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Sonntag, 10. März 2019

477 »Die Erde ist ertrunken – Ku emu a«

Teil 477 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Sieben Kundschafter fanden den Weg zur Osterinsel

Sieben Kundschafter, so ist überliefert, fanden einst den Weg zur rettenden Osterinsel. In einer anderen alten Sage der Osterinsel wird der kühne Versuch von sechs Männern beschrieben, den heiligen Moai »Tauto« zu retten und aus der im Meer versinkenden Heimat zur neuen Heimat zu schaffen (1). Die sechs mutigen Seeleute sahen sich am Ziel ihrer weiten Reise angekommen in einer höchst gefährlichen Situation. Würden sie selbst beim Versuch den vergessenen Moai Tauto zu bergen ums Leben kommen?

Das Meer verschlang nach und nach die alte Heimat, die sechs Männer (2) »beeilten … sich noch mehr um ihr Werk zu beenden und möglichst schnell nach Anakena (eine Bucht der Osterinsel) zurückzukehren, und die Ratschläge Hotu Matuas vergessend, ließen sie nicht die nötige Vorsicht walten. Als sie den Moai zum Boot hinuntertragen wollten, da entglitt er ihnen und zerbrach: der Kopf war vom Rumpfe getrennt.«

Foto 2: Die alte Heimat versank im Meer...

Der schon legendäre Erforscher der Osterinsel Thor Heyerdahl (*1914; †2002) war vorübergehend im Besitz der Originale von schriftlichen Aufzeichnungen, die von eingeweihten Osterinsulanern niedergelegt worden waren. Diese Manuskripte wurden strikt geheim gehalten. Selbst in der Bevölkerung der Osterinsel bekam sie so gut wie niemand zu lesen. Eine ganze Reihe von »Heften« soll auf den legendären »Dorfkapitän« Esteban Atan zurückgehen. Als Thor Heyerdahl 1955 und 1956 auf der Osterinsel intensiv Ausgrabungen durchführte, kam er vorübergehend in den Besitz der mysteriösen Notizen. Er durfte sie aber nicht behalten, sondern musste sie wieder zurückgeben. Im Jahr 1963 durfte der französische Osterinselforscher Francis Mazière ebenfalls geheime Aufzeichnungen über die Geschichte der Osterinsel studieren. Auch er erhielt die Dokumente nur leihweise. Heyerdahl fertigte Kopien an.

Die russischen Gelehrten Prof. Dr. Fjodor Petrowitsch Krendeljow und Dr. phil. Aleksandr Michailowitsch Kondratow zitierten erstmals 1980 explosives Material aus den geheimen Unterlagen, die Jahrzehnte zuvor Heyerdahl zur Verfügung gestanden hatten, in  ihrem Buch »Die Geheimnisse der Osterinsel«. Eine Übersetzung ins Deutsche erschien 1987 in Moskau und Leipzig. Die zweite Auflage mit dem brisanten Material erschien bereits 1990 (3). Was das Buch so spannend macht das sind uralte, kaum bekannte  Überlieferungen der Osterinsel, in denen ganz eindeutig von einem Atlantis der Südsee gesprochen wird. Da heißt es zum Beispiel (4):

Foto 3: Tautos Kopf brach vom Rumpf
»Der Jüngling Tea Waka sagte: ›Unsere Erde war früher ein großes Land, ein sehr großes Land.‹ Kuukuu fragte ihn: ›Aber warum wurde das Land klein?‹ Tea Waka antwortete: ›Uwoke senkte seinen Stab darauf. Er senkte seinen Stab auf die Gegend Ohio.‹«

Nach der mythischen Tradition der Südsee gab es einst ein großes Königreich in der Südsee. Uwoke, ein mächtiger Gott des Erdbebens berührte mit einem »Stab« das Land. Große Teile davon versanken. Übrig blieb, so wissen es die alten Überlieferungen, die Osterinsel. Weiter heißt es in Heyerdahls Kopien, zitiert bei Krendeljow und Kondratow: »Es erhoben sich Wellen, und das Land ward klein. Der Stab Uwokes zerbrach am Berg Puku-puhipuhi. Von nun an wurde es Te-Pito-o-te-Henua, der Nabel der Erde genannt.«

In einer anderen Überlieferung, ebenfalls in den Aufzeichnungen Thor Heyerdahls vor dem Vergessen bewahrt, heißt es: »Kuukuu sagte zu ihm: ›Früher war diese Erde groß.‹ Der Freund Tea Waka sagte: ›Diese Gegend nennt sich Ko-te-To-monga-o-Tea-Waka.‹ Ariki Hotu Matua fragte: ›Warum versank das Land?‹ ›Uwoke machte das; er versenkte das Land‹ antwortete Tea Waka. ›Von nun an wurde das Land Te-Pito-o-te-Henua genannt.« Te-Pito-o-te-Henua bedeutet »Nabel der Welt«.

