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Sonntag, 31. Januar 2021

576. »Vom intuitiven Geist und vom rationalen Verstand«

Teil 576 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


»Unsere Augen glauben an sich selber,
unsere Ohren glauben anderen Menschen,
unsere Intuition glaubt der Wahrheit.«

(Urheber: unbekannt)

Sonntag, 27. August 2017

397 »Von einem, der auszog, um Pfarrer zu werden«

Teil  397 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                        
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Walter-Jörg Langbein als »Prediger« in der Kirche von Kirchbrak

Vor wenigen Tagen wurde ich 63. Ein Studienkollege rief mich an, um mir zu gratulieren. »Vielleicht hättest Du doch Pfarrer werden sollen!«, meinte er beiläufig. »Vielleicht hättest Du doch Dein Studium so kurz vor dem Examen nicht abbrechen sollen! In ein paar Jahren würdest Du als Rentner aus dem Kirchendienst austreten… Bereust Du Deinen Schritt?«

Seit Jahrzehnten werde ich immer wieder gefragt, wieso ich denn nicht Pfarrer geworden sei. Es mag sich vielleicht pathetisch anhören, aber das geschah aus dem Respekt vor dem christlichen Glauben. Ich bin der Meinung, dass sich jeder Kirchgänger darauf verlassen können muss, dass ›sein‹ Pfarrer voll und ganz hinter den Worten steht, die er von der Kanzel predigt. Ich bin der Überzeugung, dass jeder Kirchgänger davon ausgehen können muss, dass Gottesdienst nicht als eine Art »Theateraufführung« dargeboten wird. Vielmehr muss jeder Gläubige die Wahrhaftigkeit »seines« Geistlichen in Glaubensfragen voraussetzen können.

Es mag sein, dass meine Anforderungen an die Geistlichkeit zu hoch sind. Während meines Studiums der evangelischen Theologie habe ich so manchen Mitstudenten kennengelernt, der nicht nur zweifelte, sondern der alles andere als ein gläubiger Christ war. Ich jedenfalls wusste, dass ich nicht in den Dienst der Kirche treten konnte, ja meiner Überzeugung nach nicht durfte. Mir war klar, dass ich nicht predigen wollte und konnte, wovon ich nicht vollkommen überzeugt war.

Foto 2: Evangelische Johannes Kirche Michelau

Ich gebe es ja zu, in Gedanken stelle ich mir manchmal vor, als Pfarrer vor einer Gemeinde zu stehen, zum Beispiel in der »Johannes Kirche« in meinem fränkischen Heimatdorf Michelau. Als Geistlicher würde ich vielleicht dem einen oder dem anderen Geheimnis manches Gotteshauses intensiver auf den Grund gehen können. Ich hätte Zugang zu Krypten, die der Öffentlichkeit womöglich nicht zugänglich sind. Vielleicht würde ich unterirdische Gänge erforschen können,  in die man von Krypten oder Kellern aus gelangt. Tatsächlich gibt es auch heute noch geheimnisvolle Gangsysteme unter Gotteshäusern, von denen wir so gut wie nichts wissen.

Die eigentliche Aufgabe eines Geistlichen freilich ist die Seelsorge. Ich weiß, ich würde den Menschen, die sich hilfesuchend an mich wenden, keinen überzeugenden Trost in schweren Lebenslagen spenden können. Den Trost des Glaubens kann nur vermitteln, wer selbst wirklich glaubt. Alles andere ist Lüge.

Foto 3: Piscator Bibel 1684.

Vor wenigen Tagen wurde ich 63. Mein Leben wäre vermutlich einfacher verlaufen, wäre ich evangelischer Geistlicher geworden. Aber ich habe keinerlei Zweifel: Der Lebensweg, den ich für mich gewählt habe, war der richtige. Mein Studium der evangelischen Theologie war alles andere als vergebens. Ich denke dabei vor allem an die diversen Seminare mit Prof. Ernst Bammel (1923-1996). Prof. Bammel wurde anno 1953 Privatdozent an der Universität Erlangen und 1984 Professor an der Universität Münster (»Wissenschaft des Judentums und neutestamentliche Theologie«). Der sympathische Gelehrte war auch im europäischen Ausland tätig. In den 1960er und 1970er Jahren nahm er mehrere Gastprofessuren in Cambridge wahr.

