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Sonntag, 27. Oktober 2019

510. »Als Eva noch eine Göttin war«

Teil 510 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

>> Buch »Als Eva noch eine Göttin war« jetzt bei amazon bestellen >>

Foto 1: »Als Eva noch eine Göttin war«. –
Erfolgstitel von Walter-Jörg Langbein
Die Geschichte von Adam und Eva ist die bekannteste der Bibel überhaupt. Auch der Koran kennt Adam. Im Koran werden die Menschen »Kinder Adams« genannt. In der Sure Al-Isra‘ (1) lesen wir: »Und wir waren gegen die Kinder Adams huldreich und haben bewirkt, dass sie auf dem Festland (von Reittieren) und auf dem Meer (von Schiffen) getragen werden, (haben) ihnen (allerlei) gute Dinge beschert und sie vor vielen von denen, die wir (sonst noch) erschaffen haben, sichtlich ausgezeichnet.«

Altes Testament und Koran bieten ganz ähnliche »Urgeschichte« der Menschheit, es gibt aber einen wesentlichen Unterschied. Der Gott des Alten Testaments setzt Adam als Gärtner ins Paradies. Der Adam des Korans freilich spielt eine sehr viel dominantere Rolle als sein jüdisches Pendant. Der Gott des Korans verkündet den Engeln vor der Erschaffung Adams, dass er den ersten Menschen als »chalīfa« einsetzen werde. Während meines Studiums der evangelischen Theologie in Erlangen, aber auch in Göttingen, hatte ich immer wieder Gelegenheit, mich mit Muslimen über die Problematik der richtigen Übersetzung des Korans zu unterhalten. Ein konkretes Beispiel: Adam bekommt von Allah die Position eines »chalīfa«. Wie aber übersetzt man »chalīfa« ins Deutsche? Ein »chalīfa« ist im Arabischen gewöhnlich ein »Stellvertreter« oder »Nachfolger«. Beide Ausdrücke tauchen in unterschiedlichen Übersetzungen auf. Rudi Paret (*1901; †1983)  formuliert es so (2): »

Ich werde auf der Erde einen Nachfolger einsetzen!« Die angeblich wortgetreue Übersetzung von Dr. Ullmann bietet an (3): »Ich will auf Erden einen Statthalter setzen.« Was also war Adam? »Nachfolger« oder »Statthalter«? Ich bin versucht, den Adam des Korans als eine Art »Papst« zu sehen, als »Stellvertreter« Gottes auf Erden. Diese hohe Stellung Adams in der Schöpfung nach dem Verständnis des Korans erklärt die Dominanz des Mannes im Weltbild der Muslime.

Die Engel sind von dieser Idee ganz und gar nicht begeistert und warnen Gott (3): »Willst du auf ihr (auf der Erde) jemand einsetzen, der auf ihr Unheil anrichtet und Blut vergießt … ?« Offensichtlich lässt such Allah nicht von seinem Vorhaben abbringen und schlägt die mahnenden Worte der Engel in den Wind.  Betrachtet man die Weltgeschichte bis in die Gegenwart, so kann man nur konstatieren, dass sich die Prophezeiung der Engel bewahrheitet hat. Der Mensch richtet auf Erden in der Tat Unheil an und vergießt Blut.

Foto 2: Adam nach Albrecht Dürer. 
Briefmarke Vereinigte Arabische Emirate
(1971)
Im Alten Testament (4) wie im Koran (5) darf Adam die Tiere benennen. Mit dem Beim-Namen-Nennen erhält Adam, das ist eine uralte magische Vorstellung, Macht. Diese magische Vorstellung findet sich noch im Märchen von Rumpelstilzchen, der seine Macht verliert, sobald man ihn beim Namen nennt.

Im Koran benennt Adam nicht nur alle Dinge, er ruft auch die Engel, so wie von Gott befohlen beim Namen (6): »Er (Gott) sprach: ›O Adam, nenne ihnen ihre Namen!‹« Somit steht Adam über den Engeln, die sich, wieder auf Geheiß Gottes, vor Adam zu Boden werfen müssen. Das tun alle Engel, mit Ausnahme des hochmütigen Iblis. Iblis will Allah beweisen, dass die Menschen unwürdig sind, so dass man von ihm nicht erwarten kann, sich demütig vor den Menschen zu Boden zu werfen. Allah willigt ein und Iblis darf bis zum Jüngsten Tag versuchen zu beweisen, dass der Mensch unwürdig ist (7).

Die Geschichte von Adam und Eva ist die bekannteste der Bibel überhaupt. Auch der Koran kennt Adam. Im Koran werden die Menschen »Kinder Adams« genannt. Im Alten Testament wie im Koran wird Adam von Gott geschaffen. Freilich sind Adam und Eva sehr viel älter als der Koran und das Alte Testament. Nehmen wir die Spur auf!

Adam erhebt sich im Alten Testament über Eva. So wie er alle Tiere benennt und so Macht über sie erhält, so benennt er auch seine Frau (8): »Und er rief, Adam, einen Namen seiner Frau: Chawa, denn sie wurde die Mutter aller Lebenden.«

Foto 3:
Eva nach Albrecht Dürer.
Wirklich verständlich ist diese Erklärung für den Bibelleser nicht. Es drängt sich doch die Frage auf, wieso Adam seine Frau »Eva« genannt haben soll,  weil sie »die Mutter aller, die da leben« wurde. Der deutsche Text gibt keine Erklärung.

Die »Hoffnung für Alle«-Ausgabe der Bibel versucht dem Laien den Zusammenhang zu verdeutlichen, indem eine »Übersetzung« von »Eva« angeboten und in Klammern eingefügt wird: »Adam gab seiner Frau den Namen Eva (›Leben‹), denn sie sollte die Stammmutter aller Menschen werden.«

»Eva«, so meint der Laie verstehen zu müssen, heißt also Leben. Und weil Eva die »Stammmutter aller Menschen« wurde, nannte ihr Mann Adam sie in prophetischer Weitsicht »Eva«, eben »Leben«.
Die Brisanz des Originaltextes geht allerdings in sämtlichen Übersetzungen verloren. Im hebräischen Original steht nämlich, wortwörtlich ins Deutsche übertragen: »Und der Mann nannte seine Frau Eva, denn sie war die Mutter aller lebenden Dinge/ alles Lebendigen.« Im Originaltext ist Eva nicht nur Stammmutter aller künftigen Menschen, sondern alles Lebendigen. Dazu gehören nach uralter Vorstellung die Pflanzen, die Tiere, die Menschen – und die Götter. Eva erhält also ihren Namen, weil sie als wirkliche Urmutter von Tieren, Menschen und Göttern und nicht nur von den Menschen angesehen wurde!

