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Sonntag, 31. Mai 2020

541. »Hesekiel, Elias und Henoch wurden ›entrückt‹«

Teil 541 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein



Foto 1: Elias und Henoch. Bibelillustrationen, koloriert.

Der Prophet Hesekiel schildert seine erste Begegnung mit dem Wagen Gottes, auch »Herrlichkeit Jahwes« (»Herrlichkeit des HERRN«) genannt, so (1) »Und ich sah, und siehe, es kam ein ungestümer Wind von Norden her, eine mächtige Wolke und loderndes Feuer, und Glanz war rings um sie her, und mitten im Feuer war es wie blinkendes Kupfer.« Auch in der »Elberfelder Bibel« kommt die geheimnisvolles Gotteserscheinung recht imposant daher (2): »Und siehe, ein Sturmwind kam von Norden her, eine große Wolke und ein Feuer,…«

Prof. Georg Fohrer (3): »Jahwe erscheint im Sturm, auf dem man die großen babylonischen Götter einherfahrend dachte. Er naht auf dem babylonischen Götterwagen mit den gewaltigen Rädern, deren furchtbares Getöse Himmel und Erde erzittern läßt. … Die Lichterscheinung erinnert an babylonische solare Gottheiten, vor allem wiederum des Sonnengottes.«

Der Theologe und Alttestamentler Prof. Hermann Gunkel (*1862; †1932) glaubt den Ursprung solcher himmlischer Wagen im Märchen ansiedeln zu müssen. So schreibt er (4): »Auch die Vorstellung von einem fliegenden Wagen kommt im Märchen vor; auf solchen Wagen fahren Elisa und Henoch zum Himmel. … Die Mythologie schreibt den Göttern solche Flugzeuge zu, denn natürlich besitzen diese die ›Wunschdinge‹, nach denen sich der Mensch sehnt: Hermes hat Flügelschuhe, Jahwe fliegt auf dem Kerub, bei Hesekiel auf den Häuptern von vier beschwingten Keruben und – auf einem beseelten Zauberwegen.«

Der Theologe und Alttestamentler Prof. Gunkel hält die Beschreibungen von Götterwagen für Wunschdenken. Ich muss dem Theologen auch hier den Raumfahrtwissenschaftler gegenüberstellen. Sänger lehnt den Gedanken, fliegende Wagen müssten Fantasieprodukte sein, ab. Raumfahrtpionier Eugen Sänger indes war da ganz anderer Ansicht als Prof. Gunkel (5): »Es erscheint uns heute fast wahrscheinlicher, dass unsere Vorfahren diese Vorstellungen aus realen Erfahrungen bei der Begegnung mit prähistorischen Besuchern aus dem Weltraum erwarben, als dass eine ans Unglaubwürdige grenzende Zukunftsschau sie ihnen schon vor Jahrtausenden auf wunderbare Weise geoffenbart hätte.«

Sänger betonte anno 1958, also vor mehr als einem halben Jahrhundert, dass entsprechende Hinweise nicht etwa nur bei einzelnen Völkern oder Religionen vorkommen, »sondern praktisch bei allen Völkern der Erde in sehr ähnlicher Weise auftauchen«.

Schließlich listet Prof. Sänger einige Indizien für Besuche der »Astronautengötter« auf, die Jahre später sozusagen zum Kanon der »Prä-Astronautik« gehören sollten (6):»Tatsächlich berichtet nicht nur die Bibel vom Propheten Elias, er sei auf einem von Flammenrossen gezogenen Donnerwagen gen Himmel gefahren, nach mexikanischen Mythen erhielten die Maya den Besuch eines Gottes aus dem Weltraum, die Begründer der peruanischen Inkadynastie kamen vom Himmel...«

Foto 2: Elias. Ikone, frühes 19.Jahrhundert.
Wenden wir uns Elias‘ Erlebnis mit dem fliegenden Gotteswagen zu. Zur Vorgeschichte: Auf Betreiben Elias versammelten sich auf dem Berg Karmel (7) »die vierhundertfünfzig Propheten des Baal und die vierhundert Propheten der Aschera«. Es kam zu einem Opferwettbewerb zwischen den Priestern Jahwes und den Priestern Baals, den die Baalspriester ganz klar verloren haben. Baal nahm das ihm dargebotene Stieropfer nicht an. Da half kein Geschrei. Auch Selbstverstümmelung half nicht (8): »Nach ihrem Brauch ritzten sie sich mit Schwertern und Lanzen wund, bis das Blut an ihnen herabfloss.« Elija ließ seinen Opferstier zerteilen, auf einen Altar legen und wiederholt mit Wasser übergießen. Anders als Baal erhörte, so der Bibeltext, Gott Jahwe Elias Gebete, der sich von Gott wünschte, der möge doch sein Opfer annehmen, auffressen, sprich verbrennen. So geschah es dann auch (9): »Da kam das Feuer des HERRN herab und verzehrte das Brandopfer, das Holz, die Steine und die Erde.«

Jetzt erkannte das Volk, so schildert es die Bibel, dass Jahwe der mächtigere Gott war. Die Baalspriester hatten verloren. Die Niederlage mussten die 450 mit dem Leben bezahlen. Elias befahl (10): »Ergreift die Propheten des Baal! Keiner von ihnen soll entkommen. Man ergriff sie und Elija (alias Elias) ließ sie zum Bach Kischon hinabführen und dort töten.«

Alle 450 Baals-Priester wurden abgeschlachtet. Kurios: Die »400 Propheten« der Göttin Aschera wurden zwar auch zum Opferwettstreit auf den Berg Karmel geholt, sie nahmen aber nicht am Wettbewerb teil. Warum waren die »Propheten« der Göttin zugegen? Und während berichtet wird, dass die 450 Baalspriester massakriert wurden, hüllt sich der Text in Schweigen, wenn es um die »Propheten Ascheras« geht. Die werden schlicht und einfach im weiteren Verlauf der Geschichte gar nicht mehr erwähnt. Sollte Aschera warum auch immer unantastbar gewesen sein? Tatsächlich gibt es Hinweise auf Aschera als Partnerin Jahwes.

Das von Elias (Elia/ Elija) angeordnete Gemetzel scheint Gott Jahwe nicht gestört zu haben, ganz im Gegenteil. Jahwe beschließt nämlich, den Priester Elias zu sich holen zu lassen. Damit ist freilich nicht der Tod des Propheten gemeint. Offenbar war – so der Bibeltext – im Volk bekannt, dass Jahwe Elias entführen lassen wollte. Konkretes Beispiel: Elischa (zu Deutsch etwa »Gott hilft«), der Diener Elias‘, wurde gefragt (11): »Weißt du, dass der HERR (Jahwe) heute deinen Meister über dein Haupt hinweg aufnehmen wird? Er antwortete: Auch ich weiß es. Seid still!«

Foto 3: »Entrückung« des Elias.
Bibelillustration, koloriert.

Vergeblich versuchte Elias (andere Schribweise Elija) seinem Gott auszuweichen. Elias und sein Diener Elischa, Elias Nachfolger, waren zusammen unterwegs, da kam der göttliche Flugwagen zum Einsatz (12): »Während sie miteinander gingen und redeten, erschien ein feuriger Wagen mit feurigen Pferden und trennte beide voneinander. Elija fuhr im Wirbelsturm zum Himmel empor.« Elias wurde lebend und leibhaftig mit Gottes Himmelswagen von der Erde abgeholt, spricht entführt, im Bibeldeutsch »entrückt«.

