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Sonntag, 31. Januar 2021

576. »Vom intuitiven Geist und vom rationalen Verstand«

Teil 576 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


»Unsere Augen glauben an sich selber,
unsere Ohren glauben anderen Menschen,
unsere Intuition glaubt der Wahrheit.«

(Urheber: unbekannt)

Sonntag, 30. September 2018

454 »Pueblo de los Muertos - Das Dorf der Toten… «

Teil 454 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Foto 1: Festungsanlage der »Wolkenkrieger«.

Peru. Im Norden grenzt die Provinz »Luya« an die Provinz »Chachapoyas« an. Der Name hat Bedeutung: »Chachapoyas«, das waren die mysteriösen »Wolkenkrieger«, von denen wir nicht wirklich viel wissen. Ihre Religion kennen wir kaum. Offenbar glaubten sie an ein Leben nach dem Tode.  Hatten sie Priester? Zeremonien? Warum verschwanden sie Spurlos? Ja woher kamen sie? Vielleicht waren es gar Kelten, wie ein kühner Forscher spekuliert?

Die Provinz Luya hat eine sensationelle Festung zu bieten: Kuelap, die einstige Metropole der »Wolkenkrieger«. Als ich vor Jahren mit einigen Freunden Kuelap besuchte, waren wir mit Jeeps unterwegs. Nur so konnten wir weit abgelegene Stätten erreichen. Wir hatten immer einen Zusatzwagen dabei. Meist hatten wir drei Jeeps besetzt, ein vierter fuhr als Ersatzwagen mit. Wenn es zu einer Panne kam, wurde der defekte Jeep repariert, die drei anderen Vehikel fuhren weiter. Über zum Teil halsbrecherische »Straßen« gelangten wir auch in die Nähe der mysteriösen Ruinen. Den Rest des Wegs mussten wir auf Schusters Rappen zurücklegen. Da spürte man rasch, wie dünn die Luft und wie schwer der Rucksack mit den Kameras in einer Höhe von rund 3.000 Metern ist.

Nach Jahrzehnten der Forschung wurde erst ein kleiner Bruchteil von Kuelap untersucht und analysiert. Das soll sich jetzt ändern. Während sich noch vor Jahren kaum Fremde in das schwer zu erreichende Wunder der Baukunst wagten, sollen jetzt Touristenströme das Geld nur so sprudeln lassen. Höchst bequem sollen die Besuchermassen per Gondellift nach Kuelap geschafft werden. Viele Touristen bringt viel Geld, und davon soll der eine oder der andere Dollar auch der Archäologie zugutekommen.

Foto 2: Heute verschlossen... die Innenräume der Externsteine.

Leider bedeuten Touristenströme auch eine erhebliche Zunahme der Schäden an bedeutsamen Stätten. Abstoßendes Beispiel ist die »Caverna de Quiocta«. Die Höhle war meinst frei zugänglich. Nachdem sich immer wieder Touristen »bedienten« und kostbare Grabfunde als »Souvenirs« mitgehen ließen, wurde die Höhle mit einem Gitter abgesperrt. Sie darf nur noch unter Aufsicht eines Führers betreten werden. Immer wieder erlebe ich, dass Stätten nicht mehr besichtigt werden können. Beispiel: die geheimnisvollen Externsteine bieten ein imposantes Bild. Die »Innenwelt«, ineinander übergehende Kammern, standen jedermann zur Besichtigung offen. Weil es zu Schmierereien kam, wurden sie zur »Tabuzone« Nur mit Genehmigung darf man sie betreten, oder mit »amtlichem« Führer.

Ein angestellter Wächter erklärte mir empört: »Es ist vorgekommen, dass Schüler vor den Augen ihrer Lehrer ihre Namen in die Wände der Kammern geritzt haben. Die Pädagogen sind nicht eingeschritten. Traurige Zustände!

Vor solchem Vandalismus sind ganz besondere »Särge« der Chachapoyas von Karajia sicher. Was für Bergsteiger eine höchst interessante Herausforderung ist, das war für die »Wolkenkrieger« ein Friedhof, den sie »Pueblo de los Muertos«, »Dorf der Toten« nannten. An steiler Felswand gab es bunt bemalte Häuser zur rituellen Bestattung von Toten. Die Bezeichnung »Särge« ist irreführend. Es handelt sich dabei um riesige Tonfiguren, die doch große Ähnlichkeit mit den Statuen der Osterinsel aufweisen. Um zu den »Statuen-Särgen« der Chachapoyas zu gelangen, muss man versierter Bergsteiger sein. Man kann, wenn man das kann, eine senkrecht aufsteigende Felswand empor klettern. Oder man kann, wenn man dazu den Mut hat, sich von oben an der senkrechten Felswand abseilen.

Wie wohl die riesigen »Särge« von den Chachapoyas an ihre sicheren Plätze mitten in einer Felswand gebracht worden sein mögen? Und das ohne zu zerbrechen? Anders als die Osterinselriesen sind sie innen hohl und nicht aus Stein. Die »Wolkenkrieger« haben vor Jahrhunderten immer wieder ihre Toten an steilen Felswänden »bestattet«. Zum Teil nutzten sie natürliche Nischen im Fels, zum Teil bauten sie kleine »Plattformen«. So waren ihre Mumien ziemlich sicher vor Grabräubern. 

Fotos 3 und 4: Riesenfiguren im Vergleich – Wolkenkrieger (links),  Osterinsel (rechts)

Bei den Sarkophagen von Karajia handelt es sich um überlebensgroße Statuen aus Stroh und Lehm. Im Inneren einer jeden dieser »Särge« in Menschengestalt hockt eine Mumie. Die nach vielen Jahrhunderten nach wie vor gut erhaltenen Toten blicken gen Osten, als erwarteten sie den Sonnenaufgang. Vermutlich glaubten die »Wolkenkrieger« an eine Auferstehung der Toten und brachten die aufgehende Sonne mit dem neuen Leben nach dem Tode in Verbindung. Die Toten warteten im Leib der Riesenstatuen auf ihre Wiedergeburt: in kauernder Embryoposition.

Wie gelangten die »Sarkophage« von Karajia an ihren Bestimmungsort? Sie befinden sich an einer senkrechten Felswand, etwa auf halber Höhe, etwa dreihundert Meter unterhalb des Dorfes Karajia.Ich halte es für ausgeschlossen, dass man die relativ zerbrechlichen, recht großen Figuren von oben abgeseilt hat. Genauso unwahrscheinlich ist es, dass sie von todesmutigen Chachapoyas nach der Methode Klettermaxe von unten empor geschafft wurden. Vermutlich gab es einmal die Möglichkeit von der Seite aus auf einem natürlichen Felsband zum Aufstellungsort der »Statuen« zu gelangen. Von einem solchen Felsband fehlt heute freilich jede Spur. Vielleicht wurde es unmittelbar nachdem man die riesigen Tonfiguren aufgestellt hatte zerstört. Oder das Felsband wurde nach Eintreffen der marodierenden Spanier abgeschlagen, um die vornehmen Toten zu schützen. Dass es sich bei den so aufwändig bestatteten Toten um hochrangige Angehörige der »Wolkenkrieger«, vielleicht Priester, handelte, das ist wohl anzunehmen. Für Angehörige des »niederen Volks« hätte man keinen so hohen Aufwand getrieben.

Die Sarkophage von Karajia ähneln den Statuen der Osterinsel. Die typische, überlebensgroße  Sarkophag-Figur der »Wolkenkrieger« hat ein markantes, scharf zulaufendes Kinn,  eine dominierende Nase, tiefliegende Augen, so wie wir das von den Osterinsel-Statuen kennen. Die Osterinsel-Kolosse trugen steinerne, zylindrische »Hüte«. Die Figuren der Chachapoyas weisen oft eine übertrieben ausgeformte Stirnpartie aus. Mag sein, dass da eine Art »Hut« imitiert wurde.

