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Sonntag, 20. September 2020

557. »Frankensteins Monster und der Golem«

Teil 557 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein



»Ich selber begegnete dem ›Golem‹
das erste Mal in meinem Leben
vor ungefähr dreiunddreißig Jahren.« (1)

Fotos 1 und 2:
Das »Frankenstein-Monster«.
Charles Stanton Ogle (oben)
und Boris Karloff (unten).
Wir schreiben das Jahr 1818. Am 1. Januar erscheint der Roman »Frankenstein or The Modern Prometheus« (»Frankenstein oder Der moderne Prometheus«) anonym. Verfasst hat Mary Shelley(*1797; †1851)die mysteriös-unheimliche Geschichte des jungen Schweizers Viktor Frankenstein. Der Schauerroman gilt als einer der bedeutendsten britischen Romane überhaupt.

Wir schreiben das Jahr 1910. »Frankenstein« wird von den »Edison Studios« verfilmt. Regie führte J. Searle Dawley (*1877; †1949). Charles Stanton Ogle überzeugte als wahrhaft monströse Kreatur aus dem »Labor« Baron Frankensteins. Der Stummfilm galt lange Zeit als verschollen. Bekannt waren zunächst nur wenige Standfotos des Monsters aus dem »Edison-Katalog« und eine knappe Handlungsbeschreibung. In den 1950er Jahren erwarb ein US-amerikanischer Filmsammler eine Kopie des Films, ohne auch nur zu ahnen, welchen filmischen Schatz er erstanden hatte. Erst Mitte der 1970er Jahre wurde die Existenz des Films bekannt. Fast drei Jahrzehnte mussten noch vergehen, bis der Film allgemein verfügbar wurde.

Wir schreiben das Jahr 1914. Henrik Galeen (eigentlich Heinrich Wiesenberg, *1881; †1949) dreht für die »Deutsche Bioscop GmbH Berlin«) den Stummfilm »Der Golem«. Regie führt neben Heinrich Galeen Paul Wegener. Für das Drehbuch zeichnen Paul Wegener und Heinrich Galeen verantwortlich. Paul Wegener agiert auch vor der Kamera: als Golem. Der Film gilt als verschollen. Nur sehr kurze Sequenzen wurden gerettet.

Wir schreiben das Jahr 1915. Die anfängliche Begeisterung der siegestrunkenen deutschen Soldaten weicht nach und nach der Ernüchterung. Der »Erste Weltkrieg« wird immer mörderischer. Das grausame Gemetzel fordert immer mehr Tote. U-Boote sollen die Entscheidung bringen, aber der Krieg weitet sich nur aus.

Im zweiten Kriegsjahr erscheint in einer billigen Feldausgabe, die unter deutschen Soldaten verbreitet wird, der Roman »Der Golem« von Gustav Meyrink (*1868; †1932). Die Erstauflage – immerhin 100.000 Exemplare stark – ist rasch vergriffen. Gustav Meyrink wird zum allseits bekannten Bestsellerautor. Heute gilt »Der Golem« als Klassiker der phantastischen Literatur.

Foto 3: Originalausgabe von
Meyrinks Golem (1915).
Wir schreiben das Jahr 1917. Auf blutigen Schlachtfeldern wird immer noch gestorben. Der Enthusiasmus der Kriegsfreiwilligen ist geschwunden. Paul Wegener schlüpft ein zweites Mal in die Rolle des Golems. Und wieder stammt das Drehbuch von ihm, wieder führt er Regie. »Der Golem und die Tänzerin« ist freilich weniger gruselig als humoriger Filmspaß.

Wir schreiben das Jahr 1920. Zwei Jahre nach Kriegsende ist der Frieden noch nicht eingekehrt. Der Versailler Friedensvertrag wir von vielen Deutschen als unerträgliche Schmach empfunden. Die NSDAP wird gegründet.

Im Kino läuft der bekannteste »Golem«-Streifen der Reihe an: »Der Golem, wie er in die Welt kam«. Der Stummfilmklassiker, ein expressionistischer deutscher Film von Paul Wegener und Carl Boese, basiert auf dem Sagenkreis um den legendären Prager Rabbiner Judah Löw. Der dritte »Golem«-Film erzählt die Vorgeschichte des ersten.

