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Sonntag, 17. Januar 2016

313 »Dicke Steine«

Teil 313 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Jürgen Huthmann im Gespräch mit Dieter Bremer


In Memoriam
Jürgen Huthmann
6. Oktober 1937 – 11. Januar 2016


Foto 2:  Mauerwerk....Foto Carola Gronemann-Habenicht

Am 17. Januar 2010 – also auf den Tag genau vor sechs Jahren – erschien Teil 1 meiner Serie »Monstermauern, Mumien und Mysterien«: »Kuelap, eine geheimnisvolle Metropole der Chachapoyas«. Sechs Jahre läuft nun »Monstermauern, Mumien und Mysterien«, Sonntag für Sonntag. 312 Folgen sind erschienen.

Wie viele Fotos mögen im Rahmen der Serie publik gemacht worden sein? Ich schätze vorsichtig:1500 Fotos. Und wie umfangreich mag das Manuskript sein, das da Sonntag für Sonnag bei »Ein Buch lesen« eingesehen werden konnte? Vorsichtig geschätzt: 1500 Seiten!

Sechs Jahre »Monstermauern, Mumien und Mysterien«… Ich schreibe gerade an Folge 313. Ursprünglich sollte es nur zehn Folgen geben, dann peilte ich 100 an. Ich denke an den Sommer 2010 zurück… Heftige Leibschmerzen peinigten mich, wurden immer schlimmer. In der Nacht wurde es unerträglich. »Du musst ins Krankenhaus…«, meine meine besorgte Frau. Da fiel mir ein, dass ich die Serienfolge für den kommenden Sonntag noch nicht fertig geschrieben hatte. Also ging ich, wankte ich in mein Büro, ließ den Rechner hochfahren. Die Schmerzen wurden schlimmer.

Foto 3: »Inkamauer auf der Osterinsel«
Meine Frau wählte »112«, schilderte meine Qualen. Ich schrieb weiter. Als schließlich zwei Sanitäter an der Haustür klingelten, war ich mit dem Text gerade fertig. Ich mailte Text und Fotos an meine Kollegin Ursula Prem. »Wer ist hier der Patient?«, fragte einer der Sanitäter. »Das bin ich…«, rief ich, immer noch am Rechner sitzend. Die beiden Sanitäter waren, gelinde gesagt, fassungslos. »Wenn Sie am PC arbeiten können, kann es ja so schlimm nicht sein!«, meinte einer. Ich gab kleinlaut zu: »Ich glaube, der Schmerz lässt nach… Vielleicht hat ja die Ablenkung geholfen, musste mich ja auf das Schreiben konzentrieren…«

Schließlich einigten wir uns darauf, dass ich darauf verzichte, ins Krankenhaus geschafft zu werden. Ich fürchte, die beiden Sanitäter konnten mein Verhalten nicht verstehen. Sie dachten wohl an »blinden Alarm«. Dabei wollte ich nur – dem schlimmen Schmerz zum Trotz – nur eine Unterbrechung meiner Serie vermeiden.

Es kam auch nicht zu einer Unterbrechung. Am 29. August 2010 erschien dann Folge 33 meiner Sonntagsserie, betitelt »In der unvollendeten Grabkammer – Teil I«. Ich aber landete dann doch noch in der Nacht im »St. Ansgar Krankenhaus« zu Höxter… Gallenkolik, Gallensteine… Operation. Ich muss zugeben: Gallensteine hatte ich schon seit Jahren, sie meldeten sich immer wieder mit wachsender Schmerzhaftigkeit. Jetzt wurde ich operiert, wurde Gallenblase nebst dicken Steinen los. Die Serie, damals noch in den sprichwörtlichen »Kinderschuhen«, lief weiter, ohne Unterbrechung! Vor dem »St. Ansgar Krankenhaus«, Höxter, steht ein Kunstwerk, geschaffen von Wladimir Zlatkov: ein Engel (Fotos 3 und 13).