Foto 5: Sarkophage in Menschengestalt ...

Die Statuen der Osterinsel werden – und diese Erklärung scheint mir die vernünftigste zu sein – im Zusammenhang mit einem Totenkult gesehen. Das trifft auch auf die geheimnisvollen Sarkophage der »Wolkenkrieger« zu. Noch eine Gemeinsamkeit: Gruppen von Statuen wurden auf der Osterinsel häufig (nicht immer)in der Nähe von Wasser aufgestellt, so wie auch Gruppen der »Chachapoya-Särgen«. Die Materialien, aus denen die Sarkophage bestehen, Stroh und Lehm, konnten mit der C-14-Methode datiert werden. Sie wurden in der Zeit um die Jahre 1460 bis 1470 hergestellt. Das war noch bevor die Inkas in jene Region vorgedrungen sind. Nach der umstrittenen schulwissenschaftlichen Datierung sind in der Zeit von 1400 bis 1600 sehr viele der Osterinselriesen entstanden. Es könnte also sein, dass »Wolkenkrieger-Sarkophage« und zumindest einige Osterinsel-Statuen zur gleichen Zeit entstanden sind. Gab es eine Verbindung zwischen Peru und Osterinsel in jener Zeit?

Der scheinbar größte Unterschied: Die Osterinselriesen befanden sich auf Plattformen auf ebener Erde und nicht an senkrechten Felswänden. Die Bestattung in riesigen Statuen in Menschengestalt wurde schon anno 1791 in »Mercurio Peruano« erstmals erwähnt. Es dauerte aber fast zwei Jahrhunderte, bis sich die Wissenschaft interessiert zeigte. Anno 1965 war es der deutsch-peruanische Archäologen Federico Kauffmann Doig, der die Sarkophage von Karajia »entdeckte«. 

Foto 6: … tragen Tote wie Embryos im Leib.

Es sind zwar unzählige Osterinselriesen beschädigt oder zum Teil mehrfach zerbrochen. Es sind aber noch viele der Kolosse intakt. Sie wurden alle von den Podesten gestürzt. Wer oder was ist dafür verantwortlich? Ich glaube es waren Erdbeben. Trauriger ist es um die »Wolkenkrieger-Sarkophage« an Felswänden bestellt. Bis heute wurde kein zweiter intakter Komplex dieser Art entdeckt. Gefunden wurden auch einige aufgebrochene und geplünderte Sarkophage. Es soll aber eine ganze Reihe gegeben haben. Immer wieder sind offenbar solche Sarkophage Opfer von Erdbeben geworden. Die Erschütterungen der Naturgewalten brachten sie zu Fall. Sie stürzten aus den Felswänden und zerbarsten am Boden.

Bei einem meiner Besuche im dörflichen Museum in Hanga Roa stieß mich auf einen sehr knappen, aber sehr konkreten Hinweis. Verfasst und veröffentlich hat ihn William Thomson, Zahlmeister der »USS Mohican« Ende des 19. Jahrhunderts. In wenigen Tagen untersuchte und beschrieb das Team der »USS Mohican« weit über einhundert Zeremonial-Plattformen rund um die Insel.

Eine Sensation, die heute so gut wie vergessen ist: Thomson beschreibt Steinstatuen, die (wie die Riesen-Sarkophage der »Wolkenkrieger«) in luftiger Höhe auf einem kleinen Vorsprung an einer senkrechten Steinwand standen. Sie sind spurlos verschwunden.

Foto 7: »Wolkenkrieger« mit Helm.



Zu den Fotos
Foto 1: Festungsanlage der »Wolkenkrieger«.
Foto 2: Heute verschlossen... die Innenräume der Externsteine.
Fotos 3 und 4: Riesenfiguren im Vergleich – Wolkenkrieger (links),  Osterinsel (rechts)
Foto 5: Sarkophage in Menschengestalt ...
Foto 6: … tragen Tote wie Embryos im Leib.
Foto 7: »Wolkenkrieger« mit Helm.

455 »Ahurikiriki und das Geheimnis der verschwundenen Statuen«,
Teil 455 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 07.10.2018



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Mittwoch, 17. Januar 2018

418 »Monstermauern, Mumien und Mysterien – ein Jubiläum«

Teil  418 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein




»Kuelap, eine geheimnisvolle Metropole der ›Chachapoyas‹«, der legendären »Wolkenmenschen«, so hieß Folge 1 meiner Sonntagsserie »Monstermauern, Mumien und Mysterien«. Eine echte Monstermauer schütze einst die rätselhafte Stadt Kuelap der »Chachapoyas«. Erschienen ist sie am 17. Januar 2010, also heute auf den Tag genau vor acht Jahren. Ich plante ursprünglich eine »Miniserie« mit insgesamt zehn Folgen. Die Resonanz war von Anfang an höchst positiv. Und so wurde rasch an zusätzliche Folgen gedacht. Nach 25 Folgen würde Schluss sein. Oder nach 50? Sonntag für Sonntag lief meine Serie. Es machte großen Spaß, sie zu schreiben.

Foto 2: Unterwegs im Reich der Wolkenmenschen.
Riesig ist mein Fundus an Erinnerungen an Reisen zu den interessantesten Stätten auf unserem Planeten. Wirklich groß ist mein Fotoarchiv. Beim Stöbern in den sorgsam archivierten Aufnahmen wurden Erinnerungen an so manch‘ anstrengende Reise wach, an so manches »Abenteuer«. Immer wieder zog es mich in die »Unterwelt«: So kroch ich in die »unvollendete Grabkammer« unter der »Cheopspyramide«, in das Ganglabyrinth unter den »Tempelruinen« von Chavin de Huantar im Norden Perus. Der Weg in die »Unterwelt« der »Großen Pyramide« Ägyptens war alles andere als leicht.

Die sogenannte »unvollendete Grabkammer« liegt im massiven Fundament aus gewachsenem Stein unter dem gigantischen Bauwerk. Wann wurde sie in den Fels geschlagen? Wurden die Arbeiten begonnen, bevor der Grundstein für die Cheopspyramide gesetzt wurde? Bautechnisch wäre es die einfachste Lösung gewesen, zunächst die heute als unvollendete Grabkammer bekannte »Gruft« auszuheben, um nach vollendeter Arbeit die Pyramide darüber zu bauen. Dann wäre es relativ leicht gewesen, den Abraum durch einen kurzen Schacht ins Freie zu schaffen.
   
Der Gang in die mysteriöse Unterwelt führt aber zum Großteil durch den mächtigen Leib der Pyramide. Wurden also gleichzeitig unterirdisch die geheimnisvolle Kammer und die riesige Pyramide darüber geschaffen? Ein »Gehen« in die Tiefe im herkömmlichen Sinn war unmöglich. Ganze 1,20 Meter hoch und 1,06 Meter breit macht der »Gang« eine Fortbewegung im Stehen unmöglich. Vor Anstrengung keuchend und bald heftig schwitzend, sodass mir die Kleidung wie eine zweite Haut am Leibe klebt, kroch ich krabbelnd dem vielleicht eigentlichen Rätsel der Pyramide entgegen.

Foto 3:  Im Tunnel unterwegs zur »unvollendeten Grabkammer«.