Wolfgang Schneider schreibt in seinem Artikel »Elias Entrückung gen Himmel« (13): »Der Bericht über das Lebensende des Propheten Elia ist immer wieder Gegenstand von Überlegungen und Theorien gewesen, die fast alle in einer These enden: Elia wurde von Gott in den Himmel aufgenommen, ohne daß er gestorben wäre. Das Ereignis wird auch als ›Entrückung des Elia‹ bezeichnet, oder es heißt, Elia sei nicht den gewöhnlichen Menschentod gestorben, sondern in den Himmel aufgenommen worden. Manchmal wird es mit der Entrückung Henochs, einem der vorsintflutlichen Väter, verglichen. Beide, so wird dann gesagt, habe Gott zu sich in den Himmel aufgenommen, ohne daß sie gestorben wären.«

Foto 4: Auch Henoch wurde
von Gott in den Himmel entrückt.
Bibelillustration um 1730.
Über Henoch weiß die Bibel nicht viel zu berichten (14): »Henoch war fünfundsechzig Jahre alt, da zeugte er Metuschelach (Methusalem). Nachdem Henoch Metuschelach gezeugt hatte, ging er mit Gott dreihundert Jahre lang und zeugte Söhne und Töchter. Die gesamte Lebenszeit Henochs betrug dreihundertfünfundsechzig Jahre. Henoch ging mit Gott, dann war er nicht mehr da; denn Gott hatte ihn aufgenommen.« Wie der Terminus »Gott hatte ihn aufgenommen« zu verstehen ist, das verdeutlicht ein Vers im »Neuen Testament«. Im »Hebräerbrief« lesen wir in der »Einheitsübersetzung« (15):

»Aufgrund des Glaubens wurde Henoch entrückt, sodass er den Tod nicht schaute; er wurde nicht mehr gefunden, weil Gott ihn entrückt hatte; vor der Entrückung erhielt er das Zeugnis, dass er Gefallen gefunden habe bei Gott.« Ziehen wir noch »Hoffnung für alle« heran: »Weil Henoch glaubte, nahm Gott ihn zu sich, so dass er nicht sterben musste; er war plötzlich nicht mehr da. Die Heilige Schrift bestätigt, dass Henoch so gelebt hat, wie es Gott gefiel.«

Hesekiel erlebte eine Himmelsreise, wurde aber wieder auf irdischem Grund und Boden ausgesetzt. Elias und Henoch wurden auch zu einer Himmelsreise mitgenommen, so berichten es die biblischen Texte, nicht wieder zur Erde zurück.

Für den renommierten Theologieprofessor Dr. Hermann Gunkel (*1862; †1932) ist der Sachverhalt klar! Für ihn gibt es offensichtlich zwei Sorten von Texten, nämlich realistische Beschreibungen realer Geschehnisse einerseits und märchenhafte, sprich fiktive Texte. Wie aber entscheidet der Theologe, was erfunden wurde und was nicht? Mir scheint, dass er alles, was ihm zu fantastisch erscheint, in die »Kategorie Märchen« einordnet. Und das betrifft biblische wie außerbiblische apokryphe Texte und solche, die in anderen Kulturen entstanden sind.


Foto 5: »Entrückung« des Elias.
Bibelillustration, koloriert. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein.

Aber macht er es sich nicht zu einfach, wenn er alle Texte, die nach seinem Geschmack zu fantastisch klingen, in den Bereich des Märchenhaften verbannt? Prof. Dr. Hermann Gunkel (*1862; †1932) war ganz ohne Zweifel ein vorzüglicher, kenntnisreicher und wissenschaftlich präzise arbeitender Theologe. Doch was für Prof. Gunkel vor hundert und mehr Jahren einfach viel zu fantastisch war um wahr zu sein, das mag für uns zu Beginn des 21. Jahrhunderts längst überholte Wirklichkeit von gestern sein. Prof. Gunkel musste alles für unmögliche Fiktion halten, was für uns heutige immer noch allenfalls realistische Zukunftsschau ist. Genauso gilt, dass die Realität von – wählen wir ein beliebiges Jahr – 2122 für uns Heutige unfassbar unrealistisches Märchen sein muss. So ist es durchaus möglich, dass wir, wie Prof. Gunkel, uralte Texte als unglaubwürdig belächeln, nur weil sie fantastisch klingen. Meiner Meinung ist es unverzichtbar, auch scheinbar Märchenhaftes als Informationsquelle zu überprüfen. Falsch und unverantwortlich ist es meiner Meinung nach alles, was wir nicht für realistisch halten als »Märchen« zu etikettieren und unberücksichtigt zu lassen.


Fußnoten
(1) Hesekiel Kapitel 1, Vers 4 (Zitiert aus »Lutherbibel 2017«)
(2) Ebenda, Anfang von Vers 1 zitiert aus der »Elberfelder Bibel«.
»English Standard Version«: »As I looked, behold, a stormy wind came out of the north, and a great cloud, with brightness around it, and fire flashing forth continually, and in the midst of the fire, as it were gleaming metal.«
(3) Fohrer, Georg: »Handbuch zum Alten Testament. Erste Reihe 13/ Ezechiel«, Tübingen 1955, Seite 9, 7.-2. Zeile von unten (Fußnoten nicht mitgezählt!)
(4) Gunkel, Hermann: »Das Märchen im Alten Testament«, Tübingen 1921, Seite 61, letzte Zeile unten – Seite 62, 8. Zeile von oben
(5) Sänger, Eugen: »Raumfahrt – technische Überwindung des Krieges«, Hamburg 1958, Seite 124
(6) Ebenda, Seite 125(7) 1. Könige Kapitel 18, Vers 19 (»Einheitsübersetzung 2016«)
(8) Ebenda, Vers 28 (»Einheitsübersetzung 2016«)
(9) Ebenda, Vers 38
(10) Ebenda, Vers 40
(11) 2. Könige Kapitel 2, Vers 3
(12) 2. Könige 2, Vers 11
(13) Schneider, Wolfgang: »Elias Entrückung gen Himmel«, »Bibel Center«.  http://www.bibelcenter.de/bibel/studien/wort/d-std071.php (Stand 25.04.2020)
Die Rechtschreibung des Zitats wurde unverändert übernommen und nicht der Rechtschreibrefrom gemäß verunstaltet.
(14) 1. Mose Kapitel 5, 21-24 (»Einheitsübersetzung 2016«)
(15) Hebräer Kapitel 11, Vers 5 (»Einheitsübersetzung 2016«)
(16) Gunkel, Hermann: »Das Märchen im Alten Testament«, Tübingen 1921, Seite 52, 3.-8. Zeile von oben

Zu den Fotos

Foto 1: Elias und Henoch. Bibelillustrationen, koloriert.
Foto 2: Elias. Ikone, frühes 19.Jahrhundert. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein.
Foto 3: »Entrückung« des Elias. Bibelillustration, koloriert. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein.
Foto 4: Auch Henoch wurde von Gott in den Himmel entrückt. Bibelillustration um 1730. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein.
Foto 5: »Entrückung« des Elias. Bibelillustration, koloriert. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein.


542. »1.000 Jahre vor Kolumbus«,

Teil 542 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 07. Juni 2020 

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Sonntag, 17. Mai 2020

539. »Hesekiel sah das Rad«

Teil 539 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: »Hesekiels Rad« nach der Restaurierung.
Farblich verändert und kontrastverstärkt
zur Hervorhebung der Details.
Zu sehen ist das Rad in vier verschiedenen
Bearbeitungen.



William Levi Dawson (*1899; †1990) komponierte 1942 ein Lied für gemischten Chor, das Hesekiels himmlische Sichtung immer wieder refrainartig besingt. Zahlreiche Künstler nahmen sich des erfolgreichen Songs an. Louis Armstrong (*1901; †1971) hat »Ezekiel sah das Rad« in seiner ganz speziellen Weise besungen, Johnny Cash (*1932; †2003) ebenso. Woody Guthrie (*1912; †1967) hat das Lied über das himmlische Rad ebenso erklingen lassen wie der Gospelchor »The Charioteers« (1930-1957) oder der Chor »The Dixie Hummingsbirds« (gegründet 1928). Bing Crosby (*1903; †1977) nahm »Ezekiel saw the wheel« ebenso auf wie John Lee Hooker (* vermutlich 1917; †2001).

