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Sonntag, 21. April 2019

483 »Inseln im All«

Teil 483 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Sieben Botschafter starren Richtung Westen. (Fotocollage)

Sieben Botschafter starren gen Westen. Die steinernen Denkmäler einer apokalyptischen Vergangenheit sollen an die Urheimat der Osterinsulaner erinnern. Sie blicken aufs schier endlose Meer hinaus, wo irgendwo in der Ferne das Atlantis der Südsee versunken ist. Und das lag nach alten Sagen und Mythen eben weit im Westen der Osterinsel. Der Sage nah kamen die ersten Bewohner der Osterinsel aus dem Westen. Fakt oder Fiktion?

Tatsächlich gab es vor rund 1.200 Jahren eine Bevölkerungsexpansion aus dem polynesischen Raum, also aus dem Westen. So wurde die Pitcairn-Insel, 2.000 Kilometer westlich der Osterinsel, um 800 n.Chr. von Polynesien aus besiedelt. Über die ersten Bewohner des Inselchens ist so gut wie nichts bekannt. Aus jener Zeit stammen, zumindest nach schulwissenschaftlicher Lehre, Steinwerkzeuge aus schwarzem Basalt. Dann und wann finden Bauern auch heute noch beim Pflügen sauber gearbeitete Instrumente.

Foto 2: Osterinsel-Moai
Anno 1826 besuchte der britische Forschungsreisende Frederick William Beechey die  Pitcairn-Insel. Er rekonstruierte die Geschichte der Meuterei auf der Bounty und die folgende Flucht der Meuterer, die schließlich auf der Pitcairn-Insel endete. Am 18. Januar 1790 landeten dort Fletcher Christian, der Anführer der Meuterer, mit acht Kumpanen, sechs polynesischen Männern und zwölf polynesischen Frauen. Fletcher Christian erkundete das felsige Eiland und beschloss die Gründung einer Siedlung. Die Bounty wurde in Brand gesteckt, um vorbeifahrende Schiffe nicht auf die Meuterer aufmerksam, vielleicht auch um eine Rückkehr nach England unmöglich zu machen.

In der Heimat wartete der Galgen auf die Meuterer. Mord und Totschlag bestimmten ihr Leben. Die Männer ermordeten sich gegenseitig. Weihnachten 1800 schließlich lebte nur noch John Adams. Frederick William Beechey befragte anno 1826 diesen letzten Überlebenden der Meuterer. Adams war sichtlich bewegt, Seeleuten aus der Heimat zu begegnen. Bereitwillig beantwortete er alle Fragen. An manche Details konnte oder wollte er sich nicht mehr erinnern.

So wissen wir, dass Fletcher Christian wohl schon bei seiner ersten Begehung der Pitcairn-Insel auf die Spuren einer vergessenen Kultur stieß. Frederick William Beechey notierte detailreich, was er von John Adams erfuhr. Die Geschichte der Meuterei auf der Bounty trug ohne Zweifel ganz erheblich zum Erfolg von Beecheys Buch »Erzählung über die Reise in den Pazifik und die Beering-Straße« (1) bei, das 1832 in Philadelphia erschien.

Von Beechey erfahren wir, dass die Meuterer großen Wert auf Missionierung der »Heiden« legten. Einer der Offiziere versuchte verzweifelt, den Eingeborenen Psalm 100 beizubringen, musste aber feststellen, dass er bei seinen unfreiwilligen Schülern auf vollkommenes Desinteresse stieß. Offenbar hatten die »Heiden« keine Lust, den Text des kurzen Psalms zu verinnerlichen, geschweige denn die Melodie einzustudieren, nach der sie den frommen Bibeltext singen sollten. »Sie zeigten weder die geringste Befähigung, noch den bescheidensten Wunsch, den Psalm zu lernen.« (2)

Foto 3: Der Pitcairn-Fund
Lesen wir weiter, was Frederick William Beechey zu berichten hat (3): »Den folgenden Tag verbrachten wir damit, unsere Erkundung der Insel zu vervollständigen, wobei die Eingeboren darauf bedacht waren, uns jeden Winkel zu zeigen. Wir zogen mit den gleichen Führern los, folgten einer Straße, die uns zum ›Seil‹ brachte, zu einer steilen Klippe, die so hieß, weil man nur mit Hilfe eines Seils hinabsteigen konnte.

