Posts mit dem Label Uwoke werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Uwoke werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 21. April 2019

483 »Inseln im All«

Teil 483 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Sieben Botschafter starren Richtung Westen. (Fotocollage)

Sieben Botschafter starren gen Westen. Die steinernen Denkmäler einer apokalyptischen Vergangenheit sollen an die Urheimat der Osterinsulaner erinnern. Sie blicken aufs schier endlose Meer hinaus, wo irgendwo in der Ferne das Atlantis der Südsee versunken ist. Und das lag nach alten Sagen und Mythen eben weit im Westen der Osterinsel. Der Sage nah kamen die ersten Bewohner der Osterinsel aus dem Westen. Fakt oder Fiktion?

Tatsächlich gab es vor rund 1.200 Jahren eine Bevölkerungsexpansion aus dem polynesischen Raum, also aus dem Westen. So wurde die Pitcairn-Insel, 2.000 Kilometer westlich der Osterinsel, um 800 n.Chr. von Polynesien aus besiedelt. Über die ersten Bewohner des Inselchens ist so gut wie nichts bekannt. Aus jener Zeit stammen, zumindest nach schulwissenschaftlicher Lehre, Steinwerkzeuge aus schwarzem Basalt. Dann und wann finden Bauern auch heute noch beim Pflügen sauber gearbeitete Instrumente.

Foto 2: Osterinsel-Moai
Anno 1826 besuchte der britische Forschungsreisende Frederick William Beechey die  Pitcairn-Insel. Er rekonstruierte die Geschichte der Meuterei auf der Bounty und die folgende Flucht der Meuterer, die schließlich auf der Pitcairn-Insel endete. Am 18. Januar 1790 landeten dort Fletcher Christian, der Anführer der Meuterer, mit acht Kumpanen, sechs polynesischen Männern und zwölf polynesischen Frauen. Fletcher Christian erkundete das felsige Eiland und beschloss die Gründung einer Siedlung. Die Bounty wurde in Brand gesteckt, um vorbeifahrende Schiffe nicht auf die Meuterer aufmerksam, vielleicht auch um eine Rückkehr nach England unmöglich zu machen.

In der Heimat wartete der Galgen auf die Meuterer. Mord und Totschlag bestimmten ihr Leben. Die Männer ermordeten sich gegenseitig. Weihnachten 1800 schließlich lebte nur noch John Adams. Frederick William Beechey befragte anno 1826 diesen letzten Überlebenden der Meuterer. Adams war sichtlich bewegt, Seeleuten aus der Heimat zu begegnen. Bereitwillig beantwortete er alle Fragen. An manche Details konnte oder wollte er sich nicht mehr erinnern.

So wissen wir, dass Fletcher Christian wohl schon bei seiner ersten Begehung der Pitcairn-Insel auf die Spuren einer vergessenen Kultur stieß. Frederick William Beechey notierte detailreich, was er von John Adams erfuhr. Die Geschichte der Meuterei auf der Bounty trug ohne Zweifel ganz erheblich zum Erfolg von Beecheys Buch »Erzählung über die Reise in den Pazifik und die Beering-Straße« (1) bei, das 1832 in Philadelphia erschien.

Von Beechey erfahren wir, dass die Meuterer großen Wert auf Missionierung der »Heiden« legten. Einer der Offiziere versuchte verzweifelt, den Eingeborenen Psalm 100 beizubringen, musste aber feststellen, dass er bei seinen unfreiwilligen Schülern auf vollkommenes Desinteresse stieß. Offenbar hatten die »Heiden« keine Lust, den Text des kurzen Psalms zu verinnerlichen, geschweige denn die Melodie einzustudieren, nach der sie den frommen Bibeltext singen sollten. »Sie zeigten weder die geringste Befähigung, noch den bescheidensten Wunsch, den Psalm zu lernen.« (2)

Foto 3: Der Pitcairn-Fund
Lesen wir weiter, was Frederick William Beechey zu berichten hat (3): »Den folgenden Tag verbrachten wir damit, unsere Erkundung der Insel zu vervollständigen, wobei die Eingeboren darauf bedacht waren, uns jeden Winkel zu zeigen. Wir zogen mit den gleichen Führern los, folgten einer Straße, die uns zum ›Seil‹ brachte, zu einer steilen Klippe, die so hieß, weil man nur mit Hilfe eines Seils hinabsteigen konnte.

