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Sonntag, 28. Juni 2020

545. »Elohim (Götter) der Himmel«

Teil 545 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein



Foto 1: Der Turm zu Babel
(Pieter Bruegel der Ältere um 1563).
Adolf Holl (*1930; †23. Januar 2020) war einer der streitbarsten Theologen der Kirchengeschichte. 1954 wurde er zum Priester geweiht. 1955 promovierte er in katholischer Theologie, 1961 in Philosophie. 1963 wurde Dr. Dr. Adolf Holl Dozent an der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Wien. 1971 erschein  sein Werk »Jesus in schlechter Gesellschaft«. Der Bestseller machte ihn weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt und in manchen Kreisen sehr unbeliebt. Als Bestsellerautor zu einer Art Kultfigur geworden, gestand Adolf Holl in einer Fernsehsendung den Bruch des Zölibats. In Folge wurde er 1976 durch den Wiener Erzbischof Kardinal König, für den er auch Reden geschrieben hatte, vom Priesteramt suspendiert. Dies geschah auf Betreiben der »Kongregation für die Glaubenslehre« (Vatikan).

Holls Kritik am gedankenlosen Glauben fiel beißend aus: »Je religiöser ein Mensch, desto mehr glaubt er; je mehr er glaubt, desto weniger denkt er; je weniger er denkt, desto dümmer ist er; je dümmer er ist, desto leichter kann er beherrscht werden. Das gilt für Sektenmitglieder ebenso wie für die Anhänger der großen Weltreligionen mit gewalttätig intolerantem ›Wahrheits‹-Anspruch. Dagegen hilft, auf Dauer, nur Aufklärung.«

Was Holl autoritätsgläubigen religiös »denkenden« Menschen vorwirft, das trifft auch auf wissenschaftsgläubige Menschen zu, die keinen Zweifel an der vermeintlichen wissenschaftlichen Wahrheit aufkommen lassen wollen. Dabei wird geflissentlich übersehen, dass es die wissenschaftliche Wahrheit nur mit Verfallsdatum gibt. Religiöse wie wissenschaftlich orientierte Dogmatiker stellen gern Lehren in den Raum, die nicht angezweifelt werden dürfen. Wirklich ernsthafter Suche nach Antworten auf die großen Fragen stehen Dogmen allerdings im Weg. Wer nach der Wahrheit sucht, muss ungehindert denken dürfen. Denkverbote sind nach dem Geschmack von Dogmatikern, ernsthaft Suchenden stehen sie im Weg.

Was unsere Altvorderen überliefert haben, das mag heute manchmal recht märchenhaft anmuten, scheint aber doch dann und wann einen wahren Kern zu haben. Diese Botschaft alter Überlieferungen gilt es zu suchen und zu verstehen. Theologieprofessor Dr. Hermann Gunkel erklärt zahlreiche biblische Texte zu Märchen. Dabei geht er, scheint mir, willkürlich vor. Wir müssen uns die Frage stellen, welche Schilderungen nun auf Tatsachen beruhen und welche nicht. Dabei ist die literarische Klassifizierung als Märchen nicht wirklich hilfreich. Der Theologe Gunkel definiert zahlreiche Texte als Märchen, die seiner Meinung nach (1) »erdichtete Personen an erfundenen Orten auftreten lassen«.

Ich sehe das anders. Jeder Text, auch jeder biblische oder apokryphe Text, kann auf realen Begebenheiten beruhen, mag er uns auch noch so märchenhaft vorkommen.

Fotos 2 und 3: Tulum, Götter kommen vom Himmel herab.

 Dr. Gunkel schreibt (2): »In der Geschichte vom babylonischen Turmbau … ist märchenhaft der Plan der Menschen, sich einen Turm zu bauen, der so hoch ist, daß seine Spitze in den Himmel reicht.« Der Turm zu Babel ist aber kein Fantasieprodukt aus einem Märchen. Es hat ihn gegeben, lange bevor die Texte des »Alten Testaments« geschrieben wurden. Es gab in Mesopotamien Tempeltürme, Zikkurats genannt, die in der Geschichte vom Turmbau zu Babel verewigt wurden. Die ersten Zikkurats wurden im südlichen Mesopotamien bereits im 5. Jahrtausend vor Christus gebaut.

Im südlichen Irak, etwa 15 km westlich von Nasiriya gelegen, lässt die Ruine einer Zikkurat nur noch erahnen, was für ein monströses Bauwerk hier einst stand. Der Tempelturm wurde vor 4.000 Jahren der Mondgottheit Nanna geweiht, deren »Haus« oben auf der Zikkurat in den Himmel ragte. Als Hohepriesterin von Nanna hatte womöglich nur die Tochter des sumerischen Herrschers von Ur Zugang zum Heiligtum auf der Zikkurat. Da wundert es nicht, dass der patriarchalische Jahwe den Turm von Babel hasste und zerstören ließ. Ob das wirklich geschah, so wie es die Bibel überliefert? Vielleicht beschreibt das biblische »Märchen« nur den Übergang von einem Matriarchat mit einer Hohepriesterin zum Patriarchat Jahwes. Zu hinterfragen bleibt allerdings, ob im »Alten Israel« wirklich nur der göttliche Patriarch Jahwe verehrt wurde. Das ist mehr als zweifelhaft.

Meine Vermutung: Der Mondgott Nanna ist die vermännlichte Form der sumerischen Göttin der Liebe Inanna, die weiblich und männlich in Erscheinung treten konnte. Andere Namen dieser hohen Göttin waren Inana, Innin, Ninanna, Ninsianna und Ninegal. Unter welchem Namen sie auch fungierte, so war sie immer die Göttin der Weiblichkeit schlechthin. Ihr »Stern« war die Venus. Ich halte es für wahrscheinlich, dass die »Ur-Inanna« eine Fruchtbarkeitsgöttin war.

Die Geschichte vom Turmbau zu Babel basiert auf realen Tempelpyramiden. Und sie vermittelt einen Sachverhalt: Gott kam vom Himmel herab. Von Göttern, die vom Himmel herab zur Erde stiegen, hörte ich bei Reisen in den Gefilden der Südsee (Osterinsel und »Temwen Island«, Pohnpei im Archipel der Karolinen, »Föderierte Staaten von Mikronesien«).

Bei meinen Reisen durch Zentralamerika begegneten mir Darstellungen von Göttern, die vom Himmel kamen (3). In der »weißen Mayastadt« Tulum an der Karibikküste von Mexiko im Bundesstaat Quintana Roo, rund 130 Kilometer südlich von Cancún. Hier finden sich sichtbare Hinweise auf einen mysteriösen Gott. Wir kennen seinen Namen nicht mehr. In der Mythologie der Mayas wird er als »herabstürzender Gott« oder »herabsteigender Gott« bezeichnet. War damit »Ah Mucen Cab« gemeint, der göttliche »Honigsammler«? »Ah Muzencab«, wie das mächtige himmlische Wesen auch genannt wurde, war in der Mythenwelt der Mayas ein Bienengott. Und in den heiligen Überlieferungen der Mayas war er ein »herabstürzender Gott«. Die »Chilam Balam«-Bücher preisen ihn als einen der Weltschöpfer. Einer der Tempel von Tulum war ihm, dem »herabstürzenden Gott«, geweiht.