Sehr gern denke ich an mehrere Seminare, die ich bei Professor Bammel besuchen durfte. Was ich bis heute nicht verstehe: Seine Veranstaltungen waren alles andere als überfüllt. Wer sich wissenschaftlich mit Jesus und seiner Welt auseinandersetzen will, der kommt doch nicht an außerbiblischen jüdischen Quellen vorbei. Bei Prof. Bammel übersetzten wir Ende der 1970er Texte aus der »Qumran-Bibliothek« ins Deutsche, und zwar aus dem Hebräischen. In kleiner Runde erörterten wir interessante Themen. Intensiv beschäftigten wir uns zum Beispiel mit der Frage, ob Jesus in rabbinischen Texten erwähnt wird.  Prof. Bammel übersetzte mit uns auch Texte des Propheten Hesekiel, in Sachen »Herrlichkeit des Herrn« Und siehe da: Eine möglichst wortgetreue, möglichst wortwörtliche Übersetzung von Hesekiels Schilderungen seiner Begegnungen mit dem »Herrn« muten noch technischer an als die gängigen Übersetzungen.

Foto 4: Piscator Bibel 1684.
Hinter vorgehaltener Hand machte mich Prof. Bammel 1977 auf die Bibelübersetzung von Johannes Piscator (1546-1625) aufmerksam, die zeitweise in Deutschland verboten war. Die Piscator-Bibel war freilich in Erlangen, wo ich studierte, absolut Tabu. In Erlangen galt nur die Bibel-Version von Martin Luther etwas. Luther wurde damals in Erlangen geradezu wie ein Heiliger verehrt, der nicht kritisiert werden durfte. Professor Bammel ließ keinen Zweifel aufkommen. Für ihn war Piscator, wie er mir unter vier Augen anvertraute, der bessere Bibelübersetzer, sehr viel wortgetreuer als Luther. Hinweis: Abbildungen 4 bis 7 zeigen Ausschnitte aus der Piscator-Bibel aus dem Jahre 1684. Ich habe bewusst Textpassagen aus Hesekiel gewöhlt. Prophet Hesekiel war im Jahre 597 vor Christus mit vielen seiner  Landsleute auf  Befehl  von König Nebukadnezar nach Babylon deportiert worden. Er lebte in Tel-Abib am Flusse Chebar in Chaldea. Er war verheiratet und gehörte zur Oberschicht der Bevölkerung. Dank des Bibeltextes können wir datieren: 593 oder 592 begann er als etwa Dreißigjähriger seine Aufzeichnungen zu notieren. Rund zwanzig Jahre führte er Buch über phantastische Geschehnisse. Detailfreudig beschrieb er seine kosmischen Kontakte.

Diese Kontakte mit Außerirdischen waren real. Der Priester beschrieb echte Begebenheiten die er hatte, keine Träume, keine Visionen. Das wird deutlich, wenn man – wie der Verfasser – den Bibeltext im hebräischen Original liest. Offensichtlich wollte Hesekiel in besonderem Maße hervorheben, dass er konkrete Erlebnisse hatte, so phantastisch sie auch erscheinen mussten. Deshalb wandte er einen sprachlichen Trick an und verdoppelte alle wichtigen Zeitwörter. Seine Leserinnen und Leser verstanden, was damit ausgesagt wurde: Hesekiel war Zeuge, nicht Träumer oder Visionär. So heißt es (1): »Da geschah ein Geschehen.« Vers 4: »Und ich sah, und siehe, es kam ein ungestümer Wind von Norden her....«

Foto 5: Piscator Bibel 1684.
NASA-Ingenieur Josef Blumrich rekonstruierte anhand der genauen Texte Hesekiels ein Raumschiff. Josef Blumrich, 1913 in Österreich geboren, 1959 in die USA ausgewandert, verstarb 2002. Der Raumfahrt-Ingenieur wurde für seine »außergewöhnlichen Leistungen« für die Raumfahrt ausgezeichnet. Blumrich, »Leiter der Abteilung für Projektkonstruktion«, war von seiner Frau auf Dänikens »Erinnerungen an die Zukunft« aufmerksam gemacht worden. Eher missmutig hatte er in dem Weltbestseller geblättert. Als er bei Däniken las, Hesekiel habe Kontakte mit Außerirdischen gehabt, beschloss er empört den Laien zu widerlegen. Er machte sich als Experte in Sachen Raumfahrt an die Arbeit. Je tiefer er in die Materie einstieg, desto überzeugter wurde er davon, dass Hesekiel tatsächlich kosmische Kontakte hatte.