Foto 4: Engel vor dem Krankenhaus
Sechs Jahre »Monstermauern, Mumien und Mysterien« sind auch so etwas wie ein Spiegelbild meiner Reisen, die ich unternommen habe, um für meine Bücher vor Ort zu recherchieren. Wenn ich zurückdenke, so drängt sich mir eine Beobachtung auf, die ich im Lauf der vielen Jahre immer gemacht habe. Weltweit, so scheint es, hatten unsere Vorfahren weltweit ein ganz spezielles »Hobby«. Ob auf der Osterinsel…. ob in Ägypten: die Menschen waren offensichtlich weltweit von im wahrsten Sinne des Wortes »dicken Steinen« fasziniert.

Kürzlich schickte mir Frau Carola Gronemann-Habenicht eine Reihe von Fotos zu. Die gewaltigen Steine kamen mir sehr vertraut vor. Wo hatte ich sie gesehen? Etwa in Peru, wo in alten Städten immer noch Mauern aus der Inka- oder Vorinkazeit stehen? Einer der abgelichteten Steinmonster ließ mich an Cuzco, Peru, denken. Frau Gronemann-Habenicht hat da eine steinerne Mauer im Bild festgehalten. Jeder der Steine ist sauber zugeschnitten und bestens poliert. Im Zentrum befindet sich ein echter dicker Brocken, mehreckig, gewiss, tonnenschwer. Die ihn umgebenden Steine sind ebenfalls sauber zugeschnitten, teils größere, teils kleinere… Und alle diese Steine sind millimetergenau aufeinander abgestimmt, so dass sie exakt und fast fugenlos ineinander gefügt werden konnten.

Die von Carola Gronemann-Habenicht aufgenommene Steinmauer erinnert mich aber auch an ähnlich präzise Steinmetzarbeit, wie ich sie auf der Osterinsel gesehen habe!

Foto 5 »Ahu Tahiri«, Osterinsel
Ich glaube, es war bei meinem ersten Aufenthalt auf der Osterinsel. Von meiner kleinen Familienpension hatte mich der wohlbeleibte Fahrer in seinem gerbechlichen Vehikel zur gewaltigen Start- und Landebahn gebracht. Hier kommen die Passagierflugzeuge vom Himmel, hier starten sie wieder, hier kann sogar der Spaceshuttle eine sichere, ausreichend lange Bahn – 3333 Meter – finden. Ich bestaunte die moderne Piste… und weiter ging es, an Brennstofftanks vorbei, zum »Ahu Tahiri«.

Auf der Plattform »Ahu Tahiri« wurden einst sechs riesige Steinriesen aufgerichtet. Die Giganten kamen zu Fall. Vielleicht wurden sie in einer kriegerischen Auseinandersetzung umgestürzt, vielleicht war ein Erdbeben verantwortlich. Was aber weitestgehend noch steht, das ist eine wuchtige Steinmauer. 2,80 Meter ist sie hoch. Auch hier wurde mit äußerster Präzision gearbeitet, auch hier wurden Steinquader millimetergenau zugeschnitten und faktisch fugenlos auf- und ineinander gefügt. Mörtel kam nicht zum Einsatz.

Thor Heyerdahl sieht die frappante Ähnlichkeit zwischen »Inka-Mauerwerk« und der Mauer auf der Osterinsel als Beweis für eine Besiedlung der Osterinsel von Südamerika aus an. Schlüssig ist diese Behauptung Heyerdahls allerdings nicht. Genauso könnten ja Steinmetze der Osterinsel nach Peru ausgewandert sein, um auch dort Mauerwerk zu errichten.

Foto 6: Inka-Mauerwerk in Cuzco. Foto Willi Dünnenberger

Nun ähneln aber nicht nur die Inka-Mauern Perus dem Mauerwerk der Osterinsel (»Ahu Tahiri«). Es sieht vielmehr so aus, als wären ganz besonders »dicke Steine« das spezielle »Hobby« von sehr frühen Baumeistern in aller Welt gewesen! So fotografierte Frau Carola Gronemann-Habenicht ihre »dicken Steine« in Japan! Die Tempel von Nikko Toshogu finden sich in der Präfektur Tochigi, in der Stadt Nikko, und locken Shintoismus-Gläubige ebenso an wie Touristen aus aller Herren Länder. Shintoismus und Buddhismus ähneln einander sehr. In der göttlichen Hierarchie des Shintoismus weit oben steht die Sonnengöttin Amaterasu. Amaterasu gilt zugleich auch als die mythologische Ur-Ur-Ur-Ahnin des japanischen Kaisers. Der Shintoismus gilt als die Urreligion Japans.

