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Sonntag, 31. März 2019

480 »Nabel des Lichts«

Teil 480 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Piropiro vor einem Jahrhundert und heute.

Nach 120 Tagen auf See erreichten die Flüchtlinge die Osterinsel, während ihre alte Heimat in den Fluten des Pazifiks versank. In der Anakena-Bucht gingen sie, müde, erschöpft und erleichtert, an Land. Neben der aus 67 Schrifttafeln bestehenden Bibliothek hatten sie etwas noch Wertvolleres gerettet. Sie nannten dieses geheimnisvolle Etwas in ihrer melodischen Rapa-Nui-Sprache »Te-pito-te-Kura«. Dieses mysteriöse Etwas sei ihr wertvollster Besitz gewesen, den sie mit in die »Neue Heimat«, die Osterinsel brachten (1).

Die Anakena-Bucht bietet einen schmalen Streifen Sandstrand. An den Rändern tummeln sich oft Scharen von Seeigeln. Der Badende, der sich näheren Kontakt mit den Stacheltieren ersparen möchte, hält sich am besten in der Mitte. Einen Katzensprung von der Anakena-Bucht  entfernt ragte einst auf seiner soliden Plattform der steinerne Riese Namens »Paro« in den Himmel. Er liegt heute in Trümmern auf der Nase und bietet einen traurigen Anblick.

»Geboren« wurde »Paro« im Steinbruch am »Rano Raraku«-Krater. Von dort bis zu Paros bemitleidenswerten Resten sind es »nur« knapp sechs Kilometer. Diese sechs Kilometer kommen einem wie eine strapaziöse Langstreckentour vor, wenn man sie bei strahlendem Sonnenschein zu Fuß zurücklegt. Eine kleine Weltreise muss diese kurze Strecke für jene gewesen sein, die den Koloss vom Steinbruch an die Küste schafften.

Foto 2: Steiniger »Strand«

Sechs Kilometer weit wurde der steinerne Riese »Paro« – wie auch immer – transportiert. Man bedenke: Er maß einst fast zehn Meter, bevor er umgestürzt wurde und in mehrere Teile zerbrach. Eine Meisterleistung! Man schätzt sein Gewicht auf 82 Tonnen! Auf seinem Haupt thronte einst ein steinerner »Hut«. Der tonnenförmige rötliche Stein ist zwei Meter hoch und wiegt allein fast zwölf Tonnen.  Er stammt von einem anderen »Steinbruch«, von »Puna Pau« und musste fast 18 Kilometer querfeldein befördert werden. Mit »Hut« wiegt der Koloss also fast 94 Tonnen.

In der Theorie funktionierte alles ganz einfach: Man brachte den Koloss in die Senkrechte, schob ihn auf sein Podest, baute eine Rampe, die bis zum Kopf des Riesen reichte. Über diese Rampe rollte man den Hut (12 Tonnen!)  nach oben und platzierte ihn in luftiger Höhe auf den Kopf des Giganten. Wer nicht an Klaustrophobie leidet und auch sonst kein ängstlicher Mensch ist, der kann unter den Unterleib des steinernen Kolosses krabbeln und wird eine interessante Ritzzeichnung entdecken: von einem Segelschiff mit zwei Masten. Ich vermute, dass der Koloss schon alt war, als Osterinselkünstler das Abbild eines Segelschiffs in seinen Leib ritzten. Die Gravur offensichtlich erst nach Ankunft der Europäer im 18. Jahrhundert angebracht.

Foto 3: Piropiro und 2 Besucher
Übrigens: Noch größer als der heute zerbrochene  Riese »Paro« ist der Moai »Piropiro«. 11 Meter misst er vom Nabel bis zum Scheitel. Allerdings ließ man den Giganten unweit des Steinbruchs am »Rano Raraku«-Krater einfach stehen. Fünf Meter sank er in den Boden. Halb steckt er im Boden, halb ragt er aus dem Erdreich.  Oder wurde er, um ihm sicheren Halt zu bieten, halb eingegraben?

Der frühe Weltreisende und Forscherautor Ernst von Hesse-Wartegg (*1851; †1918), 1888 bis 1918 Konsul von Venezuela für die Schweiz,  war von den großen Kulturen unseres Globus fasziniert. Die Monumente, die unsere Vorfahren weltweit bereits vor Jahrtausenden errichteten, verblüfften den Weltenbummler immer wieder. Nichts aber faszinierte ihn so wie die Kolosse auf der Osterinsel. Von Hesse-Wartegg schrieb kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs in seinem zweibändigen Werk »Die Wunder der Welt« (2), dass die schweigenden Riesen von »unbekannten Schöpfern« gemeißelt wurden und »wahrscheinlich zu den ältesten Skulpturen der Menschheit« gezählt werden müssten. 

