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Sonntag, 28. Juni 2020

545. »Elohim (Götter) der Himmel«

Teil 545 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein



Foto 1: Der Turm zu Babel
(Pieter Bruegel der Ältere um 1563).
Adolf Holl (*1930; †23. Januar 2020) war einer der streitbarsten Theologen der Kirchengeschichte. 1954 wurde er zum Priester geweiht. 1955 promovierte er in katholischer Theologie, 1961 in Philosophie. 1963 wurde Dr. Dr. Adolf Holl Dozent an der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Wien. 1971 erschein  sein Werk »Jesus in schlechter Gesellschaft«. Der Bestseller machte ihn weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt und in manchen Kreisen sehr unbeliebt. Als Bestsellerautor zu einer Art Kultfigur geworden, gestand Adolf Holl in einer Fernsehsendung den Bruch des Zölibats. In Folge wurde er 1976 durch den Wiener Erzbischof Kardinal König, für den er auch Reden geschrieben hatte, vom Priesteramt suspendiert. Dies geschah auf Betreiben der »Kongregation für die Glaubenslehre« (Vatikan).

Holls Kritik am gedankenlosen Glauben fiel beißend aus: »Je religiöser ein Mensch, desto mehr glaubt er; je mehr er glaubt, desto weniger denkt er; je weniger er denkt, desto dümmer ist er; je dümmer er ist, desto leichter kann er beherrscht werden. Das gilt für Sektenmitglieder ebenso wie für die Anhänger der großen Weltreligionen mit gewalttätig intolerantem ›Wahrheits‹-Anspruch. Dagegen hilft, auf Dauer, nur Aufklärung.«

Was Holl autoritätsgläubigen religiös »denkenden« Menschen vorwirft, das trifft auch auf wissenschaftsgläubige Menschen zu, die keinen Zweifel an der vermeintlichen wissenschaftlichen Wahrheit aufkommen lassen wollen. Dabei wird geflissentlich übersehen, dass es die wissenschaftliche Wahrheit nur mit Verfallsdatum gibt. Religiöse wie wissenschaftlich orientierte Dogmatiker stellen gern Lehren in den Raum, die nicht angezweifelt werden dürfen. Wirklich ernsthafter Suche nach Antworten auf die großen Fragen stehen Dogmen allerdings im Weg. Wer nach der Wahrheit sucht, muss ungehindert denken dürfen. Denkverbote sind nach dem Geschmack von Dogmatikern, ernsthaft Suchenden stehen sie im Weg.

Was unsere Altvorderen überliefert haben, das mag heute manchmal recht märchenhaft anmuten, scheint aber doch dann und wann einen wahren Kern zu haben. Diese Botschaft alter Überlieferungen gilt es zu suchen und zu verstehen. Theologieprofessor Dr. Hermann Gunkel erklärt zahlreiche biblische Texte zu Märchen. Dabei geht er, scheint mir, willkürlich vor. Wir müssen uns die Frage stellen, welche Schilderungen nun auf Tatsachen beruhen und welche nicht. Dabei ist die literarische Klassifizierung als Märchen nicht wirklich hilfreich. Der Theologe Gunkel definiert zahlreiche Texte als Märchen, die seiner Meinung nach (1) »erdichtete Personen an erfundenen Orten auftreten lassen«.

Ich sehe das anders. Jeder Text, auch jeder biblische oder apokryphe Text, kann auf realen Begebenheiten beruhen, mag er uns auch noch so märchenhaft vorkommen.

Fotos 2 und 3: Tulum, Götter kommen vom Himmel herab.

 Dr. Gunkel schreibt (2): »In der Geschichte vom babylonischen Turmbau … ist märchenhaft der Plan der Menschen, sich einen Turm zu bauen, der so hoch ist, daß seine Spitze in den Himmel reicht.« Der Turm zu Babel ist aber kein Fantasieprodukt aus einem Märchen. Es hat ihn gegeben, lange bevor die Texte des »Alten Testaments« geschrieben wurden. Es gab in Mesopotamien Tempeltürme, Zikkurats genannt, die in der Geschichte vom Turmbau zu Babel verewigt wurden. Die ersten Zikkurats wurden im südlichen Mesopotamien bereits im 5. Jahrtausend vor Christus gebaut.

