englischen kundig waren, fungierte ich als Dolmetscher ins Deutsche. So kam ich in Pausen mit meinem »Dolmetscherkollegen« ins Gespräch. Er schämte sich, weil er für Poosa Muthu arbeiten musste. »Ich benötige aber das Geld, um an der Universität studieren zu können!« Seine Spezialität waren uralte Handschriften aus dem Mahabharata. »Ich bin von Haus aus ein wenig pedantisch!«, erklärte mir der Student. »Beim Übersetzen habe ich immer wieder Probleme.«

Foto 5: Laser-Angriff aus dem All...

Problem welcher Art, wollte ich wissen. Nach und nach äußerte sich der junge Mann zur angesprochenen Problematik. Wenn man es zumindest für möglich hielte, dass vor Jahrtausenden Außerirdische in riesigen Raumschiffen zur Erde kamen, dann sehe man die uralten Texte in ganz anderem Licht. Dann würde man plötzlich die mit scheinbar magischen Mitteln ausgestatteten »Götter« als Astronauten erkennen, ihre riesigen Himmelswagen als Weltraumschiffe und ihre magischen Hilfsmittel als moderne Technologie, zum Beispiel als Waffen. Konkret wies mich mein Gesprächspartner auf die Schlacht zwischen Salva und den Vertretern der Yadu-Dynastie. Salva verfügte über Saubha, ein »Raumschiff«. Auf Bitten Salvas hin wurde Saubha mächtig aufgerüstet. Saubha, groß wie eine Stadt, konnte rasend schnell gewaltige Höhen erreichen. Attackiert wurde eine Stadt – so überliefern es die Jahrtausende alten Texte – namens Dvaraka. Mit herkömmlichen Mitteln hätten die Verteidiger von Dvaraka keine Chance gehabt. Doch Dvaraka hatte einen himmlischen Verbündeten, Gott Krishna mit seinem Himmelswagen, der gleißend hell wie die Sonne leuchtete.

Foto 6: »Krieg im All...«, eine Zukunftsvision

Salva schoss eine Rakete auf Dvaraka ab, Krishna antwortete mit einer – wie wir heute sagen würden – Anti-Raketen-Rakete. Salvas Raketengeschoss explodierte in der Luft, bevor es Schaden anrichten konnte. Dann attackierte Krishna Salvas Weltraumstadt. Salva reagierte verzweifelt. Er setzte allerlei »Magie« ein, um sein Raumschiff für Angreifer unsichtbar zu machen. Vergeblich. Krishna feuerte eine wahre Flut von Raketen ab, denen Salva nichts mehr entgegensetzen konnte. Salvas Raumschiff explodierte, die Wrackteile versanken im Meer.

Das »Srimad-Bhahvatam« beschreibt ausführlich die unterschiedlichen Waffen, die von Salva und Krishna eingesetzt worden sind. Es kommt nun darauf an, was der Übersetzer der Texte in eine moderne Sprache für möglich hält und was nicht. Ist es für ihn – weil nicht sein kann, was nicht sein darf – ausgeschlossen, dass vor Jahrtausenden Raketen zum Einsatz kamen, so übersetzt er »Pfeile«.


Foto 7: Ruine von Tughlaqabad Fort, New Delhi.

Dr. Shikaripura Ranganatha Rao (*1. Juli 1922 in Anandapuram, Distrikt Shimoga, †3. Januar 2013 in Bangalore, Karnataka) war ein indischer Archäologe. Er führte umfangreiche Ausgrabungen durch und machte sensationelle Entdeckungen. So gelang es ihm, die Hafenanlagen der untergegangenen Stadt Lothal zu lokalisieren. Dr. Shikaripura Ranganatha Rao machte aber ein weit wichtigere Entdeckung: Er fand Reste der zerstörten Stadt Dvaraka am Golf von Kutsch, zwischen Bombay und Karachi – auf dem Meeresgrund! Da lagen massive Steinblöcke, die eindeutig künstlich bearbeitet worden waren, tief unter dem Meeresspiegel. Da wurden Reste von Mauern ausfindig gemacht, die im rechten Winkel zueinander stehen. Da wurden die Umrisse von Gebäuden ebenso sichtbar wie von Straßen – auf dem Meeresgrund. Dr. Shikaripura Ranganatha Rao folgte den Beschreibungen vom fantastischen Krieg um Dvaraka – und  stieß auf die Überbleibsel einer – wie der führende Unterwasserarchäologe mir am Telefon versicherte – Hinweise auf »eindeutige Überbleibsel einer einst hohen Zivilisation«.