Was erzählen uns diese mysteriösen Überlieferungen? Sie berichten davon, dass in der Südsee einst auf der einen Seite Landmassen unter Wasser gedrückt und dass auf der anderen Seite Landmassen über den Meeresspiegel angehoben wurden. Mit anderen Worten: Die Urheimat der Osterinsulaner verschwand in den Tiefen des Pazifiks, die neue Heimat, heute als Osterinsel bekannt, erschien über den Wogen des Meeres.

Zurück zur Sagenwelt der Osterinsel. Der heilige Moai wurde Opfer einer gewaltigen Naturkatastrophe, die offenbar weite Teile des Pazifiks heimsuchte. Der Osterinsulaner Jose Fati erzählte Fritz Felbermayer die Ereignisse in Sachen »Der Moai Tauto« (5). In der Sage heißt es konkret (6): »Als dies geschah, da bedeckte sich der Himmel mit schwarzen Wolken, Sturm kam auf, Blitze erhellten jäh den Raum, und strömender Regen rauschte hernieder von Maori (7) bis Te Pito O Te Henua (8).« Es gab also eine Naturkatastrophe vom versinkenden Maori bis zur Osterinsel, das heißt es waren weite Teile des Pazifiks betroffen! Als Maori Nui Nui, die Urheimat der Osterinsulaner, nach und nach von stürmischen Wogen überflutet wurde, da tobten Stürme gegen die kleine Osterinsel. Jose Fati erzählte Dr. Fritz Felbermayer die Sage »Der Moai Tauto«. Da heißt es (9): »Als Hotu Matua dies in seinem neuen Lande (Osterinsel) sah, da beschlich ihn  die Ahnung dessen, was geschehen war.«

Foto 4: Tautos Rumpf blieb zurück

Die Rettungsaktion für die vergessene Statue Tauto wird offensichtlich auch in anderen Sagen der Osterinsel überliefert (10). So wie heute so manche Steinstatue der Osterinsel direkt am Strand von den Unbilden der Naturgewalten bedroht ist, so konnte die verehrte Statue Tauto jeden Moment ein Opfer der brachialen Wellen werden (11): »Sie (die Retter) erreichten endlich die Küste von  Marea Renga, wo sie die vergessene Staue von Tauto vorfanden, die immer noch am Rande von Marae-toe-hau (12) stand, just wie von  Hotu Matua beschrieben. Als sie sie gerade von dort entfernten, da schlug der Gott der Erdbeben zu und stürzte große Landstriche ins Meer.«

Der Osterinsulaner Arturo Teao wusste aus der Sagenwelt der Osterinsel zu berichten (13), dass »Wellen über das Land (Urheimat der Osterinsulaner) hereinbrachen, der Wind tobte, Regen  strömte, Donner brüllte, Meteoriten auf das Land stürzten.« Kurz gesagt, es herrschten geradezu apokalyptische Verhältnisse.

Die Statue Tauto entglitt den mutigen Rettern, stürzte krachend zu Boden und zerbrach. Die Männer drohten in den Fluten umzukommen. Höchste Eile war geboten.  Sie flohen in Panik, schleppten nur den Kopf von Tauto in ihr Boot. Körper, Arme und Beine mussten sie zurücklassen.

Kurios ist, dass die Statue Tauto auch über Beine verfügte, im Gegensatz zu den Kolossen der Osterinsel! Fast 1.000 Statuen der Osterinsel sind bekannt. Sie werden aber immer wieder wie vor über einem Jahrhundert in den Medien als »Steinköpfe« bezeichnet (14). Tatsächlich ragen besonders in unmittelbarer Nähe des Steinburchs steinerne Häupter aus dem Erdreich. Aber seit über einem Jahrhundert weiß man, dass auch diese »Steinköpfe« über einen Rumpf und Arme verfügen, aber nicht über Beine. Geradezu lächerlich wird es dann, wenn gemeldet wird (15):

