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Sonntag, 5. Juli 2020

546. »Herr der Himmel und der Welten«

Teil 546 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Nebukadnezar, mächtiger Herrscher
zu biblischen Zeiten.
Foto (gespiegelt, teilweise kontrastverstärkt)

Im biblischen Büchlein Esra kommt der »Elah der Himmel« mehrfach vor (1): »Sie aber gaben uns dies zur Antwort: Wir sind Knechte des Gottes des Himmels und der Erde und bauen das Haus wieder auf, das einst vor vielen Jahren hier gebaut war und das ein großer König Israels gebaut und vollendet hat. Da aber unsere Väter den Gott des Himmels erzürnten, gab er sie in die Hand Nebukadnezars, des Königs von Babel, des Chaldäers; der zerstörte dies Haus und führte das Volk weg nach Babel.«

Es geht mir jetzt nicht um eine historische Aufarbeitung dieser beiden Verse, sondern um den Beinamen, der Gott zugeordnet wird: »Knechte des Gottes des Himmels…« und »den Gott des Himmels erzürnten«. Zweimal wird Gott als »Gott des Himmels« tituliert. Welcher Begriff wird für »Gott« verwendet? Die deutsche Übersetzung verrät schon, dass der Text im Original nicht den monotheistischen Gottesnamen Jahwe verwendet. Der wird bei Luther mit HERR übersetzt. Dazu eine kurze Erklärung: Zeitweise durfte im »Heiligen Land« der Gottesname Jahwe nicht ausgesprochen werden. Wenn im biblischen Text Jahwe stand, so wurde »Adonai« vorgelesen, zu Deutsch »Herr«. In deutschen Bibelübersetzungen wird dann gern HERR in Großbuchstaben gesetzt, was die Heiligkeit des Gottesnamens ausdrücken soll.

Foto 2: Nebukadnezar musste auch dem Herrn der Himmel
und der Welten gehorchen. Foto (gespiegelt)

Im aramäischen Original der Hebraica steht da eindeutig »Elah (Gott, Einzahl von Elohim, Götter) der Himmel (Mehrzahl!)«.  Bleiben wir beim Büchlein »Esra«. Lesen wir die Verse in deutscher Übersetzung (2): »Und was sie bedürfen an Stieren, Widdern und Lämmern zum Brandopfer für den Gott des Himmels, an Weizen, Salz, Wein und Öl nach dem Wort der Priester in Jerusalem, das soll man ihnen täglich geben, und es soll nicht lässig geschehen, damit sie opfern zum lieblichen Geruch dem Gott des Himmels und bitten für das Leben des Königs und seiner Kinder.«

Untersuchen wir den Text im Original der »Biblia Hebraica«. Da soll dem »Elah der Himmel« geopfert werden. Der »Elah der Himmel« darf sich dann am lieblichen Geruch der Opfer ergötzen. Wieder kommt »Elah« zum Einsatz, die Einzahlform von »Elohim« (Götter). Und wieder steht im Original »Elah der Himmel« (Mehrzahl!)

Und noch einmal »Esra«! Im Büchlein »Esra« (3) lässt, »der König der Könige«, »Esra, den Priester und Schriftgelehrten im Gesetz des Gottes des Himmels«, grüßen. Original: Der König der Könige lässt »Esra, den Priester und Schriftgelehrten im Gesetz des Eloah/ Gottes der Himmel (Mehrzahl)« grüßen.

Der mächtige Herrscher befielt (4) »allen Schatzmeistern jenseits des Euphrat«: »Alles, was Esra, der Priester und Schriftgelehrte im Gesetz des Gottes des Himmels, von euch fordert, das ist sorgfältig zu befolgen!« Dem Esra ist also Gehorsam zu leisten. Und wieder lesen wir im Original »Eloah/ Gott der Himmel«.

Der Befehl wird wiederholt (5): »Alles, was der Befehl des Gottes des Himmels erfordert, das soll für das Haus des Gottes des Himmels sorgfältig getan werden, damit kein Zorn komme über das Reich des Königs und seiner Söhne.«  Im Original steht »Alles, was der Befehl des Eloah der Himmel erfordert, das soll für das Haus des Eloah des Himmels sorgfältig getan werden…«. Artaxerxes anerkennt also den »Gott der Himmel«, dessen Macht als so groß angesehen wird, dass auch seinem »Priester und Schriftgelehrten« gehorcht werden muss. Der König der Perser fürchtet den Zorn des jüdischen Gottes der Himmel.

In der »Biblia Hebraica« werden zwar verschiedene Begriffe für »Gott« verwendet, aber immer wird er als Gott der Himmel bezeichnet. Wie aber muss man »Gott der Himmel« verstehen? Nach Rücksprache mit jüdischen Schriftgelehrten weiß ich, dass damit »Gott der Welten« gemeint ist. Es gibt fremde Erden, fremde Welten und alle haben einen eigenen Himmel.

Zur Erinnerung: Ich suchte im siebenbändigen Werk »Legends of the Jews« von Ginzberg nach Informationen über Welten/ Erden im Weltall und wurde rasch fündig. Sieben »Erden« wurden aufgelistet: »erez«, »adamah«, »arka«, »harabah«, »yabbashah«, »tebel« und »heled«. Ginzberg vermerkt (6): »Unsere eigene Erde wird ›heled‹ genannt.«

Die von Louis Ginzberg zusammengetragen Legenden basieren alle auf einer sehr umfangreichen Textsammlung, für die man eigentlich mehrere Leben benötigt, wollte man sie gründlich studieren. Sie stammen alle aus dem »Gemara« des Talmud und wurden bereits beginnend im 2. Jahrhundert nach Christus erfasst. Im 8. Jahrhundert, das gilt als erwiesen, war die komplexe Sammlung komplett und wurde abgeschlossen. Die zum Teil mysteriösen Texte schließen Lücken des »Alten Testaments« oder sollen scheinbare oder echte Widersprüche im »Alten Testament« auflösen. Von manchen Texten sind die Verfasser bekannt, das heißt namhafte Rabbiner werden als Urheber genannt. Ob diese Männer aber tatsächlich die Autoren waren, das muss dahingestellt bleiben.

Foto 3: Moses soll sein Volk in die Freiheit führen.

Geschichten, die wir aus dem »Alten Testament« kennen, werden auch im Koran erzählt. Auch nicht so eifrigen Bibellesern ist bekannt, dass es im »Alten Testament« ausführlich um die Gefangenschaft des »Volkes Israel« in Ägypten geht. Moses soll im Auftrag Gottes das Volk der Israeliten aus der Gefangenschaft holen und ins »Heilige Land« führen. Das 2. Buch Mose wird auch als »Exodus«, zu Deutsch »Auszug« genannt. Die ersten 15 Kapitel dieses Buchs beschreiben die Flucht der Israeliten aus der Sklaverei.

Vom »Alten Testament« zum Koran…. Auch im Koran spielt Moses eine wichtige Rolle. Auch im Koran geht es um die Geschichte der ägyptischen Sklaverei unter dem Joch des Pharao. In der Sure »Die Dichter« lesen wir (7): »Pharao sagte: ›Und was ist der Herr der Welten?‹ Er (Moses) sagte: ›Es ist der Herr der Himmel und der Erde und dessen, was zwischen den beiden ist, wenn ihr nur Gewissheit wolltet.‹«

Foto 4: Moses spielt in der Bibel wie im Koran
eine zentrale Rolle
(Foto im Kloster Benediktbeuern aufgenommen).

Früher bezeichnete man die Texte der Bibel als »kanonisch« und nannte Texte, die nicht in die Bibel aufgenommen wurden als »apokryph«, was mit unbedeutend gleichgesetzt wurde. Heute wird diesen Texten eine größere Bedeutung zugesprochen. Man stellt sie als einen zweiten Kanon (»deuterokanonisch«) neben die Texte der Bibel (»kanonisch«). Damit wurden diese Texte wieder deutlich aufgewertet. Die Bücher »Judit« und »Tobit« werden zu diesem »2. Kanon« gerechnet.

Als wie mächtig der alte Himmelsgott angesehen wurde, das belegen die Bücher Judit und Tobit, die auch vor Luther Gnade gefunden haben. Luther stellte sie in seiner Bibelübersetzung zwischen Altes und Neues Testament. Da wird Gott als »Gott des Himmels« (8) angebetet. Die Gläubigen bauen auf Gott, sehen ihn als Hoffnungsspender (9): »Sei getrost, Tochter, der Herr des Himmels verwandle dein Leid in Freude.«  Immer wieder begegnet uns Gott als »Herr des Himmels«. Wir bleiben im Buch »Tobit« (10): »Der Herr des Himmels sei mit dir und deiner Frau Sara auf dem Wege! … Und Tobias zog von Raguël los, gesund und fröhlich, und er pries den Herrn des Himmels und der Erde, den König über alles, dass er seinen Weg hatte gelingen lassen.« Es ist der »Herr des Himmels und der Erde«, der »König über alles«, der die Geschicke der Menschen lenkt.