Die Klippe befindet sich am östlichen Ende der Insel und überblickt eine schmale, sandige Bucht, gesäumt von Felsen, die es für ein Boot gefährlich machen, dort einen Landungsversuch zu unternehmen. Am Fuße der ›Seil‹-Klippe fanden wir einige Steinäxte und einen Knochen. … Links von der ›Seil‹-Klippe gibt es eine Bergspitze von beachtlicher Höhe, die ›Bounty Bay‹ überblickt. Dort auf der Anhöhe fanden die Meuterer bei ihrer Ankunft vier Götzenbilder vor, sechs Fuß hoch, platziert auf einer Plattform, nach der Beschreibung von Adams den Moais nicht unähnlich, allerdings deutlich kleiner.

Foto 4: Pitcairn-Fund
Eines dieser Götzenbilder, das noch erhalten war, war das grobe Abbild einer menschlichen Gestalt von den Hüften aufwärts, aus einem einzigen roten Lavabrocken gemeißelt. Man teilte uns mit, dass unweit von diesem Götzen gelegentlich menschliche Knochen und Steinbeile ausgegraben wurden. Wir aber konnten nur zwei Knochen finden, die womöglich Rückschlüsse auf die Größe der Aborigines zuließen. Es waren ein os femoris (Oberschenkelknochen) und ein Stück eines Cranium (Schädel) von ungewöhnlicher Dicke und Größe.«

Die Meuterer von der Bounty stießen also auf die Überbleibsel einer älteren Kultur. Sollten die ersten Menschen auf Pitcairn besonders groß gewesen sein? Statuetten, die den Riesenstatuen der Osterinsel ähnelten, standen – wie die großen Moai der Osterinsel auch – auf steinernen Plattformen. Die Statuen von »Pitcairn-Island« hatte man aus Vulkangestein gemeißelt, so wie die größeren »Kollegen« der Osterinsel. Und  die Kolosse von der Osterinsel waren wie die kleineren »Brüder« der »Pitcairn-Insel« keine Ganzkörperskulpturen, sondern nur Büsten, von der Taille bis zum Kopf.

Sieben Botschafter starren gen Westen. Die steinernen Denkmäler einer apokalyptischen Vergangenheit sollen an die Urheimat der Osterinsulaner erinnern, die weit im Westen lag. Kamen die ersten Bewohne von »Rapa Nui« via »Pitcairn-Island« zur Osterinsel? Schufen sie auf »Pitcairn-Insel« kleinere Moais? Der Sage gab Hotu Matua, der der König der Osterinsel, den Befehl, die auf der im Chaos versinkenden Heimat vergessene heilige Statue zu retten. Der Versuch misslang. Die verehrte Statue fiel zu Boden, bevor sie ins Boot gewuchtet werden konnte und zerbrach. Der Kopflose Rumpf blieb zurück, nur das Haupt der steinernen Figur wurde gerettet. Ist es Zufall, dass auf Pitcairn eine moaiähnliche Figur ohne Kopf gefunden wurde?

Ausführliche Informationen erhielt ich von »Tangata Whenua«, einer neuseeländischen Internetseite, die sich intensiv mit den Vorfahren der Maori Neuseelands auseinandersetzt. In einem bemerkenswertenen Artikel, betitelt »Pitcairn Islands discoveries« (»Pitcairn Inseln Entdeckungen«) wird auch der angebliche Fund einer Osterinsel-Statue auf der »Henderson-Insel« als »Fake« enttarnt (4). Und doch hat die frei erfundene Geschichte einen realen Hintergrund. Ob der freilich den Erfindern der Story vom »World News Daily Report« bekannt war, das sei dahingestellt.