Fotos 7-10
Der »Nikko Tosho-gu« ist jüngeren Datums, er soll 1617 erbaut worden sein.  Bewundert werden die »torii« (»Shinto-Tore«) und  die charakteristischen Dachkonstruktionen  der Tempel. In den Tempeln werden »heilige Gegestände« verwahrt, zum Beispiel Bronzespiegel, Juwelen und Schwerter. Als ganz besonders heilig angesehene »Objekte« (wie zum Beispiel Götterstatuen) werden oftmals  im Sanctissimum versteckt. Selbst die Priester dürfen sie nicht sehen.

Weit weniger beachtet werden allerdings die massiven Mauern, die zu den Tempelkomplexen gehören, deren Bauweise durchaus an die Osterinsel und Peru erinnert. Es kommt mir so vor, als sei das Mauerwerk sehr viel älter als die heute bewunderten Shinto-Tempel. Bekannt ist, dass die Shinto-Tempel – wie auch die »Gotteshäuser« im alten Indien – oft an Stelle älterer Kultbauten errichtet wurden. Auch christliche Kirchen hatten häufig sehr viel ältere »Vorgänger«. Und die wiederum wurden einst dort gebaut, wo zuvor heidnische Tempel standen.

Aus sehr viel älteren Zeiten sollen heilige Gegenstände stammen, die in den Tempelschreinen verwahrt werden. Von manchen sollen nicht einmal Eingeweihte wissen, wie sie aussehen und welche Funktion sie haben. Auch der eigentliche Ursprung der auch heute mit riesigem Aufwand zelebrierter Prozessionen im Frühjahr und im Herbst dürfte längst in Vergessenheit geraten sein. So eindrucksvoll wie zum Beispiel die Frühjahresprozession der Tausend Krieger auch ist, was wurde ursprünglich wirklich gefeiert? Das gilt natürlich auch für christliche Prozessionen, in denen mit katholischem Ernst Heiligen gehuldigt wird, bei denen es sich – was weitestgehend verdrängt wurde und wird – um »getaufte« heidnische Götter handelt.

Foto 11: Frühjahresprozession der Tausend Krieger

DANK

Frau Carola Gronemann-Habenicht hat mir für diesen »Jubiläumsbeitrag« meiner Blogserie vorzügliche Fotos von »dicken Steinen« aus Japan zur Verfügung gestellt. Dafür darf ich mich ganz besonders herzlich bedanken!

Foto 12: Millimeterpräzision... im japanischen Mauerwerk
Zu den Fotos:
Foto 1: Jürgen Huthmann im Gespräch mit Dieter Bremer: Foto Ingeborg Diekmann, aufgenommen am 29.2.2008 im »Cordoba«, Bremen-Vegesack
Fotos 2, 7 bis 10 und Foto 12: Carola Gronemann-Habenicht. Copyright Carola Gronemann Habenicht
Die Fotos zeigen massives Mauerwerk japanischer Tempelanlagen.
Fotos 3 bis 5: Walter-Jörg Langbein.
Foto 13: Der Engel vor dem Krankenhaus
Copyright Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Inkamauerwerk auf der Osterinsel.
Foto 4: Engel vor dem Krankenhaus, Höxter.
Foto 5: »Ahu Tahiri«, Osterinsel
Foto 6: Inka-Mauerwerk in Cuzco. Foto Willi Dünnenberger
Fotos 7-10: Japanische Monstersteine. Fotos/ Copyright Carola Gronemann-Habenicht
Foto 11: wikimedia commons public domain Fg2 NikkoSennin
Foto 12: Japanische Monsterseine. Foto/ Copyright Carola Gronemann-Habenicht
Foto 13: Der Engel vor dem Krankenhaus, Kunstwerk von Wladimir Zlatkov. Foto Walter-Jörg Langbein

314 »Landung auf Dekehtik«,
Teil 314 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 24.01.2016