Was vordergründig als eine sprachwissenschaftliche Haarspalterei erscheinen mag, birgt geradezu die Brisanz eines Sakrilegs: Eva war demnach weit mehr als die erste Frau und Mutter aller Menschen, die nach ihr lebten. Sie war die »Mutter alles Lebendigen«. Sie trug damit einen uralten Ehrentitel, den es schon im Sumerischen gab, lange bevor die Bibel geschrieben wurde. »Eva« entspricht der sumerischen Göttin »nin.ti«. »Nin.ti« wurde nicht nur »Herrin des Lebens«, sondern auch »Herrin der Rippe« genannt. Das sumerische »Herrin der Rippe« lässt sich auch mit »Herrin/ Göttin, die Leben erschafft« übersetzen!

Jetzt erscheint die Aussage der Bibel, dass Eva aus Adams Rippe kreiert wurde, in ganz anderem Licht! Eva, die Urmutter alles Lebendigen, war ursprünglich viel mehr als die erste Frau. Sie war eine Göttin, die alles Leben schuf!

Foto 4:  Eva greift nach dem Apfel,
Fotomontage nach einem Motiv
von Maarten van Heemskerck.

Wie Eva wurde die Göttin Ninhursag (alias »Mami« und »Nintu«) auch »Mutter alles Lebenden« genannt, das allerdings schon Jahrtausende vor Entstehung der Bibel. Göttin Ninhursag trug eine Art Ehrentitel: wahre und große Herrin des Himmels. Klingt das nicht auch nach Maria, Jesu Mutter, genannt die »Gottesmutter«?

Eva ist die zum Menschen degradierte einstige »Göttin der Rippe«, die alles Leben schuf. Sie ist die von den biblischen Theologen entmachtete Göttin Ninhursag der Sumerer, die einst als mächtige Erd- und Muttergottheit angebetet wurde. Als Göttin der Fruchtbarkeit bestimmte sie über das Schicksal der Erde. In Tempel-Hymnen wird sie als »wahre und große Herrin des Himmels« gepriesen.

Foto 5: Eva nach
Lucas Cranach d.Ä.
Professor Isaac M. Kikawada (*1937; †2018) war an der Universität von Berkeley, Kalifornien, Experte für die Urgötter des Nahen Ostens. Er veröffentliche die fundierten theologische Bücher »Jesus in the Gospels« (Jesus in den Evangelien) und »Before Abraham was« (Bevor es Abraham gab). Übersetzungen ins Deutsche liegen leider nicht vor. Wirklich brisant sind seine Forschungsergebnisse über Eva, die er im »Journal of Biblical Literature« veröffentlichte. Damit hätte er weltweit heftigste Diskussionen auslösen müssen. Aber anscheinend nimmt man in der »wissenschaftlichen Theologie« kontroverse Meinungen offiziell überhaupt nicht zur Kenntnis, auch dann nicht, wenn sie aus seriöser Quelle stammen. Prof. Isaac Kikawada identifizierte Eva als die Göttin Mami, als die »Herrin aller Götter«.

In der Welt des Vorderen Orients gab es eine Vielzahl von Göttinnen. Genauer gesagt: Es sind unzählige Namen von Göttinnen überliefert, die eine ganz besonders große Rolle in den Glaubenswelten der Menschen gespielt haben müssen. Verfolgen wir die Spur der Göttinnen zurück in die graue Vorzeit! Rasch erkennen wir, dass sie alle einen gemeinsamen Ursprung haben. Am Anfang war nicht der männliche Schöpfergott. Am Anfang war nicht der männliche Urheber allen Seins, sondern die Göttin. Vielfältig wie die unterschiedlichen Namen der Göttinnen, scheinen auchdie ältesten Überlieferungen über den Ursprung allen Seins zu sein.

Foto 6:
Die legendäre
sumerische Göttin
Ninhursag.
Der Schein aber trügt, wie der Anthropologe, Orientalist und Bibelforscher Raphael Patai (*1910; †1996), feststellt (9): »Die ältesten Antworten auf die berühmte Frage nach dem Woher wiederholen immer wieder in mannigfaltiger Form die gleiche Idee: Es war der Körper der Urgöttin, aus dem entweder das Weltenei erschien oder aus dem die Erde geboren wurde. Oder es war der Körper der Göttin selbst, aus dessen Materie die Erde geformt wurde. So beginnen die ältesten Kosmologien mit der Urgöttin.« Schon 1930 kam der Theologe Wilhelm Schmidt (*1868; †1954) in seinem Werk  »Ursprung und Werden der Religion« zur Erkenntnis, dass uralte Kulturen das höchste Wesen häufig als Göttin sahen. Schmidt, ein deutsch-österreichischer römisch-katholischer Priester, Religionswissenschaftler, Sprachwissenschaftler und Ethnologe, war weltweit geachteter Theologe im besten Sinne des Wortes. Er blickte weit über den Tellerrand der eigenen Konfession hinaus.

Die »Urgöttin« Eva, die »Mutter alles Lebenden« wurde mit »Mutter Erde« gleichgesetzt. Im biblischen Buch Hiob (10) wird versteckt noch an das Bild von »Mutter Erde« erinnert: »Nackt kam ich hervor aus dem Schoß meiner Mutter; nackt kehre ich dahin zurück.« Zunächst denkt man an die menschliche Mutter, die das nackte Baby gebiert. Doch im zweiten Teil des Satzes ist vom Tod die Rede: Als nackter Leichnam kehrt der Tote nicht in den Leib seiner irdischen Mutter, sondern in den »Leib« der Erde zurück. Der Tote wird im Erdreich bestattet. Die Erde wird ganz klar als »Schoß der Mutter« bezeichnet, in den der Mensch zurückkehrt. Die verborgene Botschaft lautet also: Mutter Erde hat den Menschen geboren und nimmt ihn nach seinem Tode wieder auf. Sollte man gar einen Schritt weiter gehen können? Spielt der Hiob-Satz auf die Lehre von der Wiedergeburt an: Der Mensch wird geboren, stirbt, aber um wieder geboren zu werden?

