Posts mit dem Label Däniken werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Däniken werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 24. Januar 2021

575. »Per Anhalter zu anderen Welten?«

Teil 575 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Ruine auf dem »Großen Waldstein«.

Nach Erich von Däniken (*14.4.1935) sind Charles Hoy Fort (*1874; †1932) und der britische Schriftsteller Douglas Noël Adams (*1952; †2001) meine Lieblingsautoren. Von Douglas Noël Adams stammt die einzige vierbändige Romantrilogie in fünf Teilen: »Per Anhalter durch die Galaxis«.

1979 erschien Band 1 im englischen Original:»The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy«. Die deutsche Übersetzung »Per Anhalter durch die Galaxis« folgte 1981. 1980 schob Adams Band 2 nach: »The Restaurant at the End of the Universe«. Die deutsche Übersetzung (»Das Restaurant am Ende des Universums«) stand 1982 zur Verfügung. Diesem zweiten Band stellte Adams ein bizarr anmutendes Wort voraus (1): 

»Es gibt eine Theorie, die besagt, wenn jemals irgendwer genau herausfindet, wozu das Universum da ist und warum es da ist, dann verschwindet es auf der Stelle und wird durch noch etwas Bizarreres und Unbegreiflicheres ersetzt. Es gibt eine andere Theorie, nach der das schon passiert ist.«

In Band 5 der vierbändigen Trilogie – »Mostly Harmless«, 1992 erschienen – geht es um wirklich fantastisch Anmutendes. Die deutsche Übersetzung – »Einmal Rupert und zurück« (1993) – habe ich mir wieder zu Gemüte geführt, als ich mich intensiv mit der Sagenwelt des Frankenlandes beschäftigte. Douglas Noël Adams lässt Außerirdische die Reporterin Tricia McMillan von ihrem Heimatplaneten in ein Paralleluniversum entführen. Selbst eingefleischte Douglas-Adams-Enthusiasten wissen nicht, dass Entführungen in Parallelwelten schon in uralten Sagen vorkommen. Beschrieben wird der fantastische Sachverhalt freilich in der Regel nicht technisch-futuristisch, sondern poetisch-märchenhaft. Da wird bei der Burgruine Nordeck im schönen Frankenland ein junger Mann durch ein Felsentor in eine »Parallelwelt« entführt. Dort lockt »eine reizende Jungfrau in königlicher Tracht« einen Schäfer »auf dem Köterberg« durch ein Felsentor in eine Parallelwelt (2). Bei der »Ruine Blankenhorn« über Eibensbach (Baden-Württemberg) ist es eine »Jungfrau in Weiß«.

Ludwig Zapf (*1829; †1904) war Besitzer und Redakteur des »Münchberger Amts- und Wochenblattes«. Mit Akribie sammelte er Sagen aus dem Frankenland. 1873 fungierte er als Herausgeber eines Werkes über den »Sagenkreis des Fichtelgebirges« (3). 1886 folgte sein Sammelwerk »Waldsteinbuch«, randvoll mit Sagen über den »Großen Waldstein« im Fichtelgebirge. Der »Große Waldstein« ragt fast 900 m in den Himmel und macht so dem »Ochsenkopf« (1.000 m.) Konkurrenz. Er ist mit seinen bizarr anmutenden Felsverwitterungen als Filmkulisse geeignet. Hier könnten im Film irdische Astronauten eine ferne Planetenwelt erkunden. In verfallendem Gemäuer könnten Vampire hausen. 

Foto 2: Felsformation auf dem »Großen Waldstein«

Der »Große Waldstein«  muss schon vor Jahrtausenden Menschen angezogen haben. Auf dem Gipfel wurden bei Ausgrabungen steinzeitliche Mikroklingen, Schaber und durchbohrte Anhängerfragmente aus Jurahornstein gefunden. Jurahormstein kommt im Fichtelgebirge nicht vor. Wer auch hier siedelte oder nur kurz Rast machte, muss von weiter her gekommen sein. Aus Jurahornstein wurden in der Steinzeit scharfkantige Werkzeuge wie Schaber und klingen hergestellt.

Wer den »Großen Waldstein« wandernd und kletternd erkundet, der wird immer wieder auf Mauerreste aus unterschiedlichen Epochen stoßen. So stand einst am nordöstlichen Fuß des Schüsselfelsens eine Burg. Sie wurde vor rund einem Jahrtausend gebaut, aber schon zwei Jahrhunderte später dem Verfall überlassen. Kleine Teile des Bergfrieds sind heute noch zu erkennen. Andere Ruinenreste gehen auf Mauern zurück, die womöglich im 8. Jahrhundert als Teil einer Verteidigungsanlage entstanden sind. Vieles bleibt rätselhaft.

Nach einer Sage, Ludwig Zapf hat sie aufgezeichnet, gibt es auch im »Großen Waldstein« ein Felsentor in eine andere Welt. Eine Mutter, so heißt es, war am Johannistag unterwegs mit ihrem Kind. Bei einer Felsgruppe gab es köstliche Beeren. Und plötzlich nahm die Frau das offene Tor im Fels wahr. Sie hob sich ihr Kind Auf Den Arm und erkundete das Tor. Hinter dem Tor tat sich eine Höhle auf. 

Hans Seiffert erzählt (5): »Neugierig trat sie ein. Ringsumher lagen aufgehäuft blinkende Schätze. Drei weißgekleidete Jungfrauen winkten sie heran und forderten sie auf, von dem Golde zu nehmen, was sie mit einer Hand erfassen könne. Die Frau setzte ihr Kind nieder, raffte mit beiden Händen in den Goldhaufen und lief aus der Höhle, um ihren Schatz zu bergen. Als sie nochmals zurück wollte, um noch mehr zu holen, fiel die Höhle mit lautem Krachen zu. Entsetzt dachte sie an das Kind und tiefes Leid bedrückte ihr Herz. Tagtäglich stieg sie zum Berge, irrte um die Felsen und weinte. Die Höhle aber blieb verschwunden. – So war ein Jahr verflossen. Am Johannistage stieg sie wieder zum Waldstein empor und … und fand die Höhle offen. Sie eilte hinein. Ihr Kind saß am Boden und spielte mit einem roten Apfel. Freudig lachte es der Mutter entgegen. Diese riß das Kind an sich, herzte und drückte es und verließ, ohne sich umzusehen, die Höhle.«

Douglas Noël Adams hat eine bizarre Welt entwickelt und in seinen Bestsellern beschrieben. Nicht minder geht es in der Sagenwelt meiner oberfränkischen Heimat, und nicht nur da, zu. In den Romanen wie in den Sagen geht es um Reisen in Parallelwelten und retour. Wenn in alten Sagen von solchen Reisen berichtet wird, sind das Belege für die Existenz solcher Parallelwelten? Parallelwelten werden in der wissenschaftlichen Literatur durchaus ernst genommen. Der Physiker Bryce Seligman DeWitt (*1923; † 2004) zum Beispiel publizierte im seriösen Wissenschaftsmagain »physicstoday« einen in der Fachwelt heftig diskutierten Aufsatz zum Thema (6). 

Er prägte den Ausdruck »Many-Worlds-Interpretation« (»Viele-Welten-Interpretation«). Hugh Everett III (*1930; †1982), studierter Physiker, brillierte mit einer Doktorarbeit zum Thema (7). Er kann als einer der Pioniere der Erforschung der Realität von Parallelwelten in Multi-Universen gelten. Ich muss aber zugeben, dass selbst populärwissenschaftlich erörterte Theorien über Quantenphysik und Parallelwelten für mich nicht wirklich nachvollziehbar sind, wenn es um vermeintliche Beweise geht. Es spielt dabei keine Rolle, ob diese Arbeiten nun in englischer oder in deutscher Sprache veröffentlicht wurden (8).

Kurz gesagt: Es gibt eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Arbeiten zur Realität von Parallelwelten. Es gibt seriöse Befürworter in der Welt der Wissenschaft, die zu meinen scheinen, dass die Wirklichkeit in ihrer Gesamtheit nur wirklich logisch begründbar ist, wenn man von der Existenz von Parallelwelten ausgeht. Stephen Hawking (*1942; †2018), der geniale Physiker, ging jedenfalls von der Realität von Parallelwelten aus je länger er sich mit dem Thema beschäftigte. Bis kurz vor seinem Tod arbeitete er mit Thomas Hertog (*1975), Physiker an der »Katholischen Universität Leuven (KU Leuven)« in Belgien, an der sogenannten ›Multiversums-Theorie‹. Kurz vor seinem Tod soll Hawking seine vielleicht wichtigste, bahnbrechende Arbeit abgeschlossen haben. Worum geht es? 

»Future Zone« fasst zusammen (9): »Der berühmte Physiker Stephen Hawking hat in einer letzten Arbeit vor seinem allerdings Tod scheinbar belegen können, dass Paralleluniversen existieren.« Ob ihm das wirklich gelungen ist? Laut »Sunday Times«, das vermeldet »online focus« (10), haben die Wissenschaftler Hawking und Hertog die mathematische Grundlage entwickelt, um die Existenz von Parallelwelten zu beweisen. Stimmt das? Einigkeit scheint in der Welt der Wissenschaft über diese Frage nicht zu herrschen.

 
Foto 3: Burgruine auf dem »Großen Waldstein« im Fichtelgebirge (vor 1914)

Mir kommt ein Zitat von Marie Curie (*1867; †1934), zweimal mit dem Nobelpreis für ihre Leistungen im Bereich der Chemie und der Physik ausgezeichnet, in den Sinn: »Ein Gelehrter in seinem Laboratorium ist nicht nur ein Techniker; er steht auch vor den Naturgesetzen wie ein Kind vor der Märchenwelt.« Kinder vernehmen ohne zweifelndes Staunen Berichte aus der Sagenwelt. Sie lehnen das Fantastische nicht ab, weil sie das scheinbar Fantastische für real halten können. Erwachsene hingegen bilden sich sehr viel darauf ein, vermeintlich kindliche Vorstellungen von der Realität abgelegt zu haben wie Kleidung, die ihnen zu klein geworden ist. So nehmen wir Erwachsenen aber nur noch einen Teil der Realität wahr. Fantastisch Anmutendes tun wir gern und sicher oft voreilig als »Science-Fiction« ab. Aber wie sagte Norman Mailer (*1923; †2007)? Der Verfasser von »Die Nackten und die Toten« (11): 

»Was man heute als Science-Fiction beginnt, wird man morgen vielleicht als Reportage zu Ende schreiben müssen.« »Science-Fiction« mutete zu allen Zeiten recht märchenhaft an. Was gestern unmöglich zu sein schien, das wird morgen Realität und erscheint uns übermorgen als überholt. »Science-Fiction« wird in der Regel schnell von der Realität eingeholt, ja überholt. Wie lang mag es dauern, bis man sich zwischen Parallelwelten hin und her bewegen kann? In uralten Sagen ist das schon lange möglich! Ich frage noch einmal: Sind mysteriös anmutende Beschreibungen in der Sagenwelt Hirngespinste, Ergebnisse einer uferlosen Fantasie? Oder steckt Wahrheit in den alten Sagen über den »kleinen Grenzverkehr« zwischen den Welten?