Zahlreiche Künstler nahmen »Ezekiel saw the wheel« in ihr Repertoire auf. Sie variierten den Text manchmal mehr, manchmal weniger. Aber alle beschrieben das himmlische Rad, alle wiederholten refrainartig »Ezekiel sah das Rad, hoch oben in der Luft.« Bei Johnny Cash allerdings »wirbelte« das Rad »hoch oben in der Luft«, bei Louis Armstrong sah Hesekiel das Rad einfach nur »ganz oben in der Luft«.

Weihnachten 1982 präsentierte Johnny Cash mit dem Chor »Mighty Clouds of Joy« und der »Carter Family« meine Lieblingsversion von »Ezechiel saw the Wheel«. Ausführlich zitiert Johnny Cash den mysteriösen Bibeltext von der »Herrlichkeit des Herrn« (»Majestas Domini«).

Foto 2: »St. Maria und Clemens«,
Schwarzrheindorf, um 1900.

Als ich vor Jahren »Hesekiels Rad« begegnete, da geschah dies nicht unter freiem Himmel, sondern in einem altehrwürdigen Gotteshaus, nämlich in »St. Maria und Clemens« in Schwarzrheindorf. Die romanische Doppelkirche ist einer der schönsten und zugleich geheimnisvollsten Sakralbauten, die ich je besucht habe. Ihre großflächigen Deckenmalereien würden einen mehrtägigen Besuch rechtfertigen. Man könnte sich sogar wochenlang in die herrliche sakrale Kunst vertiefen.

»Mein« Taxifahrer freute sich, als ich am Bonner Hauptbahnhof einstieg und mein Ziel, »St. Maria und Clemens«, nannte. »Diese Kirche ist leicht zu finden, wenn man weiß, wo sie ist! Vom ›Beueler Zentrum‹ im Stadtbezirk Beuel geht es nach Norden. Im Bonner Ortsteil Schwarzrheindorf/Vilich-Rheindorf kann man sie dann gar nicht mehr verfehlen!«

Ich ärgerte mich etwas. Von einem Vorortbahnhof aus wäre die Taxifahrt vielleicht nicht so lang ausgefallen. Aber die begeisterten Schilderungen »meines« Taxifahrers ließen meinen Verdruss verschwinden. »Machen Sie ruhig eine Führung mit! Aber genießen Sie einfach die üppige Pracht der Gemälde. Was die im Einzelnen bedeuten, da haben sich die Theologen wohl mancherlei ausgedacht! Aber achten Sie unbedingt auf das fliegende Rad aus der Bibel!« Zu einem besonderen Erlebnis wurde die Fahrt nach Schwarzrheindorf  durch eine musikalische Darbietung des Taxifahrers.

Foto 3: »Hesekiels Rad« nach der Restaurierung.
Farblich verändert und kontrastverstärkt zur
Hervorhebung der Details.

Der fragte mich, ob ich das Lied »Ezekiel saw the Wheel« kenne. Als ich das bejahte, da schmetterte er »Ezekiel saw the wheel« so laut, dass auch andere Verkehrsteilnehmer in den akustischen Genuss kamen. Der Gesangsstil des Taxifahrers war einzigartig. Offensichtlich war er stärker vom Sangeskünstler Herbert Arthur Wiglev Clamor Grönemeyer (*1956) als von Johnny Cash, Woody Guthrie oder Bing Crosby beeinflusst. Aber vielleicht machte der Chauffeur auch gerade eine starke Entzündung der Nasennebenhöhlen durch. Jedenfalls war vom Text des Liedes kaum etwas zu verstehen. Je unklarer seine Artikulation wurde, desto lauter sang der Mann am Lenkrad. Manchmal blieb er kurz stecken, holte dann aber die verlorene Zeit durch schluckaufartige Sangestechnik wieder auf. Oder sollte der singende Taxifahrer zwischendurch tatsächlich immer wieder von mächtigen Schluckaufattacken heimgesucht worden sein? Oder unterliefen ihm einige Rülpser, die allerdings kaum auffielen.

Manchmal war ich mir nicht sicher, in welcher Sprache der Gesang vorgetragen wurde. War das Englisch? Oder Türkisch? Manches klang auch französisch. Unbezweifelbar englisch war allerdings »Ezekiel saw the wheel«.

Foto 4: »Hesekiels Rad« nach der Restaurierung.
Farblich verändert und kontrastverstärkt zur
Hervorhebung der Details.
Zu sehen ist das Rad in vier Variationen.

»Schwarzrheindorf« liegt rechts des Rheins. Der kleine Ortsteil von Bonn hat etwa 4.500 Einwohner. Die Kelten siedelten hier bereits. »Schwarzrheindorf« gilt als eine der ältesten Siedlungen der Kelten im schönen Rheintal. Die Oberkirche von »St. Maria und Clemens« ist der Gottesmutter Maria, die Unterkirche dem »Heiligen Clemens« geweiht. Einst gehörte das Gotteshaus als Kapelle zu einem imposanten burgähnlichen Gebäudekomplex. Vom weltlichen Teil aus konnte man direkt in das Obergeschoss der Kirche gelangen. Eher bescheidene Abbruchreste lassen die einstige »Burg« nicht einmal mehr auch nur erahnen. Dass es so eine Burg einst gegeben hat, das hat Bernhard Hundeshagen (*1784; †1858) bereits anno 1820 nachgewiesen.

»St. Maria und Clemens« (1) wurde, das ist beurkundet, am 25. April 1151 vom Kölner Erzbischof Arnold von Wied im Beisein des Königs Konrad III. geweiht. Die Doppelkirche in Schwarzrheindorf gilt als romanisches Kleinod. Die herrlichen Wandmalereien aus dem 12. Jahrhundert machen das Gotteshaus zu einer echten Kostbarkeit. Die üppigen Malereien in der Unter- und Oberkirche sollen, so erfuhr ich von meinem Führer, zu den am besten erhaltenen Bildwerken dieser Zeit gehören.

Allerdings, so räumte mein Führer ein, sei es da und dort zu »malerischen Rekonstruktionen« gekommen, die wohl der Fantasie der Restaurateure entsprungen sind und nicht die zum Teil leider dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallenen Originale haben wieder entstehen lassen. Weitschweifig erklärte mir mein wortgewandter Führer, dass die zahlreichen Einzelgemälde nach einem »komplexen System« angeordnet worden seien und dass es ein »äußerst genau ausgeklügeltes Miteinander« der einzelnen Darstellungen gebe.

Offen gestanden: Ich habe manches, was mir der Führer erklärte, nicht nachvollziehen können. Vielleicht hat mich auch das »Rad« des Hesekiel, das da über meinem Kopf zu schweben schien, zu stark abgelenkt. Mir ist kein zweites Gotteshaus bekannt, das einen ganzen Hesekiel-Zyklus zu bieten hat. Nirgendwo sonst habe ich in einer Kirche den Propheten Hesekiel thematisiert entdecken können. Mir scheint, da ist »St. Maria und Clemens« einzigartig, und das wohl weltweit.

Wann genau die Ausgestaltung der Kirche mit üppiger Malerei abgeschlossen wurde, das ist nicht bekannt, wie Albert Verbeek anmerkt (2). Die Unterkirche war zu Lebzeiten des Stifters Arnold von Wied (*um 1098; †1156), also spätestens 1156 voll ausgemalt. Unbekannt ist, wann die herrlichen Wandmalereien übertüncht wurden. Dieser barbarische Vorgang dürfte bis zu neun Mal wiederholt worden sein. Gewiss, die Tünche-Schichten schützten die Malereien auch, etwa als die Kirche (3) »als Stall und Scheune diente«.

Foto 5: »Hesekiels Rad« vor der Restaurierung
(Skizze Christian Hohe).