Foto 5: Nur eine Statue hat auch Beine
»Es ist eine der größten archäologischen Entdeckungen des Jahres 2012. Ein privates Team aus Forschern und Archäologen nimmt derzeit eine spektakuläre Ausgrabung, im Rahmen des Easter Island Statue Project, an den bekannten Köpfen der Osterinsel vor, welche zum UNESCO Weltkulturerbe gehören. Anlass dazu gaben einige Moais, wie man die Figuren nennt, im Inselinneren. Hier finden sich mehrere Moai-Statuen, die nicht nur aus einem Kopf bestehen, sondern einen kompletten Körper besitzen. Diese vollständigen Statuen findet man zum einen auf Steinplatten in alten Tempelanlagen und zum anderen in alten Werkstätten der Insel.«

Man muss sich die Worte auf der Zunge zergehen lassen: »Hier finden sich mehrere Moai-Statuen, die nicht nur aus einem Kopf bestehen, sondern einen kompletten Körper besitzen.« Was für ein Unsinn! Einen kompletten Körper hat nur eine einzige Statue. Nur aus einem Kopf besteht keine einzige Statue. An der Meldung ist nichts sensationell, nur alles falsch. Bis heute ist eine einzige Statue bekannt, die einen kompletten Körper, Beine inklusive, hat. Diese kuriose Figur scheint zu knien, auf den Unterschenkeln zu hocken.

Wie mag die Statue Tauto ausgesehen haben, von der nur der Kopf auf die Osterinsel geschafft wurde? Wo mag sich das steinerne Haupt heute befinden. Zu Beginn des dritten Jahrtausends sind Teile der Osterinsel vom Untergang bedroht. Statuen an der Küste könnten bei wachsendem Meeresspiegel unterspült werden und umstürzen. Ist dafür der Mensch verantwortlich?
Vor Jahrhunderten hatte König Hotu Matua eine Vision. Was aber sah er? Den Untergang des »Atlantis der Südsee«? Oder blickte er in eine fernere Zukunft, als er klagend ausrief (16) »Ku emu a!«, zu Deutsch »Die Erde ist untergegangen«!

Fußnoten
Foto 6: »Sagen und Überlieferungen der Osterinsel«
(1)  Felbermayer, Dr. Fritz: »Sagen und Überlieferungen der Osterinsel«, Nürnberg 1971, Kapitel »Die ersten Bewohner der Osterinsel«, Seiten 13-15
(2) ebenda, Zeilen 9-15 von oben
(3) Krendeljow, Dr. Fjodor Petrowitsch und Kondratow, Aleksandr Michailowitsch: »Die Geheimnisse der Osterinsel«, 2. Auflage, Moskau und Leipzig 1990
(4) ebenda, Seite 109
(5)  Felbermayer, Dr. Fritz: »Sagen und Überlieferungen der Osterinsel«, Nürnberg 1971, Kapitel »Der Moai Tauto«, Seiten 19+20
(6) ebenda, rechte Spalte, Zeilen 3-7
(7) Maori: Urheimat der Osterinsulaner, die im Meer versank.
(8) Te Pito O Te Henua: Einer der Namen der Osterinsel (9)  Felbermayer, Dr. Fritz: »Sagen und Überlieferungen der Osterinsel«, Nürnberg 1971, Kapitel »Der Moai Tauto«, Seiten 19+20, Zitat Seite 19, Zeilen 1 und 2 von unten
(10) Joseph, Frank: »Lost Civilization of Lemuria/ The Rise and Fall of the World’s Oldest Culture«, Rochester 2006, Kapitel »Navel of the World«, S. 54-S.82
(11) ebenda, Seite 62, Zeilen 12 - 15 von oben: »They at last arrived on the shores of Marea Renga, where they found the forgotten statue auf Tauto still standing at the edge of Morae-toe-hau, just as Hotu Motua described. But as they were removing it, the god of earthquakes struck, upending great stretches of territory into the sea.« Übersetzung aus dem Englischen: Walter-Jörg Langbein

