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Sonntag, 28. Mai 2017

384 »Gibt es im Dom von Limburg die Darstellung eines UFOs? Teil 4«

»Moses, Aaron, Hesekiel und Daniels ›UFO‹«
Teil  384 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«

- In Memoriam Rolf Streblow † -

Foto 1: Das mysteriöse Gemälde. Foto Streblow

Roman Nickel hat sich durch geradezu detektivische Recherchen, die eines Sherlock Holmes würdig sind, in Sachen »Wurzel Jesse«-Gemälde im Dom zu Limburg verdient gemacht. Roman Nickel schreibt (1):

»Die vier Personen, die die Wurzel Jesse flankieren, sind zwar nicht durch Spruchbändern namentlich bekannt, doch durch die Bibelzitate und die bildliche Darstellung eindeutig zu identifizieren. Es handelt sich um einige der wichtigsten Personen des Alten Testaments. Es sind Propheten, die in direktem Kontakt mit Gott standen und daher eine besondere Verehrung verdienen. Die Zitate zielen eben darauf ab, denn sie sind immer Ausschnitte aus Erfahrungen zwischen dem Propheten und Gott: Gott spricht durch den brennenden Dornbusch zu Moses, Aarons Stab fängt als göttliches Zeichen an zu sprießen, Jesaja und Ezechiel haben Träume/ Visionen von göttlichen Botschaften. Sie können also als Wegbereiter und Ankündiger des Messias verstanden werden und lassen sich auch als solche in diesem Gemälde interpretieren.«

Foto 2: Moses (Limburg)

Beginnen wir mit dem ersten Bild (links oben): Das Zitat auf dem Spruchband lautet: »Rubo ardet et non comiretur Exod.3« 2. Buch Mose 3, 2: »Und der Engel des Herrn erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch. Und er sah, dass der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde.«

Kein Zweifel: Es geht hier um die mysteriöse Szene »Moses und der brennende Dornbusch«. Kurios: Zunächst spricht der »Engel des Herrn« aus dem Busch, dann der Herr selbst (2. Mose Kapitel 3, Verse 2-6): »Und der Engel des Herrn erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch. Und er sah, dass der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde. Da sprach er: Ich will hingehen und diese wundersame Erscheinung besehen, warum der Busch nicht verbrennt.

Als aber der Herr sah, dass er hinging, um zu sehen, rief Gott ihn aus dem Busch und sprach: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich. Er sprach: Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land! Und er sprach weiter: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Und Mose verhüllte sein Angesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen.«

Foto 3 Aaron (Limburg)

Wenden wir uns dem zweiten Bild links unten zu. Auf dem Spruchband steht: »Virga Aaron qua germinauit Numer 17« Numer bedeutet Numeri, also 4. Buch Mose. Ich zitiere Kapitel 17, Vers 23: »Am nächsten Morgen, als Mose in die Hütte des Zeugnisses ging, da grünte der Stab Aarons, der zum Hause Levi gehört, und die Blüte ging auf und trug Mandeln.«

Foto 4: Aaron, äthiopische Darstellung

Wir müssen den Textzusammenhang beachten. Das Volk der Israeliten befindet sich in der Sklaverei in Ägypten. Erst als Gott die »zehn Plagen« schickt, kann er den Pharao dazu bewegen, »sein Volk« ziehen zu lassen. Was dann folgt wurde in den letzten Jahrzehnten intensivst im Sinne der Präastronautik interpretiert. Das Riesenheer der Flüchtlinge – nach biblischem Bericht mindestens über eine Million Menschen – folgt der »Wolken- und Feuersäule« (2) – dem Flugvehikel der Astronautengötter (2)? Auch die »Speisung mit Manna« (3) ist längst in die Gedankenwelt der Präastronautik übernommen worden. Nach George Sassoon und Rodney Dale wurde Manna mit Hilfe einer Maschine der Astronautengötter produziert (4). Und schließlich folgt das aus präastronautischer Sicht faszinierendste Ereignis des Alten Testaments: Die Ankunft der Flüchtlinge am Berg Sinai (5) und die Landung des biblischen Gottes auf dem Berg Sinai (6):

Foto 5: Landete »Gott« mit so einem Vehikel auf dem Berg Sinai?

»Als nun der dritte Tag kam und es Morgen ward, da erhob sich ein Donnern und Blitzen und eine dichte Wolke auf dem Berge und der Ton einer sehr starken Posaune. Das ganze Volk aber, das im Lager war, erschrak. Und Mose führte das Volk aus dem Lager Gott entgegen, und es trat unten an den Berg. Der ganze Berg Sinai aber rauchte, weil der Herr auf den Berg herabfuhr im Feuer; und sein Rauch stieg auf wie der Rauch von einem Schmelzofen, und der ganze Berg bebte sehr.«

Ein Zaun muss errichtet werden, zu gefährlich ist es, wenn der Gott des Alten Testaments vom Himmel kommt. Moses begegnet schließlich dem vom Hinmel Herabgekommenen hoch oben auf dem Sinai und empfängt die göttlichen Gebote, die weit über die zehn bekannten hinausgehen und das Leben der Israeliten bis ins Kleinste regulieren (7). Wer nun meint, dass Moses als direkter Verbindungsmann zwischen dem himmlischen Allmächtigen und den Israeliten als absolute Autorität gilt, der irrt sich gewaltig. Noch als Moses die Befehle Gottes entgegennimmt, fällt das Volk vom Glauben ab und wendet sich einem Stiergott zu (8). Die Autorität von Mose und seines Stellvertreters wird angezweifelt. Durch ein »Wunder« bestimmt Gott die Leviten als Diener am Allerheiligsten. Moses wird vom Himmlischen selbst als die Autorität legitimiert, die Abtrünnigen werden von Gott selbst mit dem Tode bestraft (9): »Und Feuer fuhr aus von dem Herrn und fraß die zweihundertfünfzig Männer.«

Das Gemälde von Limburg zeigt im »flankierenden« Bildern links oben Moses im Gespräch mit Gott im brennenden Busch. Das Einzelbild links unten erinnert an das von Gott selbst veranlasste Wunder, das letztlich Moses und Aaron als die Anführer des Flüchtlingsheeres bestätigt. Wenden wir uns dem dritten Einzelbildnis rechts unten zu (Foto 6).

Foto 6: Heskiel

Das Schriftband bietet einen Text, der zunächst seltsam, ja unverständlich anmutet: »Porta haec clausa erit. Ezech 44«  Diese wenigen Worte nehmen Bezug auf Ezechiel Kapitel 44, Vers 2: »Und der Herr sprach zu mir: Dies Tor soll zugeschlossen bleiben und nicht aufgetan werden, und niemand soll dort hineingehen. Denn der Herr, der Gott Israels, ist dort eingezogen; darum soll es zugeschlossen bleiben.«

Auch hier müssen wir den Kontext kennen! Nach NASA-Ingenieur Josef Blumrich sah und beschrieb der biblische Prophet Heskiel vor rund 2500 Jahren  ein außerirdisches Raumschiff: »Die Hauptmerkmale des Raumschiffes zeigen uns einen Flugkörper von überraschend sinnvollem Aufbau. Wir erkennen in der auffälligen Form des Hauptkörpers die aerodynamischen und gewichtlichen Vorteile. Wir sehen, wie sehr sie für die Anbringung von Hubschraubern geeignet ist. All diese Eigenschaften fügen sich lückenlos und widerspruchsfrei an- und ineinander. Sie sind unverkennbare Anzeichen für eine sehr überlegte und gekonnte Planung und Entwicklungsarbeit.«

Fotos 7 und 8: Buchcover Blumrich und Baier

Hesekiel war keineswegs nur passiver Beobachter. Er wurde auch als Passagier mit an Bord genommen und erlebte Flüge im erdnahen Raum (14): »Und der Geist hob mich empor, und ich hörte hinter mir ein Getöse wie von einem großen Erdbeben, als sich die Herrlichkeit des Herrn erhob von diesem Ort.«

Nach seinem ersten Flug stand er unter Schock. Fast verschämt gibt er zu (15): »Und ich kam zurück zu den Weggefährten, die am Fluß Chebar wohnten, nach Tel-Abib und setzte mich zu denen, die dort wohnten, und blieb unter ihnen sieben Tage ganz verstört.«

Diese Reaktion ist nur zu verständlich. Selbst für einen heutigen Zeitgenossen wäre ein Flug im Raumschiff vom Typ Hesekiel ein überwältigendes Erlebnis. Für Hesekiel indes muss so ein Flug einem unvorstellbaren Mysterium geglichen haben. Er gewöhnte sich aber rasch an Flüge im Raumschiff. Sie wurden erstaunlich schnell zur Routine für ihn (16).