Foto 5: Links Osterinsel-Figur, rechts Pitcairn-Fund. Zeichnungen Grete C. Söcker

Auch »Tangata Whenua« berichtet über die Entdeckungen auf »Pitcairn-Island«, die die Meuterer von der Bounty machten (4): »Auf einer Bergspitze nahe am Rand jener Klippe, die der ›Bounty Bucht‹ zugewandt ist, da bot sich ihnen (den Meuterern) ein fesselnder Anblick. Felsbrocken waren sorgsam zusammen gefügt worden und bildeten eine rechteckige Plattform. Und auf jeder Ecke stand ein steinernes Bildnis, mit dem Rücken zum Meer, und betrachtete missbilligend die Eindringlinge auf ihrem heiligen Areal. Der Tempel und die Götter aber waren stumm, die Menschen, die sie geschaffen hatten, waren auf mysteriöse Weise verschwunden. Die Meuterer oder ihre Nachkommen bauten den Tempel oberhalb der ›Bounty Bucht‹ und einige andere, die in anderen Teilen der Insel errichtet worden waren. Die hilflosen steinernen Götter wurden hinüber zur nahe gelegenen Klippe gerollt und nahmen ihre Geheimnisse mit bis auf den Grund der ›Bounty Bucht‹. Als der ›Bounty Bucht‹-Tempel zerstört wurde, da wurde ein menschliches Skelett gefunden, das in der Struktur beigesetzt worden war, dessen Schädel auf einer großen Perl-Muschel ruhte.«

Rund ein Jahrhundert nach dem Erscheinen von William Beecheys Buch erreichte eine französisch-belgische Expedition die »Pitcairn-Insel«. Henry Lavachery (*1885; †1972) nahm an der Forschungsreise teil und publizierte umfangreiches Material. Die französisch-belgische Gruppe von Wissenschaftlern machte eine unerwartete Entdeckung: Beim Bau eines war eine der Statuen vom alten Tempel als Säule eingesetzt worden. Genauer gesagt: Man hatte offenbar den steinernen Rumpf einer dieser »Götzenbilder« am Fuß der Klippe geborgen, die dort aufgeschlagen und zerschellt waren.

Foto 6: Ende der Welt

Wie die Figur einst im unbeschädigten Zustand aussah, das kann natürlich nicht mehr rekonstruiert werden. Der Kopf fehlt, Beine waren wohl nie vorhanden. Auch die Vorderfront des Rumpfes ist beschädigt, wohl aber noch die Hände zu erkennen, die auf dem Bauch des Torso liegen, so wie wir das von den Moai der Osterinsel kennen. Die Osterinsel-Statuen haben in der Regel an den Seiten anliegende Arme, die Hände liegen auf dem flachen Bauch. Dabei berühren sich die Finger fast im Nabelbereich.

Augenzwinkernd erklärte mir »mein» Pensionswirt Paul vor Ort, die Moai würden immer auf ihren Nabel deuten, weil doch die Osterinsel der Nabel der Welt sei. Freilich ist umstritten, wie denn »Te pito o te henua« - einer der Namen der Osterinsel – korrekt zu übersetzen ist! Bedeutet der wohlklingende Name wirklich »Nabel der Welt«? Oder ist damit der der große Vulkan Rano Raraku gemeint, den man wirklich als einen riesigen »Nabel der Erde« sehen kann. Das »te pito« kann, muss aber nicht »Nabel« bedeuten. Eine andere mögliche Übersetzung lautet »Ende des Landes«.

Foto 7: Der »Nabel der Welt«?

