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Sonntag, 7. Mai 2017

381 »Gibt es im Dom von Limburg die Darstellung eines UFOs? Teil 1«

Teil  381 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                        
von Walter-Jörg Langbein


Ein mysteriöses Gemälde im Dom

- in Memoriam Rolf Streblow † -

Foto 1: Der Dom etwa 1918
Denkt man an Limburg, so kommt einem auch heute noch der Name Tebartz-van Elst in den Sinn. Franz-Peter Tebartz-van Elst, am 20. November 1959 als zweites von fünf Kindern einer Landwirtsfamilie geboren, wurde am 28. November 2007 von Papst Benedikt XVI. zum neuen Bischof zu Limburg ernannt. Im Herbst 2013 wurde er wegen extrem gestiegener Baukosten für das »Diözesane Zentrum Sankt Nikolaus« vor Ort im Bistum, aber auch bundesweit attackiert. Schon am 23. Oktober 2013 wurde der einst jüngste Bischof in Deutschland vom Papst von seinen Pflichten entbunden. Die Deutsche Bischofskonferenz kam bis März 2014 zum Schluss, dass van Elst für die Kostenexplosion des umstrittenen Bauvorhabens auf über 30 Millionen Euro mitverantwortlich sei. Am 26. März 2014 akzeptierte Papst Franziskus van Elsts Rücktritt vom Bischofsamt. Seit Dezember 2014 ist van Elst als »Apostolischer Delegat im Päpstlichen Rat« tätig.

Am 27. Juli 1964 kam ein 1000-DM-Schein in Umlauf. Die Rückseite zierte eine Darstellung des Doms zu Limburg. Auf der Vorderseite zeigte er ein Männerporträt nach einem Gemälde von Lucas Cranach d.Ä., das entweder den Magdeburger Domherrn Johannes Scheyring oder den Mathematiker und Astronom Johannes Schöner darstellt. Die Sehnsucht nach Rückkehr zur »guten alten DM« wächst. Sollte es je zur Wiedereinführung der DM kommen, könnte man den 1000-DM-Schein neu gestalten und den einstigen Bischof von Limburg van Elst ehren.

Foto 2: Der Dom auf dem 1000-DM-Schein

Reisen wir gemeinsam in die Vergangenheit. Am Ende unserer Exkursion wird die Frage stehen: Gibt es im Dom von Limburg die Darstellung eines UFOs?

Der Weg wird streckenweise ein wenig steinig werden, sprich nicht ohne das Latein der Vulgata-Bibel auskommen.

Im frühen 9. Jahrhundert soll Erzbischof Hetti von Trier (814-847) in Lympurgensis, also Limburg, eine Georgskirche geweiht haben. Die Existenz dieses Gotteshauses freilich ist umstritten, wird doch der Akt der Weihe im 16. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. Reste eines Vorgängerbaus – wie Mauerwerk – jedenfalls wurden bei Ausgrabungen nicht gefunden. Allerdings lassen sich unter der heutigen Kirche Bestattungen nachweisen, die auf das 9. Jahrhundert datiert werden. Archäologen entdeckten sie unter dem Dom zu Limburg im Umfeld der Michaeliskapelle.

Fotos 3 und 4: Mann mit Bart oder Bischof?
Das kleine sakrale Bauwerk wurde etwa 1260 errichtet, also einige Jahrzehnte nach Vollendung des Doms. 1359 wurde die Michaelis Kapelle als »Beinhaus« bezeichnet, 1366 als »neue Kapelle über dem Beinhaus«.

Noch im 19. Jahrhundert diente sie als »Beinhaus«. Anno 1857 stellte man das Obergeschoss der Kapelle dem Totengräber als Wohnung zur Verfügung.

Zurück zum Dom, zurück ins 10. Jahrhundert: Am 10. Februar 910 stellte König Ludwig das Kind, anno 900 als Sechsjähriger in Forchheim zum König des Ostrfrankenreiches gekrönt, eine Schenkungsurkunde aus. Alsbald wurde mit dem Bau einer Stiftskirche begonnen. Anno 940 war das dreischiffige Gotteshaus vollendet.