Im südlichen Irak, etwa 15 km westlich von Nasiriya gelegen, lässt die Ruine einer Zikkurat nur noch erahnen, was für ein monströses Bauwerk hier einst stand. Der Tempelturm wurde vor 4.000 Jahren der Mondgottheit Nanna geweiht, deren »Haus« oben auf der Zikkurat in den Himmel ragte. Als Hohepriesterin von Nanna hatte womöglich nur die Tochter des sumerischen Herrschers von Ur Zugang zum Heiligtum auf der Zikkurat. Da wundert es nicht, dass der patriarchalische Jahwe den Turm von Babel hasste und zerstören ließ. Ob das wirklich geschah, so wie es die Bibel überliefert? Vielleicht beschreibt das biblische »Märchen« nur den Übergang von einem Matriarchat mit einer Hohepriesterin zum Patriarchat Jahwes. Zu hinterfragen bleibt allerdings, ob im »Alten Israel« wirklich nur der göttliche Patriarch Jahwe verehrt wurde. Das ist mehr als zweifelhaft.

Meine Vermutung: Der Mondgott Nanna ist die vermännlichte Form der sumerischen Göttin der Liebe Inanna, die weiblich und männlich in Erscheinung treten konnte. Andere Namen dieser hohen Göttin waren Inana, Innin, Ninanna, Ninsianna und Ninegal. Unter welchem Namen sie auch fungierte, so war sie immer die Göttin der Weiblichkeit schlechthin. Ihr »Stern« war die Venus. Ich halte es für wahrscheinlich, dass die »Ur-Inanna« eine Fruchtbarkeitsgöttin war.

Die Geschichte vom Turmbau zu Babel basiert auf realen Tempelpyramiden. Und sie vermittelt einen Sachverhalt: Gott kam vom Himmel herab. Von Göttern, die vom Himmel herab zur Erde stiegen, hörte ich bei Reisen in den Gefilden der Südsee (Osterinsel und »Temwen Island«, Pohnpei im Archipel der Karolinen, »Föderierte Staaten von Mikronesien«).

Bei meinen Reisen durch Zentralamerika begegneten mir Darstellungen von Göttern, die vom Himmel kamen (3). In der »weißen Mayastadt« Tulum an der Karibikküste von Mexiko im Bundesstaat Quintana Roo, rund 130 Kilometer südlich von Cancún. Hier finden sich sichtbare Hinweise auf einen mysteriösen Gott. Wir kennen seinen Namen nicht mehr. In der Mythologie der Mayas wird er als »herabstürzender Gott« oder »herabsteigender Gott« bezeichnet. War damit »Ah Mucen Cab« gemeint, der göttliche »Honigsammler«? »Ah Muzencab«, wie das mächtige himmlische Wesen auch genannt wurde, war in der Mythenwelt der Mayas ein Bienengott. Und in den heiligen Überlieferungen der Mayas war er ein »herabstürzender Gott«. Die »Chilam Balam«-Bücher preisen ihn als einen der Weltschöpfer. Einer der Tempel von Tulum war ihm, dem »herabstürzenden Gott«, geweiht.


Fotos 4- 7: Tulum, Stadt der vom Himmel steigenden Götter.
Fotos Walter-Jörg Langbein

Schon im 1. Buch Mose wird der Gott des Alten Testaments gleich zwei Mal als »Gott des Himmels« oder »Himmelsgott« (4) bezeichnet. Auch bei Jona taucht die direkte Kombination von »Jahwe« und »Gott des Himmels« auf (5): » Er sprach zu ihnen: Ich bin ein Hebräer und fürchte Jahwe, den Gott des Himmels, …«. Nach Esra tituliert auch Perserkönig Kyrus Jahwe, den Gott der Juden genauso (6): »So spricht Kyrus, der König von Persien: Alle Königreiche der Erde hat mir Jahwe, der Gott des Himmels, gegeben, und er hat mir befohlen, ihm ein Haus zu Jerusalem in Juda zu bauen.« Im Buch Nehemia begegnet uns wieder »Jahwe, Gott des Himmels« (7): »Ach, Jahwe, Gott des Himmels, du großer und schrecklicher Gott, der da hält den Bund und die Treue denen, die ihn lieben und seine Gebote halten!« Brisant wird es ein Kapitel später. In der »Luther Bibel 2017« lesen wir (8): »Da betete ich zu dem Gott des Himmels.« Im hebräischen Original freilich steht: »Da betete ich zu (den) Elohim der Himmel.«