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Sonntag, 22. September 2013

192 »Von dicken Jungfrauen und eingesperrten Jünglingen«

Teil 192 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Autor Langbein in einer der Höhlen
im Leib der Osterinsel
Foto: Anne Choulet, Frankreich
Die Jungfrauen der Osterinsel fristeten ein trauriges Los in der Dunkelheit ihrer engen  Höhle. Hunderte Meter weit reichte sie in den felsigen Leib des Eilands. Bei meinen Besuchen auf Rapa Nui lernte ich die friedliche Atmosphäre der Südseeinsel lieben. Aber Rapa Nui hat auch eine finstere, düstere Seite. Damit meine ich nicht die Verbrechen, die an den Insulanern verübt wurden ... von Vertretern der »zivilisierten Welt«.  Fast die gesamte Bevölkerung wurde im 19. Jahrhundert ausgerottet ...

Alfred Métraux schreibt, dass junge Mädchen »von ihren Eltern in Höhlen eingesperrt wurden, in denen sie in völligem Nichtstun lebten.« Die »Jungfrauenhöhle«, aber auch andere »Gefängnishöhlen« für »neru« (1), waren ja so eng, dass man sich darin kaum bewegen konnte. Längere Aufenthalte in diesem Gefängnis müssen unglaublich qualvoll gewesen sein.

Unserem Schönheitsideal entsprachen die Jungfrauen nicht. Wenn wir an holde, liebreizende und sehr feminine Ladies denken, wie sie in Hollywoodfilmen auftreten, machen wir uns vollkommen falsche Gedankenbilder. Die Wirklichkeit sah ganz anders aus ... Ihre Fingernägel wurden »übermäßig lang«. Ernährt, man muss wohl sagen gemästet, wurden die jungen Damen von ihren Eltern. Essen war das einzige »Vergnügen« der eingesperrten Mädchen, die deshalb immer dicker und dicker wurden. Bewegung hatten sie ja keine. An die frische Luft kamen sie, wenn überhaupt, in höchst bescheidenem Maße ... und das nur bei Nacht.

Wiederholt schilderten mir Einheimische das Aussehen der weggesperrten »Jungfrauen«: Überlange, oft verfilzte Haare, überlange Fingernägel, starkes Übergewicht und  Bemalung in Rot. Welche Mädchen wurden in Höhlen weggesperrt? Wir dürfen nicht mit heutigen Wertmaßstäben beurteilen. Vor Jahrhunderten waren es auf der Osterinsel vermutlich nicht gesellschaftliche Benachteiligte, sondern – ganz im Gegenteil – Töchter aus privilegierten Schichten, die in Höhlen hausen durften.

Blick in eine der Osterinselhöhlen
(Ana Kai Tangata)
Foto: Jürgen Huthmann
Wir wissen nichts darüber, wann und wie es zu den uns seltsam vorkommenden Praktiken kam. Wir wissen auch nicht, warum die Mädchen in dauernder Finsternis kaserniert wurden. Wenn wir nur die rätselhaften Felszeichnungen in der Jungfrauenhöhle »Ana O Keke« wie ein Buch lesen könnten. In der wissenschaftlichen Literatur ist zu lesen, dass die langen Aufenthalte in der Finsternis nicht in erster Linie irgendwelchen modischen Vorstellungen dienten, »sondern zur Vorbereitung von Initiationsriten genutzt« wurden.

Man muss demnach davon ausgehen, dass die Jungfrauen auf mysteriöse Rituale von wohl religiöser Bedeutung in der Abgeschiedenheit vorbereitet wurden. Wie diese Rituale ausgesehen haben? Wir wissen es nicht. Ging es um den Übergang vom Kind oder Jugendlichen zum Erwachsenen?
Prof. Hans Schindler-Bellamy, Wien, bezweifelte das: »Solche Riten, die das Erwachsenwerden bewusst betonen, gab es sicher auch. Aber die ›bleichen Jungfrauen‹ wurden wohl auf etwas anderes vorbereitet. Ich kann mir vorstellen, dass es eine eher kleine Zahl von Jungfrauen war, die in den Höhlen auf das Amt der Priesterin vorbereitet wurden!«

Für die künftigen Priesterinnen oder Schamaninnen ging es um die Kernfrage des Lebens, so der Wissenschaftler im Gespräch mit dem Verfasser, um Geburt, Leben, Sterben, Tod und was danach kommt!