Der Ingenieur: »Die Hauptmerkmale des Raumschiffes zeigen uns einen Flugkörper von überraschend sinnvollem Aufbau. Wir erkennen in der auffälligen Form des Hauptkörpers die aerodynamischen und gewichtlichen Vorteile. Wir sehen, wie sehr sie für die Anbringung von Hubschraubern geeignet ist. All diese Eigenschaften fügen sich lückenlos und widerspruchsfrei an- und ineinander. Sie sind unverkennbare Anzeichen für eine sehr überlegte und gekonnte Planung und Entwicklungsarbeit.«

Hesekiel rekonstruierte: Hesekiel sah und beschrieb ein Zubringer-Raumschiff, das zwischen einer Weltraumstation in der Erdumlaufbahn und der Erde hin- und herpendelte. Es hatte in etwa die Form eines Brummkreisels. Nach unten lief es spitz zu und endete in einem atomar betriebenen Raketenmotor. An der Oberseite befand sich eine durchsichtige Kuppel. Von hier aus steuerte der Kommandant das Vehikel. Besagte Kuppel konnte aber, versehen mit eigenem Antrieb, vom Hauptkörper losgelöst und zu Naherkundungsflügen verwendet werden. Zusätzlich waren an der Unterseite vier Hubschraubereinheiten angebracht.

Foto 6: Piscator Bibel 1684.
Beim Flug vom Erdorbit zur Erde wurde zunächst der atomare Hauptantrieb benutzt. Dabei waren die vier Hubschraubereinheiten hochgeklappt. Beim Eindringen in die Atmosphäre fungierte der spitz zulaufende untere Teil des Flugvehikels als Hitzeschild. Stand die Landung bevor, dann wurde der Raketenantrieb abgeschaltet. Die Hubschraubereinheiten klappte man die Helikopter nach unten und nahm sie in Betrieb.

Unter diesen Einheiten waren Räder angebracht, auf denen das Shuttle nach der Landung hin- und herrollen konnte (2): »Da stand je ein Rad auf der Erde bei den vier Gestalten. Die Räder waren anzuschauen wie ein Türkis und waren alle gleich, und sie waren so gemacht, dass ein Rad im anderen war. Nach allen vier Seiten konnten sie gehen, sie brauchten sich nicht umzuwenden.«

Hesekiel war keineswegs nur passiver Beobachter. Er wurde auch als Passagier mit an Bord genommen und erlebte Flüge im erdnahen Raum (3): »Und der Geist hob mich empor, und ich hörte hinter mir ein Getöse wie von einem großen Erdbeben, als sich die Herrlichkeit des Herrn erhob von diesem Ort.«

Nach seinem ersten Flug stand er unter Schock. Fast verschämt gibt er zu (4):«Und ich kam zurück zu den Weggefährten, die am Fluss Chebar wohnten, nach Tel-Abib und setzte mich zu denen, die dort wohnten, und blieb unter ihnen sieben Tage ganz verstört.«

Diese Reaktion ist nur zu verständlich. Selbst für einen heutigen Zeitgenossen wäre ein Flug im Raumschiff vom Typ Hesekiel ein überwältigendes Erlebnis. Für Hesekiel indes muss so ein Flug einem unvorstellbaren Mysterium geglichen haben. Er gewöhnte sich aber rasch an Flüge im Raumschiff. Sie wurden erstaunlich schnell zur Routine für ihn (5).

Foto 7: Piscator Bibel 1684.

Im Jahre 573/572 vor Christus fand ein dritter Flug statt. Dieser Flug ist - für den heutigen Forscher - zweifelsohne der interessanteste. Hesekiel wurde nämlich in ein unbekanntes Land verfrachtet. Wo auch immer das Raumschiff landete - im Tempelkomplex von Jerusalem war es jedenfalls nicht. Der lag nämlich zu Hesekiels Zeiten noch in Schutt und Asche, wurde erst 538 vor Christus wieder aufgebaut. Und doch erwecken heutige Bibelübersetzungen den falschen Eindruck, Hesekiel sei nach Jerusalem verfrachtet worden -  durch die Luft, per Raumschiff-Express. Fakt ist: Hesekiel wusste nicht wo er war. Er schreibt von »einem sehr hohen Berg«, ohne einen Namen zu nennen. Er sah »etwas wie eine Stadt« (6), wieder ohne einen Namen zu nennen. Jerusalem war’s jedenfalls nicht, sonst hätte Hesekiel die Metropole seines Heimatlandes beim Namen genannt!