Einige Verse später tauchen sie wieder auf (9), die »Elohim der Himmel«. An anderer Stelle wird offenbar »Elohim« im Sinne von Gott (Einzahl) verwendet (10). Zunächst die Version der »Luther Bibel 2017«: »So spricht Kyrus, der König von Persien: Der HERR, der Gott des Himmels, hat mir alle Königreiche der Erde gegeben, und er hat mir befohlen, ihm ein Haus zu bauen zu Jerusalem in Juda. Wer nun unter euch von seinem Volk ist, mit dem sei der HERR, sein Gott, und er ziehe hinauf!« In beiden Fällen steht im hebräischen Original dort »Jahwe, Elohim der Himmel«, wo die Übersetzung »HERR, der Gott des Himmels«. Der Psalmist schließlich bringt im Hebräischen den »El der Himmel«, was in der Regel wieder mit »Gott des Himmels« übersetzt wird.

Prof. Dr. Georg Fohrer (*1915; †2002) wirkte über Jahre am »Fachbereich Altes Testament« an der »Friedrich Alexander Universität Erlangen«. Ich habe einige Vorlesungen und Seminare Fohrers besucht. Der Gelehrte machte mich darauf aufmerksam, dass das »Alte Testament« zwar fast vollständig im altehrwürdigen Bibel-Hebräisch verfasst wurde, dass es aber einige sehr wenige Verse in Aramäisch gibt. In den wenigen Versen in aramäischer Sprache taucht immer wieder das Pendant zum hebräischen Gott des Himmels auf.

Im Hebräischen gibt es immer wieder »Elohim«, eindeutig ein Pluralwort, das man mit »Götter« (Mehrzahl) übersetzen muss. Das Einzahlwort zu »Elohim« (»Götter«) lautet »Eloah« (»Gott«). Als das aramäische Pendant zum hebräischen »Eloah« werden »Elah« beziehungsweise »Elaha« angesehen. Ich vermute, dass sich das arabische »Allah« (»al aliah«, »der aliah«, »der Gott«) aus dem aramäischen »Eloah/ Elah« entwickelt hat.

Im kleinen Buch Daniel des »Alten Testaments« wurde ich bei meiner Suche nach dem »Gott des Himmels« fündig (11): Da sollen Hananja, Mischaël und Asarja »den Gott des Himmels um Gnade« bitten und »Daniel lobte den Gott des Himmels«. Da heißt es (12), dass »der Gott des Himmels« dem »König aller Könige … Königreich, Macht, Stärke und Ehre gegeben hat« und dass »der Gott des Himmels ein Reich aufrichten« werde.


Fußnoten
(1) Gunkel, Hermann: »Das Märchen im Alten Testament«, Tübingen 1921, Seite 9, 19.+20. Zeile von oben. (Die Rechtschreibung wurde unverändert übernommen und nicht nach der Rechtschreibreform »modernisiert«.)
(2) Ebenda, Seite 156, 8.-6. Zeile von unten
(3) Siehe Langbein, Walter-Jörg: »Monstermauern, Mumien und Mysterien«, Band 4, Kapitel 8 »Mysteriöse Tempel an der Karibik-Küste«, 2. Auflage August 2019, Seiten 49-54
(4) 1. Buch Mose Kapitel 24, Verse 3 und 7.
(5) Jona Kapitel 1, Vers 9
(6) Esra Kapitel 1, Vers 2
(7) Nehemia Kapitel 1, Vers 5
(8) Nehemia Kapitel 2, Vers 4
(9) Ebenda, Vers 20
(10) 2. Chroniken Kapitel 36, Vers 23
(11) Daniel Kapitel 2, Verse 18 und 19
(12) Daniel Kapitel 2, Vers 37 und Vers 44

Zu den Fotos
Foto 1: Der Turm zu Babel (Pieter Bruegel der Ältere um 1563). Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Fotos 2 und 3: Tulum, Götter kommen vom Himmel herab. Fotos Archiv Walter-Jörg Langbein.
Fotos 4- 7: Tulum, Stadt der vom Himmel steigenden Götter. Fotos Walter-Jörg Langbein.

546. »Herr der Himmel und der Welten«,
Teil 546 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 05. Juli 2020


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Sonntag, 18. August 2019

500. »Hinter’m Horizont«


Teil 500 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Blick über den Horizont hinaus.