1854 begann Christian Hohe mit der planmäßigen Freilegung der Malereien. Er ließ die Tünche mit tuchumwickelten Holzhämmern abklopfen. Dabei kam es leider zu Beschädigungen der Originalgemälde. Bei der ersten Übermalung hatte sich die frisch aufgebrachte Kalkmilch mit der Originalfarbe verbunden, so dass nicht nur die störende Tünche, sondern auch Originalfarbe abgeschlagen wurde. Offenbar wurden zumindest Teile der äußeren Farbschicht mit der Tünche abgelöst.

Christian Hohe (*1798; †1868) war akademischer Zeichenlehrer der Universität zu Bonn und fantasiebegabt. Freie Stellen ergänzte er nach Gutdünken. Nicht unterschätzt werden darf, dass bei der Restaurierung durch Hohe manches Mal seine Interpretation im Vordergrund stand. Hohe meinte zum Beispiel in einem Gemälde die Darstellung eines Engels erkennen zu müssen und so sah die Gestalt dann auch aus. Daraus wurde nach neuerem Verständnis wieder (?) der Prophet Hesekiel. Christian Hohe einige nur noch schwach auszumachende Gestalten als »Ritter« gesehen und entsprechend »rekonstruiert«. Bereits 1902 wurden die »Ritter« durch neuerliche Bearbeitung zu allegorischen Darstellungen der Tugenden.

Bei aller berechtigter Kritik muss aber festgehalten werden, dass sich Christian Hohe  durchaus in positivem Sinne als Restaurator verdient gemacht hat. Vorhandenes, noch Erhaltenes hat er kenntnisreich gesichert. Ein »Überzug von in Benzol und Terpentingeist aufgelöstem Wachs« schützte nicht nur die alten Farben, vielmehr wurden die alten Malereien klarer und wieder fester.

Foto 6: »Hesekiels Rad« nach der Restaurierung.
Farblich verändert und kontrastverstärkt zur
Hervorhebung der Details.

Was mich in die Unterkirche von »St. Maria und Clemens« zu Schwarzrheindorf geführt hat, das beschreibt Albert Verbeek so (4): »Auf der Südseite ist die Berufungsvision Ezechiels am Flusse Kebar geschildert, im Zwickel der Prophet zusammengekauert, darüber die hergewehte Wolke und daneben ein Rad nach den Worten: ›Ich schaute und siehe: ein Sturmwind kam von Norden, eine große Wolke und flackerndes Feuer; aus deren Mitte strahlte es wie das Blinken von Glanzerz. In seiner Mitte war etwas, was vier Lebewesen glich… Ein Rad war auf der Erde.«

Foto 7: Gestalt in
»Hesekiels Rad«
(Skizze Christian Hohe,
Ausschnitt).

Da stand ich also in der für das Volk bestimmten Unterkirche und starrte zu Hesekiel empor, der da seltsam zusammengekauert zu sitzen schien. Über ihm aber, hoch oben am Himmel, da stand ein gewaltiges Rad, das Rad, das so oft besungen wurde. Und dieses Rad steht nun hoch über mir »am Himmel« der Unterkirche von »St. Maria und Clemens« zu Schwarzrheindorf. Das mysteriöse Rad war freilich, anno 1854 nur noch zum Teil erhalten. Nachdem Christian Hohe die weiße Tünche hatte abschlagen lassen, da zeigte sich, dass fast die Hälfte des Originals fehlte. Bevor mit der planmäßigen Freilegung der Malereien begonnen wurde, fertigte Christian Hohe Zeichnungen an. Mir liegt eine Zeichnung Hohes vom Rad, das Hesekiel sah, in Kopie vor. Sie zeigt Erstaunliches. Da sitzt im Rad eine Gestalt, von der man in der Skizze Kopf und Oberkörper sieht, und blickt aus dem Inneren des Rades heraus. Wer soll das sein? Ein Engel vielleicht?

Das nur zum Teil erhaltene Rad wurde schließlich vervollständigt. Die Gestalt im Rad (Foto 7!) allerdings wurde nicht in die wiederhergestellte Malerei aufgenommen. Ob sie im Original zu sehen war? Und wenn dem so war, wieso ließ man sie dann verschwinden?

Foto 8:
Noch einmal
das EINE Rad Hesekiels
in vier Variationen
(zur Hervorhebung der sonst schwer
zu erkennenden Einzelheiten!)


Fußnoten
(1) Doppelkirche Schwarzrheindorf, Dixstraße 41, 53225 Bonn
(2) Verbeek, Albert: »Schwarzrheindorf/ Die Doppelkirche und ihre Wandgemälde«, Düsseldorf 1953, Seite XXXVI
(3) Ebenda, 13. Zeile von unten

Zu den Fotos
Foto 1: Hesekiels Rad von Schwarzrheindorf. Fotocollage. Farblich verfremdet.
Kontrastverstärkt zur besseren Sichtbarkeit der Details. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 2: »St. Maria und Clemens«, Schwarzrheindorf, um 1900. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein (Anmerkung: Nach meinen Recherchen entstand das Foto definitiv vor 1910, vermutlich um die Jahrhundertwende.)
Foto 3: »Hesekiels Rad« nach der Restaurierung. Farblich verändert und kontrastverstärkt zur
Hervorhebung der Details. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 4: »Hesekiels Rad« nach der Restaurierung. Farblich verändert und kontrastverstärkt zur
Hervorhebung der Details. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 5: »Hesekiels Rad« vor der Restaurierung (Skizze Christian Hohe). Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 6: »Hesekiels Rad« nach der Restaurierung. Farblich verändert und kontrastverstärkt zur Hervorhebung der Details. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Gestalt in »Hesekiels Rad« (Skizze Christian Hohe, Ausschnitt). Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Noch einmal das EINE Rad Hesekiels in vier Variationen (zur Hervorhebung der sonst schwer zu erkennenden Einzelheiten!)Foto Archiv Walter-Jörg Langbein 

540. »Hesekiel, Gilgamesch und Pfeile Gottes«,
Teil 540 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 24. Mai 2020


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Sonntag, 10. Mai 2020

538. »Die Herrlichkeit des Herrn«

Teil 538 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Nehmen wir an, vor mehr als zweieinhalb Jahrtausenden hatte jemand Begegnungen mit etwas Unfassbarem. Das geschah etwas, das war für unseren Zeugen zu fantastisch, um es wirklich zutreffend in Worte zu fassen. Was unser Zeuge gesehen hat, er konnte es nicht begreifen. Er konnte nur versuchen, das Geschehene zu umschreiben. Er wählte Bilder aus seiner alltäglichen Umwelt. So entstand so etwas wie ein Bild in Worten, wie eine Collage, die bizarr werden musste. Hesekiel (Ezechiel) schreibt (1):

Foto 1: Was sah der biblische Hesekiel? (Bibelillustration)

»Vers 4: Und ich sah, und siehe, es kam ein ungestümer Wind von Norden her, eine mächtige Wolke und loderndes Feuer, und Glanz war rings um sie her, und mitten im Feuer war es wie blinkendes Kupfer. Vers 5: Und mitten darin war etwas wie vier Wesen; die waren anzusehen wie Menschen. Vers 6: Und jedes von ihnen hatte vier Angesichter und vier Flügel. Vers 7: Und ihre Beine standen gerade, und ihre Füße waren wie Hufe von Stieren und glänzten wie blinkende, glatte Bronze.

Vers 8: Und sie hatten Menschenhände unter ihren Flügeln an ihren vier Seiten; die vier hatten Angesichter und Flügel. Vers 9: Ihre Flügel berührten einer den andern. Und wenn sie gingen, brauchten sie sich nicht umzuwenden; immer gingen sie in der Richtung eines ihrer Angesichter. Vers 10: Ihre Angesichter waren vorn gleich einem Menschen und zur rechten Seite gleich einem Löwen bei allen vieren und zur linken Seite gleich einem Stier bei allen vieren und hinten gleich einem Adler bei allen vieren. Vers 11: Und ihre Flügel waren nach oben hin ausgespannt; je zwei Flügel berührten einander, und mit zwei Flügeln bedeckten sie ihren Leib.«

Foto 2: Hesekielvision
(Raphael, frühes 16. Jahrhundert)

Wer war »unser« Zeuge? War es Hesekiel selbst, den wir als einen der Verfasser eines Texte kennen, den wir im »Alten Testament« finden? Oder konnte Hesekiel auf eine ältere Überlieferung zurückgreifen, in der Unbegreifbares beschrieben wurde? Übernahm Hesekiel eine sehr viel ältere Beschreibung, weil sie ihm geeignet schien, so etwas wie ein fantastisches Bild von Gott zu erschaffen? Hat Hesekiel seine Vorlage unverändert übernommen? Oder hat er sie bearbeitet?