Von Hangaroa, der einzigen Siedlung auf der Osterinsel, kann man den Strand der Anakena-Bucht per PKW, Motorrad, Fahrrad oder Pferd auf inzwischen recht ordentlichen Straßen erreichen. Eine recht ordentliche Straße führt von Hangaroa aus Richtung Norden, Richtung Anakena-Bucht. Kurz bevor man die Küste erreicht kommt man an eine Kreuzung und biegt nach rechts ab. Nach zwei Kilometern erreicht man einen kleinen Parkplatz und ist am Ziel.

Es ist ohne Zweifel nicht ohne Reiz auf dem Rücken eines Pferdes die Osterinsel zu erkunden. Allerdings stellt sich dann immer wieder die Frage, was man mit dem braven Pferd macht, wenn man – zum Beispiel – den »Nabel der Welt« näher in Augenschein nehmen möchte. Anders als im »Wilden Westen« gibt es keine Parkplätze für Reitpferde. Nirgendwo sind Halterungen zum Anbinden des treuen Rosses angebracht.

Foto 4: Palmenwäldchen mit Pferden unweit der Anakena-Bucht

Man kann auch mit dem Auto bis zur Anakena-Bucht fahren, unter Palmen parken und den Rest zu Fuß gehen. Vom Sandstrand der Anakena-Bucht zum »Nabel der Welt« ist es nicht weit, der Weg an der steinigen Küste entlang bringt den Wanderer der echten Osterinsel-Atmosphäre näher.

Was mich schon lange beschäftigt: Wissen wir, was »Te-pito-te-Kura« war? Und ist diese Kostbarkeit heute noch vorhanden? » Te-pito-te-Kura« heißt zu Deutsch heißt der klangvolle Name: »Nabel aus Licht« oder »Nabel des Lichts«. Was dürfen wir uns unter einem »Nabel aus Licht« oder »Nabel des Lichts« (3) vorstellen? Die »offizielle« Erklärung: Der mysteriöse »Nabel« sei nichts anderes als ein Spheroid (4) aus dichtem, kristallinem Vulkangestein von schwarz-grauer Färbung.

Foto 5: »Nabel der Welt«?
Der seltsame Stein ist nicht als Skulptur komplett neu geschaffen worden. Es handelt sich also nicht um so etwas wie eine Skulptur. Er scheint aber von kundiger Hand etwas »geformt« und »glattpoliert« worden zu sein. In welchem Umfang der »Nabel« bearbeitet wurde, das lässt sich nicht mehr genau feststellen. Offenbar ist er eisenhaltig, deshalb lässt er jeden Kompass verrücktspielen. Fakt ist: Der Stein – Umfang 2,53 Meter – stammt eindeutig von der Osterinsel, das ist erwiesen.  Der mysteriöse »Licht-Nabel« soll aber vom Atlantis der Südsee zur Osterinsel geschafft worden sein. Irgendwie wurde irgendwann aus dem »Lichtnabel« der »Nabel der Welt«, »Te-pito-te-henua«. Genauer gesagt: Er bildet das Zentrum eines eigenartigen Ensembles: um den großen zentralen Stein angeordnet sind vier wesentlich kleinere Steine. Das Ganze wiederum wird von einem niedrigen Steinmäuerchen umschlossen.

Je gründlicher ich mich mit der seltsamen Anordnung beschäftigte, desto klarer wurde mir, dass man recht wenig weiß. Einen Besuch ist die geheimnisvolle Anlage allemal wert. Allerdings muss ich zugeben: Meine Recherchen zerstörten so manche meiner Illusionen. Offensichtlich ist der Komplex, bestehend aus Mäuerchen, einem größeren zentralen und vier kleineren Steinen, kein uraltes Heiligtum der Osterinsel. Im kleinen Museum der Osterinsel zeigte man mir einige vergilbte Fotos, die ältesten stammten aus den 1970er Jahren. In einer Aufnahme, angeblich Mitte der 1970er Jahre entstanden, sieht man nur den großen, eiförmigen Stein am steinigen Strand liegen. Weder die um den Stein platzierten vier kleineren Steine, noch das Mäuerchen sind da zu sehen. Das heute Touristen gezeigte Gesamtensemble ist offensichtlich erst nach 1970/ 1975 entstanden.

Unklar ist, wer das Mäuerchen erbaut hat und warum. Waren es Osterinsulaner? Waren es die Mitglieder einer Reisegruppe von Esoterikern? Wer gruppierte wann die vier kleineren »Steineier« um den steinernen »Nabel der Welt«. Waren es die Esoteriker, die sich auf die vier relativ unbequemen Steine setzten, um mit den Händen die Kräfte des zentralen Steins zu erspüren? Waren es Osterinsulaner, die esoterisch angehauchten Besuchern etwas bieten wollten? Oder waren es Einheimische mit Humor, die sich darüber amüsierten, was man den leichtgläubigen Touristen alles erzählen konnte.

Foto 6: »Nabel der Welt« oder »Nabel des Lichts«?