Foto 5: Der Turm zu Babel
auf dem Cover der polnischen Ausgabe
meines Buches »Die großen Rätsel...«
Nach der Geschichte vom »Turmbau zu Babel«, wie sie Moses überliefert (11), ist Gott hoch oben im Himmel zuhause. Will er einen Menschen aufsuchen, muss er vom Himmel hoch zur Erde herabsteigen. Diverse Texte des »Alten Testaments« in Hebräisch wie in Aramäisch bezeichnen ihn als den »Gott der Himmel«. Aber auch in deuterokanonischen (apokryphen) Büchern des »Alten Testaments« kommt kein Zweifel auf: Gott ist ein Himmlischer. Er ist im Himmel zuhause.

Zur Erinnerung: Dr. Amira El-Zein, »Georgetown Universität« Katar, Doha, ließ in einem Kommentar im Deutschlandfunk keine Zweifel daran aufkommen, dass der Koran nicht nur die Erde als bewohnten Planeten kennt, sondern deren sieben (12): »Ferner gibt es sieben Himmel und sieben Erden. Sie unterscheiden sich untereinander und von unserer Erde. Alle haben ihre eigene Natur und ihre eigenen Bewohner.«

Als »Herr der Himmel und der Welten« wird Allah im Koran (13) bezeichnet. Und das nicht nur einmal! So heißt es gleich zu Beginn des Koran in Sure 1, »Die Eröffnung« genannt, (14): »Alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten.« Ein weiteres Beispiel von vielen (15): »Ich fürchte Allah, den Herrn der Welten.« Und noch ein Beispiel (16): »Alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten.« Der Koran fordert (17): »Sprich: ›Allahs Führung ist die eigentliche Führung und uns ist befohlen worden, daß wir uns dem Herrn der Welten ergeben sollen.‹« Der Koran lässt nicht zweifeln (18):

 »Segensreich ist Allah, der Herr der Welten.«  Letztlich ist der Koran für den Gläubigen auch ein Hymnus an Allah, den »Herrn der Himmel und der Welten«, was immer wieder explizit zum Ausdruck kommt (19): »Alles Lob gebührt dem Allah, dem Herrn der Himmel, … dem Herrn der Welten

Was ich als spannend dabei empfinde? Die Autoren von Schriften, die in den Kanon des »Alten Testaments« aufgenommen wurden, haben sich die Himmel als räumlich real vorgestellt. Die Autoren von Schriften, die einst als »apokryph« abgetan wurden, heute aber als »2. Kanon« geschätzt werden, hatten das gleiche Weltbild. Und auch im Koran finde ich dieses Weltbild, von unserer Welt hier und von himmlischen Gefilden ganz weit oben. Gott ist nach den alten Glaubensbildern von dort oben zu uns herab gekommen und wieder empor gestiegen. Zu den spannendsten Themen gehören Reisen in beide Richtungen, nämlich vom Himmel zur Erde und retour! Und Hesekiel scheint zwischendrin gereist zu sein. Es gilt, unzählige alte Schriften nach entsprechenden Berichten zu durchforsten. Und es gilt, Fragen zu stellen.

Foto 6: Gottesmutter Maria
mit Josef und dem Jesuskind. Ikone.
 In der 3. Sure lesen wir (20):

»Und damals sprachen die Engel: ›O Maria, siehe, Allah hat dich auserwählt und gereinigt und erwählt von den Frauen der Welten.« Gemeint ist natürlich Jesu Mutter Maria. Was hat das zu bedeuten, dass Maria erwählt wurde von den Frauen der Welten? Aus den Frauen der Welten! Nimmt man den Vers wörtlich, dann bedeutet dies, dass es noch andere Planeten gab, auf denen auch Frauen lebten.

Maria wurde, so der Text »erwählt von den Frauen der Welten«, also auserwählt aus den Reihen der Frauen der Welten. Wir sind nicht allein im Universum. Das scheint der Verfasser der zitierten Verszeile gewusst zu haben.

Ich gleiche ab mit einer gängigen Übersetzung des Korans ins Englische (21). Auch hier wurde Maria über alle Frauen der Welten (Mehrzahl!) gestellt. Auch hier ist von Welten in der Mehrzahl die Rede.

Fußnoten
(1) Esra Kapitel 5, Verse 11 und 12. Zitat nach »Luther Bibel 2017«
(2) Esra Kapitel 6, Verse 9 und 10. Zitat nach »Luther Bibel 2017«
(3) Esra Kapitel 7, Vers 12
(4) Ebenda, Vers 21
(5) Ebenda, Vers 23
(6) Ginzberg, Louis: »The Legends of the Jews«, Band 1 »From the Creation to Jacob«, Seite 113, 13. Zeile von unten - Seite 115, 12. Zeile von unten. Übersetzung Walter-Jörg Langbein.
(7) »Sure 26. Die Dichter«, Verse 23 und 24 (Sure 26, 23 und 24)
Zitiert habe ich die eBook-Version der Koran-Übersetzung von Simon Abram
(8) Siehe »Judit« Kapitel 5, Vers 8 in der »Luther Bibel 2017«
(9) Siehe »Tobit« Kapitel 7, Vers 17 in der »Luther Bibel 2017«. Siehe »Luther Bibel 1984«, »Tobit« Kapitel 7, Vers 20: »Der Herr des Himmels gebe dir nun Freude, nachdem du so viel Leid erlitten hast.«
(10) »Tobit« Kapitel 10, Verse 11 und 13 in der »Luther Bibel 2017«
(11) 1. Buch Mose Kapitel 11, Verse 1-9
(12) https://www.deutschlandfunk.de/sure-51-vers-56-geister-namens-dschinn.2395.de.html?dram:article_id=415855 Stand 07.05.2020
(13) Sure 45, 36 (Übersetzung/ Version Simon Abram, eBook-Ausgabe)
(14) Sure 1, 2 (Übersetzung/ Version Simon Abram, eBook-Ausgabe)
(15) Sure 5, 28 (Übersetzung/ Version Simon Abram, eBook-Ausgabe)
(16) Sure 6, 45 (Übersetzung/ Version Simon Abram, eBook-Ausgabe)
(17) Sure 6, 71 (Übersetzung/ Version Simon Abram, eBook-Ausgabe)
(18) Sure 7, 54 (Übersetzung/ Version Simon Abram, eBook-Ausgabe)
(19) Sure 45, 36 (Übersetzung/ Version Simon Abram, eBook-Ausgabe)
(20) Sure 3, 42 (Übersetzung/ Version Simon Abram, eBook-Ausgabe)
(21) »The Qur'an (Quran): With Surah Introductions and Appendices - Saheeh International Translation (Englisch)«, Birmingham, 8. Auflage Dezember 2017
Sure 3, 42: »O Mary, indeed Allah has chosen you and purified you and chosen you above the women of the worlds.«

Zu den Fotos
Foto 1: Nebukadnezar, mächtiger Herrscher zu biblischen Zeiten. Foto (gespiegelt, teilweise kontrastverstärkt): Archiv Walter-Jörg Langbein.
Foto 2: Nebukadnezar musste auch dem Herrn der Himmel und der Welten gehorchen. Foto (gespiegelt): Archiv Walter-Jörg Langbein.
Foto 3: Moses soll sein Volk in die Freiheit führen. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Moses spielt in der Bibel wie im Koran eine zentrale Rolle (Foto im Kloster Benediktbeuern aufgenommen). Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Der Turm zu Babel auf dem Cover der polnischen Ausgabe meines Buches »Die großen Rätsel...« Foto: Archiv Walter-Jörg Langbein.
Foto 6: Maria mit Josef und dem Jesuskind. Ikone. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein

547. »Von anderen Welten – in und über der Welt«,
Teil 547 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 12. Juli 2020



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Sonntag, 27. August 2017

397 »Von einem, der auszog, um Pfarrer zu werden«

Teil  397 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                        
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Walter-Jörg Langbein als »Prediger« in der Kirche von Kirchbrak

Vor wenigen Tagen wurde ich 63. Ein Studienkollege rief mich an, um mir zu gratulieren. »Vielleicht hättest Du doch Pfarrer werden sollen!«, meinte er beiläufig. »Vielleicht hättest Du doch Dein Studium so kurz vor dem Examen nicht abbrechen sollen! In ein paar Jahren würdest Du als Rentner aus dem Kirchendienst austreten… Bereust Du Deinen Schritt?«

Seit Jahrzehnten werde ich immer wieder gefragt, wieso ich denn nicht Pfarrer geworden sei. Es mag sich vielleicht pathetisch anhören, aber das geschah aus dem Respekt vor dem christlichen Glauben. Ich bin der Meinung, dass sich jeder Kirchgänger darauf verlassen können muss, dass ›sein‹ Pfarrer voll und ganz hinter den Worten steht, die er von der Kanzel predigt. Ich bin der Überzeugung, dass jeder Kirchgänger davon ausgehen können muss, dass Gottesdienst nicht als eine Art »Theateraufführung« dargeboten wird. Vielmehr muss jeder Gläubige die Wahrhaftigkeit »seines« Geistlichen in Glaubensfragen voraussetzen können.