Nach der mythischen Tradition der Südsee gab es einst ein großes Königreich in der Südsee. Uwoke, ein mächtiger Gott des Erdbebens berührte mit einem »Stab« das Land. Große Teile davon versanken. Übrig blieb, so wissen es alte Überlieferungen, die Osterinsel (6): »Es erhoben sich Wellen, und das Land ward klein. Der Stab Uwokes zerbrach am Berg Puku-puhipuhi. Von nun an wurde es Te-Pito-o-te-Henua, der ›Nabel der Erde‹ genannt.«

Demnach war die Osterinsel früher größer, versank zum Teil im Pazifik. Schroffe Steilhänge wurden so zum »Ende des Landes«. Oder zum »Ende der Welt«? Die Osterinsel liegt wie ein Außenposten der Erde in einem scheinbar endlosen Ozean, und das in einem viel größeren Meer aus Nichts und Sternen: im All. So wie die Osterinsel eine Insel im Pazifik ist, so ist unser Planet eine Insel im All. Und wie die Osterinsel nicht die einzige Insel im Meer ist, so ist auch die Erde nicht einzigartig im All. Inseln im All gibt es viele.

Im frühen 19. Jahrhundert unternahmen die Bewohner von Pitcairn zaghafte Versuche, zu anderen Eilanden zu segeln, gaben aber rasch auf. Der Menschheit steht die erste Reise ins All erst noch bevor. Niemand bleibt für alle Zeit auf seiner Insel!

Fußnoten
Foto 8: Der Pitcairn-Fund.
(1) Beechey, F.(rederick) W.(illiam): »Narrative of a voyage to the pacific and beering’s strait, to cooperate with the polar expeditions«, Philadelphia 1832
(Eine Übersetzung ins Deutsche ist mir nicht bekannt.)
(2) ebenda, Seite 90, Zeiten 1-5 von oben
(3) ebenda, Seite 90, Zeilen 17-29 von oben
(4) http://tangatawhenua16.wixsite.com/the-first-ones-blog/single-post/2016/09/16/Pitcairn-Islands-discoveries (Stand 13.2.2019)
(5) »La mission Franco-Belge dans l'Ile de Paques« (1934/ 1935), »Contribution à l'étude de l'archéologie de l'île de Pitcairn« (1936), »Sculpteurs modernes de L'lle de Pagues« (1937) und  »Les pétroglyphes de l'île de Pâques« (1939)
(6) Krendeljow, Fjodor Petrowitsch  und Kondratow, Aleksandr Michailowitsch: »Die Geheimnisse der Osterinsel«, Moskau
und Leipzig 1987, S. 109

Zu den Fotos
Foto 1: Sieben Botschafter starren Richtung Westen. (Foto/ Fotocollage Walter-Jörg Langbein)
Foto 2: Osterinsel-Moai. Unten im Bild: Der angebliche Henderson-Moai.
Foto oben: Walter-Jörg Langbein
Foto unten: http://tangatawhenua16.wixsite.com/the-first-ones-blog/single-post/2016/09/16/Pitcairn-Islands-discoveries 
Foto 3: Der Pitcairn-Fund. Foto:
http://tangatawhenua16.wixsite.com/the-first-ones-blog/single-post/2016/09/16/Pitcairn-Islands-discoveries
Foto 4: Pitcairn-Fund. Zeichnung Grete C. Söcker
Foto 5: Links Osterinsel-Figur, rechts Pitcairn-Fund. 
Zeichnungen Grete C. Söcker
Foto 6: Ende der Wel. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Der »Nabel der Welt«? Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Der Pitcairn-Fund. Zeichnung Grete C. Söcker. Farblich verändert von Walter-Jörg Langbein.

484 »Unendlicher Raum und große Stille«,
Teil 484 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 28. April 2019




Besuchen Sie auch unser Nachrichtenblog!

Sonntag, 10. März 2019

477 »Die Erde ist ertrunken – Ku emu a«

Teil 477 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Sieben Kundschafter fanden den Weg zur Osterinsel

Sieben Kundschafter, so ist überliefert, fanden einst den Weg zur rettenden Osterinsel. In einer anderen alten Sage der Osterinsel wird der kühne Versuch von sechs Männern beschrieben, den heiligen Moai »Tauto« zu retten und aus der im Meer versinkenden Heimat zur neuen Heimat zu schaffen (1). Die sechs mutigen Seeleute sahen sich am Ziel ihrer weiten Reise angekommen in einer höchst gefährlichen Situation. Würden sie selbst beim Versuch den vergessenen Moai Tauto zu bergen ums Leben kommen?