Die Klippe befindet sich am östlichen Ende der Insel und überblickt eine schmale, sandige Bucht, gesäumt von Felsen, die es für ein Boot gefährlich machen, dort einen Landungsversuch zu unternehmen. Am Fuße der ›Seil‹-Klippe fanden wir einige Steinäxte und einen Knochen. … Links von der ›Seil‹-Klippe gibt es eine Bergspitze von beachtlicher Höhe, die ›Bounty Bay‹ überblickt. Dort auf der Anhöhe fanden die Meuterer bei ihrer Ankunft vier Götzenbilder vor, sechs Fuß hoch, platziert auf einer Plattform, nach der Beschreibung von Adams den Moais nicht unähnlich, allerdings deutlich kleiner.

Foto 4: Pitcairn-Fund
Eines dieser Götzenbilder, das noch erhalten war, war das grobe Abbild einer menschlichen Gestalt von den Hüften aufwärts, aus einem einzigen roten Lavabrocken gemeißelt. Man teilte uns mit, dass unweit von diesem Götzen gelegentlich menschliche Knochen und Steinbeile ausgegraben wurden. Wir aber konnten nur zwei Knochen finden, die womöglich Rückschlüsse auf die Größe der Aborigines zuließen. Es waren ein os femoris (Oberschenkelknochen) und ein Stück eines Cranium (Schädel) von ungewöhnlicher Dicke und Größe.«

Die Meuterer von der Bounty stießen also auf die Überbleibsel einer älteren Kultur. Sollten die ersten Menschen auf Pitcairn besonders groß gewesen sein? Statuetten, die den Riesenstatuen der Osterinsel ähnelten, standen – wie die großen Moai der Osterinsel auch – auf steinernen Plattformen. Die Statuen von »Pitcairn-Island« hatte man aus Vulkangestein gemeißelt, so wie die größeren »Kollegen« der Osterinsel. Und  die Kolosse von der Osterinsel waren wie die kleineren »Brüder« der »Pitcairn-Insel« keine Ganzkörperskulpturen, sondern nur Büsten, von der Taille bis zum Kopf.

Sieben Botschafter starren gen Westen. Die steinernen Denkmäler einer apokalyptischen Vergangenheit sollen an die Urheimat der Osterinsulaner erinnern, die weit im Westen lag. Kamen die ersten Bewohne von »Rapa Nui« via »Pitcairn-Island« zur Osterinsel? Schufen sie auf »Pitcairn-Insel« kleinere Moais? Der Sage gab Hotu Matua, der der König der Osterinsel, den Befehl, die auf der im Chaos versinkenden Heimat vergessene heilige Statue zu retten. Der Versuch misslang. Die verehrte Statue fiel zu Boden, bevor sie ins Boot gewuchtet werden konnte und zerbrach. Der Kopflose Rumpf blieb zurück, nur das Haupt der steinernen Figur wurde gerettet. Ist es Zufall, dass auf Pitcairn eine moaiähnliche Figur ohne Kopf gefunden wurde?

Ausführliche Informationen erhielt ich von »Tangata Whenua«, einer neuseeländischen Internetseite, die sich intensiv mit den Vorfahren der Maori Neuseelands auseinandersetzt. In einem bemerkenswertenen Artikel, betitelt »Pitcairn Islands discoveries« (»Pitcairn Inseln Entdeckungen«) wird auch der angebliche Fund einer Osterinsel-Statue auf der »Henderson-Insel« als »Fake« enttarnt (4). Und doch hat die frei erfundene Geschichte einen realen Hintergrund. Ob der freilich den Erfindern der Story vom »World News Daily Report« bekannt war, das sei dahingestellt.