Unklar ist, warum der altehrwürdige Bau durch den heutigen Dom ersetzt wurde. Es liegen auch keine Dokumente vor, denen das Jahr, geschweige denn der Tag der Grundsteinlegung entnommen werden könnte. Nach wissenschaftlicher Einschätzung wurde Ende des 12. Jahrhunderts mit dem Bau begonnen. Als gesichert gilt das Jahr der Kirchweihe durch den Trierer Erzbischof Theoderich von Wied. Kirchenpatrone waren, auch daran gibt es keinen Zweifel, der legendäre Drachentöter St. Georg und Nikolaus von Myra.

Foto 5: Der Dom um 1899
Leider wurde bei der »Restaurierung« des Doms anno 1872 und 1873 der bis dahin erhaltene Außenputz der Originalbemalung entfernt. 1968 bis 1972 versuchte man den Außenputz zu rekonstruieren. Spärliche Reste der Außenfarbfassung dienten als Orientierungshilfe.

Der Dom zu Limburg thront wie ein verwunschenes Schloss oder eine wehrhafte Ritterburg, eine echte Veste, über der Altstadt von Limburg. Kenner preisen das monumentale Bauwerk auf dem Kalkfelsen als eines der schönsten Beispiele spätromanischer Baukunst mit Elementen der frühen Gotik (1).

Betreten wir nun den Georgsdom zu Limburg durch den Haupteingang. Zielstrebig durchschreiten wir das Gotteshaus Richtung Altar und wenden uns der Westwand des Nordquerhauses zu. Wir stehen vor einem beeindruckenden Gemälde, das uns so viel erzählen kann, das aber auch Geheimnisvolles zu bieten hat. Zeigt es vielleicht gar –  im Dom zu Limburg! –  die Darstellung eines »UFOs«?

Nach Willy Wyres (2) wurde es im 17. Jahrhundert restauriert, womöglich von »Übermalungen« befreit. Finanziert haben die Wiederherstellung des Gemäldes Johann Zanger und Anna Kalchoffen anlässlich der Hochzeit von Anna Maria Kalchhoffen, Nichte von Johann Zanger. Am 5. Mai 1638 wurde das fromme Werk vollendet, wie es eine Inschrift in lateinischer Sprache verrät (4).

Foto 6: Der Dom, etwa 1917
Konzentrieren wir uns auf die komplexe und durchaus mysteriöse Malerei. Das »Wurzel-Jesse-Fenster« aus der Zeit um 1226/30 verdient gründliche Beachtung und Recherche (3). Was stellt die durch die zahlreichen Personen fast etwas verwirrende Malerei an der Wand im Gotteshaus dar? Roman Nickel hat sich im Auftrag des Diözesanmuseums Limburg intensiv mit dem gehaltvollen Gemälde beschäftigt und mit geradezu detektivischem Spürsinn manche Frage beantworten können.

Er schreibt (4):

»Die Wurzel Jesse ist eine weitverbreitete Darstellung des Stammbaumes Jesu, angefangen bei Jesse, dem Vater von König David. Besonders im Mittelalter wurde dieses Symbol verwendet, um die familiäre Beziehung von Jesus zu dem Hause Davids darzustellen. Es dient in erster Linie dazu, die alttestamentarischen Prophezeiungen um den Messias in Jesus von Nazaret erfüllt zu sehen. Die Vorstellung der Wurzel Jesse schlägt sich aber nicht nur in bildlicher Kunst nieder, sondern auch musikalisch. Das berühmte Weihnachtslied aus dem 16. Jahrhundert ›Es ist ein Ros‘ entsprungen aus einer Wurzel zart, wie uns die Alten sungen, von Jesse kam die Art.‹ Das Bild zeigt die wichtigsten und bedeutendsten Vertreter aus dem Hause Davids, allerdings nur in männlicher Erblinie.«

Im Zentrum des Gemäldes rankt sich der sprichwörtliche »Stammbaum«, von Jesse (sitzend) nach oben. Bevor wir uns an eine Interpretation des Gemäldes »Stammbaum Jesu« wagen, wollen wir überlegen, für wen denn das komplexe Bildnis gedacht war. Gewöhnlich gelten des Lesens Unkundige als die Adressaten von bildhaften Darstellungen in Gotteshäusern. Und in der Tat schmückten einst herrliche Wandmalereien viele Kapellen und Kirchen. So erzählten Wandmalereien in der Wehrkirche von Urschalling am Chiemsee (5) zum Beispiel vom Verrat Jesu durch Judas, von Jesu Kreuzigung und von seiner Himmelfahrt. Diese lang unter Putz verborgenen Kunstwerke kamen ohne Worte aus. In zahlreichen Kirchen schlummern noch heute Wandmalereien seit Jahrhunderten unter unansehnlichem Putz. Es fehlen freilich die finanziellen Mittel, um sie freizulegen.