Es mag sein, dass meine Anforderungen an die Geistlichkeit zu hoch sind. Während meines Studiums der evangelischen Theologie habe ich so manchen Mitstudenten kennengelernt, der nicht nur zweifelte, sondern der alles andere als ein gläubiger Christ war. Ich jedenfalls wusste, dass ich nicht in den Dienst der Kirche treten konnte, ja meiner Überzeugung nach nicht durfte. Mir war klar, dass ich nicht predigen wollte und konnte, wovon ich nicht vollkommen überzeugt war.

Foto 2: Evangelische Johannes Kirche Michelau

Ich gebe es ja zu, in Gedanken stelle ich mir manchmal vor, als Pfarrer vor einer Gemeinde zu stehen, zum Beispiel in der »Johannes Kirche« in meinem fränkischen Heimatdorf Michelau. Als Geistlicher würde ich vielleicht dem einen oder dem anderen Geheimnis manches Gotteshauses intensiver auf den Grund gehen können. Ich hätte Zugang zu Krypten, die der Öffentlichkeit womöglich nicht zugänglich sind. Vielleicht würde ich unterirdische Gänge erforschen können,  in die man von Krypten oder Kellern aus gelangt. Tatsächlich gibt es auch heute noch geheimnisvolle Gangsysteme unter Gotteshäusern, von denen wir so gut wie nichts wissen.

Die eigentliche Aufgabe eines Geistlichen freilich ist die Seelsorge. Ich weiß, ich würde den Menschen, die sich hilfesuchend an mich wenden, keinen überzeugenden Trost in schweren Lebenslagen spenden können. Den Trost des Glaubens kann nur vermitteln, wer selbst wirklich glaubt. Alles andere ist Lüge.

Foto 3: Piscator Bibel 1684.

Vor wenigen Tagen wurde ich 63. Mein Leben wäre vermutlich einfacher verlaufen, wäre ich evangelischer Geistlicher geworden. Aber ich habe keinerlei Zweifel: Der Lebensweg, den ich für mich gewählt habe, war der richtige. Mein Studium der evangelischen Theologie war alles andere als vergebens. Ich denke dabei vor allem an die diversen Seminare mit Prof. Ernst Bammel (1923-1996). Prof. Bammel wurde anno 1953 Privatdozent an der Universität Erlangen und 1984 Professor an der Universität Münster (»Wissenschaft des Judentums und neutestamentliche Theologie«). Der sympathische Gelehrte war auch im europäischen Ausland tätig. In den 1960er und 1970er Jahren nahm er mehrere Gastprofessuren in Cambridge wahr.

Sehr gern denke ich an mehrere Seminare, die ich bei Professor Bammel besuchen durfte. Was ich bis heute nicht verstehe: Seine Veranstaltungen waren alles andere als überfüllt. Wer sich wissenschaftlich mit Jesus und seiner Welt auseinandersetzen will, der kommt doch nicht an außerbiblischen jüdischen Quellen vorbei. Bei Prof. Bammel übersetzten wir Ende der 1970er Texte aus der »Qumran-Bibliothek« ins Deutsche, und zwar aus dem Hebräischen. In kleiner Runde erörterten wir interessante Themen. Intensiv beschäftigten wir uns zum Beispiel mit der Frage, ob Jesus in rabbinischen Texten erwähnt wird.  Prof. Bammel übersetzte mit uns auch Texte des Propheten Hesekiel, in Sachen »Herrlichkeit des Herrn« Und siehe da: Eine möglichst wortgetreue, möglichst wortwörtliche Übersetzung von Hesekiels Schilderungen seiner Begegnungen mit dem »Herrn« muten noch technischer an als die gängigen Übersetzungen.

Foto 4: Piscator Bibel 1684.
Hinter vorgehaltener Hand machte mich Prof. Bammel 1977 auf die Bibelübersetzung von Johannes Piscator (1546-1625) aufmerksam, die zeitweise in Deutschland verboten war. Die Piscator-Bibel war freilich in Erlangen, wo ich studierte, absolut Tabu. In Erlangen galt nur die Bibel-Version von Martin Luther etwas. Luther wurde damals in Erlangen geradezu wie ein Heiliger verehrt, der nicht kritisiert werden durfte. Professor Bammel ließ keinen Zweifel aufkommen. Für ihn war Piscator, wie er mir unter vier Augen anvertraute, der bessere Bibelübersetzer, sehr viel wortgetreuer als Luther. Hinweis: Abbildungen 4 bis 7 zeigen Ausschnitte aus der Piscator-Bibel aus dem Jahre 1684. Ich habe bewusst Textpassagen aus Hesekiel gewöhlt. Prophet Hesekiel war im Jahre 597 vor Christus mit vielen seiner  Landsleute auf  Befehl  von König Nebukadnezar nach Babylon deportiert worden. Er lebte in Tel-Abib am Flusse Chebar in Chaldea. Er war verheiratet und gehörte zur Oberschicht der Bevölkerung. Dank des Bibeltextes können wir datieren: 593 oder 592 begann er als etwa Dreißigjähriger seine Aufzeichnungen zu notieren. Rund zwanzig Jahre führte er Buch über phantastische Geschehnisse. Detailfreudig beschrieb er seine kosmischen Kontakte.

Diese Kontakte mit Außerirdischen waren real. Der Priester beschrieb echte Begebenheiten die er hatte, keine Träume, keine Visionen. Das wird deutlich, wenn man – wie der Verfasser – den Bibeltext im hebräischen Original liest. Offensichtlich wollte Hesekiel in besonderem Maße hervorheben, dass er konkrete Erlebnisse hatte, so phantastisch sie auch erscheinen mussten. Deshalb wandte er einen sprachlichen Trick an und verdoppelte alle wichtigen Zeitwörter. Seine Leserinnen und Leser verstanden, was damit ausgesagt wurde: Hesekiel war Zeuge, nicht Träumer oder Visionär. So heißt es (1): »Da geschah ein Geschehen.« Vers 4: »Und ich sah, und siehe, es kam ein ungestümer Wind von Norden her....«

Foto 5: Piscator Bibel 1684.
NASA-Ingenieur Josef Blumrich rekonstruierte anhand der genauen Texte Hesekiels ein Raumschiff. Josef Blumrich, 1913 in Österreich geboren, 1959 in die USA ausgewandert, verstarb 2002. Der Raumfahrt-Ingenieur wurde für seine »außergewöhnlichen Leistungen« für die Raumfahrt ausgezeichnet. Blumrich, »Leiter der Abteilung für Projektkonstruktion«, war von seiner Frau auf Dänikens »Erinnerungen an die Zukunft« aufmerksam gemacht worden. Eher missmutig hatte er in dem Weltbestseller geblättert. Als er bei Däniken las, Hesekiel habe Kontakte mit Außerirdischen gehabt, beschloss er empört den Laien zu widerlegen. Er machte sich als Experte in Sachen Raumfahrt an die Arbeit. Je tiefer er in die Materie einstieg, desto überzeugter wurde er davon, dass Hesekiel tatsächlich kosmische Kontakte hatte.

Der Ingenieur: »Die Hauptmerkmale des Raumschiffes zeigen uns einen Flugkörper von überraschend sinnvollem Aufbau. Wir erkennen in der auffälligen Form des Hauptkörpers die aerodynamischen und gewichtlichen Vorteile. Wir sehen, wie sehr sie für die Anbringung von Hubschraubern geeignet ist. All diese Eigenschaften fügen sich lückenlos und widerspruchsfrei an- und ineinander. Sie sind unverkennbare Anzeichen für eine sehr überlegte und gekonnte Planung und Entwicklungsarbeit.«

Hesekiel rekonstruierte: Hesekiel sah und beschrieb ein Zubringer-Raumschiff, das zwischen einer Weltraumstation in der Erdumlaufbahn und der Erde hin- und herpendelte. Es hatte in etwa die Form eines Brummkreisels. Nach unten lief es spitz zu und endete in einem atomar betriebenen Raketenmotor. An der Oberseite befand sich eine durchsichtige Kuppel. Von hier aus steuerte der Kommandant das Vehikel. Besagte Kuppel konnte aber, versehen mit eigenem Antrieb, vom Hauptkörper losgelöst und zu Naherkundungsflügen verwendet werden. Zusätzlich waren an der Unterseite vier Hubschraubereinheiten angebracht.