Dogmen sind unwissenschaftlich, denn Wissenschaft muss immer alles hinterfragen. Wirkliche Wissenschaft wird nie behaupten, für alle Ewigkeiten gültige Wahrheiten zu verkünden. Vielmehr ist der wirkliche Wissenschaftler dazu bereit, jede gestern eingenommene Position heute oder morgen aufzugeben. Und jeder ehrliche Wissenschaftler wird zugeben, dass unsere wissenschaftlichen Methoden nur Hilfskonstrukte sind, wenn es darum geht, die Wirklichkeit zu erfassen.

Wir neigen dazu, nur das als wirklich gelten zu lassen, was die Wissenschaft zu erklären vermag. Schnell wird das Nochnicht-Erklärbare für nicht existent gehalten. Und wer sich nicht vorschreiben lässt, was real sein darf und was nicht, der wird schnell als unwissenschaftlicher Scharlatan verlacht. Aber: Nur wer sich nicht an Glaubensdogmen in der Wissenschaft hält, der kann den wissenschaftlichen Horizont erkennen und erweitern. Mir kommen Wissenschaftsgläubige wie Anhänger der »Die Erde ist eine flache Scheibe«-Theorie vor. Sie haben einen engen Horizont, den sie mit Eifer ausbauen und festigen. Ihr Dogma lautet: Jenseits des Horizonts gibt es nichts, weil es da nichts geben darf.

Adolf Holl (*1930), vom Dienst suspendierter katholischer Priester, kritisiert heftig den religiösen Menschen: »Je religiöser ein Mensch, desto mehr glaubt er; je mehr er glaubt, desto weniger denkt er; je weniger er denkt, desto dümmer ist er; je dümmer er ist, desto leichter kann er beherrscht werden. Das gilt für Sektenmitglieder ebenso wie für die Anhänger der großen Weltreligionen mit gewalttätig intolerantem ›Wahrheits‹-Anspruch. Dagegen hilft, auf Dauer, nur Aufklärung.« In einer immer säkularer werdenden Welt wird diese Kritik begeistert geteilt. Vergessen und nicht beachtet wird dabei aber, dass an die Stelle von religiösen Dogmen vermeintlich wissenschaftliche Dogmen treten, die heute ebenso wenig angezweifelt werden dürfen wie früher die religiösen. Adolf Holls Kritik trifft auch auf Wissenschaftsgläubige zu.

In unserer säkularen Welt wird Greta Thunberg (*2003) nach und nach religiös verklärt. An diesem weltlichen Prozess einer alternativen Seligsprechung sind Vertreter der Kirche beteiligt. So verglich Berlins Bischof Heiner Koch (1) »die Bewegung der schwedischen Klimaschutz-Aktivistin Greta Thunberg mit der (von) Jesus Christus«. Da wundert es nicht, wenn Greta Thunberg die wundersame Gabe nachgesagt wird, C02-Moleküle mit bloßem Auge sehen zu können (2). Greta Thunbergs Mutter sagt ihrem Kind eine außergewöhnliche Fähigkeit nach, die eher zu einer Heiligen als zu einem gewöhnlichen Menschen passt (3): »Greta gehört zu den wenigen, die unsere Kohlendioxide mit bloßem Auge erkennen können. Sie sieht, wie die Treibhausgase aus unseren Schornsteinen strömen, mit dem Wind in den Himmel steigen und die Atmosphäre in eine gigantische unsichtbare Müllhalde verwandeln.« DER SPIEGEL (3): »Die Mutter der Klimaaktivistin hat ihr Leben und das ihrer Tochter aufgeschrieben - herausgekommen ist eine moderne Heiligenlegende.«

Foto 2: Unser Horizont, Darstellung 12. Jahrhundert

Oscar Wilde  (*1854; †1900) glaubte an den Fortschritt der Wissenschaft, die religiösen Aberglauben durch handfestes, beweisbares Wissen ersetzt: »Die Wissenschaft ist die Geschichte toter Religionen.« Leider besteht aber in unserer Zeit die Gefahr, dass Aberglaube stirbt, aber im Gewand der »Wissenschaft« wieder auflebt.Wenn es um brennende Fragen wie den Klimaschutz und die Lösung von akuten Fragen geht, dann ist Wissenschaft gefordert, nicht pseudoreligiöse Verklärung.