Fotos 4- 7: Tulum, Stadt der vom Himmel steigenden Götter.
Fotos Walter-Jörg Langbein

Schon im 1. Buch Mose wird der Gott des Alten Testaments gleich zwei Mal als »Gott des Himmels« oder »Himmelsgott« (4) bezeichnet. Auch bei Jona taucht die direkte Kombination von »Jahwe« und »Gott des Himmels« auf (5): » Er sprach zu ihnen: Ich bin ein Hebräer und fürchte Jahwe, den Gott des Himmels, …«. Nach Esra tituliert auch Perserkönig Kyrus Jahwe, den Gott der Juden genauso (6): »So spricht Kyrus, der König von Persien: Alle Königreiche der Erde hat mir Jahwe, der Gott des Himmels, gegeben, und er hat mir befohlen, ihm ein Haus zu Jerusalem in Juda zu bauen.« Im Buch Nehemia begegnet uns wieder »Jahwe, Gott des Himmels« (7): »Ach, Jahwe, Gott des Himmels, du großer und schrecklicher Gott, der da hält den Bund und die Treue denen, die ihn lieben und seine Gebote halten!« Brisant wird es ein Kapitel später. In der »Luther Bibel 2017« lesen wir (8): »Da betete ich zu dem Gott des Himmels.« Im hebräischen Original freilich steht: »Da betete ich zu (den) Elohim der Himmel.«

Einige Verse später tauchen sie wieder auf (9), die »Elohim der Himmel«. An anderer Stelle wird offenbar »Elohim« im Sinne von Gott (Einzahl) verwendet (10). Zunächst die Version der »Luther Bibel 2017«: »So spricht Kyrus, der König von Persien: Der HERR, der Gott des Himmels, hat mir alle Königreiche der Erde gegeben, und er hat mir befohlen, ihm ein Haus zu bauen zu Jerusalem in Juda. Wer nun unter euch von seinem Volk ist, mit dem sei der HERR, sein Gott, und er ziehe hinauf!« In beiden Fällen steht im hebräischen Original dort »Jahwe, Elohim der Himmel«, wo die Übersetzung »HERR, der Gott des Himmels«. Der Psalmist schließlich bringt im Hebräischen den »El der Himmel«, was in der Regel wieder mit »Gott des Himmels« übersetzt wird.

Prof. Dr. Georg Fohrer (*1915; †2002) wirkte über Jahre am »Fachbereich Altes Testament« an der »Friedrich Alexander Universität Erlangen«. Ich habe einige Vorlesungen und Seminare Fohrers besucht. Der Gelehrte machte mich darauf aufmerksam, dass das »Alte Testament« zwar fast vollständig im altehrwürdigen Bibel-Hebräisch verfasst wurde, dass es aber einige sehr wenige Verse in Aramäisch gibt. In den wenigen Versen in aramäischer Sprache taucht immer wieder das Pendant zum hebräischen Gott des Himmels auf.

Im Hebräischen gibt es immer wieder »Elohim«, eindeutig ein Pluralwort, das man mit »Götter« (Mehrzahl) übersetzen muss. Das Einzahlwort zu »Elohim« (»Götter«) lautet »Eloah« (»Gott«). Als das aramäische Pendant zum hebräischen »Eloah« werden »Elah« beziehungsweise »Elaha« angesehen. Ich vermute, dass sich das arabische »Allah« (»al aliah«, »der aliah«, »der Gott«) aus dem aramäischen »Eloah/ Elah« entwickelt hat.

Im kleinen Buch Daniel des »Alten Testaments« wurde ich bei meiner Suche nach dem »Gott des Himmels« fündig (11): Da sollen Hananja, Mischaël und Asarja »den Gott des Himmels um Gnade« bitten und »Daniel lobte den Gott des Himmels«. Da heißt es (12), dass »der Gott des Himmels« dem »König aller Könige … Königreich, Macht, Stärke und Ehre gegeben hat« und dass »der Gott des Himmels ein Reich aufrichten« werde.


Fußnoten
(1) Gunkel, Hermann: »Das Märchen im Alten Testament«, Tübingen 1921, Seite 9, 19.+20. Zeile von oben. (Die Rechtschreibung wurde unverändert übernommen und nicht nach der Rechtschreibreform »modernisiert«.)
(2) Ebenda, Seite 156, 8.-6. Zeile von unten
(3) Siehe Langbein, Walter-Jörg: »Monstermauern, Mumien und Mysterien«, Band 4, Kapitel 8 »Mysteriöse Tempel an der Karibik-Küste«, 2. Auflage August 2019, Seiten 49-54
(4) 1. Buch Mose Kapitel 24, Verse 3 und 7.
(5) Jona Kapitel 1, Vers 9
(6) Esra Kapitel 1, Vers 2
(7) Nehemia Kapitel 1, Vers 5
(8) Nehemia Kapitel 2, Vers 4
(9) Ebenda, Vers 20
(10) 2. Chroniken Kapitel 36, Vers 23
(11) Daniel Kapitel 2, Verse 18 und 19
(12) Daniel Kapitel 2, Vers 37 und Vers 44

Zu den Fotos
Foto 1: Der Turm zu Babel (Pieter Bruegel der Ältere um 1563). Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Fotos 2 und 3: Tulum, Götter kommen vom Himmel herab. Fotos Archiv Walter-Jörg Langbein.
Fotos 4- 7: Tulum, Stadt der vom Himmel steigenden Götter. Fotos Walter-Jörg Langbein.

546. »Herr der Himmel und der Welten«,
Teil 546 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 05. Juli 2020


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Sonntag, 31. Mai 2020

541. »Hesekiel, Elias und Henoch wurden ›entrückt‹«

Teil 541 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein



Foto 1: Elias und Henoch. Bibelillustrationen, koloriert.

Der Prophet Hesekiel schildert seine erste Begegnung mit dem Wagen Gottes, auch »Herrlichkeit Jahwes« (»Herrlichkeit des HERRN«) genannt, so (1) »Und ich sah, und siehe, es kam ein ungestümer Wind von Norden her, eine mächtige Wolke und loderndes Feuer, und Glanz war rings um sie her, und mitten im Feuer war es wie blinkendes Kupfer.« Auch in der »Elberfelder Bibel« kommt die geheimnisvolles Gotteserscheinung recht imposant daher (2): »Und siehe, ein Sturmwind kam von Norden her, eine große Wolke und ein Feuer,…«

Prof. Georg Fohrer (3): »Jahwe erscheint im Sturm, auf dem man die großen babylonischen Götter einherfahrend dachte. Er naht auf dem babylonischen Götterwagen mit den gewaltigen Rädern, deren furchtbares Getöse Himmel und Erde erzittern läßt. … Die Lichterscheinung erinnert an babylonische solare Gottheiten, vor allem wiederum des Sonnengottes.«

Der Theologe und Alttestamentler Prof. Hermann Gunkel (*1862; †1932) glaubt den Ursprung solcher himmlischer Wagen im Märchen ansiedeln zu müssen. So schreibt er (4): »Auch die Vorstellung von einem fliegenden Wagen kommt im Märchen vor; auf solchen Wagen fahren Elisa und Henoch zum Himmel. … Die Mythologie schreibt den Göttern solche Flugzeuge zu, denn natürlich besitzen diese die ›Wunschdinge‹, nach denen sich der Mensch sehnt: Hermes hat Flügelschuhe, Jahwe fliegt auf dem Kerub, bei Hesekiel auf den Häuptern von vier beschwingten Keruben und – auf einem beseelten Zauberwegen.«

Der Theologe und Alttestamentler Prof. Gunkel hält die Beschreibungen von Götterwagen für Wunschdenken. Ich muss dem Theologen auch hier den Raumfahrtwissenschaftler gegenüberstellen. Sänger lehnt den Gedanken, fliegende Wagen müssten Fantasieprodukte sein, ab. Raumfahrtpionier Eugen Sänger indes war da ganz anderer Ansicht als Prof. Gunkel (5): »Es erscheint uns heute fast wahrscheinlicher, dass unsere Vorfahren diese Vorstellungen aus realen Erfahrungen bei der Begegnung mit prähistorischen Besuchern aus dem Weltraum erwarben, als dass eine ans Unglaubwürdige grenzende Zukunftsschau sie ihnen schon vor Jahrtausenden auf wunderbare Weise geoffenbart hätte.«

Sänger betonte anno 1958, also vor mehr als einem halben Jahrhundert, dass entsprechende Hinweise nicht etwa nur bei einzelnen Völkern oder Religionen vorkommen, »sondern praktisch bei allen Völkern der Erde in sehr ähnlicher Weise auftauchen«.