Fortsetzung zu diesem Text folgt!
Und zwar am 19.11.2017:
Teil 2 von »Von einem, der auszog, um Pfarrer zu werden«,
als Teil  409 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein.
Die nächste Folge meiner Sonntagsserie
erscheint bereits am 3.9.2017.


Fußnoten
1) Hesekiel, Kapitel 1 Vers 3
2) Hesekiel, Kapitel 1, Verse 15-17
3) Hesekiel Kapitel 3, Verse 12 und 13
4) Hesekiel Kapitel 3, Vers 15
5) Hesekiel Kapitel 8, Verse 1 folgende und Kapitel 40, Verse 1 folgende!
6) Hesekiel, Kapitel 40, Vers 2


Foto 8: So soll Hesekiels Raumschiff nach Blumrich ausgesehen haben.

Zu den Fotos

Foto 1: Walter-Jörg Langbein als »Prediger« in der Kirche von Kirchbrak
Foto 2: Evangelische Johannes Kirche Michelau/ Foto wikimedia commons Michael Sander
Foto 3: Piscator Bibel 1684. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Piscator Bibel 1684. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Piscator Bibel 1684. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Piscator Bibel 1684. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Piscator Bibel 1684. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: So soll Hesekiels Raumschiff nach Blumrich ausgesehen haben. Foto Däniken/ Archiv Langbein

398 »Marias Himmelfahrt und Adams UFO«,
Teil  398 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                        
von Walter-Jörg Langbein,                      
erscheint am 03.09.2017


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Sonntag, 2. Mai 2010

16 »Geheimnisvolles Nasca«

Teil 16 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Ich stehe auf einer Anhöhe am Rande der Wüstenebene von Nasca (auch Nazca geschrieben). Von hier aus hat man einen guten Blick über das staubige Plateau. Man erkennt einige der mysteriösen Scharrlinien, die Nasca weltberühmt gemacht haben... mehr schlecht als recht. Die Sicht reicht weit. Man erahnt so etwas wie Linien im trockenen Wüstenboden. Aber besonders imposant wirken sie nicht. Man ist fast etwas enttäuscht. Hat man doch immer wieder gehört und gelesen, wie spektakulär Nasca sein soll! Kein Wunder: Es fehlt der richtige Überblick. Um das Mysterium von Nasca wirklich erfassen zu können, genügt es nicht auf eine Anhöhe oder einen Aussichtsturm zu steigen. Man muss im wahrsten Sinne des Wortes in die Luft gehen... Da stellt sich eine Frage: Wurden die berühmten Zeichnungen von Nasca geschaffen, um von hoch oben gesehen zu werden? Waren sie gar nicht für menschliche Augen bestimmt?

Vor mehr als einem halben Jahrtausend, anno 1537, vermerkte Piedro Cieza de León: »Zeichen in einem Teil der Wüste, die um Nanasca herum liegen, damit die Indios den Weg entdecken können, dem sie zu folgen haben.« Als Wegweiser sind die Zeichen allerdings denkbar ungeeignet. Sie beginnen im Nichts der staubigen Wüste, sie enden im Nichts. Sie weisen letztlich in alle Himmelsrichtungen und sind keine Hilfsmittel einen Weg zu einem Ziel zu finden. Es sei denn, man möchte mitten in die Einöde einer lebensfeindlichen Wüste geführt werden.

Francisco Hernandez Giron verzichtet anno 1554 auf eine Interpretation, beschränkt sich lediglich auf eine knappe Aussage: »Die Indios haben große Linien in den Boden gezogen.«

Durch Erich von Däniken wurde ich anno 1968 auf Nasca aufmerksam gemacht. Ich las damals seinen Megabestseller »Erinnerungen an die Zukunft«. Ein Traum entstand: Ich wollte auch einmal vom Flugzeug aus Nasca erkunden. 1992, fast ein Vierteljahrhundert später, war es dann endlich so weit. Auch in den folgenden Jahren besuchte ich immer wieder Nasca. Aber besonders beeindruckend war meine erste Begegnung mit der mysteriösen Hochebene und ihren geheimnisvollen Zeichnungen. Den ersten Flug über Riesenbilder und Pisten werde ich wohl nie vergessen....