Fußnoten
(1) Adams, Douglas: »Das Restaurant am Ende des Universums«, München 2009, S. 11+12
(2) Bechstein, Ludwig: »Deutsches Sagenbuch«, Meersburg und Leipzig 1930, S. 205-206. (Die Rechtschreibung wurde unverändert übernommen!
(3) Zapf, Ludwig (Herausgeber): »Der Sagenkreis des Fichtelgebirges. Mythe und Geschichte«, Münchberg 1873
(4) Zapf, Ludwig: »Waldsteinbuch. Natur, Geschichte und Sagenschatz des Großen Waldsteins im Fichtelgebirge«, Lion, Hof 1886
(5) Seiffert, Hans: »Das Kind im Berge« in »Die Aehrenkönigin«, 2. Auflage, Helmbrechts/ Obfr. 1952, Seite 4. (Rechtschreibung wurde unverändert übernommen!)
(6) DeWitt, Bryce S.: »Quantum mechanics and reality«, Aufsatz, erschienen in »physicstoday«, Band. 23, Nr. 9, 1970, S. 30
(7) »The Theory of the Universal Wave Function«
(8) Byrne, Peter: »Die Parallelwelten des Hugh Everett«, »Spektrum der Wissenschaft«, 2008, Heft 4.
(9) »Future Zone«: »Gibt es eigentlich Paralleluniversen? Diese Theorien sprechen dafür« https://www.futurezone.de/science/article225951175/Gibt-es-eigentlich-Paralleluniversen-Diese-Theorien-sprechen-dafuer.html Stand 21.09.2020
(10) https://www.focus.de/wissen/nachweis-von-parallelwelten-hawking-arbeitete-kurz-vor-seinem-tod-an-multiversums-theorie_id_8632914.html
(Stand 21.09.2020)
(11) »Zitate im Management«, Wien 2008, Seite 223

Zu den Fotos
Foto 1: Ruine auf dem »Großen Waldstein«. Foto um 1911, Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Felsformation auf dem »Großen Waldstein« im Fichtelgebirge (vor 1914)
, Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Burgruine auf dem »Großen Waldstein« im Fichtelgebirge (vor 1914), Archiv Walter-Jörg Langbein

576. »Vom intuitiven Geist und vom rationalen Verstand«,
Teil 576 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 31. Januar 2021

Sonntag, 3. Mai 2020

537. »Sechzig Myriaden Meilen und fünfhundert Jahresreisen höher«

Teil 537 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Hesekiels Vision von der fliegenden
»Herrlichkeit des Herrn«. Lutherbibel 1545.

Erich von Däniken (*14. April 1935) schrieb vor über einem halben Jahrhundert in seinem ersten Weltbestseller »Erinnerungen an die Zukunft« (1): »Der Mensch hat eine grandiose Zukunft vor sich, die seine grandiose Vergangenheit noch überbieten wird. Wir brauchen Weltraumforschung und Zukunftsforschung und den Mut, unmöglich erscheinende Projekte anzupacken. Zum Beispiel das Projekt einer konzentrierten Vergangenheitsforschung, das uns kostbare Erinnerungen an die Zukunft bringen kann. Erinnerungen, die dann bewiesen sein werden und ohne den Appell, an sie glauben zu sollen, die Menschheitsgeschichte erhellen. Zum Segen künftiger Generationen.«

Meiner Meinung nach kann nur ein Miteinander unterschiedlichster Wissenschaftsdisziplinen der Schlüssel zu den ältesten Mythen der Menschheit sein. Wissenschaftler haben im Verlauf der Jahrhunderte so viel Wissen angesammelt, dass es den klassischen Universalgelehrten von einst nicht mehr geben kann. Eine immer stärker werdende Spezialisierung ist die Folge. Fachübergreifende Forschung gibt es so gut wie nicht mehr. Wir sind aber nur dann dazu in der Lage, die altehrwürdigen Texte zu verstehen, wenn wir möglichst viele Interpretationen berücksichtigen. Bietet ein Text Philosophisches oder Technisches? Ein Philosoph kann die Bauanleitung für eine Maschine durchaus philosophisch verstehen und deuten, wahrscheinlich aber nicht rekonstruieren.

Wer meint, die Wahrheit schlechthin erkannt zu haben, der wird in allen Texten unserer Vorfahren nur Bestätigungen seiner vermeintlich wissenschaftlich fundierten Vorurteile finden. Wirklich revolutionär neuartige Gedanken haben es dann sehr schwer. Nobelpreisträger Max Planck (*1858; †1947) brachte es auf den Punkt: »Neue Ideen setzen sich nicht dadurch durch, dass ihre Gegner überzeugt werden und sich als belehrt erklären, sondern dadurch, dass sie aussterben!« Etwas schneller könnten sich neue Ideen durchsetzen, wenn  Vertreter unterschiedlichster Wissenschaftsdisziplinen zusammen arbeiten würden.

Kehren wir noch einmal zum mysteriösen Text zurück, der uns eine Begegnung zwischen Hiram und Hesekiel hoch in himmlischen Gefilden beschreibt (2): »Als Hiram auf diese Weise über der Erde schwebte, da nahm er in seinem leeren Wahn, er wäre er dem Rest der Menschen überlegen, plötzlich den Propheten Hesekiel neben sich wahr. Erschrocken und erstaunt fragte Hiram den Propheten, wie er denn in jene Höhen aufgestiegen sei. Die Antwort war: ›Gott hat mich hierher gebracht, und er hat mich gebeten, dich zu fragen, warum du so stolz bist, der du von einer Frau geboren wurdest?‹ Der König von Tyrus antwortete trotzig: ›Ich bin nicht von einer Frau geboren, ich lebe für immer.‹ Seht, wie viele Könige ich überlebt habe! Einundzwanzig aus dem Hause David und ebenso viele aus dem Königreich der Zehn Stämme und nicht weniger als fünfzig Propheten und zehn Hohepriester habe ich begraben.‹«

Hesekiel wird in den »Legenden der Juden« von Gott hoch empor getragen. Wie das geschehen ist? War ein Naturphänomen verantwortlich? Die Antwort in fällt den »Legends of the Jews« kurz und bündig aus (3): »Er war dorthin von einem Wind geweht worden.« Hesekiel selbst kommt zu Wort: »Gott hat mich hierher gebracht.«

Micha Josef bin Gorion (*1865; †1921), ursprünglich Micha Josef Berdyczewski, war ein bedeutender hebräischer Schriftsteller und eifriger Sammler rabbinischer Legenden und Sagen. Er trug eine Fülle von altehrwürdigen Überlieferungen zusammen. In deutscher Übersetzung erschien das Mammutwerk unter dem Titel »Die Sagen der Juden« (4) in insgesamt fünf Bänden: »Von der Urzeit : jüdische Sagen und Mythen« (Band 1, 1913), »Die Erzväter : jüdische Sagen und Mythen« (Band 2, 1914), »Die zwölf Stämme: jüdische Sagen und Mythen« (Band 3, 1919), »Mose : jüdische Sagen und Mythen« (Band 4,1926) und »Juda und Israel: jüdische Sagen und Mythen« (Band 5, 1927).

Hesekiel, so erfahren wir aus den »Legends of the Jews«, wurde von Gott in luftige Höhen gebracht. Micha Josef bin Gorions Textkonvolut enthält das Kapitel (5) »XX. In den Himmlischen Hallen«. In den Unterkapiteln »Die Himmelfahrt«, »Abermals von der Himmelfahrt« und »Der Zug durch die sieben Gewölbe« wird von Moses »Himmelfahrten« berichtet. In den »Legenden der Juden« begegnen sich Hesekiel und Hiram in himmlischen Gefilden, in bin Gorions »Sagen der Juden« ist es Moses, der in himmlischen Regionen auf »Chefengel Kamuel« trifft (6): »Als Mose zum Himmel emporstieg, da kam eine Wolke ihm entgegen, und Mose wußte nicht, ob er sich auf sie schwingen sollte oder sich nur mit den Händen an ihr festhalten. Sie öffnete sich aber, und er kam in ihr Inneres. Und die Wolke trug den Mann Gottes mit sich fort, und er durchstreifte die Feste des Himmels. Da begegnete ihm der Engel Kamuel, welcher das Haupt der zwölftausend Schreckensengel war, die die Tore des Himmels bewachen.«

Foto 2: Moses und die Gesetzestafeln.

Leicht wird Moses die Himmelsreise zu Gott nicht gemacht. Die Engel wollen ihn nicht in die höchsten Gefilde vorlassen. So muss Moses zunächst »Chefengel Kamuel« (zu Deutsch etwa »Gott ist mein Ziel«) besiegen, bevor er nach einer wahrhaft kosmischen Reise dem nächsten Engel begegnet (7): »Da kam er an die Stätte, wo der Engel Hadarniel weilt, der um sechzig Myriaden Meilen höher ist als sein Genosse Kamuel.« Diese Distanz muss den unbekannten Urheber des alten Textes sehr beeindruckt haben. Er nennt die »sechzig Myriaden Meilen« zwei Mal.

Auch Hadarniel war Moses alles andere als zugetan. Hadarniel, zu Deutsch etwa »die Majestät Gottes«, »die Größe und Stärke Gottes«, (8) »aus dessen Munde blitze sprühen, wenn er spricht … sprach zu Mose: ›Was suchst du hier, in der Sphäre der Hoheit?‹« Erst auf Intervention Gottes hin erhält Moses Hilfe von Hadarniel. Der »Engel der Liebe führt Moses bis an die »Feuerstätte« des Engels Sandelphon, weiter darf er nicht aufsteigen.

Foto 3: Moses wird von Engeln am Aufstieg
in höhere Sphären gehindert.

Schließlich erscheint Gott selbst und »führte Mose durch die Region des Sandelphon«, der auch als »Gärtner Gottes« bezeichnet wird. Nach Überwindung des »Feuerstroms Rigion« kommt Moses dem Thron Gottes hoch oben im Himmel immer näher. Engel Galizur (»Offenbarer des Felsens«) und schließlich die »Würgengel« können Moses nichts anhaben, weil Gott ihn schützt. Endlich steht Moses vor dem Thron Gottes. Vierzig Tage benötigt Gott, um Moses seine Lehre, vor allem seine Vorschriften und Gebote, zu vermitteln.

Der Gott des biblischen »Alten Testaments« fährt vom Himmel herab (9), kommt auf einem Berg (vermutlich auf dem Berg Sinai) hernieder und heiligt so das Areal. Dadurch wird das Gebiet der Gotteslandung zur Tabuzone, die das Volk nicht betreten darf. Ein eigens errichteter Schutzzaun hält die Menschen davon ab, Moses zum »Landeplatz« Gottes zu folgen. Offenbar war es für zu nah Stehende Menschen lebensgefährlich, wenn Gott aus himmlischen Gefilden unter brausendem Getöse und Feuer und Rauch vom Himmel herab auf den Berg kam. Das Szenario muss für die Menschen damals ganz sicher furchteinflößend gewesen sein (10):

»Als nun der dritte Tag kam und es Morgen ward, da erhob sich ein Donnern und Blitzen und eine dichte Wolke auf dem Berge und der Ton einer sehr starken Posaune. Das ganze Volk aber, das im Lager war, erschrak. Und Mose führte das Volk aus dem Lager Gott entgegen, und es trat unten an den Berg. Der ganze Berg Sinai aber rauchte, weil der HERR auf den Berg herabfuhr im Feuer; und sein Rauch stieg auf wie der Rauch von einem Schmelzofen, und der ganze Berg bebte sehr.«

Moses steigt nach dem Text des »Alten Testaments« den »Heiligen Berg« hinauf, Gott kommt in einer Wolke hernieder und trifft sich mit Moses. Hoch oben auf dem Berg händigt Gott Moses die Gesetzestafeln aus. Er soll dem Volk übermitteln, welche göttlichen Gebote in Zukunft zu befolgen sind. In den »Sagen der Juden«, gesammelt und aufgezeichnet von Micha Josef bin Gorion, macht sich Moses auch auf den Weg und beginnt den Berg zu erklimmen. Dann aber kommt ihm von oben eine »Wolke« entgegen. Die »Wolke« öffnet sich und nimmt Moses in sich auf. Die »Wolke« ist es offenbar, die Moses in ihrem Inneren in höchste himmlische Höhen zu Gott entführt. Dort trichtert ihm Gott vierzig Tage lang seine Gebote und Verbote ein.