Foto 7
(12) Marae-toe-hau: Teil der versunkenen Urheimat der Osterinsulaner.
(13) Joseph, Frank: »Lost Civilization of Lemuria/ The Rise and Fall of the World’s Oldest Culture«, Rochester 2006, Seite 62, Zeilen 16 und 15 von unten: »According to Arturo Teao ›the waves broke, the wind blew, rain fell, thunder roared, meteorites fell on the island.‹« Übersetzung aus dem Englischen
(14) Beispiel: https://www.reise-inspirationen.de/die-osterinsel-wo-die-steinkoepfe-wohnen-reisemagazin-herbst-2017/ (Stand:18.01.2019)
(15) https://www.forschung-und-wissen.de/nachrichten/archaeologie/die-moai-statuen-auf-der-osterinsel-haben-einen-koerper-13371666
(16) Joseph, Frank: »Lost Civilization of Lemuria/ The Rise and Fall of the World’s Oldest Culture«, Rochester 2006, Seite 62, Zeile 9 von unten

Zu den Fotos
Foto 1: Sieben Kundschafter fanden den Weg zur Osterinsel. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Die alte Heimat versank im Meer... Symbolbild. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Tautos Kopf brach vom Rumpf. Symbolbild. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Tautos Rumpf blieb zurück. Symbolbild. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Nur eine Statue hat auch Beine. Foto: Zeichnung Grete C. Söcker, bearbeitet von Walter-Jörg Langbein. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: »Sagen und Überlieferungen der Osterinsel«.
Foto 7: »Lost Civilization of Lemuria/ The Rise and Fall of the World’s Oldest Culture«.

478 »In der Menschenfresserhöhle«,
Teil 478 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 17.03.2019






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Sonntag, 3. März 2019

476 »Insel des Schweigens«


Teil 476 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Himmel über der Osterinsel

»Insel der Schweigens« (1) nannte der französische Ethnologe Francis Mazière (*1924; †1994) seinen Bestseller über die Osterinsel. Das lesenswerte Werk erschien vor rund einem halben Jahrhundert zunächst in Frankreich, rasch auch in deutscher Übersetzung. Ich habe die deutsche Ausgabe sehnsuchtsvoll und mit wachsender Begeisterung gelesen, nachdem ich von der sich weltweit ausbreitenden »Dänikenitis« erfasst worden war. Erich von Dänikens erster Weltbestseller »Erinnerungen an die Zukunft« ließ mich davon träumen, das geheimnisvolle Eiland mit den mysteriösen Steinriesen einmal selbst zu besuchen. Francis Mazières »Insel der Schweigens verstärkte meinen Wunsch noch. Aber die Osterinsel war so weit, viel zu weit entfernt im Pazifik gelegen. Es sollte lange dauern, bis mein Traum endlich wahr wurde.

Als ich Jahrzehnte später bei meinem ersten Besuch erstmals zu mitternächtlicher Stunde am kleinen Hafen der Osterinsel saß und den märchenhaft-fantastischen Sternenhimmel bewunderte, da verstand ich, warum der vielleicht älteste Name des Eilands »Matakiterani«, zu Deutsch »Augen betrachten den Himmel«, lautete. Auf keiner anderen Reise erlebte ich den nächtlichen Sternenhimmel so plastisch wie auf der Osterinsel. Die Osterinsel kam mir vor wie ein winziges Flecken aus Fels inmitten eines schier undendlich weiten Meeres aus Salzwasser. Und der weite Himmel über mir war wie ein zweites Meer aus pechschwarzer Leere mit unendlich vielen einsamen Sternen darin. »Matakiterani« war in der Tat eine »Insel des Schweigens« im unendlichen Pazifik, dessen schäumende Wogen im Mondlicht wie Schnee aussahen.

Foto 2: Ahu Vai Uri ...

Dazu passen die fast eintausend steinernen Kolosse, die alle ihre schmalen Lippen zusammenzupressen scheinen, so als würden sie wortlos demonstrieren: »Von uns erfährst du nichts!« Dabei hat die Osterinsel viele Stimmen, die auch von der geheimnisvollen Vergangenheit des einsamsten Eilands der Welt berichten. Es sind die uralten Sagen und Mythen, denen bis heute viel zu wenig Beachtung geschenkt wird. Sie wurden bis in unsere Tage von Generation zu Generation von Wissenden weitergereicht. So gerieten sie nicht in Vergessenheit. Leider lauschen wir ihnen nicht in ausreichendem Maß.