Ehrlich gesagt: Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Baumeister des Weltwunders »Cheopspyramide« so schlecht geplant und während des Entstehens der riesigen Pyramide plötzlich umdisponiert haben. Ich vermute, dass die »unvollendete Grabkammer« einen uns bis heute unbekannten Zweck erfüllte. Vielleicht war sie Teil eines Systems aus Gängen und Kammern, das bis heute erst zum Teil bekannt ist. Weitere »Hohlräume« - Kammern, Gänge? – werden im mächtigen Leib der Cheopspyramide vermutet. Pyramidenforscher Axel Klitzke machte schon vor Jahren sehr konkrete Angaben zu einem noch verborgenen Kammer-Gangsystem in der Cheopspyramide. Sein Buch »Pyramiden: Wissensträger aus Stein« (1) ist leider vergriffen und nur antiquarisch erhältlich.

Leider verweigert sich die klassische Archäologie derlei Gedanken, speziell wenn sie von »Hobbyforschern« vorgetragen werden. Ägyptologen wie Dr. Zahi Hawass, der sein äußeres Erscheinungsbild mehr und mehr Indiana Jones anzupassen scheint, dulden keine Außenseiter mit neuen Gedanken. Das erschwert echte Fortschritte beim Erkunden der Pyramide.

Foto 4: In der »unvollendeten Grabkammer«.

Ähnlich niedrig und eng waren die Gänge unter den kargen Resten des einst riesigen »Tempelkomplexes« von Chavin de Huantar. Auch in der Unterwelt von Chavin musste man sich durch enge und niedrige Gänge zwängen. Freilich waren da Teile des komplexen Fangsystems eingebrochen, so dass ein Weiterkommen immer wieder unmöglich war. Also gab es nur eine Möglichkeit: Wieder zurück kriechen, eine andere Abzweigung nehmen. Immer wieder machte sich unangenehmer Geruch bemerkbar. Immer wieder musste man durch die Verdauungsprodukte von Fledermäusen krabbeln, so dass man am Ende einer stundenlangen Exkursion durch unheimliche Gänge völlig verdreckt und nicht gerade nach Veilchenduft riechend ans Tageslicht zurückkam.


Foto 5: Eingang zum Tempelkomplex von Chavin de Huantar.

Es ist nicht bekannt, welchem Zweck das Gangsystem diente, ja es ist noch nicht einmal klar, wie groß es einst war. Wer weiß, welche Teile schon vor vielen, vielen Jahrhunderten eingestürzt sind. Vor Ort erklärte mir ein Archäologe, dass einst Wasser durch die Tunnels unter dem Tempelkomplex von Chavin de Huantar floss. Aber warum? Um ein lautes Rauschen zu erzeugen, das irgendwie aus dem Inneren der Erde zu kommen schien. Wollten die Priester so die Gläubigen beeindrucken, ja in Angst und Schrecken versetzen?

»Die Priesterschaft hatte sicher Tricks auf Lager. Sie konnten womöglich einen ›Dialog‹ mit den Göttern inszenieren. Wenn das Volk gegen den Oberpriester murrte, wurden die Götter ›befragt‹. Etwa: ›Oh Ihr Götter! Soll das Volk dem Oberpriester weiterhin gehorchen, so lasst Eure Stimme erschallen!‹ Daraufhin wurden Schleusen geöffnet, Wassermassen strömten in die unterirdischen Gänge und lautes Rauschen kam aus dem Leib der Erde. Das war für die Gläubigen ein eindeutiges Zeichen, gesandt von den mächtigen Göttern!«

Foto 6: WJL in der Unterwelt von Chavin de Huantar
Solche reichlich spekulative Gedanken »meines« Archäologen übertreffen selbst kühnste Spekulationen der »Prä-Astronautik«-Gilde. Übrigens: Es sind gerade die selbsternannten Skeptiker, die Erich von Däniken und Co. Abstruse Behauptungen unterstellen, um sie dann genüsslich zu »widerlegen«. Das erkennt freilich nicht, wer auf die Lektüre der Bücher von Erich von Däniken und Co. verzichtet.

So wird der  Schweizer Bestsellerautor Erich von Däniken von    der  »wissenschaftlichen« Seite immer wieder »widerlegt«, etwa in Sachen Nasca. Da macht man sich lustig über den Bestsellerautor aus der Schweiz, der angeblich behauptet habe, die riesigen Bilder in der Wüstenebene von Nasca seien Landebahnen der Außerirdischen gewesen (2). Wer Erich von Däniken gelesen hat, der weiß: So einen hanebüchenen Unsinn hat der weltweit bekannteste Vertreter der Theorie von den »Astronautengöttern« niemals behauptet.

Am 17. Januar 2010, auf den Tag genau vor acht Jahren, erschien die erste Folge meiner sonntäglichen Serie. Natürlich habe ich die Leserinnen und Leser auch nach Nasca entführt, in die Luft über der Hochebene, aber auch in die Unterwelt von Nasca, in einige der rätselhaften Tunnels unter den gigantischen Scharrzeichen. Welchem Zweck das gigantische Bilderbuch in der Wüste auch diente, abgeschritten oder abgelaufen wurden die Linien nie. Das hätte sie nämlich zerstört. Ich bin – wie Erich von Däniken – der Meinung, dass die gewaltigen Bilder und Bahnen, die man übrigens vom Weltraum aus erkennt, für die Götter in himmlischen Gefilden gedacht waren. Die Astronautengötter sollten aufmerksam gemacht, vom Himmel zurück auf die Erde gelockt werden.

Foto 7: Unter Chavin de Huantar.
In 417 Folgen habe ich versucht, möglichst viele Leserinnen und Leser (noch) neugieriger auf die vielen Geheimnisse unseres Planeten zu machen. Und die sind beileibe nicht nur in weiter Ferne zu finden, sondern auch vor der sprichwörtlichen Haustüre, in Kirchen und Kapellen, aber auch an uralten Kultstätten (Beispiele: Externsteine im Teutoburger Wald, die »Keltenschanzen« von Holzhausen bei München, monströse Reliefs im Münster zu Hameln und am »Paradiestor« des Doms zu Paderborn).

417 Sonntagsbeiträge über Geheimnisse und Mysterien… 8 Jahre »Monstermauern, Mumien und Mysterien – ein Jubiläum«. Ich wollte und will informieren, aber niemandem eine bestimmte Sichtweise der Dinge aufzwingen. Doktrinen gibt es auch in der Welt der Wissenschaft genug. Was den Fortschritt bringt? Wer den Fortschritt bringt? Das sind Menschen, die keine Angst vor kühnen Fragen haben und die den Mut aufbringen, auch fantastisch anmutende Antworten in Erwägung zu ziehen.

Ich danke allen Leserinnen und Lesern, die meiner Sonntagsserie gefolgt sind. Wenn es mir gelingen sollte, den einen oder den anderen Interessierten zu eigenen Recherchen anzuregen, dann würde mich das sehr freuen.

Foto 8: Die Externsteine bei Detmold.

Fortsetzung folgt….

Fußnoten
1) Klitzke, Axel: »Pyramiden: Wissensträger aus Stein«, Govinda Verlag, Jestetten Januar 2006
2) Gadow, Gerhard: »Erinnerungen an die Wirklichkeit/ Sonderdruck der SAN-

Nachrichten von Gerhard Gadow/ Ein Kommentar zum Däniken Bestseller«, Berlin 1979


Zu den Fotos

Foto 9: Monsterwesen von Hameln.
Foto 1: Foto 1: Unterwegs zur Sadt der Wolkenmenschen. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Unterwegs im Reich der Wolkenmenschen. Foto Ingeborg Diekmann
Foto 3:  Im Tunnel unterwegs zur »unvollendeten Grabkammer«. Foto Walter Langbein sen.
Foto 4: In der »unvollendeten Grabkammer«. Foto Walter Langbein sen.
Foto 5: Eingang zum Tempelkomplex von Chavin de Huantar. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: WJL in der Unterwelt von Chavin de Huantar. Foto Ingeborg Diekmann
Foto 7: Einer der unterirdischen Gänge von Chavin de Huantar. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8 Die Externsteine bei Detmold. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 9: Monsterwesen von Hameln. Foto Walter-Jörg Langbein.
Foto 10: Monsterwesen von Paderborn. Foto Walter-Jörg Langbein.