Foto 9: Hesekiels Raumschiff im »Tempel«

Im Jahre 573/572 vor Christus fand ein dritter Flug statt. Dieser Flug ist – für den heutigen Forscher – zweifelsohne der interessanteste. Hesekiel wurde nämlich in ein unbekanntes Land verfrachtet. Wo auch immer das Raumschiff landete –  im Tempelkomplex von Jerusalem war es jedenfalls nicht.Fakt ist: Hesekiel wusste nicht wo er war. Er schreibt von »einem sehr hohen Berg«, ohne einen Namen zu nennen. Er sah »etwas wie eine Stadt« (17), wieder ohne einen Namen zu nennen. Jerusalem war’s jedenfalls nicht, sonst hätte Hesekiel die Metropole seines Heimatlandes beim Namen genannt.

Nach den Ingenieuren Blumrich und Beier (Siehe Fotos 7 und 8!) handelte es sich beim »Tempel«, zu dem Hesekiel geflogen wurde, um eine technische Anlage, etwa auch zur Wartung der Flugvehikel. Das kurze Zitat auf dem Spruchband vom Gemälde im Dom zu Limburg – »Porta haec clausa erit. Ezech 44« – stammt just aus der Beschreibung dieser Anlage.

Foto 10: Mann mit UFO?
Wenden wir uns dem vierten und interessantesten Einzelbild rechts oben zu Siehe Foto 10!). Was sehen wir? Da ist ein Mann, der mit dem Finger in den Himmel zeigt. Und dort sehen wir, ja was? Ein UFO? Was verrät uns der Text des zugehörigen Schriftbands? Wir entziffern:

»Abscissus est lapis de monte sine mani«. Dieses Textbruchtsück finden wir im Buch des »kleinen Propheten« Daniel in der Vulgata gleich zwei Mal: »abscissus est lapis de monte sine manibus«.

Daniel 2, 34: »Das schautest du, bis ein Stein herunterkam, ohne Zutun von Menschenhänden; der traf das Bild an seinen Füßen, die von Eisen und Ton waren, und zermalmte sie.«

Daniel 2,45: »Ganz so wie du gesehen hast, dass sich von dem Berg ein Stein ohne Zutun von Menschenhänden losriss.«

Wieder gilt es, den Textzusammenhang zu beachten.  Nebukadnezar  (etwa 605-562 v. Chr.), König der Babylonier, beschäftigte an seinem Hof beamtete Magier. Sie hatten unterschiedliche Aufgaben, mussten zum Beispiel Träume deuten. Zwei prophetische Träume des Herrschers sind überliefert. In einem Traumgesicht (18) sah er ein metallisches Standbild. Sein Haupt war aus Gold gefertigt, seine Brust und seine Arme aus Silber, sein Bauch und seine Oberschenkel bestanden aus Kupfer, seine Beine aus Eisen und seine Füße aus Eisen und Ton. Und da kam »ein Stein ohne Zutun von Menschenhand vom Berg« herunter, die Statue wurde »zermalmt«. So habe Gott den König wissen lassen, »was dereinst geschehen wird. Der Traum ist zuverlässig und die Deutung ist richtig.« (19)

Foto 11: UFO oder Stein? (Limburg)

Was zeigt also das mysteriöse Gemälde im Limburger Dom? Ist das rund Etwas im Himmel ein UFO? Oder sehen wir einen Stein, der eine kostbare Statue zerstörte? Zunächst heißt es lediglich: »Das schautest du, bis ein Stein herunterkam, ohne Zutun von Menschenhänden.« Woher der Stein kam, wird nicht verraten. Man mag an einen Meteor denken. Dann aber heißt es: » … dass sich von dem Berg ein Stein ohne Zutun von Menschenhänden losriss.« Demnach rollte der zerstörerische Stein von einem Berg herab. Ist damit das Rätsel vom »UFO« gelöst? Oder doch nicht?  Das »Ding« scheint im Gemälde im Limburger Dom am Himmel zu stehen. Wie ein Stein, der von einem Berg rollt sieht es nicht aus.
    
Nebukadnezar ließ sich die Bedeutung der Traumvision von Daniel erklären. Demnach stand das »Haupt von Gold« für Nebukadnezars eigene Ära. Sein Reich werde aber von aufeinader folgenden, einander ablösenden Imperien abgelöst. In seinem zweiten Traum sah Nebukadnezar (20) einen gewaltigen Baum, der gefällt am Boden lag. Sein mächtiger Wurzelstock sollte für »sieben Zeiten« von einem »Band aus Eisen und Kupfer« umschlossen bleiben. Daniel sah in der Vision einen Hinweis auf den Geisteszustand des Königs. Sieben Jahre lang werde der Herrscher verwirrt sein, dann werde er Jahwe als Weltherrscher und obersten Gott anerkennen, seine getrübten Sinne würden wieder klar werden.

Foto 12: Daniel und - UFO oder Berg? (Ikone)

Der Prophet Daniel selbst hatte auch einen Traum, der im Zusammenhang mit den beiden Visionen Nebukadnezars gesehen werden muss (21). Vier Furcht einflößende Tiere entstiegen den Fluten des Meeres. Versinnbildlichten sie vier Regierungen, vier Reiche?
    
Die Interpretation der Träume ist umstritten. Es ist aber durchaus möglich, sie konkret in Zahlen auszudrücken. Nach »Einsichten über die Heilige Schrift« entsprach die Dauer des biblischen Jahres 360 Tagen. Nach dem Text der Offenbarung (22) wurden nämlich »dreieinhalb Zeiten« (oder »Jahre«) 1.260 Tagen gleichgesetzt. Sieben Zeiten (oder »Jahre«) entsprachen demnach nach dem Verständnis der Bibel 2.520 Tagen. Im 4. Buch Mose (23) findet sich nun ein seltsamer Hinweis, der zur Entschlüsselung des Nebukadnezar-Traums herangezogen werden kann: »Je ein Tag soll ein Jahr gelten.« Diese Gleichsetzung taucht ein weiteres Mal im Alten Testament auf – beim Propheten Hesekiel (24): »Denn ich gebe dir hier auch je einen Tag für ein Jahr.« Sollte das bedeuten, dass die 2.520 Tage 2.520 Jahre bedeuten?
     
Rechnet man nun vom vermutlichen Geburtsjahr Nebukadnezars, also dem Beginn der »goldenen Ära«, 2.520 Jahre weiter, so ergibt sich ein Jahr, das von großer historischer Bedeutung sein sollte: 1914. In diesem Jahr brach der Erste Weltkrieg aus. Sollte tatsächlich der prophetische Traum des babylonischen Imperators auf eben diesen Krieg der Nationen hinweisen?

Foto 13: Der Dom zu Limburg, etwa 1935

Fußnoten
1) Nickel, Roman: Manuskript ohne Titel, Archiv. Sabine Benecke vom  
     »Diözesanmuseums Limburg«, Abteilung »Kunst und Museen«,
     Limburg, hat mir dankenswerter Weise eine Kopie des Manuskripts zur
     Verfügung gestellt.
2) 2. Buch Mose Kapitel 13, Verse 17-22
3) 2. Buch Mose Kapitel 16
4) Sassoon, George und Dale, Rodney: »Die Manna –Maschine«, Rastatt 1980
5) 2. Buch Mose Kapitel 19
6) 2. Buch Mose Kapitel 19, Verse 16-18
7) 2. Buch Mose Kapitel 20 – 4. Buch Mose Kapitel 16
8) 2. Buch Mose Kapitel 32, Verse 1-34
9) 4. Buch Mose Kapitel 18 und 5. Buch Mose Kapitel 18, Verse 1-8
10) 4. Buch Mose Kapitel 16, Vers 35
11) Blumrich, Josef F.: »The Spaceships of Ezechiel«, New York, Februar 1974
12) Blumrich, Josef F.: »Da tat sich der Himmel auf/ Die Raumschiffe des
     Propheten Ezechiel und ihre Bestätigung durch modernste Technik«,
     Düsseldorf und Wien, März 1973

Foto 14: Der Dom zu Limburg heute.