Der Übergang vom Kind zum Erwachsenen erlebt jeder Mensch. Weltweit gab es in allen Kulturen Initiationsriten, die diesen natürlichen Wandel begleiteten. Lange Aufenthalte in einer Höhle indes machen den Menschen nicht gerade fit für das Alltagsleben. Und deshalb meinte Prof. Hans Schindler-Bellamy, dass eben nur ein kleiner Kreis von auserwählten Jungfrauen initiiert wurde, eben zur »weisen Frau«, zur »Priesterin« oder »Schamanin«.

Besuch in der Höhle
Ana Te Pahu
Foto: Jürgen Huthmann
1915 starb auf der Osterinsel die angeblich  letzte ehemalige »Jungfrau aus der Bleichhöhle«, die einst in ihrer Kindheit in der Dunkelheit hatte hausen müssen ... als hochbetagte Greisin. Sie soll die letzte Wissende gewesen sein, die das Geheimnis der Kulthöhle kannte. Sie nahm es mit ins Grab. Fast gleichzeitig verstarb damals in einer Lepra-Kolonie, der angeblich letzte Osterinsulaner, der noch die alten Osterinsel-Schriftzeichen wie ein Buch lesen konnte. Katherine Routledge besuchte den Sterbenden. »Es ist besser, dass das uralte Wissen mit mir für immer vergessen wird, als dass ich es einer Fremden anvertraue!«, soll er der großen Osterinselforscherin zugeflüstert haben.

»Ana O Keke«, das wissen wir, war eine uralte Kultstätte. Kurioser Weise soll es auf den Kanaren eine ähnliche Höhle geben, in der ganz ähnliche Petroglyphen wie in der Jungfrauenhöhle der Osterinsel gefunden wurden. In der Kulthöhle der Osterinsel wurde eine Vielzahl von seltsamen Zeichen gefunden, die sonst nirgendwo auf dem Eiland vorkommen. Die Übereinstimmungen zwischen den Höhlen der Osterinsel und auf den Kanaren verblüffen. Hartwig-E. Steiner schreibt (2): »Wer beide Höhlen, die Ana O Keke auf Rapa Nui und die Cueva del Agua auf der Kanaren-Insel El Hierro, besucht und studiert hat, ist von der Vielzahl an Übereinstimmungen überrascht. Die eine Höhle ist ein nahezu spiegelbildliches Abbild der anderen.«

Steiner kommentiert (3):
»Es ist sicher, das die beiden Gesellschaften auf den Kanaren und der Osterinsel keine Verbindung oder Kenntnisse voneinander hatten. Aber es ist durchaus vorstellbar, dass unter selben Bedingungen sich auch gleichartige kulturelle Phänomene, Bräuche, Lebensformen und Techniken entwickeln.«

Erkundung einer Höhle
Foto: Jürgen Huthmann
Ist das die Erklärung für die Übereinstimmungen zwischen der Höhle auf einer Kanaren-Insel im östlichen Zentralatlantik ... und einer Höhle auf der Osterinsel, auf der anderen Seite des Globus, im Pazifik? Ein Kontakt zwischen beiden Inseln vor vielen, vielen Jahrhunderten ... ist eigentlich nicht vorstellbar. Oder doch?

»Ana More Mata Puku« heißt eine weitere Höhle, ebenfalls auf der Halbinsel Poike gelegen. Sie ist im Vergleich zur Bleichhöhle der Jungfrauen geradezu winzig. Die Grundfläche entspricht mit etwa 24 Quadratmetern einem heutigen Zimmer. Die »Höhe« von durchschnittlich nur 1,30 m allerdings gestattet nur ein Sitzen, Hocken oder Liegen.