Das Meer verschlang nach und nach die alte Heimat, die sechs Männer (2) »beeilten … sich noch mehr um ihr Werk zu beenden und möglichst schnell nach Anakena (eine Bucht der Osterinsel) zurückzukehren, und die Ratschläge Hotu Matuas vergessend, ließen sie nicht die nötige Vorsicht walten. Als sie den Moai zum Boot hinuntertragen wollten, da entglitt er ihnen und zerbrach: der Kopf war vom Rumpfe getrennt.«

Foto 2: Die alte Heimat versank im Meer...

Der schon legendäre Erforscher der Osterinsel Thor Heyerdahl (*1914; †2002) war vorübergehend im Besitz der Originale von schriftlichen Aufzeichnungen, die von eingeweihten Osterinsulanern niedergelegt worden waren. Diese Manuskripte wurden strikt geheim gehalten. Selbst in der Bevölkerung der Osterinsel bekam sie so gut wie niemand zu lesen. Eine ganze Reihe von »Heften« soll auf den legendären »Dorfkapitän« Esteban Atan zurückgehen. Als Thor Heyerdahl 1955 und 1956 auf der Osterinsel intensiv Ausgrabungen durchführte, kam er vorübergehend in den Besitz der mysteriösen Notizen. Er durfte sie aber nicht behalten, sondern musste sie wieder zurückgeben. Im Jahr 1963 durfte der französische Osterinselforscher Francis Mazière ebenfalls geheime Aufzeichnungen über die Geschichte der Osterinsel studieren. Auch er erhielt die Dokumente nur leihweise. Heyerdahl fertigte Kopien an.

Die russischen Gelehrten Prof. Dr. Fjodor Petrowitsch Krendeljow und Dr. phil. Aleksandr Michailowitsch Kondratow zitierten erstmals 1980 explosives Material aus den geheimen Unterlagen, die Jahrzehnte zuvor Heyerdahl zur Verfügung gestanden hatten, in  ihrem Buch »Die Geheimnisse der Osterinsel«. Eine Übersetzung ins Deutsche erschien 1987 in Moskau und Leipzig. Die zweite Auflage mit dem brisanten Material erschien bereits 1990 (3). Was das Buch so spannend macht das sind uralte, kaum bekannte  Überlieferungen der Osterinsel, in denen ganz eindeutig von einem Atlantis der Südsee gesprochen wird. Da heißt es zum Beispiel (4):

Foto 3: Tautos Kopf brach vom Rumpf
»Der Jüngling Tea Waka sagte: ›Unsere Erde war früher ein großes Land, ein sehr großes Land.‹ Kuukuu fragte ihn: ›Aber warum wurde das Land klein?‹ Tea Waka antwortete: ›Uwoke senkte seinen Stab darauf. Er senkte seinen Stab auf die Gegend Ohio.‹«

Nach der mythischen Tradition der Südsee gab es einst ein großes Königreich in der Südsee. Uwoke, ein mächtiger Gott des Erdbebens berührte mit einem »Stab« das Land. Große Teile davon versanken. Übrig blieb, so wissen es die alten Überlieferungen, die Osterinsel. Weiter heißt es in Heyerdahls Kopien, zitiert bei Krendeljow und Kondratow: »Es erhoben sich Wellen, und das Land ward klein. Der Stab Uwokes zerbrach am Berg Puku-puhipuhi. Von nun an wurde es Te-Pito-o-te-Henua, der Nabel der Erde genannt.«

In einer anderen Überlieferung, ebenfalls in den Aufzeichnungen Thor Heyerdahls vor dem Vergessen bewahrt, heißt es: »Kuukuu sagte zu ihm: ›Früher war diese Erde groß.‹ Der Freund Tea Waka sagte: ›Diese Gegend nennt sich Ko-te-To-monga-o-Tea-Waka.‹ Ariki Hotu Matua fragte: ›Warum versank das Land?‹ ›Uwoke machte das; er versenkte das Land‹ antwortete Tea Waka. ›Von nun an wurde das Land Te-Pito-o-te-Henua genannt.« Te-Pito-o-te-Henua bedeutet »Nabel der Welt«.