Offensichtlich legt Moses gigantische Strecken zurück. So bekundet er (11): »Und dann sah ich noch den Sandelphon, der einen Weg von fünfhundert Jahresreisen höher ist als Hadarniel.« Offensichtlich absolviert Moses in den »Legenden der Juden« nach Micha Josef bin Gorin weite Reisen. Aber wohin? Zu »Gott« ins All? In die himmlischen Gefilde der Engel, die oft unvorstellbar weit von der Erde entfernt zu sein scheinen? Die diversen »Engel« scheinen als »Wächter des Himmels« zu fungieren, die darauf achten, dass niemand von der Erde aus in himmlische Gefilde vorzudringen versucht. Gott selbst freilich darf Menschen in den Himmel holen, womit mit »Himmel« nicht im christlichen Sinne das Jenseits gemeint ist. Ein Reich der Dahingeschiedenen in himmlischen Sphären war zu Zeiten des »Alten Testaments« vollkommen unbekannt.

Foto 4: Engel wirken als »Wächter des Himmels«.

Fußnoten
(1) Däniken, Erich von: »Erinnerungen an die Zukunft – Ungelöste Rätsel der Vergangenheit«, Düsseldorf und Wien, 1968, Seite 221
(2) Ginzberg, Louis: »The Legends of the Jews«, Band 4, »From Joshua to Esther«, Taschenbuchausgabe, Baltimore 1998, Seite 335, 12. Zeile von unten – S. 336, 2. Zeile von oben.
(3) Ebenda, Seite 335, 9. Zeile von unten: »He had been waved thither by a wind.«
(4) Gorion, Micha Josef bin: »Die Sagen der Juden«, ins Deutsche übertragen von Ramberg-Berdyczewsky, Rahel, Frankfurt a. M. 1913–1927
(5) Gorion, Micha Josef bin:  »Mose: jüdische Sagen und Mythen«, Band 4, Frankfurt 1926, S. 239-255
(6) Ebenda, Seite 239, 1.-9. Zeile von oben (Rechtschreibung wurde unverändert übernommen.)
(7) Ebenda, 3.-1. Zeile von unten
(8) Ebenda, 1.-3. Zeile von oben
(9) 2. Buch Mose 19, Verse 1-25
(10) Ebenda, Verse 16-18
(11) Gorion, Micha Josef bin:  »Mose: jüdische Sagen und Mythen«, Band 4, Frankfurt 1926, S. 243, 7.-9. Zeile von oben

Foto 5: Hesekiels Vision von der fliegenden
»Herrlichkeit des Herrn«. Lutherbibel 1545.


Zu den Fotos
Foto 1: Hesekiels Vision von der fliegenden »Herrlichkeit des Herrn«. Lutherbibel 1545. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Moses und die Gesetzestafeln. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Moses wird von Engeln am Aufstieg in höhere Sphären gehindert. Foto: Cheruben, Italien, 12. Jahrhundert. Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Engel wirken als »Wächter des Himmels«. Foto: Chruben, Italien, 12. Jahrhundert. Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Hesekiels Vision von der fliegenden »Herrlichkeit des Herrn«. Lutherbibel 1545. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein

538. »Die Herrlichkeit des Herrn«,
Teil 538 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 10. Mai 2020


Besuchen Sie auch unser Nachrichtenblog!

Sonntag, 5. April 2020

533. »Erinnerungen an die Zukunft«

Teil 533 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Der mysteriöse »Astronaut von El Baúl«

Für uns ist ein Astronaut im Raumanzug ein gewohnter Anblick. Wir sind in der Regel noch keinem persönlich begegnet, aber wir wissen, wie so ein Raumfahrer aussieht. Wie haben schon Fotos und Filme von Menschen in Raumanzügen gesehen. Nehmen wir an, so ein Astronaut klingelt an unserer Haustüre. Man hat etwas Dringendes vor, muss vielleicht gleich zur Arbeit oder hat einen Termin beim Zahnarzt. Oder man muss zum Bahnhof aufbrechen, um nach Bremen zum Seminar »Phantastische Phänomene« zu fahren. Man ist vielleicht im Stress, öffnet die Haustüre und steht einem Astronauten gegenüber. Der trägt einen Raumanzug. Sein Kopf steckt in einem Helm. Durch das gläserne »Visier« schaut uns der Besucher an. Für uns ist sein Anblick frühmorgens an der Haustür sicher überraschend. Wie reagiert man?

Verwundert? Befremdet? Vielleicht denkt man an einen Scherz à la »Verstehen Sie Spaß?« Läuft irgendwo eine versteckte Kamera? Angst hat man vermutlich keine. Oder doch? Denkt man an einen gefährlichen Virus, der uns womöglich bedroht? Wir wissen, dass wir es mit einem irdischen Astronauten, nicht mit einem Monster zu tun haben. Begriffe wie »Raumanzug« sind uns vertraut. Selbst technische Details verunsichern uns nicht. Ich zitiere kurz das Online-Lexikon Wikipedia (1): »Auf den Kopf des Raumfahrers wird ein nahezu kugelförmiger Helm gesetzt, der gasdicht an den Raumanzug angeschlossen und mit einem klappbaren Visier gegen die aggressive UV-Strahlung der Sonne versehen ist. Meist im Rumpfbereich befinden sich die Anschlüsse für Sauerstoff, Abluft, Kühlwasser und Kommunikationssysteme.«

Versetzen wir uns nun in die Lage des biblischen Abraham. Nahmen wir an, ein Mensch im Raumanzug trat ihm gegenüber. Für ihn muss so eine Begegnung unbegreiflich gewesen sein. Die uns geläufigen Fachausdrücke kennt Abraham nicht. Er muss zu vergleichen greifen, will er in Worte fassen, was er sieht und nicht begreifen kann. Den Raumanzug des Fremden umschreibt er so (2): »Sein Leib glich einem Sayphir, sein Antlitz einem Chrysolith und seines Hauptes Haar dem Schnee und seines Hauptes Diadem dem Regenbogen.« Poetische Worte, die Technisches mit Begriffen aus Abrahams Welt bezeichnen, mögen für uns kurios anmuten. Aber dem Abraham standen keine anderen zur Verfügung.

Fotos 2-5: »Erinnerungen an die Zukunft« in Stein.

Stellen wir uns nun vor, frühmorgens stünde ein Außerirdischer im Raumanzug vor der Tür. Jetzt würde kaum jemand gelassen bleiben. Abraham reagierte panisch (3): »Und siehe, da war kein menschlicher Odem, und mein Geist erfüllte sich mit Grauen.« In einer neueren Übersetzung lesen wir (4): »Und, siehe, da war kein menschlicher Odem, und mein Geist erfüllte sich mit Grauen.« In relativ jungen russischen Handschriften heißt es: »Und er war wie tot und fiel zu Boden nieder auf das Angesicht wie ein Stein.« Offenbar wurde Abraham ohnmächtig beim Anblick des Fremden.

Abraham begegnete also Fremden, die nicht von Planet Erde kamen. Besucher aus dem All vor Jahrtausenden faszinieren mich schon seit 1968, als ich mit dem »Erich-von-Däniken-Bazillus« infiziert wurde. Und seit ich auf den Spuren der »Astronautengötter« (5) folge zog mich ein steinernes Relief wie magisch an, das man im unwegsamsten Gelände Guatemalas gefunden hat. El Baúl ist nicht unbedingt von Touristen überlaufen. Die Finca El Baúl ist liegt vier Kilometer nördlich von Santa Lucía Cotzumalguapa nahe der Pazifikküste Guatemalas. Zuckerrohr wird hier schon seit vielen Jahrzehnten angebaut. Weite Areale wurden vom Urwald »befreit«. Der Urwald wurde brutal zurückgedrängt. Es galt, immer größere Flächen für den Zuckerrohranbau brauchbar zu machen. Bei der rabiaten Abholzung wurden Hunderte von archäologischen Objekten gefunden. Oder waren es Tausende? Wie viele Artefakte mögen verschwunden sein? Wie viele hat man zerstört?

Bereits 1862 fertigte der österreichische Reisende Dr. Habel Zeichnungen von Stelen an, die im Raum von El Baúl gefunden worden waren. 1876 erschien Adolf Bastian (*1826; †1905), Direktor des Völkerkundemuseums von Berlin, vor Ort. Er hatte zufällig Dr. Habels Zeichnungen entdeckt. Jetzt wollte er die die Artefakte im Original vor Ort sehen. Was er vorfand, das übertraf seine Erwartungen. Adolf Bastian war hellauf begeistert. Der Gelehrte kaufte die seiner Ansicht nach schönsten Stelen auf. Da die tonnenschweren Steinkolosse nur sehr schwer zu transportieren gewesen wären, ließ er sie kurzerhand zersägen. Genauer: Er begnügte sich mit den Reliefs, die als dünne Scheiben, oberflächlich vom Stein getrennt, zur Küste geschafft und auf Schiffe verladen wurden.

Foto 6: Autor Walter-Jörg Langbein und der
»Astronaut« in Stein. Foto Ingeborg Diekmann

Eines der kunstvoll gravierten Steinreliefs wartet noch heute im Hafenbecken von Josef darauf, geborgen zu werden. Es ist bei der Verschiffung ins Hafenbecken gefallen und im Morast versunken. Wird er je wieder entdeckt und gehoben werden? Sieben »Stelen« wurden nach Berlin geschafft, wo sie viele Jahre im Treppenhaus des Dahlemer Museums gezeigt wurden. Heute befinden sie sich im Ethnologischen Museum Berlin.

Vor Ort befindet sich noch heute der sogenannte »Astronaut von El Baúl«. Mich fasziniert diese mysteriöse Darstellung nach wie vor. Da steht eine Gestalt, die so etwas wie einen »Raumanzug« trägt. Der Kopf wird von einem »Helm« umschlossen. Wir sehen das Wesen im Profil. Deutlich ist ein Guckfenster auszumachen, dahinter erkennen wir ein Auge der Kreatur. Vom Helm aus führt ein Schlauch zu einem Tank auf dem Rücken der Gestalt. Mit den Augen unserer Zeit gesehen haben wir ein Wesen im Raumanzug vor uns, das die Atemluft aus einem Tank atmet. Sehr deutlich in den Stein gemeißelt ist der Atem, den das Wesen ausstößt. Die Darstellung des ausströmenden Atems scheint dem Künstler sehr wichtig gewesen zu sein.

In der »Apokalypse des Abraham« wird ein Wesen beschrieben, das womöglich in einem Raumanzug steckt. Der Verfasser des altehrwürdigen Texts musste zu blumigen Vergleichen greifen, um zu umschreiben, was er nicht wirklich verstand. Der unbekannte Künstler, der das Wesen von El Baúl in Stein verewigte, musste nicht den Umweg über bildhafte, verbale Vergleiche gehen. Er konnte halbwegs realistisch zeigen, was da einst zu sehen war. War er selbst Augenzeuge? Oder gibt er in seinem Werk nur wieder, was man ihm beschrieben hat?