Foto 7: Der Dom, etwa 1935

Das Bildnis »Wurzel Jesse« wendet sich an Menschen, die nicht nur des Lesens kundig, sondern die auch des Lateinischen mächtig waren. Diverse »Spruchbänder« in lateinischer Sprache erklären, was – genauer gesagt wer –  im Bild dargestellt wird. Jesse alias Isai (Person 1).  sitzt zentral unter dem »Stamm-Baum«. Die Personen rechts und links von Jesse sind nicht als historische oder biblische Personen gekennzeichnet. Links neben Jesse machen wir eine Person in Blau aus (Person 2). Auf dem vom Kopf der unbekannten Person nach oben angebrachten Schriftband entziffern wir die Worte: »Egredietur virga de radice Jesse. Is:11«.

Foto 8: »Wurzel Jesse«. Foto E. und R. Streblow

Im 4. Jahrhundert gab es offenbar bereits Übersetzungen der ursprünglich in griechischer Sprache verfassten Evangelien und anderer Texte des »Neuen Testaments« ins Lateinische. Im Jahre 382 nahm sich Hieronymus, enger Vertrauter des Papstes Damasus I., diese lateinischen Texte vor und überarbeitete sie. Dabei korrigierte er nicht in erster Linie sprachliche Fehler, sondern er zensierte. Auch die anderen Schriften des »Neuen Testaments« knöpfte sich Hieronymus vor und bearbeitete sie ebenfalls, offenbar weniger stark als die vier Evangelien. Im Jahre 384 verstarb Papst Damasus I., Hieronymus setzte seine begonnene Arbeit fort.

Die ursprünglich in hebräischer Sprache verfassten Bücher des »Alten Testaments« standen dem frommen Kirchenmann in altgriechischer Sprache zur Verfügung.

Nebenbei: Luthers Hebräischkenntnisse waren wohl recht bescheiden. Es ist anzunehmen, dass er die Texte des Alten Testaments aus dem Altgriechischen und/ oder Lateinischen ins Deutsche übersetzte.

Hieronymus übertrug den Psalter, Buch Hiob, Sprichwörter, Hohelied und die beiden Bücher der Chronik ins Lateinische. Schließlich wurde das Werk vollendet, so dass eine komplette Fassung von beiden Teilen der Bibel in lateinischer Sprache vorlag. Die lateinische Bibel – heute als »Vulgata« bekannt –  mag vom Erschaffer des Gemäldes »Wurzel Jesse« als Vorlage für die Schriftbänder gedient haben.

Fotos 9 und 10: Jesse und Co

Kehren wir zur Person in Blau (Person 2) zurück. Auf ihrem Sprachband steht »Egredietur virga de radice Jesse. Is:11«. Wir schlagen in der »Vulgata« nach und werden rasch fündig. Gleich Vers 1 von Kapitel 11 im »Buch Jesaja« lautet (6): »Et egredietur virga de radice Jesse, et flos de radice ejus ascendet.« Ein Teil dieses Verses findet sich – korrekt zitiert – im Schriftband wieder. Die Luther-Bibel – Ausgabe 2017 –  übersetzt wie folgt: »Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen.«

Dieser Bibelvers ist heute die wohl bekannteste Prophezeiung des Alten Testaments überhaupt. Keine zweite wird so häufig in Gottesdiensten unserer Tage zitiert. Sie wird dahingehend verstanden, dass der ersehnte Messias ein Nachkomme des Isai alias Jesse sein würde. Isai alias Jesse alias – hebräisch – Jischaj (zu Deutsch »Geschenk Gottes«) war der Vater von König David. Die Voraussetzung für das Messias-Amt schlechthin war, von David abzustammen.

Ob Jesus tatsächlich ein Nachkomme Davids war, mag dahingestellt bleiben. Vielleicht wurde ihm sein »Stammbaum« nur angedichtet.