Wir schreiben das Jahr 1931. Der erste Tonfilm nach dem Roman »Frankenstein« kommt in die Kinos. Der Schwarzweißfilm mit Boris Karloff (*1887; †1969) als »Monster« in der Titelrolle hat wenig mit Shelleys Roman zu tun. Er basiert in erster Linie auf dem Bühnenstück von Peggy Webling. Nur einige Motive aus Shelleys Roman tauchen im Film auf. Die Kreatur machte Boris Karloff, eigentlich William Henry Pratt, weltberühmt. Im Roman wie in Bühnenstück und im Film geht es um die Erschaffung von Leben.

Im »Jüdischen Museum«, Berlin, wurde mir bewusst, wie präsent der Golem auch noch im 21. Jahrhundert ist. »Der Golem lebt« wurde in einem eigenen Ausstellungsraum thematisiert. Die Ausstellung war mehr als einen Besuch wert. So zahlreich waren die Ausstellungsstücke, dass man mehrere Tage im Museum hätte verbringen können. Unbedingt ist der Katalog zur Ausstellung (2) zu empfehlen.

Der Golem und eine zweite Kreatur aus der Literatur wurden zu Ikonen der Horrorfilme: Das »Frankenstein-Monster« und die »Golem-Kreatur« stehen für den uralten menschlichen Traum, wie Gott zu werden und selbst Leben zu schaffen. Der erste Schöpfer eines »Golems« indes war Gott selbst. Im Schöpfungsbericht des »Alten Testaments« heißt es kurz und bündig (3): »Da machte Gott der HERR den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.«

Wie die Ausführungen des »Alten Testaments« schon früh von den Rabbinern verstanden und erklärt wurden, das wurde im »Talmud« zusammengefasst. Der »Jerusalemer Talmud« entstand um 400 n.Chr., der »Babylonische Talmud« (4) etwa 200 Jahre später. In gedruckter Form erschien der »Babylonische Talmud« erstmals erst anno 1523 in der Druckerei von Daniel Bomberg. Daniel Bomberg war Christ und arbeitete 1516 bis 1539 in Venedig.

Foto 4: Meyrinks Roman »Golem« von 1915.

Im Talmud erfahren wir höchst Erstaunliches über die Erschaffung des Golem namens Adam. »Adam und Eva in Judentum, Christentum und Islam« fasst die Fülle an Informationen kurz und bündig zusammen (5): »Der erste Adam war von einer vollkommenen Schönheit und überragte mit seiner Weisheit alle anderen Geschöpfe, sogar die Engel.« Der erste Adam wird als Riese von unvorstellbarer Größe beschrieben. Wie im knappen Vers im 1. Buch Mose wird Adam aus »Staub« erschaffen, allerdings stammt nach dem Talmud die tote Materie, aus der Gott den lebenden Adam erschaffen hat, »aus allen Teilen der Erde« (6): »Sein Oberkörper bestand aus Staub aus Babylonien, sein Kopf aus Staub aus Eretz Israel, dem wichtigsten Land, und seine Glieder aus Staub aus dem Rest der Welt. In Bezug auf sein Gesäß sagt Rav Aḥa: Sie wurden aus Staub hergestellt, der Akra De'agma am Stadtrand von Babylonien entnommen wurde.«

Und weiter heißt es (7): »Rabbi Yoḥanan Bar Ḥanina sagt: Der Tag ist zwölf Stunden lang, und der Tag, an dem Adam, der erste Mann, erschaffen wurde, wurde wie folgt aufgeteilt: In der ersten Stunde des Tages wurde sein Staub gesammelt. In der zweiten wurde eine undefinierte Figur geformt. Im dritten wurden seine Glieder gestreckt. In der vierten Stunde wurde eine Seele in ihn geworfen. In der fünften stand er auf seinen Beinen. In der sechsten nannte er die Kreaturen bei den Namen, die er ihnen gab. In der siebten Stunde wurde Eva mit ihm gepaart. In der achten stiegen sie empor ins Bett als zwei und als vier stiegen sie wieder herab, das heißt Kain und Abel wurden sofort geboren. In der neunten Stunde wurde ihm (Adam) befohlen, nicht vom Baum der Erkenntnis zu essen. Im der zehnten Stunde sündigte er. In der elften wurde er gerichtet. In der zwölften Stunde wurde er vertrieben und verließ den Garten Eden, wie es heißt: ›Aber der Mensch bleibt nicht zu Ehren. Er ist wie die Tiere, die umkommen.‹«

Nach der Genesis formte Gott Adam aus toter Materie (Staub, Erde) und hauchte ihm den göttlichen Atem ein. Nach der talmudischen Legende wurde Adam als »Golem« aus toter Materie kreiert, die aus allen Regionen der Erde stammte.