Zur vertiefenden Lektüre empfohlen…
Walter-Jörg Langbein: »Als Eva noch eine Göttin war: Die Wiederentdeckung des Weiblichen in der Bibel – Verborgenes Wissen in biblischen Schriften, verbotenen Büchern und sakralen Kunstwerken«, Groß-Geruau 2015; >> amazon

Foto 7: »Als Eva noch eine Göttin war«. –
Erfolgstitel von Walter-Jörg Langbein

Fußnoten
(1) Übersetzung von Paret, Rudi: »Der Koran/ deutsche Übersetzung«, Stuttgart 1979, 2. Auflage, eBook-Version
Sure 30, Vers 70
(2) Ebenda, Sure 2, Vers 30
(3) »Der Koran/ Aus dem Arabischen wortgetreu übersetzt und mit erläuternden Anmerkungen versehen von Dr. L. Ullmann«, Paderborn, ohne Jahresangabe, Seite 21, 9.+10. Zeile von unten
(4) 1. Buch Mose Kapitel 2, Vers 18
(5) 2. Sure, Vers 31. Im Koran darf Adam nicht nur die Tiere, sondern alles, alle Dinge, benennen.
(6) 2. Sure, Vers 32
(7) 38. Sure, Verse 79+80
(8) 1. Buch Mose, Kapitel 3, Vers 20, in meiner wortwörtlichen Übersetzung aus dem Hebräischen.
(9) Patai, Raphael: »The Hebrew Goddess«, 3., erweiterte Auflage, Detroit,
Michigan, USA, 1990
(10) Hiob, Kapitel 1, Vers 21

Zu den Fotos
Foto 1: »Als Eva noch eine Göttin war«. – Erfolgstitel von Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Adam nach Albrecht Dürer.  Briefmarke Vereinigte Arabische Emirate 1971. Foto: Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Eva nach Albrecht Dürer. Foto: Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 4:  Eva greift nach dem Apfel, Fotomontage nach einem Motiv von Maarten van Heemskerck. Foto: Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Eva nach Lucas Cranach d.Ä. Foto: Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Die legendäre sumerische Göttin Ninhursag. Foto: Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 7: »Als Eva noch eine Göttin war«. – Erfolgstitel von Walter-Jörg Langbein



511. »Als Adammu vom Himmel stieg«,
Teil 511 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 3. November 2019



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Sonntag, 29. September 2019

506. »Die 3. Schöpfungsgeschichte«

Teil 506 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Das »Alte Testament der Bibel« wartet mit drei Schöpfungsgeschichten auf. Man kann auch von Mythen sprechen. Die älteste Schöpfungsgeschichte, die wir im »Alten Testament« lesen können, entstand zwischen 1200 und 900 vor Christus. Wir finden sie im 1. Buch Mose, allerdings nicht am Anfang, wie man vermuten sollte. Die jüngere Schöpfungsgeschichte steht vor der älteren. Die älteste steht hier: 1. Buch Mose Kapitel 2,  Verse 4 bis 25. Sie entstand zwischen 1200 und 900 vor Christus. 

Als sie geschrieben wurde, verließen verschiedene semitische Stämme die Wüste Sinai und wanderten in das Kulturland Kanaan ein. Nach und nach entstand das Volk Israel als eine zusammengehörige Einheit. Die einzelnen Nomadengruppen waren glücklich ob ihres günstigen Schicksals. Sie waren der Wüste entronnen. Das satte Kulturland Kanaan, in das sie mit mehr oder weniger Gewalt drängten, erschien ihnen wie ein Paradies.


Foto 1: Ebstorfer Weltkarte, entstanden um 1300

So entstand die Beschreibung des Garten Eden (1): »Und Gott der Herr pflanzte einen Garten gegen Morgen....und allerlei Bäume, lustig anzusehen...und es ging aus von Eden ein Strom zu wässern den Garten...und das Gold des Landes ist köstlich.«

Die zweite, mittlere Schöpfungsgeschichte finden wir an eigentlich unvermuteter Stelle: bei den Psalmen, exakter: als Psalm 104, der etwa 600 v. Chr. entstand. Seit der ersten Geschichte sind inzwischen Jahrhunderte verstrichen. Inzwischen gibt es längst ein Volk Israel. Der Staat Judäa hat sich gebildet. Israel ist eine völkische Einheit, das Leben wird von religiösem Kult bestimmt. Das Volk empfindet großes Zusammengehörigkeitsgefühl. Die Zeiten, da verschiedene Nomadengruppen erst noch zueinander finden mussten, ist vorbei.

Die Form des Textes ist sehr wichtig: Er ist als hymnischer Lobpreis gestaltet, was Zeugnis dafür ablegt, dass sich eine stabile religiöse Gemeinschaft gebildet hat. Im Gegensatz zur ersten, ältesten Schöpfungsgeschichte, steht der Mensch jetzt nicht mehr im Zentrum. Die Schöpfung selbst spielt die Hauptrolle schlechthin, in jenem Stück Literatur von Weltrang. Sie wird in ihrer Vielfältigkeit erfasst. Es wird die Weite des Himmels gelobt, die hohen Berge werden ebenso erwähnt wie die tiefen Täler, zahllose Tiere werden genannt.

Die dritte, jüngste Schöpfungsgeschichte schließlich ist die, die die meisten Menschen als die Schöpfungsgeschichte schlechthin verstehen! Sie steht ganz am Anfang des »Alten Testaments« (Siehe Folge 505!)

587 v. Chr. ist der Tempel zerstört worden. Man hat ihn inzwischen wieder aufgebaut. Die geistige Elite des Volkes Israel hat die schlimme Zeit der babylonischen Gefangenschaft hinter sich gebracht. Gerade diese trostlosen Zeiten fern der geliebten Heimat waren von enormem Einfluss auf das Volk Israel.