13) Beier, Hans Herbert: »Kronzeuge Ezechiel/ Sein Bericht – sein Tempel –
     seine Raumschiffe«, München 1985
14) Hesekiel Kapitel 3, Verse 12 und 13
15) Hesekiel Kapitel 3, Vers 15
16) Hesekiel Kapitel 8, Verse 1 folgende und Kapitel 40, Verse 1 folgende
17) Hesekiel Kapitel 40, Vers 2
18) Daniel Kapitel 2, Verse 29-45
19) Daniel Kapitel 2, Vers 45
20) Daniel Kapitel 4, Verse 1-34
21) Daniel Kapitel 7, Vers  1 und Kapitel 3, Vers 19
22) Offenbarung Kapitel 12, Verse 6 und 14
23) 4. Buch Mose Kapitel 14, Vers 34
24) Hesekiel Kapitel 4, Vers 6

Foto 15: Der Dom zu Limburg, Briefmarke 1985

Zu den Fotos 
Foto 1: Das mysteriöse Gemälde. Foto Eva und Rolf Streblow
Foto 2: Moses. Foto Eva und Rolf Streblow
Foto 3: Aaron. Foto wikimedia commons crop SteveK crop Bennylin
Foto 4: Aaron, äthiopische Darstellung. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
(Kebra Negest)
Foto 5: Landete »Gott« mit so einem Vehikel auf dem Berg Sinai?
Rekonstruktion des »Hesekiel-Raumschiffs« nach Blumrich.
Foto Archiv Erich von Däniken
Foto 6: Heskiel. Foto wikimedia commons crop SteveK crop Bennylin
Fotos 7 und 8: Buchcover Blumrich und Beier. Foto Archiv Langbein
(Blumrichs Rekonstruktion des Raumschiffs und Beiers Rekonstruktion des
»Tempels« ergänzen und bestätigen einander perfekt!)
Foto 9: Hesekiels Raumschiff im »Tempel«. Archiv Erich von Däniken 
(Rekonstruktion nach Blumrich und Beier)
Foto 10: Mann mit UFO? Foto Eva und Rolf Streblow
Foto 11: UFO oder Stein? Foto Eva und Rolf Streblow
Foto 12: Daniel und - UFO oder Berg? Foto Archiv Langbein
Foto 13: Der Dom zu Limburg, etwa 1935. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 14: Der Dim zu Limburg heute. Foto Eva und Rolf Streblow
Foto 15: Der Dom zu Limburg, Briefmarke 1985. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein 
Foto 16: Ersttagsbrief vom 7.5.1985 mit »Dom-Marke«. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein 

Foto 16: Ersttagsbrief vom 7.5.1985 mit »Dom-Marke«

Ein Wort des Dankes
Eva und 
Rolf Streblow † 
machten mich auf das geheimnisvolle Gemälde im Dom zu Limburg aufmerksam und stellten mir Fotos zur Verfügung! 
Dafür möchte ich mich bei ihnen recht herzlich bedanken!


 385 »Die ›Augen der Wüste‹ - und eine ›neue‹ Erklärung«,
Teil  385 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein, erscheint am 04.06.2017



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Sonntag, 14. Mai 2017

382 »Gibt es im Dom von Limburg die Darstellung eines UFOs? Teil 2«,

»König David und der Heilige vom Gebirge Paran?«,
Teil  382 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien« 

- In Memoriam Rolf Streblow † -

Fotos 1 und 2: Jesse/ Isai und Co

Links neben dem Mann in Blau erkennen wir einen grün gekleideten Mann (Person 3). Es fällt uns leicht, ihn als David mit Harfe zu identifizieren. Im Spruchband lesen wir: »In sole posuit tabernaculum suum Ps.18« Ps.18 steht für Psalm 18. Suchen wir den Psalm 18 in der Vulgata auf, so finden wir als Vers 6: »In sole posuit tabernaculum suum ; et ipse tamquam sponsus procedens de thalamo suo.« Die aktuelle Luther-Bibel von 2017 übersetzt (1): »Er hat der Sonne ein Zelt am Himmel gemacht; sie geht heraus wie ein Bräutigam aus seiner Kammer.«

Fotos 3 und 4: König David am Dom zu Paderborn

Links von David mit seiner Harfe steht ein in Rot gekleideter Mann (Person 4) mit roter Mütze. Auch er verfügt über ein Schriftband, das sich vom Kopf nach unten schlängelt: »Stillabunt montes dulcedinem. Joel«. Hier fehlt ein Hinweis auf das Kapitel, aus dem das kurze Zitat stammt. Roman Nickel, dessen detektivischer Spürsinn nicht genug gelobt werden kann, hat’s gefunden (2): 

Die wenigen Worte sind aus dem Buch Joel entnommen, und zwar aus Kapitel 3, Vers 18. In der Vulgata lesen wir: »Et erit in die illa : stillabunt montes dulcedinem, et colles fluent lacte, et per omnes rivos Juda ibunt aquae ; et fons de domo Domini egredietur, et irrigabit torrentem spinarum.«

Foto 5: Blick in den Dom
In der Luther-Bibel von 2017 wie in allen anderen Bibelausgaben endet freilich Joel Kapitel 3 mit Vers 5. Die Übersetzung des zitierten lateinischen Verses findet sich in Kapitel 4, Vers 18: »Zur selben Zeit werden die Berge von Most triefen und die Hügel von Milch fließen, und alle Bäche in Juda werden voll Wasser sein. Und es wird eine Quelle ausgehen vom Hause des Herrn, die wird das Tal Schittim bewässern.«

Am Ende von Joel Kapitel 4, Vers 18 lesen wir im hebräischen Urtext: »nachal haschittim«.  Die Bedeutung ist unklar. Es ist von einem »Tal Schittim« die Rede. Schittim deutet, wie die »Gute Nachricht«-Bibel mutmaßt (3), auf Akazien hin, die in Steppe und Wüste wachsen. Das freilich ist spekulativ. Und so lesen wir in der »Gute Nachricht«-Bibel, dass die Quelle aus dem Haus des Herrn »auch noch das trockenste Tal bewässert«. Auch die lateinische Vulgata weiß nicht wirklich, was genau der hebräische Text meint und übersetzt interpretierend: »… et irrigabit torrentem spinarum.« Zu Deutsch: »Und wird bewässern das Tal der Dornen.«

Es ist stets interessant, Veränderungen von Texten vom Hebräischen ins Lateinische der Vulgata und schließlich ins Deutsche zu verfolgen. Dabei fällt auf, dass was wir für eine Übersetzung halten schon Interpretation ist. So wird immer wieder versucht, vage geographische Angaben zu konkretisieren. Im hebräischen Text von Joel findet sich kein konkreter Hinweis auf die Lokalisation des Tales.

Foto 6: Wer steht denn da?