Fußnoten
1) Metternich, Wolfgang: »Der Dom zu Limburg an der Lahn«, Darmstadt 1994
2) Weyres, Willy: »Der Georgsdom zu Limburg. Festschrift zur 
     Siebenhundertjahrfeier«, Limburg 1935, Seite 72
3) Grodecki, Louis: »Romanische Glasmalerei«, o.O., 1977, Abb. 195, 196.
4) Nickel, Roman: Manuskript ohne Titel, Archiv. Sabine Benecke vom 
     »Diözesanmuseums Limburg«, Abteilung »Kunst und Museen«,
     Limburg, hat mir dankenswerter Weise eine Kopie des Manuskripts zur
     Verfügung gestellt.
5) Siehe hierzu:
Aß, Karl J. et al: »Die Kirchen der Pfarrei Prien«, Schnell Kunstführer 49, 4.
     Auflage, Regensburg 1998.
von Bibra, Maria Feiin: »Wandmalereien in Oberbayern 1320–1570«,
     erschienen in »Miscellanea Bavarica Monacensia 25«, München 1970.
6) Vulgata

 
Foto 11: Das mysteriöse Gemälde

Ein Wort des Dankes
Eva und 
Rolf Streblow †
machten mich auf das geheimnisvolle Gemälde im Dom zu Limburg aufmerksam und stellten mir Fotos zur Verfügung! Dafür möchte ich mich bei ihnen recht herzlich bedanken!

Zu den Fotos 
Foto 1: Der Dom etwa 1918. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Der Dom auf dem 1000-DM-Schein. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Fotos 3 und 4: Mann mit Bart oder Bischof? Fotos Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Der Dom um 1899. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Der Dom, etwa 1917. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Der Dom, etwa 1935. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 8: »Wurzel Jesse«. Foto Eva und Rolf Streblow
Fotos 9 und 10: Jesse und Co. Fotos wikimedia commons crop SteveK crop Bennylin
Foto 11: Das mysteriöse Gemälde. Foto Eva und Rolf Streblow

382 » Gibt es im Dom von Limburg die Darstellung eines UFOs? Teil 2«,
»König David und der Heilige vom Gebirge Paran?«,
Teil  382 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein, erscheint am 14.05.2017



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Sonntag, 24. Juni 2012

127 »Die Göttin und kuriose Steine«

Das Geheimnis der Anden VI,
Teil 127 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Künstliche Inseln auf dem
Titicaca-See
Foto: W-J.Langbein
Einst lebte das Volk der Uros auf künstlichen Schilf-Inseln ... auf dem Titicaca-See. Sie seien keine Menschen, wie die übrige Erdbevölkerung ... behaupteten sie stolz. Ihre Urahnen hätten schwarzes Blut gehabt, seien aus dem Kosmos zur Erde gekommen. Die Uros waren ein friedfertiges Volk. Oder waren sie arrogant? Sie zogen sich zurück, flohen vor den Kriegern des Aymara-Stamms, später vor den Horden der spanischen Eroberer. Um 1960 soll der letzte echte Angehörige des Stammes gestorben sein. Heute gibt es keine echten Uros mehr, aber die künstlichen Schilf-Inseln auf dem Titicaca-See werden immer noch gebaut.

Die Sonneninsel im Titicaca-See galt beim Volk der Aymara als Fleckchen Erde von besonderer Bedeutung. Nach ihren heiligen Überlieferungen kam hier der erste Inka, der legendäre Manco Cápac aus himmlischen Gefilden über einen mächtigen Steinbrocken zur Erde. So manche Legende rankt sich um den See, der immerhin fünfzehn Mal so groß wie der Bodensee ist ... und 3810 Meter über Meeresniveau liegt. Der »aufgeklärte« Mensch hält natürlich nichts von solchen Ammenmärchen ... und lächelt über Geschichten von Bauten in den Tiefen des geheimnisvollen Sees. Wie sollte es auch von Menschen errichtetes Mauerwerk geben ... in bis zu 280 Metern Tiefe?