Foto 11: »Phantastische Phänomene«, 3. und 4.3.2018.

Foto 10: Monsterwesen von Paderborn.

419 »Kreaturen aus einer anderen Welt«,
Teil  419 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 28.01.2018 


Foto 11: »Phantastische Phänomene«, 3. und 4.3.2018


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Sonntag, 30. Juli 2017

393 »Wo Medizinmänner mit Teufeln sprachen«

Teil  393 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Pyramidenkomplex von Túcume im Überblick

Zweitausend Kilometer Küste hat Peru zu bieten. Weite lebensfeindliche Wüsten wirken wenig anziehend auf heutige Besucher. Und doch bietet eben diese kahlen Ebenen am »Stillen Ozean« ungeahnte Schätze, die sich viele Touristen auch heute noch, zu Beginn des dritten Jahrtausends nach Christus, entgehen lassen. Im Norden Perus, einen »Katzensprung« von der Grenze zum heutigen Ecuador entfernt, liegt Túcume, ein unscheinbares Dorf. Die schlichten Hütten kleben förmlich am wohl größten Pyramidenkomplex der Welt.

Warum ist das Interesse an derlei Mysterien aus riesigen Pyramiden aus Millionen von Lehm-Ziegeln nach wie vor gering? Warum werden selbst die hervorragenden Museen vor Ort viel zu wenig beachtet? Das mag daran liegen, dass die riesigen Pyramiden-Komplexe im Raum Lambayeque auf den ersten und zweiten Blick so imposant nicht sind. Man übersieht sie aus der Distanz leicht, weil sie – so groß sie sind – im Wüstenboden zu verschwinden scheinen.

Foto 2: Pyramiden, Mauern, Plattformen von Túcume

Thor Heyerdahl schreibt in seinem sehr informativen Werk »Die Pyramiden von Tucumé«, das leider nur noch antiquarisch erhältlich ist (2): »Als die spanischen Eroberer im frühen 16. Jahrhundert auf der Inkastraße an den Pyramiden von Tucumé vorüberritten, waren sie von dem Anblick dieser gewaltigen Monumente aus einer vergessenen Vergangenheit überwältigt. Tausende von modernen Touristen dagegen sind auf der neuen Fernstraße vorübergerauscht, ohne zu ahnen, was ihnen verborgen blieb: die Pyramiden von Tucumé, die durch Erosion eine wirkungsvolle Tarnung erhalten haben. Eine noch bessere Tarnung bieten ihre Dimensionen: Bleichen Sandsteingebirgen gleich ragen sie im tropischen Sonnenschein hoch auf, die blauen Anden als Schatten im Hintergrund.«

Thor Heyerdahl spricht davon, dass die Monsterbauten (3) »gegen Ende des 20. Jahrhunderts ins Rampenlicht gerieten«, Weltwunder sozusagen, die sich bis dahin »über die Ebenen auftürmten, als wären sie dort vom Schöpfer selbst hinterlassen worden. Gleichzeitig jedoch schienen sie ebenso unwirklich wie Gespenster zu sein.«

Foto 3: Schutzdächer für Archäologen (Túcume)

Die Pyramiden sehen auf den ersten und zweiten Blick gar nicht wie von Menschenhand errichtete Bauwerke riesigen Ausmaßes aus, sondern wie wenig attraktive Hügel. Die geradezu manchmal höllischen Temperaturen laden auch nicht unbedingt dazu ein, die Denkmäler verschwundener Kulturen zu besuchen. Noch heute nennt man die Pyramide von Túcume (4) im Dörfchen Túcume »El Purgatorio«, zu Deutsch »Das Fegefeuer«. Warum?

Ein Geistlicher vor Ort hatte eine Erklärung parat, die ich in dieser Form nirgendwo in der Literatur gefunden habe: »Die heidnischen Erbauer opferten auf den Pyramiden ihren Göttern Menschen, als es eine Hungersnot gab. Man glaubte, die Götter seien zornig und man müsse sie mit Blut besänftigen. Als aber die Götter stumm blieben und nicht helfend eingriffen, steckten die Heiden die Tempel auf den Pyramiden in Brand und verließen die Stätte des Grauens!« Tatsächlich hat der katholische Klerus die Pyramiden von Túcume seit Jahrhunderten zum abscheulichen Erbe der heidnischen Vorfahren erklärt, zum (5) »Ort, an dem die Medizinmänner der Vergangenheit und der Gegenwart mit den Teufeln kommunizierten«.

Foto 4: Pyramide an Pyramide 
oder Rampe und große Pyramide?

Die riesigen Pyramiden von Lambayeque – Treffunkt von Menschen und »Teufeln«? Meine Meinung: Die Pyramiden im Raum Lambayeque sind künstlich geschaffene Berge. Ich vermute sogar, dass weltweit alle Pyramiden mythologische Berge darstellen. Die ältesten künstlichen Berge sind die Zikkurats, die vor Jahrtausenden in Babylon entstanden. Ein Zikkurat, Ziggurat oder Ziqqurat war, ja was denn? Der Name verrät es uns: Ein »Schiggorat« war »hoch aufragend, hoch aufgetürmt, ein Himmelshügel, ein Götterberg«. Erinnern wir uns! Der allmächtige Gott des Alten Testaments landete auf dem Berg Sinai. Er fuhr aus himmlischen Gefilden herab, mit Schnauben, Feuer und Rauch. Und das war alles andere als ungefährlich für die Menschen. So musste ein Schutzzaun um den vorgesehenen Landeplatz errichtet werden, um die Menschen von der Gefahrenzone fernzuhalten (6): »Mose aber sprach zu Jahwe: Das Volk kann nicht auf den Berg Sinai steigen, denn du hast uns verwarnt und gesagt: Zieh eine Grenze um den Berg und heilige ihn.« Noch einmal zitiere ich aus dem Altem Testament (7): »Der ganze Berg Sinai aber rauchte, weil Jahwe auf den Berg herabfuhr im Feuer; und der Rauch stieg auf wie der Rauch von einem Schmelzofen und der ganze Berg bebte sehr.«

Kamen die himmlischen Götter weltweit aus himmlischen Gefilden herab, um auf Bergen zu landen? Auf den Pyramiden von Túcume sollen Teufel mit Medizinmännern kommuniziert haben. Waren damit die Götter der Pyramidenbauer gemeint, die sich auf den künstlichen Pyramidenbergen mit Menschen trafen? Wollten die Menschen von Lambayeque ihren Göttern unbedingt näher kommen? Waren es die »Oberpriester«, die auf die Spitzen der Pyramiden klettern durften, so wie es Moses erlaubt war, den Berg Sinai zu ersteigen, um sich hoch oben zwischen Himmel und Erde mit »Gott« zu treffen? Wurden im Zuge der Christianisierung aus den Himmelsgöttern der Pyramidenbauer im christlichen Sprachgebrauch Teufel? Das ist eine Spekulation, gewiss, aber eine – wie ich meine – berechtigte!

Foto 5: Imposanter Teilbereich des Pyramidenkomplexes (Túcume).