Im Text der »Apokalypse des Abraham« wird fast nur nebenbei erwähnt, dass das Wesen, das Abraham auf die Beine half, nicht den Atem eines Menschen hatte. Wollte der Künstler von El Baúl genau das zeigen, was auch Abraham sah, nämlich ein nichtmenschliches Wesen im Raumanzug, einen Außerirdischen?

Abraham wird empor getragen. Er sieht etwas (6): »auf der Höhe, auf welche wir gestiegen waren, ein starkes Licht, das nicht zu beschreiben ist«. Offenbar gelangt Abraham in dieses Etwas, das er nicht beschreiben kann, hinein. Abraham begreift nicht, was geschehen ist. Erstaunt, vielleicht auch entsetzt, fragt er seinen himmlischen Begleiter (7): »Wie hast du mich nun hierher hinaufgetragen, denn nun kann ich nicht mehr sehen, da ich erschöpft bin, und mein Geist aus mir entflieht.« Mag sein, dass Abraham bedingt durch extreme Beschleunigung beim Flug empor zu diesem Etwas hoch oben die Besinnung zu verlieren drohte. Der Himmlische machte ihm Mut (8): »Dein Geist soll nicht schwach werden, denn ich bin bei dir und werde dich stärken.«

Dann geschah für Abraham Unbegreifliches (9): »Und ich wollte mich auf die Erde niederwerfen; und der hohe Ort, auf dem wir standen, stand bald aufrecht, bald sank er abwärts.« Paul Rießler übersetzte so (10): »Ich aber wünsche auf die Erde niederwärts zu fallen. Der hohe Ort, worauf wir standen, bald stand er aufrecht da, bald drehte er sich abwärts.« Bald drehte er sich abwärts? Abraham beschreibt Dinge, die er nicht begreifen kann. Es scheint sich so etwas wie eine Luke zu öffnen. Abraham schaut und versteht nicht (11): »Wie er noch spricht, tun sich die Flächen auf und unter mir der Himmel.« Es wird noch verrückter, zumindest nach dem Empfinden Abrahams (12):

Foto 7: Prof. Hermann Oberths
prophetisches Werk.

»Er sprach: Beschau von oben doch die Sterne, die unter dir sich finden!« Was erlebte Abraham?Stellen wir uns vor: Abraham wurde von der Erde in eine riesige Weltraumstadt transportiert. Diese Weltraumstation drehte sich konstant um die eigene Achse und erzeugte so künstliche Schwerkraft. Befindet man sich an Bord einer solchen Raumstation, dann leidet man nicht unter Schwerelosigkeit. Man empfindet – freilich künstlich erzeugte – Schwerkraft. Damit künstliche Schwerkraft entstehen kann, muss sich so eine Weltraumstadt um die eigene Achse drehen. Blickt man dann aus dem Inneren so einer Weltraumstadt nach außen, dann sieht man im Erdorbit mal die Erde unten und die Sterne oben, mal die Erde oben und die Sterne unten. Genau das aber, dieser Eindruck muss sich einem Zeitgenossen zu Beginn des dritten Jahrtausends nach Christus aufdrängen, beschrieb Abraham, ich zitiere den entscheidenden Vers aus der Abrahamapokalypse noch einmal (10): »Und ich wollte mich auf die Erde niederwerfen; und der hohe Ort, auf dem wir standen, stand bald aufrecht, bald sank er abwärts.« Oder »bald drehte er sich abwärts.«

Künftige Reisen in die Tiefen des Alls sollen in riesigen Raumschiffen in Rad- oder Röhrenform angetreten werden. Bei der NASA arbeitet man schon heute an solchen Projekten von morgen. Schon? Bereits 1954 beschrieb Hermann Oberth in seinem Werk »Menschen im Weltraum« gigantische »Wohnräder« (13). Er beließ es dabei nicht bei kühnen Prognosen. Vielmehr entwickelte er konkrete Pläne. Seine Weltraumschiffe in Scheibenform würden Durchmesser von sechs bis acht Kilometern aufweisen. Oberth (14): »Das Wohnrad dreht sich in 110 bis 126 Sekunden einmal um die eigene Achse. Dadurch entsteht Fliehkraft, die unserer irdischen Schwerkraft entspricht.« Damit wäre eines der gravierendsten Probleme von interplanetaren oder gar interstellaren Raumflügen gelöst: Reisen in Schwerelosigkeit von einigen Tagen zum Mond und zurück stellen für den menschlichen Organismus kein Problem dar. Bei bemannten Flugvehikeln zum Mars, die schon mehrere Monate dauern werden, wird es kritisch. Für Aufenthalte in Schwerelosigkeit von Jahren oder gar Jahrzehnten ist der Mensch nun einmal nicht gebaut.

Prof. Dr. Dr.-Ing. Oberth entwickelte seine »Wohnwalze« bis ins Detail genau. So sah er eine Simulation von Tag und Nacht durch spezielle Lampen vor. Besonders die erste Generation der Raumfahrer sollte sich fast wie auf der Erde wähnen. Bei der Energiegewinnung dachte Oberth an Atomkraftwerke. Das Leben in der riesigen Raumstation sollte möglichst vertraut wie auf der Erde erscheinen. Zum Beispiel sah Oberth die Illusion eines »blauen Himmels« vor. So sollte verhindert werden, dass man die jeweils gegenüberliegende Seite der Wohnwalze sehen würde. Oberth (15): »Sonst könnte man dort in acht Kilometer Entfernung – was als acht Kilometer Höhe empfunden würde – die gegenüberliegende Landschaft ›am Himmel hängen‹ sehen.« Oberth weiter (16):

»Natürlich kann man auch für ein angenehmes Klima und einen Tag- und Nachtrhythmus sorgen. Man kann in der Walze künstliche Höhenzüge mit hübschen kleinen Wäldern schaffen und anderes mehr. Man kann das so weit treiben, dass die dort lebenden Menschen praktisch kaum etwas davon merken, dass ihre Heimat nicht ein Planet, sondern ein technisches Kunstwerk ist.« 

Erlebte Abraham vor Jahrtausenden, was künftige Generationen wieder erleben werden? Wurde Abraham vor Jahrtausenden in ein riesiges Raumschiff gebracht, das sich um die Eigene Achse drehte? Werden künftige Generationen genau das wieder erleben? Werden sie vielleicht sogar in riesigen, sich um die eigene Achse drehenden Weltraumstädten die Reise in den Kosmos antreten? Das wird so geschehen, wenn sich die Menschheit nicht vorher selbst auslöscht. Dann wird wieder (?) wahr werden, was Abraham bereits vor Jahrtausenden widerfahren ist.


Foto 8: Raumfahrtpionier Prof.  Hermann Oberth
im Gespräch

mit Walter-Jörg Langbein

Dann werden sich Abrahams fantastische Erlebnisse als »Erinnerungen an die Zukunft« erweisen!

Fußnoten
(1) Zitat aus Wikipediartikel »Raumanzug«. https://de.wikipedia.org/wiki/Raumanzug (Stand 4.3.2020)
(2) Rießler, Paul: »Altjüdisches Schrifttum außerhalb der Bibel übersetzt und erläutert von Paul Rießler«, Augsburg 1928, Seite 22, XI, 1+2
(3) Ebenda, X, 2
(4) Philonenko-Sayar, Belkis und Philonenko, Marc: »Die Apokalypse Abrahams«, erschienen als »Band V Lieferung 5« der Buchreihe »Jüdische Schriften aus hellenistisch-römischer Zeit«, Gütersloh 1982, Seite 430, X,2
(5) Langbein, Walter-Jörg: »Astronautengötter – Versuch einer Chronik unserer phantastischen Vergangenheit«, Luxemburg Weihnachten 1979
(6) Philonenko-Sayar, Belkis und Philonenko, Marc: »Die Apokalypse Abrahams«, erschienen als »Band V Lieferung 5« der Buchreihe »Jüdische Schriften aus hellenistisch-römischer Zeit«, Gütersloh 1982, Seite 436, XV, 4
(7) Ebenda, Seite 437, XVI, 1
(8) Ebenda, XVI, 4
(9) Ebenda, XVII, 4
(10) Rießler, Paul: »Altjüdisches Schrifttum außerhalb der Bibel übersetzt und erläutert von Paul Rießler«, Augsburg 1928, Seite 26, XVII, 3
(11) Ebenda, Seite 29, XIX, 4
(12) Ebenda, XX, 3
(13) Oberth, Hermann: »Menschen im Weltraum/ Neue Projekte für Raketen- und Raumfahrt«, 4. Auflage, Düsseldorf 1963, Seiten 194-199 (»Siedlungen im Weltenraum«)
(14) Ebenda, Seite 195, 10.-14. Zeile von oben
(15) Ebenda, Seite 198, 14.-11. Zeile von unten
(16) Ebenda, 10.-4. Zeile von unten

Foto 9: Handschriftliche Widmung
von Prof. Hermann Oberth.

Zu den Fotos
Foto 1: Der mysteriöse »Astronaut von El Baúl«. Foto Walter-Jörg Langbein
Fotos 2-5: »Erinnerungen an die Zukunft« in Stein. Fotos Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Autor Walter-Jörg Langbein und der »Astronaut« in Stein. Foto Ingeborg Diekmann
Foto 7: Prof. Hermann Oberths prophetisches Werk. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Raumfahrtpionier Prof. Oberth im Gespräch mit Walter-Jörg Langbein.
Foto privat/ Archiv Walter-Jörg Langbein 
Foto 9: Handschriftliche Widmung von Prof. Hermann Oberth. Foto Walter-Jörg Langbein

534. »Erich von Däniken zum 85. Geburtstag«,
Teil 534 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 12. April 2020


Besuchen Sie auch unser Nachrichtenblog!

Sonntag, 22. März 2020

531. »Nicht eines Menschen Atem«

Teil 531 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Erich von Dänikens erster
Weltbestseller (Cover)
»Es gibt mehr Ding’ im Himmel und auf Erden, als Eure Schulweisheit sich träumt, Horatio.« lässt William Shakespeare (*1564; †1616) Hamlet zu seinem Freund Horatio sagen (1). Tatsächlich scheint sich zwischen Himmel und Erde mehr abzuspielen, als die Schulwissenschaft wahrhaben will. Das beweist bis heute hinlänglich der Schweizer Erfolgsautor Erich von Däniken in seinen faszinierenden Sachbüchern.

1968 erschien Erich von Dänikens erster Weltbestseller »Erinnerungen an die Zukunft« im ECON-Verlag und löste weltweit eine regelrechte »Dänikenitis« aus. Der Zeitpunkt war günstig: Stand doch die bemannte Raumfahrt vor einem Höhepunkt. Erstmals würden Menschen auf einem fremden Himmelskörper, auf dem Mond, dem Erdtrabanten, landen. Und als die Mondlandefähre sanft auf unserem Erdtrabanten aufsetzte, hieß es: »Der Adler ist gelandet!«

Da fragten sich unzählige Millionen von Menschen: Wenn wir Menschen, die wir erst am Anfang der Weltraumfahrt stehen, ins All aufbrechen können, wieso sollen dann außerirdische Zivilisationen, die womöglich viel älter als die irdische sind, nicht schon in grauer Vorzeit Raumfahrt betrieben haben? Warum sollen sie, die Außerirdischen, nicht bereits in grauer Vorzeit zur Erde gekommen sein?