Foto 6: Piscator Bibel 1684.
Beim Flug vom Erdorbit zur Erde wurde zunächst der atomare Hauptantrieb benutzt. Dabei waren die vier Hubschraubereinheiten hochgeklappt. Beim Eindringen in die Atmosphäre fungierte der spitz zulaufende untere Teil des Flugvehikels als Hitzeschild. Stand die Landung bevor, dann wurde der Raketenantrieb abgeschaltet. Die Hubschraubereinheiten klappte man die Helikopter nach unten und nahm sie in Betrieb.

Unter diesen Einheiten waren Räder angebracht, auf denen das Shuttle nach der Landung hin- und herrollen konnte (2): »Da stand je ein Rad auf der Erde bei den vier Gestalten. Die Räder waren anzuschauen wie ein Türkis und waren alle gleich, und sie waren so gemacht, dass ein Rad im anderen war. Nach allen vier Seiten konnten sie gehen, sie brauchten sich nicht umzuwenden.«

Hesekiel war keineswegs nur passiver Beobachter. Er wurde auch als Passagier mit an Bord genommen und erlebte Flüge im erdnahen Raum (3): »Und der Geist hob mich empor, und ich hörte hinter mir ein Getöse wie von einem großen Erdbeben, als sich die Herrlichkeit des Herrn erhob von diesem Ort.«

Nach seinem ersten Flug stand er unter Schock. Fast verschämt gibt er zu (4):«Und ich kam zurück zu den Weggefährten, die am Fluss Chebar wohnten, nach Tel-Abib und setzte mich zu denen, die dort wohnten, und blieb unter ihnen sieben Tage ganz verstört.«

Diese Reaktion ist nur zu verständlich. Selbst für einen heutigen Zeitgenossen wäre ein Flug im Raumschiff vom Typ Hesekiel ein überwältigendes Erlebnis. Für Hesekiel indes muss so ein Flug einem unvorstellbaren Mysterium geglichen haben. Er gewöhnte sich aber rasch an Flüge im Raumschiff. Sie wurden erstaunlich schnell zur Routine für ihn (5).

Foto 7: Piscator Bibel 1684.

Im Jahre 573/572 vor Christus fand ein dritter Flug statt. Dieser Flug ist - für den heutigen Forscher - zweifelsohne der interessanteste. Hesekiel wurde nämlich in ein unbekanntes Land verfrachtet. Wo auch immer das Raumschiff landete - im Tempelkomplex von Jerusalem war es jedenfalls nicht. Der lag nämlich zu Hesekiels Zeiten noch in Schutt und Asche, wurde erst 538 vor Christus wieder aufgebaut. Und doch erwecken heutige Bibelübersetzungen den falschen Eindruck, Hesekiel sei nach Jerusalem verfrachtet worden -  durch die Luft, per Raumschiff-Express. Fakt ist: Hesekiel wusste nicht wo er war. Er schreibt von »einem sehr hohen Berg«, ohne einen Namen zu nennen. Er sah »etwas wie eine Stadt« (6), wieder ohne einen Namen zu nennen. Jerusalem war’s jedenfalls nicht, sonst hätte Hesekiel die Metropole seines Heimatlandes beim Namen genannt!


Fortsetzung zu diesem Text folgt!
Und zwar am 19.11.2017:
Teil 2 von »Von einem, der auszog, um Pfarrer zu werden«,
als Teil  409 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein.
Die nächste Folge meiner Sonntagsserie
erscheint bereits am 3.9.2017.


Fußnoten
1) Hesekiel, Kapitel 1 Vers 3
2) Hesekiel, Kapitel 1, Verse 15-17
3) Hesekiel Kapitel 3, Verse 12 und 13
4) Hesekiel Kapitel 3, Vers 15
5) Hesekiel Kapitel 8, Verse 1 folgende und Kapitel 40, Verse 1 folgende!
6) Hesekiel, Kapitel 40, Vers 2


Foto 8: So soll Hesekiels Raumschiff nach Blumrich ausgesehen haben.

Zu den Fotos

Foto 1: Walter-Jörg Langbein als »Prediger« in der Kirche von Kirchbrak
Foto 2: Evangelische Johannes Kirche Michelau/ Foto wikimedia commons Michael Sander
Foto 3: Piscator Bibel 1684. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Piscator Bibel 1684. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Piscator Bibel 1684. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Piscator Bibel 1684. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Piscator Bibel 1684. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: So soll Hesekiels Raumschiff nach Blumrich ausgesehen haben. Foto Däniken/ Archiv Langbein

398 »Marias Himmelfahrt und Adams UFO«,
Teil  398 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                        
von Walter-Jörg Langbein,                      
erscheint am 03.09.2017


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Sonntag, 28. Mai 2017

384 »Gibt es im Dom von Limburg die Darstellung eines UFOs? Teil 4«

»Moses, Aaron, Hesekiel und Daniels ›UFO‹«
Teil  384 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«

- In Memoriam Rolf Streblow † -

Foto 1: Das mysteriöse Gemälde. Foto Streblow

Roman Nickel hat sich durch geradezu detektivische Recherchen, die eines Sherlock Holmes würdig sind, in Sachen »Wurzel Jesse«-Gemälde im Dom zu Limburg verdient gemacht. Roman Nickel schreibt (1):

»Die vier Personen, die die Wurzel Jesse flankieren, sind zwar nicht durch Spruchbändern namentlich bekannt, doch durch die Bibelzitate und die bildliche Darstellung eindeutig zu identifizieren. Es handelt sich um einige der wichtigsten Personen des Alten Testaments. Es sind Propheten, die in direktem Kontakt mit Gott standen und daher eine besondere Verehrung verdienen. Die Zitate zielen eben darauf ab, denn sie sind immer Ausschnitte aus Erfahrungen zwischen dem Propheten und Gott: Gott spricht durch den brennenden Dornbusch zu Moses, Aarons Stab fängt als göttliches Zeichen an zu sprießen, Jesaja und Ezechiel haben Träume/ Visionen von göttlichen Botschaften. Sie können also als Wegbereiter und Ankündiger des Messias verstanden werden und lassen sich auch als solche in diesem Gemälde interpretieren.«

Foto 2: Moses (Limburg)

Beginnen wir mit dem ersten Bild (links oben): Das Zitat auf dem Spruchband lautet: »Rubo ardet et non comiretur Exod.3« 2. Buch Mose 3, 2: »Und der Engel des Herrn erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch. Und er sah, dass der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde.«

Kein Zweifel: Es geht hier um die mysteriöse Szene »Moses und der brennende Dornbusch«. Kurios: Zunächst spricht der »Engel des Herrn« aus dem Busch, dann der Herr selbst (2. Mose Kapitel 3, Verse 2-6): »Und der Engel des Herrn erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch. Und er sah, dass der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde. Da sprach er: Ich will hingehen und diese wundersame Erscheinung besehen, warum der Busch nicht verbrennt.

Als aber der Herr sah, dass er hinging, um zu sehen, rief Gott ihn aus dem Busch und sprach: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich. Er sprach: Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land! Und er sprach weiter: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Und Mose verhüllte sein Angesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen.«

Foto 3 Aaron (Limburg)

Wenden wir uns dem zweiten Bild links unten zu. Auf dem Spruchband steht: »Virga Aaron qua germinauit Numer 17« Numer bedeutet Numeri, also 4. Buch Mose. Ich zitiere Kapitel 17, Vers 23: »Am nächsten Morgen, als Mose in die Hütte des Zeugnisses ging, da grünte der Stab Aarons, der zum Hause Levi gehört, und die Blüte ging auf und trug Mandeln.«

Foto 4: Aaron, äthiopische Darstellung

Wir müssen den Textzusammenhang beachten. Das Volk der Israeliten befindet sich in der Sklaverei in Ägypten. Erst als Gott die »zehn Plagen« schickt, kann er den Pharao dazu bewegen, »sein Volk« ziehen zu lassen. Was dann folgt wurde in den letzten Jahrzehnten intensivst im Sinne der Präastronautik interpretiert. Das Riesenheer der Flüchtlinge – nach biblischem Bericht mindestens über eine Million Menschen – folgt der »Wolken- und Feuersäule« (2) – dem Flugvehikel der Astronautengötter (2)? Auch die »Speisung mit Manna« (3) ist längst in die Gedankenwelt der Präastronautik übernommen worden. Nach George Sassoon und Rodney Dale wurde Manna mit Hilfe einer Maschine der Astronautengötter produziert (4). Und schließlich folgt das aus präastronautischer Sicht faszinierendste Ereignis des Alten Testaments: Die Ankunft der Flüchtlinge am Berg Sinai (5) und die Landung des biblischen Gottes auf dem Berg Sinai (6):

Foto 5: Landete »Gott« mit so einem Vehikel auf dem Berg Sinai?