Vor Ort erlebte ich, wie an einer der Lambayeque-Pyramiden archäologische Ausgrabungen vorgenommen wurden. Die Wissenschaftler hatten über ihrer Ausgrabung ein schützendes Dach errichtet. Zum einen diente es als Sonnenschutz für die Archäologen. Zum anderen sollten auf die Pyramide dort, wo man die äußere schützende Schicht entfernt hatte, möglichst wenig schädliche Witterungseinflüsse einwirken. Vor allem wollte man vermeiden, dass Regenschauer Schäden anrichten können. Ich fragte einen Studenten, der mit großer Geduld Sand siebte, in der Hoffnung, kleine Artefakte aus alten Zeiten zu finden:


»Wurde schon eine Datierung der Pyramidensubstanz vorgenommen?« Der Student erklärte mir, das sei sehr schwierig. »Die äußere Schicht der Pyramide muss nicht zwangsläufig aus der Zeit des Pyramidenbaus stammen. Es ist durchaus möglich, dass im Lauf der Jahrhunderte die Pyramide immer wieder eine neue Schutzschicht erhielt. Wir wissen ja auch von den Inka, dass sie alte Pyramiden immer wieder überbauten, ihnen neue Außenhüllen aus Stein verpassten. Warum sollte das nicht auch bei den Pyramiden von Lambayeque der Fall sein?«

Foto 6: Abgeflachte Pyramide von Túcume

Wir wissen also nicht, wann im Bereich von Lambayeque mit dem Bau der ersten Pyramiden begonnen wurde. Womöglich wurden die ältesten Strukturen durch Anbauten auch immer wieder erweitert, so dass schließlich komplexe Strukturen entstanden. Mag sein, dass erst da und dort Pyramiden aufgeschichtet wurden, die man dann mit Monstermauern aus Ziegeln miteinander verband. Mag sein, dass die augenscheinliche Erosion so großen Schaden angerichtet hat, dass wir nie erfahren werden, wie die Pyramidenkomplexe einst ausgesehen haben. Vielleicht ist ja mal das Glück auf Seiten der Archäologen und sie entdecken Baupläne, so es die denn je gegeben haben sollte.


Manchmal drängt sich mir ein Verdacht auf: dass wir gar nicht alles wissen sollen, was wir wissen könnten. Was Wissenschaftler herausgefunden haben, das passt nicht immer zum aktuellen Wissensstand. So erfuhr ich vor Ort, dass im  Umfeld der Pyramiden von Túcume und Sipán »einige kostbare Masken« gefunden wurden, die ein Merkmal aufweisen, das nun gar nicht zu Südamerika passt: Sie hatten eingelegte blaue Augen!

Foto 7: Auch das sind künstliche Strukturen

Bis heute konnte ich in der wissenschaftlichen Literatur keinen einzigen Hinweis auf diese Masken mit blauen Augen finden. Ich konnte auch keine Maske in den Museen vor Ort (1) entdecken. Nur Thor Heyerdahl erwähnt eine (8) »auffallend blauäugige Mumienmaske von Sipán«, die er seinem Bekunden nach selbst in Händen hielt.

Hatten die Erbauer der Pyramiden also blaue Augen und woher kamen sie? Woher kam der erste Herrscher, Ñaymlap per Floß? Gab es Kontakt mit Europa, als die ersten Pyramiden an der Küste Perus gebaut wurden? Gab es lange vor Kolumbus europäische »Entdecker«? Gab es lange vor Kolumbus weltweite Seefahrt? Wurden die Ozeane schon sehr viel früher überquert als man heute noch glauben zu müssen meint? Am 8.5.2013 berichtete die Tageszeitung »Welt« (9):

»Wie kamen blonde Weiße vor Kolumbus nach Peru? Als die Konquistadoren in die Anden kamen, staunten sie über die hellhäutigen Chachapoyas. Nach genetischen Untersuchungen ist sich Hans Giffhorn sicher: Es handelt sich um Nachfahren von Kelten. Wer sich die Hinterlassenschaften der Kelten anschauen möchte, fährt naheliegender Weise zu den einschlägigen Orten in Deutschland, nach Frankreich und in andere Länder Westeuropas, um Überreste von Siedlungen, Grabstätten und Verteidigungsanlagen zu finden. Hat er sie alle durch, kann er allerdings auch nach Südamerika fahren, um am Ostrand der Anden Bauwerke und andere kulturelle Errungenschaften jenes frühen europäischen Volkes und seiner Nachfahren zu bewundern – alles aus einer Zeit viele Jahrhunderte vor der ersten Überfahrt von Christoph Kolumbus. Kelten waren nämlich lange vor Kolumbus in der Neuen Welt. Gemeinsam mit Karthagern.«

Foto 8: Pyramide und Wüstenei verschmelzen scheinbar

Es gibt durchaus Hinweise auf für bislang in der Wissenschaft bestrittene sehr frühe Besucher aus Europa in Peru. Sollten gar die Erbauer der nordperuanischen Riesenfestung Kuelap in den Hochanden ursprünglich aus Europa gekommen sein (10)? Noch sind derlei Spekulationen für die anerkannte Schulwissenschaft ein böses Sakrileg. Noch, so scheint mir, wagen Wissenschaftler aus Angst um ihr Renommee nicht, in dieser Richtung auch nur zu forschen. Wird sich daran etwas ändern? Kann sich daran überhaupt kurzfristig etwas ändern? Warum sträuben wir uns so sehr gegen die Vorstellung, dass die Menschheitsgeschichte nicht linear verlief? Weil wir Menschen des 21. Jahrhunderts uns unseren Vorfahren unbedingt haushoch überlegen fühlen möchten? Können wir nicht akzeptieren, dass die Menschheit vor Jahrtausenden sehr viel fortgeschrittener war als unsere Väter und Großväter? Die Bauten von Lambayeque und Kuelap stehen in keiner direkten Verbindung. Es wurden ganz unterschiedliche Baumaterialien verwendet. Und doch haben sie vielleicht etwas gemeinsam. Sie alle könnten nämlich Zeugnis ablegen für eine Hochkultur, die lange vor Kolumbus Transatlantikreisen beherrschte. Derlei Reisen darf es aber nach aktueller Wissenschaft nicht gegeben haben, also kann es auch nicht zu derartigen Reisen über die Meere gekommen sein?


Foto 9: Die Stadt der Wolkenmenschen (Chachapoyas)

Fußnoten
1) Diese Museen sind ein »Muss«:
»Museo Tumbas Reales de Sipán«, das »Museum der Königsgräber von Sipán«, Lambayeque
»Museo Arqueologico Nacional Brüning«, Lambayeque
»Museo de Sitio de Tucume«
»Museo de sitio Huaca Rajada«, Sipan
2) Heyerdahl, Thor: »Die Pyramiden von Tucumé«, München 1995, S. 8, Zeilen 1-7 von unten und Seite 10, Zeilen 1 und 2 von oben
3) ebenda, S.10, Zeilen 3-7 von oben
4) Heutige Schreibweise ist Túcume, nicht mehr Tucumé.
5) Heyerdahl, Thor: »Die Pyramiden von Tucumé«, München 1995, Seite 10, Zeilen 11-13 von oben
6) 2. Buch Mose Kapitel 19, Vers 23
7) 2. Buch Mose Kapitel 19, Vers 18
8) Heyerdahl, Thor: »Die Pyramiden von Tucumé«, München 1995, S. 17, 2. Zeile von unten
9) Meine Quelle ist die Online-Version des zitierten Artikels!
10) Meine Quelle ist die Online-Version des Artikels »Die Kelten kamen bis nach Peru«  der »Wienerzeitung« vom 20.9.2013