Foto 5: Links Osterinsel-Figur, rechts Pitcairn-Fund. Zeichnungen Grete C. Söcker

Auch »Tangata Whenua« berichtet über die Entdeckungen auf »Pitcairn-Island«, die die Meuterer von der Bounty machten (4): »Auf einer Bergspitze nahe am Rand jener Klippe, die der ›Bounty Bucht‹ zugewandt ist, da bot sich ihnen (den Meuterern) ein fesselnder Anblick. Felsbrocken waren sorgsam zusammen gefügt worden und bildeten eine rechteckige Plattform. Und auf jeder Ecke stand ein steinernes Bildnis, mit dem Rücken zum Meer, und betrachtete missbilligend die Eindringlinge auf ihrem heiligen Areal. Der Tempel und die Götter aber waren stumm, die Menschen, die sie geschaffen hatten, waren auf mysteriöse Weise verschwunden. Die Meuterer oder ihre Nachkommen bauten den Tempel oberhalb der ›Bounty Bucht‹ und einige andere, die in anderen Teilen der Insel errichtet worden waren. Die hilflosen steinernen Götter wurden hinüber zur nahe gelegenen Klippe gerollt und nahmen ihre Geheimnisse mit bis auf den Grund der ›Bounty Bucht‹. Als der ›Bounty Bucht‹-Tempel zerstört wurde, da wurde ein menschliches Skelett gefunden, das in der Struktur beigesetzt worden war, dessen Schädel auf einer großen Perl-Muschel ruhte.«

Rund ein Jahrhundert nach dem Erscheinen von William Beecheys Buch erreichte eine französisch-belgische Expedition die »Pitcairn-Insel«. Henry Lavachery (*1885; †1972) nahm an der Forschungsreise teil und publizierte umfangreiches Material. Die französisch-belgische Gruppe von Wissenschaftlern machte eine unerwartete Entdeckung: Beim Bau eines war eine der Statuen vom alten Tempel als Säule eingesetzt worden. Genauer gesagt: Man hatte offenbar den steinernen Rumpf einer dieser »Götzenbilder« am Fuß der Klippe geborgen, die dort aufgeschlagen und zerschellt waren.

Foto 6: Ende der Welt

Wie die Figur einst im unbeschädigten Zustand aussah, das kann natürlich nicht mehr rekonstruiert werden. Der Kopf fehlt, Beine waren wohl nie vorhanden. Auch die Vorderfront des Rumpfes ist beschädigt, wohl aber noch die Hände zu erkennen, die auf dem Bauch des Torso liegen, so wie wir das von den Moai der Osterinsel kennen. Die Osterinsel-Statuen haben in der Regel an den Seiten anliegende Arme, die Hände liegen auf dem flachen Bauch. Dabei berühren sich die Finger fast im Nabelbereich.

Augenzwinkernd erklärte mir »mein» Pensionswirt Paul vor Ort, die Moai würden immer auf ihren Nabel deuten, weil doch die Osterinsel der Nabel der Welt sei. Freilich ist umstritten, wie denn »Te pito o te henua« - einer der Namen der Osterinsel – korrekt zu übersetzen ist! Bedeutet der wohlklingende Name wirklich »Nabel der Welt«? Oder ist damit der der große Vulkan Rano Raraku gemeint, den man wirklich als einen riesigen »Nabel der Erde« sehen kann. Das »te pito« kann, muss aber nicht »Nabel« bedeuten. Eine andere mögliche Übersetzung lautet »Ende des Landes«.

Foto 7: Der »Nabel der Welt«?

Nach der mythischen Tradition der Südsee gab es einst ein großes Königreich in der Südsee. Uwoke, ein mächtiger Gott des Erdbebens berührte mit einem »Stab« das Land. Große Teile davon versanken. Übrig blieb, so wissen es alte Überlieferungen, die Osterinsel (6): »Es erhoben sich Wellen, und das Land ward klein. Der Stab Uwokes zerbrach am Berg Puku-puhipuhi. Von nun an wurde es Te-Pito-o-te-Henua, der ›Nabel der Erde‹ genannt.«

Demnach war die Osterinsel früher größer, versank zum Teil im Pazifik. Schroffe Steilhänge wurden so zum »Ende des Landes«. Oder zum »Ende der Welt«? Die Osterinsel liegt wie ein Außenposten der Erde in einem scheinbar endlosen Ozean, und das in einem viel größeren Meer aus Nichts und Sternen: im All. So wie die Osterinsel eine Insel im Pazifik ist, so ist unser Planet eine Insel im All. Und wie die Osterinsel nicht die einzige Insel im Meer ist, so ist auch die Erde nicht einzigartig im All. Inseln im All gibt es viele.