So erfahren wir, dass die Ureinwohner der Osterinsel aus einem Reich im Westen kamen, das einst in den Fluten des alles andere als friedlichen Pazifik versank. Dr. Fritz Felbermayer (*2.2.1907; †9.4.1979) hat so manche Sage, die ihm von Einheimischen anvertraut wurde, wortwörtlich aufgeschrieben. Horacio Teao (2) erzählte ihm, dass einst der Urheimat der Osterinsulaner Maori Nuinui eine Apokalypse bevorstand.  Wie ein Atlantis der Südsee würde sie ihm Pazifik versinken. Viel Zeit blieb den Menschen nicht (3): »So verschwanden in der Zeit von zwei Vollmonden drei Niederlassungen in den Fluten. Eine schreckliche Katastrophe stand bevor.«

Foto 3: ... droht der Untergang.

Priester Hau Maka wurde vom fliegenden Gott Make Make durch die Lüfte zur Osterinsel entführt. So kam es zum Exodus: Die gesamte Bevölkerung übersiedelte von Maori Nuinui zur Osterinsel. Zurück blieb in der Eile der überstürzten Flucht das wohl heiligste Objekt von Maori Nui Nui. Erst auf der Osterinsel angekommen (4) »erinnerte sich der König, daß er vergessen hatte, den Moai »Tauto« von Maori, seinem Geburtsland, mitzubringen.«  Der mächtige König befahl sechs seiner treuesten Diener, sofort in einem Boot nach Maori Nuinui zurückzukehren und die vergessene Steinstatue zu holen (5): »Kehrt zurück  in unsere alte Heimat und holt den Stein – Moai Tauto. Er ist in der Bucht am Meeresufer vor meinem alten Palast zurückgeblieben. Beim Einschiffen gebt wohl acht, dass ihr ihn nicht zerbrecht.«

Gehorsam machten sich die sechs Männer auf die gefährliche Reise, dank günstiger Windverhältnisse kamen sie schneller voran als erhofft. Entsetzt stellten sie fest (6), »daß die Wellen der Flut schon einen großen Teil des Landes überschwemmten.«

Foto 4: Angeschlagene Häupter ...

Die Katastrophe von damals scheint sich in unseren Tagen zu wiederholen. Mahnend erhebt Camilo Rapu, der Präsident der indigenen Gemeinschaft Ma’u Henua, seine Stimme (7): »Alle archäologischen Stätten, die nahe am Küstenrand liegen, sind in Gefahr. Wenn schlechtes Wetter herrscht, reicht das Meerwasser direkt an die Ahus (die Plattformen, auf denen die Statuen stehen) heran. Das führt zu Auswaschung und Einsturz.« Direkt bedroht ist heute der »Ahu Tahai«-Komplex unweit von Hanga Roa an der Südwestküste. Drei Plattformen mit Statuen gehören zu diesem interessanten kleinen Zeremonialzentrum: Ahu Ko Te Riku, Ahu Tahai und Ahu Vai Uri.

Ahu Vai Uri habe ich manchen Abend besucht. Von Hanga Roa, der einzigen Siedlung auf der Osterinsel, erreicht man ihn zu Fuß bequem in wenigen Minuten. Nach heutigem Kenntnisstand der Archäologie entstanden die fünf Stein-Moais im 12. Jahrhundert. Sie trotzten also mindestens acht Jahrhunderten den Naturgewalten. Irgendwann stürzten sie von ihrem massiven Steinsockel. Umstritten ist, ob ein Erdbeben, ein Tsunami oder womöglich menschliche Zerstörungswut dafür verantwortlich sind.

Foto 5: Sind sie noch zu retten?

Mir imponieren diese fünf Statuen ganz besonders. So angeschlagen wie sie sind stehen sie wieder auf ihrem Ahu, stumm und trotzig dem Meer den Rücken zuwendend. Zwei der steinernen Zeitzeugen aus der mysteriösen Vergangenheit der Osterinsel konnten die beim Sturz abgebrochenen Häupter mit einer Art Zement wieder auf die Schultern gesetzt werden. Von der kleinsten Figur ist nur der schmale Rumpf übrig geblieben, zweien fehlt ein Stück des Kopfes. Bei zwei der Moais sind die leeren Augenhöhlen noch sehr gut zu erkennen. Einst hatten wohl alle Moais Augen, kunstvoll gestaltet aus weißem Korallenkalk und roter Gesteinsschlacke (für die Iris!). Im kleinen Museum in Hanga Roa wird das einzig erhaltene Moai-Auge gezeigt.