Während der Gefangenschaft, also in jenen Jahren, da Hesekiel mysteriösen Erlebnisse hatte, kamen viele Israeliten mit einer neuen Denkungsart in Berührung: mit der Wissenschaft. Während im ältesten Schöpfungsmythos der einzelne Mensch Gott gegenübersteht, wird in der zweiten Geschichte, also in Psalm 104, Gott mit der Gemeinschaft der Prediger und der Betenden konfrontiert.

In der dritten Schöpfungsgeschichte finden wir einen universalen Gott, einen Schöpfer, der sich bei Übersetzung des Originaltexts freilich als eine Ansammlung von Göttern entpuppt.

Wir können uns getrost auf die Suche nach dem Paradies machen. Wo mag es gelegen haben?  Das Wort »Paradies« findet sich nicht im Originaltext. »Paradies« lässt sich vom Persischen ableiten, von »pardes«, was so viel wie Garten heißt. Eden ist sumerischen Ursprungs und bedeutet Ebene. Der Text der dritten Schöpfungsgeschichte im Alten Testament lässt vermuten, dass es sich bei dem Paradies um eine Ebene handelt, in der das Grün von Wiesen dominiert. Wo lag dieses Eden? Wo lag das Paradies?

Foto 2: Der »Garten Eden«,
Hieronymus Bosch,
entstanden etwa 1500 (Ausschnitt)

Die alten Sumerer waren ebenso davon überzeugt, dass es das Paradies, den Garten Eden, wirklich gegeben hat. Die Sumerer beschrieben das Paradies auf Jahrtausende alten Keilschrifttafeln als »Dilmun«. »Dilmun« und »Eden« sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit miteinander identisch.

Das Alte Testament verrät, dass aus jenem Gewässer, das im Paradiese fließt, vier Flüsse werden (2): »Es entspringt aber ein Strom in Eden, den Garten zu bewässern, von da aus teilt er sich in vier Arme: der erste heißt Pischon, das ist der, welcher das ganze Land Chawila umfließt, wo das Gold ist. Und das Gold jenes Landes ist köstlich, auch Balsamerz und Karneolsteine sind dort vorhanden. Der zweite Fluss heißt Gischon: das ist der, welcher das ganze Land Kusch umfließt. Der dritte Fluss heißt Hildekkel, das ist der, welcher östlich von Assur fließt. Der vierte Fluss trägt den Namen Euphrat.«

Laut dem Text des Alten Testaments entspringt im  Paradies ein Fluss, der sich   vierteilt, in vier Flüsse mündet. Diese vier Flüsse hat man schon viele Jahrhunderte lang gesucht. Hildekkel wurde von verschiedenen Paradiesforschern als Tigris-Fluss identifiziert. Übersetzer fügten den Namen, der im hebräischen Original nirgendwo auftaucht, einfach ein, ließen den alten Namen einfach unter den Tisch fallen. War das ein  legitimer Vorgang?

Euphrat und Tigris fließen im Wesentlichen von Norden nach Süden. Wenn die beiden Flüsse einer gemeinsamen Quelle entstammen, dann müsste das Paradies nördlich vom Zweistromland zu finden sein. Andererseits heißt es aber (3), das Paradies habe sich im Osten befunden. In den Osten habe Gott die ersten Menschen gebracht. Andererseits haben sich die Menschen, nachdem sie aus dem Paradies vertrieben worden waren, im Osten niedergelassen. müsste es dann nicht im Westen gelegen haben? (4)

Bevor Sie sich, liebe Leserin und lieber Leser, aufmachen, um das Paradies zu suchen, nehmen Sie sich noch etwas Zeit für meine wortgetreue Übersetzung der 3.Schöpfungsgeschichte! Danke!

1. Buch Mose, Kapitel 2, Verse 4-25

Foto 3: »Der Garten Eden«.
Lukas Cranach der Ältere,
entstanden um 1530 (Ausschnitt).

4) Das sind die Berichte der Schaffung des Himmels und der Erde: ihr Erschaffensein am Tage des Erschaffens, Jahwe, Elohim (=Götter), Erde und Himmel.

5) Und alle Sträucher des freien Feldes noch nicht sie sind auf der Erde und alle Kräuter noch nicht auf dem Felde sprießen sie. Ja, nicht er ließ regnen, Jahwe, Elohim (=Götter), auf die Erde und auf Adam, nicht sein um zu arbeiten auf dem Land.

6) Und Wasserstrom, er steigt auf von dem Lande, er netzte ganz das Antlitz des Ackerlandes.

7) Und er formte, er, Jahwe, Elohim (=Götter), den Adam, Staub von dem Ackerland, und er blies in seine Nasenlöcher den Hauch des Lebens und er wurde, der Mensch, zu einem lebenden Wesen.

8) Und er spannte auf, Jahwe, Elohim, einen Garten in Eden in Richtung Osten und er setzte den Menschen, den er geformt hat, hinein.

9) Und er brachte zu Sprießen, er, Jahwe, Elohim, aus dem Erdenland die Gesamtheit der Bäume, begehrenswert dem Gesicht und gut hinsichtlich des Geschmackes und den Baum des Lebens in der Mitte des Gartens und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse.

10) Und ein Fluss kam heraus aus Eden um zu tränken den Garten und teilt sich dort und er wurde zu vier Häuptern.

11) Der Name des ersten: Pischon, er umfließt das ganze Land Chawilah wo das Gold.

12) Und das Gold des Landes: gut. Dort das Bedellionharz und den Stein Karneol.

13) Und der Name des zweiten Flusses: Gichon, er umgibt das ganze Land Kusch.

14) Und der Name des dritten Flusses: Hidächäl, er fließt östlich von Assyrien, und der Fluss, der vierte, er der Perat.

15) Und er, Jahwe, Elohim, nahm den Adam und er setzte ihn in den Garten Eden, damit er ihn bearbeite und bewache.

16) Und er befahl, Jahwe, Elohim, dem Adam, wie folgt: von allen Bäumen des Gartens ein Essen du isst.

17) Und der Baum der Erkenntnis (oder des Wissens/ des Könnens/ der Einsicht) des Guten und des Bösen nicht sollst du essen von ihm, denn an dem Tag deines Essens von ihm ein Sterben du sterben wirst.

18) Und er sprach, Jahwe, Elohim, nicht gut zu sein (für?) Adam sein Alleinsein; ich mache ihm einen Helfer, der ihm gegenüber sei.