Foto 2: Die Grabplatte von
Palenque (Mexico)
Die Grabplatte von Palenque wurde 1968 durch Erich von Däniken weltberühmt. Zierte doch eine zeichnerische Darstellung des Reliefs vom steinernen Sarkophag Dänikens Erstling »Erinnerungen an die Zukunft«. Erich von Däniken trug eine raumfahrttechnische Interpretation der Steingravur vor (2):

»Da sitzt ein menschliches Wesen mit dem Oberkörper vorgeneigt, in Rennfahrerpose vor uns; sein Fahrzeug wird heute jedes Kind als Rakete identifizieren. Das Vehikel ist vorne spitz, geht über in merkwürdig gerillte Ausbuchtungen, die Ansauglöchern gleichen, wird dann breiter und endet im Rumpf in eine züngelnde Feuerflamme. Das Wesen selbst, vornüber geneigt, bedient mit den Händen eine Reihe unidentifizierter Kontrollgeräte und setzt die Ferse des linken Fußes auf eine Art Pedal.

Seine Kleidung ist zweckentsprechend: eine kurze, karierte Hose mit einem breiten Gurt, eine Jacke mit modernem japanischen Halsausschnitt und dicht abschließende Arm- und Beinbänder. Es würde, in Kenntnis korrespondierender Darstellungen, verwundern, wenn der komplizierte Hut fehlen würde. Er ist da, mit Ausbuchtungen und Röhren. Unser so deutlich dargestellter Raumfahrer ist nicht nur durch seine Pose in Aktion - dicht vor seinem Gesicht hängt ein Gerät, das er starrend und aufmerksam beobachtet. Der Vordersitz des Astronauten ist vom hinteren Raum des Fahrzeugs, in dem man gleichmäßig angeordnete Kästen, Kreise und Spiralen sieht, durch Verstrebungen abgetrennt.«

Erich von Däniken (*1935) machte das mysteriöse Relief auf der Grabplatte von Palenque weltberühmt. Weltweit wurde heftig über Dänikens Raumfahrer-These diskutiert. Ernst von Khuon (*1915; †1997) reagierte auf Dänikens Weltbestseller und auf das Echo, das das Buch weltweit auslöste. Er gab einen Sammelband mit Beiträgen von Wissenschaftlern über Erich von Dänikens Hypothesen heraus (3): »Waren die Götter Astronauten?«

Foto 3: Die Grabplatte von Palenque/ Ausschnitt.

Däniken fand In Sachen Palenque Unterstützung ausgerechnet im Lager der Raumfahrttechniker. Dr. Wolfgang Briegleb und Professor Dr. Siegfried Ruff, beide damals tätig bei der »Deutschen Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt«, verfassten ein bemerkenswertes (4) »Plädoyer für eine unkonventionelle Erforschung unserer Vergangenheit«. Die »Grabplatte von Palenque«  hatte es den beiden Raumfahrtexperten besonders angetan (5):

»Einer der beeindruckendsten optischen Belege für Dänikens Thesen scheint uns die Grabplatte von Palenque zu sein. Man muss sich hier wirklich Gewalt antun, um nicht mit den Augen unserer Tage eine stilisierte Gemini- oder Wostok-Kapsel zu erkennen. … Die Körperhaltung der dargestellten menschlichen Gestalt ist eigentlich nur sinnvoll, wenn sie eine Beschleunigung in Richtung Brust-Rücken erhält. dass der hypothetische Raketenpilot zudem anscheinend hemdsärmelig fliegt, ist uns eine inzwischen vertraute Vorstellung.«

Interessant ist ein Statement zweier Maya-Experten von Rang. Prof. David Stuart (*1965) ist ein US-amerikanischer Altamerikanist, der an der »University of Texas«, Austin, lehrt. Gemeinsam mit seinem Vater George E. Stuart (*1935; †2014) verfasste der Wissenschaftler das Werk (6) »Palenque/ Eternal City of the Maya«. Über die Grabplatte von Palenque lesen wir da (7): »Untersucht man den Sarkophag als Ganzes, dann kann der Sarkophag als sorgfältig zusammengestelltes Modell des Kosmos angesehen werden, wobei der Himmel (der Deckel) über der Erde und ihren grünen Gefilden (der Sarg) liegt.«

Foto 4: Die Grabplatte von
Palenque/ Ausschnitt.
Erich von Däniken beschrieb schon 1968 den Mann im Relief auf dem Sarkophag als Astronauten. Die beiden Raumfahrttechniker Dr. Wolfgang Briegleb und Professor Dr. Siegfried Ruff sahen Dänikens Interpretation als sehr naheliegend an. Man könne sich seiner Sichtweise kaum entziehen. Und die Maya-Experten George und David Stuart? Sie sehen im Sarkophag-Deckel den Himmel. Der dänikensche »Astronaut« bewegt sich nach Ansicht der beiden Wissenschaftler im Himmel. Ihre Interpretation stützt Dänikens Sichtweise.

Recht hat Shakespeare: »Es gibt mehr Ding’ im Himmel und auf Erden, als Eure Schulweisheit sich träumt, Horatio.«

In die gleiche Kategorie fällt ohne Zweifel auch ein mysteriöses Erlebnis, das Adam nach der Vertreibung aus dem Paradies hatte. In einem apokryphen Text, den Paul Rießler in seinem Werk »Altjüdisches Schrifttum außerhalb der Bibel« (8) wiedergibt, geht es um das »Leben Adams und Evas« (9). Drei Fassungen liegen vor: eine griechische, eine lateinische und eine slawische. Was zu einer gewissen Verwirrung führen kann: Das »Leben Adams und Evas« wurde bereits 1866 unter dem Titel »Apocalypsis Mosis« publiziert. Zugrunde lagen damals vier Handschriften. Die älteste, eine mailändische, soll spätestens im 11. Jahrhundert angefertigt worden sein. Sehr viel weiter zurück reicht ein Manuskript in lateinischer Sprache. Es soll etwa aus dem Jahr 730 stammen.
Adam, so erfahren wir, sprach zu seinem Sohn Seth (10):

»Vernimm mein Sohn! Ich will dir künden, was ich sah und hörte. Nachdem wir aus dem Paradies vertrieben waren, ich mitsamt deiner Mutter, da kam zu mir, als wir beim Beten waren, Erzengel Michael, von Gott gesandt. Da sah ich gleich dem Winde einen Wagen, und seine Räder waren feurig; da wurde ich zum Paradiese der Gerechtigkeit entrückt. Ich sah den Herrn da sitzen; sein Anblick war ein unerträglich brennend Feuer und viele tausend Engel rechts und links vom Wagen.«

Adam wurde nach diesem Text von einem Wagen mit feurigen Rädern offenbar in den Himmel »entrückt«, wo er »den Herrn« sitzen sah.

Bei Rießler findet sich auch der nicht weniger interessante apokryphe Text »Apokalypse des Moses« (11). Kann es sein, dass Eva aus ihrer Sicht just jenes Erlebnis bekundete, von dem Adam Sohn Seth erzählte? Freilich schildert der Text Adams Himmelsreise nicht als körperliches, sondern geistiges Geschehnis. Nicht Adams Leib wurde gen Himmel transportiert, sondern seine Seele. Eva aber wurde nach der Schilderung im apokryphen Text leibhaftig zu Adams Leichnam geflogen (12):

»Und Eva lag noch auf den Knieen im Gebet, da kam zu ihr der Menschheit Engel und hieß sie sich erheben: Eva! Steh auf von deiner Buße! Adam, dein Mann, hat seinen Leib verlassen. Sieh, wie sein Geist zu seinem Schöpfer fährt und dort vor ihm erscheint! Eva erhebt sich und deckt mit ihrer Hand das Angesicht. Der Engel sprach zu ihr: Erheb dich aus dem Irdischen! Und Eva blickt zum Himmel auf; da sieht sie einen Lichtwagen heranfahren, gezogen von vier glänzenden Adlern. Kein aus dem Mutterleib Geborener kann ihre Herrlichkeit beschreiben, noch in ihr Antlitz schauen; vorauf dem Wagen gingen Engel. Sie kamen zu dem Ort, wo Adam, euer Vater, lag. Da hielt der Wagen.«

Von der »Apokalypse des Moses« zur »Apokalypse des Abraham«, die Paul Rießler ebenfalls in sein Werk aufgenommen hat (13). Sie entstand bereits im 1. Jahrhundert christlicher Zeitrechnung, vermutlich kurz nach dem Jahr 70 n. Chr. Das Original wurde in hebräischer Sprache verfasst. Sprachwissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass vermutlich das Hebräisch des Originaltextes zumindest in Teilen aramäischen Einflüssen ausgesetzt war. Erhalten ist der Text ist in einer slavischen Fassung, die früher als »altslavonisch« bezeichnet wurde.

Zunächst wird Abraham vorgestellt (14): Nachor I war der Vater von Nachor II und von Therach. Abraham war der Enkel von Nachhor I, ein Sohn von Therach und ein Neffe von Nachor II.Therach verrichtete Dienst im Tempel. Er fertigte aber auch Statuen und Statuetten von Göttern an. Der junge Abraham war bei seinem Vater ein emsiger Lehrling. Eines Tages fiel »Steingott Merumat« im Tempel um. Die Steinfigur war viel zu schwer, als dass Abraham sie wieder  hätte aufstellen können. Zusammen mit seinem Vater Therach versuchte Abraham, die Statue wieder aufzurichten (15):

»Als wir ihn beide fortbewegten, um ihn auf seinen Platz zu stellen, fiel ihm sein Kopf herab, solang ich ihn am Kopfe hielt.« Offenbar war die Statue des Gottes nun entweiht. Vater Therach (16)  »hieb er einen andern Merumat aus einem andern Stein zurecht, doch ohne Kopf; dann setzte er den abgebrochenen Kopf ihm wieder auf, das andere von Merumat zerschlug er.«

Therach fertigte Götter-Statuen an, Sohn Abraham verkaufte sie, zum Beispiel an syrische Kaufleute, deren Karawane nach Ägypten zog (17). Wieder kam es zu einem Malheur: Ein Kamel stößt einen Schrei aus, der mit fünf Götter-Statuen beladene Esel Abrahams scheut, drei Götter-Bildnisse gehen zu Bruch. Die Syrer erweisen sich als großzügig. Sie übernehmen die zwei unbeschädigten Statuen, bezahlen aber den vollen Kaufpreis für alle fünf.

Jung-Abraham wird als kritisch denkender Mensch geschildert. Er kann offensichtlich die heiligen Statuen nicht mehr als mächtige Götter ansehen. Es waren nicht die Götter-Statuen, die seinen Vater Therach schufen, vielmehr ist sein Vater der Schöpfer der vermeintlichen »Götter«! So fragt sich Abraham (18): »Ist nicht vielmehr er seiner Götter Gott? Denn durch sein Meißeln, Drechseln, durch seine Kunst entstehen sie. Ja, sollten sie nicht meinen Vater anbeten, da sie doch nur sein Machwerk sind? Was liegt doch für ein Wahn in meines Vaters Werken?«

In seiner Welt war der junge Abraham ein Ketzer, der nicht mehr daran glaubt, dass die Götterstatuen auch wirklich Götter waren. Sonst wären nicht drei von ihnen beim Sturz vom Esel zerbrochen. Sonst wären die Trümmer der Götter, die er im Gurfluss versenkt hatte, ja wieder an Land gekommen. Und sie hätten als echte Götter den Esel, der schuld an ihrer Zerstörung war, bestraft. Wenn die Götter sich nicht selbst helfen können, wie kann dann ein falscher Gott (19) »wohl einen Menschen retten oder eines Menschen Bittgebet erhören oder ihn belohnen«. Vater Therach kann nur mit Empörung reagieren, als ihm sein Sohn Abraham ketzerische Gedanken offenbart (20). Therachs »Götter« könnten niemanden segnen. Vielmehr sei doch er es, sein Vater Therach, der die Götter herstelle und segne und nicht umgekehrt!