Schließlich listet Prof. Sänger einige Indizien für Besuche der »Astronautengötter« auf, die Jahre später sozusagen zum Kanon der »Prä-Astronautik« gehören sollten (6):»Tatsächlich berichtet nicht nur die Bibel vom Propheten Elias, er sei auf einem von Flammenrossen gezogenen Donnerwagen gen Himmel gefahren, nach mexikanischen Mythen erhielten die Maya den Besuch eines Gottes aus dem Weltraum, die Begründer der peruanischen Inkadynastie kamen vom Himmel...«

Foto 2: Elias. Ikone, frühes 19.Jahrhundert.
Wenden wir uns Elias‘ Erlebnis mit dem fliegenden Gotteswagen zu. Zur Vorgeschichte: Auf Betreiben Elias versammelten sich auf dem Berg Karmel (7) »die vierhundertfünfzig Propheten des Baal und die vierhundert Propheten der Aschera«. Es kam zu einem Opferwettbewerb zwischen den Priestern Jahwes und den Priestern Baals, den die Baalspriester ganz klar verloren haben. Baal nahm das ihm dargebotene Stieropfer nicht an. Da half kein Geschrei. Auch Selbstverstümmelung half nicht (8): »Nach ihrem Brauch ritzten sie sich mit Schwertern und Lanzen wund, bis das Blut an ihnen herabfloss.« Elija ließ seinen Opferstier zerteilen, auf einen Altar legen und wiederholt mit Wasser übergießen. Anders als Baal erhörte, so der Bibeltext, Gott Jahwe Elias Gebete, der sich von Gott wünschte, der möge doch sein Opfer annehmen, auffressen, sprich verbrennen. So geschah es dann auch (9): »Da kam das Feuer des HERRN herab und verzehrte das Brandopfer, das Holz, die Steine und die Erde.«

Jetzt erkannte das Volk, so schildert es die Bibel, dass Jahwe der mächtigere Gott war. Die Baalspriester hatten verloren. Die Niederlage mussten die 450 mit dem Leben bezahlen. Elias befahl (10): »Ergreift die Propheten des Baal! Keiner von ihnen soll entkommen. Man ergriff sie und Elija (alias Elias) ließ sie zum Bach Kischon hinabführen und dort töten.«

Alle 450 Baals-Priester wurden abgeschlachtet. Kurios: Die »400 Propheten« der Göttin Aschera wurden zwar auch zum Opferwettstreit auf den Berg Karmel geholt, sie nahmen aber nicht am Wettbewerb teil. Warum waren die »Propheten« der Göttin zugegen? Und während berichtet wird, dass die 450 Baalspriester massakriert wurden, hüllt sich der Text in Schweigen, wenn es um die »Propheten Ascheras« geht. Die werden schlicht und einfach im weiteren Verlauf der Geschichte gar nicht mehr erwähnt. Sollte Aschera warum auch immer unantastbar gewesen sein? Tatsächlich gibt es Hinweise auf Aschera als Partnerin Jahwes.

Das von Elias (Elia/ Elija) angeordnete Gemetzel scheint Gott Jahwe nicht gestört zu haben, ganz im Gegenteil. Jahwe beschließt nämlich, den Priester Elias zu sich holen zu lassen. Damit ist freilich nicht der Tod des Propheten gemeint. Offenbar war – so der Bibeltext – im Volk bekannt, dass Jahwe Elias entführen lassen wollte. Konkretes Beispiel: Elischa (zu Deutsch etwa »Gott hilft«), der Diener Elias‘, wurde gefragt (11): »Weißt du, dass der HERR (Jahwe) heute deinen Meister über dein Haupt hinweg aufnehmen wird? Er antwortete: Auch ich weiß es. Seid still!«

Foto 3: »Entrückung« des Elias.
Bibelillustration, koloriert.

Vergeblich versuchte Elias (andere Schribweise Elija) seinem Gott auszuweichen. Elias und sein Diener Elischa, Elias Nachfolger, waren zusammen unterwegs, da kam der göttliche Flugwagen zum Einsatz (12): »Während sie miteinander gingen und redeten, erschien ein feuriger Wagen mit feurigen Pferden und trennte beide voneinander. Elija fuhr im Wirbelsturm zum Himmel empor.« Elias wurde lebend und leibhaftig mit Gottes Himmelswagen von der Erde abgeholt, spricht entführt, im Bibeldeutsch »entrückt«.

Wolfgang Schneider schreibt in seinem Artikel »Elias Entrückung gen Himmel« (13): »Der Bericht über das Lebensende des Propheten Elia ist immer wieder Gegenstand von Überlegungen und Theorien gewesen, die fast alle in einer These enden: Elia wurde von Gott in den Himmel aufgenommen, ohne daß er gestorben wäre. Das Ereignis wird auch als ›Entrückung des Elia‹ bezeichnet, oder es heißt, Elia sei nicht den gewöhnlichen Menschentod gestorben, sondern in den Himmel aufgenommen worden. Manchmal wird es mit der Entrückung Henochs, einem der vorsintflutlichen Väter, verglichen. Beide, so wird dann gesagt, habe Gott zu sich in den Himmel aufgenommen, ohne daß sie gestorben wären.«

Foto 4: Auch Henoch wurde
von Gott in den Himmel entrückt.
Bibelillustration um 1730.
Über Henoch weiß die Bibel nicht viel zu berichten (14): »Henoch war fünfundsechzig Jahre alt, da zeugte er Metuschelach (Methusalem). Nachdem Henoch Metuschelach gezeugt hatte, ging er mit Gott dreihundert Jahre lang und zeugte Söhne und Töchter. Die gesamte Lebenszeit Henochs betrug dreihundertfünfundsechzig Jahre. Henoch ging mit Gott, dann war er nicht mehr da; denn Gott hatte ihn aufgenommen.« Wie der Terminus »Gott hatte ihn aufgenommen« zu verstehen ist, das verdeutlicht ein Vers im »Neuen Testament«. Im »Hebräerbrief« lesen wir in der »Einheitsübersetzung« (15):

»Aufgrund des Glaubens wurde Henoch entrückt, sodass er den Tod nicht schaute; er wurde nicht mehr gefunden, weil Gott ihn entrückt hatte; vor der Entrückung erhielt er das Zeugnis, dass er Gefallen gefunden habe bei Gott.« Ziehen wir noch »Hoffnung für alle« heran: »Weil Henoch glaubte, nahm Gott ihn zu sich, so dass er nicht sterben musste; er war plötzlich nicht mehr da. Die Heilige Schrift bestätigt, dass Henoch so gelebt hat, wie es Gott gefiel.«

Hesekiel erlebte eine Himmelsreise, wurde aber wieder auf irdischem Grund und Boden ausgesetzt. Elias und Henoch wurden auch zu einer Himmelsreise mitgenommen, so berichten es die biblischen Texte, nicht wieder zur Erde zurück.