Was erzählen uns diese mysteriösen Überlieferungen? Sie berichten davon, dass in der Südsee einst auf der einen Seite Landmassen unter Wasser gedrückt und dass auf der anderen Seite Landmassen über den Meeresspiegel angehoben wurden. Mit anderen Worten: Die Urheimat der Osterinsulaner verschwand in den Tiefen des Pazifiks, die neue Heimat, heute als Osterinsel bekannt, erschien über den Wogen des Meeres.

Zurück zur Sagenwelt der Osterinsel. Der heilige Moai wurde Opfer einer gewaltigen Naturkatastrophe, die offenbar weite Teile des Pazifiks heimsuchte. Der Osterinsulaner Jose Fati erzählte Fritz Felbermayer die Ereignisse in Sachen »Der Moai Tauto« (5). In der Sage heißt es konkret (6): »Als dies geschah, da bedeckte sich der Himmel mit schwarzen Wolken, Sturm kam auf, Blitze erhellten jäh den Raum, und strömender Regen rauschte hernieder von Maori (7) bis Te Pito O Te Henua (8).« Es gab also eine Naturkatastrophe vom versinkenden Maori bis zur Osterinsel, das heißt es waren weite Teile des Pazifiks betroffen! Als Maori Nui Nui, die Urheimat der Osterinsulaner, nach und nach von stürmischen Wogen überflutet wurde, da tobten Stürme gegen die kleine Osterinsel. Jose Fati erzählte Dr. Fritz Felbermayer die Sage »Der Moai Tauto«. Da heißt es (9): »Als Hotu Matua dies in seinem neuen Lande (Osterinsel) sah, da beschlich ihn  die Ahnung dessen, was geschehen war.«

Foto 4: Tautos Rumpf blieb zurück

Die Rettungsaktion für die vergessene Statue Tauto wird offensichtlich auch in anderen Sagen der Osterinsel überliefert (10). So wie heute so manche Steinstatue der Osterinsel direkt am Strand von den Unbilden der Naturgewalten bedroht ist, so konnte die verehrte Statue Tauto jeden Moment ein Opfer der brachialen Wellen werden (11): »Sie (die Retter) erreichten endlich die Küste von  Marea Renga, wo sie die vergessene Staue von Tauto vorfanden, die immer noch am Rande von Marae-toe-hau (12) stand, just wie von  Hotu Matua beschrieben. Als sie sie gerade von dort entfernten, da schlug der Gott der Erdbeben zu und stürzte große Landstriche ins Meer.«

Der Osterinsulaner Arturo Teao wusste aus der Sagenwelt der Osterinsel zu berichten (13), dass »Wellen über das Land (Urheimat der Osterinsulaner) hereinbrachen, der Wind tobte, Regen  strömte, Donner brüllte, Meteoriten auf das Land stürzten.« Kurz gesagt, es herrschten geradezu apokalyptische Verhältnisse.

Die Statue Tauto entglitt den mutigen Rettern, stürzte krachend zu Boden und zerbrach. Die Männer drohten in den Fluten umzukommen. Höchste Eile war geboten.  Sie flohen in Panik, schleppten nur den Kopf von Tauto in ihr Boot. Körper, Arme und Beine mussten sie zurücklassen.

Kurios ist, dass die Statue Tauto auch über Beine verfügte, im Gegensatz zu den Kolossen der Osterinsel! Fast 1.000 Statuen der Osterinsel sind bekannt. Sie werden aber immer wieder wie vor über einem Jahrhundert in den Medien als »Steinköpfe« bezeichnet (14). Tatsächlich ragen besonders in unmittelbarer Nähe des Steinburchs steinerne Häupter aus dem Erdreich. Aber seit über einem Jahrhundert weiß man, dass auch diese »Steinköpfe« über einen Rumpf und Arme verfügen, aber nicht über Beine. Geradezu lächerlich wird es dann, wenn gemeldet wird (15):