»Als nun der dritte Tag kam und es Morgen ward, da erhob sich ein Donnern und Blitzen und eine dichte Wolke auf dem Berge und der Ton einer sehr starken Posaune. Das ganze Volk aber, das im Lager war, erschrak. Und Mose führte das Volk aus dem Lager Gott entgegen, und es trat unten an den Berg. Der ganze Berg Sinai aber rauchte, weil der Herr auf den Berg herabfuhr im Feuer; und sein Rauch stieg auf wie der Rauch von einem Schmelzofen, und der ganze Berg bebte sehr.«

Ein Zaun muss errichtet werden, zu gefährlich ist es, wenn der Gott des Alten Testaments vom Himmel kommt. Moses begegnet schließlich dem vom Hinmel Herabgekommenen hoch oben auf dem Sinai und empfängt die göttlichen Gebote, die weit über die zehn bekannten hinausgehen und das Leben der Israeliten bis ins Kleinste regulieren (7). Wer nun meint, dass Moses als direkter Verbindungsmann zwischen dem himmlischen Allmächtigen und den Israeliten als absolute Autorität gilt, der irrt sich gewaltig. Noch als Moses die Befehle Gottes entgegennimmt, fällt das Volk vom Glauben ab und wendet sich einem Stiergott zu (8). Die Autorität von Mose und seines Stellvertreters wird angezweifelt. Durch ein »Wunder« bestimmt Gott die Leviten als Diener am Allerheiligsten. Moses wird vom Himmlischen selbst als die Autorität legitimiert, die Abtrünnigen werden von Gott selbst mit dem Tode bestraft (9): »Und Feuer fuhr aus von dem Herrn und fraß die zweihundertfünfzig Männer.«

Das Gemälde von Limburg zeigt im »flankierenden« Bildern links oben Moses im Gespräch mit Gott im brennenden Busch. Das Einzelbild links unten erinnert an das von Gott selbst veranlasste Wunder, das letztlich Moses und Aaron als die Anführer des Flüchtlingsheeres bestätigt. Wenden wir uns dem dritten Einzelbildnis rechts unten zu (Foto 6).

Foto 6: Heskiel

Das Schriftband bietet einen Text, der zunächst seltsam, ja unverständlich anmutet: »Porta haec clausa erit. Ezech 44«  Diese wenigen Worte nehmen Bezug auf Ezechiel Kapitel 44, Vers 2: »Und der Herr sprach zu mir: Dies Tor soll zugeschlossen bleiben und nicht aufgetan werden, und niemand soll dort hineingehen. Denn der Herr, der Gott Israels, ist dort eingezogen; darum soll es zugeschlossen bleiben.«

Auch hier müssen wir den Kontext kennen! Nach NASA-Ingenieur Josef Blumrich sah und beschrieb der biblische Prophet Heskiel vor rund 2500 Jahren  ein außerirdisches Raumschiff: »Die Hauptmerkmale des Raumschiffes zeigen uns einen Flugkörper von überraschend sinnvollem Aufbau. Wir erkennen in der auffälligen Form des Hauptkörpers die aerodynamischen und gewichtlichen Vorteile. Wir sehen, wie sehr sie für die Anbringung von Hubschraubern geeignet ist. All diese Eigenschaften fügen sich lückenlos und widerspruchsfrei an- und ineinander. Sie sind unverkennbare Anzeichen für eine sehr überlegte und gekonnte Planung und Entwicklungsarbeit.«

Fotos 7 und 8: Buchcover Blumrich und Baier

Hesekiel war keineswegs nur passiver Beobachter. Er wurde auch als Passagier mit an Bord genommen und erlebte Flüge im erdnahen Raum (14): »Und der Geist hob mich empor, und ich hörte hinter mir ein Getöse wie von einem großen Erdbeben, als sich die Herrlichkeit des Herrn erhob von diesem Ort.«

Nach seinem ersten Flug stand er unter Schock. Fast verschämt gibt er zu (15): »Und ich kam zurück zu den Weggefährten, die am Fluß Chebar wohnten, nach Tel-Abib und setzte mich zu denen, die dort wohnten, und blieb unter ihnen sieben Tage ganz verstört.«

Diese Reaktion ist nur zu verständlich. Selbst für einen heutigen Zeitgenossen wäre ein Flug im Raumschiff vom Typ Hesekiel ein überwältigendes Erlebnis. Für Hesekiel indes muss so ein Flug einem unvorstellbaren Mysterium geglichen haben. Er gewöhnte sich aber rasch an Flüge im Raumschiff. Sie wurden erstaunlich schnell zur Routine für ihn (16).

Foto 9: Hesekiels Raumschiff im »Tempel«

Im Jahre 573/572 vor Christus fand ein dritter Flug statt. Dieser Flug ist – für den heutigen Forscher – zweifelsohne der interessanteste. Hesekiel wurde nämlich in ein unbekanntes Land verfrachtet. Wo auch immer das Raumschiff landete –  im Tempelkomplex von Jerusalem war es jedenfalls nicht.Fakt ist: Hesekiel wusste nicht wo er war. Er schreibt von »einem sehr hohen Berg«, ohne einen Namen zu nennen. Er sah »etwas wie eine Stadt« (17), wieder ohne einen Namen zu nennen. Jerusalem war’s jedenfalls nicht, sonst hätte Hesekiel die Metropole seines Heimatlandes beim Namen genannt.

Nach den Ingenieuren Blumrich und Beier (Siehe Fotos 7 und 8!) handelte es sich beim »Tempel«, zu dem Hesekiel geflogen wurde, um eine technische Anlage, etwa auch zur Wartung der Flugvehikel. Das kurze Zitat auf dem Spruchband vom Gemälde im Dom zu Limburg – »Porta haec clausa erit. Ezech 44« – stammt just aus der Beschreibung dieser Anlage.

Foto 10: Mann mit UFO?
Wenden wir uns dem vierten und interessantesten Einzelbild rechts oben zu Siehe Foto 10!). Was sehen wir? Da ist ein Mann, der mit dem Finger in den Himmel zeigt. Und dort sehen wir, ja was? Ein UFO? Was verrät uns der Text des zugehörigen Schriftbands? Wir entziffern:

»Abscissus est lapis de monte sine mani«. Dieses Textbruchtsück finden wir im Buch des »kleinen Propheten« Daniel in der Vulgata gleich zwei Mal: »abscissus est lapis de monte sine manibus«.

Daniel 2, 34: »Das schautest du, bis ein Stein herunterkam, ohne Zutun von Menschenhänden; der traf das Bild an seinen Füßen, die von Eisen und Ton waren, und zermalmte sie.«

Daniel 2,45: »Ganz so wie du gesehen hast, dass sich von dem Berg ein Stein ohne Zutun von Menschenhänden losriss.«

Wieder gilt es, den Textzusammenhang zu beachten.  Nebukadnezar  (etwa 605-562 v. Chr.), König der Babylonier, beschäftigte an seinem Hof beamtete Magier. Sie hatten unterschiedliche Aufgaben, mussten zum Beispiel Träume deuten. Zwei prophetische Träume des Herrschers sind überliefert. In einem Traumgesicht (18) sah er ein metallisches Standbild. Sein Haupt war aus Gold gefertigt, seine Brust und seine Arme aus Silber, sein Bauch und seine Oberschenkel bestanden aus Kupfer, seine Beine aus Eisen und seine Füße aus Eisen und Ton. Und da kam »ein Stein ohne Zutun von Menschenhand vom Berg« herunter, die Statue wurde »zermalmt«. So habe Gott den König wissen lassen, »was dereinst geschehen wird. Der Traum ist zuverlässig und die Deutung ist richtig.« (19)

Foto 11: UFO oder Stein? (Limburg)

Was zeigt also das mysteriöse Gemälde im Limburger Dom? Ist das rund Etwas im Himmel ein UFO? Oder sehen wir einen Stein, der eine kostbare Statue zerstörte? Zunächst heißt es lediglich: »Das schautest du, bis ein Stein herunterkam, ohne Zutun von Menschenhänden.« Woher der Stein kam, wird nicht verraten. Man mag an einen Meteor denken. Dann aber heißt es: » … dass sich von dem Berg ein Stein ohne Zutun von Menschenhänden losriss.« Demnach rollte der zerstörerische Stein von einem Berg herab. Ist damit das Rätsel vom »UFO« gelöst? Oder doch nicht?  Das »Ding« scheint im Gemälde im Limburger Dom am Himmel zu stehen. Wie ein Stein, der von einem Berg rollt sieht es nicht aus.
    