Für den renommierten Theologieprofessor Dr. Hermann Gunkel (*1862; †1932) ist der Sachverhalt klar! Für ihn gibt es offensichtlich zwei Sorten von Texten, nämlich realistische Beschreibungen realer Geschehnisse einerseits und märchenhafte, sprich fiktive Texte. Wie aber entscheidet der Theologe, was erfunden wurde und was nicht? Mir scheint, dass er alles, was ihm zu fantastisch erscheint, in die »Kategorie Märchen« einordnet. Und das betrifft biblische wie außerbiblische apokryphe Texte und solche, die in anderen Kulturen entstanden sind.


Foto 5: »Entrückung« des Elias.
Bibelillustration, koloriert. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein.

Aber macht er es sich nicht zu einfach, wenn er alle Texte, die nach seinem Geschmack zu fantastisch klingen, in den Bereich des Märchenhaften verbannt? Prof. Dr. Hermann Gunkel (*1862; †1932) war ganz ohne Zweifel ein vorzüglicher, kenntnisreicher und wissenschaftlich präzise arbeitender Theologe. Doch was für Prof. Gunkel vor hundert und mehr Jahren einfach viel zu fantastisch war um wahr zu sein, das mag für uns zu Beginn des 21. Jahrhunderts längst überholte Wirklichkeit von gestern sein. Prof. Gunkel musste alles für unmögliche Fiktion halten, was für uns heutige immer noch allenfalls realistische Zukunftsschau ist. Genauso gilt, dass die Realität von – wählen wir ein beliebiges Jahr – 2122 für uns Heutige unfassbar unrealistisches Märchen sein muss. So ist es durchaus möglich, dass wir, wie Prof. Gunkel, uralte Texte als unglaubwürdig belächeln, nur weil sie fantastisch klingen. Meiner Meinung ist es unverzichtbar, auch scheinbar Märchenhaftes als Informationsquelle zu überprüfen. Falsch und unverantwortlich ist es meiner Meinung nach alles, was wir nicht für realistisch halten als »Märchen« zu etikettieren und unberücksichtigt zu lassen.


Fußnoten
(1) Hesekiel Kapitel 1, Vers 4 (Zitiert aus »Lutherbibel 2017«)
(2) Ebenda, Anfang von Vers 1 zitiert aus der »Elberfelder Bibel«.
»English Standard Version«: »As I looked, behold, a stormy wind came out of the north, and a great cloud, with brightness around it, and fire flashing forth continually, and in the midst of the fire, as it were gleaming metal.«
(3) Fohrer, Georg: »Handbuch zum Alten Testament. Erste Reihe 13/ Ezechiel«, Tübingen 1955, Seite 9, 7.-2. Zeile von unten (Fußnoten nicht mitgezählt!)
(4) Gunkel, Hermann: »Das Märchen im Alten Testament«, Tübingen 1921, Seite 61, letzte Zeile unten – Seite 62, 8. Zeile von oben
(5) Sänger, Eugen: »Raumfahrt – technische Überwindung des Krieges«, Hamburg 1958, Seite 124
(6) Ebenda, Seite 125(7) 1. Könige Kapitel 18, Vers 19 (»Einheitsübersetzung 2016«)
(8) Ebenda, Vers 28 (»Einheitsübersetzung 2016«)
(9) Ebenda, Vers 38
(10) Ebenda, Vers 40
(11) 2. Könige Kapitel 2, Vers 3
(12) 2. Könige 2, Vers 11
(13) Schneider, Wolfgang: »Elias Entrückung gen Himmel«, »Bibel Center«.  http://www.bibelcenter.de/bibel/studien/wort/d-std071.php (Stand 25.04.2020)
Die Rechtschreibung des Zitats wurde unverändert übernommen und nicht der Rechtschreibrefrom gemäß verunstaltet.
(14) 1. Mose Kapitel 5, 21-24 (»Einheitsübersetzung 2016«)
(15) Hebräer Kapitel 11, Vers 5 (»Einheitsübersetzung 2016«)
(16) Gunkel, Hermann: »Das Märchen im Alten Testament«, Tübingen 1921, Seite 52, 3.-8. Zeile von oben

Zu den Fotos

Foto 1: Elias und Henoch. Bibelillustrationen, koloriert.
Foto 2: Elias. Ikone, frühes 19.Jahrhundert. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein.
Foto 3: »Entrückung« des Elias. Bibelillustration, koloriert. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein.
Foto 4: Auch Henoch wurde von Gott in den Himmel entrückt. Bibelillustration um 1730. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein.
Foto 5: »Entrückung« des Elias. Bibelillustration, koloriert. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein.


542. »1.000 Jahre vor Kolumbus«,

Teil 542 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 07. Juni 2020 

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Sonntag, 24. Mai 2020

540. Hesekiel, Gilgamesch und Pfeile Gottes

Teil 540 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein



Foto 1: Der Hesekiel
von Schwarzrheindorf
Hoch über mir steht das fliegende Rad. Es gehört zum »Hesekiel-Zyklus« in einem der schönsten Gotteshäuser Europas. Es ist erstaunlich, wie ausführlich in einzelnen Bildern in der unteren Kirche von »St. Maria und Clemens« auf den biblischen Hesekiel eingegangen wird. Warum geschah dies nur hier und in keiner anderen Kirche? Für wen waren diese Darstellungen gedacht? Die »Untere Kirche« wurde vom »gewöhnlichen Volk« besucht, dem die »Obere Kirche« verschlossen blieb. Dort versammelten sich Adelige und Klerus zur Andacht.

Eine Flut von Gemälden an den Wänden ließ vor etwa neun Jahrhunderten das vermeintlich ungebildete Volk staunen. Verstanden die Menschen, was da in Bildern dargestellt wurde? Lesen konnten sie in der Regel nicht. Erkannten sie die Bedeutung der Wandgemälde? Da wird in einem Gemälde dem Hesekiel eine Schriftrolle zum Verzehr gereicht. Dort erkennt man Hesekiel in einem anderen Gemälde, wie er sich mit einem Schwert den Bart abschneidet. Ein weiteres Gemälde zeigt Hesekiel, der mit einer Hacke ein Loch in eine Steinmauer geschlagen hat. Entsetzt blickt der Prophet durch das Loch. Auf der anderen Seite wird offenbar Götzendienst betrieben, und das – was für ein Sakrileg – offenbar im Tempel zu Jerusalem.

Der »Hesekiel-Zyklus« ist wirklich einzigartig in der sakralen Kunst christlicher Gotteshäuser. Szenen aus dem »Neuen Testament« sind eindeutig zu erkennen: Jesus ärgert sich über die Händler im Tempel und Jesus vertreibt die Händler aus dem Tempel. Andere Darstellungen sind vermutlich allegorisch gemeint. Da kämpfen die »Tugenden« gegen die »Laster«. Manche Darstellungen sind wirklich brutal. Da werden die »Sünder« brutal massakriert. Sie werden förmlich zerhackt. Immer wieder begegnen uns Szenen aus dem »Neuen Testament«. Pilatus wäscht seine Hände in Unschuld. Dem sterbenden Jesus wird mit einem Schwamm Essig gereicht. Ein römischer Soldat stößt Jesus eine Lanze in den Leib.

Und dann: Immer wieder taucht Hesekiel auf. Wir sehen Hesekiel im Kreis der Ältesten sitzen. Die Hand Gottes erscheint aus dem Himmel über ihm. Hesekiel wird Zeuge des Götzendienstes der Juden, die einer Götterstatue huldigen. Hesekiel salbt den Altar. Die Götzendiener werden bestraft, weil sie vom Glauben abgefallen sind. Die »Guten« werden gekennzeichnet und entgehen dem Gemetzel. Die »Bösen« werden zerhackt, die »Guten« bleiben verschont.