Foto 6: »Ahu Ko Te Riku«
Wie die steinernen Riesen einst aussahen? Sie trugen einen tonnenschweren, rötlichen steinernen »Hut« und blickten mit ihren Kalk-Gesteinsschlacke-Augen ins Landesinnere. Auf der Plattform »Ahu Ko Te Riku« steht so ein komplett rekonstruierter Koloss. Auch er war gestürzt. Mit Hilfe eines Krans wuchtete man ihn wieder auf seine rekonstruierte Plattform, setzte man ihm wieder seinen steinernen »Zylinder« aufs Haupt und verpasste ihm neue Augen, die eigens für ihn angefertigt wurden. Auch er wendet dem Meer den Rücken zu. Auch er starrt vom Ufer aus ins Landesinnere. Warum? Vielleicht weil die Osterinsulaner vom Meer her kamen, dem Meer den Rücken zuwandten und sich darauf konzentrierten, das einsame Eiland zu erkunden und zu besiedeln?

Der wieder komplett rekonstruierte Koloss auf der Plattform »Ahu Ko Te Riku« soll einer der ältesten seiner Art sein. Nach aktuellem Kenntnisstand der schulwissenschaftlichen Lehre soll er im 7. Jahrhundert aus dem Vulkangestein im Steinbruch am »Rano Raraku«-Krater gemeißelt worden sein.

Der UN-Kulturorganisation UNESCO ist die Gefährdung der Osterinsel durch den globalen Klimawandel bekannt. Als erstes, so stellte Adam Markham fest, würden wohl die besonders nah an der Küste stehenden Statuen Opfer der steigenden Meeresfluten werden. Dass der Meeresspiegel ansteigt, das scheint allgemein akzeptiert zu werden. Umstritten ist aber, ob dieser Prozess schnell oder langsam erfolgt. In ihrem Artikel »Neues Unglück bedroht die geheimnisvollen Kolossalstatuen« lässt  die »Welt« zwei Wissenschaftler mit konträren Ansichten zu Wort kommen (8).

Nach Adam Markham waren in den vergangenen zwei Jahren »keine dramatischen Veränderungen auf der Osterinsel« zu beobachten. Markham: »Der Anstieg des Meeresspiegels ist ein relativ langsamer Prozess.« Die Wissenschaftler David Pollard und Roberto DeConto hingegen betonen in einer Studie aus dem Jahr 2016, »dass der Meeresspiegel als Folge der Eisschmelze an den Polargebieten bis Ende dieses Jahrhunderts um bis zu 1,50 Meter steigen könnte. Allerdings gilt diese Prognose unter Wissenschaftlern als umstritten, einige halten sie für zu hoch gegriffen.«

Was bei diesen aktuellen Diskussionen allerdings außer Acht gelassen wird ist, dass es nach alten Osterinselüberlieferungen bereits vor vielen Jahrhunderten einen deutlich gravierenderen Anstieg des Meeresspiegels in der Südsee gegeben haben muss, der die Urheimat der Osterinsel in den Fluten des Pazifiks versinken ließ.


Foto 7: Autor Walter-Jörg Langbein im Steinbruch der Riesen.



Fußnoten
(1) Mazière, Francis: »Insel des Schweigens/ Das Schicksal der Osterinsel«, 
Frankfurt 1966
(2) ebenda, »Die ersten Bewohner der Osterinsel«, Seiten 13-15
(3) ebenda, Seite 13, rechte Spalte Zeilen 7-9 von oben
(4) ebenda, Seite 19, linke Spalte, Zeilen 7-9 von oben, Rechtschreibung unverändert übernommen
(5) ebenda, linke Spalte, Zeilen 12-16
(6) ebenda, Seite 19, rechte Spalte, Zeilen 7-9 von oben
(7) https://www.welt.de/geschichte/article178056718/Osterinsel-Neues-Unglueck-bedroht-die-geheimnisvollen-Kolossalstatuen.html (Stand 15.01.2019)
(8) ebenda

Foto 8: Der Koloss auf dem »Ahu Ko Te Riku« bei Nacht.

Zu den Fotos
Foto 1: Himmel über der Osterinsel. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Ahu Vai Uri ... Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 3: ... droht der Untergang. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Angeschlagene Häupter ... Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Sind sie noch zu retten? Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: »Ahu Ko Te Riku« mit sehendem Riesen. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Autor Walter-Jörg Langbein im Steinbruch der Riesen. Foto Ingeborg Diekmann
Foto 8: Der Koloss auf dem »Ahu Ko Te Riku« bei Nacht. Foto Walter-Jörg Langbein


477»Die Erde ist ertrunken – Ku emu a«,
Teil 477 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 10. März 2019




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