19) Und er formte, Jahwe, Elohim, aus dem Ackerboden alle Tiere des freien Feldes und alle Vögel des Himmels. Und er brachte sie zum Menschen, damit er (Gott) sehe, wie er (Mensch) sie ruft. Und so wie er sie nennen würde, so sollten sie heißen.

20) Und er rief, der Mensch, die Namen, dem Vieh allem und allen Vögeln des Himmels und allen Wesen des Feldes und dem Adam nicht fand er einen Helfer als passend zu ihm.

Foto 4: »Der Garten Eden«.
Lukas Cranach der Ältere,
entstanden um 1530 (Ausschnitt).

21) Und er ließ fallen, Jahwe, Elohim, Tiefschlaf über den Menschen und er (der Mensch) schlief ein und er (Jahwe, Elohim) nahm eine von seinen Rippen und er verschloss an ihrer Stelle (mit) Fleisch.

22) Und er baute, er, Jahwe, die Rippe, die er genommen hat aus dem Adam, zu einer Frau und er brachte sie Adam.

23) Und er sprach, Adam: das Knochen von meinen Knochen und Fleisch von meinem Fleisch, sie wird genannt Männin, ja! Weg vom Mann eine genommene diese.

24) Deshalb er wird verlassen, er, ein Mann, seinen Vater und seine Mutter und er wird festhalten an seiner Frau und sie werden sein ein Fleisch.

25) Und sie waren, ihre Zweizahl (noch wörtlicher: Und sie waren sie beide, sie zwei) nackt, der Adam und seine Frau und nicht schämten sie sich.

Fußnoten
(1) 1. Buch Mose Kapitel 2 Vers 8 bis Vers 12
(2) 1. Buch Mose Kapitel 2 Verse 10-14
(3) 1. Buch Mose Kapitel 2 Vers 8
(4) »Wo lag das Paradies?«, »Das Neue Zeitalter«, Nr. 39/ 1986

Zu den Fotos

Foto 1: Ebstorfer Weltkarte, entstanden um 1300. Gemeinfrei
Foto 2: Der »Garten Eden«, Hieronymus Bosch, etwa 1500 (Ausschnitt). Gemeinfrei
Fotos 3 und 4: »Der Garten Eden«. Lukas Cranach der Ältere, entstanden um 1530 (Ausschnitt). Gemeinfrei.


507. »Sündenfall und Vertreibung aus dem Paradies«
Teil 507 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 6. Oktober 2019



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Sonntag, 8. Juli 2018

442 »Höllenschlund und Höllenfeuer«


Teil 442 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Foto 1: St. Jakobus von Urschalling.

In der »St. Johannes Baptist«-Kirche von Neufahrn wirkt ein Fresko für ein christliches Gotteshaus seltsam unpassend. Was aber auf den ersten Blick an ein Monster, vielleicht an einen Drachen erinnert, stellt ein wichtiges christliches Motiv dar: den Höllenschlund. Darin sitzt der Teufel selbst. Er hält so etwas wie eine Säule, die verhindern soll, dass sich das grässliche Maul wieder schließt. Erst will er eine ganze Reihe von Seelen verstorbener Menschen mit einer Kette in sein Reich zerren.

Foto 2: Blick ins Gotteshaus von Urschalling.

Eine verblüffend ähnliche Szene findet sich als Fresko in einer anderen, sehr geheimnisvollen Kirche, in »St. Jakobus von Urschalling« (Fotos 1 und 2).

Zur Erinnerung: Vollendet wurde das äußerlich unscheinbare Gotteshaus Ende des 12. Jahrhunderts. Der Turm dürfte sehr viel älter sein. Er stammt womöglich, zumindest in Teilen, aus der Römerzeit. Später wurde das kleine Kirchenschiff an den Turm gesetzt und eine Verbindung geschaffen. Nicht ganz klar ist, wann genau die ersten frommen Fresken angebracht wurden. Die ältesten sind vielleicht schon acht Jahrhunderte alt. Um 1550 wurden sie jedenfalls alle überputzt und übertüncht. Sie gerieten in Vergessenheit. Die ältesten dürften aus dem 12. Jahrhundert stammen.

Foto 3: Der Höllenschlund von Urschalling.

Auch in Urschalling gibt es einen furchteinflößenden Höllenschlund (Foto 3). Wie in Neufahrn hockt Satan im Maul. Wie in Urschalling wird die Höllenschnauze daran gehindert, zuzuklappen, aber nicht vom Teufel, sondern von Jesus. Mit seinem Stab, an dessen sich ein Kreuz befindet, verabreicht der Erlöser dem Höllentier eine Maulsperre und lässt eine ganze Reihe von Menschen das Reich des Todes verlassen.

Am Rande bemerkt: In Urschalling gibt es noch einen zweiten Teufel, der allerdings auf dem Monsterkopf (Symbol für Hölle) steht. Dieser Satan ist allerdings stark verwittert.

Foto 4
Eine weitere Darstellung der »Hölle« als Monstermaul entdeckte ich in der »Marienkirche« von Bad Segeberg (Foto 4). 1156 erfolgte in Bad Segeberg die Grundsteinlegung des schlichten Gotteshauses. 1199 erwähnt erstmals eine päpstliche Urkunde den Sakralbau, der allerdings erst im dreizehnten Jahrhundert vollendet wurde.

Betritt man die Marienkirche, so wird in dem fast nüchternen Bau der Blick auf den Altar gelenkt. Wer den Schnitzaltar geschaffen hat, ist nicht mit Sicherheit feststellbar. Fakt ist: Er stammt aus dem frühen 16. Jahrhundert. Es könnte sich um ein frühes Werk des Bildhauers und Bildschnitzers Johannes Brüggemann (um 1480 geboren, etwa 1540 in einem Husumer Armenhaus verstorben) handeln (Foto 5).

Foto 5: Blick in die Marienkirche von Bad Segeberg.

Die Höllendarstellung als Monster fällt in Bad Segeberg im Rahmen der Darstellung des Leidensweges Christi sehr klein aus (Foto 6). Den geöffneten Höllenrachen übersieht man bei der Fülle an Darstellungen auf dem Altaraufbau leicht. Auch begnügt sich hier der Teufel mit einer Seele. Wie so oft wird die Seele eines Verstorbenen als nacktes Kleinkind gezeigt (Foto 7).