Justus Freiherr von Liebig (*1803; †1873) tastete sich an die vermeintlichen Grenzen von Wissenschaft heran: »Die Wissenschaft fängt eigentlich erst da an, interessant zu werden, wo sie aufhört.« Sir Arthur C. Clarke (*1917; †2008) wagte einen Blick über die Grenzen unseres heutigen Verständnisses von Wissenschaft hinaus (4):»Jede hinreichend fortgeschrittene Technologie ist von Magie nicht mehr zu unterscheiden.«

Unsere Erde ist keine flache Scheibe, sondern sie ist von kugeliger Gestalt. Der Horizont ist nur eine imaginäre Grenze, nicht das Ende. Denn hinter dem Horizont geht es weiter. Das gilt auch für unseren geistigen Horizont: Auch hinter dieser scheinbar feststehenden Grenze geht es auch weiter. So mancher Wissenschaftler aber vermittelt den falschen Eindruck als ende die Wirklichkeit an den Grenzen eines doch recht engen geistigen Horizonts. Ich darf noch einmal Arthur C. Clarke zitieren: »Wenn ein … Wissenschaftler sagt, etwas sei möglich, dann hat er ziemlich sicher recht, wenn er aber sagt, es sei unmöglich, dann liegt er höchstwahrscheinlich falsch.«

Foto 3: Der Horizont ...
Es stimmt, was Albert Einstein (*1875; †1965) gesagt hat: »Die Wissenschaft, richtig verstanden, heilt den Menschen von seinem Stolz; denn sie zeigt ihm seine Grenzen.«  Richtig verstandene Wissenschaft lässt uns erkennen, dass wir doch nur sehr wenig wirklich wissen. Richtig verstandene Wissenschaft macht uns ernüchternd klar, dass wir uns viel zu viel auf unser ach so großes Wissen einbilden. Thomas Carlyle (*1795; †1881): »Das wäre eine armselige Wissenschaft, die die große, tiefe, geheiligte Unendlichkeit des Nichtwissens vor uns verbergen wollte, über welcher alle Wissenschaft wie bloßer oberflächlicher Nebel schwimmt.«

Falsch verstandene Wissenschaft aber führt zur Einbildung, dass das, was wir verstehen, alles ist, dass es darüber hinaus nichts gibt, schon gar nicht Unverstandenes. Je fester man sich diesen Unsinn einreden lässt, desto schwieriger wird es, zu bahnbrechenden neuen Erkenntnissen zu kommen. Je größer die Angst vor kühn anmutenden Gedanken ist, desto rückständiger bleibt man.Alles Neue liegt hinter dem Horizont. Werner Heisenberg (*1901; †1976): »Wirkliches Neuland in einer Wissenschaft kann wohl nur gewonnen werden, wenn man an einer entscheidenden Stelle bereit ist, den Grund zu verlassen, auf dem die bisherige Wissenschaft ruht, und gewissermaßen ins Leere zu springen.«

Die Urformen des Lebens hausten in den Ozeanen. Gäbe es nicht den Drang, alle Grenzen zu überwinden wäre ein »Landlebewesen Mensch« niemals entstanden. Unsere Vorvorfahren lebten im Wasser. Sie atmeten mit Kiemen, nicht mit Lungen. Das ideale Ambiente dieser unserer Urururahnen war das Wasser. Und dennoch eroberten sie langsam das Land. Dabei mussten sie ein Paradies aufgeben, um in einer Hölle weiterzuleben. Statt wie schwerelos im Wasser zu schweben, musste sie sich schwerfällig an Land dahinschleppen. Hitze versengte ihnen die Haut, Kälte schlug beißende Wunden. Tödliche Gefahren lauerten, die es im Lebensraum Wasser nicht gab, Und doch wurde der Schritt vom gewohnten Lebensraum Meer an Land vollzogen.

Ohne diesen Drang der Expansion hätten sich älteste Lebensform nicht den neuen Gefahren des Landlebens ausgesetzt. Dann wären aber auch niemals Krebse, Vögel und Säugetiere entstanden. Dann wäre das Leben im Wasser geblieben. So strapaziös dieser Umzug auch war, er brachte nicht nur Nachteile. Eine vollkommen neue Welt tat sich für das Leben auf. Empfanden die tierischen »Pioniere«, die an Land krochen, so etwas wie Glück? Hatten sie die Freiheit der Entscheidung? Oder zwang sie das Gesetz der Expansion dazu, die neue Welt der Trockenheit zu erobern? So wie vor Hunderten von Millionen Jahren das Leben aus dem Meer an Land kam, so wird der Mensch Planet Erde verlassen und ins scheinbar unendliche »Meer« des Universums vordringen.