Im frühen 19. Jahrhundert unternahmen die Bewohner von Pitcairn zaghafte Versuche, zu anderen Eilanden zu segeln, gaben aber rasch auf. Der Menschheit steht die erste Reise ins All erst noch bevor. Niemand bleibt für alle Zeit auf seiner Insel!

Fußnoten
Foto 8: Der Pitcairn-Fund.
(1) Beechey, F.(rederick) W.(illiam): »Narrative of a voyage to the pacific and beering’s strait, to cooperate with the polar expeditions«, Philadelphia 1832
(Eine Übersetzung ins Deutsche ist mir nicht bekannt.)
(2) ebenda, Seite 90, Zeiten 1-5 von oben
(3) ebenda, Seite 90, Zeilen 17-29 von oben
(4) http://tangatawhenua16.wixsite.com/the-first-ones-blog/single-post/2016/09/16/Pitcairn-Islands-discoveries (Stand 13.2.2019)
(5) »La mission Franco-Belge dans l'Ile de Paques« (1934/ 1935), »Contribution à l'étude de l'archéologie de l'île de Pitcairn« (1936), »Sculpteurs modernes de L'lle de Pagues« (1937) und  »Les pétroglyphes de l'île de Pâques« (1939)
(6) Krendeljow, Fjodor Petrowitsch  und Kondratow, Aleksandr Michailowitsch: »Die Geheimnisse der Osterinsel«, Moskau
und Leipzig 1987, S. 109

Zu den Fotos
Foto 1: Sieben Botschafter starren Richtung Westen. (Foto/ Fotocollage Walter-Jörg Langbein)
Foto 2: Osterinsel-Moai. Unten im Bild: Der angebliche Henderson-Moai.
Foto oben: Walter-Jörg Langbein
Foto unten: http://tangatawhenua16.wixsite.com/the-first-ones-blog/single-post/2016/09/16/Pitcairn-Islands-discoveries 
Foto 3: Der Pitcairn-Fund. Foto:
http://tangatawhenua16.wixsite.com/the-first-ones-blog/single-post/2016/09/16/Pitcairn-Islands-discoveries
Foto 4: Pitcairn-Fund. Zeichnung Grete C. Söcker
Foto 5: Links Osterinsel-Figur, rechts Pitcairn-Fund. 
Zeichnungen Grete C. Söcker
Foto 6: Ende der Wel. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Der »Nabel der Welt«? Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Der Pitcairn-Fund. Zeichnung Grete C. Söcker. Farblich verändert von Walter-Jörg Langbein.

484 »Unendlicher Raum und große Stille«,
Teil 484 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 28. April 2019




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Sonntag, 12. Februar 2012

108 »Die Steine von Moorea«

Teil 108 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Pyramiden als künstliche
Vulkane - Foto: W-J.Langbein
Nach wie vor rätselhaft ist die Entstehung von Pyramiden-Kulten. Ob es eine Beziehung zwischen Vulkanismus und Pyramidenbau gibt? Die Sonnen- und die Mondpyramide der mexikanischen »Straße der Toten« könnten ursprünglich Tempel eines längst vergessenen Kults gewesen sein ... zur Beschwichtigung der Götter, die die glutheiße Lava aus dem Erdinneren in die Atmosphäre spuckten. Menschenopfer auf diesen Pyramiden mögen dann Geschenke für die Götter gewesen sein: »Seht, Ihr mächtigen Götter! Hier bieten wir Euch Blut und Leben vieler Menschen ... Nun müsst Ihr die Höllenglut nicht ausbrechen lassen, um Euch Opfer zu holen!«