Foto 6: Leicht zu übersehen ist der Höllenschlund

In Neufahrn, Urschalling und Bad Segeberg wird den Gottesdienstbesuchern im Bild drastisch vorgeführt, welches Schicksal dem Sünder blüht. Heute werden in unseren Gefilden solche Darstellung wohl eher als allenfalls kunsthistorische Kuriosa betrachtet. Oder als Sinnbilder, die nicht wörtlich verstanden werden dürfen. Manche Theologen verstehen es als Hölle, wenn sich der Mensch von Gott entfernt. Einst mögen drastische Höllenbilder die Menschen in Angst und Schrecken versetzt haben. Heute ist das anders. Schon anno 1999 führte »European Values Study« eine Studie zum Thema Hölle durch (1). In Dänemark, Schweden, Tschechien und den Niederlanden glaubte nur jeder Zehnte an die Existenz der Hölle, in Deutschland waren es 15%. Besonders weit verbreitet war der Höllenglauben im katholischen Nordirland. Da gaben immerhin 6 von 10 der Befragten an, dass ihrer Meinung nach die Hölle real ist. In der Türkei, so ergab die Studie, waren die »Ungläubigen« in der Minderheit, nur 1 von 10 Befragten lehnte den Höllenglauben ab, 9 von 10 der Befragten hatten keinen Zweifel, dass es die Hölle wirklich gibt.

Foto 7: Der Höllenschlund von Bad Segeberg.

Kurios, aber wahr: Während meines Studiums der evangelischen Theologie in Erlangen haben muslimische Studenten aus der arabischen Welt versucht, mich zum Islam zu bekehren. Gerade ich als Theologiestudent müsse doch erkennen, dass das Christentum eine Irrlehre sei. Würde ich weiter dem eingeschlagenen Weg folgen, würde er mich direkt in die Hölle führen. Wiederholt wurden mir unvorstellbar schlimme Qualen geschildert, die ich in der Hölle womöglich bis ans Ende der Zeit erleiden würde.

Einige Male zitierte man für mich aus Sure »An-Nisá«: »Die Unseren Zeichen Glauben versagen, die werden Wir bald ins Feuer stoßen. Sooft ihre Haut verbrannt ist, geben Wir ihnen eine andere Haut, damit sie die Strafe auskosten. Wahrlich, Allah ist allmächtig, allweise.«

Etwas hoffnungsvoller klingt da schon Sure 111 (3): »Was nun die betrifft, die unselig sein sollen, so werden sie ins Feuer gelangen, worinnen für sie Seufzen und Schluchzen sein wird; Darin zu bleiben, solange die Himmel und die Erde dauern, es sei denn, daß dein Herr es anders will. Wahrlich, dein Herr bewirkt alles, was Ihm gefällt.«

Unklar war mir, ob ich als Ungläubiger auf alle Zeiten oder nur befristet im Höllenfeuer würde ausharren müssen. Nach Sure 111 würde die Zeit der Qualen und der Schmerzen so lange währen, bis der Herr, also Allah, »es anders will«. In manchen Übersetzungen heißt es in Sure 9 (4):

»Wissen sie denn nicht, dass für den, der Gott und Seinem Gesandten (Muhammad) zuwiderhandelt, das Feuer der Hölle bestimmt ist?  Darin wird er auf ewig bleiben; das ist die große Demütigung.« Von einer solchen Möglichkeit der Beendigung der Schmerzen im Höllenfeuer weiß Sure 5 (5) nichts: »Sie möchten wohl dem Feuer entrinnen, doch sie werden nicht daraus entrinnen können, und ihre Pein wird immerwährend sein.« »Ihre Pein wird immerwährend sein…«, das sind klare Worte.Nach biblischem Verständnis vertrieb Gott Adam und Eva aus dem Paradies, weil sie gegen sein Verbot verstoßen hatten. Dann setzte Gott Engel als Wächter ein, die Adam und Eva die Rückkehr ins Paradies unmöglich machen mussten (6): »Und er trieb den Menschen hinaus und ließ lagern vor dem Garten Eden die Cherubim mit dem flammenden, blitzenden Schwert, zu bewachen den Weg zu dem Baum des Lebens.«

Im Koran heißt es, dass 19 Engel (7) aufpassen, dass keine Sünder der Hölle entkommen. Ihr Anführer Malik kennt keine Gnade. »Ihr müsst bleiben!« (8), schleudert er den Gepeinigten entgegen, die lieber sterben wollen als weiter das unbeschreibliche Martyrium zu ertragen.

Bis ins kleinste Detail schilderten mir die muslimischen Studienkollegen, was mich alles in der Hölle erwarten würde, es sei denn, ich würde mich zu Islam bekehren lassen. Da ich damals schon die Freuden von Speis‘ und Trank zu schätzen wusste, glaubten die Mitstudenten aus arabischen Ländern wohl mich mit Hinweisen auf höllische Kost in Angst und Schrecken versetzen zu können. Sie versuchten es jedenfalls. Ich staune, wie detailreich das Wissen des Moslem in Sachen in Hölle ist, so er denn den Koran emsig studiert.

Grausamen Hunger würde ich zu erleiden haben. Und als einzige Kost würde es eine Art trockenes Dornengestrüpp geben, das nicht sättigte. Tatsächlich droht solche Kost dem Höllenbewohner (9). Und das bei unvorstellbarer Hitze. Das Höllenfeuer soll 70 Mal so stark sein wie irdisches. Unsäglicher Durst tritt dann natürlich auf, doch es gibt kein kühles Wasser, um ihn zu lindern, sondern nur siedend heißes (10).