Bei meinem ersten Besuch vor Ort anno 1982 erklärte mir mein »Pensionswirt«, dass das »Mäuerchen« immer wieder verändert wird. Mal ist es kniehoch, mal hüfthoch, mal ist es breiter als hoch, mal höher als breit, mal hat es einen »Eingang« und mal nicht, mal weist der Eingang Richtung Meer, mal in die entgegengesetzte Richtung. Auch scheint sich die Form des Mäuerchens zu verändern, mal ist es runder, mal ovaler. Diese Veränderungen lassen darauf schließen, dass das Ganze für die Osterinsulaner keine religiöse Bedeutung hat.

Unbestreitbar ist: Eine alte Sage berichtet von »Te-pito-te-Kura«, vom »Nabel des Lichts«, der vom Atlantis der Südsee mit auf die Osterinsel gebracht wurde. Der »Nabel-der-Welt-Stein« stammt aber definitiv von der Osterinsel selbst. Deshalb ist es vollkommen ausgeschlossen, dass der zentrale schwarzbraune Stein im Mäuerchen dieser »Nabel des Lichts« ist.

Foto 7: Hier liegt der mysteriöse »Nabel«

Heute gehört ein Besuch beim »Nabel der Welt« zum Pflichtprogramm für Osterinselbesucher. Dessen ungeachtet: Die Attraktion ist keine 50 Jahre alt. Es ist gut möglich, dass das leicht erreichbare Ensemble in Anlehnung an die alte Sage geschaffen wurde, vielleicht von esoterischen Touristen, vielleicht von Osterinsulanern.

Wo aber befindet sich dann der wirkliche »Nabel des Lichts«? Wartet das mysteriöse Objekt irgendwo in einer unterirdischen Kammer darauf, wieder entdeckt zu werden? Die Bezeichnung »Nabel des Lichts« lässt viel Raum auch für kühne Gedankenspiele und Spekulationen.

Fußnoten
(1) Joseph, Frank: »Lost Civilization of Lemuria/ The Rise and Fall of the World’s Oldest Culture«, Rochester 2006, Kapitel »Navel of the World«, S. 54-S.82, Seite 61, letzter Absatz unten
(2) Hesse-Wartegg, Ernst von: »Die Wunder der Welt«, Band 1, Stuttgart, Berlin, Leipzig, o.J., S. 473 u. 474
(3) Im Englischen: »navel of light«.
(4) Spheroid: Keine Kugel, sondern ellipsenartig im Querschnitt

Zu den Fotos
Foto 1: Piropiro vor einem Jahrhundert und heute. Foto vor 100 Jahren Archiv Walter-Jörg Langbein. Foto heute: Ingeborg Diekmann
Foto 2: Steiniger »Strand«. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Piropiro und 2 Besucher, links Elfriede Wellbrock, der Herr mit ausgestrecktem Arm ist Walter-Jörg Langbein. Foto Ingeborg Diekmann
Foto 4: Palmenwäldchen mit Pferden unweit der Anakena-Bucht. Foto Ingeborg Diekmann
Foto 5: »Nabel der Welt«? Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: »Nabel der Welt« oder »Nabel des Lichts«? Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Hier liegt der mysteriöse »Nabel«. Foto Ingeborg Diekmann
Foto 8: Kuriose Osterinselfigur - verfremdet, bnasierend auf einer Zeichnung 
von Grecte C. Söcker. Verfremdung und Collage: Walter-Jörg Langbein 
(links!)



481 »Eine Osterinselstatue auf der Insel der Meuterer?«,
Teil 481 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 7. April 2019




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Sonntag, 10. März 2019

477 »Die Erde ist ertrunken – Ku emu a«

Teil 477 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Sieben Kundschafter fanden den Weg zur Osterinsel

Sieben Kundschafter, so ist überliefert, fanden einst den Weg zur rettenden Osterinsel. In einer anderen alten Sage der Osterinsel wird der kühne Versuch von sechs Männern beschrieben, den heiligen Moai »Tauto« zu retten und aus der im Meer versinkenden Heimat zur neuen Heimat zu schaffen (1). Die sechs mutigen Seeleute sahen sich am Ziel ihrer weiten Reise angekommen in einer höchst gefährlichen Situation. Würden sie selbst beim Versuch den vergessenen Moai Tauto zu bergen ums Leben kommen?

Das Meer verschlang nach und nach die alte Heimat, die sechs Männer (2) »beeilten … sich noch mehr um ihr Werk zu beenden und möglichst schnell nach Anakena (eine Bucht der Osterinsel) zurückzukehren, und die Ratschläge Hotu Matuas vergessend, ließen sie nicht die nötige Vorsicht walten. Als sie den Moai zum Boot hinuntertragen wollten, da entglitt er ihnen und zerbrach: der Kopf war vom Rumpfe getrennt.«

Foto 2: Die alte Heimat versank im Meer...