Wir gehen ein Stück weiter nach links. Da wendet uns ein Mann seinen Rücken zu (Person 5). Er trägt gelbe Kleidung, dazu eine gelbe Mütze. Ein Spruchband scheint seinem Mund zu entweichen: »Femina circumdabit virum.« Wieder bietet das Spruchband keinen Hinweis auf die präzise Bibelstelle. Sie ist per Computer leicht ausfindig zu machen. Man suche sich eine Onlineausgabe der Vulgata im Internet, gebe die drei lateinischen Worte in die Suchmaschine ein, schon stößt man auf Jesaja Kapitel 31, Vers 22: »Usquequo deliciis dissolveris, filia vaga ? Quia creavit Dominus novum super terram: femina circumdabit virum.«

Anno 2017 übersetzt die aktuellste Lutherausgabe: »Wie lang willst du in der Irre gehen, du abtrünnige Tochter? Denn der Herr wird ein Neues im Lande schaffen: Die Frau wird den Mann umgeben.« Rätselhaft ist der Worte Sinn. Angesprochen wird als »Abtrünnige« das Volk Israel. Jahwe, der Herr, wird sein Volk zurückführen. »Hoffnung für alle« versucht zu verdeutlichen:

»Wie lange willst du noch umherirren, mein Volk, das mir die Treue gebrochen hat? Wenn du wieder in deinem Land bist, lasse ich etwas ganz Neues geschehen: Du wirst bei mir bleiben wie eine Frau bei ihrem Mann.«

Foto 7: »Egressus es in salutem populi tui. Hab.«

Gehen wir einen Schritt weiter nach links. Von einer im Hintergrund stehenden Person (Person 6) sehen wir nur den Kopf. Auch diesem Mann, er ist in Graublau gehüllt, ist ein Schriftband zugeordnet: »Egressus es in salutem populi tui. Hab.« Hab. verweist auf den Urheber des Zitats, auf Habakuk. Aber auch ohne diese Angabe werden wir via Suchmaschine rasch in der Vulgata fündig. Das Kurzzitat stammt aus Habakuk Kapitel 3, Vers 13. Die aktuelle Luther-Übersetzung von 2017 gibt diese Worte wieder als: »Du ziehst aus, deinem Volk zu helfen.«

Übersetzungen alter Texte – ob aus dem alten Indien, dem Reich der Sumerer oder der Bibel – erfordern immer der Interpretation. Können wir uns gedanklich in die Zeit versetzen, als vor langer Zeit mysteriöse Texte entstanden? Wie sah die Welt des Alten Testaments aus? Eine heute nicht nur in Kreisen der Prä-Astronautik weit verbreitete Interpretation sieht in Gott Jahwe einen Außerirdischen.

Spekulieren wir: Jahwe war ein Außerirdischer, der das Volk Israel warum auch immer auserwählt hat. Von dieser Spekulation ausgehend, entdecken wir bei der Lektüre der Bibel immer wieder Textstellen, die nun in ganz anderem Licht erscheinen. Wenn es also bei Habakuk heißt »Du ziehst aus, deinem Volk zu helfen.«, ist dann ein Außerirdischer gemeint?

Behalten wir die Vorstellung vom Jahwe-Nauten im Kopf und durchforsten wir HabakukKapitel 3 in der aktuellen Luther-Version von 2017: »Gott kommt von Teman und der Heilige vom Gebirge Paran. Seine Hoheit bedeckt den Himmel. Sein Glanz ist wie Licht; Strahlen gehen aus von seinen Händen. Darin ist verborgen seine Macht. Er steht auf und lässt erbeben die Erde; er schaut und lässt erzittern die Völker. Zerschmettert werden die uralten Berge, und bücken müssen sich die uralten Hügel. Das sind von jeher seine Wege. Die Berge sehen dich und beben. Du ziehst aus, deinem Volk zu helfen. Du zerschlägst das Dach vom Hause des Gottlosen und entblößt die Grundfeste bis auf den Fels.«

Wenn Gott von Teman her kam, wer ist dann der Heilige vom Gebirge Paran?

Foto 8:»Quia ecce Dominus«
Wenden wir uns nun noch dem ganz links außen stehenden Mann (Person 7) zu. Sein Schriftband strebt von seinem bemützten Kopf nach oben: »Quia ecce Dominus egredietur de loco suo Mich. 3« Mich steht für Micha. Die 3 könnte auf Kapitel 3 deuten, die zitierten Worte finden sich da freilich nicht. Die Suchmaschine bringt uns wie ein Bibelnavi an die richtige Stelle: Micha Kapitel 1, Vers 3: »Quia ecce Dominus egredietur de loco suo, et descendet, et calcabit super excelsa terrae.«

Die aktuelle Luther-Bibel von 2017 übersetzt, und ich füge auch noch Vers 4 an: »Denn siehe, der Herr geht aus von seiner Stätte und fährt herab und tritt auf die Höhen der Erde, dass die Berge unter ihm schmelzen und die Täler sich spalten, gleichwie Wachs vor dem Feuer zerschmilzt, wie die Wasser, die talwärts stürzen.«  Haben wir es da wieder mit einem Jahwe-Nauten zu tun, der von seinem Raumschiff, »von seiner Stätte«, herab fährt auf die »Höhen der Erde«, der mit seinem Vehikel beträchtliche Schäden anrichten kann?

Übrigens: Man muss nicht der lateinischen Sprache mächtig sein, um die Vulgata mit heutigen Bibelübersetzungen vergleichen zu können! Bereits anno 1851 erschien »Die heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments aus der Vulgata mit Bezug auf den Grundtext neu übersetzt und mit kurzen Anmerkungen«. 

Mir liegt ein Nachdruck dieser immens wichtigen Bibelausgabe aus dem Jahr 1963 vor. Nach wie vor findet sich die eine oder andere Ausgabe der aus dem Lateinischen von Dr. Joseph Franz von Allioli ins Deutsche rückübersetzen Vulgata aus dem frühen 19. Jahrhundert, teils in sechs Bänden, teils in zwei Bänden. Man muss aber mehrere Hundert Euro anlegen für dieses »Schätzchen«.

Für 2018 ist eine zweisprachige »Vulgata« – in Latein und Deutsch – geplant. Es heißt, diese wichtige Ausgabe wird im Verlagshaus De Gruyter, Berlin »voraussichtlich im Jahr 2018« in der »Tusculum Reihe« erscheinen. Als Herausgeber vorgesehen ist Prof. Dr. Michael Fieger, »Ordentlicher Professor für Alttestamentliche Wissenschaften «an der Theologischen Hochschule Chur.

Foto 9: Martin Buber
Wer das »Alte Testament« im Original lesen möchte, muss das biblische Althebräisch beherrschen. Dem Original sehr nah kommt die »Verdeutschung« von Martin Buber und Franz Rosenzweig. Martin Buber (1925-1978) war ein weltweit geachteter österreichisch-israelischer jüdischer Religionsphilosoph. Intensiv wie kein anderer Gelehrter setzte er sich mit den Schriften des »Tenach«, in unseren Gefilden als »Altes Testament« bekannt, auseinander. Der Gelehrte war zeitlebens bemüht, die altehrwürdigen Texte so ins Deutsche zu übertragen, dass möglichst alle sprachlichen Besonderheiten erhalten blieben. Wie Buber in einem Interview erklärte, ging es ihm dabei nicht um die Untermauerung einer Lehre oder Theologie. Vielmehr wollte er, sinnbildlich gesprochen, ein Fenster zur Welt des »Tenach« aufstoßen.

Als der Verleger Lambert Schneider an Buber mit dem Vorschlag, einer textnahen Übertragung des »Alten Testaments« aus dem Hebräischen ins Deutsche zu übertragen, herantrat, da sagte der Gelehrte schnell zu und begann zusammen mit dem Philosophen Gtanz Rosenzweig (*1886 †1929) mit der Übersetzung  des Tanach, ins Deutsche. Die Bände erschienen zunächst Band für Band im Verlag von Lambert Schneider.  Nach Rosenzweigs Tod im Jahr 1929 führte Buber die wichtige Arbeit allein fort. 

Zwar ist die »Verdeutschung« von Buber und Rosenzweig im Lauf der Jahrzehnte immer wieder aufgelegt worden, sie ist aber heute nur antiquarisch erhältlich.

Foto 10: Johannes Piscator
Johannes Piscator (* 27. März 1546 in Straßburg; † 26. Juli 1625 in Herborn), ein elsässischer reformierter Theologe und Bibelübersetzer, übertrug 1602 bis 1604 die Texte des Alten und des Neuen Testaments aus den Originalsprachen Hebräisch und Griechisch ins Deutsche. Dabei hielt er sich sehr viel strikter als Martin Luther an die Vorlagen. Eine Neuauflage der »Piscator Bibel« zu einem erschwinglichen Preis ist überfällig. Für 2016 war eine eBook-Version der kompletten »Piscator Bibel« angekündigt. Noch ist das wichtige Werk aber nicht erschienen. Erhältlich sind Altes Testament, Neues Testament und Apokryphe Schriften in der Übersetzung von Piscator als Faksimile Druck in mehreren Bänden schon heute. Der Preis mag angemessen sein, liegt aber mit insgesamt über 1.000 Euro recht hoch. Mit etwas Glück findet man in Antiquariaten »Piscator-Bibeln« aus dem 18. und 17. Jahrhundert zu ähnlichen, manchmal gar günstigeren Preisen.