Foto 5: Nur eine Statue hat auch Beine
»Es ist eine der größten archäologischen Entdeckungen des Jahres 2012. Ein privates Team aus Forschern und Archäologen nimmt derzeit eine spektakuläre Ausgrabung, im Rahmen des Easter Island Statue Project, an den bekannten Köpfen der Osterinsel vor, welche zum UNESCO Weltkulturerbe gehören. Anlass dazu gaben einige Moais, wie man die Figuren nennt, im Inselinneren. Hier finden sich mehrere Moai-Statuen, die nicht nur aus einem Kopf bestehen, sondern einen kompletten Körper besitzen. Diese vollständigen Statuen findet man zum einen auf Steinplatten in alten Tempelanlagen und zum anderen in alten Werkstätten der Insel.«

Man muss sich die Worte auf der Zunge zergehen lassen: »Hier finden sich mehrere Moai-Statuen, die nicht nur aus einem Kopf bestehen, sondern einen kompletten Körper besitzen.« Was für ein Unsinn! Einen kompletten Körper hat nur eine einzige Statue. Nur aus einem Kopf besteht keine einzige Statue. An der Meldung ist nichts sensationell, nur alles falsch. Bis heute ist eine einzige Statue bekannt, die einen kompletten Körper, Beine inklusive, hat. Diese kuriose Figur scheint zu knien, auf den Unterschenkeln zu hocken.

Wie mag die Statue Tauto ausgesehen haben, von der nur der Kopf auf die Osterinsel geschafft wurde? Wo mag sich das steinerne Haupt heute befinden. Zu Beginn des dritten Jahrtausends sind Teile der Osterinsel vom Untergang bedroht. Statuen an der Küste könnten bei wachsendem Meeresspiegel unterspült werden und umstürzen. Ist dafür der Mensch verantwortlich?
Vor Jahrhunderten hatte König Hotu Matua eine Vision. Was aber sah er? Den Untergang des »Atlantis der Südsee«? Oder blickte er in eine fernere Zukunft, als er klagend ausrief (16) »Ku emu a!«, zu Deutsch »Die Erde ist untergegangen«!

Fußnoten
Foto 6: »Sagen und Überlieferungen der Osterinsel«
(1)  Felbermayer, Dr. Fritz: »Sagen und Überlieferungen der Osterinsel«, Nürnberg 1971, Kapitel »Die ersten Bewohner der Osterinsel«, Seiten 13-15
(2) ebenda, Zeilen 9-15 von oben
(3) Krendeljow, Dr. Fjodor Petrowitsch und Kondratow, Aleksandr Michailowitsch: »Die Geheimnisse der Osterinsel«, 2. Auflage, Moskau und Leipzig 1990
(4) ebenda, Seite 109
(5)  Felbermayer, Dr. Fritz: »Sagen und Überlieferungen der Osterinsel«, Nürnberg 1971, Kapitel »Der Moai Tauto«, Seiten 19+20
(6) ebenda, rechte Spalte, Zeilen 3-7
(7) Maori: Urheimat der Osterinsulaner, die im Meer versank.
(8) Te Pito O Te Henua: Einer der Namen der Osterinsel (9)  Felbermayer, Dr. Fritz: »Sagen und Überlieferungen der Osterinsel«, Nürnberg 1971, Kapitel »Der Moai Tauto«, Seiten 19+20, Zitat Seite 19, Zeilen 1 und 2 von unten
(10) Joseph, Frank: »Lost Civilization of Lemuria/ The Rise and Fall of the World’s Oldest Culture«, Rochester 2006, Kapitel »Navel of the World«, S. 54-S.82
(11) ebenda, Seite 62, Zeilen 12 - 15 von oben: »They at last arrived on the shores of Marea Renga, where they found the forgotten statue auf Tauto still standing at the edge of Morae-toe-hau, just as Hotu Motua described. But as they were removing it, the god of earthquakes struck, upending great stretches of territory into the sea.« Übersetzung aus dem Englischen: Walter-Jörg Langbein