Tahiti gehört zu den »Inseln über dem Wind« im südlichen Pazifik ... ein Doppeleiland, bestehend aus »Tahiti Nui« und »Tahiti Iti« (»Großes Tahiti« und »Kleines Tahiti«). Wer freilich an Tahitis Ufern natürliche weiße Sandstrände sucht, wird sie kaum finden. Große Hotels haben, um unseren Postkartenansichten von der Südsee gerecht zu werden ... künstliche private Sandstrände angelegt. Von Natur aus sind die Meeresufer von Tahiti schwarz. Der Sand ist basaltisch ... und weist auf Vulkanismus hin. Und das ist kein Wunder, entstand Tahiti doch aus zwei gewaltigen Vulkanen. Und diese Vulkane weisen auf brodelnde Gefahr in der »Unterwelt« hin: auf eine besonders heiße Zone. Solche »Hot Spots« gibt es auch unter Hawaii, dem Yellowstone-Park ... und unter der Eifel.

Die Mahaiatea-Pyramide von Tahiti 
Foto: Archiv W-J.Langbein
Bevor mit dem Bau der großen Pyramide von Mahaiatea auf Tahiti begonnen wurde, so lautet die Überlieferung, legten 1200 Krieger ihre Waffen nieder ... um sich dann freiwillig lebendig begraben zu lassen. Als Geister wollten sie die heilige Stätte bewachen!

Wir müssen vorsichtig sein, wenn es um die Bewertung der angeblich so bösen »Wilden« geht. Es sind stets die Sieger, die die Geschichtsbücher schreiben. Die Verlierer werden selten objektiv geschildert. Und die Geschichtsschreibung war meist »christlich« orientiert.

Gern wurden »Heiden« von »christlicher« Seite als menschenfressende Bestien beschrieben, die massenweise ihren Göttern Menschen opferten. Auf diese Weise konnte dann die »Mildtätigkeit« der Missionare besonders unterstrichen werden. Setzten sie doch ihr Leben aufs Spiel, um die »Wilden« zu bekehren. Unbestreitbar ist es allerdings, dass es auf Tahiti Menschenopfer gab. So liegt ein Zeugenbericht von James Morrison – Bootsmann auf der legendären Bounty – vor.

James Cook wurde auf seiner zweiten Südseereise (1772-1775) Zeuge von Menschenopfern. Ein zeitgenössischer Stich zeigt grausige Details eines Menschenopfers, dem Cook als »Ehrengast« beiwohnte ... nicht als Opfer!

Ein Menschenopfer vor
Ehrengast Cook
Foto: Archiv W-J.Langbein
Pomare II., bald darauf zum Christentum bekehrt, mochte bei seiner Krönung am 13.2.1797 auf »heidnisches Brauchtum« wie Menschenopfer nicht verzichten. Pomare II. wirkte aber auch als Baumeister und ließ mehrstufige Pyramiden errichten. Sein größtes Bauwerk hatte eine Seitenlänge von mehr als 200 Metern. Wie alle Pyramiden von Tahiti wurde es zerstört. Karl-Wilhelm Berger schreibt in seinem »Reisehandbuch Südsee« (1): »Britische protestantische Missionare der Londoner Missionsgesellschaft landeten 1797 in Tahiti und siedelten in Matavai an. Von diesem Zeitpunkt an griffen die Europäer in die traditionellen sozialpolitischen Ordnungen Tahitis und der Nachbarinseln ein.«

Berger weiter (2): »Hierdurch wurden tiefgreifende Entwicklungen ausgelöst, die sich auch im 19. Jahrhundert in anderen polynesischen Archipelen wiederholten. Die Inseltraditionen wurden missachtet, und das alleinseligmachende Christentum und europäische Moralvorstellungen wurden hemmungslos verbreitet.«

Pomare II. war ein beim Volk beliebter Herrscher ... bis die christlichen Missionare kamen. Offenbar verargte man dem König seine Nähe zu den Fremden. So wurde er, zusammen mit den Missionaren, anno 1808 auf die Nachbarinsel Moorea vertrieben ... wo in den manchmal unheimlich düster wirkenden Bergen noch »Heidentum pur« praktiziert wurde.