Dr. Shikaripura Ranganatha Rao schickte mir sein großformatiges Werk »The Lost City of Dvaraka« (6), das bis heute nach wie vor sträflich vernachlässigt wird. Werden doch auch heute noch speziell von europäischen Forschern altindische Epen wie das Mahabharata als reine Fantasiegebilde abgetan, so kam Dr. Rao zu einem ganz anderen Ergebnis (7). Er bewies, dass es sich beim Mahabharata-Epos um ein Geschichtswerk handelt, das als Quelle verlässlich ist. Er lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass – und darin stimmt er mit den meisten indischen Gelehrten überein – der fantastische Krieg um Dvaraka auch wirklich stattgefunden hat. Nur wann die einst blühende Stadt zerstört wurde, ist umstritten. Der Gelehrte weist auf eine Inschrift hin, die den Krieg auf das Jahr 3101 vor Chr. datiert
.
Foto 8: Gibt es solche Ruinen auf dem Meeresgrund?

»Die Wichtigkeit von Dvaraka für die Rekonstruktion der Geschichte Indiens kann gar nicht genug betont werden.«, schlussfolgert Dr. Shikaripura Ranganatha Rao (8). Und an anderer Stelle (9): »Die legendäre Stadt Dvaraka ist das bedeutsamste kulturelle Erbe unter Wasser, das erforscht und für die Nachwelt erhalten werden musste.«

Fußnoten


(1) Kanjilal, Prof. Dr. Dileep Kumar: »Vimana in Ancient India. Aeroplanes or Flying Machines in Ancient India«, Übersetzung aus dem Englischen von Julia Zimmermann, Bonn 1991, Archiv Langbein, Artikel-Nr. 1317b, Seite 116

Foto 9: Cover »The Lost City of Dvaraka«
(2) ebenda (Rechtschreibung in Zitaten habe ich nicht dem neuen Regelwerk angepasst, sondern unverändert übernommen!)
(3) »Puranas«, zu Deutsch »Alte Geschichte«, gelten als äußerst wichtige Quellen des Hinduismus. Einst soll es hunderttausende solcher Texte gegeben haben.
(4) Brahamanas sind sehr frühe Ritual- und Opfertexte des Hinduismus. Sie gehören zum »Veda-Komplex«.
(5) Upanisaden: Sammlung philosophisch-religiöser Schriften des Hinduismus.
(6) Rao, S.R. (Shikaripura Ranganatha): The Lost City of  Dvaraka,New Delhi, 1. Auflage 1999
(7) ebenda, Seiten 7-13
(8) ebenda, Seite 13 (»The importance of Dvaraka for the reconstruction of the history of India cannot be overemphasized.«)



Zu den Fotos
 

Foto 10: Cover »Marine Archaeology in India«
Foto 1 zeigt den »Sonnentempel von Konarak«. Er soll ein göttliches Himmels-Vehikel darstellen. Foto Walter-Jörg Langbein November 1996
Foto 2 zeigt ein Cover des Magazins »Amazing Stories« aus dem Jahr 1927. Es thematisiert »Krieg der Welten« als SF-Fantasie  (Foto wiki commons Frank R. Paul)

Foto 3 zeigt eine weitere SF-Fantasie zum Thema »Krieg der Welten«, aus dem Jahr 1906. (Foto gemeinfrei wiki commons)
Foto 4 zeigt Poosa Muthu von der Palmblattbibliothek und einen Mitarbeiter. Foto Walter-Jörg Langbein November 1995
Foto 5 zeigt einen Laser-Angriff aus dem All... Zukunftsprojekt. Foto United States Space Command wiki commons public domain
Foto 6: zeigt »Krieg im All...«, eine Zukunftsvision. Foto National War College, Military Image Collection wiki commons public domain
Fotos 7 und 8 zeigen die Ruinen der Festung von Fort Tughlaqabad Fort, New Delhi. Fotos Walter-Jörg Langbein November 1995

Foto 9: Cover »The Lost City of Dvaraka«
Foto 10: Cover »Marine Archaeology in India«

Siehe auch…
Rao, S.R. (Shikaripur Ranganatha) Rao: »Marine Archaeology in India«
     New Delhi 2001 

324 »John Frum und ein Gott im Dekolleté«,
Teil 324 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 03.04.2016 

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