Der schon legendäre Erforscher der Osterinsel Thor Heyerdahl (*1914; †2002) war vorübergehend im Besitz der Originale von schriftlichen Aufzeichnungen, die von eingeweihten Osterinsulanern niedergelegt worden waren. Diese Manuskripte wurden strikt geheim gehalten. Selbst in der Bevölkerung der Osterinsel bekam sie so gut wie niemand zu lesen. Eine ganze Reihe von »Heften« soll auf den legendären »Dorfkapitän« Esteban Atan zurückgehen. Als Thor Heyerdahl 1955 und 1956 auf der Osterinsel intensiv Ausgrabungen durchführte, kam er vorübergehend in den Besitz der mysteriösen Notizen. Er durfte sie aber nicht behalten, sondern musste sie wieder zurückgeben. Im Jahr 1963 durfte der französische Osterinselforscher Francis Mazière ebenfalls geheime Aufzeichnungen über die Geschichte der Osterinsel studieren. Auch er erhielt die Dokumente nur leihweise. Heyerdahl fertigte Kopien an.

Die russischen Gelehrten Prof. Dr. Fjodor Petrowitsch Krendeljow und Dr. phil. Aleksandr Michailowitsch Kondratow zitierten erstmals 1980 explosives Material aus den geheimen Unterlagen, die Jahrzehnte zuvor Heyerdahl zur Verfügung gestanden hatten, in  ihrem Buch »Die Geheimnisse der Osterinsel«. Eine Übersetzung ins Deutsche erschien 1987 in Moskau und Leipzig. Die zweite Auflage mit dem brisanten Material erschien bereits 1990 (3). Was das Buch so spannend macht das sind uralte, kaum bekannte  Überlieferungen der Osterinsel, in denen ganz eindeutig von einem Atlantis der Südsee gesprochen wird. Da heißt es zum Beispiel (4):

Foto 3: Tautos Kopf brach vom Rumpf
»Der Jüngling Tea Waka sagte: ›Unsere Erde war früher ein großes Land, ein sehr großes Land.‹ Kuukuu fragte ihn: ›Aber warum wurde das Land klein?‹ Tea Waka antwortete: ›Uwoke senkte seinen Stab darauf. Er senkte seinen Stab auf die Gegend Ohio.‹«

Nach der mythischen Tradition der Südsee gab es einst ein großes Königreich in der Südsee. Uwoke, ein mächtiger Gott des Erdbebens berührte mit einem »Stab« das Land. Große Teile davon versanken. Übrig blieb, so wissen es die alten Überlieferungen, die Osterinsel. Weiter heißt es in Heyerdahls Kopien, zitiert bei Krendeljow und Kondratow: »Es erhoben sich Wellen, und das Land ward klein. Der Stab Uwokes zerbrach am Berg Puku-puhipuhi. Von nun an wurde es Te-Pito-o-te-Henua, der Nabel der Erde genannt.«

In einer anderen Überlieferung, ebenfalls in den Aufzeichnungen Thor Heyerdahls vor dem Vergessen bewahrt, heißt es: »Kuukuu sagte zu ihm: ›Früher war diese Erde groß.‹ Der Freund Tea Waka sagte: ›Diese Gegend nennt sich Ko-te-To-monga-o-Tea-Waka.‹ Ariki Hotu Matua fragte: ›Warum versank das Land?‹ ›Uwoke machte das; er versenkte das Land‹ antwortete Tea Waka. ›Von nun an wurde das Land Te-Pito-o-te-Henua genannt.« Te-Pito-o-te-Henua bedeutet »Nabel der Welt«.

Was erzählen uns diese mysteriösen Überlieferungen? Sie berichten davon, dass in der Südsee einst auf der einen Seite Landmassen unter Wasser gedrückt und dass auf der anderen Seite Landmassen über den Meeresspiegel angehoben wurden. Mit anderen Worten: Die Urheimat der Osterinsulaner verschwand in den Tiefen des Pazifiks, die neue Heimat, heute als Osterinsel bekannt, erschien über den Wogen des Meeres.

Zurück zur Sagenwelt der Osterinsel. Der heilige Moai wurde Opfer einer gewaltigen Naturkatastrophe, die offenbar weite Teile des Pazifiks heimsuchte. Der Osterinsulaner Jose Fati erzählte Fritz Felbermayer die Ereignisse in Sachen »Der Moai Tauto« (5). In der Sage heißt es konkret (6): »Als dies geschah, da bedeckte sich der Himmel mit schwarzen Wolken, Sturm kam auf, Blitze erhellten jäh den Raum, und strömender Regen rauschte hernieder von Maori (7) bis Te Pito O Te Henua (8).« Es gab also eine Naturkatastrophe vom versinkenden Maori bis zur Osterinsel, das heißt es waren weite Teile des Pazifiks betroffen! Als Maori Nui Nui, die Urheimat der Osterinsulaner, nach und nach von stürmischen Wogen überflutet wurde, da tobten Stürme gegen die kleine Osterinsel. Jose Fati erzählte Dr. Fritz Felbermayer die Sage »Der Moai Tauto«. Da heißt es (9): »Als Hotu Matua dies in seinem neuen Lande (Osterinsel) sah, da beschlich ihn  die Ahnung dessen, was geschehen war.«