Rätselhaftes Erbe von Tiahuanaco
Foto: Ingeborg Diekmann
»Auf dem Grunde des Titicaca-Sees schlummern Ruinen aus uralten Zeiten!« - »Vor vielen Jahrtausenden gab es eine hochstehende Kultur im Raum Bolivien-Peru. Es kam zu einer gewaltigen Katastrophe ... die steinernen Bauten wurden überschwemmt ... und liegen heute auf dem Grund des Titicaca-Sees!« Solche Aussagen kursieren in Südamerika schon seit Jahrhunderten. 1986 machte sich der berühmte Unterwasserforscher Jacques Cousteau (1910-1997) auf, um dem Geheimnis unterseeischer Ruinen im wahrsten Sinne des Wortes auf den Grund zu gehen. Cousteau und sein Team konzentrierten sich auf die Umgebung der Eilande »Isla de Sol« (»Sonnen-«) und »Isla de Luna« (»Mond-Insel«). Sie fanden nichts. 1980 allerdings wurde der bekannte Forscher Hugo Boero Rojo, Experte für präkolumbische Kulturen, fündig. Unweit von Puerto Acosta, einem Dörfchen am nordöstlichen Ufer des Sees gelegen, entdeckte er Ruinen auf dem Meeresgrund! Und am 23. August 2000 vermeldete der renommierte Nachrichtensender »BBC«: »Antiker Tempel auf dem Grund des Titicaca-Sees entdeckt«. Taucher machten sensationelle Entdeckungen: eine künstlich angelegte Terrasse, eine 800 Meter lange Mauer und eine Straße ... auf dem Grund des Titicaca-Sees. Als die Taucher der Straße folgten, stießen sie auf die Ruinen eines uralten Tempels!

Geheimnisvoller Stein, präzise
bearbeitet - Foto: W-J.Langbein
Die sensationellen Entdeckungen bestätigten den Gelehrten Prof. Dr. Arthur Posnansky (1873-1946). Posnansky vertrat die These von immer wieder auftretenden gewaltigen Kataklysmen, die in periodischen Abständen zu verheerenden Fluten führten. Wenn nun bewiesen ist, dass auf dem Grund des Titicaca-Sees uralte Ruinen auf ihre Erforschung warten ... so bedeutet dies doch, dass Straßen, Mauern und Tempel in grauer Vorzeit ... in einer »Sintflut« überschwemmt und vom Titicaca-See verschlungen wurden. Und genau so – folgt man Gelehrten wie Arthur Posnansky und Edmund Kiss (1886-1960) erging es vor vielen Jahrtausenden der Stadt Tiahuanaco, 4.000 Meter über dem Meeresspiegel in den Hochanden!

Wenig, nur sehr wenig wissen wir über die Menschen von Tiahuanaco. Bekannt ist, dass sie einen unglaublich präzisen Kalender hatten: verewigt auf dem Sonnentor von Tiahuanaco ... und auf dem Rücken des riesigen »Idols von Tiahuanaco«. Dieser Kalender setzt ein gewaltiges Wissen in Astronomie und Mathematik voraus, höchste Präzision bei der Vermessung unseres Planeten ... und der Beobachtung von Sonne, Mond und Sternen!

Mehrfach habe ich die Ruinen von Tiahuanaco erkundet, immer hat mir die gewaltige Ruine sprichwörtlich den Atem geraubt. Für mich ist es – bei aller Bewunderung für die Baumeister von Tiahuanaco – von eher geringer Bedeutung, wie hart der Stein war, den sie bearbeiteten und gravierten. Was mich staunen lässt, das ist die unglaubliche Präzision, mit der Tausende und Abertausende von Gravuren in Stein geritzt wurden! Im Ruinenfeld von Tiahuanaco wurden Steine aus uralten Zeiten dem verbackenen Erdreich entrissen, deren Bedeutung wir nicht kennen: mysteriös-technisch muten die Gravuren an.

Das gezeichnete Buch des
großen Idols - Foto:
Hans Schindler-Bellamy
Gewiss: Auf den ersten Blick beeindrucken die steinernen Kolossalstatuen, die roboterhaft-stoisch dreinblicken. Wenn sie nur sprechen könnten ... Auf den zweiten Blick übersieht man womöglich immer noch das Geheimnis von Tiahuanaco. Man findet es nur, wenn man weiß, dass es existiert. Es ist so etwas wie eine Bibliothek in Stein. So manche Statue stellt so etwas dar wie einen Folianten. So manche Statue wurde mit unbekannten Werkzeugen mit unzähligen Bildnisse förmlich übersät. Sie wurden in den Stein graviert ... Hunderte, ja Tausende einzelne Elemente, die wiederum kaum überschaubare »Bildwände« ergeben, die der Fachmann wie ein Buch lesen kann.