In erstaunlicher Ausführlichkeit wird klargestellt, dass der junge Abraham die Glaubenswelt seines Vaters, des »Herrgottschnitzers« in der »Apokalypse des Abraham«, für unsinnigen Aberglauben hält. Die Kapitelüberschriften (21) »Abrahams Verspottung der Götzen« und »Der Götzen Nichtigkeit« verraten, dass Abraham nichts vom Glauben seines Vaters hält. Der junge Abraham zweifelt nicht, er lehnt die Religiosität seiner Umwelt vollkommen ab. Und diesem Abraham widerfährt ein faszinierendes Erlebnis, dessen Beschreibung besser in einen Science-Fiction Film als in einen apokryphen Text aus biblischen Zeiten passt!

Es kommt zu einer unheimlichen Begegnung. Zwei Fremde (oder »Fremdartige«?) besuchen Jung-Abraham. Einer redet ihn an. Ein Mensch ist es  nicht, der ihn anspricht. Das scheint Jung-Abraham sofort erkannt zu haben (22): »Als ich die Stimme hörte, die solche Worte sprach, sah ich bald hierhin und bald dorthin. Nicht eines Menschen Atem war’s.«

Fußnoten
(1) »Hamlet«, 1. Akt, 5. Szene. Originalzitat: »There are more things in heaven and earth, Horatio, than are dreamt of in your philosophy.«
(2) Däniken, Erich von: »Erinnerungen an die Zukunft«, S. 149, 7. Zeile von unten – Seite 150, 15. Zeile von oben
(3) Khuon, Ernst von: »Waren die Götter Astronauten«, Düsseldorf und Wien 1970
(4) »Plädoyer für eine unkonventionelle Erforschung unserer Vergangenheit«, Ebenda S.82-92
(5) Ebenda, S. 84, 3. Zeile von unten – Seite 85, 13. Zeile von oben
(6) Stuart, David und Stuart, George: »Palenque/ Eternal City of the Maya«, London 2008. (Titel in etwa: »Palenque/ Ewige Stadt der Maya«. Eine Übersetzung ins Deutsche liegt meines Wissens nicht vor.)
(7) Ebenda, Seite 173, 13.+12. Zeile von unten. Originalzitat: »Studied as a whole, the sarcophagus can be seen as a carefully composed model of the cosmos, with the sky (the lid) placed above the earth and its verdant realm (the coffin).« Übersetzung Walter-Jörg Langbein
(8) Rießler, Paul: »Altjüdisches Schrifttum außerhalb der Bibel übersetzt und erläutert von Paul Rießler«, Augsburg 1928
(9) Ebenda, »Das Leben Adams und Evas«, Seiten 668-681
(10) Ebenda, Seite 674, §25
(11) Ebenda, Seiten 138-155
(12) Ebenda, Seiten 150+151, §32 unten und §33 oben
(13) Ebenda, »Apokalypse des Abraham«, Seiten 13-39
(14) Ebenda, 1. Kapitel, 1
(15) Ebenda, 1. Kapitel,7+8
(16) Ebenda, 1. Kapitel, 12
(17) Ebenda, 2. Kapitel, 1-9
(18) Ebenda, 3. Kapitel (»Abrahams Bedenken«), 3+4
(19) Ebenda, 3. Kapitel, 8
(20) Ebenda, 4. Kapitel 3+5
(21) Ebenda, 5.+6. Kapitel
(22) Ebenda, Seite 20, 10. Kapitel,1+2

Zu den Fotos
Foto 1: Erich von Dänikens »Erinnerungen an die Zukunft«. Das Buchcover mit der Grabplatte von Palenque. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Die mysteriöse Grabplatte von Palenque. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Die Grabplatte von Palenque/ Ausschnitt. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Die Grabplatte von Palenque/ Ausschnitt. Foto Walter-Jörg Langbein

532. »Ich sehe in jener Höhe, die wir bestiegen, ein mächtig Licht«,
Teil 532 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 29. März 2020


Besuchen Sie auch unser Nachrichtenblog!

Sonntag, 1. März 2020

528. »Zehntausende von blitzenden Wagen hat Gott.«

Teil 528 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Kain...
von der Erde hinweggenommen....
Die Mordsgeschichte (1) im Telegrammstil: Adam und Eva haben zunächst zwei Söhne, Kain und Abel. Beide opfern ihre Gaben für Gott. Gott nimmt Abels Opfer an, das von Kain verschmäht er. Wütend ermordet Kain seinen Bruder. Die Strafe Gottes für Kain folgt. Gott spricht (2): »Und nun verflucht seist du auf der Erde, die ihr Maul hat aufgetan und deines Bruders Blut von deinen Händen empfangen. Wenn du den Acker bauen wirst, soll er dir hinfort sein Vermögen nicht geben. Unstet und flüchtig sollst du sein auf Erden.« Kain beklagt sich bitter (3): »Siehe, du treibst mich heute aus dem Lande, und ich muß mich vor deinem Angesicht verbergen und muß unstet und flüchtig sein auf Erden.« Von besonderem Interesse ist der Anfang von Vers 14. Vergleichen wir verschiedene Übersetzungen!

»Luther-Bibel« 1912: »Siehe, du treibst mich heute aus dem Lande.«
»Luther-Bibel« 2017: »Siehe, du treibst mich heute vom Acker.«
»Hoffnung für alle«: »Ach, Gott, du verstößt mich von dem Land.«
»Schlachter 2000«: »Siehe, du vertreibst mich heute vom Erdboden.«
»Zürcher Bibel«: »Sieh, du hast mich heute vom Ackerboden vertrieben.«
»Gute Nachricht Bibel«: »Du vertreibst mich vom fruchtbaren Land.«
»Elberfelder Bibel«: »Siehe, du hast mich heute von der Fläche des Ackerbodens vertrieben.«

Was genau geschieht nun mit Kain? Wird er aus dem Land geworfen? Oder wird er vom fruchtbaren Ackerland vertrieben? Im hebräischen Original steht אדמה , lies »'ădâmâh«. Das Wort kann »Land«, »Erdboden« und »Erde« bedeuten. In welcher Bedeutung wird »'ădâmâh« im konkreten Vers verwendet? Wenn es irgendwo eine klärende Antwort auf diese Frage gibt, dann ja wohl im Zohar. In diesem Werk, das eher eine Bibliothek als ein Buch ist, gibt es eine spannende Antwort (4): »Und siehe: Du hast mich vom Angesicht der Erde verbannt.« Vom »Angesicht der Erde«? Nach dem Zohar wurde Kain vom Angesicht der Erde hinweg genommen und nach »Arqa«, auf eine der sieben Planeten-Welten, gebracht!

Ich muss hier an die wahrhaft kosmische Reise erinnern, die Kain nach den »Legenden der Juden« absolviert hat: Nach den »Legenden der Juden« ermordete Kain seinen Bruder Abel auf dem Planeten »adamah«. Zur Strafe wurde er auf den Planeten »erez« verbannt. Erst als Kain Reue zeigte, brachte ihn Gott auf eine andere Welt. So kam er vom kosmischen »Alkatraz« auf Planet »arqa« (andere Schreibweise: »arka«).

Nach dem Zohar ist »Arqa« ein fremder Planet. Erzählt wird (5), dass Rabbi Chiya und Rabbi Yossi auf einer ihrer Reisen eine wundersame Begegnung mit einem Bewohner von »Arqa« hatten. Viele Jahre suchte ich im umfangreichen »Zohar« nach der geheimnisvollen Begegnung. Erich von Däniken gibt in seinem zweitem Weltbestseller »Zurück zu den Sternen/ Argumente für das Unmögliche« eine Konversation zwischen Menschen und einem Außerirdischen wieder (6): »Rabbi Yossé (Yossi) trat vor den Fremden und fragte ihn, von wo er denn sei. Der Fremde antwortete: ›Ich bin ein Bewohner Arqas.‹ « Der Rabbi reagierte überrascht und fragte nach (7): »›Es gibt also Lebewesen auf Arqa?‹ Der Fremde antwortete: ›Ja. Als ich Euch kommen sah, bin ich aus der Höhle gestiegen, um den Namen der Welt zu erfahren, auf der ich angekommen bin.‹«

Lange Zeit suchte ich nach dem Originaltext im »Zohar«, leider vergeblich. Schließlich begann ich eine intensive Recherche im Internet. Wieder sah es so aus, als würde meine Suche im sprichwörtlichen Sand verlaufen. Doch dann kam ein Kontakt mit Rabbi Mendel Adelman zustande. Rabbi Adelman wurde in Amherst, Massachusetts, geboren und wuchs dort auf.  Er studierte an den jüdische Hochschulen in New Haven, Connecticut, und Brooklyn, New York. Rabbi Adelman lebt in Atlanta, Georgia. Er publiziert zum Thema »jüdisches Recht« und hält viel beachtete Vorträge.

Rabbi Adelman erwies sich als sehr umgänglich, freundlich und hilfsbereit. So übersetzte er die entscheidenden Passagen aus dem Zohar (8) für mich. Rabbi Chiya und Rabbi Yossi vernahmen eine Stimme, die ihnen dringend davon abriet, einen bestimmten Weg einzuschlagen. Sie folgten den Anweisungen der Stimme und bestiegen schließlich einen Berg. Dort begegnete ihnen ein fremdartiges Wesen. Sie hielten inne und fragten dieses Wesen, woher es denn komme. 

Die Antwort lautete: Von Arqa. Erstaunt hakten Rabbi Chiya und Rabbi Yossi nach: »Leben dort Leute?« Das Wesen bejahte. Allerdings sähen die Bewohner von Arqa anders als die beiden Rabbis aus. Für die beiden Rabbis war die Begegnung mit dem Wesen von der Planeten-Welt Arqa etwas Wundersames, das sie aber durchaus akzeptieren konnten.

Ob sie, wie so manche Rabbis unserer Zeit, davon überzeugt waren, dass es im All unzählige Planeten-Welten gibt, auf denen die unterschiedlichsten Lebewesen beheimatet sind? Nach dem »Tikuney Zohar«, der fast vollständig in aramäischer Sprache verfasst wurde, gibt es »Sterne ohne Zahl und jeder Stern wird als separate Welt bezeichnet. Dies sind die Welten ohne Zahl«. Von 18.000 Welten ist die Rede, offenbar von belebten, bewohnten Planeten-Welten.

»Avodah Zarah« (zu Deutsch etwa »Götzendienst«) ist ein religiöses  Traktat aus dem Talmud, »Sefer Nezikin«) und behandelt religiöse Vorschriften für Juden, die unter Nichtjuden leben. Geregelt wird der Umgang mit nichtjüdischen »Götzendienern«.  Zu den »Nichtjuden«, so scheint es, werden auch die Bewohner fremder Planeten-Welten, sprich Außerirdische, gezählt. Für den Umgang mit Außerirdischen galten die gleichen Verhaltensregeln wie gegenüber nichtjüdischen Mitmenschen auf Planet Erde.