Foto 10: Eingang zum Komplex Kuelap


Zu den Fotos
Foto 1: Pyramidenkomplex von Túcume im Überblick. Foto wikimedia commons/ Euyasik
Foto 2: Pyramiden, Mauern, Plattformen von Túcume. Foto wikimedia commons Lomita
Foto 3: Schutzdächer für Archäologen (Túcume). Foto wikimedia commons Lourdes Cardenal
Foto 4: Pyramide an Pyramide oder Rampe und große Pyramide? Foto wikimedia commons Euyasik
Foto 5: Imposanter Teilbereich des Pyramidenkomplexes (Túcume). Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Abgeflachte Pyramide von Túcume. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Auch das sind künstliche Strukturen. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Pyramide und Wüstenei verschmelzen scheinbar. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 9: Die Stadt der Wolkenmenschen (Chachapoyas). Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 10: Eingang zum Komplex Kuelap. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 11: Walter-Jörg Langbein unterwegs im Reich der Wolkenmenschen. Foto Ingeborg Diekmann


Foto 11: Walter-Jörg Langbein 
unterwegs im Reich der Wolkenmenschen. 
Foto Ingeborg Diekmann


394 »Auf der Suche nach der ältesten Pyramide«,
Teil  394 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 06.8.2017

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Sonntag, 5. Juni 2016

333 »Der Schrei der Banshee«

Teil 333 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Die Mauer von Kuelap

Archäologie-Student Werner Kaiser (1) will in den Anden Nordperus in der mysteriösen Stadt der Wolkenmenschen, Kuelap, einen Spuk erlebt haben. Ich bat um möglichst viele Einzelheiten und hielt die Zeugenaussage Kaisers schriftlich fest.

Die Erscheinung glich nach den Aussagen Kaisers einer Mumie der Chachapoyas, wie sie in verschiedenen Gräbern in Felssteinwänden vorgefunden wurden.

»Das Ding war in ein arg verschlissenes, zerfetztes, sich seit Jahrhunderten auflösendes Tuch gewickelt. Man sah die Füße des Skeletts, auch die knöchernen Hände. Der Schädel flößte mir besonders intensive Angst ein. Das Maul der Kreatur war unnatürlich in die Länge verzerrt und weit geöffnet. Der Schädel war weiß, die Zähne ähnelten denen eines Raubtiers oder Vampirs. Fast perückenhaft wirkte dass rotbraune Haar.«

Foto 2: Zwei Mumien vom Chauchilla-Friedhof.

Ganz ähnliche Mumien-Skelette habe ich zu Dutzenden auf dem Friedhof von Chauchilla gesehen. Entdeckt wurde der Friedhof angeblich erst in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Genutzt wurde er mindestens seit dem späten zweiten nachchristlichen Jahrhundert. Vermutlich wird das riesige Areal unweit der legendären Ebene von Nazca auch heute noch von Grabräubern heimgesucht. Das anrüchige Gewerbe wird dort wohl schon seit vielen Jahrhunderten praktiziert. Man sucht nach Gräbern, zerrt die Mumien heraus und hofft, dass ihnen wertvoller Schmuck aus Gold auf die Reise ins Jenseits mitgegeben wurde. Vermutlich wurden zigtausende Mumien zerhackt. Wer über den Friedhof geht, muss erkennen, dass der Boden über Quadratkilometer übersät ist mit kleinen und größeren Knochensplittern. In Löchern hocken für uns Besucher Mumien. Oft steckt der gesamte Leib der Toten in einer sackartigen Hülle, auf die man den Schädel gesetzt hat. Prägnant sind die rotbraunen Haare der Mumien.


Foto 3: Schrei der Mumie.
Am »krassesten«, so Werner Kaiser, sei der laute, schmerzhafte, schrille Schrei gewesen. »Wie lange das entsetzliche Geräusch zu hören war, das weiß ich nicht mehr. Es kam mir wie eine Ewigkeit vor. Ich denke aber, es waren eher nur einige Sekunden als Minuten!« Als wir uns schließlich verabschiedeten, raunte mir Werner Kaiser zu: »Plötzlich spürte ich, dass ich mich wieder regen konnte. Obwohl es schon recht düster war, rannte ich wieder der Blitz aus Kuelap und den steilen, schmalen Weg hinab. Als ich schon ein ganzes Stück zurückgelegt hatte, legte ich eine Verschnaufpause ein.« Angeblich habe er dann aus der Distanz erneut den grellen Schrei gehört – und seit weiter bergab gerannt, bis er völlig erschöpft an seinem Leihwagen ankam.

Wahrheit oder Fiktion, erlebte unheimliche Wirklichkeit oder blühende Fantasie? Ich weiß es nicht. Was ich aber weiß: Schon vor Jahrzehnten hörte ich auf einer ausgedehnten Englandreise mehrfach vom Schrei der Banshee. Der soll auch durch Mark und Bein gehen! In England erzählte man mir bei meinen Recherchen in Sachen Mysterien unseres Planeten von Banshee, einem weiblichen Geist. Der Name leitet sich vom Irisch-Gälischen »bean sí«, zu Deutsch »Frau aus den Hügeln« ab. Nach altem keltischen Volksglauben, der in Irland noch recht lebendig ist, stammt sie aus dem »Feenreich«, als Geisterfrau könne die Banshee zwischen der Anderswelt der Toten und der Welt der Lebenden pendeln.

Das »Lexikon der keltischen Mythologie« verrät uns (2): »Ihr Rufen, das den Menschen die Haare zu Berge stehen und sie die unendliche Einsamkeit verspüren läßt, ertönt oft nur dreimal, manchmal dauert es jedoch die ganze Nacht an. Distanzen sind für sie gegenstandslos; in vielen Beispielen kündet sie den Tod von Verwandten in Amerika oder Australien an.«

Foto 4: Banshee. Darstellung aus der Zeit um 1825.

Banshees werden noch heute in Irland und Schottland als Todesbotinnen angesehen. Ihr Schrei wird unterschiedlich, oft als schrill und kreischend, beschrieben. Der Mumien-Geist von Kuelap mag ganz ähnlich geklungen haben, hatte aber rein äußerlich überhaupt nichts mit einer Banshee gemeinsam. Ich darf noch einmal das »Lexikon der keltischen Mythologie« zitieren (3): »In der Volkskunde gehört sie zu den bestbeschriebenen Figuren: Sie zeigt sich als ›kleine Alte‹, in weißen oder roten Gewändern, zuweilen rot beschuht. Ihr prächtiges Haar, ob weiß, golden, braun oder rot, trägt sie lang und lose und kämmt es mit einem goldenen oder silbernen Kamm.«

Zur Todesbotin wurde die Banshee freilich erst in christlicher Zeit. Ursprünglich war sie eine Göttin. Verehrt wurde sie von den »Tuatha Dé Danann« in Irland. Der Name des mysteriös-mythisch-legendären Volks lässt sich mit »das Volk der Göttin« übersetzen, was auf matriarchalische Ursprünge hinweist. Die Menschen vom »Volk der Göttin« sollen aus den »nördlichsten Inseln der Welt«, nach anderen Quellen aus Griechenland stammen.

Die Wurzeln der Banshee aufzuspüren, das ist nicht leicht. In der Sagenwelt wurde Banshee zu einem Gattungsbegriff, es gab nicht eine, sondern viele Banshees. In manchen Volkslegenden wird jeder Familie eine eigene Banshee zugeordnet. Banshees tauchen immer dann auf, wenn ein Familienmitglied bald sterben wird. Die Banshees haben als Königin Áine, die irische Muttergöttin. Über Áine verrät uns das »Lexikon der keltischen Mythologie« einiges (4):

»Im Irischen bedeutet ›Áine‹ ›Helligkeit‹, ›Hitze‹, ›Geschwindigkeit‹ und tritt sowohl als weiblicher als auch männlicher Name in der irischen Sage auf, was auf eine (vor)keltische Sonnengöttin und den keltischen Sonnengott schließen läßt, die täglich mit Pferd und Wagen, als Reiter beziehungsweise Reiterin … den Himmelsraum durchmessen.«

Offensichtlich waren die weibliche und der männliche Áine so tief im keltisch-irischen Volksglauben verwurzelt, so dass beide lange der Christianisierung trotzten. Da die beiden nicht offiziell abgeschafft werden konnten, durften sie weiterleben (5): »Die Christianisierung ließ dem Sonnengott Áine die Stellung als Stammvater der Eóganacht-Sippe, während die Göttin Áine zur Feenkönigin degradiert wurde.«

Foto 5: Die Keltin an der Kirchenwand.