Nebukadnezar ließ sich die Bedeutung der Traumvision von Daniel erklären. Demnach stand das »Haupt von Gold« für Nebukadnezars eigene Ära. Sein Reich werde aber von aufeinader folgenden, einander ablösenden Imperien abgelöst. In seinem zweiten Traum sah Nebukadnezar (20) einen gewaltigen Baum, der gefällt am Boden lag. Sein mächtiger Wurzelstock sollte für »sieben Zeiten« von einem »Band aus Eisen und Kupfer« umschlossen bleiben. Daniel sah in der Vision einen Hinweis auf den Geisteszustand des Königs. Sieben Jahre lang werde der Herrscher verwirrt sein, dann werde er Jahwe als Weltherrscher und obersten Gott anerkennen, seine getrübten Sinne würden wieder klar werden.

Foto 12: Daniel und - UFO oder Berg? (Ikone)

Der Prophet Daniel selbst hatte auch einen Traum, der im Zusammenhang mit den beiden Visionen Nebukadnezars gesehen werden muss (21). Vier Furcht einflößende Tiere entstiegen den Fluten des Meeres. Versinnbildlichten sie vier Regierungen, vier Reiche?
    
Die Interpretation der Träume ist umstritten. Es ist aber durchaus möglich, sie konkret in Zahlen auszudrücken. Nach »Einsichten über die Heilige Schrift« entsprach die Dauer des biblischen Jahres 360 Tagen. Nach dem Text der Offenbarung (22) wurden nämlich »dreieinhalb Zeiten« (oder »Jahre«) 1.260 Tagen gleichgesetzt. Sieben Zeiten (oder »Jahre«) entsprachen demnach nach dem Verständnis der Bibel 2.520 Tagen. Im 4. Buch Mose (23) findet sich nun ein seltsamer Hinweis, der zur Entschlüsselung des Nebukadnezar-Traums herangezogen werden kann: »Je ein Tag soll ein Jahr gelten.« Diese Gleichsetzung taucht ein weiteres Mal im Alten Testament auf – beim Propheten Hesekiel (24): »Denn ich gebe dir hier auch je einen Tag für ein Jahr.« Sollte das bedeuten, dass die 2.520 Tage 2.520 Jahre bedeuten?
     
Rechnet man nun vom vermutlichen Geburtsjahr Nebukadnezars, also dem Beginn der »goldenen Ära«, 2.520 Jahre weiter, so ergibt sich ein Jahr, das von großer historischer Bedeutung sein sollte: 1914. In diesem Jahr brach der Erste Weltkrieg aus. Sollte tatsächlich der prophetische Traum des babylonischen Imperators auf eben diesen Krieg der Nationen hinweisen?

Foto 13: Der Dom zu Limburg, etwa 1935

Fußnoten
1) Nickel, Roman: Manuskript ohne Titel, Archiv. Sabine Benecke vom  
     »Diözesanmuseums Limburg«, Abteilung »Kunst und Museen«,
     Limburg, hat mir dankenswerter Weise eine Kopie des Manuskripts zur
     Verfügung gestellt.
2) 2. Buch Mose Kapitel 13, Verse 17-22
3) 2. Buch Mose Kapitel 16
4) Sassoon, George und Dale, Rodney: »Die Manna –Maschine«, Rastatt 1980
5) 2. Buch Mose Kapitel 19
6) 2. Buch Mose Kapitel 19, Verse 16-18
7) 2. Buch Mose Kapitel 20 – 4. Buch Mose Kapitel 16
8) 2. Buch Mose Kapitel 32, Verse 1-34
9) 4. Buch Mose Kapitel 18 und 5. Buch Mose Kapitel 18, Verse 1-8
10) 4. Buch Mose Kapitel 16, Vers 35
11) Blumrich, Josef F.: »The Spaceships of Ezechiel«, New York, Februar 1974
12) Blumrich, Josef F.: »Da tat sich der Himmel auf/ Die Raumschiffe des
     Propheten Ezechiel und ihre Bestätigung durch modernste Technik«,
     Düsseldorf und Wien, März 1973

Foto 14: Der Dom zu Limburg heute.

13) Beier, Hans Herbert: »Kronzeuge Ezechiel/ Sein Bericht – sein Tempel –
     seine Raumschiffe«, München 1985
14) Hesekiel Kapitel 3, Verse 12 und 13
15) Hesekiel Kapitel 3, Vers 15
16) Hesekiel Kapitel 8, Verse 1 folgende und Kapitel 40, Verse 1 folgende
17) Hesekiel Kapitel 40, Vers 2
18) Daniel Kapitel 2, Verse 29-45
19) Daniel Kapitel 2, Vers 45
20) Daniel Kapitel 4, Verse 1-34
21) Daniel Kapitel 7, Vers  1 und Kapitel 3, Vers 19
22) Offenbarung Kapitel 12, Verse 6 und 14
23) 4. Buch Mose Kapitel 14, Vers 34
24) Hesekiel Kapitel 4, Vers 6

Foto 15: Der Dom zu Limburg, Briefmarke 1985

Zu den Fotos 
Foto 1: Das mysteriöse Gemälde. Foto Eva und Rolf Streblow
Foto 2: Moses. Foto Eva und Rolf Streblow
Foto 3: Aaron. Foto wikimedia commons crop SteveK crop Bennylin
Foto 4: Aaron, äthiopische Darstellung. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
(Kebra Negest)
Foto 5: Landete »Gott« mit so einem Vehikel auf dem Berg Sinai?
Rekonstruktion des »Hesekiel-Raumschiffs« nach Blumrich.
Foto Archiv Erich von Däniken
Foto 6: Heskiel. Foto wikimedia commons crop SteveK crop Bennylin
Fotos 7 und 8: Buchcover Blumrich und Beier. Foto Archiv Langbein
(Blumrichs Rekonstruktion des Raumschiffs und Beiers Rekonstruktion des
»Tempels« ergänzen und bestätigen einander perfekt!)
Foto 9: Hesekiels Raumschiff im »Tempel«. Archiv Erich von Däniken 
(Rekonstruktion nach Blumrich und Beier)
Foto 10: Mann mit UFO? Foto Eva und Rolf Streblow
Foto 11: UFO oder Stein? Foto Eva und Rolf Streblow
Foto 12: Daniel und - UFO oder Berg? Foto Archiv Langbein
Foto 13: Der Dom zu Limburg, etwa 1935. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 14: Der Dim zu Limburg heute. Foto Eva und Rolf Streblow
Foto 15: Der Dom zu Limburg, Briefmarke 1985. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein 
Foto 16: Ersttagsbrief vom 7.5.1985 mit »Dom-Marke«. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein 

Foto 16: Ersttagsbrief vom 7.5.1985 mit »Dom-Marke«

Ein Wort des Dankes
Eva und 
Rolf Streblow † 
machten mich auf das geheimnisvolle Gemälde im Dom zu Limburg aufmerksam und stellten mir Fotos zur Verfügung! 
Dafür möchte ich mich bei ihnen recht herzlich bedanken!


 385 »Die ›Augen der Wüste‹ - und eine ›neue‹ Erklärung«,
Teil  385 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein, erscheint am 04.06.2017



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Sonntag, 13. Dezember 2009

Beweise für Atlantis?

Walter-Jörg Langbein :
Roland Horn und die Suche nach Beweisen für Atlantis

Atlantis... was für ein magischer Name! Atlantis... Donovan hat den versunkenen Kontinent besungen. Platon hat ihn beschrieben. Seit vielen Jahrhunderten haben ihn unzählige Fantasten und Forscher gesucht. Atlantis... für die einen ein realer Ort, für die anderen eine Fiktion. Hat es Atlantis wirklich gegeben?

Platon liefert eine Begründung für den Untergang des riesigen Reiches, das im Meer versank: So wie der biblische Turm zu Babel dem göttlichen Zorn zum Opfer fiel, so soll auch Atlantis nach einem göttlichen Strafgericht ausgelöscht worden sein. Atlantis wie der Turm zu Babel... sind das zwei fiktive Beispiele märchenhaft-mythischer Bilder aus Parabeln über die Überheblichkeit des Menschen, die den Untergang nach sich zieht? Atlantis und der Turm zu Babel... sind das Fatamorganas, bloße Produkte menschlicher Fantasie?