Mich aber interessiert vor allem das mächtige Rad, das über mir am Himmel zu schweben scheint. Was, so frage ich mich, ein wenig misstrauisch von meinem Kirchenführer beäugt, hat Hesekiel gesehen? Was sah er am Himmel? Was kam vom Himmel herab?

Im Gilgamesch-Epos zeigt sich Göttin Siduri dem heroischen Gilgamesch. Eine solche Gottesoffenbarung bezeichnet man in der Theologie als »Theophanie«. Der Begriff leitet sich von zwei griechischen Worten ab, nämlich von »theos« (»θεός, »Gott«) und von »phainesthai« (»φαίνεσθαι«, »sich zeigen, erscheinen«). In einer »Theophanie« (»Erscheinung eines Gottes«) offenbart sich ein Gott. Offensichtlich tun das Götter auf Planet Erde schon seit Jahrtausenden. Auch dem biblischen Hesekiel wurden Theophanien zuteil.

Foto 2:  »Hesekiels Rad« nach der Restaurierung
(Farblich verändert und kontrastverstärkt
um Details sichtbar zu machen. Collage.)



Das »Alte Testament« kennt solche »Theophanien«, die ganz offensichtlich mit massiven, ja furchteinflößenden Begleiterscheinungen einhergingen. Recht eindrucksvoll wird eine »Theophanie« in Psalm 18 geschildert (1): »Die Erde bebte und wankte, und die Grundfesten der Berge bewegten sich und bebten, da er zornig war. Rauch stieg auf von seiner Nase und verzehrend Feuer aus seinem Munde; Flammen sprühten von ihm aus. Er neigte den Himmel und fuhr herab, und Dunkel war unter seinen Füßen. Und er fuhr auf dem Cherub und flog daher, er schwebte auf den Fittichen des Windes. Er machte Finsternis ringsum zu seinem Zelt, dunkle Wasser, dichte Wolken. Aus dem Glanz vor ihm zogen seine Wolken dahin mit Hagel und Blitzen. Der HERR donnerte im Himmel, und der Höchste ließ seine Stimme erschallen mit Hagel und Blitzen.« Als ausgesprochen friedlich wird dieser Gott allerdings nicht dargestellt, heißt es doch (2): »Er schoss seine Pfeile und zerstreute die Feinde, sandte Blitze in Menge und erschreckte sie.«

Weniger ausführlich werden die Begleiterscheinung einer »Theophanie« in Psalm 97 beschrieben (3): »Der HERR ist König; des freue sich das Erdreich und seien fröhlich die Inseln, so viel ihrer sind. Wolken und Dunkel sind um ihn her, Gerechtigkeit und Recht sind seines Thrones Stütze. Feuer geht vor ihm her und verzehrt ringsum seine Feinde. Seine Blitze erleuchten den Erdkreis, das Erdreich sieht es und erschrickt. Berge zerschmelzen wie Wachs vor dem HERRN, vor dem Herrscher der ganzen Erde. Die Himmel verkündigen seine Gerechtigkeit, und alle Völker sehen seine Herrlichkeit.«

Auch dem Hesekiel zeigt sich Gott, wie gleich zu Beginn des Buches Hesekiel mitgeteilt wird (4): »Und im dreissigsten Jahr, im vierten Monat, am Fünften des Monats, als ich unter den Verbannten am Fluss Kebar war, öffnete sich der Himmel, und ich sah göttliche Schauungen.«

Dieser eher unscheinbare Vers enthält eine höchst interessante Information, auf die mich Prof. Dr. Georg Fohrer (*1915; †2002), Fachbereich Altes Testament an der »Friedrich Alexander Universität Erlangen«, hingewiesen hat. Ich habe manche seiner Vorlesungen besucht und an seinen Seminaren teilgenommen.

Georg Fohrer hat von 1934 bis 1938 Evangelische Theologie und vergleichende Religionswissenschaft an den Universitäten Marburg und Bonn studiert. 1939 promovierte er zum »Dr. phil.«, 1944 zum »Dr. theol.«. Schließlich habilitierte er sich 1949. 1954 wurde er zum »außerplanmäßigen Professor« ernannt. In den Jahren 1954 bis 1962 wirkte er an der »Evangelisch-Theologischen Fakultät« der Universität Wien. 1962 schließlich holte man ihn als »Professor Fachbereich Altes Testament« an die Universität Erlangen. 1979 wurde der Gelehrte emeritiert, konvertierte zum Judentum und zog nach Jerusalem. In Jerusalem verstarb Prof. Fohrer nach schwerer Krankheit. Im gleichen Jahr brach ich mein Studium der evangelischen Kirche in Erlangen ab und veröffentlichte mein erstes Buch.

Foto 3:  »Hesekiels Rad« nach der Restaurierung
(Farblich verändert und kontrastverstärkt
um Details sichtbar zu machen. Collage.)

Im Hebräischen kommt im ersten Vers des ersten Kapitels bei Hesekiel ein Wort zum Einsatz, das in allen Übersetzungen mit »öffnen« verdeutscht wird (5). Diese Vorstellung taucht nur noch ein einziges Mal im »Alten Testament« vor, nämlich bei Jesaja (6). Wenn das Ende seinen Anfang nehmen wird, wenn die Endzeit ihren Lauf nimmt, dann soll der Himmel zerrissen werden: »Ach dass du den Himmel zerrissest und führest herab, dass die Berge vor dir zerflössen.«

Prof. Dr. Georg Fohrer, er war Ehrendoktor der Universitäten Marburg, Aberdeen und St Andrews und Ehrenmitglied zahlreicher gelehrter Gesellschaften, über eine Teophanie bei Hesekiel (7): »Wenn Jahwe zu Beginn der Endzeit zur Erde herniedersteigt, zerreißt er den Himmel. Ez(echiel) bedient sich keines bekannten Bildes oder theologischen Ausdrucks und weist damit bereits darauf hin, wie neu und ungewöhnlich sein Erleben für ihn ist.«

Die »eigentliche Wohnung Jahwes« war, so Prof. Fohrer, der Himmel. Aus dem Himmel herab steigt Gott bei Hesekiel wie bei Jesaja. Es kann also keinen Zweifel geben, dass der biblische Gott des »Alten Testaments« aus dem Himmel herab zur Erde kam, als er Hesekiel aufsuchte. Hesekiel beschreibt das sehr anschaulich. Der himmlische Wagen, so schien es, wurde am Himmel plötzlich sichtbar. Für Hesekiel gab es nur eine Erklärung: der Himmel war aufgerissen, hatte sich aufgetan.

Foto 4: Hesekiel schneidet sich
den Bart ab.
Es ist wirklich erstaunlich, wie ausführlich in einzelnen Bildern in der unteren Kirche von »St. Maria und Clemens« auf den biblischen Hesekiel eingegangen wird. Ich habe mir bei meinem Besuch viel Zeit für den »Hesekiel-Zyklus« genommen. Da mir die Hesekieltexte geläufig waren, verstand ich sofort die Aussage einiger der Darstellungen. Da wird dem Hesekiel eine Schriftrolle zum Verzehr gereicht. Keine Frage: Da wird biblischer Text illustriert (8): »Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, iss, was du vor dir hast! Iss‘ diese Schriftrolle und geh hin und rede zum Hause Israel! Da tat ich meinen Mund auf und er gab mir die Rolle zu essen und sprach zu mir: Du Menschenkind, gib deinem Bauch zu essen und fülle dein Inneres mit dieser Schriftrolle, die ich dir gebe. Da aß ich sie, und sie war in meinem Munde so süß wie Honig.« Offenbar soll Hesekiel im sprichwörtlichen Sinne verinnerlichen, was er den Menschen verkünden soll.