Angemerkt werden muss, dass das Piscator-Deutsch – 1602-1604! –für uns heute alles andere als leicht verständlich ist. Wünschenswert wäre, so wie wir das von Luthers Bibel kennen, eine Neuauflage in modernisierter Sprache. Dazu wird es aber wohl leider aus finanziellen Gründen nicht kommen.

Ein Wort des Dankes
Eva und  
Rolf Streblow † 
machten mich auf das geheimnisvolle Gemälde im Dom zu Limburg aufmerksam und stellten mir Fotos zur Verfügung! 
Dafür möchte ich mich bei ihnen recht herzlich bedanken!

Fußnoten

1) Kapitel- und Verseinteilung stimmen bei unseren gängigen
     Bibelübersetzungen nicht immer mit der Vulgata überein. Im vorliegenden
     Fall entspricht dem Psalm 18, Vers 6 in der Luther-Übersetzung Psalm 19,
     Verse 5 und 6.
2) Nickel, Roman: Manuskript ohne Titel, Archiv. Sabine Benecke vom  
     »Diözesanmuseums Limburg«, Abteilung »Kunst und Museen«,
     Limburg, hat mir dankenswerter Weise eine Kopie des Manuskripts zur
     Verfügung gestellt.
3) Siehe hierzu »Gute Nachricht Bibel«, Online-Ausgabe, Fußnote zu Joel   
    Kapitel 4, Vers 18. Eine schöne, hilfreiche Ausgabe ist die der »Deutschen
    Bibelgesellschaft«, Stuttgart, 3. Auflage, 1. März 2015
4) Allioli, Dr. Joseph Franz von (Übersetzer): »Die Heilige Schrift des Alten
    und Neuen Testaments/ Aus der Vulgata mit Bezug auf den Grundtext«, Wien,
    Britische und Ausländische Bibelgesellschaft, 1963
5) »Die Schrift. Aus dem Hebräischen verdeutscht von Martin Buber
     gemeinsam mit Franz Rosenzweig«, 4 Bände, 2688 Seiten, Deutsche
     Bibelgesellschaft, 1. Auflage, 1992
»Die Schrift. Verdeutscht von Martin Buber gemeinsam mit Franz
     Rosenzweig«,  mit Bildern von Marc Chagall , 1176 Seiten, GVH
     Wissenschaft & Gemeindepraxis, 1. Auflage Oktober 2007

Foto 11: Der Dom zu Limburg

Zu den Fotos

Fotos 1 und 2: Jesse/ Isai und Co.
Fotos 3 und 4: König David am Dom zu Paderborn. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Blick in den Dom zu Limburg. Foto: wiki commons/ Mylius talk/ contribs
Foto 6: Wer steht denn da? Fotoausschnitt/ wikimedia commons/ crop SteveK crop Bennylin
Foto 7: »Egressus es in salutem populi tui. Hab.«
Fotoausschnitt/ wikimedia commons/ crop SteveK crop Bennylin
Foto 8: »Quia ecce Dominus«.
Fotoausschnitt/ wikimedia commons/ crop SteveK crop Bennylin
Foto 9: Martin Buber. Foto wiki commons/ public domain/ gemeinfrei 
Foto 10: Johannes Piscator. Foto wiki commons/ public domain/ gemeinfrei 
Foto 11: Der Dom zu Limburg. Foto wikki commons/ iki/ Phantom3Pix


383 » Gibt es im Dom von Limburg die Darstellung eines UFOs? Teil 3«,
»Heilige Frauen und Könige«,
Teil  383 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein, erscheint am 21.05.2017


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Sonntag, 7. Mai 2017

381 »Gibt es im Dom von Limburg die Darstellung eines UFOs? Teil 1«

Teil  381 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                        
von Walter-Jörg Langbein


Ein mysteriöses Gemälde im Dom

- in Memoriam Rolf Streblow † -

Foto 1: Der Dom etwa 1918
Denkt man an Limburg, so kommt einem auch heute noch der Name Tebartz-van Elst in den Sinn. Franz-Peter Tebartz-van Elst, am 20. November 1959 als zweites von fünf Kindern einer Landwirtsfamilie geboren, wurde am 28. November 2007 von Papst Benedikt XVI. zum neuen Bischof zu Limburg ernannt. Im Herbst 2013 wurde er wegen extrem gestiegener Baukosten für das »Diözesane Zentrum Sankt Nikolaus« vor Ort im Bistum, aber auch bundesweit attackiert. Schon am 23. Oktober 2013 wurde der einst jüngste Bischof in Deutschland vom Papst von seinen Pflichten entbunden. Die Deutsche Bischofskonferenz kam bis März 2014 zum Schluss, dass van Elst für die Kostenexplosion des umstrittenen Bauvorhabens auf über 30 Millionen Euro mitverantwortlich sei. Am 26. März 2014 akzeptierte Papst Franziskus van Elsts Rücktritt vom Bischofsamt. Seit Dezember 2014 ist van Elst als »Apostolischer Delegat im Päpstlichen Rat« tätig.

Am 27. Juli 1964 kam ein 1000-DM-Schein in Umlauf. Die Rückseite zierte eine Darstellung des Doms zu Limburg. Auf der Vorderseite zeigte er ein Männerporträt nach einem Gemälde von Lucas Cranach d.Ä., das entweder den Magdeburger Domherrn Johannes Scheyring oder den Mathematiker und Astronom Johannes Schöner darstellt. Die Sehnsucht nach Rückkehr zur »guten alten DM« wächst. Sollte es je zur Wiedereinführung der DM kommen, könnte man den 1000-DM-Schein neu gestalten und den einstigen Bischof von Limburg van Elst ehren.

Foto 2: Der Dom auf dem 1000-DM-Schein

Reisen wir gemeinsam in die Vergangenheit. Am Ende unserer Exkursion wird die Frage stehen: Gibt es im Dom von Limburg die Darstellung eines UFOs?

Der Weg wird streckenweise ein wenig steinig werden, sprich nicht ohne das Latein der Vulgata-Bibel auskommen.

Im frühen 9. Jahrhundert soll Erzbischof Hetti von Trier (814-847) in Lympurgensis, also Limburg, eine Georgskirche geweiht haben. Die Existenz dieses Gotteshauses freilich ist umstritten, wird doch der Akt der Weihe im 16. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. Reste eines Vorgängerbaus – wie Mauerwerk – jedenfalls wurden bei Ausgrabungen nicht gefunden. Allerdings lassen sich unter der heutigen Kirche Bestattungen nachweisen, die auf das 9. Jahrhundert datiert werden. Archäologen entdeckten sie unter dem Dom zu Limburg im Umfeld der Michaeliskapelle.

Fotos 3 und 4: Mann mit Bart oder Bischof?
Das kleine sakrale Bauwerk wurde etwa 1260 errichtet, also einige Jahrzehnte nach Vollendung des Doms. 1359 wurde die Michaelis Kapelle als »Beinhaus« bezeichnet, 1366 als »neue Kapelle über dem Beinhaus«.

Noch im 19. Jahrhundert diente sie als »Beinhaus«. Anno 1857 stellte man das Obergeschoss der Kapelle dem Totengräber als Wohnung zur Verfügung.

Zurück zum Dom, zurück ins 10. Jahrhundert: Am 10. Februar 910 stellte König Ludwig das Kind, anno 900 als Sechsjähriger in Forchheim zum König des Ostrfrankenreiches gekrönt, eine Schenkungsurkunde aus. Alsbald wurde mit dem Bau einer Stiftskirche begonnen. Anno 940 war das dreischiffige Gotteshaus vollendet.

Unklar ist, warum der altehrwürdige Bau durch den heutigen Dom ersetzt wurde. Es liegen auch keine Dokumente vor, denen das Jahr, geschweige denn der Tag der Grundsteinlegung entnommen werden könnte. Nach wissenschaftlicher Einschätzung wurde Ende des 12. Jahrhunderts mit dem Bau begonnen. Als gesichert gilt das Jahr der Kirchweihe durch den Trierer Erzbischof Theoderich von Wied. Kirchenpatrone waren, auch daran gibt es keinen Zweifel, der legendäre Drachentöter St. Georg und Nikolaus von Myra.