Foto 4: Tautos Rumpf blieb zurück

Die Rettungsaktion für die vergessene Statue Tauto wird offensichtlich auch in anderen Sagen der Osterinsel überliefert (10). So wie heute so manche Steinstatue der Osterinsel direkt am Strand von den Unbilden der Naturgewalten bedroht ist, so konnte die verehrte Statue Tauto jeden Moment ein Opfer der brachialen Wellen werden (11): »Sie (die Retter) erreichten endlich die Küste von  Marea Renga, wo sie die vergessene Staue von Tauto vorfanden, die immer noch am Rande von Marae-toe-hau (12) stand, just wie von  Hotu Matua beschrieben. Als sie sie gerade von dort entfernten, da schlug der Gott der Erdbeben zu und stürzte große Landstriche ins Meer.«

Der Osterinsulaner Arturo Teao wusste aus der Sagenwelt der Osterinsel zu berichten (13), dass »Wellen über das Land (Urheimat der Osterinsulaner) hereinbrachen, der Wind tobte, Regen  strömte, Donner brüllte, Meteoriten auf das Land stürzten.« Kurz gesagt, es herrschten geradezu apokalyptische Verhältnisse.

Die Statue Tauto entglitt den mutigen Rettern, stürzte krachend zu Boden und zerbrach. Die Männer drohten in den Fluten umzukommen. Höchste Eile war geboten.  Sie flohen in Panik, schleppten nur den Kopf von Tauto in ihr Boot. Körper, Arme und Beine mussten sie zurücklassen.

Kurios ist, dass die Statue Tauto auch über Beine verfügte, im Gegensatz zu den Kolossen der Osterinsel! Fast 1.000 Statuen der Osterinsel sind bekannt. Sie werden aber immer wieder wie vor über einem Jahrhundert in den Medien als »Steinköpfe« bezeichnet (14). Tatsächlich ragen besonders in unmittelbarer Nähe des Steinburchs steinerne Häupter aus dem Erdreich. Aber seit über einem Jahrhundert weiß man, dass auch diese »Steinköpfe« über einen Rumpf und Arme verfügen, aber nicht über Beine. Geradezu lächerlich wird es dann, wenn gemeldet wird (15):

Foto 5: Nur eine Statue hat auch Beine
»Es ist eine der größten archäologischen Entdeckungen des Jahres 2012. Ein privates Team aus Forschern und Archäologen nimmt derzeit eine spektakuläre Ausgrabung, im Rahmen des Easter Island Statue Project, an den bekannten Köpfen der Osterinsel vor, welche zum UNESCO Weltkulturerbe gehören. Anlass dazu gaben einige Moais, wie man die Figuren nennt, im Inselinneren. Hier finden sich mehrere Moai-Statuen, die nicht nur aus einem Kopf bestehen, sondern einen kompletten Körper besitzen. Diese vollständigen Statuen findet man zum einen auf Steinplatten in alten Tempelanlagen und zum anderen in alten Werkstätten der Insel.«

Man muss sich die Worte auf der Zunge zergehen lassen: »Hier finden sich mehrere Moai-Statuen, die nicht nur aus einem Kopf bestehen, sondern einen kompletten Körper besitzen.« Was für ein Unsinn! Einen kompletten Körper hat nur eine einzige Statue. Nur aus einem Kopf besteht keine einzige Statue. An der Meldung ist nichts sensationell, nur alles falsch. Bis heute ist eine einzige Statue bekannt, die einen kompletten Körper, Beine inklusive, hat. Diese kuriose Figur scheint zu knien, auf den Unterschenkeln zu hocken.

Wie mag die Statue Tauto ausgesehen haben, von der nur der Kopf auf die Osterinsel geschafft wurde? Wo mag sich das steinerne Haupt heute befinden. Zu Beginn des dritten Jahrtausends sind Teile der Osterinsel vom Untergang bedroht. Statuen an der Küste könnten bei wachsendem Meeresspiegel unterspült werden und umstürzen. Ist dafür der Mensch verantwortlich?
Vor Jahrhunderten hatte König Hotu Matua eine Vision. Was aber sah er? Den Untergang des »Atlantis der Südsee«? Oder blickte er in eine fernere Zukunft, als er klagend ausrief (16) »Ku emu a!«, zu Deutsch »Die Erde ist untergegangen«!