Der Begriff »Golem« (hebräische Schreibwiese: גולם golem) kann auf mannigfaltige Weise übersetzt werden. »Golem« steht auch für »formlose Masse« und »ungeschlachter Mensch«.

Foto 5: Meine Eintrittskarte
für die »Golem«-Ausstellung.
Wir schreiben das Jahr 2017. 27. Januar, 11:34. Ich löse meine Eintrittskarte für die Ausstellung »Golem« im »Jüdischen Museum«, Berlin (8). Buslinie 248 hat mich pünktlich ans Ziel gebracht. Mein Besuch in der Ausstellung »Golem« glich einer fantastischen Reise in die mystische Vergangenheit und in die fantastische Zukunft.

Was ist ein »Golem«? Ein »Golem« ist eine Kreatur, erschaffen aus toter Materie. Mit rituellen Beschwörungen und magischen hebräischen Buchstabenkombinationen wird das Leblose zum Leben erweckt. Wie in Goethes »Zauberlehrling« (*1749; †1832) wird Totes lebendig gemacht und soll dem Menschen dienen. Schon das »Monster«, kreiert vom Schweizer Viktor Frankenstein zu Ingolstadt, war so ein »Golem«, mit magischer »Wissenschaft« belebte abgestorbene Materie.

Wie aber wird tote Materie lebendig? Die Anhänger der drei großen monotheistischen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam glauben an göttliches Schaffen, die der Ersatzreligion Darwinismus an den puren Zufall und Jünger der Kabbala an Magie. Kurioser Weise ist die »magische« (9) Erklärung erstaunlich zukunftsweisend!



Fußnoten
(1) Meyrink, Gustav: »Der Golem«, Kapitel »Punsch«, Leipzig 1915, Kapitel »Punsch«, Seite 55, 2. und 1. Zeile von unten
(2) Bilski, Emily D. und Lüdicke, Martina (Herausgeberinnen): »Golem«, Bielefeld und Bernlin 2016, 184 Seiten mit 100 farbigen Abbildungen
(3) 1. Buch Mose Kapitel 2, Vers 7 (»Lutherbibel 2017«)
(4) »Der Babylonische Talmud«, erste vollständige und zensurfreie Übersetzung ins Deutsche von Lazarus Goldschmidt, zwölf Bände, Erstpublikation im »Jüdischen Verlag«, Berlin 1930-36, Neuauflage im »Jüdischen Verlag«, Frankfurt 2002.
(5) Böttrich, Christfried und Ego, Beate und Eißler, Friedmann: »Adam und Eva in Judentum, Christentum und Islam«, Göttingen 2011, Seite 61
(6) »The William Davidson Talmud Sanhedrin« 38b סנהדרין ל״ח ב, aus dem Englischen übersetzt von Walter-Jörg Langbein. Zitat im englischen Original:
»His torso was fashioned from dust taken from Babylonia, and his head was fashioned from dust taken from Eretz Yisrael, the most important land, and his limbs were fashioned from dust taken from the rest of the lands in the world. With regard to his buttocks, Rav Aḥa says: They were fashioned from dust taken from Akra De’agma, on the outskirts of Babylonia.«
(7) Ebenda. Aus dem Englischen übersetzt von Walter-Jörg Langbein
(8) Jüdisches Museum Berlin, Lindenstraße 9-14, 10969 Berlin, Tel.: 030-25993300. Die Ausstellung ist bereits beendet.
(9) Bitte beachten... »magische«, nicht magische!



Zu den Fotos
Fotos 1 und 2: Das »Frankenstein-Monster«. Charles Stanton Ogle (oben) und Boris Karloff. Wiki commons/ gemeinfrei
Foto 3: Originalausgabe von Meyrinks Golem (1915). Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Meyrinks Roman »Golem« von 1915. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Meine Eintrittskarte für die »Golem«-Ausstellung. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein


558. »Golem 2120«
Teil 558 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 27. September 2020



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Sonntag, 2. Februar 2020

524. »Die sieben anderen Welten der Kabbala«

Teil 524 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Der Babylonische Talmud,
Titelblatt der Wilnaer Ausgabe
(1880-1886)
Seit Mitte der 1970-er Jahre habe ich mich mit jüdischem Geheimwissen beschäftigt. Während meines Studiums der evangelischen Theologie in Erlangen vergrub ich mich förmlich in den alten Texten des Zohar. Ich versuchte die Geheimnisse der Kabbala zu ergründen. Als ich den einen oder den anderen Professor der Theologie auf mein Interesse ansprach, stieß ich schnell auf wachsende Ablehnung. Ein Professor, im Fachbereich »Altes Testament« beheimatet, zeigte sich zunächst belustigt, dann erbost. Schließlich drohte er mir unverhohlen. Wenn ich mein Studium mit Aussicht auf Erfolg fortsetzen wolle, müsse ich auf »diesen Unsinn verzichten«.