Foto 7
(12) Marae-toe-hau: Teil der versunkenen Urheimat der Osterinsulaner.
(13) Joseph, Frank: »Lost Civilization of Lemuria/ The Rise and Fall of the World’s Oldest Culture«, Rochester 2006, Seite 62, Zeilen 16 und 15 von unten: »According to Arturo Teao ›the waves broke, the wind blew, rain fell, thunder roared, meteorites fell on the island.‹« Übersetzung aus dem Englischen
(14) Beispiel: https://www.reise-inspirationen.de/die-osterinsel-wo-die-steinkoepfe-wohnen-reisemagazin-herbst-2017/ (Stand:18.01.2019)
(15) https://www.forschung-und-wissen.de/nachrichten/archaeologie/die-moai-statuen-auf-der-osterinsel-haben-einen-koerper-13371666
(16) Joseph, Frank: »Lost Civilization of Lemuria/ The Rise and Fall of the World’s Oldest Culture«, Rochester 2006, Seite 62, Zeile 9 von unten

Zu den Fotos
Foto 1: Sieben Kundschafter fanden den Weg zur Osterinsel. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Die alte Heimat versank im Meer... Symbolbild. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Tautos Kopf brach vom Rumpf. Symbolbild. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Tautos Rumpf blieb zurück. Symbolbild. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Nur eine Statue hat auch Beine. Foto: Zeichnung Grete C. Söcker, bearbeitet von Walter-Jörg Langbein. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: »Sagen und Überlieferungen der Osterinsel«.
Foto 7: »Lost Civilization of Lemuria/ The Rise and Fall of the World’s Oldest Culture«.

478 »In der Menschenfresserhöhle«,
Teil 478 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 17.03.2019






Besuchen Sie auch unser Nachrichtenblog!

Labels

Walter-Jörg Langbein (656) Sylvia B. (105) Osterinsel (79) Tuna von Blumenstein (46) Peru (34) Karl May (27) Nan Madol (27) g.c.roth (27) Maria Magdalena (22) Jesus (21) Karl der Große (19) Make Make (19) Externsteine (18) Für Sie gelesen (18) Bibel (17) Der Tote im Zwillbrocker Venn (17) Rezension (17) der tiger am gelben fluss (17) Autoren und ihre Region (16) Apokalypse (15) Vimanas (15) Atlantis der Südsee (13) Der hässliche Zwilling (13) Weseke (13) Blauregenmord (12) Nasca (12) Palenque (12) meniere desaster (12) Krimi (11) Pyramiden (11) Malta (10) Serie Teil meniere (10) Ägypten (10) Forentroll (9) Mexico (9) National Geographic (9) Straße der Toten (9) Lügde (8) Briefe an Lieschen (7) Monstermauern (7) Sphinx (7) Tempel der Inschriften (7) Winnetou (7) Lyrik (6) Marlies Bugmann (6) Mord (6) Märchen (6) altes Ägypten (6) 2012 - Endzeit und Neuanfang (5) Atahualpa (5) Hexenhausgeflüster (5) Mexico City (5) Mord in Genf (5) Satire (5) Thriller (5) Atacama Wüste (4) Cheopspyramide (4) Dan Brown (4) Ephraim Kishon (4) Hexenhausgeflüster- Sylvia B. (4) Leonardo da Vinci (4) Machu Picchu (4) Sacsayhuaman (4) Teutoburger Wald (4) große Pyramide (4) Meniere (3) Mondpyramide (3) Mord im ostfriesischen Hammrich (3) Mysterien (3) Sakrileg (3) Shakespeare (3) Bevor die Sintflut kam (2) Das Sakrileg und die heiligen Frauen (2) Friedhofsgeschichten (2) Goethe (2) Lexikon der biblischen Irrtümer (2) Markus Lanz (2) Münsterland-Krimi (2) Vincent van Gogh (2) Alphabet (1) Bestatten mein Name ist Tod (1) Hexen (1) Lyrichs Briefe an Lieschen (1) Lyrichs Briefe an Lieschen Hexenhausgeflüster (1) Mord Ostfriesland (1) Mord und Totschlag (1) Münsterland (1) einmaleins lernen (1) meniére desaster (1)