Nach Luther vermeldet der Zeuge (2) »eine mächtige Wolke und loderndes Feuer«. In der »Elberfelder Bibel« erfahren wir im gleichen Vers mehr. Da lodert das Feuer nicht, da »zuckt es hin und her«. »Hoffnung für alle« wiederum lässt im gleichen Vers weder Feuer »lodern«, noch »hin und her zucken«. Stattdessen »schossen … Blitze aus ihr hervor«. In der »Zürcher Bibel« begegnen uns Bekannte: »eine grosse Wolke und flackerndes Feuer«. von einem hellen Schein umgeben und Blitze zuckten aus ihr. Die »Gute Nachricht Bibel« war die Wolke »von einem hellen Schein umgeben und Blitze zuckten aus ihr«.

Foto 3: Hesekiel als Motiv von Ikonen

Konsultieren wir die »Einheitsübersetzung 2016«. Wieder könnte die Beobachtung von einem anderen Zeugen stammen, der zwar auch eine »große Wolke« beobachtet hat, aber »ein unaufhörlich aufflammendes Feuer, umgeben von einem hellen Schein«. Die »Neue evangelistische Übersetzung« bemerkte der Zeuge – wieder ein anderer? - »ein zusammengeballtes Feuer, das von einem strahlenden Glanz umgeben war«. Nun ziehe ich noch die »English Standard Version« heran (3) und übersetze aus dem Englischen ins Deutsche: »Als ich hinschaute, siehe, kam ein stürmischer Wind aus dem Norden und eine große Wolke mit Helligkeit um sie herum, und Feuer blitzte ununterbrochen und mitten im Feuer auf, als wäre es glänzendes Metall.«

Was aber wurde beschrieben? Was kam da von Norden her? Der allgegenwärtige Gott jedenfalls kommt nach unserem heutigen christlichen Verständnis von nirgendwo her, einfach weil er überall ist. Lesen wir die verschiedenen Übersetzungen unvoreingenommen, dann begegnet uns etwas Störendes. Da ist immer von Metall die Rede (4): »Und mitten darin war etwas wie vier Wesen; die waren anzusehen wie Menschen.« Wenn da etwas irgendwie »Göttliches« abgebraust kam, aus dem es irgendwie leuchtete und blitze, wer oder was waren dann die »vier Wesen«, die wie Menschen anzusehen waren? Jedes dieser vier Wesen hatte wiederum vier Gesichter und vier Flügel.

Wenn wir die verschiedenen Textversionen lesen und vergleichen, so drängt sich der Eindruck auf, dass die Übersetzer nicht wirklich wussten, was der Zeuge – Hesekiel? – beobachtet und beschrieben hat. Notgedrungen stochern sie ein wenig im Nebel herum, denn der Verfasser des ursprünglichen Textes hat offensichtlich selbst nicht so recht begriffen, was er da gesehen hat.


Foto 4: Josef Blumrich und
Hesekiels Raumschiff.

Nach NASA-Ingenieur Josef Blumrich hatte das von Hesekiel beschriebene Flugobjekt einen atomar betriebenen »Raketenantrieb« für Flüge aus dem Erdorbit zur Erde. Im erdnahen Raum konnten vier Helikopter-Einheiten eingesetzt werden.

Stellen wir uns vor, Hesekiel habe vor zweieinhalb Jahrtausenden ein Zubringerraumschiff gesehen, das zwischen einer Orbitalstation und der Erde pendelte. Wir können davon ausgehen, dass eine solche Begegnung für Hesekiel damals ein höchst ungewöhnliches, nicht begreifbares Ereignis war. So kann er (oder wer auch immer Zeuge war) nur versuchen, mit seinen sprachlichen Mitteln dieses Ding, das da vom Himmel kam, zu beschreiben. Er musste Ausdrücke seiner Zeit verwenden, in der es Begriffe wie »Raketenantrieb«, »Atomreaktor« oder »Hubschraubereinheit mit Rotoren« nicht gab.

Wenn Hesekiel, bleiben wir bei der Annahme, so ein Zubringerraumschiff sah, dann sind Theologen die Letzten, die das zu erkennen vermögen. Wenn jemand dazu in der Lage ist, hinter den Umschreibungen des Hesekiel die technische Realität wahrzunehmen, dann ist das ein NASA-Mann wie Josef Blumrich. Ich darf auf ein Interview zurückgreifen, das ich mit Josef Blumrich führte.

Frage: »Herr Blumrich, wie kamen Sie eigentlich dazu, in dem Bibeltext Hesekiels die Beschreibung eines Raumschiffes zu sehen?«

Blumrich: »Aus meinen Kenntnissen im Flugzeugbau und dem Bau von Großraketen. Als ich Dänikens »Erinnerungen an die Zukunft« las, da hielt ich solche Theorien noch für vollkommen unrichtig und fantastisch. Von Däniken schreibt jedoch in seinem Buch ausführlich über die Erlebnisse des Propheten Hesekiel, und ich wollte seine Behauptung, der Prophet habe Raumschiffe gesehen, mit meinem technischen Wissen widerlegen. Das Ergebnis kennen Sie: Ich habe mich selbst von der Richtigkeit der Astronautentheorie überzeugt und auch noch ein Buch geschrieben.«

Frage: »Was halten Sie allgemein von der Theorie, dass einmal in der Vergangenheit – oder vielleicht auch mehrmals – Astronauten auf der Erde landeten und Kontakt mit Menschen aufnahmen?«

Blumrich: »Wenn man einmal weiß, worüber der Prophet berichtet, dann ist man zutiefst beeindruckt von der Genauigkeit der Darstellung des Hesekiel wie auch von der Tatsache, dass er sich nirgends und in keinem Falle widerspricht. Die Schlussfolgerung, dass er tatsächlich Raumschiffe und deren Besatzung gesehen hat, ist zwingend und deshalb unabweisbar und deshalb auch keine Ersatzerklärung, wie ja manchmal behauptet wird.«

Foto 5: Die vier Helikoptereinheiten nach
NASA-Ingenieur Josef Blumrich.


Stellen wir uns vor, Hesekiel erlebte die Landung eines Zubringerraumschiffs. Vier Hubschraubereinheiten rauschten, kamen schließlich zum Stillstand. Wie konnte Hesekiel die technischen Einzelheiten in Worte fassen? Jedes der vier Helikopterelemente hatte vier Rotorblätter. Das ganze Ding konnte fliegen, waren diese vier Dinger dann nicht Flügel? Und wenn an den Helikoptereinheiten mechanische Greifarme angebracht waren, dann kann das vor rund zweieinhalb Jahrtausenden für Hesekiel so ausgesehen haben, als stünden da vier Wesen mit Flügeln und Armen darunter. Das große Ding, das von Norden durch die Lüfte kam, musste es nicht mit dem allmächtigen Gott zu tun haben?