In Nürnberg traf ich auf einen immer lächelnden alten Rabbi, der sich über mein Interesse am Zohar zu freuen schien. Er werde mir sehr gern bei meinem Studium des Zohar helfen. Ich möge aber zuerst verschiedene Übersetzungen des Zohar sorgsam lesen und auf mich wirken lassen. Nach »einigen Jahren« dürfe ich dann gern zu ihm zurück kommen. Dann werde er mir die Lektüre bestimmter Textpassagen ans Herz legen und hilfreiche Literatur zu diesen Texten empfehlen. Bei mir trat Ernüchterung ein. Ich hatte gehofft, so etwas wie einen Schlüssel zum Zohar zu erhalten, der mir den sofortigen Zugang zur Welt dieses geheimnisvollen Textes ermöglichen würde. Offensichtlich verbarg ich meine Enttäuschung nicht gut genug.

Der Rabbi versuchte noch, mir Mut zu machen. »Schauen sie mich an!«, forderte mich der weise Mann auf. »Ich beschäftige mich erst seit sechzig Jahren mit dem Zohar und verstehe schon einiges!« Ich resignierte. Den Zohar würde ich wohl nie wirklich begreifen. Aber ich konnte lesen, mich durch Berge von Zohar-Übersetzungen kämpfen und nach verborgenem Wissen suchen. Parallel dazu las ich im »Alten Testament«, in den »Legenden der Juden« und im Koran.

Bei meinen intensiven Textrecherchen dachte ich nicht an magische Rituale oder astrologische Weltbilder, auch nicht an vermeintlich göttliche Gebote über den Umgang mit Gläubigen und Ungläubigen, sondern – zum Beispiel – an fremde Planetenwelten fremder Sonnensysteme. 

Foto 2: Sefer Jezira
Nach dem Koran (1) schuf Allah sieben Welten und sieben Himmel. Die sieben Welten, von Gott erschaffen, finden sich auch in jüdischen Geheimlehren. Das »Sefer Jezira« (auch »Sefer Jetzira« und andere Varianten der Schreibweise) wird als »Buch der Schöpfung« oder »Buch der Formung« bezeichnet. Das Werk gilt als das älteste auf Hebräisch verfasste Buch der Kabbala. Franjo Terhart schreibt in seinem Buch »Kabbala« über »Sefer Jezira« (2): »Seinen Verfasser kennt man nicht. Es entstand etwa um die Mitte des 1. Jahrtausends in Palästina und liegt in zwei Fassungen vor, einer längeren und einer kürzeren. Es enthält grundlegende mystische Ideen. Um das Jahr 1000 wurde der Sefer Jezira häufiger kommentiert als jeder andere mystische Text – unter anderem, weil er vorgibt, bis auf Abraham zurückzugehen.«

Die heute bekannte lange Version umfasst etwa 2.500 Worte, die kurze nur 1.300 Worte. Yisrael Weinstock, einer der führenden Zohar-Experten der Welt, vermutet, dass die verschollene Originalversion vermutlich extrem kurz war. Sie bestand womöglich nur aus 240 Worten. Vergeblich habe ich nach der Ur-Version gesucht.

Ich kämpfte mich durch den »Jerusalemer Talmud«, der im 5. Jahrhundert schriftlich festgehalten worden sein soll. Ich arbeitete mich durch den noch umfangreicheren »Babylonischen Talmud«, der kurz nach dem »Jerusalemer Talmud« entstanden sein soll. Ich las und las, zum Beispiel die äußerst ausführlichen Abhandlungen über die Anwendung der Gesetzesvorschriften des »Alten Testaments« im Alltag. Ich studierte die Erklärungen der biblischen Vorschriften, so wie sie Rabbiner verstehen und interpretieren. Ja es gelang mir kurzzeitig Manuskripte einzusehen, die schließlich im gedruckten »Jerusalemer Talmud« verarbeitet wurden. In diesen Manuskripten wurde wiederholt »Sefer Yetzirah« erwähnt. Warum wurden diese Hinweise aber nicht in die gedruckte Ausgabe des »Jerusalemer Talmud« übernommen? Unklar ist, ob es sich bei diesem »Sefer Yetzirah« um »Sefer Je(t)zira« handelt.