Kurzer »Ausflug« in die Gegenwart: Auch heute noch gedenkt man kirchennah der keltischen Vergangenheit. Da gibt es zum Beispiel eine sehr schöne Grabstele mit Medaillon und Reliefbüste einer keltischen Frau aus alten Zeiten. Wo? An der Apsis der Filialkirche in Lendorf, im 14. Bezirk »Wölfnitz« der Landeshauptstadt Klagenfurt, Kärnten, Österreich. Wer Keltisches im Christlichen sucht, wird fündig: Göttin Danu bildete zusammen mit Brigid und Anu eine weibliche Dreifaltigkeit. Die drei keltischen Göttinnen kann man als drei Seiten der weiblichen Schöpfungskraft verstehen, oder als Pendent zur Trinität der christlichen Theologie.

»Tuatha Dé Danann« lässt sich, wie gesagt, »das Volk der Göttin« übersetzen. Es geht aber konkreter: »Volk der Göttin Dana/ Danu«. Danu (moderner Dana) war die große göttliche Urmutter, von der alle Lebewesen abstammen. Urmutter alles Lebenden war, was heutige Bibel-Übersetzungen leider verbergen, auch Eva. Ich darf aus meinem Buch »Als Eva noch eine Göttin war« (6) zitieren:

Foto 6 Als Eva noch eine Göttin war

»Die Hoffnung für Alle-Ausgabe der Bibel versucht dem Laien den Zusammenhang zu verdeutlichen, indem eine Übersetzung von Eva angeboten und in Klammern eingefügt wird: ›Adam gab seiner Frau den Namen Eva (›Leben‹), denn sie sollte die Stammmutter aller Menschen werden.‹

Eva, so meint der Laie verstehen zu müssen, heißt also Leben. Und weil Eva die ›Stammmutter aller Menschen‹ wurde, nannte ihr Mann Adam sie in prophetischer Weitsicht ›Eva‹, eben ›Leben‹. Die tatsächliche Brisanz des Textes geht allerdings in sämtlichen Übersetzungen verloren. Im hebräischen Original steht nämlich, wortwörtlich ins Deutsche übertragen: ›Und der Mann nannte seine Frau Eva, denn sie war die Mutter aller lebenden Dinge/ alles Lebendigen.‹

Im Originaltext ist Eva nicht nur Stammmutter aller künftiger Menschen, sondern alles Lebendigen: und das sind nach uralter Vorstellung die Pflanzen, die Tiere, die Menschen – und die Götter. Eva erhält also ihren Namen, weil sie als wirkliche Urmutter von Tieren, Menschen und Göttern und nicht nur von den Menschen angesehen wurde!«

Fußnoten

1) Name vom Verfasser geändert, strikte Vertraulichkeit wurde vereinbart und bleibt gewahrt.
2) Botheroyd, Sylvia und Paul F.: »Lexikon der keltischen Mythologie«, München 1992, S. 36, linke Spalte, Zeilen 15-21 von oben (Rechtschreibung wurde in Zitaten unverändert übernommen, also ß statt ss!)
3) ebenda, Zeilen 8-14
4) ebenda, Seite 13, Artikel »Áine«
5) ebenda, Seite 13, Artikel »Áine«
6) Langbein, Walter-Jörg: »Als Eva noch eine Göttin war«, Großgerau, Oktober 2015,
Foto 7

Zu den Fotos:

Foto 1: Die Mauer von Kuelap. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Zwei Mumien vom Chauchilla-Friedhof. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Schrei der Mumie. So soll die Spukerscheinung ausgesehen haben.
Das Foto zeigt zur Veranschaulichung eine Mumie aus dem Friedhof von Chauchilla, Peru. Das Foto wurde bearbeitet, um der Schilderung Werner Kaisers besser zu entsprechen. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Banshee. Darstellung aus der Zeit um 1825. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Die Keltin an der Kirchenwand. Foto wikimedia commons/ Johann Jaritz
Foto 6 Als Eva noch eine Göttin war, Buchcover. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7 Adam und Eva um 1550 gemalt/ wiki commons (rechts)


334 »Halloween und der Mord an John F. Kennedy«,
Teil 334 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         

von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 12.06.2016


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Sonntag, 29. Mai 2016

332 »Der Schrei der Mumie«

Teil 332 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Spukt es in Kuelap?

»Völlig erschöpft erreicht ich die mysteriöse Ruine der einstigen Metropole der Chachapoyas. Es war kalt. Die Luft war – kein Wunder, bei einer Höhe von 3.000 Metern über dem Meeresspiegel – natürlich sehr dünn. Jeder Atemzug tat weh. Plötzlich war ich in Nebel getaucht. Oder waren es dichte Wolken? Eben noch hatte ich die gewaltige Mauer von Kuelap in greifbarer Nähe gesehen. Jetzt war sie verschwunden! Eben war mir noch angenehm, von der Temperatur her. Und jetzt war mir kalt.«

Foto 2: Ingeborg Diekmann
So schilderte mir Archäologie-Student Werner Kaiser (1) seinen Besuch in Kuelap. Nach einem Diavortrag über »Peru und seine Geheimnisse« waren wir ins Gespräch gekommen. Ich hatte auch über meinen Besuch in Kuelap berichtet.

Tagelang habe ich mich vor Ort aufgehalten. Ich bin außen die Monstermauer abgeschritten. Ich habe die schmalen Ein- und Ausgänge studiert wie steinerne Bücher. Steile Treppen führen durch hohe, schmale, künstlich geschaffene Spalten durch die Monstermauer in das Innere der wehrhaften Stadt. (Foto 2, links: Ingeborg Diekmann hat einen der engen Eingänge fast durchschritten.)

Türen oder Tore waren nicht erforderlich. Es genügten wenige Verteidiger, die jedes Eindringen unmöglich machen konnten. Von oben wurden die Feinde mit Steinen beworfen. Tödlich getroffen sanken sie nieder, versperrten mit ihren Körpern nachrückenden Kämpfern den Weg. Auf breiter Front konnte nicht angegriffen werden. Nur wenige Krieger konnten sich gleichzeitig durch die schmalen Zugänge zwängen. Und die, die den Steinhagel überstanden, konnten im Kampf Mann gegen Mann besiegt werden. Ein riesiges Heer war also nutzlos, da immer nur wenige zugleich versuchen konnten, in die Stadt einzudringen. Die Monstermauer war viel zu hoch, als dass sie hätte schnell erklommen werden können. Wenn das jemand versuchen wollte, konnte er von oben mit Steinhagel eingedeckt werden.

Ob die Inka Kuelap je eingenommen haben? Oder wurde die Stadt warum auch immer aufgegeben? Fiel sie durch Verrat?

Foto 3: Kuelap über den Wolken

»Eben noch arbeitete ich mich im wabernden Nebel vor. Und plötzlich stand ich direkt vor der Mauer von Kuelap, im strahlenden Sonnenlicht. Und unter mir machte ich den Nebelschleier aus. Oder waren es Wolken? Jedenfalls wurde mir klar, wie hoch über Normalnull Kuelap angelegt worden war!«

Mich hat die nicht wirklich in Worte zu fassende Abgeschiedenheit von Kuelap zutiefst beeindruckt. Und damit meine ich nicht nur die räumliche Distanz der in den hohen Anden aufgetürmten Metropole. Diese Ferne vom Leben in niederen Gefilden war einst ein Schutz der Chachapoyas. Sie wurden von Feinden so schnell nicht entdeckt. Kuelap kam mir vor wie eine surreale Insel, fern von jeder Zeit. Wenn ich in Kuelap war, dann war der stressige Alltag unserer modernen Zeit weit, weit weg. Und in Kuelap, so versicherte mir Werner Kaiser, spukt es. Zumindest will er dort den Schrei der Mumie gehört und eine gespenstische Erscheinung gesehen haben.