Dort erkennt man Hesekiel, wie er sich mit einem Schwert den Bart abschneidet. Auch hier handelt Hesekiel nach einem seltsam anmutenden Befehl Gottes (9): »Und du, Menschenkind, nimm ein scharfes Schwert und brauche es als Schermesser und fahr damit über dein Haupt und deinen Bart.« Mag sein, dass dies ein Hinweis auf das Unglück sein soll, das über Jerusalem hereinbrechen wird. Ein letztes Beispiel soll genügen: Ein weiteres Gemälde zeigt Hesekiel, der mit einer Hacke ein Loch in eine Steinmauer geschlagen hat. Entsetzt blickt Hesekiel durch das Loch. Da wird offenbar Götzendienst betrieben, und das offenbar im Tempel zu Jerusalem.

In der Luther Bibel von 1912 findet sich ein seltsamer Fehler (10): »Und er führte mich zur Tür des Vorhofs; da sah ich, und siehe war ein Loch in der Wand. Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, grabe durch die Wand. Und da ich durch die Wand grub, siehe, da war eine Tür. Und er sprach zu mir: Gehe hinein und schaue die bösen Greuel, die sie allhier tun. Und da ich hineinkam und sah, siehe, da waren allerlei Bildnisse der Würmer und Tiere, … und allerlei Götzen des Hauses Israel, allenthalben umher an der Wand gemacht.«

Foto 5: Hesekiel bricht ein Loch in die Wand.

Da stimmt etwas nicht mit der zeitlichen Abfolge! Da wird dem Hesekiel zunächst ein Loch in der Wand gezeigt. Und dann bekommt er den Befehl, durch die Wand zu graben. Aber das Loch ist doch schon vorhanden! Wozu also noch graben?

In der »Luther Bibel« von 2017 hat man diesen Fehler nicht behoben. Da wird er sogar noch deutlicher (11): »Und er führte mich zur Tür des Vorhofes. Da sah ich, und siehe, da war ein Loch in der Wand. Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, brich ein Loch durch die Wand. Und als ich ein Loch durch die Wand gebrochen hatte, siehe, da war eine Tür.«

Hesekiel bekommt ein Loch in der Wand gezeigt und dann soll er erst einmal ein Loch durch die Wand brechen? Aber das Loch ist doch schonvorhanden!

Über allem aber scheint das Rad zu schweben, das Hesekiel sah. Sollte er tatsächlich ein riesiges Rad am Himmel gesehen haben? Sollte von einem solchen »Rad« die Herrlichkeit Gottes, »kabod jhwh« (כְּבֹוד־יְהוָ֑ה) im Hebräischen der »Biblia Hebraica« zur Erde hinab gestiegen zu sein?


Fußnoten
(1) Psalm 18, Verse 8-14, zitiert nach »Luther Bibel 2017«.
(2) Ebenda, Vers 15, zitiert nach »Luther Bibel 2017«.
(3) Psalm 97, Verse 2-6, zitiert nach »Luther Bibel 2017«.
(4) Hesekiel Kapitel 1, Vers 1, zitiert nach »Luther Bibel 2017«.
(5) נִפְתְּחוּ֙, ptch im Niphal
(6) Jesaja Kapitel 63, Vers 19
(7) Fohrer, Georg: »Handbuch zum Alten TestamentErste Reihe 13/ Ezechiel«, Tübingen 1955, Seite 10, 4.+3. Zeile von unten (Fußnoten nicht mitgezeählt!)
(8) Hesekiel Kapitel 3, Verse 1-3
(9) Hesekiel Kapitel 5, Vers 1
(10) Hesekiel Kapitel 8, Verse 7-10, zitiert aus der »Luther Bibel« von 1912. Die Rechtschreibung wurde unverändert übernommen.
(11) Hesekiel Kapitel 8, Verse 7 und 8


Zu den Fotos
Foto 1: Der Hesekiel von Schwarzrheindorf, bearbeitet (Collage. Kontrast verstärkt und Farben verändert, um Details besser erkennbar zu machen.)
Foto 2:  »Hesekiels Rad« nach der Restaurierung (Farblich verändert und kontrastverstärkt um Details sichtbar zu machen. Collage.)
Foto 3:  »Hesekiels Rad« nach der Restaurierung (Farblich verändert und kontrastverstärkt um Details sichtbar zu machen. Collage.)
Foto 4: Hesekiel schneidet sich den Bart ab.
Foto 5: Hesekiel bricht ein Loch in die Wand.

541. »Hesekiel, Elias und Henoch wurden ›entrückt‹«,
Teil 541 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 31. Mai 2020


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Sonntag, 8. März 2020

529. »Adam, Eva und das Gift Gottes«

Teil 529 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Foto 1: Studium
altehrwürdiger Texte
Es gibt eine schier unüberschaubare Sammlung altjüdischer Texte, von denen nur ein kleiner Teil in die Bibel aufgenommen wurde. Seit vielen Jahrhunderten studieren unzählige Gelehrte die altehrwürdigen Texte. Nach weithin anerkannter Lehrmeinung der Theologie legte man zwischen 190 v.Chr. und etwa 100 n.Chr. fest, welche Texte für das Leben schlechthin wichtig sind. So entstand das »Alte Testament« als eine Sammlung »heiliger Bücher«.

Zu Beginn des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts formierte sich langsam das »Neue Testament«. Offiziell einigte man sich aber erst anno 367 auf der Synode von Laodicea auf die Festlegung. Zu dieser regionalen Synode hatten sich etwa dreißig Geistliche aus Anatolien in der heutigen Türkei versammelt.

Jetzt erst stand fest, welche Texte in die Bibel des Christentums zu gehören hatten und welche nicht. Diese Texte bezeichnet man als biblischen Kanon. Der Ausdruck geht auf das hebräische »qanä« zurück, was so viel wie »Richtschnur, Regel und Norm« bedeutet. Die frühe Kirche verstand darunter zweierlei: Die Bibel war Richtschnur für das menschliche Leben. Und der Kanon regelte, welche Texte in die Bibel gehören und welche nicht. Damit erfolgte eine Wertung: Die einen Texte wurden als heilig angesehen, die anderen nicht.

Im Judentum war das anders: Manche Texte wurden zwar nicht im Gottesdienst benutzt, gehörten aber dennoch dem Kanon an. Im Christentum wurden manche Texte auch im Gottesdienst eingesetzt, die nicht zum Kanon gehören. Als »apokryph« bezeichnet(e) man Texte, die  man aus der griechischen Übersetzung des Alten Testaments übernahm. Man schätzte sie als den Glauben unterstützende Erbauungsliteratur. Man hielt sie aber nicht für würdig genug, in den Kanon aufgenommen zu werden. Prof. Dr. Georg Fohrer (*1915; †2002), Fachbereich Altes Testament an der »Friedrich Alexander Universität Erlangen«, schlug deshalb eine Umbenennung vor (1): »Treffender könnte man sie deuterokanonische Bücher nennen, die eine Art Anhang zum Kanon bilden.« »Deuterokanon« bedeutet so viel wie »2. Kanon«.

Eine zweite Gruppe von Texten, die »Pseudepigraphen«, wurde ebenfalls nicht in den Kanon aufgenommen: Mit Recht weist Fohrer darauf hin, dass diese Bezeichnung unglücklich gewählt ist. »Pseudepigraph« bedeutet »unter anderem Verfassernamen«. Tatsächlich sind aber nicht wenige »pseudepigraphe« Texte in Wirklichkeit anonym. Das heißt: Sie laufen nicht unter einem falschen Verfassernamen, sondern es wird überhaupt kein Autor genannt.