Stellen wir uns vor, dass das fliegende Etwas zur Landung ansetzte. Der Raketenantrieb glühte, die Rotoren der Hubschraubereinheiten machten mächtig Lärm (5): » Und ich hörte ihre Flügel rauschen wie große Wasser, wie die Stimme des Allmächtigen, wenn sie gingen, ein Getöse wie in einem Heerlager.« Schließlich stand das Ding. Hesekiel (oder wer auch immer der ursprüngliche Beobachter gewesen sein mag) notierte (6): »Und ihre Flügel waren nach oben hin ausgespannt; je zwei Flügel berührten einander, und mit zwei Flügeln bedeckten sie ihren Leib.«

Foto 6: Blumrichs Werk
Dieses fliegende Ding muss großen, ja gewaltigen Eindruck auf Hesekiel gemacht haben. Kein Mensch konnte so etwas gebaut haben. Musste Hesekiel das Ding nicht für etwas Göttliches halten? Er schreibt (7): »So war die Herrlichkeit des HERRN anzusehen. Und als ich sie gesehen hatte, fiel ich auf mein Angesicht und hörte einen reden.« Immer wieder verwendet Hesekiel diesen Ausdruck. So schildert er bei einer späteren Begegnung mit dem Ding (8): »Und ich machte mich auf und ging hinaus in die Ebene; und siehe, dort stand die Herrlichkeit des HERRN, wie ich sie am Fluss Kebar gesehen hatte; und ich fiel nieder auf mein Angesicht.«

Raumfahrtpionier Prof. Eugen Sänger stellte schon 1958 in seinem Werk »Raumfahrt« (9) Überlegungen über Wesen von anderen Sternen an, die unsere Erde in der Vergangenheit besucht haben könnten. Er schreibt (10): »Der Wunsch, nach den Sternen zu greifen, ist so alt wie die Menschheit selber ... Der Gedanke der Raumfahrt erscheint daher am frühesten schon in der prähistorischen Menschheitsperiode in den Göttermythen und Sagen.«

Entstand der Wunsch nach Raumfahrt aus Mythen der Vorzeit und aus alten heiligen Büchern der Völker, weil die Menschen davon träumten, in die Tiefen des Alls vorzudringen? Wurden schon vor Jahrtausenden fiktive »Raumfahrergeschichten« formuliert? Prof. Sänger hält das für unwahrscheinlich. Er geht vielmehr von Erinnerungen an reale Ereignisse aus (11):

»Es erscheint uns heute fast wahrscheinlicher, dass unsere Vorfahren diese Vorstellungen aus realen Erfahrungen bei der Begegnung mit prähistorischen Besuchern aus dem Weltraum erwarben, als dass eine ans Unglaubwürdige grenzende Zukunftsschau sie ihnen schon vor Jahrtausenden auf wunderbare Weise geoffenbart hätte.« Der Raumfahrtpionier betonte vor einem halben Jahrhundert, dass entsprechende Hinweise nicht etwa nur bei einzelnen Völkern oder Religionen vorkommen, »sondern praktisch bei allen Völkern der Erde in sehr ähnlicher Weise auftauchen«.


Fußnoten
(1) Hesekiel Kapitel 1, Verse 4-11 (Lutherbibel 2017)
(2) Ebenda, Vers 4
(3) »As I looked, behold, a stormy wind came out of the north, and a great cloud, with brightness around it, and fire flashing forth continually, and in the midst of the fire, as it were gleaming metal.«
(4) Hesekiel Kapitel 1, Vers 5 (Lutherbibel 2017)
(5) Ebenda, Vers 24
(6) Ebenda, Vers 11
(7) Ebenda, Kapitel 28
(8) Hesekiel, Kapitel 3, Vers 23
(9) Sänger, Eugen: »Raumfahrt – technische Überwindung des Krieges«, Hamburg 1958
(10) Ebenda, S. 124 und S. 125
(11) Ebenda, S. 124

Zu den Fotos
Foto 1: Was sah der biblische Hesekiel? (Bibelillustration).
Foto 2: Hesekielvision (Raphael, frühes 16. Jahrhundert).
Foto 3: Hesekiel als Motiv von Ikonen.
Foto 4: Josef Blumrich und Hesekiels Raumschiff.
Foto 5: Die vier Helikoptereinheiten nach NASA-Ingenieur Josef Blumrich.
Foto 6: Blumrichs Werk.

539. »Hesekiel sah das Rad«,
Teil 539 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 17. Mai 2020

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Sonntag, 28. Mai 2017

384 »Gibt es im Dom von Limburg die Darstellung eines UFOs? Teil 4«

»Moses, Aaron, Hesekiel und Daniels ›UFO‹«
Teil  384 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«

- In Memoriam Rolf Streblow † -

Foto 1: Das mysteriöse Gemälde. Foto Streblow

Roman Nickel hat sich durch geradezu detektivische Recherchen, die eines Sherlock Holmes würdig sind, in Sachen »Wurzel Jesse«-Gemälde im Dom zu Limburg verdient gemacht. Roman Nickel schreibt (1):

»Die vier Personen, die die Wurzel Jesse flankieren, sind zwar nicht durch Spruchbändern namentlich bekannt, doch durch die Bibelzitate und die bildliche Darstellung eindeutig zu identifizieren. Es handelt sich um einige der wichtigsten Personen des Alten Testaments. Es sind Propheten, die in direktem Kontakt mit Gott standen und daher eine besondere Verehrung verdienen. Die Zitate zielen eben darauf ab, denn sie sind immer Ausschnitte aus Erfahrungen zwischen dem Propheten und Gott: Gott spricht durch den brennenden Dornbusch zu Moses, Aarons Stab fängt als göttliches Zeichen an zu sprießen, Jesaja und Ezechiel haben Träume/ Visionen von göttlichen Botschaften. Sie können also als Wegbereiter und Ankündiger des Messias verstanden werden und lassen sich auch als solche in diesem Gemälde interpretieren.«

Foto 2: Moses (Limburg)

Beginnen wir mit dem ersten Bild (links oben): Das Zitat auf dem Spruchband lautet: »Rubo ardet et non comiretur Exod.3« 2. Buch Mose 3, 2: »Und der Engel des Herrn erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch. Und er sah, dass der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde.«

Kein Zweifel: Es geht hier um die mysteriöse Szene »Moses und der brennende Dornbusch«. Kurios: Zunächst spricht der »Engel des Herrn« aus dem Busch, dann der Herr selbst (2. Mose Kapitel 3, Verse 2-6): »Und der Engel des Herrn erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch. Und er sah, dass der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde. Da sprach er: Ich will hingehen und diese wundersame Erscheinung besehen, warum der Busch nicht verbrennt.

Als aber der Herr sah, dass er hinging, um zu sehen, rief Gott ihn aus dem Busch und sprach: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich. Er sprach: Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land! Und er sprach weiter: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Und Mose verhüllte sein Angesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen.«

Foto 3 Aaron (Limburg)

Wenden wir uns dem zweiten Bild links unten zu. Auf dem Spruchband steht: »Virga Aaron qua germinauit Numer 17« Numer bedeutet Numeri, also 4. Buch Mose. Ich zitiere Kapitel 17, Vers 23: »Am nächsten Morgen, als Mose in die Hütte des Zeugnisses ging, da grünte der Stab Aarons, der zum Hause Levi gehört, und die Blüte ging auf und trug Mandeln.«

Foto 4: Aaron, äthiopische Darstellung

Wir müssen den Textzusammenhang beachten. Das Volk der Israeliten befindet sich in der Sklaverei in Ägypten. Erst als Gott die »zehn Plagen« schickt, kann er den Pharao dazu bewegen, »sein Volk« ziehen zu lassen. Was dann folgt wurde in den letzten Jahrzehnten intensivst im Sinne der Präastronautik interpretiert. Das Riesenheer der Flüchtlinge – nach biblischem Bericht mindestens über eine Million Menschen – folgt der »Wolken- und Feuersäule« (2) – dem Flugvehikel der Astronautengötter (2)? Auch die »Speisung mit Manna« (3) ist längst in die Gedankenwelt der Präastronautik übernommen worden. Nach George Sassoon und Rodney Dale wurde Manna mit Hilfe einer Maschine der Astronautengötter produziert (4). Und schließlich folgt das aus präastronautischer Sicht faszinierendste Ereignis des Alten Testaments: Die Ankunft der Flüchtlinge am Berg Sinai (5) und die Landung des biblischen Gottes auf dem Berg Sinai (6):

Foto 5: Landete »Gott« mit so einem Vehikel auf dem Berg Sinai?