Besonders mysteriös ist »das große Idol«, dessen vier Seiten über und über mit eingravierten Zeichnungen bedeckt sind. Die vier Seiten der Statue ergeben – man erkennt es erst in der Zeichnung – ein großes geritztes Bild mit unzähligen Details. Was will uns dieses »Bilderbuch« erzählen? Prof. Hans Schindler-Bellamy erkannte, dass auf der Rückseite des »großen Idols« der älteste Kalender der bekannten Menschheitsgeschichte eingraviert wurde. Ich frage mich: Wann werden die Erkenntnisse des Professors endlich anerkannt? Und wann werden seine wissenschaftlichen Recherchen fortgesetzt? Erst ein Bruchteil der bekannten Gravuren wurde übersetzt!

Die Kalender von Tiahuanaco zwingen uns eigentlich, das Bild von der Geschichte der Menschheit komplett umzuschreiben: was ihre Anfänge anbelangt. Vor Jahrtausenden muss es in Bolivien eine hochstehende Kultur gegeben haben, die über unvorstellbar präzise wissenschaftliche Erkenntnisse verfügte!

Mysteriöse Steine
von Tiahuanaco
Fotos: W-J.Langbein
Immer wieder stolpert man förmlich über mehr als mysteriöse Steine. Es gibt sie zu Hunderten. Sie sehen aus, als seien sie in einer Fabrik hergestellt worden. Und doch entstanden die Massenprodukte ... vor Jahrtausenden. Das eigentliche Geheimnis wird von Vielen zu Beginn des dritten Jahrtausends nicht gern gesehen!

Und doch gibt es einen mehr als deutlichen Hinweis auf ein uraltes Matriarchat im alten Reich von Tiahuanaco. Warum titulierte man die größte Statue, dies bislang in Tiahuanaco gefunden wurde, schlicht als »das große Idol«? Groß ist die Statue in der Tat ... gut 7,20 Meter. Doch während man bei den meisten Figuren nur Fantasienamen kennt, die den Statuen von den Spaniern verpasst wurden ... ist das beim großen Idol anders.

Das große Idol ... stellt eine weibliche Gottheit dar, Pachamama ... die Urgöttin, die Urmutter Südamerikas! Vergessen ist die Göttin schlechthin freilich nicht, auch wenn sie von christlichen Missionaren seit vielen Jahrhunderten bekämpft und durch die christliche »Göttin« Maria ersetzt werden soll. So fand am 21. Januar 2006 in Tiahuanaco eine höchst ungewöhnliche Zeremonie statt. Mehrere Tausend Menschen begrüßten den Sonnenaufgang und opferten Muttergöttin Pachamama! Die Feierlichkeiten fanden zum großen Verdruss der christlichen Geistlichkeit statt ... unter Beteiligung von Präsident Evo Morales!

Das Haupt der Göttin
Fotos: H.S.-Bellamy u. WJ.Langbein
Kehrt Pachamama in das offizielle Leben Boliviens zurück? Wenn ja: Wie lange mag es noch dauern, bis Pachamama wieder Anerkennung und Verehrung findet? Ihre Statue ist ja vor Jahren wieder nach Tiahuanaco zurückgekehrt. Und wer Augen hat zu sehen ... und auch sieht, der erkennt auch heute noch die Haarpracht der Göttin! Ihre langen Haare sind zu Zöpfen geflochten, die der Pachamama bis über die Schultern reichen.

Am 22. September 2011 hielt Papst Benedikt XVI. Eine Rede vor dem deutschen Bundestag. Der Papst führte aus, »dass irgend etwas in unserem Umgang mit der Natur nicht stimmt. Dass Materie nicht nur Material für unser Machen ist, sondern dass die Erde selbst ihre Würde in sich trägt und wir ihrer Weisung folgen müssen.« Ob dem »Heiligen Vater« dabei bewusst war, dass er einforderte, was für die Verehrer der Muttergöttin Pachamama selbstverständlich war?