Fußnoten
Foto 6: »Sagen und Überlieferungen der Osterinsel«
(1)  Felbermayer, Dr. Fritz: »Sagen und Überlieferungen der Osterinsel«, Nürnberg 1971, Kapitel »Die ersten Bewohner der Osterinsel«, Seiten 13-15
(2) ebenda, Zeilen 9-15 von oben
(3) Krendeljow, Dr. Fjodor Petrowitsch und Kondratow, Aleksandr Michailowitsch: »Die Geheimnisse der Osterinsel«, 2. Auflage, Moskau und Leipzig 1990
(4) ebenda, Seite 109
(5)  Felbermayer, Dr. Fritz: »Sagen und Überlieferungen der Osterinsel«, Nürnberg 1971, Kapitel »Der Moai Tauto«, Seiten 19+20
(6) ebenda, rechte Spalte, Zeilen 3-7
(7) Maori: Urheimat der Osterinsulaner, die im Meer versank.
(8) Te Pito O Te Henua: Einer der Namen der Osterinsel (9)  Felbermayer, Dr. Fritz: »Sagen und Überlieferungen der Osterinsel«, Nürnberg 1971, Kapitel »Der Moai Tauto«, Seiten 19+20, Zitat Seite 19, Zeilen 1 und 2 von unten
(10) Joseph, Frank: »Lost Civilization of Lemuria/ The Rise and Fall of the World’s Oldest Culture«, Rochester 2006, Kapitel »Navel of the World«, S. 54-S.82
(11) ebenda, Seite 62, Zeilen 12 - 15 von oben: »They at last arrived on the shores of Marea Renga, where they found the forgotten statue auf Tauto still standing at the edge of Morae-toe-hau, just as Hotu Motua described. But as they were removing it, the god of earthquakes struck, upending great stretches of territory into the sea.« Übersetzung aus dem Englischen: Walter-Jörg Langbein

Foto 7
(12) Marae-toe-hau: Teil der versunkenen Urheimat der Osterinsulaner.
(13) Joseph, Frank: »Lost Civilization of Lemuria/ The Rise and Fall of the World’s Oldest Culture«, Rochester 2006, Seite 62, Zeilen 16 und 15 von unten: »According to Arturo Teao ›the waves broke, the wind blew, rain fell, thunder roared, meteorites fell on the island.‹« Übersetzung aus dem Englischen
(14) Beispiel: https://www.reise-inspirationen.de/die-osterinsel-wo-die-steinkoepfe-wohnen-reisemagazin-herbst-2017/ (Stand:18.01.2019)
(15) https://www.forschung-und-wissen.de/nachrichten/archaeologie/die-moai-statuen-auf-der-osterinsel-haben-einen-koerper-13371666
(16) Joseph, Frank: »Lost Civilization of Lemuria/ The Rise and Fall of the World’s Oldest Culture«, Rochester 2006, Seite 62, Zeile 9 von unten

Zu den Fotos
Foto 1: Sieben Kundschafter fanden den Weg zur Osterinsel. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Die alte Heimat versank im Meer... Symbolbild. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Tautos Kopf brach vom Rumpf. Symbolbild. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Tautos Rumpf blieb zurück. Symbolbild. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Nur eine Statue hat auch Beine. Foto: Zeichnung Grete C. Söcker, bearbeitet von Walter-Jörg Langbein. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: »Sagen und Überlieferungen der Osterinsel«.
Foto 7: »Lost Civilization of Lemuria/ The Rise and Fall of the World’s Oldest Culture«.

478 »In der Menschenfresserhöhle«,
Teil 478 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 17.03.2019






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Sonntag, 8. September 2013

190 »Begegnung auf dem Friedhof«

Teil 190 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Die Anakenabucht - Foto: Wiki Commons, Rivi
Zwei kräftige, junge Männer tragen die fast mannshohe hölzerne Statue gemessenen Schritts zum Friedhof, der direkt am Strand liegt.  Heftig spritzt die Gischt von scharfkantigen Felsen. Noch ist die hölzerne Figur in ein weißes Tuch gehüllt. Noch sind nur ihre Konturen zu erahnen. Zielstrebig gehen die beiden Männer, gefolgt von einer vergrämten Frau, auf ein Grab zu, wo sie die hölzerne Figur absetzen. Sie gehen sehr sorgsam mit dem hölzernen Idol um. Ihre Bewegungen lassen vermuten, dass sie den für sie heiligen Akt sorgsam geübt haben. Es geht um den Aku Aku ihres toten Vaters, erfahre ich später.

Ihre Mutter tritt hinzu, zupft nervös am Tuch. Ihre beiden Söhne überprüfen, ob die Statue auch wirklich sicher steht. Sie bewegen sie sanft hin und her. Kippt sie auch nicht? Dann ziehen sie langsam, geradezu ehrfurchtsvoll, die Hülle von der Statue. Noch einige Minuten verharren die drei Insulaner, dann entfernen sie sich, langsam rückwärts gehend. Erst in einigen Metern Entfernung haben sie es plötzlich eilig und entfernen sich hastig vom Friedhof.

Wie wurden die riesigen Osterinselstatuen aus dem Vulkangestein gemeißelt, transportiert und aufgestellt? Warum wurden die Kolosse geschaffen? Wen sollen sie darstellen? Warum wurden alle Steinkolosse zu Fall gebracht? Was steht auf den hölzernen Tafeln in rätselhaften Schriftzeichen? Werden wir je die Botschaften wie ein Buch lesen können?