Foto 5: Der Dom um 1899
Leider wurde bei der »Restaurierung« des Doms anno 1872 und 1873 der bis dahin erhaltene Außenputz der Originalbemalung entfernt. 1968 bis 1972 versuchte man den Außenputz zu rekonstruieren. Spärliche Reste der Außenfarbfassung dienten als Orientierungshilfe.

Der Dom zu Limburg thront wie ein verwunschenes Schloss oder eine wehrhafte Ritterburg, eine echte Veste, über der Altstadt von Limburg. Kenner preisen das monumentale Bauwerk auf dem Kalkfelsen als eines der schönsten Beispiele spätromanischer Baukunst mit Elementen der frühen Gotik (1).

Betreten wir nun den Georgsdom zu Limburg durch den Haupteingang. Zielstrebig durchschreiten wir das Gotteshaus Richtung Altar und wenden uns der Westwand des Nordquerhauses zu. Wir stehen vor einem beeindruckenden Gemälde, das uns so viel erzählen kann, das aber auch Geheimnisvolles zu bieten hat. Zeigt es vielleicht gar –  im Dom zu Limburg! –  die Darstellung eines »UFOs«?

Nach Willy Wyres (2) wurde es im 17. Jahrhundert restauriert, womöglich von »Übermalungen« befreit. Finanziert haben die Wiederherstellung des Gemäldes Johann Zanger und Anna Kalchoffen anlässlich der Hochzeit von Anna Maria Kalchhoffen, Nichte von Johann Zanger. Am 5. Mai 1638 wurde das fromme Werk vollendet, wie es eine Inschrift in lateinischer Sprache verrät (4).

Foto 6: Der Dom, etwa 1917
Konzentrieren wir uns auf die komplexe und durchaus mysteriöse Malerei. Das »Wurzel-Jesse-Fenster« aus der Zeit um 1226/30 verdient gründliche Beachtung und Recherche (3). Was stellt die durch die zahlreichen Personen fast etwas verwirrende Malerei an der Wand im Gotteshaus dar? Roman Nickel hat sich im Auftrag des Diözesanmuseums Limburg intensiv mit dem gehaltvollen Gemälde beschäftigt und mit geradezu detektivischem Spürsinn manche Frage beantworten können.

Er schreibt (4):

»Die Wurzel Jesse ist eine weitverbreitete Darstellung des Stammbaumes Jesu, angefangen bei Jesse, dem Vater von König David. Besonders im Mittelalter wurde dieses Symbol verwendet, um die familiäre Beziehung von Jesus zu dem Hause Davids darzustellen. Es dient in erster Linie dazu, die alttestamentarischen Prophezeiungen um den Messias in Jesus von Nazaret erfüllt zu sehen. Die Vorstellung der Wurzel Jesse schlägt sich aber nicht nur in bildlicher Kunst nieder, sondern auch musikalisch. Das berühmte Weihnachtslied aus dem 16. Jahrhundert ›Es ist ein Ros‘ entsprungen aus einer Wurzel zart, wie uns die Alten sungen, von Jesse kam die Art.‹ Das Bild zeigt die wichtigsten und bedeutendsten Vertreter aus dem Hause Davids, allerdings nur in männlicher Erblinie.«

Im Zentrum des Gemäldes rankt sich der sprichwörtliche »Stammbaum«, von Jesse (sitzend) nach oben. Bevor wir uns an eine Interpretation des Gemäldes »Stammbaum Jesu« wagen, wollen wir überlegen, für wen denn das komplexe Bildnis gedacht war. Gewöhnlich gelten des Lesens Unkundige als die Adressaten von bildhaften Darstellungen in Gotteshäusern. Und in der Tat schmückten einst herrliche Wandmalereien viele Kapellen und Kirchen. So erzählten Wandmalereien in der Wehrkirche von Urschalling am Chiemsee (5) zum Beispiel vom Verrat Jesu durch Judas, von Jesu Kreuzigung und von seiner Himmelfahrt. Diese lang unter Putz verborgenen Kunstwerke kamen ohne Worte aus. In zahlreichen Kirchen schlummern noch heute Wandmalereien seit Jahrhunderten unter unansehnlichem Putz. Es fehlen freilich die finanziellen Mittel, um sie freizulegen.

Foto 7: Der Dom, etwa 1935

Das Bildnis »Wurzel Jesse« wendet sich an Menschen, die nicht nur des Lesens kundig, sondern die auch des Lateinischen mächtig waren. Diverse »Spruchbänder« in lateinischer Sprache erklären, was – genauer gesagt wer –  im Bild dargestellt wird. Jesse alias Isai (Person 1).  sitzt zentral unter dem »Stamm-Baum«. Die Personen rechts und links von Jesse sind nicht als historische oder biblische Personen gekennzeichnet. Links neben Jesse machen wir eine Person in Blau aus (Person 2). Auf dem vom Kopf der unbekannten Person nach oben angebrachten Schriftband entziffern wir die Worte: »Egredietur virga de radice Jesse. Is:11«.

Foto 8: »Wurzel Jesse«. Foto E. und R. Streblow

Im 4. Jahrhundert gab es offenbar bereits Übersetzungen der ursprünglich in griechischer Sprache verfassten Evangelien und anderer Texte des »Neuen Testaments« ins Lateinische. Im Jahre 382 nahm sich Hieronymus, enger Vertrauter des Papstes Damasus I., diese lateinischen Texte vor und überarbeitete sie. Dabei korrigierte er nicht in erster Linie sprachliche Fehler, sondern er zensierte. Auch die anderen Schriften des »Neuen Testaments« knöpfte sich Hieronymus vor und bearbeitete sie ebenfalls, offenbar weniger stark als die vier Evangelien. Im Jahre 384 verstarb Papst Damasus I., Hieronymus setzte seine begonnene Arbeit fort.

Die ursprünglich in hebräischer Sprache verfassten Bücher des »Alten Testaments« standen dem frommen Kirchenmann in altgriechischer Sprache zur Verfügung.

Nebenbei: Luthers Hebräischkenntnisse waren wohl recht bescheiden. Es ist anzunehmen, dass er die Texte des Alten Testaments aus dem Altgriechischen und/ oder Lateinischen ins Deutsche übersetzte.

Hieronymus übertrug den Psalter, Buch Hiob, Sprichwörter, Hohelied und die beiden Bücher der Chronik ins Lateinische. Schließlich wurde das Werk vollendet, so dass eine komplette Fassung von beiden Teilen der Bibel in lateinischer Sprache vorlag. Die lateinische Bibel – heute als »Vulgata« bekannt –  mag vom Erschaffer des Gemäldes »Wurzel Jesse« als Vorlage für die Schriftbänder gedient haben.

Fotos 9 und 10: Jesse und Co

Kehren wir zur Person in Blau (Person 2) zurück. Auf ihrem Sprachband steht »Egredietur virga de radice Jesse. Is:11«. Wir schlagen in der »Vulgata« nach und werden rasch fündig. Gleich Vers 1 von Kapitel 11 im »Buch Jesaja« lautet (6): »Et egredietur virga de radice Jesse, et flos de radice ejus ascendet.« Ein Teil dieses Verses findet sich – korrekt zitiert – im Schriftband wieder. Die Luther-Bibel – Ausgabe 2017 –  übersetzt wie folgt: »Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen.«

Dieser Bibelvers ist heute die wohl bekannteste Prophezeiung des Alten Testaments überhaupt. Keine zweite wird so häufig in Gottesdiensten unserer Tage zitiert. Sie wird dahingehend verstanden, dass der ersehnte Messias ein Nachkomme des Isai alias Jesse sein würde. Isai alias Jesse alias – hebräisch – Jischaj (zu Deutsch »Geschenk Gottes«) war der Vater von König David. Die Voraussetzung für das Messias-Amt schlechthin war, von David abzustammen.

Ob Jesus tatsächlich ein Nachkomme Davids war, mag dahingestellt bleiben. Vielleicht wurde ihm sein »Stammbaum« nur angedichtet.