Blick in die Unterwelt
Foto: W-J.Langbein
Die Ausbeutung der Erde wurde Jahrhunderte lang christlich legitimiert. Gebot doch der jüdisch-christliche Gott: »Macht euch die Erde untertan!« Pachamama ist »Mutter Erde«. Pachamama personifizierte Mutter Erde. Das Christentum versucht, Pachamama durch Maria zu ersetzen. Tatsächlich aber entspricht Pachamama eher Eva, von der die Bibel sagt, dass aus ihr alles Lebende hervorging. Pachamama wurde als allmächtige Göttin angebetet, die allen Kreaturen das Leben schenkt und sie – wie eine Mutter – nährt und erhält. Und sie verband – wie der Lebensbaum – Unter- und Oberwelt miteinander.

Die Unterwelt von Tiahuanaco ist bis heute weitestgehend unerforscht. Einst wurde die Kultanlage in den Anden von einer gewaltigen Pyramide bestimmt ... und darunter gab es unterirdische Räume ... die Unterwelt.

2008 wurde das Prinzip »Pachamama« in die neue Verfassung von Ecuador aufgenommen: Es geht um Schutz und Erhalt von »Mutter Erde« ... nicht um ihre Ausbeutung!

Puma Punku,
Das Geheimnis der Anden VII,
Teil 128 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 01.07.2012


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Dienstag, 23. November 2010

Mein Wort zum Dienstag

»Licht der Welt oder: Wankt das Kondomverbot für katholische Christen?«
.
Teil 1 der Serie von Walter-Jörg Langbein
- Autor des Buches Lexikon der biblischen Irrtümer -

Es war ein kleiner Schritt für die Menschheit in die richtige Richtung, aber ein Riesenschritt für den Papst. Papst Benedikt XVI. blieb aber weit davon entfernt, eine Freigabe von Kondomen zu verkünden. Tatsächlich rückte der Papst nur ein winziges Stück vom generellen Kondomverbot ab (1): »Es mag begründete Einzelfälle geben, etwa wenn ein Prostituierter ein Kondom verwendet, wo dies ein erster Schritt zur Moralisierung sein kann, ein erstes Stück Verantwortung, um wieder ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass nicht alles gestattet ist und man nicht alles tun kann, was man will.«

Es war ein kleiner Schritt für die Menschheit, die von der bösartigen Geißel AIDS gepeinigt wird und in furchteinflößendem Tempo anwächst. In einer Zeit, in der unzählige Menschen an AIDS sterben oder elendiglich verhungern muss ein Kondomverbot wie ein menschenverachtender Anachronismus wirken. Nun ist der Papst ein kleines Stück vom totalen Kondomverbot abgerückt... Das ist ein kleiner Schritt für die Menschheit in die richtige Richtung. Empfängnisverhütung hilft den Hunger, ausgelöst durch Überbevölkerung, mindern. Kondome dämmen die Ausbreitung von AIDS ein. Der Schritt war klein, aber es war ein überfälliger Schritt.

Für den Papst allerdings war es ein Riesenschritt. Insistierte doch die katholische Kirche bislang auf einem vollkommenen Verbot! Sieht doch die katholische Kirche »Fruchtbarkeit als Bestimmung des Menschen« an (2). Allerdings gilt das Gebot, sich zu paaren zwar für alle Tiere (3), aber nur für verheiratete Menschen (4): »Die eheliche Liebe wird von Gott gesegnet und dazu bestimmt, fruchtbar zu sein...›Gott segnete sie und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar, und vermehrt euch, bevölkert die Erde, unterwerft sie euch‹ (1. Buch Mose Kapitel 1, Vers 28).«

Mit anderen Worten: Nach dem Verständnis der katholischen Kirche befiehlt Gott allen Tieren, sich zu vermehren... und den Eheleuten. Wenn es aber der göttliche Auftrag für Ehepaare ist, Planet Erde mit Nachkömmlingen zu überschwemmen, dann stellt Empfängnisverhütung Ungehorsamkeit Gott gegenüber dar. Nun will es auch die katholische Kirche verheirateten Paaren nicht abverlangen, ein Kind nach dem anderen in die Welt zu setzen. Pausen zwischendurch sind statthaft. Allerdings dürfen die Eheleute keine Empfängnisverhütung betreiben, etwa Kondome einsetzen. Sie müssen sich dann in Enthaltsamkeit üben und allenfalls in den »unfruchtbaren Perioden der Frau« miteinander intim werden (5).