Was den Sachverhalt kompliziert macht und die Unterscheidung zwischen »kanonisch« und »nicht kanonisch« als willkürlich erkennen lässt, das ist die fehlende Logik. Die vier Evangelien, nach Markus, Matthäus, Lukas und Johannes benannt, waren ursprünglich anonym. Erst nachträglich wurden sie mit den Namen der Evangelisten in Verbindung gebracht, die aber in Wirklichkeit gar nicht die Verfasser sind. Die sogenannte »Johannesapokalypse« wurde nur in den Kanon der Bibel aufgenommen, weil man Jesusjünger Johannes für den Verfasser hielt. Die vier Evangelien der Bibel sind also genauso  pseudepigraph wie etwa das »Evangelium des Pseduo-Matthäus«. Letzteres aber wurde aus welchen Gründen auch immer nicht in den Kanon der Bibel aufgenommen.

Auch die »Fünf Bücher Mose« sind nach heutigem Kenntnisstand der theologischen Wissenschaft nicht von Moses selbst verfasst worden und sind demnach »pseudepigraph«. Mit anderen Worten: Was als »apokryph« bezeichnet wird, könnte aus rein formalen Gesichtspunkten genauso in der Bibel stehen wie jene Texte, die wir heute in der Bibel finden.

In altjüdischen, heiligen Texten, die leider nicht in den Kanon der Bibel aufgenommen wurden, stößt man immer wieder auf Hinweise auf seltsam und phantastisch anmutende Begegnungen zwischen Menschen und himmlischen Wesen. Paul Rießler veröffentlichte in seinem Werk (2) »Altjüdisches Schrifttum außerhalb der Bibel« eine ganze Reihe von Texten, die nicht in den Kanon der Bibel aufgenommen wurden.

Der vielleicht interessanteste Text dieser wichtigen Sammlung ist nach meiner Meinung (3) »Leben Adams und Evas«. Der erhalten gebliebene, vom Christentum beeinflusste Text »Leben Adams und Evas« ist seinem Ursprung nach aber gar nicht christlich. Das Original war in hebräischer Sprache verfasst. Der von jüdischen Verfassern geschaffene Text wurde zunächst aus dem Hebräischen ins Griechische übersetzt und schließlich aus dem Griechischen ins Lateinische übertragen. Die heute bekannten Fassungen entstanden zum Teil schon im 3., zum Teil erst im 5. Jahrhundert n. Chr., die Originalversion in hebräischer Sprache dürfte fast zwei Jahrtausende alt sein. Bis heute wurde die Urfassung nicht entdeckt.

Foto 2: Sturz aus dem Himmel.
(Albrecht Dürer)
Nach dem Hinauswurf aus dem Paradies begann für Adam und Eva ein hartes Leben (4):» Nachdem sie aus dem Paradies vertrieben waren, erbauten sie sich eine Hütte, und sie verbrachten sieben Tage trauernd, in großer Trübsal klagend.« Das paradiesische Schlaraffenland war nur noch quälende Erinnerung. Zwei Engel, bewaffnet mit fürchterlichen Schwertern, versperrten den Rückweg (5): » Gott der HERR lagerte vor den Garten Eden die Cherubim mit dem bloßen, hauenden Schwert, zu bewahren den Weg zu dem Baum des Lebens.« Gab es denn wirklich kein Zurück mehr? Eva macht einen selbstlosen Vorschlag (6): »Und Eva sprach zu Adam: ›Mein Herr, willst du, so töte mich!

Vielleicht führt dich dann Gott, der Herr, ins Paradies zurück, ist Gott, der Herr, doch meinethalben über dich in Zorn geraten. Willst du denn nicht mich töten, daß ich sterbe? Vielleicht führt dich dann Gott, der Herr, ins Paradies; du wurdest doch von dort nur meinetwegen ausgetrieben.‹«

Adam lehnt aber ab. Er fürchtet, mit der Ermordung Evas erneut den Zorn Gottes auszulösen: »Und Adam sprach: ›Red nicht so, Eva, auf daß nicht Gott, der Herr, uns abermals verfluche! Wie könnt ich meine Hand gegen mein eigen Fleisch erheben?‹« Trotz drastischer Bußübungen bleibt der Rückweg ins Paradies für Adam und Eva versperrt.

Im Paradies hatte die Schlange nach biblischem Glauben (7) Eva nicht nur dazu verleitet, selbst von der verbotenen Frucht zu essen. Die Schlange brachte Eva auch noch dazu, Adam zum Biss in das verbotene Obst zu verleiten. Im »Leben Adams und Evas« taucht der »Satan« nicht wieder als Schlange, sondern (8) »in der Engel Lichtgestalt« auf. Und Eva (9) »gebar einen Sohn, der lichtvoll war … und er erhielt den Namen Kain«. »Engel Lichtgestalt« verweist natürlich auf den verteufelten »Luzifer«, den »Lichtbringer«. Und dass Kain »lichtvoll war«, das bringt unterschwellig zum Ausdruck, dass nicht Adam der Vater Kains war, sondern jener »Lichtbringer«, sprich Satan, der Teufel. Paul Rießler kommentiert erklärend (10): »›Lichtvoll‹ = Kain, vielleicht so genannt wegen der Anschauung, wonach Kain ein Sohn Luzifers, des ›Lichtbringers‹ war.« Und tatsächlich: Im Zohar (11) wird erklärt, dass nicht Adam, sondern Samael der Vater von Kain war. Der Zohar stellt fest: »Seine Gesichtszüge unterschieden sich von denen anderer Menschen.« Samael (deutsch: das Gift Gottes) wird im rabbinischen Judentum häufig mit Satan gleichgesetzt.

Je intensiver man sich mit dem jüdischen Schrifttum im Umfeld des »Alten Testaments« auseinandersetzt, desto deutlicher tritt hervor, dass die Bibel zum Teil recht vereinfachte Geschichten erzählt. Ich habe versucht, die himmlischen Verhältnisse besser zu verstehen und deshalb intensiv im Zohar gelesen. Ich muss aber zugeben, dass ich umso weniger verstand, je mehr Texte mir bekannt waren. Ein Beispiel sind die ominösen Elohim, die Götter, die uns immer wieder im »Alten Testament« begegnen. Im Zohar lesen wir (12), dass bestimmte (?) Engel »Elohim (Götter) genannt werden. Sie werden in der Kategorie der Götter aufgenommen, obwohl sie nicht Himmel und Erde geschaffen haben.«

Zu den Götter-Engeln oder Engel-Göttern gezählt wurden auch Uzza und Azael, und die hatten höchst menschliche Wünsche (13): »Als Uzza und Azazel von ihrer heiligen Stätte fielen, sahen sie die Töchter der Menschen, sündigten und zeugten Söhne. Dies waren Nephilim, gefallene Wesen, wie geschrieben steht: Die Nephilim, gefallene Wesen, waren auf Erden.« An anderer Stelle erfahren wir aus dem Zohar, was Rabbi Yose lehrt (14): »Dies sind Uzaza und Azael, wie bereits erwähnt, die der Heilige aus überirdischer Seligkeit herabgestoßen hat.«

Azazel (andere Schreibweise: Asasel) war einer der gefallenen Engel. Er wurde häufig mit »Satan« alias »Luzifer« in Verbindung gebracht. Das arabische Pendant zu »Asasel«, der wie Luzifer aus dem Himmel stürzte oder gestürzt wurde, war in der vorislamischen Zeit Al-Uzza, die Schutzgöttin von Mekka. Seefahrer baten sie bei Sturm um Hilfe, galt die Göttin doch als Beschützerin der Schiffe bei ihren Reisen über die Meere. Als Delphin folgte sie den Schutzbefohlenen. Der Delphin wurde vom Christentum übernommen: aus dem Retter von Schiffbrüchigen wurde Christus, der Retter der Seelen. Heilige Symbole scheinen uralt zu sein.