Bei meinen Besuchen auf der Osterinsel versuchte ich immer wieder, Näheres über sie zu erfahren. Vergeblich! Es sieht so aus, als ob nur sehr wenige Kundige wissen, wo sich die mysteriöse Höhle genau befindet.  Ihr Standort ist nur wenigen Eingeweihten bekannt ... und die schweigen, selbst gegenüber anderen Osterinsulanern, von Fremden ganz zu schweigen. Einige handverlesene Osterinsulaner, so heißt es, haben die mysteriöse Stätte zwei oder drei Mal besucht. Die überwiegende Mehrheit auf dem Eiland hat angeblich noch nie davon gehört. Nach mehreren Besuchen auf der Osterinsel glaube ich herausgefunden zu haben, wo in etwa der Eingang zu finden ist.
»Maunga Parehe« liegt im Nordosten von Vulkan Poike ... ein eher unscheinbarer Hügel. Ob es sich um einen kleinen Nebenkegel des Poike handelt? »Maunga Pehe«, davon bin ich nach intensiven Recherchen überzeugt, muss erklommen werden, um zur mysteriösen Höhle zu gelangen. Der Anstieg ist problemlos, der Abstieg zur Höhle ... lebensgefährlich. Man muss einen gefährlichen Steilabhang meistern ... und genau wissen, wo der versteckte Eingang zu finden ist.

Der Eingang soll früher besser zu erkennen gewesen sein. Im Verlauf der vergangenen Jahrhunderte lösten sich vom Steilhang immer wieder Gerölllawinen, stürzten teils Lavabrocken von beachtlicher Größe in die Tiefe ... und versperrten den Blick auf den Zugang zur Höhle. Heute soll nur noch ein Spalt von weniger als einem Quadratmeter offen sein.

Ritzzeichnung in der Höhle
der Jünglinge
Foto: Archiv W-J.Langbein
»Ana More Mata Puku« ist das Pendant zu »Ana O Keke«. Hier hausten aber einst keine Jungfrauen ... sondern Jünglinge. Der Name der Höhle - »Ana More Mata Puku« - lässt sich bis heute nicht eindeutig übersetzen. »Ana« bedeutet »Höhle« ... aber was heißt »More Mata Puku«? Ein Einheimischer machte im Gespräch mysteriöse Andeutungen: »More ... Messerwunde, Schmerz, Bestrafung. Mata ... Grausamkeit.« Was geschah in der Höhle der Jünglinge? Und wie viele Jünglinge waren einst kaserniert? Vermutlich waren es nur einige wenige. Wurden mehr Jungfrauen auf mysteriöse Einweihungszeremonien vorbereitet als Jünglinge? Wir wissen es nicht. Unbekannt ist auch, wie die Riten der Jünglinge aussahen. Die Ritzzeichnungen in der Höhle könnten vielleicht Aufschluss geben ... wenn wir sie nur wie ein Buch lesen könnten! (5)

Eine Skizze so einer Ritz-Zeichnung erhielt ich ausgerechnet ... bei einem Gottesdienst in der kleinen Kirche von Rapa Nui. Steiner hat ganz ähnliche veröffentlicht, vermag aber auch nicht zu erklären, was dargestellt ist ...

Die Osterinsel - Panoramafoto; Foto: Rivi


Fußnoten

1 »neru«, Osterinsulanisch für Jungfrau
2  Steiner, Hartwig-E.: »Die Jungfrauen-Höhle auf der Osterinsel«, in »Institutm Canarium«, Wien 2008, S. 286
3 ebenda
4 Meine Informationen decken sich mit den Angaben von Steiner.
5 Meine Angaben basieren weitestgehend auf eigenen Recherchen vor Ort, decken sich weitestgehend mit den Erkenntnissen von Steiner. Siehe hierzu...
Steiner, Hartwig-E.: »Ritual-Höhle für Jünglinge der Osterinsel«, in »Institutm Canarium«, Wien 2012, S. 261-290
6 ebenda S. 284, S. 285 und S. 290

Anmerkung zu den Fotos: Wo keine Fotos von den Originalschauplätzen vorliegen, habe ich möglichst passende, ähnliche Motive ausgewählt.


Mein Dank geht an meine Reisegefährten Ingeborg Diekmann und Jürgen Huthmann,
die mir immer wieder vorzügliche Fotos zur Verfügung gestellt haben!



Ein fliegender Gott, Wolkenmenschen und rätselhafte Figuren ...
Teil 193 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                                                                                              
erscheint am 29.09.2013


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