»Mehr als dich warnen können wir nicht!«, bekam ich so manches Mal zu hören. »Aber du schlägst ja unsere Mahnungen in den Wind!« Wenn ich dereinst in der Hölle leiden jammern, wehklagen und winseln würde, dann sei es zu spät. »Dann werden dich Engel fragen, ist denn keiner zu dir gekommen um dich zu warnen? Dann wirst du dich an uns erinnern. Du wirst zugeben müssen, dass du erfahren hast, was auf dich wartet. Du aber bist stur geblieben. Dann ist es zu spät!«

Fußnoten
1) Wikipedia-Artikel »Hölle«, Unterkapitel »Umfragen«, aufgerufen Pfingstsonntag, 20. Mai 2018
2) Sure 4, 56. »An-Nisa«, »Die Frauen«
3) Sure 111, 106-10
4) Sure 9, 63, Internetseite »The Religion of Islam«
5) Sure 5, 37
6) 1. Buch Mose Kapitel 3, Vers 24
7) Sure 74, 30
8) Sure 43, 77
9) Sure 88, 6
10) Sure 37, 67
11) Sure 67, 8-10

Zu den Fotos
Foto 1: St. Jakobus von Urschalling. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Blick ins Gotteshaus von Urschalling. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Der Höllenschlund von Urschalling. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: »Marienkirche« von Bad Segeberg. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Blick in die Marienkirche von Bad Segeberg. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Leicht zu übersehen ist der Höllenschlund. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Der Höllenschlund von Bad Segeberg. Foto Walter-Jörg Langbein

443 »Die goldene Füchsin und die Pyramide«,
Teil 443 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 15.07.2018

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Sonntag, 5. Juni 2016

333 »Der Schrei der Banshee«

Teil 333 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Die Mauer von Kuelap

Archäologie-Student Werner Kaiser (1) will in den Anden Nordperus in der mysteriösen Stadt der Wolkenmenschen, Kuelap, einen Spuk erlebt haben. Ich bat um möglichst viele Einzelheiten und hielt die Zeugenaussage Kaisers schriftlich fest.

Die Erscheinung glich nach den Aussagen Kaisers einer Mumie der Chachapoyas, wie sie in verschiedenen Gräbern in Felssteinwänden vorgefunden wurden.

»Das Ding war in ein arg verschlissenes, zerfetztes, sich seit Jahrhunderten auflösendes Tuch gewickelt. Man sah die Füße des Skeletts, auch die knöchernen Hände. Der Schädel flößte mir besonders intensive Angst ein. Das Maul der Kreatur war unnatürlich in die Länge verzerrt und weit geöffnet. Der Schädel war weiß, die Zähne ähnelten denen eines Raubtiers oder Vampirs. Fast perückenhaft wirkte dass rotbraune Haar.«

Foto 2: Zwei Mumien vom Chauchilla-Friedhof.

Ganz ähnliche Mumien-Skelette habe ich zu Dutzenden auf dem Friedhof von Chauchilla gesehen. Entdeckt wurde der Friedhof angeblich erst in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Genutzt wurde er mindestens seit dem späten zweiten nachchristlichen Jahrhundert. Vermutlich wird das riesige Areal unweit der legendären Ebene von Nazca auch heute noch von Grabräubern heimgesucht. Das anrüchige Gewerbe wird dort wohl schon seit vielen Jahrhunderten praktiziert. Man sucht nach Gräbern, zerrt die Mumien heraus und hofft, dass ihnen wertvoller Schmuck aus Gold auf die Reise ins Jenseits mitgegeben wurde. Vermutlich wurden zigtausende Mumien zerhackt. Wer über den Friedhof geht, muss erkennen, dass der Boden über Quadratkilometer übersät ist mit kleinen und größeren Knochensplittern. In Löchern hocken für uns Besucher Mumien. Oft steckt der gesamte Leib der Toten in einer sackartigen Hülle, auf die man den Schädel gesetzt hat. Prägnant sind die rotbraunen Haare der Mumien.


Foto 3: Schrei der Mumie.
Am »krassesten«, so Werner Kaiser, sei der laute, schmerzhafte, schrille Schrei gewesen. »Wie lange das entsetzliche Geräusch zu hören war, das weiß ich nicht mehr. Es kam mir wie eine Ewigkeit vor. Ich denke aber, es waren eher nur einige Sekunden als Minuten!« Als wir uns schließlich verabschiedeten, raunte mir Werner Kaiser zu: »Plötzlich spürte ich, dass ich mich wieder regen konnte. Obwohl es schon recht düster war, rannte ich wieder der Blitz aus Kuelap und den steilen, schmalen Weg hinab. Als ich schon ein ganzes Stück zurückgelegt hatte, legte ich eine Verschnaufpause ein.« Angeblich habe er dann aus der Distanz erneut den grellen Schrei gehört – und seit weiter bergab gerannt, bis er völlig erschöpft an seinem Leihwagen ankam.

Wahrheit oder Fiktion, erlebte unheimliche Wirklichkeit oder blühende Fantasie? Ich weiß es nicht. Was ich aber weiß: Schon vor Jahrzehnten hörte ich auf einer ausgedehnten Englandreise mehrfach vom Schrei der Banshee. Der soll auch durch Mark und Bein gehen! In England erzählte man mir bei meinen Recherchen in Sachen Mysterien unseres Planeten von Banshee, einem weiblichen Geist. Der Name leitet sich vom Irisch-Gälischen »bean sí«, zu Deutsch »Frau aus den Hügeln« ab. Nach altem keltischen Volksglauben, der in Irland noch recht lebendig ist, stammt sie aus dem »Feenreich«, als Geisterfrau könne die Banshee zwischen der Anderswelt der Toten und der Welt der Lebenden pendeln.

Das »Lexikon der keltischen Mythologie« verrät uns (2): »Ihr Rufen, das den Menschen die Haare zu Berge stehen und sie die unendliche Einsamkeit verspüren läßt, ertönt oft nur dreimal, manchmal dauert es jedoch die ganze Nacht an. Distanzen sind für sie gegenstandslos; in vielen Beispielen kündet sie den Tod von Verwandten in Amerika oder Australien an.«

Foto 4: Banshee. Darstellung aus der Zeit um 1825.

Banshees werden noch heute in Irland und Schottland als Todesbotinnen angesehen. Ihr Schrei wird unterschiedlich, oft als schrill und kreischend, beschrieben. Der Mumien-Geist von Kuelap mag ganz ähnlich geklungen haben, hatte aber rein äußerlich überhaupt nichts mit einer Banshee gemeinsam. Ich darf noch einmal das »Lexikon der keltischen Mythologie« zitieren (3): »In der Volkskunde gehört sie zu den bestbeschriebenen Figuren: Sie zeigt sich als ›kleine Alte‹, in weißen oder roten Gewändern, zuweilen rot beschuht. Ihr prächtiges Haar, ob weiß, golden, braun oder rot, trägt sie lang und lose und kämmt es mit einem goldenen oder silbernen Kamm.«

Zur Todesbotin wurde die Banshee freilich erst in christlicher Zeit. Ursprünglich war sie eine Göttin. Verehrt wurde sie von den »Tuatha Dé Danann« in Irland. Der Name des mysteriös-mythisch-legendären Volks lässt sich mit »das Volk der Göttin« übersetzen, was auf matriarchalische Ursprünge hinweist. Die Menschen vom »Volk der Göttin« sollen aus den »nördlichsten Inseln der Welt«, nach anderen Quellen aus Griechenland stammen.