Fakt ist: der biblische Turm zu Babel hatte historische Vorbilder. Fakt ist: rund 90 Kilometer südlich von Bagdad im heutigen Irak stand er einst tatsächlich: der Monsterturm von Babel. 1913 hat der deutsche Architekt und Archäologe den Beweis erbracht. Sargon von Akkard hat ihn womöglich schon einmal 2300 v.Chr. zerstören lassen... nicht Gott, der biblische Allmächtige! Wurde er wieder aufgebaut und 1700 v.Chr. in den Historien des assyrischen Königs Sanherib erwähnt? 689 v.Chr. wurde offenbar auf Befehl Sanheribs der »Tempel des stolz erhobenen Hauptes« erneut dem Erdboden gleich gemacht. Sanheribs Nachfolger Assurhaddon (680-669 v.Chr.) wollte den Koloss wieder erstehen lassen. Assubanipal, Nabopolassar und Nebukadnezar II.(604-562 v.Chr.) haben das Weltwunder angeblich neu erstehen lassen.

Man mag darüber streiten, ob das Monument in den folgenden Jahrhunderten dem Zahn der Zeit zum Opfer fiel... oder der Zerstörungswut von Xerxes I. (486-465 v.Chr.). 323 v.Chr. ... jedenfalls fand Alexander der Große nur noch traurige Ruinen vor.
10 000 Arbeiter benötigten immerhin zwei Monate, um sie abzutragen. Alexander wollte das einstige Weltwunder neu und eigener Ehre erstehen lassen... starb aber bald darauf. Projekt »Turmbau zu Babel« wurde endgültig aufgegeben. Die Überreste des Weltwunders versanken im Staub der Wüste.... so wie Atlantis im Meer versank?

Atlantis ist zum Synonym für himmlische Bestrafung für menschliche Überheblichkeit... so wie der Turm zu Babel. Aber: den Turm zu Babel hat es wirklich gegeben! War also auch Atlantis einst Realität? Biblische Autoren interpretierten die Geschichte vom Turm zu Babel und seiner Zerstörung als göttliche Strafe. Auch wenn Gott nicht leibhaftig vom Himmel stieg... um das Wunderwerk der Menschen zum Einsturz zu bringen... den Turm hat es gegeben. War auch Atlantis Realität? Eine hochstehende Zivilisation Jahrtausende vor der unseren scheint so manchem – auch »wissenschaftlichen« – Zeitgenossen nicht zu behagen. Wollen wir doch die »Krone der Schöpfung« bleiben... vor uns darf es keine höherstehende Zivilisation gegeben haben. Werden deshalb Beweise für die Existenz von Atlantis bewusst verleugnet?

Es geht nicht mehr um philosophische Diskussionen um Atlantis. Es geht auch nicht um sprachgeschichtliche Studien, sondern um knallharte Beweise, die sehr konkret sind... wie Roland Horn ausführt!

Roland M. Horn wurde am 16. Februar 1963 in Erbach/Odw. geboren. Bereits in jungen Jahren interessierte er sich für den umfangreichen Themenkomplex »Rätselhafte Phänomene«. Horn ist Mitglied bei mehreren Gruppen und Projekten, die sich mit diesem Themenkreis beschäftigen. Er ist als Journalist und Sachbuchautor tätig. Bekannt wurde er insbesondere durch sein Buch »Leben im Weltraum« sowie durch weitere Bücher wie »UFO-Sekten« (zusammen mit Lars Fischinger) und »Erinnerungen an Atlantis«. Im Jahr 2009 veröffentlichte er die Bücher »Atlantis - Alter Mythos - Neue Beweise« und »Apokalyptische Endzeit«. Roland M. Horn lebt heute mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in Kleinblittersdorf an der Saar.

Beweise für Atlantis?
Roland M. Horn

Der griechische Philosoph Platon beschreibt in seinen Dialogen Timaios und Kritias eine ehemals existierende große Insel, die „im Verlauf eines schrecklichen Tages und einer schlimmen Nacht“ in den Fluten des Atlantiks versunken sein soll. Seit Platons Zeiten ist Atlantis ein Thema, über das immer wieder diskutiert wird. Kann es tatsächlich eine Insel größeren Ausmaßes im Atlantik gegeben haben, die später versunken ist? Die Hauptströmung der Wissenschaft ist sich heute sicher: „Atlantis kann nicht existiert haben!“ Besonders die Geologie lehnt diese Vorstellung entschieden ab. Umso erstaunlich ist die Feststellung, dass gerade Ozeanologen und Geologen Beweise für die Existenz einer ehemaligen Landmasse im Atlantischen Ozean gefunden haben. Zu diesen Forschern gehören unter anderem Dr. R. W. Kolbe und Otto Mellis.

Dr. R. W. Kolbe war Untersuchungs-Mitarbeiter am Paläontologischen Department des Schwedischen Museums der Naturgeschichte und Dozent in Diatomologie (Kunde von den Diatomeen [Kieselalgen]) an der Universität in Stockholm. Er schrieb 1957 einen sehr interessanten Artikel zum Thema Süßwasser-Kieselalgen aus den atlantischen Tiefsee-Sedimenten (1). Darin berichtet er von der schwedischen Tiefsee-Expedition von 1947-1948, die von Hans Pettersson geleitet wurde. Die Aufgabe ihres Schiffes, der Albatross, war es, Untersuchungen hauptsächlich in der Äquatorialregion des Pazifischen, Indischen und Atlantischen Ozeans durchzuführen.

Eine wichtige Zielsetzung der Expedition war die Untersuchung von Tiefsee-Sedimenten in Bohrkernen, die in so großer Tiefe durchgeführt wurde, wie die damals moderne Technik es eben zuließ. Kolbe war zuständig für die Untersuchung der Diatomeen, die in den Bohrkernen gefunden wurden. Einige große Bohrkerne beinhalteten an ihrer tiefsten Ebene Kieselalgen, die sich lange gehalten haben müssen. Die Untersuchung zeigte, dass einige Kerne sich bereits in der letzen Phase des Tertiär-Zeitalters entwickelt haben müssen. (Das Tertiär begann vor 65 Millionen Jahren und dauerte bis zum Beginn der Klimaänderung vor rund 2,6 Millionen Jahren.) Eine der bedeutendsten Beobachtungen war sicherlich das unerwartete Vorhandensein einiger Süßwasser-Kieselalgen, die von der Albatross in einer großen Entfernung zur Küste (etwa tausend Kilometer) parallel zur Küstenlinie des äquatorialen Afrikas geborgen wurden.

In anderen Teilen des Weltmeeres waren dagegen nur spärlich Süßwasser-Diatomeen gefunden worden. Hier – mitten im Atlantik – aber wurden beständig Süß-Wasser-Kieselalgen in großer Zahl und großer Vielfalt der Exemplare in atlantischen Tiefsee- Bohrkernen geborgen. Mehr als sechzig Süßwasser-Arten, die zu unterschiedlichen ökologischen Gruppen gehörten, wurden beobachtet. In manchen Fällen konnte nur eine geringe Menge davon im Sediment beobachtet werden, in anderen war die Frequenz jedoch groß bis sehr groß. Die am häufigsten vorgekommenen Süßwasser-Diatomeen waren Melosira granulata (Fadenalgen) in der so genannten „Romanche-Tiefe“ in über 7300 Metern (nach neueren Angaben sogar über 7700 Metern) Tiefe. Diese Tiefe (eine der größten im Atlantik) war einst durch die französische Fregatte Romanche entdeckt worden. Bei dieser Romanche-Tiefe handelt es sich um eine Bruchzone des Mittelatlantischen Rückens, die in Äquatornähe verläuft.

Kolbe nennt drei Möglichkeiten, wie Diatomeen, noch dazu in einer solch großen Zahl, im Atlantik gefunden werden konnten, und fasst sie anschließend zusammen. Laut Kolbe bestehen folgende Möglichkeiten:

1. Die Kieselalgen stammen aus afrikanischen Seen, Flüssen und Sümpfen. Sie wurden durch Flüsse in den Atlantik transportiert und zum Fundort getrieben.

2. Die Diatomeen stammen aus afrikanischen Seen, Flüssen und Sümpfen. In der trockenen Jahreszeit und nach der Austrocknung der Sümpfe, Bäche usw. wird der feine Staub (oft zusammen mit Asche von verbrannten Pflanzen) durch den Austausch von Winden („Harmattan-Staub“) ins Meer getrieben und letztlich an den entsprechenden Stellen abgelegt.