»Als nun der dritte Tag kam und es Morgen ward, da erhob sich ein Donnern und Blitzen und eine dichte Wolke auf dem Berge und der Ton einer sehr starken Posaune. Das ganze Volk aber, das im Lager war, erschrak. Und Mose führte das Volk aus dem Lager Gott entgegen, und es trat unten an den Berg. Der ganze Berg Sinai aber rauchte, weil der Herr auf den Berg herabfuhr im Feuer; und sein Rauch stieg auf wie der Rauch von einem Schmelzofen, und der ganze Berg bebte sehr.«

Ein Zaun muss errichtet werden, zu gefährlich ist es, wenn der Gott des Alten Testaments vom Himmel kommt. Moses begegnet schließlich dem vom Hinmel Herabgekommenen hoch oben auf dem Sinai und empfängt die göttlichen Gebote, die weit über die zehn bekannten hinausgehen und das Leben der Israeliten bis ins Kleinste regulieren (7). Wer nun meint, dass Moses als direkter Verbindungsmann zwischen dem himmlischen Allmächtigen und den Israeliten als absolute Autorität gilt, der irrt sich gewaltig. Noch als Moses die Befehle Gottes entgegennimmt, fällt das Volk vom Glauben ab und wendet sich einem Stiergott zu (8). Die Autorität von Mose und seines Stellvertreters wird angezweifelt. Durch ein »Wunder« bestimmt Gott die Leviten als Diener am Allerheiligsten. Moses wird vom Himmlischen selbst als die Autorität legitimiert, die Abtrünnigen werden von Gott selbst mit dem Tode bestraft (9): »Und Feuer fuhr aus von dem Herrn und fraß die zweihundertfünfzig Männer.«

Das Gemälde von Limburg zeigt im »flankierenden« Bildern links oben Moses im Gespräch mit Gott im brennenden Busch. Das Einzelbild links unten erinnert an das von Gott selbst veranlasste Wunder, das letztlich Moses und Aaron als die Anführer des Flüchtlingsheeres bestätigt. Wenden wir uns dem dritten Einzelbildnis rechts unten zu (Foto 6).

Foto 6: Heskiel

Das Schriftband bietet einen Text, der zunächst seltsam, ja unverständlich anmutet: »Porta haec clausa erit. Ezech 44«  Diese wenigen Worte nehmen Bezug auf Ezechiel Kapitel 44, Vers 2: »Und der Herr sprach zu mir: Dies Tor soll zugeschlossen bleiben und nicht aufgetan werden, und niemand soll dort hineingehen. Denn der Herr, der Gott Israels, ist dort eingezogen; darum soll es zugeschlossen bleiben.«

Auch hier müssen wir den Kontext kennen! Nach NASA-Ingenieur Josef Blumrich sah und beschrieb der biblische Prophet Heskiel vor rund 2500 Jahren  ein außerirdisches Raumschiff: »Die Hauptmerkmale des Raumschiffes zeigen uns einen Flugkörper von überraschend sinnvollem Aufbau. Wir erkennen in der auffälligen Form des Hauptkörpers die aerodynamischen und gewichtlichen Vorteile. Wir sehen, wie sehr sie für die Anbringung von Hubschraubern geeignet ist. All diese Eigenschaften fügen sich lückenlos und widerspruchsfrei an- und ineinander. Sie sind unverkennbare Anzeichen für eine sehr überlegte und gekonnte Planung und Entwicklungsarbeit.«

Fotos 7 und 8: Buchcover Blumrich und Baier

Hesekiel war keineswegs nur passiver Beobachter. Er wurde auch als Passagier mit an Bord genommen und erlebte Flüge im erdnahen Raum (14): »Und der Geist hob mich empor, und ich hörte hinter mir ein Getöse wie von einem großen Erdbeben, als sich die Herrlichkeit des Herrn erhob von diesem Ort.«

Nach seinem ersten Flug stand er unter Schock. Fast verschämt gibt er zu (15): »Und ich kam zurück zu den Weggefährten, die am Fluß Chebar wohnten, nach Tel-Abib und setzte mich zu denen, die dort wohnten, und blieb unter ihnen sieben Tage ganz verstört.«

Diese Reaktion ist nur zu verständlich. Selbst für einen heutigen Zeitgenossen wäre ein Flug im Raumschiff vom Typ Hesekiel ein überwältigendes Erlebnis. Für Hesekiel indes muss so ein Flug einem unvorstellbaren Mysterium geglichen haben. Er gewöhnte sich aber rasch an Flüge im Raumschiff. Sie wurden erstaunlich schnell zur Routine für ihn (16).

Foto 9: Hesekiels Raumschiff im »Tempel«

Im Jahre 573/572 vor Christus fand ein dritter Flug statt. Dieser Flug ist – für den heutigen Forscher – zweifelsohne der interessanteste. Hesekiel wurde nämlich in ein unbekanntes Land verfrachtet. Wo auch immer das Raumschiff landete –  im Tempelkomplex von Jerusalem war es jedenfalls nicht.Fakt ist: Hesekiel wusste nicht wo er war. Er schreibt von »einem sehr hohen Berg«, ohne einen Namen zu nennen. Er sah »etwas wie eine Stadt« (17), wieder ohne einen Namen zu nennen. Jerusalem war’s jedenfalls nicht, sonst hätte Hesekiel die Metropole seines Heimatlandes beim Namen genannt.

Nach den Ingenieuren Blumrich und Beier (Siehe Fotos 7 und 8!) handelte es sich beim »Tempel«, zu dem Hesekiel geflogen wurde, um eine technische Anlage, etwa auch zur Wartung der Flugvehikel. Das kurze Zitat auf dem Spruchband vom Gemälde im Dom zu Limburg – »Porta haec clausa erit. Ezech 44« – stammt just aus der Beschreibung dieser Anlage.

Foto 10: Mann mit UFO?
Wenden wir uns dem vierten und interessantesten Einzelbild rechts oben zu Siehe Foto 10!). Was sehen wir? Da ist ein Mann, der mit dem Finger in den Himmel zeigt. Und dort sehen wir, ja was? Ein UFO? Was verrät uns der Text des zugehörigen Schriftbands? Wir entziffern:

»Abscissus est lapis de monte sine mani«. Dieses Textbruchtsück finden wir im Buch des »kleinen Propheten« Daniel in der Vulgata gleich zwei Mal: »abscissus est lapis de monte sine manibus«.

Daniel 2, 34: »Das schautest du, bis ein Stein herunterkam, ohne Zutun von Menschenhänden; der traf das Bild an seinen Füßen, die von Eisen und Ton waren, und zermalmte sie.«

Daniel 2,45: »Ganz so wie du gesehen hast, dass sich von dem Berg ein Stein ohne Zutun von Menschenhänden losriss.«

Wieder gilt es, den Textzusammenhang zu beachten.  Nebukadnezar  (etwa 605-562 v. Chr.), König der Babylonier, beschäftigte an seinem Hof beamtete Magier. Sie hatten unterschiedliche Aufgaben, mussten zum Beispiel Träume deuten. Zwei prophetische Träume des Herrschers sind überliefert. In einem Traumgesicht (18) sah er ein metallisches Standbild. Sein Haupt war aus Gold gefertigt, seine Brust und seine Arme aus Silber, sein Bauch und seine Oberschenkel bestanden aus Kupfer, seine Beine aus Eisen und seine Füße aus Eisen und Ton. Und da kam »ein Stein ohne Zutun von Menschenhand vom Berg« herunter, die Statue wurde »zermalmt«. So habe Gott den König wissen lassen, »was dereinst geschehen wird. Der Traum ist zuverlässig und die Deutung ist richtig.« (19)

Foto 11: UFO oder Stein? (Limburg)

Was zeigt also das mysteriöse Gemälde im Limburger Dom? Ist das rund Etwas im Himmel ein UFO? Oder sehen wir einen Stein, der eine kostbare Statue zerstörte? Zunächst heißt es lediglich: »Das schautest du, bis ein Stein herunterkam, ohne Zutun von Menschenhänden.« Woher der Stein kam, wird nicht verraten. Man mag an einen Meteor denken. Dann aber heißt es: » … dass sich von dem Berg ein Stein ohne Zutun von Menschenhänden losriss.« Demnach rollte der zerstörerische Stein von einem Berg herab. Ist damit das Rätsel vom »UFO« gelöst? Oder doch nicht?  Das »Ding« scheint im Gemälde im Limburger Dom am Himmel zu stehen. Wie ein Stein, der von einem Berg rollt sieht es nicht aus.
    