Einsatz von Verhütungsmitteln wie Kondomen wird vom »Katechismus der katholischen Kirche« scharf verurteilt. In der Sprache eines strengen Paragraphenreiters heißt es da (6): »Hingegen ist jede Handlung verwerflich, die entweder in Voraussicht oder während des Vollzuges des ehelichen Aktes oder im Anschluss an ihn beim Ablauf seiner natürlichen Auswirkungen darauf abstellt, die Fortpflanzung zu verhindern, sei es als Ziel, sei es als Mittel zum Ziel«. Kurz und schlecht: Nach Lehre der katholischen Kirche ist Empfängnisverhütung verwerflich, also strikt verboten... weil sie das göttliche Gebot der Vermehrung aushebelt.

In der Bibel findet sich kein Hinweis auf Empfängnisverhütung. Also wird eine biblische Geschichte von katholischer Geistlichkeit gern fehlinterpretiert. Wir finden sie im Ersten Buch Mose (7):

Ein Mann namens Juda gab seinem erstgeborenen Sohn Ger die Thamar zur Frau. Zu biblischen Zeiten bestimmten die Väter, wen die Sprösslinge zu ehelichen hatten. Dieser Ger war nun kein gottgefälliger Mensch. Weil er gegen göttliches Gebot verstieß, gegen welches bleibt unklar, ließ Gott ihn sterben. Damit wurde Thamar zur Witwe. Jetzt befahl Juda seinem Zweiältesten, nämlich Onan, mit Thamar Kinder zu zeugen. Nachwuchs musste her nach dem Gebot »Seid fruchtbar und mehret euch!« Da Ger als Dahingeschiedener als Erzeuger nicht mehr in Frage kam, musste dessen Bruder Onan für ihn einspringen.

Onan musste seinem Vater gehorchen, wenn er nicht gesteinigt werden wollte. Diese Strafe war nämlich nach göttlichem Gebot (8) für ungehorsame Söhne vorgesehen. Onan hatte aber wohl ein weiteres göttliches Gesetz im Sinn (9): »Wenn jemand die Frau seines Bruders nimmt, so ist das eine abscheuliche Tat. Sie sollen ohne Kinder sein, denn er hat damit seinen Bruder geschändet.«

Wie sich Onan auch verhielt, er würde gegen ein mosaisches Gebot verstoßen. Was also sollte er tun? Er bracht den Geschlechtsverkehr kurz vor dem eigentlichen Zeugungsakt abrupt ab und zog sich so den Zorn Gottes zu (10). Gott tötete auch Onan (11). Dabei hatte doch Gott selbst verboten, dass »jemand die Frau seines Bruders nimmt«.Für so manchen Theologen ist das der Beweis dafür, dass Gott Empfängnisverhütung verbietet... und mit der Todesstrafe ahndet!

Und deshalb waren bislang auch Kondome ein absolutes NoNo für den Katholiken. Dieses absolute Verbot hat Papst Benedikt XVI. nun ein kleines Stück gelockert. Und das war, das muss der Verfasser anerkennen, für ein Oberhaupt der katholischen Kirche ein Riesenschritt... für die Menschheit aber nur ein sehr kleiner. Ernsthafte AIDS-Prophylaxe ist aber nur möglich, wenn das Kondomverbot ganz fällt: ganz und gar, grundsätzlich! Ernsthaft kann der Überbevölkerung nur begegnet werden, wenn das Verbot der Empfängnisverhütung, das für Katholiken nach wie vor gilt, ganz und gar fällt.

Es bleibt zu hoffen, dass dem kleinen Schritt für die Menschheit noch der eine oder der andere sehr viel größere folgt! Mit der Lockerung des Kondomverbots hat Papst Benedikt XVI. ein kleines Licht der Hoffnung entzündet ...

Fußnoten
1: Papst Benedikt im Interview mit Peter Seewald, zitiert in »BILD«, 23.11.2010, S. 11
2: »Katechismus der katholischen Kirche«, München 1993, S.776
3: 1. Buch Mose Kapitel 1, Vers 22
4: »Katechismus der katholischen Kirche«, München 1993, S. 432
5: ebenda, Seite 599, Artikel 2370
6: ebenda, Seite 599, Artikel 2370
7: Das 1. Buch Mose Kapitel 38, Verse 6-11
8: Das 5. Buch Mose Kapitel 21, Vers 18
9: Das 3. Buch Mose Kapitel 20, Vers 21
10: Das 1. Buch Mose Kapitel 38, Vers 9
11: Ebenda, Vers 10


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