Die Erde ist unsere Wiege. Aber wer möchte schon im Babystadium ausharren? Wir Menschen werden nicht in der Wiege bleiben. Wir werden sie verlassen. Unsere Heimat steht nicht im Zentrum des Universums. Sie ist ein kleiner unbedeutender Planet eines unwichtigen Sonnensystems am »Rande« des Universums. Das Gebot der Expansion wird uns zwingen, so weit wie möglich in die Unendlichkeit vorzudringen. An Bord von riesigen Weltraumstädten kann das Leben von der Erde das All erkunden, auch wenn es Ewigkeiten dauert.Nicht nur wir Menschen folgen diesem Drang der Expansion. Mit anderen Worten: Raumfahrt ist eine natürliche Entwicklungsstufe des Lebens. Dr. Stuhlinger: »Werden die außerirdischen Menschen auch Raumfahrt betreiben? – Zweifellos, sobald sie in ihrer technischen Entwicklung genügend weit fortgeschritten sind.«

Foto 4: Der Horizont, in weiter Ferne und doch so nah!

Eines fernen Tages werden Nachkommen jener Menschen, die einst in riesigen Weltraumstädten die Erde verließen, fremde Planeten erreichen. Was werden sie tun? Das hängt von den Verhältnissen auf den fremden Welten ab. Vielleicht werden sie auf »toten Welten« die Voraussetzungen für Leben schaffen. Vielleicht werden sie primitives Leben kreieren. Vielleicht werden sie primitives Leben intelligent machen. Vielleicht werden sie als Schöpfergötter aus dem All in die Mythen und heiligen Bücher der fernen Welten eingehen. Ihre Geschöpfe werden sich als »Kinder der Götter« verstehen. Irgendwann werden die Götter, deren Urahnen von der Erde kamen, die Reise durchs All fortsetzen. Und irgendwann werden die »Kinder der Götter« ihren Heimatplaneten erforscht haben und den »Göttern« aus dem All ins Universum folgen wollen!

Fußnoten
1) https://www.welt.de/politik/deutschland/article191860105/Berliner-Bischof-Mich-erinnern-die-Freitagsdemos-an-die-biblische-Szene-vom-Einzug-Jesu.html (Stand 30. Mai 2019/ Himmelfahrt)
2) https://www.epochtimes.de/meinung/kommentar/sie-kann-die-co2-molekuele-sehen-greta-thunberg-als-helena-blavatsky-des-21-jahrhunderts-a2872626.html
(Stand 30. Mai 2019/ Himmelfahrt)
3) DER SPIEGEL 2019-05-11
4) Sir Arthur C. Clarke in »Profiles of the Future«, zitiert von Weber, Andreas in »Biokapital. Die Versöhnung von Ökonomie, Natur und Menschlichkeit«, Berlin 2008, Seite 57. Originalzitat: »Any sufficiently advanced technology is indistinguishable from magic.«,  »Profiles of the future: an inquiry into the limits of the possible«, revidierte Ausgabe 1973, Seite 36 

Zu den Fotos 
Foto 1: Blick über den Horizont hinaus. Foto: Archiv Walter-Jörg Langbein 
Foto 2: Unser Horizont, Darstellung 12. Jahrhundert, Foto wiki commons/ gemeinfrei
Foto 3: Der Horizont ... Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Der Horizont, in weiter Ferne und doch so nah! Foto Walter-Jörg Langbein

501. »Bücher voller Geheimnisse«
Teil 501 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 25. August 2019


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Sonntag, 17. April 2016

326 »Erich von Däniken zum 81.«

Teil 326 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: EvD beim Kartenstudium

Am 14. April 2016 feierte Erich von Däniken seinen 81. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch nachträglich! Ob EvD wirklich gefeiert hat? Oder recherchierte er  in Sachen »Astronautengötter« ? Gefragt ist der sympathische Schweizer wie eh und je, im In- und Ausland. Die Anfragen, Vorträge zu halten, häufen sich, türmen sich auf. Erich von Däniken hätte sich vor Jahrzehnten vielfach klonen lassen müssen, wollte er allen Einladungen gerecht werden. So ist er ständig unterwegs und steckt nach wie vor mit seinem unglaublichen Enthusiasmus an.

Wenn Erich von Däniken loslegt, per Beamer Fotos wie Filme auf Großleinwände werfen lässt, wenn er, stets frei sprechend und präzise formulierend fasziniert, dann kann sich kaum jemand seinem Charisma entziehen.