Der Motor des kleinen viersitzigen Flugzeugs dröhnt mir höllisch in den Ohren. Das Flugwetter ist nicht gerade ideal. Die kleine Maschine wird immer wieder heftig hin- und hergeschleudert. Ich werde heftig durchgeschüttelt. Übelkeit steigt in mir auf. Das Fotografieren fällt mir schwer. Aber je mehr ich mich auf meine beiden Fotoapparate konzentriere, desto besser vertrage ich den unruhigen Flug. Gespannt starre ich durch die schmutzige Fensterscheibe rechts neben mir. Die automatische Schärfeneinstellung beider Kameras versagt. Also schalte ich auf »manuell« um. Das Teleobjektiv meiner Kamera ruht an der schmutzigen Scheibe. Warum funktioniert die Automatik nicht? Ich versuche immer wieder, die Automatik einzusetzen.. vergeblich: Bei beiden Kameras muss die manuelle Einstellung genügen.

Ich sehe den Schatten des Flugzeugs, in dem ich sitze, tief unter mir wie ein kleines, bemitleidenswertes Insekt über den graubraunen Boden der Wüste von Nasca kriechen. Die berühmte »Panamericana« sieht von hoch oben betrachtet wie ein schwarzer Schnitt aus, wie eine Wunde, die unsere moderne Zivilisation der geheimnisvollen Ebene von Nasca gerissen hat. Vor Jahrzehnten fanden, ohne Rücksichtnahme auf das uralte kulturelle Erbe wilde Autojagden statt. Die Reifenspuren richteten erheblichen Schaden an.

»Wir sind da!« schreit der Pilot und deutet aufgeregt nach unten. Die Sicht auf die Wüstenebene ist gewaltig. Auf Fotos habe ich diese Szenerie schon oft gesehen. Aber die Realität lässt sich nicht immer wirklich naturgetreu aufnehmen. Tief unter mir erstreckt sich eine fantastische Bilderwelt. Kann man sie wie ein Buch lesen?

Ein gigantischer Vogel rückt in mein Blickfeld. Ich versuche ihn zu fotografieren... Ich drücke mehrfach auf den Auslöser.. und schon erkenne ich das besondere Geheimnis des Wüstenplateaus von Nasca.

Da ist, so scheint es, ein Flugplatz zu erkennen. Verschiedene »Landepisten« verlaufen teils parallel zueinander, teils sternförmig auseinander. Der Pilot nickt eifrig. Er fuchtelt mit den Händen. Mir wäre lieber, er würde damit den Steuerknüppel umfassen. »Die da....«, brüllt er und deutet auf eine besonders beeindruckende Landebahn, »ist 1700 Meter lang und fünfzig Meter breit!«

Dann will er anscheinend beweisen, wie steil er seine Maschine in kürzester Zeit gen Boden lenken kann. Mir kommt es so vor, als werde mein Magen Richtung Hals gedrückt. Der graubraune Wüstenboden kommt auf mich zugerast. Die kleinen maulwurfshügelartigen Häufchen werden wieder zu dem, was sie sind – Berge. Und die kleinen Punkte, die auf dem schmalen schwarzen Faden hin und her sausen werden wieder zu Autos auf einer Straße.

Der Pilot fängt die Maschine ab, hält direkt auf die »Landebahn« zu. Ich schätze, dass wir erst höchstens fünf Meter über dem Boden zum erneuten Steigflug ansetzen. Abrupt geht es wieder nach oben, steil empor. Ich fühle mich tonnenschwer, werde förmlich in das schäbige Leder des Sitzes gepresst. Vielleicht hätte ich dem Piloten doch nicht sagen sollen, dass ich schon einmal über der Ebene von Nasca geflogen bin und keinerlei Probleme mit kleinen Maschinen habe?