Der schwarze Stein in der Kaaba zu Mekka gehörte ihr. Priesterinnen huldigten der Göttin bis der Islam kam. Al-Uzza erschien wie Venus am Morgen. Sie war Teil einer weiblichen Triade, gemeinsam mit Manat, dem Abendstern, und Al-Lat, dem Mond.

Wo der Zohar Namen nennt, bleibt das »Alte Testament« anonym, erzählt aber die gleiche Geschichte (15): »Als aber die Menschen sich zu mehren begannen auf Erden und ihnen Töchter geboren wurden, da sahen die Gottessöhne, wie schön die Töchter der Menschen waren, und nahmen sich zu Frauen, welche sie wollten. Da sprach der HERR: Mein Geist soll nicht immerdar im Menschen walten, denn er ist Fleisch. Ich will ihm als Lebenszeit geben hundertzwanzig Jahre. Es waren Riesen zu den Zeiten und auch danach noch auf Erden. Denn als die Gottessöhne zu den Töchtern der Menschen eingingen und sie ihnen Kinder gebaren, wurden daraus die Riesen. Das sind die Helden der Vorzeit, die hochberühmten.«

Foto 3: Vom Himmel hinab! Peter Paul Rubens
Von der Bibel zu den mysteriösen »Qum Ran Texten«, die über Jahrzehnte hinweg der Öffentlichkeit vorenthalten wurden! Im »Buch Henoch der Riesen« (16) wird auf »himmlische Wesen« hingewiesen, die mit »irdischen Töchtern« höchst intim verkehrten und Nachwuchs erzeugten, nämlich die »Nephilim«, die Riesen.

Ein weiterer »Qum Ran Text« (17) spricht konkret vom »Wagen der Herrlichkeit«, erwähnt einen »Streitwagen der Herrlichkeit mit Scharen von Radengeln«. In einem weiteren Text (18) wird Henochs »himmlisches Wissen über die himmlischen Sphären und ihre Wege« gelobt. Kein Wunder: Wie wir aus dem 1. Buch Moses (19) wissen, wandelte Henoch mit den Göttern der Vorzeit. Er starb auch keines natürlichen Todes auf Erden. Er wurde vielmehr ins All »entrückt«.

Ins All reiste, wieder in einem »Qum Ran Text« beschrieben, auch Michael. Da gibt es einen kurzen, höchst interessanten Text. Robert H. Eisenman (* 1937),  US-amerikanischer Archäologe, ist Professor für die Religion und Archäologie des Nahen Ostens und Direktor des »Instituts für die Erforschung der frühen jüdisch-christlichen und islamischen Geschichte« an der California State University, Long Beach. Eisenman gilt als Qumran-Fachmann. Wer sich gründlich mit den Texten von Qumran auseinandersetzen möchte, sei auf sein Werk »Jesus und die Urchristen« (20) verwiesen. Prof. Eisenman geht auf ein kurzes Textfragment ein (4 Q 529). Er schreibt (21):

»Dieser Text, den man auch ›Die Vision des Michael‹ überschreiben könnte, gehört eindeutig zur Literatur der Himmelfahrts- und Visionserzählungen.«. Schließlich zitiert Prof. Eisenman die Übersetzung des Fragments (22): »Die Worte aus dem Buch, die Michal zu den Engeln Gottes sprach, nachdem er zu den Höchsten Himmeln aufgefahren war. Er sagte:›Ich fand Scharen von Feuer dort.‹«

Sehr interessant ist ein weiteres Textfragment (4Q385-389), dem Prof. Eisenman ein eigenes Kapitel widmet (23): »Deutero-Hesekiel«. Offensichtlich ist der Text nur bruchstückhaft erhalten. Da taucht im wahrsten Sinne des Wortes Hesekiel auf (24): »Die Vision, die Hesekiel sah… ein Strahl eines Wagens…« Und weiter lesen wir (25):  »Rad mit Rad verbunden, während sie gingen, und von den beiden Seiten der Räder kamen Ströme von Feuer, und in dern Mitte der Kohlen waren lebende Wesen, wie Kohlen im Feuer, Lampen sozusagen in der Mitte der Räder und der lebenden Gestalten. Über ihren Köpfen war ein Firmament, welches wie das schreckliche Eis aussah. Und über dem Firmament kam ein Laut..«
  
Fußnoten
(1) Fohrer, Georg: »Das Alte Testament«, Gütersloh 1969, S. 10
(2) Rießler, Paul: »Altjüdisches Schrifttum außerhalb der Bibel übersetzt und erläutert von Paul Rießler«, Augsburg 1928
Eine minimal, wirklich nur marginal abweichende Übersetzung bietet Kautzsch, Emil: »Die Apokryphen und Pseudepigraphen des Alten Testaments«, Band II: »Die Pseudepigraphen«, Tübingen 1900, Seiten 510-528
(3) Ebenda, Seiten 668-681
(4) Ebenda, Seite 668, §1
(5) 1. Buch Mose, Kapitel 4, Vers 23+24
(6) Rießler, Paul: »Altjüdisches Schrifttum außerhalb der Bibel übersetzt und erläutert von Paul Rießler«, Augsburg 1928, Seite 668, §3
(7) 1. Buch Mose, Kapitel 3, Verse 1-7
(8) Rießler, Paul: »Altjüdisches Schrifttum außerhalb der Bibel übersetzt und erläutert von Paul Rießler«, Augsburg 1928, Seite 669, §9
(9) Ebenda, Seite 673, §21 Zeile 11 und §22 Zeile 1
(10) Ebenda, Seite 1311, 6.-4. Zeile von unten
(11) »The Zohar: Pritzger Edition«, Band I, Stanford, Kalifornien, 2004, Seitze 234, 4.+5.- Zeile von oben
(12) Ebenda, Seite 63, 3.-6. Zeile von oben (»They are included in the category of gods, though they did not make heaven and earth.«)
(13) Ebenda, Seite 233, Zeilen 13+14 von oben und Seite 234, Zeilen 1+2 von oben: »When Uzza an Azazel fell from their holy site above, they saw the daughters of human beings, sinned and engendered sons. These were nefilim, fallen beings, as is written: The nefilim, fallen beings, were on earth.« (Übersetzung aus dem Englischen: Walter-Jörg Langbein)
(14) Ebenda, Seite 330, rechte Spalte oben, Zeieln 1-4: »These are Uzaza and Azael, as has been stated, cast down by the blessed Holy One from supernal samnctity.« (Übersetzung aus dem Englischen: Walter-Jörg Langbein)
(15) 1. Buch Mose, Kapitel 6, Verse 1-4
(16) Textbezeichnung 4 Q 532
(17) Textbezeichnung 4 Q 286/287
(18) Textbezeichnung 4 Q 227
(19) 1. Buch Mose, Kapitel 5, Vers 24
(20) Eisenman, Robert und Wise Michael: »Jesus und die Urchristen/ Die Qumran-Rollen entschlüsselt.«, 2. Auflage, München 1993
(21) Ebenda, S. 43, 20.-18. Zeile von unten
(22) Ebenda, Seite 45, Mitte
(23) Ebenda, Seiten 65-70
(24) Ebenda, Seite 68, 14. Zeile von unten
(25) Ebenda, 6.-1. Zeile von unten


Zu den Fotos
Foto 1: Studium altehrwürdiger Texte (Ein Haggadah-Manuskript), ca. 1425. wiki commons
Foto 2: Sturz aus dem Himmel. Albrecht Dürer, etwa 1500. wiki commons
Foto 3: Vom Himmel hinab! Peter Paul Rubens um 1630. wiki commons

530. »Nicht eines Menschen Atem«,
Teil 530 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 15. März 2020




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