Fast 50 Jahre ist es her (es sind 48!), dass Erich von Däniken anno 1968 so etwas wie eine geistige Lawine losgetreten hat. Dabei wollte damals erst kein Verlag seine »Erinnerungen an die Zukunft« haben. Und EvDs erster Verlag legte erst recht zögerlich eine erste und bescheidene Auflage auf.  Doch dann wurde Dänikens Erstling zum Megabestseller – und das weltweit. »Zurück zu den Sternen«, »Aussaat und Kosmos« folgten, und weitere Bestseller.

Foto 2: EvD mit Tochter Cornelia
Däniken lieferte ein Indiz nach dem anderen, fügte Indiz nach Indiz zu einem großen Gesamt-Mosaik-Bild zusammen, das überzeugt. Dabei ist Erich von Däniken sich immer treu geblieben. Im Gegensatz zu seinen Gegnern, die oftmals in unverschämter, hässlicher Weise hetzen, bleibt EvD stets sachlich, freundlich und höflich. Geduldig antwortet er »Skeptikern«, die ihm gern unsinnige Behauptungen unterstellen, die freilich nirgendwo in seinen Büchern zu finden sind.

Im Verlauf der Jahrzehnte tauchten immer selbsternannte »Autoritäten« auf, die diesen Däniken endgültig widerlegen wollten. Sie verschwanden alle wieder in der Versenkung, EvD aber blieb und schrieb weiter.

Am 14. April wurde EvD 81. Ob er die erwartete Rückkehr der »Astronautengötter« noch erleben wird? Es ist ihm, es ist uns von Herzen zu wünschen! Warum? Wir erleben zu Beginn des dritten Jahrtausends nach Christus, dass religiöser Fanatismus immer gefährlicher wird. Wenn diverse Fanatiker lautstark verkünden, allein den einzig wahren Gott zu vertreten, dann droht Gefahr. Und zwar dann, wenn vermeintlich Ungläubige mit der Überzeugungskraft des Schwertes zum wahren Glauben geführt werden sollen.

Foto 3: Vor der Küste der Bretagne
Wer Religionskriege für überholte Zeiterscheinungen der Vergangenheit hält, irrt gewaltig. Was unterschwellig schwelt kann bald offen ausbrechen, zu einer Flamme, die nicht mehr zu löschen sein wird. Die Güter von Planet Erde sind ungerecht verteilt, weil es ungerecht zugeht auf unserem Planeten. Es sind da viele, die nichts haben und sehr wenige, die sehr viel besitzen. Und die Ärmsten der Armen, die mittellos sind, sind sehr empfänglich für radikale Fundamentalisten.

»Alles gehört Allah!«, schrie mich kürzlich ein grimmig dreinblickender Mensch vor einem großen Bahnhof in Norddeutschland an. »Und uns wahren Gläubigen stehen irdische Güter mehr zu als jedem Ungläubigen, denn Allah ist größer!«

Man stelle sich vor: Die »Astronautengötter« kehren zurück. Sie nehmen offiziell Kontakt auf mit der Menschheit und nicht nur mit diesem oder jenem Regierungsvertreter. Dank des Internets können die kosmischen Besucher global informieren.

Foto 4: EvDs »Erstling«
Man stelle sich vor: Auf einmal wird offenbar, was Erich von Däniken seit mehr als einem halben Jahrhundert postuliert. Auf einmal wird klar, dass es nicht auf der einen Seite einen einzigen »wahren« und auf der anderen Seite viele »falsche« Götter gibt. Auf einmal wissen alle, dass es einst Außerirdische waren, die als »Götter« missverstanden und verehrt wurden. In Mythen und Religionen leben die »Astronauten der Vorzeit« als Götter weiter.

Was geschieht, wenn sich zeigt, dass die Götter tatsächlich »nur« Astronauten waren? Was geschieht, wenn klar wird, dass es eben nicht einen angeblich wahren und ansonsten nur angeblich falsche »Götter« gibt? Was geschieht, wenn sich alle »Götter« als »falsch« erweisen, weil sie alle eben nicht göttlich, sondern nur simple Astronauten waren? Was geschieht, wenn die Autorität, die jede einzelne institutionalisierte Religion angeblich hat, auf einem einfachen, großen Missverständnis beruht? Und wenn sich ihre Autorität folglich in Nichts auflöst? Was geschieht, wenn gerade die Religionsführer, die sich besonders laut auf ihren eigenen Gott berufen, plötzlich jede Autorität verlieren!

Ich bin optimistisch. Ich bin davon überzeugt, dass dann keine Religion mehr als Motivation herhalten, die Anhänger anderer Religionen niederzumetzeln.