Fußnoten
1) Metternich, Wolfgang: »Der Dom zu Limburg an der Lahn«, Darmstadt 1994
2) Weyres, Willy: »Der Georgsdom zu Limburg. Festschrift zur 
     Siebenhundertjahrfeier«, Limburg 1935, Seite 72
3) Grodecki, Louis: »Romanische Glasmalerei«, o.O., 1977, Abb. 195, 196.
4) Nickel, Roman: Manuskript ohne Titel, Archiv. Sabine Benecke vom 
     »Diözesanmuseums Limburg«, Abteilung »Kunst und Museen«,
     Limburg, hat mir dankenswerter Weise eine Kopie des Manuskripts zur
     Verfügung gestellt.
5) Siehe hierzu:
Aß, Karl J. et al: »Die Kirchen der Pfarrei Prien«, Schnell Kunstführer 49, 4.
     Auflage, Regensburg 1998.
von Bibra, Maria Feiin: »Wandmalereien in Oberbayern 1320–1570«,
     erschienen in »Miscellanea Bavarica Monacensia 25«, München 1970.
6) Vulgata

 
Foto 11: Das mysteriöse Gemälde

Ein Wort des Dankes
Eva und 
Rolf Streblow †
machten mich auf das geheimnisvolle Gemälde im Dom zu Limburg aufmerksam und stellten mir Fotos zur Verfügung! Dafür möchte ich mich bei ihnen recht herzlich bedanken!

Zu den Fotos 
Foto 1: Der Dom etwa 1918. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Der Dom auf dem 1000-DM-Schein. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Fotos 3 und 4: Mann mit Bart oder Bischof? Fotos Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Der Dom um 1899. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Der Dom, etwa 1917. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Der Dom, etwa 1935. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 8: »Wurzel Jesse«. Foto Eva und Rolf Streblow
Fotos 9 und 10: Jesse und Co. Fotos wikimedia commons crop SteveK crop Bennylin
Foto 11: Das mysteriöse Gemälde. Foto Eva und Rolf Streblow

382 » Gibt es im Dom von Limburg die Darstellung eines UFOs? Teil 2«,
»König David und der Heilige vom Gebirge Paran?«,
Teil  382 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein, erscheint am 14.05.2017



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Sonntag, 10. August 2014

238 »Das Pferd mit vier Köpfen und drei Göttinnen«,

Teil 238 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Der Dom zu Worms. Foto W-J.Langbein

Von der - wirklich empfehlenswerten - »Nibelungen-Jugendherberge« (1) erreicht man in wenigen Schritten das Restaurant »Domterrassen Worms«. Und dann sind es nur noch wenige Schritte bis zum Hauptportal des Doms. Das gewaltige Bauwerk birgt so manches Rätsel. Staunend steht man vor dem monumentalen Bauwerk. Es sieht so aus, als habe das sakrale Gebäude unzählige Jahrhunderte unbeschadet überstanden. 

 Der Eindruck aber täuscht. So waren es französische Truppen, die im sogenannten »Pfälzischen Erbfolgekrieg« (1688-1697) unter Führung des christlichen Grafen Mélac den Rhein-Neckar-Raum verwüsteten. Melác setzte rücksichtslos auf die Taktik der »verbrannten Erde«, ließ seine Truppen Worms, aber auch Heidelberg, Mannheim und Speyer so gründlich wie nur möglich zerstören. Kirchen wurden geplündert, in Brand gesteckt. Der Dom zu Worms sollte gesprengt werden, was aber nicht gelang. Dafür brannte er im Inneren fast völlig aus. Der Dom wurde wieder aufgebaut, im Rahmen der französischen Revolution aber wieder fanatischem Zerstörungswahn ausgesetzt. Um ihre antichristliche Haltung zu unterstreichen, nutzten die französischen Revolutionäre das Gotteshaus als Speicher und Pferdestall. Auch in vermeintlich zivilisierteren Zeiten ging es barbarisch zu. So wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts – vermutlich 1807 – der mysteriöse Bau der »Johannes-Kirche« direkt am Dom abgerissen. Kapellen, Kirchen und Klöster wurden zerstört, die Steine für den Häuserbau verwendet.

Und immer wieder wurde renoviert und restauriert. 1935 befand sich der Dom zu Worms in einem prächtigen Zustand, nach einem halben Jahrhundert aufwändiger Renovierung. 1945 allerdings wurden, der Krieg war längst entschieden, sinnlose Fliegerangriffe auf deutsche Städte durchgeführt. Ein Ziel war am 21. Februar 1945 auch der Dom zu Worms. Ein gewaltiger Stadtbrand wurde entfacht, das Domdach stand in Flammen, das Domarchiv wurde weitestgehend vernichtet. Für die angreifenden Flugzeuge bot sich der Dom als einfaches Ziel für Schießübungen, steht er doch auf der höchsten Erhebung des Stadtgebiets. Militärischen Sinn hatten diese Attacken wohl keine.

Noch ist der Blick unverstellt...

Besiedelt war der dank seiner hohen Lage vor Hochwassern des Rheins sichere Platz schon vor Jahrtausenden. Schließlich ließen sich die Kelten dort nieder, wo später der Dom errichtet werden sollte. Die Römer kannten noch die Bezeichnung der Kelten für jenen Ort, überlieferten ihn als »Borbetomagus«, woraus sich der Name »Worms« entwickelte. Rudolf Pörtner erklärt in seinem Weltbestseller » Mit dem Fahrstuhl in die Römerzeit« (2):

»Wo heute Worms liegt, entwickelte sich .. eine stadtähnliche Siedlung, bedeutsam wahrscheinlich als Marktort und befestigter Stammesmittelpunkt mit dem Sitz eines Fürsten. Sie hieß Borbetomagus, Stadt oder Ort der Borbet, der keltischen Sonnenfrau, die mit Embede und Wilbede, der Erd- und Mondfrau, eine vielgenannte mythologische Dreiheit bildete.«

Diese »mythologische Dreiheit« habe ich im Sommer 2014 besucht – ein »heidnisches« Denkmal im christlichen Dom zu Worms. Wann genau es entstanden ist, ist nicht bekannt. Ursprünglich, vielleicht noch im frühen 15. Jahrhundert – um 1430 – befand sich der »Dreijungfernstein« im Frauenkloster »St. Maria Magdalena«, im »Bergkloster« ganz in der Nähe des Doms.

Blick auf den Dom von den Dom-Terrassen aus.

Ich nähere mich dem Dom von Süden her, stehe vor dem Südportal. Unzählige steinerne Figuren in unterschiedlichen Größen umrahmen es. Die Jahrhunderte alten Kunstwerke werden durch dichte Netze vor zudringlichen Tauben geschützt, deren Hinterlassenschaft nicht nur beschmutzt, sondern auch ganz erhebliche Schäden verursacht. Ich muss an den »Heiligen Geist« denken, der nach christlicher Überlieferung in Gestalt einer Taube auftritt. In zahllosen christlichen Kunstwerken wird der »Heilige Geist« in christlichen Gotteshäusern auch als Taube dargestellt. Wer denkt da nicht an den einen oder anderen Skandal, der die katholische Kirche in unserer Zeit erschüttert? Ein wenig mehr »Heiliger Geist« hätte dem Exkirchenfürsten Tebartz van Elst in Limburg gewiss geholfen. Die Schutznetze sichern die uralte sakrale Kunst, machen aber wirklich gute Fotos unmöglich. Fotografiert man mit Blitz, kommen die Netze deutlicher zur Geltung als die sakrale Kunst. Ich habe unzählige Fotos gemacht, zu allen Tages- und Nachtzeiten. Ich hoffe, dass mir einige gelungen sind, die erkennen lassen, wie kunstreich geschmückt das Südportal ist!

Deutlich zu erkennen sind – vom Betrachter aus gesehen links (Foto kinks) – die vier Evangelisten, die dank der ihnen beigestellten Symbole auch deutlich zu identifizieren sind:

Markus mit seinem Löwen, Matthäus mit seinem Engel, Lukas mit seinem Stier und Johannes mit seinem Adler.

Auf der anderen Seite des Torbogens – vom Betrachter aus rechts – stehen vier Propheten des Alten Testaments, es könnte sich um Daniel, Jeremias, Jesaia und Hesekiel handeln. Die Inschriften auf ihren Namenstäfelchen sind leider verschwunden.