Gott bereist nach altem jüdischem Glauben weite Räume. Er fliegt zu sehr vielen Welten. So steht es im mysteriösen »Avodah Zarah«-Text (9). »Er reitet auf seinem leichten Engel und fliegt in achtzehntausend Welten.« Was mag mit Gottes »leichtem Engel« gemeint sein, auf dem er »reitet«?

Nach einem von mir konsultierten Rabbi beziffert »Avodah Zarah« die Zahl der »Wagen Gottes« auf insgesamt 20.000, von denen 2.000 »nicht präsent« seien. Soll damit zum Ausdruck gebracht werden, dass 2.000 dieser Wagen unterwegs zu fremden Planetenwelten waren? Wie dem auch sei: Es wird offensichtlich davon ausgegangen, dass Gott sehr viele fliegende Wagen zur Verfügung standen. Dazu passt ein Vers aus dem »Alten Testament«. Der 68. Psalm (nach griechischer Zählung der 67.) wird David zugeschrieben. Er gilt zumindest in seinem Grundbestand als einer der ältesten erhaltenen Psalmen. Zu finden ist er im zweiten Buch des Psalters. Im Lobpreis Gottes wird im Psalm (10) auf die Vielzahl seiner himmlischen Vehikel hingewiesen. Offensichtlich sind sich die diversen Übersetzer nicht einig, über wie viele fliegende Wagen Gott wohl verfügte. Allem Anschein nach weiß man nicht, wie denn die richtige Übersetzung lauten muss. Keinen Zweifel kann es aber daran geben, dass es tausende und abertausende Wagen waren. Ich habe eine ganze Reihe von Bibelübersetzungen konsultiert, die ich zur Diskussion stelle.

»Luther-Bibel 2017«: »Der Wagen Gottes sind vieltausendmal tausend.«
»Elberfelder«: »Der Wagen Gottes sind zehntausendmal Tausende.«
»Schlachter 2000«: » Gottes Wagen sind zehntausendmal zehntausend, tausende und Abertausende.«
»Zürcher Bibel«: »Die Wagen Gottes, vielmal tausend und abertausend.«
»Gute Nachricht Bibel«: » Zehntausende von blitzenden Wagen hat Gott, in ihrer Mitte der Herr selber, der Heilige in seiner Herrlichkeit.«
»Einheitsübersetzung 2016«: » Die Wagen Gottes sind zahllos, tausendmal tausend.«
»Neue Evangelistische Übersetzung«: »Zehntausende von blitzenden Wagen hat Gott.«
»English Standard Version« (11): »The chariots of God are twice ten thousand, thousands upon thousands.« (»Die Wagen Gottes sind zweimal zehntausend, tausende und abertausende.«)
»New International Version«: »The chariots of God are tens of thousands and thousands of thousands.« (»Die Wagen Gottes sind zehntausende und tausende von Tausenden.«)
»New International Readers Version«: »God has come with tens of thousands of his chariots. He has come with thousands and thousands of them.« (»Gott ist mit zehntausenden seiner Wagen gekommen. Er ist mit tausenden und abertausenden von ihnen gekommen.«)
»King James Version«: »The chariots of God are twenty thousand, even thousands of angels.« (»Die Wagen Gottes sind zwanzigtausend, sogar Tausende von Engeln.«)

Nur die »King James Version« bringt im Zusammenhang mit den Wagen Gottes »tausende Engel« ins Spiel. Reisen sie mit in Gottes Wagen? Kritiker werden einwenden, dass mit den »Wagen Gottes« keineswegs Flugvehikel, sondern höchst irdische, über Stock und Stein rumpelnde Wagen gemeint seien. Ich muss aber in Erinnerung rufen, dass laut »Avodah Zarah« Gott in achtzehntausend Welten fliegt. Mit erdgebundenen Wagen kann er das nicht bewerkstelligen.

Foto 2: Buchcover »Zurück zu den
Sternen« von
Erich von Däniken
Rabbi Hasdai ben Abraham Crescas (*um 1340 in Barcelona, Katalonien; † 1410/11 in Saragossa, Aragonien) gilt als einer der großen jüdischen Gelehrten. Er hat wohl eine ganze Reihe von Werken verfasst, von denen fast alle als verloren gelten müssen. Sein Hauptwerk »Or HaShem« über das »Licht des Herrn« bietet ein weites Spektrum theologischer Gedanken, aber auch Überlegungen zum Thema »außerirdisches Leben«. Rabbi Hasdai ben Abraham Crescas verweist auf die 18.000 Planeten-Welten, in die Gott nach dem  »Avodah Zarah« fliegt. Der Rabbi hielt es für ausgeschlossen, dass sich Gott mit unbewohnten Planeten-Welten abgibt. Zohar-Experte, Kabbalist und Physiker Aryeh Kaplan konstatierte seine dezidierten Ansichten über altjüdisches Schrifttum und die Frage nach der Existenz außerirdischen Lebens klar verständlich: »Die Grundvoraussetzung der Existenz außerirdischen Lebens wird vom Zohar nachdrücklich unterstützt.« Rabbi Kaplan wagte auch einen Blick in die Zukunft.

Für ihn ist es legitim, Aussagen des Zohar über das nahende messianische Zeitalter mit interstellarer Raumfahrt in Verbindung zu bringen. Sollen doch nach dem Zohar dereinst rechtschaffene Menschen von Planet Erde fremde Planetenwelten regieren (12). Das freilich würde interstellare Raumfahrt voraussetzen. Der Zohar, so argumentierte Rabbi Aryeh Kaplan, prognostiziert das Aufkommen der interplanetaren und der  interstellaren Raumfahrt und er liefert zumindest einen der Gründe, warum die Raumfahrt als Teil des Auftakts kommender Zeitalter unvermeidlich sein würde. Mit anderen Worten: Der Zohar weiß von den »Erinnerungen an die Zukunft«.

Fußnoten
(1) 1. Buch Mose, Kapitel 4, 1-16
(2) Ebenda, Verse 11 und 12
(3) Ebenda, Vers 14, in der Luther-Bibel von 1912 (Rechtschreibung wurde unverändert übernommen und nicht nach der Rechtschreibreform korrigiert.)
(4) »The Zohar: Pritzger Edition«, Band I, eBook-Ausgabe, Position 2610
(5) Zohar 1:157a
(6) Däniken, Erich von: »Zurück zu den Sternen/ Argumente für das Unmögliche«, Düsseldorf und Wien 1969, S. 239, 10.-7. Zeile von unten
(7) Ebenda, 5.-1. Zeile von unten
(8) E-Mail-Korrespondenz mit Rabbi Mendel Adelman vom 5., 6., 7. Und 11. Januar 2020.
(9) »Avoda Zara« 3b
(10) Psalm 68, Vers 18
(11) Die Übersetzung der Verse aus englischen Bibelausgaben ins Deutsche habe ich vorgenommen.
(12) »Sli'mos Rabbah« 52:3

Zu den Fotos
Foto 1: Kain... von der Erde hinweggenommen....Urschalling, Bayern. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Buchcover »Zurück zu den Sternen« von Erich von Däniken.

529. »Adam, Eva und das Gift Gottes«,
Teil 529 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 08. März 2020


Besuchen Sie auch unser Nachrichtenblog!

Sonntag, 2. Februar 2020

524. »Die sieben anderen Welten der Kabbala«

Teil 524 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Der Babylonische Talmud,
Titelblatt der Wilnaer Ausgabe
(1880-1886)
Seit Mitte der 1970-er Jahre habe ich mich mit jüdischem Geheimwissen beschäftigt. Während meines Studiums der evangelischen Theologie in Erlangen vergrub ich mich förmlich in den alten Texten des Zohar. Ich versuchte die Geheimnisse der Kabbala zu ergründen. Als ich den einen oder den anderen Professor der Theologie auf mein Interesse ansprach, stieß ich schnell auf wachsende Ablehnung. Ein Professor, im Fachbereich »Altes Testament« beheimatet, zeigte sich zunächst belustigt, dann erbost. Schließlich drohte er mir unverhohlen. Wenn ich mein Studium mit Aussicht auf Erfolg fortsetzen wolle, müsse ich auf »diesen Unsinn verzichten«.

In Nürnberg traf ich auf einen immer lächelnden alten Rabbi, der sich über mein Interesse am Zohar zu freuen schien. Er werde mir sehr gern bei meinem Studium des Zohar helfen. Ich möge aber zuerst verschiedene Übersetzungen des Zohar sorgsam lesen und auf mich wirken lassen. Nach »einigen Jahren« dürfe ich dann gern zu ihm zurück kommen. Dann werde er mir die Lektüre bestimmter Textpassagen ans Herz legen und hilfreiche Literatur zu diesen Texten empfehlen. Bei mir trat Ernüchterung ein. Ich hatte gehofft, so etwas wie einen Schlüssel zum Zohar zu erhalten, der mir den sofortigen Zugang zur Welt dieses geheimnisvollen Textes ermöglichen würde. Offensichtlich verbarg ich meine Enttäuschung nicht gut genug.

Der Rabbi versuchte noch, mir Mut zu machen. »Schauen sie mich an!«, forderte mich der weise Mann auf. »Ich beschäftige mich erst seit sechzig Jahren mit dem Zohar und verstehe schon einiges!« Ich resignierte. Den Zohar würde ich wohl nie wirklich begreifen. Aber ich konnte lesen, mich durch Berge von Zohar-Übersetzungen kämpfen und nach verborgenem Wissen suchen. Parallel dazu las ich im »Alten Testament«, in den »Legenden der Juden« und im Koran.

Bei meinen intensiven Textrecherchen dachte ich nicht an magische Rituale oder astrologische Weltbilder, auch nicht an vermeintlich göttliche Gebote über den Umgang mit Gläubigen und Ungläubigen, sondern – zum Beispiel – an fremde Planetenwelten fremder Sonnensysteme. 

Foto 2: Sefer Jezira
Nach dem Koran (1) schuf Allah sieben Welten und sieben Himmel. Die sieben Welten, von Gott erschaffen, finden sich auch in jüdischen Geheimlehren. Das »Sefer Jezira« (auch »Sefer Jetzira« und andere Varianten der Schreibweise) wird als »Buch der Schöpfung« oder »Buch der Formung« bezeichnet. Das Werk gilt als das älteste auf Hebräisch verfasste Buch der Kabbala. Franjo Terhart schreibt in seinem Buch »Kabbala« über »Sefer Jezira« (2): »Seinen Verfasser kennt man nicht. Es entstand etwa um die Mitte des 1. Jahrtausends in Palästina und liegt in zwei Fassungen vor, einer längeren und einer kürzeren. Es enthält grundlegende mystische Ideen. Um das Jahr 1000 wurde der Sefer Jezira häufiger kommentiert als jeder andere mystische Text – unter anderem, weil er vorgibt, bis auf Abraham zurückzugehen.«

Die heute bekannte lange Version umfasst etwa 2.500 Worte, die kurze nur 1.300 Worte. Yisrael Weinstock, einer der führenden Zohar-Experten der Welt, vermutet, dass die verschollene Originalversion vermutlich extrem kurz war. Sie bestand womöglich nur aus 240 Worten. Vergeblich habe ich nach der Ur-Version gesucht.