Über diese Fragen wird seit Generationen diskutiert. Und immer wieder heißt es, dass endlich die Geheimnisse der Osterinsel entschleiert worden seien. Jetzt wisse man, wie die bis zu 20 Meter hohen Figuren kilometerweit geschleppt wurden. Bislang haben aber alle Lösungen nur auf dem Papier wirklich funktioniert. Wirklich  in die Realität umgesetzt werden konnte keine einzige der ach so einleuchtenden Antworten auf die »brennenden Fragen«.

Bei Licht betrachtet wird klar dass selbst simpelste Fragen nicht widerspruchslos beantwortet können. Ein Beispiel soll genügen ... So behauptet Wilhelm Ziehr nüchtern (»Zauber vergangener Reiche«, Stuttgart 1975): »Die Existenz monumentaler Steinplastiken auf der Osterinsel ist keineswegs so rätselhaft, wie oft behauptet wurde. Da Holz auf der Insel außerordentlich knapp war, bot sich das hingegen reichlich vorhandene Tuffgestein an.«

Nach wie vor rätselhaft ...
die Kolosse der Osterinsel
Foto: W-J.Langbein
Demnach waren also die Steinmetzen der Osterinsel künstlerisch veranlagt. Weil sie kaum Holz zur Verfügung hatten, stillten sie ihren Drang, Kunstwerke zu produzieren, indem sie riesenhafte Figuren aus dem Stein meißelten. Warum es dann aber teilweise über zwanzig Meter hohe Kolosse sein mussten, darüber schweigt sich Wilhelm Ziehr aus. Er bietet auch keinen Erklärungsversuch dafür an, wie denn die Statuen befördert wurden. Diese Frage meint Thor Heyerdahl hinlänglich beantwortet zu haben. Der Transport der Kolosse, so schreibt er (»Die großen Steine der Osterinsel« in »Versunkene Kulturen«, Zürich 1963), sei problemlos möglich gewesen, da auf der Osterinsel Holz in Hülle und Fülle zur Verfügung stand. Man habe Holzrollen, aber auch schlittenartige Vehikel gebaut – aus Holz, natürlich – und so die Riesenfiguren kilometerweit bewegt.
           
Ist das nicht kurios? Da hatten die Bewohner der Osterinsel einen unstillbaren Drang nach künstlerischer Betätigung. Für Schnitzwerk stand ihnen nur ein Material in Hülle und Fülle zur Verfügung. Also mussten die armen Osterinselkünstler Riesenfiguren aus Stein herstellen, weil ihnen kein Holz zur Verfügung stand. Und sie konnten die Statuen kilometerweit transportieren, weil Holz in Hülle und Fülle zur Verfügung stand. Der Widerspruch ist evident!

Meißelten die Osterinsulaner zunächst aus Holzmangel große, teilweise riesige Statuen aus Vulkanstein, ohne zu wissen, wie sie die Kolosse transportieren würden? Und legten sie dann riesige Wälder an, um Holz für Schlitten zu haben? Warteten sie  Jahrzehnte, um mit Hilfe des nun reichlich vorhandenen Holzes das Transportproblem lösen zu können?

Die Wirklichkeit sieht anders aus: Es gab einst reichlich Holz. Also hätten von Anfang an Statuen aus Holz geschnitzt werden können!

Was ich bei meinen Aufenthalten auf der Osterinsel gelernt habe: So manches Rätsel von Rapa Nui konnte bis heute nicht gelöst werden. Aber die wirklich spannenden Fragen werden in der Öffentlichkeit nicht einmal gestellt. So wissen wir so gut wie nichts über geheime Rituale, die heute noch praktiziert werden. Und die es offiziell gar nicht gibt, ist doch Rapa Nui ein Hort des christlichen Glaubens ... Angeblich!

Nichts ist bekannt über die mysteriösen Höhlen mit unzähligen Figürchen aus Stein und Holz. Nichts ist offiziell darüber bekannt, ob der alte Aku-Aku-Glaube noch lebt und gelebt wird. Nichts ist darüber bekannt, wie Aku-Aku-Zeremonien aussehen, wenn sie denn noch zelebriert werden. Ich weiß auch nicht, ob meine Begegnung auf dem Friedhof von Hanga Roa auf das Fortbestehen einer alten Religion im Volk hinweist ... oder ob da eine einzelne Familie einen seltsamen Kult zelebriert.

Stunden später ... Die Familie kehrt auf den Friedhof zurück. Die beiden Söhne tragen die hölzerne Statue ... sie erinnert an die weltberühmten Kolosse von Rapa Nui aus Stein ... einige Hundert Meter entfernt fast direkt an das steinige, zerklüftete Ufer. Dort haben sie offenbar eine Art »Scheiterhaufen« vorbereitet. Sie entzünden trockenes Gras und dürres Holz. Schon lodert die Flamme auf, der Holzstapel brennt lichterloh. Sie legen die Holzstatue in die Flammen. Ich entferne mich so diskret wie möglich.