Nebukadnezar ließ sich die Bedeutung der Traumvision von Daniel erklären. Demnach stand das »Haupt von Gold« für Nebukadnezars eigene Ära. Sein Reich werde aber von aufeinader folgenden, einander ablösenden Imperien abgelöst. In seinem zweiten Traum sah Nebukadnezar (20) einen gewaltigen Baum, der gefällt am Boden lag. Sein mächtiger Wurzelstock sollte für »sieben Zeiten« von einem »Band aus Eisen und Kupfer« umschlossen bleiben. Daniel sah in der Vision einen Hinweis auf den Geisteszustand des Königs. Sieben Jahre lang werde der Herrscher verwirrt sein, dann werde er Jahwe als Weltherrscher und obersten Gott anerkennen, seine getrübten Sinne würden wieder klar werden.

Foto 12: Daniel und - UFO oder Berg? (Ikone)

Der Prophet Daniel selbst hatte auch einen Traum, der im Zusammenhang mit den beiden Visionen Nebukadnezars gesehen werden muss (21). Vier Furcht einflößende Tiere entstiegen den Fluten des Meeres. Versinnbildlichten sie vier Regierungen, vier Reiche?
    
Die Interpretation der Träume ist umstritten. Es ist aber durchaus möglich, sie konkret in Zahlen auszudrücken. Nach »Einsichten über die Heilige Schrift« entsprach die Dauer des biblischen Jahres 360 Tagen. Nach dem Text der Offenbarung (22) wurden nämlich »dreieinhalb Zeiten« (oder »Jahre«) 1.260 Tagen gleichgesetzt. Sieben Zeiten (oder »Jahre«) entsprachen demnach nach dem Verständnis der Bibel 2.520 Tagen. Im 4. Buch Mose (23) findet sich nun ein seltsamer Hinweis, der zur Entschlüsselung des Nebukadnezar-Traums herangezogen werden kann: »Je ein Tag soll ein Jahr gelten.« Diese Gleichsetzung taucht ein weiteres Mal im Alten Testament auf – beim Propheten Hesekiel (24): »Denn ich gebe dir hier auch je einen Tag für ein Jahr.« Sollte das bedeuten, dass die 2.520 Tage 2.520 Jahre bedeuten?
     
Rechnet man nun vom vermutlichen Geburtsjahr Nebukadnezars, also dem Beginn der »goldenen Ära«, 2.520 Jahre weiter, so ergibt sich ein Jahr, das von großer historischer Bedeutung sein sollte: 1914. In diesem Jahr brach der Erste Weltkrieg aus. Sollte tatsächlich der prophetische Traum des babylonischen Imperators auf eben diesen Krieg der Nationen hinweisen?

Foto 13: Der Dom zu Limburg, etwa 1935

Fußnoten
1) Nickel, Roman: Manuskript ohne Titel, Archiv. Sabine Benecke vom  
     »Diözesanmuseums Limburg«, Abteilung »Kunst und Museen«,
     Limburg, hat mir dankenswerter Weise eine Kopie des Manuskripts zur
     Verfügung gestellt.
2) 2. Buch Mose Kapitel 13, Verse 17-22
3) 2. Buch Mose Kapitel 16
4) Sassoon, George und Dale, Rodney: »Die Manna –Maschine«, Rastatt 1980
5) 2. Buch Mose Kapitel 19
6) 2. Buch Mose Kapitel 19, Verse 16-18
7) 2. Buch Mose Kapitel 20 – 4. Buch Mose Kapitel 16
8) 2. Buch Mose Kapitel 32, Verse 1-34
9) 4. Buch Mose Kapitel 18 und 5. Buch Mose Kapitel 18, Verse 1-8
10) 4. Buch Mose Kapitel 16, Vers 35
11) Blumrich, Josef F.: »The Spaceships of Ezechiel«, New York, Februar 1974
12) Blumrich, Josef F.: »Da tat sich der Himmel auf/ Die Raumschiffe des
     Propheten Ezechiel und ihre Bestätigung durch modernste Technik«,
     Düsseldorf und Wien, März 1973

Foto 14: Der Dom zu Limburg heute.

13) Beier, Hans Herbert: »Kronzeuge Ezechiel/ Sein Bericht – sein Tempel –
     seine Raumschiffe«, München 1985
14) Hesekiel Kapitel 3, Verse 12 und 13
15) Hesekiel Kapitel 3, Vers 15
16) Hesekiel Kapitel 8, Verse 1 folgende und Kapitel 40, Verse 1 folgende
17) Hesekiel Kapitel 40, Vers 2
18) Daniel Kapitel 2, Verse 29-45
19) Daniel Kapitel 2, Vers 45
20) Daniel Kapitel 4, Verse 1-34
21) Daniel Kapitel 7, Vers  1 und Kapitel 3, Vers 19
22) Offenbarung Kapitel 12, Verse 6 und 14
23) 4. Buch Mose Kapitel 14, Vers 34
24) Hesekiel Kapitel 4, Vers 6

Foto 15: Der Dom zu Limburg, Briefmarke 1985

Zu den Fotos 
Foto 1: Das mysteriöse Gemälde. Foto Eva und Rolf Streblow
Foto 2: Moses. Foto Eva und Rolf Streblow
Foto 3: Aaron. Foto wikimedia commons crop SteveK crop Bennylin
Foto 4: Aaron, äthiopische Darstellung. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
(Kebra Negest)
Foto 5: Landete »Gott« mit so einem Vehikel auf dem Berg Sinai?
Rekonstruktion des »Hesekiel-Raumschiffs« nach Blumrich.
Foto Archiv Erich von Däniken
Foto 6: Heskiel. Foto wikimedia commons crop SteveK crop Bennylin
Fotos 7 und 8: Buchcover Blumrich und Beier. Foto Archiv Langbein
(Blumrichs Rekonstruktion des Raumschiffs und Beiers Rekonstruktion des
»Tempels« ergänzen und bestätigen einander perfekt!)
Foto 9: Hesekiels Raumschiff im »Tempel«. Archiv Erich von Däniken 
(Rekonstruktion nach Blumrich und Beier)
Foto 10: Mann mit UFO? Foto Eva und Rolf Streblow
Foto 11: UFO oder Stein? Foto Eva und Rolf Streblow
Foto 12: Daniel und - UFO oder Berg? Foto Archiv Langbein
Foto 13: Der Dom zu Limburg, etwa 1935. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 14: Der Dim zu Limburg heute. Foto Eva und Rolf Streblow
Foto 15: Der Dom zu Limburg, Briefmarke 1985. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein 
Foto 16: Ersttagsbrief vom 7.5.1985 mit »Dom-Marke«. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein 

Foto 16: Ersttagsbrief vom 7.5.1985 mit »Dom-Marke«

Ein Wort des Dankes
Eva und 
Rolf Streblow † 
machten mich auf das geheimnisvolle Gemälde im Dom zu Limburg aufmerksam und stellten mir Fotos zur Verfügung! 
Dafür möchte ich mich bei ihnen recht herzlich bedanken!


 385 »Die ›Augen der Wüste‹ - und eine ›neue‹ Erklärung«,
Teil  385 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein, erscheint am 04.06.2017



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