Die Wurzeln der Banshee aufzuspüren, das ist nicht leicht. In der Sagenwelt wurde Banshee zu einem Gattungsbegriff, es gab nicht eine, sondern viele Banshees. In manchen Volkslegenden wird jeder Familie eine eigene Banshee zugeordnet. Banshees tauchen immer dann auf, wenn ein Familienmitglied bald sterben wird. Die Banshees haben als Königin Áine, die irische Muttergöttin. Über Áine verrät uns das »Lexikon der keltischen Mythologie« einiges (4):

»Im Irischen bedeutet ›Áine‹ ›Helligkeit‹, ›Hitze‹, ›Geschwindigkeit‹ und tritt sowohl als weiblicher als auch männlicher Name in der irischen Sage auf, was auf eine (vor)keltische Sonnengöttin und den keltischen Sonnengott schließen läßt, die täglich mit Pferd und Wagen, als Reiter beziehungsweise Reiterin … den Himmelsraum durchmessen.«

Offensichtlich waren die weibliche und der männliche Áine so tief im keltisch-irischen Volksglauben verwurzelt, so dass beide lange der Christianisierung trotzten. Da die beiden nicht offiziell abgeschafft werden konnten, durften sie weiterleben (5): »Die Christianisierung ließ dem Sonnengott Áine die Stellung als Stammvater der Eóganacht-Sippe, während die Göttin Áine zur Feenkönigin degradiert wurde.«

Foto 5: Die Keltin an der Kirchenwand.

Kurzer »Ausflug« in die Gegenwart: Auch heute noch gedenkt man kirchennah der keltischen Vergangenheit. Da gibt es zum Beispiel eine sehr schöne Grabstele mit Medaillon und Reliefbüste einer keltischen Frau aus alten Zeiten. Wo? An der Apsis der Filialkirche in Lendorf, im 14. Bezirk »Wölfnitz« der Landeshauptstadt Klagenfurt, Kärnten, Österreich. Wer Keltisches im Christlichen sucht, wird fündig: Göttin Danu bildete zusammen mit Brigid und Anu eine weibliche Dreifaltigkeit. Die drei keltischen Göttinnen kann man als drei Seiten der weiblichen Schöpfungskraft verstehen, oder als Pendent zur Trinität der christlichen Theologie.

»Tuatha Dé Danann« lässt sich, wie gesagt, »das Volk der Göttin« übersetzen. Es geht aber konkreter: »Volk der Göttin Dana/ Danu«. Danu (moderner Dana) war die große göttliche Urmutter, von der alle Lebewesen abstammen. Urmutter alles Lebenden war, was heutige Bibel-Übersetzungen leider verbergen, auch Eva. Ich darf aus meinem Buch »Als Eva noch eine Göttin war« (6) zitieren:

Foto 6 Als Eva noch eine Göttin war

»Die Hoffnung für Alle-Ausgabe der Bibel versucht dem Laien den Zusammenhang zu verdeutlichen, indem eine Übersetzung von Eva angeboten und in Klammern eingefügt wird: ›Adam gab seiner Frau den Namen Eva (›Leben‹), denn sie sollte die Stammmutter aller Menschen werden.‹

Eva, so meint der Laie verstehen zu müssen, heißt also Leben. Und weil Eva die ›Stammmutter aller Menschen‹ wurde, nannte ihr Mann Adam sie in prophetischer Weitsicht ›Eva‹, eben ›Leben‹. Die tatsächliche Brisanz des Textes geht allerdings in sämtlichen Übersetzungen verloren. Im hebräischen Original steht nämlich, wortwörtlich ins Deutsche übertragen: ›Und der Mann nannte seine Frau Eva, denn sie war die Mutter aller lebenden Dinge/ alles Lebendigen.‹

Im Originaltext ist Eva nicht nur Stammmutter aller künftiger Menschen, sondern alles Lebendigen: und das sind nach uralter Vorstellung die Pflanzen, die Tiere, die Menschen – und die Götter. Eva erhält also ihren Namen, weil sie als wirkliche Urmutter von Tieren, Menschen und Göttern und nicht nur von den Menschen angesehen wurde!«

Fußnoten

1) Name vom Verfasser geändert, strikte Vertraulichkeit wurde vereinbart und bleibt gewahrt.
2) Botheroyd, Sylvia und Paul F.: »Lexikon der keltischen Mythologie«, München 1992, S. 36, linke Spalte, Zeilen 15-21 von oben (Rechtschreibung wurde in Zitaten unverändert übernommen, also ß statt ss!)
3) ebenda, Zeilen 8-14
4) ebenda, Seite 13, Artikel »Áine«
5) ebenda, Seite 13, Artikel »Áine«
6) Langbein, Walter-Jörg: »Als Eva noch eine Göttin war«, Großgerau, Oktober 2015,
Foto 7

Zu den Fotos:

Foto 1: Die Mauer von Kuelap. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Zwei Mumien vom Chauchilla-Friedhof. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Schrei der Mumie. So soll die Spukerscheinung ausgesehen haben.
Das Foto zeigt zur Veranschaulichung eine Mumie aus dem Friedhof von Chauchilla, Peru. Das Foto wurde bearbeitet, um der Schilderung Werner Kaisers besser zu entsprechen. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Banshee. Darstellung aus der Zeit um 1825. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Die Keltin an der Kirchenwand. Foto wikimedia commons/ Johann Jaritz
Foto 6 Als Eva noch eine Göttin war, Buchcover. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7 Adam und Eva um 1550 gemalt/ wiki commons (rechts)


334 »Halloween und der Mord an John F. Kennedy«,
Teil 334 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         

von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 12.06.2016


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