Foto 4: Rekonstruiertes Rundhaus
Die monströse Wehrmauer bietet einen imposanten Eindruck. Im Inneren sind noch die Fundamente der seltsamen Rundhäuser zu erkennen. Archäologen haben so ein Gebäude rekonstruiert. Andere Reste von Bauwerken sind nur noch so bruchstückhaft erhalten, so dass nicht mehr zu erkennen sind, welchem Zweck sie einst dienten. Leider gibt es auch keinerlei Schrifttum der Erbauer der Stadt, so dass wir wohl auf so viele Fragen keine Antworten erhalten werden. Wir wissen nichts über das Leben der Chachapoyas. Wir wissen auch überhaupt nichts über die Religion der Chachapoyas. Wir kennen nicht ihre Sagen und Legenden, ob sie an ein Leben nach dem Tode glaubten und wie sie wohl – falls überhaupt – Götter verehrten und anbeteten.

Ungeduldig fragte mich Archäologie-Student Werner Kaiser nach meinem Vortrag: »Haben Sie auch die Knochen gesehen?« Das hatte ich in der Tat. Ich war im Inneren von Kuelap auf massive Gebäudereste geklettert, hatte da und dort enge Spalten in dicken Mauerstümpfen entdeckt und hatte mich neugierig hineingezwängt. Mir waren seltsame, leicht zu übersehende, sauber gearbeitete kleine »Eingänge«  aufgefallen. Ich habe sie, so gut es ging, erkundet. Da und dort lagen, geschützt von Ruinenresten Knochen, offensichtlich menschliche Knochen. Waren es Gräber im steinernen Mauerwerk? Wurden da einst Tote von den Chachapoyas bestattet? Oder war ich auf Reste von einst geopferten Menschen gestoßen?

Foto 5: Knochen im Gemäuer von Kuelap

Die Abgeschiedenheit von Kuelap bot bislang Schutz. Wenn sich aber erst einmal zigtausende Menschen auf den Weg machen und in Massen durch die »Ruine« ziehen? Von Vandalismus will ich gar nicht reden. Für einen solchen Ansturm ist die Stadt nie gedacht gewesen. Ich fürchte, dass vieles zerstört werden wird, bevor eine profunde Forschung beginnt. Das ist ja der »circulus vitiosus«, der »Teufelskreis«. Heute fehlt das Geld für umfangreiche Erforschung der Stadt in den Hochanden und für ihren Schutz vor dem Verfall. Viele Touristen würden viel Geld bringen, könnten also Forschung und Erhalt der faszinierenden Stätte finanzieren. Viele Touristen würden aber auch gefährden, was doch geschützt, erhalten und erforscht werden soll!

Foto 6: Das »Castillo« von Kuelap

Werner Kaiser schien es gar nicht abwarten zu können, bis die Zuhörerinnen und Zuhörer nach meinem Diavortrag und der anschließenden Diskussion endlich gegangen waren. Als ich meinen Diaprojektor einpackte, erzählte er mir aufgeregt eine kuriose Geschichte. Ob er wirklich erlebt hat, was er mir da offenbarte? Das jedenfalls behauptete er mit Nachdruck. Ich gebe seinen Bericht wieder, ohne eine Wertung vorzunehmen.


Foto 7: Das Gesicht am »Castillo«

Werner Kaiser: »Es war schon später Nachmittag, als ich die Ruine betrat. Ich war offenbar allein. Jedenfalls begegnete mir schon beim Aufstieg und dann auch innerhalb der Mauer kein Mensch. Als ich gerade die seltsame Gravur am Mauerwerk eines eigenartigen Turmstumpfs untersuchte, hörte ich plötzlich einen gellenden Schrei, der mir durch Mark und Bein fuhr! Woher kam er? War da jemand in Lebensgefahr?«


Foto 8: So soll der Geist ausgesehen haben

Diesen Turm habe ich bei meinem Besuch genauer »unter die Lupe genommen«. Ich habe die wissenschaftliche Literatur dazu studiert. Vermutlich war er einst von astronomischer Bedeutung. Ich glaube, er war eine Art von Observatorium. Das »Castillo« hatte, so nennt man ihn heute, hatte ursprünglich wie Ausgrabungen ergeben haben, ein rechteckiges Fundament und bestand aus drei plattformartigen Stockwerken. Heute ist das »Castillo« einsturzgefährdet. Holzbalken sollen Mauerwerk stützen. Eingraviert in einen der Mauersteine: ein menschliches Antlitz.


Foto 9: Der »schreiende Schädel«
Wen oder was stellt es dar? Tatsächlich gibt es die Theorie, es könne sich bei Kuelap insgesamt um ein Solar-Observatorium gehandelt haben. (2) Sollten die Chachapoyas einem Sonnengott gehuldigt haben?

Werner Kaiser: »Ich lauschte. Woher kam dieser Schrei? In welche Richtung musste ich eilen, wenn ich helfen wollte? Ich rannte, so gut ich im unebenen, unwegsamen Gelände konnte, los. Ich stürzte, verletzte mich dabei. Ich wollte so schnell wie möglich aufstehen, fühlte mich aber irgendwie wie gelähmt. Ich konnte mich nicht bewegen. Vor mir lagen in einer Art Nische bleiche Knochen. Es waren Menschenknochen. Und für Sekundenbruchteile tauchte in der Nische so etwas wie ein ›Geist‹ auf. Das ›Etwas‹ war – eine Mumie, in Tuch gehüllt. Der Kopf, ein Totenschädel, riss weit seine Kiefer auseinander. Noch einmal stieß das Wesen diesen grässlich schrillen Laut aus!«

Fußnoten

1) Name vom Verfasser geändert, strikte Vertraulichkeit wurde vereinbart und bleibt gewahrt.
2) McGraw, James, sowie Oncina, Manuel, Sharon, Douglas und Torres, Carlos: »Kuelap: A Solar Observatory?«, San Diego, Museum of Man, 1996

Foto 10: Der Totenkopf des Geistes
Zu den Fotos:

Foto 1: Spukt es in Kuelap? Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Ingeborg Diekmann hat einen der engen Eingänge fast durchschritten.Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 3 Kuelap über den Wolken. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4 Rekonstruiertes Rundhaus.Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5 Knochen im Gemäuer von Kuelap.Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6 Das »Castillo« von Kuelap.Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7 Das Gesicht am »Castillo«Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8 So soll der »Geist« in etwa ausgesehen haben.Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 9: So soll der »schreiende Schädel« ausgesehen haben. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 10: So soll der Totenkopf des Mumien-Geistes ausgesehen haben. Foto Walter-Jörg Langbein

Hinweis: Foto 8 zeigt natürlich nicht den Schrei der Mumie. Die Mumie soll in etwa ao ausgesehen haben.
Fotos 9 und 10 zeigen natürlich auch nicht den  schreienden Totenschädel der Mumie. Foto 8 zeigt eine Chachapoya-Mumie, Fotos 9 und 10 wurden auf dem Friedhof von Chauchilla, Peru aufgenommen. Fotos 8 und 9 wurden etwas bearbeitet, um der Schilderung von Werner Kaiser nahe zu kommen.

 333 »Der Schrei der Banshee«,
Teil 333 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 05.06.2016

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