Eine Holzstatue als »Zuflucht«
für einen Aku Aku
Foto: W-J.Langbein
Eine ganz ähnliche Holzfigur entdeckte ich bei einem meiner Besuche im »B. P. Bishop Museum«, Honolulu, Hawaii.

Am nächsten Mittag treffe ich einen der beiden Söhne am kleinen Hafen. Es kommt mir so vor, als bete er vor der steinernen Figur des christlichen Petrus. Als er wieder Richtung Dorf geht, spreche ich ihn an. Gemeinsam gehen wir den Weg empor zur Kirche. »Du hast unsere Insel schon mehrfach besucht ...«, stellt er trocken am Eingang zur Kirche fest. »Und du hast unser Ritual mit der hölzernen Figur beobachtet!« Ich nicke. »Ich hoffe, ich habe nicht gestört ...« Er schüttelt den Kopf. »Und du hast auch nicht fotografiert ...!« Das wäre doch unangebracht gewesen ... beteuere ich.

Der Friedhof der Rapa Nui
Foto: W-J.Langbein
Ungefragt erklärt mir der junge Rapa Nui: »Vor einigen Jahren verstarb unser Vater. Bald darauf wurden einige Familienangehörige krank, teils schwer. Keine Medizin half. Unser kleines Boot, mit dem wir zum Fischen fahren, wurde stark beschädigt. Meine Schwester und meine Mutter hatten Albträume. Vater erschien ihnen und rief ihnen wie aus weiter Ferne etwas zu, was sie nicht verstanden. Eines Tages gestand dann unser Onkel, nach Vaters Tod eine nicht unerhebliche Summe in US-Dollar in Vaters Sachen gefunden zu haben. Er behielt das Geld, ohne uns etwas zu sagen.«

Für die Söhne und die Witwe des Verstorbenen gab es keinen Zweifel. Der Aku Aku des Verstorbenen war empört, weil sein Bruder Geld, das unter  seinen Erben aufzuteilen war, unterschlagen hatte. Der Bruder des Toten verteilte das Geld, jeder bekam seinen gerechten Erbteil. Der Bruder des Toten selbst verzichtete. Vom Erbe ließen die Söhne des Toten das Boot reparieren. Sie schafften einen Außenbordmotor an. Die Albträume blieben von nun an aus. Die erkrankten Familienangehörigen wurden schnell wieder gesund.

Aku Akus können erheblichen
Schaden anrichten
Foto: W-J.Langbein
Der junge Rapa Nui: »Der Aku Aku meines toten Vaters hatte erreicht, was er bewirken wollte. Sein Erbe war, so wie er das immer gewollt hatte, gerecht verteilt worden. Jetzt hatte er keine Aufgabe mehr in unserer Welt!« Seine Mutter bat den Aku Aku in die hölzerne Statue einzuziehen, die seine beiden Söhne geschnitzt hatten. Die beiden Männer trugen dann die Statue würdevoll zum Friedhof, ans Grab des Vaters.

»So konnte der Aku Aku von seinen sterblichen Überresten Abschied nehmen und unsere Insel verlassen.« Nach einer Pause fragte ich: »Und wo ist der Aku Aku ihres verstorbenen Vaters jetzt?« Der junge Rapa Nui hebt beide Arme gen Himmel. »Der Himmel ist weiter und größer als das Meer, das Pazifik genannt wird.« Er deutet in das wolkenlose Blau des Himmels, der so tief über der Osterinsel liegt. »Der Aku Aku meines toten Vaters ist frei!« Er nickt mir noch einmal zu, dann geht er in die Kirche, in der es so viele Hinweise auf den alten Glauben der Osterinsulaner gibt.

Wir rätseln über die Statuen der Osterinsel, grübeln über Transportmethoden und über Methoden, die Kolosse auf steinernen Podesten aufzustellen. Die wirklich interessanten Fragen aber werden erst gar nicht gestellt. So bleibt der wahre alte Glaube von Rapa Nui weiterhin im Dunkeln, so wie die zahllosen Familienhöhlen für Fremde nach wie vor Tabu sind.

Moderne
Osterinsel-Skulptur
Foto: W-J.Langbein
Die heutigen Rapa Nui scheinen sich verstärkt wieder der eigenen Kultur zuzuwenden. Heutige Künstler schaffen wieder steinerne Skulpturen. Uralte Motive, die vor Jahrhunderten in Reliefs verewigt wurden, tauchen wieder auf: in ausdrucksstarken, mysteriösen Bildwerken. Kennen die heutigen Künstler die wahre Bedeutung der uralten Darstellungen, die sie uns »Besuchern« verschweigen? Oder ahmen sie nur nach, was ihre Vorfahren hinterlassen haben? Ich bin davon überzeugt, dass es ein verborgenes Wissen aus uralten Zeiten auf Rapa Nui gibt, das uns Fremden vielleicht für immer verschlossen bleiben wird ...


»Von Tunneln, Höhlen und Jungfrauen«, 
Teil 191 der Serie 
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                          
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 15.09.2013


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