Immer wieder konsultierte ich »meinen« Rabbi zunächst noch in Nürnberg, später in Göttingen und München. Nur selten erhielt ich konkrete Antworten. So teilte mir der gelehrte Mann mit, dass nach den Lehren der Kabbala Gott unzählige Sterne und unzählige Welten schuf. Viele dieser fremden »Erden« würden auf anderen Ebenen der Realität existieren, nicht wenige seien aber physische Himmelskörper wie unser Heimatplanet. Dort lebten, so der Rabbi, Wesen; die sich von uns Menschen sehr stark unterschieden.

Je gründlicher ich mich mit der Welt der mysteriösen alten jüdischen Überlieferungen beschäftigte, desto erstaunter war ich, wie wenig selbst die vermeintlich besten Interpreten verstanden. Was der eine Fachmann für ein simples Werk über die Schrift des alten Hebräischen war, das verstanden andere als magisches Werk, mit dessen Hilfe man Leben erzeugen konnte. Was einige für verklausulierte Vorschriften für ein gottgefälliges Leben hielten, das sahen andere als Entschlüsselung der hebräischen Buchstaben als geheime Zeichen für verborgene Botschaften.

Besonders intensiv interpretiert wird »Sefer Je(t)zira« schon seit Jahrhunderten. Handelt es sich bei dem geheimnisvollen Werk um einen philosophischen Text, um eine Abhandlung über Grammatik oder um einen Leitfaden für den Wanderer in spirituellen Welten? Geht es um Magie oder Meditation? Oder muss man »Sefer Je(t)zira« als »meditativen Text mit starken magischen Elementen« ansehen? Im Meer von zum Teil schwer oder selbst für den in Sachen Mythologie gut Informierten unverständlichen Texten versteckt tauchen immer wieder für uns seltsam klingende Namen von fremden Planeten-Welten auf.

Die Lang-Version des Sefer Jezira benennt, wie uns der Zohar-Experte Aryeh Kaplan mitteilt, sieben Planeten auf (3): »Adamah, Tevel, Nashiyah, Tzaya, Chalad, Eretz, Gai«. Aryeh Kaplan weiter: »Eine andere Quelle (4) gibt sie an als: Eretz, Adamah, Arkah, Gey, Tzaya, Nasya, Tevel. Eine weitere alte Quelle (5) listet auf Eretz, Adamah, Arka, Chariva, Yabasha, Tevel, Chalad.« Je gründlicher in den mysteriösen alten jüdischen Quellen nach diesen fremden Erden suchte, desto mehr entdeckte ich. In einem weiteren Manuskript des Sefer Jezira stieß ich auf eine weitere Auflistung der sieben Planetenwelten (6): »adama, arqa, tevel, neshija, zija, heled, erez«. Es tauchen verschiedene Listen mit den Namen der fremden Erden auf. Sie stimmen teilweise überein, sind aber nie wirklich identisch. Irritiert musste ich Verwirrendes feststellen: Es fällt auf, dass sich die Quellen uneins über die Namen der sieben fremden Planetenwelten sind.

Sie lassen aber keinen Zweifel an der Existenz fremder Planetenwelten im Universum aufkommen! Wer auch den Zohar verfasst haben mag, der war von der Existenz von anderen »Erden«, auf denen andere »Menschen« leb(t)en überzeugt. Meine intensiven Recherchen wurden belohnt. Offen gesagt: Ich suchte nach Fakten, nicht nach vieldeutiger Tiefgründigkeit und hatte Erfolg: Ich entdeckte nicht nur eindeutige Hinweise in den geheimen Schriften von Kabbala-Zohar, sondern sehr konkrete Angaben zu den Bewohnern jener fremden Welten. Im Lauf vieler Jahre notierte ich konkrete Angaben zu fremden Planeten auf Karteikarten und sortierte meine Entdeckungen. 