Wir fliegen über der Ebene von Nasca. Unter uns breitet sich ein riesenhaftes Bilderbuch aus. Da ist deutlich ein Vogel zu erkennen. Sein kleiner Hals sitzt auf einem schmächtigen Kopf. »100 Meter lang!« brüllt der Pilot. Eine Eidechse kommt ins Blickfeld. »190 Meter groß!« erfahre ich. Man hat die Panamerika-Straße ohne Rücksicht auf die Zeichnung angelegt. Sie durchschneidet wie ein schwarzer Strich die Beine der Echse. Weitere »Riesentiere« tauchen unter mir am Wüstenboden auf: Ein Affe mit spiralförmig gekringeltem Schwanz, ein mächtiger Kolibri, eine riesige Spinne....und immer wieder Linien oder Bahnen. Sie beginnen im Nichts, enden nach Kilometern wieder im Nichts.

Wie bei meinem ersten Besuch bin ich vom Mysterium Nasca fasziniert. Schon bald achte ich nicht mehr auf magenunfreundliche Flugmanöver meines Piloten. Ich habe nur noch Augen für das riesige Geheimnis, das sich tief unter mir am Wüstenboden erstreckt. Was ist das, diese Ebene? Ein prähistorischer Flugplatz? Ein Bilderbuch für die Götter? Oder beides zugleich? Wie und wann wurde dieses Weltwunder geschaffen?

Seit Satelliten unseren Globus umrunden weiß man, die Zeichnungen von Nasca erkennt man zum Teil... aus dem All! 1994 wurden sie zum »Weltkulturerbe« ernannt.

Die Frage nach dem »Wie?« ist vordergründig leicht zu beantworten. Der Wüstenboden ist überdeckt mit schwärzlich oxidiertem feinsten Geröll. Zentimeter darunter ist der Untergrund hell. Entfernt man nun die oberste Schicht, einige Zentimeter genügen, dann kommt der weißliche Untergrund zum Vorschein. Man bezeichnet die riesigen Darstellungen von Nasca als »Scharrbilder«, weil die oberste Erdschicht weggescharrt wurde, um sie entstehen zu lassen.

Das klingt einfacher.. als es war. Nach den vorsichtigen Schätzungen von Prof. Dr. Gunter Reppchen von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden, mussten in Nazca etwa 10 000 Kubikmeter Erdreich weggekratzt werden, um das riesige Bilderbuch entstehen zu lassen. Was geschah mit dem Berg von Abraum? Niemand vermag das zu sagen.

Richtig ist: Es gelang im Experiment, mit einfachen Mittel innerhalb weniger Tage schmale gerade Linien in den trockenen Wüstenboden zu scharren. Es wurden auch mehr oder minder gelungene Kreise kreiert. So wurde mit Hilfe von Seilen und einem Pflock, der ins Erdreich getrieben wurde, ein nicht wirklich perfekter Kreisbogen von drei Meter Durchmesser ins Erdreich gezeichnet. Mit diesen Mitteln war es aber unmöglich etwa einen riesigen Vogel als Scharrzeichnung anzulegen, der nur vom Flugzeug aus zu erkennen ist. Die Riesenbilder – etwa eines Affen, eines Kolibri oder einer Spinne – setzen präzise Planung mit Berechnungen voraus. Damit mir nicht der gleiche Unsinn unterstellt wird wie Erich von Däniken: Weder die »Pisten« noch die Tierbilder wurden von außerirdischen Astronauten geschaffen, sondern von Menschen. Diese Menschen müssen aber über besondere Kenntnisse, mathematisches Wissen und Fähigkeiten verfügt haben, die den Bewohnern der Region von Nasca von vor rund zwei Jahrtausenden gewöhnlich nicht zugebilligt werden. Sie sollen nicht einmal die Kunst des Schreibens beherrscht haben. Wie haben sie dann das riesige Skizzenbuch geplant und schließlich verwirklicht?

Eine ironische Anmerkung sei mir gestattet: Ein Buch lesen... das sollte man als Kritiker schon, bevor man sich darüber lustig macht! Immer wieder sind es gerade jene Skeptiker und Kritiker, die Erich von Däniken des Betrugs und der Verfälschung bezichtigen... die ihm absurdeste Aussagen unterstellen, die nirgendwo in Dänikens Büchern zu finden sind. Aber man kann Däniken ja besonders wirkungsvoll »widerlegen«, wenn man – offensichtlich ohne je ein Buch aus seiner Feder zu lesen – ihm frei erfundene Aussagen der unlogischsten Art unterschiebt.

Abb. 1, 2, 3: ©Walter-Jörg Langbein
Abb. 4: Public Domain, Quelle: NASA

»Bilder für die Götter?«,
Teil 17 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 9. Mai 2010

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