Ich kämpfte mich durch den »Jerusalemer Talmud«, der im 5. Jahrhundert schriftlich festgehalten worden sein soll. Ich arbeitete mich durch den noch umfangreicheren »Babylonischen Talmud«, der kurz nach dem »Jerusalemer Talmud« entstanden sein soll. Ich las und las, zum Beispiel die äußerst ausführlichen Abhandlungen über die Anwendung der Gesetzesvorschriften des »Alten Testaments« im Alltag. Ich studierte die Erklärungen der biblischen Vorschriften, so wie sie Rabbiner verstehen und interpretieren. Ja es gelang mir kurzzeitig Manuskripte einzusehen, die schließlich im gedruckten »Jerusalemer Talmud« verarbeitet wurden. In diesen Manuskripten wurde wiederholt »Sefer Yetzirah« erwähnt. Warum wurden diese Hinweise aber nicht in die gedruckte Ausgabe des »Jerusalemer Talmud« übernommen? Unklar ist, ob es sich bei diesem »Sefer Yetzirah« um »Sefer Je(t)zira« handelt.

Immer wieder konsultierte ich »meinen« Rabbi zunächst noch in Nürnberg, später in Göttingen und München. Nur selten erhielt ich konkrete Antworten. So teilte mir der gelehrte Mann mit, dass nach den Lehren der Kabbala Gott unzählige Sterne und unzählige Welten schuf. Viele dieser fremden »Erden« würden auf anderen Ebenen der Realität existieren, nicht wenige seien aber physische Himmelskörper wie unser Heimatplanet. Dort lebten, so der Rabbi, Wesen; die sich von uns Menschen sehr stark unterschieden.

Je gründlicher ich mich mit der Welt der mysteriösen alten jüdischen Überlieferungen beschäftigte, desto erstaunter war ich, wie wenig selbst die vermeintlich besten Interpreten verstanden. Was der eine Fachmann für ein simples Werk über die Schrift des alten Hebräischen war, das verstanden andere als magisches Werk, mit dessen Hilfe man Leben erzeugen konnte. Was einige für verklausulierte Vorschriften für ein gottgefälliges Leben hielten, das sahen andere als Entschlüsselung der hebräischen Buchstaben als geheime Zeichen für verborgene Botschaften.

Besonders intensiv interpretiert wird »Sefer Je(t)zira« schon seit Jahrhunderten. Handelt es sich bei dem geheimnisvollen Werk um einen philosophischen Text, um eine Abhandlung über Grammatik oder um einen Leitfaden für den Wanderer in spirituellen Welten? Geht es um Magie oder Meditation? Oder muss man »Sefer Je(t)zira« als »meditativen Text mit starken magischen Elementen« ansehen? Im Meer von zum Teil schwer oder selbst für den in Sachen Mythologie gut Informierten unverständlichen Texten versteckt tauchen immer wieder für uns seltsam klingende Namen von fremden Planeten-Welten auf.

Die Lang-Version des Sefer Jezira benennt, wie uns der Zohar-Experte Aryeh Kaplan mitteilt, sieben Planeten auf (3): »Adamah, Tevel, Nashiyah, Tzaya, Chalad, Eretz, Gai«. Aryeh Kaplan weiter: »Eine andere Quelle (4) gibt sie an als: Eretz, Adamah, Arkah, Gey, Tzaya, Nasya, Tevel. Eine weitere alte Quelle (5) listet auf Eretz, Adamah, Arka, Chariva, Yabasha, Tevel, Chalad.« Je gründlicher in den mysteriösen alten jüdischen Quellen nach diesen fremden Erden suchte, desto mehr entdeckte ich. In einem weiteren Manuskript des Sefer Jezira stieß ich auf eine weitere Auflistung der sieben Planetenwelten (6): »adama, arqa, tevel, neshija, zija, heled, erez«. Es tauchen verschiedene Listen mit den Namen der fremden Erden auf. Sie stimmen teilweise überein, sind aber nie wirklich identisch. Irritiert musste ich Verwirrendes feststellen: Es fällt auf, dass sich die Quellen uneins über die Namen der sieben fremden Planetenwelten sind.

Sie lassen aber keinen Zweifel an der Existenz fremder Planetenwelten im Universum aufkommen! Wer auch den Zohar verfasst haben mag, der war von der Existenz von anderen »Erden«, auf denen andere »Menschen« leb(t)en überzeugt. Meine intensiven Recherchen wurden belohnt. Offen gesagt: Ich suchte nach Fakten, nicht nach vieldeutiger Tiefgründigkeit und hatte Erfolg: Ich entdeckte nicht nur eindeutige Hinweise in den geheimen Schriften von Kabbala-Zohar, sondern sehr konkrete Angaben zu den Bewohnern jener fremden Welten. Im Lauf vieler Jahre notierte ich konkrete Angaben zu fremden Planeten auf Karteikarten und sortierte meine Entdeckungen. 

Bereits vor über einem halben Jahrhundert stellte Erich von Däniken (*1935) eine spannende Faktensammlung zusammen: Informationen zu fremden Planetenwelten in der geheimnisvollen Kabbala (7):

»Die sieben anderen Welten der Kabbala werden – bei wechselnden Bezeichnungen für die gleiche Sache – mit ihren Bewohnern sehr anschaulich beschrieben. Hier also Kabbala – Auszüge, die ich sinngemäß wiedergebe:
Die Bewohner der Welt von ›Geh‹ säen und pflanzen Bäume. Sie essen alles vom Baum, kennen aber keinen Weizen und keinerlei Getreide. Ihre Welt ist schattig, und es gibt viele große Tiere dort.
Die Bewohner der Welt von ›Nesziah‹ essen Sträucher und Pflanzen, die sie nicht säen müssen. Sie sind von kleinem Wuchs, und haben anstelle der Nasen nur zwei Löcher im Kopf, durch welche sie atmen. Sie sind sehr vergeßlich, und wissen bei einer Arbeit oft nicht, weshalb sie sie begonnen haben. Auf ihrer Welt sieht man eine rote Sonne.
Die Bewohner der Welt ›Tziah‹ müssen nicht essen, was andere Wesen essen. Sie suchen immer nach Wasseradern. Sie sind sehr schön von Angesicht, und haben mehr Glauben als alle anderen Wesen. Auf ihrer Welt gibt es große Reichtümer und viele schöne Bauwerke. Der Boden ist trocken, und man sieht zwei Sonnen.
Die Bewohner der Welt von ›Thebel‹ essen alles aus dem Wasser. Sie sind allen anderen Wesen überlegen, und ihre Welt ist in Zonen aufgeteilt, in denen sich die Bewohner durch Farbe und Gesichter unterscheiden. Sie machen ihre Toten wieder lebendig. Die Welt ist weit von der Sonne weg.
Die Bewohner der Welt von ›Erez‹ sind Nachfahren von Adam.
Die Bewohner von ›Adamah‹ sind auch die Nachfolger von Adam, weil Adam sich über die Trostlosigkeit auf ›Erez‹ beklagte. Sie bebauen die Erde und essen Pflanzen, Tiere und Brot. Sie sind meist traurig und bekriegen sich oft. Es gibt auf dieser Welt Tage, und die Gruppierungen der Gestirne sind sichtbar. Früher wurden sie oft von Bewohnern der Welt von ›Thebel‹ be-sucht, doch die Besucher wurden auf ›Adamah‹ von Gedächtnisschwäche befallen und wußten nicht mehr, woher sie kamen.
Die Bewohner der Welt von ›Arqa‹ säen und ernten. Ihre Gesichter sind verschieden von unseren Gesichtern. Sie besuchen alle Welten und sprechen alle Sprachen.«

Fußnoten
(1) Koran, Sure 65, 12
(2) Terhart, Franjo: »Kabbala/ Die jüdische Mystik«, Hannover 2007, S. 25, linke Spalte oben
(3) Kaplan Aryeh: »Sefer Yetzirah: The Book of Creation in Theory and Practice«, eBook, revidierte Fassung, 7. Auflage, San Francisco 1997, Seite 187, Position 3484. Hinweis: Das eBook führt den Planeten Chalad doppelt auf. Den offensichtlichen Fehler habe ich korrigiert.
(4) Ebenda, Fußnote 72: »VaYirka Rabbah 29:11, Pirkey Rabbi Eliezer 18 (43a), BaMidbar Rabbah 3:8. Cf. Raziel 15b (43), 36a (122)«
(5) Ebenda, Fußnote 73: »Otzar HaShem, ad loc., Avot Rabbi Nathan 37«
(6) Herrmann, Klaus (Herausgeber/ Übersetzer): »Sefer Jezira – Buch der Schöpfung«, Verlag der Weltreligionen im Insel Verlag, 1. Auflage 2008, Leipzig 2008. Hier wird als Quelle angegeben: »Sefer Jezira, Ms. Vatikan 299 §§ 43B«
(7) Däniken, Erich von: »Zurück zu den Sternen/ Argumente für das Unmögliche«, Düsseldorf 1969, 201.-250. Tausend, S. 236, 11. Zeile von unten – S. 238, 13. Zeile von unten. Die Rechtschreibung wurde unverändert übernommen und nicht der Rechtschreibreform angepasst.

Zu den Fotos
Foto 1: Der Babylonische Talmud, Titelblatt der Wilnaer Ausgabe (1880-1886). Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Sefer Jezira. Cover. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein

525. »Kain und der blinde Jäger«,
Teil 525 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 9. Februar 2020

Besuchen Sie auch unser Nachrichtenblog!

Labels

Walter-Jörg Langbein (656) Sylvia B. (105) Osterinsel (79) Tuna von Blumenstein (46) Peru (34) Karl May (27) Nan Madol (27) g.c.roth (27) Maria Magdalena (22) Jesus (21) Karl der Große (19) Make Make (19) Externsteine (18) Für Sie gelesen (18) Bibel (17) Der Tote im Zwillbrocker Venn (17) Rezension (17) der tiger am gelben fluss (17) Autoren und ihre Region (16) Apokalypse (15) Vimanas (15) Atlantis der Südsee (13) Der hässliche Zwilling (13) Weseke (13) Blauregenmord (12) Nasca (12) Palenque (12) meniere desaster (12) Krimi (11) Pyramiden (11) Malta (10) Serie Teil meniere (10) Ägypten (10) Forentroll (9) Mexico (9) National Geographic (9) Straße der Toten (9) Lügde (8) Briefe an Lieschen (7) Monstermauern (7) Sphinx (7) Tempel der Inschriften (7) Winnetou (7) Lyrik (6) Marlies Bugmann (6) Mord (6) Märchen (6) altes Ägypten (6) 2012 - Endzeit und Neuanfang (5) Atahualpa (5) Hexenhausgeflüster (5) Mexico City (5) Mord in Genf (5) Satire (5) Thriller (5) Atacama Wüste (4) Cheopspyramide (4) Dan Brown (4) Ephraim Kishon (4) Hexenhausgeflüster- Sylvia B. (4) Leonardo da Vinci (4) Machu Picchu (4) Sacsayhuaman (4) Teutoburger Wald (4) große Pyramide (4) Meniere (3) Mondpyramide (3) Mord im ostfriesischen Hammrich (3) Mysterien (3) Sakrileg (3) Shakespeare (3) Bevor die Sintflut kam (2) Das Sakrileg und die heiligen Frauen (2) Friedhofsgeschichten (2) Goethe (2) Lexikon der biblischen Irrtümer (2) Markus Lanz (2) Münsterland-Krimi (2) Vincent van Gogh (2) Alphabet (1) Bestatten mein Name ist Tod (1) Hexen (1) Lyrichs Briefe an Lieschen (1) Lyrichs Briefe an Lieschen Hexenhausgeflüster (1) Mord Ostfriesland (1) Mord und Totschlag (1) Münsterland (1) einmaleins lernen (1) meniére desaster (1)