Bereits vor über einem halben Jahrhundert stellte Erich von Däniken (*1935) eine spannende Faktensammlung zusammen: Informationen zu fremden Planetenwelten in der geheimnisvollen Kabbala (7):

»Die sieben anderen Welten der Kabbala werden – bei wechselnden Bezeichnungen für die gleiche Sache – mit ihren Bewohnern sehr anschaulich beschrieben. Hier also Kabbala – Auszüge, die ich sinngemäß wiedergebe:
Die Bewohner der Welt von ›Geh‹ säen und pflanzen Bäume. Sie essen alles vom Baum, kennen aber keinen Weizen und keinerlei Getreide. Ihre Welt ist schattig, und es gibt viele große Tiere dort.
Die Bewohner der Welt von ›Nesziah‹ essen Sträucher und Pflanzen, die sie nicht säen müssen. Sie sind von kleinem Wuchs, und haben anstelle der Nasen nur zwei Löcher im Kopf, durch welche sie atmen. Sie sind sehr vergeßlich, und wissen bei einer Arbeit oft nicht, weshalb sie sie begonnen haben. Auf ihrer Welt sieht man eine rote Sonne.
Die Bewohner der Welt ›Tziah‹ müssen nicht essen, was andere Wesen essen. Sie suchen immer nach Wasseradern. Sie sind sehr schön von Angesicht, und haben mehr Glauben als alle anderen Wesen. Auf ihrer Welt gibt es große Reichtümer und viele schöne Bauwerke. Der Boden ist trocken, und man sieht zwei Sonnen.
Die Bewohner der Welt von ›Thebel‹ essen alles aus dem Wasser. Sie sind allen anderen Wesen überlegen, und ihre Welt ist in Zonen aufgeteilt, in denen sich die Bewohner durch Farbe und Gesichter unterscheiden. Sie machen ihre Toten wieder lebendig. Die Welt ist weit von der Sonne weg.
Die Bewohner der Welt von ›Erez‹ sind Nachfahren von Adam.
Die Bewohner von ›Adamah‹ sind auch die Nachfolger von Adam, weil Adam sich über die Trostlosigkeit auf ›Erez‹ beklagte. Sie bebauen die Erde und essen Pflanzen, Tiere und Brot. Sie sind meist traurig und bekriegen sich oft. Es gibt auf dieser Welt Tage, und die Gruppierungen der Gestirne sind sichtbar. Früher wurden sie oft von Bewohnern der Welt von ›Thebel‹ be-sucht, doch die Besucher wurden auf ›Adamah‹ von Gedächtnisschwäche befallen und wußten nicht mehr, woher sie kamen.
Die Bewohner der Welt von ›Arqa‹ säen und ernten. Ihre Gesichter sind verschieden von unseren Gesichtern. Sie besuchen alle Welten und sprechen alle Sprachen.«

Fußnoten
(1) Koran, Sure 65, 12
(2) Terhart, Franjo: »Kabbala/ Die jüdische Mystik«, Hannover 2007, S. 25, linke Spalte oben
(3) Kaplan Aryeh: »Sefer Yetzirah: The Book of Creation in Theory and Practice«, eBook, revidierte Fassung, 7. Auflage, San Francisco 1997, Seite 187, Position 3484. Hinweis: Das eBook führt den Planeten Chalad doppelt auf. Den offensichtlichen Fehler habe ich korrigiert.
(4) Ebenda, Fußnote 72: »VaYirka Rabbah 29:11, Pirkey Rabbi Eliezer 18 (43a), BaMidbar Rabbah 3:8. Cf. Raziel 15b (43), 36a (122)«
(5) Ebenda, Fußnote 73: »Otzar HaShem, ad loc., Avot Rabbi Nathan 37«
(6) Herrmann, Klaus (Herausgeber/ Übersetzer): »Sefer Jezira – Buch der Schöpfung«, Verlag der Weltreligionen im Insel Verlag, 1. Auflage 2008, Leipzig 2008. Hier wird als Quelle angegeben: »Sefer Jezira, Ms. Vatikan 299 §§ 43B«
(7) Däniken, Erich von: »Zurück zu den Sternen/ Argumente für das Unmögliche«, Düsseldorf 1969, 201.-250. Tausend, S. 236, 11. Zeile von unten – S. 238, 13. Zeile von unten. Die Rechtschreibung wurde unverändert übernommen und nicht der Rechtschreibreform angepasst.

Zu den Fotos
Foto 1: Der Babylonische Talmud, Titelblatt der Wilnaer Ausgabe (1880-1886). Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Sefer Jezira. Cover. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein

525. »Kain und der blinde Jäger«,
Teil 525 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 9. Februar 2020

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