König Pomare II - Foto:
Archiv W-J.Langbein
1812, so ist überliefert, wandte sich Pomare II endgültig dem Christentum zu – und wurde getauft. Vom neuen Glauben beseelt, von den Missionaren angestachelt ... unternahm der Herrscher selbst einen Missionierungsversuch von Tahiti. 1815 kehrte er, zusammen mit den Missionaren und einem auf Moorea rekrutierten Herr nach Tahiti zurück und besiegte die »Heiden«.
Man darf sich Pomare II. aber nicht als zum Christentum verführten Heiden vorstellen! Der Regent erkannte den neuen Glauben als idealen Mittel zum Zweck. Er bezwang die rivalisierenden Stammeshäuptlinge militärisch, unterwarf sie auf dem Schlachtfeld... und sie mussten den christlichen Glauben annehmen. Der Sieger bestimmte den Glauben der Verlierer ...

Vergeblich suchte ich auf Tahiti nach Spuren der vielleicht interessantesten Gestalt der Geschichte des Eilands! Als Pomare III. - er war als Einjähriger König geworden – unerwartet und plötzlich mit sieben Jahren starb ... folgte ihm seine 14-jährige Schwester Aimata als Pomare IV. nach. Ihre Krönung erfolgte gegen den erbitterten Widerstand der Missionare. Tahiti war viele Jahrhunderte so etwas wie ein Paradies auf Erden. Diesem Zustand setzten die Europäer ein Ende. Berger schreibt in seinem empfehlenswerten Werk »Südsee« (3):

»Pomare IV. war eine Königin, die eine schwere Regierungszeit zu überstehen hatte, wollte sie nicht zwischen den Machtgelüsten der Missionare des Protestantismus und des Katholizismus und den dahinterstehenden Kolonialmächten Großbritannien und Frankreich zerrieben werden. Trotzdem überstand sie eine 50-jährige Regentschaft!« Die Königin starb 1877.

Trotz (oder wegen?) intensivster christlicher Missionierungsversuche wehrten sich viele Bewohner von Tahiti gegen die Verchristianisierung. Die »Mamaia-Sekte« wollte die alte Kultur erhalten. 1836 wurden katholische Missionare als unerwünschte Störenfriede ausgewiesen. Frankreich sah dies als bösartige Schmähung an und schickte Militär auf einer Fregatte. Pomare IV. suchte vergeblich Schutz bei den protestantischen Engländern. Die katholischen Franzosen hatten die besseren »Argumente«. Sie drohten damit, Tahiti von ihrer Fregatte aus zu beschießen. Und so wurde Tahiti schließlich französisches Protektorat!

Berge von Moorea
Foto: W-J.Langbein
Mit der Europäisierung, mit der Christianisierung ging die Zerstörung der ursprünglichen Kultur Haitis Hand in Hand. 1891 rächte sich Frankreich posthum an der widerspenstigen Königin Pomare IV. Ihre Gebeine wurden aus ihrer Gruft entfernt. Bestattet wurde in der turmartigen Gruft der mutigen Herrscherin ihr Nachfolger, ihr Sohn Pomare V. Der hatte sein Königreich für eine monatliche Pension verkauft ... und starb schon mit 52 Jahren als Alkoholiker. Auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin wurde an die Spitze seines Grabmals statt eines Kreuzes eine große Schnapsflasche gestellt ...

»Wenn Sie Reste unserer alten Kultur sehen wollen ... die werden Sie auf Tahiti vergeblich suchen!« bekam ich immer wieder zu hören. »Aber auf Moorea gibt es sie noch! Suchen Sie die Steine von Moorea ... « Wie aber würde ich nach Moorea gelangen?

Von Tahiti bis zum Nachbarinselchen Moorea sind es – die Angaben variieren etwas – rund 17 Kilometer. Man kann Moorea im Flugzeug in zehn Minuten erreichen. Im Schnellboot dauert es 35 Minuten ... und per Fähre eine Stunde.

Fußnoten
1 Berger, Karl-Wilhelm: »Südsee«, Dormagen, 3. Auflage 2000, S. 215
2 ebenda

»Marae Titiroa«,
Teil 109 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 19.02.2012

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