Hoch oben über dem Portal findet sich eine Darstellung, die meines Wissens nach in der christlichen Kunst weltweit einzigartig ist. Da reitet eine stolze Frau mit einer Krone auf dem Haupt auf einem eigenartigen Tier. Bei näherem Betrachten fällt auf, dass das mysteriöse Wesen vier Köpfe hat. Merkwürdig muten auch die Beine und Füße des Reittiers an. Eine solche Kreatur hat es niemals gegeben, ein solches Wesen existierte niemals aus Fleisch und Blut.

Gängige Interpretation: Die vier Köpfe – Engel/Mensch, Stier, Löwe, Adler – stehen für die vier biblischen Evangelisten  Matthäus, Lukas, Markus und Johannes.

Die vier Köpfe des Pferdes. Netz teilweise wegretuschiert.

Ich visiere das seltsame Reittier mit meiner Kamera – unter Verwendung eines 300-Millimeter-Teleobjektivs an. Es kommt mir so vor, als habe das mysteriöse Fabelwesen nicht vier, sondern fünf Beine. Der Kirchenführer »Der Dom zu Worms« (3) vermeldet: »Die Krönung des Portals ist eine in der Tat einzigartige Figur, denn es existieren offenbar keine ähnlichen Darstellungen. Eine Frau reitet auf einem Tier mit verschiedenen Köpfen und Füßen; die Köpfe und Füße beziehen sich auf die Symbole der Evangelisten, die Frauengestalt repräsentiert die Kirche.«

Während ich vor der Südseite des Doms auf und abgehe, immer wieder fotografiere, wächst auf dem Domvorplatz eine Menschengruppe an. Die Wormser, so hatte ich bislang den Eindruck, sind ein ruhiges, friedfertiges, fast ein wenig behäbiges Völkchen. Aber wehe, wenn man ihren Zorn erregt. Und die Wut der aufgebrachten Menschen scheint mir wirklich berechtigt zu sein! Soll doch direkt vor der Südseite des Wormser Doms ein »hohes Haus« errichtet werden, das den heute noch letzten freien Blick auf den Dom erheblich verstellen würde. Geradezu abstrus ist die Behauptung, durch den Neubau werde der letzte freie Blick auf den Dom nicht verstellt, vielmehr komme dadurch der Dom erst richtig zur Geltung. Einem solchen »Argument« kann ich nur mit Zynismus begegnen:

Warum reißt man nicht die Hälfte des Doms zu Worms ab? Auf diese Weise würde ein Bauplatz für ein Kaufhaus frei. Und der dann noch verbleibende Rest des Doms käme noch sehr viel besser zur Geltung! Der Verkauf der Bruchsteine könnte weltweit erfolgen und brächte ohne Zweifel schöne Einnahmen!

Offen gesagt: Mir ist unbegreiflich, wieso ausgerechnet die »Domgemeinde« selbst ihr »Gemeindehaus« direkt vor dem Dom hochziehen möchte. Es kommt mir wie der Kampf Davids gegen Goliath vor: Wormser Bürger kämpfen gegen… wen? Gegen die Kirche, die gegen den ausdrücklichen Wunsch vieler Wormser Kirchgänger direkt am Dom ein »Gemeindehaus« errichten möchte? Die Planung, so scheint es, ist schon weit fortgeschritten. Ist der Bau noch zu verhindern? Zu hoffen ist es! Mir drängt sich der Eindruck auf, dass man von oben ein Bauvorhaben so schnell wie möglich verwirklichen möchte, um die Gegner des Projekts vor vollendete Tatsachen zu stellen! Ich wünsche dem Verein »Freier Blick auf den Dom zu Worms Bürgerverein Dom-Umfeld e.V.« viel Erfolg (4).

Das Südportal. Foto: W-J.Langbein

Ich durchschreite das Südportal, halte mich links und betrete die »Nikolaus-Kapelle«. Sie wird von einem wuchtigen, von Löwen getragenen Taufstein dominiert. Er dürfte Ende des 15. Jahrhunderts entstanden sein und befand sich in der »Johannes-Kirche«, auch »Johannes-Kapelle«. Johannes der Täufer ist als Halbrelief in den Stein gemeißelt worden, sowie sieben Propheten des Alten Testaments. Im Halbdunkel erkenne ich den geheimnisvollen »Drei-Jungfrauen-Stein«, auch »Dreijungfernstein« genannt. Rudolf Pörtner hat sachlich auf den heidnisch-keltischen Hintergrund dieser Darstellung hingewiesen.

Der Tauftsein. Foto W-J.Langbein
Erstaunlich offen ist der Text im Führer »Der Dom zu Worms« (5): »Ihm (dem Taufstein) gegenüber an der Ostwand steht der sogenannte Drei-Jungfrauen-Stein… Der Inschrift nach handelt es sich um drei heilige Jungfrauen: Embede, Warbede und Willebede. Sie werden im ganzen Rheintal, aber auch im Hohenlohischen oder in Tirol verehrt. In Köln gelten sie als Gefährtinnen der Heiligen Ursula. Aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es sich bei ihnen ursprünglich um vorchristliche Gottheiten keltischen Ursprungs. Die Missionare versuchten häufig bei der Darstellung christlicher Normen und Werte auf bereits bertraute nichtchristliche Vorbilder zurückzugreifen, um sie der eingeborenen Bevölkerung umso plastischer begreiflich machen zu können. Möglicherweise wurden die drei Frauen auf diese Art zum Bestandteil der Verehrung durch die Bevölkerung.«

Der »Dreijungfernstein«. Foto Walter-Jörg Langbein

Vorsichtiger formuliert »Der Dom zu Worms/ Wegweiser und Deutung« (6): »Einzigartig ist der sogenannte Dreijungfrauenstein. .. Unter gotischer Architektur zeigt das Werk drei Jungfrauen mit Kronen, Palmen und Büchern, sowie oben und unten die Namen: Embede, Warbede, Willebede. Mancherlei Legenden umranken die Gestalten dieser drei Jungfrauen, über deren Herkunft und Bedeutung sich die Forschung nicht einig ist; vielleicht lassen sich die Ursprünge ihrer Verehrung in sehr frühe Zeiten zurückverfolgen.«

Erni Kutter lässt keinen Zweifel aufkommen (7): Die »drei Jungfrauen« gehen auf heidnische, sprich keltische Ursprünge zurück. Offensichtlich wurden sie in der Bevölkerung so verehrt, dass man ihren Kult trotz größter Anstrengung nicht verbieten konnte. Selbst Bischof Burchard, Erbauer des Doms zu Worms, gelang es nicht, die Anbetung und Verehrung der drei einstigen Göttinnen zu verhindern. Maßlos entsetzt wäre der Dombauer, würde er feststellen, dass in seinem Dom an zentraler Stelle die von ihm verteufelten »drei Jungfrauen« geehrt und geachtet, ja angebetet werden. Regelmäßig finden in ihrer Kapelle Gottesdienste statt.

Was für Bischof Burchard heidnisch war, umschreibt Erni Kutter anders (8). Demnach hat sich »in dieser Frauendreiheit … ein charakteristisches Merkmal aller frühen Göttinnen erhalten, nämlich ihre Jungfräulichkeit«.

Eine der drei Heiligen Jungfrauen... Willebede.


Alle Fotos: Walter-Jörg Langbein

Fußnoten

1) Nibelungen-Jugendherberge, Dechaneigasse 1, 
67547 Worms

2) Pörtner, Rudolf: »Mit dem Fahrstuhl in die 
Römerzeit/ Städte und Stätten deutscher Frühgeschichte«, Düsseldorf/ 
Wien o.J., S. 326 (13. Kapitel: »Stadt der Sonnenfrau« S. 324-343)

3) Englert, Siegfried: »Der Dom zu Worms«, Worms 1986, S. 35

4) http://www.kein-haus-am-dom.de/index.html

5) Englert, Siegfried: »Der Dom zu Worms«, Worms 1986, S. 32

6) Villinger, Carl J. H.: »Der Dom zu Worms/ Wegweiser und Deutung«, 
Worms 1981, S. 25

7) Kutter, Erni: »Der Kult der drei Jungfrauen«, München 1997

8) ebenda, S. 88 und 89


Die Jugendherberge direkt am Dom. Foto W-J.Langbein


 »Drei Heilige Frauen und eine Teufelin«,
Teil 239 der Serie

»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                        
erscheint am 17.08.2014




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