3. Die Kieselalgen stammen von einem See des hypothetischen Kontinents Atlantis oder seinen verbliebenen Inseln. Der Kontinent sank tief unter den jetzigen Meeresspiegel, und die geographische Lokalisation blieb unverändert.

Kolbe bezog sich in seiner dritten möglichen Erklärung über die Herkunft der Kieselalgen auf den Forscher Renè Malaise und betont, dass alle drei Erklärungen ein gewisses spekulatives Moment besitzen.

Der Ozeanograph Otto Mellis beschäftigte sich intensiv mit dem Sand, der in den von der Albatross geborgenen Sedimenten gefunden wurde und berichtete darüber ausführlich in seinem Artikel Die Sedimentation in der Romanche-Tiefe. Ein Beitrag zur Erklärung der Entstehung des Tiefseesandes im Atlantischen Ozean (2). Mellis behandelt zwei Bohrkerne, die von jenem Schiff aus der Romanche-Tiefe gezogen worden sind. Dabei beruft er sich zunächst auf die Untersuchungen von E. Philippi, der 1883 mit dem Forschungsschiff Romanche, nach dem die Tiefe benannt ist, in 7230 Meter Tiefe in einem ungefähr einen halben Meter langen Bohrkern Sand gefunden hat. In der obersten Schicht des Kerns machten die Sandkörner etwa 30% des Sediments aus. Daraufhin stellte Philippi die Frage nach der Herkunft des Sandes mitten im Atlantischen Ozean, doch erst 1948, nach der Albatross-Expedition, konnten die Befunde nachgeprüft werden. Die beiden Bohrkerne, um die es hier gehen soll, enthielten tatsächlich Sandschichten von der von Philippi beschriebenen Zusammensetzung. Einer der Bohrkerne wurde an Hand von etwa einhundertsiebzig aus verschiedenen Teilen des Kernes, hauptsächlich in je zehn Zentimeter Abständen, entnommenen Proben petrographisch (Die Petrographie beschäftigt sich mit der Beschaffenheit der Gesteine) und chemisch untersucht; der zweite, kürzere, nur zur Ergänzung der aus dem anderen Bohrkern gewonnen Erkenntnisse herangezogen.

Der in der Romanche-Tiefe vorkommende Sand hat eine eigenartige mineralogische und chemische Zusammensetzung, und so untersuchte Mellis den Sand genauer und kam zu dem Ergebnis, dass der Romanche-Sand als eine küstennahe Bildung aufgefasst werden müsse. Ob er nun das Stadium eines Strandsandes durchlaufen habe, sei von der Stabilität der Küste abhängig. In einem Küstengebiet, das schnell sinkt, seien die Voraussetzungen für die Erhaltung der Mineralparagenese des Sandes günstig. Mellis schreibt (3):

„Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Romanche-Sand eine kurze Zeit Strandgebilde gewesen ist.“

Mellis fragt sich: „Wo ist der Ursprungsort des Sandes zu suchen? Ist der Sand in der Nähe des jetzigen Ablagerungsortes oder in einer größeren Entfernung davon entstanden?“ Er schreibt, dass Sand von der für die Romanche-Tiefe typischen Zusammensetzung bisher nirgendwo in der Umgebung dieser Tiefe nachgewiesen wurde. Sand in dieser Zusammensetzung sei bisher nicht in den Tiefsee-Sedimenten des Atlantiks gefunden worden. Dieser Umstand und die Feststellung, dass die Mineralparagenese der gröberen Fraktionen über die volle Mächtigkeit des Bohrkerns unverändert bliebe, weisen auf ein konstantes und räumlich begrenztes Ursprungsgebiet hin. Alle diese Gründe sprechen gegen einen langwierigen Transport des Sandes. Aufgrund der Tatsache, dass die Romanche-Tiefe am Fuß des Mittelatlantischen Rückens liegt, von der in der nächsten Umgebung Gipfel bis zu fünfzehnhundert Metern unter dem Meeresspiegel aufragen, sei es naheliegend, den Ursprungsort des Romanche-Sandes auf dem Mittelatlantischen Rücken zu suchen. Es sei logisch anzunehmen, dass zur Zeit der Bildung des Sandes größere oder kleinere Teile der Schwelle über den Meersspiegel hervorragten.

Wenn man sich diese Befunde vor Augen hält, muss man sich tatsächlich fragen, ob nicht die dritte von Kolbes möglichen Erklärungen bezüglich der in den Bohrkernen geborgenen Kieselalgen wahrscheinlicher ist als die beiden erstgenannten, denn wenn der Sand wahrscheinlich nicht von weither transportiert worden ist, warum sollen es dann die Süßwasserkieselalgen sein, zumal Kolbe ja auch seine ersten beiden Erklärungen als „spekulativ“ bezeichnet.

Mellis meint, die Frage ob der Mittelatlantische Rücken sich in einer Auf- oder Abwärtsbewegung befände sei wichtig, um festzustellen, ob es sich bei ihm um eine gesunkene oder um eine auftauchende Gebirgskette handelt. Mellis glaubt, dass sie sich in einer sinkenden Bewegung befindet. Mellis nennt H. Stille, W. W. Belussoff und René Malaise als seine Gewährsmänner. Für diese Annahmen sprechen für ihn unter anderem das komplizierte, stark zergliederte Relief und die auf dem Atlantischen Rücken kurz vor seiner Zeit entdeckte känozoischen (das Kaänozoikum begann vor 65 Mio. Jahren) Kalksteine. Es muss jedoch erwähnt werden, dass es die Meinung der heutigen Mainstream-Geologie ist, dass der Mittelatlantische Rücken sich in einer Aufwärtsbewegung befinde.

Mellis jedoch bezieht sich auf Stille, der meint, der Mittelatlantische Rücken hätte sich am Ende der Kreidezeit (also vor etwa 65,5 Millionen Jahren) gebildet, und das Sinken der gesamten Gebirgskette erfolgte nach seiner Ansicht „wahrscheinlich im Tertiär“. Das ist selbstverständlich eine etwas ungenaue Zeitangabe, und die Möglichkeit, dass der Untergang später erfolgte, wird hier offensichtlich nicht ganz ausgeschlossen.

Malaise schreibt jedenfalls, dass die erste Einströmung von atlantischem Wasser in den Arktischen Ozean vor etwa zehn- bis zwölftausend Jahren erfolgt sei. Zuvor müsse der Mittelatlantische Rücken über die Wasseroberfläche geragt haben (4). Mellis spricht das Vorhandensein einer dünnen Sial-Kruste an, die unter dem atlantischen Ozean liegt, und Sial ist ein alternativer Begriff für „Kontinentalkruste“. Im Ozean finden wir gewöhnlich nur Sima – eben die ozeanische Erdkruste.

Man mag sich nun fragen, warum man von den Problemen, die in diesem Artikel geschildert werden – und anderen, die hier nicht angesprochen werden konnten –, heute so wenig hört? Sind sie etwa auf eine andere Weise als mit der Annahme einer ehemaligen versunkenen Landmasse im Atlantik – wo Platon sein untergegangenes Atlantis sieht – erklärt worden? Keineswegs! Seit Mitte der 60er Jahre ist man in der Mainstream-Wissenschaft zu der Erkenntnis gekommen, dass Atlantis nicht existiert haben kann (oder sollte man besser sagen darf?) Denn wenn man vorgibt zu wissen, dass Atlantis nicht existiert haben kann, müsste man die Argumente, die dafür sprechen, widerlegt haben, doch stattdessen hüllt man sich in Schweigen…

Fußnoten
1) Kolbe, R. W.: Fresh Water Diatoms from Atlantic Deep-See Sediments. Science Vol. 126, 1957, S. 1053-1056

2) Geologische Rundschau, 1958, S.218-233

3) Mellis, Otto: Die Sedimentation in der Romanche-Tiefe (ein Beitrag zur Erklärungder Entstehung des Tiefseesandes im Atlantischen Ozean) In: Geologische Rundschau, 1958, S. 230

4) Malaise, René: Oceanic Bottom Investigations and their Bearings on Geology. In: Geologiska Forensingens I Stockholm, Forhandlingar, März-April 1957, S. 195-224

Hinweis:Es ist noch viel zu sagen zu diesem Themenkomplex, und in diesem Artikel konnte nur eine ausgewählte und zusammengefasste Fassung des Themas „Geologische Beweise für Atlantis“ präsentiert werden. Ausführliche Informationen finden Sie in meinem Buch „Atlantis - Alter Mythos - Neue Beweise“, erschienen im Aquamarin-Verlag, Grafing 2009.

Homepage Roland Horn: http://horn.alien.de/


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