Foto 5: EvD und der Autor. Malta
Betroffen sind dann auch jene  Wissenschaftler, die bis dato Hinweise auf Götter, die von den Sternen
kamen, wegerklärt haben. Blamieren werden sich dann auch die Wissenschaftler, die Sternengötter zu Naturerscheinungen erklärten, oder zu frommem Wunschdenken ohne realen Hintergrund. Und die Besucher aus dem All, wie werden sie reagieren auf die Dummheit von uns Menschen? Ich hoffe mit einem nachsichtigen Lächeln!

Am 14. April wurde Erich von Däniken 81. Ist er alt? Albert Schweitzer: »Jugend ist nicht ein Lebensabschnitt, sie ist ein Geisteszustand, sie ist Schwung des Willens, Regsamkeit der Fantasie, Stärke der Gefühle, Sieg des Mutes über die Feigheit, Triumph der Abenteuerlust über die Trägheit. Niemand wird alt, weil er eine Anzahl Jahre hinter sich gebracht hat. Man wird nur alt, wenn man seinen Idealen Lebewohl sagt!«

Adolf  Holl formulierte: »Je religiöser ein Mensch, desto mehr glaubt er; je mehr er glaubt, desto weniger denkt er; je weniger er denkt, desto dümmer ist er; je dümmer er ist, desto leichter kann er beherrscht werden. Das gilt für Sektenmitglieder ebenso wie für die Anhänger der großen Weltreligionen mit gewalttätig intolerantem ›Wahrheits‹-Anspruch. Dagegen hilft, auf Dauer, nur Aufklärung.«

Erich von Däniken ist ein ewig »junger« radikaler Aufklärer im besten Sinne des Wortes!

Foto 6: EvD in einer unteridischen Stadt
Und Fjodor Michailowitsch Dostojewski schrieb: »Vieles auf Erden ist uns verborgen. Als Ersatz dafür wurde uns ein geheimnisvolles, heimliches Gefühl zuteil von unserer pulsierenden Verbindung mit einer anderen Welt, einer erhabenen und höheren Welt, und auch die Wurzeln unserer Gedanken und Gefühle sind nicht hier, sondern in anderen Welten.«

Erich von Däniken hat uns die Tür zu einer anderen, höchst realen Welt aufgestoßen. Er hat uns in die graue Vergangenheit zurück geführt und uns gleichzeitig das Tor zum Kosmos aufgestoßen. Der Mensch muss die Reise ins All antreten, das liegt in unseren Genen.

Seine Heiligkeit der Dalai Lama formulierte versöhnlich und provokativ: »Für mich stellen Liebe und Mitgefühl eine allgemeine, eine universelle Religion dar. Man braucht dafür keine Tempel und keine Kirche, ja nicht einmal unbedingt einen Glauben, wenn man einfach nur versucht, ein menschliches Wesen zu sein mit einem warmen Herzen und einem Lächeln, das genügt.«

Erich von Däniken schloss sein drittes Werk »Aussaat und Kosmos«, 1972 erschienen, mit den Worten: »Soll man Tempel sprengen, Kirchen schleifen? Nie und nimmer. Wo Menschen sich zusammenfinden und den Schöpfer preisen, empfinden sie eine wohltuende stärkende Gemeinsamkeit. Wie vom Ton einer Stimmgabel angerührt, schwingt gemeinsame Ahnung von etwas
Großartigem in Raum. Tempel und Kirchen sind Orte der Besinnung, Räume des gemeinsamen Lobes für das Undefinierbare, für ES, das wir behelfsweise Gott zu nennen gelernt haben. Diese Versammlungsstätten sind notwendig. Der Rest aber ist überflüssig.«


Foto 7: EvDs zweiter Weltbestseller
Zu den Fotos...

Foto 1: EvD beim Kartenstudium. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: EvD mit Tochter Cornelia. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 3: EvD unterwegs.... aufgenommen vor der Bretagne. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Erich von Dänikens Erstling. »Erinnerungen an die Zukunft«, das erfolgreichste Sachbuch der Welt aller Zeiten. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: EvD und Autor Langbein vor einem Tempel auf Malta
Foto 6: EvD und der Autor in einer unterirdischen Stadt, Derinkuju, Türkei, Foto Ilse Pollo
Foto 7: EvDs zweiter Weltbestseller

                                                                         

327 »Der Dolch der Götter«,
Teil 327 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 24.04.2016


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